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 Himmel und Hoelle html  1.01MB  Emanuel Swedenborg a.D. *1688 - 1772     

Himmel und Hölle



Emanuel Swedenborg

Himmel und Hölle





Das Original von 1758:

DE COELO ET EJUS MIRABILIBUS,

ET DE INFERNO EXAUDITIS ET VISIS.

Aus dem Lateinischen von Friedemann Horn.

*



DER HIMMEL

 

Vorbemerkung des Verfassers

*1.    Als der Herr zu den Jüngern von der „Vollendung des Zeitlaufs“, der letzten Zeit der Kirche, sprach, führte er am Ende der Vorhersagen über ihre aufeinanderfolgenden Zu­stände im Hinblick auf Liebe und Glaube aus:

„Bald aber nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne sich ver­finstern und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Him­mels werden erschüttert werden. Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und es werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels in großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auser­wählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum anderen“ (Matth.24,29 31)

Wer diese Worte nur ihrem buchstäblichen Sinn nach ver­steht, muß annehmen, daß in der Endzeit, die auch das letzte Gericht genannt wird, alle diese Dinge buchstäblich gesche­hen würden, daß also nicht nur Sonne und Mond sich tatsäch­lich verfinstern und die Sterne vom Himmel fallen werden, daß das Zeichen des Herrn am Himmel erscheinen wird und man ihn in den Wolken und zugleich Engel mit Posaunen sehen werde, sondern auch, daß — nach den anderweitigen Vorher­sagen — die ganze sichtbare Welt vergehen und dann ein neuer Himmel samt einer neuen Erde entstehen werde. Das ist heut­zutage die herrschende Meinung innerhalb der Kirche.

Wer aber so glaubt, weiß nichts von den Geheimnissen, die im Einzelnen des Wortes verborgen liegen; Denn jede Ein­zelheit des Wortes hat einen inneren Sinn, in dem es nicht um natürliche und weltliche Dinge geht, wie im Buchstabensinn, sondern um geistige und himmlische Dinge. Und zwar gilt dies nicht nur vom Sinn zusammenhängender Sätze, sondern auch von jedem einzelnen Wort. Das Göttliche Wort ist näm­lich in lauter Entsprechungen verfaßt worden, damit jede Ein­zelheit einen inneren Sinn enthalte. Wie dieser Sinn beschaf­fen ist, kann man aus all dem entnehmen, was darüber in den „Himmlischen Geheimnissen“ zusammengestellt wurde.

In gleicher Weise ist auch zu verstehen, was der Herr in der oben angeführten Stelle von seiner Ankunft in den Wolken des Himmels gesagt hat. Durch die Sonnen die verfinstert wer­den soll, wird der Herr hinsichtlich der Liebe bezeichnet. Durch den Mond der Herr hinsichtlich des Glaubens. Durch die Sterne die Erkenntnisse des Guten und Wahren oder der Liebe und des Glaubens. Durch das Zeichen des Menschensohnes am Himmel die Erscheinung des Göttlich Wahren. Durch die Geschlechter der Erde, welche heulen werden, alle Dinge des Wahren und Guten oder des Glaubens und der Liebe. Durch die Ankunft des Herrn in den Wolken des Him­mels mit großer Kraft und Herrlichkeit seine Gegenwart im Wort und die Offenbarung. Die Wolken bezeichnen den buchstäblichen Sinn des Wortes und die Herrlichkeit den in­neren Sinn des Wortes. Die Engel mit der hellen Posaune den Himmel, aus dem das Göttlich Wahre herniedersteigt.

Das alles sollte ersichtlich machen, was unter den ange­führten Worten des Herrn zu verstehen ist: Am Ende der Kir­che, wenn keine Liebe und darum auch kein Glaube mehr vor­handen ist, wird der Herr das Wort nach seinem inneren Sinn aufschließen und die Geheimnisse des Himmels offenbaren. Die Geheimnisse, die nachstehend geoffenbart werden, be­treffen den Himmel und die Hölle ebenso wie auch das Leben des Menschen nach dem Tode. Der Mensch der Kirche weiß heutzutage kaum etwas über Himmel und Hölle, sowie über sein Leben nach dem Tode, obwohl sich alles im Worte Gottes beschrieben findet. Viele, die innerhalb der Kirche geboren wurden, leugnen diese Dinge sogar, indem sie bei sich sagen: „Wer ist von dort zurückgekommen und hat davon berichten können?“ Damit nun ein solches Leugnen, wie es besonders bei Gebildeten herrscht, nicht auch jene anstecke und ver­derbe, die einfältigen Herzens und Glaubens sind, wurde mir verliehen, mit den Engeln zusammen zu sein und mit ihnen zu reden, wie ein Mensch mit dem andern. Ebenso durfte ich auch (und nun schon während über 13 Jahren) Dinge sehen, die sich in den Himmeln und Höllen finden, und nach dem Gesehenen und Gehörten beschreiben — in der Hoffnung, daß so die Unkenntnis aufgeklärt und der Unglaube zerstreut werde. Eine solche unmittelbare Offenbarung findet heutzu­tage statt; unter ihr ist die Ankunft des Herrn zu verstehen.

*



Der Herr ist der Gott des Himmels.

*2. Zuerst muß man wissen, wer der Gott des Himmels ist, weil davon alles übrige abhängt. Im ganzen Himmel wird außer dem Herrn niemand als Gott des Himmels anerkannt. Man sagt dort, wie er selbst gelehrt hat, daß er einer sei mit dem Vater, und daß wer ihn sieht, den Vater sehe, daß der Vater in ihm und er im Vater sei; daß alles Heilige aus ihm hervorgehe (Joh. 10,30. 38; 14,10f; 16,13 15). Ich sprach hierüber öfters mit den Engeln, und sie sagten beharrlich, man könne im Himmel das Göttliche nicht in drei (Personen) un­terscheiden, weil man dort weiß und wahrnimmt, daß da Göttliche eines ist, und zwar im Herrn. Die Engel sagten auch, daß Mitglieder der Kirche, die von der Welt herkommen, nicht in den Himmel aufgenommen werden können, wenn sich bei ihnen die Idee von drei göttlichen Personen findet, weil ihr Denken von einem zum anderen hin und her irrt und es im Himmel nicht erlaubt ist, an drei zu denken und dabei doch nur einen zu nennen. Im Himmel redet nämlich ein jeder aus dem Denken; denn dort ist das Reden Angelegenheit des Denkens selbst oder ein redendes Denken. Deshalb können jene nicht aufgenommen werden, die in der Welt das Göttli­che in drei geschieden haben und die sich von jedem der drei eine besondere Vorstellung gemacht und diese nicht auf den Herrn konzentriert und in ihm zusammengefaßt haben. Denn im Himmel findet eine Kommunikation aller Gedanken statt. Würde deshalb jemand dorthin kommen, der drei denkt und einen ausspricht, würde man ihn sogleich erkennen und ausstoßen. Man muß jedoch wissen, daß alle, die nicht das Wahre vom Guten oder den Glauben von der Liebe getrennt hatten, im anderen Leben nach einer entsprechenden Beleh­rung die himmlische Idee vom Herrn als dem Gott des Alls annehmen. Anders verhält es sich bei denen, die den Glauben vom Leben getrennt, d. h. die nicht nach den Vorschriften wahren Glaubens gelebt hatten.

*3.     Diejenigen in der Kirche, die den Herrn Jesus Christus geleugnet und nur den Vater anerkannt und sich in solchem Glauben bestärkt hatten, sind außerhalb des Himmels; und da sie keinerlei Einfluß aus dem Himmel erreicht, in dem al­lein der Herr angebetet wird, werden sie stufenweise des Ver­mögens beraubt, über irgendetwas Wahres nachzudenken. Schließlich werden sie wie stumm oder reden albern und wanken beim Gehen, während ihre Arme herabbaumeln und hin und her schwanken, als hätten sie keine Kraft in den Ge­lenken. Jene aber, die das Göttliche geleugnet und ihn nur als Menschen anerkannt hatten, wie die Sozinianer, befinden sich ebenfalls außerhalb des Himmels. Sie werden nach vorn gebracht, ein wenig nach rechts, und in die Tiefe hinabgelas­sen. So werden sie ganz und gar von den übrigen aus der Chri­stenheit abgesondert. Manche reden von einem Unschaubar-­Göttlichen, nennen es das Seiende des Alls, aus dem alles ent­standen sei, und behaupten, daran zu glauben, verweigern aber den Glauben an den Herrn. Diese werden überführt, überhaupt nichts zu glauben; denn von einem unschaubaren Göttlichen als erster Ursache der Natur kann es kein gedankliches Bild geben, also ist auch kein Glaube möglich und keine Liebe dazu. Solche Geister werden unter die sogenannten Naturalisten verwiesen. Anders ergeht es denen, die außer­halb der Kirche geboren sind, den Heiden. Von ihnen wird im Folgenden die Rede sein.

*4. Alle Kinder, aus denen ein Drittel des Himmels besteht, werden zuerst in die Anerkennung und in den Glauben ein­geführt, daß der Herr ihr Vater ist, und nachher, daß er der Herr über alle, folglich der Gott des Himmels und der Erde ist. Im Folgenden wird man sehen, wie die Kinder in den Him­meln heranwachsen und durch Erkenntnisse bis zur Einsicht und Weisheit der Engel vervollkommnet werden.

*5. Die Angehörigen der Kirche können nicht bezweifeln, daß der Herr der Gott des Himmels ist, lehrt er doch selbst, daß alles, was der Vater habe, sein sei (Matth. 11,27; Joh. 16,15; 17,2), und daß Er alle Gewalt im Himmel und auf Erden habe (Matth. 28,18). Im Himmel und auf Erden, sagt er, weil, wer den Himmel regiert, auch die Erde regiert, denn das eine hängt vom andern ab.

Himmel und Erde regieren heißt, daß diese von ihm alles empfangen, das Gute, das zur Liebe, und das Wahre, das zum Glauben gehört, mithin alle Einsicht und Weisheit und so auch alle Seligkeit, mit einem Wort: das ewige Leben. Dies lehrte auch der Herr, als er sagte:

„Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen“ (Joh.3,36).

Und an anderer Stelle:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch stirbt, und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben“ (Joh.11,25f)

Und an einer weiteren Stelle:

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh.14,6).

*6. Ich sah einst einige Geister, die in ihrem irdischen Leben zwar den Vater bekannt, den Herrn aber für einen ge­wöhnlichen Menschen gehalten und daher nicht geglaubt hatten, daß er der Gott des Himmels sei. Ihnen wurde des­halb erlaubt, umherzuwandern wo sie wollten, und zu unter suchen, ob es einen anderen Himmel gebe, als den des Herrn. Sie suchten auch tatsächlich mehrere Tage hindurch — vergebens! Sie gehörten zu denen, die meinen, die Seligkeit des Himmels bestünde in der Herrlichkeit und im Herrschen. Und weil man ihnen ihren Wunsch nicht erfüllte, ihnen viel­mehr erklärte, darin bestünde der Himmel nicht, wurden sie unwillig und begehrten einen Himmel, in dem sie über an­dere herrschen und durch Herrlichkeit hervorragen könnten, wie in der Welt. 



Das göttliche des Herrn bildet den Himmel.

*7. Die Engel in ihrer Ganzheit heißen der Himmel, weil sie ihn bilden. In Wahrheit aber ist das vom Herrn auf die Engel einwirkende und von ihnen aufgenommene Göttli­che der Himmel im allgemeinen wie im besonderen. Das vom Herrn ausgehende Göttliche ist das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens. In dem Maße also, wie sie das Gute und Wahre vom Herrn aufnehmen, sind sie Engel und sind sie der Himmels.

*8.     In den Himmeln weiß und glaubt, ja fühlt (percipit) ein jeder, daß er aus sich selbst nichts Gutes will und tut und aus sich selbst nichts Wahres denkt und glaubt, sondern aus dem Göttlichen, also aus dem Herrn, und daß das Gute und Wahre, das seinem Eigenen entstammt, nichts Gutes und Wahres ist, weil das Leben aus dem Göttlichen nicht darin ist. Die Engel des innersten Himmels nehmen den Einfluß auch deutlich wahr und empfinden ihn, und so weit, wie sie ihn aufnehmen, haben sie auch das Bewußtsein, im Himmel zu sein (videntur sibi in caelo esse), denn in so weit sind sie in der Liebe und im Glauben, so weit auch im Licht der Einsicht und Weisheit und der daher rührenden himmlischen Freude. Weil all dies aus dem Göttlichen des Herrn hervorgeht und darin für die Engel der Himmel liegt, ist offensichtlich, daß das Göttliche des Herrn den Himmel bildet und nicht die Engel mit irgendetwas von ihrem Eigenen. Daher heißt im Worte Gottes der Him­mel die „Wohnung des Herrn“ und „Sein Thron“ und sagt man von denen, die darin sind, sie seien im Herrn. Wie aber das Göttliche aus dem Herrn hervorgeht und den Himmel er­füllt, wird im Folgenden erklärt werden.

*9.     Die Engel gehen aufgrund ihrer Weisheit noch weiter: Sie sagen nicht nur alles Gute und Wahre, sondern auch alles, was zum Leben gehört, stamme vom Herrn. Sie begründen dies damit, daß nichts aus sich selbst entstehen kann, son­dern nur aus einem ihm Vorausgehenden, und daß somit alles aus einem Ersten entsteht, das sie das eigentliche Sein alles Lebens nennen. Und auf dieselbe Weise besteht alles, weil das Bestehen ein ständiges Entstehen ist. Was nicht fort­während durch Mittelglieder im Zusammenhang mit dem er­sten gehalten wird, fällt augenblicklich zusammen und ver­geht ganz und gar. Die Engel sagen überdies, es gebe nur einen einzigen Quell des Lebens und das Leben des Men­schen sei nur ein Bächlein aus ihm, das sogleich versiegen müßte, wenn es nicht fortwährend von der Quelle her ge­speist würde. Ferner sagen sie, aus jenem einzigen Quell des Lebens, welcher der Herr ist, gehe nichts als Göttlich Gutes und  Wahres hervor, einen jeden nach seiner Aufnahmebereitschaft anregend. In denen aber, die diese im Glauben und im Leben aufnehmen, sei der Himmel. Jene aber, die das Göttlich Gute und  Wahre zurückstoßen oder ersticken, ver­kehren es in eine Hölle. Denn sie verwandeln das Gute in Böses und das Wahre in Falsches, somit das Leben in den Tod. Daß alles Lebende vom Herrn stamme, begründen die Engel auch damit, daß sich im Weltall alles auf das Gute und Wahre bezieht. Das Willensleben des Menschen, seine Liebe, be­zieht sich auf Gutes, sein Verstandesleben, sein Glaube, auf Wahres. Da nun alles Gute und Wahre von oben kommt, folgt hieraus, daß auch alles dem Leben Angehörende von daher kommt. Aus diesem Glauben heraus lehnen die Engel auch jeden Dank für das Gute ab, das sie tun, ja sie werden unwil­lig und treten zurück, wenn ihnen jemand etwas Gutes zu­ schreibt. Sie wundern sich, daß jemand glauben kann, er sei weise aus sich und tue Gutes aus sich selbst. Gutes tun um seiner selbst willen nennen sie nicht Gutes, weil man es aus sich tut; aber Gutes tun um des Guten willen, nennen sie Gutes aus dem Göttlichen, und dieses Gute allein mache den Himmel aus, weil dieses Gute der Herr ist.

*10.   Die Geister, die sich während ihres irdischen Lebens im Glauben bestärkt hatten, daß das Gute ihres Tuns und das Wahre ihres Glaubens aus ihnen selbst stamme oder ihnen als das Ihrige zugeeignet worden sei, werden nicht in den Him­mel aufgenommen. In solchem Glauben befinden sich alle, die ein Verdienst in gute Taten setzen und sich selbst Gerech­tigkeit zuschreiben. Die Engel meiden sie, betrachten sie als stumpfsinnig und als Diebe: als stumpfsinnig weil sie in einem fort auf sich und nicht auf das Göttliche blicken, als Diebe, weil sie dem Herrn entziehen, was ihm gehört. Sie wen­den sich gegen den Glauben des Himmels, wonach das Göttliche des Herrn bei den Engeln den Himmel ausmache.

*11.   Auch der Herr lehrt, jene, die im Himmel und in der Kirche sind, seien in ihm und er in ihnen, wenn er sagt:

„Bleibet in mir und ich in euch; wie eine Rebe nicht Frucht bringen kann aus sich selbst, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“. (Joh.15,4 7)

*12.   Hieraus geht klar hervor, daß der Herr in dem wohnt, was bei den Engeln des Himmels ihm gehört und er das Ein und Alles des Himmels ist; das Gute vom Herrn ist also der Herr bei ihnen. Was aus ihm ist, das ist in der Tat er Selbst. Das Gute aus dem Herrn ist mithin der Himmel für die Engel und nicht irgendetwas von ihrem Eigenen. 



Das göttliche des Herrn im Himmel ist die Liebe zu ihm und die Liebe zum Nächsten.

*13. Das vom Herrn ausgehende Göttliche wird im Him­mel das Göttlich Wahre genannt, und zwar aus einem im Fol­genden darzulegenden Grunde. Dieses göttliche Wahre ver­breitet sich vom Herrn her aus seiner göttlichen Liebe in den Himmel. Die göttliche Liebe und das aus ihr hervorgehende göttliche Wahre verhalten sich vergleichsweise wie in der Welt das Feuer und das Licht der Sonne. Die Liebe wie das Feuer, das aus der Liebe entspringende Wahre wie das Licht aus der Sonne. Aufgrund der Entsprechung bezeichnet auch das Feuer die Liebe und das Licht das aus ihr entspringende Wahre. Dies sollte deutlich gemacht haben, daß das aus der göttlichen Liebe des Herrn hervorgehende göttliche Wahre in seinem Wesen das göttliche Gute ist, verbunden mit dem göttlichen Wahren und daß es, weil es verbunden ist, alles zum Himmel Gehörige belebt. So wie die mit dem Licht verbundene Sonnenwärme in der Welt im Frühling und im Som­mer alle Teile des Erdkörpers befruchtet. Anders ist es, wenn die Wärme nicht mit dem Licht verbunden, das Licht also kalt ist. Dann erstarrt alles und liegt ersterben danieder. Das gött­liche Gute, das der Wärme verglichen wurde, ist das Gute der Liebe bei den Engeln, das göttliche Wahre, das dem Licht ver­glichen wurde, ist das, wodurch und woraus sie das Gute der Liebe haben.

*14.   Das Göttliche im Himmel, das den Himmel bildet, ist die Liebe, weil die Liebe eine geistige Verbindung ist. Die Liebe verbindet die Engel mit dem Herrn und verbindet sie zugleich untereinander; ja sie verbindet sie derart, daß sie vor dem Auge des Herrn alle wie eins sind. Darüber hinaus ist die Liebe das eigentliche Sein des Lebens bei einem jeden. Aus ihr haben deshalb Engel wie Menschen das Leben. Jeder der dar­über nachdenkt, kann wissen, daß die innerste Lebenskraft des Menschen aus der Liebe stammt; denn infolge ihrer Ge­genwart erwärmt er sich, infolge ihrer Abwesenheit erkaltet er, und wenn sie ihm ganz entzogen wird, stirbt er. Man muß aber wissen, daß das Leben eines jeden Menschen so be­schaffen ist, wie seine Liebe.

*15.   Im Himmel unterscheidet man zwei Arten von Liebe: die Liebe zum Herrn und die Liebe zum Nächsten. Im inner­sten oder dritten Himmel herrscht die Liebe zum Herrn, im zweiten oder mittleren die Liebe zum Nächsten. Beide gehen vom Herrn aus, und beide bilden den Himmel. In welcher Weise sich diese beiden Arten der Liebe unterscheiden und wie sie sich verbinden, zeigt sich im Himmel in hellem Licht, in der Welt dagegen nur dunkel. Im Himmel versteht man unter „den Herrn lieben“ nicht, ihn als Person lieben, sondern das Gute, das aus ihm stammt. Das Gute lieben heißt aber, das Gute aus Liebe wollen und tun. Und unter „den Nächsten lie­ben“ versteht man im Himmel nicht, den Gefährten als Per­son lieben, sondern das Wahre, wie es aus dem Wort hervor­geht. Das Wahre lieben heißt aber, das Wahre wollen und tun. Damit ist klar, daß jene beiden Arten der Liebe sich unter­scheiden wie das Gute und das Wahre, und daß sie sich ver­binden wie das Gute mit dem Wahren. Aber dies kann sich der Mensch schwer vorstellen, weil er nicht weiß, was Liebe, was Gutes und was der Nächste ist.

*16.   Ich sprach hierüber mehrmals mit den Engeln, die sich verwundert darüber äußerten, daß die Menschen der Kir­che nicht wissen, was es heißt, den Herrn und den Nächsten lieben, nämlich das Gute und Wahre lieben und aus Neigung tun, wo sie doch wissen könnten, daß ein jeder seine Liebe durch das Wollen und tun dessen bezeugt, was der andere will. Erst dadurch wird er ja auch seinerseits wiedergeliebt und mit dem anderen verbunden, nicht aber dadurch, daß er ihn liebt und seinen Willen dennoch nicht tut, was an sich so­viel wie Nichtlieben ist. Auch könnten die Menschen wissen, daß das vom Herrn ausgehende Gute sein Ebenbild ist, weil er in ihm ist, und daß jene als seine Ebenbilder mit ihm verbun­den werden, die das Gute und Wahre zum Inhalt ihres Lebens machen, indem sie es wollen und tun. Wollen ist gleichbe­deutend mit Lieben. So lehrt auch der Herr im Wort, wenn er sagt:

„Wer meine Gebote hat und sie tut, der ist es, der mich liebt, und ich werde ihn lieben und Wohnung bei ihm nehmen“. (Joh.14,21.23)

und an anderer Stelle:

„Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben“ (Joh.15,10.12)

*17.   Alle Erfahrung im Himmel bezeugt, daß das vom Herrn ausgehende Göttliche, das die Engel anregt und den Himmel ausmacht, Liebe ist. Denn alle im Himmel sind For­men der Liebe und Nächstenliebe. Die Engel sind von unaus­sprechlicher Schönheit, und Liebe leuchtet aus ihrem Antlitz, aus ihrer Rede und allen Einzelheiten ihres Lebens. Über­dies gehen aus jedem Engel und Geist geistige Lebenssphären hervor und umgeben sie, an denen man ihre Beschaffenheit hinsichtlich der Neigungen ihrer Liebe bisweilen schon aus großer Entfernung erkennen kann. Diese Sphären fließen ja aus dem Leben der Neigung und dem daraus entspringenden Denken hervor bzw. aus dem Leben der Liebe und dem dar­aus resultierenden Glauben bei einem jeden. Die von den En­geln ausgehenden Sphären sind so voller Liebe, daß sie das In­nerste des Lebens der Anwesenden berühren. Ich habe sie mehr als einmal empfunden und wurde in der genannten Weise berührt. Die Tatsache, daß die Engel ihr Leben aus der Liebe haben, zeigte sich mir auch daran, daß sich jeder im an­deren Leben seiner Liebe zuwendet. Wer in der Liebe zum Herrn und in der Nächstenliebe steht, wendet sich beständig dem Herrn zu; umgekehrt aber, wer in der Liebe zu sich be­fangen ist, kehrt sich beständig vom Herrn ab. Dies geschieht bei einer jeden Wendung ihres Leibes; denn im anderen Leben verhalten sich die Räume gemäß den Zuständen ihres Inneren, ebenso die Himmelsgegenden, die hier nicht festge­legt sind wie in der Welt, sondern entsprechend der Richtung ihres Antlitzes bestimmt werden. Tatsächlich sind es aber nicht die Engel, die sich dem Herrn zuwenden, sondern der Herr wendet sich denjenigen zu, die das zu tun lieben, was von ihm einfließt. Hierüber jedoch mehr im Folgenden, wo von den Himmelsgegenden im anderen Leben die Rede sein wird.

*18.   Das Göttliche des Herrn im Himmel ist Liebe, weil die Liebe das Aufnahmegefäß alles dessen ist, was zum Himmel gehört, wie Friede, Einsicht, Weisheit und Seligkeit. Denn die Liebe nimmt samt und sonders in sich auf, was mit ihr über­einstimmt; sie sehnt sich danach, sucht es und zieht es wie von selbst zu sich heran; denn immer trachtet sie danach, auf diese Weise bereichert und vervollkommnet zu werden. Dies weiß auch der Mensch, denn seine Liebe wählt und ent­nimmt aus dem Gedächtnis alles, was zu ihr paßt, sammelt es und ordnet es in sich und unter sich (in sich, damit es ihr eigen sei, und unter sich, damit es ihr diene). Das übrige aber, das nicht zu ihr paßt, verwirft sie und entfernt es. Die Fähigkeit der  Liebe, die mit ihr übereinstimmenden Wahrheiten in sich auf­zunehmen, sowie das Verlangen, sie mit sich zu verbinden, war auch deutlich an gewissen Geistern zu sehen, welche in den Himmel erhoben wurden. Obwohl sie in der Welt einfäl­tig gewesen waren, gelangten sie doch, sobald sie unter die Engel kamen, in deren Weisheit und in himmlische Wonnen, einfach weil sie das Gute und Wahre um des Guten und Wah­ren willen geliebt und ihrem Leben eingepflanzt hatten. Da­durch waren sie fähig geworden, den Himmel mit all seinen unaussprechlichen Vollkommenheiten in sich aufzunehmen. Die anderen hingegen, die der Liebe zu sich und zur Welt ver­haftet sind, haben nicht die Fähigkeit diese himmlischen Dinge aufzunehmen. Sie haben eine Abneigung dagegen, stoßen sie zurück und entfliehen bei der ersten Berührung und dem ersten Einfluß, um sich denen in der Hölle beizuge­sellen, die einer ähnlichen Art von Liebe frönen. Es fanden sich Geister, die bezweifelten, daß die Ursache dafür in der himmlischen Liebe liege, und die zu wissen verlangten, ob dem so sei. Sie wurden deshalb unter vorläufiger Entfernung der Hindernisse in den Zustand himmlischer Liebe versetzt und nach vorn hin in eine gewisse Entfernung gebracht, wo der Engelshimmel war, und von wo aus sie mit mir sprachen und sagten, sie fühlten eine Seligkeit, die inniger sei, als sie mit Worten auszudrücken vermöchten. Sie bedauerten sehr, daß sie in ihren vorigen Zustand zurückkehren müßten. Auch an­dere wurden in den Himmel erhoben, je weiter ins Innere oder in die Höhe sie emporgehoben wurden, desto mehr Einsicht und Weisheit erlangten sie, und schließlich konnten sie Dinge fassen, die ihnen früher unbegreiflich waren. Dies zeigt, daß die vom Herrn ausgehende Liebe das Aufnahmegefäß des Himmels und aller Dinge in ihm ist.

*19.   Die Liebe zum Herrn und die Liebe zum Nächsten umfassen alle göttlichen Wahrheiten. Der Herr selbst sagte das ganz deutlich, als er über die genannten beiden Arten der Liebe sprach:

„Du sollst deinen Gott lieben von deinem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele. Dies ist das erste und größte Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lie­ben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Matth.22,37 40)

Das Gesetz und die Propheten sind aber das ganze Wort, damit alles göttliche Wahre.

 

Der Himmel besteht aus zwei Reichen.

*20. Weil im Himmel eine unendliche Mannigfaltigkeit herrscht und nicht eine Gesellschaft der anderen, ja nicht ein­mal ein Engel dem anderen völlig gleicht, wird er im allge­meinen, im besonderen und im einzelnen unterschieden. Im allgemeinen in zwei Reiche, im besonderen in drei Himmel und im einzelnen in unzählige Gesellschaften. Von jeder die­ser verschiedenen Einteilungen wird im nun Folgenden die Rede sein. Vom „Reich“ wird gesprochen, weil der Himmel das Reich Gottes heißt.

*21.   Manche Engel nehmen das vom Herrn ausgehende Göttliche innerlicher, andere weniger innerlich auf. Erstere heißen himmlische, letztere geistige Engel. Daher unterschei­det man im Himmel zwei Reiche, von denen das eine das himmlische, das andere das geistige Reich genannt wird.

*22.   Die Engel, die das himmlische Reich bilden, werden innerlichere oder auch höhere Engel genannt, da sie das Gött­liche des Herrn auf eine innerlichere Weise aufnehmen; daher heißen auch die aus ihnen bestehenden Himmel innerlichere oder höhere. Sie heißen aber so, weil das Innerliche höher und das Äußerliche niedriger genannt wird.

*23.   Die Liebe der Angehörigen des himmlischen Reiches wird als himmlische Liebe, die der Angehörigen des geistigen Reiches als geistige Liebe bezeichnet. Die himmlische Liebe ist die Liebe zum Herrn, die geistige die Liebe zum Nächsten. Und weil alles Gute der Liebe angehört (denn was jemand liebt, das ist für ihn gut), darum heißt auch das Gute des einen Reiches himmlisch und das des anderen geistig. Damit ist klar, wie sich jene beiden Reiche unterscheiden, nämlich in der­selben Weise wie das Gute der Liebe zum Herrn und das Gute der Liebe zum Nächsten. Weil nun jenes Gute und jene Liebe von einer innerlicheren Art sind, darum sind die himm­lischen Engel innerlicher und heißen höhere Engel.

*24.   Das himmlische Reich wird auch als das priesterliche Reich des Herrn und im Wort Gottes als seine „Wohnung“ be­zeichnet, das geistige Reich dagegen als sein „königliches Reich“ und im Wort als sein „Thron“. Nach seinem Himm­lisch Göttlichen wurde auch der Herr in der Welt „Jesus“ nach seinem Geistig Göttlichen „Christus“ genannt.

*25.   Die Engel im himmlischen Reich des Herrn übertref­fen an Weisheit und Herrlichkeit weit die Engel im geistigen Reich, weil sie das Göttliche des Herrn innerlicher aufneh­men. Sie stehen ja in der Liebe zu ihm und sind ihm daher näher und enger verbunden. Der Grund ist, daß sie die gött­lichen Wahrheiten unmittelbar ins Leben aufgenommen haben und aufnehmen, nicht aber wie die geistigen Engel zu­erst ins Gedächtnis und Denken. Die Wahrheiten sind daher ihrem Herzen eingeschrieben, und sie fühlen und schauen dieselben gleichsam in sich. Niemals stellen sie Berechnun­gen darüber an, ob es sich wirklich so verhalte oder nicht. Sie gehören zu denen, die bei Jeremia beschrieben werden:

„Ich werde ein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben . . . und nicht mehr wird jemand seinen Freund, noch jemand seinen Bruder lehren, indem er spricht: „Erken­net den Jehovah!“ Sie werden mich erkennen vom kleinsten bis zum größten derselben“ (31,33 f).

Bei Jesaja heißen sie „von Jehovah gelehrt“ (54,13). Von Jehovah gelehrt sein heißt dasselbe, wie vom Herrn gelehrt sein, wie der Herr selbst bei Joh.6,45 f sagt.

*26.   Es wurde gesagt, diese Engel hätten mehr Weisheit und Herrlichkeit als die übrigen, weil sie die göttlichen Wahr­heiten sogleich ins Leben aufnehmen. Sie wollen und tun diese Dinge, sobald sie deren Wahrheit vernehmen; sie legen sie nicht erst im Gedächtnis ab und sinnen dann darüber nach, ob sie auch wirklich wahr seien. Der Herr fließt näm­lich unmittelbar in das Wollen und mittelbar durch das Wol­len in das Denken des Menschen ein, oder — was auf dasselbe hinausläuft — er fließt unmittelbar ein in das Gute und mit­telbar durch das Gute in das Wahre. Denn Gutes wird ge­nannt, was dem Willen angehört und aus diesem zur Tat wird, Wahres hingegen, was dem Gedächtnis angehört und aus diesem zum Denken wird. Auch wird alles Wahre in Gutes verwandelt und der Liebe eingepflanzt, sobald es in den Wil­len eingeht. Solange aber das Wahre nur im Gedächtnis und von da aus im Denken ist, wird es weder zum Guten noch lebt es oder wird es dem Menschen angeeignet. Denn der Mensch ist Mensch aufgrund seines Willens und des daraus entsprin­genden Verstandes, nicht aber aufgrund des vom Willen ge­trennten Verstandes.

*27.   Weil ein solcher Unterschied zwischen den Engeln des himmlischen und denen des geistigen Reiches besteht, sind sie nicht beieinander und haben auch keinen Umgang miteinander. Die Verbindung wird nur durch die zwischen ihnen stehenden sogenannten geistig himmlischen Engelge­sellschaften bewirkt. Durch diese fließt das himmlische Reich in das geistige ein. Daher kommt es, daß der Himmel, ob­gleich in zwei Reiche unterteilt, dennoch ein einziger ist. Der Herr sorgt auch immer für solche vermittelnden Engel, durch die eine Gemeinschaft und Verbindung stattfindet.

*28.   Weil im Folgenden viel von den Engeln des einen und anderen Reiches gesagt werden wird, so will ich die Einzelhei­ten hier übergehen.

 

Es gibt drei Himmel.

*29. Es gibt drei Himmel, und diese sind untereinander ganz verschieden: Der innerste oder dritte, der mittlere oder zweite und der unterste oder erste. Sie folgen aufeinander und verhalten sich untereinander wie das Oberste des Menschen, das Haupt, sein Mittleres, der Leib, und das Unterste, die Füße; ebenso auch wie der obere, mittlere und untere Teil eines Hauses. In solcher Ordnung ist auch das Göttliche, das vom Herrn ausgeht und herabsteigt. Der Himmel ist daher in­folge einer notwendigen Ordnung in drei Teile geteilt.

*30.   Die innerlicheren Bereiche des Menschen, Geist und Seele, stehen in einer ähnlichen Ordnung wie die Himmel: Auch der Mensch hat nämlich ein Innerstes, ein Mittleres und ein Letztes, sind in ihn doch bei seiner Erschaffung alle Stufen der göttlichen Ordnung hineingelegt worden, so daß er zu einer Form der göttlichen Ordnung und zu einem Himmel in kleinster Gestalt wurde. Aus diesem Grunde steht auch der Mensch mit seinen inneren Bereichen in Gemeinschaft mit den Himmeln und gelangt auch nach seinem Tode unter die Engel, unter die des innersten, des mittleren oder des letzten Himmels, je nachdem wie er das Göttlich Gute und  Wahre vom Herrn in seinem irdischen Leben aufgenommen hat.

*31.   Das Göttliche, das vom Herrn her einfließt und im dritten oder innersten Himmel aufgenommen wird, heißt das Himmlische, und infolgedessen werden die hier weilen­den Engel himmlische Engel genannt. Das vom Herrn ausge­hende und im zweiten oder mittleren Himmel aufgenom­mene Göttliche heißt das Geistige, die hier weilenden Engel werden daher geistige Engel genannt. Das Göttliche aber, das vom Herrn her einfließt und im untersten oder ersten Him­mel aufgenommen wird, heißt das Natürliche. Weil jedoch das Natürliche dieses Himmels nicht zu verwechseln ist mit dem Natürlichen der Welt, sondern Geistiges und Himmli­sches in sich hat, so heißt dieser Himmel der natürlich­ geistige und natürlich himmlische, und die Engel dieses Himmels werden darum die natürlich geistigen und natür­lich himmlischen genannt. Natürlich geistige heißen jene, die den Einfluß aus dem mittleren oder zweiten, dem geisti­gen Himmel, aufnehmen; natürlich himmlische aber dieje­nigen, die den Einfluß aus dem dritten oder innersten, dem himmlischen Himmel, aufnehmen. Die natürlich geistigen und die natürlich himmlischen Engel sind unter sich ge­schieden, bilden aber doch einen einzigen Himmel, weil sie auf ein und derselben Stufe stehen.

*32.   In jedem Himmel gibt es ein Inneres und ein Äußeres. Die zum Inneren Gehörenden heißen dort innerliche, die an­deren äußerliche Engel. Das Äußere und das Innere in den Himmeln bzw. in jedem einzelnen Himmel verhält sich zu­einander wie das Willensmäßige zum Verstandesmäßigen beim Menschen — das Innere wie sein Willensmäßiges, das Äußere wie sein Verstandesmäßiges. Alles Willensmäßige hat sein Verstandesmäßiges, das eine ohne das andere gibt es nicht. Das Willensmäßige verhält sich vergleichsweise wie die Flamme, das dazugehörige Verstandesmäßige wie das Licht aus der Flamme.

*33.   Bemerkenswert ist, daß das Innere der Engel darüber entscheidet, ob sie sich in dem einen oder anderen Himmel befinden. Denn sie sind in einem umso innerlichen Himmel, je mehr ihr Inneres gegenüber dem Herrn geöffnet sind. Bei einem jeden finden sich drei solche Regionen, beim Engel ebenso wie beim Geist und auch beim Menschen. Diejenigen, bei denen der dritte Grad aufgeschlossen ist, befinden sich im innersten Himmel; jene, bei denen es der zweite oder nur der erste ist, im mittleren oder äußersten Himmel. Aufgeschlos­sen aber werden diese inneren Bereiche durch die Aufnahme des göttlichen Guten und dazu des göttlichen Wahren. Wer durch die göttlichen Wahrheiten angeregt wird und sie so­gleich ins Leben, somit in den Willen und daraus ins Tun über­gehen läßt, befindet sich im innersten oder dritten Himmel, und hier an einer Stelle, die sich nach der Aufnahme des Guten aufgrund der Anregung des Wahren richtet. Wer aber die göttlichen Wahrheiten nicht unmittelbar in den Willen, sondern zuerst ins Gedächtnis und von dort in den Verstand aufnimmt und sie aus diesem heraus will und tut, ist im mitt­leren oder zweiten Himmel. Jene schließlich, die ein morali­sches Leben führen und an das Göttliche glauben, sich aber nicht so sehr um Unterricht darin bemühen, befinden sich im untersten oder ersten Himmel. Hieraus ist klar, daß der Zu­stand dieser inneren Regionen den Himmel bildet, und daß der Himmel innerhalb und nicht außerhalb eines jeden ist. So lehrt auch der Herr mit seinen Worten:

„Das Reich Gottes kommt nicht so, daß man es beobachten könnte, man wird auch nicht sagen: ,Siehe, hier oder siehe, da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch“. (Luk.17,20f)

*34.   Alle Vollkommenheit nimmt auch nach innen hin zu und nach außen hin ab, weil die inneren Bereiche dem Gött­lichen näher und in sich reiner, die äußerlichen entfernter vom Göttlichen und an sich gröber sind. Die Vollkommen­heit der Engel besteht in der Einsicht, in der Weisheit, in der Liebe sowie auch in allem Guten und in der daraus entste­henden Glückseligkeit. Es gibt aber keine Glückseligkeit ohne all dies, denn eine solche wäre äußerlich und nicht in­nerlich. Weil bei den Engeln des innersten Himmels die in­nerlichen Bereiche im dritten Grade aufgeschlossen sind, übertrifft ihre Vollkommenheit unermeßlich die der Engel des mittleren Himmels, bei denen diese nur im zweiten Grade aufgeschlossen sind. In gleicher Weise übertrifft die Vollkommenheit der Engel des mittleren Himmels die derje­nigen des letzten.

*35.   Infolge dieses Unterschiedes kann kein Engel des einen Himmels zu den Engeln des anderen gelangen, bzw. kann keiner aus einem niedrigeren Himmel hinauf  oder aus einem höheren herabsteigen. Wer aus einem niedrigeren Himmel in einen höheren hinaufsteigt, wird von einer Bangigkeit ergriffen, die bis zum Schmerz geht, und kann die dortigen Engel nicht sehen, geschweige denn mit ihnen reden. Wer aber aus einem höheren Himmel herabsteigt, wird seiner Weisheit beraubt, stottert beim Reden und gerät in Verzweiflung. Einige aus dem untersten Himmel, die dar­über noch nicht unterrichtet waren, daß der Himmel in den inneren Regionen des Engels besteht, meinten, sie würden in die höhere himmlische Seligkeit gelangen, sobald sie nur in den Himmel kämen, in dem solche Engel sind. Es wurde ihnen auch erlaubt, bei ihnen einzutreten. Dort sahen sie trotz allen Suchens niemand, obwohl eine große Menge an­wesend war. Die inneren Bereiche der Ankömmlinge waren eben nicht im selben Grad aufgeschlossen, somit auch nicht ihr Sehvermögen. Bald darauf wurden sie von einer solchen Herzensangst befallen, daß ihnen kaum bewußt war, ob sie lebten oder nicht. Deshalb begaben sie sich rasch wieder in ihren eigenen Himmel und freuten sich, als sie zu den Ihrigen kamen. Sie gelobten, nie mehr nach Höherem zu begehren als mit ihrem Leben übereinstimme. Ich beobachtete auch Engel, die aus einem höheren Himmel herabgelassen und ihrer Weisheit so sehr beraubt wurden, daß sie nicht mehr wußten, von welcher Art ihr eigener Himmel war. Etwas an­deres ist es freilich, wenn der Herr irgendwelche Engel aus einem niederen Himmel in einen höheren erhebt, damit sie die Herrlichkeit dort schauen können, was des öfteren ge­schieht. Dann werden sie zuerst vorbereitet und mit vermit­telnden Engeln umgeben, die eine Gemeinschaft bewirken. Dies zeigt deutlich, daß jene drei Himmel ganz voneinander geschieden sind.

