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 Vom Juengsten Gericht html  353.89KB  Emanuel Swedenborg a.D. *1688 - 1772     

Vom Jüngsten Gericht

Offenbart durch Emanuel Swedenborg

Vom Jüngsten Gericht
und vom Zerstörten Babylonien

wonach alles, was in der Offenbarung vorausgesagt wurde, nun erfüllt ist;
so wie es gehört und gesehen wurde (vom Diener des Himmelsvaters in Jesus Christus)
.


    Inhalt

  1. Vorwort zum Nachdruck der Ausgabe von 1874
  2. Vom Jüngsten Gericht
    1. Unter dem Tag des Jüngsten Gerichts wird nicht der Untergang der Welt verstanden
    2. Die Fortpflanzung des Menschengeschlechts wird niemals aufhören
    3. Der Himmel und die Hölle sind aus dem menschlichen Geschlechte
    4. Alle Menschen, so viel ihrer von Anfang der Schöpfung an geboren worden und gestorben sind, befinden sich im Himmel oder in der Hölle.
    5. Das Jüngste Gericht wird da, wo alle beisammen sind, also in der geistigen Welt, und nicht auf Erden gehalten.
    6. Das Jüngste Gericht wird dann gehalten, wenn das Ende der Kirche ist; und das Ende der Kirche ist, wann kein Glaube mehr da ist, weil keine tätige Liebe mehr ist.
    7. Alles, was in der Offenbarung vorausgesagt worden, ist nun erfüllt.
    8. Das Jüngste Gericht ist bereits gehalten.
    9. Über Babylonien und seine Zerstörung.
    10. Über den früheren Himmel und seine Zerstörung.
    11. Über den nachherigen Zustand der Welt und der Kirche.
  3. Fortsetzung vom Jüngsten Gericht
    1. Das Jüngste Gericht ist schon gehalten.
    2. Über den Zustand der Welt und der Kirche vor und nach dem Jüngsten Gericht.
    3. Das letzte Gericht über die Protestanten.
  4. Fortsetzung von der geistigen Welt
    1. Die Engländer in der geistigen Welt.
    2. Die Holländer in der geistigen Welt.
    3. Die Päpstlichen in der geistigen Welt.
    4. Die Heiligen der Päpstlichen in der geistigen Welt.
    5. Die Mohammedaner in der geistigen Welt; und von Mohammed.
    6. Die Afrikaner und die Heiden in der geistigen Welt.
    7. Die Juden in der geistigen Welt.
    8. Die Quäcker in der geistigen Welt.
    9. Die Mährischen Brüder in der geistigen Welt.
  5. Wer war Emanuel Swedenborg?
  6. Einige der wichtigsten religiösen Lehren Swedenborgs

Aus der lateinischen Urschrift übersetzt. Titel der Urschrift:

ULTIMO JUDICIO

Babylonia Destructa:

Quod omnia, quae in Apocalypsi praedicta sunt,

Ex Auditis & Visis

LONDINI MDCCLVIII



Vorwort zum Nachdruck der Ausgabe von 1874

Emanuel Swedenborg (1688-1772) hat ein geradezu gigantisches literarisches Werk hinterlassen, zumeist in Gestalt der damals üblichen dickleibigen Folianten oder Quartbände, die uns heute mehr Scheu als Neugier erwecken. Der Swedenborg-Verlag, der es als seine Aufgabe betrachtet, wenigstens die wichtigsten Teile davon dem heutigen Leser zu vermitteln, sieht sich daher vor ein schwer lösbares Problem gestellt.

Berechnet auf das in unseren Tagen übliche Durchschnittsformat derartiger Publikationen, umfaßt dieses Werk nicht weniger als etwa 35'000 Seiten, davon mehr als 20'000 theologischen, der Rest naturwissenschaftlichen und philosophischen Inhalts. Einige Beispiele gehen einen deutlicheren Begriff: Swedenborgs physikalisches Hauptwerk „Principia Rerum Naturalium“, das den 1. Band seiner ‚Opera Philosophica et Mineralia’ darstellt (Dresden 1734, in 3 Bänden mit zusammen 1372 Seiten), hat im Original 453 Seiten, in der englischen Übersetzung nahezu das Doppelte; sein wichtigster Bibel-Kommentar, die im Zustand hoher Erleuchtung verfaßten „Arcana Coelestia“ (London 1747-58, 8 Quartbände), umfaßt im Original 4557, in der deutschen Übersetzung über 9500 Seiten; und sein dogmatisches Hauptwerk schließlich, die „Vera Christiana Religio“ (Amsterdam 1771), im Original 541, in der neuen deutschen Übersetzung mehr als 1100 Seiten.

Abgesehen aber von der großen Zahl und vom Umfang der Werke Swedenborgs ist es vor allem die Tatsache, daß sich dafür unter den heutigen Umständen nur eine beschränkte Abnehmerzahl finden läßt, was dem Verleger zu schaffen macht. Das gilt namentlich für das deutsche Sprachgebiet, wo Swedenborg sehr zum Schaden der so notwendigen Erneuerung des gesamten geistigen Lebens noch immer weithin als ein bloßer "Geisterseher und Phantast" gilt, obwohl man es besser wissen könnte. Es fehlt an den erforderlichen gewaltigen Mitteln, um durch ein große Aufklärungskampagne für Abhilfe zu sorgen. In den angelsächsischen Ländern, wo das Vorurteil gegenüber Swedenborg niemals so stark war und unter dem Einfluß hervorragender und mutiger Persönlichkeiten – erwähnt seien nur Emerson, Carlyle und Helen Keller – fast gänzlich überwunden scheint, erreicht der Umsatz mancher Werke Swedenborgs ansehnliche Ziffern. Dadurch werden nicht nur laufend neue Auflagen, sondern auch immer neue, der Sprachentwicklung entsprechende englische Übertragungen ermöglicht. Da diese Voraussetzungen im deutschen Sprachgebiet einstweilen fehlen, kommen die längst fälligen neuen deutschen Übersetzungen nur langsam voran.

Zwar sind in den letzten Jahren verschieden derartige Übersetzungen gedruckt worden, aber nur unter größten Opfern und in viel zu geringer Zahl; gleichzeitig aber sind zahlreiche Ausgaben in der alten Tafel’schen Übertragung (aus der Zeit zwischen 1820 und 1860) vollständig ausverkauft worden, so daß sie nur noch in Bibliotheken und Antiquariaten zu finden sind. Angesichts dieser Lager hat sich das Kuratorium des Swedenborg-Verlages entschlossen, das Werk der Herausgabe neuer Übertragungen durch den Nachdruck einer Reihe von alten, dem für Swedenborgs Anliegen aufgeschlossenen Leser noch immer dienlichen wortgetreuen Übersetzungen zu ergänzen.

Die Schrift über das jüngste Gericht ist das Ergebnis einzigartiger Erkenntnisse und Erfahrungen ihres Autors. Ähnlich wie der Seher Johannes weiß er sich als Augenzeuge jener vom Herrn vorhergesagten umwälzenden Ereignisse. Im Unterschied zu Johannes aber erlebt er sie nicht als etwas, das sich erst in der fernen Zukunft ereignen soll, sondern als etwas Gegenwärtiges: Während man hier auf Erden das Jahr 1757 schreibt, vollzieht es sich unter seinen Augen. Seine irdischen Zeitgenossen freilich nahmen nichts davon wahr, ebenso wenig wie die Jünger des Herrn etwas von jenem anderen großen Gericht wahrnahmen, das sich nach den Worten des Meisters zu ihrer Zeit abspielte: „Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt, jetzt wird der Fürst dieser Welt – nämlich die diese Welt beherrschende höllische Macht – hinausgestoßen werden“ (Joh.12,31). Die großen, jeweils eine ganze Periode eröffnenden göttlichen Gerichte finden in der geistigen, nicht, wie man aufgrund buchstäblicher Auslegung der entsprechenden Bibelstellen meist noch immer meint, in der natürlichen Welt statt. Hier auf Erden, wo ja auch nur die geringste Zahl der zu Richtenden lebt, werden nur – und zwar in wachsendem Maße – die Auswirkungen spürbar.

Wer aber wollte heute noch leugnen, daß die Menschheit seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in eine ganz neue Entwicklungsphase eingetreten ist? Als wichtigstes Kennzeichen des neuen Menschheits-Zeitalters darf nach Swedenborgs prophetischen Worten (vergl. Nr. 73) die geistige Freiheit gelten, die im Gefolge des von ihm geschauten Jüngsten Gerichts immer vollkommener wiederhergestellt werden wird. Schon dies allein zeigt die Aktualität der Schrift, die hier in der alten Tafel'schen Übertragung wieder vorgelegt wird.

Dr. Friedemann Horn



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Vom Jüngsten Gericht

Unter dem Tag des Jüngsten Gerichts wird nicht der Untergang der Welt verstanden.

*1. Wer den geistigen Sinn des Wortes nicht kannte, wußte nicht anders, als daß am Tage des Jüngsten Gerichts alles, was in der Welt vor dem Auge erscheint, untergehen werde; denn es heißt, daß dann der Himmel mit der Erde vergehen, und Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen werde. In dieser Meinung hat man sich auch dadurch bestärkt, daß es heißt, daß dann alle aus den Gräbern aufstehen werden, und die Guten von den Bösen geschieden werden sollen, und so weiter. Allein es heißt so im buchstäblichen Sinne des Wortes, weil der buchstäbliche Sinn des Wortes natürlich und im Untersten der göttlichen Ordnung ist, wo alles und jedes einen geistigen Sinn in sich schließt, der kann bald auf diese, bald auf jene Meinungen geführt werden, wie es denn auch wirklich in der christlichen Welt geschehen ist, wo so viele Ketzereien daraus entstanden sind, und jede aus dem Worte bewiesen wird. Da aber bisher Niemand gewußt hat, daß alles und jedes im Worte einen geistigen Sinn in sich schließt, so ist, wer jene Meinung von Jüngsten Gericht gefaßt hat, zu entschuldigen; nur soll er jetzt wissen, daß nicht der mit den Augen wahrnehmbare Himmel, und nicht die bewohnbare Erde vergehen, sondern beide fortdauern werden; und daß unter dem neuen Himmel und der neuen Erde eine neue Kirche, sowohl in den Himmeln als auf Erden verstanden wird. Es heißt: eine neue Kirche in den Himmeln, weil auch in ihnen eine Kirche ist wie auf Erden; denn auch dort ist das Wort, und sind Predigten und ein Gottesdienst wie auf Erden, nur mit dem Unterschied, daß dort alles in vollkommenerem Zustand ist, weil man dort nicht in einer natürlichen, sondern in einer geistigen Welt ist; weswegen dort alle geistig und nicht natürliche Menschen sind, wie sie es in der Welt waren. Daß dem so sei, kann man sehen im Werke von Himmel und Hölle, wo besonders gehandelt worden ist von der Verbindung des Himmels mit dem Menschen durch das Wort, Nr. 303 bis 310, und vom Gottesdienst im Himmel, Nr. 221 bis 227.

*2. Die Stellen im Worte, in welchen vom Untergang des Himmels und der Erde die Rede ist, sind folgende: „So hebet auf gen Himmel eure Augen, und schauet an die Erde unten; denn die Himmel werden wie ein Rauch vergehen, es wird die Erde wie ein Kleid veralten.“ Jesias 51,6. „Sieh, ich erschaffe neue Himmel und eine neue Erde, nicht mehr wird der früheren erwähnet werden.“ Jes. 65,17. „Ich werde neue Himmel und eine neue Erde machen.“ Jes. 66,22. „Die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, und der Himmel entwich, wie ein Buch, daß zusammengerollt wird.“ Offenbarung, 6,13.14. „Ich sah einen großen Thron, und einen, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde und der Himmel floh, und ihre Stätte wurde nicht gefunden.“ Offenb. 20,11. „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, der erste Himmel und die erste Erde war vergangen.“ Offenb. 21,1. In diesen Stellen wird unter dem neuen Himmel nicht der unseren Augen wahrnehmbare Himmel, sondern der eigentliche Himmel verstanden, in dem das menschliche Geschlecht versammelt ist; denn aus dem ganzen menschlichen Geschlecht ist vom Anfang der christlichen Kirche an ein Himmel gebildet worden; allein diejenigen, die sich in demselben befanden, waren keine Engel, sondern Geister von verschiedener Religion; dieser Himmel wird unter dem ersten Himmel, der vergehen sollte, verstanden; wie es sich aber hiermit verhalte, soll in folgendem noch besonders gesagt werden: Hier wird desselben bloß erwähnt, damit man wisse, was unter dem ersten Himmel, der vergehen sollte, verstanden wird. Jeder, der nur mit einigermaßen erleuchteter Vernunft denkt, kann auch sehen, daß nicht der gestirnte Himmel, diese unermeßliche Feste der Schöpfung, gemeint ist, sondern der Himmel im geistigen Sinn, wo die Engel und Geister sind.

*3. Daß unter der neuen Erde eine neue Kirche auf Erden verstanden wird, war bisher unbekannt, weil jeder unter der Erde im Worte die Erde verstand, da doch unter ihr die Kirche verstanden wird; im natürlichen Sinne bedeutet Erde Erde, im geistigen Sinne aber bedeutet sie die Kirche. Die Ursache hiervon ist, daß diejenigen, welche im geistigen Sinne sind, wie die Engel, da, wo die Erde im Worte genannt wird, nicht die Erde selbst, sondern das Volk, das auf ihr ist, und seinen Gottesdienst verstehen. Daher kommt es, daß durch Erde die Kirche bezeichnet wird. Daß dem so sei, kann man in den Himmlischen Geheimnissen unten (a) nachsehen. Ich will einigen Stellen aus dem Wort anführen, aus welchen man einigermaßen abnehmen kann, daß durch Erde die Kirche bezeichnet wird: „Die Schleusen in der Höhe sind geöffnet, der Erde Gründe sind erschüttert worden; zertrümmert ist die Erde ganz; die Erde bebet sehr; die Erde wanket wie ein Trunkener; sie schwanket wie eine Hütte; und schwer liegt auf ihr ihre Übertretung.“ Jes.24,18.19.20. „Ich will den Menschen seltner machen als das reine Gold; drum will den Himmel ich erzittern machen, und die Erde soll, am Tage da Jehovas Zorn entbrennt, von ihrer Stelle beben“. Jes.13,12.13. „Vor Ihm erbebet die Erde; Jes.13,12.13. „Vor ihm erbebet die Erde; es erzitterten die Himmel, finster wurde die Sonne und der Mond, die Sterne zogen ihren Glanz zurück.“ Joel 2,10. „Die Erde ist erschüttert und bewegt, der Berge Festen zitterten und bebten.“ Psalm 18,7.8., und in sehr vielen anderen Stellen.

*4. Ebenso wird durch Schaffen im geistigen Sinne des Wortes bezeichnet: bilden, wiederherstellen und wiedergebären; einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen bedeutet also: eine neue Kirche im Himmel und auf Erden herstellen, wie man aus folgenden Stellen sehen kann: „Du sendest deinen Geist, da werden sie geschaffen, und der Erde Angesicht erneuerst Du.“ Psalm 104,30. „So sprach Jehova, dein Schöpfer, Jakob! Dein Bildner, Israel! Denn Ich habe dich erlöse, und dich genannt mit deinem Namen; Mein bist du; Ich habe jeden, der nach Meinen Namen genannt ist, auch zu Meiner Herrlichkeit geschaffen, ihn gebildet und auch ihn gemacht.“ Jes.43,1.7., außer anderen Stellen. Daraus geht hervor, daß die neue Schöpfung des Menschen seine Umbildung ist, weil er dann ein Neuer wird, nämlich aus einem Natürlichen ein Geistiger; es folgt auch, daß das neue Geschöpf der umgebildete Mensch ist (b).

*5. Über den geistigen Sinn des Wortes sehe man nach im Werkchen vom Weißen Pferde, von dem in der Offenbarung die Rede ist.





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Aus den Himmlischen Geheimnissen

a) Daß unter der Erde im Worte das Reich des Herrn und die Kirche verstanden werde, Nr. 662, 1066, 1067, (f.) 1262, 1413, 1607, 2928, 3355, 4447, 4535, 5577, 8011, 9325, 9643. Besonders deswegen, weil unter der Erde das Land Canaan (73) verstanden wird, und hier von den ältesten Zeiten her die Kirche war; woher auch kommt, daß der Himmel das himmlische Canaan genannt wird, Nr. 567, 3686, 4447, 4454, 4516, 4517, 5136, 6516, 9325, 9327. Dann auch, weil im geistigen Sinne unter Land auch das Volk, das darin ist, und sein Gottesdienst verstanden wird, Nr. 1262. Daß daher die Erde Verschiedenes bezeichne, daß zur Kirche gehört, Nr. 620, 636, 1067, (f.) 2571, 3368, 3379, 3404, 8732. Daß das Volk der Erde diejenigen seien, welche zur geistigen Kirche gehören, Nr. 2928. Daß das Erdbeben eine Veränderung des Zustandes der Kirche sei, Nr. 3355. Daß der neue Himmel und die neue Erde die Kirche bezeichne, Nr. 1733, 1850, 2117, 2118, 3355, 4535, 10373.

Daß die Älteste Kirche, welche vor der Sündflut, und die Alte Kirche, welche nach der Sündflut war, sich im Lande Canaan befanden, Nr. 567, 3686, 4447, 4454, 4516, 4517, 5136, 6516, 9327. Daß alsdann alle Örter daselbst Sinnbilder solcher Dinge geworden seien, welche im Reich des Herrn und in der Kirche sind, Nr. 1585, 3686, 4447, 5136. Daß daher dem Abraham befohlen wurde, dahin zu gehen, weil bei seinen Nachkommen von Jakob die vorbildliche Kirche errichtet, und das Wort geschrieben werden, und dessen letzter Sinn aus Vorbildern und Zeichen bestehen sollte, welche daselbst sich verstanden, Nr. 3686, 4447, 5136, 6516. Daher kommt es, daß durch die Erde und durch das Land Canaan die Kirche bezeichnet wird, Nr. 3038, 3481, 3705, 4447, 4517, 5757, 10658.

b) Daß das Schaffen bedeute: von neuem schaffen oder umbilden und wiedergebären, Nr. 16, 88, 10373, 10634. Daß einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen bedeute: eine neue Kirche herstellen, 10373. Daß unter der Schöpfung des Himmels und der Erde in den ersten Kapiteln des 1. Buchs Moses im innern Sinne die Herstellung der himmlischen Kirche, welche die älteste Kirche war, beschrieben werde, Nr. 8891, 9942, 10545.



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Die Fortpflanzung des Menschengeschlechts wird niemals aufhören.

*6. Diejenigen, welche in Ansehung des jüngsten Gerichts den Glauben angenommen haben, daß dann alles, was im Himmel und auf Erden ist, vergehen, und an deren Stelle ein neuer Himmel und eine neue Erde entstehen werden, die glauben auch, was aus dem Zusammenhang folgt, daß die Zeugungen und Fortpflanzungen des menschlichen Geschlechts hernach aufhören werden; denn in einem anderen Zustande befinden werden, als zuvor; allein, da, wie in dem vorhergehenden Abschnitte gezeigt worden ist, unter dem Tag des Jüngsten Gerichts nicht der Untergang der Welt verstanden worden ist, so folgt, daß auch das menschliche Geschlecht fortdauern wird, und die Zeugungen nicht aufhören werden.

*7. Daß die Zeugungen des menschlichen Geschlechts in Ewigkeit fortdauern werden, kann aus mehrerem erhellen, was zum Teil im Werke vom Himmel gezeigt worden ist, besonders aus Folgendem:

  1. Daß das menschliche Geschlecht die Grundlage ist, auf welche der Himmel gegründet wird.

  2. Daß das menschliche Geschlecht eine Pflanzschule des Himmels ist.

  3. Daß die Ausdehnung des Himmels, welcher für die Engel ist, so unermeßlich ist, daß sie in Ewigkeit nicht ausgefüllt werden kann.

  4. Daß es verhältnismäßig Wenige sind, aus welchen bis jetzt der Himmel besteht.

  5. Daß die Vollkommenheit des Himmels mit der Menge wächst.

  6. Und daß jedes göttliche Werk zum Unendlichen und Ewigen anstrebt.

*9. 1) Daß das menschliche Geschlecht die Grundlage ist, auf welche der Himmel gegründet wird, kommt daher, daß der Mensch zuletzt erschaffen worden ist, und was zuletzt erschaffen ist, das ist die Grundlage alles dessen, was vorausgeht. Die Schöpfung fing, weil sie vom Göttlichen ausging, vom Obersten oder Innersten an, und stieg bis zum Letzten oder Äußersten herab, und hatte dann erst Bestand. Das Letzte der Schöpfung ist die natürliche Welt, und in dieser der Erdkörper mit allem was auf ihm ist. Als dies vollendet war, ward der Mensch erschaffen, und in ihm alles vereinigt, was zur göttlichen Ordnung gehört, vom Ersten bis zum Letzten. In sein Innerstes wurde aufgenommen, was im Ersten jener Ordnung ist, in sein Letztes, was im Letzten derselben ist, so daß der Mensch die göttliche Ordnung im Bilde (in forma) ist. Daher kommt es, daß alles, was im Menschen und bei dem Menschen ist, sowohl aus dem Himmel als aus der Welt ist, aus dem Himmel das, was zu seinem Gemüt, und aus der Welt, was zu seinem Körper gehört; denn das, was zum Himmel gehört, fließt in feine Gedanken und Neigungen ein, und stellt dieselben dar, wie sie von seinem Geiste aufgenommen werden, und das, was zur Welt gehört, fließt in feine Empfindungen und Vergnügen ein, und stellt sie so dar, wie sie in seinem Körper aufgenommen werden, jedoch angemessen dem Übereinstimmenden in den Gedanken und Neigungen seines Geistes. Daß es so sei, sehe man in mehreren Abschnitten, in welchen vom Himmel und von der Hölle gehandelt worden ist, besonders in folgenden: Daß der ganze Himmel in Einem Inbegriffe Einen Menschen vorstelle, Nr. 59 bis 67. Ebenso jede Gesellschaft im Himmel, Nr. 68 bis 72. Daß daher jeder Engel eine vollkommen menschliche Gestalt habe, Nr. 73 bis 77. Und das dies vom Göttlich-Menschlichen des Herrn bekomme, Nr. 78 bis 86. Überdies auch im Abschnitte von der Entsprechung alles dessen, was im Himmel ist, mit allem, was im Menschen ist, Nr. 87 bis 102. Von der Entsprechung des Himmels, mit allem, was zur Erde gehört, Nr. 103 bis 115. Und von der Gestalt des Himmels, Nr. 200 bis 212. Aus dieser Ordnung der Schöpfung kann man sehen, daß vom Ersten bis zum Letzten ein solcher stetiger Zusammenhang stattfindet, daß sie zusammengenommen ein Ganzes bildet, in dem das Frühere vom Spätern eben so wenig getrennt werden kann, als die Ursache von ihrer Wirkung. Ebenso die geistige Welt nicht von der natürlichen, und diese nicht von jener, folglich der Engels-Himmel nicht vom menschlichen Geschlecht, und das menschliche Geschlecht nicht vom Engels-Himmel. Es ist deswegen vom Herrn dafür gesorgt, daß das eine dem anderen wechselseitige Dienste leistet, nämlich der Engels-Himmel dem menschlichen Geschlecht, und das menschliche Geschlecht dem Engels-Himmel. Daher kommt es, daß die Wohnungen der Engel zwar im Himmel, dem Anschein nach von den Wohnungen der Menschen getrennt, gleichwohl aber beim Menschen in seinen Neigungen zum Guten und Wahren sind. Daß sie dem Gesicht sich als getrennt darstellen, kommt vom äußeren Schein, wie aus dem Abschnitte im Werke über Himmel und Hölle erhellen kann, wo vom Raum im Himmel gehandelt worden ist, Nr. 191 bis 199. Daß die Wohnungen der Engel bei den Menschen in ihren Neigungen zum Guten und Wahren seien, wird unter folgenden Worten des Herrn verstanden: „Wer mich liebt, hält meine Rede, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen.“ Johannes 14,23. Unter dem Vater und dem Herrn wird hier auch der Himmel verstanden, denn wo der Herr ist, da ist der Himmel, weil das vom Herrn ausgehende Göttliche den Himmel ausmacht; man sehe im Werke vom Himmel und Hölle, Nr. 7 bis 12, und Nr. 116 bis 125. Und auch unter folgenden Worten des Herrn: „Der Paraklet, der Geist der Wahrheit, bleibt bei euch, und ist in euch.“ Joh. 14, 16. 17. Der Paraklet ist das von dem Herrn ausgehende göttliche Wahre, daher er auch der Geist der Wahrheit heißt; und das göttliche Wahre macht den Himmel aus, und auch die Engel, weil sie die Aufnehmenden sind. Daß das vom Herrn ausgehende Göttliche das Göttlich-Wahre sei, und daher der Engels-Himmel, sehe man im Werke vom Himmel und Hölle, Nr. 126 bis 140. Ähnliches wird auch unter folgenden Worten des Herrn verstanden: „Das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ Lucas 17,21. Das Reich Gottes ist das göttliche Gute und Wahre, in dem die Engel sind. Daß Engel und Geister beim Menschen, und zwar in seinen Neigungen sind, ist aus ihrer Gegenwart und ihrem Verweilen bei mir tausendmal zu sehen gestattet worden; allein die Engel und Geister wissen nicht, bei welchen Menschen sie sind, so wie auch die Menschen nicht wissen, mit welchen Engeln und Geistern sie zusammenwohnen; denn dies weiß und bestimmt nur der Herr: mit einem Wort, es findet eine Ausdehnung aller Neigungen zum Guten und Wahren in den Himmel, und eine Gemeinschaft und Verbindung mit denen statt, welche daselbst in ähnlichen Neigungen sind, und es findet eine Ausdehnung aller Neigungen zum Bösen und Falschen in die Hölle, und eine Gemeinschaft und Verbindung mit denen statt, die daselbst in ähnlichen Neigungen sind. Die Ausdehnung der Neigungen in die geistige Welt; die Gemeinschaft ist in beiden dieselbe, nur mit dem Unterschied, daß in der natürlichen Welt Gegenstände, in der geistigen aber Engels-Gesellschaften sind. Hieraus erhellt, daß zwischen den Engels-Himmeln und dem menschlichen Geschlecht ein solcher Zusammenhang stattfindet, daß das eine durch das andere besteht, und daß der Engels-Himmel ohne das menschliche Geschlecht wie ein Haus ohne Grund ist, weil der Himmel sich in dieses endigt, und auf ihm ruht. Es verhält sich hiemit, wie mit dem Menschen im Besondern. Das Geistige, das in seinem Denken und Wollen ist, fließt in das Natürliche, das in seinem Empfinden und Thun ist, ein, endigt sich darin, und besteht durch dasselbe; und wenn der Mensch nicht auch dieses Natürliche hätte, aber wenn ihm diese Grenze oder dieses Letzte fehlte, so würde das Geistige, das in den Gedanken und Neigungen seines Geistes ist, zerfließen wie das Unbegrenzte oder Grundlose. Ebenso verhält es sich mit dem Menschen, wenn er von der natürlichen in die geistige Welt übergeht, was mit seinem Tode geschieht. Dann steht er, weil er ein Geist ist, nicht mehr auf seiner eigenen Grundlage, sondern auf der gemeinschaftlichen, welche das menschliche Geschlecht ist. Wer die Geheimnisse des Himmels nicht weiß, kann glauben, daß die Engel ohne die Menschen, und die Menschen ohne die Engel bestehen; allein ich kann nach allen Erfahrungen, die ich über den Himmel gemacht, und nach allen Unterredungen, die ich mit den Engeln gehabt habe, versichern, daß kein Engel oder Geist ohne Menschen, und kein Mensch ohne Geister und Engel bestehen kann, und daß eine wechselseitige und gegenseitige Verbindung stattfindet. Hieraus kann man zuvörderst ersehen, daß das menschliche Geschlecht und der Engels-Himmel Eins ausmachen, und gegenseitig und wechselseitig durch einander bestehen, und daß also das eine vom anderen nicht weggenommen werden kann.



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*10. 2) Daß das menschliche Geschlecht die Pflanzschule des Himmels sei, wird aus dem folgenden Abschnitte erhellen, wo gezeigt werden soll, daß der Himmel und die Hölle aus dem menschlichen Geschlechte sind, das menschliche Geschlecht also eine Pflanzschule des Himmels ist. Vorläufig muß bemerkt werden, daß der Himmel, so wie er bisher, das ist von der ersten Schöpfung an, aus dem menschlichen Geschlechte gebildet worden ist, so auch fernerhin gebildet und erweitert werden muß. Es kann zwar geschehen, daß das menschliche Geschlecht auf einem Weltkörper zu Grunde geht, und dies geschieht, wenn es sich gänzlich vom Göttlichen trennt, weil dann der Mensch kein geistiges Leben mehr hat, sondern bloß ein natürliches, dergleichen die Tiere haben; und wenn der Mensch ein solcher ist, so kann seine Gesellschaft gebildet und durch Gesetze im Zaum gehalten werden, weil der Mensch ohne den Einfluß des Himmels, also ohne göttliche Leitung ein Rasender wäre, der sich, einer wider den andern, unaufhaltsam in alle Gottlosigkeiten stürzen würde. Allein wenn schon das menschliche Geschlecht wegen der Trennung vom Göttlichen auf einem Weltkörper zu Grunde ginge – und daß dies nicht geschehe dafür wird vom Herrn gesorgt – so würde es doch immerhin auf andern fortdauern; denn es sind im Weltall einige hunderttausend Weltkörper, wie man sehen kann im Werkchen von den Weltkörpern in unserer Sonnenwelt, welche Planeten heißen, und von den Weltkörpern im gestirnten Himmel. Es ist mir aus dem Himmel gesagt worden, daß das menschliche Geschlecht auf dieser Erde zu Grunde gegangen wäre, so daß jetzt kein einziger mehr übrig sein würde, wenn der Herr nicht in die Welt gekommen wäre, und auf dieser Erde das Menschliche angenommen, und es göttlich gemacht hätte; und wenn der Herr nicht auch gerade dieses Wort gegeben hätte, das dem Engels-Himmel zur Grundlage und zur Verbindung dient. Daß durch das Wort eine Verbindung des Himmels mit dem Menschen geschehe, kann man im Werke Himmel und Hölle sehen, Nr. 303 bis 310. Daß dem aber so sei, kann nur von denen begriffen werden, welche geistig denken, das ist, von denen, welche durch die Anerkennung des Göttlichen im Herrn mit dem Himmel verbunden sind; denn nur diese können geistig denken.

*11. 3) Daß die Ausdehnung des Himmels, welcher für die Engel bestimmt ist, so unermeßlich sei, daß sie in Ewigkeit nicht ausgefüllt werden kann, erhellt aus dem, was im Werke Himmel und Hölle, und in diesem im Abschnitte von der Unermeßlichkeit des Himmels Nr. 415 bis 420 gesagt worden ist;

4) Daß es verhältnismäßig wenige seien, aus welchen bis jetzt der Himmel besteht, im Werkchen von den Weltkörpern im Weltall, Nr. 126.

*12. 5) Daß die Vollkommenheit des Himmels mit der Menge wachse, erhellt daraus, daß die Form desselben, nach welcher die Zusammengesellungen daselbst statt haben, und die Mitteilungen fortfließen, die allervollkommenste ist; und je mehrere in der vollkommensten Form sind, bei desto mehreren findet eine Richtung und Zusammenstimmung zu einem statt, und desto enger und einmütiger ist die Verbindung; die Übereinstimmung und folglich die Verbindung wächst mit der Menge, denn jedes wird daselbst als verwandtes Mittelglied zweier oder mehrerer eingeschoben, und was eingeschoben wird, das befestigt und verbindet. Die Form des Himmels ist ähnlich der Form des menschlichen Gemütes, dessen Vollkommenheit wächst mit dem Wachstum des Wahren und Guten, von welchen es Einsicht und Weisheit erhält. Daß die Form des menschlichen Gemütes, das in der himmlischen Weisheit und Einsicht ist, mit der Form des Himmels Ähnlichkeit hat, kommt daher, daß das Gemüt das kleinste Bild dieser Form ist. Daher findet auch bei solchen Menschen und bei den Engeln eine durchgängige Mitteilung (communicatio omnimoda der Gedanken und Neigungen zum Guten und Wahren an die Gesellschaften des Himmels rings herum statt, und eine Ausdehnung nach den Fortschritten in der Weisheit, mithin nach der Menge der Erkenntnisse des Wahren, welche dem Verstande, und nach der Menge der Neigungen zum Guten, welche dem Willen und folglich dem Gemüte eingepflanzt sind; denn das Gemüt ist so beschaffen, daß es in Ewigkeit fort bereichert werden kann, und wie es bereichert wird, so wird es vervollkommnet; was besonders dann geschieht, wenn der Mensch vom Herrn geführt wird, denn dann wird er in das Wahre geleitet, welches seinem Verstande, und in das echte Gute, welches seinem Willen eingepflanzt wird; denn der Herr bringt einem solchen Gemüte alles in die Form des Himmels, so daß dasselbe zuletzt ein Himmel im Kleinsten wird. Aus dieser Vergleichung geht, da die Sache dieselbe ist, hervor, daß die Vermehrung der Engel den Himmel vervollkommnet. Auch besteht jede Form aus einem Mannigfaltigen; eine Form, welche nicht aus einem Mannigfaltigen besteht, ist keine Form, weil sie keine Beschaffenheit und keine Veränderungen des Zustandes hat. Die Beschaffenheit erhält jede Form aus der Anordnung des Mannigfaltigen in ihr unter sich, und aus seiner wechselseitigen Beziehung, sowie aus seiner Zusammenstimmung zu Einem, wegen welcher jede Form als Eines betrachtet wird. Eine solche Form ist um so vollkommener, je mehreres in ihr auf diese Weise geordnet ist, weil, wie oben gesagt worden, jeder Teil zur Befestigung, Verstärkung, Verbindung, und mithin zur Vervollkommnung beiträgt. Doch dies kann aus dem noch deutlicher werden, was im Werke Himmel und Hölle besonders da gezeigt worden ist, wo davon gehandelt wurde, daß jede Gesellschaft des Himmels ein Himmel in kleinerer Form, und jeder Engel in der kleinsten sei, Nr. 51 bis 58; ferner, wo gehandelt wurde von der Form des Himmels, nach welcher die Zusammengesellungen und Mitteilungen daselbst geschehen, Nr. 200 bis 212 und von der Weisheit der Engel des Himmels, Nr. 265 bis 275.



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*13. 6) Daß jedes göttliche Werk zum Unendlichen und Ewigen hinstrebe, kann aus vielem erhellen, was sowohl im Himmel, als auf der Welt vorhanden ist; in keinem von beiden gibt es auch nur ein einziges Etwas, das einem andern ganz ähnlich oder mit ihm dasselbe wäre; es gibt kein einziges Angesicht, das dem eines Andern ganz ähnlich oder mit ihm dasselbe wäre, und es wird in Ewigkeit keines geben. Ebenso gibt es keine einzige Seele, welche einer anderen ganz ähnlich wäre, mithin so viele Menschen und so viele Engel, so viele Angesichter und so viele Seelen. Nie findet sich in einem Menschen, in dem doch unzählige Teile, ausmachen, etwas, das ganz ähnlich oder dasselbe wäre mit dem in einem andern; und daher kommt es dann, das jeder ein von dem des Andern verschiedenes Leben führt. Ebenso verhält es sich mit allem und jedem in der Natur, Daß in allem und jedem eine so unendliche Mannigfaltigkeit ist, kommt daher, daß alles seinen Ursprung um Göttlichen hat, welches unendlich ist. Daher ist überall ein gewisses Bild des Unendlichen, damit das Göttliche zu allem als seinem Werke hinstrebe, und alles zu dem Göttlichen als dessen Werk zurückstrebe. Zur Verdeutlichung, wie jedes Ding in der Natur zum Unendlichen und Ewigen zurückstrebe, möge ein leichtfaßliches Bespiel dienen: Jeder Same, sei er nun eine Frucht des Baumes, oder der Ernte, oder der Blume, ist so erschaffen, daß er ins Unendliche vervielfältigt werden, und in Ewigkeit fortdauern kann; denn aus einem Samen entstehen viele, gegen 5, 10, 20, 100, und aus jedem von diesem wieder ebenso viele, so daß das immer fortwährende Fruchtbringen von Einem Samen nur innerhalb hundert Jahren nicht nur die Oberfläche eines einzigen Weltkörpers, sondern die Oberfläche von Myriaden von Weltkörpern ausfüllen könnte. Auch diese sind so erschaffen, daß ihre Dauer ewig ist. Daraus kann man sehen, wie in diesem die Idee des Unendlichen und Ewigen ist. Ebenso verhält es sich mit dem Übrigen. Der Engels-Himmel ist dasjenige, wegen dessen alles im Weltall erschaffen ist; denn der Engels-Himmel ist der Endzweck, wegen dessen das menschliche Geschlecht, und das menschliche Geschlecht ist der Endzweck, wegen dessen der sichtbare Himmel und die Weltkörper in ihm erschaffen sind, weswegen dann auch jenes göttliche Werk, nämlich der Engels-Himmel, vor allem zum Unendlichen und Ewigen, mithin zu einer endlosen Vervielfältigung anstrebt; warum das menschliche Geschlecht niemals aufhören wird; denn wenn es aufhörte, so würde ein göttliches Werk durch eine gewisse Zahl beschränkt werden, und so die Beziehung auf das Unendliche zugrunde gehen.



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Der Himmel und die Hölle sind aus dem menschlichen Geschlechte

*14. In der christlichen Welt weiß man gar nicht, daß der Himmel und die Hölle aus dem menschlichen Geschlechte sind; denn man glaube, daß die Engel im Anfang erschaffen worden, und daher der Himmel entstanden sei, und das der Teufel oder Satan ein Engel des Lichts gewesen, weil er aber ein Empörer wurde, mit seinem Haufen herabgeworfen worden, und daß daher die Hölle entstanden sei. Daß ein solcher Glaube in der christlichen Welt ist, darüber verwundern sich die Engel höchlich, und noch mehr darüber, daß man gar nichts vom Himmel weiß, da derselbe doch ein Hauptgegenstand der kirchlichen Lehre ist; und weil eine solche Unwissenheit herrscht, so haben sie sich herzlich gefreut, daß es dem Herrn gefallen hat, jetzt mehreres vom Himmel und auch von der Hölle zu offenbaren, so weil es möglich ist, die Finsternis zu zerstreuen, welche, da die Kirche zu ihrem Ende gelangt ist, von Tag zu Tage anwächst: Sie wollen daher, daß ich aus ihrem Munde versichere, daß im ganzen Himmel kein einziger Engel ist, der im Anfang erschaffen, und auch in der ganzen Hölle kein Teufel, der als Engel des Lichts erschaffen und herabgeworfen worden wäre, sondern daß alle, sowohl im Himmel als in der Hölle, aus dem menschlichen Geschlecht sind; im Himmel diejenigen, welche in himmlischer Liebe und in himmlischem Glauben, in der Hölle diejenigen, welche in höllischer Liebe und höllischem Glauben in der Welt gelebt haben, und daß die Hölle in ihrem ganzen Inbegriffe das sei, was Teufel und Satan genannt wird; Teufel und Hölle, welche hinten ist, wo diejenigen sind, welche böse Genien genannt werden, und Satan die Hölle, welche vorne ist, wo die sind, welche böse Geister heißen (c). Wie die eine oder andere Hölle beschaffen sei, kann man in dem Werke über Himmel und Hölle am Ende sehen. Daß die christliche Welt einen solchen Glauben von dem, was in dem Himmel und der Hölle ist, gefaßt hat, dies komme, sagten die Engel, von einigen Stellen im Worte her, welche nur nach dem Sinne des Buchstabens verstanden, und nicht durch die echte Lehre aus dem Worte beleuchtet und erklärt worden seien, da doch der buchstäbliche Sinn des Wortes, wenn die echte Lehre der Kirche nicht vorleuchte, die Gemüter auf Verschiedenheiten führe, woraus dann Unwissenheit, Ketzereien und Irrtümer entstehen (d).

