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 Traumtagebuch html  253.73KB  Emanuel Swedenborg a.D. *1688 - 1772     

ES - Traumtagebuch



Emanuel Swedenborg



Traumtagebuch



Aus dem Schwedischen übersetzt von Felix Prochaska

Emanuel Swedenborg 1743/44

*



Die Reise nach Innen



"Ich stieg ganz frei und mutig eine Treppe, die dann zu einer Leiter wurde, hinab. Unten befand sich ein Loch, das in ganze große Tiefe hinabführte; es war schwer, auf die andere Seite zu gelangen, ohne in jedes Loch zu fallen. Auf der anderen Seite befanden sich Personen, denen ich die Hand reichte, um hinüber zu gelangen, Ich erwachte. Es besteht die Gefahr, daß ich in den Abgrund stürze wenn ich nicht Hilfe erhalte."

So lautet der Beginn einer interessanten Reise, die sowohl in die Innenwelt als auch in die jenseitige Welt führen wird. Es handelt sich dabei um die private Niederschrift eines Traumes von Emanuel Swedenborg, vielleicht eines der begabtesten Menschen, die je gelebt haben. Der Traum spricht für sich selbst. Vor mehr als zwei Jahrhunderten aufgezeichnet, zeigt er bereits ein modernes Verständnis für das Wesen der Träume. In dramatischer Form vergegenwärtigt er die augenblickliche Lebenssituation des Träumenden. Den größten Nutzen würde dieser selbst aus dem Traume ziehen, wenn er sich mit allen darin erscheinenden Aspekten identifizierte, sonst könnte er sich leicht als Helfer anderer geschmeichelt vorkommen. Aber er sieht diese Gefahr und erkennt seine eigene Hilfsbedürftigkeit.

Was aber noch wichtiger ist, diese Serie von Träumen und Assoziationen, uns als früheste und ausführlichste überhaupt bekannt, wurde um 1744 niedergeschrieben von einem Mann, der zu den letzten Universalgelehrten gehörte, die alles damals bekannte Wissen beherrschten. Ehe er sich mit seinen Träumen zu beschäftigen begann, hatte er enorme Leistungen vollbracht: alle vorhandenen Wissenschaften bis zum äußersten erforscht, einige neu gegründet, und seine Entdeckungen über das menschliche Gehirn oder seine Hypothese zur Nebulartheorie hätten allein ausgereicht, um seine öffentliche Anerkennung und seinen wissenschaftlichen Ruf zu sichern. Mit 56 Jahren hätte er sich zur Ruhe setzen können, aber er begann sich mit Psychologie und Religion zu beschäf-tigen.

Aus jener Zeit, in der er sich diesen inneren Bereichen zuwandete, stammen die Niederschriften seiner Träume. Und soviel Unbekanntes, Neues entdeckte er, daß seine Berichte unglaubwürdig erschienen. Die Forschungsreise ins Innere führte gleichsam zu weit, wurde — in 36 Bänden — zu genau dargestellt. Selbst die kommenden Generationen würden kaum Zeit finden, seine Entdeckungen zu verarbeiten.

Und so blieb der Vorsprung Swedenborgs über die Jahrhunderte hinweg bestehen.

Sicher war sich Swedenborg nicht bewußt, welchen großen Schritt vorwärts er tat, als er den Versuch unternahm, seine seelischen Erfahrungen direkt zu beschreiben. Von ihm aus gesehen war dieser Schritt ganz natürlich, hatte er doch auch auf allen anderen Gebieten Tatsachen gesammelt. Warum also nicht ins Innere dringen und die Regungen der Psyche direkt beobachten? Vielleicht könnte man die Seele bei der Arbeit ertappen? Es gelang ihm. Seine Methode wird heute als Phänomenologie bezeichnet. Dabei sammelt man einfach die Rohdaten der Erfahrung und versucht, durch Beobachten, Verstehen und Beschreiben ein Bild der menschlichen Erlebniswelt zu erhalten. Wie in vielen anderen Dingen war auch hierin Swedenborg seiner Zeit voraus. Um 1744 begann er pflichtbewußt seine Träume aufzuschreiben und zu deuten. Schon seit 1736 hatte er das ab und zu getan, jedoch umfaßten diese Notizen nur wenige Seiten und gingen außerdem verloren. Seine Verwandten rissen die fraglichen Blätter aus seinem Tagebuch heraus, als sie den Charakter dieser frühen Träume erkannten. Wahrscheinlich waren sie zu aufschlußreich. Die breite Öffentlichkeit konnte noch nicht mit der unverblümten Sprache gewisser Träume bekannt gemacht werden. Seit dieser Zeit notierte Swedenborg systematisch seine Träume und inneren Erfahrungen, und daraus entstand das Traumtagebuch und sein fünfbändiges Geistiges Tagebuch; keines von beiden war je für die Veröffentlichung bestimmt, denn sie enthalten die ganz persönlichen Aufzeichnungen seiner Seelenforschung. Sie sind für uns aber besonders wertvoll, weil sie den Weg schildern, den er ging und der ihn über die Grenze Führte — ihn fast zu viel entdecken ließ.

Als nach seinem Tode das Traumtagebuch veröffentlicht wurde, rief es eine Sensation hervor. Das innere Ringen dieses Mannes, ja sogar seine sexuellen Bedürfnisse waren bloßgelegt. Seine Nachfolger fanden sich im Zwiespalt, ob sie der Wissenschaft oder den Interessen Swedenborgs dienen sollten. So blieben die sexuellen Träume diskret unter dem Mantel der lateinischen Sprache verborgen, während die meisten anderen Träume der Öffentlichkeit in Übersetzungen zugänglich gemacht wurden.

(Dr. Wilson van Dusen)



(Aus dem demnächst in deutscher Übersetzung erscheinenden Buch »The Presence of Other Worlds The Findings of Ern. Swedenborg«)



Vorwort des Übersetzers dieser Ausgabe



Im Jahre 1849 starb in Westerås (Västerås) Prof. R. Scheringsson im Alter von 90 Jahren. Unter den Büchern seines Nachlasses fand Herr L. B. Boberg ein in Pergament gebundenes Taschenbuch im Oktavformat (10 x 16 cm) von 108 Seiten, wovon 104 Seiten beschrieben und zwei herausgerissen waren. Bei näherer Untersuchung zeigte sich, daß es sich um ein Tagebuch mit zwei Taschen und Klappen handelte, in dem Emanuel Swedenborg Aufzeichnungen über seine Reise durch Deutschland, nach Holland und England niedergeschrieben hatte, als er sein Werk „Regnum animale“ in den Druck gab. Dieses Tagebuch ist von besonderer Bedeutung weil es Aufzeichnungen über Träume aus der Zeit enthält, in der Swedenborg vom Naturforscher zum Propheten der Lehre der Neuen Christlichen Kirche, des Neuen Jerusalems, vom Herrn vorbereitet wurde und schwere seelische Kämpfe durchmachte. Dieses „Traumtagebuch“ war keinesfalls für eine Veröffentlichung vorgesehen, da in demselben rein persönliche, ja intime Vorfälle verzeichnet sind. Swedenborg hatte auch auf früheren Reisen ein Reisetagebuch geführt, so z.B. auf seiner Reise nach Deutschland in den Jahren 1733-1737, das nur eine Unterbrechung im Jahre 1735 zeigt, da er sich in diesem Jahr in Stockholm aufhielt. In diesem früheren Tagebuch fanden sich 5 Seiten mit Aufzeichnungen über die Träume, die indessen verloren sind.

Oberbibliothekar Gustaf E. Klemming, von der Königlichen Bibliothek in Stockholm hörte von diesem Fund und, obwohl er ein Gegner E. Swedenborgs und dessen Lehre war, so zeigte er doch Interesse für Swedenborgs Lehre. Er veranlaßte, daß die Bibliothek das "Traumtage-buch" am 14. 10. 1858 durch den Propst Boberg vom Erben, Herrn Dem. Littorin für 250 Reichsthaler Silbermünze erwarb. Er übergab das Tagebuch dem wissenschaftlichen Mitarbeiter, Herrn F.A. Dahlgren, der die Handschrift in mühevoller Arbeit entzifferte und am 4.6.1859 eine Reinschrift davon vorlegte.

Es ist ungeklärt, warum das Traumtagebuch zwischen 1772 (Swedenborgs Tod) und 1849 (Scheringssons Tod) in den Besitz des Letzteren gelangte. Es ist kaum anzunehmen, daß Prof. Scheringsson mit Swedenborg persönlich bekannt war; es darf vielmehr angenommen werden, daß sein Neffe und Erbe, Lars Benzelstierna, späterer Bischof von Westeras, das Tagebuch Scheringsson lieh, und dieser vergessen hatte, es dem Eigentümer zurückzugeben. Scheringsson war ein Gegner Swedenborgs und seiner Lehre und gab 1787 in Uppsala ein zweibändiges Werk mit dem Titel "Dissertation sistens observationes non nulla de Philosophia recentiorum Platonicorum indolem atque originem Fanatismi nostri aevi illustrantes" in dem er nachzuweisen versuchte, daß Swedenborg seine Lehre im wesentlichen der Lehre der Neuplatoniker entlehnt hatte.

Die Reinschrift wurde sodann von G.E. Klemming 1859 als "Swedenborgs Drömmar" in einer Auflage von 99 Stück herausgegeben. Die Veröffentlichung des Tagebuches löste einen lebhaften Widerhall in der schwedischen Öffentlichkeit aus, und es meldeten sich nun vor allem Swedenborgs Gegner zu Wort, weil im "Traumtagebuch" eine erhebliche Anzahl erotischer Träume verzeichnet sind, in denen man willkommene Angriffspunkte gegen Swedenborg gefunden zu haben glaubte. Diesen Angriffen auf Swedenborg trat eine ebenso beherzte wie gebildete Frau, Anna Frederika Ehrenborg, entgegen, die in einem Vorwort zur 2. Ausgabe von 1860, verlegt bei Riis, Stockholm, in ihren "Überlegungen" für Swedenborg eintrat. Sie war auch die Herausgeberin der beiden neukirchlichen Zeitschriften "Nagot Nytt" und "Ett kirsteligt sändebud", in denen sie sich mit Geschick für die Lehren Swedenborgs einsetzte.

Bald nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe wurde das "Traumtagebuch" von Herrn Wilkinson ins Englische übersetzt. Die handschriftliche Übersetzung verblieb bei der Swedenborg Society in London und wurde nicht gedruckt. Eine zweite englische Übersetzung erschien in der Biographie Swedenborgs von William White, 1861 bei Dawn. W. White gehörte zu Swedenborgs Gegnern, und daher atmet auch seine Biographie diesen Geist. Rev. Ch.T Odhner von Bryn Athyn fertigte 1918 eine vortreffliche Übersetzung mit erklärenden Anmerkungen an, die im Academy Book Room erschien und bei der vorliegenden Übersetzung fallweise zu Rate gezogen wurde.

Die erste deutsche Übersetzung erschien auszugsweise in Alfred Lehmanns Buch "Aberglaube und Zauberei", Stuttgart 1898, ferner in der Übersetzung von Martin Lamms Buch "Swedenborg", Leipzig 1923, und die erste vollständige Übersetzung von Ilse Meyer-Lüne, als Hamburger Handdruck 1925. Diese Übersetzung ist längst vergriffen und kaum mehr erhältlich. Da Frau Meyer-Lüne keine Anmerkungen bringt, ihre Arbeit nicht mehr erhältlich ist und, bei voller Würdigung ihrer hervorragenden Fähigkeit, passende Worte zu finden, die Übersetzung aber etwas zu frei ist, hat sich der Übersetzer dieser Ausgabe zu einer enger am Original bleibenden Arbeitsweise entschlossen.

Folgende Schwierigkeiten waren zu meistern:

  1. Swedenborgs Manuskript ist in der Ausdrucks- und Schreibweise der Mitte des 18. Jahrhunderts verfaßt;

  2. Swedenborg war bei den vermutlich noch in der Nacht flüchtig aufgezeichneten Träumen recht nachlässig bei der Interpunktion;

  3. seine Sätze, oft in einer nur ihm selbst verständlichen Kürze niedergeschrieben geben dem Leser nach 230 Jahren zuweilen Rätsel auf;

  4. insbesondere muß die Trennung zwischen den einzelnen Sätzen zuweilen aus den ausgedrückten Gedanken erraten werden.

Wie eingangs kurz bemerkt wurde, ist das "Traumtagebuch" eine wertvolle Unterlage für den, der sich mit Swedenborg befaßt, da es die inneren Kämpfe Versuchungen und seelischen Nöte, die oftmals bis zur Verzweiflung an seinem Seelenheil gehen, widerspiegelt. Wenn die Deutung der Träume anfangs auf seine wissenschaftlichen Arbeiten bezogen ist, so werden sie schließlich immer mehr zur Deutung seines eigenen Seelenzustandes, seines Kampfes gegen die Ruhm- und Ehrsucht, den wissenschaftlichen Hochmut, die Neigung zu Angehörigen des anderen Geschlechts und münden in der Erkenntnis der eigenen sündigen Natur, der Fügung in Gottes Willen und in Demut aus. Diese seelische Entwicklung, vom Herrn gelenkt und geleitet, kommt immer mehr zum Durchbruch.

An dieser Stelle soll insbesondere auf die Tatsache aufmerksam gemacht werden, daß Swedenborg anfangs noch voll und ganz in den theologischen Vorstellungen seiner Zeit befangen ist, daß er z.B.

a) an einen persönlichen Teufel, den Fürsten der Hölle, glaubt,

b) an die Lehre von der Zurechnung des Verdienstes Jesu Christi durch dessen Opfertod gebunden ist und

c) der Begriff der Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist in Christus noch nicht so stark ausgeprägt ist, wie in seinen späteren theologischen Werken.

Gegner Swedenborgs weisen mit besonderem Vergnügen auf seine erotischen Träume hin und konstruieren daraus die verdrängten sexuellen Regungen des 56-jährigen Junggesellen. Sicherlich bedeutete dies eine Belastung für ihn, aber niemand ist für die eigenen Träume verantwortlich, noch können ihm diese angelastet werden. Hier gilt das Wort des Herrn aus Joh. 8,7 "wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!" Hierzu ist zu bemerken, daß erotische Träume in ihrer Deutung gemäß den Entsprechungen die Verbindung des Guten mit dem Wahren darstellen und Swedenborg, der schrittweise in die Lehre der Entsprechungen eingeführt wurde, gelangt schließlich auch zu einer solchen geistigen Deutung seiner Träume.

Bemerkenswert ist, daß seine erste Berufungsvision in der Nacht vom 6. auf den 7. April in Delft erfolgte (1744) und daß von diesem Zeitpunkt an das Wissenschaftliche gegenüber dem Religiösen schrittweise zurücktreten mußte.

In dieser Übersetzung finden sich auch jene Stellen, die in anderen Ausgaben weggelassen wurden. Der verständnisvolle Leser wird sie geistig zu deuten wissen oder dazu geneigt sein. Der Weg zu unserem Himmlischen Vater führt in Demut zu Ihm, wenn wir zu allererst unsere Unwürdigkeit und Sündhaftigkeit voll erkennen.

Felix Prochaska

*



Swedenborgs Traumtagebuch von 1743-44



1743 den 21. Juli alten Stils reiste ich von Stockholm ab, kam am 27. in Ystad an, nachdem ich die Städte Tälje1 Nyköping, Norrköping, Linköping, Grenna und Jönköping berührt hatte. In Ystad traf ich die Gräfin de la Gardie2 mit zwei ihrer Fräulein3 und zwei Grafen, Graf Fersen4, Major Lantingshausen5 (Lantishusen) Magister Klingenberg6. Den 31. trafen General Stenflycht7 seinem Sohn und Haupt Schächta8 ein.

Wegen Gegenwinds gingen wir nicht früher als am 5. August unter Segel; ich reiste gemeinsam mit General Stenflycht; den 6. Kamen wir in Stralsund9 an; am 7. begab ich mich frühzeitig in die Stadt; am gleichen Tag reisten die Gräfin und der General ab.

In Stralsund besichtigte ich wiederum die Festungsanlagen vom Badenthor bis zum Franken-Triebseer (Stripseer)- und Knieperthor, sowie das Haus, wo König Karl X.10 gewohnt hatte, den Meijerfeldts Palast11 die Kirchen St. Nikolai, (St.) Jakobi, die bei der Belagerung12 schwer beschädigt wurde und die Marienkirche. Stattete dem Obersten und Kommandanten Schwerin (Swerjn)13 dem Superintendenten Löper und dem Postdirektor Criwitz (Crivits) Besuche ab. In der Nikolaikirche wurde eine, Uhr gezeigt, in die der Blitz in den Jahren 1670, 1683 und 1688 eingeschlagen hatte, als der Zeiger gerade 6 Uhr anzeigte. Dann besichtigte ich die neue Festungsanlage vor dem Knieperthor. Ich traf Carl Jesper Benzelius.14 Besichtigte das Wasserwerk, das die Stadt versorgt, es besteht aus 2 archimedischen Schrauben.15

Den 9. August reiste ich von Stralsund über Damgarten; durch das Mecklenbur-gische, an Rimnitz vorbei, nach Rostock, wo ich 8 Kirchen, 5 größere und 3 kleinere, dann ein Nonnenkloster für 8 Nonnen besichtigte, die zwar das Kloster verlassen hatten.

Von hier aus reiste ich nach Wismar, wo es 6 Kirchen gibt, die schönsten sind St. Marien und St. Georg.

Den 11. reiste ich von dort ab, besichtigte unterwegs Gadebusch, wo die Schlacht16 zwischen den Schweden und Dänen stattgefunden hat; kam dann nach Ratzeburg, das von einem See umgeben ist, über den wir auf einer langen Brücke fuhren.

Den 12. kam ich nach Hamburg, wohnte im Kaiserhof, wo auch Gräfin de la Gardje wohnte; traf Baron Hamilton17, Reuterhojni18 Triewald19, König20, Ass. Awerman, wurde dem Prinzen Augustus, dem Bruder seiner kgl. Hoheit vorgestellt, der auch Schwedisch sprach, sodann, durch Oberstmarschall Lesch, seiner kgl. Hoheit Adolf Friedrich21, dem ich das Inhaltsverzeichnis meines Buches, das gedruckt werden sollte, überreichte, und zeigte ihm die Besprechung des vorhergehend Werkes.

Am 17. reiste ich von Hamburg über den Strom (Elbe) nach Buxtehude, wo ich auf die Länge einer (deutschen) Meile die entzückendste Landschaft erblickte, die ich in Deutschland gesehen habe, fuhr durch einen nicht endenden Garten von Apfel-, Birnen-, Pflaumen-, Walnuß- und Kastanien-Bäumen sowie von Linden und Ulmen. Am 18. erreichte ich Bremen, das gute Mauern (Wälle) und Vorstädte hat, deren beste Neustadt (Nystadt) ist; an der Brücke zu derselben befinden sich 11 Schiffsmühlen, die nebeneinander liegen. Besichtigte das Rathaus am Marktplatz, sowie den Großen Roland22 der das Wahrzeichen einer Freien Stadt ist, sodann die Nikolai- und die Domkirche; ich war im Spital, wo sich auch einige Standbilder befanden.

Am 20. fuhr ich von Bremen nach Leer, durch Oldenburg, eine Grafschaft, die dem König von Dänemark23 gehört. Leer besitzt gute Mauern (Wälle), mit reichlich Wasser rundherum; ich fuhr auch durch Neuschanz (Neuskanis). Bei Leer ist eine Schanze, die Leerort heißt und Holland gehört. Von hier aus reiste ich nach Groningen, das ist eine große Stadt unter der Herrschaft des Prinzen von Oranien. In Leeuwarden sah ich seinen Palast, sowie den seiner Mutter, der Prinzessinnenpalast heißt, ferner das Rathaus und andere Gebäude mehr; dort kam man mit einer Schleppschute (Trekschuit)24 an.

Von Groningen bieten sich zwei Wege an, nämlich nach Harlingen und nach Lemmer; den ersteren Weg legt man mit der Schleppschute zurück, den letzteren mittels des Wagens; man wählte aber den Weg nach Harlingen über Leeuwarden.

Die Fortsetzung fehlt. Aus der Originalhandschrift dürften einige Seiten herausgerissen worden sein. An den verbliebenen Rändern der entfernten Seiten erkennt man einige große Zahlen, die von ungeübter Hand geschrieben wurden. Die Fortsetzung der Reiseaufzeichnungen, sei sie nun niedergeschrieben worden oder nicht, kann nicht weitläufig gewesen sein, da nur noch über die Reise nach den Haag zu berichten blieb, wo sich Swedenborg bis zum 1.5.1744 aufhielt, mit Ausnahme von Fahrten nach Leyden und Amsterdam am 23. bis 25.4 Die Handschrift wird dann weiter fortgesetzt:

________________

1. Aus (meiner) Jugend und die Gustavianische Familie,25

2. In Venedig, von dem schönen Palast,

3. In Schweden, über die weißen Wolken am Himmel,

4. In Leipzig, von dem, der in siedend heißem Wasser lag,

5. Über den, der mit einer Kette in die Tiefe hinunterrasselte,

7. Über den König, der in einer Bauernhütte etwas sehr Kostbares verschenkte,

7. Über den Knecht, der wünschte, daß ich abreisen sollte,

8. Über meine Vergnügungen in den Nächten,

Ich wunderte mich über mich selbst, daß nichts von dem Wunsche übrig blieb, etwas um der eigenen Ehre willen zu tun, und daß ich mir dessen bewußt wurde.

Daß ich für das andere Geschlecht keine Neigung mehr empfand, dem ich bisher alle meine Tage zugetan war.

9. Wie ich mich fast die ganze Zeit in wacher Verzückung befand.

10. Wie ich mich dem Geiste widersetzte.

… und wie es mir dann doch gefiel, später aber fand, daß es Torheiten, ohne Leben und Zusammenhang, gewesen sind und daß somit eine Menge von dem, was ich früher geschrieben habe (solcher Art) sein muß, daß ich in diesem Grad die Kraft des Geistes nicht entbehrt habe und alle Fehler meine eigenen sind, die Wahrheit aber nicht von mir stammt.

Ja, ich verfiel zuweilen in Ungeduld und in Gedanken, wenn es nicht so leicht ging, wie ich wollte, daß ich dann darauf pochen wollte, daß ich nichts um meinetwillen machte; ich erkannte meine Unwürdigkeit und dankte für die Gnade.

11. Wie ich beobachtete, nachdem ich in Haag angekommen war, daß der innere Antrieb und die Eigenliebe zu meiner Arbeit verflogen waren, worüber ich mich selbst wunderte. Wie die Vorliebe für Frauen, die meine Hauptleidenschaft gewesen war, so plötzlich aufhörte.

Wie ich mich während der ganzen Zeit in den Nächten des besten Schlafes erfreute, was überaus wohltuend gewesen ist.

Wie meine Verzückungen (Ekstasen) vor und nach dem Schlafen waren.

Wie ich mich der Kraft des Heiligen Geistes widersetzt hatte und was daraufhin geschah; wie ich gräßliche Gespenster ohne Leben sah, die schwer gefesselt waren, und darin bewegte sich etwas; dabei war ein Tier, das mich angriff, nicht aber das Kind.

Ich glaubte auf einem Berg zu liegen, unter dem ein Abgrund war; wo ich lag, befanden sich Wurzelknollen; ich versuchte mich aufzurichten, indem ich mich, gegen einen Wurzelknollen gestützt, fest hielt, ohne eine Stütze für den Fuß zu finden; unterhalb war ein Abgrund.

Bedeutet: Daß ich mir selbst helfen wollte, vom Abgrund wegzukommen, was aber nicht durchführbar war.

Wie sich ein Weib an meine Seite legte, mir war, als ob ich wach wäre; ich wollte wissen, wer sie wäre; sie sprach leise, sagte aber, daß sie rein wäre, ich aber schlecht rieche; das war mein Schutzengel, wie ich glaube, denn dann begannen die Versuchungen.

 

1744, 24-25. März

1. Ich stand an einer Maschine, die von einem Rad bewegt wurde, dessen Speichen mich mehr und mehr einwickelten und mich nach oben zogen, derart, daß ich nicht entrinnen konnte. Ich erwachte.

Bedeutet entweder, daß ich noch mehr in Bedrängnis gehalten werden soll, oder daß es die Lungen des Foetus im Mutterleib betraf, worüber ich gleich nachher schrieb; es bedeutet beides.

2. Ich befand mich in einem Gemüsegarten, der viele schöne Beete (Abteilungen) hatte; ich wünschte eines derselben zu besitzen, sah aber nach, ob es nicht einen Wege gäbe, um hinaus zu gelangen; ich meinte auch einen zu sehen, dachte aber an einen anderen. Da war einer, der eine Menge unsichtbarer Würmchen (Insekten) aufhob und sie tötete; er sagte, es wären Wanzen, die einer dorthin gebracht und hineingeworfen hatte und die die dort Anwesenden plagten. Ich sah sie nicht, hingegen ein anderes kleines Würmchen (Insekt), das ich auf ein weißes Leintuch neben eine Frau fallen ließ; das war die Unreinheit in mir, die ausgerottet werden sollte.

3. Ich stieg ganz frei und mutig eine Treppe, die dann zu einer Leiter wurde, hinab, unten war ein Loch, das in ganz große Tiefe hinab führte; es war schwer, auf die andere Seite zu gelangen, ohne in jenes Loch zu fallen. Auf der anderen Seite befanden sich Personen, denen ich die Hand reichte, um hinüber zu gelangen. Ich erwachte. Es besteht die Gefahr, daß ich in den Abgrund stürze, wenn ich nicht Hilfe erhalte.

4. Ich sprach lang und vertraulich mit unserem Thronfolger in Schweden, der sich in eine Frau verwandelte, dann mit Carl Brokman29, daß er für ihn (den Thronfolger) eintreten solle, worauf er etwas antwortete; dann mit Erland Broman30 dem ich sagte, daß ich hierher zurückgekehrt sei. Ich weiß nicht, was es bedeutet, wenn es sich nicht auf das bezieht, was folgt.

5. Ich kam in ein herrliches Zimmer und sprach mit einer Frau, die die Oberhofmeisterin war; sie wollte mir etwas erzählen. Da kam die Königin31 herein und ging durch den Raum in ein anderes Zimmer; ich glaubte, sie wäre dieselbe gewesen, die unseren Thronfolger darstellte (in ihn verwandelt wurde). Ich ging hinaus, denn ich war ganz schlicht gekleidet, weil ich gerade von meiner Reise zurückkam, wobei ich einen alten Überrock trug32 ohne Hut und Perücke. Ich wunderte mich, daß sie (die Königin) geruhte, mir nachzukommen. Sie berichtete, daß einer (ein Mann) seiner Mätresse33 alle Juwelen gegeben hatte, er bekam sie aber dadurch zurück, daß ihr gesagt wurde, er habe ihr nicht die besten gegeben; da warf sie sie weg. Sie bat mich, wieder hineinzugehen, aber ich entschuldigte mich, daß ich so nachlässig gekleidet wäre und keine Perücke trüge, daß ich erst heimgehen müsse, aber sie sagte, das habe nichts zu bedeuten. Dies hat Bezug auf das, was ich dann schreiben würde und das Schlußwort zum zweiten Teil, das ich zu schreiben beginne, dem ich ein Vorwort voranstellen wollte, was aber nicht nötig war. Das ist auch geschehen. Was sie von den Juwelen berichtete, so sind dies Wahrheiten, die einem erschlossen, aber wieder entzogen werden, weil sie sich darüber erzürnte, daß sie nicht alles erhalten hat. Dann sah ich die Juwelen in den Händen, und mitten unter ihnen einen großen Rubin.

 

25.-26. März

Mir schien, als nähme ich einen Schlüssel und ging hinein; vom Pförtner wurde ich untersucht, was für Schlüssel ich hätte; ich wies sie alle vor für den Fall, daß ich zwei hätte, aber mir schien Hesselius34 hatte den zweiten. Ich kam in Gewahrsam, wurde bewacht, viele kamen in Wagen zu mir gefahren. Ich glaubte, nichts Böses getan zu haben, erinnerte mich aber, daß es doch als übel angesehen werden müsse, wenn bekannt würde, daß ich den Schlüssel genommen habe. Ich erwachte. Es gibt viele Deutungen, wie daß ich den Schlüssel zur Anatomie genommen habe, der andere, den Hesselius hatte, war der zur Medizin, sowie daß der Schlüssel zur Lunge die Lungenschlagader35 und damit zu allen Bewegungen des Körpers ist, oder es kann auch geistig ausgelegt werden.

Ich begehrte Heilung von meiner Krankheit, man gab mir einen Haufen Kleiderfetzen, um damit einzukaufen; ich nahm davon die Hälfte und schaute nach der anderen Hälfte aus, gab aber alle Fetzen zurück. Er (der Mann) sagte, daß er mir etwas kaufen wolle, was der Heilung dienen könne. Die Fetzen waren körperliche Gedanken, mit denen ich mich heilen wollte, die aber zu nichts taugten.