*36.   Engel aber, die zum selben Himmel gehören, können mit allen anderen darin verkehren; die Freuden dabei richten sich aber nach dem Grad der Verwandtschaft ihres Guten. Mehr darüber in den folgenden Abschnitten.

*37.   Obgleich die Himmel so geschieden sind, daß die Engel des einen Himmels keinen Verkehr mit denen eines an­deren haben können, verbindet doch der Herr alle Himmel durch einen unmittelbaren und einen mittelbaren Einfluß. Ein unmittelbarer Einfluß geht aus ihm in alle Himmel, und ein mittelbarer von einem Himmel in den anderen. So be­wirkt er, daß die drei Himmel eins sind und alle, vom ersten bis zum letzten, miteinander verbunden sind, es also nichts Zusammenhangloses gibt. Denn was nicht durch Mittelglie­der mit dem ersten zusammenhängt, besteht nicht, sondern löst sich auf und wird zu nichts.

*38.   Wer nicht weiß, wie es sich mit der göttlichen Ord­nung inbezug auf diese Abstufungen verhält, kann auch nicht verstehen, in welcher Weise die Himmel voneinander geschieden sind, ja nicht einmal, daß es einen inneren und einen äußeren Menschen gibt. Die meisten in der Welt haben vom Inneren und Äußeren oder vom Höheren und Niederen nur die Vorstellung eines Kontinuums, wie von etwas stetig Zusammenhängendem, das vom Reineren bis zum Gröberen reicht. Die inneren und äußeren Dinge sind aber etwas Gesondertes und hängen nicht stetig zusammen. Es gibt zweierlei Arten von Graden   stetig fortlaufende und nicht stetig fortlaufende. Die ersteren verhalten sich wie die Abstufungen des abnehmenden Lichts von der Helle der Flamme bis zum Dunkel, auch wie die Abstufungen schwächer werdenden Sehens von Gegenständen im Licht bis zu solchen im Schatten, oder wie die verschiedenen Stu­fen der Reinheit der Atmosphäre von der untersten bis zur höchsten Schicht. Die jeweiligen Abstände bestimmen diese Grade. Dagegen sind die nicht stetig zusammenhängenden, die gesonderten Grade, voneinander getrennt wie das Frühere und das Spätere, die Ursache und die Wirkung, wie das Erzeugende und das Erzeugte. Wer danach forscht, wird sehen, daß es in der ganzen Welt, in allem, was es nur irgend gibt, derartige Grade des Entstehens und Zusammenwir­kens gibt, daß nämlich von dem einen das andere und von diesem das dritte abhängt, und so fort. Wer sich keinen Be­griff von diesen Graden verschafft hat, vermag auch die Ver­schiedenheit der Himmel nicht zu erkennen, ebensowenig den Unterschied zwischen den inneren und äußeren Fähig­keiten des Menschen, noch die Verschiedenheit der geisti­gen und der natürlichen Welt oder den Unterschied zwi­schen dem Geist des Menschen und seinem Körper. Er ver­mag dann auch nicht einzusehen, wieso es Entsprechungen und Vorbildungen gibt, noch wie der Einfluß beschaffen ist. Die sinnlichen Menschen begreifen diese Unterschiede nicht, denn für sie besteht das Zu  und Abnehmen auch über diese Grade hinaus in einem stetig Fortlaufenden. Daher können sie sich auch das Geistige nicht anders denken als ein reineres Natürliches, weshalb sie auch davon ausge­schlossen bleiben, fern jeder Einsicht.

*39.   Zuletzt darf noch ein gewisses Geheimnis über die Engel der drei Himmel bekanntgegeben werden, das früher niemandem in den Sinn kam, weil man nichts von diesen Ab­stufungen wußte. Bei jedem Engel, wie auch bei jedem Men­schen, gibt es nämlich eine innerste oder höchste Stufe, ein Innerstes oder Höchstes, in welches das Göttliche des Herrn zuerst oder zunächst einfließt und von dem aus die übrigen Teile der inneren Bereiche ausgerichtet werden, die sich nach den Abstufungen der Ordnung bei ihm anfügen. Dieses In­nerste oder Höchste kann als Eingang des Herrn beim Engel und Menschen und als seine eigentliche Wohnung bei ihnen bezeichnet werden. Durch dieses Innerste oder Höchste ist der Mensch überhaupt Mensch und unterscheidet sich von den unvernünftigen Tieren, die es nicht haben. Nur daher kann der Mensch, anders als die Tiere, mit seinem ganzen In­neren, das heißt seinem Gemüt und seiner Gesinnung, vom Herrn zu sich erhoben werden, so daß er an ihn glauben, von Liebe zu ihm angeregt werden und so ihn zu schauen vermag. Darauf beruht es, daß er Einsicht und Weisheit in sich auf­nehmen und mit Vernunft reden kann, auch daß er ewiges Leben hat. Was in jenem Innersten in Ordnung gebracht und vorgesehen wird, fließt nicht deutlich ins Bewußtsein eines Engels ein, denn es steht über seinem Denken und übersteigt seine Weisheit.

*40.   So viel über das allgemeine der drei Himmel. Im fol­genden soll nun von jedem einzelnen Himmel im besonde­ren die Rede sein. 



Die Himmel bestehen aus unzähligen Gesellschaften.

*41. Die Engel eines jeden Himmels sind nicht an einem Ort beisammen, sondern in größere und kleinere Gesell­schaften eingeteilt, je nach den Unterschieden des Guten der Liebe und des Glaubens, in denen sie sich befinden. Alle, die im gleichen Guten sind, bilden eine Gesellschaft. Das Gute in den Himmeln ist von unendlicher Mannigfaltigkeit, und jeder Engel ist so wie sein Gutes.

*42.   Auch die Entfernungen zwischen den Engelgesellschaften in den Himmeln werden bestimmt je nach der Verschiedenheit ihres Guten im allgemeinen und im beson­deren. Die Abstände in der geistigen Welt haben nämlich ihren Ursprung nur in der Verschiedenheit der inneren Zu­stände, in den Himmeln also in der Verschiedenheit der Zu­stände der Liebe. In großer Entfernung voneinander befin­den sich die sehr verschiedenartigen, in geringer Entfernung voneinander die weniger verschiedenen Engel. Die Ähnlich­keit bewirkt Beisammensein.

*43.   Alle Mitglieder einer Gesellschaft unterscheiden sich in gleicher Weise voneinander: Die vollkommeneren, das heißt die im Guten, also in der Liebe, Weisheit und Ein­sicht hervorragenden, befinden sich in der Mitte. Die weni­ger vollkommenen bilden den Umkreis. Ihre Entfernung nimmt entsprechend dem Grad ab, in dem ihre Vollkom­menheit geringer wird. Es verhält sich damit ähnlich wie mit dem Licht, das von der Mitte aus gegen die Peripherie hin abnimmt. Jene, die sich in der Mitte befinden, sind auch im größten Licht, die anderen nach der Peripherie hin in immer geringerem.

*44.   Einander Ähnliche werden wie von selbst zu Ähnli­chen geführt, da sie bei ihnen wie unter sich und wie zu Hause, bei anderen aber wie unter Fremden und wie in der Fremde sind. Bei den ihnen Ähnlichen fühlen sie sich auch in ihrer Freiheit und damit in allem Angenehmen des Lebens.

*45.   Hieraus geht klar hervor, daß es das Gute ist, das alle in den Himmeln zusammengesellt, und daß die Engel sich je nach dessen Beschaffenheit voneinander unterscheiden. Und doch sind es nicht die Engel selbst, die sich in dieser Weise zusammenfinden, sondern der Herr ist es, von dem das Gute kommt. Er führt sie, verbindet sie, scheidet sie vonein­ander und erhält sie in Freiheit, insoweit sie im Guten sind. (Er erhält somit jeden einzelnen im Leben seiner Liebe, sei­nes Glaubens, seiner Einsicht und Weisheit und darum im Zustand der Seligkeit).

*46    Es kennen sich auch alle, die sich in ähnlichem Guten befinden, ganz wie die Menschen in der Welt ihre Verwand­ten, ihre Verschwägerten und Freunde kennen, obgleich sie sich nie zuvor gesehen haben. Der Grund liegt darin, daß es im anderen Leben nur noch geistige Verwandtschaften, Schwägerschaften und Freundschaften gibt, also solche der Liebe und des Glaubens. Ich durfte dies des öfteren sehen, als ich im Geist, also meinem Körper entrückt und so im Um­gang mit Engeln war. Da erblickte ich einige, die mir wie von Kindheit an bekannt, andere aber, die mir völlig unbekannt erschienen. Die ersteren waren in einem dem meinigen ähn­lichen Geisteszustand, letztere aber in einem mir unähnli­chen Zustand.

*47.   Alle, die die gleiche Engelgesellschaft bilden, haben ein ähnliches Gesicht, unterscheiden sich aber im besonde­ren. Wie es sich mit diesen Ähnlichkeiten im allgemeinen und den Verschiedenheiten im besonderen verhält, läßt sich einigermaßen aus vergleichbaren Dingen der Welt ersehen. Es ist bekannt, daß jedes Volk eine gemeinsame Ähnlichkeit in Gesicht und Augen hat, an der es erkannt und von anderen Völkern unterschieden wird, und das gilt noch mehr für Fa­milien untereinander. Allein dies zeigt sich noch viel voll­kommener in den Himmeln, weil dort alle inneren Regungen auf dem Antlitz erscheinen und aus ihm hervorleuchten; denn das Antlitz ist dort ihre äußere und vorbildliche Aus­prägung. Ein anderes Antlitz zu haben als das seiner Neigun­gen, ist im Himmel unmöglich. Es wurde mir auch gezeigt, wie sich die gemeinsame Ähnlichkeit im besonderen bei den einzelnen Mitgliedern ein und derselben Gesellschaft verän­dert. Es erschien mir ein engelgleiches Gesicht, und dieses veränderte sich je nach den Neigungen des Guten und Wah­ren derer, die sich in der betreffenden Gesellschaft befanden. Diese Veränderungen dauerten lange an, und ich bemerkte, daß dennoch das Antlitz dieselbe allgemeine Grundform bei­behielt und alle Veränderungen bloß Ableitungen und Wei­terbildungen dieser Form waren. So wurden mir auch durch dieses Antlitz die Neigungen der ganzen Gesellschaft gezeigt, welche eben die Gesichter ihrer Mitglieder veränderten. Denn die Gesichter der Engel sind, wie oben gesagt, Ausprä­gungen ihres Inwendigen, also der Neigungen, die mit ihrer Liebe und ihrem Glauben zusammenhängen.

*48.   So kommt es auch, daß ein Engel, der durch seine Weisheit hervorragt, am Antlitz eines anderen sogleich des­sen Art erkennt. Niemand kann dort durch seinen Gesichts­ausdruck das Inwendige verbergen, simulieren, auf irgend­eine Weise lügen oder durch List und Heuchelei täuschen. Zuweilen geschieht es zwar, daß sich in die Gesellschaften Heuchler einschleichen. Sie haben gelernt, ihr Inneres zu ver­bergen und ihr Äußeres so zu verstellen, daß es in der Gestalt des Guten erscheint, in dem sich die Mitglieder der betref­fenden Gesellschaft befinden, sich so fälschlich als Engel des Lichts präsentierend. Allein sie können dort nicht lange blei­ben, denn bald fangen sie an, innerlich beängstigt und ge­quält zu werden. Totenblässe überzieht ihr Gesicht, und sie erscheinen wie entseelt. Auf diese Weise werden sie durch den Gegensatz des in sie einfließenden und einwirkenden Lebens verändert. Darum stürzen sie sich schnell in die Hölle zu den ihnen Ähnlichen hinab und versuchen nicht mehr, heraufzusteigen. Sie werden unter jenem Manne verstanden, der unter den zu Tische Liegenden und Geladenen entdeckt und in die äußerste Finsternis hinausgeworfen wurde, weil er kein hochzeitliches Kleid angelegt hatte, (Matth.22,11ff).

*49.   Alle Gesellschaften des Himmels stehen in Verbin­dung miteinander, allerdings nicht durch offenen Verkehr, denn wenige verlassen ihre Gesellschaft und begeben sich in eine andere, weil das soviel bedeutet wie aus sich selbst herausgehen und aus seinem Leben heraus in ein anderes, nicht so zusagendes hinüberwechseln. Sie stehen jedoch alle durch die aus dem Leben eines jeden hervorgehenden, sich ringsum verbreitenden Sphären in Verbindung mitein­ander. Die Lebens Sphäre ist die Sphäre der Neigungen, die der Liebe und dem Glauben angehören. Diese verbreitet sich in die Gesellschaften rings umher in die Länge und Breite, und zwar um so weiter und breiter, je innerlicher und vollkommener die Neigungen sind. Je nach dem Maße dieser Ausdehnung haben die Engel Einsicht und Weisheit. Diejenigen, die sich im innersten Himmel, und zwar in des­sen Zentrum befinden, verbreiten ihre Sphäre im ganzen Himmel. Daher findet eine Mitteilung aller im Himmel an jeden einzelnen und wieder jedes einzelnen an alle statt. Von dieser Verbreitung wird jedoch weiter unten noch voll­ständiger die Rede sein, wenn wir über die himmlische Form, nach der die Engelgesellschaften geordnet sind, sowie über die Weisheit und Einsicht der Engel sprechen. Denn jede Verbreitung der Neigungen und Gedanken geht in dieser Form vor sich.

*50.   Oben wurde gesagt, daß es in den Himmeln größere und kleinere Gesellschaften gebe. Die größeren bestehen aus zehntausenden, die kleineren aus einigen tausend Engeln, und die kleinsten aus einigen hundert. Es gibt auch Engel, die abgesondert wohnen, gewissermaßen Haus für Haus, Familie für Familie. Diese sind jedoch auf ähnliche Weise geordnet wie jene in den Gesellschaften, obgleich sie so vereinzelt leben. Die weiseren von ihnen leben nämlich in der Mitte und die einfältigeren an den Grenzen. Sie stehen unmittelbar unter der göttlichen Obhut des Herrn und sind unter den En­geln die besten. 

*51. Jede einzelne Gesellschaft ist ein Himmel in kleinerer Gestalt, und jeder einzelne Engel ist es in der kleinsten.

Jede einzelne Gesellschaft ist ein Himmel in kleinerer Gestalt, und jeder einzelne Engel ist es in der kleinsten, weil das Gute der Liebe und des Glaubens den Himmel bildet. Dieses Gute findet sich in jeder Gesellschaft des Himmels und in jedem einzelnen Engel einer Gesellschaft. Es spielt keine Rolle, daß dieses Gute überall anders und verschieden ist, es ist dennoch das Gute des Himmels. Der Unterschied ist nur der, daß der Himmel einmal so, dann wieder anders ist. Darum sagt man, wenn jemand in eine Gesellschaft des Him­mels erhoben wird, er komme in den Himmel, und von denen, die dort sind, heißt es, sie seien im Himmel und jeder in dem seinigen. Dies wissen alle im anderen Leben. Darum sagen auch jene, die außerhalb oder unterhalb des Himmels stehen und aus der Entfernung auf die Engelgesellschaften blicken, der Himmel sei hier oder dort. Es verhält sich damit vergleichsweise wie mit den obersten Beamten, Kammerher­ren und Dienern in einem königlichen Palast oder an einem Hof. Obgleich jeder von ihnen seine eigene Wohnung oder sein eigenes Zimmer hat, der eine oben, der andere unten, befinden sie sich doch in einem Palast oder an einem Hof, al­lesamt bereit, dem König in ihren verschiedenen Berufen zu dienen. Dies macht klar, was unter den Worten des Herrn zu verstehen ist:

„In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“ (Joh.14,2),

und was durch die „Wohnungen des Himmels“ und die „Himmel der Himmel“ bei den Propheten bezeichnet wird.

*52.   Darum ist jede einzelne Gesellschaft ein Himmel in kleinerer Gestalt, weil in jeder Gesellschaft eine ähnliche himmlische Form herrscht, wie im ganzen Himmel. Im ganzen Himmel befinden sich die im Zentrum, die sich vor den übrigen auszeichnen, während die weniger Vorzüglichen in absteigender Ordnung darum herum bis zur Peripherie wohnen, wie man dies im vorhergehenden Kapitel in Nr. 43 nachgewiesen finden kann. Auch daraus kann man entneh­men, daß jede einzelne Gesellschaft ein Himmel in kleinerer Gestalt ist, daß der Herr im ganzen Himmel alle so führt, als wären sie ein einziger Engel, und in gleicher Weise auch jene, die zu einer einzelnen Gesellschaft gehören. Infolgedessen erscheint zuweilen auch eine ganze Engelgesellschaft als Ein­heit in Engelsgestalt, was mir auch vom Herrn zu sehen ge­geben wurde. Auch wenn der Herr inmitten der Engel er­scheint, so nicht in Begleitung einer Menge, sondern als eine Person in engelhafter Gestalt. Daher kommt es, daß der Herr im Wort auch ein „Engel“ heißt, oder auch ganze Gesell­schaften so genannt werden. Michael, Gabriel und Raffael sind nichts anderes als Engelgesellschaften, die wegen ihrer Funktionen so genannt werden.

*53.   Wie eine ganze Gesellschaft der Himmel in kleinerer Gestalt ist, so auch jeder Engel ein Himmel in der kleinsten. Denn der Himmel ist nicht außerhalb, sondern innerhalb des Engels. Seine inneren Bereiche nämlich, die seinem Gemüt angehören, sind zu einer Form des Himmels und so zur Auf­nahme aller Dinge des Himmels gebildet, die außerhalb sei­ner selbst sind. Und er nimmt sie auf, je nach der Art des Guten, das er vom Herrn angenommen hat. Infolgedessen ist der einzelne Engel auch ein Himmel.

*54.   In keiner Weise kann man sagen, der Himmel sei außerhalb von jemandem; er ist innerhalb; denn jeder Engel nimmt den Himmel außerhalb seiner selbst gemäß dem Himmel in sich auf. Hieraus wird klar, wie sehr man sich täuscht, wenn man meint, in den Himmel kommen heiße bloß, unter die Engel erhoben zu werden, wie immer man auch seinem inneren Leben nach beschaffen sein möge. Mit anderen Worten, der Himmel werde einem jeden unmittel­bar aus Barmherzigkeit geschenkt. Tatsache ist aber, daß nichts vom Himmel, der den Menschen umgibt, in ihn ein­fließt und aufgenommen wird, wenn er nicht selbst den Him­mel in sich hat. Es gibt viele Geister, die dieser Meinung sind, und weil sie so glauben, in den Himmel erhoben wurden. Weil aber ihr inneres Leben dem der Engel entgegengesetzt war, begannen sie, sobald sie dort waren, im Verstande zu er­blinden und wie Dummköpfe zu werden. Auch in ihrem Wil­len fühlten sie sich so peinlich beengt, daß sie sich schließ­lich wie Wahnsinnige gebärdeten. Mit einem Wort: Wer ein böses Leben führt und in den Himmel gerät, muß dort mit dem Atem ringen und sich abquälen, ähnlich wie die Fische auf dem Trockenen oder wie Tiere in einem luftleeren Raum im schieren Äther, wie man ihn durch eine Pumpe erzeugt. Damit ist deutlich, daß der Himmel innerhalb und nicht außerhalb eines Menschen ist.

*55.   Weil alle den sie umgebenden Himmel je nach der Art ihres inwendigen Himmels aufnehmen, nehmen sie in gleicher Weise auch den Herrn auf, weil ja das Göttliche des Herrn den Himmel ausmacht. So kommt es, daß der Herr, wenn er sich in einer Gesellschaft gegenwärtig darstellt, selbst in der Art des Guten erscheint, in dem sich die Gesell­schaft befindet — also nicht jeder Gesellschaft in der gleichen Weise. Nicht daß diese Ungleichheit im Herrn bestünde, sie beruht vielmehr in denen, die ihn aus ihrem Guten, also die­sem entsprechend, sehen. Sie werden auch durch seine Er­scheinung je nach Art ihrer eigenen Liebe angeregt. Wer ihn aufs innigste liebt, wird auch aufs innigste ergriffen, wer ihn weniger liebt, wird weniger stark ergriffen. Die Bösen außer­halb des Himmels leiden bei seiner Gegenwart sogar Pein. Wenn der Herr in einer Gesellschaft erscheint, so als Engel. Er unterscheidet sich aber von anderen Engeln durch das Gött­liche, das durch die angenommene Gestalt hindurchscheint.

*56.   Der Himmel ist auch überall da, wo man den Herrn anerkennt, an ihn glaubt und ihn liebt. Die Vielfalt der ihm entgegengebrachten Verehrung entspringt der Mannigfaltig­keit des Guten in der einen und anderen Gesellschaft und be­deutet keinen Nachteil, sondern im Gegenteil einen Vorteil, beruht doch gerade hierauf die Vollkommenheit des Him­mels. Es läßt sich nur schwer verständlich machen, daß die Vollkommenheit des Himmels von dieser Mannigfaltigkeit abhängt, wenn man nicht die unter Gelehrten üblichen Be­griffe zu Hilfe nimmt und durch sie erklärt, wie vollkommene Einheit aus Vielfalt entsteht. Jede Einheit setzt sich nämlich aus verschiedenen Teilen zusammen und wäre ohne diese nichts, hätte keine Form und daher keine Qualität. Entsteht hingegen eine Einheit aus mannigfaltigen Teilen und sind diese in vollkommener Form, in der sich ein Teil dem ande­ren in harmonischer Übereinstimmung der Reihe nach an­schließt, dann hat sie vollkommene Qualität. Auch der Him­mel ist eine Einheit, zusammengesetzt aus mannigfaltigen, in vollkommenste Form gebrachten Teilen. Denn die himm­lische ist die vollkommenste aller Formen. Aus ihr stammt alle Vollkommenheit, wie sich an jeder Schönheit, Lieblich­keit und Anmut zeigt, die Sinne und Gemüt anregen; denn sie entstehen aus nichts anderem als dem Zusammenklang und der Harmonie vieler übereinstimmender und miteinander harmonierender Dinge, mögen diese nun gleichzeitig zu­sammenstimmen oder geordnet aufeinander folgen — und nicht aus einem allein. Daher sagt man, daß Mannigfaltigkeit erfreue, und weiß auch, daß die Freude sich ganz nach deren Qualität richtet. Wie in einem Spiegel zeigt uns dies, wie sehr Vollkommenheit aus Mannigfaltigkeit entspringt, und zwar auch im Himmel. Denn aus den Dingen der natürlichen Welt lassen sich wie in einem Spiegel die Dinge der geistigen Welt erkennen.

*57.   Von der Kirche läßt sich ähnliches sagen wie vom Himmel, ist sie doch der Himmel des Herrn auf Erden: Ob­gleich es viele gibt, heißt doch jede einzelne eine Kirche und ist es auch, sofern in ihr das Gute der Liebe und des Glaubens herrscht. Der Herr macht auch hier aus Mannigfaltigem eine Einheit, somit aus vielen Kirchen eine einzige. Und wie von der Kirche im allgemeinen läßt sich auch vom Menschen der Kirche im besonderen das gleiche sagen, daß nämlich die Kir­che innerhalb und nicht außerhalb von ihm ist und jeder Mensch eine Kirche darstellt, bei dem der Herr im Guten der Liebe und des Glaubens gegenwärtig ist. Ebenso: Was vom Engel gesagt wurde, in dem der Himmel ist, kann entspre­chend vom Menschen gesagt werden, in dem die Kirche ist. Auch er bildet eine Kirche in kleinster Gestalt, geradeso wie die Engel einen Himmel in kleinster Gestalt. Ja man kann wei­ter sagen, daß der Mensch, in dem die Kirche ist, ebenso einen Himmel darstellt wie der Engel. Der Mensch ist ja dazu geschaffen, daß er in den Himmel komme und ein Engel werde. Deshalb ist jeder, der das Gute vom Herrn hat, ein Engelmensch.

Es darf hier auch erwähnt werden, was der Mensch mit dem Engel gemein hat und was er vor den Engeln voraus hat. Ebenso wie beim Engel sind seine inneren Bereiche nach dem Bilde des Himmels gestaltet und er wird auch zu einem Ebenbilde des Himmels, soweit er sich im Guten der Liebe und des Glaubens befindet. Vor den Engeln voraus hat der Mensch, daß sein Äußeres dem Bild der Welt nachgebildet ist und die Welt bei ihm dem Himmel untergeordnet wird und dient, soweit er im Guten ist. Dann ist der Herr bei ihm in beiden Bereichen wie in seinem Himmel gegenwärtig. Denn der Herr ist überall in seiner göttlichen Ordnung, weil er die Ordnung selbst ist.

*58.   Schließlich ist noch zu bemerken: Wer den Himmel in sich hat, hat damit nicht nur den Himmel im größten oder allgemeinen, sondern auch im kleinsten oder einzelnen, und die kleinsten Dinge in ihm sind ein Abbild der größten. Dies kommt daher, weil ein jeder eins ist mit seiner Liebe und von derselben Art, wie seine herrschende Liebe. Was aber herrscht, fließt ins einzelne ein, ordnet es und drückt allem sein Bild auf. Die herrschende Liebe in den Himmeln ist die Liebe zum Herrn, weil dort der Herr über alles geliebt wird. Er ist daher dort alles in allem, fließt in jeden einzelnen ein, bringt allesamt in die Ordnung und in sein Ebenbild, so daß der Himmel dort ist, wo der Herr ist. Darum ist der Engel ein Himmel in kleinster Gestalt, die Gesellschaften sind es in größerer und alle Gesellschaften zusammengenommen in der größten. Wie das Göttliche des Herrn den Himmel macht und alles in allem ist, sehe man oben Nr. 7 12. 



Der Himmel im ganzen stellt einen einzigen Menschen dar.

*59. Ein in der Welt noch unbekanntes Geheimnis besteht darin, daß der Himmel in seinem Gesamtumfang einen ein­zigen Menschen darstellt. In den Himmeln ist das hingegen eine ganz bekannte Tatsache. Dies Geheimnis zu erkennen, und zwar in seinen Besonder  und Einzelheiten, ist eine Hauptaufgabe für die Einsicht seiner Engel. Es hängt auch vieles davon ab, was ohne diesen seinen gemeinsamen Grund nicht deutlich und klar in ihre Vorstellung eingehen würde. Weil sie wissen, daß alle Himmel mit ihren Gesell­schaften einen einzigen Menschen darstellen, so nennen sie den Himmel auch den „größten“ oder „göttlichen Men­schen“ — den göttlichen darum, weil das Göttliche des Herrn den Himmel ausmacht (man vergleiche oben Nr. 7 12) .

*60.   Wer keine richtige Vorstellung von den geistigen und himmlischen Dingen hat, vermag nicht zu begreifen, daß die himmlischen und geistigen Dinge in die Form und das Bild eines Menschen zusammengeordnet und verbunden sind. Er denkt dann, die irdischen und materiellen Dinge, die das Äußerste des Menschen formen, bildeten diesen, und ohne sie sei der Mensch nicht Mensch. Allein man sollte wissen, daß der Mensch nicht durch sein Äußeres Mensch ist, son­dern weil er das Wahre einsehen und das Gute wollen kann; dies ist das Geistige und Himmlische, das den Menschen aus­macht. Außerdem ist wohlbekannt, daß jeder Mensch durch die Beschaffenheit seines Verstandes und Willens bestimmt wird und sein irdischer Leib dazu gebildet ist, dem Willen und Verstand in der Welt zu dienen und in der untersten Sphäre der Natur Nutzen zu schaffen, in Harmonie mit ihnen. Darum handelt auch der Körper nicht aus sich selbst, son­dern ist in seiner Tätigkeit völlig auf die Winke des Verstan­des und Willens angewiesen, so daß der Mensch alles, was er denkt, mit Zunge und Mund redet, und alles, was er will, mit dem Körper und den Gliedern ausführt. Verstand und Wille sind also die eigentlich Tätigen, und keineswegs der Körper selbst. Damit ist klar: Was den Menschen ausmacht, gehört dem Verstand und Willen an, und diese haben auch gleiche Gestalt wie der Mensch, weil sie bis in die kleinsten Teile sei­nes Körpers einwirken wie das Innere in das Äußere. Von da aus betrachtet, heißt der Mensch ein innerer bzw. ein geisti­ger Mensch. Der Himmel aber ist ein solcher Mensch in größ­ter und vollkommenster Gestalt.

*61.   Weil die Engel eine solche Vorstellung vom Men­schen haben, achten sie nie darauf, was der Mensch mit sei­nem Körper tut, sondern auf seinen Willen, aus dem heraus der Körper tätig ist. Unter dem Willen verstehen sie den ei­gentlichen Menschen, ebenso auch unter dem Verstand, doch nur so weit, als er mit jenem zusammenwirkt.

*62.   Die Engel sehen zwar den Himmel nicht als Ganzes in der Gestalt eines Menschen, denn der ganze Himmel fällt nicht in den Gesichtskreis irgendeines Engels. Wohl aber er­blicken sie zuweilen entlegene Gesellschaften, die aus vielen Tausenden von Engeln bestehen, als eine Einheit in solcher Gestalt. Und aus der Gesellschaft als einem Teil schließen sie auch auf das Ganze, das der Himmel ist. Denn in der voll­kommensten Form ist das Ganze wie die Teile, und die Teile sind wie das Ganze. Der Unterschied zwischen ihnen besteht nur wie zwischen einem größeren und einem kleineren Ebenbild. Daher sagen sie, daß der ganze Himmel als menschliche Gestalt vor dem Auge des Herrn erscheine, weil das Göttliche aus dem Innersten und Obersten alles sieht.

*63.   Weil der Himmel diese Form hat, wird er auch wie ein Mensch regiert, also als Einheit. Zwar besteht der Mensch aus einer unzähligen Mannigfaltigkeit, sowohl im Ganzen wie in jedem Teil — im Ganzen aus Gliedmaßen, Or­ganen und Eingeweiden, im Teil aus Serien von Fibern, Nerven und Blutgefäßen, also aus Gliedern innerhalb der Glieder und Teilen innerhalb der Teile. Es ist aber bekannt, daß er trotzdem als einer handelt. Von ebensolcher Be­schaffenheit ist auch der Himmel unter der Obhut und Lei­tung des Herrn.

*64.   So viele verschiedene Dinge wirken aber deshalb im Menschen als Einheit zusammen, weil in ihm auch das Ge­ringste noch etwas zum gemeinsamen Wesen beiträgt und Nutzen leistet. Das Ganze nützt seinen Teilen, und die Teile dienen dem Ganzen. Denn das Ganze besteht aus den Tei­len, und die Teile bilden das Ganze. Deshalb sorgen sie für­einander, respektieren einander und werden in solcher Form miteinander verbunden, daß alles und jedes sich auf das Ganze und dessen Wohl bezieht. Daher kommt es denn auch, daß sie als Einheit zusammenwirken. Von ähnlicher Art sind die Gesellschaftsbildungen in den Himmeln. Je nach ihren Nutzleistungen werden sie dort in ähnlicher Form ver­bunden. Die keinen Nutzen für das Ganze schaffen, werden darum als etwas Fremdartiges aus dem Himmel ausge­stoßen. Nutzen schaffen heißt: Anderen um des allgemeinen Besten willen wohl wollen; keinen Nutzen schaffen heißt: Andern Menschen nicht um des allgemeinen Besten, son­dern um seiner selbst willen wohl wollen. Letztere sind jene, die sich selbst über alles lieben, erstere Engel, welche den Herrn über alles lieben. So kommt es, daß die Himmlischen als ein Ganzes zusammenwirken, freilich nicht aus sich, son­dern unter dem Einfluß des Herrn; denn auf ihn blicken sie als ihren einzigen Urgrund, und auf sein Reich als das Ganze, für das man sorgen soll. So sind auch die Worte des Herrn zu verstehen:

„Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und seiner Gerech­tigkeit, und alles (andere) wird euch hinzugefügt werden.“ (Matth.6,33)

Seine Gerechtigkeit suchen heißt, sein Gutes suchen. Wer in der Welt das Beste des Vaterlandes mehr als sein Eige­nes, und das Beste des Nächsten wie sein Eigenes liebt, der sucht und liebt im anderen Leben das Reich des Herrn. Denn dort nimmt dies die Stelle des Vaterlandes ein. Die anderen aber, die gern den Mitmenschen um des Guten willen Gutes tun, die lieben den Nächsten. Denn dort ist das Gute der Nächste. Alle so Gearteten befinden sich im Großmen­schen, das heißt im Himmel.

*65.   Weil der ganze Himmel einen einzigen Menschen darstellt und er zugleich der Göttlich Geistige Mensch in größter Gestalt und auch im Abbild ist, darum wird der Him­mel in Glieder und Teile unterschieden wie der Mensch und werden diese auch entsprechend benannt. Die Engel wissen auch, zu welchem Glied die eine oder andere Gesellschaft gehört. So sagen sie etwa, diese Gesellschaft befinde sich in einem Teil oder in einer Gegend des Kopfes, jene in einem Glied oder in der Gegend der Brust, eine andere wieder in der Gegend der Lenden, und so fort. Im allgemeinen bildet der oberste oder dritte Himmel das Haupt bis zum Hals; der mitt­lere oder zweite Himmel die Brust bis zu den Lenden und Knien. Der unterste oder erste Himmel bildet die Beine bis zu den Fußsohlen wie auch die Arme bis zu den Fingern; denn die Arme und Hände sind das Äußerste des Menschen, auch wenn sie sich an den Seiten befinden. Hieraus wird wie­derum klar, warum es drei Himmel gibt.

*66.   Die Geister, die sich unterhalb des Himmels befin­den, wundern sich sehr, wenn sie hören oder sehen, daß der Himmel sowohl unter  als auch oberhalb ist. Sie haben näm­lich dieselbe Vorstellung und Meinung wie die Menschen un­serer Welt, daß der Himmel nur oberhalb sei und wissen gar nicht, daß die Lage der Himmel der Lage der Glieder, Organe und Eingeweide im Menschen ähnelt: Einige liegen oberhalb und einige unterhalb, ähnlich wie die Lage der Gewebsteile in einem Glied, Organ und Eingeweidestück, von denen ei­nige innerhalb, andere außerhalb sind. Daher geraten sie in­bezug auf den Himmel in Verwirrung.

*67.   Ohne diese vorangestellten Erkenntnisse über den Himmel als größtem Menschen kann man durchaus nicht verstehen, was weiter über den Himmel folgt. Auch kann man sich ohne sie keine deutliche Vorstellung machen von der Gestalt des Himmels, von der Verbindung des Herrn mit dem Himmel, von der Verbindung des Himmels mit dem Menschen, oder auch vom Einfluß der geistigen Welt in die natürliche. Und ganz und gar nicht verstehen könnte man die Entsprechungen, von denen nun im Folgen­den der Reihe nach die Rede sein soll. Obiges wurde also vor­ausgeschickt, um Licht auf diese Dinge zu werfen. 



Jede einzelne Gesellschaft in den Himmeln stellt einen Menschen dar.

*68. Mehrmals durfte ich sehen, daß auch jede einzelne Gesellschaft des Himmels einen Menschen darstellt und auch die Gestalt eines Menschen hat. In einer solchen Gesellschaft hatten sich mehrere eingeschlichen, die sich in Engel des Lichts zu verstellen wußten. Sie waren Heuchler. Als diese von den Engeln ausgeschieden wurden, erschien mir die ganze Gesellschaft zuerst wie eine dunkle Masse, dann all­mählich in menschlicher Gestalt, jedoch noch undeutlich, und schließlich in klarem Licht wie ein Mensch. All jene, die zu diesem Menschen gehörten und ihn bildeten, befanden sich im Guten der betreffenden Gesellschaft. Die übrigen, die nicht zu diesem Menschen gehörten und ihn nicht ausmach­ten, waren die Heuchler. Diese wurden ausgestoßen, jene blieben. So ging die Ausscheidung vor sich. Heuchler reden Gutes und handeln auch gut, haben aber bei allem nur sich selber im Auge. Wie die Engel reden sie vom Herrn, vom Him­mel, von der Liebe, vom himmlischen Leben, und sie tun auch Gutes, um den Anschein zu erwecken, als wären sie, wie sie reden. Aber in Wirklichkeit denken sie ganz anders, glauben gar nichts und wollen auch niemandem wohl als sich selbst. Wenn sie Gutes tun, dann nur um ihrer selbst willen, und wenn es angeblich um anderer willen geschieht, so nur, um aufzufallen, also ebenfalls um ihrer selbst willen.

*69.   Ich durfte auch sehen, daß eine ganze Engel­gesellschaft, als ein Ganzes in menschlicher Gestalt er­scheint, wenn sich der Herr selbst zeigt. Zuerst zeigte sich in der Höhe gegen Osten eine von blendendem Weiß ins Rote übergehende, von Sternchen umgebene Wolke und senkte sich herab. Dabei wurde sie allmählich immer lichter, und endlich sah man sie in vollkommen menschlicher Gestalt. Die Sternchen rings um die Wolke waren Engel. Sie erschie­nen so infolge des Lichtes aus dem Herrn.

*70.   Folgendes muß man wissen: Obwohl alle, die zu einer Gesellschaft des Himmels gehören, gelegentlich als Einheit in Menschengestalt erscheinen, so ist doch keine Gesell­schaft ein gleicher Mensch wie eine andere. Sie unterschei­den sich vielmehr voneinander wie die Gesichter verschiede­ner Familienmitglieder. Der Grund wurde oben, Nr. 47, be­reits angegeben: Sie zeigen sich verschieden, je nach den Verschiedenheiten des Guten, das sie erfüllt und gestaltet. In der vollkommensten und schönsten menschlichen Gestalt erscheinen die Gesellschaften, die sich im innersten oder obersten Himmel und dort in der Mitte befinden.

*71.   Bemerkenswert ist, daß die menschliche Gestalt einer himmlischen Gesellschaft umso vollkommener ist, je mehr ihr angehören und harmonisch zusammenwirken. Denn, wie oben Nr. 56 gezeigt wurde, bildet die in himmli­scher Form zusammengefügte Mannigfaltigkeit die Vollkom­menheit. Mannigfaltigkeit aber ergibt sich, wo viele sind. Jede himmlische Gesellschaft nimmt auch von Tag zu Tag zu und wird im selben Maße vollkommener. So gewinnt nicht nur die betreffende Gesellschaft, sondern auch der Himmel im allge­meinen; denn die Gesellschaften bilden ja den Himmel. Da nun der Himmel durch die zunehmende Fülle vollkommener wird, so ist offensichtlich, wie sehr jene irren, die meinen, der Himmel werde geschlossen, wenn er voll sei. Das Gegenteil ist wahr, er wird niemals geschlossen werden, einfach weil die immer größer werdende Fülle ihn vollkommener macht. Der Engel größte Sehnsucht ist es darum, neue Engelsgäste bei sich zu empfangen.

*72.   Jede einzelne Gesellschaft erscheint als Einheit in Ge­stalt eines Menschen, weil der ganze Himmel diese Gestalt aufweist. Wie man im vorhergehenden Abschnitt nachlesen kann, besteht in der vollkommensten Form — und dies ist die Form des Himmels — eine Ähnlichkeit zwischen den Teilen und dem Ganzen, dem Kleinen und dem Größten. Das Kleine und die Teile des Himmels sind die Gesellschaften, aus denen er besteht, und diese sind ebenfalls Himmel, wenngleich in kleinerer Gestalt, man sehe oben Nr. 51 58. Diese durchge­hende Ähnlichkeit findet sich, weil in den Himmeln das Gute aller Engel aus der einen Liebe und somit aus einem Ursprung stammt. Diese eine Liebe ist die Quelle alles Guten in den Himmeln und ist die Liebe zum Herrn und aus dem Herrn. Deshalb ist der gesamte Himmel sein Ebenbild im allgemei­nen, jede Gesellschaft im weniger allgemeinen, und jeder Engel im besonderen Sinne. Man vergleiche auch, was weiter oben, Nr. 58, darüber ausgeführt wurde. 



Jeder Engel hat daher eine vollkommene menschliche Gestalt.