*15. Daß man in der Kirche so glaubt, daran ist auch das schuld, daß man meint, es komme kein Mensch früher in den Himmel aber in die Hölle, als zur Zeit des jüngsten Gerichts, von dem man die Meinung angenommen hat, daß dann alles, was vor den Augen erscheint, untergehen, und Neues hervorgehen, und die Seele in ihren Körper zurückkehren, und nach dieser Verbindung der Mensch wieder als Mensch leben werde. Dieser Glaube schließt jenen anderen von den Engeln in sich, daß sie im Anfang erschaffen worden seien; denn man kann nicht glauben, daß Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlechte sind, wenn man glaubt, daß kein Mensch früher dorthin kommen werde, als am Ende der Welt. Damit aber der Mensch überführt würde, daß dem nicht so sei, ist mir gestattet worden, mit den Engeln Umgang zu haben, und auch mit denen zu sprechen, die in der Hölle sind, und dies nun mehrere Jahre hindurch, zuweilen ununterbrochen vom Morgen bis an den Abend, damit ich so vom Himmel und der Hölle, und zwar zu dem Ende unterrichtet würde, daß der Mensch der Kirche nicht länger mehr in seinem irrigen Glauben beharre in Ansehung der Auferstehung zur Zeit des Gerichts, und des Zustandes der Seele bis dahin, sowie auch der Engel und des Teufels; welcher Glaube, weil er ein Glaube an etwas Falsches ist, Finsternis mit sich führt, und diejenigen, die mittelst ihrer eigenen Einsicht darüber nachdenken, zum Zweifeln und zuletzt zum Leugnen bringt; denn sie sagen in ihrem Herzen: Wie kann ein so großer Himmel mit so vielen Gestirnen und mit der Sonne und dem Mond zerstört und zerstreut werden? Und wie können die Sterne dann vom Himmel auf die Erde fallen, da sie doch größer als die Erde sind? Und wie können die von den Würmern aufgefressenen, von der Fäulnis verzehrten, und in alle Winde zerstreuten Leiber wieder zu ihrer Seele gesammelt werden? Wo sollte inzwischen die Seele sein, und welche Beschaffenheit sollte sie haben, da ihr der Sinn fehlt, den sie im Leibe hatte? Außer mehrerem dergleichen, das, weil es unbegreiflich ist, nicht in den Glauben fällt, und bei Vielen den Glauben an das ewige Leben des Menschen, und an den Himmel und die Hölle, und mit diesem auch das Übrige, was zum Glauben der Kirche gehört, zerstört. Daß es denselben wirklich zerstört hat, kann man an denen sehen, welche sprechen: „Wer ist vom Himmel zu uns gekommen, und hat gesagt, daß er sei? Wer von der Hölle, daß sie sei? Was soll das sein, daß der Mensch in Ewigkeit mit Feuer gequält werde? Was der Tag des Gerichts? Ist er nicht Jahrhunderte lang vergeblich erwartet worden?“ Außer mehrerem, das mit gänzlicher Leugnung zusammenhängt. Damit nun diejenigen, welche so denken, und so denken Viele, welche der weltlichen Dinge wegen, die sie wissen, Gebildete und Gelehrte heißen, nicht länger die Einfältigen am Glauben und Herzen beunruhigen und verführen, und höllische Finsternis in Ansehung Gottes, des Himmels, des ewigen Lebens und des Übrigen, was damit zusammenhängt, verbreiten möchte, ist mir das Innere meines Geistes vom Herrn geöffnet, und so gegeben worden, mit allen Verstorbenen, die ich bei Leibes Leben irgend gekannt, nach ihrem Tode zu sprechen, mit einigen Tage lang, mit anderen Monate lang, und mit anderen ein Jahr lang, und auch mit so vielen anderen, daß ich wenig sage, wenn ich hunderttausend nenne, von welchen viele in den Himmeln, und viele in den Höllen waren. Ich habe auch mit einigen zwei Tage nach ihrem Heimgang gesprochen, und ihnen erzählt, daß nun die Zubereitung zu ihrem Leichenbegräbnis und Leichenzug gemacht werde, damit sie begraben würden. Diese sagten darauf, daß man wohl daran tue, das, was ihnen in der Welt zum Körper und dessen Verrichtung gedient hätte, wegzuwerfen. Sie wollten auch, daß ich sagen sollte, sie seien nicht gestorben, sondern leben nun ebenso als Menschen, wie zuvor, und seien bloß aus einer Welt in die andere gezogen, auch wissen sie nicht, daß sie etwas verloren haben, weil sie wie zuvor in einem Leibe und dessen Empfindungen seien, und auch wie zuvor Verstand und Willen haben, und daß sie eben solche Gedanken und Neigungen, eben solche Empfindungen, eben solche Vergnügungen, und eben solche Wünsche haben, wie in der Welt. Die meisten der Neugestorbenen, als sie sahen, daß sie wie zuvor als Menschen leben, und sich in einem ähnlichen Zustande befinden (denn jeder kommt nach dem Tode zuerst in einen Zustand des Lebens, welcher dem, den er in der Welt hatte, ähnlich ist; allein nach und nach wird derselbe bei ihm entweder in den Himmel oder in die Hölle verändert), wurden mit neuer Freude darüber erfüllt, daß sie leben, und sie sagten, daß sie dies nicht geglaubt hätten; aber sie verwunderten sich sehr, daß sie in solcher Unwissenheit und Blindheit in Ansehung, des Zustandes ihres Lebens nach dem Tode gewesen seien, und noch mehr darüber, daß der Mensch der Kirche sich darin befinde, der doch vor allen auf dem ganzen Erdkreise hierin im Lichte sein könne ( c ). Die Ursache dieser Blindheit und Unwissenheit sahen sie erst jetzt, und sie ist, daß das Äußere, welches weltlich und körperlich ist, so sehr ihre Gemüter beschäftigt und erfüllt hatte, daß sie sich in das Licht des Himmels erheben konnten, um die Dinge der Kirche unabhängig von der (kirchlichen) Lehre zu betrachten; denn vom Körperlichen und Weltlichen, wenn man es so sehr liebt, wie es heut zu seiner Kirche geltenden Glaubenslehre hinaus denken will, bloß Finsternis ein. (78)

*16. Sehr viele Gelehrte aus der christlichen Welt erstaunen, wenn sie sich nach dem Tode in einem Körper, in Kleidern und in Häusern wie in der Welt sehen; und wenn in ihr Gedächtnis zurückgerufen wird, was sie früher über das Leben nach dem Tode, über die Seele, über die Geister, und über den Himmel und die Hölle gedacht hatten, so werden sie mit Scham erfüllt, und sagen, daß sie sich alberne Vorstellungen davon gemacht haben, und die Einfältigen am Glauben viel weiser gewesen seien, als sie. Man stellte eine Prüfung bei Gelehrten an, welche sich in solchen Dingen bestärkt, und alles der Natur zugeschrieben hatten; und man fand, daß das Innere ihres Gemüts verschlossen, und das Äußere geöffnet war, so daß sie nicht auf den Himmel, sondern auf die Welt, und mithin auch gegen die Hölle sahen; denn in so weit, als das Innere des Gemüts geöffnet ist, sieht der Mensch gen Himmel, in so weit aber das Innere verschlossen und das Äußere geöffnet ist, sieht er gegen die Hölle. Denn das Innere des Menschen ist zur Aufnahme alles dessen gebildet, was im Himmel, und das Äußere zur Aufnahme alles dessen, was in der Welt ist, und wer die Welt und nicht zugleich den Himmel in sich aufnimmt, der nimmt die Hölle auf ( f ).

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*17. Daß der Geist des Menschen nach seiner Trennung vom Körper Mensch sei, und eine menschenähnliche Gestalt habe, ist für mich, bei einer täglichen Erfahrung von vielen Jahren, ganz gewiß; denn ich habe ich Geister tausendmal gesehen, gehört, und mit ihnen gesprochen; auch darüber, daß die Menschen in der Welt nicht glauben, daß es mit ihnen diese Beschaffenheit habe, und daß diejenigen, die es glauben, von den Gelehrten für einfältig gehalten werden. Die Geister hatten herzliches Bedauern, daß in der Welt, und besonders innerhalb der Kirche noch eine solche Unwissenheit herrsche. Dieser Glaube ist aber, sagten sie, besonders von den Gelehrten ausgegangen, welche nach dem Körperlich-Sinnlichen über die Seele nachgedacht, und sich daher keine andere Vorstellung von ihr gemacht haben, als wie von einem bloßen Denken, welches, sofern es ohne ein Subjekt betrachtet wird, an dem es sich befindet, und von dem es ausgeht, einem Dinge gleicht, das im reinen Äther fliegt, und beim Tode des Körpers notwendig zerstreut werden muß. Da aber die Kirche, dem Worte gemäß, eine Unsterblichkeit der Seele glaubt, so hat man notwendig der Letzteren auch einiges Leben, dergleichen das des Denkens ist, zuschreiben müssen, dabei aber doch nicht eine Empfindung, wie der Mensch sie hat, ehe sie wieder mit ihrem Körper verbunden ist. Auf diese Meinung gründet sich die Auferstehungslehre und der Glaube, daß zur Zeit des Jüngsten Gerichts eine Verbindung des Körpers und der Seele geschehen werde: denn bei jener Voraussetzung von der Seele kann man, wenn damit der kirchliche Glaube in Ansehung des ewigen Lebens des Menschen verbunden wird, nicht anders schließen. Daher kommt es, daß man bei einem der Lehre und zugleich jener Voraussetzung gemäßen Nachdenken über die Seele sich dieselbe durchaus nicht als Geist, und in menschlicher Gestalt denken kann. Dazu kommt noch, daß heutzutage kaum jemand weiß, was das Geistige ist, und noch weniger, daß diejenigen, welche geistig sind — und dies sind alle Geister und Engel – eine menschliche Gestalt haben. Daher kommt es auch, daß fast alle, welche aus der Welt ankommen, sich höchlich wundern, daß sie leben und daß sie Menschen sind, gerade wie zuvor, und daß gar kein Unterschied stattfindet; allein wenn diese Verwunderung aufhört, so wundern sie sich, daß die Kirche von diesem Zustand der Menschen nach dem Tode nichts weiß, da doch alle, welche in der Welt gelebt haben, sich im andern Leben befinden, und als Menschen fortleben. Als sie sich daher auch darüber wunderten, daß dies dem Menschen nicht durch Gesichte offenbart worden ist, so wurde ihnen aus dem Himmel gesagt, daß dies wohl hätte geschehen können, denn nichts sei leichter, sobald es dem Herrn gefalle, allein wer sich im Falschen bestärkt habe, würde es doch nicht glauben, und wenn er es gleich selbst sehen sollte; und dann sei es auch gefährlich, denen, die aus dem Weltlichen und Körperlichen sind, etwas aus dem Himmel zu offenbaren, weil sie in diesem Zustande es zuerst glauben und hernach leugnen, und so jenes Wahre selbst entweihen würden. Entweihen heißt nämlich glauben und nachher leugnen; und wer entweiht, wird in die allerunterste und unerträglichste Hölle verstoßen. Dies ist die Gefahr, welche unter des Herrn Worten verstanden wird: „Verblendet hat er ihre Augen, und verhärtet ihre Herzen, daß sie nicht mit ihren Augen sehen, und mit dem Herzen verstehen, und sich bekehren, und Ich sie dann heile.“ Joh.12,40., und daß, wer in weltlichen und körperlichen Neigungen befangen ist, doch nicht glauben würde, unter Folgendem: „Abraham sagte zu dem Reichen in der Hölle: Sie haben Moses und die Propheten, mögen sie diese hören. Jener aber erwiederte: Nein, Vater Abraham! Wenn aber einer von den Toten zu ihnen käme, so würden sie sich bekehren. Abraham aber sagte zu ihm: Hören sie Moses und die Propheten nicht, wenn einer von den Toten auferstünde.“ Luc.16,29-31.

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*18. Daß der Himmel aus dem menschlichen Geschlechte sei, kann auch daraus erhellen, daß die engelischen und menschlichen Gemüter einander ähnlich sind; beide haben das Vermögen, zu erkennen, zu fühlen, und zu wollen, beide sind dazu gebildet, den Himmel aufzunehmen; denn das menschliche Gemüt kann ebenso weise sein, wie das engelische Gemüt; daß es in der Welt aber nicht so weise ist, kommt daher, daß es in einem irdischen Körper ist, und in diesem das geistige Gemüt natürlich denkt, weil sein geistiges Denken, das es ganz mit den Engels gemein hat, hier in natürliche Vorstellungen, welche den geistigen entsprechen, einfließt, und dann so empfunden wird. Anders aber, wenn das menschliche Gemüt von den Banden, die es an den Körper fesselten, befreit ist: dann denkt es nicht mehr natürlich, sondern geistig, und wenn es geistig denkt, so denkt es Dinge, welche für den natürlichen Menschen unbegreiflich und unaussprechlich sind, mithin wie der Engel. Hieraus kann man sehen, daß das Innere des Menschen, welches sein Geist heißt, seinem Wesen nach ein Engel ist (g). Daß der Engel eine vollkommen menschliche Form habe, sehe man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 73 bis 77. Ist aber das Innere des Menschen nicht nach oben, sondern bloß nach unten geöffnet, so hat es zwar nach der Trennung vom Körper auch eine menschliche Form, aber eine gräßliche und teuflische, denn sie kann nicht aufwärts gen Himmel, sondern nur abwärts gegen die Hölle sehen.

*19. Daß der Himmel und die Hölle aus dem menschlichen Geschlechte sind, hätte die Kirche auch aus dem Worte wissen, und zu einem Gegenstand ihrer Lehre machen können, wenn sie Erleuchtung vom Himmel angenommen, und auf die Worte des Herrn an den Räuber gehört hätte, „daß er heute noch mit Ihm im Paradiese sein werde.“ Luc.23,43; und auf das, was der Herr vom Reichen und von Lazarus sagte, „daß jener in die Hölle gekommen sei, und von da mit Abraham gesprochen habe, dieser aber in den Himmel gekommen sei.“ Luc.16,19-31; und dann auch aus dem, was der Herr den Sadduzäern von der Auferstehung sagte, „daß Gott nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden sei, Matth.22,32., und überdies auch aus dem Glauben derer, die dem Tode nahe, und dann nicht mehr im Weltlichen und Körperlichen sind, daß sie nämlich glauben, in den Himmel zu kommen, sobald das Leben ihres Körpers entweicht. Dieser Glaube herrscht bei allen, welche nicht aus der kirchlichen Lehre von der Auferstehung zur Zeit des Jüngsten Gerichts denken. Untersuche einmal, ob es nicht so ist, und du wirst es bestätigt finden.

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*20. Wer von der göttlichen Ordnung unterrichtet ist, kann auch einsehen, daß der Mensch dazu erschaffen ist, ein Engel zu werden, weil, wie man oben Nr. 9 sehen kann, in ihm das Letzte der Ordnung ist, in welcher das, was zur himmlischen und engelischen Weisheit gehört, gebildet, und auch erneuert und vervielfältigt werden kann. Die göttliche Ordnung bleibt niemals in der Mitte stehen, um hier etwas ohne das Letzte zu bilden, denn sie ist hier nicht in ihrer Fülle und Vollkommenheit, sondern schreitet bis zum Letzten fort. Wenn sie aber in ihrem Letzten ist, dann bildet sie, und erneuert sich auch durch die hier gesammelten Mittel, und bringt Neues hervor, was durch die Erzeugung geschieht. Deswegen ist hier die Pflanzschule des Himmels. Dies wird auch unter dem verstanden, was vom Menschen und dessen Schöpfung im ersten Kapitel des ersten Buches Mose, Vers 26, 27, 28 gesagt wird: „Gott sprach: Laßt uns Menschen machen zu unserem Bilde, nach unserer Ähnlichkeit: und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann und Weib erschuf er sie: und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch.“ Zu Gottes Bild und zu Gottes Ähnlichkeit erschaffen, heißt: alles, was zur göttlichen Ordnung vom Ersten bis zum Letzten gehört, in ihn hineintragen, und so denselben in Ansehung des Innern seines Gemüts zum Engel machen.

*21. Daß der Herr nicht nur seinem Geiste, sondern auch seinem Körper nach auferstand, kam daher, daß der Herr, als er in der Welt war, sein ganzes Menschliche verherrlichte, das ist, göttlich machte; denn Seine Seele, welche Er vom Vater hatte, war an sich das Göttliche selbst, und sein Körper wurde eine Ähnlichkeit der Seele, das ist, des Vaters, folglich auch göttlich. Daher kam es nun, daß Er, anders als irgend ein Mensch, in Ansehung beider auferstand (h), und daß Er sich Auch Seinen Jüngern, welche, als sie Ihn sahen, einen Geist zu sehen glaubten offenbarte und sprach: „Sehet Meine Hände und Meine Füße, daß ich es selbst bin; fühlet und betrachtet Mich; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß Ich habe.“ Luc.24,36.37-39. Hiermit zeigte Er an, daß Er nicht nur dem Geiste, sondern auch dem Körper nach ein Mensch sei.

*22. Überdies ist, daß der Himmel und die Hölle aus dem menschlichen Geschlechte seien, in mehreren Abschnitten im Werke über Himmel und Hölle gezeigt worden, als in folgenden: Von den Völkerschaften und Völkern außerhalb der Kirche im Himmel, Nr. 318 bis 328. Von den Kindern im Himmel, Nr. 329 bis 345. Von den Weisen und Einfältigen im Himmel, Nr. 346 bis 356. Von den Reichen und Armen im Himmel, Nr. 357 bis 365. Daß jeder Mensch seinem Inneren nach ein Geist sei, Nr. 432 bis 444. Daß der Mensch nach dem Tode eine vollkommen menschliche Gestalt habe, Nr. 453 bis 460. Daß der Mensch nach dem Tode alle die Sinne, das Gedächtnis, das Denken, die Neigungen habe, die er in der Welt hatte, und daß er nichts zurück lasse, als seinen irdischen Körper, Nr. 461 bis 469. Vom ersten Zustande des Menschen nach dem Tode, Nr. 491 bis 498. Vom zweiten Zustande des Menschen nach dem Tode, Nr. 499 bis 511. Von seinem dritten Zustande, Nr. 512 bis 520. Und dann von den Höllen, Nr. 536 bis 588. Aus diesem allem kann man im Einzelnen sehen, daß der Himmel nicht aus Engeln besteht, die im Anfang erschaffen worden, und auch die Hölle nicht aus irgendeinem Teufel und dessen Haufen, sondern nur aus solchen, welche als Menschen geboren wurden.





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Aus den Himmlischen Geheimnissen

c) Daß die Höllen zusammengenommen, oder die Höllischen zusammengenommen Teufel und Satan heißen, Nr. 694. Daß die, welche in der Welt Teufel waren, auch Teufel nach dem Tode werde, Nr. 968.

d) Daß die kirchliche Lehre aus dem Worte sein soll, Nr. 3464, 5402, 6832, 10763, 10765. Daß das Wort ohne Lehre nicht verstanden werde, Nr. 9021, 9409, 9424, 9430, 10324, 10431, 10582. Daß die wahre Lehre denen, die das Wort lesen, eine Leuchte sei, Nr. 10401. Daß die echte Lehre von solchen ausgehen soll, welche in der Erleuchtung vom Herrn sind, Nr. 2510, 2516, 2519, 9424, 10105. Daß diejenigen, welche im buchstäblichen Sinne des Wortes ohne Lehre sind, in kein Verständnis des göttlich Wahren kommen Nr. 9409, 9410, 10582. Und daß sie auf viele Irrtümer geführt werden, Nr. 10431. Welcher Unterschied zwischen denen, welche aus der kirchlichen Lehre, die aus dem Worte geschöpft worden, lehren und lernen, und zwischen denen sei, welche bloß im buchstäblichen Sinne des Wortes sind, Nr. 9025.

e) Daß heutzutage wenige in der Christenheit glauben, daß der Mensch nach dem Tode sogleich auferstehe, Vorrede zum 16. Kapitel des 1. Buchs Mose, und Nr. 4622, 10758; sondern daß dies zur Zeit des jüngsten Gerichtes geschehe, wann die sichtbare Welt vergehen wird, Nr. 10594. Ursache, warum sie so glauben, Nr. 10594, 10758. Daß der Mensch gleichwohl sogleich nach dem Tode auferstehe, und daß er dann nach allem und jedem ein Mensch sei, Nr. 4527, 5006, 5078, 8939, 8991, 10594, 10758. Daß die Seele, welche nach dem Tode fortlebt, der Geist des Menschen sei, welcher der Mensch selbst im Menschen ist, und daß er auch im andern Leben eine vollkommen menschliche Gestalt habe, Nr. 322, 1880, 1881, 3633, 4622, 4735, 5883, 6054, 6605, 6626, 7021, 10594. Aus Erfahrung, Nr. 4527, 6006, 8939. Aus dem Worte, Nr. 10597. Was verstanden werde unter dem, daß in der Heiligen Stadt Tote gesehen wurden, Matth. 27, 53. wird erklärt Nr. 9229. Wie der Mensch von den Toten auferstehe, aus Erfahrung, Nr. 168 – 189. Von seinem Zustand nach der Auferstehung, Nr. 317, 318, 319, 2119, 5070, 10596. Falsche Meinungen von der Seele und von der Auferstehung. Nr. 444, 445, 4527, 4622, 4658.

f) Daß im Menschen die geistige und natürliche Welt verbunden seien, Nr. 6057. Daß das Innere des Menschen nach dem Bilde des Himmels, das Äußere aber nach dem Bilde der Welt gebildet sei, Nr. 3628, 4523, 4524, 6057, 6314, 9706, 10156, 10472.

g) Daß eben so viele Stufen des Lebens im Menschen seien, als es Himmel gibt, und daß sie nach dem Tode seinem Leben gemäß geöffnet werden, Nr. 3747, 9594. Daß der Himmel im Menschen sei, Nr. 3884. Daß die Menschen, welche ein Leben der Liebe und tätigen Liebe leben, die engelische Weisheit, wiewohl noch verborgen, in sich haben, und nach dem Tode in dieselbe kommen, Nr. 2494. Daß der Mensch, welcher das Gute der Liebe und des Glaubens vom Herrn aufnimmt, im Worte Engel heiße, Nr. 10528.

h) Daß der Mensch bloß einem Geiste nach auferstehe, Nr. 10593, 10594. Daß der Herr allein auch dem Körper nach auferstanden sei, Nr. 1729, 2083, 5078, 10825.



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Alle Menschen, so viel ihrer von Anfang der Schöpfung an geboren worden und gestorben sind, befinden sich im Himmel oder in der Hölle.

*23. Dies folgt erstens aus dem, was im vorhergehenden Abschnitte gesagt und gezeigt worden ist, daß nämlich der Himmel und die Hölle aus dem menschlichen Geschlecht sind. Zweitens daraus, daß jeder Mensch nach dem Leben in der Welt ewig fortlebt. Drittens, daß demnach alle, welche je von der Schöpfung der Welt an als Menschen geboren worden und gestorben sind, entweder im Himmel oder in der Hölle sind. Viertens, daß alle, welche noch geboren werden, auch in die geistige Welt kommen; daß diese Welt so groß und von solcher Beschaffenheit sei, daß ihr die natürliche Welt, in der die Menschen auf Erden sind, nicht verglichen werden kann. Doch damit man dies deutlicher wahrnehmen und einleuchtender finden möge, so will ich es im Einzelnen auseinandersetzen und beschreiben.

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*24. Daß der Satz: Alle Menschen, so viel ihrer vom Anfang der Schöpfung an geboren und gestorben sind, befinden sich im Himmel oder in der Hölle, aus dem folge, was im vorhergehenden Abschnitte gesagt und gezeigt worden ist, wonach nämlich Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlechte sind, ist ohne Erklärung deutlich. Der gemeine Glaube war bisher, daß die Menschen nicht eher in den Himmel oder in die Hölle kommen werden, als am Tage des Jüngsten Gerichtes, wann die Seelen in ihre Körper zurückkehren, und so derjenigen Dinge genießen werden, welche man als zum Körper gehörig betrachtet. Zu diesem Glauben wurden die Einfältigen von denen gebracht, welche sich für weise ausgegeben, und über den inneren Zustand des Menschen Untersuchungen angestellt hatten. Weil diese nicht über die geistige Welt, sondern bloß über die natürliche, und also auch nicht über die geistigen Menschen nachdachten, so wußten sie auch nicht, daß der geistige Mensch, welchen jeder im Natürlichen hat, ebenso eine menschliche Gestalt hat, wie der natürliche Mensch. Es kam ihnen auch nicht in den Sinn, daß der natürliche Mensch seine menschliche Gestalt von seinem geistigen Menschen habe, ob sie gleich sehen konnten, daß der geistige Mensch in alles und jedes des natürlichen Menschen durch den bloßen Wink wirkt, und daß der natürliche Mensch gar nichts aus sich tut. Der geistige Mensch ist das, was denkt und will, denn der natürliche Mensch kann es nicht aus sich, und das Denken und Wollen ist alles in allem des natürlichen Menschen, indem der natürliche Mensch so bewegt wird, wie der geistige will, und auch so spricht, wie dieser denkt, so ganz, daß die Handlung nichts als der Wille, und die Rede nichts als der Gedanke ist, denn wenn man diesen und jenen wegnimmt, so hört folglich die Rede und die Handlung auf. Hieraus erhellt, daß der geistige Mensch wahrhaftig Mensch ist, und daß er in allem und jedem des natürlichen Menschen, mithin das ihm ähnliche Abbild ist; denn wenn im natürlichen Menschen auch nur ein Teil oder Teilchen ist, in dem der geistige nicht wirkt, so lebt es nicht. Allein der geistige Mensch kann vor dem natürlichen Menschen nicht erscheinen, weil das Geistige nicht vom Natürlichen, sondern nur das Natürliche vom Geistigen gesehen werden kann; denn dies ist der Ordnung gemäß; jenes aber ist gegen die Ordnung; es gibt nämlich einen Einfluß des Geistigen in das Natürliche, folglich auch des Sehens, denn das Sehen ist auch ein Einfluß, nicht aber umgekehrt. Der geistige Mensch ist das, was der Geist des Menschen heißt, und in der geistigen Welt in vollkommen menschlicher Gestalt erscheint, und nach dem Tode fortlebt. Weil die Verständigen, wie schon oben gesagt, nichts von der geistigen Welt, und folglich auch nichts vom Geiste des Menschen gewußt haben, so haben sie die Vorstellung angenommen, daß der Mensch nicht eher als Mensch leben könne, als bis er in seinen Körper zurückkehre, und dessen Sinne wieder erhalte. Daher sind so nichtige Vorstellungen von der Auferstehung des Menschen entstanden, daß nämlich die Körper, obgleich von den Würmern und Fischen verzehrt und ganz in Staub zerfallen, durch die göttlich Allmacht wieder gesammelt und mit den Seelen wieder vereinigt werden sollen, und daß dies erst am Ende der Welt stattfinden werde, wann das sichtbare Weltall untergehe; und so mehreres Ähnliche, was die Fassungskraft übersteigt, und auf den ersten Blick des Geistes als unmöglich und der göttlichen Ordnung zuwider erscheint, und daher auch den Glauben Vieler schwächt; denn wer aus der Weisheit denkt, kann nichts glauben, was er nicht einigermaßen begreift, und einen Glauben an Unbegreifliches, das ist, einen Glauben an das, was der Mensch für unbegreiflich hält, gibt es nicht. Daher nehmen auch diejenigen, welche kein Leben nach dem Tode glauben, einen Beweis für die Leugnung davon her. Daß aber der Mensch sogleich nach dem Tode wieder auferstehe, und dann eine vollkommen menschliche Gestalt habe, kann man im Werke über Himmel und Hölle, und zwar in mehreren Abschnitten sehen. Dies ist zur weiteren Bestätigung dessen angeführt worden, daß der Himmel und die Hölle aus dem menschlichen Geschlechte sind; woraus dann folgt, daß alle, so viel ihrer von Anfang der Schöpfung an als Menschen geboren und gestorben sind, sich im Himmel oder in der Hölle befinden.

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*25. Daß jeder Mensch nach dem Leben in der Welt ewig lebe, erhellt daraus, daß er dann ein geistiger, und nicht mehr natürlicher Mensch ist, und daß er vom Natürlichen getrennte geistige Mensch in Ewigkeit derselbe bleibt, weil der Zustand des Menschen nach dem Tode nicht mehr verändert werden kann. Überdies steht das Geistige jedes Menschen in Verbindung mit dem Göttlichen, weil es über das Göttliche nachdenken, und auch das Göttliche lieben, und von Allem, was vom Göttlichen ist, dergleichen das ist, was die Kirche lehrt, angeregt, folglich mit dem Göttlichen verbunden werden kann in Ansehung des Denkens und Wollens, welche beide Vermögen dem geistigen Menschen angehören, und sein Leben ausmachen. Was auf diese Weise mit dem Göttlichen verbunden ist, kann in Ewigkeit nicht sterben, denn das Göttliche ist bei ihm, und verbindet es mit sich. Auch ist der Mensch seinem Gemüte nach zur Form des Himmels erschaffen, und die Form des Himmels ist aus dem Göttlichen selbst, wie aus dem Werke über Himmel und Hölle ersehen werden kann, in welchem gezeigt worden, daß das Göttliche des Herrn den Himmel ausmache und bilde, Nr. 7 bis 12 und Nr. 78 bis 86. Daß der Mensch dazu erschaffen sei, um ein Himmel im kleinsten Bilde zu sein, Nr. 57. Daß der Himmel im ganzen Inbegriffe Einen Menschen vorstelle, Nr. 59 bis 66. Daß daher der Engel ein vollkommen menschliche Gestalt habe, Nr. 73 bis 77. Der Engel ist nämlich ein Mensch in Ansehung seines Geistigen. Ich habe über diesen Gegenstand einige male auch mit den Engeln gesprochen, welche sich sehr wunderten, daß es unter denen, welche in der christlichen Welt Verständige heißen, und auch von anderen für verständig gehalten werden, so viele gibt, welche in ihrem Glauben die Unsterblichkeit ihres Lebens gänzlich verwerfen, und meinen, die Seele des Menschen könne nach dem Tode ebenso zerstreut werden, wie die Seele des Tieres, indem sie den Unterschied nicht wahrnehmen, der zwischen dem Leben des Menschen und dem des Tieres stattfindet, daß nämlich der Mensch über sich selbst hinaus, über Gott, über den Himmel, über die Liebe, über den Glauben, über das geistig und sittlich Gute, über das Wahre und Ähnliches nachdenken, und so zum Göttlichen selbst erhoben, und durch alles dies mit Ihm verbunden werden kann; die Tiere aber sich nicht über ihr Natürliches erheben können, um dergleichen zu denken, folglich ihr Geistiges von Ihrem Natürlichen nach dem Tode nicht getrennt werden (i), und wie das Geistige des Menschen für sich leben kann; was dann die Ursache ist, daß das Leben des Tieres mit seinem natürlichen Leben zerstört wird. Daß viele sogenannte Verständige in der christlichen Welt keine Unsterblichkeit ihres Lebens glauben, davon gaben die Engel als Ursache an, daß sie in ihrem Herzen das Göttliche leugnen, und die Natur für das Göttliche annehmen; und wer beim Denken von solchen Grundbegriffen ausgeht, kann sich keine Ewigkeit durch die Verbindung mit dem Göttlichen, folglich keinen Zustand des Menschen denken, der von dem der Tiere verschieden wäre; denn wenn man vom Denken das Göttlich entfernt, so entfernt man auch das Ewige. Sie sagten ferner, daß bei jedem Menschen eine innerste oder höchste Stufe des Lebens, oder etwas Innerstes oder Höchstes sei, in welches das Göttliche des Herrn zuerst und zunächst einfließe, und aus welchem Er das übrige Innere ordne, das im geistigen und natürlichen Menschen ist, und nach dem bei ihm befindlichen Stufen der Ordnung sich wirksam äußert (succedit). Dieses Innerste oder Höchste nannten sie den Eingang des Herrn beim Menschen, und seinen allereigensten Wohnsitz bei ihm; und durch dieses Innerste oder Höchste sei der Mensch Mensch, und von den unvernünftigen Tieren, welche dasselbe nicht haben, unterschieden, und daher komme es, daß die Menschen anders als die Tiere, dem Innern ihres Gemüts und ihrer Seele nach, vom Herrn zu sich erhoben werden, an Ihn glauben, mit Liebe zu ihm erfüllt werden, Einsicht und Weisheit in sich aufnehmen, und mit Vernunft reden können. Als sie über diejenigen gefragt wurden, welche das Göttliche und das göttlich Wahre leugnen, durch welches das Leben des Menschen mit dem Göttlichen selbst verbunden wird, ob auch sie in Ewigkeit fortleben, so sagten sie, daß auch diese das Vermögen haben, zu denken und zu wollen, mithin das, was aus dem Göttlichen ist, zu glauben und zu lieben, ganz wie diejenigen, welche das Göttliche anerkennen, und daß es eben von diesem Vermögen herkomme, daß auch sie ewig fortleben. Sie setzen noch hinzu, daß sie dies Vermögen von jenem Innersten oder Höchsten haben, das in jedem Menschen ist, und von welchem oben die Rede war. Daß auch die in der Hölle dies Vermögen haben, und daß sie daher die Fähigkeit haben, gegen das Göttliche zu schließen und zu sprechen, wurde mit vielem Gezeigt. Daher kommt es nun, daß jeder Mensch, wie er auch beschaffen sei, in Ewigkeit fortlebt. Weil jeder Mensch nach dem Tode ewig lebt, so denkt kein Engel und auch kein Geist jemals an den Tod, ja sie wissen gar nicht was sterben heißt; wenn daher im Worte der Tod genannt wird, so verstehen die Engel entweder die Verdammnis darunter, welche ein Tod im geistigen Sinne ist, oder die Fortsetzung des Lebens und die Auferstehung (k). Dies ist zur Bestätigung dessen angeführt worden, daß alle Menschen, so viel ihrer vom Anfang der Schöpfung an geboren und gestorben sind, fortleben, zum Teil im Himmel, und zum Teil in der Hölle.

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*26. Damit ich wüßte, daß alle Menschen, so viel ihrer vom Anfang der Schöpfung an geboren und gestorben sind, sich im Himmel oder in der Hölle befinden, durfte ich mit einigen sprechen, welche vor der Sündflut, und auch mit einigen, welche nach der Sündflut gelebt hatten, sowie auch mit einigen vom jüdischen Volke, welche aus dem Worte des alten Testaments bekannt waren; mit einigen, welche zur Zeit des Herrn, mit vielen, die in den folgenden Jahrhunderten bis auf das heutige gelebt hatten; und dann auch mit allen denjenigen Verstorbenen, die ich bei ihrem Leibesleben gekannt hatte; überdies auch mit Kindern, und mit vielen aus den Heiden. Durch diese Erfahrung wurde ich völlig überführt, daß von der ersten Schöpfung dieses Weltkörpers an kein einziger als Mensch geboren wurde, der nicht im Himmel oder in der Hölle wäre.

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*27. Daß die geistige Welt, das auch alle, welche künftig geboren werden, in dieselbe kommen, von solcher Größe und Beschaffenheit sei, daß die natürliche Welt, in welcher die Menschen sind, ihr nicht verglichen werden kann, dies erhellt aus der ungeheueren Menge Menschen, welche von der ersten Schöpfung an in die geistige Welt übergegangen, und hier beisammen sind; und dann auch aus dem beständigen Zuwachs, den sie in der Folge noch aus dem menschlichen Geschlecht, und zwar nach dem, was oben in seinem Abschnitte, Nr. 6 bis 13, gezeigt worden, ohne Aufhören erhalten soll, weil die Zeugungen des menschlichen Geschlechts auf den Erben nie aufhören werden. Welch eine ungeheuere Menge Menschen jetzt schon daselbst sei, ist mir einige Male, da mir die Augen geöffnet wurden, zu sehen gegeben worden; sie war so groß, daß sie kaum gezählt werden konnte; es waren einige Myriaden nur an einem Ort in Einer Gegend: wie viele werden nicht in den übrigen sein? Es sind nämlich hier alle in Gesellschaften gesammelt, und der Gesellschaften ist eine Große Zahl, und jede Gesellschaft bildet an ihrem Orte drei Himmel, und unter sich drei Höllen, weswegen es hier solche gibt, die in der Höhe, solche, die in der Mitte, solche, die unter diesen wohnen, und solche, welche sich im Untersten, oder in den Höllen unter jenen befinden. Auch wohnen die oben unter sich, wie die Menschen, in Städten, in welchen immer gegen hunderttausend beisammen sind. Daraus geht hervor, daß die natürliche Welt, in welcher die Menschen auf Erden sind, in Ansehungen der Zahl des menschlichen Geschlechts in jener Welt nicht verglichen werden kann. Wenn daher der Mensch aus der natürlichen Welt in die geistige übergeht, so ist es gerade, wie wenn er aus einer Villa in eine große Stadt käme. Daß die natürliche Welt auch in Ansehung der Beschaffenheit nicht mit der geistigen verglichen werden kann, kann daraus erhellen, daß daselbst nicht nur alles vorhanden ist, was sich in der natürlichen Welt findet, sondern überdies auch unzähliges andere, was man nie in dieser Welt gesehen hat, und auch nicht sichtbar werden kann; denn das Geistige wird hier seinem ganzen Gepräge nach in einer gleichsam natürlichen Erscheinung abgebildet, und das Einzelne mit unendlicher Mannigfaltigkeit; denn das Geistige übertrifft das Natürliche so sehr an Vortrefflichkeit, daß es nur Weniges gibt, was vor dem natürlichen Sinne dargestellt werden kann; denn der natürliche Sinn faßt nicht Eins von Tausenden, welche das geistige Gemüt faßt, und alles, was im geistigen Gemüte liegt, wird auch dem Gesichte in Gestalten dargestellt. Daher kommt es auch, daß die geistige Welt in Ansehung ihres Herrlichen und Staunenswerten nicht beschrieben werden kann. Auch dieses wächst mit der Vermehrung des menschlichen Geschlechtes in den Himmeln, denn alles wird daselbst in Formen dargestellt, welche dem Zustande entsprechen, in dem sich leider in Ansehung der Liebe und des Glaubens, und daher der Einsicht und Weisheit befindet; mithin mit einer Mannigfaltigkeit, welche stets wächst mit der wachsenden Menge. Daher kommt es, daß diejenigen, welche in den Himmel erhoben wurden, sagten, daß sie daselbst Dinge gesehen und gehört hätten, welche nie ein Auge gesehen, noch ein Ohr gehört habe. Hieraus kann man erhellen, daß die geistige Welt von solcher Beschaffenheit ist, daß die natürliche Welt ihr nicht verglichen werden kann. Wie sie weiter beschaffen ist, sehe man im Werke über Himmel und Hölle, wo gehandelt wurde von den zwei Reichen des Himmels, Nr. 20 bis 28. Von den Gesellschaften des Himmels, Nr. 41 bis 50. Von dem Vorbildlichen und den Scheinbarkeiten im Himmel, Nr. 170 bis 176. Und von der Weisheit der Engel des Himmels, Nr. 265 bis 275. Doch das dort Beschriebene ist nur sehr weniges.



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Aus den Himmlischen Geheimnissen

i) Daß es auch in das Leben der Tiere einen Einfluß aus der geistigen Welt gebe, derselbe aber nur ein allgemeiner, und nicht wie bei den Menschen ein besonderer sei, Nr. 1633, 3646. Daß der Unterschied zwischen den Menschen und Tieren darin bestehe, daß die Menschen über sich selbst hinaus zum Herrn erhoben werden, über das Göttliche nachdenken, es lieben, und so mit dem Herrn verbunden werden können, wodurch sie ewiges Leben haben, anders aber die Tiere, welche nicht zu dergleichen erhoben werden können, Nr. 4525, 6323, 9231.

k) Daß unter dem Tode, wenn er im Worte genannt wird, wo von den Bösen die Rede ist, im Himmel die Verdammnis, welche geistiger Tod ist, so wie auch die Hölle verstanden werde, Nr. 5407, 6119, 9008. Daß diejenigen, welche im Guten und Wahren sind, lebendig, die aber im Bösen und Falschen sind, tot heißen, Nr. 81, 290, 7494. Daß unter dem Tode, wo von den Guten, welche sterben, die Rede ist, im Himmel die Auferstehung und Fortsetzung des Lebens verstanden werde, weil der Mensch dann aufersteht, sein Leben fortsetzt, und in das ewige Leben eingeht, Nr. 3498, 3505, 4618, 4621, 6036, 6222.

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Das jüngste Gericht wird da, wo alle beisammen sind, also in der geistigen Welt, und nicht auf Erden gehalten.

*28. Man glaubt vom jüngsten Gericht, daß dann der Herr in den Wolken des Himmels mit den Engeln in Herrlichkeit erscheinen, und alle, so viel ihrer von Anfang der Schöpfung an gelebt haben, aus den Gräbern auferwecken, die Seelen mit ihrem Körper bekleiden, und über die so Zusammenberufenen Gericht halten, die, welche gut gehandelt haben, in das ewige Leben oder den Himmel, und diejenigen, welche böse gehandelt haben, in den ewigen Tod oder in die Hölle versetzen werde. Dieser Glaube ist in den Kirchen nach dem buchstäblichen Sinne des Wortes, und konnte nicht weggenommen werden, so lange man nicht wußte, daß in jedem Dinge, das im Worte genannt wird, ein geistiger Sinn ist, und daß dieser Sinn das Wort selbst ist, welchem der buchstäbliche Sinn zum Grunde oder zur Grundlage dient, und daß ohne einen solchen Buchstaben das Wort nicht göttlich sein, nicht dem Himmel und der Welt zugleich zur Lehre des Lebens und Glaubens, und zur Verbindung dienen könnte. Wer nun das geistige weiß, daß dem Natürlichen im Worte entspricht, der kann auch wissen, daß unter der Ankunft des Herrn in den Wolken des Himmels nicht eine solche Erscheinung desselben, sondern eine Erscheinung im Worte verstanden wird; denn der Herr ist das Wort, weil er das göttlich Wahre ist. Die Wolken des Himmels, in welchen Er kommen soll, sind der buchstäbliche Sinn des Wortes; und die Herrlichkeit ist dessen geistiger Sinn. Die Engel sind im Himmel, aus welchem die Erscheinung hervorgeht, und auch der Herr in Ansehung des göttlich Wahren (l). Daraus geht hervor, was unter jenen Worten verstanden wird, daß nämlich der Herr am Ende der Kirche den geistigen Sinn des Wortes, und so das göttliche Wahre, wie es an sich ist, erschließen werde; daß also dies das Zeichen sei, daß das Jüngste Gericht bevorstehe. Daß in jedem Dinge, welches im Worte genannt wird, und in jedem Ausdruck ein geistiger Sinn sei, und welche Beschaffenheit derselbe habe, sehe man in den Himmlischen Geheimnissen, in welchen alles und jedes, was in dem ersten und zweiten Buche Moses enthalten ist, nach diesem Sinne ausgelegt worden, wovon man Auszüge über das Wort und dessen geistigen Sinn finden kann im Werkchen vom Weißen Pferde in der Offenbarung.

*29. Daß das Jüngste Gericht in der geistigen und nicht in der natürlichen Welt oder auf Erden werde gehalten werden, kann aus den zwei vorhergehenden Abschnitten und auch aus den zwei nun folgenden erhellen. In den zwei hervorgehenden Abschnitten ist gezeigt worden, daß der Himmel und die Hölle aus dem menschlichen Geschlecht sind; und daß alle Menschen, so viel ihrer von Anfang der Schöpfung an geboren und gestorben sind, sich entweder im Himmel oder in der Hölle befinden, folglich dort alle beisammen sind; in den nun folgenden Abschnitten aber soll gezeigt werden, daß das Jüngste Gericht schon gehalten ist.

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*30. Überdies wird niemand nach seinem natürlichen Menschen, also nicht so lange er in der natürlichen Welt lebt, gerichtet, denn hier lebt er noch in einem natürlichen Körper; sondern er wird in seinem geistigen Menschen, folglich wenn er in die geistige Welt kommt, gerichtet, weil er hier ein Mensch in einem geistigen Körper ist. Das Geistige bei dem Menschen ist das, was gerichtet wird, nicht aber das Natürliche; denn dies hat keine Schuld oder kein Verbrechen auf sich, weil es nicht aus sich lebt, sondern bloß die Stütze und das Werkzeug ist, durch welches der geistige Mensch wirkt. Man sehe oben, Nr. 24. Daher kommt es auch, daß das Gericht über die Menschen gehalten wird, wann sie ihren natürlichen Körper abgelegt, und den geistigen angezogen haben. In diesem Körper erscheint der Mensch so, wie er in Ansehung seiner Liebe und seines Glaubens ist; denn jeder ist in der geistigen Welt ein Abbild seiner Liebe, nicht nur in Ansehung seines Angesichts und Körpers, sondern auch in Ansehung seiner Rede und seiner Handlungen. Man sehe im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 481. Daher kommt es, daß alle in Ansehung ihrer Eigenschaften erkannt, und sogleich getrennt werden, sobald es dem Herrn gefällt. Auch hieraus erhellt, daß das Gericht in der geistigen Welt, und nicht in der natürlichen oder auf Erden gehalten wird.

*31. Daß es bei dem Menschen nicht auf das natürliche Leben, sondern auf sein geistiges Leben im Natürlichen ankommt, weil das Natürliche an sie leblos ist, und daß das in diesem erscheinende Leben, aus dem Leben des geistigen Menschen, daß also dieser es ist, der gerichtet wird, und daß auch das Geistige des Menschen gemeint ist, wenn vom gerichtet werden nach den Taten die Rede ist, kann man im Werke über Himmel und Hölle sehen, und zwar im Abschnitte mit der Aufschrift: Daß der Mensch nach dem Tode so beschaffen sei, wie sein Leben in der Welt beschaffen gewesen, Nr. 470 bis 484.