Nachher gelangte ich hinaus und sah viele schwarze Bilder; ein schwarzes wurde mir entgegengeworfen, ich sah, daß es den Fuß nicht nachsetzen konnte. Es bedeutet, wie ich glaube, daß die natürliche Vernunft mit der geistigen nicht übereinstimmen kann.

 

30.-31. März

Ich sah eine Anzahl von Frauen, darunter eine, die einen Brief schrieb; ich nahm ihn, weiß aber nicht, wohin er gelangte (seinen Weg nahm); sie saß, und ein gelber Mann schlug sie auf den Rücken; er wollte, sie sollte mehr Schläge bekommen, aber es waren genug; betrifft, wie ich glaube, was ich schreibe und geschrieben habe, nämlich über unsere Philosophie.

Ich sah eine sehr schöne Frau, wie an einem Fenster, wo ein Kind Rosen auflegte (streute), sie nahm mich an der Hand und führte mich; bedeutet was ich schreibe und meine Sorge, die mich leiten sollte, wie ich glaube.

Ich sah einen Umzug (eine Prozession) von Männern, der großartig und herrlich ausgeschmückt war, daß ich vorher nichts Schöneres gesehen habe, aber es verschwand bald; es war, wie ich glaube, die Auswertung von Erfahrungen, die jetzt in hoher Blüte steht.

 

1-2. April

Ich ritt auf einem Pferd durch die Luft; ich ging in alle Räume eines Hauses, die Küche und andere Orte und suchte nach einem Mann, fand ihn aber nicht; es waren schlecht aufgeräumte Zimmer; endlich wurde ich durch die Luft in einen Saal geführt, wo ich zwei schöne Brote erhielt und ihn (den Gesuchten) wiederfand. Viele Menschen waren da, und der Saal war aufgeräumt. Es bedeutet das Abendmahl des Herrn.

König Karl XII. saß in einem dunklen Raum und redete etwas, aber ziemlich undeutlich, dann fragte einer am Tisch, ob er nicht erfahren dürfe, was er gefragt hatte; er sagte ja. Er schloß sodann die Fenster, und ich half ihm bei den Vorhängen; dann setzte ich mich auf (bestieg ich) ein Pferd, schlug aber nicht den Weg ein, den ich beabsichtigt hatte, sondern über Hügel und Berge. Ich ritt schnell, eine ganze Fuhre war hinter mir, von der ich nicht loskommen konnte; doch das Pferd war durch die Fuhre müde geworden; ich wollte es irgendwo einstellen; es gelangte hinein, das Pferd lag wie geschlachtet und blutig rot da. Bedeutet, daß ich alles erhalten habe, was ich zu meiner Unterweisung als notwendig erachtete, und daß ich vielleicht einen unrichtigen Weg einschlage; die Fuhre war die verbleibende Arbeit, die mir nachfolgte, durch die ich unterwegs so müde und wie tot wurde.

Ich stieg aus einem Wagen, der Wagen wurde in einen See gefahren; beim Hineinfahren rief der Kutscher einem anderen Wagen zu, er solle sich in acht nehmen; es bestand auch die Gefahr dort, wo er hineinfuhr. Ich blickte auf den anderen Wagen, da erschien hinten etwas wie ein Schirm, der schirmähnlich ausgespannt wurde, gleichzeitig mit dem, der hinten saß ging ich hinein (in den See?) und faltete ihn zusammen; dies bedeutet, daß der Anfang meiner Arbeit schwer war. Der andere Wagen, der gewarnt worden war zu warten, und daß ich die Segel einziehen (bergen) sollte, bedeutet, daß ich die Fußnoten (Anmerkungen) nicht so lang machen soll.

 

2-3. April

Es kamen zwei Personen, die in ein Haus eintraten, das wohl gebaut, aber noch nicht eingerichtet war; sie gingen herum, schienen aber nicht zufrieden zu sein; wir sahen, daß unsere Macht dahin war und fürchteten uns vor ihnen; einer kam zu mir und sagte mir, daß sie mir für den kommenden Gründonnerstag eine Strafe zugedacht hätten, wenn ich nicht fliehen würde; ich wußte nicht, wie ich hinaus gelangen könnte; er sagte mir aber, daß er mir den Weg weisen würde. Ich erwachte. Es bedeutet, daß ich den Höchsten zu mir in eine unzubereitete und nicht aufgeräumte Hütte einlud; ich sollte bestraft werden, mir wurde aber gnädig ein Weg gezeigt, um seinem Zorn zu entrinnen. Es war ein Bettler, der rief, er wolle Schweinefleisch haben, sie wollten ihm anderes geben, er aber rief inständig nach Schweinefleisch. Ich erwachte; die gleiche Bedeutung, wie ich glaube.

Ich sah zwei Abteilungen blau gekleideter Soldaten, die an meinem Fenster, das angelehnt stand, in zwei Zügen vorbeimarschierten; ich wollte auf die Vorausmarschierenden hinausblicken, die mir großartig (schön) erschienen. Ich erwachte. Es bedeutet einen gnädigen Schutz, damit ich nicht zu Grunde gehe.

 

N.B. 3.-4. April, der Tag vor Ostern.

Während dieser ganzen Nacht ereignete sich nichts, obwohl ich wiederholt aufwachte; ich dachte, alles wäre vergangen und vorbei und ich zurückgelassen oder weggeführt. Am anderen Morgen schien es mir, daß ich ritt, und mir wurde gezeigt, wohin. Als ich aber ausschaute, war es dunkel; ich erkannte, daß ich mich in der Dunkelheit verirrt hatte, aber dann wurde es hell, und ich sah, daß ich in die Irre gegangen war. Ich sah die Straße, die ich einschlagen sollte, nebst Wäldern und Hainen und dahinter den Himmel. Erwachte. Da kam, wie von selbst, der Gedanke über das erste Leben (prima vita) und in weiterer Folge über das andere Leben (altera vita), und es schien mir, daß alles voll der Gnade war. Ich brach in Tränen aus, weil ich Den nicht geliebt, sondern vielmehr erzürnt hatte, der mich geleitet und mir den Weg ins Reich der Gnade gezeigt hat, und daß ich Unwürdiger in Gnaden angenommen worden bin.

 

4.-5. April

Ich ging zum Mahl (Tisch) des Herrn. Es wurde gesagt, daß ein weiterer Bote angekommen wäre. Ich glaube, daß dies vielleicht bedeutet, daß… (der übrige Wortlaut ist unleserlich gemacht)

Es wurde die Melodie und ein Vers des Psalms "Jesus ist mein bester Freund"36 gesungen, an den ich mich erinnere. Mir schien es, die Knospen waren aufgebrochen und grünten.



5. -6. April

Der Ostersonntag war der 5. April, als ich zum Mahle (Tisch) des Herrn ging; die Versuchungen dauerten fort, meistens am Nachmittag bis 6 Uhr, doch nicht in bestimmter Weise; es war eine Angst, daß man verdammt wäre und sich in der Hölle befände, doch bestand immer noch die Hoffnung, die der Heilige Geist schenkte, gemäß dem Brief des Paulus an die Römer 5,537. Dem Bösen war die Macht gegeben worden, mein Innerstes durch verschiedene Gedanken zu beunruhigen.

Am Ostertag, nach dem Abendmahl, war ich innerlich beruhigt, aber dennoch traurig. Die Versuchung kam am Nachmittag in ganz anderer Weise und heftig wieder, aber obwohl mir versichert worden war, die Vergebung der Sünden erlangt zu haben, so konnte ich doch meine fliegenden Gedanken nicht zügeln, mich gegen besseres Wissen einiger Äußerungen zu enthalten, die vom Bösen (Teufel) kamen. Durch inständige Gebete, sowie durch Gottes Wort, wurden sie gelindert; der Glaube war vollkommen gegenwärtig, aber das Vertrauen und die Liebe schienen zu fehlen. Ich legte mich um 9 Uhr zu Bett; die Versuchungen, verbunden mit einem Zittern, dauerten bis 10:30 Uhr, dann fiel ich in einen Schlaf, in dem mir meine ganze Versuchung dargestellt wurde, wie Erland Broman30 mit verschiedenen Mitteln versuchte, mich auf seine Seite zu ziehen, um teilzunehmen an Wollust, Reichtum, Eitelkeit, aber er konnte mich nicht dazu bewegen. Ich wurde nur noch mehr dagegen eingestellt, weil er mir Verachtung einflößte. Nachher lag ich neben einer dunkelgrauen Schlange, die Bromans Hund war. Ich schlug mehrere Male mit einer Keule nach ihr, konnte jedoch nie den Kopf treffen, es war vergeblich. Er wollte mich beißen, vermochte es aber nicht. Ich packte ihn im Rachen, er konnte mich nicht beißen, und auch ich konnte ihm nicht viel Schaden zufügen. Endlich packte ich ihn an den Kinnbacken (an der Schnauze) und drückte sie so fest zusammen, daß etwas wie Eiter herauskam. Ich sagte, daß mir der Hund zwar nicht gehöre, da er mich aber beißen wollte, mußte ich ihn züchtigen (bändigen). Daraufhin schien mir, daß er (der Hund) sagte, er habe mich nicht dazu gebracht, ein einziges Wort zu ihm zu sagen. Ich stritt mit ihm. Als ich erwachte, war das einzige Wort, das ich zu ihm sagte: "Halte deinen Mund!" Hieraus kann ohne weitere Erklärung ersehen werden, wie die Versuchung gewesen ist, anderseits aber, wie groß dagegen Gottes Gnade war, die auch uns zugerechnet wird durch das Verdienst Christi und die Wirkung des Heiligen Geistes, dem Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit zukomme. Mir kam plötzlich der Gedanke, wie groß die Gnade des Herrn ist, der uns zurechnet, wenn wir in Versuchungen widerstanden haben, was uns zugeeignet wird, obwohl es einzig Gottes Gnade und Sein Wirken ist; es ist Sein und nicht unser Verdienst, wobei er über die Schwächen hinwegsieht, die wir darin (in den Versuchungen) gezeigt haben, die vielfältiger Art gewesen sein müssen, sowie auch, was für eine große Herrlichkeit unser Herr schenkt (beschert), nach einer kurzen Zeit der Widerwärtigkeit.

Nachher schlief ich ein, und während der ganzen Nacht schien mir, daß ich auf verschiedene Weise durch das, was sündhaft gewesen war, zuerst mit anderen zusammengeführt und nachher, wie ich durch wunderbare und unbeschreibliche Kreisbewegungen38 gelöst wurde, so daß ich während der ganzen Nacht in wunderbarer Weise eingeführt39 und mir gesagt wurde: "Kann irgend ein Jakobit40 mehr als redlich sein?" So wurde ich am Schluß durch eine Umarmung aufgenommen, und nachher wurde mir gesagt, daß er nicht so gerufen oder genannt werden soll, aber wie, erinnere ich mich nicht, wenn es nicht "Jakobit" war; dies kann ich nicht beschreiben; es war eine mystische Aufeinanderfolge41.

Dann erwachte ich und schlief mehrere Male wieder ein und alles, was ich träumte, war eine Antwort auf meine Gedanken, aber derart, daß in allem so viel Leben und eine solche Herrlichkeit lag, daß ich nicht das mindeste davon beschreiben kann; denn alles war himmlisch. Zu diesem Zeitpunkt war mir alles klar, aber nachher kann ich doch nichts beschreiben (ausführen); mit einem Wort: ich war im Himmel und hörte eine Rede, die keine menschliche Zunge, mit dem Leben, das darin lag und der darauf folgenden Herrlichkeit und dem innerlichen Glücksempfinden42, auszudrücken vermöchte. Außerdem war ich wach, wie in himmlischer Verzückung, die auch unbeschreiblich ist.

Um 9 Uhr abends legte ich mich zu Bett und stand zwischen 9 und 10 Uhr morgens auf, nachdem ich 12 bis 13 Stunden im Bett gewesen war. Dem Höchsten sei Lob, Ehre und Preis, geheiligt sei Sein Name, heilig, heilig, heilig, Herr Gott Zebaoth!

Wie ich durch Erfahrung lernte, was es bedeutet, die Engel nicht mehr zu lieben als Gott, was fast das ganze Werk (der Gnade) umgestoßen (vereitelt) hätte, denn im Vergleich mit unserem Herrn darf ihnen keine Achtung (Verehrung) erwiesen werden, auch nicht im Hinblick auf ihre Hilfe, weil ihre Liebe weit unter derjenigen Gottes steht.

Ich fühlte in mir etwas wie Strahlen, daß es das höchste Glück wäre, Märtyrer zu werden, denn im Hinblick auf die unbeschreibliche Gnade, in Verbindung mit der Liebe zu Gott, kommt es, daß man wünscht, solche Leiden zu erdulden, die nichts sind im Vergleich mit den ewigen, und es wäre das mindeste, das eigene Leben zu opfern.

In meinem Sinn und meinem Körper hatte ich auch ein Gefühl einer unbeschreiblichen Freude, derart, daß wenn sie einen noch höheren Grad angenommen hätte, der Körper gewissermaßen vor lauter Freude aufgelöst worden wäre.

Dies war (ereignete sich) in der Nacht vom ersten zum zweiten Ostertag und während des ganzen zweiten Ostertages.

 

6.-7. April NB. NB. N.B.43

Am Abend geriet ich in (befiel mich) eine andere Art von Versuchung, nämlich zwischen 8 und 9 Uhr abends, als ich die durch Mose vollführten Wunder Gottes las, schien mir, daß sich etwas von meinem Verstand hineinmischte, weshalb ich nicht den starken Glauben haben konnte, wie es sich gehörte. Ich glaubte und glaubte wieder nicht, ich dachte, daß sich deshalb die Engel und Gott den Hirten und nicht den Philosophen zeigten, welche letztere ihren eigenen Verstand mit im Spiele sein lassen, wie es immer der Fall ist (zugeht), wenn man fragt, weshalb Er sich des Windes bediente, als Er die Heuschrecken44 herbeirief; weshalb Er Pharaos Herz verstockte45, nicht sogleich handelte, und dergleichen mehr, worüber ich wohl in meinem Sinn lächelte, was aber doch so viel dazu beitrug, daß der Glaube nicht stark war. Ich sah ins Feuer und dachte bei (sagte zu) mir selbst, ebenso gut könnte ich bezweifeln, daß das Feuer sei, da doch die äußeren Sinne mehr trügen46 als was Gott selbst sagt, was die eigentliche Wahrheit47 ist. Ihr darf ich deshalb eher glauben als mir selbst. Mit solchen und mehreren anderen Gedanken verbrachte ich ein oder eineinhalb Stunden und lächelte in meinem Sinn über den Versucher. Es ist zu bemerken, daß ich am gleichen Tag nach Delft (Delpht)48 fuhr und den ganzen Tag die Gnade erfuhr, in tiefen geistigen Gedanken zu sein, so tiefen und schönen, wie ich nie vorher in solchen gewesen bin, und dies den ganzen Tag hindurch, welches das Wirken des Heiligen Geistes war, das ich bei mir feststellte.

Um 10 Uhr legte ich mich zu Bett und fühlte mich etwas besser. Eine halbe Stunde vernahm ich einen Lärm unter meinem Haupt und dachte, daß mich der Versucher verlassen hätte.

Sogleich ging ein Schauern über mich, das sehr stark war und vom Haupt ausgehend über den ganzen Körper lief, verbunden mit einigem Geräusch, und dies einige Male; ich fühlte, daß etwas Heiliges über mir war. Daraufhin schlief ich ein, und etwa gegen 12, 1 oder 2 Uhr nachts erfaßte mich ein so starkes Schauern, vom Haupt bis zu den Füßen, mit einem Donner, als ob viele Gewitter zusammenstießen, was mich erschütterte; es war unbeschreiblich und streckte mich auf mein Angesicht nieder. Da, in dem Augenblick, als ich zu Boden gestreckt wurde, war ich hell wach und sah, daß ich niedergeworfen wurde, und ich wunderte mich, was dies bedeuten sollte und sprach, als ob ich wach wäre, bemerkte jedoch, daß mir die Worte in den Mund gelegt wurden und ich sagte: "O, Du allmächtiger Jesus Christus, da Du Dich in Deiner großen Gnade herablässest, zu einem so großen Sünder zu kommen, so mache mich dieser Gnade würdig!" Ich hielt meine Hände gefaltet und betete, und dann kam mir eine Hand entgegen, die meine Hände fest drückte; gleich darauf setzte ich mein Gebet fort und sagte: "Da Du versprochen hast, alle Sünder in Gnaden anzunehmen, so kannst Du nicht anders, als Dein Wort halten!" Im gleichen Augenblick saß ich in Seinem Schoß und sah Ihn von Angesicht zu Angesicht; es war ein Angesicht mit einem solchen Ausdruck der Heiligkeit und allem, was nicht beschrieben werden kann, und dabei lächelnd. Ich glaube, so war auch Sein Angesicht, während Er auf Erden lebte. Er sprach zu mir und fragte, ob ich einen Gesundheitspaß49 hätte. Ich antwortete . "Herr, das weißt Du besser als ich!" "Nun, so tue es!" sagte Er. Wie ich in meinem Inneren erkannte, hat dies zu bedeuten: "Liebe mich wirklich, oder: Tue, was du versprochen hast!" Gott gebe mir Gnade dazu! Ich erkannte, daß es nicht in meinen Kräften stand.

Ich erwachte mit Zittern, geriet wieder in einen solchen Zustand, daß ich in Gedanken dabei weder schlafend noch wachend war und dachte: "Was mag dies sein, ist es Christus, Gottes Sohn, den ich gesehen habe? Aber es ist Sünde, wenn ich daran zweifle!" Da aber befohlen ist, daß man die Geister prüfen soll, so dachte ich über alles nach und erkannte aus all dem, was sich in der vorigen Nacht ereignet hatte, daß ich während der ganzen vorherigen Nacht durch den Heiligen Geist gereinigt, umsorgt, bewahrt und somit darauf vorbereitet worden war, sowie auch, daß ich auf mein Angesicht fiel und die Worte, die ich sprach, ebenso wie die Gebete, nicht aus mir selbst kamen, sondern daß mir die Worte in meinen Mund gelegt wurden; daß ich aber sprach und alles heilig war, darin erkannte ich, daß es Gottes Sohn selbst war, der mit einem solchen Donner herniedergestiegen war und mich, wie aus mir selbst, zu Boden streckte, mir das Gebet eingab und damit bewies, Jesus selbst zu sein. Ich bat um Gnade, weil ich daran so lange gezweifelt hatte, sowie auch, daß mir der Gedanke gekommen war, Wunder zu begehren, was ich als vermessen (ungehörig) empfand. Nachher begann ich zu beten, und ich betete einzig und allein um Gnade; mehr als das brachte ich nicht hervor, doch nachher setzte ich das Gebet fort und betete, mit Liebe beschenkt zu werden, da sie das Werk Jesu Christi und nicht mein eigenes ist. Inzwischen überliefen mich häufige Schauer.

Später, bei Tagesanbruch, schlief ich wieder ein, und da richteten sich meine Gedanken beständig darauf, wie sich Christus mit den Menschen verbindet. Mir kamen heilige Gedanken, aber sie waren derart, daß sie unerforschlich blieben, denn ich kann nicht das Geringste dessen, was sich ereignete, niederschreiben. Ich weiß nur, daß ich solche Gedanken gehabt habe.

Dann sah ich meinen Vater50 in einer anderen, fast rötlichen Amtskleidung; er rief mich zu sich und ergriff meine Arme, an denen ich Halbärmel51, aber keine Manschetten gegen vorne hin trug. Er nahm seine beiden Manschetten ab und verknüpfte sie mit meinen Bändern, damit ich Manschetten hätte; dies bedeutete, daß ich nicht der Priesterschaft angehöre, sondern ziviler Beamter bin und bleiben solle. Dann fragte er mich, wie ich über die Angelegenheit dächte, daß ein König 50 Personen52, die zum geistlichen Stand geweiht worden waren, erlaubt hatte, sich zu verheiraten und damit ihren Stand zu verändern. Ich antwortete, ich hätte darüber nachgedacht und etwas darüber geschrieben, was aber auf diesen Fall nicht anwendbar sei. Gleich darauf fand ich mich bewogen nach meinem Gewissen darauf zu antworten, daß niemandem gestattet werden solle, seinen Stand zu verändern, weder in den einen noch in den anderen, ohne Rücksicht darauf, für welchen er sich entschlossen hat.

Er sagte, daß er auch der gleichen Meinung sei, aber ich fügte hinzu:

"Wenn der König so entschieden hat, so bleibt es auch dabei". Er sagte, er würde seine Stellungnahme53 schriftlich abgeben. Wenn 50 Stellungnahmen vorlägen so würde ihnen gemäß verfahren. Was ich als merkwürdig beobachtete war, daß ich ihn nicht meinen Vater, sondern meinen Bruder nannte; nachher dachte ich, wie dies möglich wäre; ich wußte, daß mein Vater tot war und der, der mein Vater ist, (jetzt) somit mein Bruder sein müsse.

Nicht zu vergessen, daß ich auch in die Gedanken verfiel, daß mich der Heilige Geist zu Jesus hinführen und mich Ihm darstellen (vorstellen) wollte, als ein Werk, das Er so zubereitet hat, und daß ich mir selbst nichts zuschreiben dürfe, sondern daß alles Sein des Herrn ist, obgleich Er uns dasselbe aus Gnade zueignet.

Dann sang ich den Psalm, den ich dafür ausgewählt habe "Jesus ist mein bester Freund" Nr. 245.

Das habe ich nun in geistigen Dingen erfahren (gelernt), daß nichts anderes nützt, als sich zu demütigen und nichts weiter als Christi Gnade zu begehren, und dies in aller Demut. Um Liebe zu erwerben habe ich etwas von meinem Eigenen hinzugefügt, aber das ist vermessen, denn wenn man Gottes Gnade hat, so überläßt man sich Christi Wohlgefallen und handelt nach Seinem Gutdünken. Man ist am glücklichsten, wenn man in Gottes Gnade ist. Ich muß in demütigstem Gebet um Vergebung bitten, ehe mein Gewissen seinen Frieden erlangen konnte, denn ich war in Versuchung ehe dies geschah, der Heilige Geist lehrte mich dies, aber ich, in meinem einfältigen Verstand, hatte die Demut vernachlässigt, die die Grundlage allen geistigen Fortschritts ist.

 

7.-8. April

Während der ganzen Nacht war mir, als ob ich über Stiegen tief hinunter und in andere Räume ginge, aber (ich war dabei) ganz ruhig und sicher, so daß mir die Tiefe keinerlei Gefahr bedeutete, und im Traume fiel mir auch der Vers ein "daß weder Niedrigkeit, Tiefe noch anderes mehr, sei es noch kommend oder…"54

Dann schien mir, ich sei mit mehreren Personen bei einem Priester zum Essen eingeladen; für dieses Essen bezahlte ich einen Louis d‘ or55 und damit mehr als ich sollte, als ich aber dann von dort her auf dem Wege war, trug ich zwei Silbergefäße bei mir, die ich vom Tisch mitgenommen hatte. Dies bereitete mir Unruhe und ich trachtete nachher sie zurückzusenden, wofür ich, wie mir schien, auch einen Plan (Vorschlag) hatte. Wie ich glaube, bedeutet dies, daß ich in der Versuchung das meine bezahlt hatte (es war Gottes Gnade), aber daß ich dennoch viel im Geistigen daraus gelernt hatte, welches die Silbergefäße bezeichnen, die ich dem Priester zurücksenden wollte; das bedeutet, sie seien der allgemeinen Kirche zur Ehre Gottes in irgendeiner Weise zurückzuerstatten, was, wie mir schien, auch geschehen müsse.

Nachher war ich mit sehr vielen Begleitern (in sehr großem Gefolge) bei einem anderen Priester, wo ich schon früher einmal gewesen zu sein glaubte. Als wir ausstiegen, schien mir, daß wir zu viele waren und so den Priester belasteten. Mir gefielt es nicht, daß wir so zahlreich waren und auf diese Weise dem Priester Ungelegenheit machen würden. Dies bedeutet, daß ich so viele unlenkbare (nicht zu zügelnde) Gedanken hegte, obwohl dies nicht sein durfte und die ich nicht zu steuern vermochte. Sie glichen dem, was ich vorher sah, herumstreifenden Polen und Husaren; mir schien aber, daß sie verschwanden.

Ich war auch in einer solchen Versuchung, daß mir Gedanken einfielen, die ich nicht zu zügeln vermochte, und dies so sehr, daß ich durch sie von jedem anderen Gedanken abgehalten wurde, außer von dem einen, ihnen einmal Zügel anzulegen, sich der Kraft des Geistes zu widersetzen, der auf einen anderen Weg (in eine andere Richtung) führt, und dies so stark, daß, wenn nicht Gottes Gnade stärker gewesen wäre, ich darin hätte unterliegen oder verrückt werden müssen. Zeitweilig konnte ich meine Gedanken nicht sammeln, um sie auf Christus zu richten, den ich gesehen habe, wenn gleich nur kurze Zeit. Die Bewegung und Macht (Kraft) des Geistes kam derart über mich, daß ich lieber verrückt geworden wäre (als zu unterliegen). Damit wurde die Bedeutung des anderen Priesters vorgebildet. Ich kann dies mit zwei Waagschalen vergleichen. Auf der einen liegt unser Wille und unser Böses (unsere arge Natur) auf der anderen Gottes Macht, die unser Herr in Versuchungen derart einsetzt, daß Er sie zuweilen in ein Gleichgewicht kommen läßt. Sobald sie sich nach der (bösen) Seite hin senken will, hilft Er ihr nach oben. Dies habe ich erkannt, um in weltlicher Weise zu sprechen. Daraus folgt, daß unsere Kraft ganz gering ist und sie (die Waagschale) stets niederzieht und eher entgegengesetzt ist, anstatt die Kraft des Geistes zu unterstützen, und daß es somit allein das Werk unseres Herrn ist, wenn Er es so lenkt.

Dann nahm ich wahr, daß Dinge in den Gedanken hervorgebracht (wieder in Erinnerung gerufen) wurden, die lange vorher in ihnen niedergelegt worden waren, sodaß ich darin die Richtigkeit des Hinweises in Gottes Wort erkannte, daß es nicht das geringste Wort, noch den geringsten Gedanken gibt, den Gott nicht wüßte und wir dafür verantwortlich wären, wenn wir nicht Gottes Gnade teilhaftig würden.

Das habe ich gelernt, daß es die einzige Möglichkeit in diesem Zustand ist — eine andere kenne ich nicht — als in Demut Gott für seine Gnade zu danken, um diese zu beten, und daß wir unsere eigene Unwürdigkeit und Gottes unendliche Gnade erkennen.

Es war erstaunlich, daß ich gleichzeitig zwei von einander ganz verschiedene Gedanken haben konnte, den einen für mich, der ganz und gar die Gedanken anderer in Beschlag nehmen konnte und daneben Gedanken der Versuchung solcher Art, daß nichts stark genug war, sie zu vertreiben. Sie hielten mich so sehr gefangen, daß ich nicht wußte, wohin ich fliehen sollte, denn sie begleiteten (verfolgten) mich beständig.

Nachher, als mir Verschiedenes in Erinnerung kam, was ich lange vorher gedacht und in meinem Gedächtnis festgehalten hatte, geschah es, als ob mir gewissermaßen gesagt wurde, daß ich Gründe gefunden hätte um mich zu entschuldigen, oder mir das Gute zuzuschreiben, das ich getan hatte, oder besser gesagt, durch mich geschehen war, was auch eine schwere Versuchung war; aber Gottes Geist entfernte auch dies aus mir und gab mir ein, es anders zu sehen. Diese letzte Versuchung war insofern stärker als die frühere, als sie ins Innerste eindrang, und weil ich ihr gegenüber stärker den Beweis der Wirkung des Geistes empfand, denn zeitweilig brach ich in Schweiß aus.

Das was in mir aufkam war nicht mehr solches (derart), was mich verdammen würde, denn ich fühlte das starke Vertrauen, daß mir vergeben worden war, daß ich mich aber rechtfertigen und mich selbst freimachen sollte. Ich brach ziemlich oft in Tränen aus, nicht aus Trauer, sondern aus innerlicher Freude darüber, daß unser Herr einem so unwürdigen Sünder eine so große Gnade erwiesen hat, denn ich erkannte als Zusammenfassung alles dessen, daß es das einzig Mögliche ist, sich in Demut der Gnade unseres Herrn anzuvertrauen, die eigene Unwürdigkeit zu erkennen und Gott demütig für seine Gnade zu danken. Denn jede Verherrlichung, die auf eigene Ehre hinausläuft ist unrein, sei es, daß es die Verherrlichung der Gnade Gottes oder etwas anderes betrifft.