*73. In den beiden vorhergehenden Abschnitten ist gezeigt worden, daß der Himmel als Ganzes ebenso wie jede einzelne himmlische Gesellschaft einen Menschen darstellt. Aus dem Zusammenhang der dort angeführten Ursachen geht hervor, daß dies auch für jeden einzelnen Engel gilt. Wie der Himmel Mensch ist in größter Form und jede Gesellschaft des Him­mels in kleinerer, so der Engel in der kleinsten. Denn in der vollkommensten, also in der himmlischen Form, liegt ein Ebenbild des Ganzen im Teil und des Teiles im Ganzen. Dem ist aber deshalb so, weil der Himmel eine Gemeinschaft ist, die alles, was sie hat, mit jedem ihrer Mitglieder teilt, während umgekehrt jedes Mitglied alles aus dieser Gemein­schaft empfängt, was es hat. Ein Engel ist ein Himmel in kleinster Gestalt, weil er ein Empfänger aller himmlischen Dinge ist, wie dies im entsprechenden Abschnitt gezeigt wurde. In dem Maße, wie der Mensch den Himmel in sich aufnimmt, ist er ebenfalls ein solcher Empfänger, ein Him­mel und ein Engel. Man sehe oben Nr. 57. Dies wird in der Of­fenbarung folgendermaßen ausgedrückt: „Er maß die Mauer des heiligen Jerusalem, 144 Ellen, das Maß eines Menschen, das heißt eines Engels“ (21,17).

Jerusalem ist hier die Kirche des Herrn und im höheren Sinne der Himmel, die Mauer das Wahre, das gegen den mutwilligen Angriff des Falschen und Bösen schützt. Die Zahl 144 bezeichnet den Inbegriff aller Wahrheiten und alles Guten, das Maß dessen Beschaffenheit. Im Men­schen aber ist all dies im allgemeinen und im besonderen verwirklicht, in ihm ist somit der Himmel. Weil auch der Engel dadurch Mensch ist, darum heißt es „das Maß eines Menschen, das heißt eines Engels“ Dies der geistige Sinn jener Worte — wer würde ohne ihn verstehen, daß die Mauer des heiligen Jerusalem das Maß eines Menschen, das ist eines Engels sein soll?

*74.   Doch nun zur Erfahrung! Ich habe tausendmal gese­hen, daß die Engel menschliche Gestalten oder Menschen sind, habe ich doch als Mensch zu Mensch mit ihnen gespro­chen, bald mit einem einzelnen, bald mit vielen in Gesell­schaft. Ich konnte auch durchaus nicht bemerken, daß sie von besonderer Gestalt gewesen wären. Zuweilen habe ich mich darüber gewundert, und damit man nicht sagen möge, es sei eine Täuschung oder ein Fantasiegebilde, durfte ich die Engel im Zustand vollen Wachens bzw. im Vollgefühl meines Körpers und bei klarem Bewußtsein sehen. Ich erzählte ihnen auch öfters, daß die Menschen in der Christenheit so­wenig über die Engel und Geister wüßten, daß sie sie für Geistwesen ohne Form und für bloße Ideen hielten, von denen sie sich keine andere Vorstellung machten als von etwas Ätherischem, dem Lebenskraft innewohne. Weil sie ihnen daher nichts Menschliches zuerkennten außer der Denkfähigkeit, nähmen sie auch an, Engel könnten nicht sehen, weil sie keine Augen, nicht hören, weil sie keine Ohren hätten und nicht reden, weil ihnen Mund und Zunge fehlten. Hierauf entgegneten die Engel, sie wüßten wohl, daß in der Welt viele diesen Glauben teilten und daß er vor allem bei den Gelehrten und sogar bei den Geistlichen verbreitet sei; und darüber wunderten sie sich besonders. Sie sahen die Ursache darin, daß die Gelehrten aus dem Sinnlichen des äußeren Menschen über diese Dinge denken, sie daher die Urheber dieser Vorstellung von Engeln und Geistern seien und sie zu­erst ausgebrütet hätten. Wer aber aus einem solchen Denken urteilt, und nicht aus innerer Erleuchtung und aus jener Ah­nung, die einem jeden eingepflanzt ist, muß notwendiger­weise auf solche Fiktionen verfallen, weil das Sinnliche des äußeren Menschen nichts anderes erfaßt als Natürliches, nichts, was über die Natur hinausgeht, folglich überhaupt nichts von der geistigen Welt. Von ihnen als den Urhebern ging die falsche Engel Vorstellung auf andere über, die sich keine eigenen Gedanken machten, sondern denen ihrer Vor­bilder folgten. Wer aber einmal fremde Ideen und Meinungen zu seinem Glauben macht und sie erst nachher mit seinem Verstand beurteilt, kann nur schwer wieder davon abgehen. Die meisten beruhigen sich deshalb damit, diese Vorstellun­gen zu bekräftigen. Weiter erklärten die Engel, daß Menschen einfältigen Herzens und Glaubens nicht in solchen Vorstel­lungen von den Engeln befangen seien. Sie hätten ihren aus dem Himmel eingepflanzten Ahnungen nicht durch falsche Gelehrsamkeit geschadet und sich auch nichts Gestaltloses vorstellen können. Daher werden auch die Engel in den Kir­chen von Bildhauern und Malern immer als Menschen dar­gestellt. Über das aus dem Himmel Eingepflanzte sagten die Engel, es sei das Göttliche, das bei all denen einfließt, die im Glauben und im Leben gut sind.

*75.   Nach all meiner Erfahrung, die nun schon viele Jahre andauert, kann ich sagen und versichern, daß die Engel ihrer Gestalt nach in jeder Hinsicht Menschen sind, daß sie Ge­sicht, Augen, Ohren, Brust, Arme, Hände und Füße haben, daß sie sich gegenseitig sehen, hören, miteinander reden, ­mit einem Wort: daß ihnen gar nichts fehlt, was zum Men­schen gehört, außer daß sie nicht mit einem materiellen Leib überkleidet sind. Ich habe sie in ihrem Licht beobachtet, wel­ches das hellste Tageslicht in der Welt um viele Grade über­trifft, und in diesem Licht waren all ihre Gesichtszüge be­stimmter und deutlicher zu sehen als die Gesichter der Men­schen auf Erden. Es wurde mir auch erlaubt, einen Engel des innersten Himmels zu sehen. Sein Antlitz war noch schöner und glänzender als das der unteren Engel. Ich betrachtete ihn genau, und er hatte eine menschliche Gestalt in aller Voll­kommenheit.

*76.   Man muß jedoch wissen, daß der Mensch die Engel nicht mit den Augen seines Körpers, sondern nur mit den Augen seines Geistes sehen kann, weil dieser in der geisti­gen Welt ist, alles zum Körper Gehörige dagegen in der natür­lichen Welt. Gleiches sieht Gleiches, weil es Gleichem ent­stammt. Überdies weiß jeder, daß das Gesichtsorgan des Kör­pers, das Auge also, so grob ist, daß es nicht einmal die klei­neren Gegenstände der Natur ohne Hilfe optischer Instru­mente erkennt. Wieviel weniger vermag es daher die Dinge der geistigen Welt auszumachen, die sich über der Sphäre der Natur befinden. Dennoch kann der Mensch diese Dinge sehen, wenn er dem Auge des Körpers entrückt und ihm das Gesicht seines Geistes geöffnet wird. Dies geschieht auch au­genblicklich, wenn es dem Herrn gefällt, daß der Mensch gei­stige Dinge erblicken soll. Der Mensch meint dann nur, daß er sie mit den Augen seines Körpers erblicke. Auf diese Weise wurden die Engel von Abraham, Lot, Manoach und den Pro­pheten gesehen, ebenso auch der Herr nach der Auferste­hung von den Jüngern. In gleicher Weise habe auch ich die Engel gesehen. Weil die Propheten auf diese Weise sahen, nannte man sie Seher oder Männer, denen die Augen geöff­net sind, wie 1. Sam. 9,9 und 4. Mose 24,3. Sie so sehen zu machen, hieß „die Augen öffnen“, wie dies dem Gehilfen Elischas geschah, von dem man liest:

„Elischa betete und sprach: Jehovah, öffne doch seine Augen, daß er sehe! Und als Jehovah die Augen seines Gehilfen öff­nete, da sah er, und siehe, der Berg war voller feuriger Rosse und Wagen rings um Elischa her“. (2.Kön.6,17)

*77.   Einige gute Geister, mit denen ich ebenfalls über die­sen Gegenstand sprach, bedauerten von Herzen, daß in der Kirche eine derartige Unwissenheit hinsichtlich des Zustan­des der Himmel und inbezug auf Geister und Engel herrsche. Unwillig erklärten sie, ich solle doch auf alle nur mögliche Art und Weise berichten, daß sie nicht gestaltlose Geistwesen oder Luftgebilde seien, sondern Menschen in voller Gestalt, die ebenso sehen, hören und empfinden wie die Menschen in der Welt. 

*78. Das Göttlich-Menschliche des Herrn bewirkt, daß der Himmel im ganzen wie im einzelnen einen Menschen darstellt.

Im Göttlich Menschlichen des Herrn liegt die Ursa­che dafür, daß der Himmel im Ganzen wie in seinen einzel­nen Teilen einen Menschen darstellt. Dies ergibt sich als Folge aus all dem, was in den vorhergehenden Abschnitten gesagt und gezeigt wurde, nämlich:

  1. der Herr ist der Gott des Himmels;

  2. das Göttliche des Herrn bildet den Himmel;

  3. der Himmel besteht aus unzähligen Gesellschaften, und jede Gesellschaft ist ein Himmel in kleinerer Gestalt, jeder einzelne Engel aber ein solcher in der kleinsten;

  4. der ge­samte Himmel stellt als Ganzes einen einzigen Menschen dar;

  5. auch jede einzelne Gesellschaft im Himmel stellt einen Menschen dar;

  6. daher hat ein jeder Engel vollkommene Menschengestalt.

All dies führt zu dem Schluß, daß das Gött­liche, weil es den Himmel bildet, seiner Gestalt nach das Menschliche ist. Dieses ist aber das Göttlich Menschliche des Herrn, wie sich noch deutlicher aus dem erkennen läßt, was als Anhang zu diesem Kapitel aus den „Himmlischen Ge­heimnissen“ aufgenommen und zusammengestellt ist. Aus diesem Anhang ersieht man auch, daß das Menschliche des Herrn göttlich ist, obwohl innerhalb der Kirche das Gegenteil behauptet wird; dasselbe ersieht man auch aus dem Werk „Vom Neuen Jerusalem und seiner himmlischen Lehre“, gegen Ende des Kapitels über den Herrn.

*79.   Aufgrund vielfältiger Erfahrung bin ich sicher, daß dem so ist. Darüber einiges im Folgenden. Alle Engel in den Him­meln erkennen das Göttliche einzig und allein in menschlicher Gestalt, und was wunderbar ist, die Engel in den oberen Him­meln können sich das Göttliche überhaupt nicht anders den­ken. Sie werden in diese Denknotwendigkeit durch das ein­fließende Göttliche selbst eingeführt, ebenso die Form des Himmels selbst, in die sich ihre Gedanken rings umherverbrei­ten; denn jeder Gedanke der Engel breitet sich in die Himmel aus, und soweit diese Ausbreitung reicht, besitzen sie Einsicht und Weisheit. Aus diesem Grund erkennen alle Himmlischen den Herrn an, weil es nur in ihm ein Göttlich Menschliches gibt. Dies ist mir nicht nur von den Engeln gesagt, sondern auch selbst zu erkennen gegeben worden, als ich in die inwendige Sphäre des Himmels erhoben wurde. Hieraus wird klar, daß die Engel dies umso deutlicher erkennen, je weiser sie sind. So kommt es auch, daß ihnen der Herr erscheint. Denn der Herr erscheint denen in göttlicher Engelsgestalt, das heißt im Menschlichen, die einem schaubaren Göttlichen huldigen, weil sie sein Göttliches zu schauen vermögen. Denen, die ein unschaubares Göttliches annehmen, erscheint er nicht, weil sie sein Göttliches nicht zu schauen vermögen.

*80.   Weil die Engel nicht ein unschaubares Göttliches an­erkennen, das sie als formlos bezeichnen, sondern ein schau­bares in menschlicher Gestalt, darum pflegen sie zu sagen, der Herr sei allein Mensch, sie aber nur Menschen aus ihm, und ein jeder sei gerade so weit Mensch, als er den Herrn in sich aufnimmt. Darunter verstehen sie die Aufnahme des Guten und Wahren von ihm, denn der Herr wohnt seinem Guten und seinem Wahren inne. Dies nennen sie auch Weis­heit und Einsicht und sagen, jedermann wisse, daß Einsicht und Weisheit den Menschen ausmache, nicht aber das Ge­sicht allein. Das gleiche zeigt sich auch an den Engeln der in­neren Himmel: Weil sie vom Herrn her gut und wahr und daher weise und einsichtig sind, haben sie auch die schönste und vollkommenste Menschengestalt, während die Engel der unteren Himmel weniger vollkommen und schön sind. Umgekehrt aber ist es in der Hölle: Ihre Bewohner erscheinen im Lichte des Himmels kaum als Menschen, sondern als Un­geheuer, weil sie dem Bösen und Falschen und nicht dem Guten und Wahren ergeben sind, folglich im Gegensatz zu Weisheit und Einsicht stehen. Ihr Leben heißt daher auch nicht Leben, sondern geistiger Tod.

*81.   Weil der Himmel aufgrund des Göttlich Menschli­chen des Herrn im Ganzen wie in seinen Teilen einen einzi­gen Menschen darstellt, sagen die Engel, sie seien im Herrn, und einige auch, sie seien in seinem Leib, womit sie das Blei­ben im Guten seiner Liebe meinen, wie auch der Herr selbst lehrt, wenn er sagt:

„Bleibet in mir, und ich in euch. Gleich wie die Rebe keine Frucht bringen kann von ihr selber, sie bleibe denn am Wein­stock, so auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir... denn ohne mich könnt ihr nichts tun... bleibet in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben“ (Joh.15,4 10).

*82.   Weil nun ein solcher Begriff vom Göttlichen im Him­mel herrscht, so ist es auch jedem Menschen, der etwas von dem Einfluß in den Himmel in sich empfängt, eingepflanzt, sich Gott unter menschlicher Gestalt vorzustellen. So war es bei den Alten, so auch unter den gegenwärtigen Menschen, sowohl außerhalb wie innerhalb der Kirche. Die Einfältigen sehen ihn in Gedanken als alten Mann im hellen Glanz des Lichts. Aber jene, die den Einfluß aus dem Himmel durch ei­genen Intellekt und ein böses Leben unterdrücken, haben diese ihnen eingepflanzte Vorstellung ausgelöscht. Wer ihn durch eigenmächtigen Verstand unterdrückt hat, will einen unschaubaren Gott. Andere aber, die den Einfluß des Him­mels durch ein böses Leben verwirkt haben, wollen über­haupt keinen Gott. Die einen wie die anderen wissen nicht, daß es eine solche eingepflanzte Vorstellung gibt, weil sie bei ihnen selbst nicht mehr besteht. Dabei ist es das himmlische Göttliche selbst, das zuerst aus dem Himmel in den Men­schen Einzug hält, weil der Mensch zum Himmel geboren ist und niemand ohne eine Vorstellung des Göttlichen in den Himmel kommt.

*83.   Wer daher keine Vorstellung vom Himmel, das heißt vom Göttlichen hat, aus dem der Himmel besteht, kann nicht einmal bis zur ersten Stelle des Himmels erhoben werden. Sobald er nur in die Nähe kommt, empfindet er einen Wider­stand und starken Gegendruck. Der Grund liegt darin, daß die inneren Bereiche in ihm, die den Himmel aufnehmen sol­len, nicht in der Form des Himmels und folglich verschlossen sind, ja sich umso fester verschließen, je näher er dem Him­mel kommt. So ist das Los jener innerhalb der Kirche, die den Herrn und, wie die Sozinianer, sein Göttliches leugnen. Das Los der Heiden aber, die außerhalb der Kirche geboren wur­den und den Herrn nicht kennen, weil sie das Wort nicht haben, wird man im Folgenden erkennen.

*84. Die Alten stellten sich das Göttliche menschlich vor, das ersieht man aus den Erscheinungen des Göttlichen vor Abraham, Lot, Joschua, Gideon, Mahoach, dessen Weib und anderen, die Gott, obwohl sie ihn als einen Menschen gese­hen hatten, dennoch als den Gott des Weltalls anbeteten, indem sie ihn den Gott des Himmels und der Erde, Jehovah, nannten. Es war der Herr, der von Abraham gesehen wurde, so lehrt er selbst bei Joh. 8,56; und daß auch er es war, der den übrigen erschien, erhellt aus den Worten des Herrn, wo­nach „niemand Gott (den Vater) je gesehen“ (Joh.1,18) und „seine Gestalt gesehen, noch seine Stimme gehört“ habe (Joh.5,37).

*85.   Aber daß Gott Mensch ist, können diejenigen, die über alles nur aus dem Sinnlichen ihres äußeren Menschen heraus urteilen, nur schwer begreifen. Der sinnliche Mensch kann nämlich über das Göttliche nur aus der Sicht der Welt und den in ihr befindlichen Dingen heraus denken, sich also den göttlichen und geistigen Menschen nur körperlich und natürlich vorstellen. Somit folgert er: Wäre Gott Mensch, müßte er so groß sein wie das Weltall, und würde er Himmel und Erde regieren, so müßte das in der Weise der irdischen Könige durch viele Beamte geschehen. Entgegnet man ihm, daß es im Himmel keine Ausdehnung des Raumes gibt wie in der Welt, könnte er es überhaupt nicht fassen. Denn wer nur aus der Natur und deren Licht denkt, vermag ganz of­fensichtlich nur in räumlichen Vorstellungen zu denken. Es ist aber eine große Täuschung, sich den Himmel ebenso vor­zustellen. Das Räumliche gleicht dort nicht dem Räumli­chen der Welt. In der Welt ist es begrenzt und läßt sich mes­sen, im Himmel nicht begrenzt und auch nicht meßbar. Mehr darüber im Folgenden, wo von Raum und Zeit in der geistigen Welt die Rede sein wird. Überdies weiß jeder, wie weit sich die Sehkraft des Auges erstreckt, nämlich bis zur Sonne und zu den Sternen, die doch so weit entfernt sind. Wer tiefer denkt, weiß auch, daß das innere Sehen — das des Denkens — darüber hinaus geht und es daher von einer noch tiefer verinnerlichten Schau übertroffen wird. Um wieviel mehr also noch vom göttlichen Sehen, welches das allerin­nerste und höchste ist?! Da nun die Gedanken einer solchen Ausdehnung fähig sind, so werden auch alle himmlischen Angelegenheiten einem jeden seiner Bewohner mitgeteilt, folglich alles, was zum Göttlichen gehört, das den Himmel bildet und ihn erfüllt, wie dies in den vorhergehenden Ab­schnitten gezeigt wurde.

*86.   Die Himmlischen wunderten sich, daß sich Menschen für intelligent halten, die sich unter Gott ein un­schaubares, unter keiner Gestalt faßbares Wesen vorstellen und die Andersdenkenden für beschränkt, ja einfältig er­klären, obgleich doch das Gegenteil zutrifft. Sie meinen, jene die sich deshalb für intelligent halten, sollten sich lieber prü­fen, ob sie nicht anstelle Gottes bloß die Natur sehen. Man­che von ihnen erblicken die vor Augen liegende, andere die unsichtbare Natur, und es fragt sich, ob ihre Blindheit nicht so weit geht, daß sie überhaupt nicht wissen was Gott, ein Engel, ein Geist, was ihre nach dem Tode fortlebende Seele, das Leben des Himmels beim Menschen und anderes mehr ist. Das alles gehört zur Einsicht, und die von ihnen als ein­fältig Bezeichneten wissen dies alles auf ihre Weise. Denn sie haben von ihrem Gott die Vorstellung, daß er das Göttliche in menschlicher Gestalt ist, von den Engeln, daß sie himmlische Menschen sind, von ihrer eigenen Seele, die nach dem Tode fortleben soll, daß sie wie ein Engel ist. Und unter dem himm­lischen Leben beim Menschen stellen sie sich ein Leben nach den göttlichen Geboten vor. Diese heißen daher bei den En­geln intelligent und für den Himmel geeignet, jene aber im Gegenteil beschränkt. 

*86. Über den Herrn und sein Göttlich Menschliches aus den «Himmlischen Geheimnissen».

Der Herr hatte das Göttliche schon von der Empfängnis her (ex ipsa conceptione) Nr. 4641. 4963. 5041. 5157. 6716. 10125. Der Herr allein hatte den göttlichen Samen, Nr.1438. Seine Seele war Jehovah, Nr. 1999. 2004 f. 2018. 2025. So war das Innerste des Herrn das Göttliche selbst und die Umhül­lung von der Mutter, Nr. 5041. Das Göttliche selbst war das Sein des Herrn, aus dem danach das Menschliche hervorging; aus diesem Sein wurde später Dasein, Nr. 3194. 3210. 10270. 10372.

Innerhalb der Kirche, wo das Wort und durch dieses der Herr bekannt ist, darf das Göttliche des Herrn nicht geleugnet werden, noch das aus ihm hervorgehende Heilige, Nr. 2359. Die innerhalb der Kirche den Herrn nicht anerkennen, haben keine Verbindung mit dem Göttlichen; anders (ist es bei denen), die außerhalb der Kirche sind, Nr. 10205. Das We­sentliche der Kirche ist, das Göttliche des Herrn und seine Vereinigung mit dem Vater anerkennen, Nr. 10083. 10112. 10370. 10728. 10730. 10816 ff. 10820.

Im Wort wird mit vielem von der Verherrlichung des Herrn gehandelt, Nr. 10828, und überall im inneren Sinne des Göttlichen Wortes, Nr. 2249. 2523. 3245. Der Herr hat sein Menschliches verherrlicht und nicht das Göttliche, weil die­ses an sich schon verherrlicht war, Nr. 10057. Der Herr kam in die Welt, um sein Menschliches zu verherrlichen, Nr.3637. 4286. 9315. Der Herr hat sein Menschliches verherrlicht durch die göttliche Liebe, die von der Empfängnis her in ihm war, Nr.4727. Die Liebe des Herrn zum ganzen Menschenge­schlecht war das Leben des Herrn in der Welt, Nr. 2253. Die Liebe des Herrn übersteigt jeden menschlichen Verstand, Nr. 2077. Der Herr hat das menschliche Geschlecht dadurch er­rettet, daß er sein Menschliches verherrlichte, Nr. 4180. 10019. 10152. 10655. 10659. 10828. Sonst wäre das ganze Menschengeschlecht des ewigen Todes gestorben, Nr. 1676. Vom Stande der Verherrlichung und der Erniedrigung des Herrn, Nr. 1785. 1999. 2159. 6866. Die Verherrlichung, ist die Vereinigung seines Menschlichen mit dem Göttlichen, und verherrlichen heißt göttlich machen, Nr. 1603. 10053. 10828. Der Herr zog, als er sein Menschliches verherrlichte, alles Menschliche von der Mutter aus, bis dahin, daß er nicht mehr ihr Sohn war, Nr. 2159.  2574. 2649. 3036. 10829.

Der Sohn Gottes von Ewigkeit war das Göttlich Wahre im Himmel, Nr. 2628. 2798. 2803. 3195. 3704. Der Herr machte, als er in der Welt war, auch sein Menschliches zum Göttlich Wahren aus dem Göttlich Guten, das in ihm war, Nr. 2803. 3194 f. 3210. 6716. 6864. 7014. 7499. 8127. 8724. 9199. Der Herr brachte damals alles bei sich in die himmli­sche Form, die dem Göttlich Wahren gemäß ist, Nr. 1928. 3633. Darum ward der Herr das Wort genannt, das das Gött­lich Wahre ist, Nr. 2533. 2818. 2859. 2894. 3393. 3712. Der Herr allein hatte ein Wahrnehmen und Denken aus sich selbst, und erhaben über alles Wahrnehmen und Denken der Engel, Nr. 1904. 1914 f.

Der Herr vereinigte das Göttlich Wahre, das er selbst war, mit dem Göttlich Guten, das in ihm war, Nr. 10047. 10052. 10076. Die Vereinigung war eine wechselseitige, Nr. 2004. 10067. Der Herr hat, als er aus der Welt ging, auch sein Menschliches zum Göttlich Guten gemacht, Nr. 3194. 3210. 6864. 7499. 8724. 9199. 10076. Dies wird verstanden unter dem, daß er vom Vater ausging und zum Vater zurückging, Nr. 3194. 3210. So ist er eines geworden mit dem Vater, Nr. 2751. 3704. 4766. Nach der Vereinigung geht das Göttlich-­Wahre vom Herrn aus, Nr. 3704. 3712. 3969. 4577. 5704. 7499. 8127. 8241. 9199. 9398. Wie das Göttlich Wahre her­vorgehe, ins Licht gesetzt, Nr.7270. 9407. Der Herr vereinigte aus eigener Macht das Menschliche mit dem Göttlichen, Nr. 1616. 1749. 1753. 1813. 1921. 2025 f. 2523. 3141. 5005. 5045. 6716. Hieraus kann deutlich werden, daß das Menschliche des Herrn nicht war wie das Menschliche eines anderen Men­schen, weil er aus dem Göttlichen selbst empfangen war, Nr. 10125. 10826. Seine Vereinigung mit dem Vater, aus dem seine Seele (war), war nicht wie zwischen Zweien, sondern wie zwischen Seele und Leib, Nr. 3737. 10824.

Die Allerältesten (Antiquissimi, die Urmenschen) konn­ten nicht das Göttliche Sein (Esse) anbeten, sondern das Göttliche Dasein (Existere), welches das Göttlich Menschli­che ist, und der Herr kam dazu in die Welt, um das Göttliche Dasein aus dem Göttlichen Sein zu werden, Nr. 4687. 5321. Die Alten (Antiqui) erkannten das Göttliche an, weil es ihnen in menschlicher Gestalt erschien, und dies war ihnen das Göttlich Menschliche, Nr. 5110. 5663. 6846. 10737. Das unendliche Sein konnte nicht in den Himmel bei den Engeln noch bei den Menschen einfließen, außer durch das Göttlich­ Menschliche, Nr. 1646. 1990. 2016. 2035. Im Himmel wird kein anderes Göttliches erkannt als das Göttlich Menschli­che, man vergleiche Nr. 6475. 9267. 9303. 10067. Das Gött­lich Menschliche von Ewigkeit war das Göttlich Wahre im Himmel und das durch den Himmel hindurchgehende Gött­liche, somit das Göttliche Dasein (Existere), das nachher im Herrn zum Göttlichen Sein an sich (per se) wurde, aus wel­chem das Göttliche Dasein im Himmel, Nr. 3061. 6280. 6880. 10579. Wie der Zustand des Himmels vor der Ankunft des Herrn beschaffen war, Nr. 6371 ff. Das Göttliche war nicht erfaßbar (perceptibile) außer nachdem es durch den Himmel hindurch gegangen war, Nr. 6982. 6996. 7004.

Die Bewohner aller Weltkörper beten das Göttliche unter menschlicher Gestalt, somit den Herrn an, Nr. 6700. 8541-8547. 10736 ff. Sie freuen sich, wenn sie hören, daß Gott wirklich Mensch geworden sei, Nr. 9361. Der Herr nimmt alle auf, die im Guten sind und das Göttliche in menschlicher Gestalt anbeten, Nr. 9359. Gott kann nicht gedacht werden, außer in menschlicher Gestalt, und was unbegreiflich ist, fällt in keine Vorstellung, somit auch nicht in den Glauben, Nr. 9359. 9972. Der Mensch kann verehren, wovon er eine Vorstel­lung hat, nicht aber, wovon er keine Vorstellung hat, Nr. 4733. 5110. 5633. 7211. 9267. 10067. Darum wird von den meisten auf dem ganzen Erdkreis das Göttliche unter menschlicher Gestalt verehrt, und zwar geschieht dies infolge eines Einflusses aus dem Himmel, Nr. 10159. Alle, die dem Leben nach im Guten sind, denken sich, wenn sie an den Herrn denken, das Göttlich Menschliche und nicht ein vom Göttlichen getrenn­tes Menschliches; anders diejenigen, die kein gutes Leben führen, Nr. 2326. 4724. 4731. 4766. 8878. 9193. 9198. Das Menschliche des Herrn ohne das Göttliche denken heutzutage in der Kirche diejenigen, die ihrem Leben nach böse sind, dann auch die, die in einem von der Nächstenliebe getrennten Glau­ben sind, und sie fassen nicht, was das Göttlich Menschliche (sein soll):

Gründe (warum), Nr. 3212. 3241. 4689. 4692. 4724. 4731. 5321. 6372. 8878. 9193. 9198. Daß das Menschliche des   Herrn göttlich sei, weil es aus dem Sein des Vaters (gebildet wurde), das ihm Seele (war), verdeutlicht durch die Ähnlichkeit des Vaters in seinen Kindern, Nr. 10270. 10372. 10823. Und weil es aus der Göttlichen Liebe (gebildet wurde), welche das eigentliche Sein (ipsum Esse) seines Lebens von der Empfäng­nis her war, Nr. 6872. Jeglicher Mensch ist so wie seine Liebe, und er ist seine Liebe, Nr. 6872. 10177. 10284. Der Herr hat all sein Menschliches, sowohl das innere als das äußere, göttlich gemacht, Nr. 1603. 1815. 1902. 1926. 2803. 2093. Darum ist er auch seinem ganzen Körper nach auferstanden, anders als irgendein Mensch, Nr. 1729. 2083. 5078. 10825.

Daß das Menschliche des Herrn göttlich ist, wird erkannt aus seiner Allgegenwart im Heiligen Abendmahl, Nr. 2343. 2359. Und aus seiner Verklärung vor den drei Jüngern, Nr. 3212, sowie auch aus dem Worte des Alten Testaments, sofern er dort Gott heißt, Nr. 10154 sowie Jehovah, Nr. 1603. 1736. 1815. 1902. 2921. 3035. 5110. 6281. 6303. 8864. 9194. 9315. Im Buchstabensinn wird unterschieden zwischen Vater und Sohn oder Jehovah und dem Herrn, nicht aber im innern Sinn des Wortes, in dem die Engel des Himmels sind, Nr. 3035. Daß man in der Christenheit das Menschliche des Herrn nicht als göttlich anerkannte, geschah in der Kirchen­versammlung des Papstes wegen, damit dieser als sein Stell­vertreter anerkannt würde, Nr. 3035.

Die Christen wurden im anderen Leben geprüft, wel­cherlei Vorstellung sie von dem Einen Gott hätten, und man fand, daß sie die Vorstellung dreier Götter haben, Nr. 2329. 5256. 10736 ff. 10821. Eine Dreifaltigkeit (Trinitas) oder ein dreifaltiges Göttliche (Trinum Divinum) in einer Person kann begriffen werden und in dieser Weise Ein Gott, nicht aber in drei Personen, Nr. 10738. 10821. 10824. Ein dreifaches Göttli­ches im Herrn wird anerkannt im Himmel, Nr. 14 f. 1729. 2005. 5256. 9303. Das Dreifaltige im Herrn ist das Göttliche selbst, welches der Vater heißt, das Göttlich Menschliche, wel­ches der Sohn, und das ausgehende Göttliche, welches der Heilige Geist heißt, und dieses dreifache Göttliche ist Eines, Nr. 2149. 2156. 2288. 2321. 2329. 2447. 3704. 6993. 7182. 10738. 10822 f. Der Herr selbst lehrt, daß der Vater und er eines seien, Nr. 1729. 2004 f. 2018. 2025. 2751. 3704. 3736. 4766, und daß das Heilige Göttliche von ihm ausgehe, und daß es das seine sei, Nr. 3969. 4673. 6788. 6993. 7499. 8127. 8302. 9199. 9228 f. 9270. 9407. 9818.

Das Göttlich Menschliche fließt in den Himmel ein und macht den Himmel, Nr. 3038. Der Herr ist alles im Himmel und ist das Leben des Himmels, Nr. 7211. 9128. Der Herr wohnt in dem Seinigen bei den Engeln, Nr. 9338. 10125. 10151. 10157. Daher sind die, die im Himmel sind, im Herrn, Nr. 3637 f. Die Verbindung des Herrn mit den Engeln verhält sich gemäß der Aufnahme des Guten der Liebe und Nächstenliebe von ihm, Nr. 904. 4198. 4206. 4211. 4320. 6280. 6832. 7042. 8819. 9680. 9682 f. 10106. 10811. Der gesamte Himmel bezieht sich auf den Herrn, Nr. 551 f. Der Herr ist der gemeinsame Mittelpunkt des Himmels, Nr. 3633. Alle dort kehren sich dem Herrn zu, der über den Himmeln ist, Nr. 9828. 10130. 10189. Doch kehren nicht die Engel sich dem Herrn zu, sondern der Herr kehrt die­selben sich zu, Nr. 10189. Es ist nicht eine Gegenwart der Engel bei dem Herrn, sondern eine Gegenwart des Herrn bei den Engeln, Nr. 9415. Es findet im Himmel keine Verbindung mit dem Göttlichen selbst statt, sondern mit dem Göttlich­-Menschlichen, Nr. 4211. 4724. 5633.

Der Himmel entspricht dem Göttlich Menschlichen des Herrn, und daher ist der Himmel in seiner Gesamtheit wie ein Mensch, und darum wird der Himmel der größte Mensch genannt, Nr. 2996. 2998. 3624 3649. 3741 3745. 4625. Der Herr ist der alleinige Mensch, Nr. 1894. Inwieweit sie ihn aufnehmen, insoweit sind sie Menschen und seine Ebenbil­der, Nr. 8547. Darum sind die Engel Formen der Liebe in menschlicher Gestalt, und zwar dies vom Herrn, Nr. 3804. 4735. 4797. 4985. 5199. 5530. 9879. 10177. Der gesamte Himmel ist des Herrn, Nr. 2751. 7086. Sein ist alle Gewalt in den Himmeln und auf Erden, Nr. 1607, 10089. 10827. Weil der Herr den gesamten Himmel regiert, so regiert er auch alles, was von diesem abhängt, somit alles in der Welt, Nr. 2026 f. 4523 f. Der Herr allein hat die Macht, die Höllen zu entfernen, die Macht vom Bösen abzuhalten und im Guten zu erhalten, somit selig zu machen, Nr. 10019. 



Die Entsprechung aller Teile des Himmels mit allen Teilen des Menschen.

*87.  Es ist heutzutage aus verschiedenen Ursachen unbe­kannt, was Entsprechung ist. Der wichtigste Grund liegt darin, daß der Mensch infolge seiner Selbst  und Weltliebe sich vom Himmel entfernt hat. Denn wer sich und die Welt über alles liebt, trachtet nur nach weltlichen Dingen, weil diese den äußeren Sinnen schmeicheln und die Genußsucht befriedigen, nicht aber nach geistigen Dingen, die die inne­ren Sinne ansprechen und das Gemüt erfreuen. Diese weist man zurück und sagt, sie stünden zu hoch, um als Denkob­jekte in Frage zu kommen. Anders verhielten sich die Alten. Ihnen galt die Wissenschaft der Entsprechungen als vor­nehmste aller Wissenschaften. Durch sie gelangten sie auch zu Einsicht und Weisheit; durch sie hatten die Angehörigen der Kirche Gemeinschaft mit dem Himmel; denn die Wis­senschaft der Entsprechungen ist eine Engelwissenschaft. Die Urmenschen, welche himmlische Menschen waren, dachten wie die Engel aus der Entsprechung selbst. Darum redeten sie auch mit den Engeln, und der Herr erschien ihnen des öfteren und belehrte sie. Heutzutage aber ist diese Wis­senschaft so gänzlich verloren gegangen, daß man nicht ein­mal mehr weiß, was Entsprechung überhaupt ist.

*88.   So muß nun gesagt werden, was und welcher Art Ent­sprechung ist, denn ohne diese Kenntnis kann nichts von der geistigen Welt und ihrem Einfluß in die natürliche klar er­kannt werden, ja nicht einmal, was das Geistige gegenüber dem Natürlichen darstellt. Ohne sie wird nichts von allem deutlich, was den Geist des Menschen, die sogenannte Seele, die Einwirkung des Geistes auf den Körper, noch auch, was den Zustand des Menschen nach dem Tode betrifft. Damit wird nun auch der Weg zum Folgenden gebahnt.

*89.   Zuerst also soll gesagt werden, was Entsprechung ist: Die ganze natürliche Welt entspricht der geistigen, und zwar nicht nur im allgemeinen, sondern auch im einzelnen. Des­halb heißt alles, was in der natürlichen Welt aus der geistigen heraus entsteht, Entsprechendes. Man muß wissen, daß die natürliche Welt aus der geistigen entsteht und besteht, ganz wie die Wirkung aus ihrer wirkenden Ursache. Zur natürli­chen Welt gehört alles räumlich Ausgedehnte, das unter der Sonne ist und aus ihr Wärme und Licht empfängt, und zu die­ser Welt gehört auch alles, was von jener aus besteht. Die gei­stige Welt aber ist der Himmel, und es gehört alles zu ihr, was in den Himmeln ist.

*90.   Weil der Mensch ein Himmel und auch eine Welt in kleinster Gestalt ist, nach dem Bilde des größten (man sehe oben Nr. 57), darum findet sich bei ihm sowohl die geistige als auch die natürliche Welt: die innerlichen Bereiche, die zu sei­nem Gemüt gehören und sich auf Verstand und Willen bezie­hen, bilden seine geistige Welt, die äußerlichen aber, die sei­nem Körper angehören und sich auf dessen Sinne und Hand­lungen beziehen, stellen seine natürliche Welt dar. Als Entsprechendes wird daher alles bezeichnet, was in seiner natürlichen Welt, also in seinem Körper und dessen Sinnen und Handlungen, aus seiner geistigen Welt heraus entsteht, also aus seinem Gemüt und dessen Verstand und Willen.

*91.   Das Wesen der Entsprechung kann man beim Menschen an seinem Angesicht erkennen. In einem Gesicht, das nicht ge­lernt hat, sich zu verstellen, zeigen sich alle Gemütsbewegungen in natürlicher Form wie in einem Abdruck. Daher wird auch das Antlitz der „Spiegel der Seele“ genannt, in dem sich des Men­schen geistige Welt in seiner natürlichen Welt darstellt. Ebenso drücken sich die Überlegungen des Verstandes in der Rede und die Regungen des Willens in den Bewegungen des Körpers aus. Was immer also im Körper vorgeht, sei es im Gesicht, sei es in der Rede, sei es in den Gebärden, heißt Entsprechendes. Hieraus ist auch ersichtlich, was der innere und was der äußere Mensch ist; denn der innere wird der geistige Mensch genannt und der äußere der natürliche. Ferner er­kennt man daraus, daß der eine vom anderen so verschieden ist, wie der Himmel von der Welt, und daß alles, was im äuße­ren und natürlichen Menschen geschieht und entsteht, vom inneren oder geistigen Menschen ausgeht und wirkt.

*92.   Bisher war die Rede von der Entsprechung des inne­ren oder geistigen Menschen mit seinem äußeren oder natür­lichen Menschen. Im Folgenden soll vom Entsprechungsver­hältnis des ganzen Himmels zu den einzelnen Teilen des Men­schen gehandelt werden.

*93.   Es wurde gezeigt, daß der ganze Himmel einen einzi­gen Menschen darstellt und ein Mensch im Bilde ist, weshalb er auch der größte oder Großmensch heißt. Es wurde ferner gezeigt, daß infolgedessen die Engelgesellschaften, aus denen der Himmel besteht, geordnet sind wie die Glied­maßen, Organe und inneren Teile im Menschen. Demnach befinden sich einige im Haupt, einige in der Brust, andere in den Armen oder in deren einzelnen Teilen (man sehe oben Nr. 59 72). Die Gesellschaften nun, die sich in einem gewis­sen Gliede des Großmenschen befinden, entsprechen dem gleichen Glied im Menschen, so z.B. die im Haupt befindli­chen dem Haupt des Menschen, die in der Brust befindlichen der Brust des Menschen, die in den Armen den Armen des Menschen, und so bei den übrigen. Der Mensch besteht überhaupt nur infolge dieser Entsprechung, hat er doch nir­gend anders her als aus dem Himmel sein Bestehen.

*95.   Wie man oben im entsprechenden Abschnitt sieht, ist der Himmel in zwei Reiche unterteilt, von denen das eine das himmlische, das andere das geistige Reich heißt. Das er­stere entspricht im allgemeinen dem Herzen und allem, was im ganzen Leib zum Bereich des Herzens gehört. Das letztere entspricht der Lunge und ihrem Bereich im ganzen Körper. Herz und Lunge bilden auch zwei Reiche im Menschen: Das Herz regiert in ihm durch die Arterien und Venen, die Lunge durch die Nerven  und motorischen Fibern, beide in jeder Kraftanstrengung und Bewegung vereint. In der geistigen Welt jedes Menschen, also in seinem geistigen Menschen, gibt es ebenfalls zwei Bereiche. Der eine ist das Reich des Wil­lens, der andere des Verstandes. Der Wille regiert durch die Neigungen zum Guten, der Verstand durch die Neigun­gen zum Wahren. Diese Bereiche entsprechen auch den Be­reichen des Herzens und der Lunge im Körper. Ebenso ist es im Himmel. Das himmlische Reich besteht im Willens Prin­zip des Himmels, in dem das Gute der Liebe herrscht, und das geistige Reich im Verstandes Prinzip, in dem das Wahre herrscht. Sie entsprechen den Funktionen des Herzens und der Lunge im Menschen. Diese Entsprechung ist der Grund, daß das Herz im Wort den Willen und auch das Gute der Liebe bezeichnet, das Atemholen der Lunge aber den Verstand und das Wahre des Glaubens. Daher werden auch dem Herzen Neigungen zugeschrieben, obgleich sie weder in ihm sind noch aus ihm hervorgehen.