*32. Diesem will ich noch ein himmlisches Geheimnis beifügen, das zwar im Werke über Himmel und Hölle erwähnt, aber noch nicht beschrieben ist. Jeder ist nach dem Tode an eine gewisse Gesellschaft gebunden, und wird an sie gebunden, sobald er in die geistige Welt kommt; (man sehe in diesem Werke Nr. 427 und 497;) allein der Geist weiß dies in seinem ersten Zustande nicht, weil er zu dieser Zeit noch in seinem Äußern, und noch nicht im Innern ist; wenn er ein solcher ist, so geht er dahin und dorthin, wo das Verlangen seiner Seele ihn hinführt; allein in Wirklichkeit ist er doch da, wo seine Liebe ist, das ist, in der Gesellschaft, wo die von gleicher Liebe sind. Wenn ein Geist sich in diesem Zustande befindet, so erscheint er an vielen anderen Orten, und ist daselbst auch überall wie dem Körper nach gegenwärtig, allein. Dies ist nur eine Scheinbarkeit; sobald er daher vom Herrn in seine herrschende Liebe eingeführt wird, verschwindet er sogleich vor den Augen anderer, und ist bei den Seinigen in der Gesellschaft, an die er gebunden ist. Es ist dies eine Besonderheit in der geistigen Welt, welche denjenigen wunderbar erscheint, die die Ursache davon nicht wissen. Daher kommt es nun, daß die Geister, sobald sie versammelt und geschieden sind, auch gerichtet sind, und jeder sogleich an seinem Orte ist, die Guten im Himmel, und hier in der Gesellschaft bei den Ihrigen, und die Bösen in der Hölle, und hier in der Gesellschaft bei den Ihrigen. Hieraus kann man nun sehen, daß das Jüngste Gericht nicht anderwärts, als in der geistigen Welt gehalten werden kann, einmal, weil dort jeder in der Gestaltung seines Lebens ist, und dann, weil er bei denen, die in einem ähnlichen Leben sind, und so bei den Seinigen ist. Anders in der natürlichen Welt, wo Gute und Böse beisammen sein können, und der Eine nicht weiß, wie der Andere beschaffen ist, wo sie sich auch nicht von selbst gemäß der Liebe ihres Lebens trennen. Auch kann ja kein Mensch mit dem natürlichen Körper weder im Himmel, noch in der Hölle sein. Soll daher der Mensch in den einen oder in die andere kommen, so muß er seinen natürlichen Körper ablegen, und nach Ablegung desselben im geistigen Körper gerichtet werden. Daher kommt es, daß, wie oben gesagt wurde, der geistige Mensch gerichtet wird, und nicht der natürliche.



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Aus den himmlischen Geheimnissen.

l) Daß der Herr das Wort sei, weil er das göttlich Wahre im Himmel ist, Nr. 2533, 2818, 2859, 2894, 3393, 3712. Daß der Herr auch deswegen das Wort sei, weil das Wort von Ihm ist, und von ihm handelt, 2859; und bloß vom Herrn, besonders von der Verherrlichung seines Menschlichen, im innersten Sinne des Wortes, daher der Herr selbst in ihm ist, Nr. 1873, 9357. Daß die Ankunft des Herrn seine Gegenwart im Worte und eine Offenbarung sei, Nr. 3900, 4060. Daß die Wolke im Worte das Wort im Buchstaben oder seinem buchstäblichen Sinn bedeute, Nr. 4060, 4391, 5922, 6343, 6752, 8106, 8781, 9430, 10551, 10574. Daß die Herrlichkeit im Worte das göttlich Wahre, wie es im Himmel, und wie es im geistigen Sinne ist, bedeute, Nr. 4809, 5292, 8267, 8427, 9429, 10574. Daß durch die Engel im Worte das göttlich Wahre, welches vom Herrn ist, bezeichnet werde, weil die Engel Behältnisse desselben sind, und es nicht aus sich, sondern aus dem Herrn sprechen, Nr. 1925, 2821, 3039, 4085, 4295, 4402, 6280, 8192, 8301. Daß die Trompeten oder Hörner, welche dann die Engel haben, das im Himmel befindliche, und aus dem Himmel geoffenbarte göttliche Wahre bedeuten, Nr. 8815, 8823, 8915.

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Das Jüngste Gericht wird dann gehalten, wenn das Ende der Kirche ist; und das Ende der Kirche ist, wann kein Glaube mehr da ist, weil keine tätige Liebe mehr ist.

*33. Daß das Jüngste Gericht am Ende der Kirche gehalten werde, davon gibt es mehrere Ursachen. Die erste ist, daß dann das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle, und mit dem Gleichgewichte auch die menschliche Freiheit des Menschen verloren geht, so kann er nicht mehr selig gemacht werden; denn sein Freies führte ihn dann zur Hölle, und er kann in seiner Freiheit nicht zum Himmel geführt werden. Ohne Freies kann nämlich Niemand umgebildet werden, und alles Freie des Menschen kommt vom Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle her. Daß dem so sei, kann man aus den zwei Abschnitten im Werke über Himmel und Hölle sehen, wo gehandelt wurde vom Gleichgewichte zwischen Himmel und Hölle, Nr. 589 bis 596; und daß der Mensch durch das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle in der Freiheit sei, Nr. 597 bis 603; und ferner daselbst, daß Niemand anders als in der Freiheit umgebildet werden könne.

*34. Daß das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle verloren zu gehen anfange am Ende der Kirche, kann daraus erhellen, daß der Himmel und die Hölle aus dem menschlichen Geschlechte sind, was man oben in seinem Abschnitte sehen kann; und wenn wenige Menschen in den Himmel kommen, und viele in die Hölle, so übersteigt das Böse auf der einen Seite das Gute auf der anderen; denn in so weit als die Hölle wächst, wächst auch das Böse; und alles Böse hat der Mensch aus der Hölle, und alles Gute aus dem Himmel. Da nun am Ende der Kirche das Böse über das Gute hinauswächst, so werden dann vom Herrn alle gerichtet, und die Bösen von den Guten getrennt, und es wird alles in Ordnung gebracht, und ein neuer Himmel und eine neue Kirche auf Erden gegründet, und so das Gleichgewicht wieder hergestellt. Dies ist nun das, was Jüngstes Gericht heißt, wovon mehreres im Folgenden.

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*35. Daß das Ende der Kirche dann ist, wann in der Kirche kein Glaube mehr ist, ist aus dem Worte bekannt; allein noch nicht bekannt ist, daß dann kein Glaube mehr da ist, wenn die tätige Liebe fehlt, weswegen hievon einiges in dem nun Folgenden gesagt werden soll. Daß am Ende der Kirche kein Glaube mehr sein werde, wird vom Herrn vorausgesagt: „Wenn des Menschen Sohn kommen wird, wird er wohl Glauben finden auf Erden?“ Lucas 18,8; und auch dies, daß man keine tätige Liebe mehr sein werde: „In der Vollendung des Zeitlaufs wird die Ungerechtigkeit sich vervielfältigen, die tätige Liebe der Vielen erkalten; und dies Evangelium auf dem ganzen Erdkreise gepredigt werden; und dann wird das Ende kommen.“ Matth.24,12.14. Die Vollendung des Zeitlaufs ist die letzte Zeit der Kirche. Der Herr beschreibt in diesem Kapitel den in Ansehung der Liebe und des Glaubens sich nach und nach verschlimmernden Zustand der Kirche, aber er beschreibt denselben hier durch lauter Entsprechungen; weswegen das hier vom Herrn Vorausgesagte nicht verstanden werden kann, wenn man den, dem Einzelnen entsprechenden, geistigen Sinn nicht weiß; daher mir vom Herrn gegeben worden ist, alles, was in diesem Kapitel, und einiges, was im Folgenden gesagt worden ist, von der Vollendung des Zeitlaufs, von Seiner Ankunft, von der langsamen Verwüstung der Kirche und vom Jüngsten Gericht, in den himmlischen Geheimnissen auszulegen, und man kann es in denselben finden, Nr. 3353 bis 3356, 3486 bis 3489, 3650 bis 3655, 3751 bis 3759, 3897 bis 3901, 4056 bis 4060, 4229 bis 4231, 4332 bis 4335, 4422 bis 4424, 4635 bis 4638, 4661 bis 4664, 4807 bis 4810, 4954 bis 4959, 5063 bis 5071.

*36. Nun soll noch einiges darüber gesagt werden, daß kein Glaube mehr ist, wenn keine tätige Liebe mehr da ist. Man meint, daß der Glaube da sei, so lange die Lehrsätze der Kirche geglaubt werden, daß er also bei denen sei, die sie glauben; allein das bloße Glauben ist der Glaube nicht, sondern das, was man glaubt, wollen und tun, ist Glaube. Wenn die Lehrsätze der Kirche bloß geglaubt werden, so sind sie nicht im Leben des Menschen, sondern bloß in seinem Gedächtnisse, und daher im Denken des äußeren Menschen; sie dringen auch nicht früher in sein Leben ein, als bis sie in seinen Willen, und von diesem in seine Handlungen kommen; dann erst sind sie im Geiste des Menschen, weil der Geist des Menschen, dessen Leben das Leben des Menschen selbst ist, aus seinem Willen gebildet wird, und nur in so weit aus dem Denken, als dieses aus dem Willen hervorgeht: das Gedächtnis des Menschen und das Denken aus ihm ist bloß der Vorhof, durch welchen man eingeführt wird. Ob man Wille oder Liebe sagt, ist gleichviel, weil jeder das liebt, was er will und das will, was er liebt; und der Wille ist das Aufnahmegefäß der Liebe, der Verstand aber, dem das Denken zukommt, das Aufnahmegefäß des Glaubens. Der Mensch kann vieles wissen, denken und verstehen; allein was nicht mit seinem Willen oder mit seiner Liebe übereinstimmt, das wirft er von sich weg, sobald er, sich selbst überlassen, aus seinem Willen oder aus seiner Liebe denkt, und darum verwirft er es auch nach dem Leben des Körpers wenn er im Geiste lebt, denn nur das bleibt im Geiste des Menschen, was, wie soeben gesagt worden, in seinen Willen oder in seine Liebe eingegangen ist; das Übrige betrachtet er nach dem Tode als etwas Fremdes, das er, weil es kein Gegenstand seiner Liebe ist, aus dem Hause wirft, und sogar verabscheut. Anders ist es, wenn der Mensch die kirchlichen Lehren, welche aus dem Worte sind, nicht nur glaubt, sondern sie auch will und tut; so entsteht dann der Glaube; denn der Glaube ist eine Neigung zum Wahren, welche aus dem Wollen des Wahren, weil es wahr ist, entspringt. Das Wollen des Wahren, weil es wahr ist, ist das eigentlich Geistige des Menschen; denn es hat sich abgezogen vom Natürlichen, welches ein Wollen des Wahren, nicht um des Wahren, sondern um des eigenen Ruhmes, des Rufes und des Gewinnes willen ist. Das Wahre nämlich, abgesehen von solchen Dingen betrachtet, ist geistig, weil es seinem Wesen nach das Göttliche ist. Das Wahre wollen, weil es wahr ist, heißt daher auch das Göttliche anerkennen und lieben. Diese zwei sind ganz verbunden, und werden auch im Himmel als Eines betrachtet, denn das Göttliche, das vom Herrn ausgeht, ist im Himmel das Göttlich-Wahre; (man sehe im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 128-132,) und diejenigen sind Engel in den Himmeln, welche es aufnehmen und zur Sache ihres Lebens machen. Dies ist gesagt worden, damit man wisse, daß der Glaube nicht ein bloßes Glauben, sondern ein Wollen und Tun ist; daß mithin kein Glaube ist, wo keine tätige Liebe ist. Die Liebetätigkeit oder Liebe ist das Wollen und Tun.

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*37. Daß heutzutage innerhalb der Kirche der Glaube so selten ist, daß kaum davon die Rede sein kann, wurde an vielen, sowohl Gelehrten als Einfältigen offenbar, welche nach dem Tode als Geister in Ansehung des Glaubens, den sie in der Welt gehabt hatten, geprüft wurden. Man fand, daß jeder geglaubt hatte, der Glaube sei ein bloßes Glauben, und sich überzeugen, daß es so sei; und die Gelehrteren: derselbe sei ein bloßes Glauben aus Vertrauen aber Zuversicht, daß man selig werde durch das Leiden des Herrn und Seine Vertretung. Kaum Einer wußte, daß da kein Glaube ist, wo keine Liebetätigkeit oder Liebe ist; ja, sie wußten weder, was die tätige Nächstenliebe, noch welcher Unterschied zwischen dem Denken und Wollen ist. Die Meisten von ihnen hatten die tätige Liebe hintangesetzt und gesagt, die tätige Liebe nütze nichts, sondern bloß der Glaube. Als man ihnen sagte, daß die tätige Liebe und der Glaube Eins seien, wie der Wille und Verstand, und daß die tätige Liebe ihren Sitz im Willen, und der Glaube den seinigen im Verstande habe, und eins vom andern trennen eben so viel sei, als den Willen und Verstand trennen, so verstanden sie es nicht. Daraus ging hervor, daß es heutzutage kaum noch einigen Glauben gibt. Dies wurde ihnen auch durch lebendige Erfahrung gezeigt: man führte diejenigen, welche sich überredet hatten, daß sie den Glauben haben zu einer Engelsgesellschaft, in welcher der echte Glaube war, und nachdem sie mit dieser in Gemeinschaft gesetzt waren, nahmen sie deutliche wahr, daß sie seinen Glauben haben, was sie auch nachher vor mehreren bekannten. Das Nämliche wurde auch noch auf andere Weise an denen gezeigt, die den Glauben bekannt hatten und meinten, sie hätten geglaubt, ohne jedoch ein Leben des Glaubens, das tätige Liebe ist, geführt zu haben; und jeder von ihnen bekannte, daß sie keinen Glauben gehabt hätten, weil sich nichts von demselben im Leben ihres Geistes, sondern bloß außerhalb desselben in einigem Denken befand, als sie noch in der natürlichen Welt lebten.

*38. Dies ist der Zustand der Kirche heutzutage, daß nämlich kein Glaube in ihr ist, weil keine tätige Liebe da ist, und wo keine tätige Liebe ist, da ist auch kein geistiges Gute, denn dies Gute kommt einzig aus der tätigen Liebe. Man sagte aus dem Himmel, daß bei einigen noch Gutes sei, daß es aber nicht geistig gut, sondern bloß natürlich gut heißen könne, weil das Göttlich-Wahre selbst im Dunkeln ist, und das Göttlich-Wahre zur tätigen Liebe hinführt, weil es dieselbe lehrt, und auf sie als ihren Endzweck hinzielt, weswegen nur in so weit tätige Liebe vorhanden sein kann, als Wahres da ist, aus dem sie hervorgehen kann. Das Göttlich Wahre, aus welchem die Lehren der Kirchen bestehen, zielt auf den bloßen Glauben; weswegen sie auch Glaubenslehren heißen, und nicht aufs Leben hinzielen, und das Wahre, das bloß auf den Glauben, und nicht aufs hinzielt, kann den Menschen nicht geistig machen, und so lange es außerhalb des Lebens ist, ist es bloß natürlich, denn man weiß und denkt es bloß wie andere Dinge auch. Daher kommt es, daß es heutzutage kein geistig Gutes gibt, sondern nur bei einigen ein natürliches Gutes. Übrigens ist jede Kirche im Anfang geistig, weil sie mit der tätigen Liebe anfängt, allein mit dem Fortgang der Zeit wendet sie sich von der tätigen Liebe ab zum Glauben, und wird dann von einer innern Kirche eine äußere; und wann sie äußerlich wird, dann ist ihr Ende da, weil dann alles ins Wissen gesetzt wird, und wenig, wenn irgend etwas, ins Leben; und so weit der Mensch im Innern ein Äußerer wird, so weit wird bei im das geistige Licht verdüstert, bis er das Göttlich-Wahre nicht mehr aus dem Wahren selbst, das ist, aus dem Licht des Himmels (denn das Licht des Himmels ist das Göttlich-Wahre), sondern bloß aus dem natürlichen Lichte sieht, welches für sich allein, und ohne vom geistigen Lichte erleuchtet zu sein, von der Art ist, daß er das Göttlich-Wahre wie in der Nacht sieht, und nirgend anderswoher weiß, ob es wahr ist, als weil der geistliche Vorsteher so gesagt, und die allgemeine Versammlung es so angenommen hat. Daher kommt es, daß ihr Verstandesvermögen vom Herrn nicht erleuchtet werden konnte; denn in wie weit das natürliche Licht im Verstande scheint, in so weit wird das geistige Licht verfinstert; und das natürliche Licht scheint im Verstande, wenn das Weltliche, Körperliche und Irdische mehr geliebt wird als das Geistige, Himmlische und Göttliche; in so weit ist auch der Mensch ein äußerer.

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*39. Weil man aber in der christlichen Welt nicht weiß, daß kein Glaube ist, wo keine tätige Liebe ist, und auch nicht, was die tätige Nächstenliebe ist, ja nicht einmal, daß der Wille den Menschen selbst ausmacht, und sein Denken nur in so weit, als es aus dem Willen hervorgeht, so will ich, damit diese Dinge ins Licht des Verstandes kommen, Auszüge darüber aus den Himmlischen Geheimnissen beifügen, welche zur Aufhellung dienen können.



Aus den Himmlischen Geheimnissen

Vom Glauben. Wer nicht weiß, daß alles im Weltall sich auf das Wahre und Gute und auf die Verbindung bezieht, die zwischen beiden besteht, damit etwas erzeugt werde, der weiß auch nicht, daß alles in der Kirche sich auf den Glauben und die Liebe, und auf die Verbindung beider bezieht, Nr. 7752-7762, 9186, 9224. Alles im Weltall bezieht sich auf das Wahre und Gute, und auf die Verbindung beider, Nr. 2451, 3166, 4390, 4409, 5232, 7256, 10122, 10555. Das Wahre ist Gegenstand des Glaubens, und das Gute Gegenstand der Liebe, Nr. 4353, 4997, 7178, 10367.

Wer nicht weiß, daß alles und jedes beim Menschen sich auf den Verstand und Willen und auf die Verbindung beider bezieht, damit der Mensch Mensch sei, der weiß auch nicht, daß alles in der Kirche sich auf den Glauben und die Liebe, und auf die Verbindung beider bezieht, damit im Menschen eine Kirche sei, Nr. 2231, 7752-7754, 9224, 9995, 10122. Der Mensch hat zwei Vermögen, eines, welches Verstand, und ein anderes, welches Wille heißt, Nr. 641, 803, 3623, 3939. Der Verstand ist dazu bestimmt, das Wahre, mithin das, was ein Gegenstand des Glaubens ist; und der Wille ist dazu da, das Gute, mithin das, was ein Gegenstand der Liebe ist, in sich aufzunehmen, Nr. 9300, 9930, 10064. Hieraus folgt, daß die Liebe oder die tätige Liebe die Kirche ausmacht, und nicht der bloße Glaube, oder der von jenem getrennte Glaube, Nr. 809, 916, 1798, 1799, 1834, 1844, 4766, 5826.

Der von der tätigen Liebe getrennte Glaube ist kein Glaube, Nr. 654, 724, 1162, 1176, 2049, 2116, 2340, 2349, 2419, 3849, 3868, 6348, 7039, 7842, 9782. Ein solcher Glaube geht im andern Leben verloren, Nr. 2228, 5820. Die Lehrsätze vom bloßen Glauben zerstören die tätige Liebe, Nr. 6353, 8094. Die den Glauben von der tätigen Liebe trennen, sind im Worte unter Kain, unter Cham, unter Ruben, unter den Erstgeborenen der Ägypter, und unter den Philistern vorgestellt worden, Nr. 3325, 7097, 7317, 8093. So weit die tätige Liebe zurücktritt, nimmt die Religion des bloßen Glaubens überhand, Nr. 2231. Die Kirche wendet sich mit dem Fortgang der Zeit von der tätigen Liebe zum Glauben, und endlich zum bloßen Glauben hin, weil keine tätige Liebe mehr ist, Nr. 1843, 3489, 4649. Die den bloßen Glauben zum seligmachenden machen, entschuldigen ein böses Leben, und die ein böses Leben führen, haben keinen Glauben, weil sie keine tätige Liebe haben, Nr. 3865, 7766, 7778, 7790, 7950, 8094. Diese sind inwendig im Falschen ihres Bösen, obgleich sie es nicht wissen, Nr. 7790, 7950. Darum kann auch das Gute nicht mit ihnen verbunden werden, Nr. 8981, 8983. Sie sind im andern Leben wider das Gute, und wider diejenigen, welche im Guten sind, Nr. 7097, 7127, 7317, 7502, 7945, 8096, 8313. Leute von einfältigem Herzen wissen besser, als die Verständigen, was das Gute des Lebens, mithin was die tätige Liebe, aber nicht, was der getrennte Glaube ist, Nr. 4741, 4754.

Das Gute ist das Sein (Esse), und das Wahre das Erscheinen desselben (Existere inde); das Wahre des Glaubens hat also das Sein seines Lebens aus dem Guten der tätigen Liebe, Nr. 3049, 3180, 4574, 5002, 9144. Das Wahre des Glaubens lebt daher aus dem Guten der tätigen Liebe, und das Leben des Glaubens ist die tätige Liebe, Nr. 1589, 1947, 1997, 2579, 4070, 4096, 4097, 4736, 4757, 4884, 5147, 5928, 9154, 9667, 9841, 10729. Der Glaube lebt nicht beim Menschen, wenn er das, was Sache des Glaubens ist, bloß weiß und denkt, sondern nur, wenn er es will, und aus dem Wollen es tut, Nr. 9224. Die Verbindung des Herrn mit dem Menschen geschieht nicht durch den Glauben, sondern durch ein Leben des Glaubens, welches tätige Liebe ist, Nr. 9380, 10143, 10153, 10578, 10645, 10648. Der Gottesdienst aus dem Guten der tätigen Liebe ist der wahre Gottesdienst, aber der aus dem Wahren des Glaubens ohne das Gute der tätigen Liebe ist bloß eine äußere Handlung, Nr. 7724.

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Der bloße Glaube oder der von der tätigen Liebe getrennte Glaube ist wie das Licht des Winters, in welchem alles auf dem Erdboden erstarrt, und nichts hervorgebracht wird; aber der Glaube mit der tätigen Liebe ist wie das Licht des Frühlings und des Sommers, in welchem alles blühet und hervorkommt, Nr. 2231, 3146, 3412, 3413. Das winterliche Licht, welches bei dem getrennten Glauben ist, wird im andern Leben, wenn Licht vom Himmel einfließt, in dicke Finsternis verkehrt, und die in jenem Glauben sind, verfallen dann in Blindheit und Dummheit, Nr. 3412, 3413. Die den Glauben von der tätigen Liebe trennen, sind in der Finsternis, also in der Unwissenheit des Wahren, und folglich im Falschen, denn dieses ist die Finsternis, Nr. 9186. Sie stürzen sich ins Falsche, und von diesem ins Böse, Nr. 3325, 8094. Die Irrtümer und das Falsche, in welches sie sich stürzen, Nr. 4721, 4730, 4776, 4783, 4925, 7779, 8313, 8765, 9224. Das Wort ist ihnen verschlossen, Nr. 3773, 4783, 8780. Sie sehen und merken nicht auf Alles, was der Herr so oft von der Liebe und tätigen Liebe gesagt hat, Nr. 1017, 3416. Sie wissen weder, was das Gute, noch was die himmlische Liebe, noch was die tätige Liebe ist, Nr. 2507, 3603, 4136, 9995.

Die tätige Liebe macht die Kirche, und nicht der von der tätigen Liebe getrennte Glaube, Nr. 809, 916, 1798, 1799, 1834, 1844. Wie viel Gutes in der Kirche wäre, wenn der tätigen Liebe die erste Stelle eingeräumt würde, Nr. 6269, 6272. Die Kirche wäre Eine, und nicht in mehrere geteilt, wenn die tätige Liebe ihr Wesentliches wäre, und die Verschiedenheit in Ansehung der Glaubenslehren und des äußeren Gottesdienstes würden nichts zur Sache tun, Nr. 1285, 1316, 2385, 2853, 2982, 3267, 3445, 3451, 3452. Im Himmel wird bei allen auf die tätige Liebe, und bei keinem auf den Glauben ohne sie gesehen, Nr. 1258, 1394, 2364, 4802.

Die zwölf Jünger des Herrn stellten die Kirche in Ansehung alles dessen, was zum Glauben und zur tätigen Liebe gehört, in Einem Inbegriffe vor, ebenso die zwölf Stämme Israels, Nr. 2129, 3354, 3488, 3858, 6397. Petrus, Jakobus und Johannes stellten den Glauben, die tätige Liebe, und das Gute der tätigen Liebe in ihrer Ordnung vor, Nr. 3750. Petrus den Glauben, Nr. 4738, 6000, 6073, 6344, 10087, 10580. Johannes das Gute der tätigen Liebe, Vorrede zum 18-ten und 22-sten Kapitel des 1. Buches Mose. Daß in den letzten Zeiten kein Glaube an den Herrn mehr sein werde, weil es keine tätige Liebe mehr gibt, wurde dadurch vorgestellt, daß Petrus dreimal den Herrn verleugnete, ehe der Hahn zweimal krähte; denn Petrus ist im vorbildlichen Sinne hier der Glaube, Nr. 6000, 6073. Das Hahnengeschrei bedeutet, wie die Morgendämmerung im Worte, die letzte Zeit der Kirche, Nr. 10134. Drei oder dreimal bedeutet das Erfüllte am Ende, Nr. 2788, 4495, 5159, 5198, 10127. Ähnliches wird dadurch bezeichnet, daß der Herr zu Petrus, als er den Johannes dem Herrn nachfolgen sah, sagte: „Was geht es dich an Petrus; Folge mir nach (Johannes)!“ Petrus hatte nämlich von Johannes gesagt: „Was soll dieser?“ Joh. 21, 21. 22. Nr. 10087. Weil Johannes das Gute der tätigen Liebe vorstellte, so lag er an der Brust des Herrn, Nr. 3934, 10081. Daß alle Namen der Personen und Örter im Worte, abgesehen von denselben, Dinge bezeichnen, Nr. 768, 1888, 4310, 4442, 10329.

Von der tätigen Liebe. Der Himmel ist in zwei Reiche abgeteilt, deren eines das himmlische Reich, das andere das geistige Reich heißt; die Liebe im himmlischen Reich ist die Liebe zum Herrn, und wird die himmlische Liebe genannt, und die Liebe im geistigen Reiche ist die tätige Nächstenliebe, und heißt die geistige Liebe, Nr. 3325, 3653, 7257, 9002, 9833, 9961. Daß der Himmel in jene zwei Reiche abgeteilt sei, sehe man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 20 bis 28. Und daß das Göttliche des Herrn in den Himmeln die Liebe zu Ihm und die tätige Liebe gegen den Nächsten sei, Nr. 13 bis 19 daselbst.

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Man weiß nicht, was das Gute und was das Wahre ist, wenn man nicht weiß, was die Liebe zum Herrn und die tätige Liebe des nächsten ist, weil alles Gute Sache der Liebe und Liebtätigkeit, und alles Wahre Sache des Guten ist, Nr. 7255, 7366. Das Wahre wissen, das Wahre wollen, vom Wahren um des Wahren willen, das heißt, weil es wahr ist, angeregt werden, ist tätige Liebe, Nr. 3876, 3877. Die tätige Liebe besteht in einer inneren Neigung das Wahre zu tun, und nicht in einer äußeren ohne jene, Nr. 2430, 2442, 3776, 4899, 4956, 8033. Die tätige Liebe besteht also darin, daß man Nutzen schafft um des Nutzens willen, und ihre Beschaffenheit richtet sich nach dem Nutzen, Nr. 7038, 8253. Die tätige Liebe ist das geistige Leben des Menschen, Nr. 7081. Das ganze Wort ist eine Lehre der Liebe und der Liebtätigkeit, Nr. 6632, 7262. Heutzutage weiß man nicht, was die tätige Liebe ist, Nr. 2417, 3398, 4776, 6632. Gleichwohl kann der Mensch aus dem Lichte seiner Vernunft wissen, daß die Liebe und Liebetätigkeit den Menschen ausmachen, Nr. 3957, 6273; und daß das Gute und Wahre zusammenstimmen, und eines dem anderen angehört, also auch die tätige Liebe und der Glaube, Nr. 7627.

Der Herr ist im höchsten Sinne der Nächste, weil er über alles geliebt werden soll. Daher ist auch alles, was von Ihm kommt, in dem Er ist, der Nächste, mithin das Gute und Wahre, Nr. 2425, 3419, 6706, 6819, 6823, 8124. Es findet nach der Beschaffenheit des Guten, mithin nach der Gegenwart des Herrn, ein Unterschied in Ansehung des Nächsten statt, Nr. 6707-6710. Jeder Mensch und jede Gesellschaft, sowie das Vaterland und die Kirche, und im umfassenden Sinne das Reich des Herrn, sind der Nächste, und ihnen wohltun aus Liebe zum Guten nach der Beschaffenheit ihres Zustandes, heißt den Nächsten lieben, folglich ist ihr Gutes der Nächste, für den man sorgen soll, Nr. 6818-6824, 8123. Auch das bürgerlich Gute, welches das Gerechte, und das moralisch Gute, welches das Gute des Lebens in der Gesellschaft ist, ist der Nächste, Nr. 2915, 4730, 8120-8122. Den Nächsten lieben heißt nicht die Person (desselben) lieben, sondern das, was in ihm ist und wodurch er ist, mithin das Gute und Wahre, Nr. 5025, 10336. Wer die Person (desselben) liebt, und nicht das, was in ihm ist, und wodurch er ist, der liebt auf gleiche Weise das Böse und das Gute, Nr. 3820, und tut ebensowohl den Bösen als den Guten wohl, da doch den Bösen wohl tun so viel ist, als den Guten Übles tun, was nicht den Nächsten lieben heißt. Nr. 3820, 6703, 8120. Der Richter liebt den Nächsten, wenn er die Bösen straft, damit sie sich bessern, und die Guten nicht von ihnen angetastet werden, Nr. 3820-8121.

Den Nächsten lieben heißt, in jedem Geschäft, und bei jeder Verrichtung das Gute, Gerechte und Rechte tun, Nr. 8120-8122. Die tätige Nächstenliebe erstreckt sich daher auf alles und jedes, was der Mensch denkt, will und tut, Nr. 8124. Das Gute und Wahre wollen um des Guten und Wahren Willen, heißt den Nächsten lieben, Nr. 10310, 10336. Wer dies tut, liebt den Herrn, welcher im höchsten Sinne der Nächste ist, Nr. 9212. Das Leben der tätigen Liebe ist ein Leben nach den Geboten des Herrn; nach dem Göttlich-Wahren leben heißt also den Herrn lieben, Nr. 10143, 10153, 10310, 10578, 10648.

Die echte tätige Liebe ist nicht verdienstlich, Nr. 2340, 2373, 2400, 3887, 6388-6393, weil sie aus einer inneren Neigung, mithin aus dem Vergnügen am Wohltun hervorgeht, Nr. 2373, 2400, 3887, 6388, 6393. Wer den Glauben von der tätigen Liebe trennt, macht im andern Leben den Glauben und die guten Werke, die er der äußern Form nach getan hat, zu etwas Verdienstlichem, Nr. 2373.

Die Lehre der alten Kirche war eine Lehre des Lebens, das ist, eine Lehre der tätigen Liebe, Nr. 2487, 2385, 3419, 3420, 4844, 6628. Die Alten, welche zur Kirche gehörten, ordneten das Gute der tätigen Liebe, teilten es in Klassen ab, und gaben den einzelnen besondere Namen, und daraus hatten sie ihre Weisheit, Nr. 2417, 6629, 7259 bis 7262. Die Weisheit und Einsicht wächst im andern Leben ins Unermeßliche bei denen, die ein Leben der tätigen Liebe in der Welt gelebt haben, Nr. 1941, 5859. Der Herr fließt mit dem Göttlich-Wahren in die tätige Liebe, weil ins Leben des Menschen selbst ein, Nr. 2363. Der Mensch ist wie ein Garten, wenn die tätige Liebe und der Glaube bei ihm verbunden sind, hingegen wie ein Wüste, wenn sie nicht verbunden sind, Nr. 7626. Der Mensch weicht insoweit von der Weisheit ab, als er von der tätigen Liebe abweicht, Nr. 6630. Wer nicht in der tätigen Liebe ist, der ist, wenn er sich auch für noch so weise hält, in der Unwissenheit in Ansehung des Göttlich-Wahren, Nr. 2416, 2435. Das Leben der Engel besteht darin, daß sie das Gute der tätigen Liebe, das zum Nutzen gereicht, ausüben, Nr. 454. Die geistigen Engel sind Formen der tätigen Liebe, Nr. 553, 3804, 4735.

Vom Willen und Verstand. Der Mensch hat zwei Vermögen, eines, welches Verstand, und ein anderes, welches Wille heißt, Nr. 35, 641, 3939, 10122. Diese zwei Vermögen machen den eigentlichen Menschen aus, Nr. 10076, 10109, 10110, 10264, 10284. Der Mensch ist so beschaffen, wie jene Vermögen bei ihm beschaffen sind, Nr. 7342, 8885, 9282, 10264, 10184. Durch sie wird der Mensch auch von den Tieren unterschieden, weil der Verstand des Menschen vom Herrn erhoben werden, und das Göttlich-Wahre sehen, und ebenso auch der Wille das Göttlich-Gute fühlen (pariter Voluntas et persipere Bona Divina), und so der Mensch durch jene zwei Vermögen, welche ihn ausmachen, mit dem Herrn verbunden werden kann, nicht so aber die Tiere, Nr. 4525, 5302, 5114, 6323, 9231. Und weil der Mensch dieses Vermögen vor den Tieren voraus hat, so kann er auch dem Innern seines Geistes nach nicht sterben, sondern lebt in Ewigkeit, Nr. 5302.

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Alles in dem Weltall bezieht sich auf das Gute und Wahre, beim Menschen also auf den Willen und Verstand zurück, Nr. 803, 10122, weil der Verstand das Wahre und der Wille das Gute aufnimmt, Nr. 3332, 3623, 5332, 6065, 6125, 7503, 9300, 9930. Es läuft auf dasselbe hinaus, ob man sagt: das Wahre, oder ob man sagt: der Glaube; denn der Glaube gehört dem Wahren an, und das Wahre ist Sache des Glaubens. Es ist auch gleichviel, ob man sagt ‚das Gute’, oder ob man sagt ‚die Liebe’; was der Mensch glaubt, das nennt er wahr, und was der Mensch liebt, das nennt er gut, Nr. 4353, 4997, 7178, 10122, 10367. Daraus folgt, daß der Verstand der Aufnehmer des Glaubens, und der Wille der Aufnehmer der Liebe ist, Nr. 7178, 10122, 10367. Und weil der Verstand des Menschen den Glauben an Gott, und der Wille die Liebe zu Gott aufnehmen kann, so kann er durch Glauben und Liebe mit Gott verbunden werden, und wer durch Glauben und Liebe mit Gott verbunden werden kann, der kann in Ewigkeit nicht sterben, Nr. 4525, 6323, 9231.

Der Wille des Menschen ist das eigentliche Sein seines Lebens, weil er das Aufnahmegefäß der Liebe oder des Guten ist; und der Verstand ist das Erscheinen des Lebens aus ihm, weil er ein Aufnahmegefäß des Glaubens oder des Wahren ist, Nr. 3619, 5002, 9282. Das Leben des Willens ist also das hauptsächliche Leben des Menschen, und das Leben des Verstandes geht aus ihm hervor, Nr. 585, 590, 3619, 7342, 8885, 9282, 10076, 10109, 10110, gerade wie das Licht aus dem Feuer oder der Flamme, Nr. 6032, 6314. Was in den Verstand und zugleich in den Willen kommt, wird dem Menschen angeeignet, nicht aber, was bloß in den Verstand eingeht, Nr. 9009, 9069, 9071, 9129, 9182, 9386, 9393, 10076, 10109, 10110. Was im Willen des Menschen aufgenommen wird, wird Sache seines Lebens, Nr. 3161, 9386, 9393. Hieraus folgt, daß der Mensch vermöge seines Willens, und daher auch vermöge seines Verstandes Mensch ist, Nr. 8911, 9069, 9071, 10076, 10109, 10110. Jeder Mensch wird auch vom andern geliebt und geschätzt nach dem Guten seines Willens, und des aus ihm gebildeten Verstandes; denn man liebt und schätzt den, der wohl will und verständig ist, verwirft aber und schätzt geringe den, der zwar verständig ist, aber nicht wohl will, Nr. 8911, 10076. Der Mensch bleibt auch nach dem Tode so, wie sein Wille, und diesem gemäß sein Verstand war, Nr. 9069, 9071, 9386, 10153. Was im Verstande und nicht zugleich im Willen ist, verschwindet dann, weil es nicht im Menschen ist, Nr. 9282. Oder, was dasselbe ist, der Mensch bleibt nach dem Tode, wie seine Liebe und der Glaube aus ihr, oder wie sein Gutes und das Wahre aus ihm ist; und was Gegenstand des Glaubens und nicht zugleich der Liebe, oder was Sache des Wahren und nicht zugleich des Guten ist, verschwindet dann, weil es nicht im Menschen, mithin nicht Eigentum des Menschen ist, Nr. 553, 2364, 10153. Der Mensch kann mit dem Verstande das fassen, was er nicht mit dem Willen tut, oder: er kann das verstehen, was er nicht wollen kann, weil es gegen seine Liebe ist, Nr. 3539. Ursache, warum der Mensch nicht leicht unterscheiden kann zwischen Denken und Wollen, Nr. 9991.

In welch verkehrtem Zustande sich diejenigen befinden, bei welchen Verstand und Wille nicht zusammen wirken, Nr. 9075. Dieser Zustand ist bei den Heuchlern, Betrügern, Schmeichlern und Gleisnern, Nr. 3573, 4326, 4799, 8250.

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Alles Wollen des Guten und Verstehen des Wahren aus ihm ist vom Herrn, nicht so das von Wollen des Guten getrennte Verstehen des Wahren, Nr. 1831, 3514, 5483, 5649, 6027, 8685, 8701, 10153. Der Verstand ist das, was vom Herrn erleuchtet wird, Nr. 6222, 6608, 10659. Der Verstand wird in so weit erleuchtet, als der Mensch das Wahre mit dem Willen aufnimmt, das heißt als er nach demselben handeln will, Nr. 3619. Der Verstand hat Licht vom Himmel, wie das Gesicht Licht von der Welt, Nr. 1524, 5114, 6608, 9128. Der Verstand ist so beschaffen, wie das aus dem Guten hervorgehende Wahre, aus dem er gebildet worden, beschaffen ist, Nr. 10064. Der Verstand bildet sich bloß aus dem Wahren, das aus dem Guten, nicht aber aus dem Falschen, das vom Bösen kommt, Nr. 10675. Das Geschäft des Verstandes ist, an den Gegenständen der Erfahrung und der Wissenschaft das Wahre, die Ursachen der Dinge, ihren Zusammenhang, und ihre Folgen der Reihe nach zu sehen, Nr. 6125. Der Verstand ist dazu da, zu sehen und zu fühlen, ob etwas wahr ist, ehe man sich darin bestärkt, nicht aber alles, was man will, bestärken zu können, Nr. 4741, 7012, 7680, 7950, 8521, 8780. Sehen und fühlen, ob es wahr ist, ehe man sich darin bestärkt, dies können nur solche, welche vom Wahren um des Wahren willen angeregt werden, welche also im geistigen Lichte sind, Nr. 8521. Das Licht der Bestärkung ist ein natürliches Licht, und findet sich auch bei den Bösen, Nr. 8780. Man kann für alle Lehrsätze, auch die falschen, so viel zur Bestätigung anführen, daß sie wahr erscheinen, Nr. 2482, 2490, 5033, 6865, 7950.

Alles, was in der Offenbarung vorausgesagt worden, ist nun erfüllt.

*40. Niemand kann wissen, was alles das bedeutet und in sich schließt, was in der Offenbarung enthalten ist, wenn er den inneren oder geistigen Sinn des Wortes nicht weiß, denn alles, was sie enthält, ist in der nämlichen Schreibart geschrieben, wie das Prophetische des Alten Testaments, in welchem jedes Wort eine geistige Bedeutung hat, welche nicht im Sinne des Buchstabens erscheint. Überdies kann auch der Inhalt der Offenbarung dem geistigen Sinne nach nur von einem solchen ausgelegt werden, welcher weiß, was mit der Kirche bis zu ihrem Ende vorgegangen ist, und dies kann man nur im Himmel wissen; und eben dies ist auch der Inhalt der Offenbarung. Sie handelt nämlich im geistigen Sinne des Wortes überall von der geistigen Welt, das ist, vom Zustand der Kirche sowohl in den Himmeln, als auf Erden, und daher ist das Wort geistig und göttlich. Dieser Zustand ist es, welcher dort seiner Ordnung nach auseinandergesetzt wird. Hieraus kann man sehen, daß der Inhalt der Offenbarung von keinem je ausgelegt werden kann, der nicht über die aufeinanderfolgenden Zustände der Kirche in den Himmeln eine Offenbarung erhalten hat; denn die Kirche ist ebensowohl im Himmel als auf Erden, wovon im Folgenden einiges gesagt werden soll.

*41. Wie die Kirche des Herrn auf Erden beschaffen sei, kann kein Mensch sehen, solange er in der Welt lebt, noch weniger, wie sie mit dem Fortgang der Zeit sich vom Guten zum bösen gewendet hat. Die Ursache ist, daß der Mensch, so lange er in der Welt lebt, im Äußeren ist, und nichts sieht, als was vor seinem natürlichen Menschen erscheint; wie aber die Kirche in Ansehung des Geistigen, das ihr Inneres ausmacht, beschaffen sei, erscheint nicht in der Welt; allein es erscheint im Himmel wie am hellen Tage; weil die Engel im geistigen Denken, und auch im geistigen Sehen sind, und daher nur das Geistige sehen. Überdies sind hier auch, wie oben gezeigt worden, alle Menschen, welche vom Anfang der Schöpfung an geboren wurden, beisammen, und auch alle hier in Gesellschaften eingeteilt nach dem Guten der Liebe und des Glaubens: man sehe im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 41 bis 50. Daher kommt es, daß der Zustand der Kirche und auch ihre Fortschritte im Himmel vor den Engeln sichtbar sind. Da nun der Zustand der Kirche in Ansehung der Liebe und des Glaubens in der Offenbarung in deren geistigem Sinne beschrieben wird so kann niemand wissen, was alles in derselben der Reihe nach in sich schließt, wenn es ihm nicht aus dem Himmel geoffenbart, und zugleich gegeben worden ist, den innern oder geistigen Sinn des Wortes zu wissen. Das kann ich versichern, daß das Einzelne in ihr, sogar jedes Wort, einen geistigen Sinn in sich schließt, und daß in diesem Sinne alles, was die Kirche, d.h. ihren geistigen Zustand betrifft, von Anfang bis zu Ende vollständig beschrieben worden ist; und weil jedes Wort in ihr eine geistige Bedeutung hat, so kann auch kein Wort wegbleiben, ohne daß die Reihenfolge der Dinge im innern Sinne eine Veränderung dadurch erleide: deswegen heißt es auch am Ende dieses Buches: „Wenn jemand wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird auch Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens, und von jener heiligen Stadt, und von denen, die in diesem Buch geschrieben stehen.“ Offb.22,19. Ebenso verhält es sich mit den Büchern des Wortes im Alten Testament; auch in ihnen enthält jedes Ding und jedes Wort einen innern oder geistigen Sinn, weswegen auch in ihm kein Wort weggenommen werden kann. Daher kommt es, daß die göttliche Vorsehung des Herrn diese Bücher von der Zeit an, da sie geschrieben wurden, durch die Sorgfalt mehrerer, welche das Einzelnste in ihnen zählten, selbst bis auf ein Jota unverletzt erhalten ließ. Dies wurde vom Herrn vorgesehen wegen der Heiligkeit, welches jedes Jota, jeder Buchstabe, jedes Wort und jede Sache darin hat.