Wenn ich meinen Gedanken nachhing, was oft vorkam, und es geschehen könnte, daß mich jemand für einen heiligen Mann hielte und mich deshalb wertschätzte, ja, wie dies bei gewissen einfältigen Menschen geschieht, die einen vermeintlich heiligen Mann oder Heiligen nicht nur verehren, sondern sogar anbeten, da fühlte ich in dem Eifer, in dem ich mich dann befand, den Wunsch, ich wollte ihm (dem Einfältigen) alles Böse, bis hin zum Ärgsten antun, damit er nicht diese Sünde auf sich lüde, und daß ich mit innigen Gebeten unseren Herrn besänftigen müsse, damit ich keinen Anteil an einer so verdammenswerten Sünde haben möge, die man mir aufbürden könnte. Denn Christus, in dem alle Göttlichkeit vollkommen wohnt, darf allein angebetet werden, weil Er die größten Sünder in Gnaden annimmt und unsere Unwürdigkeit nicht ansieht, weshalb wir uns in Gebeten an niemand anderen als an Ihn wenden sollen. Er ist allmächtig und der einzige Mittler (mediator); was Er um anderer willen tut, die heilig geworden sind, ist Sein und nicht unser (Verdienst oder Werk), damit wir sollen... (die drei letzten Worte sind durchgestrichen).

Ich fand mich unwürdiger als andere und als den größten Sünder, da mir unser Herr (die Gabe) verliehen hatte, mit meinen Gedanken in gewisse Dinge tiefer einzudringen, als viele andere, und daß die eigentliche Quelle (Wurzel) der Sünde in den Gedanken liegt, die man bei der Arbeit hegt, weshalb meine Sünden auf diese Weise aus tieferer Ursache herrühren, als die vieler anderer. Darin erkannte ich meine Unwürdigkeit, und daß meine Sünden schwerer als die anderer wären, weil es nicht genügt, sich für unwürdig zu halten, da dies geschehen kann, obwohl das Herz (innerlich) weit davon entfernt ist und somit aus einer Verstellung heraus, aber erkennen, daß man es wirklich ist, das ist die Gnade des Geistes.

Während ich nun im Geiste war, nachdachte und untersuchte, wie ich durch die Gedanken Klarheit darüber erlangen, wie ich alles vermeiden könne, was unrein wäre, bemerkte ich doch, wie bei jeder Gelegenheit etwas hervorstach, was, von der Selbstliebe herrührend, die Gedanken um jene kreisen ließ, wie z.B. wenn mich jemand nicht gemäß meiner Stellung würdigte und ich immer dachte: "Wenn du wüßtest, welche Gnade mir geschenkt wurde, würdest du dich anders verhalten", was ausgesprochen Unreines war und seinen Grund in der Selbstliebe hatte. Schließlich erkannte ich dies, bat Gott um Vergebung und wünschte, andere möchten der gleichen Gnade teilhaftig werden, die sie vielleicht gehabt haben oder erst erlangen werden, so daß ich dann in mir noch etwas von dem verruchten Apfel bemerkte, der noch nicht umgebildet ist und die Wurzel von Adams Fall und der Erbsünde ist; ja, noch unendlich viele andere Wurzeln der Sünde in mir.

Ich hörte, wie einer seinem Nachbarn bei Tisch die Frage stellte, ob einer trübsinnig (melancholisch) sein könne, der Geld im Überfluß besitze. Innerlich lächelte ich darüber und hätte darauf geantwortet, wenn mir dies in der Gesellschaft zugestanden, oder wenn mir die Frage persönlich gestellt worden wäre, daß einer, der alles im Überfluß besitzt, der Traurigkeit (Melancholie) nicht nur unterworfen, sondern noch stärker in ihr ist, da sie (Sache) des Gemüts und der Seele ist, oder des Geistes, der in ihr wirkt. Ich wunderte mich, daß er diese Frage aufgeworfen hatte. Dies kann ich umso mehr bezeugen als mir durch Gottes Gnade alles im Überfluß56 beschert wurde, dessen ich für die zeitlichen Bedürfnisse brauche. Ich kann schon allein von meinem Einkommen bequem leben und das tun, was ich beabsichtige und habe dazu noch einen Überschuß an Einkünften. Deshalb kann ich bezeugen, daß die Traurigkeit, die von einem Mangel an Mitteln herkommt, niedrigeren Grades und körperlicher Art ist, der anderen (geistigen) aber nicht gleichkommt. Aber da die Kraft des Geistes in der einen Traurigkeit wirkt, so weiß ich doch nicht, ob dies auch für die andere Art zutrifft, denn es mag scheinen, daß die eine aus körperlichen Ursachen stark ist, in diese Sache will ich aber nicht tiefer eindringen. (Die letzten 33 Worte in der schwedischen Handschrift sind gleich nach der Niederschrift wieder gestrichen worden.)

Ich sah eine Buchhandlung und dachte sogleich, daß meine Arbeit höher zu bewerten sei als die anderer, besann mich aber sofort dessen, daß einer dem anderen dient, und daß unser Herr unter Seinen 1000 Wegen viele hat, um einen Menschen vorzubereiten, weshalb jedem einzelnen Buch sein Wert zukommt als ein näheres oder entfernteres Mittel57, je nach dem Verstand des Einzelnen. Dennoch wollte der Hochmut sogleich wieder hervortreten, den Gott zähmen möge, der allein die Macht dazu in Händen hält.

Ich erfuhr soviel Gnade vom Herrn, daß ich, als ich mich entschließen wollte, meine Gedanken in Reinheit zu erhalten, feststellte, daß ich in einer innerlichen Freude war, daneben aber körperlichen Schmerz empfand, weil der Körper die himmlische Freude der Seele nicht ertragen konnte. Darum überließ ich mich demütigst der Gnade Gottes, der mit mir nach Seinem Wohlgefallen verfahren möge. Gott verleihe mir Demut, damit ich meine Hinfälligkeit, Unreinheit und Unwürdigkeit erkenne! (Auf Seite 29 der Handschrift finden sich 20 Zeilen, die mit Tinte durchgestrichen sind. Mit vieler Mühe wurden sie leserlich gemacht, jedoch nur teilweise.)

Während all dies geschah war ich, sowie vorher in Gesellschaft und niemand konnte das mindeste ahnen ? ... an mir keinerlei Veränderung wahrnehmen, was Gottes Gnade war ..., aber ich wußte, was es … und indem ich nicht zu sagen wagte, daß ich weiß, welch hohe Gnade mir widerfuhr, denn ich erkannte, daß es zu keinem anderen Ziel führen würde, als daß die Leute das eine oder andere von mir denken würden, je nach ihrer Einstellung für oder wider mich, oder keinen Nutzen daraus (in persönlicher Hinsicht) ziehen würden … zur Ehre von Gottes Gnade, welche … um der Eigenliebe willen.

Ich fand keinen passenderen Vergleich in bezug auf mich, als den mit einem Bauern, der in die Macht eines Fürsten oder Königs eingesetzt wurde, wodurch er alles erlangen konnte, wonach es seinem Herzen gelüstete, wobei dennoch etwas in ihm blieb, was bewirkte, daß er erkennen wollte, daß er selbst nichts wüßte. Aber aus dem Vergleich ersieht man, daß es … Deine gnädige Hand ist, die diese große Freude bereitet, doch war ich besorgt, daß er (der Bauer?) sich mit dieser Gnade nicht begnüge.

 

5.-9. April

Mir schien es, ich hätte einen Hund auf den Knieen, über den ich mich wunderte, daß er sprechen konnte; ich fragte nach Swaben58, seinem früheren Herrn; er (der Hund) war schwärzlich, ja, er küßte mich sogar. Ich erwachte und rief nach Christi Barmherzigkeit, weil ich viel Hochmut hege, der mir schmeichelt.

Dann dünkte mich, daß an meinem Bettag, der der gestrige Tag war, vieles für das Heer eingepackt worden ist.

Dann kam eine schwarz gekleidete junge Frau herein und sagte, daß ich nach … reisen solle. Darauf kam sie von hinten und hielt mich ganz fest, den Rücken samt der Hand und allem, so daß ich mich nicht rühren konnte. Ich bat einen daneben Stehenden um Hilfe, der mir half, sie wegzuziehen. Aber ich war unfähig, den Arm selbständig zu bewegen. Es bezog sich auf die Versuchung vom vorigen Tag und bedeutet, daß ich von mir selbst nicht fähig bin, etwas Gutes zu tun. Dann wurde etwas wie ein Pfeifen gehört, als er (der Versucher) fortfuhr, und ich erschauerte.

Dann sah ich einen, der in der St. Peterskirche (von Rom) in das untere Gewölbe hinabstieg, wo Petrus (begraben) liegt; er wurde herausgeholt, und man sagte, daß sich dort noch einer verberge.

Ich glaubte frei ein- und ausgehen zu können; Gott führe mich!

Nachher sah ich alles, was unrein war und erkannte, daß ich vom Kopf bis zu den Füßen unrein war. In Unreinheit flehte ich um Jesu Christi Barmherzigkeit.

Dann schien mir, daß mir (die Worte) einfielen "ich armer, sündiger Mensch"59, die ich auch am Tage darauf las.



9.10. April

Am 9. verbrachte ich den ganzen Tag in Gebeten, Lobgesängen, indem ich in Gottes Wort las, fastete, außer am Morgen, an dem ich mich auch mit anderen Dingen befaßte, bis die gleiche Versuchung eintrat, durch die ich wie gezwungen wurde zu denken, was ich nicht wollte. In dieser Nacht schlief ich ganz ruhig. Zwischen 3 und 4 Uhr morgens erwachte ich und lag wach, aber wie in einem Gesicht (Vision). Ich konnte aufschauen und wach sein, wann immer ich wollte, derart, daß ich nicht anders als wach war, jedoch im Geiste. Ich befand mich in einer innerlichen, im ganzen Körper fühlbaren Freude. Alles schien sich mir in überschwenglicher Weise zu öffnen, stieg gleichsam empor und mündete (verbarg sich) im Unendlichen wie in einem Mittelpunkt, wo sich die Liebe selbst befand, sich von dort rund herum aus breitete und sich wieder niedersenkte und in unbegreiflichen Kreisbewegungen (Spiralbewegungen?) zum Mittelpunkt hin, der die Liebe bildete, rund herum und hernieder strömte. Die Liebe, von der ich, in einem sterblichen Körper, erfüllt war, vergleichbar der Seligkeit, die ein keuscher Ehemann empfindet, wenn er, in wahrhaft ehelicher Liebe, mit seiner Gattin im Geschlechtsakt voll verbunden ist. Solch ein außerordentliches Wohlbehagen war über meinen ganzen Körper ausgebreitet, und dies längere Zeit. Ich habe es auch die ganze Zeit vorher erfahren, vor allem knapp bevor ich einschlief und eine halbe, ja sogar eine Stunde nach dem Schlafe. Während ich nun im Geiste, aber wach war, weil ich meine Augen aufmachen, wach sein und wieder in diesen Zustand kommen konnte, deshalb sah und fühlte ich, daß die innerliche und echte Freude daraus entspringt und, so lange man sich in ihr befinden konnte, solch ein Wohlbefinden empfand, sobald man aber in eine andere Liebe kommt, die sich nicht auf die frühere richtet (konzentriert), man schnell vom Wege (echter Glückseligkeit) abkommt, wie z.B. in irgend eine Selbstliebe, oder eine, die sich nicht auf jene (echte Liebe) richtet, man aus ihr heraus geriet, wobei mich leichte Kälte und leichter Schauer ergriffen und mich quälten. Daraus folgerte ich, woher zuweilen mein Schmerz gekommen war. Ich erkannte, woher die große Qual stammt, sobald der Geist betrübt ist und am Ende in ewige Pein ausmündet und die Hölle ausmacht, wenn man im Abendmahl Christus unwürdig empfängt, denn es ist der Geist, der den in Unwürdigkeit Befindlichen quält. In dem Zustand, in dem ich mich befand, geriet ich noch tiefer in den Geist, und obwohl ich wach war, hatte ich keine Gewalt über mich, sondern es kam wie ein übermächtiger Trieb über mich, mich auf mein Angesicht niederzuwerfen, die Hände zu falten und wie vorher, wegen meiner Unwürdigkeit zu beten und in tiefster Demut und Ehrfurcht um Gnade zu bitten, damit ich als der größte Sünder, die Vergebung der Sünden empfange. Dann merkte ich, daß ich in dem gleichen Zustand wie in der vorgestrigen Nacht war, konnte aber weiter nichts erkennen, weil ich aufgewacht war; das wunderte mich, und dann wurde mir im Geiste gezeigt, daß der Mensch in diesem Zustand wie einer ist, der die Füße nach oben und das Haupt nach unten kehrt, und mir wurde klar, warum Moses seine Schuhe ausziehen mußte62, als er sich dem heiligen (Busch) nahen wollte, und warum Christus den Aposteln die Füße wusch und dem Petrus antwortete, daß es genug sei, wenn die Füße gewaschen sind63. Dann erkannte ich im Geiste, daß das, was von dem eigentlichen Mittelpunkt ausgeht, den die Liebe bildet, der Heilige Geist ist, der durch das Wasser vorgebildet wird; denn er wurde auch Wasser oder Welle genannt. In Zusammenfassung: Wenn man sich in dem Zustand befindet, daß man keine Liebe hegt, die auf sich selbst hinzielt (sich konzentriert), sondern auf das allgemeine Beste, das hier auf Erden oder, wenn man so will, auf die moralische Welt64, die die Liebe im Geistigen vorbildet, und dies nicht um des Eigenen oder der Gesellschaft, sondern um Christi willen tut, der die Liebe selbst und ihr Mittelpunkt ist, dann befindet man sich in dem richtigen Zustand. Christus ist das letzte Endziel65; alle anderen sind mittelbare Zwecke, die unmittelbar dahin (zu Ihm) führen.

Nachher schlief ich ein und sah im Traum einen mir Bekannten, der mich grüßte, an einem Tisch sitzen, aber ich bemerkte dies spät, ehe ich zurückgrüßte. Er war erzürnt und bedachte mich mit einigen harten Worten; ich wollte mich entschuldigen, kam dann endlich dazu und sagte, daß ich in Gedanken versunken zu sein pflege und nicht bemerke, wenn mich jemand grüßt, sowie daß ich zuweilen auf der Straße an meinen Freunden vorbeigehen kann, ohne sie zu sehen; ich führte einen Bekannten, der dort war, als Zeugen an. Er bejahte dies, und ich fügte hinzu, daß niemand höflicher und demütiger zu sein wünschte — Gott gebe, daß es so bleibe — als ich. Dies ergab sich im Traum, weil ich in der vorigen Nacht in anderen Gedanken, als ich hätte haben sollen, gewesen bin, und deshalb möge mir unser Herr, in Seiner unendlichen Gnade vergeben. Da mein Freund nichts darauf erwiderte, schien er damit zufrieden zu sein, wie ich glaubte.

 

10.-11. April

Ich trat in einen niedrigen Raum ein, dort waren viele Leute. Ich sah aber nur eine ganz in schwarz gekleidete und nicht häßliche Frau. Sie ging weiter in ein Zimmer hinein, ich wollte nicht mitgehen, sie schob selber meine Hand zur Türe. Dann ging ich hinaus und fühlte, daß ich einige Male von einem Gespenst festgehalten wurde, das mich am ganzen Rücken umklammerte; endlich verschwand es, ich ging hinaus. Da kam ein häßliches Gespenst, das dies gleichfalls tat. Es war ein häßlicher Alter. Endlich entwischte ich ihnen. Das waren meine Gedanken vom Tag zuvor, als ich mich wohl allzu unwürdig erachtete, und daß ich dies nicht während meines ganzen Lebens aushalten würde. Aber dennoch tröstete ich mich damit, daß Gott in allen Dingen mächtig ist und Seine Kraft dies (die Befreiung) vollbringt. Nichtsdestoweniger verblieb etwas in mir, daß ich mich nicht, wie es sich gehört hätte, der Gnade Gottes anvertraute, der mit mir nach Seiner Gnade verfahre.

Als ich hinaus gelangte sah ich viel Volks auf einer Empore sitzen, und siehe, ein mächtiger Wasserstrahl ergoß sich durch das Dach hernieder, der so stark war, daß er alles, was er unterwegs traf, durchdrang. Es waren einige da, die versuchten, das Loch zuzuhalten, damit es (das Wasser) nicht eindringe, sowie solche, die sich zurückzogen, damit er (der Strahl) sie nicht erreiche, einige, die es ablenkten, damit es außerhalb der Empore vorbeifließe. Dies bedeutet, wie ich glaube, daß ich die Kraft des Heiligen Geistes, die in den Körper und in die Gedanken einfloß, zum Teil verstopft hatte, teils ihr aus dem Wege ging, teils mich ihr entzog, teils ablenkte, denn das Volk bezeichnet meine Gedanken und den Willen.

Dann kam ich von dort heraus und begann, wie in Gedanken, das, was aus dem Mittelpunkt zu den Umkreisen ausströmte, in bestimmter Weise zu messen und in Teile zu zerlegen. Mir schien dies der Himmel zu sein, denn nachher zeigte sich dort ein himmlischer Schein: darüber kann ich wohl etwas nachdenken, wage aber nicht, es als gewiß anzunehmen, denn es betrifft etwas, was erst geschehen wird.

Während ich mich in der ersten Anfechtung befand, bat ich Jesus um Hilfe, und sie ging vorüber. Ich hielt auch meine Hände unter dem Haupt gefaltet, und so kam sie (die Anfechtung) nicht wieder. Ich befand mich in einem Schauer, als ich erwachte und hörte zeitweilig (dann und wann) einen dumpfen Ton, weiß aber nicht, woher er kam.

Dann verfiel ich in Gedanken, obwohl ich wach war, ob dies nicht Phantasie sein könnte, da merkte ich, daß der Glaube zu wanken begann, aber dann betete ich mit gefalteten Händen, ich möge im Glauben gestärkt werden, was auch sogleich geschah. Mir kamen auch Gedanken über meinen Wert vor anderen Menschen. Ich betete gleichfalls, und dann verschwanden sie schnell. Mir wurde bewußt, daß wenn unser Herr im geringsten Seine Hand von einem Menschen zurückzieht, so gerät er vom rechten Wege ab und vom eigentlichen Glauben weg, wie mir dies so offenkundig geschehen ist.

In dieser Nacht schlief ich etwa 11 Stunden. Den ganzen Morgen hin durch war ich in meinem gewöhnlichen Zustand innerer Freude66, aber gleichwohl nebenher in einer Bangigkeit, von der ich meinte, sie rühre von der Kraft des Geistes und meiner Unwürdigkeit her. Nach einer Weile kam ich mit Gottes Hilfe auf den Gedanken, daß man mit allem, was dem Herrn behagt, zufrieden sein muß, denn alles ist Sein, und daß man dann dem Geist nicht widerstrebt, wenn man von Gott die Zusicherung erhält, daß es Gottes Gnade ist, die alles zu unserem Besten lenkt, denn wir sind Sein, und so müssen wir mit dem zufrieden sein, was Ihm mit dem zu tun beliebt, was Sein ist. Doch darum soll man unseren Herrn bitten, denn nicht das Geringste liegt in unserer Kraft. Dann gab Er mir Seine Gnade dazu. Ich ging mit meinen Gedanken in mich (dachte darüber nach) und wollte begreifen, warum dies so geschieht, was eine Sünde war. Die Gedanken sollen sich nicht in dieser Richtung bewegen, sondern man soll zu unserem Herrn beten, sie zügeln zu können. Uns genügt es, daß es ihm so wohlgefällt; sondern in allem soll man Ihn anrufen, zu Ihm beten, Ihm danken und unsere Unwürdigkeit in Demut erkennen.

Was Körper und Gedanken betrifft, so bin ich noch schwach, denn ich kenne nichts anderes als meine Unwürdigkeit, und daß ich ein jämmerliches Geschöpf bin, was mich bedrückt, woraus ich ersehe, wie unwürdig ich der empfangenen Gnade bin.

Ich merke auch, daß der Wasserstrahl, der herniederfiel, die Kleider eines dort Sitzenden durchdrang, ehe er sich entfernte. Vielleicht ist ein Tropfen auf mich gefallen, der fest eindrang. Was würde geschehen, wenn mich der ganze Strahl träfe?

Deshalb nahm ich dies zum Leitsatz67 "Es geschehe Gottes Wille, ich bin Dein und nicht mein". Gott gebe mir dazu Gnade; es ist nicht mein Werk.

Ich erkannte, daß man geistige Qual erleiden kann, wenngleich man im Geiste die Zusicherung bekommen hat, daß einem Vergebung der Sünden geschenkt werde, und man die Hoffnung und das Vertrauen hat, in Gottes Gnade zu sein. Dies lehrt … (die letzten Worte sind durchgestrichen)

 

11.-12. April

Ich träumte während der ganzen Nacht. Ich erinnere mich aber nur des Wenigsten. Es war mir, als würde ich während der ganzen Nacht in vielen Dingen belehrt, deren ich mich aber nicht mehr erinnere; ich schlief etwa 11 Stunden. Woran ich mich erinnere, schien zu sein:

1.- Daß es Wesentliches oder Notwendiges68 genannt wurde, dessen man sich befleißigen und das man suchen soll.

2.- Es wurde auch die Thymus und die Nierendrüse69 erwähnt, was ich so deute, daß so wie die Thymusdrüse aus dem Blut das unreine Serum ausscheidet und die Nierendrüse es wieder dem Blut zuführt, nachdem es gereinigt wurde, so geschieht dies auch in uns, was ich geistig verstehe.

3.- Mir erschien meine Schwester Cajsa70 die vorgab, krank zu sein, sich niederwarf und schrie, als unsere Mutter71 kam. Da nahm sie eine ganz andere Miene und Redeweise an; die Deutung dieses Traumes wird mir später gegeben werden.

4.- Es war ein Priester, der vor einer großen Gemeinde predigte und am Schluß gegen einen anderen sprach; ich weiß nicht, ob er ihn (bei seinem Namen) nannte oder nicht. Aber dann stand einer auf und entgegnete ihm, daß sich dies nicht gehöre. Ich war mit ihnen (Gemeindegliedern) nachher in privater Gesellschaft beisammen, und auf Anfrage sagte man, daß die Strafe für etwas so Ehrenrühriges 3 Mark72 SW (schwedischer Währung) betrage. Er (der Priester) schien nicht zu wissen, daß dies strafbar wäre; man sagte, daß die Strafe am Anfang eine Mark betrage, dann zwei Mark usw. Dies bedeutet, daß man nicht gegen jemanden predigen, sprechen oder schreiben darf, weil dies strafbar und ehrenrührig sei, da es die Ehre und das Ansehen eines Menschen verletze.

5.- Nachher berührten sich meine Knie wie von selbst, was bedeuten dürfte, daß ich etwas gedemütigt worden bin, was auch zutrifft und Gottes Gnade beweist, wofür ich demütigst danke.

Dann erkannte ich in mir, sowie vielleicht aus dem 3. Punkt des Traumes, daß in jedem einzelnen Gedanken, ja, in einem, den wir für rein halten, unendlich viel Sünde und Unreinheit verborgen liegt, sowie auch in jedem Verlangen, das aus dem Körper in das Denken eingeht, aus ganz tiefen Wurzeln stammt. Wenn auch der Gedanke rein erscheinen mag, so verbirgt sich doch dahinter, daß man aus Furcht, Heuchelei und vielen anderen Ursachen denkt, so daß man bei etwas Nachdenken finden kann, daß sich keiner auch nur im mindesten von der Sünde freimachen kann, da es keinen Gedanken gibt, in den sich nicht viel Unreinheit oder Unsauberkeit hineingemischt hätte, weshalb es am besten ist, sich zu jeder Stunde, in jedem Augenblick der Höllenstrafe schuldig zu bekennen, daß aber Gottes Gnade und die in Jesus Christus wohnende Barmherzigkeit darüber hinwegsehen. Ja, ich habe auch erkannt, daß unser gesamter Wille, den wir ererbt haben, der vom Körper beherrscht wird und Gedanken einflößt, dem Geist entgegengesetzt ist.

Weshalb ein fortwährender Streit zwischen beiden herrscht und wir uns in gar keiner Weise mit dem Geist verbinden können, der aus Gnade bei uns ist, wodurch wir wie Tote gegenüber all dem sind, was gut ist, aber zum Bösen neigen wir aus unserem Eigenen, darum soll man sich allzeit unzähliger Sünden für schuldig bekennen, weil der Herr und Gott alles weiß, wir aber nur ganz wenig von unseren Sünden, die allein in unsere Gedanken einfließen, aber nur wenn sie in Handlungen übergehen, werden wir uns ihrer bewußt.

Auch dies ist zu merken … (durchgestrichen)

 

12.-13. April

Ich vermerkte, daß es sich so verhält, wie ich tags zuvor durch den Geist gedacht hatte, was mir auch als eine Art geistiger, lichter Schrift dargestellt wurde, daß der Wille am stärksten auf den Verstand einwirkt, wenn wir nämlich einatmen, fließen (fliegen) die Gedanken aus dem Körper ein, und beim Ausatmen werden sie gewissermaßen ausgetrieben oder zurecht gerichtet, so daß die eigentlichen Gedanken abwechselnde Tätigkeiten, wie das Atmen der Lunge73 aufweisen, denn das Einatmen gehört dem Willen, das Ausatmen hingegen der Natur an. Wenn somit häßliche Gedanken einflossen so genügte es, das Atemholen anzuhalten, und sie verschwanden. Darin erkennt man auch die Ursache, weshalb die Lungen bei tiefem Nachdenken in einem Zustand des Gleichgewichts und mehr der Natur gemäß still gehalten wurden, und warum die Atemzüge beim Einatmen schneller erfolgen als die beim Ausatmen, während sonst das Umgekehrte der Fall ist, sowie auch, daß man in der Erregung (Exstase) den Atem anhält, wenn die Gedanken wie verflogen sind, ebenso im Schlaf, wenn sowohl das Einatmen als das Ausatmen der Natur angehören und wenn dann das dargestellt wird, was von oben einfließt. Auch vom Gehirn kann schlüssig ausgesagt werden, daß beim Einatmen alle inneren Organe gemeinsam mit dem Gehirn ausgedehnt werden und die Gedanken von dort aus ihren Anfang (Ursprung) und weiteren Verlauf nehmen.

Nachher kam ich dorthin, wo erstaunlich große und hohe Windmühlen mit schrecklicher Geschwindigkeit liefen. Dort geriet ich in eine Dunkelheit, weshalb ich auf dem Boden kroch und Angst hatte, daß mich einer der Flügel erfassen könnte, was mein Ende bedeutet hätte; ich geriet auch unter einen Flügel, der dann stehen blieb, und ich brachte mich sicher unter ihm hervor, derart, daß mir der Flügel dabei half. Es bedeutet, daß ich tags zuvor mit meinen Gedanken im Streit gewesen war — dies bezeichnen die Flügel der Windmühle —‚ und daß ich zuweilen nicht wußte, wohin ich mich wenden sollte, doch mit Gottes Gnade wurden sie beruhigt, und ich wurde somit wohlbehalten herausgeführt. Gott sei dafür Ehre und Lob, der meine Schwachheit nicht ansieht!

Dann schien mir, ich befände mich in Gesellschaft einiger, die versuchten, Gold zu machen, aber sahen, daß sie dazu irgendwo hinaufklettern müßten, vermochten dies aber nicht, sonst wäre es ihnen unmöglich, Gold zu machen. Dies dauerte einige Zeit an, bis ich mit zweien beisammen war, die trotzdem versuchten, hinaufzuklettern, obwohl unser Herr nicht mit ihnen war. Ich sagte, das ließe sich nicht durchführen und stieg dann noch vor ihnen hinauf. Ich hatte ein Seil, an dem ich zog, bemerkte aber, daß unten etwas war, was stark entgegenwirkte. Endlich sah ich, daß es ein Mann war, den ich beim Ziehen überwand und heraufzog. Dann freute ich mich, daß es so war, wie ich gesagt hatte. Wie ich glaube, bedeutet dies, daß das Gold das bezeichnet, was gut und Gott wohlgefällig ist; um es zu erlangen, muß man dort hinaufklettern und daß dies nicht in unserer Macht steht, obgleich wir meinen, dies aus eigener Kraft tun zu können, und daß man dann erkennt, daß es das Vertrauen auf eigene Kraft das ist, was stark dagegen wirkt; nachher aber gewinnt man durch Gottes Gnade.

Ich verblieb dann noch lange im gleichen Gedanken, der immer stärker leuchtend rot wurde, welche Helligkeit bezeichnet, daß Gottes Gnade darin enthalten ist, sowie daß alles darauf hinzielt, mit Gottes Gnade und im Glauben, den Gott schenke, das wirklich zu tun, was gut ist, und daß dies auszuführen, Gold machen bedeutet, denn dann erhält man von unserem Herrn alles, dessen man bedarf und das uns nützt. Dies wurde sehr deutlich vorgebildet, daß das, was gut ist, in die Tat umgesetzt werden soll, und daß darin Gold lag.