*96.   Das Entsprechungs Verhältnis der beiden Reiche des Himmels zum Herzen und zur Lunge ist das allgemeine Entsprechungs Verhältnis des Himmels zum Menschen. Weniger allgemein aber ist das zu seinen einzelnen Glied­maßen, Organen und inneren Teilen, dessen Wesen wir nun auch beschreiben wollen. Die Engel im Großmenschen oder Himmel, die sich im Haupt befinden, sind in besonde­rer Weise vor anderen in allem Guten: Sie stehen in der Liebe, im Frieden, in der Unschuld, Weisheit, Einsicht und daraus in Freude und Seligkeit. Sie fließen ins Haupt und in all das ein, was beim Menschen zum Haupt gehört, dem sie entsprechen. Die Engel im himmlischen Großmenschen, die sich in der Brust befinden, leben im Guten der Näch­stenliebe und des Glaubens und wirken in die Brust des Menschen ein und entsprechen ihr. Jene Engel, die sich in den Lenden und Zeugungsorganen des größten oder himmlischen Menschen befinden, leben in der ehelichen Liebe, die in den Füßen im letzten Guten des Himmels, dem Geistig Natürlichen; die in den Armen und Händen in der Macht des Wahren aus dem Guten. Die Engel in der Region der Augen befinden sich im Verstand, die in den Ohren im Aufmerken und Gehorsam, und die in der Nase in der Wahr­nehmung; die Engel in der Region des Mundes und der Zunge in der Redefertigkeit, die auf Verstand und Wahrneh­mung beruht. In den Nieren sind die Engel, die im sichten­den, ausscheidenden und zurechtweisenden Wahren sind, in der Leber, im Pankreas und in der Milz jene, die all den mannigfachen Säuberungen des Guten und Wahren oblie­gen   anders wieder bei den übrigen. Sie alle fließen in die ähnlichen Teile des Menschen ein und entsprechen ihnen. Der Einfluß des Himmels geht in die Funktionen und Nutz­wirkungen der Glieder ein. Weil die Nutzwirkungen aus der geistigen Welt stammen, nehmen sie durch Dinge, die in der natürlichen Welt sind, Form an, durch die sie wirken. Daher rührt die Entsprechung.

*97.   Deshalb wird im Wort durch diese Gliedmaßen, Organe und inneren Teile ähnliches bezeichnet. Denn im Wort hat alles seine Bedeutung gemäß den Entsprechungen. Das Haupt bezeichnet daher die Einsicht und Weisheit, die Brust die Nächstenliebe, die Lenden die eheliche Liebe, die Arme und Hände die Macht des Wahren, die Füße das Natür­liche, die Augen den Verstand, die Nase die Wahrnehmung, die Ohren den Gehorsam, die Nieren die Reinigung des Wah­ren usw. So kommt es auch zu bestimmten Redewendun­gen: Von einem einsichtsvollen und weisen Menschen sagt man: das ist ein Kopf; einen liebevollen nennt man gern einen Busenfreund. Jemandem, der sich durch seine Wahr­nehmung auszeichnet, sagt man nach, er habe eine scharfe Nase; ein besonders Einsichtiger, sagt man, habe ein scharfes Auge. Ein Mächtiger, heißt es, habe weitreichende Arme, und von einem, der etwas aus Liebe will, meint man, er wolle es von Herzen. Diese und viele andere Redewendungen des Menschen haben ihren Ursprung in der Entsprechung, stam­men sie doch, obgleich der Mensch es nicht weiß, aus der gei­stigen Welt.

*98.   Dieses Entsprechungs Verhältnis aller Dinge des Himmels zu allen Dingen des Menschen ist mir durch viel­fältige Erfahrungen gezeigt worden, und zwar so häufig, daß ich davon als von einer ganz augenscheinlichen und unbe­zweifelbaren Sache völlig überzeugt bin. Alle diese Erfahrun­gen hier anzuführen, ist nicht nötig, überdies der Menge wegen unmöglich. Man findet sie jedoch in den „Himmli­schen Geheimnissen“ wo von den Entsprechungen, den Vor­bildungen, vom Einfluß aus der geistigen in die natürliche Welt und von der Verbindung der Seele mit dem Körper ge­handelt wird.

*99.   Doch obwohl nun alle zum Körper des Menschen gehörenden Teile allen Teilen des Himmels entsprechen, ist der Mensch nicht seiner äußeren, sondern seiner inneren Form nach ein Ebenbild des Himmels. Denn die inneren Be­reiche des Menschen nehmen den Himmel, seine äußerli­chen die Welt auf. In dem Maße also, wie diese innerlichen Bereiche des Menschen den Himmel aufnehmen, ist er im Hinblick auf sie ein Himmel in kleinster Gestalt, nach dem Bilde des Großmenschen. In dem Maße aber, wie seine inne­ren Regionen den Himmel nicht aufnehmen, ist er auch kein Himmel und kein Abbild des Großmenschen. Dennoch kann das Äußere, das die Welt aufnimmt, in einer mit der Ordnung der Welt übereinstimmenden Gestalt und daher in mancher­lei Schönheit sein. Denn die äußere Schönheit des Körpers stammt von den Eltern und von der Bildung im Mutterleib und wird nachher durch den allgemeinen Einfluß aus der Welt erhalten. Aus diesem Grund ist die natürliche Gestalt des Menschen sehr verschieden von der seines geistigen Menschen. Es wurde mir einige Male gezeigt, wie der Geist eines Menschen seiner Gestalt nach beschaffen war, und ich sah, daß er bei einigen, die ein schönes und liebliches Gesicht hatten, häßlich, schwarz und unförmig war, so daß man ihn eher ein Bild der Hölle als ein solches des Himmels nennen würde. In anderen aber, die nicht schön waren, zeigte er sich wohlgestaltet, weiß und engelgleich. Tatsächlich erscheint auch der Geist des Menschen nach dem Tode in der Gestalt, wie sie in seinem Körper verborgen war, der ihn während sei­nes irdischen Lebens bekleidete.

*100. Die Entsprechung erstreckt sich aber noch über den Menschen hinaus, gibt es doch auch eine Entsprechung der Himmel untereinander. Dem dritten oder innersten Himmel entspricht der zweite oder mittlere, dem zweiten oder mittle­ren der erste oder unterste Himmel, und dieser wiederum entspricht den körperlichen Formen im Menschen, also sei­nen Gliedmaßen, Organen und inneren Teilen. So ist es das Leibliche, in das der Himmel zuletzt ausmündet und auf dem er als auf seiner Grundlage ruht. Doch dieses Geheimnis soll an anderer Stelle vollständiger entfaltet werden.

*101. Man muß jedoch vor allem wissen, daß jede Ent­sprechung mit dem Himmel eine solche mit dem Göttlich-­Menschlichen des Herrn ist, denn von ihm stammt der Him­mel, und er ist der Himmel, wie dies in den vorhergehenden Abschnitten gezeigt wurde. Flösse nicht das Göttlich-­Menschliche in alle Teile des Himmels und gemäß den Ent­sprechungen in alle Teile der Welt ein, so gäbe es weder Engel noch Menschen. Hieraus ergibt sich wiederum, weshalb der Herr Mensch geworden ist und sein Göttliches mit Mensch­lichem vom Ersten bis zum Letzten bekleidet hat. Es geschah nämlich, weil das Göttlich Menschliche, aus dem sich der Himmel vor der Ankunft des Herrn bildete, nicht länger genügte, um alles zu erhalten, weil der Mensch, der die Un­terlage des Himmels ist, die Ordnung erschüttert und zerstört hatte. Wesen und Beschaffenheit des Göttlich Menschli­chen, das vor der Ankunft des Herrn bestand, sowie der da­malige Zustand des Himmels ist im Anhang zu dem vorher­gehenden Abschnitt beschrieben worden.

*102. Die Engel sind sehr erstaunt, wenn sie hören, daß es Menschen gibt, die alles der Natur und nichts dem Göttlichen zuschreiben und glauben, daß ihr Leib, der eine Ansamm­lung so vieler bewundernswerter Einzelheiten des Himmels darstellt, aus der Natur hervorgegangen sei, ja sogar das Ver­nünftige des Menschen von daher stamme. Und dies, obwohl doch die Menschen durchaus sehen könnten, daß all dies nicht der Natur, sondern dem Göttlichen entstammt und daß die Natur nur erschaffen wurde, um das Geistige zu bekleiden und in entsprechender Weise im Letzten der Ordnung darzu­stellen. Freilich müßten sie dazu ihren Geist um einiges er­heben. Die Engel vergleichen solche Menschen mit Nachteu­len, die in der Finsternis und nicht im Licht sehen. 

Es besteht eine Entsprechung des Himmels zu allen Dingen der Erde.

*103. Was Entsprechung ist, wurde im vorhergehenden Abschnitt gesagt und auch gezeigt, ebenso die Entsprechung aller Einzelheiten des beseelten Körpers. Der Ordnung wegen ist nun noch zu zeigen, daß alle Dinge der Erde, ja überhaupt alle Einzelheiten der Erde Entsprechungen sind.

*104. Alle Dinge der Erde werden in drei Gattungen oder Reiche eingeteilt, nämlich Tierreich, Pflanzenreich und Mi­neralreich. Was lebt, gehört zum Tierreich und ist eine Ent­sprechung ersten Grades; was nur wächst, gehört zum Pflan­zenreich und ist eine Entsprechung zweiten Grades, und was weder lebt noch wächst, gehört zum Mineralreich und ist eine Entsprechung des dritten Grades. Die Entsprechungen im Tierreich sind die verschiedenen Lebewesen, sowohl die­jenigen, die auf der Erde schreiten und kriechen, als auch jene, die in der Luft fliegen, und die hier nicht im besonderen aufgeführt werden sollen, weil sie bekannt sind. Die Entsprechungen im Pflanzenreich bestehen aus allem, was in Gär­ten, Wäldern, Äckern und Feldern wächst und blüht. Auch dies brauchen wir nicht im einzelnen zu benennen, weil es ebenfalls bekannt ist. Die Entsprechungen im Mineralreich bestehen aus allen edlen und unedlen Metallen, allen kost­baren und gewöhnlichen Steinen, allen verschiedenen Erdarten und den Gewässern. Entsprechungen sind ferner die Dinge, die menschlicher Fleiß aus dem genannten zum Gebrauch bereitet: Alle Arten von Speisen, Kleidungsstücken, Häusern, Gebäuden und vieles andere mehr.

*105. Auch was über der Erde ist, etwa Sonne, Mond und Sterne, dann was zur Atmosphäre gehört, wie Wolken, Nebel, Regen, Blitz und Donner, ist etwas, das entspricht. Das gilt auch von allem, was mit der Sonne zusammenhängt, ihrem Schein und ihrer Abwesenheit, Licht und Schatten, Wärme und Kälte, sowie für alles, was davon abhängt: Die Jahreszei­ten (Frühling, Sommer, Herbst und Winter) und die Tages­zeiten (Morgen, Mittag, Abend und Nacht).

*106. Mit einem Wort: Alles, was in der Natur entsteht, vom kleinsten bis zum größten, ist etwas Entsprechendes. Der Grund ist aber, daß die natürliche Welt mit allem, was zu ihr gehört, aus der geistigen Welt entsteht und besteht, und somit beide aus dem Göttlichen. Wir sagen aber, daß sie auch be­steht, weil alles davon besteht, wovon es entstanden ist; denn das Bestehen ist ein fortwährendes Entstehen, weil nichts be­stehen kann durch sich selbst, sondern nur durch ein ihm Vor­hergehendes, also durch ein Erstes. Wird es von diesem ge­trennt, so geht es völlig zugrunde und verschwindet.

*107. Entsprechendes ist alles, was in der Natur nach der göttlichen Ordnung entsteht und besteht. Die göttliche Ord­nung ist eine Wirkung des göttlichen Guten, das vom Herrn ausgeht. Sie fängt bei ihm an, geht von ihm aus durch die Himmel hindurch allmählich bis in die Welt und mündet dort im Letzten. Was hier der göttlichen Ordnung gemäß ist, heißt Entsprechung. Alles aber, was in der Welt gut und vollkom­men zur Erfüllung eines Nutzzweckes dient, ist der Ordnung gemäß. Denn alles Gute ist gut gemäß dem Nutzen, den es schafft, während sich die Form auf das Wahre bezieht, weil das Wahre die Form des Guten ist. Darum bezieht sich in der gesamten Welt und deren Natur alles, was in der göttlichen Ordnung ist, auf das Gute und Wahre.

*108. Alle Dinge in der Welt entstehen aus dem Göttlichen und werden in der Natur in solche Formen gekleidet, durch die sie in der Welt sein, Nutzen schaffen und so entsprechen können. Dies zeigt sich deutlich an den einzelnen Erschei­nungen sowohl im Tier  als auch im Pflanzenreich. In beiden Reichen gibt es Dinge, an denen jeder erkennen kann, daß sie aus dem Himmel stammen, sofern er vom Inwendigen her denkt. Zur Illustration sollen von unzähligen nur wenige Bei­spiele angeführt werden. Zuerst einiges aus dem Tierreich: Allgemein bekannt ist, welch ein Wissen jedem Tier gleich­sam angeboren ist. So wissen die Bienen den Honig aus den Blumen zu sammeln, aus dem Wachs Zellen zu bauen, in denen sie ihren Honig speichern können, um so sich und ihr Volk mit Nahrung zu versorgen, auch für den kommenden Winter. Ihre Königin legt Eier, die übrigen pflegen und hüten sie, damit ein neues Geschlecht daraus entstehen kann. Sie leben unter einer gewissen Regierungsform, die sie aus ihrem eingeborenen Wissen heraus alle kennen. Sie erhalten die nützlichen Bienen, die anderen treiben sie aus und berauben sie ihrer Flügel — anderer wunderbarer Fähigkeiten nicht zu erwähnen, die ihnen des Nutzzwecks wegen vom Himmel eingepflanzt werden. Denn das Wachs dient den Menschen auf der ganzen Erde zur Beleuchtung und der Honig zur Ver­süßung der Speisen. Und was geht nicht alles mit den Raupen vor, die doch im Tierreich die verachtetsten Kreaturen sind!? Sie wissen, wie sie sich mit dem Saft aus dem für sie taugli­chen Blattwerk zu ernähren haben, sie umgeben sich, wenn ihre Zeit gekommen ist, mit einer Hülle, in der sie wie in einer Gebärmutter liegen und so für die Nachkommenschaft ihrer Gattung sorgen. Einige von ihnen verwandeln sich zuerst in Puppen oder Goldpuppen und spinnen Fäden. Nach voll­brachter Arbeit werden sie mit einem anderen Körper ausge­stattet und mit Flügeln versehen. Dann fliegen sie in der Luft wie in ihrem Himmel, begatten sich, legen Eier und sorgen für ihre Nachkommenschaft. Aber nicht nur die hier beson­ders genannten, alle geflügelten Tiere unter dem Himmel kennen die Speisen, die sie ernähren, und wissen auch, wo sie zu finden sind. Sie wissen ihre Nester zu bauen, jede Gattung wieder anders, um ihre Eier hineinzulegen und auszubrüten, ihre Jungen heranzuziehen und zu ernähren und sie schließ­lich aus dem Nest zu treiben, sobald sie selbständig sein kön­nen. Sie kennen auch ihre Feinde, die sie fliehen, ihre Freunde, mit denen sie sich zusammengesellen müssen­ und dies von klein auf. Ich will schweigen von den Wunder­dingen in den Eiern selbst, in denen schon alles für die Bil­dung und Ernährung des werdenden Tierleins in seiner Ord­nung vorbereitet ist, wie auch von unzähligen anderen Din­gen. Wer nur ein wenig vernünftig und weise denkt, könnte der wohl je etwas anderes behaupten, als daß all diese Dinge aus einer geistigen Welt stammen müssen, da doch die natür­liche nur dazu dient, das von daher Stammende mit einem Leib zu bekleiden bzw. etwas in seiner Ursache Geistiges in der Wirkung darzustellen!? Daß nun alle diese Tiere, die Landtiere und die geflügelten Tiere, in die genannten In­stinkte hineingeboren werden, nicht aber der Mensch, der doch mehr ist als sie, hat seinen Grund darin, daß die Tiere in ihre Lebensordnung eingebettet sind. Weil ihnen der Bereich der Vernunft fehlt, konnten sie nicht zerstören, was in ihnen von der geistigen Welt her angelegt ist. Anders der Mensch, der aus der geistigen Welt denkt. Er hat durch ein Leben gegen die Ordnung, das durch seine Vernunftfähigkeit be­günstigt wurde, jenen Einfluß aus der geistigen Welt bei sich verkehrt. Darum ist es nicht anders möglich, als daß er in völ­lige Unwissenheit hineingeboren und hernach durch göttli­che Mittel in die Ordnung des Himmels zurückgeführt wird.

*109. Die Entsprechungen des Pflanzenreiches sind aus zahlreichen Beispielen ersichtlich, etwa daß winzige Sa­menkörnchen zu Bäumen emporwachsen, Blätter und Blü­ten treiben und nachher Früchte bringen, in denen sich wie­der Samen bilden, und daß all dies nach und nach entsteht und zudem in einer so bewundernswerten Ordnung, daß es nicht mit wenigen Worten beschrieben werden kann. Es müßten ganze Bücher sein, und doch ließen sich die tieferen Geheimnisse, die ihren Nutzzwecken näher liegen, nicht wissenschaftlich ergründen. Weil auch dieser Bereich aus der geistigen Welt oder dem Himmel stammt, der menschli­che Gestalt hat, wie oben in seinem Abschnitt gezeigt wurde, so haben auch die Einzelheiten dieses Reiches eine gewisse Beziehung zu Dingen, die sich beim Menschen finden, wie auch einigen Gelehrten bekannt ist. Auch alle Einzelheiten dieses Reiches sind Entsprechungen, wie mir durch viele Er­fahrungen klar wurde. Denn wenn ich mich in Gärten auf­hielt und dort die Bäume, Früchte, Blumen und Hülsen­früchte betrachtete, bemerkte ich häufig im Himmel die Ent­sprechungen, redete darüber mit Engeln, bei denen sie waren, und wurde so über ihren Ursprung und ihre Beschaf­fenheit unterrichtet.

*110. Die geistigen Dinge des Himmels, denen die natür­lichen in der Welt entsprechen, kann man heutzutage jedoch nicht anders als aus dem Himmel kennenlernen, weil die Wissenschaft der Entsprechungen völlig verloren gegangen ist. Ich möchte aber durch einige Beispiele beleuchten, wel­cher Art das Entsprechungsverhältnis der geistigen zu den natürlichen Dingen ist.

Die Tiere entsprechen im allgemeinen den Neigungen, die zahmen und nützlichen den guten, die wilden und unnützen den bösen Neigungen. Insbesondere entspre­chen Rinder und Stiere den Neigungen des natürlichen Gemüts, Schafe und Lämmer den Neigungen des geistigen Willens, geflügelte Tiere, je nach ihrer Art, den Verstandes­bereichen beider Gemüter. So kommt es, daß verschiede­ne Tiere, wie Rinder, Stiere, Widder, Schafe, Ziegen, Böcke, männliche und weibliche Lämmer, sowie auch Tauben und Turteltauben in der israelitischen Kirche zu heiligem Brauch dienten. Die Kirche war eine vorbildende, und die genannten Tiere wurden zu Schlacht  und Brandopfern benutzt, entsprachen sie doch bei dieser Verwendung den geistigen Dingen, die im Himmel den Entsprechungen gemäß verstanden wurden. Der Grund dafür, weshalb die Tiere je nach ihren Gattungen und Arten Neigungen darstel­len, liegt darin, daß sie lebendig sind und ihr Leben allein aus ihrem Triebe stammt und ihm gemäß ist. Daher hat auch jedes Tier ein angeborenes Wissen gemäß dem Trieb seines Lebens. Seinem natürlichen Menschen nach ist der Mensch den Tieren ähnlich, und deshalb wird er auch im allgemeinen Sprachgebrauch häufig mit ihnen verglichen. So nennt man z. B. den Sanftmütigen ein Schaf oder Lamm, den Wilden einen Bären oder Wolf, den Schlauen einen Fuchs oder eine Schlange usw.

*111. Ein ähnliches Entsprechungsverhältnis besteht auch zu den Objekten des Pflanzenreichs: So entspricht ein Garten im allgemeinen dem Himmel hinsichtlich der Ein­sicht und Weisheit, weshalb auch der Himmel ein „Garten Gottes“ oder ein „Paradies“ genannt wird und auch der Mensch von dem „himmlischen Paradiese“ spricht. Die Bäume entsprechen je nach ihren Arten den Wahrnehmun­gen und Erkenntnissen des Guten und Wahren, die zu Ein­sicht und Weisheit führen. Darum hielten die Alten, die die Kenntnis der Entsprechungen besaßen, ihren Gottesdienst in Hainen ab. Und deshalb werden auch im Wort so oft Bäume genannt und werden der Himmel, die Kirche und der Mensch mit dem Weinstock, dem Ölbaum, der Zeder und anderen Bäumen verglichen, das Gute aber, das sie tun, mit den Früchten. Auch die aus ihnen gewonnene Nahrung, beson­ders die aus den Feldfrüchten bereitete, entspricht den Nei­gungen zum Guten und Wahren, und zwar deshalb, weil sie das geistige Leben ebenso nähren, wie irdische Nahrungs­mittel das natürliche. So entspricht das Brot im allgemei­nen der Neigung zu allem Guten, weil es mehr als jede andere Nahrung das Leben erhält, und durch das Brot die Nahrung schlechthin bezeichnet wird. Dieser Entsprechung wegen nennt sich auch der Herr selbst das Brot des Lebens. Aus dem selben Grunde waren auch in der israelitischen Kirche Brote in gottesdienstlichem Gebrauch, denn die sogenannten „Schaubrote“ wurden auf dem Tisch in der Stiftshütte ausge­legt. Überdies wurde der ganze durch Schlacht  und Brand­opfer vermittelte Gottesdienst „Brot“ genannt. Dieser Ent­sprechung wegen ist auch das Heiligste des christlichen Got­tesdienstes das Abendmahl, bei dem Brot und Wein gereicht werden. Aus diesen wenigen Beispielen kann die Natur der Entsprechung ersehen werden.

*112. Wie die Verbindung des Himmels mit der Welt durch Entsprechungen bewirkt wird, soll ebenfalls kurz er­klärt werden. Das Reich des Herrn ist ein Reich von Zwecken, welche Nutzwirkungen sind oder — was auf dasselbe hinaus­läuft — von Nutzwirkungen, welche Endzwecke sind. Darum ist das Weltall vom Göttlichen so geschaffen und gebildet wor­den, daß sich die Nutzwirkungen allenthalben in solche For­men einkleiden können, durch die sie in ihrer Verwirklichung dargestellt werden, zuerst im Himmel und dann in der Welt, also stufenweise und allmählich bis herab zum Letzten der Natur. Daraus geht hervor, daß die Entsprechung der natürli­chen mit den geistigen Dingen oder der Welt mit dem Himmel durch Nutzwirkungen hervorgerufen wird, und daß diese das Verbindende sind. Ferner geht daraus hervor, daß die zur Ein­kleidung der Nutzwirkungen dienenden Formen insoweit Entsprechungen und Mittel der Verbindung sind, als sie wirk­lich Formen der Nutzwirkungen darstellen. Im dreifachen Reich der Natur sind alle Dinge, die darin der Ordnung gemäß sind, Formen von Nutzwirkungen bzw. Wirkungen, die von einem Nutzen zur Nutzwirkung gebildet worden sind, wes­halb auch alle Dinge der drei Naturreiche Entsprechungen sind. Beim Menschen aber, soweit er nach der göttlichen Ord­nung lebt, also in der Liebe zum Herrn und in der Nächstenliebe, sind auch seine Handlungen Nutzwirkungen der Form nach und Entsprechungen, durch die er mit dem Himmel ver­bunden wird. Den Herrn und den Nächsten lieben, heißt im allgemeinen Nutzen schaffen. Weiter muß man wissen, daß es der Mensch ist, durch den die natürliche Welt mit der gei­stigen verbunden wird, oder daß er das Mittel der Verbindung ist. Denn in ihm ist sowohl die natürliche als auch die geistige Welt (man sehe oben Nr. 57). Soweit der Mensch geistig ist, stellt er daher ein Mittel der Verbindung dar, inwieweit er aber natürlich und nicht geistig ist, kann er dies nicht sein. Gleich­wohl besteht auch ohne derartige Vermittlung des Menschen ein göttlicher Einfluß in die Welt sowie in seine irdische Um­gebung, jedoch nicht in sein Vernünftiges.

*113. Wie alles, was der göttlichen Ordnung gemäß ist, dem Himmel entspricht, so entspricht auch alles, was der göttlichen Ordnung zuwider läuft, der Hölle. Was dem Himmel entspricht, bezieht sich samt und sonders auf das Gute und Wahre, was der Hölle entspricht, auf das Böse und Falsche.

*114. Es soll nun noch etwas von der Wissenschaft der Entsprechungen und ihrem Nutzen gesagt werden. Oben wurde gezeigt, daß die geistige Welt, der Himmel, mit der natürlichen durch Entsprechungen verbunden ist. Die Ent­sprechungen verleihen also den Menschen eine Gemein­schaft mit dem Himmel, denn die Engel des Himmels denken nicht wie der Mensch aus dem Natürlichen heraus. Lebt daher der Mensch in der Kenntnis der Entsprechungen, so kann er hinsichtlich der Gedanken seines Gemüts mit den Engeln des Himmels zusammensein und so seinem inneren oder geistigen Menschen nach mit ihnen verbunden werden. Das Wort ist in lauter Entsprechungen geschrieben worden, damit es eine Verbindung des Himmels mit dem Menschen gebe; denn alle Einzelheiten im Wort sind Entsprechungen. Wäre daher der Mensch in der Kenntnis der Entsprechung, so verstünde er das Wort nach dessen geistigem Sinn, und so würden ihm Geheimnisse kund, von denen er im Buchsta­bensinn nichts sieht. Im Wort ist nämlich ein buchstäblicher und ein geistiger Sinn zu unterscheiden. Der buchstäbliche Sinn besteht aus weltlichen Bezügen, der geistige aus himm­lischen, und weil die Verbindung des Himmels mit der Welt durch Entsprechungen erfolgt, so wurde ein Wort gegeben, in dem alle Einzelheiten bis herab zum Jota ihre Entsprechun­gen haben.

*115. Aus dem Himmel bin ich über folgendes unterrich­tet worden: Die Angehörigen der Ältesten Kirche auf unserer Erde, welche himmlische Menschen waren, dachten aus den Entsprechungen selbst, und die natürlichen Dinge, die sie vor Augen hatten, dienten ihnen als Mittel, in dieser Weise zu denken. Durch diese ihre Art wurden sie den Engeln zugesellt und konnten auch mit ihnen sprechen. Auf diese Weise waren Himmel und Erde miteinander verbunden. Darum wurde jene Zeit auch als das Goldene Weltalter bezeichnet, von dem es bei den alten Schriftstellern heißt, damals hätten die Himmlischen mit den Menschen zusammengewohnt und mit ihnen verkehrt wie Freunde mit Freunden. Hernach aber seien Zeiten gekommen, in denen man nicht mehr aus den Entsprechungen selbst, sondern nur aus der Kenntnis der Entsprechungen heraus dachte. Doch auch damals noch habe eine Verbindung des Himmels mit den Menschen be­standen, wenngleich nicht mehr eine so innige. Ihre Zeit wird das Silberne Weltalter genannt. Dann aber seien Menschen gekommen, die zwar die Entsprechungen noch kannten, aber nicht mehr aus deren Kenntnis heraus dachten, und zwar darum nicht, weil sie sich nicht mehr wie die früheren im gei­stigen, sondern nur mehr im natürlichen Guten befanden. Ihre Zeit wurde das Kupferne Weltalter genannt. Danach dann sei der Mensch allmählich immer äußerlicher und schließlich ganz materiell geworden, und dann habe sich die Kenntnis der Entsprechungen und mit ihr auch die Kenntnis des Him­mels und vieler den Himmel betreffender Dinge gänzlich ver­loren. Die Benennung jener Weltalter nach dem Gold, Silber und Kupfer rührte ebenfalls von den Entsprechungen her, denn das Gold bezeichnet aufgrund der Entsprechung das himmlische Gute, in dem sich die Menschen der Ältesten Kir­che befanden. Das Silber benennt das geistige Gute der An­gehörigen der darauf folgenden Alten Kirche, und das Kupfer das natürliche Gute, in dem die nächste Nachkommenschaft lebte. Das Eisen aber, nach dem das letzte Weltalter benannt wurde, bezeichnet das harte Wahre ohne das Gute.

 

Die Sonne im Himmel.

*116. Im Himmel ist die irdische Sonne nicht sichtbar, ebensowenig irgend etwas, das von ihr ausgeht, denn dies ist samt und sonders natürlich. Die Natur fängt ja bei dieser Sonne an, und was durch sie hervorgebracht wird, heißt natürlich. Das Geistige aber, das im Himmel herrscht, steht über der Natur und ist völlig vom Natürlichen unterschieden. Beide haben keine Gemeinschaft miteinander außer durch Entsprechungen. Den Unterschied zwischen ihnen ersieht man aus dem, was oben (Nr.38) über die Abstufungen oder Grade gesagt wurde, und die Art der Gemeinschaft zwischen ihnen daraus, was in den beiden vorhergehenden Abschnit­ten über die Entsprechung gesagt worden ist.

*117. Doch obgleich im Himmel die Sonne der Welt nicht erscheint, noch irgend etwas, das aus ihr stammt, gibt es doch auch dort eine Sonne, ein Licht und eine Wärme und alles, was in der Welt vorkommt, ja noch Unzähliges mehr, freilich nicht aus gleichem Ursprung. Denn die Dinge im Himmel sind geistig, die in der Welt natürlich. Die Sonne des Himmels aber ist der Herr — genauer gesagt: der Herr ist in ihr, das Licht im Himmel ist das göttliche Wahre, die Wärme das göttliche Gute, die beide vom Herrn als der Sonne ausgehen. Aus dieser Quelle stammt alles, was in den Himmeln entsteht und erscheint. Über Licht und Wärme und was aus ihnen im Himmel entsteht, wird im folgenden die Rede sein, hier nur von der Sonne selbst. Der Herr er­scheint im Himmel als Sonne, weil er die göttliche Liebe ist, aus der alles Geistige und — mit Hilfe der natürlichen Sonne — alles Natürliche entsteht. Diese Liebe ist es, welche als Sonne leuchtet.

*118. Mir ist nicht nur von den Engeln gesagt, sondern auch einige Male zu sehen gegeben worden, daß der Herr im Himmel tatsächlich als Sonne erscheint. Daher will ich nun hier mit wenigen Worten beschreiben, was ich vom Herrn als Sonne gehört und gesehen habe.

Der Herr erscheint als Sonne, aber eigentlich nicht im Himmel, sondern hoch über den Himmeln, doch nicht über dem Haupt oder im Zenith, sondern vor dem Angesicht der Engel, in mittlerer Höhe. Er erscheint an zwei verschiedenen Orten, in weiter Entfernung, an dem einen vor dem rechten, an dem anderen vor dem linken Auge. Vor dem rechten Auge erscheint er ganz als Sonne, ungefähr in gleichem Feuer und gleicher Größe wie die Sonne der Welt. Vor dem linken Auge aber erscheint er nicht als Sonne, sondern als Mond, in ähn­lichem, doch strahlenderem Glanze und in gleicher Größe wie der Mond unserer Erde, darum herum jedoch etwas, das aussieht wie mehrere kleine Monde, von denen jeder in ähn­licher Weise glänzt und schimmert. Der Herr ist an zwei Orten derart unterschiedlich sichtbar, weil er einem jeden so er­scheint, wie er von ihm aufgenommen wird. Darum sehen ihn die anders, die ihn im Guten der Liebe, und anders jene, die ihn im Guten des Glaubens aufnehmen. Den ersteren, die in seinem himmlischen Reich sind, erscheint er als Sonne, feurig und flammend je nach ihrer Aufnahmefähigkeit. Den letzteren, die in seinem geistigen Reich sind, erscheint er als Mond, weiß glänzend und schimmernd je nach ihrem Auf­nahmevermögen. Der Grund liegt darin, daß das Gute der Liebe dem Feuer entspricht, das Feuer also im geistigen Sinne die Liebe ist, während das Gute des Glaubens dem Licht ent­spricht und das Licht tatsächlich auch im geistigen Sinne der Glaube ist.

Der Herr erscheint den Engeln vor den Augen, weil das dem Gemüt angehörende Inwendige durch die Augen sieht, aus dem Guten der Liebe das rechte und aus dem Guten des Glaubens das linke Auge. Denn alles, was beim Engel wie auch beim Menschen auf der rechten Seite ist, entspricht dem Guten, aus dem das Wahre hervorgeht, und was zur lin­ken gehört, dem Wahren, das aus dem Guten stammt. Das Gute des Glaubens ist in seinem Wesen Wahres aus Gutem.

*119. Aus diesem Grund wird der Herr im Wort in allem, was die Liebe betrifft, mit der Sonne, in allem was den Glau­ben angeht aber, mit dem Monde verglichen. Ebenso wird die aus dem Herrn stammende Liebe zum Herrn durch die Sonne und der aus dem Herrn stammende Glaube an den Herrn durch den Mond bezeichnet. So an folgenden Stellen:

„Und das Licht des Mondes wird sein wie das Licht der Sonne, und das Licht der Sonne wird siebenmal heller sein als das Licht von sieben Tagen.“  (Jes.30,26).

„Verhüllen will ich, wenn ich dich vernichtet, die Himmel und deren Sterne finster machen, die Sonne werde ich mit einer Wolke bedecken, und der Mond soll seinen Schein nicht geben. Alle Lichter am Himmel werde ich über dir dunkel werden las­sen und Finsternis in deinem Land bereiten.“ (Ezechiel 32,7)

„Verfinstert soll die Sonne bei ihrem Aufgang werden, und der Mond soll seinen Schein nicht geben.“ (Jes.13,10).

„Sonne und Mond werden verfinstert werden und die Sterne ihren Schein zurückhalten... Die Sonne soll in Finsternis, der Mond in Blut verwandelt werden.“ (Joel.2,10; 3,4; 4,15).

„Und die Sonne ward schwarz wie ein härener Sack und der Rand ward wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde.“  (Offb.6,12 f)

„Gleich nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht mehr geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen.“ (Matth.24,20)

So auch an einer Reihe anderer Stellen. Hier wird überall durch die Sonne die Liebe bezeichnet und durch den Mond der Glaube, durch die Sterne aber die Erkenntnisse des Guten und Wahren. Es heißt, sie würden verdunkelt, verfinstert, ihren Schein nicht mehr geben, vom Himmel fallen, wenn sie nicht mehr vorhanden sind. Daß der Herr im Himmel als Sonne erscheint, zeigt sich auch bei seiner Verklärung vor Pe­trus, Jakobus und Johannes, wo es heißt, „daß sein Angesicht leuchtete wie die Sonne“ (Matth.17,20). So erschien der Herr den Jüngern, als sie dem Körper entrückt und im Licht des Himmels waren. Aus diesem Grunde wandten auch die Alten, bei denen sich eine vorbildende Kirche befand, beim Gottes­dienst ihr Antlitz der Sonne im Osten zu, und aus demselben Grunde richtete man die Tempel auch nach Osten aus.

*120. Größe und Art der göttlichen Liebe ersieht man auch aus dem Vergleich mit der irdischen Sonne, die sie — wenn man es zu glauben vermag — in ihrer überschwenglichen Glut noch weit übertrifft. Deshalb wirkt der Herr als Sonne auch nicht un­mittelbar in die Himmel ein, sondern vermindert auf dem Wege die Glut seiner Liebe stufenweise. Diese Herabminde­rungen erscheinen als Strahlengürtel rings um die Sonne. Zudem werden die Engel mit einer ihnen angemessenen dün­nen Wolke umhüllt, damit sie von dem Einfluß nicht verletzt werden. Die Entfernung der Himmel vom Herrn richtet sich daher nach ihrer Aufnahmefähigkeit. Die oberen Himmel sind dem Herrn als der Sonne näher, stehen sie doch im Guten der Liebe, die unteren Himmel hingegen sind entfernter von ihm, weil sie sich nur im Guten des Glaubens befinden. Die Hölli­schen aber, die keinerlei Gutes besitzen, sind sehr entfernt, und zwar je nach dem Grade ihres Gegensatzes zum Guten.

*121. Wenn aber der Herr im Himmel erscheint, — was häufig geschieht — so zeigt er sich nicht umgeben von der Sonne, sondern in engelhafter Gestalt — von den Engeln un­terschieden durch das Göttliche, das aus seinem Angesicht hervorstrahlt. Denn er ist dort nicht gegenwärtig in Person­ — als Person ist der Herr stets von der Sonne umgeben —, son­dern durch den Anblick. Im Himmel ist es nämlich üblich, daß man an dem Ort wie gegenwärtig erscheint, auf den man den Blick heftet oder durch den der Blick begrenzt wird, so weit dieser Ort auch von dem Standpunkt entfernt sein mag, auf dem man sich tatsächlich befindet. Dies wird als die Ge­genwart des inneren Sehens bezeichnet, wovon im Folgen­den die Rede sein wird. Auch mir ist so der Herr außerhalb der Sonne in engelhafter Gestalt erschienen, ein wenig unterhalb der Sonne, jedoch in der Höhe, und auch ganz in gleicher Ge­stalt, mit leuchtendem Antlitz; ein andermal erschien er mir inmitten der Engel, wie ein flammender Glanz.

*122. Im Vergleich zur Sonne des Himmels erscheint den Engeln die irdische Sonne als etwas Stockfinsteres und im Vergleich mit dem Mond des Himmels der irdische Mond als etwas beständig Verfinstertes. Der Grund liegt darin, daß das Feurige der Welt der Selbstliebe entspricht und die daraus entspringende Helligkeit dem Falschen aus jener Liebe. Die Selbstliebe aber ist der göttlichen Liebe vollkommen entge­gengesetzt, ebenso wie das Falsche aus ihr dem Wahren der göttlichen Liebe. Was aber der göttlichen Liebe und dem gött­lichen Wahren entgegengesetzt ist, das bedeutet den Engeln dichte Finsternis. Wenn daher im Wort von denen gesprochen wird, die die Sonne der Welt und den Mond anbeten und sich vor ihnen verneigen, so sind damit diejenigen gemeint, die sich selbst und das aus der Selbstliebe hervorgehende Falsche lieben, und daß diese ausgerottet werden sollen (5.Mose.4,19; 18,3 5; Jer.8,1f; Ez.8,15.18; Offb.16,8; Matth.13,6).

*123. Weil der Herr infolge der göttlichen Liebe, die in ihm und von ihm ist, im Himmel als Sonne erscheint, darum wenden sich auch alle Bewohner des Himmels unausgesetzt ihm zu. Die Bewohner des himmlischen Reiches wenden sich ihm als der Sonne zu, die des geistigen Reiches als dem Mond. Die Bewohner der Hölle aber wenden sich vom Herrn ab und der entgegengesetzten Finsternis und Verfinsterung zu, weil ja alle Bewohner in der Selbst  und Weltliebe, folg­lich dem Herrn entgegengesetzt sind. Jene, die sich dem Stockfinsteren zuwenden, das dort die Stelle der irdischen Sonne einnimmt, leben im hinteren Teil der Hölle und heißen böse Engel (genii), die anderen, die sich jener Verfin­sterung zuwenden, die dort die Stelle des irdischen Mondes einnimmt, finden sich in den vorderen Teilen der Hölle und heißen Geister (spiritus). Aus diesem Grunde wird von den Höllischen gesagt, sie seien in der Finsternis, von den Himmlischen aber, sie seien im Licht. Die Finsternis bedeu­tet das Falsche aus dem Bösen, das Licht aber das Wahre aus dem Guten. Der Grund dieser Zuwendung liegt in folgen­dem: Im anderen Leben blicken alle auf das, was die inneren Bereiche in ihnen beherrscht, also auf ihre Liebe, und dies prägt das Angesicht des Engels wie des Geistes. In der geisti­gen Welt gibt es keine feststehenden Weltgegenden, wie in der natürlichen Welt, ihre Lage wird vielmehr durch das An­gesicht bestimmt. Auch der Mensch gibt sich in seinem Gei­ste die gleiche Richtung. Vom Herrn wendet sich ab, wer in der Liebe zu sich und zur Welt ist, dem Herrn wendet sich zu, wer in der Liebe zu ihm und zum Nächsten ist. Der Mensch weiß dies jedoch nicht, weil er in der natürlichen Welt lebt, wo sich die Weltgegenden nach Aufgang und Niedergang der Sonne richten. Dies ist vom Menschen aber nur schwer zu fassen und soll daher in dem Folgenden näher beleuchtet werden, wo es um die Himmelsgegenden, den Raum und die Zeit im Himmel geht.