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*42. Weil auf diese Weise ein innerer oder geistiger Sinn in jedem Worte in der Offenbarung ist, und weil dieser Sinn die Geheimnisse des Zustandes der Kirche im Himmel und auf Erden enthält, und dieselben Niemand geoffenbart werden können, der diesen Sinn nicht weiß, und dem nicht zugleich gegeben ist, mit den Engeln Umgang zu haben, und geistig mit ihnen zu sprechen, so ist, damit, was in ihr geschrieben steht, nicht vor den Menschen immer verborgen bleiben, und in der Folge wegen des Nichtverstehens verlassen werden möchte, das darin Enthaltene mir entdeckt worden. Da dessen aber viel ist, so kann es in diesem Werkchen nicht beschrieben werden; und ich will deswegen das ganze Buch von Anfang bis zu Ende besonders erklären, und die Geheimnisse wieder aufdecken, die inwendig in ihm sind. Diese Auslegung soll innerhalb zwei Jahren der Welt gegeben werden, und auch einiges über Daniel, was wegen der Nichtkenntnis des geistigen Sinnes bisher verborgen war.

*43. Wer den innern oder geistigen Sinn des Wortes nicht kennt, kann nicht erraten, was in der Offenbarung verstanden wird unter dem Drachen, und dem Kampf Michaels und seiner Engel mit ihm; unter dem Schwanze, mit welchem der Drache den dritten Teil der Sterne vom Himmel herabzog, unter dem Weibe, das den männlichen Sohn gebar, der zu Gott entrückt wurde, und den der Drache verfolgte; unter dem Tier, das aus dem Meere, und unter dem Tier, das aus der Erde aufstieg, welche so viele Hörner hatten; unter der Hure, mit welcher die Könige der Erde hurten; unter der ersten und zweiten Auferstehung, und unter den tausend Jahren; unter dem Schwefel- und Feuerpfuhl, in welchen der Drache, das Tier und der falsche Prophet geworfen wurden; unter dem weißen Pferde; hernach unter dem früheren Himmel und der früheren Erde, welche vergingen, und unter dem neuen Himmel und der neuen Erde, welche an die Stelle der früheren kamen; so wie auch unter dem Meere, das nicht mehr war, und unter der neuen Stadt Jerusalem, welche aus dem Himmel herabstieg, unter ihren Maßen, ihrer Mauer, ihren Toren, und ihrer Grundlage von kostbaren Steinen; unter den verschiedenen Zahlen; nicht zu gedenken des Übrigen, was denen, die vom geistigen Sinne des Wortes nichts wissen, höchst verborgen ist. Allein man wird das Einzelne in der versprochenen Auslegung über jenes Buch enthüllt finden.

*44. Vorläufig muß bemerkt werden, daß alles, was in demselben im himmlischen Sinne enthalten ist, nun erfüllt ist. Im gegenwärtigen Werkchen will ich einiges Allgemeine geben: vom Jüngsten Gericht; vom Zerstörten Babylonien; vom ersten Himmel und der ersten Erde, welche vergingen; vom neuen Himmel und der neuen Erde, und vom Neuen Jerusalem, damit man wisse, daß alles nun vollbracht ist. Allein das Besondere kann nur da gegeben werden, wo das Einzelne nach seinen Beschreibungen im Buche der Offenbarung darüber ausgelegt wird.

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Das Jüngste Gericht ist bereits gehalten.

*45. Oben ist im betreffenden Abschnitt gezeigt worden, daß das Jüngste Gericht nicht auf Erden, sondern in der geistigen Welt gehalten werde, wo alle vom Anfang der Schöpfung an beisammen sind; und weil es sich so verhält, so kann zu keines Menschen Kenntnis kommen, wann das Jüngste Gericht gehalten ist; denn jeder erwartet es auf Erden, und zugleich dann eine sich über alles erstreckende Veränderung an dem, den Augen sichtbaren Himmel, so wie auf Erden, und an dem menschlichen Geschlechte auf ihr. Damit also der Mensch der Kirche nicht aus Unwissenheit in diesem Glauben fortleben, und damit diejenigen, welche über das Jüngste Gericht nachdenken, es nicht immerfort erwarten; wodurch zuletzt der Glaube an das, was im buchstäblichen Sinne des Wortes darüber gesagt worden, verloren ginge; und damit nicht etwa darum viele vom Glauben an das Wort abfallen möchten; so ist mir gegeben worden, mit meinen Augen zu sehen, daß das Jüngste Gericht nun vollbracht ist, und die Bösen in die Höllen geworfen, die Guten aber in den Himmel erhoben worden sind, und so alles in Ordnung gebracht, und dadurch das geistige Gleichgewicht, das zwischen dem Himmel und der Hölle besteht, wieder hergestellt worden ist. Auf welche Weise das Jüngste Gericht gehalten wurde, ist mir von Anfang bis zu Ende zu sehen gegeben worden, hernach auch wie das Babylonische zerstört, wie diejenigen, welche unter dem Drachen verstanden werden, in den Abgrund geworfen, und wie ein neuer Himmel gebildet, und eine neue Kirche in den Himmeln, welche unter dem Neuen Jerusalem verstanden wird, gegründet wurde. Das alles durfte ich zu dem Ende mit meinen Augen sehen, damit ich es bezeugen könnte. Dies Jüngste Gericht ist mit dem Beginne des vorigen Jahres 1757 angefangen, und am Ende desselben Jahres vollständig beendigt worden.

*46. Man muß aber wissen, daß das Jüngste Gericht über diejenigen, welche von der Zeit des Herrn an bis auf diesen Tag gelebt, nicht aber über diejenigen gehalten wurde, welche vorher gelebt hatten; denn auf diesem Erdkörper hat schon früher zweimal ein Jüngstes Gericht stattgehabt, eines, welches im Worte unter der Sündflut beschrieben wird; und das andere wurde vom Herrn selbst gehalten, als er in der Welt war, und wird auch unter des Herrn Worten verstanden: „Nun ist das Gericht dieser Welt, nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen.“ Joh.12,31; und anderwärts: „Dies habe ich zu euch gesprochen, damit ihr in Mir Frieden habet. Fasset Vertrauen, Ich habe die Welt überwunden“, Joh.16,33. Und auch unter Folgendem bei Jesajas: „Wer ist der, der von Edom kommt, der in der Größe Seiner Kraft einhergeht, Macht zu retten hat? Die Kelter habe ich allein getreten, drum zertrat ich sie in Meinem Zorn, drum ist ihr Blut gespritzt auf Meine Kleider, denn es ist ein Tag der Rache in Meinem Herzen, und das Jahr, die Meinen zu erlösen, ist gekommen; deswegen ward Er Ihnen ein Erretter.“ 63,1 bis 8; und in vielen anderen Stellen. Daß schon früher zweimal auf dieser Erde ein Jüngstes Gericht gehalten wurde, hat seinen Grund darin, daß, wie oben in seinem Abschnitte gezeigt worden, jedes Gericht am Ende der Kirche gehalten wird, und auf dieser Erde schon zwei Kirchen waren, die erste vor der Sündflut, und die andere nach der Sündflut. Die Kirche vor der Sündflut wird in den ersten Kapiteln des ersten Buchs Moses unter der neuen Schöpfung des Himmels und der Erde und unter dem Paradiese beschrieben, und ihr Ende unter dem Essen vom ‚Baume der Erkenntnis’, und hernach im Besonderen; ihr Jüngstes Gericht aber wird unter der Sündflut beschrieben, und dies alles, nach der Schreibart des Wortes, durch bloße Entsprechungen. Im innern oder geistigen Sinne desselben wird unter der Schöpfung des Himmels und der Erde die Errichtung einer neuen Kirche verstanden (man sehe oben, im ersten Abschnitte); unter dem Paradiese in Eden die himmlische Weisheit dieser Kirche; unter dem ‚Baume der Erkenntnis’ das Wissenschaftliche, welches diese Kirche zerstörte. Ähnliches unter der Schlange daselbst; und unter der Sündflut wird das Jüngste Gericht über diejenigen verstanden, welche zu dieser Kirche gehörten. Die andere Kirche aber, welche nach der Sündflut war, wird auch in einigen Stellen im Worte, wie 5.Mose.32,7-14, und anderwärts beschrieben. Sie dehnte sich über einen großen Teil der asiatischen Welt aus, und dauerte bei den Nachkommen Jakobs fort. Ihr Ende war, als der Herr in die Welt kam. Er hielt damals ein Jüngstes Gericht über alle von der ersten Gründung jener Kirche an, und zugleich auch über alle, welche von der ersten Kirche noch übrig waren. Der Herr kam in die Welt, um alles in den Himmeln, und durch die Himmel auf Erden in Ordnung zu bringen, und zugleich Sein Menschliches göttlich zu machen, weil, wenn dies nicht geschehen wäre, der Mensch nicht hätte selig gemacht werden können. Daß zwei Kirchen vor der Ankunft des Herrn auf dieser Erde gewesen sind, ist in den Himmlischen Geheimnissen in verschiedenen Stellen gezeigt worden, wovon man am Ende dieses Abschnittes (l) Auszüge sehen kann; so wie auch, daß der Herr in die Welt kam, um alles in den Himmeln, und durch diese auf Erden in Ordnung zu bringen, und sein Menschliches göttlich zu machen (m). Die dritte Kirche auf dieser Erde ist die christliche. Über diese, und zugleich über alle, welche von der Zeit des Herrn an im ersten Himmel waren, wurde das Jüngste Gericht gehalten, von dem nun gehandelt wird.

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*47. Wie dieses Jüngste Gericht gehalten wurde, darüber kann, weil es zu weitläufig ist, in diesem kleinen Werke keine ins Einzelne gehende Beschreibung gegeben werden; allein es soll in der Auslegung der Offenbarung beschrieben werden: denn das Gericht wurde nicht nur über alle, welche zur christlichen Kirche gehörten, sondern auch über alle, welche Mohammedaner heißen, und auch über alle Heiden auf diesem Erdkreise gehalten; und es wurde in folgender Ordnung gehalten: zuerst über die, welche zur päpstlichen Religion gehörten; hernach über die Mohammedaner, dann über die Heiden, und zuletzt über die Protestanten. Von dem Gericht über die, welche zur päpstlichen Religion gehörten, wird man im folgenden Abschnitte vom zerstörten Babylonien etwas finden; vom Gericht über die Protestanten im Abschnitte vom früheren Himmel, welcher verging; vom Gericht über die Mohammedaner aber und über die Heiden soll in diesem Abschnitte einiges gesagt werden.

*48. Alle Völkerschaften und Völker, über welche in der geistigen Welt Gericht gehalten wurde, erschienen in folgender Ordnung: in der Mitte sah man diejenigen versammelt, welche Protestanten (Reformati) heißen, und zwar nach ihren Vaterglauben abgeteilt, die Deutschen gegen Mitternacht; die Schweden gegen Abend; die Dänen in der Abendgegend; die Holländer gegen Morgen und Mittag; die Engländer in der Mitte. Um diese ganze Mitte herum, in welcher sich die Protestanten befanden, sah man die von der päpstlichen Religion versammelt, den größten Teil in der Abendgegend, einige in der mittäglichen. Jenseits von diesen waren die Mohammedaner, auch nach ihren Vaterglauben abgeteilt; sie erschienen damals alle in der Abendgegend neben der mittäglichen. Über diese hinaus waren die Heiden in ungeheurer Zahl versammelt, und bildeten so den eigentlichen Umkreis. Außerhalb von diesen erschien etwas wie ein Meer, welches die Grenze bildete. Daß die Völkerschaften so nach Gegenden geordnet waren, dies hatte seinen Grund in der Verschiedenheit der einer jeden gemeinsamen Fähigkeit, das Göttlich-Wahre aufzunehmen; weswegen in der geistigen Welt jeder an der Gegend und dem Orte, den er in ihr bewohnt, und auch beim Zusammensein mit Vielen an der Stelle erkannt wird, die er in Beziehung auf die Gegenden einnimmt. Man sehe über diesen Gegenstand im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 148, 149. Ebenso verhält es sich, wenn man von einem Orte an den andern geht; man nähert sich dann immer den Gegenden, welche den aufeinander folgenden Zuständen der Gedanken angemessen sind, die von Neigungen ausgehen, welche mit dem eigenen Leben zusammenhängen. Diesen gemäß sind nun auch die, von welchen nun folgt, an ihren Ort gebracht worden. Mit einem Wort: in der geistigen Welt sind die Wege, welche jeder wandelt, wirkliche Bestimmungen der Gedanken des Gemüts. Daher kommt es auch, daß die Wege, das Wandeln, und Ähnliches im Worte, im geistigen Sinne die Bestimmungen und Fortschritte des geistigen Lebens bezeichnen.

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*49. Die vier Gegenden werden im Worte vier Winde, und ihre Versammlung eine Sammlung von den vier Winden genannt, wie bei Matthäus, wo vom Jüngsten Gericht gehandelt wird: „Er wird Seine Engel senden, und sie werden die Auserwählten von vier Winden versammeln, vom Äußersten der Himmel bis zum Äußersten derselben.“ 24,31. Und anderwärts: „Es werden vor dem Menschensohne alle Völkerschaften versammelt werden, und Er wird sie von einander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zur Rechten, die Böcke aber zur Linken stellen.“ Matth.25,31.32. Dies bedeutete, daß der Herr diejenigen, welche im Wahren und zugleich im Guten sind, von denen scheiden werde, die im Wahren, und nicht im Guten sind; denn im geistigen Sinne des Wortes wird unter dem Rechten das Gute, und unter dem Linken das Wahre verstanden; das Nämliche unter den Schafen und unter den Böcken. Über andere ist auch das Gericht nicht gehalten worden; denn die Bösen, welche in keinem Wahren waren, befanden sich schon lange in den Höllen. In diese werden nämlich nach dem Tode, also noch vor dem Gericht, alle Bösen geworfen, welche in ihrem Herzen das Göttliche leugnen, und von ihrem Glauben das Wahre der Kirche entfernen. Aus denen, die sich im Wahren und nicht im Guten befinden, ging der frühere Himmel hervor, welcher verging; und aus denen, die sich im Wahren und zugleich im Guten befinden, wurde der neue Himmel gebildet.

*50. Was das Gericht über die Mohammedaner und Heiden betrifft, von welchen in diesem Abschnitte gehandelt wird, so wurde es folgender Maßen gehalten. Die Mohammedaner wurden von ihren Örtern, in welchen sie versammelt waren, und die sich im Westen neben dem Süden befanden, auf einem Wege von Westen durch Norden nach Osten, bis an die Grenze, wo der Süden ist, um die Christen herumgeführt, und unterwegs die Bösen von den Guten getrennt. Die Bösen wurden in Sümpfe und Pfützen geworfen, viele auch in eine große Wüste, welche darüber hinauslag zerstreut; die Guten aber wurden durch den Osten in ein Land von großem Umfang in der Nähe des Südens geführt, und ihnen Wohnungen daselbst gegeben. Diejenigen, welche hierher geführt wurden, bestanden aus solchen, welche in der Welt den Herrn für den größten Propheten, und für den Sohn Gottes anerkannt, und geglaubt hatten, daß Er vom Vater gesandt worden sei, um das menschliche Geschlecht zu unterrichten, und die zugleich ein geistig-sittliches Leben nach den Geboten ihrer Religion geführt hatten. Die Meisten von ihnen nehmen an, daß Er mit dem Vater Eins ist. Es wird ihnen auch eine Gemeinschaft mit dem christlichen Himmel durch den Einfluß von dem Herrn gegeben, sie werden aber nicht mit jenem vermischt, weil die Religion sie trennt. Alle, die zu dieser Religion gehören, fragen, sobald sie in das andere Leben unter die Ihrigen kommen, zuerst nach Mohammed; allein dieser erscheint nicht, sondern anstatt seiner zwei Andere, welche sich Mohammed nennen. Diese haben ihren Sitz in der Mitte unter dem christlichen Himmel, und zwar zur Linken daselbst, erhalten. Die Ursache, warum diese zwei die Stelle Mohammeds vertreten, ist, daß alle, von welcher Religion sie auch seien, nach dem Tode zuerst zu denen geführt werden, die sie in der Welt verehrt haben; denn jedem hängt seine Religion an. Wenn sie aber dann wahrnehmen, daß diese ihnen nichts helfen können, so treten sie von ihnen ab; denn keiner kann von seiner Religion anders abgeführt werden, als dadurch, daß er zuerst in dieselbe eingelassen wird. Wo Mohammed selbst sei, wie er beschaffen, und woher jene zwei seien, welche Mohammeds Stelle vertreten, soll in dem Buche gesagt werden, in dem die Offenbarung erklärt werden wird.

*51. Das Gericht über die Heiden wurde fast auf dieselbe Weise gehalten, wie über die Mohammedaner, nur wurden sie nicht auf dieselbe Weise im Umkreis herum geführt, sondern bloß durch eine Strecke Wegs im Westen, wo die Bösen von den Guten geschieden wurden. Die Bösen wurden in zwei große Schlünde daselbst geworfen, welche in schiefer Richtung in die Tiefe gingen; die Guten aber wurden über die Mitte herauf, wo die Christen sind, gegen ein Land in der Morgengegend hingeführt, wo die Mohammedaner waren, und hier erhielten sie ihre Wohnungen hinter diesen, und weiter hinaus in großer Ausdehnung in der Mittagsgegend. Aber diejenigen von den Heiden, welche in der Welt Gott unter einer menschlichen Gestalt verehrt, und ein Leben der tätigen Liebe nach ihrer Religion geführt haben, werden im Himmel mit den Christen verbunden, denn sie erkennen und verehren eher als die Übrigen den Herrn: die Einsichtsvollsten unter ihnen sind aus Afrika. Man sah eine so große Menge von Heiden und Mohammedanern, daß sie nur nach Myriaden gezählt werden konnten. Das Gericht über diese so große Menge dauerte einige Tage; denn jeder ist sogleich bezeichnet, und wird zu Ähnlichen gebracht, sobald er in seine Liebe und in seinen Glauben versetzt wird.

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*52. Hieraus kann man die Wahrheit der Weissagung des Herrn vom Jüngsten Gericht sehen, daß dann viele von Morgen und von Abend, von Mitternacht und von Mittag kommen und im Reiche Gottes sitzen werden. Luc.13,29.



Aus den Himmlischen Geheimnissen

l) Daß es eine erste und älteste Kirche auf Erden gab, welche in den ersten Kapiteln des ersten Buches Mose beschrieben wird, und daß diese Kirche die himmlische, die allervorzüglichste war, Nr. 607, 895, 920, 1121-1124, 2896, 4493, 8891, 9942, 10545. Welche Beschaffenheit die von dieser Kirche im Himmel haben, Nr. 1114 bis 1125. Daß sie hier im höchsten Lichte seien, Nr. 1117. Daß es nach der Sündflut verschiedene Kirchen gab, welche mit einem Worte die alte Kirche heißen, Nr. 1125-1127, 1327, 10355. Durch wie viele Reiche Asiens die eigentliche alte Kirche sich erstreckte, Nr. 1238, 2385. Wie die Menschen der alten Kirche beschaffen waren, Nr. 609, 895. Daß die alte Kirche eine vorbildliche Kirche war, Nr. 519, 521, 2896. Wie die alte Kirche beschaffen war, als sie abzunehmen anfing, Nr. 1128. Unterschied zwischen der Ältesten und Alten Kirche, Nr. 597, 607, 640, 641, 765, 784, 895, 4493. Von der Kirche, die mit Eber anfing, und die Hebräische Kirche hieß, Nr. 1238, 1241, 1343, 4516, 4517. Unterschied zwischen der Alten und Hebräischen Kirche, Nr. 1343, 4874. Von der bei den Nachkommen Jakobs oder den Kindern Israels errichteten Kirche, Nr. 4281, 4288, 4310, 4500, 4899, 4912, 6304, 7048, 9320, 10396, 10526, 10531, 10698. Daß die Satzungen, Rechte und Gesetze, welche bei den Kindern Israels eingeführt wurden, zum Teil denjenigen ähnlich waren, die in der alten Kirche galten, Nr. 4449. In wie fern die vorbildlichen Gebräuche der bei den Kindern Israels errichteten Kirche von den vorbildlichen Gebräuchen der alten Kirche verschieden waren, Nr. 4288, 10149. Daß in der ältesten Kirche eine unmittelbare Offenbarung aus dem Himmel stattfand; in der Alten Kirche durch Entsprechungen; in der Kirche bei den Kindern Israel mittelst lauter Stimme, und in der christlichen Kirche durch das Wort, Nr. 10355. Daß der Herr, der Gott der Ältesten Kirche, und auch der Alten Kirche war, und Jehovah genannt wurde, Nr. 1343, 6848.

m) Daß der Herr, als Er in der Welt war, alles in den Himmeln und in den Höllen in Ordnung gebracht habe, Nr. 4075, 4286, 9937. Daß der Herr damals die geistige Welt von den Vorsündflutlichen befreit habe, Nr. 1266. Wie sie beschaffen waren, Nr. 310, 311, 560, 562, 563, 570, 581, 586, 607, 660, 805, 808, 1034, 1120, 1265 bis 1272. Daß der Herr durch Versuchungen und Siege die Höllen unterjocht, und alles in Ordnung gebracht, und zugleich sein Menschliches verherrlicht habe, Nr. 4287, 9397. Daß der Herr dies aus sich oder aus eigener Macht getan habe, Nr. 1692, 9937. Daß der Herr allein gekämpft habe, Nr. 8273. Daß der Herr allein dadurch zur Gerechtigkeit und zum Verdienst geworden sei, Nr. 1813, 2025, 2026, 2027, 9715, 9809, 10019. Daß der Herr so sein Menschliches mit seinem Göttlichen vereinigt habe, Nr. 1725, 1729, 1733, 1737, 3318, 3381, 3382, 4286. Daß das Leben am Kreuze die letzte Versuchung und der vollständige Sieg war, durch welchen Er sich verherrlicht, das ist, sein Menschliches göttlich gemacht und die Höllen unterjocht hat, Nr. 2776, 10655, 10659, 10829. Daß der Herr dem Göttlichen selbst nach nicht versucht werden konnte, Nr. 2795, 2803, 2813, 2814. Daß der Herr deswegen ein Menschliches von der Mutter annahm, gegen welches er Versuchungen zuließ, Nr. 1414, 1444, 1573, 5041, 5157, 7193, 9315. Daß er alles Erbliche von der Mutter abgelegt, und das Menschliche aus ihr in so weit ausgezogen, daß Er zuletzt nicht mehr ihr Sohn war, und das Er das Göttlich Menschliche angezogen habe, Nr. 2159, 2574, 2649, 3036, 10829. Daß der Herr durch die Unterjochung der Höllen und durch die Verherrlichung seines Menschlichen die Menschen errettet habe, Nr. 4180, 10019, 10152, 10655, 10659, 10828.

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Über Babylonien und seine Zerstörung.

*53. Daß alles, was in der Offenbarung vorausgesagt worden, jetzt erfüllt sei, sehe man oben Nr. 40 bis 44, und daß das Jüngste Gericht schon gehalten sei, im vorigen Abschnitte, wo auch gezeigt worden, auf welche Weise das Gericht über die Mohammedaner und Heiden gehalten wurde. Hier soll nun weiter gesagt werden, wie es gehalten wurde über die Päpstlichen, welche unter Babylonien verstanden werden, von dem in der Offenbarung in vielen Stellen, und im 18-ten Kapitel besonders von seiner Zerstörung gehandelt, und diese folgendermaßen beschrieben wird: „Der Engel rief heftig mit starker Stimme: Gefallen, gefallen ist Babylon, und eine Behausung der Dämonen geworden, und ein Gefängnis jedes unsauberen Geistes, und ein Gefängnis jedes unreinen, verhaßten Vogels.“ Vers 2. Doch ehe erzählt wird, wie diese Zerstörung vor sich ging, soll vorausgeschickt werden:

  1. Was unter Babylonien verstanden wird, und wie es beschaffen war;

  2. Wie die im andern Leben beschaffen sind, welche zu Babylonien behören;

  3. Wo ihre Wohnungen bisher waren;

  4. Warum sie bis zum Tage des Jüngsten Gerichts daselbst geduldet wurden;

  5. Wie sie zugrunde gerichtet, und ihre Wohnungen zur Wüste gemacht wurden;

  6. Daß die von ihnen erhalten wurden, welche in der Neigung zum Wahren aus dem Guten waren;

  7. Von dem künftigen Zustande derer von ihnen, die von der Erde ankommen.

*54. 1) Was unter Babylonien verstanden werde, und wie es beschaffen gewesen. Unter Babylonien werden alle verstanden, welche durch die Religion herrschen wollen. Durch die Religion herrschen heißt, über die Seelen der Menschen, also über ihr geistiges Leben selbst herrschen, und das Göttliche, das in der Religion ist, als Mittel benützen. Alle diejenigen, welche die Herrschaft zum Endzweck haben, und die Religion zum Mittel machen, sind im Allgemeinen Babylonien. Sie heißen Babylonien, weil in den alten Zeiten eine solche Herrschaft anfing, in ihrem Beginne aber zerstört wurde. Ihr Anfang wird unter einer Stadt und unter einem Turme, dessen Spitze im Himmel war, und ihre Zerstörung unter der Sprachenverwirrung beschrieben, von der ihr Name Babel stammt, 1.Mose.11,1-9. Was unter dem Einzelnen daselbst im innern oder geistigen Sinne des Wortes verstanden wird, kann man in den Himmlischen Geheimnissen, Nr. 1283 bis 1328 ausgelegt finden. Daß auch in Babel ein solche Herrschaft anfing und aufkam, erhellt aus Daniel, wo von Nebuchadnezar gesagt wird, daß er ein Bild aufgestellt habe, welches alle anbeten sollten, Kap. 3, 1. bis zu Ende. Es wird aber auch unter dem verstanden, daß Belschazar aus den goldenen und silbernen Gefäßen, welche Nebuchadnezar vom Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, mit den Vornehmsten trank, und zugleich dann goldene, silberne, kupferne und eiserne Götter verehrte; weswegen an der Wand geschrieben stand: „Er hat gezählt, gewogen und geteilt,“ und der König selbst in der selben Nacht getötet wurde. Kap. 5,1. bis zu Ende. Durch die goldenen und silbernen Gefäße aus dem Tempel zu Jerusalem wird das Wahre und Gute der Kirche bezeichnet. Durch trinken aus denselben, und zugleich die goldenen, silbernen, kupfernen und eisernen Götter verehren, wird die Entweihung; durch die Schrift an der Wand und durch den Tod des Königs wird die Heimsuchung und Zerstörung bezeichnet, welche denen angesagt werden, die das Göttlich-Gute und Wahre als Mittel brauchen. Die Beschaffenheit derjenigen, welche Babylonien heißen, wird auch hie und da bei den Propheten beschrieben, als bei Jesajas: „So bring vom König Babyloniens dies Sprichwort vor: Zerbrochen hat Jehova der Gottvergessenen Stab, der Herrscher Zepter. Du fielst vom Himmel, Morgenstern! Du fielst herab zur Erde, sprachst in deiner Seele: Ich will gen Himmel steigen, meinen Thron erhöhen über Gottes Sterne, und mich setzen auf dem Berge der Versammlung, zur Seiten gegen Mitternacht, ich will mich gleich dem Höchsten machen: doch du sollst zur Hölle fahren, zu der Grube Seiten: Ich will den Namen Babyloniens, sowie was übrig ist, vertilgen, und dem Entenadler (anatariae; hebräisch: קסד Nippod) dich zum erblichen Besitze geben,“ 14,4.5.12.13.14.15.22.23; und anderwärts bei ebendemselben: „Der Löwe sprach: Gefallen ist, gefallen Babel, und es sind zu Boden geschlagen alle ihre Götzenbilder.“ 21,8.9; und ferner bei demselben, Kap. 47,1 bis zu Ende, Kap. 48,14. bis 20; und bei Jeremias 50,1.2.3; Hieraus erhellt nun, was Babylonien ist. Man muß wissen, daß die Kirche ein Babylonien wird, wenn die tätige Liebe und der Glaube aufhört, und anstatt derselben die Liebe zu sich zu herrschen anfängt; denn diese Liebe greift immer mehr um sich, je mehr man ihr den Zügel schießen läßt, und strebt nicht nur nach der Herrschaft über alle auf Erden, die sie sich unterwerfen kann, sondern auch nach der über den Himmel; ja, sie ruht auch dann nicht, sondern steigt bis zum Throne Gottes auf, und trägt Seine göttliche Macht auf sich über. Daß dies auch vor der Ankunft des Herrn geschehen sei, erhellt aus den oben aus dem Worte angeführten Stellen. Allein jenes Babylonien wurde vom Herrn zerstört, als Er in der Welt war, sowohl dadurch, daß sie gänzlich abgöttisch wurden, als durch das Jüngste Gericht, daß er damals in der geistigen Welt hielt. Dies wird verstanden unter jenen prophetischen Aussprüchen, daß der Morgenstern (Lucifer), welcher hier Babylonien ist, zur Hölle geworfen worden, und Babel gefallen sei; so wie auch unter der Schrift an der Wand, und unter dem Tode Belschazar’s, dann auch unter dem vom Felsen gehauenen Stein, welcher die Bildsäule zerstörte, von der Nebuchadnezar geträumt hatte.

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*55. Das Babylonien aber, von welchem in der Offenbarung gehandelt wird, ist das heutige Babylonien, welches nach der Ankunft des Herrn anfing; und das dieses bei den Päpstlichen sei, ist bekannt. Es ist verderblicher und schändlicher als das vor der Ankunft des Herrn, weil es das innere Gute und Wahre der Kirche entweiht, das der Herr zugleich mit sich selbst der Welt offenbarte. Wie verderblich und innerlich verrucht es sei, kann man im Allgemeinen aus Folgendem sehen: sie erkennen an und verehren den Herrn, ohne Ihm irgendeine Macht zum Seligmachen zu lassen. Sie trennen Sein Göttliches gänzlich von Seinem Menschlichen, und tragen Seine göttliche Macht, die Sein Menschliches hatte, auf sich über (n);

n) Daß die Kirche dem Herrn zwei Naturen zuschreibt, und so sein Göttliches von seinem Menschlichen trennt, ist in der Kirchenversammlung um des Papstes willen geschehen, damit er als sein Statthalter anerkannt würde. Dies wurde aus dem Himmel entdeckt in den Himmlischen Geheimnissen, Nr. 3035.

denn sie vergeben die Sünden, lassen in den Himmel ein, werfen in die Hölle, machen selig, wen sie wollen, treiben Handel mit dem Heil, und reißen also das an sich, was allein der göttlichen Gewalt zukommt; und weil sie diese ausüben so folgt, das sie sich, jeder an seinem Orte, zu Göttern machen, indem dieselbe von ihrem Obersten, den sie den Statthalter Christi nennen, auf die Untersten übertragen wird. So sehen sie sich also als den Herrn an, und verehren ihn nicht um seinet-, sondern um ihretwillen. Das Wort schänden und verfälschen sie nicht nur, sondern entziehen es auch dem Volke, damit es nicht zu einigem Licht des Wahren komme; und hiermit noch nicht zufrieden, vernichten sie es auch, indem sie in den von Rom ausgehenden Verordnungen ein Göttliches anerkennen, das höher steht, als das Göttliche im Worte. So verschließen sie allen den Weg zum Himmel: denn der Weg zum Himmel ist die Anerkennung des Herrn, und der Glaube und die Liebe zu Ihm; und das Wort ist der Wegweiser, weswegen ohne den Herrn mittelst des Wortes kein Heil ist. Sie streben mit allem Eifer danach, das Licht des Himmels, das aus dem Göttlich-Wahren ist, auszulöschen, und Unwissenheit an dessen Stelle zu setzen; und je dichter diese ist, desto angenehmer ist es ihnen. Das Licht des Himmels löschen sie dadurch aus, daß sie das Lesen des Wortes und das Lesen derjenigen Bücher verbieten, in welchen die Lehren aus dem Worte enthalten sind. Dabei stellen sie einen Gottesdienst durch Messen an, welche in einer den Einfältigen unverständlichen Sprache geschrieben sind, und in denen nichts Göttlich-Wahres ist. Überdies erfüllen sie ihre Welt mit Falschem, daß die Finsternis selbst ist, die das Licht entfernet und zerstreut. Sie überreden auch das Volk, daß es in ihrem Glauben, mithin in einem fremden, und nicht in dem seinigen, das Leben habe. Dabei setzen sie allen Gottesdienst in äußere Heiligkeit ohne innere. Das Innere machen sie leer, weil sie es von den Kenntnissen des Guten und Wahren entblößen; und doch ist im Äußeren nur insoweit ein Gottesdienst, als er auch im Innern ist; denn aus diesem geht jener hervor. Außerdem führen sie auch allerlei Arten von Götzendienst ein. Sie machen Heilige, und vervielfältigen ihre Zahl immer mehr. Sie sehen und dulden, daß man dieselben anbetet, und Gebete an sie richtet, fast wie wenn sie Götter wären. Die Bilder derselben stellen sie überall aus, und bieten eine große Menge von Wundern feil, welche jene verrichtet haben sollen. Sie setzen dieselben den Städten, den Tempeln und den Klöstern vor, und machen ihre von den Gräbern herausgenommenen Gebeine, welche doch etwas Ganz Gemeines sind, zu Heiligtümern. So wenden sie die Seelen aller vom Dienste Gottes ab zum Dienst der Menschen. Und daß niemand aus dieser Finsternis zum Lichte, und aus dem Götzendienste zum Dienste Gottes herankomme, dafür wissen sie mit vieler Kunst zu sorgen: denn sie vervielfältigen die Klöster, und stellen aus denselben überall Kundschafter und Wächter aus. Sie erpressen Bekenntnisse des Herzens, welche sich auch auf die Gedanken und Absichten erstrecken; und wenn diese nicht abgelegt werden, so schrecken sie die Seelen mit dem höllischen Feuer, und mit den Qualen im Fegfeuer. Die aber, welche gegen den päpstlichen Stuhl und gegen ihre Herrschaft zu sprechen wagen, verschließen sie in einen schauderhaften Kerker, welchen man den der Inquisition nennt. Dies alles bloß zu dem Ende, daß sie die Welt und ihre Schätze besitzen, und nach Gefallen leben könnten, und daß sie selbst die Höchsten, die Übrigen oder Sklaven seien. Allein eine solche Herrschaft ist nicht die des Himmels über die Hölle, sondern der Hölle über den Himmel; denn insoweit, als bei dem Menschen, besonders bei dem Menschen der Kirche, die Liebe zum Herrschen wächst, insoweit herrscht bei ihm die Hölle. Daß diese Liebe in der Hölle herrsche, und die Hölle ausmache, sehe man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 551 bis 565. Hieraus kann man sehen, daß dort nicht die Kirche, sondern Babylonien ist; denn wo die Kirche ist, da wird der Herr selbst verehrt, und das Wort gelesen.

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*56. 2) Wie die von Babylonien im andern Leben beschaffen seien, kann niemand wissen, dem nicht vom Herrn gestattet ist, mit denen in der geistigen Welt zusammen zu sein; und weil mir dies erlaubt worden ist, so kann ich aus Erfahrung reden; denn ich habe sie gesehen, gehört und mit ihnen gesprochen. Jeder Mensch ist nach dem Tode in demselben Leben, in dem er in der Welt war. Dies kann nicht verändert werden, außer in Ansehung des Angenehmen, welches Gegenstand der Liebe ist, und in Entsprechendes verwandelt wird, wie aus den zwei Abschnitten im Werke über Himmel und Hölle Nr. 470 bis 490 erhellen kann. Ebenso nun das Leben derer, von welchen jetzt die Rede ist. Dasselbe ist ganz so, wie es in der Welt war, nur mit dem Unterschied, daß nun das Verborgene ihres Herzens aufgedeckt wird, denn sie sind nun im Geiste, in welchem das Innere ihrer Gedanken und Absichten sitzt, das sie in der Welt verborgen und mit einem heiligen Äußeren bedeckt hatten. Da nun jenes damals offenstand, so nahm man wahr, daß über die Hälfte von denen, die sich der Macht, den Himmel zu öffnen und zu verschließen, bedient hatten, gänzliche Gottesleugner sind. Weil aber in ihrer Seele das Herrschen sitzt, wie in der Welt, und dasselbe auf dem Grundsatze ruht, daß der Herr alle vom Vater ihm gegebene Macht gehabt habe, und diese auf Petrus, und nach der Amtsfolgeordnung auf die Häupter der Kirche übertragen worden sei, so bleibt mit ihrer Gottesleugnung noch das mündliche Bekenntnis des Herrn verbunden; doch auch dies nicht länger, als bis sie dadurch in einigem Herrschen sind. Die Übrigen aber, welche nicht Gottesleugner sind, sind so leer, daß sie vom geistigen Leben des Menschen, von den Heilmitteln, vom Göttlich-Wahren, das zum Himmel führt, und auch vom himmlischen Glauben und der himmlischen Liebe nichts wissen, und meinen, der Himmel könne jedem, wie er auch beschaffen sei, durch die Gnade des Papstes geschenkt werden. Da in der geistigen Welt jeder dasselbe Leben lebt, das er in der Welt lebte, so daß dabei, so lange er noch nicht entweder im Himmel oder in der Hölle ist, gar kein Unterschied stattfindet, wie man es in dem Werke über Himmel und Hölle, Nr. 453 bis 480 finden kann; und da die geistige Welt, dem äußeren Scheine nach, der natürlichen ganz ähnlich ist, Nr. 170 bis 176, so haben sie auch dasselbe sittlich und dasselbe bürgerliche Leben, besonders denselben Gottesdienst; denn dieser wurzelt und bleibt hängen im Innersten des Menschen, und niemand kann nach dem Tode davon abgebracht werden, wenn er nicht im Guten aus dem Wahren, und im Wahren aus dem Guten ist. Dies Volk aber, von dem hier die Rede ist, kann nicht so leicht, wie die übrigen Völker, von seinem Gottesdienste abgebracht werden, weil es nicht im Guten aus dem Wahren, noch weniger im Wahren aus dem Guten ist. Denn ihr Wahres ist, außer wenigen, das sie aber durch die Anwendung zum Herrschen verfälscht haben, nicht aus dem Worte, daher sie auch nichts Gutes haben, das nicht unecht wäre; denn wie das Wahre beschaffen ist, so wird auch das Gute. Dies ist gesagt worden damit man wisse, daß der Gottesdienst dieses Volkes in der geistigen Welt dem, den es in der natürlichen Welt hatte, ganz ähnlich ist. Nachdem ich dies vorausgeschickt habe, will ich nun auch einiges von ihrem Gottesdienste und von ihrem Leben anführen. Sie haben ein Synedrium, das die Stelle des Synedriums oder Konsistoriums zu Rom vertritt. In diesem kommen ihre Häupter zusammen, und beraten sich über Verschiedenes, was ihre Religion betrifft, besonders wie der Pöbel in blindem Gehorsam gehalten, und ihre Herrschaft erweitert werden könne. Der Ort dieses Synedriums ist in der Mittagsgegend neben der Morgengegend; allein keiner, der in der Welt Papst gewesen, und auch keiner, der Kardinal gewesen war, wagt es hineinzugehen, und zwar deswegen nicht, weil sie in der Welt die Macht des Herrn sich beigelegt hatten, und daher in ihren Seelen eine Art göttlichen Ansehens sitzt. Sobald sie daher sich daselbst zeigen, werden sie weggenommen, und zu Ähnlichen in eine Wüste verstoßen. Diejenigen jedoch, welche von rechtschaffener Gesinnung waren, und sich jener Macht bedient hatten, ohne sich im Glauben an dieselbe bestärkt zu haben, befinden sich hinter diesem Synedrium in einem dunkeln Gewölbe. Eine andere Versammlung ist in der Abendgegend, in der Nähe der mitternächtlichen. Hier beschäftigt man sich damit, die leichtgläubige Menge in den Himmel einzulassen. Sie versammeln hier mehrere Gesellschaften um sich, welche in verschiedenen äußerlichen Vergnügungen sind; in einigen wird gespielt, in andern getanzt, in andern macht man allerlei heitere und fröhliche Gesichter, in andern unterhält man sich freundschaftlich, hier mit bürgerlichen, dort mit religiösen Gegenständen, dort mit Schäkereien, und so weiter. In irgendeine von diesen Gesellschaften, welche mit seiner Neigung übereinstimmt, lassen sie nun jeden ihrer Schützlinge ein, und nennen dies den Himmel. Allein da diese Freuden äußerlich und nicht innerlich sind, so werden nach wenigen Stunden, die sie daselbst zugebracht, alle derselben überdrüssig, und gehen weg; und auf diese Weise werden auch viele vom Glauben an ihre Lehre von der Einlassung in den Himmel abgebracht. Was insbesondere ihren Gottesdienst betrifft, so ist derselbe wie in der Welt. Er besteht wie in der Welt in Messen, welche in einer Sprache gehalten werden, welche den Geistern nicht gemeinsam, sondern aus hochtönenden Worten zusammengesetzt ist, welche äußere Heiligkeit und Schauern erregen, und gar nicht verstanden werden. Sie beten eben so die Heiligen an, und stellen ihre Bilder aus, allein ihre Heiligen erscheinen nirgends; denn alle diejenigen von ihnen, welche darauf ausgingen, als Gottheiten verehrt zu werden, sind in der Hölle; die Übrigen, welche nicht auf Verehrung ausgingen, befinden sich unter den gemeinen Geistern. Ihre Geistlichen wissen dies, denn sie suchen und finden dieselben, und schätzen sie darum gering; allein sie verbergen es dem Volke, damit dieselben immer noch als Schutzgötter, und sie, die Primaten selbst, welche über das Volk herrschen, als Herrn des Himmels verehrt werden möchten. Sie vervielfältigen auch, wie in der Welt, die Kirchen und Klöster; sie scharren eben so Schätze zusammen, und häufen Kostbarkeiten auf, und verbergen sie in Kellern; denn in der geistigen Welt befinden sich wie in der natürlichen Welt Kostbarkeiten, und zwar noch weit mehrere. Sie senden eben so Mönche aus, um die Heiden zu ihrem Glauben zu bringen, und sie so ihrer Herrschaft zu unterwerfen. In der Regel haben sie auch Wachtürme, welche in der Mitte ihres Versammlungsortes aufgebaut sind, und durch die sie ihr Gesicht über alle benachbarten Länder erweitern können. Sie setzen sich auch auf verschiedene Weise und durch allerlei Künste in Gemeinschaft mit Nahen und Entfernten, schließen Bündnisse mit ihnen, und ziehen sie in ihr Interesse. Dies ist ihr Zustand im Allgemeinen. Insbesondere aber entziehen die meisten Häupter dieser Religion dem Herrn alle Macht, und eignen sie sich zu; und weil sie dies tun, so erkennen sie auch nichts Göttliches an. Gleichwohl lügen sie im Äußern Heiligkeit, welche Heiligkeit aber an sich unheilig ist, weil in ihrem Innern keine Anerkennung des Göttlichen ist. Daher kommt es, daß sie durch das heilige Äußere mit einigen Gesellschaften des untersten Himmels, und durch das unheilige Innere mit den Höllen Gemeinschaft haben, und so überall sind. Sie locken daher nicht nur die einfältigen guten Geister an sich, und geben ihnen Wohnungen neben sich, sondern versammeln auch die bösartigen, und stellen sie um ihre Kongregation herum; und so verbinden sie sich nicht nur durch die Einfältigen mit dem Himmel, sondern auch durch die Bösartigen mit der Hölle. Daher kommt es, daß sie abscheuliche Dinge unternehmen können, welche sie von der Hölle aus zu Stande bringen; denn die einfältigen guten Geister, welche im untersten des Himmels sind, sehen nicht weiter, als bis zu äußerer Heiligkeit, und ihrer im Äußern höchstheiligen Anbetung des Herrn, und da sie ihre Schandtaten nicht sehen, so sind sie ihnen günstig; darauf gründet sich ihr hauptsächlicher Schutz. Allein diese alle gehen gleichwohl mit dem Fortgang der Zeit von der äußern Heiligkeit ab, und werden dann vom Himmel getrennt, und in die Hölle geworfen. Hieraus kann man einigermaßen abnehmen, wie die von Babylonien im andern Leben beschaffen sind. Doch ich weiß, daß die, welche in der Welt sind, vom Zustand des Menschen nach dem Tode, und vom Himmel und der Hölle, keine oder nur eine nichtige und leere Idee haben, sich wundern werden, daß daselbst dergleichen Dinge vorhanden sein sollen. Allein daß der Mensch nach dem Tode ebensowohl Mensch sei, daß er wie in der Welt in Gesellschaft lebe, in Häusern wohne, Predigten in den Tempeln höre, seinen Verrichtungen nachgehe, und dieselben Dinge in dieser Welt sehe, wie in der früheren, die er verlassen hat, dies kann aus dem erhellen, was im Werke über Himmel und Hölle als Gesehenes und Gehörtes erzählt und gezeigt worden ist.