Als ich später aufstand, war ich in großer Furcht vor unserem Herrn, wie in einer Kälte, die mich beim geringsten Wink oder Gedanken, vor dem ich mich fürchtete, erschauern ließ. Es war Gottes Gnade, mir zu zeigen, daß ich in Furcht und Beben die Seligkeit suchen müsse; deshalb habe ich meinen Glaubensgrundsatz "Dein Wille geschehe, ich bin Dein und nicht mein, ich habe mich freiwillig meinem Herrn ergeben, deshalb geschehe mir nach Seinem Wohlgefallen!" Im Körper fühlte ich etwas wie ein Unbehagen, im Geiste aber Glückseligkeit darüber, denn es ist die Gnade unseres Herrn der dies schafft. Gott stärke mich darin!

Ich befand mich andauernd im Streit zwiespältiger Gedanken, die miteinander kämpften. Ich bete zu Dir, o allmächtiger Gott, die Gnade zu erlangen, Dein und nicht mein zu sein. Verzeih mir, wenn ich gesagt habe, ich bin Dein und nicht mein. Nichts gehört mir, alles ist Gottes Eigentum. "Ich bitte um die Gnade, Dein eigen sein zu dürfen, und daß ich nicht mir selbst überlassen bleibe!"

 

13.-14. April

Ich fühlte, wie die Gnade des Geistes die ganze Nacht hindurch auf mich einwirkte. Ich sah meine Schwester Hedwig74, mit der ich nichts zu schaffen haben wollte, was bedeutet, daß ich die oeconomiam animalem75 nicht anrühren, sondern liegen lassen soll. Mir schien dann, wenngleich langsam einzufallen, was sie zu ihren Kindern sagte: "Geht hinaus und lernet!", dann daß man ein Brett- oder Kartenspiel spielen dürfe, wozu sie sich hinsetzten, um sich die Zeit zu vertreiben, was auch bei der Mahlzeit der Fall war. Ich glaube, daß es (das Spielen) nicht strafbar ist, wenn man es ordentlich macht.

Ich lag bei einer Frau, die nicht schön war, die ich aber doch gern hatte. Wie andere Frauen besaß sie das, wo ich sie nahm, aber vorne war etwas mit Zähnen. Mir schien es Archenholz (Arckenholtz)74 in Frauengestalt zu sein. Was dies bedeutet, weiß ich nicht; entweder daß ich keine Frau berühren soll, oder daß man in der Politik77 die Zähne zeigt, oder anderes.

Während des ganzen Tages befand ich mich in doppelten (zwiespältigen) Gedanken, die das Geistige, wie durch Spott (Schmähungen) zerstören wollten, und deshalb empfand ich diese Versuchung als besonders stark. Durch die Gnade des Geistes wurden meine Gedanken dazu gebracht, sich auf einen Baum, auf das Kreuz Christi und dann auf die Kreuzigung Christi zu richten. So oft ich dies tat, vergingen (fielen) andere Gedanken (weg). Mit diesen gleichen Gedanken unterdrückte ich die Versuchung so sehr, daß ich glaubte, ich könnte den Versucher mittels des Kreuzes unterdrücken und vertreiben. Dann war ich auf eine Weile von Versuchungen frei, nachher mußte ich meine Gedanken so fest darauf gerichtet halten, da, sobald sie meinen Gedanken und dem inwendigen Sehen entglitten, ich in Versuchungen verfiel. Gott sei Lob, der mir diese Waffe gegeben hat! In Seiner Gnade erhalte mich Gott darin, daß ich stets meinen gekreuzigten Erlöser vor meinen Augen haben möge, denn sonst wagte ich nicht, auf meinen Jesus zu blicken, den ich gesehen habe, weil ich ein unwürdiger Sünder bin; denn damals mußte ich auf mein Angesicht fallen, und Jesus war es, der mich aufrichtete, um mich anzusehen. Darum muß ich auf den gekreuzigten Jesus blicken.

 

14.-15. April

Ich glaubte, über Stiegen hinunter zu rasen. wobei ich jede Stufe nur wenig berührte. ich gelangte glücklich und ohne Gefahr hinunter. Da hörte ich die Stimme meines lieben Vaters sprechen: "Du machst so viel Lärm, Emanuel!" Man sagte, er sei unwillig böse gewesen aber dies würde vorüber gehen. Der Grund war wohl, daß ich gestern allzu dreist das Kreuz Christi gebraucht hatte. Es war aber Gottes Gnade, daß ich ohne Gefahr entging.

Dann langte ich zu einem Fach hinauf und schlug einer Flasche den Hals ab, aus der eine dicke Flüssigkeit ausfloß, den Boden bedeckte und weiter hinunter floß. Wie ich glaube bedeutet dies, daß gestern durch Gottes Gnade und nicht durch eigene Kraft eine Menge Böses aus meinen Gedanken ausgerottet wurde. Ich fügte dem, was geschrieben war, etwas hinzu, welches das bedeutet, was ich noch machen werde.

Ich hörte einen Bären brummen, sah ihn aber nicht. Ich wagte nicht, im oberen Stockwerk zu bleiben, denn dort war ein Aas, das er wittern könnte. Dann ging ich in das Zimmer des Doktors Moraeus78 hinunter und schloß die Fenster. Dies bedeutet Versuchungen, sowohl von Seiten des Geizes als auch vielleicht von anderem, und daß ich mich in anatomische Gedankengänge (Spekulationen) vertiefe.

Doktor Moraeus schien einem hübschen Mädchen den Hof zu machen, bekam ihr Jawort und hatte die Erlaubnis, sie mitzunehmen, wohin er wollte. Ich scherzte mit ihr, und sie sagte: "Ja, gerne" und einiges mehr; es war ein schönes Mädchen, das wuchs (größer) und schöner wurde. Es bedeutet, daß ich mich über den Gegenstand der Muskeln unterrichten und nachdenken sollte.

Während 12 Stunden erfreute ich mich eines übernatürlich guten und langen Schlafes. Als ich erwachte, hatte ich die Kreuzigung Jesu und Sein Kreuz vor Augen. Der Geist kam mit seinem himmlischen und beinahe verzückten (ekstatischen) Leben79 so kräftig und ließ mich darin gewissermaßen immer höher hinansteigen, daß, wenn ich noch höher vorangeschritten, ich durch dieses wahrhafte Leben der Freude80 aufgelöst worden wäre.

Im Geist kam mir vor, daß ich zu weit gegangen war, wenn ich in meinen Gedanken Christus am Kreuz umarmt hatte, als ich Seine Füße geküßt und mich nachher von dort wegbegeben hatte, wobei ich auf die Knie fiel und vor Ihm, dem Gekreuzigten, betete, Mir schien, daß so oft ich dies tue, mir die Sünden meiner Schwachheit vergeben werden. Es kam mir vor, als ob ich dasselbe (Kreuz Christi) als Schnitzbild vor meinen leiblichen Augen habe, erkannte aber, daß dies weit entfernt von dem, was recht ist, und eine große Sünde wäre.

 

15.-16. April

Ich glaubte, aus großer Tiefe über eine Leiter hinanzusteigen, hinter mir kamen andere Frauen, die ich kannte. Ich blieb stehen, schreckte sie absichtlich und stieg weiter hinauf. Ich gelangte zu einem grünen Erdwall und legte mich nieder. Die anderen folgten nach, ich grüßte sie. Es waren mir bekannte Frauen, sie legten sich neben mir nieder, eine junge, eine etwas ältere. Ich küßte beiden die Hände und wußte nicht, welche von beiden ich lieben sollte. Dies bezeichnet meine Gedanken und die Geistesarbeit81 von zweierlei Art, die auch zu mir herauf kam, die ich wieder empfing, sie begrüßte und wieder aufnahm.

Dann kam ich dorthin, wo viele Männer versammelt waren, eine große Anzahl junger, schöner Leute standen in einer Schar auf einem Fleck beisammen, neue kamen hinzu, die, wie Henning Gyllenborg82, zu Pferde waren. Ich ging hin, umarmte ihn und stand bei ihm. Dies bedeutet, daß ich zu Dingen meiner Erinnerung und Vorstellung zurückgekommen bin und sie erneut begrüße, daß ich somit zu den oberen und unteren Fakultäten (Zweigen der Wissenschaft) zurückkehre.

Nachher kehrte ich heim und befand mich in meinem Haus. Viele kamen zu mir; ich wußte, daß ich ein kleines, hübsches Fräulein und einen Knaben verborgen hatte und sie versteckt hielt. Ich hatte nur einen geringen Vorrat an Lebensmitteln daheim und wollte auch nicht mein Silbergeschirr hervorholen, bevor ich sie bewirten würde und wollte sie auch nicht (war nicht geneigt) sie in ein prächtiges, inneres Zimmer zu führen, das gut eingerichtet war. Dies bedeutet, daß ich zu mir selbst zurückgefunden, und daß ich die Kenntnisse erworben habe, die hier angeführt sind, und daß ich mit der Zeit daraus Nutzen ziehen, das Silber vorsetzen und sie dann in das schöne Zimmer führen würde.

Mir schien, daß ich einen Mann anklagte, ich weiß aber nicht weswegen. Schließlich strich ich etwas in der Anklageschrift aus und entschuldigte es, weil er selbst so gesagt hatte. Die Worte waren aber wie begraben. Dies bedeutet, daß ich mich anklagte, mich aber doch selbst entschuldige, weil ich alles zugegeben hatte.

Man sagte, Nikolaiten und Nikolaus Nikolai83. Ob dies mein neuer Name ist, weiß ich nicht. Das merkwürdigste war, daß ich jetzt den inneren Menschen darstellte und dies wie einen anderen als mich selbst, so daß ich meine eigenen Gedanken begrüßte, die Dinge meines Gedächtnisses aber fürchtete, einen anderen anklagte derart, daß es nun umgekehrt ist und ich einen darstelle, der gegen einen anderen oder inneren Menschen eingestellt ist, denn ich habe Gott gebeten, daß ich nicht mein sein möge, sondern daß es Gott gefalle, mich Sein bleiben zu lassen.

Dies (der Zustand) hat nun 21 Tage angedauert. Ich erkannte später, daß das meiste etwas anderes bedeutete:

1. Die zwei Frauen bezeichneten, daß ich mich lieber philosophischen als geistigen Studien widmen wollte, was eher meiner Neigung entsprach.

2. Daß ich Henning Gyllenborg umarmte und so viele Leute sah bedeutet, daß ich nicht nur ein Vergnügen daran fand, in weltlicher Gesellschaft sein zu dürfen, sondern daß ich mich auch meiner Arbeit zu rühmen wünschte.

3. Nikolaus Nikolai war ein Philosoph der jedes Jahr Brote an Augustus sandte als Vergütung für Schulden. Da ich es als meine erste Schuldigkeit ansah, mich mit meinem Herrn zu versöhnen weil ich in geistigen Dingen ein stinkendes Aas bin, deshalb ging ich zum Gesandten Preis84, und er begab sich zu Pastor Pombo85, damit ich erneut das Abendmahl des Herrn empfangen möge, was mir auch bewilligt wurde. Ich traf ihn beim Gesandten und ging mit ihm (Pombo). Dies war in der Vorsehung des Herrn. An diesem Tag speiste ich beim Gesandten Preis, hatte aber keinen Appetit.

Am 17. April war ich bei Pastor Pombo, um das Heilige Abendmahl des Herrn zu empfangen.

 

17.-18. April.

Entsetzliche Träume quälten mich. Ich träumte, daß der Scharfrichter die Köpfe, die er abgeschlagen hatte, briet und ein gebratenes Haupt nach dem anderen der Reihe nach in einen leeren Backofen legte, der niemals voll wurde. Dies, sagte man, wäre seine Speise. Er war ein großes Weib, das ein kleines Mädchen bei sich hatte. Sodann träumte ich, wie mich der Böse in verschiedene Tiefen hin abführte und mich fesselte — ich erinnere mich nicht an alles —; gebunden wurde ich überall hin und in die Hölle geworfen.

Wie ein großer Umzug (Prozession) veranstaltet wurde, von dem ich ausgeschlossen war, und daß ich von dort weggehen sollte, aber ich wollte gerne dort bleiben. Ich setzte mich dort nieder, aber man befahl mir, von dort wegzugehen; ich ging fort. Ich fand jedoch einen anderen Platz, um ihn (den Umzug) sehen zu können, der jedoch noch nicht vorbeigekommen war.

Aber so, wie ich sicher bin, daß Gott Gnade und Mitleid mit allen armen Sündern hat, die sich bekehren wollen und in festem Glauben Zuflucht zu Seiner unbegreiflichen Barmherzigkeit und zum Verdienst unseres Erlösers Jesus Christus nehmen, so bin ich Seiner Gnade gewiß und überlasse mich Seinem Schutz, da ich mit Gewißheit darauf vertraue, daß ich Vergebung der Sünden erlangt habe, welches mein Trost ist, den Gott, um Jesu Christi willen, stärke!

In diesen Tagen war ich abwechselnd in innerlicher Angst und zuweilen in Verzweiflung, doch wurde mir Vergebung der Sünden zugesichert, zeitweilig trat sodann ein starker Schweißausbruch bis um 10 Uhr ein, worauf ich mit Gottes Hilfe einschlief. Dann schien mir gesagt zu werden, daß mir innerlich etwas (an Eingebungen) geboten würde. Ich schlief eineinhalb Stunden, obwohl ich nachts mehr als 10 Stunden geschlafen hatte. Mit Gottes Hilfe habe ich einen ungewöhnlich guten Schlaf gehabt, dessen ich mich auch ein volles halbes Jahr hindurch erfreute.



18.-19. April

Mir schien es, daß wir lange daran arbeiteten, eine Schatulle hereinzu-bringen, in der kostbare Dinge aufbewahrt lagen, und dies schon lange Zeit, so als ob es bei Troja gewesen wäre. Endlich stieg man hinunter und schabte sie (die Schatulle) ab. Dann trug man sie wie im Triumph herbei, und man sägte und sägte. Dies bedeutet, wie man daran arbeiten soll, den Himmel zu erringen.

Es schien mir, daß ich eine billige Uhr86 trug, zu Hause aber wertvolle Uhren hatte, die ich nicht gegen eine goldene Uhr eintauschen wollte. Dies bedeutet, daß ich Kenntnisse erworben habe, die edel sind, und daß ich darauf meine Zeit verwenden soll.

Mir schien es, daß ich unterhalb mit Streifen von Leintüchern87 eingewickelt bin, die in verschiedener Weise herumgewickelt waren und gleichzeitig kam wie … Dies bedeutet, daß ich weiterhin geschützt werde, um auf den richtigen Endzweck ausgerichtet zu bleiben.

Da war ein sehr gut erzogener schwarzbrauner Hund, der mir folgte; er richtete sich auf, sobald ein anderes Tier nahte. Sobald wir zu einem Wasser gelangten, ging er hinein, um dessen Tiefe zu ergründen. Vielleicht bedeutet dies den Hund des Tobias88.

Ich sah ein wunderliches, flinkes und auch dunkelbraunes Tier in einem Fenster, das durch ein anderes Fenster hereinkam, und das, was es auf dem Rücken trug, wie abgeschabt und in ein Taschentuch verwandelt war. Ich sah ihm nach, sah es aber nur wenig, und konnte es keinem anderen zeigen. Drinnen war eine Apotheke. Ich fragte, ob ich es (das Tier) schießen sollte. Dies dürfte bedeuten, daß ich in dem unterrichtet werden soll, was meiner Besserung und anderem dienen wird.

Dann schien mir, als ob mir gezeigt, gesagt oder zu verstehen gegeben werde, wenn ich mich in meinen Gedanken verirre.

Ich sah König89 und Prof. Winbom90 näher kommen; mir schien nämlich, daß ich bei ihnen wohnen sollte; am Wochentag mit denen, die keine Christen sind; denn von König sagt man, daß er kein Christ sei. Der herannahende Winbom bezeichnet die Sonntage.

An diesem Tag war in meinem Gemüt etwas unruhig, weil mir, gegen meinen Willen, Gedanken für und dawider einfielen (zuflogen), die ich nicht zügeln (unter Kontrolle halten) konnte. Ich war im Gottesdienst und erkannte, daß man Gedanken in Dingen des Glaubens, was Christus, Sein Verdienst und dergleichen betrafen, obgleich zustimmend und bekräftigend, dennoch eine Unruhe auslösen und entgegengesetzte Gedanken herbeiführen, nicht abwehren kann, wenn man dem eigenen Verstand und nicht der Gnade des Herrn vertrauen will. Endlich wurde mir durch die Gnade des Herrn beschert, daß ich Glauben ohne Vernünfteleien und Gewißheit darüber erlangte; dann sah ich meine Gedanken, die dem Glauben zustimmten, wie unter mir liegend. Ich lächelte in meinem Inneren darüber, mehr noch aber über die, die ihn (den Glauben) angriffen und gegen ihn gerichtet waren. Der Glaube schien hoch über den Gedanken meines Verstandes zu stehen; erst dann erlangte ich Frieden. Gott stärke mich darin, denn es ist Sein Werk und gar nicht mein eigenes, da meine Gedanken, selbst die besten, es eher mehr zerstören als fördern.

Man lächelt dann über sich selbst, sowohl wenn man gegen etwas denkt, als auch, wenn man mit dem eigenen Verstand etwas bestätigen will, was man glaubt. Es ist deshalb etwas Höheres; ich weiß nicht, ob es nicht das Höchste ist, wenn einem Menschen die Gnade widerfährt, seinen Verstand nicht in Belange des Glaubens einzumischen, ob wohl es so scheint, als ob unser Herr bei bestimmten Menschen zuläßt, daß Zusicherungen dem vorangehen, was den Verstand berührt; selig sind die, die glauben, ohne zu sehen. Das habe ich deutlich in den Nummern 21 und 22 des Vorworts91 geschrieben, habe mich aber aus mir selbst nicht daran erinnern oder dazu gelangen können, sondern durch Gottes Gnade, die (mir unbewußt) dies bewirkte, wie ich dies nachher an den eigentlichen Auswirkungen und Veränderungen in meinem gesamten inneren Wesen erkannte; denn es ist Gottes Wirken und Gnade, dem ewiglich Ehre zukomme. Daraus ersehe ich somit, wie schwer es Gebildete gegenüber Ungebildeten haben, zu diesem Glauben zu gelangen und sich dabei selbst überwinden, indem sie über sich selbst lächeln, denn die Anbetung des eigenen Verstandes muß zu allererst ausgetilgt und gestürzt (beseitigt) werden, welches Gottes Werk und nicht das eines Menschen ist. Es ist gleichfalls Gottes Werk, einen Menschen darin (in diesem Zustand) zu erhalten. Dieser Glaube wird deshalb von unserem Verstand getrennt und steht über diesem. Dies ist reiner Glaube; der andere ist unrein. Solange sich unser Verstand hineinmischt, muß der eigene Verstand unter dem Gehorsam des Glaubens gehalten werden. Wenn man glaubt, so soll dies deshalb sein, weil Er (der Herr) es gesagt hat, der ein Gott über allem, ja, die Wahrheit selbst ist. Das ist es, was darunter verstanden werden soll, daß wir wie Kinder sein sollen. Eine Menge dessen, was ich im Traum gesehen habe, stimmt damit überein, und vielleicht auch das, daß so viele Köpfe gebraten und in den Ofen gelegt wurden, die dem Bösen als Speise dienten.

Daß auch Verstandesbeweise den Glauben verdunkeln, kann daraus ersehen werden, daß der Verstand niemals weiter als bis zu Wahrscheinlichkeiten vordringt, worin stets etwas wie eine größere oder kleinere Wahrscheinlichkeit92 liegt, denn Bestätigungen aus dem eigenen Verstand sind immer Anzweifelungen ausgesetzt, die das Licht des Glaubens verdunkeln. Aber deshalb ist ein solcher Glaube nur eine Gottesgabe, die man erlangt, wenn man gemäß Gottes Geboten lebt und Ihn ständig darum bittet.

 

19.-20. April

Ich hatte einen Schlaf ganz anderer Art, träumte dabei viel, worauf mich Schauer überfielen. Ich konnte mich aber an nichts erinnern (mir aber nichts ins Gedächtnis zurückrufen), denn jedes Mal entschwanden sie (die Träume) mir wieder.

Ich hielt meine Hände gefaltet; beim Erwachen schien mir, als ob sie von einer Hand oder Fingern zusammengedrückt würden, was mit Gottes Hilfe bedeutet, daß unser Herr meine Gebete erhört hat.

Nachher kam mir in einem Gesicht (Vision) vor, das nicht Schlaf, nicht Wachen noch Verzückung war, daß König Karl XII. das erste Mal vergeblich gekämpft hatte93, in der zweiten Schlacht mit den Sachsen94 den Sieg errungen hatte und ganz mit Blut befleckt war. Dann, wie auch die Musen, gewonnen hätte, was bedeutet, daß ich durch Gottes Gnade den Kampf gewonnen habe und auch bei meinen Studien mein Ziel erreichen werde.

Ich stand nun auf, ein ganzer Gott auf (unklar geschrieben; soll vermutlich heißen "ich stand ganz in Gott auf"), Gott sei Lob und Dank! Ich will nicht mein eigen sein, ich bin dessen gewiß, daß Du, o Gott, mich alle Tage meines Lebens Dein sein lässest und mir Deinen Heiligen Geist nicht entziehst, der mich stärkt und aufrecht hält.

An diesem Tag war ich in stärkster Versuchung, so sehr, daß, wenn ich an Jesus Christus dachte, sich sofort gottlose Gedanken einmischten, die ich nicht nach meinem Wunsch lenken konnte. Ich geißelte mich, kann aber bekennen, daß ich nie vorher so frischen Muts gewesen bin und nicht im geringsten verzagt oder gepeinigt war, wie an den anderen Tagen, obwohl die Versuchung am stärksten war. Die Ursache war, daß mir unser Herr den starken Glauben und den Trost gegeben hat, daß Er mir um Jesu Christi und Seines Versprechens willen hilft, und daß ich daraus ersah, was dieser Glaube für eine Wirkung hatte.

Ich war auch in der Stimmung und auf Satan so wütend, daß ich mich mit ihm mit den Waffen des Glaubens geschlagen hätte. Daraus erkennt man, was bedingungsloser Glaube, ohne Vernünfteleien oder Bestätigungen durch eigene Vernunftbeweise, für eine Wirkung hat. Aber das ist allein Gottes Gnade. Wäre mir solches vorher widerfahren, so wäre ich völlig verzagt gewesen; ich war jedoch in Sorge, daß ich dadurch unseren Herrn erzürnt hatte, daß ich Ihn gewissermaßen zwang, mich zu befreien, weshalb ich Ihn in aller Demut, deren ich fähig war, um Vergebung bat. Dies dürfte vermutlich bedeuten, daß Karl XII. ganz blutig war.

 

21.-22. April

Mir schien es, als ob ich in der Dunkelheit in die Irre ging und mit anderen nicht ins Freie hinausgelangte. Ich tastete mich an den Wänden entlang und gelangte schließlich hinaus und in ein schönes Haus, in dem sich Leute befanden, die sich darüber wunderten, daß ich diesen Weg kam. Sie begegneten mir und sagten, daß dies nicht der richtige Weg sei. Ich sagte, im Wind (?) dürfte eine hierher weisende Öffnung sein. Sie verneinten dies. Dies bedeutet, daß ich an diesem Tag in meinen Gedanken vollkommen in die Irre gegangen war.

Dann war ein großer Hund da, der dort, wo ich lag, unter die Bettdecke kroch und mich am Halse leckte. Ich hatte Angst, daß er mich beißen würde, aber dies geschah nicht, und man sagte, er würde mich auch nicht beißen. Dies bezeichnete die Nebengedanken95, die ich gehabt habe, und daß mir durch sie verwehrt worden war, über das, was heilig war, nachzudenken.

Hierauf war ich mit Schauspielern beisammen; einer derselben sagte, daß ein Schwede gekommen sei, der zu mir wollte. Wir fuhren nach Hause (hinein), und für ihn wurde eine große Treppe zurecht gemacht, da war eine eingehüllte Hündin, bei der sich ein junger Hund befand, den sie säugte. Dies bedeutet meine verwerflichen Gedanken. An einer Angel hing etwas Besonderes, das sich nicht entfernen ließ; endlich wurde es in einem anderen Zimmer abgestreift. Dies bedeutet, daß ich davon befreit werde.

Im Gesicht (Vision) schien mir, als ob etwas in der Luft in Stücke gerissen würde. Dies dürfte bedeuten, daß meine zwiespältigen Gedanken entzwei gerissen werden sollen.

Als ich erwachte, hörte ich die Worte "alles Gnade", was bedeutet, daß alles, was geschah, Gnade ist und zu meinem Besten (Wohle) dient.

Dann geriet ich in Zweifel, weil mir schien, so weit von Gott entfernt zu sein, weil ich noch nicht so lebhaft (lebendig) an Ihn denken konnte, wenn ich nicht heimreisen würde. Eine Menge verwickelter seelischer und körperlicher Regungen traten ein, aber ich faßte Mut und erkannte, daß ich berufen wäre, das Allerbeste zu verrichten und Gottes Ehre zu fördern. Mir wurde die Gabe zuteil, alles hat dazu beigetragen, von Jugend auf ist für diesen Endzweck der Geist mit mir gewesen; ich hielte mich des Lebens für unwürdig, wenn ich einen anderen als den geraden (rechten) Weg ginge, deshalb lächelte ich über die anderen verführerischen Gedanken.

Somit über Wollust, Reichtum, hohen Rang, die ich alle angestrebt hatte und die ich nun alle als eitel erkannte, und daß der glücklicher ist, der nicht in ihrem Besitz ist, als einer, der sie besitzt, und deshalb lächelte ich über alle bekräftigenden Vernunftgründe, und mit Gottes Hilfe gelangte ich somit zu dieser Erkenntnis. Gott helfe mir!

Ich glaubte, eine Henne gackern zu hören, was gleich geschieht, nachdem sie das Ei gelegt hat.

Weiterhin vermerkte ich in meinem Geist, daß der Glaube zwar in einem sicheren Vertrauen besteht, das Gott einem beschert, mehr jedoch im Werk liegt, indem man das verrichtet, was für den Nächsten gut ist, ein jeder nach der ihm verliehenen Gabe, und dies aus dem Glauben tut, weil Gott es so befohlen hat und nicht weiter nachgrübelt, sondern das Werk der Nächstenliebe unter Leitung des Glaubens tut, auch wenn dies Unlust des Körpers und dessen Neigungen96 verursacht. Deshalb ist ein Glaube ohne Werke kein richtiger Glaube. Man muß wirklich seiner selbst entsagen.

 

22-23. April

Schwere Träume von Hunden, von denen man sagte, sie wären meine Landsleute, die an meinem Hals sogen, aber nicht bissen; ferner, wie ich mit zwei Frauen einen Beischlaf haben wollte aber nichts geschah. Am Morgen, sowie auch tags zuvor, verfiel ich in schreckliche Gedanken, desgleichen auch tags zuvor, daß mich der Böse gefaßt hatte, jedoch mit der tröstlichen Zusicherung, daß er draußen wäre und mich bald losließe. Gerade als ich in verdammenswerten Gedanken war, in den ärgsten, die mir einfallen konnten, im gleichen Augenblick stellte sich Jesus Christus deutlich vor die Augen meines Innern, und die Wirkung des Heiligen Geistes kam über mich, derart, daß ich daran erkennen konnte, daß mich der Teufel verlassen hatte. Am folgenden Tag war ich zeitweilig in Anfechtungen, in zwiespältigen Gedanken und im Widerstreit. Am Nachmittag war ich überwiegend in froher Stimmung und dachte an Gott, obwohl ich mit weltlichen Dingen befaßt war. Dann reiste ich nach Leiden.

 

23-24. April in Leiden

Es schien mir, daß mich eine Frau in die Flucht schlug; sie trieb mich in einen See und wieder heraus. Endlich schlug ich ihr, so fest ich konnte, mit einem Teller auf die Stirn und klemmte ihr Antlitz so ein, daß sie überwunden zu sein schien. Das waren meine Anfechtungen und der Widerstreit in meinen Gedanken, die ich überwunden habe. Mir schien, es wurde "interiorescit, integratur"97 gesagt, was meine Anfechtungen betreffend bedeutet, daß ich innerlich gereinigt werde. Nachher wurde mir während der ganzen Nacht etwas Heiliges diktiert, das mit sacrarium und sanctuarium98. Ich fand mich im Traum mit einer Frau im Bette liegend und sagte, wenn du nicht sanctuarium gesagt hättest, würden wir es miteinander tun. Ich wandte mich von ihr ab. Sie berührte mit ihrer Hand mein Glied, und das wurde groß, so groß, wie es nie zuvor gewesen war. Ich drehte mich um, setzte an, es bog sich, drängte sich aber doch hinein. Sie sagte, daß es lang sei, indessen dachte ich, daß dies ein Kind geben würde, und es ging ganz ausgezeichnet99.