*124. Weil der Herr die Sonne des Himmels ist und alles, was von ihm stammt, auf ihn blickt, so ist der Herr auch der gemeinsame Mittelpunkt, von dem alle Richtung und Be­stimmung abhängt. Darum ist alles in seiner Gegenwart und unter seiner Aufsicht, auch was sich unterhalb befindet, also sowohl was im Himmel als auch was auf Erden ist.

*125. Aus dem hier Gesagten läßt sich nun deutlicher er­kennen, was in den vorhergehenden Abschnitten über den Herrn gesagt und gezeigt worden ist, daß er nämlich der Gott des Himmels ist (Nr. 2 6), daß sein Göttliches den Himmel ausmacht (Nr. 7 12), daß das Göttliche des Herrn im Himmel die Liebe zu ihm und die Nächstenliebe ist (Nr. 13 19), daß ein Entsprechungs Verhältnis aller Teile der Welt zum Himmel und durch den Himmel zum Herrn besteht (Nr. 87 115), sowie auch, daß die Sonne und der Mond der Welt Entspre­chungen sind (Nr. 105). 



Licht und Wärme im Himmel.

*126. Wer bloß aus der Natur heraus denkt, vermag nicht zu fassen, daß es in den Himmeln Licht gibt, obwohl doch das Licht in den Himmeln so stark ist, daß es das Mittagslicht in der Welt um viele Grade übertrifft. Ich habe es oft gesehen, auch zur Zeit des Abends und der Nacht. Anfangs wunderte ich mich, als ich die Engel sagen hörte, im Vergleich mit dem Licht des Himmels sei das Licht der Welt kaum mehr als ein Schatten. Nun aber, da ich es gesehen habe, kann ich es be­zeugen. Sein weißer Schimmer und Glanz ist von einer Art, die sich nicht beschreiben läßt. Was ich auch im Himmel sah, das sah ich alles in diesem Licht, folglich klarer und deutli­cher als die Dinge der Welt.

*127. Das Licht des Himmels ist nicht natürlich, wie das der Welt, sondern geistig, da es aus dem Herrn als der Sonne stammt und diese Sonne, wie im vorigen Abschnitt gezeigt wurde, die göttliche Liebe ist. Was vom Herrn als der Sonne ausgeht, heißt in den Himmeln das göttliche Wahre, ist aber seinem Wesen nach das mit dem göttlichen Wahren vereinte Gute. Daraus haben die Engel Licht und Wärme: Aus dem göttlichen Wahren das Licht und aus dem göttlichen Guten die Wärme. Damit dürfte klar sein, daß das Licht des Him­mels ebenso wie die Wärme infolge eines solchen Ursprungs geistig und nicht natürlich ist.

*128. Weil die Engel geistig und nicht natürlich sind, ist für sie das Göttlich Wahre das Licht. Die geistigen Wesen sehen aus ihrer Sonne, wie die natürlichen aus der ihrigen. Das gött­liche Wahre aber ist die Quelle des Verstandes der Engel, und dieser ihr inneres Sehen, das in ihr äußeres Sehen einfließt und es damit hervorbringt. Was daher im Himmel vom Herrn her als der Sonne gesehen wird, erscheint im Licht. Auf­grund dieses Ursprungs ist das himmlische Licht verschieden je nach der Aufnahme des Göttlich Wahren vom Herrn oder ­was auf dasselbe hinausläuft — je nach der Einsicht und Weis­heit der Engel. Daher ist das Licht im himmlischen Reich ver­schieden vom geistigen, und wieder anders in jeder Gesell­schaft. Das Licht im himmlischen Reich erscheint flammend, weil die Engel in ihm das Licht des Herrn als der Sonne auf­nehmen, das Licht im geistigen Reich dagegen glänzend weiß, weil die Engel in ihm das Licht vom Herrn als dem Mond auf­nehmen (man sehe oben Nr. 118). Auch ist das Licht der einen Gesellschaft nicht gleich dem der anderen, und auch in den einzelnen Gesellschaften ist es wieder verschieden: die in der Mitte Befindlichen empfangen stärkeres Licht, die in den Um­kreisen schwächeres (man sehe Nr.43). Mit einem Wort: In eben dem Grade, in dem die Engel Aufnahmegefäße für das göttliche Wahre, das heißt in der Einsicht und Weisheit vom Herrn sind, haben sie Licht. Infolgedessen werden die Engel des Himmels auch Engel des Lichts genannt.

*129. Weil der Herr in den Himmeln das Göttlich Wahre und damit das Licht ist, heißt er auch im Wort „das Licht“, ebenso wie alles Wahre, das von ihm stammt. So an folgen­den Stellen:

Jesus sprach: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben“. (Joh.8,12)

„Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“. (9,5) Jesus sagte: „Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wan­delt, solange ihr das Licht habt, damit euch nicht die Finster­nis überfalle... solange ihr das Licht habt, glaubet an das Licht, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid... Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe“. (12,35.46).

„Das Licht kam in die Welt, die Menschen aber liebten die Fin­sternis mehr als das Licht“.  (3,19)

Im Hinblick auf den Herrn sagt Johannes: „Dies war das wahrhaftige Licht, das jeden Menschen erleuchtet...“ (1,9)

„Das Volk, das in der Finsternis wandelt, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Schatten des Todes saßen, ist ein Licht aufgegangen“. (Matth.4,16; Jes.9,1)

„Ich werde dich zum Bund des Volkes geben, zum Licht der Völkerschaften“. (Jes.42,6)

„Ich habe dich zum Licht der Völkerschaften gemacht, daß du mein Heil seiest, bis an der Erde äußerstes“. (49,6)

„Die Völkerschaften werden zu seinem Lichte wandeln“ (eine Zusammenfassung von Offb. 21,23.24)

„Sende Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie mich leite“ (Psalm 43,3)

An diesen und manchen anderen Stellen heißt der Herr „das Licht“ aufgrund des von ihm stammenden göttlichen Wahren, und ebenso wird das Wahre selbst das Licht ge­nannt. Weil vom Herrn her, als der Sonne, Licht im Himmel ist, leuchtete bei seiner Verklärung vor Petrus, Jakobus und Johannes:

„sein Antlitz wie die Sonne, und seine Kleider waren wie das Licht, schimmernd und weiß wie Schnee, wie sie kein Walker auf Erden weißer machen kann“ (Mark. 9,3; Matth. 17,2)

Die Kleider des Herrn erschienen deshalb so, weil sie das Göttlich Wahre vorbildeten, das von ihm her in den Him­meln ist. Die Kleider bezeichnen auch im Wort die Wahrhei­ten. Deshalb heißt es bei David:

„Jehovah, ... du umhüllest mit Licht dich wie mit einem Gewand“ (Psalm.104,1)

*130. Das Licht in den Himmeln ist geistig, und es ist das göttliche Wahre, wie man auch daraus schließen kann, daß der Mensch ebenfalls ein geistiges Licht und daraus Erleuch­tung hat, soweit er sich in der Einsicht und Weisheit aus dem göttlichen Wahren befindet. Das geistige Licht des Menschen besteht im Licht seines Verstandes, und dessen Objekte sind Wahrheiten, die er in diesem Licht zergliedert und ordnet, in das Verhältnis von Grund und Folge zueinander setzt und aus denen er der Reihe nach Schlüsse zieht.

Der natürliche Mensch weiß nicht, daß es ein wirkliches Licht gibt, in dem der Verstand dergleichen Dinge sieht, weil er es weder mit den Augen wahrnimmt noch sich in seinem Den­ken vorstellen kann. Und dennoch wissen viele darum und un­terscheiden es auch vom natürlichen Licht, in dem die bloß natürlichen und nicht geistig Denkenden sich befinden. Die­jenigen aber, die ihren Blick nur auf die Welt heften und alles der Natur zuschreiben, denken natürlich; geistig denken jene, die ihr Auge auf den Himmel richten und alles dem Göttlichen zuschreiben. Es ist mir oft zu erfahren und auch zu sehen ge­geben worden, daß das Licht, das das Gemüt erleuchtet, wahr­haft Licht (lux) ist, völlig verschieden von dem Licht, das natür­liches Licht (lumen naturale) heißt. Ich wurde innerlich stu­fenweise in jenes Licht erhoben, und je weiter dies geschah, desto heller wurde mein Verstand erleuchtet, bis ich schließ­lich erkannte, was ich früher nicht erkannt hatte, und am Ende sogar Dinge, die ich mit Gedanken aus dem natürlichen Licht nicht einmal hätte erreichen können, während sie doch im himmlischen Licht klar und deutlich sichtbar wurden. Weil dem Verstande Licht zuzuschreiben ist, sagt man von ihm das­selbe wie vom Auge, nämlich daß er sehe und erleuchtet sei, wenn er erkennt, verdunkelt und umschattet, wenn er nicht er­kennt, und was dergleichen Ausdrücke mehr sind.

*131. Weil das Licht des Himmels das göttliche Wahre ist, so ist es zugleich auch die göttliche Weisheit und Einsicht. So wird unter der Erhebung ins Licht des Himmels dasselbe ver­standen wie unter der Erhebung in Weisheit und Einsicht und unter Erleuchtung. Bei den Engeln erreicht deshalb das Licht genau denselben Grad wie ihre Einsicht und Weisheit. Weil die göttliche Weisheit das Licht des Himmels ist, so wer­den darin auch alle ihrer Wesensart nach erkannt. Eines jeden Inneres liegt dort in seinem Angesicht offen zutage, ganz so wie es ist, und nicht das geringste bleibt verborgen. Die verinnerlichten Engel wünschen auch, daß alles bei ihnen offenbar sei, wollen sie doch nichts als das Gute. An­ders verhält es sich bei denen, die unterhalb des Himmels hausen und durchaus nichts Gutes wollen; diese fürchten sich darum auch sehr, im Lichte des Himmels gesehen zu werden. Und, was erstaunlich ist, die Bewohner der Hölle er­scheinen sich untereinander als Menschen, im Lichte des Himmels aber als Mißgestalten mit grauenhaftem Gesicht und Körper, ganz in der Gestalt ihres Bösen. In derselben Weise erscheint auch der Mensch hinsichtlich seines Geistes, wenn er von den Engeln gesehen wird. Ist er gut, so erscheint er je nach seinem Guten als ein schöner Mensch, ist er böse, je nach seinem Bösen mißgestaltet und häßlich. Dies zeigt, daß im Lichte des Himmels alles offenbar wird, und es wird offenbar, weil das Licht des Himmels das göttliche Wahre ist.

*132. Weil das göttliche Wahre das Licht der Himmel ist, darum leuchten auch alle Wahrheiten, wo immer sie sein mögen, ob innerhalb oder außerhalb eines Engels, ob inner­halb oder außerhalb der Himmel. Freilich leuchten die Wahr­heiten außerhalb der Himmel nicht in derselben Weise wie die Wahrheiten innerhalb. Sie haben vielmehr ein frostiges Licht ohne Wärme wie Schneelicht, rührt es doch seinem Wesen nach nicht vom Guten her. Aus diesem Grunde ver­schwindet jenes kalte Licht auch beim Einfall des himmli­schen Lichtes und wird, wenn ihm Böses zugrunde liegt, in Finsternis verkehrt. Ich habe dies mehrmals gesehen, ebenso wie viele andere bemerkenswerte Erscheinungen hinsicht­lich leuchtender Wahrheiten, die hier übergangen werden.

*133. Stattdessen soll noch etwas von der Wärme des Himmels gesagt werden: Sie ist ihrem Wesen nach Liebe und geht vom Herrn als der Sonne aus. Im vorhergehenden Ab­schnitt kann man den Nachweis dafür finden, daß diese gött­liche Liebe im Herrn und aus dem Herrn ist. Damit ist klar, daß die Wärme des Himmels ebenso geistig ist wie das Licht des Himmels, weil sie beide denselben Ursprung haben. Zweierlei geht vom Herrn als der Sonne aus: Das göttliche Wahre und das göttliche Gute; ersteres stellt sich in den Him­meln als Licht, letzteres als Wärme dar. Das göttliche Wahre und das göttliche Gute sind jedoch so vereinigt, daß sie nicht zwei, sondern eines bilden. Gleichwohl sind sie bei den En­geln getrennt, denn manche von ihnen nehmen mehr das göttliche Gute als das göttliche Wahre auf, andere wiederum mehr das göttliche Wahre als das göttliche Gute. Die ersteren gehören zum himmlischen, die letzteren zum geistigen Reich des Herrn. Am vollkommensten sind die Engel, die beides im gleichen Grade aufnehmen.

*134. Wie das Licht, so ist auch die Wärme des Himmels überall verschieden. Sie ist anders im himmlischen als im geistigen Reich, und auch in einer jeden Gesellschaft ist sie nicht bloß nach ihrem Grad, sondern auch nach ihrer Qua­lität verschieden. Im himmlischen Reich des Herrn ist sie stärker und reiner, weil dort die Engel mehr das göttliche Gute aufnehmen; im geistigen Reich ist sie weniger stark und rein, weil hier die Engel mehr das göttliche Wahre aufneh­men; und auch in jeder einzelnen Gesellschaft des Himmels ist sie je nach der Aufnahme verschieden. Auch in den Höllen gibt es eine Art Wärme, doch ist sie unrein. Die Wärme im Himmel wird durch das heilige und himmlische Feuer, die Wärme der Hölle durch das unheilige und höllische Feuer be­zeichnet. Unter beiden Feuern wird Liebe verstanden. Unter dem himmlischen die Liebe zum Herrn und zum Nächsten, sowie jede Neigung, die zu diesen Arten der Liebe gehört. Unter dem höllischen Feuer dagegen ist die Selbstsucht und Weltliebe zu verstehen, sowie jede Begierde, die diesen bei­den Arten der Liebe angehört. Weil die Liebe eine Wärme geistigen Ursprungs ist, bringt sie eine Empfindung von Wärme mit sich; denn der Mensch gerät in Feuer und wird warm je nach ihrem Grad und ihrer Beschaffenheit; ihre Hitze aber zeigt sich, wenn sie bekämpft wird. Daher stam­men auch die üblichen Redewendungen: Entzündet oder warm werden, entbrennen, aufwallen und ins Feuer kom­men, wenn von Erregungen durch positive Liebe gesprochen wird, aber auch wenn es sich um Begierden der negativen Liebe handelt.

*135. Die vom Herrn als der Sonne ausgehende Liebe wird aber im Himmel als Wärme empfunden, weil das Innere der Engel aus dem vom Herrn stammenden göttlichen Guten heraus Liebe ist und ihr Äußeres von daher Wärme empfängt. Aus diesem Grunde entsprechen einander Wärme und Liebe im Himmel so sehr, daß dort — gemäß dem, was soeben aus­geführt wurde — ein jeder in dem Grade Wärme fühlt, wie er liebt. Von der irdischen Wärme dringt, weil sie gröberer Art und natürlich, nicht geistig ist, ganz und gar nichts in die Himmel ein. Anders ist es jedoch bei den Menschen, weil sie sich sowohl in der geistigen als in der natürlichen Welt befin­den. Ihr Geist erwärmt sich entsprechend ihrer Liebe, ihr Körper aber aus beiden, aus der Wärme ihres Geistes wie aus der Wärme der Welt. Jene fließt in diese ein, weil sie einander entsprechen. Die Natur der Entsprechung dieser beiden Arten von Wärme zeigt sich an den Tieren. Ihre Triebe näm­lich — obenan der Trieb der Fortpflanzung ihrer Gattung ­brechen hervor und werden aktiv je nach Anwesenheit und Zufluß von Wärme aus der irdischen Sonne, wie es sich nur zur Frühlings  und Sommerzeit ergibt. Wer aber meint, die einfließende irdische Wärme erwecke die Triebe, täuscht sich sehr; denn es gibt keinen Einfluß des Natürlichen in das Gei­stige, sondern nur des Geistigen in das Natürliche. Dieser Einfluß rührt aus der göttlichen Ordnung, jener aber wäre wider die göttliche Ordnung.

*136. Die Engel haben Verstand und Willen wie der Mensch. Ihr Verstandes Leben ist eine Wirkung des himmli­schen Lichtes, weil dieses Licht das göttliche Wahre und daher die göttliche Weisheit ist, ihr Willens Leben aber ist eine Wirkung der himmlischen Wärme, weil diese das göttli­che Gute und daher die göttliche Liebe ist. Genau genommen stammt das Leben der Engel aus der Wärme, nicht aus dem Licht, oder nur soweit es Wärme enthält. Offensichtlich geht Leben aus Wärme hervor, denn mit deren Entfernung schwindet es auch. Dasselbe gilt für den Glauben ohne Liebe beziehungsweise für das Wahre ohne Gutes. Denn das Wahre — auch das Glaubenswahre genannt — ist das Licht, und das Gute — das Gute der Liebe genannt — ist die Wärme. Dies wird noch deutlicher an Wärme und Licht der Welt, denen Wärme und Licht des Himmels entsprechen. Denn, wenn die Wärme der Welt mit dem Licht verbunden ist, lebt durch sie auf Erden alles auf und erblüht. Verbunden aber sind sie zur Zeit des Frühlings und des Sommers. Das von der Wärme ge­trennte Licht hingegen belebt nichts und läßt nichts er­blühen, vielmehr erstarrt und erstirbt alles unter ihm. Nicht verbunden aber sind sie zur Zeit des Winters, wenn die Wärme fehlt, obwohl das Licht noch bleibt. Aufgrund dieser Entsprechung heißt der Himmel ein Paradies, weil dort das Wahre mit dem Guten oder die Liebe mit dem Glauben ver­bunden ist, wie zur Frühlingszeit auf Erden das Licht mit der Wärme. Dies zeigt noch deutlicher die Wahrheit, von der oben im entsprechenden Abschnitt (Nr. 13 19) die Rede war, nämlich daß das Göttliche des Herrn im Himmel die Liebe zu ihm und die tätige Liebe zum Nächsten ist.

*137. Bei Johannes heißt es:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe ist nichts geworden, das da geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Men­schen ... Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe ge­worden ... Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit“ (l,1 4.10.14)

Unter dem Wort wird hier offenkundig der Herr verstan­den, heißt es doch, daß das Wort Fleisch geworden sei. Was aber im besonderen unter dem Wort verstanden wird, ist noch unbekannt und soll darum gesagt werden: Das Wort ist hier das göttliche Wahre, das im Herrn und vom Herrn ist. Deshalb heißt es auch das Licht, und dieses das göttliche Wahre. Das wurde im Vorhergehenden dieses Abschnitts gezeigt. Nun soll erklärt werden, wie durch das göttliche Wahre alles gemacht und erschaffen wurde.

Alle Macht des Himmels gehört dem göttlichen Wahren, ohne dieses gibt es überhaupt keine Macht. Die Engel neh­men es auf und besitzen dadurch Macht, sie alle werden daher auch Mächte genannt, weil sie insoweit Macht haben, als sie Empfänger oder Aufnahmegefäße desselben sind. Durch das Göttlich Wahre haben sie Macht über die Höllen und über alle, die sich ihnen widersetzen. Tausend Feinde daselbst hal­ten nicht einen einzigen Strahl des Himmelslichtes aus, das das Göttlich Wahre ist. Da nun die Engel aufgrund ihrer Auf­nahme des göttlichen Wahren Engel sind, so folgt daraus: Der ganze Himmel hat keinen anderen Ursprung, denn der Him­mel besteht aus den Engeln. Wer von der Wahrheit nur die Vorstellung hegt, sie sei ein bloßer Gedanke oder eine Angele­genheit von Worten und könne höchstens andere Menschen aus Gehorsam zum Handeln bewegen, der kann freilich nicht glauben, daß dem göttlichen Wahren eine so große Macht zu­kommt. Diesem aber wohnt schon an sich eine so große Macht inne, daß dadurch Himmel und Erde erschaffen wur­den, zugleich mit allem, was ist. Zwei Vergleiche mögen ver­deutlichen, daß das göttliche Wahre eine derartige Macht be­sitzt:

Erstens, die Macht des Wahren und Guten im Menschen: Was immer der Mensch tut, das tut er aus dem Verstand und Willen — aus dem Willen durch das Gute und aus dem Verstand durch das Wahre. Alles nämlich, was zum Willen gehört, be­zieht sich auf das Gute und alles, was zum Verstand gehört, auf das Wahre. Aus ihnen nun setzt der Mensch den ganzen Körper in Bewegung, und Tausenderlei im Körper eilt auf ihren bloßen Wink und ihr Gebot sogleich herbei. Damit ist klar, daß der ganze Körper im Dienste des Guten und Wahren steht, folglich aus Gutem und Wahrem gebildet ist.

Zweitens, die Kraft der Wärme und des Lichts aus der ir­dischen Sonne: Alles, was in der Welt wächst, wie die Bäume, Saaten, Blumen, Gräser, Früchte und Samen, entsteht durch nichts anderes als durch Wärme und Licht der Sonne. Daraus geht klar hervor, welche Schöpferkraft darin liegt, wieviel größer aber auch die Kraft sein muß, die dem göttlichen Licht — dem göttlichen Wahren — und der göttlichen Wärme — also dem göttlichen Guten — innewohnt. Denn aus ihnen entsteht wie der Himmel, so auch die Welt — durch den Himmel ent­steht nämlich die Welt, wie im Vorhergehenden gezeigt wurde. Aus all dem dürfte klar zu verstehen sein, wie durch das Wort „alles gemacht worden ist, und daß ohne dasselbe nichts gemacht ist, das da gemacht ist“, und daß auch „die Welt durch dasselbe geworden ist“, nämlich durch das göttliche Wahre vom Herrn. Aus demselben Grunde wird auch im Buch der Schöpfung zuerst vom Licht und dann erst von dem gespro­chen, was aus dem Licht entstand (1. Mose 1, 3 f). Daher kommt es auch, daß alles Da Sein im Weltall, sowohl im Him­mel als auch in der Welt, sich auf das Gute und Wahre sowie auf deren Verbindung bezieht.

*138. Fehlt im Original.

*139. Man muß wissen, daß das göttliche Gute und das göttliche Wahre, die vom Herrn — als der Sonne in den Him­meln gegenwärtig sind, nicht im Herrn, sondern vom Herrn sind. Im Herrn ist nur die göttliche Liebe, das eigentliche Sein (esse), aus dem jene hervortreten (existunt). Dieses Hervor­treten (existere) aus dem Sein wird unter dem Ausgehen (pro­cedere) verstanden. Dies läßt sich auch durch den Vergleich mit der irdischen Sonne verdeutlichen. Die Wärme und das Licht, die wir in der Welt haben, sind nicht in der Sonne, son­dern stammen von ihr. In der Sonne selbst ist nichts als Feuer, aus dem jene hervortreten und ausgehen.

*140. Weil der Herr als Sonne die göttliche Liebe und diese das göttliche Gute selbst ist, wird auch das von ihm aus­gehende Göttliche — sein Göttliches im Himmel — der Unter­scheidung halber das göttliche Wahre genannt, obgleich es in Wirklichkeit das göttliche Gute, vereint mit dem göttlichen Wahren ist. Dieses göttliche Wahre wird als das von ihm aus­gehende Heilige bezeichnet. 

Die vier Hauptrichtungen im Himmel.

*141. Im Himmel gibt es, wie in der Welt, vier Haupt­richtungen: Osten, Süden, Westen und Norden, und sie wer­den in beiden Welten durch die Sonne bestimmt, im Himmel durch die des Himmels, also durch den Herrn, in der Welt durch die irdische Sonne. Zwischen ihnen beiden bestehen jedoch mannigfache Unterschiede.

Der erste Unterschied besteht darin, daß man auf Erden als Süden bezeichnet, wo die Sonne ihren höchsten Stand über der Erde erreicht, Norden, wo sie am entgegengesetzten Punkt unter der Erde steht. Osten ist die Himmelsrichtung, wo die Sonne zur Zeit der Tag  und Nachtgleichen aufgeht, und Westen, wo sie zu eben jenen Zeiten untergeht. So werden auf Erden alle Himmelsrichtungen durch den Süden bestimmt. Anders im Himmel: Dort ist Osten, wo der Herr als Sonne er­scheint. Dem gegenüber liegt der Westen, zur Rechten der Süden und zur Linken der Norden, und dies bleibt so, wohin auch die Engel ihr Angesicht und ihren Körper wenden mögen. So sind im Himmel alle Richtungen durch den Osten bestimmt. Die Stelle, wo der Herr als Sonne erscheint, Osten, heißt „Aufgang“ (oriens), weil aller Ursprung (origo) des Le­bens in ihm als der Sonne liegt. Tatsächlich heißt es auch, der Herr gehe bei den Engeln auf, nämlich soweit sie Wärme und Licht oder Liebe und Einsicht von ihm aufnehmen. Deshalb wird auch der Herr im Wort der „Aufgang“ genannt

*142. Der zweite Unterschied besteht darin, daß die Engel immer den Osten vor Augen haben, den Westen im Rücken, zur Rechten den Süden und zur Linken den Norden. Das ist aber in der Welt darum schwer zu fassen, weil der Mensch sein Gesicht nach jeder Himmelsrichtung hinwenden kann; so soll es erklärt werden. Der ganze Himmel wendet sich dem Herrn als seinem gemeinsamen Mittelpunkt zu, mithin alle Engel. Bekanntlich sind auch auf Erden alle Dinge dem ge­meinsamen Mittelpunkt zugewendet. Die Richtung im Him­mel aber unterscheidet sich von der irdischen darin, daß sich im Himmel die Frontseiten dem gemeinsamen Mittelpunkt zukehren, auf Erden aber die unteren Teile. Diese Richtung in der Welt wird Zentripetalkraft oder Schwerkraft genannt. Das Innere der Engel ist denn auch tatsächlich nach vorn gekehrt, und weil es sich im Antlitz darstellt, so bestimmt das Antlitz die Hauptrichtungen.

*143. Die Engel haben aber den Osten bei jeder Wendung ihres Gesichts und Körpers vor Augen. Das läßt sich in der Welt noch weniger begreifen, weil der Mensch immer gerade die Himmelsrichtung vor Augen hat, der er sich zuwendet. Darum soll auch dies erklärt werden.

Die Engel wenden und drehen Gesicht und Körper ebenso wie die Menschen nach allen Seiten, dennoch steht ihnen stets der Osten vor Augen. Allein ihre Wendungen haben eine andere Ursache als die der Menschen. Sie er­scheint zwar gleich, ist es aber in Wirklichkeit nicht, weil ihr Ursprung in der herrschenden Liebe liegt. Aus ihr entspringen alle Richtungs Bestimmungen bei Engeln und Geistern, denn ihr Inneres ist, wie wir soeben hörten, wirklich ihrem gemein­samen Mittelpunkt zugewendet, im Himmel also dem Herrn als der Sonne. Weil nun ihr Inneres unausgesetzt auf ihre Liebe blickt und sich ihr Angesicht aus dem Inneren als des­sen äußere Form bildet, deshalb steht ihnen auch ihre herr­schende Liebe immer vor Augen. In den Himmeln aber ist es der Herr als Sonne, denn von ihm stammt ihre Liebe. Und weil der Herr selbst in seiner Liebe bei den Engeln zugegen ist, so liegt in ihm die Ursache dafür, daß sie auf ihn blicken, wohin sie sich auch wenden mögen. Dies kann hier noch nicht weiter verdeutlicht werden, soll aber in den folgenden Abschnitten, besonders wo von den Vorbildungen und Er­scheinungen, auch von Zeit und Raum im Himmel gespro­chen wird, dem Verständnis näher gebracht werden. Mir ist durch häufige Erfahrung zu wissen und auch selbst wahrzu­nehmen gegeben worden, daß die Engel den Herrn beständig vor Augen haben. So oft ich mich nämlich in Gesellschaft der Engel befand, durfte ich auch die Gegenwart des Herrn vor meinem Angesicht wahrnehmen, — obgleich sie nicht eigent­lich zu sehen, jedoch am Licht zu erkennen war. Diese Tatsa­che wurde auch des öfteren von den Engeln bezeugt. Weil der Herr beständig vor dem Angesicht der Engel steht, sagt man auch auf Erden, man solle Gott vor Augen und vor dem Ange­sicht haben und auf ihn blicken, und daß jene ihn schauen, die an ihn glauben und ihn lieben. Diese Redeweise stammt aus der geistigen Welt, wie so manches in der menschlichen Rede, obgleich der Mensch sich des Ursprungs nicht bewußt ist.

*144. Diese Hinwendung zum Herrn gehört zu den wun­derbaren Erscheinungen des Himmels, kann es doch gesche­hen, daß sich dort viele am gleichen Ort befinden, Gesicht und Körper aber nach verschiedenen Richtungen bewegen und doch allesamt den Herrn vor sich sehen, zur Rechten den Süden, zur Linken den Norden und hinter sich den Westen! Zu den Wunderdingen im Himmel gehört auch, daß die Engel, obwohl ihr Blick stets gegen Osten gerichtet ist, den­noch einen Ausblick zu den drei übrigen Hauptrichtungen haben. Das ist jedoch die Folge ihres inneren Sehens, das bei ihnen Angelegenheit des Denkens ist. Zu den Wunderdingen gehört außerdem, daß es im Himmel niemandem erlaubt ist, hinter dem Rücken eines anderen zu stehen und auf sein Hinterhaupt zu blicken; denn dies würde den Einfluß des Guten und Wahren, der vom Herrn kommt, zerstören.

*145. Der Herr sieht die Engel auf andere Weise als sie ihn. Die Engel erblicken den Herrn durch die Augen, er aber sieht sie in der Stirn. Der Grund dafür liegt darin, daß die Stirn der Liebe entspricht und der Herr durch die Liebe in ihren Willen einfließt und bewirkt, daß man ihn durch den Verstand, dem die Augen entsprechen, erkennt.

*146. Die Hauptgegenden der Himmel des himmlischen Reiches des Herrn unterscheiden sich von denen der Himmel seines geistigen Reiches, weil der Herr den Himmeln seines himmlischen Reiches als Sonne erscheint, denen seines gei­stigen Reiches aber als Mond, und weil Osten da ist, wo der Herr erscheint. Der Abstand zwischen Sonne und Mond im Himmel beträgt 30 Grad, und dieser Unterschied überträgt sich auf die Hauptgegenden in den beiden Reichen. Man er­sieht oben aus dem entsprechenden Abschnitt, daß der Him­mel in zwei Reiche gegliedert ist, himmlisches und geistiges Reich genannt, Nr. 20 28, und daß der Herr im himmlischen Reich als Sonne, im geistigen als Mond erscheint, Nr. 118. Und doch werden die Hauptrichtungen des Himmels da­durch nicht beeinträchtigt, weil die geistigen Engel nicht zu den himmlischen hinauf , noch diese zu jenen hinabsteigen können, wie oben Nr. 35 gezeigt wurde.

*147. Hieraus geht klar hervor, welcher Art die Gegenwart des Herrn in den Himmeln ist. Er ist nämlich überall und über einem jeden zugegen im Guten und Wahren, die von ihm ausgehen — er ist also, wie oben Nr. 12 gesagt wurde, in dem Seinigen bei den Engeln. Das Innewerden der Gegen­wart des Herrn erfolgt in ihrem Inneren, aus dem heraus die Augen sehen. Daher erblicken sie ihn außerhalb von sich selbst, und zwar unausgesetzt. Hieraus läßt sich entnehmen, wie man zu verstehen hat, daß der Herr in ihnen ist und sie im Herrn, nach seinen Worten:

„Bleibet in mir und ich in euch“; (Joh.15,4)

„Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibt in mir, und ich in ihm“ (6,56)

Das Fleisch des Herrn bedeutet das göttliche Gute und das Blut das göttliche Wahre.

*148. Alle in den Himmeln wohnen geschieden nach den Hauptrichtungen. Im Osten und Westen wohnen alle, die im Guten der Liebe leben — im Osten jene, die ein klares, im We­sten die anderen, die ein dunkleres Innewerden desselben haben. Im Süden und Norden wohnen Engel, die der Weisheit aus dem Guten der Liebe ergeben sind — im Süden jene, bei denen das Licht der Weisheit hell, im Norden die anderen, bei denen es nur dunkel scheint. Die Engel im geistigen Reich des Herrn wohnen in derselben Ordnung wie die Engel in seinem himmlischen Reich, wenngleich ein Unterschied besteht nach dem Guten der Liebe und dem Licht des Wahren aus dem Guten. Denn die Liebe im himmlischen Reich ist die Liebe zum Herrn, und das Licht des Wahren aus ihm ist Weis­heit; im geistigen Reich aber herrscht die Liebe zum Nächsten, tätige Liebe (caritas) genannt, und das Licht des Wahren aus ihr ist Einsicht, auch Glaube genannt. Man vergleiche oben Nr. 23. Sie unterscheiden sich auch, wie gerade oben, Nr. 146, ausgeführt wurde, nach den Hauptgegenden, denn diese sind in den beiden Reichen um 30 Grad voneinander verschieden.

*149. In gleicher Ordnung untereinander leben die Engel in jeder Gesellschaft des Himmels. Im Osten befinden sich jene, die in einem höheren, im Westen die anderen, die in einem geringeren Grade der Liebe und Nächstenliebe sind. Im Süden sind die Wohnungen derer, denen das Licht der Weisheit und Einsicht stärker, im Norden die Wohnungen derer, denen dieses Licht schwächer leuchtet. Sie wohnen aber deshalb so geschieden, weil jede Gesellschaft einen Himmel darstellt und auch ein Himmel in kleinerer Gestalt ist, man vergleiche oben Nr. 51 58. Dieselbe Ordnung herrscht bei ihren Versammlungen. Die Form des Himmels bringt sie in diese Ordnung, der zufolge ein jeder seinen Platz kennt. Der Herr sorgt auch dafür, daß sich in jeder Gesell­schaft einige von jeder Gattung befinden, und zwar darum, damit sich der Himmel, was seine Form anlangt, überall gleicht. Dennoch aber unterscheidet sich die Anordnung des gesamten Himmels von der einer einzelnen Gesellschaft, ebenso wie sich das Allgemeine vom Besonderen unterschei­det. Denn die Gesellschaften im Osten ragen über die im We­sten hervor, ebenso wie die Gesellschaften im Süden über die im Norden.

*150. Die Hauptgegenden in den Himmeln bezeichnen daher die Beschaffenheit derer, die in ihnen wohnen, näm­lich der Osten die Liebe und ihr dazugehöriges Gutes in kla­rem Innewerden, der Westen dasselbe bei dunklem Innewer­den, der Süden die Weisheit und Einsicht in hellem, der Nor­den die Weisheit und Einsicht in dunklem Licht. Und weil dies durch die Hauptgegenden bezeichnet wird, so haben sie dieselbe Bedeutung auch im inneren oder geistigen Sinne des Wortes, denn dieser richtet sich ganz nach dem, was im Himmel ist.

*151. Umgekehrt ist es bei den Bewohnern der Hölle. Sie blicken nicht auf den Herrn als Sonne oder Mond, sondern wenden sich von ihm ab. Die sogenannten bösen Engel (genii) blicken auf jenen finsteren Körper, der dort die Stelle der irdischen Sonne einnimmt, und die sogenannten Geister auf jene Finsternis, die dort anstelle des irdischen Mondes tritt. In der geistigen Welt erscheinen also nicht die irdi­sche Sonne und der irdische Mond, sondern statt der Sonne etwas wie ein finsterer Körper gegenüber der himmlischen Sonne und statt des Mondes etwas beständig Verfinstertes, das den Gegensatz zum Mond bildet, wie man oben Nr. 122 sieht. Die Hauptgegenden in der Hölle sind daher denen des Himmels entgegengesetzt. Osten ist für sie, wo jener finstere Körper bzw. jene Finsternis ist, Westen, wo die Sonne des Himmels steht, Süden liegt für sie zur Rechten und Norden zur Linken — und dies alles auch bei jeder Wendung ihres Lei­bes. Sie können es nicht anders sehen, weil sich jede Rich­tung ihres Inneren und daher jede Ortsbestimmung dahin neigt und strebt. Wie die Richtung des Inneren und von daher die wirkliche Ortsbestimmung aller Wesen im anderen Leben ihrer Liebe entspricht, sehe man oben in Nr. 143. Diese Liebe aber ist bei den Höllischen die Selbst  und Weltliebe, und diese Arten der Liebe werden durch die irdische Sonne und den irdischen Mond bezeichnet; man sehe oben Nr. 122. Diese Arten der Liebe sind aber auch der Liebe zum Herrn und zum Nächsten entgegengesetzt, und darin liegt der Grund, weshalb sie sich vom Herrn ab jenem finsteren Kör­per bzw. jener Verfinsterung zukehren. Auch in den Höllen wohnen sie getrennt nach ihren Hauptgegenden: Jene, die dem Bösen aus der Selbstliebe verfallen sind, von ihrem Osten bis zu ihrem Westen, die anderen, die im Falschen des Bösen sind, von ihrem Süden bis zu ihrem Norden. Doch hierüber mehr im Abschnitt über die Höllen.

*152. Gerät ein böser Geist unter die Guten, so werden ge­wöhnlich die Richtungen derart verwirrt, daß die guten Gei­ster kaum wissen, wo nun ihr Ort ist. Ich habe das mehrfach erlebt und dann auch von den Geistern vernommen, wie sehr sie darüber klagten.

*153. Zuweilen erscheinen die bösen Geister so, als ob sie den Hauptrichtungen des Himmels zugekehrt wären, und dann haben sie auch Einsicht und Verständnis für das Wahre, jedoch keine Neigung zum Guten. Sobald sie daher zu ihrer eigenen Ausrichtung zurückfinden, sind sie wieder ohne Ein­sicht und Verständnis für das Wahre und erklären die Wahr­heiten, die sie zuvor gehört und verstanden hatten, für falsch, und dann wünschten sie auch, daß das Falsche wahr sei. Was diese Umwandlung betrifft, wurde ich unterrichtet, daß bei den Bösen wohl das Verstehen in dieser Weise verwandelt werden kann, nicht aber das Wollen. Und das ist vom Herrn so vorgesehen worden, damit jeder die Wahrheiten sehen und anerkennen könne, sie aber niemand aufnehme, der nicht im Guten ist; denn es ist das Gute, das die Wahrheiten aufnimmt, und durchaus nicht das Böse. Ich wurde ferner unterrichtet, daß es sich beim Menschen ebenso verhalte, und zwar deshalb, damit er durch die Wahrheiten gebessert werden könne, aber nur so weit, wie er sich im Guten befin­det. Daher komme es auch, daß der Mensch in gleicher Weise dem Herrn zugewendet werden kann. Wenn er aber seinem Leben nach im Bösen sei, so wende er sich alsbald wieder von ihm ab und bestärke sich im Falschen seines eigenen Bösen gegen die Wahrheiten, die er zuvor begriffen und gesehen hatte. Dies findet bei ihm statt, wenn er bei sich aus seinem Inneren heraus denke. 



Zustandsveränderungen bei den Engeln im Himmel.

*154.  Unter den Zustandsveränderungen der Engel sind die Veränderungen ihrer Liebe und ihres Glaubens, also der Weisheit und Einsicht und somit Veränderungen ihrer Le­benszustände zu verstehen. Die Zustände werden vom Leben und all dem ausgesagt, was dazu gehört. Weil nun das Leben der Engel ein Leben der Liebe und des Glaubens und daher der Weisheit und Einsicht ist, so beziehen sich ihre Zu­stände darauf und werden Zustände der Liebe und des Glau­bens, sowie auch Zustände der Weisheit und Einsicht ge­nannt. Wie sich diese Zustände bei den Engeln verändern, soll nun gezeigt werden.