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*57. Ich habe mit einigen von diesem Volke über die dem Petrus übergebenen Schlüssel gesprochen, ob sie glauben, daß die Gewalt des Herrn über den Himmel und die Hölle auf ihn übertragen worden sei; und weil dies eine Grundlage ihrer Religion war, so behaupteten sie es heftig, und sagten, daß darüber kein Zweifel sei, da es ja deutlich gesagt werde; allein auf die Frage, ob sie nicht wissen, daß im Einzelnen des Wortes ein geistiger Sinn sei, welcher der Sinn des Wortes im Himmel ist, sagten sie zuerst, daß sie dies nicht wissen, doch nachher sagten sie, sie wollen es untersuchen, und als sie untersuchten, wurden sie unterrichtet, daß im Einzelnen des Wortes ein geistiger Sinn sei, welcher vom Sinne des Buchstabens wie das Geistige vom Natürlichen verschieden ist. Sie wurden noch weiter unterrichtet, daß keine einzige im Worte genannte Person im Himmel genannt, sondern an deren Stelle etwas Geistiges daselbst verstanden werde. Sie wurden endlich auch unterrichtet, daß unter Petrus im Worte das Wahre des Glaubens der Kirche, das aus dem Guten der tätigen Liebe hervorgeht, und Ähnliches auch unter dem Felsen (Petra) verstanden werde, der zugleich mit Petrus genannt wird, denn es heißt: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche gründen.“ Matth. 16, 18. f; worunter nicht verstanden wird, daß dem Petrus irgend eine Macht übertragen worden, sondern daß sie dem Wahren, das aus dem Guten ist, gehöre; denn alle Gewalt in den Himmeln hat das Wahre aus dem Guten, oder das Gute durch das Wahre; und, weil alles Gute und Wahre vom Herrn, und nichts vom Menschen ist, daß alle Gewalt dem Herrn gehöre. Als sie dies gehört hatten, sagten sie unwillig, daß sie wissen wollen, ob dieser geistige Sinn in jenen Worten sei. Man gab ihnen daher das Wort, das im Himmel ist, in welchem Worte kein natürlicher sondern ein geistiger Sinn ist, weil es für die Engel ist, welche geistig sind; (daß ein solches Wort im Himmel sei, sehe man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 259, 261;) und als sie es lasen, sahen sie deutlich, daß daselbst nicht Petrus, sondern anstatt seiner das Wahre aus dem Guten genannt werde, das vom Herrn ist (o). Als sie dies gesehen hatten, warfen sie voll Zorn es weg, und hätten es beinahe mit ihren Zähnen zerrissen, wenn es nicht augenblicklich weggenommen worden wäre. Hierdurch wurden sie überführt, obgleich sie sich nicht überführen lassen wollten, daß dem Herrn allein alle Gewalt gebühre, und um so weniger irgend einem Menschen, weil sie eine göttliche Gewalt ist.



Aus den Himmlischen Geheimnissen.

o) Daß die zwölf Jünger des Herrn die Kirche in Ansehung alles dessen vorgestellt haben, was zum Wahren und Guten, oder zum Glauben und zur Liebe gehört, ebenso auch die zwölf Stämme Israels, Nr. 2179, 3354, 3488, 3858, 6397. Daß Petrus, Jakobus und Johannes den Glauben, die tätige Liebe, und das Gute der tätigen Liebe vorgestellt haben, Nr. 3750. Petrus den Glauben, Nr. 4738, 6000, 6073, 6344, 10087, 10580. Daß dem Petrus die Schlüssel des Himmelreichs gegeben wurden, bedeutet, daß alle Macht dem Wahren aus dem Guten, oder dem Glauben aus der tätigen Liebe, welcher vom Herrn ist, mithin alle Gewalt dem Herrn gehöre, Nr. 6344. Daß der Schlüssel die Macht zu öffnen und zu verschließen sei, Nr. 9410. Daß das Gute durch das Wahre, oder das Wahre aus dem Guten, welches vom Herrn ist, alle Gewalt habe, Nr. 3091, 3563, 6344, 6413, 6948, 8200, 8304, 9327, 9410, 9639, 9643, 10019, 10182. Daß der Fels im Worte den Herrn in Ansehung des Göttlich-Wahren bezeichne, Nr. 8581, 10580. Daß alle Namen der Personen und Örter im Worte Dinge und Zustände bezeichnen, Nr. 768, 1888, 4310, 4442, 10329. Daß ihre Namen nicht in den Himmel eingehen, sondern sich in Dinge verwandeln, welche durch sie bezeichnet werden, und daß ihre Namen im Himmel auch nicht ausgesprochen werden können, Nr. 1878, 5225, 6516, 10216, 10282. Wie schön der innere Sinn des Wortes da sei, wo bloße Namen vorkommen, wurde an Beispielen gezeigt, Nr. 1224, 1888.

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*58. 3) Wo bisher ihre Wohnungen in der geistigen Welt gewesen seien. Oben Nr. 48 ist gesagt worden, daß man alle Völkerschaften und Völker in der geistigen Welt folgendermaßen geordnet gesehen habe: In der Mitte sah man die sogenannten Protestanten versammelt; um diese Mitte herum die von der päpstlichen Religion; über diese hinaus die Mohammedaner, und zuletzt die verschiedenen Heidenvölker. Hieraus kann man sehen, daß die Päpstlichen den nächsten Umkreis um die Protestanten gebildet haben, die in der Mitte waren. Daß sie den nächsten Umkreis bildeten, hat seinen Grund darin, daß die in der Mitte im Lichte des Wahren aus dem Worte sind; und wer im Lichte des Wahren aus dem Worte ist, ist auch im Lichte des Himmels, denn das Licht des Himmels ist aus dem Göttlich-Wahren, und dieses ist im Worte. Daß das Licht des Himmels aus dem Göttlich-Wahren sei, sehe man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 126 bis 140; und daß das Wort das Göttlich-Wahre sei, Nr. 303 bis 310. Von der Mitte geht auch Licht gegen die Umkreise aus, und erleuchtet sie. Daher kommt es, daß die von der päpstlichen Religion zunächst um die Mitte sind; denn sie haben das Wort, und es wird auch, obgleich nicht von dem Volke, doch von denen gelesen, die zur Geistlichkeit gehören; und dies ist die Ursache, warum die päpstliche Partei ihre Wohnungen um die herum erhalten hat, die im Lichte des Wahren aus dem Worte sind. Nun soll gesagt werden, wie sie gewohnt haben, ehe ihre Wohnungen gänzlich zerstört und zur Wüste gemacht worden sind. Der größte Teil wohnte im Süden und Westen, und nur einige im Norden und Osten.

Im Süden wohnten diejenigen, welche den Übrigen an Geist überlegen waren, und sich in ihrer Religion bestärkt hatten. Zugleich wohnten hier auch die Edlen und Reichen in großer Anzahl. Sie wohnten aber hier nicht über, sondern unter der Erde, aus Furcht vor den Räubern, weswegen sie auch Wachen an die Eingänge stellten. In dieser Gegend war auch eine Stadt, deren Ausdehnung sich beinahe von Osten bis gen Westen, und auch etwas in den Westen hinein erstreckte. Sie lag zunächst an der Mitte, wo die Protestanten waren. In dieser Stadt hielten sich Myriaden von Menschen oder Geistern auf. Sie war voll von Tempeln und Klöstern. Die Geistlichen hatten auch alle Kostbarkeiten, die sie durch allerhand Künste zusammenscharren konnten, in diese Stadt gebracht, und in ihren Gewölben und unterirdischen Gängen verborgen. Diese Gänge waren so ausgearbeitet, daß außer ihnen niemand hineingehen konnte. Sie waren in labyrinthischen Formen herumgeführt. In den hier zusammengehäuften Schätzen war ihr Herz, und sie hatten die Zuversicht, daß sie in Ewigkeit nie zerstört werden würden. Ich sah sie, und bewunderte die Kunst, dieselben anzulegen und ohne Ende zu erweitern. Die meisten von denen, welche sich von der Gesellschaft Jesu nennen, befanden sich daselbst, und lebten in freundschaftlichem Umgang mit den Reichen. Gegen Morgen in dieser Gegend war das Synedrium, wo sie sich über die Erweiterung ihrer Herrschaft und über die Art beratschlagten, das Volk in blindem Gehorsam zu erhalten, wovon oben Nr. 56. So viel über ihre Wohnungen in der südlichen Gegend.

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Im Norden wohnten diejenigen, welche in Ansehung ihres Geistes weniger ausgezeichnet waren, und weil sie bei ihrem geringen Scharfsinn im blinden Glauben waren, sich weniger in ihrer Religion bestärkt hatten. Hier befand sich keine so große Menge wie im Süden. Die meisten von ihnen waren in der großen Stadt, die sich vom östlichen Ende gegen Westen und auch etwas in den Westen hinein in die Länge ausdehnt. Sie war auch voll von Tempeln und Mönchsklöstern. An ihrer äußersten Seite, welche an den Osten grenzte, waren viele von verschiedener Religion, und auch einige von den Protestanten. Auch einige wenige Örter außerhalb der Stadt waren vom päpstlichen Volke besetzt.

Im Osten wohnten die von diesem Volke, welche in der Welt ihr höchstes Vergnügen am Herrschen hatten, und auch in einigem natürlichen Lichte waren. Sie erschienen daselbst auf Bergen, jedoch nur in der Gegend, welche gegen Norden sieht; niemand aber in dem anderen Teile, welcher gegen Süden sieht. Im nördlichen Ende war ein Berg, auf dessen Spitze sie jemanden gesetzt hatten, der seines Verstandes nicht mächtig war. Diesem konnten sie durch Gedankenmitteilungen, welche in der geistigen Welt bekannt, in der natürlichen aber unbekannt sind, eingegeben, alles, was sie wollten, zu befehlen. Sie machten dann bekannt, daß er der in menschlicher Gestalt erscheinende Gott des Himmels selbst sei, und sprachen ihm so göttliche Verehrung zu; und dies deswegen, weil das Volk von ihrem Götzendienst abweichen wollte. Sie hatten dies Mittel ausgedacht, um es im Gehorsam zu erhalten. Dies ist der Berg, der bei Jesajas, Kap. 14, Vers 13. unter „dem Berge der Versammlung an den Seiten des Norden“ verstauben wird; und die auf jenen Bergen sind diejenigen, welche unter Lucifer, Vers 12, verstanden werden; denn diejenigen vom babylonischen Haufen, welche sich im Osten befanden, waren mehr als die übrigen im Licht, welches Licht sie sich durch Kunst verschafft hatten. Man sah auch solche, welche einen Turm bauten, der bis an den Himmel reichen sollte, wo die Engel waren; allein dies war nur eine biblische Vorstellung ihrer Umtriebe. Die Umtriebe werden nämlich in der geistigen Welt vor den Augen derer, die in der Ferne stehen, durch mehreres dargestellt, was bei denen, die mit den Umtrieben umgehen, nicht wirklich vorhanden ist. Dies ist dort etwas Gemeines. Durch diesen äußern Schein ist mir zu wissen gegeben worden, was bezeichnet wurde durch „den Turm, dessen Spitze im Himmel war, wegen dessen der Ort Babel genannt wurde“, 1.Mose.11,1-10. So viel von ihren Wohnungen im Osten. Im Westen wohnten vorne diejenigen von dieser Religion, welche in den finsteren Jahrhunderten gelebt hatten, und zwar die meisten unter der Erde, eine Nachkommenschaft unter der anderen. Der ganze vordere Strich, der nach Norden sieht, war gleichsam ausgehöhlt und mit Klöstern angefüllt. Man konnte durch Grotten zu ihnen eingehen, welche oben mit Deckeln bedeckt waren. Durch diese gingen sie aus und ein, aber selten mit denen, die in den folgenden Jahrhunderten gelebt hatten, denn sie hatten eine andere Sinnesart, und waren nicht so bösartig, weil es zu diesen Zeiten noch keinen Streit mit Protestanten gab, und daher Haß und Rache noch keine solche Arglist und Bosheit aufregen konnten. Über diesen Strich hinaus waren in der westlichen Gegend mehrere Berge, auf welchen sich die Bösartigsten von diesem Volke aufhielten, welche in ihrem Herzen das Göttliche leugneten, und doch mit ihrem Munde es heiliger als die Übrigen bekannten, und mit ihren Gebärden verehrten. Diese hier hatten um die Menge unter dem Joche ihrer Herrschaft zu erhalten, und auch andere zu zwingen, diesem Joche sich zu unterwerfen, schändliche Künste ausgedacht. Diese Künste dürfen aber, weil sie zu schändlich sind, nicht beschrieben werden. Sie gehörten zu denen, welche im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 580 erwähnt werden. Die Berge, auf denen sie waren, sind die, welche in der Offenbarung unter den sieben Bergen verstanden werden, und auch die, welche daselbst unter dem auf dem scharlachroten Tiere sitzenden Weibe mit folgenden Worten beschrieben werden: „Ich sah ein Weib auf einem scharlachroten Tiere sitzen, das voll Namen der Gotteslästerung war, sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. Auf ihrer Stirne stand der Name geschrieben Geheimnis, die große Babylon, die Mutter des Hurens, und der Greuel der Erde. Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt.“ Kap. 17,3.5.9. Unter dem Weibe wird im innern Sinne die Kirche, hier im entgegengesetzten Sinne das entweihte Religiöse verstanden. Unter dem scharlachroten Tiere die Entweihung der himmlischen Liebe; und unter den sieben Bergen die unheilige Liebe zum Herrschen. So viel von ihren Wohnungen im Westen. Daß sie nach Gegenden abgeteilt wohnen, hat seinen Grund darin, daß in der geistigen Welt alle in eine Gegend geführt werden, welche ihrer Neigung und Liebe entspricht, und keiner anderswohin. Man sehe darüber im Werke über Himmel und Hölle, wo Nr. 141 bis 153 von den vier Gegenden des Himmels gehandelt worden ist. Überhaupt gehen alle Beratschlagungen dieses babylonischen Volkes darauf aus, nicht nur über den Himmel, sondern auch über die ganze Erde herrschen, so daß sie sowohl den Himmel als die Erde, durch denen diese, und durch diese jenen besitzen möchten. Um dies zu erhalten, brüten sie beständig neue Verordnungen und neue Lehren aus. Auf dasselbe, was sie in der Welt umtrieben, sinnen sie auch im andern Leben, denn jeder ist nach dem Tode so beschaffen, wie er in der Welt war, besonders in Ansehung dessen, was die Religion betrifft. Es wurde mir gegeben, einige der Häupter zu hören, wie sie über die Lehre beratschlagten, welche den Völkern zur Richtschnur dienen sollte. Es waren mehrere Punkte, aber alle zielten darauf hin, daß sie die Herrschaft über Himmel und Erde erhalten, und alle Gewalt ihnen zu Teil werden, dem Herrn aber keine übrig bleiben möchte. Diese Lehren wurden nachher vor den Anwesenden verlesen, und als sie verlesen waren, hörten sie eine Stimme vom Himmel, daß diese Sätze, obgleich sie es nicht wüßten, aus der untersten Hölle seien. Dies wurde auch dadurch bestätigt, daß ein teuflischer Haufen aus jener Hölle, welcher ganz schwarz und gräßlich aussah, herabstieg, und jene Lehren, nicht mit den Händen, sondern mit den Zähnen, ihnen entriß, und in jene Hölle hinabnahm. Das Volk, das dieses sah, entsetzte sich.

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*59. 4) Daß sie bis zum Tage des Jüngsten Gerichts hier geduldet wurden, geschah deswegen, weil nach der göttlichen Ordnung alle, so viel ihrer irgend erhalten werden können, auch erhalten werden sollen, und dies so lange, bis sie nicht mehr unter den Guten sein können. Es werden daher alle diejenigen aufbehalten, welche im Äußern ein geistiges Leben nachahmen, und, wie sie auch in Ansehung des Glaubens und der Kirche im Innern beschaffen seien, es als sittliches Leben so darstellen können, als ob sie wirklich in ihm stünden. Dann werden auch diejenigen aufbehalten, welche äußere, aber nicht innere Heiligkeit haben. Von solcher Beschaffenheit waren viele dieser Partei; denn sie konnten fromm mit der Menge reden, heilig den Herrn anbeten, den Seelen Religiosität einflößen, sie zum Nachdenken über den Himmel und die Hölle bringen, und durch die Predigt der Werke sie im Gutestun erhalten. Sie konnten daher Viele zum Leben des Guten, also auf den Weg zum Himmel führen; weswegen auch viele von dieser Religion selig wurden, jedoch wenige von den Gelehrteren: denn diese sind die, welche vom Herrn verstanden werden unter den „Falschen Propheten, die in Schafskleidern einhergehen, inwendig aber reißende Wölfe sind.“ Matth.7,15. Unter den Propheten werden im innern Sinne des Wortes diejenigen verstanden, welche das Wahre lehren, und durch dasselbe zum Guten führen, unter den falschen Propheten aber diejenigen, welche das Falsche lehren, und durch dasselbe verführen. Sie sind auch wie die Schriftgelehrten und Pharisäer, welche vom Herrn in folgenden Worten beschrieben werden: „Sie sitzen auf dem Stuhle Moses: alles, was sie euch sagen, das ihr halten sollt, das haltet und tut, aber nach ihren Werken sollt ihr nicht tun; denn sie reden und tun nicht. Alle ihre Werke tun sie, um von den Leuten gesehen zu werden. Sie verschließen den Menschen das Himmelreich, kommen aber selbst nicht hinein. Sie verzehren die Häuser der Witwen, und ergießen sich zum Scheine in langen Gebeten. Wehe euch, ihr Heuchler! ihr reiniget den äußern Teil des Bechers und der Schale, inwendig aber sind sie voll Raubs und Ungerechtigkeit. Reiniget zuvor das Innere des Bechers und der Schale, damit auch das Äußere rein sei. Ihr seit ähnlich den übertünchten Gräbern, welche auswendig hübsch erscheinen, inwendig aber voller Totengebeine sind. So erscheinet ihr äußerlich vor den Menschen gerecht, inwendig aber seid ihr voller Heuchelei und Ungerechtigkeit.“ Matth.23,1-34. Daß sie geduldet wurden, hat auch die Ursache, daß jeder nach dem Tode seine Religion behält, die er in der Welt angenommen hat, und daher in dieselbe eingelassen wird, sobald er in das andere Leben kommt; diesem Volke aber die Religion von solchen eingeflößt worden ist, welche mit Mund und Gebärden sich heilig gestellt, und ihm auch den Glauben eingeprägt haben, daß man durch sie selig werden könne. Daher kam es dann, daß diese nicht von ihm weggenommen, sondern unter den Ihrigen erhalten wurden. Die Hauptursache ist, daß von einem Gericht zum andern alle aufbehalten werden, welche ein dem geistigen ähnliches Leben im Äußeren führen, und sich stellen, als ob sie innere Frömmigkeit und Heiligkeit hätten; damit die Einfältigen von ihnen unterrichtet und geführt werden können; denn die dem Glauben und dem Herzen nach Einfältigen sehen nicht weiter, als bis zu dem Äußern und vor den Augen Erscheinenden. Daher kommt es, daß von der Zeit der Gründung der christlichen Kirche an bis zum Tage des Gerichts alle geduldet wurden, welche von dieser Art waren. Daß schon früher zweimal, und nun zum dritten Male ein Jüngstes Gericht stattgehabt habe, ist oben gezeigt worden. Diese alle sind die, welche den früheren Himmel ausmachten, und in der Offenbarung, Kap. 20,5.6. unter denen verstanden werden, welche zur ersten Auferstehung gehören. Allein weil sie so beschaffen waren, wie oben beschrieben worden, so wurde dieser Himmel zerstört, und die, welche zur zweiten Auferstehung gehörten, ausgeworfen. Man muß aber wissen, daß nur die aufbehalten wurden, welche sich sowohl durch bürgerliche als geistige Gesetze binden ließen, weil diese zugleich in der Gesellschaft sein konnten; diejenigen aber, welche durch diese Gesetze nicht in Schranken gehalten werden konnten, wurden nicht aufbehalten, sondern lange vor dem Tag des Jüngsten Gerichts in die Hölle geworfen; denn die Gesellschaften wurden beständig von solchen gereinigt und gegen sie verteidigt (repugnatae). Daher kommt es, daß die, welche ein lasterhaftes Leben geführt, das Volk zum Böses tun verleitet, und sich mit den schändlichen Künsten abgegeben hatten, die sich bei denen in der Hölle finden, und von welchen im Werke über Himmel und Hölle Nr. 580 gehandelt wird, von den Gesellschaften, und zwar zu verschiedenen Malen ausgeworfen wurden. Eben so werden auch die innerlich Guten von den Gesellschaften weggenommen, damit sie nicht von den innerlich Bösen befleckt würden; denn die Guten fassen das Innere auf, und sehen daher nicht auf das Äußere, außer so weit es mit dem Inneren übereinstimmt. Diese werden in verschiedenen Abteilungen an die Örter des Unterrichts, über welche man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 512 bis 520, nachsehen kann, noch vor dem Gericht gebracht, und von da in den Himmel aufgenommen; denn dies sind die, aus welchen der neue Himmel besteht, und welche unter denen verstanden werden, die zur ersten Auferstehung gehören. Dies ist gesagt worden, damit man wisse, warum so viele von denen, die zur päpstlichen Religion gehörten, bis zum Tage des Jüngsten Gerichts geduldet und aufbehalten wurden. Doch mehreres über diesen Gegenstand soll im folgenden Abschnitte gesagt werden, wo vom ersten Himmel, der verging, gehandelt werden wird.

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*60. 5) Wie sie zerstört, und ihre Wohnungen zur Wüste gemacht worden, will ich hier mit wenigen beschreiben, mit mehrerem in der Auslegung der Offenbarung. Daß das Babylonien, von dem hier gehandelt wird, zerstört ist, kann nur der wissen, der es gesehen hat; und mir ist zu sehen gegeben worden, wie das Jüngste Gericht über alle, und besonders über die, welche zu Babylonien gehörten, gehalten und vollendet worden ist, daher ich eine Beschreibung davon geben will. Dies ist mir besonders darum gestattet worden, damit der Welt geoffenbart würde, daß alles, was in der Offenbarung vorausgesagt worden, von Gott eingegeben, und daß sie ein prophetisches Buch des Wortes ist; denn wenn dies der Welt nicht geoffenbart, und nicht zugleich der innere Sinn aufgeschlossen würde, welcher im Einzelnen dieses Buches, wie im Einzelnen der Propheten des alten Testaments ist, so könnte dieses Buch, weil es nicht verstanden wird, verworfen werden; und dies würde den Unglauben nach sich ziehen, daß das darin Gesagte keinen Glauben verdiene, ja das kein Jüngstes Gericht kommen werde, in welchem Glauben die von Babylonien sich vor andern bestärken würden. Damit nun dies nicht geschehe, hat es dem Herrn gefallen, mich zum Augenzeugen zu machen. Doch nicht alles, was vom Jüngsten Gericht über die von Babylonien, oder von der Zerstörung Babyloniens gesehen worden, kann hier angeführt werden, weil es so vieles ist, daß es ein Buch ausmachen würde, daher ich hier bloß einiges Allgemeine geben, und das Besondere mir bis zur Erklärung der Offenbarung vorbehalten will. Da das babylonische Volk in mehreren Gegenden der geistigen Welt sich gesetzt, und sich über sie ausgedehnt, und in jeder Gegend mehrere Gesellschaften gebildet hatte, wie oben Nr. 58 gezeigt wurde, so will ich im Einzelnen beschreiben, wie sie in jeder Gegend zugrunde gerichtet wurden.

*61. Auf die Untersuchung (visitatio) folgte die Zerstörung; denn die Untersuchung geht immer vorher. Die Untersuchung ist eine Prüfung ihrer Beschaffenheit, und auch eine Trennung der Guten von den Bösen, und zwar werden die Guten von da weggenommen, und die Bösen zurück gelassen. Als diese beendigt war, geschahen große Erdbeben, an welchen man erkannte, daß das Jüngste Gericht bevorstehe. Zittern ergriff jetzt alle. Man sah die, welche in der Mittäglichen Gegend, besonders die in der großen Stadt daselbst wohnten, von welcher oben Nr. 58 die Rede war, dahin und dorthin laufen, einige sich eilends auf die Flucht begeben, einige in die unterirdischen Gänge, andere in die Gewölbe und Gruben sich verbergen, wo ihre Schätze waren, einige was ihnen unter die Hände kam von da herausgetragen; allein nach dem Erdbeben brach es kochend von unten herauf, und stürzte alles um, was in der Stadt und in der umliegenden Gegend war. Auf das Kochen kam ein heftiger Wind von Osten, welcher alles verheerte, erschütterte, und von Grund aus zerstörte. Da wurden dann alle, welche sich daselbst befanden, aus jedem Orte und aus jedem Schlupfwinkel herausgeführt, und ins Meer geworfen, dessen Wasser schwarz war. Derer, die in dasselbe geworfen wurden, waren viele Myriaden. Hernach stieg von dieser ganzen Gegend ein Rauch auf, wie nach einer Feuersbrunst, und zuletzt ein dicker Staub, welcher durch den Ostwind ins Meer geweht, und über dieses hingestreut wurde; denn in Staub verwandelt waren ihre Schätze, und alles, was sie, weil sie es besaßen, heilig hießen. Dieser Staub wurde über das Meer hingestreut, weil ein solcher Staub das Verdammte bedeutet. Zuletzt sah man etwas Schwarzes über jene ganze Gegend herfliegen, und als man nachsah, erschien es wie ein Drache, zum Zeichen, daß aus jener ganzen großen Stadt, und aus jener ganzen Gegend eine Wüste geworden sei. Man sah dies, weil durch die Drachen das Falsche einer solchen Religion bezeichnet, und durch ihre Wohnung die Wüste nach der Zerstörung angedeutet wird, wie Jer.9,11 / 49,33; Mal.1,3. Man sah auch, daß einige etwas um den linken Arm hatten, daß einem Mühlsteine glich, und ein Bild dessen war, daß sie ihre schändlichen Lehrsätze aus dem Worte bestätigt hatten. Der Mühlstein bedeutet dies. Daraus ging hervor, was in der Offenbarung durch Folgendes angedeutet wird: „Ein Engel hob einen Stein auf, der wie ein großer Mühlstein war, und warf ihn in das Meer, und sprach: mit solchem Ungestüm soll fallen Babylon, die große Stadt, und nicht mehr gefunden werden.“ 18,21. Die aber, welche im Synedrium waren, und sich auch in dieser Gegend, jedoch näher gegen Osten befanden, wo man sich über die Art und Weise, die Herrschaft zu erweitern, und über die Mittel beratschlagte, das Volk in der Unwissenheit und daher im blinden Gehorsam zu erhalten (über welches Synedrium man oben Nr. 58 nachsehen kann), wurden nicht in das schwarze Meer, sondern in einen Abgrund geworfen, der sich unter ihnen und um sie herum in die Länge und Tiefe auftat. So wurde das Jüngste Gericht über die Babylonischen in der Mittagsgegend gehalten. Hingegen das Jüngste Gericht über die, welche sich vorne in der Abendgegend, und über die, welche sich in der Mitternachtgegend befanden, wo auch die große Stadt war, wurde folgender Maßen gehalten: Nach ungeheuren Erdbeben, welche hier stattfanden, und alles, was da war, von Grund aus erschütterten (dies sind die Erdbeben, welche im Worte verstanden werden, Matth.24,7; Luc.21,11; und ebenso in der Offenb.6,12. / 8,5 / 11,13 / 16,18; und in den prophetischen Stellen des Alten Testaments, und nicht Erdbeben auf dieser Erde), kam ein Ostwind von Süden über Westen nach Norden, und verheerte die ganze Gegend, zuerst das, was vorne in der westlichen Himmelsgegend war, wo die unter der Erde wohnten, welche in den dunkeln Jahrhunderten gelebt hatten, hernach die große Stadt, welche sich von jener Himmelsgegend durch den Norden bis zum Osten erstreckte. Nach dieser Verheerung kam Alles zum Vorschein. Weil aber hier keine so große Reichtümer waren, so sah man kein Aufkochen, und kein die Schätze verzehrendes Schwefelfeuer, sondern bloß, daß alles umgekehrt und zerstört wurde, und hernach in Rauch aufging; denn der Ostwind wehte hin und her, und riß es aus und zerstörte es, und nahm es auch mit sich fort. Die Mönche wurden mit dem Volke zu Myriaden herausgeführt, und teils in das schwarze Meer zur Seite dessen, das gegen Abend sieht, und teils in den großen südlichen Schlund, von welchem oben die Rede war, teils in den westlichen Abgrund, und teils in die Höllen der Heiden geworfen; denn die aus den finstern Jahrhunderten waren zum Teil Götzendiener wie die Heiden. Man sah von da einen Rauch aufsteigen, sich bis zum Meere hinziehen, über dasselbe sich verbreiten, und es mit einer schwarzen Kruste überziehen; denn der Teil des Meeres, in den sie geworfen wurden, erhielt eine Kruste von Staub und Rauch, in welche sich ihre Wohnungen und Reichtümer aufgelöst hatten, weswegen jenes Meer nicht mehr sichtbar war, sondern an seiner Stelle bloß noch etwas Schwarzes, unter dem sich ihre Hölle befand. Das Jüngste Gericht über die, welche in der östlichen Gegend auf Bergen wohnten, über welche man auch Nr. 58 nachsehen kann, wurde folgendermaßen vollbracht: Man sah Berge in die Tiefe hinabsinken, und alle, die auf ihnen waren, verschlungen werden. Man sah auch den, den sie auf einen Berg gesetzt und als Gott ausgerufen hatten, schwarz, und nachher feurig, und mit ihnen jählich in die Hölle geworfen werden: denn die Mönche verschiedener Orden, welche auf jenen Bergen waren, hatten ihn für Gott, und sich für Christus ausgegeben, und wo sie nur gingen, die verabscheuungswürdige Einbildung mit sich herumgetragen, daß sie Christus seien. Zuletzt wurde das Gericht über die gehalten, welche etwas entfernter in der westlichen Gegend wohnten, und sich hier auf den Bergen aufhielten, die unter dem auf dem scharlachroten Tiere sitzenden Weibe verstanden wurden, das sieben Köpfe hatte, welches sieben Berge waren, wovon auch oben Nr. 58 gehandelt wurde. Auch sah man einige ihrer Berge in der Mitte geöffnet, wo ein ungeheurer Schlund war, der sich schneckenförmig herumzog, und in welchen sie geworfen wurden, die sich auf ihnen aufgehalten hatten. Einige Berge wurden von Grund aus erschüttert und gänzlich umgekehrt, so daß das Oberste zu unterst kam. Die, welche sich von da auf den Ebenen befanden, wurden wie durch eine Sündflut überschwemmt und zugedeckt; die aber, welche sich bei denen von andern Gegenden befanden, wurden in Abgründe geworfen. Doch dies, was nun gesagt worden, ist weniges von dem, was ich alles gesehen habe; mehreres soll in der Auslegung der Offenbarung gegeben werden. Dies geschah und wurde vollbracht zu Anfang des Jahres 1757. Was die Abgründe anlangt, in welche außer denen, die ins schwarze Meer stürzten, alle geworfen wurden, so gibt es mehrere. Mir wurden vier entdeckt; ein großer in der Mittagsgegend gegen Morgen hin; ein zweiter in der Abendgegend gegen Mittag hin; ein dritter in der Abendgegend gegen Mitternacht hin; ein vierter weiter am Ende zwischen Abend und Mitternacht. Die Abgründe und das Meer sind ihre Höllen. Dies ist das, was man sah; allein außer diesem gibt es noch vieles, das man nicht sah; denn die Höllen des babylonischen Volkes sind nach den verschiedenen Arten der Entweihung des Geistigen abgeteilt, welches das Gute und Wahre der Kirche ausmacht.

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*62. So ist nun die geistige Welt von ihnen befreit worden, und die Engel haben sich über diese Befreiung von ihnen gefreut, weil die von Babylonien alle, so viel sie konnten, anfeindeten und verführten, und zwar hier mehr als in der Welt, weil ihre Arglist hier bösartiger ist, da sie nun Geister sind, und in eines jeden Geiste alle Bosheit vorborgen liegt, denn der Geist des Menschen ist das was denkt, will, beabsichtigt und unternimmt. Es wurden viele von ihnen geprüft, und man fand, daß sie gar nichts geglaubt hatten, und in ihren Seelen die schändliche Begierde saß, die Reichen um des Reichtums, die Armen um der Herrschaft willen zu verführen; weswegen sie auch in der dichtesten Unwissenheit gelassen, und so den Weg zum Lichte, und mithin zum Himmel versammelt hatten; denn der Weg zum Himmel und zum Lichte wird verrammelt, wenn die Erkenntnisse geistiger Dinge mit Abgöttischem überschüttet werden, und das Wort geschändet, unkräftig gemacht und weggenommen wird.

*63. 6) Daß diejenigen von ihnen erhalten wurden, welche sich in der Neigung zum Wahren und Guten befanden. Diejenigen vom päpstlichen Volke, welche fromm gelebt hatten, und sich im Guten befanden, und, obschon sie nicht im Wahren waren, doch aus Neigung das Wahre zu wissen verlangt hatten, wurden weggenommen, und in ein gewisses Land vorne in der westlichen Gegend neben der nördlichen gebracht, wo ihnen Wohnungen gegeben und Gesellschaften eingerichtet und hernach Geistliche aus den Protestanten zu ihnen gesandt wurden welche sie aus dem Worte unterrichten mußten; und so wie sie unterrichtet sind, werden sie in den Himmel aufgenommen.

*64. 7) Von dem Zustande derer, die nachher von der Erde ankommen. Da das Jüngste Gericht nun gehalten, und durch dasselbe vom Herrn alles in Ordnung gebracht ist, und alle, welche innerlich gut waren, in den Himmel erhoben, und welche innerlich böse waren, in die Hölle geworfen worden sind, so wird jetzt nicht mehr, wie bisher, zugelassen, daß sie sich unter dem Himmel und über der Hölle zusammen gesellten, und mit andern Gemeinschaft haben; sondern sobald sie daselbst ankommen, was nach eines Jeden Hingang geschieht, werden sie gänzlich getrennt, und, nachdem sie einige Zeit in der Geisterwelt zugebracht, an ihre Örter abgeführt. Wer daher das Heilige entweiht – und von dieser Art sind alle, welche sich die Macht anmaßen, den Himmel zu öffnen und zu verschließen, und die Sünden zu vergeben, was doch allein Sache des Herrn ist, und päpstliche Bullen ausfertigen, welche dem Worte gleich sein sollen, und die Herrschaft zum Endzweck haben – der wird jetzt sogleich in das schwarze Meer, oder in die Abgründe geworfen, wo die Höllen der Entheiliger sind. Es ist mir aber aus dem Himmel gesagt worden, daß die von jener Religion, welche von dieser Beschaffenheit sind, sich nichts um das Leben nach dem Tode bekümmern, weil sie es im Herzen leugnen, sondern nur um das Leben in der Welt; und deswegen auch aus diesem ihrem Lose nach dem Tode, das jedoch in Ewigkeit fortdauern wird, sich nichts machen, sondern darüber, als über etwas Unbedeutendes, lachen.

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Über den früheren Himmel und seine Zerstörung.

*65. Es heißt in der Offenbarung: „Ich sah einen großen Thron, und Einen, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde und der Himmel floh, und ihre Stätte wurde nicht gefunden.“ 20,11. Und nachher: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, der erste Himmel und die erste Erde war vergangen.“ 21,1. Daß unter dem neuen Himmel und der neuen Erde, und unter dem Vergehen des früheren Himmels und der früheren Erde nicht der wahrnehmbare Himmel und unsere bewohnte Erde, sondern der Engels-Himmel und die Kirche verstanden worden, ist oben im ersten Abschnitte, und auch in den folgenden gezeigt worden; denn das Wort ist an sich geistig, und handelt daher von geistigen Dingen, und geistig ist, was den Himmel und die Kirche betrifft; dieses wird im buchstäblichen Sinne durch Natürlichkeit vorgestellt, weil das Natürliche dem Geistigen zur Grundlage dient, und das Wort ohne eine solche Grundlage kein göttliches Werk wäre, weil es nicht vollständig wäre. Das Natürliche, welches das Letzte in der göttlichen Ordnung ist, vervollständigt, und macht, daß das Innere, welches geistig und himmlisch ist, auf ihm ruht, wie das Haus auf seinem Grunde. Da nun der Mensch aus dem Natürlichen, nicht aus dem Geistigen über das, was im Worte ist, nachgedacht hat, so hat er in jenen und auch in anderen Stellen unter Himmel und Erde nichts anderes, als den Himmel, der in der natürlichen Welt ist, und auch keine andere Erde verstanden. Daher kommt es, daß jeder das Vergehen und die Zerstörung von diesen, und zugleich auch die Erschaffung der neuen erwartet. Damit aber dieses nicht immerfort, und in jedem Jahrhundert vergeblich erwartet würde, ist der geistige Sinn des Wortes eröffnet worden, damit man wisse, was unter anderem im Worte, das, solange man nur natürlich darüber nachdenkt, nicht zum Verständnis kommt, und zugleich, was unter dem Himmel und der Erde, welche vergehen sollen, verstanden wird.

*66. Doch bevor geoffenbart wird, was unter dem ersten Himmel und unter der ersten Erde verstanden wird, muß man wissen, daß unter dem ersten Himmel nicht der Himmel verstanden wird, der aus denen bestand, die von der ersten Schöpfung dieser Welt an bis auf diese Zeit Engel geworden sind; - denn dieser Himmel ist beständig, und bleibt in Ewigkeit, weil alle, die in den Himmel kommen, unter dem Schutze des Herrn sind, und dem Herrn Keiner, der einmal aufgenommen ist, entrissen werden kann; - sondern unter dem ersten Himmel wird derjenige verstanden, der von andern, als denen, welche Engel wurden, und größtenteils von solchen zusammengesetzt wurde, welche keine Engel werden konnten. Wer diese, und wie sie beschaffen gewesen, soll im Folgenden gesagt werden. Dies ist der Himmel, von welchem gesagt wird, daß er vergangen war. Er wird Himmel genannt, weil die, welche sich in ihm befanden, in der Höhe auf Felsen und Bergen beisammen wohnten, und in Vergnügungen lebten, welche den natürlichen ähnlich, aber keineswegs geistig waren; denn die Meisten, welche von der Erde in die geistige Welt kommen, glauben im Himmel zu sein, wenn sie in der Höhe sind, und in der himmlischen Freude, wenn sie in den Vergnügungen sind, und in der himmlischen Freude, wenn sie in den Vergnügungen sind, die sie in der Welt hatten; daher kommt es, daß jenes der Himmel hieß, aber der erste Himmel, welcher vergehen sollte.

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*67. Man muß ferner wissen, daß dieser Himmel, welcher der erste heißt, nicht aus solchen bestand, welche vor der Ankunft des Herrn in die Welt, sondern durchaus aus solchen, welche nach Seiner Ankunft gelebt hatten; denn wie oben Nr. 33 bis 39 gezeigt worden, wird am Ende einer jeden Kirche ein Jüngstes Gericht gehalten, und dann der frühere Himmel zerstört, und ein neuer geschaffen oder gebildet, weil vom Anfang bis zum Ende der Kirche alle die geduldet wurden, welche in einem äußerlich sittlichen Leben, und, obschon nicht in innerer, doch in äußerer Frömmigkeit und Heiligkeit gelebt hatten, wenn nur das Innere ihrer Gedanken und Absichten durch die bürgerlichen und sittlichen Gesetze der Gesellschaft in Schranken gehalten werden konnte; aber am Ende der Kirche wird das Innere aufgedeckt, und dann Gericht über sie gehalten. Daher kommt es, daß über die Bewohner dieser Erde schon früher zweimal, und nun zum dritten male ein Jüngstes Gericht gehalten worden ist. Man sehe oben Nr. 46. So ist nun auch früher zweimal der Himmel mit der Erde vergangen, und ein neuer Himmel mit einer neuen Erde gebildet worden; denn der Himmel und die Erde sind, wie oben Nr. 1 bis 5 gezeigt worden, die Kirche an beiden Orten. Daraus geht hervor, daß der neue Himmel und die neue Erde, welche bei den Propheten des Alten Testaments erwähnt werden, nicht der neue Himmel und die neue Erde sind, welche in der Offenbarung vorkommen, sondern daß jene vom Herrn, als Er in der Welt war, erschaffen wurden, und dieser jetzt von ihm gebildet wird. Von jenen liest man bei den Propheten des Alten Testaments: „Sieh, Ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, nicht mehr wird der früheren erwähnet werden.“ Jes.65,17. Und anderwärts: „Ich werde einen neuen Himmel und eine neue Erde machen.“ Jes.66,22. Außerdem auch bei Daniel.