Es stand eine Frau neben dem Bett, die auch darauf lauerte, aber sie ging vorher weg.

Dies bedeutet die höchste Liebe zum Heiligen; denn alle Liebe hat darin ihren Ursprung, bildet eine Aufeinanderfolge (Serie). Im Körper ist sie im Samenerguß100 wirksam, wenn der ganze Samen vorhanden und rein ist, so bedeutet dies die Liebe zur Weisheit. Die erste Frau hat die Wahrheit dargestellt, die andere jedoch, die darauf wartete, dann aber fortging, bevor wir es vollzogen, bedeutet, daß man darüber schweigen und niemand davon hören soll, denn nach weltlichen Begriffen ist es unrein, in sich selbst aber rein.

Dann schlief ich ein, und mir war, als ob viel Öl, mit etwas Senf vermischt, dahinflöße. Dies dürfte das mir bevorstehende Leben bezeichnen, und dies dürfte in Freuden, mit einigen Widerwärtigkeiten gemischt, bestehen. Oder es bedeutet ein Heilmittel für mich.

Dies trug sich in Leiden, am Morgen des 24. April zu.

 

24.-25. April in Amsterdam

Ich befand mich während der ganzen Nacht, etwa 11 Stunden lang, weder im Schlaf noch im Wachen, sondern in einem seltsamen Halbschlaf. Ich wußte alles, wovon ich träumte. Meine Gedanken wurden wie gebunden gehalten, was zeitweilig Schweiß auslöste. Den Zustand des Schlafes kann ich nicht beschreiben, worin meine zwiespältigen Gedanken gleichsam getrennt oder zerrissen wurden. Unter anderem träumte ich, daß ich mehrere Male mit König Karl XII. sprach, und er besprach alles mit mir101 (im gebrochenen Französisch), worüber ich mich wunderte, sowie auch, wenn ich mit anderen sprach und meinte, er höre es nicht, war er neben mir, weshalb ich mich für das schämte, was ich gesprochen hatte. Dies bedeutet, daß Gott mit mir spricht, und daß ich nur das wenigste davon verstehe, weil es Entsprechungen sind, die ich erst sehr wenig verstehe, und daß Er alles, was gesagt wird, hört und jeden Gedanken merkt, den man bei sich hegt, sowie es auch ganz gewiß ist, daß kein Gedanke entschlüpft, den Er nicht kennt und im Grunde alles, ja 1000 Mal mehr als ich selbst in mir wahrnimmt.

 

25.-26. April

(in der Handschrift ist das Datum durchgestrichen)

Mir schien, als ob Frauen und Männer in ein Schiff stiegen, um damit abzufahren, und einer hielt meinen Hund, den ich ihm aber abnahm; er (der Hund) zeigte mir den Weg nach Hause in ein schönes Zimmer, in dem sich auch Wein fand. Dies bedeutet vielleicht, daß ich meine Arbeit nach England hinüberschicken sollte, und daß ich an diesem Tag dorthin kommen sollte, wo ich mich unterhalten würde, was auch im Heim des Herrn Hinrich Posch der Fall war.

 

25.-26. April in Den Haag

Ich hatte einen erquickenden und köstlichen Schlaf während etwa 11 Stunden, mit verschiedenen Vorbildungen, wie mich eine verheiratete Frau verfolgte, ich aber vor ihr gerettet102 wurde. Dies bedeutet, daß mich der Herr aus Versuchungen und Verfolgungen erlöst.

Eine verheiratete Frau begehrte mich, aber ich liebte eine unverheiratete. Die erstere wurde böse und verfolgte mich, aber ich entkam doch zur unverheirateten, war mit ihr beisammen und liebte sie. Dies dürfte sich auf meine Gedanken beziehen.

Es war eine Frau, die einen sehr schönen Besitz (Landgut) hatte. Wir gingen dort umher, und ich sollte sie heiraten. Sie (die Besitzerin) bezeichnet die Frömmigkeit und, wie ich glaube, auch die Weisheit, welch (letztere) diesen Besitz innehatte. Ich war mit ihr auch zusammen, liebte sie in der üblichen Weise, was noch vor der eigentlichen Hochzeit der Fall zu sein schien, was auch in gewisser Hinsicht dadurch bezeichnet wurde, daß ich mich nicht durch andere Bücher, die theologische und ähnliche Dinge betreffen, beeinflussen lassen sollte: Denn diese finde ich in Gottes Wort und durch die Wirkung des Heiligen Geistes.

 

28.-29. April

In der vorigen Nacht glaubte ich, König Karl XII. zu sehen, dem ich früher meine Arbeit gewidmet hatte, aber mir kam vor, daß er nun von den Toten auferstanden wäre, und daß ich hinausging und ihm meine Arbeit, wie einem anderen lebenden Menschen widmen wollte.

Ich ging eine Straße entlang, gelangte zu einer Querstraße, ich wurde angewiesen, ihr zu folgen. Erst ging ich sie auch, aber dann schien mir, daß mir nur noch wenige Tage verblieben. So ging ich an den Ausgangspunkt zurück, wo sich viele Leute befanden. Ich wollte durchgehen und wurde dabei stark gedrängt.

Ich gab einem Gärtner einige Früchte zum Verkauf; er verkaufte sie und brachte mir als Erlös zwei Karoliner103 zurück, aber man sagte, daß er 13 Taler104 für sich behalten hätte, um die ich mich aber nicht kümmerte.

Es schien mir, daß ich mein Wasser ließ. Eine Frau lag in einem Bett und schaute mir zu. Sie war fett und rot. Ich nahm sie an der Brust, dem sie sich nicht sehr widersetzte; sie zeigte mir ihr Geheimnis und etwas Häßliches. Ich wollte mit ihr nichts zu schaffen haben.

Wie ich glaube, scheint all dies zu bedeuten, daß ich meine verfügbare Zeit auf Höheres und nicht dazu verwenden soll, über Weltliches, das tief darunter steht, sondern vielmehr über das schreiben soll, was den eigentlichen Mittelpunkt aller Dinge bildet und Christus betrifft, Gott sei mir so gnädig und erleuchte mich weiterhin in dem, was meine Pflicht ist, denn ich bin in einigem Zweifel (Dunkel), wohin ich mich wenden soll.

Mir schien es, daß einer unhöflich an König Friedrich105 geschrieben hatte. Ihm schien dies unhöflich zu sein, und er befahl einigen Personen, zu dem der geschrieben hatte, zu reisen, der zuerst als Frau, dann als kleiner Mann erschien, um ihn mit Liebesangelegenheiten und Ähnlichem auf verschiedene Weise heimzusuchen. Sie taten ihr Bestes, ich sah aber nicht, daß sie ihm geschadet oder etwas Nachteiliges angetan hätten.

Er sagte, daß er jetzt, zwischen dem 36. und 37. Tag (welches der Tag seit dem Beginn meiner Versuchung war) sich viel Geld ausleihen und in den Himmel gehen und nichts an die zurückzahlen wolle, von denen er ausgeborgt hatte. Ich sagte zu Swaben106, daß er dies dem König berichten möge. All dies scheint zu bedeuten, daß wenn ich mit der anderen Arbeit fortfahre, die ich mir vorgenommen habe, ich eine Menge an Geistigem entlehnt habe, um damit in den Himmel zu gehen, wofür ich nicht bereit bin zu bezahlen, außer sehr spät.

 

30. April / 1. Mai

Ich sah einen Soldaten, der mit einem Degen auf Wache stand; der Degen war spitz und geschliffen, und irgend etwas steckte im Ärmel seines Rockes. Vor ihm hatte ich Furcht, weil ich bemerkte, daß er etwas betrunken war und daher Schaden anrichten könnte. Dies bedeutet, daß ich am Tage vorher etwas mehr getrunken hatte als ich durfte, was nicht geistig, sondern fleischlich und deshalb sündig war. Dann träumte mir, ich hätte Elieser107, meinen verstorbenen Bruder bei mir, den ich gern hatte. Dieser wurde von einem Wildschwein angefallen, das ihn festhielt und biß. Mit einem Haken wollte ich den Keiler niederziehen (zu Fall bringen), vermochte es aber nicht. Dann stand ich auf und sah, daß er (Elieser) zwischen zwei Wildschweinen (Ebern) lag, die an seinem Kopf fraßen. Niemand kam mir zu Hilfe, und ich lief fort. Dies bedeutet, wie ich glaube, daß ich mich am Tage vorher beim Essen zu sehr gütlich108 getan und für das Leben Überflüssiges zu mir genommen hatte, was gleichfalls eine Begierde des Fleisches und nicht des Geistes ist, denn so etwas ist dem Leben des Schweines gemäß, wird von Paulus verboten und heißt Völlerei110.

Am folgenden Tage hütete ich mich etwas davor, kam jedoch in eine ziemlich starke Versuchung bei dem Gedanken, daß ich von nun an meinen Appetit (Eßlust) bezwingen sollte und bewirkte, daß ich in einen sonderbaren Zustand und gleichsam in eine Traurigkeit101 geriet, wurde aber schnell von ihr befreit, als ich gebetet und einen Psalm gesungen hatte, vor allem, weil ich nicht mein eigen sein, sondern als neuer Mensch in Christus leben will.

Nachher war ich einige Tage hintereinander meist während einiger Stunden in einer geistigen Angst, ohne hierfür den Grund angeben zu können, obwohl ich glaubte, der Gnade Gottes sicher zu sein. Aber am Nachmittag fühlte ich ganz große Freude und geistigen Frieden.

Als ich meine Reise vom Haag aus in einer Maaslandschute112 antrat, was am 1. Mai (13. Mai)113 war, schien es mir, mein Bruder Jesper114, sowie ein anderer wären um meinetwillen ins Gefängnis geworfen worden.

Er hielt auch etwas in einem Wagen verborgen und hatte es eingeführt, wofür ich mich für verantwortlich hielt, Richter erschienen, die ihn verurteilen sollten. In ihren Händen hielten sie zwei beschriebene Papiere. Unterdessen sah ich Vögel, die auf mich zuflogen, und ich schnitt allen mit einem scharfen Messer in den Hals, daß sie starben. Dann kamen die Richter und ließen meinen Bruder Jesper frei, den ich küßte und über dessen Freilassung ich mich freute. Dies bedeutete, daß ich in meinen Gedanken rasend gewesen war, die ich (die Gedanken) jedoch mit Hilfe des Heiligen Geistes tötete und deshalb freigesprochen wurde.

In Harwich (Harderwijk)115, was bei meiner Ankunft in England war, schlief ich nur einige Stunden, und da erschien mir im Traum vieles, was meine Arbeit daselbst betreffen dürfte. Das war an, 4.-5. Mai nach dem englischen Kalender:

1.- Wie ich eine Banknote verlor und der, der sie fand, dafür nur 9 Stüber116 erhielt, sowie auch von einem anderen, der so eine Banknote fand, die für nur 9 Stüber gekauft wurde, und ich sagte scherzhaft, daß dies Frömmelei (Scheinheiligkeit)117 sei; bedeutet vermutlich, wie man in England eingestellt ist, teils ehrlich, teils unredlich.

2.- Es gab einige, die sich über meine Kupferstiche wunderten, weil sie gut gelungen waren und meine Entwürfe118 sehen wollten, um zu erkennen, ob ich so entwerfen könne, wie sie ausgeführt waren. Dies dürfte bedeuten, daß meine Arbeit Zustimmung findet und sie glaubten, daß ich dies nicht selbst habe machen können.

3.- Ein kurzer Brief gelangte in meine Hände, für den ich 9 Stüber bezahlte; als ich ihn öffnete, lag ein großes Buch mit lauter leeren Blättern darin. Mitten darin waren viele schöne Zeichnungen119 das übrige waren leere Blätter. Zur linken Hand saß eine Frau, die sich nach rechts hinüber begab und im Buch blätterte, worauf Zeichnungen erschienen. Ich glaubte, die Bedeutung des Briefes sei, daß ich in England eine Menge solcher Zeichnungen oder Entwürfe anfertigen lassen sollte. Die Frau hatte einen sehr dicken (breiten) Hals und war auf beiden Seiten hinunter ganz entblößt. Die Haut war glänzend, wie glasiert, und auf ihren Daumen trug sie eine Miniaturmalerei.

Dies dürfte bedeuten, daß ich mit Gottes Hilfe in England eine Menge schöner Zeichnungen für meine Arbeit (Buch) anfertigen werde, und daß sich dann die Überlegungen (Spekulationen) dem a priori zuwenden können, die vordem auf posteribus120 (posteriora) gerichtet waren, was durch den Platzwechsel (der Frau) innerhalb des Raumes bezeichnet wird.

4.- Mir schien es, es wäre mir befohlen worden, mit Bergenstierna121 eine Dienstreise zu unternehmen, wofür Geldmittel angewiesen wurden. Mich dünkte, es sei weiter als Sizilien gewesen. Über diese Dienstreise war ich sehr erfreut, mir schien aber, daß man sich dort vor Skorpionen in acht nehmen müsse; dies scheint zu bedeuten, daß ich, nachdem meine Arbeit abgeschlossen sein würde, einen (anderen) Auftrag bekommen würde, und daß ich sie dann vielleicht an einem anderen Ort in Angriff nehmen würde und vielleicht in irgendeiner anderen Sache.

 

5.-6. Mai

In London bekam ich von einem großen Mann Schläge, die ich verdiente (zu Gute hatte). Darauf sollte ich mich auf das Pferd setzen, um mit einem Wagen zu fahren, aber da drehte das Pferd den Kopf und erfaßte mich am Kopf und hielt mich fest. Was das bedeutet, weiß ich nicht. Ich mußte versehentlich einem gottesfürchtigen Schuhmacher122 etwas zu Leide getan haben, der mit mir auf der Reise war und bei dem ich dann wohnte, oder daß ich nicht an meine Arbeit gedacht habe.

Zusammenfassung (Summa summarum):

1. Es ist einzig und allein Gnade, durch die wir selig werden.

2. Die Gnade ist in Jesus Christus, der der Gnadenstuhl ist.

3. Durch die Liebe zu Gott in Jesus Christus wird die Seligkeit bewirkt.

4. Und daß man sich dann vom Geiste Jesu führen läßt.

5. Alles, was aus uns selbst kommt, ist tot und weiter nichts als Sünde und der ewigen Verdammnis würdig.

6. Daher kann kein Gutes von wo anders kommen als vom Herrn.

 

19. und 20. Mai in London

Am 20. wollte ich in der Schwedischen Kirche zum Abendmahl des Herrn gehen, da ich vorher in viele verderbliche Gedanken verfallen war, was ich daran erkannte, daß mein Körper andauernd in Aufruhr ist, was auch durch Schaum im Traum vorgebildet wurde, der entfernt werden sollte: Am Sonntagmorgen wurde mir durch den Heiligen Geist ganz klar in den Mund gelegt, daß dies das Manna ist, das vom Himmel herabkommt. Dies war weder im Schlafe noch im Wachen, aber es fiel ganz klar in mein Denken, da es (das Manna) den Herrn Jesus Christus im Heiligen Abendmahl bezeichnete. Am Tag vorher wurde ich so vorbereitet, daß ich innerliche Ruhe und Frieden in den Fügungen des Herrn fand, wie ich auch während der ganzen Zeit die starke Wirkung des Heiligen Geistes fühlte, die Freude und das irdische Himmelreich, die sich über den ganzen Körper ausbreiteten.

Ich konnte mich aber nicht so im Zaume halten, daß ich nicht nach dem anderen Geschlecht gesucht hätte, aber nicht in der Absicht einen Beischlaf zu vollziehen, wenngleich ich im Traume glaubte, daß es nicht im Gegensatz zu Gottes Fügung stehe. Ich war mit Prof. Oelreck (Oelreich)123 zusammen an verschiedenen Orten. Ich wurde davor niemals gewarnt wie vor anderen Dingen, die ich getan hatte. Doch geschah mir, was mir einige Tage zuvor im Traume gezeigt worden war, daß ich an einem Tag zweimal in Lebensgefahr geraten sollte, was auch eintrat, derart daß, wenn nicht Gott mein Beschützer gewesen wäre, ich mein Leben an zwei Stellen eingebüßt hätte. Die näheren Umstände124 will ich nicht beschreiben.

Diese innerliche Glückseligkeit125 dauerte so kräftig an, besonders wenn ich ohne Gesellschaft und für mich allein war, an verschiedenen Morgen, Abenden, Tagen, daß sie mit einer himmlischen Glückseligkeit hier auf Erden verglichen werden kann. Ich hoffe, in ihr zu bleiben (sie zu behalten), solange ich, allein durch die Gnade unseres Herrn, den rechten Weg gehen kann und das richtige Ziel verfolge, denn wenn ich zur Seite abweiche oder in weltlichen Dingen mein Vergnügen suche, verschwindet sie. Ob das innerliche Prinzip, welches im Einfluß des Geistes Gottes besteht, immer bei mir ist, ist Gott am besten bekannt, wo der geringste Teil von Begeisterung126 es ist, die ich zu fühlen glaube, denn ich dachte immer, daß wenn ich die himmlische Freude empfinde, was soll ich dann nach weltlichen Dingen suchen, die verglichen damit ein Nichts, Unbeständiges, Schädliches, dagegen Strebendes und Zerstörendes sind.

Durch verschiedene Fügungen wurde ich in die Kirche geführt, die die Mährischen Brüder127 haben, die von sich behaupten, die wahrhaft Lutherischen zu sein und das Wirken des Heiligen Geistes zu spüren, wie sie unter einander sagen und nur auf Gottes Gnade und Christi Blut und Verdienst vertrauen und schlicht (einfältig) ihr Werk verrichten; darüber besser ein andermal, aber mir dürfte es noch nicht gestattet sein, mich ihrer Brüderschaft anzuschließen: Ihre Kirche wurde mir drei Monate früher im Geiste so gezeigt, wie ich sie später sah, und alle waren dort wie Priester gekleidet.

 

11.-12. Juni

Ich dachte über die nach, die sich dem Heiligen Geist widersetzen und diejenigen, die sich von ihm leiten lassen. Mir erschien im Geiste ein weiß gekleideter Mann mit einem Degen. Ein anderer ging ihm entgegen, wurde aber von dessen Degen verwundet. Dieser erstere erneuerte128 den Kampf, wurde aber am Ohr und an den Schläfen ziemlich schwer verletzt. Dann kam wieder ein anderer, der mit ihm kämpfte, derselbe wurde auch durchstochen, daß er blutete. Ich hatte einen langen Spieß und dachte, daß ich ihn abwehren würde, wenn er mir entgegenträte, und im gleichen Augenblick war er nicht mehr weit von mir. Ich sah, daß er den Degen wegwarf und seines Weges ging, und als ich mich darüber wunderte, bemerkte ich, daß einer vor mir herging und seinen Degen umgekehrt hielt, ihn dem anderen übergeben wollte, um sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben, was die Ursache war, daß er seinen Degen umkehrte.

 

15.-16. Juni; der 16. war ein Sonntag

Mir wurde mein früheres (bisheriges) Leben sinnbildlich dargestellt, und wie ich dann ging, sich an allen Seiten Abgründe auftaten, worauf ich umkehrte. Dann kam ich in einen ganz wunderbaren Hain, der überall mit Feigenbäumen schönsten Wuchses in Reihen besetzt war. Auf einem derselben schienen mir noch reife trockene Feigen zu sein. Der Hain war von Gräben umschlossen, jedoch nicht an der Seite, auf der ich mich befand. Ich wollte über einen Steg gehen, auf dem hoch geschichtet Erde und Gras lagen. Ich wagte es aber nicht, wegen der damit verbundenen Gefahr: Ein Stück davon entfernt erblickte ich einen großen und sehr schönen Palast mit Seitenflügeln, wo ich Wohnung nehmen wollte, um immer die Aussicht auf den Hain und die Gräben genießen zu können. Ein Fenster, weit entfernt in einem Seitenflügel, stand auch geöffnet, dort schien mir, wünschte ich mein Zimmer zu haben. Dies bedeutet, daß ich am Sonntag im geistigen Zustand sein würde, dies bezeichnet der herrliche Hain. Der Palast dürfte den Entwurf meiner Arbeit bezeichnen, der auf den Hain gerichtet ist, wohin ich dabei blicken möchte.

 

20.-21. Juni

Mir schien, es wurde geprüft (überlegt)129 ob ich dort in die Gesellschaft oder in einen ihrer Ausschüsse aufgenommen werden sollte. Mein Vater kam heraus und sagte mir, daß das, was ich über die Vorsehung geschrieben hatte, das Beste war; ich erinnerte mich, daß es nur eine kurze Abhandlung war. — Danach befand ich mich in einer Kirche, aber nackend, nur mit einem Hemd bekleidet, weshalb ich mich nicht nach vorne wagte. Dies dürfte bedeuten, daß ich noch nicht so bekleidet und vorbereitet bin, wie es sich gehört.

 

26.-27. Juni

Ich befand mich mit vielen an einem Ort; ich ging an meinem Garten vorbei, der sehr vernachlässigt aussah. Ohne Zweifel war dies so im Vergleich mit dem Himmlischen. — Dann hörte ich lange etwas wie ein Beschießen des Feindes mit Kanonen, vorne und auch auf der Seite. Ich dachte mir, daß der Feind geschlagen sei. Es kam auch ein Bote an, daß die Dänen mit 10.000 Mann angriffen, hauptsächlich mit gezückten Säbeln. Sie wurden aber vollkommen geschlagen. Ich befand mich auch an einer anderen Stelle, wollte hinausfahren und die Kampfplätze besichtigen. Wo ich mich befand, gab es viele, die fliehen wollten, weil sie der dänischen Partei angehörten, aber ich riet ihnen, dazubleiben, da für sie keine Gefahr bestünde, außer für einen dänischen Soldaten. — Dann sah ich, daß etwas wie ein großer Schirm da war, der mich beschützte. — Ferner, daß ich am linken Fuß eine Verletzung hatte, von der ich nichts wußte, die verbunden war und bald wieder geheilt sein würde. — Ich sah einen kleinen Vogel in einem großen Vogelbauer, der lange versteckt gewesen war, aber doch lebte und Futter und Trank hatte. Er flog im Bauer aus und ein. — Ich sah Erik Benzelius130 mit einer Perücke und zwei Locken nach hinten gekämmt. Er ging müde dahin und schien alt, ich folgte ihm und sah, daß er in eine Kirche ging und sich zu hinterst niedersetzte.

 

1.-2. Juli

Mir erging es ganz sonderbar. Ich geriet in starke Schauer, in solche wie damals, als mir Christus die göttlichen Gnaden schenkte, eine nach der anderen, etwa 10 bis 15 nacheinander. Ich wartete darauf, wie das vorige Mal, auf mein Angesicht geworfen zu werden, aber dies geschah nicht. Beim letzten Schauer wurde ich aufgehoben, und ich fühlte mit den Händen einen Rücken, ich umfaßte den ganzen Rücken bis zur Brust; sofort legte sie (die Gestalt) sich nieder, und ich sah ihr Gesicht vor mir, aber dieses nur undeutlich; ich lag dann auf meinen Knieen und überlegte, ob ich mich daneben hinlegen sollte, aber das geschah nicht, als ob es nicht gestattet wäre: die Schauer gingen von unten aus durch den Körper bis in das Haupt. Dies geschah in einem Gesicht (Vision), als ich weder wach war noch schlief, denn ich hatte alle meine Gedanken gesammelt. Der innere Mensch war vom äußeren getrennt, was man empfand. Als ich ganz wach war, kamen ähnliche Schauer mehrere Male über mich. Dies muß in heiliger Engel gewesen sein, weil ich nicht auf mein Angesicht geworfen wurde. Was das bedeuten soll, weiß unser Herr am besten. Ich glaubte, es wurde mir früher gesagt, ich sollte etwas für meinen Gehorsam erhalten, oder aus anderem Grund. Gottes Gnade erweist sich meinem inneren und äußeren Menschen. Gott allein sei Lob und Ehre!

Aus dem Nachfolgenden und anderem merke ich, daß dies bedeuten soll, daß ich die Wahrheiten der inneren Wahrnehmungen131 entdecken würde, aber von hinten (im Nachhinein) und undeutlich gegen vorne hin. Weil mir, bevor dies geschah, gesagt wurde, es wäre eine Ankündigung132 dessen, woran ich bisher gearbeitet habe, sowie auch daß mir nachher schien, daß ich meine wertlosen Stüber in bessere Münzen umwechseln würde, wurde mir dann ein wenig Gold gegeben, doch war daneben auch Kupfer.

 

3.-4. Juli

Ich nahm mit einer besonderen Zärtlichkeit von ihr Abschied, indem ich sie küßte: dann erschien eine andere ein Stück davon entfernt. Die Wirkung war, als ich wach war, daß ich mich in einem ununterbrochenen Liebesrausch133 befand: doch wurde gesagt und beklagt, daß es nicht besser verstanden wurde; es bedeutet, daß ich nun klar gemacht (beleuchtet) habe, was ich über die Wahrnehmungen im allgemeinen134 und die Wirkung der inneren Seelenkräfte135 geschrieben habe, was von jenen, die davon ausgeschlossen sind, nicht begriffen werden kann, und daß ich nun zum zweiten Teil gelange, der das Gehirn betrifft.

 

7.-8. Juli

Ich sah, wie alles zu einem ovalen Globus sich zu oberst sammelte (konzentrierte), und zu unterst am Globus etwas wie eine Zunge aussah, die sich dann von selbst ausbreitete. Bedeutet, wie ich glaube, daß das Innerste das Al und der Mittelpunkt des darunter stehenden Globus war, und daß das, was durch die Zunge dargestellt wurde, zu einem Großteil überdacht werden soll: Ich glaube, daß ich dazu bestimmt bin, was unzweifelhaft die Bedeutung des Allerheiligsten war, mit dem ich zu schaffen hatte, was dadurch bekräftigt wird, daß alle Dinge der Wissenschaft136 mir durch Frauen dargestellt wurden, sowie auch daß überlegt wurde, ob ich in die Gesellschaft aufgenommen werden sollte, in der mein Vater war.

Ich gelangte auch zu der bestimmten Überzeugung (Gedanken), daß Gottes Sohn die Liebe war, der, um dem Menschengeschlecht Gutes zu erweisen, dessen Sünden, selbst bis zum schwersten Leiden, auf sich nahm: Denn wenn Gerechtigkeit herrschte, mußte durch die Liebe Barmherzigkeit geschenkt werden.

 

9.-10. Juli

Ich war mit dem König137 beisammen und sprach mit ihm, der nachher in einem Zimmer war; dann sprach ich mit seinen Prinzen, mit denen ich bekannt gemacht wurde; sie sprachen unter einander von mir. Ich sagte, daß ich ihnen in Liebe und Ehrerbietung ergeben wäre; als ich fortgehen wollte, sah ich, daß die Tafel durch die Königin (in ihrem Auftrag) gedeckt worden war. Ich war nicht so gekleidet, wie es sich für diesen Anlaß gehört hätte, da ich gerade vorher meine weiße Jacke (Wams) eilig ausgezogen hatte. Ich wollte hinaufgehen und sie anziehen; ich sprach mit meinem Vater, der mich umarmte, weil ich ihn daran erinnert hatte, nicht zu fluchen. In diesem Augenblick kam die Königin mit den Ihrigen (Familie und Gefolge) herein: Dies bedeutet, daß ich mit Gottes Kindern in Berührung komme, denn am Tage vorher suchte ich mir eine andere Unterkunft138.

 

14.-15. Juli

Ich sprach mit Brita Behm139, die einen Sohn zu gebären schien, da aber Sveden (Schwede)140 lange vorher gestorben war, wunderte ich mich, wie dies geschehen konnte, aber das Kind starb; an seiner Stelle waren die beiden Rosenadler141; sie (Brita) nahm mich in einen kostbaren, großen Wagen, dessen Pracht außerordentlich war und führte mich zu Graf Horn142. Dort war ein Mahl zugerichtet. Meine Arbeit über die inneren Wahrnehmungen (Sinne)143 und das Gehirn, die Brita Behms Kindern entsprechen; daß ich in einem kostbaren Wagen zum Grafen Horn fuhr, als dem Präsidenten des Kanzleikollegiums (= Regierungschef) und ersten Mann des Reiches und dann in eine andere Stadt (flog), bedeutet vielleicht, daß ich die Arbeit bis zur Seele fortführen werde.

Ich ging auf einem Steg über ein Wasser, ein Schiff lag daneben (neben dem Steg). Ich gelangte zu einer Grube; dann dachte ich an Brot, daß jeden Tag größere und kleinere Brotlaibe dorthin gebracht werden: dies dürfte die lutherische Gemeinde bedeuten; Christus wird dem geistigen Brot verglichen.

 

21.-22. Juli

Ich sah eine Gemeinde (Versammlung), in der jeder eine kleine Krone auf dem Haupte trug und zwei, die ganz vorne standen, trugen zwei sehr große und herrliche Kronen. Einer von ihnen sprach voller Freude, halb auf Französisch, halb auf Deutsch. Dies bedeutet diejenigen, die Märtyrerkronen erlangt hatten, woran ich am Tag vorher gedacht hatte, aber wer die zwei waren, ob es Huß (Hus)144 war, weiß ich nicht.