*155. Die Engel sind nicht ständig im gleichen Zustand der Liebe und daher auch nicht im gleichen Zustand der Weisheit, denn alle Weisheit haben sie aus der Art ihrer Liebe. Manchmal ist ihre Liebe inbrünstig, manchmal weniger; ihr Zustand nimmt stufenweise ab vom höchsten bis zum nied­rigsten Grad. Befinden sie sich im höchsten Grad der Liebe, so leben sie in Licht und Wärme oder in Klarheit und Lust. Im niedrigsten Grad aber sind sie im Schatten und Frost oder in ihrer Dunkelheit und Unlust. Vom untersten Stand kehren sie wieder zum ersten zurück, und so fort. Diese Zustände folgen einander in mannigfaltiger Weise, etwa wie die Zustands­wechsel des Lichtes und des Schattens, der Wärme und der Kälte, oder wie Morgen, Mittag, Abend und Nacht eines jeden irdischen Tages, mit steter Verschiedenheit innerhalb des Jahres. Sie stehen auch im Entsprechungsverhältnis: der Morgen entspricht dem Zustand ihrer Liebe in der Klarheit, der Mittag dem Zustand ihrer Weisheit in der Klarheit, der Abend dem Zustand ihrer Weisheit im Dunkeln, und die Nacht schließlich dem Zustand der Lieblosigkeit und des Mangels an Weisheit. Man muß aber wissen, daß es bei den Himmlischen keine Entsprechung zwischen der Nacht und ihren Lebenszuständen gibt, sondern nur eine zur Dämme­rung, wie sie dem Morgen vorangeht. Eine Entsprechung der Nacht gibt es nur bei den Höllischen. Aufgrund dieser Ent­sprechungen bezeichnen Tag und Jahr im Wort die Lebens­zustände im allgemeinen, Wärme und Licht die Liebe und Weisheit, der Morgen die erste und höchste Stufe der Liebe, der Mittag die Weisheit in ihrem Licht, der Abend die Weis­heit in ihrem Schatten, die Morgendämmerung das Dunkel, das dem Morgen vorausgeht, die Nacht aber den gänzlichen Mangel an Liebe und Weisheit.

*156. Mit dem Zustand des Inneren, dem Ort der Liebe und Weisheit der Engel, werden auch die Erscheinungen der vor Augen liegenden mannigfaltigen äußeren Dinge verän­dert. Denn die Dinge, die außerhalb von ihnen sind, erhalten ein Aussehen, das dem ihres Inneren gemäß ist. Doch soll über diese Dinge und ihr Wesen in den folgenden Abschnit­ten über die Vorbildungen und Erscheinungen im Himmel nachgedacht werden.

*157. Jeder Engel erfährt und durchläuft solche Zu­standsveränderungen, ebenso auch jede Gesellschaft im ganzen, darin aber doch der eine immer wieder anders als der andere, weil sie in Liebe und Weisheit voneinander ver­schieden sind. Denn jene, die sich in der Mitte befinden, sind in einem vollkommeneren Zustand als die um sie herum bis an die Grenzen Wohnenden (man vergleiche oben Nr. 23 und 128). Die Unterschiede im einzelnen anzu­geben wäre zu weitläufig, erfährt doch ein jeder Veränderun­gen je nach der Beschaffenheit seiner Liebe und seines Glau­bens. Daher kommt, daß der eine in Klarheit und Lust sein kann, während der andere in Dunkelheit und Unlust ist, ­dies gleichzeitig innerhalb ein und derselben Gesellschaft, und dann auch wieder in einer Gesellschaft anders als in einer anderen, und in den Gesellschaften des himmlischen Reiches anders als in denen des geistigen. Die Unterschiede in ihren Zustandsveränderungen im allgemeinen verhalten sich wie die Zustandswechsel der Tage in der einen oder an­deren Zone auf Erden. Denn während hier die einen den Morgen erleben, ist es für die anderen Abend, und während die einen unter der Kälte leiden, ist es für die anderen warm, und umgekehrt.

*158. Ich bin aus dem Himmel unterrichtet worden, warum dort solche Zustandsveränderungen stattfinden. Die Engel nannten dafür mehrere Ursachen:

Die Freude am Leben und am Himmel, die ihnen aus der vom Herrn stam­menden Liebe und Weisheit erwächst, würde nach und nach ihren Wert verlieren, wenn sie ununterbrochen darin erhal­ten würden, wie es bei denen zu geschehen pflegt, die pau­senlos in Lustbarkeiten und Vergnügungen schwelgen.

Eine weitere Ursache liegt darin, daß sie ebenso wie die Menschen ein Eigenes haben, das in der Liebe zu sich selbst besteht, und daß alle Himmel durch den Herrn von ihrem Ei­genen abgehalten werden. Je nach dem, wie stark dies ge­schieht, herrscht Liebe und Weisheit oder aber Liebe zu sich selbst. Weil nun ein jeder sein Eigenes liebt und dadurch an­gezogen wird, so treten bei ihnen Zustandsveränderungen und aufeinander folgende Wandlungen ein.

Auf diese Weise werden sie vervollkommnet, weil sie sich daran ge­wöhnen, in der Liebe zum Herrn gehalten und von der Selbstliebe abgehalten zu werden, und weil auch durch den Wechsel von Lust und Unlust das Innewerden und Gefühl für das Gute feiner wird. Die Engel setzten hinzu, daß nicht der Herr ihre Zustandsveränderungen bewirke, weil er als Sonne stets mit Wärme und Licht, das heißt mit Liebe und Weisheit auf sie einwirke, sondern daß der Grund in ihnen selbst liege, in ihrer Eigenliebe, die sie beständig vom Herrn abzieht. Sie beleuchteten dies durch den Vergleich mit der ir­dischen Sonne; die sei unbeweglich, und nicht in ihr, son­dern in der Erde lägen die Ursache für die veränderlichen Zu­stände von Wärme und Kälte, Licht und Schatten in jedem Jahr und an jedem Tag.

*159. Es wurde mir gezeigt, wie der Herr als Sonne den Engeln im himmlischen Reich in ihrem ersten, zweiten und dritten Zustand erscheint. Erst sah ich ihn als Sonne rötlich und strahlend in solchem Glanz, daß es sich nicht beschrei­ben läßt. Man sagte mir, so erscheine der Herr den Engeln in ihrem ersten Zustand. Nachher sah man einen großen dunk­len Gürtel rings um die Sonne, der das zuerst so glänzende rötliche und schimmernde Licht dämpfte. Man sagte mir, so erscheine ihnen die Sonne im zweiten Zustand. Schließlich erkannte man, wie sich der Gürtel noch mehr verdunkelte und die Sonne weniger rötlich erscheinen ließ, und zwar stu­fenweise, bis sie zuletzt weiß schimmerte. So, sagte man, er­scheine ihnen die Sonne im dritten Zustand. Dieses weiß Schimmernde sah man dann nach links gegen den Mond des Himmels vorrücken und sich seinem Licht vermählen, wo­rauf der Mond über die Maßen hell erglänzte. Es wurde mir erklärt, daß dies der vierte Zustand für die Angehörigen des himmlischen, hingegen der erste für die des geistigen Rei­ches sei, und daß sich so die Zustandsveränderungen in bei­den Reichen ablösten. Dies geschehe jedoch nicht im Ganzen, sondern in einer Gesellschaft nach der anderen. Auch sei dieser Wandel nicht zu regelmäßigen Zeiten, son­dern ereigne sich später oder früher, ohne daß sie es vorher wüßten. Weiter sagten sie, die Sonne verändere sich in Wirk­lichkeit nicht, noch rücke sie von ihrem Platz, vielmehr scheine dem nur so, je nach dem allmählichen Fortschreiten der Zustände bei ihnen, weil der Herr einem jeden der Art des Zustands gemäß erscheint, also rot strahlend, wenn sie in in­brünstiger Liebe sind, weniger rot strahlend und zuletzt weiß schimmernd, wenn die Liebe abnimmt. Die Beschaffenheit ihres Zustandes aber sei durch den dunklen Gürtel vorgebil­det worden, der die Sonne jenen scheinbaren Wechsel an Flamme und Licht erleiden ließ.

*160. Sind die Engel im letzten Zustand — und dieser tritt ein, wenn sie in ihrem Eigenen sind —, so beginnen sie traurig zu werden. Ich sprach mit ihnen, als sie in diesem Zustand waren und sah ihre Traurigkeit. Sie sagten jedoch, sie hegten die Hoffnung, in Kürze wieder in den vorigen Zustand, und so gewissermaßen wieder in den Himmel zu gelangen. Denn der Himmel besteht für sie darin, von ihrem Eigenen abge­halten zu werden.

*161. Auch in den Höllen gibt es Zustandsveränderun­gen. Darüber jedoch unten im Abschnitt über die Hölle. 



Die Zeit im Himmel.

*162. Obwohl auch im Himmel, gerade wie in der Welt, alles wechselt und sich entwickelt, so haben doch die Engel keinen Begriff noch irgendeine Vorstellung von Zeit und Raum, so wenig, daß sie nicht einmal wissen, was Zeit und Raum ist. In diesem Abschnitt soll nun von der Zeit im Him­mel die Rede sein, in einem späteren vom Raum.

*163. Die Engel wissen nicht, was Zeit ist, obgleich bei ihnen ebenso wie in der Welt ohne irgendeinen Unterschied alles allmählich fortschreitet. Denn im Himmel gibt es keine Jahre und Tage, sondern statt dessen Zustandsveränderun­gen. Wo es Jahre und Tage gibt, sind auch Zeiten, wo es aber Zustandsveränderungen gibt, sind Zustände.

*164. In der Welt gibt es Zeiten, weil hier die Sonne dem Anschein nach von einem Breiten Grad zum anderen vorrückt und so die Jahreszeiten hervorruft, und weil sie scheinbar um die Erde läuft und so die Tageszeiten entstehen läßt — all dies in feststehendem Wechsel. Anders die Sonne des Himmels! Sie bringt nicht durch allmähliche Fortbewe­gungen und Umdrehungen Jahre und Tage hervor, sondern ­wie es scheint — Zustandsveränderungen, doch (wie dies im vorhergehenden Abschnitt gezeigt wurde) auch diese nicht in regelmäßigem Wechsel. Daher kommt es, daß die Engel kei­nerlei Vorstellung von Zeit haben können, sondern statt  des­sen von Zuständen. Was das heißt, sehe man oben Nr. 154.

*165. Weil die Engel keine aus der Zeit abgeleitete Vor­stellung haben, wie die Menschen in der Welt, so haben sie auch keine Vorstellung von Zeit und deren Einteilung. Sie wissen nicht einmal, was das ist, so zum Beispiel was Jahr, Monat, Woche, Tag, Stunde, heute oder morgen bedeutet. Wenn Engel dergleichen von Menschen hören — denn den Menschen sind stets Engel vom Herrn beigegeben — so stel­len sie sich statt dessen Zustände und Zustands Bestimmun­gen vor. So wird die natürliche Vorstellung des Menschen bei den Engeln in eine geistige umgewandelt. Aus diesem Grunde bezeichnen im Wort Zeiten Zustände und Zeit Ein­teilungen, wie die oben genannten, die ihnen entsprechen­den geistigen Dinge.

*166. Bei allem, was von der Zeit abgeleitet ist, geschieht dies: z. B. bei den vier Jahreszeiten (also Frühling, Sommer, Herbst und Winter), bei den vier Tageszeiten (also Morgen, Mittag, Abend und Nacht), bei den vier Menschenaltern (Kin­des , Jünglings , Mannes  und Greisenalter) und bei allem übrigen, das entweder aus der Zeit hervorgeht oder in der Zeit abläuft. Wenn der Mensch an dergleichen Dinge denkt, so geschieht es aus der Vorstellung von Zeit; der Engel aber denkt daran aus dem Zustand. Deshalb wird das, was diesen Vorstellungen beim Menschen von der Zeit anhaftet, beim Engel in die Vorstellung von einem Zustand umgewandelt. Frühling und Morgen verwandeln sich also in die Vorstellung des Zustands der Liebe und Weisheit, wie sie bei Engeln in ihrem ersten Zustand beschaffen sind, Sommer und Mittag werden zur Vorstellung von Liebe und Weisheit, die in ihrem zweiten Zustand herrscht, Herbst und Abend zu dem, was sie in ihrem dritten Zustand empfinden. Nacht und Winter aber verwandeln sich in die Vorstellung des Zustandes, der in der Hölle herrscht. Daher werden auch durch diese Zeiten im Worte Gottes ähnliche Zustände bezeichnet; man vergleiche oben Nr. 151. Damit ist klar, in welcher Weise die natürlichen Dinge im menschlichen Denken sich bei den Engeln, die den Menschen begleiten, in geistige verwandeln.

*167. Weil die Engel gar keinen Zeitbegriff kennen, haben sie auch eine andere Idee von der Ewigkeit als die Menschen der Erde. Für die Engel ist Ewigkeit ein endloser Zustand, nicht aber eine endlose Zeit. Als ich einst über die Ewigkeit nachdachte, konnte ich mit Hilfe des Zeitbegriffs wohl erken­nen, was „in Ewigkeit“ bedeutet, nämlich das Endlose, nicht aber, was „von Ewigkeit“ heißt, folglich auch nicht, was Gott vor der Schöpfung von Ewigkeit her getan hatte. Als mich darob ein Bangen befiel, wurde ich in die Sphäre des Him­mels erhoben und damit in die Anschauung, welche die Engel von der Ewigkeit haben. Da wurde mir durch Erleuch­tung klar, daß man über die Ewigkeit nicht aus der Zeit her­aus denken darf, sondern nur vom Zustand her, und daß man dann verstehen kann, was das „von Ewigkeit“ bedeutet — und so geschah mir auch.

*168. Die Engel reden mit dem Menschen niemals mit Hilfe der natürlichen, dem Menschen eigentümlichen Vor­stellungen, die samt und sonders von Zeit und Raum, vom Materiellen und analogen Dingen bestimmt sind, sondern mit Hilfe geistiger Ideen, die sämtlich von den Zuständen und deren vielfältigen Wandlungen innerhalb und außerhalb der Engel entlehnt sind. Aber dennoch werden die geistigen Vorstellungen der Engel, sobald sie bei den Menschen ein­fließen, augenblicklich und ganz von selbst in die natürli­chen, dem Menschen eigentümlichen Vorstellungen umge­wandelt, die den geistigen völlig entsprechen. Davon wissen aber weder die Engel noch die Menschen. Solcher Art ist auch jeder Einfluß des Himmels beim Menschen. Engel wurden einst näher in meine Gedanken eingelassen, und zwar bis in die natürlichen, die vieles aus Zeit und Raum enthielten. Weil sie aber nichts davon verstanden, so traten sie rasch zurück, und nachher hörte ich sie miteinander reden und sagen, sie seien in der Finsternis gewesen. Durch Erfahrung durfte ich auch erkennen, welches Nichtwissen bezüglich der Zeit bei jenen Engeln herrscht. Aus dem Himmel war jemand zuge­gen, dessen Art es erlaubte, daß er auch in die natürlichen Vorstellungen eingelassen werden konnte, wie sie dem Men­schen eigentümlich sind. Mit ihm sprach ich daher später wie ein Mensch mit dem anderen. Anfangs wußte er nicht, was es sei, was ich Zeit nannte. Ich mußte ihn deshalb voll­ständig darüber belehren, wie sich die Sonne um unsere Erde herumzubewegen scheine und dadurch Jahre und Tage her­vorbringe, auf diese Weise die Jahre in vier Zeiten und auch in Monate und Wochen eingeteilt werden und die Tage in 24 Stunden. Auch daß diese Zeiten in regelmäßigem Wechsel wiederkehren und eben hierdurch die Zeiten entstehen. Als er dies hörte, wunderte er sich und sagte, davon habe er nichts gewußt, sondern nur, was Zustände seien. Während dieser Unterredung erklärte ich ihm auch, man wisse in der Welt, daß es im Himmel keine Zeit gebe, die Menschen sprächen so, als wüßten sie es. Sie pflegen von den Sterben­den zu sagen, daß sie das Zeitliche verlassen und aus der Zeit gingen, womit gemeint ist, aus der Welt. Ich sagte auch, ei­nige Menschen wüßten wohl, daß die Zeiten ursprünglich Zustände seien, weil sich diese ganz nach den Zuständen ihrer Neigungen verhalten, so daß sie denen kurz erscheinen, die Freude und Lust empfinden, lang aber jenen, die Unlust und Traurigkeit erfahren, und wechselnd denen, die im Zu­stand von Hoffnung und Erwartung stehen. Ich sagte auch, daß deshalb die Gelehrten untersuchten, was Zeit und Raum sei, und daß einige von ihnen wüßten, daß die Zeit dem natürlichen Menschen zugeordnet ist.

*169. Der natürliche Mensch kann zur Meinung gelan­gen, daß ohne die Vorstellung von Zeit und Raum und der materiellen Dinge kein Denken möglich wäre, gründen sich doch darauf alle Gedanken, die er hat. Er möge jedoch wissen, daß die Gedanken gerade soweit endlich und einge­engt sind, wie ihnen etwas von Zeit, Raum und Materie an­hafte, und in dem Maße nicht endlich und eingeengt sind, wie sie sich davon befreien, weil das Gemüt eben soweit über die materiellen und weltlichen Dinge hinausgehoben wird. Von daher rührt die Weisheit der Engel, eine Weisheit von der Art, daß man sie unbegreiflich nennt, weil sie nicht zu den Vorstellungen paßt, die bloß aus weltlichen und ma­teriellen Dingen bestehen. 



Die Vorbildungen und Erscheinungen im Himmel.

*170. Der nur aus dem natürlichen Licht denkende Mensch kann nicht begreifen, daß im Himmel etwas sein soll, das den Dingen in der Welt gleicht, und darum nicht, weil er aus dem natürlichen Licht denkt und sich in der Vorstellung bestärkt, die Engel seien lediglich denkende Wesen und als solche nur eine Art ätherischer Gebilde. Folglich fehlten ihnen Sinne, wie sie der Mensch habe, also auch die Augen, und daher seien sie ohne sichtbare Gegenstände. In Wirklich­keit haben die Engel alle Sinne, die der Mensch hat, ja noch viel schärfere. Auch ist das Licht, in dem sie sehen, viel heller als das, in dem der Mensch sieht. Darüber, daß Engel Men­schen in vollkommenster Gestalt sind und sich aller Sinne er­freuen, sehe man oben Nr. 73 77, und auch daß das himmli­sche Licht viel heller ist als das irdische, Nr. 126 132.

*171. Welcher Art die Gegenstände sind, die den Engeln in den Himmeln erscheinen, läßt sich nicht mit wenigen Worten beschreiben. Sie gleichen großenteils den Dingen auf Erden, nur ist ihre Form vollkommener und ihre Menge größer. Dem kann man entnehmen, daß es in den Himmeln dergleichen Dinge gibt, wie sie von den Propheten gesehen wurden, z.B. von Ezechiel, der beschreibt, wie er den neuen Tempel und die neue Erde sah (Kap. 40 48); von Daniel (Kap. 7 12), Johannes in der ganzen Apokalypse, und anderen, über die wir sowohl in den geschichtlichen als in den pro­phetischen Büchern des Wortes lesen. Sie alle sahen solche Dinge, wenn ihnen der Himmel geöffnet war, und es heißt, der Himmel werde geöffnet, wenn das innere Sehen, das Sehen des Geistes im Menschen, aufgetan wird. Denn die Dinge in den Himmeln können nicht mit den körperlichen, sondern nur mit den geistigen Augen des Menschen gesehen werden. Diese aber werden aufgetan, sobald es dem Herrn gefällt, und dabei wird der Mensch vom natürlichen Licht abgewendet, in dem er durch die Körpersinne weilt, und in das geistige Licht, das er nur durch seinen Geist wahrneh­men kann, erhoben. In diesem Licht habe ich die himmli­schen Dinge erblickt.

*172. Obwohl nun aber die in den Himmeln erscheinen­den Gegenstände denen auf Erden großenteils ähnlich sehen, so sind sie ihnen doch ihrem Wesen nach nicht ähn­lich. Die Dinge in den Himmeln entspringen nämlich aus der himmlischen, die auf Erden der irdischen Sonne; erstere aber heißen geistig, letztere natürlich.

*173. In den Himmeln entstehen die Dinge nicht in glei­cher Weise wie auf Erden. In den Himmeln entstehen sie samt und sonders aus dem Herrn, gemäß den Entsprechun­gen mit dem Inneren der Engel. Diese haben nämlich ein In­neres und ein Äußeres. Ihrem Inneren nach bezieht sich alles auf Liebe und Glauben, somit auf Willen und Verstand, weil diese deren Aufnahmegefäße sind. Ihr Äußeres aber ent­spricht dem Inneren, man vergl. oben Nr. 87 150. Dies kann auch durch das erläutert werden, was oben von der Wärme und dem Licht des Himmels gesagt wurde. Die Engel haben demnach Wärme je nach der Qualität ihrer Liebe, Licht je nach der Qualität ihrer Weisheit; man vergl. Nr. 128 134. Ebenso verhält es sich mit den übrigen Dingen, die den Sin­nen der Engel erscheinen.

*174. Wann immer mir der Umgang mit den Engeln ge­stattet wurde, konnte ich die Gegenstände bei ihnen ebenso sehen, wie die in der irdischen Welt, und sogar so handgreif­lich, daß ich meinte, ich sei in der Welt, und zwar am Hofe eines Königs. Auch sprach ich mit ihnen wie ein Mensch mit dem anderen.

*175. Weil alle Dinge, die dem Inneren entsprechen, die­ses auch vorbilden, werden sie Vorbildungen (repraesenta­tiva) genannt, und weil sie sich je nach dem Zustand des In­neren der Engel verändern, heißen sie Erscheinungen (appa­rentiae). Dabei ist es aber doch so, daß die Gegenstände, die vor ihren Augen in den Himmeln erscheinen, ebenso lebhaft wahrgenommen werden, wie die Gegenstände auf Erden, ja noch viel deutlicher und bestimmter. Erscheinungen dieser Art in den Himmeln heißen reale Erscheinungen, weil sie wirklich existieren, doch gibt es auch nichtreale Erscheinun­gen, das heißt solche, die zwar erscheinen, aber keinem Inne­ren entsprechen. Von diesen im Folgenden.

*176. Um deutlicher zu machen, welche Qualität die Dinge haben, die den Engeln je nach den Entsprechungen er­scheinen, möchte ich hier nur ein Beispiel anführen. Den Einsichtigen erscheinen Gärten und Paradiese voller Bäume und Blumen aller Art. Die Bäume sind in der schönsten Ord­nung gepflanzt und bilden Gruppen, zu denen Bogengänge führen, um die herum Spazierwege angelegt sind — alles in unbeschreiblicher Pracht. Die Einsichtigen ergehen sich auch darin, pflücken Blumen und winden Kränze, mit denen sie die Kinder schmücken. Hier gibt es auch Bäume und Blu­men, die man in der Welt nirgends sieht und die dort auch nie vorkommen könnten. Die Bäume tragen Früchte, je nach dem Guten der Liebe, dem die Einsichtigen ergeben sind. Diese aber sehen dergleichen Dinge, weil Garten und Paradies wie auch fruchtbare Bäume und Blumen ihrer Einsicht und Weisheit entsprechen. Auch auf Erden ist bekannt, daß es solche Dinge in den Himmeln gibt, freilich nur denen, die im Guten sind und das Himmelslicht nicht durch das natürliche Licht und dessen Täuschungen in sich aus­gelöscht haben. Wenn sie an den Himmel denken oder von ihm sprechen, so denken und sagen sie, daß es dort Dinge gäbe, die kein Ohrgehört und kein Auge gesehen hat. 



Die Gewänder, mit denen die Engel angetan erscheinen.

*177. Da die Engel Menschen sind und wie Menschen der Erde untereinander leben, so haben sie auch Kleider, Wohnungen und ähnliches, nur mit dem Unterschied, daß bei ihnen alles vollkommener ist, in vollkommenerem Zu­stand. Denn wie die Weisheit der Engel die der Menschen in solchem Grade übertrifft, daß sie „unaussprechlich“ genannt wird, so entspricht auch alles, was die Engel wahrneh­men und ihnen erscheint, ihrer Weisheit. Man vergleiche oben Nr. 173.

*178. Die Kleider, mit denen die Engel angetan sind, ste­hen ebenso wie das übrige in Entsprechung, und weil sie ent­sprechen, so existieren sie auch wirklich. Man vergleiche oben Nr. 175. Ihre Kleider entsprechen aber der Einsicht. Deshalb erscheinen in den Himmeln alle je nach ihrer Ein­sicht bekleidet, und weil manche den anderen überlegen sind (man vergl. Nr. 43 128), so sind sie auch schöner geklei­det. Bei den Einsichtsvollsten funkeln die Kleider wie von feurigem Glanz, und bei einigen leuchten sie wie im Glanze des Lichtes. Die weniger Einsichtigen tragen blendend weiße, auch matt weiße oder auch nur bunte Kleider. Die Engel des innersten Himmels aber sind unbekleidet.

*179. Weil die Kleider der Engel ihrer Einsicht entspre­chen, so entsprechen sie auch dem Wahren, stammt doch alle Einsicht aus dem Göttlich Wahren. Deshalb läuft es auf dasselbe hinaus, ob man nun sagt, die Engel seien je nach ihrer Einsicht oder nach(ihrem Anteil an) dem Göttlich Wah­ren gekleidet. Daß die Kleider bei einigen wie von flammen­dem Glanz funkeln und bei anderen vom Glanz des Lichts leuchten, beruht darauf, daß die Flamme dem Guten und das Licht dem Wahren aus dem Guten entspricht. Bei einigen sind die Kleider glänzend weiß oder dann wieder matt weiß ohne Glanz, bei anderen aber bunt, weil das Göttlich Gute und  Wahre bei den minder Einsichtsvollen weniger glänzt und auch verschieden aufgenommen wird. Es liegt auch daran, daß das glänzend Weiße und das matt Weiße dem Wahren und die Farben dessen Variationen entspre­chen. Die Engel des innersten Himmels aber erscheinen nackt, weil sie in der Unschuld sind und die Unschuld der Nacktheit entspricht.

*180. Weil die Engel im Himmel bekleidet sind, so er­schienen sie auch mit Kleidern angetan, wenn sie in der Welt gesehen wurden, etwa von den Propheten oder auch von denen, die sie beim Grabe des Herrn erblickten.

„Ihr Anblick war wie der Blitz und ihre Gewänder glänzend und weiß“ (Luk.24,4; Matth.28,3; Mark.16,5; Joh.20,11f).

Die Engel, die Johannes im Himmel erblickte, trugen „weiße Gewänder von Byssus“ (Offb.4,4; 19,11.13)

Und weil die Einsicht dem Göttlich Wahren entstammt, darum waren

„die Gewänder des Herrn, als er verwandelt wurde, strahlend und glänzend weiß, wie das Licht“ (Matth.17,2; Mark 9,3; Luk.9,29)

Das Licht ist das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre, wie man oben Nr. 129 sieht. Aus diesem Grunde be­zeichnen die Kleider die Wahrheiten und die daraus bewirkte Einsicht, wie bei Johannes:

„Die ihre Gewänder nicht befleckt haben, sollen mit mir wan­deln in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. Wer überwin­det, soll mit weißen Kleidern angetan werden“ (Offb.3,4 f)

„Selig, wer da wacht und seine Kleider bewahrt“. (Offb.16,15)

Und von Jerusalem, unter der man die Kirche, die im Wahren ist, zu verstehen hat, heißt es beim Propheten Jesaja wie folgt:

„Wach auf, zieh deine Stärke an, Zion, zieh an die Kleider dei­nes Schmuckes, Jerusalem“, (52,1)

und bei Ezechiel:

„Jerusalem, ich umwand mit Byssus dich und hüllte dich in Seide, deine Kleider waren Byssus und Seide“; (16,10.13)

ähnlich an vielen anderen Stellen. Wer aber nicht in den Wahrheiten ist, von dem heißt es, er sei nicht mit einem hoch­zeitlichen Kleid angetan, wie bei Matthäus:

„Nachdem der König eingetreten, sah er einen Menschen, der nicht mit einem hochzeitlichen Kleid angetan war, und sagte zu ihm: «Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du kein hochzeitliches Kleid anhast?»... Darum wurde er in die äußer­ste Finsternis hinausgestoßen“ (22,12 f).

Unter dem Haus, in dem die Hochzeit stattfand, ist zunächst der Himmel zu verstehen, dann auch die Kirche, die aus der Verbindung des Herrn mit den Menschen durch sein Göttlich Wahres entsteht. Deshalb heißt der Herr im Wort „Bräutigam“ und „Mann“ und der Himmel mit der Kirche „Braut“ und „Weib“.

*181. Die Kleider der Engel erscheinen aber nicht bloß als solche, sondern sind auch wirklich Kleider. Dies zeigt sich daran, daß sie diese nicht nur sehen, sondern auch bei der Berührung fühlen, sowie daran, daß sie mehrere Gewänder haben, die sie bei Bedarf anziehen und bei Nichtbedarf auf­bewahren. Ich habe tausendmal gesehen, wie die Engel ihre Kleider wechseln. Auf meine Frage, woher sie ihre Kleider hätten, antworteten sie: «Vom Herrn», und sie würden damit beschenkt, ja zuweilen ohne ihr Wissen bekleidet. Sie erklär­ten auch, ihre Kleidung wandle sich je nach ihren Zustands­veränderungen, und zwar trügen sie in ihrem ersten und zweiten Zustand schimmernde und weiß glänzende Gewän­der, im dritten und vierten etwas dunklere. Dies auch auf Grund der Entsprechung, weil sich bei ihnen der Zustand der Einsicht und Weisheit verändere, worüber man oben Nr. 154­-161 nachlese.

*182. In der jenseitigen Welt trägt also jedermann Kleider, die seiner Einsicht entsprechen und somit den Wahrheiten, die ihr zugrunde liegen. Die Bewohner der Höllen, denen die Wahrheiten fehlen, tragen trotzdem Kleider, aber zerrissene, häßliche, ein jeder nach der Art seiner Torheit. Und sie kön­nen auch keine anderen Kleider tragen. Der Herr erlaubt ihnen, sich zu bekleiden, damit sie nicht nackend erscheinen. 



Wohnungen und Heimstätten der Engel.

*183. Weil es im Himmel Gesellschaften gibt und die Engel wie Menschen leben, haben sie auch Wohnungen, und zwar wieder verschiedene, je nach dem Lebenszustand eines jeden — prächtige jene, die sich in einem würdigeren, minder prächtige jene, die sich in einem niedrigeren Zustand befin­den. Über die himmlischen Wohnungen habe ich oft mit En­geln gesprochen, wobei ich ihnen sagte, heutzutage werde kaum jemand glauben, daß sie Wohnungen und Heimstätten hätten. Einige Menschen könnten darum nicht daran glau­ben, weil sie diese nicht sehen, andere weil sie nicht wissen, daß die Engel Menschen sind, wieder andere, weil sie glauben, der Engelshimmel sei derselbe Himmel, den sie mit den Augen über sich erblicken. Da nun dieser leer erscheint und sie die Engel für ätherische Wesen halten, so schließen sie daraus, diese lebten im Äther. Überdies begreifen sie deshalb nicht, daß es in der geistigen Welt eben solche Dinge gibt wie in der natürlichen, weil sie keine Ahnung vom Geistigen haben. Die Engel antworteten, sie wüßten wohl, daß heutzu­tage eine solche Unwissenheit in der Welt herrsche, und zwar — worüber sie sich besonders wunderten — vor allem inner­halb der Kirche, und in dieser mehr bei den Gebildeten als bei den sogenannten einfachen Leuten. Ferner sagten sie, aus dem Wort könnte man wissen, daß die Engel Menschen sind, weil sie als solche gesehen wurden; dasselbe gälte auch vom Herrn, der all sein Menschliches mit sich genommen habe. Weil sie aber Menschen seien, so sollte man auch wis­sen, daß sie Wohnungen und Heimstätten haben und nicht, wie einige in ihrer Unwissenheit (die die Engel Unsinn nann­ten) meinen, in der Luft umherflattern oder etwas Windarti­ges sind, auch wenn sie Geister genannt würden. Sie sagten auch, die Menschen könnten dies wohl verstehen, wenn sie nur den beschränkten Kreis ihrer vorgefaßten Meinungen von den Engeln und Geistern überschreiten wollten. Dies ge­schehe aber, sobald sie nicht immer von neuem die Vorfrage aufwerfen und zum zentralen Gegenstand ihres Denkens machen, nämlich ob es so sei. Jedermann habe nämlich eine allgemeine Vorstellung davon, daß die Engel menschliche Gestalt und damit auch Behausungen ihr eigen nennen, wel­che die „himmlischen Wohnungen“ genannt werden und prächtiger als die irdischen sind. Diese allgemeinen Vorstel­lungen aber, die vom Himmel einflössen, sagten sie, fielen sogleich in sich zusammen, sobald man die Frage, ob es so sei, zum zentralen Gegenstand seiner Untersuchung mache. Dies geschehe besonders bei den Gelehrten, die sich dem Himmel und dem Einfall himmlischen Lichtes durch ihren Intellektualismus verschlossen hätten. Ebenso steht es mit dem Glauben an das Leben des Menschen nach dem Tode. Wer davon spricht und dabei nicht zugleich von der Meinung der Gelehrten über Seele und Leib beeinflußt ist, der glaubt, daß er nach dem Tode als Mensch fortleben werde, und zwar unter den Engeln, wenn er ein gutes Leben geführt hat, wo er dann Herrliches schauen und Wonnen empfinden werde. So­bald er aber die Lehre von der Wiedervereinigung mit dem Körper einbezieht und Mutmaßungen über die Seele anstellt und ihm der Gedanke kommt, ob wohl eine solche Seele überhaupt existiere, also ob es wirklich so sei, vergeht ihm so­gleich seine frühere Vorstellung.

*184. Es ist jedoch besser, Belege aus der Erfahrung an­zuführen: So oft ich mit den Engeln von Angesicht zu Ange­sicht sprach, war ich auch bei ihnen in ihren Wohnungen. Diese aber sind ganz so wie unsere Häuser, nur schöner. Es gibt in ihnen Säle, Zimmer und Schlafgemächer in großer Zahl, auch Höfe, ringsumher Gärten, Gebüsch und Felder. Wo sie beisammen leben, stoßen ihre Wohnungen aneinan­der und bilden zusammen eine Stadt mit Straßen, Gassen und Plätzen, ganz wie die Städte auf Erden. Es wurde mir auch gestattet, sie zu durchqueren und mich überall umzu­sehen und gelegentlich die Häuser zu betreten. Es geschah bei völligem Wachen, wenn mir die innere Sicht aufge­schlossen wurde.

*185. Ich habe herrliche Paläste im Himmel gesehen, die sich jeder Beschreibung entziehen. Oben glänzten sie wie von reinem Gold, unten wie von Edelsteinen — immer ein Pa­last schimmernder als der andere. Dasselbe gilt auch für ihr Inneres: Die Gemächer waren mit Ornamenten verziert, zu deren Beschreibung uns Worte wie Kenntnisse fehlen. Gegen Süden lagen Paradiese, in denen alles in gleicher Weise glänzte und an einigen Stellen die Blätter wie von Silber und die Früchte wie von Gold waren. Die Blumenbeete mit ihren Farben sahen aus wie Regenbogen. An der Peripherie er­blickte man noch weitere Paläste, die den Ausblick begrenz­ten. Die Werke der himmlischen Architektur sind von einer Art, daß man sagen möchte, hier sei die Kunst in ihrer Kunst, und das ist auch kein Wunder, da diese Kunst selbst vom Himmel stammt. Die Engel bemerkten dazu, diese und un­zählige andere, noch vollkommenere Dinge, würden ihnen vom Herrn vor Augen gestellt, doch erfreuten sie mehr noch ihre Gemüter als ihre Augen, und zwar deshalb, weil sie in allen Einzelheiten die Entsprechungen und mit Hilfe der Ent­sprechungen das Göttliche sehen.

*186. Was die Entsprechungen betrifft, so bin ich auch darüber belehrt worden, daß nicht nur die Paläste und Häu­ser, sondern auch die kleinsten Einzelheiten innerhalb und außerhalb dem Inneren entsprechen, das vom Herrn her bei ihren Bewohnern ist. So entspricht das Haus selbst im allge­meinen ihrem Guten, die Einzelheiten innerhalb der Häuser den mannigfaltigen Einzelheiten, aus denen das Gute be­steht. Die Dinge außerhalb der Häuser entsprechen den Wahrheiten, die aus dem Guten abgeleitet sind, wie auch den Wahrnehmungen und Erkenntnissen (vergleiche oben Nr. 176). Und da alle diese Dinge dem Guten und Wahren ent­sprechen, das die Engel vom Herrn aufgenommen haben, so entsprechen sie auch ihrer Liebe und folglich ihrer Weisheit und Einsicht. Die Liebe gehört zum Guten, die Weisheit zum Guten und zugleich zum Wahren, die Einsicht aber zum Wahren aus dem Guten. Diese Beziehungen werden von den Engeln wahrgenommen, wenn sie jene Gegenstände er­blicken, die darum mehr ihr Gemüt als ihre Augen erfreuen und anziehen.

*187. Daraus erklärt sich auch, warum der Herr sich selbst den Tempel nannte, der zu Jerusalem war (Joh.2,19.21), und warum das neue Jerusalem aus lauterem Golde zu beste­hen schien, seine Tore aus Perlen und die Fundamente aus kostbaren Steinen (Offb.21) — darum nämlich, weil der Tem­pel das Göttlich Menschliche des Herrn vorbildete, das neue Jerusalem die später zu gründende Kirche, die zwölf Tore die Wahrheiten, die zum Guten führen, und die Fundamente die Wahrheiten, auf die die Kirche gegründet ist.

*188. Die Engel, aus denen das himmlische Reich des Herrn besteht, wohnen zumeist an erhöhten Orten, die wie von der Erde aufsteigende Berge erscheinen. Die Engel des geistigen Reiches des Herrn wohnen an weniger erhöhten Orten, die wie Hügel erscheinen. Die Engel in den untersten Zonen des Himmels aber bewohnen Orte, die wie Felsmas­sen aussehen. Auch diese Dinge beruhen auf der Entspre­chung; denn das Innere entspricht dem Höheren und das Äußere dem Niedrigeren. So kommt es, daß die Berge im Wort die himmlische und die Hügel die geistige Liebe be­zeichnen, die Felsen aber den Glauben.

*189. Es gibt auch Engel, die nicht in Gesellschaft, son­dern abgesondert leben, Haus für Haus. Weil sie die besten unter den Engeln sind, wohnen sie im Zentrum des Himmels.

*190. Die Häuser der Engel werden nicht gebaut wie die Häuser in der Welt, sondern ihnen vom Herrn aus Gnaden, entsprechend ihrer Aufnahme des Guten und Wahren, ge­schenkt. Sie verändern sich auch ein wenig, je nach den Zu­standsveränderungen des Inneren ihrer Bewohner (vergl. Oben Nr. 154 160). Alles, was die Engel besitzen, verdanken sie dem Herrn, und alles, was sie irgend benötigen, wird ihnen geschenkt. 



Der Raum im Himmel.

Himmel und HölleHimmel und Hölle*191. Obgleich im Himmel gleich wie in der Welt alles an einem Ort und in einem Raum erscheint, haben doch die Engel weder Begriff noch Vorstellung von Ort und Raum. Diese Feststellung muß als widersinnig erscheinen, darum will ich sie — da sie von großer Wichtigkeit ist — deut­lich erklären.

*192. Alle Fortbewegungen in der geistigen Welt gesche­hen durch Zustandsveränderungen des Inneren, sind also nichts anderes als Veränderungen des Zustands. In dieser Weise bin ich auch vom Herrn in die Himmel und zu den Erd­körpern im Weltall geführt worden. Es geschah im Geist, während mein Körper an seinem Ort blieb. Ebenso bewe­gen sich alle Engel fort, weshalb es für sie keine Entfernungen und darum auch keine Räume gibt. Stattdessen bestehen Zu­stände und deren Veränderungen.

*193. Weil die Fortbewegungen auf diese Weise vor sich gehen, ist klar, daß Annäherungen Ähnlichkeiten des in­neren Zustandes, Entfernungen aber Unähnlichkeiten be­deuten. Daher sind jene einander nahe, die sich in einem ähnlichen, einander fern, die sich in einem unähnlichen Zu­stand befinden. So sind also die Räume im Himmel nichts anderes als äußere Zustände, die den inneren entsprechen. Nur aus dieser Ursache sind die Himmel von einander ge­schieden, wie auch die Gesellschaften in jedem Himmel und alle Einzelnen innerhalb einer Gesellschaft. Daher kommt es auch, daß die Himmel von den Höllen völlig abgesondert sind, befinden sich doch ihre Bewohner im entgegengesetz­ten Zustand.

*194. Aus dem gleichen Grunde wird in der geistigen Welt einer dem andern gegenwärtig, sobald er nur ein sehnliches Verlangen nach dessen Gegenwart hat. Er sieht ihn nämlich in Gedanken und versetzt sich in seinen Zustand. Umgekehrt aber wird einer vom andern entfernt, so weit wie er ihm un­sympathisch ist. Und weil alle Abneigung aus dem Gegensatz der Neigungen und aus der Widersprüchlichkeit der Gedan­ken entspringt, so passiert es, daß mehrere, die sich in jener Welt am gleichen Ort befinden, sich als gegenwärtig erschei­nen, solange sie zusammenstimmen, einander aber ent­schwinden, sobald sie voneinander abweichen.