*68. Da nun hier vom ersten Himmel, der verging, gehandelt wird, und niemand etwas von ihm weiß, so will ich der Ordnung nach beschreiben:

  1. Aus welchen der erste Himmel bestanden habe.

  2. Wie er beschaffen war.

  3. Wie er verging.

*69. 1) Aus welchen der erste Himmel bestanden habe. Der erste Himmel wurde von solchen zusammengesetzt, über welche das Jüngste Gericht gehalten wurde; denn es wurde nicht über die in der Hölle, noch über die im Himmel, noch über die in der Geisterwelt, über welche Welt man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 421 bis 520 nachsehen kann, noch über einen noch lebenden Menschen, sondern bloß über die gehalten, welche sich eine Art von Himmel gemacht hatten, und sich größtenteils auf Bergen und Felsen aufhielten. Dies sind auch die, welche vom Herrn unter den Böcken verstanden wurden, die Er zur Linken stellte, Matth.25,32.33.ff. Daraus kann erhellen, daß der erste Himmel nicht nur aus Christen, sondern auch aus Mohammedanern und Heiden Bestand, welche alle sich solche Himmel an ihren Orten gebildet hatten. Wie sie beschaffen waren, soll mit Wenigem gesagt werden. Sie waren die, welche in der Welt zwar in äußerer Heiligkeit, aber in keiner innern gelebt hatten, und welche um der bürgerlichen und sittlichen Gesetze, und nicht um der göttlichen Gesetze willen gerecht und aufrichtig, welche also äußerliche oder natürliche, und nicht innerliche oder geistige Menschen, welche auch in den Lehren der Kirche waren, und sie lehren konnten, ob sie gleich nicht nach denselben lebten; ferner solche, welche in verschiedenen Ämtern standen, und Nutzen schafften, aber nicht um des Nutzens willen; diese und ihres gleichen aus allen im ganzen Erdkreise, welche nach der Ankunft des Herrn gelebt hatten, machten den ersten Himmel aus. Dieser Himmel war also von der Art, wie die Welt und die Kirche auf Erden bei denen ist, welche das Gute tun, nicht weil es gut ist, sondern weil sie die Gesetze und den Verlust des Rufes, der Ehre und des Vorteils fürchten. Wer aus keinem anderen Grunde das Gute tut, fürchtet nicht Gott, sondern die Menschen, und hat auch kein Gewissen. In dem ersten Himmel, der aus Protestanten bestand, waren großen Teils solche, welche glaubten, der Mensch werde durch den bloßen Glauben selig, und welche kein Leben des Glaubens, das tätige Liebe ist, lebten, und es sehr gerne hatten, wenn sie von den Menschen gesehen wurden. Diesen allen war, so lange sie beisammen waren, das Innere verschlossen, so das es nicht sichtbar war, als aber das Jüngste Gericht bevorstand, wurde es geöffnet, und dann fand man, daß sie inwendig von allen Arten des Bösen und Falschen besessen, und daß sie wider das Göttliche, und wirklich in der Hölle waren; denn nach dem Tode wird jeder sogleich mit Ähnlichen verbunden, die Guten mit Ähnlichen im Himmel, die Bösen aber mit Ähnlichen in der Hölle. Allein sie kommen nicht zu denselben, als bis das Innere aufgedeckt wird. Inzwischen können sie denen beigesellt werden, die ihnen dem Äußern nach ähnlich sind. Man muß aber wissen, daß alle die, welche innerlich gut, welche also geistig waren, von ihnen getrennt und in den Himmel erhoben wurden; und daß alle, welche nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich böse waren, auch von ihnen getrennt, und in die Hölle geworfen wurden; und dies von der ersten Zeit nach der Ankunft des Herrn bis zur letzten, da das Gericht war. Es wurden, um Gesellschaften unter sich zu bilden, aus welchen der erste Himmel bestand, bloß diejenigen zurückgelassen, welche so beschaffen waren, wie sie oben beschrieben wurden.

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*70. Daß solche Gesellschaften oder solche Himmel geduldet wurden, davon gibt es mehrere Ursachen. Die hauptsächliche ist, daß sie durch äußere Heiligkeit, und durch äußere Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit verbunden waren mit den einfältigen Guten, die teils im letzten Himmel, teils noch in der Geisterwelt, und teils noch nicht in den Himmel eingeführt waren; denn in der geistigen Welt findet eine Gemeinschaft mit allen, und daher eine Verbindung mit Ähnlichen statt, und die einfältigen Guten im letzten Himmel und in der Geisterwelt sehen, ohne deswegen innerlich böse zu sein, hauptsächlich auf das Äußere. Wenn sie aber von jenen vor der bestimmten Zeit losgerissen würden, so würde der Himmel in seinem Letzten leiden, und doch ist das Letzte das, auf dem der obere Himmel als auf seiner Grundlage ruht. Daß dies die Ursache war, warum sie bis zur letzten Zeit geduldet wurden, lehrt der Herr in folgenden Worten: „Die Knechte des Hausvaters traten hinzu, und sprachen zu ihm: Hast du nicht Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt denn nun das Unkraut? Und sie sagten: Willst du also, daß wir hingehen, und es sammeln? Er aber sagte: Nein! Damit ihr nicht etwa beim Sammeln des Unkrauts mit diesem zugleich den Weizen ausreißet. Lasset also beides bis zur Ernte miteinander wachsen, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut, und bündelt es in Büschen zum Verbrennen; den Weizen aber sammelt in die Scheuern. Der den guten Samen säte, ist der Sohn des Menschen. Der Acker ist die Welt; der gute Same sind die Kinder des Reichs, das Unkraut die Kinder des Bösen. Die Ernte ist die Vollendung des Zeitlaufs: so wie nun das Unkraut gesammelt und mit Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende dieses Zeitlaufs gehen.“ Matth.13,27-30.37-42. Die Vollendung dieses Zeitlaufs ist die letzte Zeit der Kirche. Das Unkraut sind die, welche innerlich böse; der Weizen die, welche innerlich gut sind. Das Sammeln desselben und das Binden in Büscheln zum Verbrennen ist das Jüngste Gericht (o). Das Nämliche wird in demselben Kapitel unter dem Gleichnisse des Herrn von den Fischen jeder Gattung verstanden, welche gesammelt, und wovon die guten in Gefäße getan, die schlechten aber weggeworfen wurden. Auch hierbei wird gesagt: „So wird es am Ende des Zeitlaufs sein: die Engel werden ausgehen, und die Bösen aus der Mitte der Gerechten scheiden.“ Vers 47, 48, 49. Sie werden den Fischen verglichen, weil unter den Fischen im geistigen Sinne des Wortes die Natürlichen und Äußerlichen, sowohl die guten als die bösen, verstanden werden. Was unter den Gerechten verstanden wird, sehe man unter (p).

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*71. 2) Wie der erste Himmel beschaffen war, kann man aus dem, was schon oben gesagt worden, und auch daraus schließen, daß die, welche nicht geistig sind durch die Anerkennung des Göttlichen, das Leben im Guten und die Neigung zum Wahren, ob sie gleich durch äußere Heiligkeit, durch Gespräche über göttliche Dinge und durch Aufrichtigkeiten um ihret- und der Welt willen als geistig erscheinen, dennoch, sobald sie ihrem Innern zurückgegeben sind, nach ihren Lüsten sich in Schändlichkeiten stürzen, denn sie hält nichts zurück, nicht Gottesfurcht, nicht Glaube, nicht Gewissen. Daher kam es, daß die, welche im ersten Himmel waren, als mit der Hölle verbunden erschienen, sobald sie in ihr Inneres versetzt waren.

*72. 3) Wie der erste Himmel verging, wurde oben beschrieben, wo vom Jüngsten Gericht über die Mohammedaner und über die Heiden, Nr. 50 und 51, und über die Päpstlichen, Nr. 61, 62 und 63, gehandelt wurde, weil auch diese an ihren Orten den ersten Himmel ausgemacht hatten. Es ist noch übrig, einiges vom Jüngsten Gericht über die Reformierten, welche auch Protestanten und Evangelische heißen, oder darüber zu sagen, wie der aus ihnen zusammengesetzte erste Himmel verging; denn wie oben gesagt worden, wurde das Gericht über keine andere, als über solche gehalten, aus welchen der erste Himmel bestand. Nachdem diese untersucht, und in ihr Inneres versetzt waren, wurden sie geschieden, und in Klassen nach ihrem Bösen, und dem aus diesem stammenden Falschen, so wie auch nach dem Falschen und dem aus ihm entspringenden Bösen abgeteilt und in Höllen geworfen, welche ihren Neigungen entsprachen. Ihre Höllen dehnten sich nach allen Seiten um die Mitte herum aus; denn in der Mitte waren die Protestanten, um diese die Päpstlichen, und um diese die Mohammedaner, und den letzten Umkreis bildeten die Heiden. Man sehe oben, Nr. 48. Die, welche nicht in die Hölle kamen, wurden in Wüsten geworfen; einige aber in die Ebenen in der Mittags- und Abendgegend versetzt, um daselbst Gesellschaften zu bilden, und unterrichtet und zum Himmel vorbereitet zu werden. Dies sind die, welche erhalten wurden. Wie aber dies alles vor sich ging, kann hier nicht im Einzelnen beschrieben werden, denn das Gericht über diese dauerte länger, und wurde nach und nach in Abteilungen gehalten; weil aber damals vieles Merkwürdige gesehen und gehört wurde, so will ich es in der Auslegung der Offenbarung der Ordnung nach darstellen.



Aus den himmlischen Geheimnissen

o) Daß die Garben im Worte das Auseinanderlegen des Wahren und Falschen bei Menschen in Reihen, und so das Aussondern der Menschen, in welchen Wahres und Falsches ist, bedeute, Nr. 4686, 4687, 5339, 5530, 7408, 10303. Daß der Sohn des Menschen der Herr in Ansehung des Göttlich-Wahren sei, Nr. 1729, 1733, 2159, 2628, 2803, 2813, 3255, 3704, 7499, 8897, 9087. Daß die Söhne die Neigungen zum Wahren seien, welche aus den Guten stammten, Nr. 489, 491, 533, 2623, 3373, 4257, 8649, 9807; mithin Söhne des Reichs die, welche in den aus dem Guten stammenden Neigungen zum Wahren, und Söhne des Bösen die, welche in den Neigungen zum Falschen sind, die aus dem Bösen stammen. Diese heißen daher Unkraut, und jener guter Same: denn durch das Unkraut wird das Falsche aus dem Bösen, und durch den guten Samen das Wahre aus dem Guten bezeichnet. Daß der Same des Ackers das Wahre aus dem Guten beim Menschen vom Herrn sei, Nr. 1940, 3038, 3310, 3373, 10248, 10249. Daß der Same im entgegengesetzten Sinne das Falsche aus dem Bösen sei, Nr. 10248. Daß der Same des Ackers auch das Nähren des Gemüts durch das Göttlich-Wahre aus dem Worte sei, und säen bedeute unterrichten, Nr. 6158, 9272. Daß die Vollendung des Zeitlaufs die letzte Zeit der Kirche sei, Nr. 4535, 10622.

p) Daß unter den Fischen im Worte, im geistigen Sinne, das Wissenschaftliche des natürlichen oder äußerlichen Menschen bezeichnet werde, und daher auch die Natürlichen oder Äußerlichen, sowohl die Bösen als die Guten, Nr. 40, 991. Daß die Tiere jeder Gattung dem, was bei dem Menschen ist, korrespondieren, Nr. 45, 46, 246, 714, 716, 719, 2179, 2180, 3519, 9280, 10609. Daß diejenigen im Worte Gerechte heißen, welchen die Gerechtigkeit und das Verdienst des Herrn, diejenigen aber Ungerechte, welchen die eigene Gerechtigkeit und das eigene Verdienst zugerechnet wird, Nr. 3648, 5069, 9263.

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Über den nachherigen Zustand der Welt und der Kirche.

*73. Der nachhaltige Zustand der Welt wird ganz ihrem bisherigen ähnlich sein, denn die große Veränderung, welche in der geistigen Welt vorging, in der natürlichen Welt hinsichtlich ihrer äußeren Gestalt keine Veränderungen hervor. Die bürgerlichen Verhältnisse werden daher dieselben sein wie früher. Es wird wie zuvor Friedensschlüsse, Bündnisse und Kriege, und auch anderes geben, was im Allgemeinen und Besonderen bei Gesellschaften vorkommt. Wenn der Herr sagte, daß in den letzten Zeiten Kriege sein werden, und Volk sich wider Volk erheben, und Königreich wider Königreich aufstehen, und daß es Hunger, Pest und Erdbeben an einzelnen Örtern geben werde, Matth.24,6.7., so bedeutet dies nicht dergleichen, sondern Entsprechendes in der geistigen Welt, denn das Wort handelt in den prophetischen Stellen nicht von den Königreichen auf Erden, noch von den Völkerschaften auf ihr, also auch nicht von ihren Kriegen, nicht von Hunger, Pest und Erdbeben daselbst, sondern von dem, was diesen Dingen in der geistigen Welt entspricht, und wie dieses beschaffen sei, ist in den Himmlischen Geheimnissen ausgelegt worden, aus welchen man Auszüge unten finden kann (q). Was aber den Zustand der Kirche anbelangt, so wird er in der Folge nicht mehr derselbe sein; derselbe zwar in Ansehung der äußeren Erscheinung, aber nicht derselbe in Ansehung der inneren. Der äußeren Erscheinung nach werden die Kirchen wie zuvor geteilt sein, ihre Lehren wie zuvor gelehrt werden. Ebenso die Religionen bei den Heiden. Allein der Mensch der Kirche wird sich nun, da die geistige Freiheit wieder hergestellt ist, in einem freiern Zustande befinden, über die Gegenstände des Glaubens, also über das Geistige, das zum Himmel gehört, nachzudenken; denn es ist nun in den Himmeln und in den Höllen alles in Ordnung gebracht, und von hier aus fließt alles Denken über das Göttliche und wider das Göttliche ein, für das Göttliche aus den Himmeln, und wider das Göttliche aus den Höllen. Allein diese Veränderung des Zustandes wird der Mensch, weil er nicht darauf merkt, und auch nichts von der geistigen Freiheit, und nichts vom Einflusse weiß, nicht an sich wahrnehmen. Gleichwohl aber wird es im Himmel, und auch vom Menschen selbst nach seinem Tode empfunden. Da dem Menschen die geistige Freiheit wiedergegeben worden ist, so ist auch der geistige Sinn des Wortes jetzt aufgedeckt, und dadurch das innere Göttlich-Wahre geoffenbart worden; denn in seinem früheren Zustande würde der Mensch es nicht verstanden, und wer es nicht verstanden hätte, dasselbe entweiht haben. Daß der Mensch mittelst des Gleichgewichts zwischen Himmel und Hölle Freiheit habe, und nur in der Freiheit umgebildet werden könne, kann man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 597, am Ende sehen.

*74. Ich sprach mit den Engeln Verschiedenes über den nachherigen Zustand der Kirche, und sie sagten, daß sie die Zukunft nicht wissen, weil die Zukunft wissen bloß Sache des Herrn sei; allein das wissen sie, daß jene Sklaverei und Gefangenschaft, in welcher der Mensch der Kirche sich vor diesen befand, nun weggenommen sei, und derselbe nun nach wieder hergestellter Freiheit, das innere Wahre, wenn er wolle, besser wahrnehmen, und so, wenn er wolle, innerlicher werden könne; daß sie aber gleichwohl wenig von den Menschen der christlichen Kirche, viel hingegen von einem Volke hoffen, das von der christlichen Welt entlegen und entfernt von den dorther drohenden Feinden, und so beschaffen sei, daß sie das geistige Licht aufnehmen, und himmlisch geistige Menschen werden können. Sie sagten auch, daß bei diesem Volke gegenwärtig das innere Göttlich-Wahre geoffenbart, und auch mit geistigem Glauben, das ist, im Leben und mit dem Herzen, aufgenommen werde, und daß sie den Herrn anbeten.

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Aus den himmlischen Geheimnissen

q) Daß die Kriege im Worte geistige Kämpfe bedeuten, Nr. 1659, 1664, 8295, 10455. Daß daher alle Kriegswaffen, als: der Bogen, das Schwert, der Schild, etwas den Kampf betreffendes, Nr. 1788, 2686. Daß die Königreiche die Kirchen in Ansehung des Wahren und in Ansehung des Falschen bedeuten, Nr. 1672, 2547. Daß die Völkerschaften diejenigen in denselben bedeuten, die im Guten, und auch die, die im Bösen sind, Nr. 1059, 1159, 1205, 1258, 1260, 1416, 1849, 4574, 6005, 6306, 7830, 8054, 8317, 9320, 9327. Daß der Hunger den Mangel an Erkenntnissen des Guten und Wahren bedeute, Nr. 1460, 3364, 5277, 5279, 5281, 5300, 5360, 5376, 5893, sowie auch die Verödung der Kirche, Nr. 5279, 5415, 5576, 6110, 6144, 7102. Daß die Pest die Verwüstung und das Aufhören des Guten und Wahren bedeute, Nr. 7102, 7505, 7507, 7511. Daß die Erdbeben Veränderungen des Zustandes der Kirche bedeuten, Nr. 3355.

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Fortsetzung von dem

Jüngsten Gericht

und von

der geistigen Welt



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Titel der Urschrift:



Continuatio

de

ULTIMO JUDICIO

et de

Mundo Spirituali.



––––––– * –––––––



Amstelodami

MDCCDXIII





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Das Jüngste Gericht ist schon gehalten.

#1. In dem schon früher herausgegebenen kleinen Werke vom Jüngsten Gericht ist Folgendes abgehandelt worden: Daß der Untergang der Welt nicht verstanden worden sei unter dem Tage des Jüngsten Gerichts, Nr. 1 bis 5. Daß die Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts nicht aufhören werde, Nr. 6 bis 13. Daß Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlechte seien, Nr. 14 bis 22. Daß alle Menschen, so viel ihrer vom Anfang der Schöpfung an geboren worden und gestorben sind, im Himmel oder in der Hölle seien, Nr. 23 bis 27. Daß das Jüngste Gericht da gehalten werde, wo alle beisammen sind, also in der geistigen Welt, und nicht auf Erden, Nr. 28 bis 32. Daß das Jüngste Gericht am Ende der Kirche gehalten werde, und das Ende der Kirche dann sei, wann kein Glaube mehr da ist, weil keine Liebe mehr ist, Nr. 33 bis 39. Daß alles, was in der Offenbarung vorausgesagt worden, nun erfüllt sei, Nr. 40 bis 44. Daß das Jüngste Gericht gehalten sei, Nr. 45 bis 52. Von Babylon und seiner Zerstörung, Nr. 53 bis 64. Vom früheren Himmel und seiner Aufhebung, Nr. 65 bis 72. Vom nachherigen Zustande der Welt und der Kirche, Nr. 73, 74.

#2. Daß eine Fortsetzung über das Jüngste Gericht gegeben wird, geschieht besonders deswegen, damit man wisse, wie der Zustand der Welt und der Kirche vor dem Jüngsten Gericht beschaffen war, und welche Beschaffenheit der Zustand der Welt und der Kirche nach demselben erhalten hat; dann auch, wie das Jüngste Gericht über die Protestanten gehalten wurde.

#3. Die gewöhnliche Meinung in der Christenheit ist, daß der ganze den Augen sichtbare Himmel und die ganze von Menschen bewohnte Erde am Tage des Jüngsten Gerichts zugrunde gehen, und anstatt derselben ein neuer Himmel und eine neue Erde entstehen werden, und daß die Seelen der Menschen dann ihre Körper wieder empfangen, und so der Mensch sein werde wie zuvor. Diese Meinung ward zur Glaubenslehre, weil das Wort nicht anders, als nach seinem buchstäblichen Sinne verstanden wurde, und auch nicht anders verstanden werden konnte, ehe sein geistiger Sinn enthüllt war; dann auch dadurch, daß Viele den Glauben aufbrachten, die Seele sei bloß ein vom Menschen ausgeatmeter Hauch; und die Geister und Engel seien luftige Schatten. Solange man keine besseren Begriffe von den Seelen, Geistern und Engeln hatte, konnte man auch vom Jüngsten Gericht nicht anders denken. Sobald man aber zu der Einsicht gelangt, daß der Mensch nach dem Tode Mensch ist, wie er in der Welt Mensch war, nur mit dem Unterschied, daß er dann mit einem geistigen und nicht wie zuvor mit einem natürlichen Leib angetan ist, und daß der geistige Leib vor denen, welche geistig sind, ebenso erscheint, wie der natürliche Leib vor denen, welche natürlich sind, so kann man auch begreifen, daß das Jüngste Gericht nicht in der natürlichen, sondern in der geistigen Welt gehalten wird; denn in letzterer Welt sind alle Menschen, die je geboren und gestorben sind, beisammen.

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#4. Wenn man dies eingesehen hat, so können auch die Ungereimtheiten entfernt werden, auf welche der Mensch außerdem geraten würde in Betreff des Zustandes der Seelen nach dem Tode, der Wiedervereinigung derselben mit den verfaulten Körpern, der Zerstörung des erschaffenen Weltalls, und so auch des Jüngsten Gerichts. Was den Zustand der Seelen nach dem Tode betrifft, so würde er auf den ungereimten Glauben kommen, daß der Mensch dann sein werde wie ein Hauch, oder wie ein Wind, oder wie der Äther, oder etwas in der Luft Schwebendes, oder etwas, das nicht an einem Orte bleibt, sondern in einem Wo, dem sogenannten Pu ist, und daß er nichts sehen werde, weil er keine Augen hat, nichts hören, weil er keine Ohren hat, nichts sprechen, weil er keinen Mund hat, daß er also blind, taub und stumm sein werde, und immerfort in der notwendig traurigen Erwartung, daß er diese Funktionen der Seele, aus welchen alles Angenehme seines Lebens kommt, am Tage des Jüngsten Gerichtes erst wieder erhalten werde: und daß in ähnlichen elenden Zustande die Seelen aller Menschen von der ersten Schöpfung an seien, und die, welche vor 50 oder 60 Jahrhunderten gelebt haben, jetzt noch auf gleiche Weise in der Luft schweben, aber in einem Pu bleiben, und das Gericht erwarten, und was dergleichen Dinge mehr sind.

#5. Um nicht zu gedenken der Ungereimtheiten, auf die der Mensch, wenn er nicht weiß, daß er nach dem Tode Mensch ist wie zuvor, verfallen würde in Ansehung der Zerstörung des Weltalls; welche den Vorerwähnten ähnlich, und deren es eben so viele sind. Wenn er aber weiß, daß der Mensch nach dem Tode kein Hauch oder Wind, sondern ein Geist ist, und zwar, wenn er rechtschaffen gelebt hat, ein Engel im Himmel, und daß die Geister und Engel vollkommene Menschengestalt haben, dann kann er über den Zustand des Menschen nach dem Tod und über das Jüngste Gericht aus dem Verstande denken, und nicht aus dem vom Verstand getrennten Glauben, aus dem bloße Überlieferungen hervorgehen, auch kann er aus dem Verstande mit Gewißheit schließen, daß das Jüngste Gericht, welches im Worte vorausgesagt ist, nicht in der natürlichen Welt statthaben werde, sondern in der geistigen Welt, in der Alle beisammen sind, und dann auch, daß das Jüngste Gericht, wann es gehalten wird, wegen des Glaubens an das Wort geoffenbart werden müsse.

#6. Trenne dich einmal von der Vorstellung, daß die Seele wie ein Hauch sei, und denke dann an deinen Zustand oder an den Zustand deiner Freunde oder an den deiner Kinder nach dem Tode, wirst du dann nicht denken, du werdest als Mensch leben, und auf gleiche Weise auch sie? Und wirst du, weil es ohne Sinne keine Liebe gibt, das Leben heißen könnte, dann anders denken, als daß sie auch sehen, hören und sprechen werden? Da ja die Leichenredner von den Verstorbenen nicht anders reden, indem sie dieselben in den Himmel unter die Engel versetzen, in weiße Kleider gekleidet und in Paradiesen wohnend? Nachher aber komme zurück auf jene Vorstellung, nach welcher die Seele ein Hauch ist, und nicht früher wieder mit den Sinnen lebt, als nach dem Jüngsten Gericht, wirst du dann die Ungereimtheit noch festhalten, und dich noch fragen: Wie werde ich dann beschaffen sein, wo werde ich in der Zwischenzeit sein, werde ich in der Luft fliegen oder in einem Pu bleiben? Hat doch der Prediger gelehrt, daß ich nach dem Tode unter die Seligen kommen werde, wenn ich gut geglaubt und rechtschaffen gelebt habe? So glaube also, wie es denn auch Wahrheit ist, daß du Mensch seiest nach dem Tode wie zuvor, nur mit dem Unterschied, der zwischen dem Natürlichen und Geistigen besteht. So denken auch alle, die ein ewiges Leben glauben, und nichts wissen von der grundlosen Überlieferung in Betreff der Seele.

#7. Aus dem, was bisher gesagt worden, kann erhellen, daß das Jüngste Gericht nicht in der natürlichen Welt statthaben kann, sondern in der geistigen Welt; und daß es auch in dieser geistigen Welt gehalten worden sei, kann man aus dem ersehen, was in dem vorigen Werkchen vom Letzten Gericht, Nr. 45 bis 72 als Gesehenes erzählt, und noch weiter aus dem, was im Folgenden von dem Gericht über die Protestanten als Gesehenes berichtet werden soll. Wer aufmerkt, kann es auch aus dem Neuen ersehen, das über den Himmel, über das Wort und über die Kirche jetzt geoffenbart wird; denn welcher Mensch könnte dergleichen aus sich selbst nehmen.

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Über den Zustand der Welt und der Kirche vor und nach dem Jüngsten Gericht.

#8. Daß das Jüngste Gericht in der geistigen Welt schon gehalten sei, kann aus dem soeben Gesagten erhellen; damit man aber auch etwas wisse vom Zustand der Welt und der Kirche vor und nach demselben, so muß man erst erfahren:

  1. Was verstanden wird unter dem früheren Himmel und unter der früheren Erde, welche vergingen, Offenb.21,1.

  2. Wer und wie beschaffen die waren, welche sich in den früheren Himmel und auf der früheren Erde befanden.

  3. Daß ehe das Jüngste Gericht über diese gehalten wurde, die Verbindung zwischen dem Himmel und der Welt, und mithin auch zwischen dem Herrn und der Kirche vielfach unterbrochen war.

  4. Daß nach dem Jüngsten Gericht die Verbindung wieder hergestellt wurde.

  5. Daß dies der Grund sei, warum erst nach dem Jüngsten Gericht, und nicht früher, die Offenbarungen für die Neue Kirche gegeben wurden.

  6. Daß der Zustand der Welt und der Kirche vor dem Jüngsten Gericht war wie der Abend und die Nacht, nach demselben aber wie der Morgen und der Tag.

#9. 1) Was verstanden wird unter dem früheren Himmel und unter der früheren Erde; welche vergingen, wovon in der Offenbarung Kapitel 21,1. Unter dem früheren Himmel und unter der früheren Erde wird hier nicht der Himmel, der vor den Augen der Menschen in der Welt erscheint, und nicht die Erde, welche von den Menschen bewohnt wird, verstanden; auch wird nicht verstanden der frühere Himmel, in dem alle sind, die von der ersten Schöpfung an rechtschaffen gelebt haben, sondern es werden verstanden Gesellschaften von Geistern, welche zwischen dem Himmel und der Hölle sich eine Art von Himmeln gemacht hatten, und weil alle Geister und Engel ebenso wie die Menschen auf Erdflächen wohnen, so werden unter dem früheren Himmel und der früheren Erde diese verstanden. Daß dieser Himmel und diese Erde vergingen, habe ich gesehen, und so wie ich es gesehen, beschrieben in dem Werkchen vom Jüngsten Gericht, Nr. 45 bis 72.

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#10. 2) Wer und wie beschaffen die waren, die sich in dem vorigen Himmel und auf der vorigen Erde befanden, ist in dem Werkchen vom Jüngsten Gericht beschrieben worden; weil aber davon, daß man weiß, wer und wie beschaffen sie waren, das Verstehen des Folgenden abhängt, so soll von ihnen auch hier einiges gesagt werden. Alle die, welche sich unter dem Himmel zusammengesellt, und an verschiedenen Orten sich eine Art von Himmel gemacht hatten, die sie auch Himmel nannten, standen mit den Engeln des untersten Himmels in Verbindung, jedoch bloß dem Äußern nach, nicht aber in Ansehung des Innern: die Meisten waren Böcke und von der Familie derer, von denen bei Matthäus, Kapitel 25, 41-46. die Rede ist; sie hatten zwar in der Welt nichts Böses getan, sofern sie ein sittlich-gutes Leben geführt hatten, allein sie hatten auch nichts Gutes getan, das aus der Quelle des Guten geflossen wäre; sie hatten nämlich den Glauben von der Nächstenliebe getrennt, und in Folge dessen das Böse nicht als Sünde angesehen. Weil diese äußerlich als Christen gelebt hatten, so standen sie in Verbindung mit den Engeln des untersten Himmels, welche ihnen ähnlich sind dem Äußeren nach, aber unähnlich dem Inneren nach; denn sie sind Schafe, und stehen im Glauben, aber im Glauben der Nächstenliebe. Wegen dieser Verbindung mußten sie notwendig geduldet werden; denn hätte man sie vor dem Jüngsten Gericht ausgeschieden, so wäre dies denen, die im untersten Himmel waren, nachteilig gewesen, weil sie mit jenen ins Verderben hinab gezogen worden wären. Dies ist es, was der Herr vorausgesagt hat bei Matthäus: „Jesus sagte ein Gleichnis: das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte: während aber die Leute schliefen, kam sein Feind, und säte Unkraut, und ging davon; da nun die Saat aufsproßte, und Frucht trieb, zeigte sich auch das Unkraut. Nun traten die Knechte des Hausvaters herzu, und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät: willst du nun, daß wir hingehen, und es zusammenlesen? Er aber sprach: Nein! Damit ihr nicht etwa, wenn ihr das Unkraut zusammenleset, zugleich mit ihm auch den Weizen ausreißet, lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und zur Zeit der Ernte will ich zu den Schnittern sagen: Leset zuerst das Unkraut zusammen, und bindet es in Büschel zum Verbrennen; den Weizen aber sammelt in die Scheuer. Der den guten Samen säte ist des Menschen Sohn; der Acker ist die Welt; der Same sind die Söhne des Reichs; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; die Ernte ist die Vollendung des Zeitlaufs: gleichwie nun das Unkraut zusammengelesen und verbrannt wird, so wird es auch in der Vollendung des Zeitlaufs sein.“ Matth. 13, 24-30. 37-40. Die Vollendung des Zeitlaufs ist die letzte Zeit der Kirche; das Unkraut sind die, welche innerlich böse sind; Weizen sind die, welche innerlich gut sind; das Zusammenlesen derselben in Bündel ist das letzte Gericht über sie; damit nicht durch Ausscheidung derselben vor dem letzten Gericht den Guten Schaden zugefügt werde, wird verstanden unter: damit ihr nicht, wenn ihr das Unkraut zusammenleset, zugleich mit ihm auch den Weizen ausreißet, lasset beides wachsen bis zur Ernte.

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#11. 3) Daß ehe das letzte Gericht über sie gehalten ward, der Verkehr zwischen dem Himmel und der Welt, mithin zwischen dem Herrn und der Kirche vielfach unterbrochen war. Alle Erleuchtung kommt dem Menschen vom Herrn durch den Himmel, und gelangt zu ihm auf einem innern Wege: solange sich nun zwischen dem Himmel und der Welt, oder zwischen dem Herrn und der Kirche Vereine von Solchen befanden, konnte der Mensch nicht erleuchtet werden; es war gerade wie wenn die Strahlen der Sonne durch eine dazwischengetretene schwarze Wolke abgeschnitten werden, oder wie wenn die Sonne durch den dazwischengetretenen Mond eine Verfinsterung leidet, und ihr Licht aufgefangen wird; wäre daher damals etwas vom Herrn geoffenbart worden, so würde es entweder nicht verstanden, oder wenn auch verstanden, nicht angenommen, oder wenn auch angenommen, dennoch nachher wieder erstickt worden sein. Da nun aber alle jene dazwischengetretene Vereine durch das letzte Gericht zerstreut worden sind, so ist offenbar:

4) Daß der Verkehr zwischen dem Himmel und der Welt, oder zwischen dem Herrn und der Kirche wieder hergestellt worden ist.

#12. 5) Daher kam es nun auch, daß erst nach gehaltenem letzten Gericht, und nicht früher die Offenbarungen für die Neue Kirche gegeben wurden; denn nachdem durch das letzte Gericht der Verkehr wieder hergestellt ist, kann der Mensch erleuchtet und umgebildet werden, das heißt, das Göttlich-Wahre des Wortes verstehen, das Verstandene annehmen, und das Angenommene behalten, da die dazwischen getretenen Hindernisse nun entfernt sind; weshalb Johannes, nachdem der vorige Himmel und die vorige Erde vergangen waren, sagt: „Er habe einen neuen Himmel und eine neue Erde gesehen; und dann die heilige Stadt Jerusalem herabsteigend von Gott aus dem Himmel, zubereitet wie eine Braut vor ihrem Mann; und er den auf dem Throne Sitzenden sagen hörte: Siehe, Ich mache alles neu,“ Offenbarung 21, 1. 2. 5. Daß unter Jerusalem die Kirche verstanden werde, sehe man in der Lehre vom Herrn, Nr. 62 bis 64; und von ihrem Neuen, Nr. 65 daselbst.

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#13. 6) Daß der Zustand der Welt und der Kirche vor dem letzten Gericht war wie Abend und Nacht, nach demselben aber wie Morgen und Tag. Wann das Licht der Wahrheit nicht scheint, und die Wahrheit nicht angenommen wird, so ist der Zustand der Kirche in der Welt wie der Abend und die Nacht: und daß ein solcher Zustand vor dem letzten Gerichte war, kann aus dem, was oben Nr. 11. gesagt worden, erhellen, scheint hingegen das Licht des Wahren, und wird das Wahre angenommen, dann ist der Zustand der Kirche in der Welt wie der Morgen und der Tag. Daher kommt es, daß diese zwei Zustände der Kirche im Worte Abend und Morgen, und dann auch Nacht und Tag heißen. So in Folgendem: „Es sprach zu mir der Heilige: Bis zum Abend Morgen zwei tausend und drei Hundert; dann wird das Heilige gerechtfertigt werden,“ Daniel 8,14; „Das Gesicht vom Abend und Morgen ist Wahrheit,“ Daniel 8,26. „Es wird ein Tag sein, der dem Jehovah bekannt ist, nicht Tag, nicht Nacht, denn um die Abendzeit wird Licht sein,“ Sacharias 14,7; „Man ruft mir zu aus Seir: Hüter! Wie weit ist’s in der Nacht,“ Der Hüter sprach: Es kommt der Morgen, aber auch die Nacht,“ Jes.21,12; Jesus sagte von der letzten Zeit der Kirche: „Wachet, denn ihr wisset nicht, wann der Herr des Hauses kommen wird, ob des Abends, ob um Mitternacht, ob um den Hahnenschrei, oder am Morgen,“ Mark.13,35. „Jesus sagte: Ich muß wirken, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da Niemand wirken kann“, Joh.9,4; und anderwärts, als Jes.17,14; Jer.6,4.5; Psalm 30,6; Psalm 90,6. Weil unter Abend und Nacht dergleichen verstanden wird, so ist der Herr auch, damit das Wort erfüllt würde, des Abends begraben worden, und nachher des Morgens auferstanden.

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Das letzte Gericht über die Protestanten.

#14. In dem früher herausgegebenen Werke, vom Jüngsten Gericht, ist gehandelt worden vom Gericht über die, welche unter Babylon verstanden werden; dann auch in etwas vom Gericht über die Mohammedaner und über die Heiden, nicht aber vom Gericht über die Protestanten; es ist bloß gesagt worden, daß die Protestanten in der Mitte gewesen seien, je nach ihren Vaterlanden geordnet, und um sie her die Katholiken, um diese die Mohammedaner und um diese die Heiden und Völker von verschiedener Religion. Daß die Protestanten die Mitte oder den Mittelpunkt bildeten, kam daher, daß bei ihnen das Wort gelesen, und der Herr verehrt wird, und daher bei ihnen das meiste Licht ist, und das geistige Licht, das vom Herrn als die Sonne, welche ihrem Wesen nach göttliche Liebe ist, ausgeht, sich überallhin verbreitet, und auch diejenigen erleuchtet, die ringsumher in den Umkreisen sind, und ihnen das Vermögen öffnet, das Wahre einzusehen, so weit sie es vermöge ihrer Religion annehmen können. Denn das geistige Licht ist seinem Wesen nach göttliche Weisheit, und bringt bei dem Menschen in seinen Verstand ein, so weit er durch die in sich aufgenommenen Kenntnisse das Vermögen der innern Wahrnehmung hat; es durchläuft auch nicht die Räume wie das Licht der Welt, sondern dringt durch die Gefühle und Wahrnehmungen des Wahren, mithin in einem Augenblick zu den äußersten Grenzen der Himmel. Hieraus die Erscheinung von Räumen in jener Welt. Mehreres hierüber sehe man in der Lehre von der Heiligen Schrift, Nr. 104 bis 113.

#15. Von dem letzten Gericht über die Protestanten aber soll in folgender Ordnung gehandelt werden:

  1. Über welche von den Protestanten das Jüngste Gericht gehalten worden

  2. Von den Zeichen und Prüfungen vor dem Jüngsten Gericht.

  3. Wie das allgemeine Gericht gehalten worden sei.

  4. Von der Seligmachung der Schafe.

#16. 1) Über welche von den Protestanten das Jüngste Gericht gehalten worden sei. Das Jüngste Gericht ist über keine Andere von den Protestanten gehalten worden, als über Solche, welche in der Welt sich zu Gott bekannt, das Wort gelesen, die Predigten angehört hatten, zum Heiligen Abendmahl gegangen waren, und den öffentlichen Gottesdienst der Kirche nicht vernachlässigt, gleichwohl aber Ehebrüche, Diebstähle verschiedener Art, Lügen, Rache, Haß und dergleichen als erlaubt betrachtet hatten. Diese hatten, obgleich sie sich zu Gott bekannt, gleichwohl sich nichts aus den Sünden gegen Ihn gemacht; sie hatten das Wort gelesen, und doch sich nichts aus den in ihm enthaltenen Vorschriften für das Leben gemacht; sie hatten die Predigten angehört, und doch nicht darauf gemerkt; sie gingen zum heiligen Abendmahl, ließen aber nicht ab vom Bösen ihres früheren Lebens; sie hatten den öffentlichen Gottesdienst nicht versäumt, gleichwohl aber ihr Leben in nichts gebessert: so hatten sie äußerlich religiös gelebt, während sie doch in ihrem Innern keine Religion hatten. Diese sind es, welche unter dem Drachen in der Offenbarung, Kap. 12, verstanden werden; denn vom Drachen heißt es dort, daß er im Himmel erschienen sei, mit Michael im Himmel gekämpft, und aus dem Himmel den dritten Teil der Sterne herabgezogen habe; und dies ist gesagt worden, weil Solche durch das Bekenntnis Gottes, durch das Leben des Wortes, und durch den äußeren Gottesdienst mit dem Himmel in Verbindung standen. Sie sind es auch, welche unter den Böcken bei Matthäus, Kap. 25, verstanden werden, zu welchen nicht gesagt wird, daß sie Böses getan, sondern daß sie unterlassen hätten, Gutes zu tun, und jene Alle unterlassen das Gute, das wirklich gut wäre, zu tun, weil sie das Böse nicht als Sünde fliehen, und wenn sie es auch nicht vollbringen, dennoch es für erlaubt halten, und so im Geist es tun, und auch, wo es angeht, mit dem Leibe.

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#17. Über alle diese aus den Protestanten ist das Jüngste Gericht gehalten worden, nicht aber über die, welche nicht an Gott geglaubt, das Wort verachtet, und die heiligen Dinge der Kirche im Herzen verworfen hatten; denn diese Alle wurden, als sie aus der natürlichen Welt in die geistige Welt kamen, in die Hölle geworfen.

#18. Alle die, welche im Äußern als Christen gelebt, sich aber um das christliche Leben nicht gekümmert hatten, machten äußerlich eins aus mit den Himmeln, innerlich aber mit den Höllen, und weil sie nicht sogleich aus ihrer Verbindung mit dem Himmel gerissen werden konnten, so wurden sie in der Geisterwelt, welche in der Mitte zwischen dem Himmel und der Hölle ist, zurückgehalten, und es wurde ihnen erlaubt, Gesellschaften zu bilden, und wie in der Welt zusammenzuleben, und hier durch Künste, welche in der Welt unbekannt sind, prächtige Dinge hinzustellen, und dadurch sich und Andere zu überreden, daß sie im Himmel seien; weshalb sie auch dieses äußeren Scheins wegen ihre Gesellschaften Himmel nannten. Diese Himmel und diese Erden, auf welchen sie wohnten, sind es, welche verstanden werden unter dem ersten Himmel und der ersten Erde, welche vergingen, Offenb. Kap. 21,1.

#19. Solange sie sich hier aufhielten wurde das Innere ihres Gemüts verschlossen, und das Äußere geöffnet, infolge dessen ihr Böses, durch das sie eins ausmachten mit den Höllen, nicht zum Vorschein kam; als aber das Jüngste Gericht bevorstand, ward ihr Inneres aufgeschlossen, und dann erschienen sie vor Allen wie sie waren; und weil sie nun zusammenwirkten mit den Höllen, so konnten sie nicht mehr ein christliches Leben heucheln, sondern stürzten sich aus ihrer Luft heraus in Böses und in Schandtaten jeder Art, und verwandelten sich in Teufel, und erhielten auch ein Aussehen wie diese, einige schwarz, einige feurig, und einige bleifarbig wie Leichname; die im Dünkel eigener Einsicht waren, erschienen schwarz, die in der Raserei der Sucht über Alle zu herrschen waren, erschienen feurig, und die in Vernachlässigung und Verachtung des Wahren waren, erschienen bleifarbig wie Leichname. So hatten sich jene Theaterszenen verwandelt.

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#20. Die Protestanten in der Geisterwelt, welche in der Mitte zwischen dem Himmel und der Hölle ist, bilden das Innerste oder die Mitte derselben, und sind hier nach ihren Vaterlanden geordnet. In jener Mitte bilden die Engländer den Mittelpunkt; die Holländer befinden sich gegen Süden und Osten; die Deutschen gegen Norden; die Schweden gegen Westen und Norden; und die Dänen gegen Westen. In jener Mitte aber sind keine Andere als Solche, welche ein Leben der Nächstenliebe und des Glaubens derselben geführt haben; und dies sind die, welche sich Scheinhimmel gemacht hatten. Ganz anders hingegen sind alle im Himmel geordnet, und auch in der Hölle. Daß aber hier die Protestanten die Mitte bilden, kommt daher, daß bei ihnen das Wort gelesen, und der Herr verehrt wird, und daher hier das meiste Licht ist, welches Licht sich von da als dem Mittelpunkt in alle Umkreise fortpflanzt, und sie erleuchtet; denn das Licht, in dem die Geister und Engel sind, geht vom Herrn als der Sonne aus, welche ihrem Wesen nach göttliche Liebe ist, und das von dieser ausgehende Licht ist seinem Wesen nach göttliche Weisheit, und daher stammt alles Geistige jener Welt. Über den Herrn als Sonne in der geistigen Welt und über das Licht und die Wärme aus ihr, sehe man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 116 bis 140.