Ein kleines Kind wollte mich liebkosen, zog mich an sich, aber mir schien, daß ich dies dann nicht mochte. Es bedeutete, daß man sich gegenüber unserem Herrn wie ein Kind verhalten muß. Auf solche Gedanken verfiel ich, weil sich Kinder zweimal darstellten (zeigten), wie auch in der vorigen Nacht.

Das heißt, man soll sich nicht so um das Geistige sorgen, als ob dies durch eigene Kraft bewirkt würde, und auch nicht um Weltliches, sondern man soll wie ein Kind alle Fürsorge unserem Herrn überlassen.

Ich drängte mich in eine Versammlung und gedachte, sie rechtzeitig zu verlassen, aber sie war gedrängt voll; ich drängte mich jedoch vor, gelangte zu einer leeren Bank, auf der ein Buch lag, mit dem ich mich zudecken wollte. Bedeutete, daß ich durch eigene Kraft in diese Versammlung kommen und daß ich mich anderen gegenüber unerkannt halten wollte. Das habe ich auch am Tag zuvor getan: aber alle Sorge soll unserem Herrn überlassen werden.

Als ich erwachte, verfiel ich in ein Gesicht (Vision), in dem ich viel Gold vor mir und die Luft voll davon sah. Dies bedeutet, daß unser Herr, der alles lenkt und leitet, mir für mein Geistiges und Weltliches alles beschert, dessen ich bedarf, wenn ich, einem Kinde gleich, alle Sorge Ihm überlasse.

 

22.-23. Juli

Mir schien es, als ob ich ganz hoch flöge, aber in einem solchen Kreis, daß ich richtig landete, als ich ermattet war … Ich sah einen schönen Saal mit einer kostbaren Tapete an den Wänden, aus einem einzigen Stück gefertigt. Dies bedeutete, daß ich tags zuvor im Sinn und Herzen hatte, daß alles, wofür wir Christus für uns in geistiger und weltlicher Hinsicht die Sorge überlassen, alles in allem ist. Ich sah, wie ein Knabe mit einem meiner Hemden davon lief, und ich rannte ihm nach. Dürfte bedeuten, daß ich die Füße nicht gewaschen hatte.

 

24.-25. Juli

Neben anderem schien mir, daß ich mit vielen in Gesellschaft war, und wir waren lustig. Ich glaube, wir befanden uns bei jemand zu Gast. Ich begab mich von dort auf eine Reise; es schien mir, ich kehrte zurück, aber da ich abfuhr, fuhr ich dorthin, wohin ich mir nicht vorgenommen hatte. Ich traf einen Mann, der mir sagte, daß er für mich einen Bettvorleger zugeschnitten habe, jedoch gegen mein Vorwissen: Ob ich bei meiner Arbeit einen anderen Weg einschlagen werde und sie auf ein anderes Ziel, (Gegenstand) ausrichten werde, weiß ich nicht das ist mit unbekannt (dunkel).

 

27.-28. Juli

(Datum vom 28.-29. abgeändert)

Ich sah meinen Vater in einem schönen Ornat vor einer Gemeinde stehen; er sprach freundlich mit mir und wollte mich in ein inneres Zimmer zu einem Manne führen, der zu schlafen schien, um über mich zu sprechen. Ich ging leise hinaus, weil ich Sorge hatte, ihn aufzuwecken. Es war, daß ich von da an begann, an den Abenden die Bibel zu lesen, und daß ich am Samstag Abend Angst hatte, mich nicht so vorbereitet zu haben, wie es sich gehörte.

 

29.-30. Juli

Ich sah ein großes Tier mit Flügeln, das zeitweise wie ein Mensch aussah, aber einen großen Rachen hatte; es durfte mich nicht anrühren; ich stach mit dem Degen nach ihm, hatte aber keine Aussicht, es zu treffen noch Kraft in den Armen. Endlich sah ich es nun als Mensch mit einem Gewehr vor mir stehen, aus dem er etwas wie Eiter schoß, das mir aber nicht schadete, weil ich beschützt wurde. Gleich darauf stach ich ihm mit dem Degen in den Rachen, aber nicht mit größerer Kraft, ich stach noch tiefer hinein und glaubte sagen zu hören, daß er nun getötet wäre. Tags zuvor dachte ich an das Weib und den Drachen in der Offenbarung (des Johannes) und wünschte, ich dürfte als Werkzeug dienen, um den Drachen zu töten. Allein, dies steht gar nicht in meiner, sondern nur in Gottes Macht.



30. Juli bis 1. August

Ich befand mich lange in einem heiligen Schauer, gleichzeitig aber in einem tiefen Schlaf. Ich dachte (hoffte), ich würde etwas Heiliges sehen und glaubte, auf mein Angesicht geworfen zu werden, kann dies aber nicht mit Sicherheit sagen; dann wurde ich aus diesem Zustand herausgeführt und erblickte unter (hinter) meinem Rücken einen Mann, der mir bekannt vorkam. Es verdroß mich, daß er mich von dort weggeholt hatte; als er mich verließ, sagte ich ihm auch, daß er dies nicht wieder tun sollte; die Schauer dauerten an, aber ich sah sonst nichts weiter: Es war Heiliges, das über mich kam und berührte, und ich wurde zu dieser meiner Arbeit hingeführt,, indem ich an diesem Tag begann, über die Sinne145 zu schreiben, und daß ich wünschte, daß mich dies nicht von Wichtigerem ablenken sollte.

Dann beobachtete ich das Vorbeiziehen (Prozession) von Pferden; es kamen auch weißgoldene, große, schöne, mit Sattelzeug geschmückte: welches meine Arbeit bezeichnet, die ich soeben begann, die spätere über das Gehirn: Somit glaube ich, Gottes Billigung dafür zu haben, was mir, wie ich glaube, mein Beistand sein wird.

 

4.-5. August

Ich sah einen Mann mit gezogenem Degen auf mich zukommen. Mir schien, daß ich auch einen Degen mit einem silbernen Heft hatte, als er aber herankam, hatte ich nichts als eine zerbrochene Scheide in der Hand; er legte sich auf meinen Rücken und biß in meine Hände. Ich rief um Hilfe, aber niemand erschien.

Nachher hatte ich in Gegenwart von Assessor Brenner?)146 mit einer Hure zu schaffen; es schien mir, daß ich damit prahlte, so stark zu sein. Dies bedeutet, daß ich mich gegen meinen Gott täglich in meinen Gedanken vergangen (versündigt) habe, denen ich nachhing, von denen mich kein Mensch, sondern nur Gott erlösen kann, sowie daß ich mich gegenüber D.H. meiner Arbeit gerühmt habe; ich beabsichtigte, am folgenden Tag zum Tische Gottes (Mahl des Herrn) zu gehen, aber ich nahm Abstand davon, als ich erkannte, daß kein Mensch, sondern nur Gott die Sünden vergeben könne; weshalb mir auch einige Beobachtungen über die Beichte (vor dem Abendmahl) gegeben wurden.

 

8.-9. August

Ich kam nach Schweden zurück und sah das Reich in zwei Staaten (Reiche) geteilt; das größere lag um Uppland das andere um Örebro; es herrschten zwei Könige, der letztere hatte geringere Macht, doch sagte man, daß sich seine Herrschaft bis Bohus erstreckte; ich war bei ihm, und es (sein Reich) wuchs.

Es schien mir, mir wäre eine Vollmacht (Beglaubigung) erteilt worden, als Geheimer Rat (Botschafter) nach Java zu gehen, daß ich dafür aber als nicht geeignet befunden wurde, da ich die Sprache nicht beherrschte; ich fuhr aber doch hin. Dann träumte ich von kleinen Vögeln, die sich rund um mein Haupt niedersetzten, das mir abgerissen werden sollte. Dies bedeutet, daß ich das, was den netzförmigen malpighischen Körper147 betrifft, nicht richtig angeordnet und ausgeführt hatte.

 

26.-27. August

An den vorangegangenen Tagen war ich durch meine Sünden sehr bedrückt und wie belastet, von denen ich glaubte, sie wären mir nicht vergeben, und die mich das letzte Mal daran gehindert hätten, das Abendmahl des Herrn zu begehen; da glaubte ich, daß ich tags zuvor erleuchtet worden sei: In der Nacht schienen mir meine Fußsohlen148 ganz weiß zu sein, was bedeutet, daß mir meine Sünden vergeben sind, sowie auch eine Menge anderer Dinge, daß ich wieder angenommen sei.

 

27.-28. August

Mir schien es, ich entnahm ein Buch der Bibliothek meines Vaters; dann kam ich auf ein Schiff, saß mit einem anderen Manne dort, wo der Steuermann zu sitzen pflegt; zur rechten Hand war ein anderer Mann. Als ich aufstand, setzte sich ein anderer auf meinen Platz, als ich ihn dann wieder einnehmen wollte, setzte er sich weiter oben nieder und machte mir Platz. Eine Frau saß zur rechten Hand, vor mir eine andere. Ich stand auf und ließ sie sich niedersetzen, aber da war kein Polsterstuhl (Fauttile) und ohne Lehne, und ich saß vor ihr. Man schenkte Wein ein, er sah wie schwedischer Landwein149 im Weinglas (Römer)150 aus; mir wurde ein Weinglas gereicht, das ich in einem Zug leerte, das war der köstlichste Wein, den ich jemals getrunken hatte, ohne zu wissen wie, kam mir in den Sinn, daß er wie himmlischer Nektar schmeckte. Der Mann saß immer an seinem höchsten Platz am Steuerrad. Dies bedeutet, wie ich bei meiner Arbeit Hilfe von höchster Hand erfahre, wobei ich sie nur wie ein Werkzeug gebrauche. Aus diesem Grund hatte ich einen Mann in meinem Gefolge, dessen Aufgabe es war, wie ich sagte, aufzukehren (zu fegen); das betrifft mich auch.



1.-2. September

Ich beabsichtigte, am 2. September, zum Tisch Gottes zu gehen, weil mir die Gewißheit gegeben worden war, von meinen Sünden befreit zu werden; aber da sah ich einen großen Hund, der auf mich zusprang, mir aber nichts Böses tat; ich zeigte ihn einem anderen Hund, der neben mir stand, dem er auch nichts Böses tat, dies bedeutet entweder, daß ich mich tags zuvor eines Besuches, der zu mir gekommen war, rühmen wollte, oder daß andere151 mich umschmeicheln.

Dann glaubte ich zu vernehmen, daß Dideron152 seinen König, bei dem er so hoch in Ehren stand, verlassen und sich zu den Dänen begeben hatte und dort getötet wurde, und daß seine Frau, die ihm gegenüber falsch war, dies angestiftet hatte, bei seiner Leiche wachte. Ich hörte im Augenblick, als ob Er mich inspirierte, daß ich die Gemeinde Christi nicht verlassen (mich nicht wegbegeben) dürfe und dort das Abendmahl des Herrn nehmen sollte, weil ich sonst geistig wieder tot würde.

Weiter konnte ich nichts verstehen, weil darin ein Geheimnis verborgen liegt; ich enthielt mich dessen (die Gemeinde zu verlassen); ich wurde durch den Heiligen Geist entflammt, wie gemeiniglich (üblich), wenn ich mich nach dessen Befehl richte.

 

16. September, an einem Sonntagnachmittag

In der Nacht vom 15. zum 16. erblickte ich im Schlafe zwei Könige, den König von Frankreich und den von Polen153 die erhabene Dinge vorschlugen; nachher ein kleines Mädchen, das für mich sang, als ich fortging: Der Traum bedeutete, daß das, was ich geschrieben habe, mit Wohlgefallen aufgenommen wurde; dies war das Letzte im ersten Kapitel über den Tastsinn154.

Gleich nach Mittag, als ich schlief, glaubte ich eine Frau zu sehen, sah aber nicht ihr Angesicht; sie war sehr dick und in ganz weißen Kleidern; von ihr wollte ich etwas zum Trinken kaufen; sie sagte aber, daß sie nichts mehr habe. Es stand jedoch einer daneben, der mir sein Anrecht, ein Glas zu erhalten, abtrat, das sie in ihren Kleidern verborgen hatte. Sie suchte danach, da sah ich, wie dick sie war, als ob sie schwanger wäre. Nachdem sie in den Kleidersäumen des Armes nachgesucht hatte, fand sie das wieder, was zum Trinken dienen sollte; ich glaubte, es wäre Schokolade, aber es war Wein. Mir schien, ich wollte es nicht nehmen, weil ich meinte, es wäre Schokolade, aber gleich darauf erwachte ich.

Mir schien dann auch, daß ich das eine um das andere Mal das ziemlich starke Empfinden von Weingeruch hatte. Ich wunderte mich vor allem über ihre schneeweißen Kleider; ich kann mir nicht recht vorstellen, was es bedeutet, wenn es die Frau war, die ich gehabt habe, als "Heiligtum" (sanctuarium)155 gesagt wurde, während ich jetzt ihr Angesicht nicht sah, und daß sie schwanger war, was bedeuten dürfte, daß ich nun an der Arbeit bin, das richtig niederzuschreiben und zu gebären, was ich beabsichtige, denn an diesem Tag fühlte ich mich richtig erleuchtet in den Dingen, die ich unter den Händen hatte (bearbeitete).

 

17.-18. September

Ich sah den König von Preußen156 und einen, der sagte, er gehe hin, um Feindschaft zwischen den Königen von Preußen und Frankreich157 zu stiften.

 

18.-19. September

Ich vermeinte über ein Land zu gehen, das sehr holprig (uneben) war, hielt einen Eisenstab in den Händen, mit dem es nachher nicht mehr so schwer war zu gehen. Ich gelangte an das Ende des betreffenden Landes. Ich lag in einem Bett, da kam ein sehr großer Ochse auf mich zu, schwarz, mit Hörnern. Es schien mir, er wollte mich stoßen, ich hatte Angst, aber man sagte mir, daß "du durchkommen würdest". Ich erwachte. Mir steht noch etwas bevor (erwartet noch etwas), wenn ich das erste Kapitel über den Tastsinn beendet haben werde.

 

21. September

geändert vom 27., welches ein Sonntag war.

Bevor ich einschlief, war ich sehr stark in Gedanken bei dem, was ich bearbeitete (unter den Händen zu schreiben hatte); da wurde mir gesagt: "Halte Deinen Mund, oder ich schlage dicht!" Ich sah dann einen Mann auf einem Eisblock sitzen, und ich hatte Angst; ich geriet wie in ein Gesicht (Vision), schaltete meine Gedanken ab und geriet in das übliche Erschauern. Es bedeutet, daß ich mich meiner) Arbeit nicht so lange hingeben sollte, vor allem nicht am Sonntag, oder vielleicht an den Abenden.



29.-30. September

Dies war ein Samstag vor dem Sonntag; ich erblickte den Giebel des schönsten Palastes, der jemals gesehen wurde, ein Schein, wie von der Sonne, fiel mitten darauf. Mir wurde mitgeteilt, in der Gesellschaft solle beschlossen werden, daß ich ein Mitglied werde, das unsterblich158 würde, welches keinem vorher widerfahren war, außer einem, der tot war und einst gelebt hat; andere sagten, es wären mehrere; ich verfiel auf die Gedanken, ob es nicht das Wichtigste wäre, bei Gott zu sein und so bei Ihm zu leben. Dies bezog sich deshalb auf das, was ich über die organischen Formen159 im allgemeinen zu Ende führe, vornehmlich den Schluß. Dann sagte einer, er würde mich um 10 Uhr besuchen, wüßte aber nicht, wo ich wohne. Ich antwortete dann, wie ich glaube, daß ich im Giebel des Palastes wohne. Dies bedeutet, daß das, was ich mit Gottes Hilfe über die Formen geschrieben habe, solcher Art war, daß es mich noch weiter führen werde, um das zu erkennen, was noch herrlicher ist. Dann war ich mit Frauen beisammen, wollte sie aber nicht berühren, wie ich vorher mit Heiligerem zu schaffen gehabt hatte, wobei mir vieles einfiel, das ich Gottes Wohlgefallen überließ, da ich wie ein Werkzeug bin, mit dem Er nach seinem Belieben (Wohlgefallen) verfährt. Ich wünschte, ich wäre mit den früheren in Verbindung, doch nicht mein, sondern Gottes Wille geschehe. Gott gebe, daß ich hierin nicht fehl gehe, was ich nicht glaube.

 

3. Oktober nachmittags

Ich fiel in einen leichten Schlummer, in dem mir dargestellt wurde, wie im Innersten ein Zusammenhang zwischen Ursache und Endzweck160 besteht, derart daß unsere Gedanken, als Einheiten betrachtet, keinen anderen Endzweck und keinen anderen Grund haben als den, der aus dem Geiste Gottes herrührt, oder aus dem Körper — wenn aus dem Körper dann ist alles Sünde vom Innersten her, denn wir verlangen nach nichts anderem als dem, was dem Geistigen widerstrebt; was in uns herrscht, können wir selbst erkennen, wenn wir unsere Lebensliebe161 prüfen (ihr nachsinnen), die sie (die Gedanken) immer begleiten.

 

3.-6. Oktober

Verschiedentlich habe ich bemerkt, daß es Geister aller Art gibt; der einzige Geist, der Christus ist, ist derjenige der alle Glückseligkeit162 bringt, von den anderen wird man in tausenderlei Art verlockt, ihnen zu folgen, aber unglücklich sind die, die dies tun; das eine und das andere Mal fielen mir Korah (Cora)163 und Dathan ein, die fremdes Feuer auf dem Altar darbrachten und dies nicht opfern164 durften. So verhält es sich, wenn ein anderes Feuer als das, was von Christus herrührt, dargebracht wird: Ich sah auch etwas wie ein Feuer, das auf mich zukam. Deshalb sind die Geister zu unterscheiden, wie eine Sache, die man nicht ohne Christus selbst und durch Seinen Geist vollführen kann. In welch schrecklicher Gefahr ich in der Nacht vom 29, zum 30. (September)165 gewesen bin, wurde mir nachher im Schlafe dargestellt. Ich war auf einem Eis, das mich nachher kaum trug, weiterhin gelangte ich an einen entsetzlich tiefen Abgrund, einer auf der anderen Seite desselben konnte mir nicht zu Hilfe kommen, deshalb kehrte ich um: Aber Gott, durch Christus, ist der einzige, der mir dabei geholfen hat. Der wie mein Herr und Meister ist und dessen Knecht ich bin, wofür Ihm Ehre und Dank sei, ohne den (Dank) niemand zu Gott gelangen kann.

 

6.-7. Oktober

Ich hatte sehr viele und dabei gnadenvolle geistige Erfahrungen, wie ein schwarzer Flor oder eine Haut, die etwas Glänzendes bedeckte, aber keinen Bestand hatte. Man sagte, sie halte nicht; deshalb wurde sie (die Haut) zusammengewickelt und mir wurde versprochen mich besser zu unterrichten. Es erschien auch etwas wie ein innerliches Licht; ich wollte dies an Sonntagen selbst tun. Es bedeutet, daß ich mit meinem Verstand und in meinen Phantasien versucht habe, in etwas einzudringen, das dem schwarzen Flor vergleichbar ist, der nichts aushielt. Ich sah wieder einen Abgrund welcher die Gefahr darstellt, in der ich mich mit meinen Gedanken befinde. Ferner wurde etwas über mein Buch gesagt. Man sagte, es wäre ein göttliches Buch ("De Cultu et Amore Dei") von der Anbetung Gottes und der Liebe zu Ihm166.

Ich glaube, es handelte auch von Geistern; ich meinte, ich hätte darüber etwas in meinem Buch "Vom Unendlichen" (De Infinito) geschrieben, aber darauf wurde nichts geantwortet. Ich begann dann nachzudenken und wurde unterrichtet, daß jegliche Liebe, auf welchen Gegenstand auch immer sie gerichtet sein mag, wie z.B. auf meine Arbeiten, die ich jetzt betreibe, wenn man sie liebt und sich nicht wie ein Werkzeug167 der einzigen Liebe, welche die zu Gott und Christus Jesus ist, verhält, eine buhlerische Liebe168 sei, weshalb eine solche in Gottes Wort immer mit der buhlerischen Liebe verglichen wird; dies ist es auch, was ich an mir selbst erfahren habe; wenn man aber die Liebe zu Gott als die vornehmste hegt, so hat man daneben keine andere Liebe, als die man darin findet, die Liebe zu Gott zu festigen. Ich glaubte auch, Zar Peter169 und andere Große (des Reiches) zu sehen, die mich verachteten, weil ich Halbärmel trug; ich weiß nicht, zu welcher Partei sie gehörten. Mir ist verschiedentlich schönes Brot und anderes mehr gegeben worden. Gott gebe, wie ich hoffe, daß es geistiges Brot sei.

Daraus und aus dem Vorhergehenden ist zu erkennen, wie schnell und leicht ein Mensch von anderen Geistern verführt wird, die sich gemäß eines jeden Lebensliebe darstellen, denn Liebesarten werden durch Geister dargestellt, sowie gleichfalls durch Frauen in … (Die Handschrift bricht hier unvermittelt ab)

 

7.-8. Oktober

Mir schien es, ich wollte einen Weg entlang gehen, aber ich sah einen kleinen Jungen, der einen kleinen Pfad einschlug. Ich folgte ihm, aber es herrschte Nebel; mir schien es, daß Soldaten ausgerückt waren. Ich ging gebückt und furchtsam voran. Es schien mir jedoch, daß es keine Feinde, sondern Soldaten unseres eigenen Volkes waren, aber ich erkannte, daß ich keinen Weg nach vorne erblicken konnte. Ich kehrte um und gelangte in ein nicht aufgeräumtes Zimmer; ich verlangte ein anderes Gemach, das ich auch bekam, und verlangte Wasser; er (an den ich mich gewandt hatte) sagte, daß es frisch und trüb sei. Ich verlangte auch Milch, dann erwachte ich.

Es bedeutet, daß ich auf einem falschen Weg gewesen bin und, weil ich meinem eigenen Verstand folgte, in einen Nebel geraten war, in dem man sich sogar vor seinem eigenen Volk (Heer) fürchtet, als ob es Feinde wären; wenn man aber den rechten Weg geht, fürchtet man sich vor nichts; das Wasser, welches noch trüb ist, bezeichnet die noch trübe Erkenntnis, Milch, daß sie noch mehr gestärkt werden müsse.

Dann sah ich im Gesicht einen Mann, der einen schwarzen Mantel trug, der aber abgenommen wurde, und er (der Mann) verschwand; welches bedeutet, daß das frühere Schwarz verschwand; wenn man einzig und allein den Weg geht, daß man nur auf Gott und Christus und nicht auf sich selbst vertraut oder auf die Kraft (das Fleisch) seines Armes, auf seinen Verstand baut, dann erkennt man, daß wir Soldaten sind, die fortwährend gegen Satan kämpfen; hat man Gottes Geist und Leben zum Beistand, so erringt man täglich einen Sieg, aber umgekehrt wird es täglich eine Niederlage170; man kommt von einem Kampf in den anderen, man darf daher nicht verzweifeln, sondern muß auf Gottes Gnade vertrauen: in der vorigen Nacht glaubte ich, meine Bestallung zum Hauptmann (Kapitänleutnant) oder etwas Ähnlichem gesehen zu haben, aber ich versuchte dem Sekretär Bierchenius171 zu sagen, daß ich meine frühere Bestallung (Amt) beibehalten und Assessor bleiben wolle, was bedeutet, daß ich das noch nicht begriff, was es bedeutet, Soldat zu sein und gegen Satan zu kämpfen, denn Gott sendet denen seine Engel, die für Ihn streiten. Dies stellt den schwarzen Mantel vor, der abgenommen wird, und Gott selbst hat die Gnade, mich zu erleuchten.

Gleichwohl sah ich im Gesicht ein von Blut erfülltes Herz, das bezeichnet die Liebe.

 

8.-9. Oktober

Diese Nacht war die beglückendste unter allen; denn ich sah das Reich der Unschuld172; unter mir erblickte ich den schönsten Garten, den man sich vorstellen konnte; darin standen Bäume. Auf jedem Baum waren der Reihe nach weiße Rosen anzutreffen, dann gelangte ich in ein langes Zimmer, in dem schöne, weiße Gefäße mit Milch und Broten standen, so appetitlich, daß man sich nichts Appetitlicheres denken konnte; ich befand mich in Gesellschaft einer Frau, an die ich mich im Besonderen nicht erinnere. Dann ging ich zurück; ein kleines, schönes und unschuldiges Kind kam zu mir, das mir sagte, daß sie, die Frau, fortgegangen wäre, ohne Abschied genommen zu haben; sie bat mich, ihr ein Buch zu kaufen, das sie mitnehmen wollte, aber sie zeigte es mir zuvor nicht. Ich erwachte. Ferner schien mir, daß ich eine Menge Leute in einem Haus oder Palast, der für sich gesondert stand, auf meine Kosten bewirtete; dort befanden sich Bekannte, darunter der Reichsrat Lagerberg173, ich glaube auch Ehrenpreus174 und andere, alles ging zu meinen Lasten174. Ich glaubte, es würde mich viel kosten, aber diese Gedanken bewegten mich dauernd, daß dies größere Auslagen wären, indessen kümmerte ich mich nicht darum, weil ich merkte, daß alles von dem Herrn gespendet wurde, der diesen Besitz hatte, oder ihn mir zeigte. Ich befand mich im Reiche der Unschuld, und daß ich die anderen und Weltlichen bewirtete, ohne sie zu sehen, bedeutet vermutlich meine Arbeit, daß ich nicht wie sie (die Gäste) sein sollte, obgleich ich sie bewirtete, oder etwas anderes: Das Kind bezeichnet die eigentliche Unschuld, von der ich tief gerührt war und wünschte, in einem solchen Reich zu sein, wo alles Unschuld wäre. Ich bedauerte, daß ich beim Erwachen von dort herauskam. Was die Frau betrifft, welche fortging, ohne sich zu verabschieden, so weiß ich nicht, was sie bedeuten soll.

Am Tag darauf oder am 9. Oktober war ich so scharfsichtig, daß ich die kleingedruckte Bibel ohne die geringste Mühe lesen konnte.

 

9.-10. Oktober

Ich sah in einem Gesicht, wie ein Feuer von Steinkohlen, das stark brannte, was das Feuer der Liebe bezeichnete. Nachher war ich mit Frauen beisammen, die Zähne an einer gewissen Stelle hatten, nach der ich verlangte, aber die Zähne behinderten mich; was bedeutet, daß ich mich am Tag vorher mit einer Arbeit beschäftigt habe, die von der anderen ganz verschieden ist und eine ganz andere Liebe darstellt. Ich war im Zweifel, ob diese herrschen würde und nicht als ein leeres Gerede176 oder als Spielerei im Vergleich (in Ansehung) zur anderen angesehen würde. Ich war, als ich erwachte, fest entschlossen, die Arbeit aufzugeben, was auch geschehen wäre, wenn mir nicht nachher im Schlaf vorgekommen wäre, ich wäre mit einem Brief an einen bestimmten Ort geschickt worden, dahin ich aber den Weg nicht fand; aber Hedwig, meine Schwester, sah den Brief und sagte, er wäre an Ulrika Adlersteen177 gerichtet, die, wie sich zeigte, sich schon lange nach mir gesehnt hatte. Ich gelangte dahin, sah auch Schönstrom178. Nachher dachte ich beständig über die Sinne nach, wie ihre Eindrücke zum Gehirn hinauf- und wieder hernieder steigen, wodurch ich bestärkt wurde, meine Arbeit fortzusetzen. Gott gebe, dies sei nicht gegen Sein Wohlgefallen, was ich aus einem Traum im Schlaf nicht schließen kann, ohne in Versuchung zu kommen, sie (die Arbeit) aufzugeben, zu welchem Entschluß mir Gott half. Gott sei einzig und allein Lob und Ehre dafür, aber ein Kind stolperte über meinen Fuß, stieß sich daran und schrie. Ich wollte ihm aufhelfen und fragte (sagte), warum rasest du so dahin? Es bedeutet ohne Zweifel, daß ich damit allzu schnell fortfahren dahinrasen wollte.



10.-11. Oktober

Mir schien es, ich lag mit einer Frau im Bett, berührte sie aber nicht. Nachher kam ein Herr dazu, den ich fragte, ob ich bei ihm in den Dienst treten könne, da ich meinen Dienst durch den Krieg verloren hätte. Er antwortete mit nein. Man spielte ein Spiel wie Bazett179, das Geld ging hin und her (wechselte den Besitzer); ich war aber die ganze Zeit hindurch dabei; ich fragte meinen Diener, ob er gesagt hatte, daß ich etwas besitze (gewonnen habe); er antwortete mit nein. Ich sagte ihm, er möge nichts anderes sagen. Dies bezeichnet die Kirche der Mährischen Brüder (Mährische Kirche)180, daß ich dort bin, aber nicht aufgenommen werde, und daß ich sage, daß ich keine Kenntnisse in der Religion habe, sondern diese ganz verloren habe, und daß diejenigen, die Bazett spielen, zeitweise gewinnen.