*195. Auch wenn jemand von einem Ort zum anderen geht, sei es in seiner Stadt, in den Höfen und Gärten oder zu anderen außerhalb seiner Gesellschaft, dann gelangt er schneller dahin, wenn er sich danach sehnt, langsamer, wenn er sich nicht danach sehnt. Der Weg wird je nach seinem Ver­langen verlängert oder verkürzt, auch wenn es derselbe ist. Das habe ich öfters gesehen und mich darüber gewundert. Es zeigt wiederum, daß sich die Entfernungen, also die Räume, bei den Engeln ganz nach den Zuständen ihres Inneren rich­ten. Weil dem so ist, kann der Begriff und die Vorstellung des Räumlichen nicht in ihr Denken eindringen, obgleich es bei ihnen ebensowohl Räume gibt wie in der Welt.

*196. Dies kann beleuchtet werden an den Gedanken des Menschen, die ja auch keinen Raum kennen. Stellt sich doch dem Menschen als gegenwärtig dar, worauf er seine Gedan­ken mit konzentrierter Aufmerksamkeit richtet! Wer darüber nachdenkt, weiß auch, daß sein Auge nur Räumliches wahr­nimmt infolge der dazwischenliegenden irdischen Gegen­stände, die er gleichzeitig sieht, oder infolge seiner Kenntnis der Entfernung. Dem ist so, weil es sich um eine kontinuierli­che Größe handelt und darum das Entfernte nur infolge der Gegenstände erscheint, die nicht kontinuierlich sind. Noch viel mehr gilt dies für die Engel, weil Sehen und Denken bei ihnen eine Einheit bilden und das Denken eins ist mit der Neigung, und weil Nahes und Entferntes je nach den Zustän­den ihres Inneren erscheint und sich auch verändert, wie oben gezeigt wurde.

*197. Aus diesem Grunde werden im Wort durch Orte und Räume sowie durch alles, was etwas vom Räumlichen an sich hat, Dinge bezeichnet, die sich auf Zustände beziehen, wie z. B. durch Abstände, Nahes, Entferntes, Wege, Reisen, Wande­rungen, Meilensteine, Stadien, durch Felder, Äcker, Gärten, Gassen, durch Bewegungen, Maße verschiedener Art, durch Länge, Breite, Höhe und Tiefe und unzählige andere Dinge. Denn das meiste, was zum menschlich irdischen Gedanken­gut gehört, hat etwas von Raum und Zeit an sich. Ich will hier nur zeigen, was im Worte Gottes Länge, Breite und Höhe zu bedeuten haben. In der Welt nennt man lang und breit, was lang und breit im Raume ist; dasselbe gilt für die Höhe. Im Himmel aber, wo man nicht aus dem Räumlichen denkt, ver­steht man unter der Länge den Zustand des Guten, unter der Breite den des Wahren und unter der Höhe den Unterschied zwischen denselben je nach den Graden (davon war oben Nr. 38 die Rede). Der Grund, warum man dies unter jenen drei Dimensionen versteht, liegt darin, daß sich die Länge im Himmel auf die Richtung von Ost nach West bezieht und sich hier jene befinden, die dem Guten der Liebe ergeben sind. Die Breite bezieht sich im Himmel auf die Richtung von Süd nach Nord, wo sich jene aufhalten, die im Wahren aus dem Guten sind (man sehe oben Nr. 148), während die Höhe im Himmel beides hinsichtlich seiner Grade darstellt. Darum also wird dergleichen im Wort durch Länge und Breite be­zeichnet, wie z.B. bei Ezechiel in Kapitel 40 48, wo durch die Maße nach Länge, Breite und Höhe der neue Tempel und die neue Erde beschrieben werden, mit ihren Vorhöfen, Gemächern, Toren, Türen, Fenstern und ihrer Umgebung. Alle diese Dinge bezeichnen die neue Kirche und das Gute und Wahre darin. Wozu sonst alle jene Maße? In ähnlicher Weise wird auch das neue Jerusalem in der Offenbarung be­schrieben, wo es heißt:

„Die Stadt liegt viereckig und ihre Länge ist so groß wie ihre Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr zu 12’000 Stadien, und die Länge, Breite und Höhe der Stadt sind gleich“ (21,16)

Weil hier durch das neue Jerusalem die neue Kirche darge­stellt wird, so bezeichnen jene Maße die zur Kirche gehören­den Dinge — die Länge das Gute ihrer Liebe, die Breite das Wahre aus diesem Guten, die Höhe das Gute und Wahre nach den Graden, die 12’000 Stadien das Gute und Wahre im Inbe­griff. Was sollte es sonst bedeuten, daß die Höhe 12’000 Sta­dien betrage gleich der Länge und Breite? Daß die Breite im Wort das Wahre bezeichnet, sieht man bei David:

„Jehovah, du übergabst mich nicht in die Hände des Feindes und ließest meine Füße auf der Breite stehen“ (31,9)

„Aus der Bedrängnis rief ich zu Jehovah, und Jehovah antwor­tete mir in der Breite“, (118,5)

außerdem an anderen Stellen, wie Jesaja 8,8, Habakuk 1,6 u.a.m.

*198. Hieraus kann man ersehen, daß im Himmel, nichts nach den Räumen, sondern nur nach den Zuständen einge­schätzt wird, obwohl dort Räume sind wie in der Welt. Somit werden die Räume dort nicht wie in der Welt gemessen, son­dern können nur gesehen werden aus und nach dem Zu­stand des Inneren der Engel.

*199. Die erste und entscheidende Ursache ist, daß der Herr bei jedem gegenwärtig ist dem Maße seiner Liebe und seines Glaubens entsprechend, und daß alles je nach sei­ner Gegenwart als nah oder fern erscheint. Denn die Gegen­wart des Herrn bestimmt alles in den Himmeln. Durch sie auch haben die Engel Weisheit, denn durch sie findet eine Ausbreitung der Gedanken statt und erfolgt ein Austausch von allem, was in den Himmeln ist. Mit einem Wort: Durch sie haben sie die Fähigkeit, geistig zu denken und nicht natürlich wie die Menschen. 



Die Form des Himmels bestimmt dort die Zusammengesellung und Kommunikation.

*200. Aus dem, was in den vorhergehenden Abschnitten gezeigt wurde, kann man mit einiger Deutlichkeit ersehen, von welcher Art die Form des Himmels ist, nämlich daß er sich im größten und im kleinsten gleicht (Nr. 72). Daher ist jede Gesellschaft ein Himmel in kleinerer und jeder Engel ein Himmel in der kleinsten Gestalt (Nr. 51 58). Der ganze Him­mel wiederum stellt einen (größten) Menschen dar, und so jede Gesellschaft des Himmels einen Menschen in kleinerer und jeder Engel einen Menschen in der kleinsten Gestalt (Nr. 59 77). In jeder Gesellschaft befinden sich die weisesten in der Mitte und die weniger weisen darum herum bis an die Peripherie (Nr. 43). Vom Osten bis zum Westen im Himmel wohnen jene, die im Guten der Liebe, und vom Süden bis zum Norden die anderen, die in den Wahrheiten aus dem Guten stehen, und dies trifft für jede Gesellschaft zu (Nr. 148­-149). All dies ist nach der Form des Himmels gestaltet, wo­raus man schließen kann, wie seine Form im allgemeinen be­schaffen ist.

*201. Die Beschaffenheit der Form des Himmels zu ken­nen, ist wichtig, weil ihr gemäß nicht nur alle zusammenge­sellt werden, sondern auch jeder gegenseitige Austausch er­folgt und somit alle Ausbreitung der Gedanken und Neigun­gen, folglich alle Weisheit und Einsicht der Engel. Inwiefern daher jemand in der Form des Himmels, also eine Gestalt des Himmels ist, insofern ist er auch weise. Ob man übrigens sagt, in der Form des Himmels oder in der Ordnung des Him­mels, ist gleichgültig, weil die Form eines jeden Dinges aus seiner Ordnung stammt und ihr gemäß ist.

*202. Zuerst soll nun gesagt werden, was es heißt, in der Form des Himmels zu sein. Der Mensch ist nach dem Bilde des Himmels und nach dem der Welt geschaffen — sein Inne­res nach dem Bilde des Himmels, sein Äußeres nach dem der Welt, man vergleiche oben Nr. 57. Ob man sagt, nach dem Bilde oder nach der Form, ist dasselbe. Der Mensch hat aber durch das Böse seines Willens und das von daher abgeleitete Falsche seines Denkens das Bild des Himmels, also dessen Form, bei sich zerstört und statt dessen das Bild und die Form der Hölle eingeführt. Darum ist sein Inneres schon von Ge­burt an verschlossen. Und dies ist der Grund, weshalb der Mensch, anders als die Tiere aller Art, in völlige Unwissenheit geboren wird. Um Bild oder Form des Himmels in sich wie­derherzustellen, muß er über das, was zur Ordnung gehört, belehrt werden. Denn, wie oben gesagt wurde, die Form ver­hält sich gemäß der Ordnung. Nun enthält das Wort alle Ge­setze der göttlichen Ordnung, sind doch die in ihm gegebe­nen Vorschriften Gesetze der göttlichen Ordnung. Inwiefern sie also der Mensch weiß und nach ihnen lebt, insoweit wird ihm das Innere aufgeschlossen und darin die Ordnung oder die Form des Himmels neu gebildet. Damit ist klar, was es heißt, in der Form des Himmels zu sein, nämlich nach dem zu leben, was im Wort steht.

*203. Inwiefern jemand in der Form des Himmels ist, in­sofern befindet er sich im Himmel, ja ist er ein Himmel in kleinster Gestalt (Nr. 57), folglich auch in Einsicht und Weis­heit. Nach dem, was weiter oben ausgeführt wurde, verbreitet sich jeder Gedanke seines Verstandes und jede Regung seines Willens allenthalben in den Himmel, dessen Form gemäß, und teilt sich in wunderbarer Weise den anderen Gesellschaf­ten mit, ebenso wie auch diese sich ihm mitteilen. Einige glauben, die Gedanken und Gefühle breiteten sich nicht wirklich rings um sie aus, sondern seien innerhalb von ihnen, und zwar weil sie das, was sie denken, als etwas in sich Be­findliches und nicht als etwas von ihnen Entferntes sehen. Aber sie täuschen sich sehr; denn wie sich das Sehen des Auges bis zu entlegenen Gegenständen ausdehnt und je nach der Anordnung der Dinge, die es in der Entfernung erblickt, angeregt wird, so hat auch das innere Sehen des Menschen, sein Verstand, eine Ausdehnung in der geistigen Welt, ob­gleich er es aus dem oben (Nr. 196) bemerkten Grunde nicht wahrnimmt. Der Unterschied besteht nur darin, daß das Sehen des Auges durch natürliche Eindrücke, nämlich durch Gegenstände in der natürlichen Welt, angeregt wird, das Sehen des Verstandes hingegen durch geistige Eindrücke, nämlich durch Dinge der geistigen Welt, die sich samt und sonders auf das Gute und Wahre beziehen. Dem Menschen wird dies nicht bewußt, weil er nichts von dem geistigen Licht weiß, das den Verstand erleuchtet, obwohl er doch ohne die­ses Licht gar nichts denken könnte. Was dieses Licht betrifft, so vergleiche man oben Nr. 126 132. Ein gewisser Geist, der auch geglaubt hatte, er denke aus sich selbst, also ohne ir­gend eine Ausdehnung außerhalb seiner selbst und folglich ohne Verbindung mit den Gesellschaften außerhalb seiner selbst, sollte nun erfahren, daß dies falsch ist. Zu diesem Zweck wurde ihm die Gemeinschaft mit den nächsten Gesell­schaften entzogen, was zur Folge hatte, daß er nicht nur allen Denkens beraubt wurde, sondern entseelt zu Boden fiel, aber mit den Armen zappelte wie ein neugeborenes Kind. Nach einer Weile wurde die Verbindung wiederhergestellt, und in dem Maße, wie das geschah, kehrte er in den Zustand seines Denkens zurück. Andere Geister, die dies mit ansahen, be­kannten nachher, daß jeder Gedanke und jede Neigung der Gemeinschaft entsprechend einfließe, und damit alles, was zum Leben gehöre. Denn das ganze Leben des Menschen be­steht darin, daß er denken und fühlen bzw. einsehen und wollen kann.

*204. Man muß jedoch wissen, daß Einsicht und Weisheit bei jedermann je nach der Kommunikation verschieden sind. Jene, deren Einsicht und Weisheit aus echtem Wahren und Guten gebildet ist, haben Gemeinschaft mit Gesellschaften gemäß der Form des Himmels. Bei denen aber, deren Ein­sicht und Weisheit sich nicht aus echtem Wahren und Guten, aber doch aus damit Übereinstimmendem bildet, ist die Ge­meinschaft unterbrochen und besteht nur irregulär, weil sie nicht in der Reihenfolge mit den Gesellschaften stattfindet, die der Form des Himmels gemäß ist. Diejenigen hingegen, die gar keine Einsicht und Weisheit haben, sind, da im Falschen aus dem Bösen, in Kommunikation mit höllischen Gesellschaften. Das Ausmaß der Gemeinschaft richtet sich nach dem Grade ihrer Bestärkung. Ferner muß man wissen, daß die Kommunikation mit Gesellschaften nicht von der Art ist, daß sie denen, die sich darin befinden, zum klaren Be­wußtsein kommt. Es handelt sich vielmehr um eine Gemein­schaft mit ihrer Lebensart, an der sie teilhaben und die aus ihnen hervorgeht.

*205. Im Himmel sind alle nach ihren geistigen Ver­wandtschaften — Verwandtschaften des Guten und Wahren in ihrer Ordnung — zusammengesellt. Das ist so im ganzen Him­mel, in jeder Gesellschaft und in jedem Haus. Daher kennen sich die Engel, die in einem ähnlichen Guten und Wahren sind, wie die Verwandten und Verschwägerten auf Erden, als ob sie von Kindheit an miteinander bekannt gewesen wären. In ähnlicher Weise sind bei jedem einzelnen Engel das Gute und die Wahrheiten, aus denen sich Weisheit und Einsicht bilden, zusammengesellt. Sie erkennen einander ebenso an, und je besser sie sich anerkennen, desto enger verbinden sie sich auch. Aus diesem Grunde erkennen jene, bei denen die Wahrheiten und das Gute nach der Form des Himmels verbunden sind, die Dinge in ihrer Ordnung und Reihenfolge und haben ein weites Blickfeld für ihre Zusammenhänge. An­ders diejenigen, bei denen das Gute und die Wahrheiten nicht gemäß der Form des Himmels verbunden sind.

*206. So geartet ist die Form in jedem Himmel, nach der die Engel Gemeinschaft und Ausbreitung ihrer Gedanken und Neigungen, nach der sie also auch Einsicht und Weisheit haben. Aber die Kommunikation des einen Himmels mit dem anderen ist unterschiedlicher Art, so des dritten oder in­nersten mit dem zweiten oder mittleren und beider mit dem ersten oder letzten. Die Gemeinschaft zwischen den Him­meln ist strenggenommen nicht so sehr eine Gemeinschaft als vielmehr ein Einfluß, und von diesem soll nun etwas ge­sagt werden. Daß es drei Himmel gibt, die unter sich geschie­den sind, sehe man oben in seinem Abschnitt (Nr. 29 40).

*207. Zwischen dem einen und dem anderen Himmel besteht keine Gemeinschaft, sondern ein Einfluß, wie sich aus ihrer Lage zueinander zeigt. Der dritte oder innerste Himmel ist oben, der zweite oder mittlere darunter und der erste oder letzte liegt noch tiefer unten. Auch alle Gesell­schaften in jedem einzelnen Himmel sind in ähnlicher Weise angeordnet, so z. B. jene, die an erhöhten Orten wohnen, welche wie Berge erscheinen (Nr. 188). Auf den Gipfeln woh­nen die Angehörigen des innersten Himmels, darunter die des zweiten, und wiederum unter diesen die des letzten Himmels. So ist es überall — an erhöhten wie an nicht erhöh­ten Orten. Gesellschaften eines höheren Himmels haben keinen Verkehr mit solchen eines niederen Himmels, es sei denn durch Entsprechungen (man vergleiche oben Nr. 100), und dieser Verkehr durch Entsprechungen ist eben das, was Einfluß genannt wird.

*208. Mit Hilfe des Einflusses verbindet der Herr allein den einen Himmel mit dem anderen oder die eine Gesell­schaft des einen Himmels mit einer solchen des anderen, und zwar in unmittelbarer und in mittelbarer Weise — unmit­telbar von ihm selbst und mittelbar durch die oberen Him­mel der Ordnung nach in die unteren. Weil die Verbindung der Himmel allein durch einen Einfluß vom Herrn besteht, darum wird auch die größte Vorsicht angewandt, daß kein Engel eines oberen Himmels herabblicke in eine Gesellschaft eines unteren Himmels und dort mit jemandem spreche. So­bald dies geschieht, wird der betreffende Engel seiner Ein­sicht und Weisheit beraubt. Die Ursache soll auch genannt werden: Jeder Engel hat nämlich drei Stufen des Lebens, wie es auch drei Stufen des Himmels gibt. Denen im innersten Himmel ist die dritte oder innerste Stufe geöffnet, die zweite und erste aber verschlossen. Denen im mittleren Himmel ist die zweite Stufe geöffnet, aber die erste und dritte verschlos­sen, und denen im letzten Himmel ist die erste Stufe geöffnet, aber die zweite und dritte verschlossen. Sobald daher ein Engel des dritten Himmels in eine Gesellschaft des zweiten hinabblickt und dort mit jemand redet, wird seine dritte Stufe verschlossen. Danach aber ist er seiner Weisheit beraubt, da diese in der dritten Stufe und nicht in der zweiten oder ersten ihren Sitz hat. Dies ist auch unter den Worten des Herrn bei Matthäus zu verstehen:

„Wer auf dem Dach ist, steige nicht herab, etwas aus seinem Hause zu holen, und wer auf dem Feld ist, kehre nicht zurück, seine Kleider zu holen“; (24,17f)

und bei Lukas:

„An jenem Tage steige, wer auf dem Dach ist und seine Gefäße im Hause hat, nicht herab, um sie zu holen; und wer auf dem Felde ist, kehre nicht zurück zu dem, was hinter ihm ist. Ge­denket an das Weib Lots!“ (17,31f)

*209. Einen Einfluß der unteren Himmel in die oberen gibt es nicht, weil dies gegen die Ordnung wäre, sondern nur einen solchen aus den oberen in die unteren Himmel. Auch übertrifft die Weisheit der Engel eines oberen Himmels die der Engel eines unteren Himmels wie eine Myriade zu eins. Darin liegt auch der Grund, weshalb die Engel des unteren Himmels nicht mit denen des oberen Himmels reden kön­nen, ja diese nicht einmal sehen, wenn sie hinaufblicken, sondern ihnen deren Himmel wie eine Nebelwolke über dem Haupt erscheint. Die Engel des oberen Himmels dagegen können die des unteren Himmels sehen, dürfen sich aber nicht mit ihnen in ein Gespräch einlassen, es sei denn unter Einbuße ihrer Weisheit, wie oben gesagt wurde.

*210. Gedanken, Gefühle und Reden der Engel des inner­sten Himmels werden im mittleren Himmel niemals wahrge­nommen, weil sie ihn so weit übersteigen. Wenn es jedoch dem Herrn gefällt, so erscheint von dort etwas Ähnliches wie Flammen in den unteren Himmeln, während Gedanken, Ge­fühle und Reden des mittleren Himmels im letzten Himmel als eine Art Licht und zuweilen auch als eine glänzend weiße und bunte Wolke erscheinen. An dieser Wolke, ihrem Auf-­ und Niedersteigen, sowie an ihrer Gestalt wird auch einiger­maßen erkannt, was dort gesprochen wird.

*211. Aus diesen Dingen läßt sich die Beschaffenheit der Form des Himmels erkennen, daß sie nämlich im innersten Himmel die allervollkommenste ist, im mittleren Himmel zwar ebenfalls vollkommen, jedoch in geringerem Grad, und im letzten im geringsten, und daß durch den Einfluß vom Herrn die Form des einen Himmels durch die andere besteht. Es läßt sich aber nicht begreifen, welche Art von Gemein­schaft durch den Einfluß besteht, wenn man die Beschaffen­heit der Grade der Höhe und den Unterschied zwischen ihnen und den Graden der Länge und Breite nicht kennt. Über diese Unterschiede zwischen den Graden vergleiche man oben Nr. 38.

*212. Was die Form des Himmels im besonderen anlangt und wie sie verläuft und fließt, ist auch den Engeln unbegreif­lich. Einiges davon kann der Vorstellungskraft nahe gebracht werden durch die Form aller Teile im menschlichen Körper, wenn diese von jemandem untersucht und erforscht werden, der scharfsinnig und weise ist. Denn oben wurde gezeigt, daß der ganze Himmel einen Menschen darstellt (Nr. 59 72), und daß alles im Menschen dem Himmel entspricht (Nr. 87 102). Wie unbegreiflich und doch unauflöslich diese Form ist, zeigt sich im allgemeinen schon an den Nervenfasern, die alle Teile des Körpers zusammenhalten. Wie diese Fasern be­schaffen sind und welchen Gang sie im Gehirn nehmen und weiter verfolgen, wird dem Auge nicht einmal sichtbar, denn unzählige Fasern sind hier so verschlungen, daß sie zusam­men wie eine einzige weiche, zusammenhängende Masse er­scheinen, obwohl doch alle Einzelheiten des Willens und Ver­standes, ihrem Gange folgend, säuberlich geschieden in Handlungen auslaufen. Wie sich diese Fasern dann im Kör­per weiter verzweigen, zeigt sich an den verschiedenen Ge­flechten, wie z.B. an den Nervengeflechten des Herzens, des Gekröses und anderer Organe, sowie auch an den sogenann­ten Ganglien Knoten, in die viele Nervenfasern aus allen Ge­genden einmünden, um sich hier zu vereinigen und in ande­rer Verbindung wieder zu ihren Funktionen auszulaufen, und so fort und fort — ähnliches geschieht in jedem Teil der Einge­weide, jedem Glied, Organ und Muskel. Wer diese Dinge und die vielen in ihnen enthaltenen Wunder mit weisem Auge prüft, wird ganz und gar in Erstaunen versinken, und doch ist, was das Auge sieht, nur ein Teil — was es nicht sieht, ist noch wunderbarer, weil es der inneren Natur angehört. Wie genau diese Form der himmlischen entspricht, zeigt sich deutlich an dem ihr gemäßen Wirken aller Verstandes  und Willensfunktionen darin. Denn alles, was der Mensch will, tritt dieser Form gemäß von selbst in Aktion, und was immer er denkt, durchläuft die Nervenfasern von ihren ersten An­fängen bis zu den Endpunkten, das heißt den Sinnen. Und weil sie Denken und Wollen formt, so auch Einsicht und Weisheit. Diese ist es, die der Form des Himmels entspricht. Aus ihr kann man schließen, daß von ebensolcher Art auch die Form ist, nach der sich jede Neigung und jeder Gedanke der Engel ausbreitet, und daß die Engel insofern Einsicht und Weisheit haben, als sie dieser Form genügen. Daß diese Form des Himmels aus dem Göttlich Menschlichen des Herrn stammt, vergleiche man oben Nr. 78 86. Diese Dinge wurden angeführt, um zu zeigen, daß die himmlische Form von einer Art ist, daß sie nicht einmal nach ihren allgemeinen Grundsätzen je erschöpft werden kann, also — wie oben fest­gestellt wurde — selbst für die Engel unbegreiflich bleibt. 



Die Regierungen im Himmel.

*213. Aus der Tatsache, daß der Himmel in Gesellschaften unterteilt ist, wobei die größeren aus einigen Hunderttausen­den von Engeln bestehen (Nr. 50) und sich alle Mitglieder einer Gesellschaft zwar in gleichartigem Guten befinden, je­doch nicht in gleichartiger Weisheit (Nr. 43), ergibt sich die Notwendigkeit von Regierungen. Denn Ordnung muß sein, und damit sie nicht verletzt werde, muß darüber gewacht werden. Die Regierungen in den Himmeln sind jedoch von verschiedener Art. In den Gesellschaften, die das himmlische Reich des Herrn bilden, sind sie anders als in denen, die zum geistigen Reich des Herrn gehören. Sie unterscheiden sich auch nach dem Dienst, den eine jede Gesellschaft leistet. In den Himmeln gibt es jedoch keine andere Regierungsform als die der wechselseitigen Liebe; sie ist die himmlische Re­gierungsform.

*214. Im himmlischen Reich des Herrn wird die Regie­rung als Gerechtigkeit bezeichnet, weil alle in diesem Reich im Guten der Liebe zum Herrn sind, die aus dem Herrn stammt, und weil alles, was aus diesem Guten heraus ge­schieht, gerecht heißt. Die Regierung in diesem Himmel liegt allein beim Herrn; er führt die Engel und belehrt sie über alles, was zum Leben gehört. Die Wahrheiten, welche man die Wahrheiten des Gerichts nennt, sind ihren Herzen einge­schrieben. Ein jeder kennt, vernimmt und sieht sie, wes­halb dort Rechtsfragen niemals erörtert werden, sondern le­diglich Fragen der Gerechtigkeit, die zum Leben gehören. Weniger weise Engel befragen darüber die weiseren, und diese wiederum den Herrn, und sie erhalten auch Antwort. Ihr Himmel, ihre innigste Freude, besteht darin, gerecht zu leben aus dem Herrn.

*215. Die Regierungsform des geistigen Reiches des Herrn heißt das Gericht, weil sie dort im geistigen Guten leben, dem Guten der Nächstenliebe. Dieses Gute ist seinem Wesen nach das Wahre und dieses Sache des Gerichts, während das Gute Angelegenheit der Gerechtigkeit ist. Auch die An­gehörigen dieses Reiches werden vom Herrn geführt, jedoch nur mittelbar (Nr. 208). Sie haben deshalb Vorgesetzte, mehr oder weniger zahlreiche, je nach dem Bedürfnis der Gesell­schaft, der sie angehören. Auch regeln bei ihnen Gesetze das Leben untereinander. Die Vorgesetzten verwalten alles mit Hilfe dieser Gesetze, die sie in ihrer Weisheit verstehen. In zweifelhaften Fällen werden sie vom Herrn erleuchtet.

*216. Weil die Regierung aus dem Guten, wie sie im himmlischen Reich des Herrn besteht, Gerechtigkeit heißt, die Regierung aus dem Wahren im geistigen Reich des Herrn jedoch Gericht, wird auch im Worte Gottes von Gerechtigkeit und Gericht gesprochen, wo vom Himmel und von der Kir­che die Rede ist. Mit Gerechtigkeit wird das himmlische Gute bezeichnet, mit Gericht das geistige Gute, das — wie oben ge­zeigt wurde — seinem Wesen nach das Wahre ist. So an folgen­den Stellen:

„Des Friedens wird kein Ende sein auf Davids Thron und in sei­nem Königreich, es zu befestigen und zu stützen mit Gericht und Gerechtigkeit, von nun an und in Ewigkeit.“ (Jes.9,6)

Unter David ist hier der Herr zu verstehen und unter sei­nem Reich der Himmel, wie dies u.a. folgende Stellen zeigen:

„Ich will dem David einen gerechten Sproß erwecken; und er wird als König herrschen und wohl regieren und Gericht und Gerechtigkeit üben auf Erden.“ (Jer.23,5)

„Jehovah ist erhaben, denn er wohnt in der Höhe. Er hat Zion mit Gericht und mit Gerechtigkeit erfüllt.“ (Jes.33,5)

Unter Zion ist auch der Himmel und die Kirche zu verstehen.

„Ich, Jehovah, übe Gericht und Gerechtigkeit auf Erden, weil ich daran Wohlgefallen habe.“ (Jer.9,23)

„Ich will dich mir in Ewigkeit verloben und dich mir verloben in Gerechtigkeit und im Gericht.“ (Hosch.2,19)

„Jehovah, in den Himmeln ist deine Gerechtigkeit wie die Berge Gottes und deine Gerichte wie ein großer Abgrund.“ (Psalm 36,6 f)

„Sie fragen mich nach den Gerichten der Gerechtigkeit, und nach der Nähe Gottes mögen sie sich sehnen.“ (Jes.58,2)

*217. Im geistigen Reich des Herrn gibt es mancherlei Re­gierungsformen, in jeder Gesellschaft eine andere. Die Ver­schiedenheit ergibt sich aus dem Dienst, den die Gesellschaf­ten verrichten. Diese Dienstleistungen entsprechen den Funktionen aller Teile im Menschen, und diese sind bekannt­lich von vielfältiger Art. So hat das Herz eine andere Aufgabe als die Lunge, wieder eine andere die Leber, der Pankreas und die Milz, und dasselbe gilt für jedes einzelne Sinnesorgan. Wie die Funktionen dieser Körperteile verschieden sind, so auch die Dienstleistungen der Gesellschaften im größten Menschen, dem Himmel. Denn die Gesellschaften sind es, die jenen entsprechen. Über das Entsprechungsverhältnis aller Teile des Himmels zu allen Teilen des Menschen verglei­che man oben Nr. 87 102. Alle Regierungsformen stimmen jedoch darin überein, daß ihr Endzweck das öffentliche Wohl ist, auf dem das Wohl jedes einzelnen beruht. Dem ist so, weil alle im Himmel unter der Obhut des Herrn stehen, der sie samt und sonders liebt und es aus göttlicher Liebe so ein­richtet, daß die einzelnen ihr Gutes aus dem allgemeinen Be­sten empfangen. Auch erhält ein jeder Gutes in dem Maß, wie er das gemeinsame Gute liebt, denn insoweit liebt er alle an­deren. Weil aber dies die Liebe des Herrn ist, so wird er auch insoweit vom Herrn geliebt und geschieht ihm Gutes.

*218. Hieraus ist ersichtlich, welcher Art die Vorgesetzten sind, nämlich daß sie sich vor anderen in Liebe und Weisheit auszeichnen, mithin aus Liebe allen wohl wollen und aus ihrer Weisheit zu bewirken wissen, daß solches auch ge­schieht. Derartige Vorgesetzte herrschen und befehlen nicht, sondern verwalten und dienen. Anderen aus Liebe zum Guten Gutes tun, heißt dienen, dafür sorgen, daß es auch ge­schieht, heißt verwalten. Solche Vorgesetzten machen sich auch nicht größer als andere, sondern kleiner, weil sie die erste Stelle dem Wohl der Gesellschaft und dem Nächsten einräumen, ihrem eigenen aber die zweite. Was die erste Stelle einnimmt, ist aber das größere, das andere das kleinere. Gleichwohl aber genießen sie Ehre und Herrlichkeit, wohnen in der Mitte der Gesellschaft, an einem höheren Platz als die übrigen und in prächtigen Palästen. Sie nehmen diese Herr­lichkeit und Ehre auch an, aber nicht um ihret , sondern um des Gehorsams willen, wissen doch dort alle, daß ihnen diese Ehre und Herrlichkeit vom Herrn zuteil wird und man ihnen darum gehorchen soll. Dies wird auch unter den Worten des Herrn an die Jünger verstanden:

„Wer unter euch groß werden will, der sei euer Diener, und wer unter euch der erste sein will, der sei euer Knecht; gleich wie des Menschen Sohn nicht gekommen ist, sich dienen zu las­sen, sondern zu dienen.“ (Matth.20,27f)

„Wer unter euch der größte sein will, der sei wie der jüngste, und der vornehmste wie einer, der dient.“  (Luk.22,26)

*219. Eine ähnliche Regierung in kleinster Form besteht auch in einem jeden Hause: Dort gibt es einen Hausherrn und die Diener. Der Hausherr liebt seine Diener, und diese lieben wiederum ihn. So dienen sie einander aus Liebe. Der Hausherr lehrt, wie man leben und sagt, was man tun soll, die Diener gehorchen und verrichten ihren Dienst. Nutzen zu schaffen ist ihrer aller Lebenslust. Darin zeigt sich, daß das Reich des Herrn ein Reich der Nutzwirkungen ist.

*220. Auch in den Höllen gibt es Regierungen, da sie sonst nicht in Banden zu halten wären. Die Regierungen sind aber dort denen in den Himmeln entgegengesetzt, da sie allesamt der Selbstliebe entspringen. Jeder will dort über andere herr­schen und über sie hervorragen. Alle, die ihnen nicht günstig gesinnt sind, hassen sie, üben an ihnen Rache, wüten gegen sie, wie es die Art der Selbstliebe ist. Deshalb werden ihnen noch Bösartigere vorgesetzt, denen sie aus Furcht gehorchen. Mehr darüber unten, wo von den Höllen gehandelt wird. 



Vom Gottesdienst in Himmel.

*221. Der Gottesdienst in den Himmeln ähnelt äußerlich dem Gottesdienst auf Erden, aber innerlich ist er ganz ver­schieden. Man kennt dort ebenso Lehren, Predigten und Tempel. Die Lehren stimmen im wesentlichen überein, ent­halten jedoch in den oberen Himmeln tiefere Weisheit als in den unteren. Die Predigten sind den Lehren gemäß. Wie es Häuser und Paläste gibt (vergleiche Nr. 183 190), so finden sich auch Tempel, in denen gepredigt wird. All dies gibt es auch in den Himmeln, weil die Engel fortwährend an Liebe und Weisheit vervollkommnet werden, haben sie doch ebenso wie die Menschen Verstand und Willen, und ist doch der Verstand so beschaffen, daß er immerfort vervollkomm­net werden kann, und in gleicher Weise auch der Wille. Der Verstand wird es durch die Wahrheit, die der Einsicht zuge­ordnet ist, der Wille durch das Gute, das zur Liebe gehört.

*222. In den Himmeln besteht aber der Gottesdienst selbst nicht im Besuch von Kirchen und im Anhören von Pre­digten, sondern im Leben der Liebe, der Nächstenliebe und des Glaubens gemäß den Lehren. Die Predigten in den Kir­chen sind lediglich Mittel, um in den Belangen des Lebens unterwiesen zu werden. Ich sprach hierüber mit den Engeln und sagte ihnen, in der Welt meine man, der Gottesdienst be­stehe bloß darin, daß man die Kirche besuche, die Predigten anhöre, drei oder vier Mal im Jahr zum Heiligen Abendmahl gehe und die übrigen gottesdienstlichen Handlungen nach den Anweisungen der Kirchenordnung verrichte, ferner dem Gebet obliege und sich dabei andächtig benehme. Die Engel erwiderten, all dies seien Äußerlichkeiten, die man zwar tun solle, die aber nichts fruchteten, wenn nicht das Innere dabei sei, aus dem sie hervorgehen sollen. Dieses Innere aber be­stehe im Leben nach den Geboten, welche die Lehre lehrt.

*223. Um mir eine Vorstellung von ihren Versammlungen in den Tempeln zu geben, wurde mir mehrmals erlaubt, ein­zutreten und die Predigten mitanzuhören. Der Prediger steht im Osten auf einer Kanzel, ihm gegenüber sitzen jene, die mehr als die übrigen im Licht der Weisheit stehen, rechts und links von ihnen jene, die weniger Licht haben. Man sitzt im Halbkreis, so daß alle dem Prediger vor Augen sind. An den Seiten, wohin der Blick des Predigers nicht reicht, befindet sich niemand. Am Eingang, auf der östlichen Seite des Tem­pels, links von der Kanzel, stehen die Neulinge. Hinter der Kanzel darf niemand stehen, sonst käme der Prediger in Ver­wirrung. Dies geschieht auch, wenn jemand in der Versamm­lung anderer Meinung ist. Ein solcher muß daher das Gesicht abwenden. Die Predigten werden mit solcher Weisheit gehal­ten, daß ihnen in der Welt nichts gleichgesetzt werden kann; denn in den Himmeln befindet man sich in einem inneren Licht. Im geistigen Reich erscheinen die Tempel wie von Stein, im himmlischen wie von Holz, entspricht doch der Stein dem Wahren, dem die Bewohner des geistigen Reiches angehören, das Holz aber dem Guten des himmlischen Rei­ches. Die Kirchen in diesem Reich heißen auch nicht Tem­pel, sondern Gotteshäuser. Im himmlischen Reich sind die Kirchen ohne Prunk, im geistigen Reich aber mehr oder we­niger prächtig gebildet.

*224. Mit einem der Prediger sprach ich auch über die Heiligkeit derer, die die Predigten in den Kirchen anhören. Er sagte, jeder habe Frömmigkeit, Andacht und Heiligkeit nach der Beschaffenheit seines Inneren, also dessen, was der Liebe und dem Glauben angehört; denn darin liege das Heilige selbst, nämlich das Göttliche des Herrn, und er wisse nicht, was eine äußere Heiligkeit ohne jene innere sein solle. Als er aber über die äußere Heiligkeit ohne die innere nachdachte, meinte er, vielleicht handle es sich dabei entweder um etwas künstlich Angenommenes oder um etwas Heuchlerisches, das den äußeren Anschein von Heiligkeit vorspiegle und ein unechtes, aus Selbst  und Weltliebe entfachtes Feuer erwecke und darstelle.

*225. Alle Prediger stammen aus dem geistigen Reich des Herrn, keiner aus dem himmlischen. Das ist so, weil dort die Wahrheiten aus dem Guten herrschen und jede Predigt aus den Wahrheiten hervorgeht. Aus dem himmli­schen Reich kommt keiner von ihnen, weil dort das Gute der Liebe ist und man daraus die Wahrheiten schaut und innewird, nicht aber davon spricht (vergl. Nr. 214). Aber ob­gleich nun die Engel des himmlischen Reiches die Wahrhei­ten innewerden und schauen, so werden doch auch dort Predigten gehalten. Dadurch werden die Engel in den ihnen schon bekannten Wahrheiten erleuchtet und durch viele ihnen noch unbekannte vervollkommnet. Sobald sie solche Wahrheiten hören, erkennen sie diese auch an und werden sie inne. Die innegewordenen Wahrheiten lieben sie auch und verleiben sie ihrem Leben ein, indem sie sich danach richten. Nach den Wahrheiten leben, sagen sie, heiße den Herrn lieben.

*226. Alle Prediger sind vom Herrn eingesetzt und haben von ihm die Gabe zu predigen. Niemand anderem ist es er­laubt, in den Tempeln zu lehren. Sie heißen Prediger, nicht aber Priester, und zwar deshalb, weil das Priestertum des Himmels das himmlische Reich ist. Das Priestertum bedeutet nämlich das Gute der Liebe zum Herrn, in dem die Angehöri­gen dieses Reiches sich befinden. Demgegenüber ist das Kö­nigtum des Himmels das geistige Reich, bedeutet doch das Königtum das Wahre aus dem Guten, in dem die Angehöri­gen dieses Reiches sind (man vergleiche oben Nr. 24).

*227. Alle Lehren, nach denen gepredigt wird, betonen, daß das Leben den Endzweck bilde, nicht eine einzige lehrt den Glauben ohne das Leben. Die Lehre des innersten Him­mels ist weisheitsvoller als die des mittleren Himmels, und diese wiederum einsichtsvoller als die Lehre des letzten. Die Lehren sind nämlich der Fassungskraft der Engel in jedem Himmel angepaßt. Das Wesentliche aller Lehren besteht darin, das Göttlich Menschliche des Herrn anzuerkennen. 



Die Macht der Engel des Himmels.

*228. Wer nichts von der geistigen Welt und ihrem Einfluß in die natürliche weiß, kann nicht verstehen, daß die Engel Macht haben. Er meint es sei unmöglich, weil sie geistiger Natur und von derart reiner und feiner Art seien, daß sie nicht einmal mit den Augen zu sehen seien. Wer aber tiefer in die Ursachen der Dinge eindringt, denkt anders. Er ist sich klar, daß alle Macht, die ein Mensch hat, aus seinem Verstand und Willen stammt, da er ohne diese kein Teilchen seines Körpers zu bewegen vermöchte. Verstand und Wille sind sein geistiger Mensch, der den Körper und dessen Glieder ganz nach seinem Wink in Bewegung setzt. Denn was der geistige Mensch denkt, das redet Mund und Zunge, und was er will, das tut der Körper. Der geistige Mensch ist es auch, der Kräfte verleiht, wie er es wünscht. Wille und Verstand des Menschen werden vom Herrn durch Engel und Geister regiert, und damit auch alle Teile des Körpers, da diese von jenen abhän­gen. Ja, wenn man es glauben will, der Mensch kann nicht einen Schritt tun ohne den Einfluß des Himmels. Dies wurde mir durch vielfache Erfahrung deutlich. Es wurde den Engeln gestattet, meine Schritte, meine Handlungen, meine Zunge und Sprache nach ihrem Willen zu lenken, und zwar durch einen Einfluß in mein Wollen und Denken. So machte ich die Erfahrung, daß ich aus mir selbst nichts vermag. Nachher sagten die Engel, jeder Mensch werde so regiert und könne dies auch aus der Lehre der Kirche und aus dem Wort wissen. Er bete ja, Gott möge seine Engel senden, daß sie ihn führen, seine Schritte lenken, ihn lehren und ihm eingeben, was er denken und reden soll usw., obwohl er sich anders ausdrücke und auch anders glaube, wenn er außerhalb der Lehre aus sich selbst denkt. Diese Dinge wurden erwähnt, damit man wisse, welche Macht die Engel beim Menschen haben.