#21. Die Zusammenordnung der Gesellschaften in jener Welt ist ganz eine Zusammenordnung nach den Unterschieden der Liebe, und dies darum, weil die Liebe das Leben des Menschen ist, und der Herr, welcher die göttliche Liebe selbst ist, sie zusammenordnet gemäß der Aufnahme derselben. Die Unterschiede der Liebe aber sind unzählig, und niemand kennt sie als allein der Herr. Er verbindet die Gesellschaften so, daß alle zusammen gleichsam Ein Menschenleben bilden; die Gesellschaften der Himmel Ein Leben der himmlischen und geistigen Liebe; die Gesellschaften der Höllen Ein Leben der teuflischen und höllischen Liebe; Er verbindet die Himmel und Höllen durch die Gegensätze. Weil eine solche Zusammenordnung besteht, so begibt sich jeder Mensch nach dem Tod in die Gesellschaft seiner Liebe, und kann sich auch nicht anderswohin begeben; denn seine Liebe widerstrebt. Daher kommt es, daß sich im Himmel die befinden, die in geistiger Liebe, in der Hölle hingegen die, welche in bloß natürlicher Liebe sind; die geistige Liebe wird allein durch ein Leben der Nächstenliebe angezogen, und die natürliche Liebe bleibt natürlich, wenn das Leben der Nächstenliebe unterlassen wird; und wenn die natürliche Liebe der geistigen Liebe nicht unterworfen ist, so ist sie ihr entgegengesetzt.

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#22. Hieraus kann erhellen, über welche von den Protestanten das Gericht gehalten wurde, daß es nicht über die gehalten wurde, die in der Mitte, sondern über die, welche um diese herum waren, und welche, wie gesagt, ihrer äußerlichen Moralität wegen auswendig als Christen erschienen, inwendig aber nicht Christen waren, weil sie kein geistiges Leben hatten.

#23. 2) Von den Zeichen und Prüfungen vor dem Jüngsten Gericht. Es erschien über denen, die sich Scheinhimmel gemacht hatten, wie eine dicke Wolke, und diese zeigte sich in Folge der Gegenwart des Herrn in den Himmeln der Engel, welche über jenen waren, besonders in Folge seiner Gegenwart im untersten Himmel, damit nicht Einige von diesen ihrer Verbindung wegen zugleich mit fortgerissen werden und verloren gehen möchten. Auch die oberen Himmel wurden ihnen näher gebracht, wodurch das Inwendige derer, über welche das Jüngste Gericht gehalten werden sollte, aufgeschlossen wurde; nach dessen Ausschließung sie nicht mehr wie zuvor als moralisch-gute Christen, sondern als Dämonen erschienen; sie lärmten und zankten unter sich über Gott, über den Herrn, über das Wort, über den Glauben und über die Kirche; und weil ihre Begierden nach Bösem nun auch in Freiheit gesetzt wurden, so warfen sie jenes Alles mit Beachtung und Hohn von sich, und rannten in Schandtaten jeder Art. So ward der Zustand jener Himmelsbewohner verändert. Zugleich verschwand dann auch alle jene Pracht, die sie sich durch in der Welt unbekannte Künste verschafft hatten; ihre Paläste wurden in elende Hütten verwandelt, die Gärten in Sümpfe, die Tempel in Schutt, und die Hügel selbst, auf welchen sie wohnten, in Massen spitziger Steine, und in ähnliches Andere, das ihren schändlichen Bestrebungen und Begierden entsprach. Denn alles Sichtbare der geistigen Welt besteht aus Entsprechungen der Neigungen, die bei den Geistern und Engeln sind. Dies waren die Zeichen des kommenden Gerichts.

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#24. In dem Maße wie ihr Inwendiges aufgeschlossen wurde, ward auch die Ordnung unter den Bewohnern verändert und umgekehrt. Diejenigen, welche eine Überlegenheit im Vernünfteln wider die Heiligtümer der Kirche hatten, brachen in die Mitte ein, und bemächtigten sich der Herrschaft; und die Übrigen, welche weniger sich aufs Vernünfteln verstanden, wichen auf die Seiten rings umher zurück, und erkannten jene, welche in der Mitte waren, als ihre Schutzengel an. So verbanden sie sich zu einem Bild der Hölle.

#25. Während dieser Veränderungen ihrer Zustände erfolgten auch verschiedene Erschütterungen der Wohnungen und Erdflächen bei ihnen, und auf diese folgten sehr große Erdbeben, je nach ihrer Abkehrung. Hie und da taten sich auch Schlünde auf gegen die Höllen hin, die unter ihnen waren, und so ward eine Verbindung mit diesen eröffnet. Nun sah man Dünste aufsteigen wie Rauch mit Funken Feuers vermischt. Auch dies waren Zeichen, welche vorausgingen, und welche auch verstanden werden unter den Worten des Herrn von der Vollendung des Zeitlaufs und von dem alsdann erfolgenden Jüngsten Gericht, bei den Evangelisten: „Eine Nation wird wider die andere sich erheben; es werden große Erdbeben an verschiedenen Orten erfolgen, und schreckliche und große Zeichen am Himmel sich zeigen, und den Nationen wird Angst sein bei dem Brausen des Meeres und der hohen See.“ Luk.21,10.11.25.

#26. Nun geschahen auch Prüfungen durch Engel; denn ehe eine übel zusammengesetzte Gesellschaft zugrunde geht, geht immer eine Prüfung voraus. Die Engel ermahnten sie, sie sollten ablassen, und wenn sie dies nicht taten, verkündigten sie ihnen den Untergang. Dann untersuchten sie auch, ob ihnen nicht einige Gute beigemischt wären – diese schieden sie aus; allein die von ihren Häuptern aufgeregte Menge belegte sie mit Schmach, und fiel über sie her, um sie auf den Markt zu schleppen und auf schändliche Weise zu mißhandeln; es ging hier wie zu Sodom. Die Meisten von ihnen waren Solche, welche sich zu dem von der Nächstenliebe getrennten Glauben, einige aber auch, welche sich zu der Nächstenliebe bekannt, gleichwohl aber lasterhaft gelebt hatten.

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#27. 3) Wie das allgemeine Gericht gehalten wurde. Nachdem die Prüfungen und Zeichen, welche Vorboten des kommenden Gerichts waren, sie von ihren Schandtaten, und auch von ihren aufrührerischen Umtrieben wider diejenigen, welche den Herrn als Gott des Himmels und der Erde anerkannten, das Wort für heilig hielten, und ein Leben der Nächstenliebe lebten, nicht abbringen konnten, kam das Jüngste Gericht über sie. Dies ward folgendermaßen gehalten:

#28. Es erschien der Herr in einer glänzend weißen Wolke mit Engeln, und man hörte von ihnen aus ein Getön wie von Trompeten; dies war das vorbildliche Zeichen dessen, daß der Herr die Engel des Himmels beschütze, und nun die Guten überallher sammle; denn der Herr bringt Keinem den Untergang, sondern beschützt bloß die Seinigen, und zieht sie ab von der Gemeinschaft mit den Bösen, worauf die Bösen in ihre Begierden fallen, und aus diesen sich in Schändlichkeiten jeder Art stürzen. Hierauf erschienen alle, welchen der Untergang bevorstand, wie ein großer Drache mit einem in Krümmungen sich dehnenden und gegen den Himmel hin erhobenen Schwanz, der sich in der Höhe auf verschiedene Weise hin und her bewegte, wie wenn er den Himmel zerstören und herabziehen wollte, jedoch vergebens, denn der Schwanz ward hinabgeschleudert, und der Drache, der auch in der Höhe erschien, sank zu Boden. Diese Vorbildung durfte ich sehen, damit ich wüßte und bekannt machte, wer in der Offenbarung unter dem Drachen verstanden werde; daß nämlich unter dem Drachen verstanden werden Alle, welche das Wort lesen, die Predigten anhören, und an den heiligen Dingen der Kirche Teil nehmen, gleichwohl aber sich nichts aus den Begierden des Bösen machen, von denen sie erfüllt sind, und inwendig an Diebstahl und Betrug, an Ehebrüche und schändliche Dinge, an Haß und Rache, an Lügen und Lästerungen denken, und so ihrem Geiste nach wie Teufel, dam Leibe nach aber wie Engel leben; dies waren die, welche den Drachen selbst bildeten; die aber seinen Schwanz bildeten, waren Solche, welche in der Welt in dem von der Nächstenliebe getrennten Glauben standen, und ihren Gedanken und Absichten nach Jenen ähnlich waren.

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#29. Ich sah alsdann, wie die Felsen, auf welchen sie waren, zum Teil auf den Grund niedersanken, zum Teil in weite Fernen fortgeschleudert, zum Teil in der Mitte geöffnet, und die, welche sich auf ihnen befanden, durch eine Höhle hinabgeworfen; zum Teil wie von einer Sündflut überschwemmt; und Viele je nach den Gattungen und Arten des Bösen in Vereine wie in Bündel gesammelt, und da und dort in Schlünde, Sümpfe, Seen und Wüsten, welche ebenso viele Höllen waren, hinab geworfen wurden. Die Übrigen, welche nicht auf den Felsen, sondern hier und dort zerstreut, aber auch in ähnlichen Bösen waren, entflohen in großer Bestürzung zu den Katholiken, den Mohammedanern und Heiden, und bekannten sich zu deren Religion; dies konnten sie tun, ohne ihre Gesinnung zu ändern, weil sie keine Religion hatten; damit sie aber diese nicht auch verführen möchten, wurden sie von ihnen weggetrieben und zu ihren Genossen in den Höllen hinabgeworfen. Dies war ihr Untergang in seinem allgemeinen Umriß; des Besonderen, das ich gesehen, ist zu viel, als daß es hier beschrieben werden könnte.

#30. 4) Von der Seligmachung der Schafe. Nachdem das Jüngste Gericht gehalten war, war große Freude im Himmel, und es ward Licht in der Geisterwelt, wie es zuvor nicht da war. Die Freude im Himmel nach dem Sturz des Drachen ist beschrieben in der Offenbarung, Kap. 12, 10-12; und Licht war jetzt in der Geisterwelt, weil jene höllischen Gesellschaften es früher aufgefangen hatten wie Wolken, welche die Erde verfinsterten. Ähnliches Licht ging nun auch den Menschen in der Welt auf, und durch dasselbe wird ihnen neue Erleuchtung zu Teil.

#31. Nun sah ich Engelgeister in großer Anzahl aus der Unterwelt aufsteigen, und in den Himmel erhoben werden; sie waren Schafe, welche seit mehreren Jahrhunderten vom Herrn dort aufbehalten und behütet waren, damit sie nicht in die von den Drachengeistern ausfließende bösartige Sphäre kämen, und ihre Nächstenliebe nicht erstickt würde. Sie sind es, die im Worte verstanden werden unter denen, die aus den Gräbern hervorgingen; dann auch unter den Seelen der um des Zeugnisses Jesu willen Gemordeten, welche erwachten, und unter denen, welche Teil haben an der ersten Auferstehung.

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Fortsetzung von der Geistigen Welt

Die geistige Welt

#32. Von der geistigen Welt ist in einem besonderen Werke über Himmel und Hölle gehandelt, und in demselben Mehreres von jener Welt beschrieben worden, und weil jeder Mensch nach dem Tode in jene Welt kommt, so wurde darin auch der Zustand beschrieben, in dem er sich alsdann befindet. Wer weiß nicht, daß der Mensch nach dem Tode fortlebt, weil er als Mensch geboren, und zum Bilde Gottes erschaffen ist, und weil der Herr es in Seinem Worte lehrt? Wie aber sein Leben beschaffen sein werde, war bisher unbekannt; man glaubte, daß er dann eine Seele sein werde, und von dieser hatte man sich keine andere Vorstellung gemacht, als wie von etwas Luftigem oder Ätherischem, in dem ein Denken wohnt, aber ohne ein Sehen wie das des Auges, ohne ein Hören, wie das des Ohres, und ohne ein Reden, wie das des Mundes, während doch der Mensch nach dem Tode ebenso Mensch ist, und zwar so sehr Mensch, daß er nicht anders weiß, als er befinde sich noch in der vorigen Welt; er sieht, hört, spricht wie in der vorigen Welt; er geht herum, läuft, sitzt wie in der vorigen Welt; er ißt und trinkt wie in der vorigen Welt; er schläft und erwacht wie in der vorigen Welt; er genießt des ehelichen Vergnügens wie in der vorigen Welt: mit einem Wort, er ist Mensch nach allem und jedem; woraus hervorgeht, daß der Tod bloß eine Fortsetzung des Lebens, und nur ein Übergang ist.

#33. Daß der Mensch von diesem seinem Zustande nach dem Tode nichts wußte davon gibt es mehrere Ursachen, und unter diesen ist auch die, daß er nicht erleuchtet werden konnte, da sich so wenig Glaube an die Unsterblichkeit der Seele bei ihm fand, wie man deutlich sehen kann an Vielen, selbst an wissenschaftlich Gebildeten, welche sich den Tieren gleichsetzen, und nur darin, daß sie reden können, sich für vollkommner als diese halten, und daher in ihrem Herzen ein Leben nach dem Tode leugnen, obgleich sie es mit dem Munde bekennen; eine Denkweise, durch welche sie so sinnlich geworden sind, daß sie nicht glauben können, daß der Mensch nach dem Tode Mensch sei, und dies darum nicht, weil sie ihn nicht mit ihren Augen sehen; denn sie sagen: Wie kann eine Seele so beschaffen sein? Anders verhält es sich mit denen, welche glauben, sie werden nach dem Tode fortleben: diese denken inwendig bei sich, sie werden in den Himmel kommen, die Seligkeit mit den Engeln genießen, himmlische Paradiese sehen, und in weißen Kleidern vor dem Herrn stehen, und dergleichen mehr: dies ist ihr inneres Denken; das äußere kann von demselben abweichen, sobald sie über die Seele aus der willkürlichen Voraussetzung der Gelehrten heraus nachdenken.

#34. Daß der Mensch nach dem Tode ebenso Mensch sei, obgleich er nicht vor den Augen erscheint, kann man sehen an den Engeln, die dem Abraham, Gideon, Daniel und andern Propheten erschienen, an den Engeln, die am Grabe des Herrn, und an denen, die nachher öfter dem Johannes in der Offenbarung erschienen sind; besonders aber an dem Herrn selbst, welcher den Jüngern durch das Gefühl und durchs Essen zeigte, daß Er Mensch sei, und doch vor ihren Augen wieder unsichtbar wurde. Sie sahen ihn, weil damals die Augen ihres Geistes geöffnet waren; und wenn diese geöffnet werden, so erscheint das, was in der geistigen Welt ist, ebenso deutlich wie das, was in der natürlichen Welt ist.

#35. Weil es dem Herrn gefiel, mir die Augen meines Geistes zu öffnen, und sie nun neunzehn Jahre hindurch geöffnet zu erhalten, so ward mir gegeben, die in der geistigen Welt vorhandenen Dinge zu sehen, und sie auch zu beschreiben. Ich kann versichern, daß es keine Visionen sind, sondern bei völligem Wachen Gesehenes.

#36. Der Unterschied zwischen dem Menschen in der natürlichen Welt und dem Menschen in der geistigen Welt ist der, daß dieser Mensch mit einem geistigen Leibe angetan ist, jener aber mit einem natürlichen Leib, und der geistige Mensch den geistigen Menschen ebenso deutlich sieht, wie der natürliche Mensch den natürlichen Menschen. Allein der natürliche Mensch kann den geistigen Menschen nicht sehen, und der geistige Mensch kann den natürlichen Menschen nicht sehen, wegen des Unterschieds zwischen dem Natürlichen und dem Geistigen, und wie dieser beschaffen ist, kann beschrieben werden, nur nicht in der Kürze.

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#37. Aus dem, was ich so viele Jahre hindurch gesehen habe, kann ich berichten, daß es in der geistigen Welt ebensowohl Erdkörper gibt, wie in der natürlichen Welt, und daß es dort Hügel und Berge, Ebenen und Täler gibt; und auch Quellen und Ströme, Seen und Meere; daß es dort Paradiese und Gärten, Haine und Wälder gibt; daß es dort Paläste und Häuser, Schriften und Bücher gibt; ferner Amtsverrichtungen und Handelsgeschäfte, Edelsteine, Gold und Silber: mit einem Wort, daß sich dort alles und jedes findet, was in der Welt ist, nur in den Himmeln unendlich vollkommener.

#38. Der Unterschied ist aber im allgemeinen der, daß alles, was in der geistigen Welt vorhanden ist, einen geistigen Ursprung hat, und daher seinem Wesen nach geistig ist, entsprungen aus der Sonne dort, welche reine Liebe ist; und daß alles und jedes in der natürlichen Welt einen natürlichen Ursprung hat, und daher seinem Wesen nach natürlich ist, entsprungen aus der Sonne hier, welche reines Feuer ist. Daher kommt es, daß der geistige Mensch mit Speise genährt werden muß, die einen geistigen Ursprung hat, so wie der natürliche Mensch mit Speise, die einen natürlichen Ursprung hat. Mehr hierüber sehe man in dem Werke über Himmel und Hölle.

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Die Engländer in der geistigen Welt.

#39. Zweierlei Zustände des Denkens finden sich bei dem Menschen, der äußere und der innere. Der Mensch ist im Äußern in der natürlichen Welt, im Innern aber ist er in der geistigen Welt. Diese Zustände machen eins aus bei den Guten, nicht eins aber bei den Bösen. Wie der Mensch seinem Innern nach beschaffen ist, erscheint selten in der natürlichen Welt, weil er von Kindheit an moralisch gut sein will, und gelernt hat, es zu scheinen; in der geistigen Welt aber erscheint deutlich, wie er beschaffen ist; das geistige Licht deckt es auf, auch ist der Mensch dann ein Geist, und der Geist ist der innere Mensch. Da mir nun gegeben worden ist, in diesem Lichte zu sein, und aus ihm heraus zu sehen, wie die inneren Menschen von dem einen und von dem anderen Reiche beschaffen sind, und zwar dies durch vieljährigen Umgang mit Engeln und Geistern, so muß ich, weil hieran gelegen ist, es offenbaren: hier nur etwas von der edlen englischen Nation.

#40. Die Besseren aus der englischen Nation befinden sich im Mittelpunkte aller Christen (man sehe oben Nr. 20). Sie sind im Mittelpunkt, weil sie ein innerlicheres, intellektuelles Licht haben. Dies erscheint zwar keinem in der natürlichen Welt, es erscheint aber ganz offenbar in der geistigen Welt; sie haben dies Licht von der Denkfreiheit, und somit der Rede- und Pressefreiheit, die sie genießen; bei anderen, welche keine solche Freiheit haben, wird das Licht des Verstandes, weil es keinen Ausgang hat, verfinstert. Jenes Licht ist aber nicht aus sich selbst tätig, sondern es wird tätig durch andere, besonders durch Männer von Ruf und Ansehen bei ihnen; sobald diese etwas sagen, oder man etwas von ihnen Gebilligtes liest, glänzt jenes Licht hervor, selten aber früher. Aus diesem Grunde setzt man ihnen in der geistigen Welt Vorsteher an die Spitze, und gibt ihnen Priester, welche große Berühmtheit erlangt haben wegen ihrer Gelehrsamkeit und ihres hervorragenden Genies; und deren Geboten und Ermahnungen gehorchen sie vermöge jener ihrer Gemütsanlage gutwillig.

#41. Selten gehen sie aus ihrer Gesellschaft heraus, weil sie dieselbe lieben wie in der Welt das Vaterland. Es findet eine Ähnlichkeit der Seelen unter ihnen statt, bei welcher sie mit Freunden aus ihrem Vaterland in ein vertrautes Verhältnis treten, selten aber mit anderen; sie leisten sich auch wechselseitig Hilfe, und lieben die Aufrichtigkeit.

#42. Es gibt zwei große Städte, welche London ähnlich sind, und in welche die meisten Engländer nach dem Tode kommen; diese durfte ich sehen und auch in ihnen herumgehen; die Mitte der einen Stadt ist da, wo in dem London Englands die Versammlung der Kaufleute ist, welche man Exchange (Börse) heißt: hier wohnen die Vorsteher. Oberhalb dieser Mitte ist der Morgen, unterhalb derselben der Abend; auf der rechten Seite der Mittag, auf der linken die Mitternacht. In der Morgengegend wohnen die, welche mehr als die Übrigen ein Leben der Nächstenliebe geführt hatten, und hier finden sich prächtige Paläste; in der Mittagsgegend wohnen die Weisen, bei welchen sich viel Glänzendes findet; in der Mitternachtgegend wohnen die, welche vor den Übrigen die Sprech- und Schreibfreiheit lieben; in der Abendgegend die, welche sich zum Glauben bekennen. Zur Rechten hier in dieser Gegend ist ein Eingang in jene Stadt, und auch ein Ausgang aus ihr: die, welche böse leben, werden hier hinausgelassen. Die Geistlichen, die sich im Abend befinden, und, wie gesagt, sich zum Glauben bekennen, wagen es nicht, durch die großen Straßen, sondern nur durch die engeren Gäßchen in die Stadt zu gehen, weil keine andere Bewohner in der Stadt selbst geduldet werden, als Solche, welche im Glauben der Nächstenliebe stehen. Ich hörte Einige klagen über die Prediger im Abend, daß sie ihre Predigten mit solcher Kunst und in so schönen Phrasen ausarbeiten, und eine ihnen unbekannte Rechtfertigung durch den Glauben so hineinbringen, daß man nicht wisse, ob man Gutes tun solle oder nicht. Sie predigen ein inwendiges Gute, und trennen es von dem auswendigen Guten, das sie zuweilen auch verdienstlich und also Gott nicht wohlgefällig, gleichwohl aber gut heißen, weil es nützlich sei. Wenn aber die, welche in der Morgen- und Mittagsgegend der Stadt wohnen, dergleichen mystische Reden hören, so verlassen sie die Tempel; und die Prediger werden dann ihres Priesteramtes entsetzt.

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#43. Die andere große Stadt, welche London ähnlich ist, worüber oben Nr. 20, liegt nicht in der christlichen Mitte, sondern außerhalb derselben im Norden: in sie kommen nach dem Tode diejenigen, welche inwendig böse sind. In Mitten derselben ist ein Zugang zur Hölle eröffnet, von welcher sie auch von Zeit zu Zeit verschlungen werden.

#44. Einst hörte ich Geistliche aus England sich über den bloßen Glauben miteinander unterreden, und sah ein von ihnen gemachtes Bild, das den bloßen Glauben vorstellen sollte: es erschien bei dunklem Lichte wie ein großer Riese, und vor ihren Augen wie ein schöner Mensch; als aber Licht aus dem Himmel eingelassen ward, erschien es oben wie ein Ungeheuer, und unten wie eine Schlange, nicht unähnlich der Beschreibung nach dem Götzen der Philister, Dagon. Nachdem sie dies gesehen, entwichen sie, und es ward von den Dabeistehenden in einen See geworfen.

#45. An denen die aus England in der geistigen Welt sind, nahm man wahr, daß sie wie eine doppelte Theologie haben, eine aus der Glaubenslehre und eine aus der Lebenslehre; die aus der Glaubenslehre haben diejenigen, welche in das Priestertum eingeweiht werden, und die aus der Lebenslehre Solche, welche nicht in das Priestertum eingeweiht sind, und gemeinhin Laien heißen. Diese letztere Lehre ist zu Finden in dem Gebet, das jeden Sonntag in den Kirche denjenigen vorgelesen wird, die zum Heiligen Abendmahl gehen: in ihm wird offen gesagt, daß sie, wofern sie nicht das Böse als Sünde fliehen, sich in ewige Verdammnis stürzen werden, und wenn sie dabei dennoch zum Heiligen Abendmahl gehen, der Teufel in sie wie in den Judas fahren werde. Über diese Lebenslehre, welche nicht übereinstimmt mit ihrer Glaubenslehre, sprach ich zuweilen mit den Priestern; sie erwiderten nichts, dachten aber, was sie nicht auszusprechen wagten. Jenes Gebet kann man finden in der Lebenslehre für das Neue Jerusalem, Nr. 5, 6, 7.

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#46. Ich sah öfter einen Engländer, der berühmt geworden war durch ein Buch, das er vor Jahren herausgegeben und in dem er die Verbindung des Glaubens und der Nächstenliebe durch ein inneres Einfließen und Einwirken des Heiligen Geistes zu befestigen gesucht hatte, indem er lehrte, daß jener Einfluß auf unaussprechliche Weise und ohne Wissen des Menschen anrege, nicht aber den Willen berühre, noch weniger ihn merkbar bewege, oder das Denken des Menschen aufrege, etwas wie aus sich zu tun, außer zulassungsweise, und dies darum, damit nichts vom Menschen mit einbringe in das Wirken der göttlichen Vorsehung. Ferner, daß so das Böse vor Gott nicht erscheine. Auf diese Weise schloß er die äußeren Übungen der Nächstenliebe aus, sofern sie irgendworin zur Seligkeit beitragen sollen, begünstigte sie aber, sofern sie des gemeinen Besten wegen geschehen; und weil seine Begründung sinnreich war, und man die im Gras verborgene Schlange nicht gewahrte, so wurde kein Buch als ein ganz rechtgläubiges aufgenommen. Eben dieser Autor behielt nach seinem Ausgang aus der Welt das nämliche Dogma bei, und konnte nicht davon abgebracht werden, weil er sich darin bestärkt hatte. Die Engel sprachen mit ihm, und sagten, daß es keine Wahrheit sei, sondern bloß ein sinnreicher Einfall, in schöne Worte gebracht; und daß die Wahrheit sei, daß der Mensch das Böse fliehen, und das Gute tun müsse wie aus sich, mit der Anerkennung jedoch, daß es vom Herrn sei, und daß der Glaube früher nicht da sei, noch weniger jenes Denken, das er Glauben nenne; und weil dies seinem Dogma widersprach, ward ihm zugelassen, mit seinem ganzen Scharfsinn noch weiter zu untersuchen, ob es ein solches unbekanntes Einfließen und inneres Wirken ohne äußeres Wirken des Menschen gebe, und man sah, wie er nun seinen Verstand anstrengte, und in Gedanken alle Wege durchlief, fortwährend überzeugt, daß der Mensch nicht anders herumgebracht und selig werde; so oft er aber ans Ende eines Weges kam, gingen ihm die Augen auf, und er erblickte sich auf einem Irrwege, was er auch vor den Anwesenden bekannte. So sah ich ihn zwei Jahre lang herumschwärmen, und am Ende seiner Wanderungen bekennen, daß es kein solches Einfließen gebe, wenn nicht das Böse im äußern Menschen entfernt werde, was dadurch geschehe, daß man das Böse als Sünde fliehe wie von sich selbst; ich hörte ihn auch endlich sagen, daß alle, welche sich in jener Ketzerei bestärken, aus dem Dünkel eigener Einsicht wahnwitzeln.

#47. Ich sprach mit Melanchthon, und fragte ihn, in welchem Zustand er sich befinde; er wollte aber nicht hierauf antworten, daher ich durch andere von seinem Loos unterrichtet wurde, daß er nämlich abwechselnd sich in einem getäfelten steinernen Gewölbe, und abwechselnd in der Hölle befinde; und daß er in dem Gewölbe der Kälte wegen mit einem Bärenpelz angetan erscheine, und die Ankömmlinge aus der Welt, welche ihn seines berühmten Namens wegen besuchen wollen, nicht in sein Gemach einlasse wegen der Unreinlichkeit darin. Er spricht noch vom bloßen Glauben, den er in der Welt mehr als Andere befestigte*.

*) In den "Denkwürdigkeiten und Anhang" Nr. 797, gibt Swedenborg umständlichere Nachricht von Melanchthon, und sagt von dessen späteren Zustand unter Anderem: „Seitdem der Neue Himmel vom Herrn gebildet zu werden begann, fing er an, aus dem Licht aus diesem Himmel zu denken, daß er sich vielleicht im Irrtum befinde. In der Angst nun über sein Schicksal fühlte er sich in einige ihm tiefer eingeprägte Ideen von der Nächstenliebe hinein, und befragte in diesem Zustand das Wort, und nun gingen ihm die Augen auf, und er sah, daß es ganz voll von der Liebe zu Gott und von der Liebe zum Nächsten ist, und es sich mithin ganz so verhält, wie der Herr sagt, daß nämlich von jenen zwei Geboten das Gesetz und die Propheten, d.i. das ganze Wort abhängig ist. Von dieser Zeit an wurde er tiefer in den Süden hinein nach dem Westen zu, und so in eine andere Wohnung versetzt.“ A.d.Ü

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Die Holländer in der geistigen Welt.

#48. Oben Nr. 20 ist gesagt worden, daß die Christen, bei welchen das Wort gelesen, und der Herr verehrt wird, sich in der Mitte der Nationen und Völker der ganzen geistigen Welt befinden, und dies darum, weil das meiste geistige Licht bei ihnen ist, und das Licht von da wie von seinem Mittelpunkt aus sich in alle Umkreise bis zu den Untersten herab verbreitet, und sie erleuchtet, ganz so wie es in der Lehre des Neuen Jerusalems von der Heiligen Schrift, Nr. 104 bis 113 gezeigt worden ist. In dieser Mitte haben die protestantischen Christen ihre Plätze je nach der Aufnahme des geistigen Lichtes vom Herrn erhalten; und weil die Engländer dieses Licht im intellektuellen Gebiete bei sich bewahren, so befinden sie sich im Innersten jener Mitte; die Holländer aber, weil sie jenes Licht in nähere Verbindung mit dem natürlichen Lichte erhalten, und daher bei ihnen kein solcher schneeweißer Lichtglanz erscheint, sondern statt desselben etwas Undurchsichtiges, empfänglich für das Vernünftige aus dem geistigen Licht und zugleich aus der geistigen Wärme, so haben sie in jener christlichen Mitte Wohnungen im Osten und Süden erhalten; im Osten wegen ihrer Empfänglichkeit für geistige Wärme, welche ihnen Nächstenliebe ist; und im Süden wegen ihrer Empfänglichkeit für geistiges Licht, das ihnen Glaube ist. Daß es sich mit den Himmelsgegenden in der geistigen Welt nicht so verhält, wie mit den Himmelsgegenden in der natürlichen Welt, und daß die Wohnungen nach den Himmelsgegenden Wohnungen sind nach der Aufnahme des Glaubens und der Liebe, und sich im Osten diejenigen befinden, die vorzüglich in der Liebe und Nächstenliebe stehen, und im Süden die, welche vorzüglich in der Einsicht und im Glauben sind, sehe man im Werke über Himmel und Hölle, Nr. 141 bis 153. Unter den Ursachen, warum sie in jenen Gegenden der christlichen Mitte sind, ist auch die, daß sie den Handel als Endzweck lieben, und das Geld als dienendes Mittel, jene Liebe aber geistig ist; wird hingegen das Geld als Endzweck geliebt, und der Handel als dienendes Mittel, so ist dies eine natürliche Liebe, und hat ihren Ursprung in der Habsucht. In obengenannter geistiger Liebe, welche an sich betrachtet das gemeine Beste ist, in dem das Beste des Vaterlandes besteht und entspringt, sind die Holländer mehr als Andere.

#49. Die Holländer hängen den Prinzipien ihrer Religion fester an als Andere, und trennen sich auch nicht von ihnen, und wenn sie überführt werden, daß dies oder jenes nicht zusammenstimme, so bejahen sie es dennoch nicht, sondern wenden sich ab, und bleiben unbeweglich dabei. So entfernen sie sich dann aber auch von der inneren Anschauung des Wahren, denn sie halten ihre Vernunft in geistigen Dingen unter dem Gehorsam gefangen; und weil sie so beschaffen sind, so werden sie nach dem Tode, wenn sie in die geistige Welt kommen, ganz andere als die Übrigen zur Aufnahme des Geistigen des Himmels, welches das Göttlich-Wahre ist, zubereitet; sie werden nicht unterrichtet, weil sie nichts annehmen, sondern es wird ihnen der Himmel beschrieben, wie er beschaffen ist, und hernach wird ihnen erlaubt, sich in denselben zu erheben, und ihn zu sehen, und dann wird ihnen, was mit ihrer Sinnesart zusammenstimmt, eingeflößt, worauf sie entlassen werden, und voll Sehnsucht nach dem Himmel zu den Ihrigen zurückkehren. Nehmen sie dann nicht als Wahrheit an, daß Gott dem Wesen und der Person nach Einer ist, und daß dieser Gott der Herr ist, und in ihm die Dreieinheit ist; ferner die Wahrheit, daß der Glaube und die Nächstenliebe im Erkennen und Reden gar nichts gelten und sind ohne das Leben derselben, und daß beide vom Herrn gegeben werden, wenn sie das Böse als Sünde fliehen; wenden sie sich hiervon, wenn es gelehrt wird, ab, und denken sich Gott immer noch als drei Personen, und die Religion bloß als schon vorhanden seiend, so werden sie in jämmerliche Lagen versetzt, und der Handel wird ihnen entzogen, bis sie sich auf das Äußerste gebracht sehen; und nun führt man sie zu denen, welche an allem Überfluß haben, und bei welchen der Handel blüht, und hier wird ihnen aus dem Himmel eingeflößt, sich zu fragen, woher es wohl komme, daß diese es so haben, und zugleich nachzudenken über den Glauben derselben betreffend den Herrn, und über das Leben derselben, daß sie nämlich das Böse als Sünde verabscheuen; sie stellen auch einige Vergleichungen an, und finden Übereinstimmung mit ihren eigenen Gedanken und Reflexionen. Dies geschieht zu wiederholten Malen. Endlich denken sie von sich selbst, daß sie, um aus ihrem Elend herauszukommen, ebenso glauben und ebenso tun müssen; und wie sie dann jenen Glauben annehmen, und jenes Leben der Nächstenliebe leben, so wird ihnen Vermögen und Lebenszweck gegeben; auf diese Weise werden die, welche in der Welt einigermaßen ein Leben der Nächstenliebe geführt haben, von selbst, und nicht durch Andere, gebessert, und zum Himmel zubereitet. Sie werden in der Folge beständiger als Andere, so daß man sie die Beständigkeit selbst nennen kann; denn sie lassen sich durch keine Vernünftelei, durch keine Täuschung, durch keine Dunkelheit der Sophistik, und durch keine verkehrte, in bloßer Bestärkung begründete Vision wieder abbringen.

#50. Die Holländer unterscheiden sich genau von andern in der geistigen Welt, weil sie in ähnlichen Kleidern wie in der natürlichen Welt erscheinen, nur mit dem Unterschied, daß diejenigen, welche jenen geistigen Glauben und jenes geistige Leben in sich aufgenommen haben, in glänzenderen Kleidern erscheinen. Der Grund, warum sie in ähnlichen Kleidern erscheinen, ist der, daß sie in den Prinzipien ihrer Religion beständig verharren, in der geistigen Welt aber alle denselben gemäß bekleidet werden; weshalb diejenigen, welche in den göttlichen Wahrheiten sind, Gewänder von weißer Farbe und von Byssus haben.

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#51. Die Städte, in welchen die Holländer wohnen, sind auf besondere Weise verwahrt; alle Gassen in ihnen sind bedeckt, und mit Toren versehen, damit sie nicht von den Felsen und Hügeln rings umher gesehen werden; dies ist der Fall wegen der ihnen eingepflanzten Klugheit, ihre Entschlüsse zu verbergen, und ihre Absichten nicht unter die Leute kommen zu lassen; denn diese werden in der geistigen Welt durch das Hineinsehen ans Licht gebracht. Kommt jemand in der Absicht, ihren Zustand auszuforschen, in ihre Stadt, so wird er, wenn er wieder hinausgehen will, zu den verschlossenen Toren der Gassen geführt, und wieder zurück, und so zu mehreren, und so lange, bis es ihm höchst lästig wird, dann wird er hinausgelassen, und dies zu dem Ende, daß er nicht zurückkehre. Die Frauen, welche nach der Herrschaft über ihre Männer trachten, wohnen auf Einer Seite der Stadt, und kommen nicht öfter mit diesen zusammen, als sie eingeladen werden, was auf freundliche Weise geschieht; dann führen ihre Männer sie in Häuser, in welchen Ehegatten ohne Herrschaft des einen über den anderen leben, und zeigen ihnen, wie schön und reinlich ihre Häuser seien, und welches angenehme Leben sie führen, und daß dies von ihrer gegenseitigen ehelichen Liebe herkomme. Die, welche hierauf merken, und sich rühren lassen, stehen vom Herrschen ab, und leben mit ihnen zusammen, und erhalten nun eine Wohnung näher gegen die Mitte, und heißen Engel. Die Ursache hievon ist, daß die eheliche Liebe eine himmlische Liebe ist, bei der kein Herrschen stattfindet.

#53. In den Tagen des letzten Gerichts sah ich, wie aus den Städten dort, und aus den Höfen und Ländereien rings umher, viele Tausende jener Nation ausgeworfen wurden, welche in der Welt nichts Gutes aus Religion oder Gewissenhaftigkeit, sondern bloß ihres guten Rufes wegen, damit sie als redlich erscheinen möchten, und um des Gewinnes willen getan hatten; denn wenn Solchen die Aussicht auf guten Ruf oder auf Gewinn genommen wird, was in der geistigen Welt geschieht, so rennen sie in jede Schandtat, und berauben Alle, welche ihnen aufstoßen, wann sie auf dem Felde und außerhalb der Stadt sind. Ich sah, wie sie in einen Feuerschlund, der sich unter der östlichen Gegend hinzog, und in eine finstere Höhle geworfen wurden, welche sich unter der südlichen Gegend hinzog. Diese Ausstoßung sah ich im Jahre 1757, den 9-ten Januar. Zurück bleiben diejenigen, welche Religion, und durch die Religion auch Gewissen hatten.

#54. Ich sprach auch, jedoch nur einmal, mit Calvin; er befand sich in einer Gesellschaft des Himmels*), welche sich vorne hin über dem Haupte zeigt, und sagte, daß er nicht mit Luther und Melanchthon übereingestimmt habe in Betreff des bloßen Glaubens, weil im Worte so oft die Werke genannt werden, und das Thun geboten wird, und daher Glaube und Werke zu verbinden seien. Daß Calvin in seiner Gesellschaft wohl gelitten sei, weil er gutartig sei, und keine Unruhen errege, hörte ich von einem Vorsteher jener Gesellschaft.

*) Dieses Zusammensein Calvins mit Engeln des Himmels war nach Swedenborgs „Wahrer Christlicher Religion“, Nr. 798 (hier in "Denkwürdigkeiten und Anhang"), nur ein vorübergehendes, und sein Loos verschlimmerte sich in der Folge allmählig, bis er sich unter denjenigen befand, die sich in der Lehre von der Vorherbestimmung bestärkt hatten, und in einer Höhle eingekerkert waren. In der französischen Übersetzung: „Continuation du dernier jugement et du monde spirituel. D’apres ce qu’en a oui et vu E. Swedenborg. A. Londres 1787-8, findet sich ein von den HH. Von Nordenskiold mitgeteilter Auszug aus Swedenborgs handschriftlichen Nachlaß, in welchem es unter Anderem heißt, S 131: „Ich fragte nachher Calvin, wie er habe in den Himmel steigen können mit der Vorstellung dreier Götter, und mit dem Glauben, daß der Herr ein Doppelwesen sei, oder aus zwei verschienen Wesen bestehe? Er antwortete mir, er sei in eine gewisse Gesellschaft des untern Himmels eingeführt gewesen, und habe sich unter denen aufgehalten, welche sich an den äußersten Grenzen dieser Gesellschaft befinden und nicht so genau geprüft werden, da man ihn aber nachher doch geprüft habe, sei er genötigt worden, herabzusteigen, weil er dort nicht mehr habe bestehen oder bleiben können: er habe sich sodann zu Luther in die Geisterwelt geflüchtet, und schon einige Zeit bei ihm zugebracht, und dies darum, weil Luther der Menschheit des Herrn als göttlich anerkannt habe, und er sich an keinem andern Ort in Sicherheit gesehen hätte.“

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#55. Was für ein Loos Luther habe, soll anderwärts gesagt werden, da ich ihn oft gehört und gesehen habe; hier nur dies, daß er öfter von seinem bloßen Glauben abtreten wollte, aber vergebens, und daß er sich daher in der Geisterwelt, welche in der Mitte zwischen dem Himmel und der Hölle ist, befindet, und er hier zuweilen Hartes zu leiden hat.*

*) Nach der lehre der „Wahren Christlichen Religion“, Nr. 796 (hier in "Denkwürdigkeiten und Anhang"), trat er nachher doch noch von dem bloßen Glauben ab, und ließ sich belehren.

Die Päpstlichen in der geistigen Welt.

#56. Von den Päpstlichen und von dem Letzten Gericht über sie ist in dem kleinen Werke vom Jüngsten Gericht Nr. 53 bis 64 gehandelt worden. Die Päpstlichen erscheinen in der geistigen Welt um die Protestanten herum, und sind durch einen Zwischenraum von ihnen getrennt, den sie nicht überschreiten dürfen; gleichwohl wissen die, welche aus dem Jesuitenorden sind, sich durch geheime Künste Verbindungen zu verschaffen, und senden auch auf unbekannten Pfaden Missionare aus, um sie zu verführen; allein man kommt ihnen auf die Spur, und sie werden dann, nachdem sie abgestraft sind, entweder zu ihren Genossen zurückgeschickt, oder in die Hölle geworfen.

#57. Nach dem Jüngsten Gericht ist ihr Zustand so verändert worden, daß es ihnen nicht mehr wie früher erlaubt ist, sich in Kongregation zu vereinen, sondern jeder Liebe, sowohl der guten als der bösen, sind ihre Wege bereitet, welche die, so von der Welt her ankommen, sogleich betreten, und zu der ihrer Liebe entsprechenden Gesellschaft fortwandeln. So werden dann die Bösen zu einer Gesellschaft hingeführt, welche mit den Höllen in Verbindung steht, und die Guten zu einer Gesellschaft, welche mit den Himmeln in Verbindung steht. Auf diese Weise ist dafür gesorgt, daß sie nicht mehr wie früher sich künstliche Himmel bilden. Derartige Gesellschaften gibt es in der Geisterwelt, welche in der Mitte zwischen Himmel und Hölle ist, unzählige, ebenso viele als es Gattungen und Arten von guten und bösen Gefühlen gibt; in dieser Zwischenzeit aber, ehe sie entweder in den Himmel erhoben, oder in die Hölle geworfen werden, stehen sie in geistiger Verbindung mit den Menschen der Welt, und dies deswegen, weil diese sich auch in der Mitte zwischen Himmel und Hölle befinden.

#58. Alle diejenigen Päpstlichen, welche nicht völlige Götzendiener waren, und aus Religion mit aufrichtigem Herzen Gutes getan, und auch zum Herrn aufgesehen hatten, werden zu Gesellschaften, welche sich an den Grenzen gegen die Protestanten hin befinden, hingeführt, und hier unterrichtet, und es wird ihnen das Wort vorgelesen, und der Herr gepredigt; und diejenigen, welche die Wahrheiten annehmen, und sie aufs Leben anwenden, werden in den Himmel erhoben, und werden Engel. Dergleichen Gesellschaften von ihnen gibt es mehrere in jeder Gegend, und überall werden sie geschützt gegen die betrüglichen und schlauen Umtriebe der Mönche, und gegen den babylonischen Sauerteig. Überdies sind ihre Kinder alle in dem Himmel unter der Leitung des Herrn durch Engel erzogen, und wissen nichts von den Religionsirrtümern ihrer Eltern.