 

12.-13. Oktober

Mir schien, daß einer geschlagen und gestäupt wurde und dann, sowohl auf der Kanzel oben, als auch unten mit größerem Eifer predigte und daran festhielt. Dies bedeutet, daß wenn man von unserem Herrn gezüchtigt wird, man nachher noch größeren Eifer und den Geist dafür erlangt, in dem fortzufahren, wozu einen der Geist antreibt, derart, daß Züchtigung und Strafe darin eine Zunahme bewirken; tags zuvor war ich in Gedanken und sehr erfreut, was meinen Gedanken etwas freien Lauf verlieh, ob Strafe solches ändern würde. Darauf erfolgte dies als Antwort.

Nachher schien es mir, daß ich zu mir sagte, der Herr selbst wolle mich unterweisen. Denn, wie ich erkannte, befinde ich mich in dem Zustand, daß ich darin nichts anderes erkenne, als daß Christus alles in allem sein muß, oder Gott durch Christus, so daß wir dazu auch nicht das Geringste beitragen können, noch weniger erstreben können, daher ist es das Beste, sich Ihm auf Gnade und Ungnade zu ergeben, und es wäre am vollkommensten, wenn man darin ganz willenlos sein könnte. Ich sah auch im Gesicht, wie mir auf einem Teller schöne Brote angeboten wurden, was ein Vorzeichen dafür war, daß der Herr selbst mich unterweisen wolle, weil ich jetzt in den Zustand gekommen bin, daß ich nichts weiß und alle vorgefaßten Urteile181 mir genommen wurden, was der Beginn des Lernens ist, nämlich zuerst ein Kind zu werden und so mit Kenntnissen ernährt (gesäugt) zu werden, wie es mir jetzt widerfährt.

 

13.-14. Oktober

Unter anderem wurde mir gesagt, daß ich seit 14 Tagen angefangen hatte, viel schöner auszusehen und einem Engel ähnlich war. Gott gebe, dies wäre der Fall. Gott stehe mir darin bei und entziehe mir nicht Seine Gnade.

 

15.-16. Oktober

In einem Gesicht sah ich, wie einer unter einer großen Bürde war und Bretter trug, unter der Bürde brach er zusammen (fiel er), und ein anderer kam ihm zur Hilfe. Ich sah aber nicht, wie ihm geholfen wurde. Im Schlaf sah ich, daß ich einen Steg hinaufging und erblickte eine Tiefe und Gefahren vor mir. Dann zog ich mich an einem Seil (Strick) hinter einer anderen Person hinauf, erblickte aber kein Ende oder wie ich hinauf gelangen könne. Bedeutet, daß diejenigen, die aus sich selbst, aus eigenem Antrieb, nach dem Himmelreich streben und sich selbst dazu helfen wollen oder zu dem, was höher ist, zu gelangen, selbst vergeblich und in ständiger Gefahr sich darum bemühen. Leicht ist es dagegen, wenn man sich an Gott wendet, der darin Hilfe gewährt und …

 

18.-19. Oktober

Wie ein großer Hund, den ich für angebunden hielt, auf mich zusprang und mich ins Bein biß; einer kam, der seinen gräßlichen Rachen zuhielt, daß er nichts Böses mehr tun konnte. Dies bedeutet, daß ich tags zuvor im Medizinischen Kolleg182 einen Vortrag hörte und ich mich in Gedanken überhob, daß sie mich nennen sollten als einen, der die Anatomie besser kannte. Ich war jedoch froh darüber, daß dies nicht geschah. In der folgenden Nacht sah ich im Gesicht, wie ein Hinkender von mir wegging, was bedeuten dürfte, daß ich durch den Biß ins Bein wie ein hinkender wurde.

 

19.-20. Oktober

Wie ich ein Tier nach dem anderen sah; sie breiteten ihre Flügel aus; es waren Drachen. Ich flog über sie fort, stieß aber dabei an einen an. Solche Drachen bezeichnen unreine (unehelich geborene) Liebesarten, die sich nicht als Drachen erkennbar zeigen, bevor man ihre Schwingen sehen kann. Darüber hatte ich gerade jetzt geschrieben.



20.-21. Oktober

Was mir widerfuhr war sehr gnädig und merkwürdig, tags zuvor fand ich mich all der Gnade unwürdig, die Gott mir zu erweisen beliebt, weil Selbstliebe und Hochmut in mir so tief eingewurzelt sind. Ich bat daher Gott, sie von mir zu nehmen (mich von ihnen zu befreien), da dies nicht in meiner Macht liegt. Ich befand mich auch am Abend in einem wunderlichen Zustand, in dem ich mich nie zuvor befunden habe, daß ich gewissermaßen an Gottes Gnade verzweifelte, obwohl ich wußte, daß Gott so gnädig ist und mir im Besonderen mehr Gnade als anderen erwiesen hat. Es war eine Angst der Seele, aber nicht des Bewußtseins, derart, daß mein eigentliches Bewußtsein sie (die Seelenangst) nicht fühlte, sie aber wie einen körperlichen Schmerz empfand.

Daraufhin schlief ich ein, mir schien es, daß mir zwei Hunde dicht nachfolgten. Um vieles später wurde ich sie los, und in den Gedanken wurde mir gesagt, daß ich diese wunderlichen Schmerzen hätte, um mich von diesen Übeln zu heilen. Es war ein solcher Schmerz, als würde eine Wurzel herausgezogen, die so tief hinabreicht; dies verdient ganz besonders, im Gedächtnis bewahrt und in den Gedanken erhalten zu werden.

Nachher sah ich im Traum einen mächtigen König, der der König von Frankreich183 war, welcher ohne Gefolge ging und nur einen geringen Hofstaat unterhielt und deshalb nicht für einen König gehalten werden konnte. Einer, der sich bei mir befand, schien ihn nicht als König anerkennen zu wollen. Ich sagte, daß er ein solcher Mensch sei, der sich nicht darum kümmere. Er war höflich gegenüber allen ohne Ausnahme; er sprach auch mit mir. Als er fortging, hatte er keinerlei Gefolge, sondern nahm die Bürde anderer auf sich und trug sie wie ein Bündel Kleider. Von dort weg kam ich in eine andere große Gesellschaft, wo ein viel größerer Prunk herrschte: Dann sah ich die Königin, als der Kammerherr kam und sich verneigte, erwies sie ihm gleichwohl eine ebenso tiefe Bezeugung der Achtung, und bei ihr fand sich kein Zeichen von Hochmut: Das bedeutet, daß in Christus nicht der geringste Hochmut wohne. Er stellt sich mit anderen gleich, obwohl Er der größte König ist und nicht nach dem fragt, was groß oder hoch ist. Gleichwohl nimmt er die Bürde anderer auf sich. Die Königin, die die Weisheit darstellt, verhält sich ebenso und kennt keine Eigenliebe und sieht sich selbst nicht höher, weil sie Königin ist.

 

26.-27. Oktober

Mir wurde vorhergesagt, daß der 27. Oktober (nach seinem Zustand) wieder kommen würde, als ich das Werk "Von der Anbetung und Liebe zu Gott" in Angriff nahm. Mir schien es, daß ich mit Christus selbst verkehrte, wie mit einem anderen Menschen ohne Zeremonien. Er entlehnte von einem anderen eine Kleinigkeit, einige Fünfpfennigstücke; es verdroß mich, daß Er sie nicht von mir nahm. Ich nahm zwei Münzen, worauf mir schien, daß ich eine davon fallen ließ, dann gleichfalls noch eine zweite. Er fragte, was dies bedeutet. Ich antwortete, daß ich zwei Münzen gefunden hätte, eine davon dürfte Er verloren haben. Ich gab sie Ihm und Er nahm sie entgegen. In so unschuldiger Weise schienen wir gemeinsam zu leben, welches der Zustand der Unschuld war.

Nachher war ich in meinem Zimmer mit einem anderen Bekannten oder Verwandten beisammen und sagte, ich wolle ihm zeigen, daß ich besser wohne. Dann ging ich mit ihm hinaus, zuerst in einen Nebenraum, der sich weithin erstreckte, von Zimmer zu Zimmer, die mir aber nicht gehörten. Einer in einem Bett fragte, was er wolle. Ich begab mich mit ihm in meinen Saal; als ich die Tür öffnete, sah ich, daß ein ganzer Marktplatz darin untergebracht war; dicht vor mir lag viel Kleinkram, draußen erschien die Ecke eines großen Palastes, aber der verschwand; da erschienen, vornehm und an den Seiten, schöne Gefäße in großer Zahl aufgebaut, wie mich dünkte, war es Porzellan, das soeben aufgestellt worden war. An einer Seite waren sie noch beim Aufstellen, dann ging ich in mein kleines Zimmer, das auch glänzte: All dies bedeutet die Arbeit, die ich nun in Gottes Namen in Angriff nehme, insbesondere "Von der Anbetung Gottes", daneben "Von der Liebe", und daß ich nichts von dem Kram anderer, sondern nur von meinem eigenen nehmen sollte, denn es war mein Saal, den ich gemietet hatte, mein Zimmer, und daneben war die Arbeit anderer, und die Zimmer an der Seite waren es, die mir nicht gehörten. Gott führe mich den rechten Weg; Christus sagte, daß ich ohne Ihn nichts unternehmen solle.

Ich setzte mich auf ein schönes schwarzes Pferd (Rappen), es waren ihrer zwei, meines war mutig; es ging zuerst vom Wege ab, wandte sich aber nachher wieder auf diesen zurück; es betrifft das, was ich unternehmen sollte, was für mich noch dunkel ist, aber schließlich komme ich auf den rechten Weg.

Als ich mit meinem Freund durch einen langen Gang schritt, kam ein schönes Mädchen und fiel ihm um den Hals und jammerte. Ich fragte, ob sie ihn kenne; sie antwortete mit nein. Ich nahm sie von ihm und führte sie am Arm weg; das bedeutet meine andere Arbeit, an die sie sich wandte und von der ich sie zu dieser wegführte.

Am Morgen erschien mir in einem Gesicht der Markt wie ein "Disting"184 es war in meines Vaters Haus in Uppsala, im oberen Saal, im Flur beim Eingang und sonst überall. Dies bedeutet das Gleiche, deshalb wird es umso gewisser geschehen.

Als ich am Morgen erwachte, kam wieder eine solche Bewußtlosigkeit oder Ohnmacht185 über mich, wie ich sie vor 6 oder 7 Jahren in Amsterdam erlebt hatte, als ich das Werk "Oeconomia Regni Animalis" (Ökonomie im Reich des Belebten)186 begann, diesmal aber viel feiner, weshalb ich dem Tode nahe zu sein glaubte. Es geschah, daß ich mich auf mein Angesicht niederwarf, als ich das Licht erblickte, doch ging es allmählich vorüber, während mich leichter Schlaf umfing, so daß diese Ohnmacht (Verzückung) eine innerlichere und tiefere war, aber rasch vorüberging. Dies bedeutet, wie damals, daß mein Kopf wirklich von dem befreit und gereinigt wird, was diese Gedanken behindern könnte, wie es auch das vorige Mal geschah, weil es mir das Vermögen des Eindringens (Scharfblicks)187 selbst bis in die Schreibfeder verlieh, was mir auch dadurch dargestellt wurde, daß mir schien, ich schriebe eine feinere Handschrift.

(Auf Seite 99 der Handschrift finden sich nur die vier letzten Worte. Nach einigen leeren Seiten folgt die nachstehende Anmerkung.)

 

11.-12. (Mai?)

Ich glaubte mit Öhlreick (Öhlreich) bei zwei Frauen zu sein; er legte sich zu Bett, und wie mir nachher schien, hatte er bei einem Weib geschlafen. Dies gab er selbst zu188, da fiel mir ein, wie ich berichtet (erzählt) habe, daß ich auch bei einer Frau gelegen hatte und mein Vater dies sah, aber er ging vorbei und sagte kein Wort darüber.

Ich ging von Öhlreick weg, und auf dem Wege stand tiefes Wasser, auf der anderen Seite war aber nur ganz wenig. Ich ging dorthin zur Seite, weil ich glaubte, nicht durch tiefes Wasser gehen zu sollen.

Mir schien, daß eine Rakete über meinem Kopf explodierte und sich ein Regen (eine Menge) von Funken schönen Feuers verbreitete: Bedeutet vielleicht Liebe zum Höchsten.

(Nach einigen leeren Seiten schließt Swedenborgs Traumtagebuch mit der obigen Aufzeichnung eines Traumes, die man auf den 11.-12. Mai ansetzen kann, da Swedenborg um diese Zeit mit Prof. von Ölreich verkehrte. Dann folgen Abrechnungen über Haag und London. Auf der letzten Seite des Tagebuchs findet sich eine Aufzeichnung in lateinischer Sprache über leichtfertige Frauen.)

Veritates seu virgines hujus genii turpe ducunt venum dari, se tam pretiosas et chars cultoribus suis aestimant, ut indigne ferant, si quis livitatur, magis si eas emptum veniat; caeteris, qui illas pro vili habent, movent supercilia. Quare ne ab illis sub censum, et ab his in contemptum cadant, amoribus se gratis offerre malunt. Ego qui sum illarum famulus, non ausim non iis morem gerere, ne familitio priver.

In deutscher Übersetzung: Die Wahrheiten, die gleichsam die jungfräulichen Priesterinnen der Gottheit des Wahren sind, halten es für schmählich, gekauft zu werden. Sie achten sich für so kostbar und für eine so teure Gabe für die, welche Liebe zu ihnen hegen, daß sie es unwillig aufnehmen, wenn einer auf sie bieten oder gar sie durch Kauf gewinnen wollte. Den anderen vollends, von denen sie für gering geachtet werden, erweisen sie ihre Verachtung. Darum, um nicht dem Kaufangebot jener, der Geringschätzung dieser anheim zu fallen, ziehen sie es vor, sich ihren Liebhabern freiwillig hinzugeben. Ich, der ich ihr Diener bin, möchte nicht wagen, ihnen darin entgegen zu sein, um meines Dienstes nicht verlustig zu gehen.

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Anmerkungen



(1)     Tälje ist heute Södertälje

(2)     Gräfin de la Gardie Hedwig Katharina (1695—1745), Witwe nach dem Grafen Magnus Julias de la Gardie, der 1741 starb. Nach dem Tode ihres Gemahls siedelte die Gräfin mit ihren Kindern 1743 nach Paris über, wo sie 1745 starb. Sie trat zur katholischen Kirche über.

(3)     Der Redeweise seiner Zeit folgend, bezeichnete Swedenborg unverheiratete Damen adeligen Standes mit Fräulein (fröken), während unverheiratete Frauen nichtadeligen Standes mit Frauenzimmer (fruentimmer) bezeichnet wurden. In der Übersetzung ist Frauenzimmer durch Frau bzw. in seltenen Fällen mit Weib übertragen.

(4)     Graf von Ferson, Friedrich Axel (1719—1794), 1740—1748 in französischen Diensten zum Generalmajor befördert. 1757 schwedischer Generalleutnant, 1770 Feldmarschall, 1772 Reichsrat, maßgeblicher Parteigänger der "Hüte", war seit 1752 mit einer Tochter der Gräfin de la Gardie vermählt.

(5)     Freiherr von Fersén, Lantingshausen (Landtighusen), Jakob Albrecht (1699—1769), diente seit 1743 im französischen Heer als Major; Generalleutnant seit 1757, war Oberstatthalter seit 1759. Er kehrte 1743 zu einem kürzeren Besuch nach Schweden zurück und wurde in das Ritterhaus aufgenommen. Er nahm am österreichischen Erbfolgekrieg (1743—1748) teil und war seit 1748 mit einer Schwester des Grafen F. A. Fersén vermählt.

(6)     Klingenberg, Karl (gest. 1753), Magister, Sekretär der Akademie der Wissenschaften in Uppsala, war Ratgeber von Frau Nordenflycht und einer ihrer engsten Freunde.

(7)     Stenflycht, Johann (1682—1758), schwedischer Oberst, dann französischer Generalleutnant, zeichnete sich 1713 in der Schlacht von Gadebusch aus, war 1743 Oberkommandierender in Hamburg. In politische Umtriebe verwickelt, mußte er Schweden verlassen; kehrte nach Aufhebung des Schuldspruchs nach Schweden zurück.

(8)     Schächta (Schäckta), Börje Philipp (1699—1770), 1717 Musketier in der schwedischen Leibgarde, war seit 1743 Stabskapitän, nahm 1750 seinen Abschied.

(9)     Stralsund war von 1209—1648 deutsch und gehörte zum Herzogtum Pommern, es war auch Mitglied der Hanse. Im Westfälischen Frieden, der den 30-jährigen Krieg beendete, kam Stralsund 1648 an Schweden und verblieb unter schwedischer Herrschaft bis 1814; von 1814—15 war die Stadt für kurze Zeit dänisch, seit dem 4. Juni 1815 war sie wieder deutsch und gehörte dem Königreich Preußen an. Die Nikolaikirche wurde 1276, die Marienkirche 1298, die Jakobskirche 1308 gegründet.

(10)    Karl XII., König von Schweden, geb. 27. 6. 1682, König seit 1697, gefallen am 11. 12. 1718 vor der Festung Fredrikshald (Halden) in Norwegen. Rußland, Sachsen, Dänemark, später auch Preußen und Hannover, verbündeten sich gegen Schweden und griffen es im Nordischen Krieg (1700—1721) an. Nach glänzenden Anfangserfolgen erlag Schweden der Obermacht der Feinde und hörte auf, Großmacht zu sein. Am 18. 12. 1716 ernannte Karl XII. Emanuel Swedenborg (damals noch Swedberg) in Lund zum Assessor am Bergwerkskollegium.

(11)    Meijerfeldts Palast, Wohnsitz des schwedischen Generalgouverneurs August Meijerfeldt (1664—1749) in Stralsund.

(12)    Belagerung; die verbündeten Dänen, Preußen und Sachsen belagerten Stralsund seit dem Herbst 1715 (während des Nordischen Krieges). Die stark beschädigte Stadt wurde am 22. 12. 1715 den Belagerern übergehen.

(13)    Schwerin (Swerin), Klaus Philipp (1689—1748) Freiherr von; seit 1737 Oberst im Garderegiment von Stralsund, seit 1743 dessen Befehlshaber.

(14)    Benzelius, Karl Jesper (1714—1793), zweiter Sohn von Erik Benzelius und Anna Swedberg. Emanuel Swedenborgs älterer Schwester. Er (Benzelius) begab sich 1743 auf eine Reise nach Deutschland, wurde 1750 Professor in Lund, 1766 Bischof in Strängnäs. Er war Emanuel Swedenborg gegenüber stets wohlgesinnt und stand mit den frühesten Anhängern von dessen Lehre in Schweden im Briefwechsel.

(15)    Slanggångar sind Archimedische Schrauben, die mit den zugehörigen Rohrleitungen der Trinkwasserversorgung Stralsunds dienten.

(16)    Die Schlacht von Gadebusch am 20.12.1712, in der die Schweden die Dänen besiegten, war der letzte bedeutungsvolle Sieg der Schweden im Nordischen Krieg.

(17)    Hamilton, Karl Friedrich (1705—1753), Freiherr von, Hofmarschall, erwartete den zum Kronprinzen von Schweden gewählten Herzog Adolf Friedrich von Holstein-Gottorp.

(18)    Reuterholm, Nils Esbjörnson (1710—1773), Freiherr von, königlicher Kämmerer, 1739 Landeshauptmann (Landshöfding) von Närke und Värmland.

(19)    Triewald, Samuel Marten (1691—1747), Gelehrter, Maschinenkonstrukteur, Schriftsteller, 1735 Chefbaumeister von Befestigungsanlagen; gemeinsam mit anderen Männern regte er die Gründung der Akademie der Wissenschaften in Stockholm an. Über Vorschlag K. v. Linné's wurde Emanuel Swedenborg 1740 als Mitglied aufgenommen.

(20)    König, Johann Friedrich (1690—1747 oder 1759), schwedischer Postkommissär, 1738 schwedischer Beauftragter und 1747 Konsul in Hamburg.

(21)    Adolf Friedrich, Herzog von Holstein-Gottorp, geb. am 14.5.1710, wurde am 23.6.1743 zum schwedischen Kronprinzen gewählt; Emanuel Swedenborg wurde ihm wenige Wochen später vorgestellt. Bei dieser Gelegenheit überreichte er dem Kronprinzen das Inhaltsverzeichnis zu "Regnum Animale“ und fuhr dann nach den Haag, um es zu veröffentlichen. Adolf Friedrich war mit Luise Ulrike, der Schwester Friedrichs 11. von Preußen vermählt; er bestieg den Thron am 6.4.1750 und starb am 12.2.1771.

(22)    Der große Roland von Bremen, ein steinernes Standbild auf dem Markt vor dem Rathaus, wurde 1404 als Wahrzeichen der Gerichtsbarkeit der Freien Hansestadt errichtet.

(23)    Die Grafschaft Oldenburg stand von 1667—1773 unter der Herrschaft der Könige von Dänemark, die aus Oldenburg stammten. Oldenburg wurde 1777 Herzogtum, später Großherzogtum.

(24)    Schleppschute (holl. Trekschuit), ein langes Wasserfahrzeug von geringen Tiefgang, das der Personenbeförderung auf holländischen Kanälen dient und durch Pferde, die auf Treidelpfaden gehen, gezogen wird.

(25)    Gustavianische Familie: Gemeint ist das Herrscherhaus der Wasas, das unter König Gustav I. die Krone Schwedens 1523 erlangte und sie bis zur Abdankung Königin Christines 1654 behielt. Das Haus Pfalz-Zweibrücken (Wittelsbach), in weiblicher Linie mit den Wasas verwandt, trug die Krone Schwedens von König Karl X. (1654) bis zu Königin Ulrike Eleonores Thronverzicht (1720).

(26)    Venedig: E. Swedenborg hielt sich vom April bis August 1738 hier auf.

(27)    Die Punkte 1—11 enthalten kurze Hinweise auf Träume, die Swedenborg hatte, bevor er anfing, diese aufzuzeichnen.

(28)    Foetus im Mutterleib. Dies wird im Werk „Oeconomia Regni Animalis“, Band I, Nr. 272 behandelt.

(29)    Broocman (Brokman), Karl Friedrich (1709—1761), zu seiner Zeit ein bekannter Buchdrucker in Norrköping und Verfasser eines kulturgeschichtlichen Werkes über Ostgotland.

(30)    Broman, Erland (1704—1757), Hofmarschall, später Freiherr von, Präsident des Handelskollegiums (Handelsministeriums) und besonderer Günstling König Friedrichs I. Er unterstützte den ehebrecherischen König in seinen zahlreichen Liebesabenteuern und war einer der leichtsinnigsten und korruptesten Beamten. Er heiratete Gräfin Wilhelmine Taube, eine Schwester Hedwig Ulrike Taubes. Swedenborg erwähnt ihn in Nr. 5492—95 des "Geistigen Tagebuchs."

(31)    Königin: Es ist fraglich, ob damit Königin Ulrike Eleonore, die Schwester Karl X. und Gemahlin Friedrichs I., gemeint ist. Sie wurde geboren am 23.1.1688, war Regentin von 1713—1714, wurde 1715 die zweite Frau des Landgrafen Friedrich von Hessen-Kassel, Königin vom 21. 2. 1719 bis 29.2.1720, entsagte der Krone zu Gunsten ihres Gemahls und starb am 24.11.1741. Als Swedenborg vom 24./25.3.1744 von der "Königin" träumte, war sie bereits seit zweieinhalb Jahren gestorben.

(32)    Überock = Surtout

(33)    Maitresse: Gemeint ist wahrscheinlich Gräfin Hedwig Ulrike Taube, die bedeutendste Geliebte König Friedrichs I.

(34)    Dr. Hesselius, Johann (1687—1752), ein bedeutender Botaniker und Arzt, Assessor am Medizinischen Ratskollegium, Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er begleitete Swedenborg 1721 auf einer Reise nach Holland; als Sohn des Anders Hesselius und der Maria Bergia wurde Dr. Hesselius ein Vetter Swedenborgs, da Bischof Jesper Swedberg in zweiter Ehe Sarah, die Schwester der Maria Bergia, heiratete.

(35)    Lungenschlagader = Arteria pulmonaria. Swedenborg bereitete den 2. Teil seines Werkes "Regnum Animale" für den Druck vor, in dem von der Lunge und den mit ihr verbundenen Organen gehandelt wird.

(36)    „Jesus är min vän then büste“ findet sich unter Nr. 245 im Gesangbuch Jesper Swedbergs vom Jahre 1695. Die Interlinearübersetzung lautet:

1. Jesus är min vän then bäste — Jesus ist mein Freund der Beste

Hvilkens like aidrig är — Seinesgleichen niemals ist

Skai jag ta är med da fleste — Soll ich dann, so wie die meisten

Öfvergifva honom här? — Verlassen Ihn hier?

Ingen skai migh kunna skilja — Keiner wird mich können trennen

Ifran then, migh haar sa kur — Von dem, (der) mich hat so lieb

En skai wara bägges wiije — Eins wird werden (unser) beider Wille

Ailtid här och ewigt ther — Immer hier und ewig dort.

 

2. Han haar döden für migh lidit — Er hat den Tod für mich erlitten

Engen skai fördöma migh — Keiner wird verdammen mich

Hos sind Fader för migh bidit — Bei Seinem Vater für mich bittet

Thet migh gagnar ewiglig — Dies mir dienet ewiglich

Ho är ta som wil förklaga — Wer ist dann, der (mich) will verklagen

Then han sjelf uthkorat haar? — Den er selbst erkoren hat?

Ho wil ifran honom draga — Wer will von Ihm mich wegziehen

Then han haar i sitt förswar? — Den Er hat in Seiner Verteidigung?

 

3. Jagh är wiss, och ther pa liter — Ich bin gewiß und darauf vertraue ich

Hwarken lifvet eher dödh — Weder das Leben noch der Tod

migh ifran min Jesus sliter — Mich von meinem Jesus hinwegziehen

Anglar, höghet eher nödh — Engel, Hoheit oder Not

Djuphet eher annat mera — Niedrigkeit oder anderes mehr

Ware kommand eher när — Sei (erst) kommend oder nahe

Skai migh fran kärlek föra — Wird mich von Gottes Liebe hinwegführen

Som i Jesu Christi är — Die in Jesus Christus ist.

(37)    Des Paulus Brief an die Römer 5,5 lautet: "Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist."

(38)    Kreisbewegungen, Umkreisungen = Circuitioner

(39)    Eingeführt = Inaugurerades

(40)    Jakobit: Dieses Wort dürfte sich auf die Begleiter oder Schüler des Apostels Jakobus beziehen, der in seinem Brief auf die Notwendigkeit der Nächstenliebe und der guten Werke hinweist; Jakobiner, als Mitglieder des Dominikanerordens, dürften kaum gemeint sein.

(41)    Mystische Aufeinanderfolge (Reihenfolge) = Series mystica.

(42). Glücksempfinden (Glücksgefühl) = Délice.

(43)    Diese geistige Erfahrung war für Swedenborg besonders wichtig und eindrucksvoll; deshalb steht in der Handschrift dreimal NB. NB. NB.

(44)    Heuschrecken: Swedenborg bezieht sich hier auf die Stelle im 2. Buch Mose, 10,13: "Mose reckte seine Hand über Ägyptenland, und der Herr führte einen Ostwind ins Land, den ganzen Tag und des Morgens führte der Ostwind Heuschrecken hr."

(45)    Der Herr verstockte Pharaos Herz: 2. Mose 10,20; 7,13, und andernorts.

(46)    trügen = fallaces

(47)    Die eigentliche Wahrheit = „Ipsa veritas“

(48)    Delft (Delpht): die erste Berufungsvision ereignete sich demnach in der Nacht vom 6. auf den 7. April 1744 in Delft.

(49)    Gesundheitspaß: Ein von einer Seefahrtsbehörde ausgefertigtes Zeugnis, daß im Ausgangshafen eines Schiffes und unter seiner Mannschaft keine ansteckenden Krankheiten festgestellt wurden. Da der Herr danach fragte, ist klar, daß keine körperliche Krankheit gemeint war, sondern eine solche der Seele, genauer: die Krankheit der Sünde.

(50)    Mein Vater: Jesper Swedberg (20.8.1653 — 20.7.1735), Bischof von Westgotland (Västergötland) in Skara. Er war enttäuscht darüber, daß sich sein Sohn Emanuel nicht dem geistlichen Stand zugewandt hatte.

(51)    Halbärmel = Lösärmar, waren abnehmbare Ärmel, die vom Handgelenk bis zum Ellbogen reichten.

(52)    50 Personen; vorher 30 Personen, Swedenborg änderte die Zahl von 30 auf 50.