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#59. Alle, welche von den Erdkörpern her in die geistige Welt kommen, werden anfangs in dem Glaubensbekenntnis und in der Religion ihres Vaterlandes gehalten; so nun auch die Päpstlichen; weshalb sie immer einen Vorgesetzten über sich haben, der den Oberbischof vorstellt, und den sie auch auf dieselbe Art wie in der Welt verehren; selten aber macht einer, der in der Welt Papst gewesen war, dort den Oberbischof; doch war der, der vor 20 Jahren Papst zu Rom war, ihnen vorgesetzt, und dies darum, weil er in seinem Herzen den Glauben hegte, daß das Wort heiliger sei als man glaubt, und daß der Herr verehrt werden müsse; allein nachdem er das Amt des Oberbischofs einige Jahre verwaltet hatte, legte er dasselbe nieder, und begab sich zu den protestantischen Christen, unter welchen er noch ist, und ein seliges Leben lebt. Es ward mir erlaubt, ihn zu sprechen, und er sagte, daß er den Herrn allein anbete, weil Er der Gott sei, der Gewalt über Himmel und Erden habe, und daß die Anrufungen der Heiligen läppische Possen seien, und ebenso ihre Messen; und daß er in der Welt damit umgegangen sei, die Kirche zu reformieren, aus Ursachen aber, die er auch anführte, es nicht vermocht habe. Ich sah, wie er bei der Zerstörung der großen Stadt im Norden, in der sich die Päpstlichen befanden, am Tage des letzten Gerichts in einer Sänfte herausgetragen, und an einen sicheren Ort gebracht wurde. Etwas ganz Anderes widerfuhr seinem Nachfolger.

#60. Diesem darf ich noch folgende Denkwürdigkeit beifügen. Es ward mir erlaubt mit Ludwig XIV. dem (Ur-) Großvater des jetzt regierenden Königs von Frankreich zu reden, welcher, da er noch in der Welt war, den Herrn verehrt, das Wort gelesen, und den Papst bloß als den Höchsten in der Kirche anerkannt hatte; weshalb er auch in der geistigen Welt in großem Ansehen steht, und die beste Gesellschaft der französischen Nation regiert. Einst sah ich ihn wie wenn er Treppen hinabstiege, und nachdem er hinabgestiegen war, hörte ich ihn sagen, es komme ihm vor, wie wenn er zu Versailles wäre, und nun war eine Stille von einer halben Stunde ungefähr, nach deren Verfluß er sagte, er habe mit dem König von Frankreich seinem (Ur-) Enkel über die Bulle Unigenitus gesprochen, und ihn ermahnt, daß er von seinem früheren Beschlusse, sie anzunehmen, abstehe, da sie verderblich für die französische Nation sei. Er sagte, daß er dies dem Denken desselben tief eingeprägt habe. Dies geschah im Jahre 1759, den 13. Dezember Abends um die achte Stunde.

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Die Heiligen der Päpstlichen in der geistigen Welt.

#61. Bekannt ist, daß dem Menschen von seinen Eltern her Böses eingepflanzt oder anererbt ist, allein Wenige wissen, worin es besteht. Es besteht in der Herrschsucht, welche so beschaffen ist, daß sie in eben dem Maß, als ihr die Zügel gelassen werden, hervorbricht, so sehr, daß sie vor Begierde brennt, über Alle zu herrschen, und zuletzt als Gott angerufen und verehrt werden will. Diese Sucht ist die Schlange, welche Eva und den Adam verführte; denn sie sagte zum Weibe: „Gott weiß, daß, an welchem Tag ihr von der Frucht des Baumes esset, eure Augen geöffnet, und ihr dann sein werdet wie Gott“, 1.Mose 3,4.5; Inwieweit daher der Mensch bei Zügellosigkeit sich in diese Liebe stürzt, insoweit wendet er sich von Gott ab, und zu sich selbst hin, und wird ein Gottesleugner, und dann können die göttlichen Wahrheiten, welche im Worte sind, zu Mitteln dienen; weil aber die Herrschaft der Endzweck ist, so liegen die Mittel nur insoweit am Herzen, als sie dienen. Dies ist der Grund, warum die, welche im mittleren, und die welche im äußersten Grade der Herrschsucht sind, sich alle in der Hölle befinden; denn in dieser ist jene Sucht der Teufel, und Einige daselbst sind von der Art, daß sie es nicht einmal ertragen, wenn jemand von Gott redet.

#62. Diese Sucht findet sich bei denjenigen von den Päpstlichen, welche in der Brunst der Lust jener Liebe geherrscht, und das Wort verachtet, und ihm die Aussprüche des Papstes vorgezogen hatten; diese werden dem äußeren nach gänzlich abgeödet, bis sie nichts mehr von der Kirche wissen, und dann werden sie in die Hölle geworfen und werden Teufel. Es gibt eine gewisse Hölle, für diejenigen abgesondert, welche wie Götter angerufen werden wollen, wo sie in solchem Phantasieren sind, daß sie nicht das sehen, was ist, sondern Dinge, die nicht sind. Sie sind in einem Wahnsinn wie die, welche in einem bösartigen Fieber Flocken in der Luft sehen, und in ihrem Gemach und über ihrer Bettdecke Dinge die nicht da sind. Dieses schlimmste Übel wird verstanden unter dem „Kopf der Schlange, der vom Samen des Weibes zertreten wird, und der dessen Ferse verletzt“, Mose 3,15. Die Ferse des Herrn, welcher der Same des Weibes ist, ist das ausgehende Göttliche im Untersten, und dieses ist das Wort im Sinne des Buchstabens.

#63. Weil der Mensch von seinem erblichen Hang her so beschaffen ist, daß er herrschen will, und nach und nach, so wie ihm die Zügel nachgelassen werden, über Viele und zuletzt über Alle, und das Innerste seiner Liebe ist, daß er als Gott angerufen und verehrt werden will, so werden Alle, welche durch päpstliche Bullen heilig gesprochen worden sind, den Augen Anderer entzogen und verborgen gehalten, und es wird ihnen aller Verkehr mit ihren Verehrern genommen; und dies zu dem Ende, damit nicht jene Wurzel des schlimmsten Übels bei ihnen erweckt werde, und sie in den phantastischen Wahnsinn geraten, in welchem sich oben erwähnte Höllen befinden. In solchem Wahnsinn sind diejenigen, welche während ihres Lebens in der Welt eifrig darnach getrachtet haben, nach ihrem Tode Heilige zu werden, damit sie angerufen würden.

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#64. Viele aus den Päpstlichen, besonders die Mönche, fragen, wenn sie in die geistige Welt kommen, nach den Heiligen, jeder nach dem Heiligen seines Ordens, finden sie aber nicht. Sie wundern sich darüber, werden aber in der Folge von Andern belehrt, daß dieselben sich entweder unter denen, die in den Himmeln, oder unter denen, die in den Höllen sind, befinden, jeder nach Beschaffenheit seines Lebens in der Welt, und daß sie überall nichts wissen von ihrer Verehrung und Anrufung, und daß die, welche davon wissen, und angerufen werden wollen, in jener abgesonderten Hölle und im Zustand des Wahnsinns seien. Die Verehrung der Heiligen ist ein solcher Greuel im Himmel, daß man erschrickt, sobald man nur davon hört; denn inwieweit einem Menschen Verehrung geweiht wird, insoweit wird die Verehrung dem Herrn entzogen, da er auf diese Weise nicht allein verehrt werden kann; und wenn der Herr nicht allein verehrt wird, so geschieht eine Trennung, welche die Gemeinschaft, und die aus ihr fließende Seligkeit des Lebens aufhebt.

#65. Damit ich wüßte, wie die Heiligen der Päpstlichen beschaffen sind, und es sodann bekannt machen könnte, wurden aus der unteren Erde gegen Hundert heraufgeführt, welche von ihrer Heiligsprechung wußten. Sie stiegen hinter dem Rücken herauf, und nur Einige vor dem Angesicht, und mit Einem von diesen sprach ich, der, wie man sagte, Xaver war. Dieser war, so lange er mit mir sprach, ein völliger Narr, konnte mir jedoch sagen, daß er an seinem Ort, an dem er eingeschlossen gehalten werde, kein Narr sei, sondern ein solcher werde, so oft er denke, daß er heilig sei. Ein ähnliches Gemurmel vernahm ich von denen, die im Rücken waren.

#66. Anders verhält es sich mit den sogenannten Heiligen im Himmel. Diese wissen von dem, was auf Erden geschieht, gar nichts; und ich habe auch mit ihnen nicht gesprochen, damit nicht irgendeine Idee hiervon bei ihnen Eingang finde. Nur einmal ging Maria, die Mutter des Herrn, vorüber; sie erschien über dem Haupt in weißem Gewand, blieb ein wenig stehen und sagte dann, sie sei die Mutter des Herrn gewesen; Er sei zwar aus ihr geboren worden, habe aber, als Er Gott geworden, alles Menschliche aus ihr abgelegt, und sie bete Ihn nun an als ihren Gott, und wolle nicht, daß jemand Ihn als ihren Sohn anerkenne, weil in Ihm alles göttlich sei.

#67. Diesem will ich noch folgendes Merkwürdige beifügen. Den Parisern, die in der geistigen Welt eine Gesellschaft bilden, erscheint zuweilen ein Weib in mittlerer Höhe, in glänzendem Gewand, und mit dem Gesicht einer Heiligen, und gibt sich für Genoveva aus. Sobald aber Einige sie anzubeten anfangen, verändert sich sogleich ihr Gesicht, und auch ihr Gewand, und sie wird wie ein gewöhnliches Weib, und tadelt sie, daß sie ein Weib, das bei ihren Genossinnen in keinem größeren Ansehen als dem einer Magd stehe, anbeten wollen, und wundert sich, daß die Menschen der Welt sich durch dergleichen läppische Possen berücken lassen. Die Engel sagten auch, daß sie erscheine, damit die Verehrer eines Menschen von den Verehrern des Herrn ausgeschieden würden.

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Die Mohammedaner in der geistigen Welt; und von Mohammed.

#68. Die Mohammedaner erscheinen in der geistigen Welt hinter den Katholiken im Westen, und bilden gleichsam die Einfassung. Sie erscheinen hier hauptsächlich deswegen, weil sie den Herrn als größten Propheten, als Sohn Gottes, und als den Allerweisesten anerkennen, der in die Welt gesandt worden, um die Menschen zu belehren. Jeder wohnt in jener Welt in einer Entfernung von der christlichen Mitte, wo die Protestanten sind, je nach Maßgabe seines Bekenntnisses vom Herrn und von Einem Gott; denn dieses verbindet die Gemüter mit dem Himmel, und macht die Entfernung vom Osten, über welchem der Herr ist. Die, welche in Folge ihres bösen Lebens nicht von Herzen in jenem Bekenntnisse sind, befinden sich unterhalb jenen in den Höllen.

#69. Weil die Religion das Innerste des Menschen ausmacht, und aus dem Innersten das Übrige bei ihm sein Dasein hat, und weil Mohammed zugleich mit ihrer Religion in ihren Gemütern lebt, so stellt sich immer ein Mohammed ihrem Blicke dar; und damit sie ihr Angesicht dem Osten, über welchem der Herr ist, zukehren möchten, wird er unterhalb der christlichen Mitte hingestellt. Es ist nicht Mohammed selbst, der den Koran geschrieben, sondern ein Anderer, der seine Stelle vertritt; auch ist es nicht immer der Nämliche, sondern er wechselt. Einst war es Einer aus Sachsen, der von den Algierern gefangen genommen und Mohammedaner geworden war. Dieser, weil er auch Christ gewesen war, ward angetrieben, vor ihnen vom Herrn zu reden, daß er nicht ein Sohn Josephs, wie sie in der Welt geglaubt, sondern ein Sohn Gottes gewesen sei, wodurch er ihnen auch eine Idee von der Einheit der Person und des Wesens des Herrn mit dem Vater beibrachte. Diesem Mohammed folgten nachher andere, welche auch angetrieben wurden, Ähnliches vorzutragen. In Folge dessen gehen Viele von ihnen zum wahren christlichen Glauben betreffend den Herrn über, und die, welche übergehen, werden zu einer dem Osten näher gelegenen Gesellschaft gebracht, wo eine Verbindung mit dem Himmel besteht, in den nachher erhoben werden. In dem Ort, wo jener Mohammed seinen Sitz hat, erscheint ein Feuer, wie von einer Fackel, damit er erkannt werde; aber dieses Feuer ist nur den Mohammedanern sichtbar.

#70. Mohammed selbst, der den Koran geschrieben, kommt heutzutage nicht zum Vorschein. Es ward mir gesagt, daß er in den ersten Zeiten ihnen vorgesetzt gewesen sei, weil er aber über alles zu ihrer Religion Gehörige wie ein Gott habe herrschen wollen, so sei er von seinem Sitz, den er unterhalb der Päpstlichen hatte, verstoßen, und rechts hinab neben den Süden gewiesen worden. Einst wurden einige aus Mohammedanern bestehende Gesellschaften von Übergesinnten aufgewiegelt, Mohammed als Gott anzuerkennen; damit nun der Aufstand gedämpft würde, ward Mohammed von der Unterwelt heraufgebracht, und gezeigt, wo dann auch ich ihn sah; er sah aus wie die fleischlichen Geister, die kein inneres Vernehmen haben, mit einem ins Schwarze fallenden Angesicht; und ich hörte ihn bloß die Worte sagen: Ich bin euer Mohammed! und sogleich schien er zu versinken, und kehrte an seinen Ort zurück.

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#71. Was ihre Religion anbelangt, so ist eine solche zugelassen worden, weil sie dem Genius der Orientalen zusagt, daher sie auch in so vielen Reichen angenommen wurde; ferner weil in ihr die Vorschriften der zehn Gebote zugleich zu Geboten der Religion gemacht worden sind; und weil auch etwas vom Wort in ihr war, und besonders weil der Herr als Sohn Gottes und als der Allerweiseste anerkannt ward. Auch wurden durch sie die Götzendienste vieler Heiden zerstört. Daß ihnen keine inwendigere Religion durch Mohammed eröffnet wurde, geschah wegen der Vielweiberei, welche Unreines gegen den Himmel ausdünstet; denn die Ehe eines Mannes mit einer Frau entspricht der Ehe des Herrn und der Kirche.

#72. Viele von ihnen sind empfindlich für das Wahre, und sehen in Vernunftgründen das Rechte, was ich aus Gesprächen mit ihnen in der geistigen Welt abnehmen konnte. Ich sprach mit ihnen über den Einen Gott, über die Auferstehung und über die Ehe. Über den Einen Gott sagten sie, sie begreifen nicht, wie die Christen von einer Dreieinigkeit reden und sagen können, daß es drei Personen gebe, und jede Gott sei, und gleichwohl wieder sagen, daß nur Ein Gott sei; ich antwortete ihnen aber, daß die Engel in dem aus jenen gebildeten Himmel nicht so reden, sondern daß Gott der Person und dem Wesen nach Einer, und in ihm ein Dreifaltiges sei, und die Menschen auf Erden dieses Dreifaltige drei Personen nennen, und daß jenes Dreifaltige im Herrn sei. Damit sie hierin bestärkt würden, las ich ihnen aus Matthäus und Lukas vor, was in diesen von der Empfängnis des Herrn aus Gott dem Vater gesagt wird, und was Er selbst davon lehrt, daß der Vater und Er eins seien. Nachdem sie dies gehört, verstanden sie die Sache, und sagten, daß auf diese Weise das göttliche Wesen in ihm sei. Vor der Auferstehung sagten sie, sie begreifen die Christen nicht, wenn dieselben vom Zustand des Menschen nach dem Tode reden, da sie die Seele einem Wind oder einer Luft gleich machen, und ihr daher alles Vergnügen vor der Vereinigung mit dem Körper am Tage des Jüngsten Gerichts absprechen; ich erwiderte ihnen aber, daß nur Einige so reden, Andere aber die nicht von dieser Erde seien, glauben, daß sie nach dem Tod in den Himmel kommen, mit den Engeln reden, und himmlische Freuden genießen werden, die sie nicht unterscheiden von ähnlichen Freuden in der Welt, obgleich sie dieselben nicht beschreiben; und daß heutzutage ihnen Mehreres über den Zustand nach dem Tod geoffenbart werde, was sie früher nicht gewußt hätten. Über die Ehe sprach ich Mehreres mit ihnen, und unter Anderem auch, daß die eheliche Liebe eine himmlische Liebe sei, nur möglich zwischen zweien, und daß eine Verbindung mit mehreren Weibern das Himmlische jener Liebe nicht zulasse; sie hörten die Gründe an, und nahmen das Richtige in denselben wahr, so wie auch dies, daß ihnen Vielweiberei zugelassen worden sei, weil sie Morgenländer seien, welche ohne diese Zulassung mehr als die Europäer für schändliche Ehebrüche entbrannt und verloren gegangen wären.

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Die Afrikaner und die Heiden in der geistigen Welt.

#73. Die Heiden, welche nichts vom Herrn wissen, erscheinen um die her, die von ihm wissen, jedoch so, daß die äußersten Umkreise nur von solchen gebildet werden, welche völlige Götzendiener sind, und die Sonne und den Mond angebetet hatten. Diejenigen aber, welche Einen Gott anerkennen, und Vorschriften wie die der zehn Gebote zu Geboten der Religion und des Lebens gemacht haben, erscheinen in der oberen Gegend, und stehen so in unmittelbarer Gemeinschaft mit den Christen in der Mitte; denn die Gemeinschaft wird auf diese Weise nicht unterbrochen durch die Mohammedaner und Päpstlichen. Die Heiden sind auch abgeteilt nach ihrem Genius und nach ihrer Empfänglichkeit für das vom Herrn durch die Himmel einfließende Licht; denn es gibt unter ihnen innerlichere und äußerlichere, und dies haben sie nicht von der Verschiedenheit des Klimas, sondern von ihrer Religion. Die Afrikaner sind innerlicher als die Übrigen.

#74. Alle, welche Einen Gott als Schöpfer des Weltalls anerkennen und verehren, stellen sich Gott als Menschen vor; sie sagen, daß Niemand eine andere Vorstellung von Gott haben könne. Wenn sie hören, daß Manche sich Gott wie ein Wölkchen vorstellen, so fragen sie, wo diese seien und wenn es heißt, sie befinden sich unter den Christen, so sagen sie, dies sei nicht möglich. Man erwiderte ihnen aber, diese stellen sich Gott so vor, weil Er im Worte ein Geist heiße, und einen Geist denken sie sich nicht anders denn als ein Wolkenteilchen, nicht wissend, daß jeder Geist und jeder Engel Mensch ist; man habe aber untersucht, ob ihre geistige Idee ihrer natürlichen Vorstellung ähnlich sei, und gefunden, daß sie derselben nicht ähnlich sei bei denen, die den Herrn innerlicher als Gott des Himmels und der Erde anerkennen. Ich hörte einen gewissen Geistlichen aus den Christen sagen, Niemand könne sich eine Vorstellung vom Göttlich-Menschlichen machen, und ich sah, wie er zu verschiedenen Heiden von den innerlicheren allmählig zu noch innerlicheren, und von diesen zu ihren Himmeln, und zuletzt zum christlichen Himmel hingeführt, und ihm überall ihre innere Vorstellung von Gott mitgeteilt wurde, und er bemerkte, daß sie keine andere Vorstellung von Gott haben als die von einem Menschen, welche zusammenfällt mit der vom Göttlich-Menschlichen.

#75. Es gibt viele Gesellschaften von Heiden, besonders aus den Afrikanern, welche, wenn sie durch Engel über den Herrn Belehrung erhalten haben, sagen, es könne nicht anders sein, als daß Gott, der Schöpfer des Weltalls, in der Welt erschienen sei, da Er sie erschaffen habe und sie liebe, und daß sein Erscheinen nicht anders als in menschlicher Gestalt, den Augen sichtbar, habe geschehen können. Sagt man ihnen, daß Er nicht erschienen sei, wie die Engel zu erscheinen pflegen, sondern daß Er als Mensch geboren, und so gesehen worden sei, so stehen sie eine Weile an, und fragen dann, ob Er von einem menschlichen Vater gezeugt worden sei; und wenn sie hören, daß Er empfangen worden sei von dem Gott des Weltalls, und geboren von einer Jungfrau, so sagen sie, daß auf diese Weise das göttliche Wesen in Ihm sei, und weil dies unendlich und das Leben selbst sei, so sei Er nicht ein Mensch wie andere gewesen. Sie werden hierauf von Engeln belehrt, daß Er dem Aussehen nach Mensch gewesen sei wie ein anderer auch, daß aber, da Er in der Welt gewesen, sein göttliches Wesen, das in sich unendlich und das Leben selbst sei, die von der Mutter empfangene endliche Natur und deren Leben ausgestoßen, und so sein in der Welt empfangenes und geborenes Menschliche göttlich gemacht habe. Dies haben die Afrikaner, welche tiefer geistig als die Übrigen denken, begriffen und angenommen.

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#76. Weil die Afrikaner auch in der Welt so beschaffen sind, darum geschieht bei ihnen gegenwärtig eine Offenbarung, welche in der Mitte anfängt, und sich rings umher verbreitet, jedoch nicht bis an die Meere erstreckt. Sie erkennen unsern Herrn des Himmels und der Erde an, und lachen die Mönche aus, wo sie dieselben treffen, und die Christen, welche von einer dreifachen Gottheit und von einer Seligmachung durch ein bloßes Denken reden; sie sagen, daß es keinen Menschen gebe, der Religion habe, und nicht lebe nach seiner Religion, und daß er widrigenfalls notwendig dumm und böse werden müsse, weil er dann nichts aus dem Himmel aufnehme; die erfinderische Bosheit nennen sie auch Dummheit, weil nicht Leben sondern Tod in ihr sei. Ich hörte der Engel Freude über diese Offenbarung, weil durch sie eine Verbindung für sie mit dem Vernünftigen des Menschen, das bisher durch blinden Autoritätsglauben verschlossen war, eröffnet werde. Es ist mir aus dem Himmel gesagt worden, daß den Bewohnern jenes Weltteils durch Engelgeister gegenwärtig dasjenige mündlich vorgesagt werde, was in der nun herausgegebenen Lehre des Neuen Jerusalems vom Herrn, vom Wort, und in der Lebenslehre für das Neue Jerusalem enthalten ist.

#77. Als ich mit den Afrikanern in der geistigen Welt sprach, erschienen sie in gestreiften Kleidern von Leinwand; sie sagten, daß dergleichen Kleider ihnen entsprechen, und daß ihre Weiber gestreifte Kleider von Seide haben. Sie erzählten von ihren Kindern, daß sie häufig von ihren Erzieherinnen Speise fordern, und sagen sie hungern, und wenn ihnen Speisen gereicht werden, so besehen sie dieselben und kosten sie, ob sie übereinstimmen und essen wenig; woraus erhellt, daß der geistige Hunger, der ein Verlangen ist die reinen Wahrheiten zu wissen, dieses wirkt; denn er ist eine Entsprechung. Wenn sie wissen wollen, in welchem Zustand sie sich befinden in Hinsicht der Liebe zum Wahren und der Wahrnehmung desselben, so ziehen sie ihre Schwerter, und wenn diese glänzen, so wissen sie, daß sie in den echten Wahrheiten sind, und zwar nach Maßgabe ihres Glanzes. Auch dieses gründet sich auf die Entsprechung. Von der Ehe sagten sie, es sei ihnen zwar nach ihrem Gesetz erlaubt, mehrere Frauen zu nehmen, sie nehmen aber doch nur Eine, weil die wahre eheliche Liebe nicht teilbar sei, und wenn sie geteilt werde, ihr Wesen, das himmlisch sei, zu Grunde gehe, und sie äußerlich und somit geil werde, und in kurzer Zeit, je nach der Abnahme der Kraft verächtlich werde, und zuletzt mit dem Verlust derselben Eckel errege; die wahre eheliche Liebe aber, welche innerlich sei, und nichts mit der Geilheit gemein habe, ewig bleibe, und an Kraft zunehme, und in gleichem Grad auch an Vergnügen.

#78. Von den Ankömmlingen aus Europa sagten sie, daß sie dieselben nicht zulassen, und wenn Einzelne, besonders Mönche, sich eindringen, so fragen sie dieselben, was sie wissen, und wenn sie ihnen dann Einiges von ihrer Religion erzählen, so nennen sie dasselbe läppische Possen, welche die Ohren beleidigen, und verwenden sie dann zu Arbeiten, damit sie etwas Nützliches treiben, und wenn sie sich dessen weigern, so verkaufen sie dieselben als Sklaven, die man vermöge ihres Gesetzes nach Gefallen züchtigen dürfe; könne man sie aber nicht dazu bringen, etwas Nützliches zu tun, so verkaufe man sie zuletzt um niederen Preis an Geringe.

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Die Juden in der geistigen Welt.

#79. Die Juden erschienen vor dem Letzten Gericht auf der linken Seite der christlichen Mitte in einem Thale daselbst, nach demselben aber wurden sie in den Norden versetzt, und ihnen der Verkehr mit den Christen untersagt, außer mit solchen, welche außerhalb der Städte herumschwärmen. Es befinden sich in jener Gegend zwei große Städte, in welche die Juden nach dem Tode geführt werden, und welche sie vor dem Gericht Jerusalem, nach demselben aber anders nannten, weil nach dem Gericht unter Jerusalem die Kirche verstanden wurde, in welcher der Herr allein angebetet wird. Es werden ihnen in ihren Städten bekehrte Juden vorgesetzt, welche sie ermahnen, nicht schimpflich von Christus zu sprechen, und diejenigen bestrafen, die es gleichwohl tun. Die Gassen jener Städte sind voll Kots, welcher bis an die Knöchel gehet, und ihre Häuser voll Unreinigkeiten, nach welchen sie auch riechen; weshalb man nicht zu ihnen hingehen kann.

#80. Es erscheint ihnen zuweilen ein Engel oben in mittlerer Höhe mit einem Stab in seiner Hand; und bringt sie auf den Glauben, daß er Moses sei, und ermahnt sie abzustehen von dem Wahnsinn, auch hier noch den Messias zu erwarten; Christus sei der Messias, der sie und Alle regiere, er wisse es, und habe auch von ihm etwas gewußt, da er noch in der Welt gewesen. Wenn sie dies gehört haben, gehen sie davon und der größte Teil vergißt es, Wenige behalten es. Die es aber behalten, werden in Synagogen, die aus Bekehrten bestehen, geschickt, und unterrichtet; und denen, die nach empfangenem Unterricht es annehmen, werden neue Kleider gegeben statt der zerrissenen, in welchen sie vorher waren; auch wird ihnen das Wort gegeben, zierlich geschrieben, und eine Wohnung in einer nicht unreinlichen Stadt; die es aber nicht annehmen, werden in die Höhlen, unterhalb des großen Landstriches, den die Andern einnehmen, und Viele in Wäldern und in Wüsten geworfen, wo sie untereinander Straßenraub treiben.

#81. Sie handeln in jener Welt mit mancherlei Dingen, besonders mit Edelsteinen, die sie sich auf unbekannten Wegen aus dem Himmel verschaffen, wo es Edelsteine in Menge gibt. Daß sie mit Edelsteinen handeln, kommt daher, daß sie das Wort in seiner Grundsprache lesen, und seinen buchstäblichen Sinn heilig halten, die Edelsteine aber dem buchstäblichen Sinn des Wortes entsprechen; über welche Entsprechung man nachsehen kann in der Lehre des Neuen Jerusalems von der Heiligen Schrift, Nr. 42 bis 45. Sie verkaufen dieselben an die Heiden, welche um sie her in der nördlichen Gegend sind. Sie können auch durch Kunst ähnliche nachmachen, und die Einbildung erregen, daß es echte seien. Diese werden aber von ihren Vorgesetzten streng bestraft.

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#82. Die Juden wissen weniger als Andere, daß sie in der geistigen Welt sind, sondern meinen, sie seien noch in der natürlichen Welt, und dies darum, weil sie ganz äußerliche Menschen sind, und über ihre Religion nicht von Innen heraus nachdenken; weshalb sie auch vom Messias noch ebenso wie früher reden, als: daß er mit David kommen, und schimmernd von Diademen ihnen vorangehen und sie in das Land Kanaan einführen, und auf dem Wege mittelst Erhebung seines Stabes, die Flüsse, über die sie gehen sollen, austrocknen werde; ferner daß die Christen, (die sie untereinander auch Heiden nennen,) dann die Zipfel ihrer Kleider anfassen, und sie flehentlich bitten werden, sie begleiten zu dürfen; und daß sie die Reichen je nach ihrem Vermögen mitnehmen, daß aber auch diese ihnen dienen werden. Sie wollen nicht wissen, daß im Wort unter dem Lande Kanaan die Kirche verstanden wird, unter Jerusalem dieselbe in Rücksicht ihrer Lehre, und daher unter den Juden alle die, welche zur Kirche des Herrn gehören werden. (Daß diese unter den Juden im Worte verstanden werden, sehe man in der Lehre von der Heiligen Schrift, Nr. 51.) Fragt man sie, ab die denn glauben, daß auch sie in das Land Kanaan kommen werden, so sagen sie, sie werden alsdann hinabsteigen. Sagt man ihnen, daß jenes Land sie nicht alle fassen könne, so antworten sie, es werde dann vergrößert werden. Sagt man, sie wissen ja nicht, wo Bethlehem liege, und wer aus dem Stamme Davids sei, so antworten sie, daß der kommende Messias es wisse. Fragt man, wie denn der Messias, der Sohn Jehovahs, mit solchen Bösen zusammenwohnen könne, so sagen sie, sie seien nicht böse. Hält man ihnen entgegen, daß doch Moses in seinem Lied, 5. Mose 32, sie beschreibe, und sage, sie seien die Schlimmsten, so erwidern sie, Moses sei damals darüber erzürnt gewesen, daß er abtreten müsse; sagt man aber, daß Moses dies auf Befehl Jehovahs geschrieben habe, dann schweigen sie, und gehen weg, um sich Rates zu erholen. Sagt man, sie stammen von einer Kanaiterin ab, und seien aus der Hurerei des Juda mit seiner Schwiegertochter, (1.Mose 38.) entsprungen, so geraten sie in Zorn, und sagen, es genüge, daß sie von Abraham abstammen. Sagt man ihnen, daß inwendig im Wort ein geistiger Sinn sei, der allein von Christus handle, so antworten sie, es sei nicht so, inwendig im Worte sei nichts als Gold, und dergleichen mehr.

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Die Quäcker in der geistigen Welt.

#83. Es gibt schwärmerische Geister, welche von allen anderen getrennt sind, und die Nase so hoch tragen, daß sie glauben, sie seien der heilige Geist. Diese wurden zur Zeit, da das Quäkerthum aufkam, aus den Wäldern, in welchen sie umherirrten, rings umher wie herausgezogen, und nahmen von Mehreren Besitz, und flößten ihnen die Einbildung ein, daß sie vom heiligen Geist getrieben werden; und weil dieselben einen Einfluß fühlten, so nahm dieser Glaubenswahn sie so sehr ein, daß sie sich für erleuchteter und heiliger als Andere hielten, und daher von ihrem Religionsglauben auch nicht mehr abgebracht werden konnten. Die, welche sich in demselben bestärkt haben, verfallen nach dem Tode in ähnliche Schwärmerei, und werden von den Übrigen abgesondert, und in Wälder zu Ähnlichen verwiesen, wo sie von Fern wie wilde Schweine erscheinen. Diejenigen aber, welche sich nicht bestärkt haben, werden von den Andern abgesondert, und an einen Ort geschickt, der einer Wüste gleicht, und sich in den äußersten Gegenden des Südens befindet, wo Höhlen ihre Tempel sind.

#84. Nachdem die vorerwähnten schwärmerischen Geister von ihnen entfernt waren, hörte auch das Zittern auf, das, von denselben verursacht, ihren Körper befiel, und nun empfinden sie eine Bewegung zur Linken. Es ward gezeigt, wie sie von der ersten Zeit an allmählig auf Schlimmeres, und zuletzt auf Befehl ihres heiligen Geistes auf Schändlichkeiten geraten sind, die sie Keinem offenbaren. Ich sprach mit dem Stifter ihrer Religion, und mit Penn, welche sagten, daß sie an solchen Dingen keinen Teil hätten. Diejenigen aber, welche dergleichen begangen haben, werden nach dem Tode an einen finsteren Ort verwiesen, wo sie in Winkeln sitzen, und wie Öldrüsen erscheinen.

#85. Weil sie die beiden Sakramente, die Taufe und das heilige Abendmahl verworfen haben, und doch das Wort lesen und den Herrn predigen, und von schwärmerischen Geistern besessen reden, und so das Heilige des Wortes mit entheiligten Wahrheiten vermischen, so wird in der geistigen Welt keine Gesellschaft aus ihnen gebildet, sondern nachdem sie von einander getrennt, da und dort umhergeirrt, werden sie fortgewiesen, und in besagter Wüste gesammelt.

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Die Mährischen Brüder in der geistigen Welt.

#86. Mit den Mährischen Brüdern, welche auch Herrenhuter heißen, sprach ich Vieles. Sie erschienen zuerst in einem Thale, nicht weit von den Juden; nachdem sie aber geprüft und enthüllt waren, wurden sie an unbewohnte Örter verwiesen. Während sie geprüft wurden, wußten sie listigerweise die Seelen für sich einzunehmen, indem sie sagten, sie seien Überbleibsel der Apostolischen Kirche, daher sie sich auch untereinander als Brüder grüßen, und diejenigen als Mütter, welche ihre tieferen Geheimnisse in sich aufnehmen; ferner, daß sie mehr als die Übrigen den Glauben lehren, und den Herrn lieben, weil Er am Kreuz gelitten, wobei sie ihn das Lamm und den Gnadenstuhl nennen, und dergleichen mehr; wodurch sie glauben machen, daß bei ihnen die christliche Kirche selbst sei. Die, welche durch ihre süßen Reden eingenommen, sich ihnen nähern, werden von ihnen erforscht, ob sie von der Art seien, daß sie ihnen ihre Geheimnisse zu entdecken wagen dürfen; ist dieses nicht der Fall, so verbergen sie dieselben; können sie aber, so offenbaren sie dieselben, und ermahnen sie dann auch, und drohen denen, welche ihr Geheimnis vom Herrn unter die Leute bringen.

#87. Weil sie es in der geistigen Welt ebenso machten, und man doch wahrnahm, daß sie innerlich nicht so denken, so wurden sie, damit dies aufgedeckt würde, in den untersten Himmel eingelassen, konnten aber die Sphäre der christlichen Liebe und daher des Glaubens der Engel dort nicht aushalten, sondern entflohen. Und weil sie in der Welt geglaubt hatten, sie allein seien lebendig, und werden in den dritten Himmel kommen, so wurden sie nachher auch in diesen Himmel erhoben; als sie aber die Sphäre der Liebe zum Herrn daselbst empfanden, wurden sie von Herzensangst ergriffen, und fingen an, innerlich Qual zu empfinden, und konvulsivische Bewegungen zu machen, wie die, welche mit dem Tode ringen, weshalb sie von da jählings herabstürzten. Hieraus ward zuerst offenbar, daß sie in ihrem Innern keine Nächstenliebe und keine Liebe zum Herrn hegen. Hernach wurden sie zu denen gesandt, welchen das Amt übertragen ist, das Inwendige der Gedanken zu prüfen; und von diesen ward ihnen gesagt, daß sie den Herrn gering schätzen, und das Leben der Nächstenliebe bis zum Abscheu davor verwerfen, und daß sie das Wort des Alten Testaments für unnütz halten, und das Wort der Evangelisten verachten, bloß nach Wohlgefallen aus Paulus herausnehmen, was da und dort vom bloßen Glauben gesagt wird, und daß dies ihre Geheimnisse seien, die sie vor der Welt verbergen.

#88. Nachdem geoffenbart war, daß sie vom Herrn wie die Arianer denken, das Wort der Propheten und Evangelisten verachten, und das Leben der Nächstenliebe hassen, während doch auf diesen dreien als auf Säulen der ganze Himmel ruht, wurden die, welche in der Kenntnis und zugleich im Glauben ihrer Geheimlehren waren, wie Antichristen gerichtet, welche die drei wesentlichen Lehren der christlichen Kirche verwerfen, nämlich das Göttliche des Herrn, das Wort, und die Nächstenliebe, und wurden außerhalb der christlichen Welt in eine Wüste geworfen, welche sich am Ende der südlichen Gegend in der Nähe der Quäker befindet.

#89. Ich hörte Zinzendorf, da er eben in die geistige Welt kam, unmittelbar nach seinem Tod, und ihm zugelassen war, zu reden wie früher in der Welt, und er beteuerte, daß er die Geheimnisse des Himmels wisse, und daß Niemand in den Himmel komme, der nicht seiner Lehre anhänge, ferner daß gänzlich verdammt sei, wer Gutes tue um der Seligkeit willen, und daß er lieber Gottesleugner in seine Gemeinde aufnehme, als Solche. Daß der Herr von Gott dem Vater als Sohn adoptiert worden sei, weil er am Kreuz gelitten habe, daß er aber gleichwohl nur ein einfacher Mensch gewesen sei. Als man ihm entgegenhielt, daß der Herr von Gott dem Vater empfangen worden sei, antwortete er, daß er darüber denke wie er wolle; er wagte nicht zu sagen wie die Juden. Überdies vernahm ich von seinen Anhängern mehrere Ärgernisse, als ich die Evangelisten las.

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#90. Sie sagen, sie hätten ein Gefühl gehabt, und dadurch eine innere Bestätigung ihrer Lehren; allein es ward ihnen gezeigt, daß ihr Gefühl von phantastischen Geistern herkam, welche bei den Menschen alles bestätigen, was einen Teil seines Religionsglaubens ausmacht, und das diese tiefer eindringen bei Solchen, welche wie sie ihren Religionsglauben lieben, und viel daran denken. Diese Geister sprachen auch mit ihnen, und sie erkannten sich gegenseitig an.

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Wer war Emanuel Swedenborg?

"Swedenborg ist eine der geistigen Sonnen, welche nur immer heller strahlen werden, je wie die Jahre dahingehen", schrieb Thomas Carlyle, der große schottische Schriftsteller, und Goethe nannte ihn "den gewürdigten Seher unserer Zeiten, rings um den die Freude des Himmels war."

Geboren 1688 als Sohn des nachmaligen Bischofs von Skara, war er ein so hochfliegender Geist, daß er selbst in jener an großen Persönlichkeiten reichen Zeit einzig dasteht. Er war ein genialer Forscher auf nahezu allen Gebieten der Naturwissenschaft, ein tiefer Denker, erfolgreicher Erfinder, Bergbaufachmann, Volkswirtschaftler und Politiker, daneben ein Dichter und – nach seiner Berufung im Jahre 1744 bis zu seinem Tode im Jahre 1772 – Seher und Schilderer geistiger Welten und Gesetzmäßigkeiten von solcher Sachlichkeit und Nüchternheit, daß man ihn ungescheut auch den ersten Parapsychologen nennen darf.

Obwohl Swedenborg schon zu Lebzeiten berühmt war, stürmten doch, wie der ehemalige Präsident der schwedischen Akademie der Wissenschaften, Professor Lönnberg, im Namen zahlreicher europäischer Kollegen i.J. 1910 feststellte, "manche seiner wichtigsten Entdeckungen jenen Zeiten allzu weit voraus, so daß es unseren Tagen überlassen ist, seinem Gedächtnis Gerechtigkeit widerfahren zu lassen."

Man würde auch heute nicht mehr zögern, ihn als einen der größten Männer seines Jahrhunderts, ja der Menschheit, zu feiern, wäre ihm nicht auf der Schwelle zu seinem letzten Lebensdrittel jenes merkwürdige Schicksal der Berufungsvision und der damit verbundenen Aufschließung der geistigen Sinne widerfahren, wodurch er ungesucht zum "Geisterseher" und gegenüber einer erstarrten Kirchenlehre zum unerbittlichen Kritiker und Reformator wurde. Die Anhänger derselben trafen sich daher mit den aller Offenbarung feindlichen Rationalisten und Materialisten in gemeinsamer Ablehnung und Verlästerung, die ihre Wirkung erst heute allmählich einbüßt.

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Einige der wichtigsten religiösen Lehren Swedenborgs:

Gott ist Einer. Es gibt nicht drei gleichermaßen unendliche und ewige »Personen« der Gottheit. In Jesus Christus, dem schaubaren Gott, »wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig« (Paulus), in ihm wohnt der »Vater«, wie die Seele in ihrem Leib, und durch ihn sendet derselbe den »Heiligen Geist«. So stehen die drei »Wesenselemente« der Gottheit miteinander in Verbindung – vergleichsweise wie im Menschen Seele, Leib und ausgehende Wirkung.

Gott ist reine Liebe. »Zorn« über die Sünden der Menschen liegt ihm fern. Was die Bibel darüber enthält, ist Anpassung der göttlichen Wahrheit an den Zustand der Menschen, die im Bewußtsein ihrer Schuld, im Zustand ihrer Gottfeme, den Allmächtigen und Alliebenden nicht anders als nach ihrem eigenen Bilde denken können. Wie könnte Jesus lehren: »Wer seinem Bruder zürnt, ist dem Gericht verfallen«; »liebet eure Feinde«, wenn Gott selbst den Menschen, nachdem sie durch ihren Abfall Seine Feinde geworden waren, zürnte? Das heißt freilich nicht, daß Gott die Sünde des Menschen gleichgültig wäre – aber Seine Reaktion darauf ist nicht Zorn! Aus diesem Grunde war auch

die Erlösung kein "stellvertretendes Opfer zur Versöhnung Gott-Vaters", der nur durch unschuldig vergossenes Blut umgestimmt werden konnte. Vielmehr wurde unsere Erlösung bewirkt durch jenen gewaltigen und das ganze Leben des Heilands erfüllenden Kampf Gottes in Christus zur Überwindung aller höllischen Mächte, die sich durch menschliche Schuld zwischen ihn und die Menschheit gedrängt hatten und die lebensnotwendige Verbindung abzuschneiden im Begriff standen.

Das Leiden am Kreuz war nur der letzte, schwerste Kampf, in dem die Höllen noch einmal mit der Versuchung an den Göttlich-Menschlichen herantraten, menschlich, nicht göttlich zu handeln. Dadurch aber, daß Jesus siegreich widerstand, verherrlichte Er sein von der Maria stammendes menschliches Teil und machte es zu einem reinen Gefäß für das innewohnende Göttliche. Darum konnte Er sagen: Ich und der Vater sind Eins; wer mich sieht der sieht den Vater. So ist Jesus Christus, nach Seinen eigenen Worten nicht eine zweite Gott-Person, sondern der fleischgewordene, schaubare Gott, der uns einen neuen Zugang zur Welt des Göttlichen und Ewigen erkämpft hat, für die wir geschaffen sind, in die wir aber nur gelangen können, wenn wir die Lebensgrenze dieser Welt uns in der Nachfolge zu eigen machen. Bloßer Glaube im üblichen Sinn reicht also nicht aus!

Stark beachtet wurde seine Lehre vom Leben nach dem Tode:

Wie die übrigen Lehren unterscheidet auch sie sich grundlegend von allem, was sonst darüber gelehrt wird. Der physische Tod ist nicht erst seit dem Sündenfall – als Strafe – zum allgemeinen Erdenschicksal geworden, sondern er war dem Menschen von Anbeginn an als Übergang in die andere, höhere Daseinsform in der Geistigen Welt vorgesehen, in der der materielle Leib völlig unbrauchbar wäre.

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[VH-LIF / 2009]