(53)    Stellungnahme = Votum

(54)    Niedrigkeit Tiefe, noch anderes mehr... dies ist die 5. und 6. Zeile des 3. Verses im Lied "Jesus ist mein Freund der beste."

(55)    Louis d‘or, eine französische Goldmünze von 11/10 Feinheit, 9,79 g schwer zu 24 Livres. Die Inschrift lautete "Christus regnat vincit imperat." Vermutlich meint aber Swedenborg einen Dukaten, da Louis d‘or in Schweden nicht in Umlauf waren.

(56)    Überfluß: Swedenborgs Freund in Amsterdam, Cuno, schätzte Swedenborgs Jahreseinkommen auf 10.000 holländische Gulden. Die damalige Kaufkraft war um ein Vielfaches größer als heute (Documents II,447).

(57)    Bäheres oder entfernteres Mittel = Medium proximum eller remotum.

(58)    Swab-Swaben, gemeint ist sehr wahrscheinlich Anders Swab (1681— 1731), Sohn des Anton Swab von Fa(h)lun und der Helena Bergia. Anders Swab war Bergwerksdirektor der Provinz Dalarna und war mit Elisabeth Brink, der Witwe von Elieser Swedenborg, einem jüngeren Bruder Emanuels, verheiratet. In Nr. 5042 des "Geistigen Tagebuchs" beschreibt Swedenborg Anders Swab als sehr bösen Charakters.

(59)    "Ich armer sündhafter Mensch" sind die Eröffnungsworte der Messe oder Beichte in der alten schwedischen Liturgie von 1697, Seite 1020; sie wurden auch in alle späteren Liturgien der schwedischen lutherischen Kirche aufgenommen.

(60)    Geschlechtsakt = in ipso actu

(61)    Wohlbehagen = Amoenitas extrema

(62)    seine Schuhe ausziehen mußte: 2. Mose 3,5 lautet: "Tritt nicht herzu, ziehe deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land!"

(63)    Wenn die Füße gewaschen sind; Johannes 13, 9—10 lautet: "Spricht zu Ihm Simon Petrus: ‚Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt Spricht zu ihm Jesus: ‚Wer gewaschen ist, der bedarf nichts, als die Füße zu waschen, dann ist er ganz rein‘."

(64)    In der moralischen Welt = seu mundo morali

(65)    Endziel = finis ultimus

(66)    Zustand innerer Freude = statu jucunditatis internae

(67)    Leitsatz, Lebensgrundsatz = Symbolum

(68)    das Wesentliche oder Notwendige = substantialia essentialia

(69)    Nierendrüse = glandula renalis

(70)    Schwester Cajsa, ein Kosename für Katharina (1693—1770), eine jüngere Schwester Swedenborgs, das 7. Kind ihrer Eltern. Sie war mit dem Dekan Jonas Unge von Lidköping vermählt, dem sie neun Kinder gebar.

(71)    Unsere Mutter: Sarah Swedberg, geb. Behm, geb. 1663, vermählt 1683, gestorben 17. 6. 1696. Tochter des Bergassessors Albrecht Behm. Sie gebar dem Bischof Jesper Swedberg neun Kinder.

(72)    Schwedische Mark, eine alte Silbermünze, bis 1800 in Umlauf; sie wurde in 16 Schilling (Skilling) eingeteilt; ihr ursprünglicher Wert betrug 0,23 Dollar = 6,4 g Silber.

(73)    Atmen der Lunge = Pulmonum respiratio, behandelt im "Regnum Animale", 2. Band, Nr. 41.

(74)    Schwester Hedwig: Hedwig Swedenborg (1690—1728), das 4. Kind von Bischof Jesper und seiner Frau Sarah; sie war verheiratet mit Assessor Lars Benzelstjerna, einem späteren Landeshauptmann (Landshöfding), dem sie sechs Kinder gebar, darunter Lars Benzelstjerna jun., dem späteren Bischof von Westeräs (Västeras).

(75)    "Oeconomiam animalem" Vermutlich handelt es sich um den nicht gedruckten 3. Teil des Werkes "De oeconomia regni animalis". Die beiden ersten Teile wurden 1740—41 in Amsterdam gedruckt.

(76)    Arckenholtz, Johann (1695—1777), schwedischer Politiker und Geschichtsschreiber, bekannt durch seine Sammlung von Urkunden über Königin Christine (1626—1689). Er war Wortführer der Partei der "Mützen", die eine rußlandfreundliche Politik befürworteten. Er widersetzte sich der Kriegserklärung an Rußland (1741) und wurde zu Festungshaft verurteilt, gelangte aber nach dem für Schweden unglücklich verlaufenen Krieg wieder an die Macht. Die Partei der "Hüte", vernehmlich Anhänger der Aristokraten, befürworteten ein Bündnis mit Frankreich, die Partei der "Mützen" (vornehmlich Demokraten) eine enge Zusammenarbeit mit Rußland. A. war Swedenborgs persönlicher Freund, der jedoch wußte, daß Parteigänger der "Hüte" Bestechungsgelder von Frankreich, die der "Mützen" von Rußland annahmen; er gehörte daher weder zur einen noch zur anderen Partei.

(77)    In der Politik = in politicis

(78)    Dr. Moraeus, Swedenborgs Vetter, war dessen frühester Hauslehrer (Instruktor). Die Mutter von Dr. Moraeus war Barbro (Barbara), eine Schwester Jesper Swedbergs. Nach dem Tode seines Vaters wurde Moraeus im Hause des Bischofs Jesper Swedberg aufgenommen. Später wurde er ein bekannter Arzt in Fa(h)lun, wo er das Gut "Sweden", den Besitz seiner Vorfahren, bewohnte. Er starb 1742. Seine Tochter Sarah Elisabeth heiratete den bedeutenden Botaniker Karl v. Linné. Im Geistigen Tagebuch Nr. 4717 schreibt Swedenborg, daß er ein guter Mann war und unter die Seligen aufgenommen wurde. E. Swedenborgs Handschrift ist an dieser Stelle etwas undeutlich, weshalb andere Herausgeber Dr. Moraeus übertragen; diese Lesung dürfte aber unrichtig sein.

(79)    Verzücktes Leben = vita exstatica

(80)    Leben der Freude = vita gaudii

(81)    Geistesarbeit = ouvrage d‘esprit

(82)    Gyllenborg, Henning (1713—1775), Politiker und Diplomat, wurde schon mit 25 Jahren in den Geheimen Ausschuß gewählt, wurde Führer der Partei der "Hüte" und 1751 Landmarschall (Staatskanzler) und zeichnete sich durch Beredsamkeit aus. Nach heutigem Sprachgebrauch verkörperten die "Hüte" die politische Rechte, die "Mützen" eine gemäßigte Linke. Die französisch gesinnten "Hüte" wollten die im Nordischen Krieg (1700—1721) an Rußland verlorenen Gebiete (Wiborg und Karelien) zurückgewinnen, verloren aber im Kriege von 1741—43 weitere Teile im Südosten Finnlands. Swedenborg war mit verschiedenen Mitgliedern des Hauses Gyllenborg befreundet.

(83)    Nicolaus Nicolai; seine Person ist geschichtlich nicht einwandfrei erwiesen; es ist sehr zweifelhaft, ob der in Apostelgeschichte 6,5 genannte Gründer der Nikolaiten darunter zu verstehen ist. Die Angaben passen eher auf den altgriechischen Geschichtsschreiber Nicolaus Damascenus, der zur Zeit des Augustus in Rom wirkte.

84)     Preis, Joachim Friedrich (1667—1759), Außerordentlicher Gesandter im Haag (Holland). Swedenborg traf Preis erstmals 1713 während der Friedensverhandlungen in Utrecht und besuchte ihn nachher auf jeder seiner Reisen nach Holland. 1895 wurden vier Briefe Swedenborgs an Preis aus den Jahren l721—45 entdeckt; im letzten Brief schreibt Swedenborg: "Da ich während meines Aufenthaltes im Haag die Ehre hatte, Ihnen die beiden ersten Teile meines "Regnum Animale" zu senden, habe ich nun die angenehme Pflicht, Ihnen auch den dritten Teil zu senden und gleichzeitig den 1. Teil meiner kurzen Abhandlung "De Cultu et Amore Die" und bitte Sie, auf diese Ihren Blick zu werfen, besonders auf den letzten Teil "De Amore Primoge netis"." Swedenborg schätzte Preis sehr hoch, und Graf Tessin schildert letzteren als geistreichen gebildeten, fleißigen und ehrenhaften Mann, der der Krone Schwedens treu ergeben war.

(85)    Pombo (Pambo), Johann Gottlieb, war im Jahre 1744 Pastor der deutschen lutherischen Gemeinde im Haag. In alten Kirchenverzeichnissen sind die Namen derer verzeichnet, die das Hl. Abendmahl nahmen. Im Jahre 1914 wurde in einem derselben folgende Eintragung entdeckt: "d. H. Emanuel Swedenborg, Assessor im Bergwerk collegie in Schweden."

(86)    Swedenborgs Taschenuhr: Man vergleiche den Bericht in den Doc. II-609, über die beiden Juden, die Swedenborg in London seine Taschenuhr stahlen.

(87)    Leintücher = Stratis lamellatis

(88)    Hund des Tobias. Die Stelle im apokryphen Buch Tobias 6,1 lautet: "Und Tobias zog seines Weges und ein Hund folgte ihm; und in der ersten Tagesreise kamen sie an den Fluß Tigris."

(89)    König, Christian (1678—1762), Landrichter in Dalarne und Westmanland (Västmanland), wurde durch sein elfbändiges Werk "Lärdomsöfningar" (1745—52) bekannt.

(90)    Winbom, Anders (1687—1745). Professor der Moraltheologie an der Universität Uppsala, ein begabter und beliebter Lehrer. Swedenborg lernte ihn vielleicht in Skara kennen, oder an den Reichstagen der Jahre 1741 und 43 in Stockholm.

(91)    FEHLT !!!

(92)    Größere oder kleinere Wahrscheinlichkeit = Probatio majoris eller mi noris. Eine Zeile vorher wird das Wort probabiliter in ähnlicher Bedeutung verwendet.

(93)    Es ist unklar, auf weiche Schlacht diese Steile Bezug nimmt, vielleicht ist eine geschichtlich weniger bekannte Schlacht gemeint.

(94)    Die siegreiche zweite Schlacht dürfte sich auf die Schlacht vom 19.7.1702 bei Klissow beziehen, in der das sächsisch-polnische Heer von den Schweden besiegt wurde.

(95)    Nebengedanken = Nefwentankar, ein Wort, das aus dem deutschen "neben" und dem schwedischen "tanckar" zusammengesetzt ist. In Nr. 484 des Geistigen Tagebuchs schreibt er: "Denn es wurde mir ein zweifaches Denken gegeben, ein inwendigstes und ein inneres; daher konnte ich, während ich im Verkehr mit bösen Geistern stand, auch mit guten Geistern Umgang haben und dadurch inne werden, wie die Geister beschaffen waren, welche mich zu führen begehrten, und das sehr häufig mit einer Wahrnehmung. Ohne diese Wahrnehmung, nämlich, daß ich mich im Verkehr mir bösen Geistern befinde und es daher diese Geister waren, die in mir dachten und fühlten, hätte ich nicht anders wissen können, als daß ich selbst so beschaffen sei und solche Gedanken hege" (17. Januar 1748).

(96)    Neigungen (Überredungen) = Persuasioner

(97)    Interiorescit, integratur = aus dem Inneren erneuert oder "er wird verinnerlicht, er wird vervollkommnet".

(98)    Sacrarium et sanctuarium = Kapelle und Heiligtum; mit Sacrarium wird auch der Aufbewahrungsort der im Gottesdienst verwendeten Geräte be zeichnet, während sanctuarium vielfach den Hochaltar bezeichnet.

(99)    ausgezeichnet (vortrefflich) = en merveille

(100)  im Samenerguß = in projectione seminis

(101)  In gebrochenem Französisch: Karl XII. widersetzte sich schon in seiner Jugend der Forderung, Französisch, die Sprache der Gebildeten und der Diplomaten, zu erlernen; er bezeichnete Französisch als "Sprache der Affen" und verlangte, daß alle Botschafter und Gesandten mit ihm Schwedisch sprächen.

(102)  Gerettet wurde = sauverades

(103)  Karoliner, eine schwedische Silbermünze im Wert von 6 schwedischen Mark; sie wurde zwischen 1664 und 1755 geprägt und war bis um 1800 in Umlauf.

(104)  Taler, eine ältere schwed. Silbermünze im Wert von vier Mark Silber:

(105)  Friedrich i., König von Schweden (4.4.1720—5.5.175!), in zweiter Ehe mit Königin Ulrike Eleonore, der Schwester König Kar XII., vermählt. Nach der Thronentsagung seiner Gemahlin wurde er am 4.4.1720 König. Den Nordischen Krieg (1700—21) beendet er durch den Frieden von Nystad, in dem er alle Ostseeprovinzen an Rußland abtreten mußte. Im Krieg von 1741—43 verlor er das südliche und südöstliche Finnland bis zum Kymmane-Fluß an Rußland. Durch seine Faulheit und Sittenlosigkeit wurde er der schlimmste König Schwedens.

(106)  Swab, Anton Antonsson (1702—1768), Bürgermeister von Fa(h)lun, Oberdirektor; seit 1741 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er diente König Friedrich I. als Vermittler in allen Liebesangelegenheiten des ehebrecherischen Königs. Im Geistigen Tagebuch Nr. 5042 schildert Swedenborg Swab als sehr bösen Charakter. Sein Vater war Anton Swab (1681—1731), seine Mutter Christina Arrhusia, welche die dritte Frau Bischof Jesper Swedbergs wurde.

(107)  Elieser Swedberg (1692—1717), ein jüngerer Bruder Emanuel Swedenborgs, starb im Alter von 25 Jahren; er war mit der Witwe Elisabeth Brandt, geb. Brink verheiratet. Die vier Ehemänner Elisabeth Brinks waren: 1. Georg Brandt, 2. Elieser Swedberg, 3. Anders Swab, 4. Johann Bergenstierna.

(108)  beim Essen gütlich getan = curerat pelliculum; ein Zitat aus Horaz,

(109)  Begierde des Fleisches = Opus carnis

(110)  Völlerei = commessationes

(111)  Traurigkeit = chagrin

(112)  Maaslandschute ist offensichtlich das gleiche Wasserfahrzeug wie die in Nr. 24 genannte Schleppschute (Trekschuit).

(113)  1. Mai; der Kalender des Papstes Gregor XIII. (1572—1585) wurde in England erst 1752 eingeführt; der Unterschied zwischen dem Julianischen und Gregorianischen Kalender betrug 12 Tage. Swedenborg verließ den Haag am 13.5.1744 und traf am 16.5.1744 in London ein.

(114)  Jesper Swedberg (geb. 28.8.1694—1771), Emanuels jüngster Bruder, ging in die schwedische Kolonie Nya Sverige in Nordamerika, unterrichtete in Upland, Delaware, wo er eine religiöse Bekehrung erfuhr. 1724 kehrte er nach Schweden zurück und trat als Leutnant in das Heer ein, heiratete Christina Silverswärd und ließ sich in Swedensdahl. Westgotland (Västergöt land), nieder. Er verfaßte ein Buch "Den sista basun öfver Tyksland" (Die letzte Posaune über Deutschland). Von ihm und seiner Frau, die neun Kinder hatten, stammen die heutigen Träger des Namens Swedenborg ab; heutiges Haupt der Familie Swedenborg ist Oberst Valdemar Swedenborg.

(115)  Harwich, in der Handschrift schrieb Swedenborg Harderwijk, eine Universitätsstadt (1648—1811) in Holland, an der viele Schweden studierten. Da er von der Ankunft in England spricht, kann nur Harwich gemeint sein.

(116)  Stüber (styver), eine kleine schwedische Silbermünze im Wert von etwa einer Öre.

(117)  Frömmelei, in der Handschrift steht piestasteri, dürfte richtig pietisteri (Frömmelei) heißen.

(118)  Entwürfe = concept

(119)  Zeichnungen = desseiner

(120)  a priori… posteribus (posteriora) = auf das frühere bzw. spätere (schlechtere) bezogen

(121)  Bergenstierna, Johann (1663—1748). Assessor am Bergwerkskollegium und Amtsbruder E. Swedenborgs. Er heiratete die Witwe von Emanuels Bruder Eliser im Jahre 1735. Swedenborg beschreibt den heuchlerischen Charakter Bergenstiernas im Geistigen Tagebuch Nr. 4351, 4396, 5132 f. und 5711.

(122)  gottesfürchtiger Schuhmacher; gemeint ist der in Worms geborene Johann (John) Seniff, geboren Januar 1688, seit 1744 Kurator der Deutschen Gemeinde der Mährischen Brüder in London; gestorben 2.5.1752. Bei ihm wohnte Swedenborg kurz nach seiner Ankunft in London (16.5.1744) bis er zu Mr. John Paul Brockmer zog. Brockmer war Uhrmacher und Juwelier und wohnte in Salisbury Court, fleet Street.

(123)  Oelreich, Niklas von (1699—1770), 1732 Professor der Philosophie in Lund, Zensor der Presse 1746, Präsident des Handelskollegiums (Handelsministeriums) 1767; einflußreicher Mann in der Partei der "Hüte", nach 1762 in der Partei der "Mützen". Swedenborg stand viele Jahre mit Niklas von Oelreich in vertrautem Umgang und dürfte ihn auf der Reise 1743—44 getroffen haben. In den Jahren 1746—66 befand sich Oelreich in offenem Zwist mit seinen Vorgesetzten im Kanzleikollegium; er galt als einflußreicher Liberaler, war aber streitsüchtig und rücksichtslos.

(124)  die näheren Umstände = particulariteten

(125)  Glückseligkeit, innere Freude, Wohlbehagen = jucunditeten

(126)  Begeisterung = exultation

(127)  Mährische Brüder, richtiger Böhmische und Mährische Brüder, die den Utraquisten (Hussiten) entstammten und sich 1467 von der römisch-katholischen Kirche trennten. Swedenborg besuchte ihre Gottesdienste, die in der Fetter Lane 32 stattfanden; er wurde dort durch Johann (John) Seniff und John Paul Brockmer eingeführt. Im "Arminian Magazine" berichtet John Wesley, daß sich der Baron (Swedenborg) im Hause John Paul Brockmers vorbildlich verhielt und jeden Sonntag zum Gottesdienst der Mährischen Brüder in der Fetter Lane begab. Siehe Doc. 11-587.

(128)  wiederholte = itererade

(129)  geprüft, überlegt = delibererades

(130)  Benzelius, Erich (Erik), der jüngere (1675—1743), wurde 1702 Universitätsbibliothekar in Uppsala, 1723 Professor der Theologie, 1726 Bischof in Gothenburg (Göteborg), 1731 Bischof in Linköping, 1742 Erzbischof von Schweden und starb am 23.9.1743. Er vermählte sich am 16.6.1703 mit Anna Swedberg, Swedenborgs ältester Schwester. Er war Swedenborgs Berater und Freund.

(131)  Innere Wahrnehmungen = veritates de sensationibus internis

(132   Ankündigung = annunciation

(133)  In ununterbrochenem Liebesrausch = continuo Oestro amoris

(134)  Wahrnehmungen im allgemeinen = sensibus in genere

(135)  Wirkung der Seelenkräfte = operationi facultatum

(136)  Dinge der Wissenschaft = objecta scient

(137)  Jacke (Wams) = tröja

(138)  Unterkunft = logement

(139)  Behm, Brita (1670—1755), war seit 1694 mit Johann Schwede, Professor an der Universität Uppsala, verheiratet; verwitwet seit 1697. Sie war die jüngere Schwester von Sarah Behm und somit Swedenborgs Tante. Gemeinsam mit Swedenborg besaß sie das Gut Axmar in Gästrikland, und Swedenborg war einige Male genötigt, mit ihr zu prozessieren. Sie war streitsüchtig, und erst in vorgerückteren Jahren war sie ihrem Neffen gegenüber freundlicher gesinnt.

(140)  Sweden (Schwede), Johann, Gemahl der Brita Behm; starb 1697.

(141)  Rosenadler: eine Tochter Brita Schwedes, geb. Behm, Eva Schwede, vermählte sich 1714 mit Johann Upmark, geadelt unter dem Namen Rosenadler. Ihre beiden Söhne, Johann Adrian und Karl Albrecht, sind die zwei genannten Rosenadler; sie waren somit Swedenborgs Neffen.

(142)  Graf Horn, Arvid Bernhard (1664—1742), bedeutender schwedischer Staatsmann; 1704 Generalleutnant, nahm am Nordischen Krieg teil; schwedischer Gesandter in Warschau, 1705 königlicher Rat, 1706 in den Grafenstand erhoben, 1710 Kanzleipräsident (Ministerpräsident); nach dem Tode König Kar XII. trug er wesentlich zur Schaffung der neuen freiheitlicheren Verfassung bei und verfolgte eine Friedenspolitik in den Jahren 1720—1738, als er der wahre Regent Schwedens war. Als die französisch gesinnten "Hüte" Einfluß gewannen und einen von Frankreich befürworteten Krieg gegen Rußland vorbereiteten, zog er sich 1738 von der Politik zurück. Er starb noch während des von Schweden unglücklich geführten Krieges im Jahre 1742. In seiner Bibliothek befanden sich einige frühere Werke Swedenborgs.

(143)  Innere Sinne (Wahrnehmungen) und das Gehirn = sensibus internis och cerebro. Swedenborgs Arbeit über das Gehirn enthält von Nr. 148 an einen Abschnitt über die Seele; Band VI, Seiten 81-83; vgl. Doc. 11-200.

(144)  Huß (Hus), Johann (1369—6.7.1415), wurde 1393 Bakkalaureus der Künste, 1394 der Theologie, 1396 Magister, hielt seit 1398 Vorlesungen an der Universität Prag, wurde 1402 Prediger, studierte die Lehren Wicliff‘s, wurde am 18. 7. 1410 exkommuniziert. Am 1.9.1414 nahm Huß die Einladung an, zum Konzil nach Konstanz zu reisen und erhielt am 18.10. einen Geleitbrief des Kaisers Sigismund (Dynastie Luxemburg), wurde am 28.11.1414 verhaftet, zum Feuertod verurteilt und am 6.7.1415 auf dem Brühl zu Konstanz verbrannt.

(145)  Sinne = sensibus

(146)  Assessor Brenner?. Dieser Name ist unbegründet, da ein Assessor Brenner nicht nachgewiesen werden konnte.

(147)  Der malpighische Körper = corpus reticulare Malpighi. Swedenborg behandelt ihn im "Regnum Animale", III. Band. Malpighi, Marcello (1628—1694), Professor der Medizin in Bologna, Pisa und Messina, 1691 Leibarzt des Papstes Innocenz XII., Schöpfer der mikroskopischen Anatomie, Verfasser medizinischer Werke.

(148)  Fußsohlen = plantae pedis

(149)  Landwein = schwedischer Landwein, wird aus gereinigten Schlüsselblumen, Quellwasser, Hefe, Zucker und Zitronen bereitet.

(150)  Weinglas (Römer) = remmare

(151)  Andere lesen hier „böse“; die schwedischen Wörter können als "andre" oder "onde" (böse) gelesen werden.

(152)  Dideron, Johann Friedrich (1686—1747), Freiherr von, Oberst aus französischer Familie, 1746 Generalleutnant; gehörte dem Kreis um Friedrich I. an; zuerst Gegner von Graf Horns Politik, später Gegner der Politik der "Hüte".

(153)  König von Frankreich: Ludwig XV. (1715—1774); König von Polen: August III. (1733—1763) von Sachsen.

(154)  Tastsinn = sensus tactus

(155)  Heiligtum = sanctuarium; bezieht sich auf den Traum von Leyden in der Nacht vom 23. auf den 24. April.

(156)  König von Preußen: Friedrich II. (der Große), 1740—1786.

(157)  König von Frankreich: Ludwig XV.

(158)  Unsterblich = immortale

(159)  Organische Formen = formis organicis

(160)  Endzweck = ratio causae, finis

(161)  Lebensliebe = amoribus, kann auch Liebe, fleischliche Begierde heißen.

(162)  Glückseligkeit = beatitudinem

(163)  Korah und Dathan, zwei Israeliten, die sich mit Abiram gegen Mose empörten und mit all den Ihren, insgesamt 250 Personen, von der Erde verschlungen wurden (4. Mose 16, 30-35).

 (164)  Opfern auf Räucherpfannen; 4. Mose 16,16-20.

 (165)  Gefahr = fahra

 (166)  Von der Anbetung Gottes und der Liebe zu Ihm" = De Cultu et Amore Dei, London 1745.

 (167)  Werkzeug = medium

 (168)  Buhlerische Liebe = a meretricius

 (169)  Zar Peter von Rußland: es ist fraglich, ob Peter I. (1689—1725) oder Peter II. (1727—1730) gemeint ist.

 (170) Niederlage = clades

 (171)  Sekretär Bierchenius, Hans (1691—1750), Assessor im Bergwerkskollegium, Amtsbruder und Freund Swedenborgs. Im Geistigen Tagebuch, Nr. 4717, beschreibt Swedenborg den glücklichen Zustand und das schöne Aussehen des Freundes in der anderen Welt.

 (172)  Reich der Unschuld = Regnum Innocentiae

 (173)  Lagerberg, Sven (1672—1746), Reichsrat, Graf von; Veteran Karls XII., Staatskanzler, Reichsrat. Er nahm an allen Feldzügen Karls XII. teil. Man hielt ihn Für maßvoll und rechtschaffen; er gehörte deshalb zu den achtunggebietenden Persönlichkeiten der Freiheitszeit.

 (174)  Ehrenpreus, Karl Dietrich (1692—1760), Graf von, Jurist, Staatsmann, wurde zu den fähigsten und verläßlichsten Parteigängern der Partei der "Hüte" gerechnet, 1739 vom Hofgerichtsrat zum Reichsrat befördert. Sowohl Lagerberg als Ehrenpreus werden im "Geistigen Tagebuch" als Ehebrecher beschrieben und befinden sich unter den Höllischen.

 (175)  Zu meinen Lasten = depense

 (176)  Gerede = parlage

 (177)  Adlersteen, Ulrika (1694—1757) Freiin von, Kindheitsgespielin Emanuel Swedenborgs, Tochter des Freiherrn Göran Adlersteen; Hofmeisterin bei der Prinzessin Sophia Albertina; vermählte sich mit Albert Schönström, dessen Vater, Peter Swedberg, ein Bruder Jesper Swedbergs war. Sie war die Ehefrau von Swedenborgs Vetter; Doc. 1-85.

 (178)  Schönström, Albrecht (1684—1740), 1719 Major, 1731 Oberstleutnant, Gemahl der Ulrika Adlersteen. Als Swedenborg den Traum vom 9. auf den 10. Oktober 1744 hatte, war Schönström bereits seit drei oder vier Jahren verstorben.

 (179)  Bazett (Bassett), ein Kartenspiel, das im 18. Jahrhundert sehr beliebt war. Es ist ein mit französischen Karten zu spielendes Hasardspiel, das verboten wurde und heute kaum mehr gespielt wird; es stammte aus Venedig.

(180)  Mährische Kirche = die Kirche der Böhmisch-Mährischen Brüder (vgl. Anm. Nr. 127).

 (181)  Vorgefaßtes Urteil (Meinung) = praeconcepta judicia

 (182)  Medizinisches Kolleg; Swedenborg meint sehr wahrscheinlich Surgeon‘s Hall, das Haus der Feldschern und Chirurgen in der Monkwell Street, Lincoln‘s Inn Fields.

 (183)  König von Frankreich; dies wäre Ludwig XV. gewesen (1715—1774), der weder schlicht in seiner Kleidung noch bescheiden in seinem Auftreten war. Es ist daher sehr fraglich, ob Swedenborg wirklich ihn meinte, ja ob überhaupt ein König von Frankreich gemeint war.

 (184)  Disting; der uralte Februarmarkt in Uppsala, der auf die heidnische Zeit zurückgeht, in der Gamla Uppsala bei Uppsala das religiöse Zentrum Schwedens gewesen war. Dies ist der Ausdruck für eine weibliche Gottheit; zur Zeit des Marktes wurde auch das Thing gehalten; daher das disting. Dieser Markt wurde erst 1895 abgeschafft.

 (185)  Ohnmacht = deliquium; dies bezieht sich auf Swedenborgs Besuch in Amsterdam vom 17—20. August 1736. Er beendete das Werk "Oeconomia Regni animalis" bei seinem nächsten Besuch in Amsterdam am 27.12.1739.

 (186)  Ohnmacht = deliquium; dies bezieht sich auf Swedenborgs Besuch in Amsterdam vom 17—20. August 1736. Er beendete das Werk "Oeconomia Regni animalis" bei seinem nächsten Besuch in Amsterdam am 27.12.1739.

 (187)  Scharfblick = penetration

(188)  entkleidete = decouvrerade



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[VH-LIF / 2009]