*229. In der geistigen Welt aber ist die Macht der Engel so groß, daß es den Glauben überfordern hieße, wollte ich alles vorbringen, was ich davon gesehen habe. Widersetzt sich dort etwas, was entfernt werden soll, weil es gegen die göttli­che Ordnung geht, so wird es von ihnen durch die bloße Kraft ihres Willens und ihren Blick niedergeworfen und zer­stört. So sah ich, wie Berge, die von Bösen besetzt waren, umgestürzt und aufgehoben wurden, dabei zerbarsten sie zuweilen von einem Ende bis zum anderen, wie es bei Erd­beben geschieht. Felsmassen sah ich bis in die Tiefe hinab zerspringen und die Bösen darauf verschlingen. Ferner sah ich, wie mehrere hunderttausend böse Geister von den En­geln zerstreut und in die Hölle geworfen wurden. Nichts ver­mag die Menge wider die Engel, nichts alle Künste, Schlau­heit und Aufruhr. Sie sehen alles und schlagen es augen­blicklich nieder. Weiteres darüber lese man in dem Bericht über das zerstörte Babylon nach. Eine derartige Macht also haben sie in der geistigen Welt. Aus dem Worte Gottes geht hervor, daß die Engel die gleiche Macht auch in der natürli­chen Welt haben, sobald sie ihnen gestattet wird. Darin heißt es beispielsweise, daß sie ganze Heere der vollständigen Nie­derlage übergaben, die Pest herbeiführten, an der 70’000 Menschen starben, wie man liest:

„Der Engel streckte seine Hand aus wider Jerusalem, sie zu verderben, allein Jehovah reute das Böse, und er sprach zum Engel, der das Volk verderbte: Es ist genug, laß nun deine Hand ab! ... David aber sah den Engel, der das Volk schlug. (2. Sam. 24,15 17)

Und so an anderen Stellen. Weil die Engel eine derartige Macht haben, werden sie auch „Mächte“ genannt, und bei David heißt es:

„Preiset Jehovah, ihr Engel, hoch mächtig an Stärke!“ (Psalm 103,20)

*230. Man muß jedoch wissen, daß die Engel keinerlei Macht aus sich selbst haben, sondern allein vom Herrn, und nur soweit als sie dies anerkennen, mächtig sind. Wer unter ihnen meint, er habe Macht aus sich selbst, wird umgehend derart kraftlos, daß er nicht einmal einem einzigen bösen Geist widerstehen kann. Darin liegt der Grund, weshalb die Engel sich selbst keinerlei Verdienst zuschreiben und jedem Lob oder Ruhm ihres Tuns abgeneigt sind; sie eignen alles dem Herrn zu.

*231. Dem vom Herrn ausgehenden göttlichen Wahren kommt alle Macht in den Himmeln zu, ist doch der Herr im Himmel das Göttlich Wahre, vereint mit dem göttlichen Guten (vergl. Nr. 126 140), und die Engel sind Mächte, soweit sie Aufnahmegefäße dessen sind. Ein jeder ist auch sein Wahres und sein Gutes, weil jeder so ist, wie sein Ver­stand und Wille. Verstand ist eine Sache des Wahren, weil er ganz und gar aus Wahrheiten besteht, der Wille aber eine sol­che des Guten, weil alles, was zu ihm gehört, Gutes ist. Alles nämlich, was jemand versteht, nennt er wahr, und alles, was er will, nennt er gut. Daher kommt es, daß ein jeder so wie sein Wahres und sein Gutes ist. Soweit also, wie ein Engel das Wahre und das Gute aus dem Göttlichen ist, stellt er eine Macht dar, weil dann der Herr bei ihm ist. Niemand ist jedoch in dem vollkommen gleichen Guten und Wahren wie ein an­derer, herrscht doch überall im Himmel wie in der Welt eine große Mannigfaltigkeit (vergl. Nr. 20). Darum ist auch kein Engel im Besitz der gleichen Macht wie irgendein anderer. Die größte Macht haben jene, die im Großmenschen bzw. im Himmel die Arme darstellen. Dies beruht darauf, daß diejeni­gen, die zu den Armen gehören, mehr als alle anderen unter dem Einfluß der Wahrheiten stehen und in ihre Wahrheiten das Gute aus dem ganzen Himmel einfließt. So geht ja auch die Macht des ganzen Menschen in seine Arme über. Und der ganze Körper äußert durch sie seine Kräfte. So kommt es, daß durch die Arme und Hände im Wort die Macht bezeichnet wird. Im Himmel erscheint infolgedessen zuweilen ein entblößter Arm, von dem eine so große Macht ausgeht, daß er alles ihm Entgegenstehende zermalmen könnte, und sei es ein Felsblock in der Erde. Auch mir kam er einst nahe, und ich fühlte, daß er meine Knochen kurz und klein hätte zermal­men können.

*232. Oben (Nr. 137) lese man nach, daß das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre alle Macht hat, die Engel aber nur Macht besitzen, soweit sie seine Aufnahmegefäße sind. Sie sind es aber soweit, wie sie Aufnahmegefäße des göttlichen Guten sind; denn die Wahrheiten haben alle Macht aus dem Guten, und ohne dieses haben sie keine. Aus der Verbindung von beiden entsteht die Macht. Ebenso verhält es sich mit dem Glauben und der Liebe; denn es läuft auf dasselbe hin­aus, ob man sagt Wahres oder Glaube, ist doch aller Inhalt des Glaubens etwas Wahres. Ebenso ist es einerlei, ob man sagt Gutes oder Liebe, weil alles, was zur Liebe gehört, etwas Gutes ist. Welche immense Macht die Engel durch die Wahrhei­ten aus dem Guten haben, zeigt sich auch darin, daß ein böser Geist allein durch den Blick der Engel in Ohnmacht fällt und nicht mehr als Mensch erscheint — und zwar solange, bis der Engel seine Augen wieder von ihm abwendet. Der Blick der Engel hat darum eine solche Wirkung, weil das Sehen der Engel vom Licht des Himmels bewirkt wird, dieses aber das göttliche Wahre ist (man vergl. oben Nr. 126 132). Die Augen entsprechen auch den Wahrheiten aus dem Guten.

*233. Weil ihnen alle Macht zukommt, besitzt das Falsche aus dem Bösen keine Macht. Da in der Hölle alle Einwoh­ner in irgendeinem Falschen aus dem Bösen sind, so haben sie keine Macht gegen das Wahre und Gute. Welche Macht sie aber untereinander haben und welche Macht die bösen Gei­ster besaßen, bevor sie in die Hölle geworfen wurden, davon soll weiter unten die Rede sein. 



Die Sprache der Engel.

*234. Die Engel sprechen miteinander ganz wie die Men­schen in der Welt, und zwar auch über die verschiedensten Dinge, wie z.B. häusliche Angelegenheiten, Gegenstände des bürgerlichen Lebens, Dinge des moralischen und des geisti­gen Lebens. Es gibt dabei keinen anderen Unterschied, als daß sie einsichtsvoller, nämlich aus tieferem Nachdenken heraus, als Menschen miteinander reden. Es ist mir oft ge­stattet worden, mit ihnen zu verkehren und zu reden, wie ein Freund mit dem anderen, zuweilen auch wie ein Fremder mit einem anderen, und weil ich mich dann in einem ähnlichen Zustand befand wie sie, so fühlte ich dabei dasselbe, wie wenn ich mit Menschen auf Erden spräche.

*235. Die Sprache der Engel besteht ebenso aus Lauten wie die menschliche, sie wird auch laut gesprochen und laut gehört. Denn die Engel besitzen ebenso Mund, Zunge und Ohren, und es umgibt sie eine Atmosphäre, in der sich die Laute ihrer Sprache artikulieren. Es handelt sich jedoch um eine geistige Atmosphäre, den Engeln als geistigen Wesen an­gepaßt. In dieser Atmosphäre atmen sie auch und benutzen den Atem zur Aussprache der Wörter, geradeso wie die Men­schen in ihrer Atmosphäre.

*236. Im ganzen Himmel haben alle nur eine Sprache und verstehen einander, aus welcher Gesellschaft sie auch stammen mögen, einer benachbarten oder einer entfernten. Die Sprache wird nicht erlernt; sie ist vielmehr einem jeden eingepflanzt. Sie fließt unmittelbar aus der Neigung und ihrem Denken hervor. Der Ton entspricht der Neigung, die Lautgliederungen, also die Wörter, entsprechen den Denkvorstellungen, die der Neigung entspringen. Weil die Sprache diesen entspricht, ist sie ebenfalls geistig, ist tönende Neigung und artikuliertes Denken.

Wer aufmerksam ist, kann bemerken, daß jeder Ge­danke aus einer Neigung hervorgeht, die ihrerseits einer Liebe angehört, und daß die Denkvorstellungen nur ver­schiedene Formen sind, in welche sich die allgemeine Nei­gung aufgefächert hat. Jeder einzelne Gedanke und jede Idee wird nämlich durch eine Neigung beseelt und belebt. Des­halb erkennen die Engel den anderen schon an seiner Rede­weise, aus dem Ton seine Neigung und an der Gliederung des Tons, den Wörtern, seine Gesinnung. Die weiseren Engel können schon an einem einzigen Satz die vorherrschende Neigung erkennen, auf die sie vor allem ihre Aufmerksamkeit richten. Bekanntlich hat jeder Mensch verschiedene Neigun­gen, je nachdem ob er Freude, Schmerz, Nachsicht und Barmherzigkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, Liebe und Nächstenliebe, Eifer oder Zorn empfindet, ob er sich verstellt und Betrug übt, nach Ehre und Ruhm strebt usw. — die herr­schende Neigung oder Liebe liegt allem zu Grunde. Die wei­seren Engel nehmen dies wahr und können schon an seiner Redeweise den Zustand des anderen vollständig erkennen. Das wurde mir durch zahlreiche Erfahrungen zu wissen gege­ben. So hörte ich, wie Engel das Leben eines anderen auf­deckten, kaum daß sie ihn reden gehört hatten. Sie sagten auch, daß sie den ganzen Lebensinhalt eines anderen schon aus wenigen seiner Denkvorstellungen erkennen könnten, weil diese ihnen seine herrschende Liebe aufzeigten, die der Ordnung nach alles in sich birgt. Bei dem „Lebensbuch“ des Menschen handele es sich um nichts anderes.

*237. Mit Ausnahme verschiedener Wörter, deren Klang ein bestimmtes Gefühl zum Ausdruck bringt, hat die Sprache der Engel nichts mit den menschlichen Sprachen gemein. Freilich besteht die Ähnlichkeit nicht in den Wörtern selbst, sondern in ihrer Betonung. Darüber einiges im Folgenden. Der Mangel an Gemeinsamkeit zwischen der Sprache der Engel und den Sprachen der Menschen zeigt sich daran, daß es den Engeln unmöglich ist, auch nur ein einziges Wort einer menschlichen Sprache auszusprechen. Ein entspre­chender Versuch scheiterte. Sie können nämlich nur ausspre­chen, was vollkommen mit der Neigung übereinstimmt, das übrige widerspricht ihrem Leben, ist doch das Leben Aus­druck ihrer Neigung, und daraus stammt ihre Sprache. Man sagte mir, die erste Sprache der Menschen unserer Erde habe mit ihrem Leben übereingestimmt, weil sie ihnen aus dem Himmel gegeben wurde, und auch bei der hebräischen Spra­che sei das in mancher Hinsicht noch der Fall.

*238. Wie schön und angenehm die Sprache der Engel ist, läßt sich aus der Tatsache schließen, daß sie der Neigung ihrer Liebe entspricht und die himmlische Liebe in der Liebe zum Herrn und zum Nächsten besteht (vergl. oben Nr. 13 19). Tatsächlich berührt sie nicht allein das Ohr, son­dern ebenso auch die inneren Bereiche des Gemüts. Ich be­obachtete, wie einst ein Engel mit einem hartherzigen Geist redete, der dadurch schließlich zu Tränen gerührt wurde und erklärte, er habe einfach nicht widerstehen können, weil es die Sprache der Liebe selbst gewesen sei. Früher habe er nie geweint.

*239. Die Rede der Engel ist auch deshalb voller Weisheit, weil sie ihrem inneren Denken entspringt, dies aber Weisheit ist, ebenso wie ihr inneres Gefühl Liebe ist. In der Sprache verbinden sich diese beiden, und sie ist darum so voll Weis­heit, daß die Engel mit einem Wort ausdrücken können, was dem Menschen nicht mit tausend möglich wäre. Auch ent­halten ihre Denkvorstellungen Begriffe, die der Mensch nicht verstehen und noch weniger aussprechen kann. Aus diesem Grunde heißen die im Himmel gehörten und gesehenen Dinge „unaussprechlich“, „etwas, das nie ein Ohr gehört noch ein Auge gesehen hat“. Ich durfte aufgrund eigener Erfahrung erkennen, daß dem so ist. Zuweilen wurde ich in den Zustand der Engel versetzt, und in diesem Zustand sprach ich mit ihnen und konnte auch alles verstehen. Aber wenn ich in meinen früheren Zustand zurückversetzt wurde und damit auch in das dem Menschen eigentümliche natürliche Den­ken, konnte ich das Gehörte nicht wieder zurückrufen, be­stand es doch aus Tausenden von Dingen, die den Vorstellun­gen des natürlichen Denkens nicht angemessen waren. Sie konnten nicht anders ausgedrückt werden als durch Verän­derungen des himmlischen Lichts, also keineswegs durch menschliche Worte. Die Denkbilder der Engel, die ihren Wor­ten zugrunde liegen, sind auch Modifikationen des himmli­schen Lichts, und die Gefühle, die die Betonung der Wörter leiten, sind verschiedene Formen himmlischer Wärme. Das Licht des Himmels ist nämlich das göttliche Gute oder die Liebe (man vergl. oben Nr. 126 140). Aus der göttlichen Liebe aber haben die Engel Gefühl und aus der göttlichen Weisheit Denken.

*240. Die Sprache der Engel entspringt unmittelbar ihrem Gefühl, denn — man vergleiche oben Nr. 136 — die Denkbilder sind die verschiedenen Formen, in die sich das gemeinsame Gefühl gliedert. So können die Engel in einer Minute ausdrücken, wozu der Mensch nicht in einer halben Stunde imstande wäre, bzw. können sie durch wenige Worte darstellen, was auf vielen Seiten geschrieben steht. Auch dies wurde mir durch vielfache Erfahrung bezeugt. Bei den Engeln bilden die Gedanken und Wörter ihrer Sprache ebenso eine Einheit wie Ursache und Wirkung, denn in den Wörtern zeigt sich die Wirkung der Ursache, die den Vor­stellungen ihres Denkens zugrunde liegt. Daher kommt auch, daß jedes einzelne Wort so vieles in sich enthält. Sichtbar dargestellt erscheinen auch die einzelnen Gedan­ken und folglich die Rede der Engel wie eine dünne Welle oder Atmosphäre, die sich rings um sie ausbreitet und Un­zähliges in seiner Ordnung enthält, was ihrer Weisheit ent­springt und in das Denken eines anderen eindringt und es anregt. Die Gedanken eines jeden, des Engels wie des Men­schen, stellen sich im himmlischen Licht sichtbar dar, wenn es dem Herrn gefällt.

*241. Die Engel des himmlischen Reiches des Herrn reden ebenso wie die des geistigen Reiches, doch kommt es bei ihnen aus einem innerlicheren Denken. Die himmlischen Engel, im Guten der Liebe zum Herrn, reden aus Weisheit, während die geistigen Engel, dem Guten der Nächstenliebe ergeben, das seinem Wesen nach Wahres ist (vergl. Nr. 215), aus Einsicht sprechen. Aus dem Guten nämlich entspringt Weisheit und aus dem Wahren Einsicht. Die Sprache der himmlischen Engel ist daher wie ein sanft dahinfließender Strom, weich und gleichsam stetig fortlaufend, während die Sprache der geistigen Engel etwas Vibrierendes und Abge­setztes hat. In der Sprache der himmlischen Engel ertönen zudem oft die Vokale U und 0, bei den geistigen Engeln hin­gegen die Vokale E und I, denn die Vokale bilden den Ton, und im Ton liegt das Gefühl. Wie oben (Nr. 236) ausgeführt wurde, entspricht ja der Ton der Engel Sprache dem Gefühl, während die Gliederungen des Tons, also die Wörter, den Ge­danken entsprechen, die dem Gefühl entspringen. Weil die Vokale nicht zur Sprache gehören, sondern dazu dienen, ihre Worte durch den Ton zu mannigfachen Gefühlen zu erheben, je nach eines jeden Zustand, werden in der hebräischen Sprache die Vokale nicht ausgedrückt und auch verschieden ausgesprochen. Die Engel erkennen daran die Beschaffen­heit des Menschen hinsichtlich seiner Neigung und Liebe. Die Rede der himmlischen Engel entbehrt auch der harten Konsonanten und fällt selten von einem Konsonanten in den andern, es sei denn ein Wort mache das erforderlich, weil es mit einem Vokal anfängt. Aus diesem Grunde wird auch im Worte Gottes so oft das Wörtchen „und“ eingeschoben, wie jene wissen, die es in der hebräischen Sprache lesen. Dort wird dieses Wörtchen weich ausgesprochen; es beginnt und endet mit einem Vokal. Aus den Wörtern im hebräischen Text des göttlichen Wortes kann man auch einigermaßen erken­nen, ob sie zur himmlischen oder zur geistigen Klasse gehören, das heißt ob sie das Gute oder das Wahre in sich schließen. Die ersteren haben viel vom U und 0, aber auch einiges vom A in sich, die letzteren hauptsächlich vom E und I. Weil sich die Gefühle hauptsächlich durch Töne äußern, darum bevorzugt auch die Rede des Menschen, wenn es sich um Großes, etwa um den Himmel und um Gott handelt, jene Wörter, die U und O enthalten. Auch die Töne der Musik er­heben sich dazu, wenn Ähnliches ausgedrückt wird, nicht je­doch, wenn es sich um weniger große Ideen handelt. Die Tonkunst vermag auf diese Weise die verschiedensten Arten von Gefühlen auszudrücken.

*242. Die Sprache der Engel ist von unbeschreiblicher Harmonie. Diese rührt daher, daß sich die Gedanken und Gefühle, die der Rede zugrunde liegen, der Form des Himmels folgend ergießen und ausbreiten, und daß es die Form des Himmels ist, die alle harmonisch verbindet und durch die alle Mitteilung geschieht. Die Engel sind ja in der Form des Himmels miteinander verbunden, und ihre Gedanken und Gefühle breiten sich in Übereinstimmung damit aus, wie man oben Nr. 200 212 gesehen hat.

*243. Eine ähnliche Sprache wie die in der geistigen Welt ist jedem Menschen eingepflanzt, freilich im inneren Gebiet seines Verstandes. Da diese Sprache — anders als bei den Engeln — beim Menschen nicht in die dem Gefühl ana­logen Worte fällt, ist er sich ihrer nicht bewußt. Hier aber liegt der Grund, weshalb der Mensch, sobald er ins andere Leben kommt, die Sprache mit den Geistern und Engeln teilt und ohne Belehrung sprechen kann. Mehr darüber weiter unten.

*244. Nun haben zwar, wie oben ausgeführt wurde, alle im Himmel dieselbe Sprache, aber es gibt darin doch Unter­schiede, die daher kommen, daß die Weisen von innen heraus reden und über eine größere Fülle von Gefühlsvarianten und Denkbildern verfügen, während die weniger Weisen eher äußerlich sprechen und ohne jene Fülle. Die Ausdrucksweise der Einfältigen bleibt noch weiter an der Oberfläche und be­steht daher aus Worten, deren Sinn erst auf ähnliche Weise er­mittelt werden muß, wie bei den Gesprächen der Menschen. Es gibt auch eine Sprache durch das Angesicht, die in etwas Tönendem endet, das durch die Gedankenbilder näher be­stimmt wird. Und es gibt eine Sprache, in der die himmlischen Vorbildungen mit den Denkbildern vermischt werden und sich auch aus diesen heraus dem Sehvermögen darstellen. Ferner gibt es eine Gebärdensprache, die den Gefühlen ent­spricht und Ähnliches darstellt wie Worte. Zudem gibt es eine Sprache aufgrund gemeinsamer Gefühle und Gedanken, es gibt eine donnernde Sprache und andere Arten mehr.

*245. Die Sprache der bösen und höllischen Geister ist ebenfalls natürlich, weil sie aus Neigungen hervorgeht, aber aus bösen Neigungen und folglich aus unreinen Vorstellun­gen, die von den Engeln ganz und gar verabscheut werden. Die Bösen ertragen daher die Rede der Engel nicht, und um­gekehrt die Engel nicht die Sprache der Höllischen, diese ist den Engeln ein übler Geruch, der die Nase beleidigt. Die Rede der Heuchler, die sich in Engel des Lichts verstellen können, ähnelt zwar im Wortlaut der der Engel, was aber die Gefühle und somit die Denkbilder betrifft, ist sie ihr völlig entgegengesetzt. Die Rede der Heuchler wird daher, wenn sie ihrem inneren Wesen nach aufgefaßt wird, wie das bei den weisen Engeln geschieht, wie ein Zähneknirschen gehört und erregt Schauder. 



Wie die Engel mit den Menschen reden.

*246. Die Engel, die mit dem Menschen sprechen, tun dies nicht in ihrer Sprache, sondern in der des Menschen, oder auch in anderen Sprachen, welche der Mensch versteht. Sie reden aber nicht in Sprachen, die ihm unbekannt sind, weil sich ja die Engel dem Menschen zuwenden und sich mit ihm verbinden, wenn sie mit ihm reden. Die Verbindung des En­gels mit dem Menschen bewirkt, daß sich beide in ähnlichen Gedanken befinden. Da nun das Denken des Menschen mit seinem Gedächtnis zusammenhängt und dieses der Ur­sprung seines Sprechens ist, haben beide dieselbe Sprache. Zudem tritt der Engel oder Geist, sobald er zum Menschen kommt und durch Zuwendung mit ihm verbunden wird, in dessen ganzes Gedächtnis ein, so sehr, daß er sich kaum be­wußt wird, daß er nicht aus sich weiß, was der Mensch weiß, und das betrifft auch dessen Sprachen. Ich unterhielt mich darüber mit den Engeln und sagte, sie meinten vielleicht, sie redeten mit mir in meiner Muttersprache, weil es so den An­schein habe, in Wirklichkeit aber redeten nicht sie, sondern ich.

Dies könne man auch daraus folgern, daß Engel nicht ein einziges Wort einer menschlichen Sprache auszusprechen vermöchten (vergl. Nr. 237), und zudem sei die menschliche Sprache natürlich, während ihre geistig sei und die Geistigen nichts in natürlicher Weise ausdrücken könnten. Hierauf er­widerten sie, sie wüßten wohl, daß ihre Verbindung mit dem Menschen, mit dem sie reden, durch dessen geistiges Denken stattfinde, aber weil dieses in seine natürlichen Gedanken einfließe und diese wiederum mit seinem Gedächtnis zusam­menhingen, so erscheine ihnen die Sprache des Menschen als ihre eigene, ebenso wie sein ganzes Wissen. Dies geschehe aber deshalb, weil es dem Herrn gefallen habe, eine solche Verbindung und gleichsam Einpfropfung des Himmels bei dem Menschen stattfinden zu lassen.

Heutzutage seien aber die Menschen in einem anderen Zustand, so daß eine derar­tige Verbindung nicht mehr mit Engeln, sondern mit Geistern bestehe, die dem Himmel nicht angehören. Mit den Geistern sprach ich ebenfalls hierüber, aber sie wollten nicht glauben, daß es der Mensch ist, der da redet, sondern meinten viel­mehr, sie selbst seien es, die im Menschen sprächen; und fer­ner, nicht der Mensch wisse, was er weiß, sondern sie, und folglich stamme alles menschliche Wissen von ihnen. Ich ver­suchte ihnen durch viele Argumente zu beweisen, daß dem nicht so sei, jedoch vergebens. Was man unter Geistern und was unter Engeln zu verstehen hat, wird weiter unten im Zu­sammenhang mit der Geisterwelt dargelegt werden.

*247. Ein weiterer Grund dafür, daß die Engel und Geister sich derart eng mit dem Menschen verbinden, daß sie schließlich überzeugt sind, alles, was dem Menschen angehört, stamme von ihnen, ist auch der, daß beim Menschen eine so enge Verbindung der geistigen mit der natürlichen Welt besteht, daß sie gleichsam eines sind. Weil sich aber der Mensch vom Himmel getrennt hat, ist vom Herrn vorgesehen worden, daß sich bei jedem Menschen Engel und Geister auf­halten, durch die der Mensch vom Herrn regiert wird; daher besteht eine so enge Verbindung. Anders wäre es, hätte sich der Mensch nicht losgetrennt, denn dann wäre er vom Herrn durch den allgemeinen Einfluß aus dem Himmel zu regieren, ohne die ihm beigegebenen Geister und Engel. Mehr hier­über in dem Abschnitt, der von der Verbindung des Himmels mit dem Menschen berichtet.

*248. Die Rede eines Engels oder Geistes mit dem Men­schen wird ebenso laut vernommen, wie die zwischen zwei Menschen, freilich nicht von denen die dabei stehen, sondern nur von ihm selbst. Der Grund liegt darin, daß die Rede des Engels oder Geistes zuerst in das Denken des Menschen ein­dringt und auf dem inneren Wege in sein Gehör gelangt, die­ses von innen her bewegend. Die menschliche Sprache dage­gen erreicht über die Luft und so auf äußerem Weg sein Gehör, es von außen her in Schwingung setzend. Daraus geht hervor, daß die Rede des Engels und Geistes mit dem Menschen im Menschen gehört wird und zwar ebenso deutlich, da sie eben­falls die Gehörorgane bewegt. Wie die Rede des Engels und des Geistes von innen her bis ins Ohr hinabdringt, wurde mir daran deutlich, daß sie auch die Zunge beeinflußt, die durch sie in ein leichtes Zittern kommt, ohne jedoch die Bewegung hervorzubringen, in die sie der Mensch selbst durch den Ton seiner wortgebundenen Sprache versetzt.

*249. Es wird jedoch heutzutage selten gestattet, mit Gei­stern zu reden, weil es gefährlich ist, denn die Geister wis­sen dann, daß sie bei einem Menschen sind, was sonst nicht der Fall ist. Die bösen Geister aber sind so beschaffen, daß sie einen tödlichen Haß auf den Menschen haben und nichts sehnlicher wünschen, als ihn an Leib und Seele zu verderben. Dies geschieht auch wirklich bei denen, die viel ihren Fanta­sien nachhängen, so daß sie sich den für den natürlichen Menschen angemessenen Freuden entzogen haben. Auch ei­nige Menschen, die ein einsames Leben führen, hören zuwei­len Geister mit sich reden, ohne daß dies Gefahren mit sich brächte. Der Herr entfernt diese Geister jedoch von Zeit zu Zeit, damit sie nicht wissen, daß sie bei einem Menschen sind. Den meisten Geistern ist nämlich nicht bewußt, daß es noch eine andere Welt gibt als die, in der sie sich aufhalten, also auch nicht, daß es noch anderswo Menschen gibt. Des­halb ist es auch dem Menschen nicht erlaubt, seinerseits wie­der mit ihnen zu reden, denn täte er das, so würden sie sich dessen bewußt werden. Menschen, die viel über religiöse Dinge nachdenken und darüber in solchem Maße grübeln, daß sie sie gleichsam inwendig in sich sehen, fangen auch an, Geister mit sich reden zu hören. Denn religiöse Ideen, wel­cher Art sie auch sein mögen, dringen ins Innere ein, setzen sich hier fest und nehmen den ganzen Geist des Menschen gefangen, wenn ihnen der Mensch von sich aus nachgrübelt und sich nicht zwischenhinein mit im Leben nützlichen Din­gen beschäftigt. Sie dringen in die geistige Welt ein und brin­gen dort die Geister in Bewegung. Allein solche Menschen sind Schwärmer und Fanatiker; sie meinen, jeder Geist, den sie hören, sei der heilige Geist, während es sich doch nur um fanatische Geister handelt. Menschen dieser Art betrachten das Falsche als wahr, und weil sie das tun, reden sie es sich selbst und anderen ein, auf die sie Einfluß haben. Als solche Geister tatsächlich dazu übergingen, Böses einzureden und dafür auch Gehör fanden, wurden sie nach und nach ent­fernt. Die fanatischen Geister unterscheiden sich von ande­ren dadurch, daß sie glauben, sie seien der Heilige Geist, und was sie sagen sei göttlich. Diese Geister fügen dem Menschen allerdings keinen Schaden zu, solange er ihnen göttliche Ver­ehrung erweist. Mit ihnen habe ich mehrmals gesprochen, wobei sie alle Schändlichkeiten enthüllten, die sie ihren Ver­ehrern eingeflößt hatten. Sie wohnen beisammen zur Linken an einem düsteren Ort.

*250. Mit den Engeln des Himmels zu reden, wird jedoch nur denen gestattet, die den Wahrheiten aus dem Guten er­geben sind, und vor allem denen, die den Herrn und das Göttliche in seine Menschlichen anerkennen, weil dies die Wahrheit ist, die im Himmel herrscht. Denn der Herr ist, wie oben (Nr. 2 6) gezeigt wurde, der Gott des Himmels. Das Göttliche des Herrn bildet den Himmel (Nr. 7 12), das Göttli­che des Herrn im Himmel ist die Liebe zu ihm und die Näch­stenliebe von ihm (Nr. 13 19); der Himmel in seinem Gesamtumfang stellt einen Menschen dar, ebenso jede ein­zelne Gesellschaft des Himmels; und auch jeder einzelne Engel ist in der vollkommenen menschlichen Form, und dies aus dem Göttlich Menschlichen des Herrn (Nr. 59 86). Dies alles zeigt, warum es nur denen gestattet wird, mit den En­geln des Himmels zu reden, deren Inneres durch die göttli­chen Wahrheiten bis zum Herrn hin geöffnet ist, denn in diese wirkt der Herr bei den Menschen ein und zugleich mit dem Herrn auch der Himmel. Die göttlichen Wahrheiten aber schließen die inneren Bereiche des Menschen deshalb auf, weil er so geschaffen ist, daß sein innerer Mensch ein Bild des Himmels und sein äußerer ein Bild der Welt ist (Nr. 57). Der innere Mensch aber wird nur durch das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre aufgeschlossen, weil dieses das Licht und das Leben des Himmels ist (Nr. 125 140).

*251. Der Einfluß des Herrn selbst ergießt sich in die Stirne des Menschen und von da aus in sein ganzes Antlitz, entspricht doch die Stirn des Menschen der Liebe und das Antlitz seinem ganzen Inneren. Der Einfluß der geistigen Engel beim Menschen erfolgt von allen Richtungen her in sein Haupt, vom Vorderhaupt und den Schläfen bis hin zu allen anderen Teilen, unter denen das Großhirn liegt, weil diese Gegend des Hauptes der Einsicht entspricht. Der Ein­fluß der himmlischen Engel aber erfolgt in jenen Teil des Hauptes, unter dem das Kleinhirn liegt, also in das Hinter­haupt, von den Ohren rund herum bis zum Nacken, ent­spricht doch diese Region der Weisheit. Alles, was die Engel mit dem Menschen reden, dringt auf dem genannten Wege in sein Denken ein. Daran ließ sich meinerseits auch fest­stellen, von welcher Art die Engel waren, die jeweils mit mir sprachen.

*252. Wer mit den Engeln des Himmels redet, sieht auch, was im Himmel ist, weil er aus dem Licht des Himmels sieht, in dem sich ihr Inneres befindet. Aber auch die Engel sehen durch sie, was auf Erden ist, denn bei ihnen ist der Himmel mit der Welt und die Welt mit dem Himmel verbunden. Denn — wie oben, Nr. 246, gesagt wurde — wenn sich die Engel dem Menschen zuwenden, verbinden sie sich derart mit ihm, daß sie nichts anderes wissen, als daß alles, was zum Menschen gehört, ihr Eigen sei, und zwar nicht nur der Sinn seiner Rede, sondern auch alles, was sein Gesicht und sein Gehör erfüllt. Auf der anderen Seite weiß auch der Mensch nichts anderes, als daß alles, was durch die Engel einfließt, sein Eigen sei. In einer solchen Verbindung mit den Engeln des Himmels be­fanden sich die Menschen der Urkirche auf dieser Erde, wes­halb man ihre Zeit auch als das Goldene Zeitalter bezeichnet. Weil sie das Göttliche in menschlicher Gestalt — also den Herrn — anerkannten, darum sprachen sie auch mit den En­geln des Himmels wie mit ihresgleichen, und umgekehrt auch die Engel mit ihnen, und so waren Himmel und Welt in ihnen eins. Nach diesen Zeiten aber entfernte sich der Mensch immer mehr vom Himmel, indem er sich selbst mehr als den Herrn, und die Welt mehr als den Himmel liebte und begann, die Genüsse der Selbst  und Weltliebe getrennt von den Wonnen des Himmels zu kosten, bis er schließlich überhaupt nicht mehr wußte, daß es noch andere, eben himmlische Freuden und Wonnen gibt. Als es so weit gekom­men war, wurden die inneren Bereiche, die in den Himmel hinein offen standen, verschlossen und die äußeren gegen die Welt hin geöffnet. Ist dies aber einmal geschehen, so sieht der Mensch alles, was die Welt betrifft, in hellem Licht, befin­det sich aber in Finsternis hinsichtlich aller Dinge, die zum Himmel gehören.

*253. Nach diesen Zeiten hat selten jemand mit Engeln des Himmels gesprochen, einige jedoch mit Geistern, die sich nicht im Himmel befinden. Die inneren und die äußeren Bereiche des Menschen sind nämlich so beschaffen, daß sie entweder dem Herrn als ihrem gemeinsamen Mittelpunkt (vergl. Nr. 124) oder aber sich selbst zu  und folglich vom Herrn abgewandt sind. Was aber dem Herrn zugewandt ist, ist auch dem Himmel zugewandt. Was der Welt zugewandt ist, kann nur schwer erhoben werden. Es wird jedoch soweit wie möglich vom Herrn geläutert, und zwar durch eine Um­wandlung der Liebe (das heißt der Grundneigung), und dies geschieht durch die Wahrheiten aus dem Wort.

*254. Ich bin unterrichtet worden, auf welche Weise der Herr mit den Propheten gesprochen hat. Dies geschah nicht wie bei den Alten durch einen Einfluß in ihr Inneres, sondern durch Geister, die zu ihnen gesandt wurden und die der Herr mit seinem Anblick erfüllte und dadurch mit den Worten in­spirierte, die sie den Propheten diktierten. Es handelte sich also nicht um direkten Einfluß, sondern um ein Diktat. Und da die Worte unmittelbar aus dem Herrn hervorgingen, sind sie im einzelnen mit dem Göttlichen erfüllt und enthalten in sich einen inneren Sinn, derart, daß die Engel des Himmels die Worte dem himmlischen und geistigen Sinne nach, die Menschen aber dem natürlichen Sinn nach auffassen. Auf diese Weise hat der Herr den Himmel und die Welt durch das Wort miteinander verbunden. Es wurde mir auch gezeigt, wie der Herr die Geister durch seinen Anblick mit dem Göttlichen erfüllt. Der vom Herrn mit dem Göttlichen erfüllte Geist weiß nur, daß er der Herr und daß das von ihm Gesprochene göttlich sei. Dieses Bewußtsein hat er jedoch nur solange, bis er ausgesprochen hat. Nachher wird er sich dessen bewußt und erkennt an, daß er nur ein Geist ist und nicht aus sich, son­dern aus dem Herrn geredet hat. Weil die Geister, die mit den Propheten sprachen, sich in diesem Zustand befanden, sagen sie auch, Jehovah habe gesprochen. Ja, sie nannten sich selbst Jehovah, wie nicht nur aus den prophetischen, sondern auch aus den geschichtlichen Büchern des Wortes hervorgeht.

*255. Damit man etwas über die Art der Verbindung von Engeln und Geistern mit den Menschen wisse, darf ich eini­ges darüber berichten, das sie beleuchtet und klärt. Wenn sich Engel und Geister dem Menschen zuwenden, so halten sie die Sprache des Menschen für ihre eigene und wissen nicht, daß sie selbst eine andere haben. Der Grund liegt darin, daß sie sich völlig in die Sprache des Menschen einle­ben und sich gar nicht mehr an ihre eigene erinnern. Letztere erfüllt aber sogleich wieder ihr Bewußtsein, sobald sie sich vom Menschen abwenden. Sie bedienen sich wieder der Sprache der Engel und Geister und haben die der Menschen vergessen. Etwas Ähnliches geschah auch mir, wenn ich mit den Engeln sprach und in einem ihnen ähnlichen Zustand war. Da sprach ich auch mit ihnen in ihrer Sprache und wußte nichts von meiner eigenen, erinnerte mich ihrer nicht einmal mehr. Sobald ich mich aber nicht mehr in ihrer Ge­sellschaft befand, besaß ich wieder meine eigene Sprache. Bemerkenswert ist auch, daß Engel und Geister, die sich dem Menschen zuwenden, aus jeder Entfernung mit ihm reden können. Auch mit mir redeten sie aus der Ferne ebenso laut wie aus der Nähe. Wenn sie sich aber vom Menschen abwen­den und unter sich sprechen, hört der Mensch absolut nichts davon, und wenn es noch so dicht an seinem Ohr geschähe. Damit ist klar, daß sich jede Verbindung in der geistigen Welt der Zuwendung gemäß vollzieht. Bemerkenswert ist auch, daß mehrere Geister gleichzeitig mit dem Menschen reden können, und der Mensch mit ihnen. Die Geister senden näm­lich einen Abgesandten zu dem Menschen, mit dem sie reden wollen. Dieser Abgesandte wendet sich dem Menschen zu, während die anderen ihre Gedanken auf ihn konzentrie­ren und er sie vorträgt. Dieser Geist weiß dann nur, daß er aus sich selbst redet, und auch sie glauben, aus sich zu sprechen. So vollzieht sich die Verbindung mehrerer Geister mit einem ebenfalls nur durch Zuwendung. Doch von diesen Send­boten der Geister, die auch Subjekte (subjecta) heißen, und vom Verkehr durch dieselben soll unten mehr gesagt werden.

*256. Kein Engel oder Geist darf aus seinem eigenen Ge­dächtnis heraus mit dem Menschen reden, sondern nur aus dem des Menschen. Spräche ein Geist aus seinem eigenen Gedächtnis heraus mit einem Menschen, so könnte dieser nur meinen, daß es seine eigenen Gedanken seien, was er dann denkt, während sie doch dem Geist angehören. Es gleicht der Rückerinnerung an etwas, das der Mensch doch niemals gehört oder gesehen hat. Diese Tatsache durfte ich aufgrund eigener Erfahrung erkennen. Daher bildeten sich einige der Alten die Meinung, daß sie nach Ablauf einiger tausend Jahre wieder in ihr früheres Leben und alle ihre Taten zurückver­setzt würden, ja, daß sie bereits zurückgekehrt seien. Sie schlossen das daraus, daß ihnen zuweilen etwas wie eine Rückerinnerung an Dinge kam, die sie doch (in ihrem jetzigen Leben) niemals gesehen oder gehört haben konnten. Dies war aber geschehen, weil Geister aus ihrem eigenen Gedächtnis heraus in die Vorstellungen ihres Denkens eingedrungen waren.

*257. Es gibt auch natürliche oder materielle Geister, die sich, wenn sie zu einem Menschen kommen, nicht wie andere Geister mit seinem Denken verbinden, sondern in seinen Kör­per eindringen und alle seine Sinne in Besitz nehmen. Sie reden dann durch seinen Mund und handeln durch seine Glieder. Dabei ist ihnen nur bewußt, daß alles dem Menschen Gehören­de ihr Eigen sei. Dies sind die Geister, die beim Menschen Be­sessenheit hervorrufen. Sie sind jedoch vom Herrn in die Hölle geworfen und dadurch gänzlich entfernt worden. Deshalb gibt es gegenwärtig keine derartigen Besessenheiten mehr. 



Himmlische Schriften.

*258. Da die Engel eine aus Wörtern bestehende Sprache haben, so kennen sie auch die Schrift, durch die sie ihre Emp­findungen und Gedanken ebenso ausdrücken können, wie durch ihre Sprache. Es wurden mir mehrmals beschriebene Blätter zugestellt, ganz so wie beschriebene oder bedruckte Blätter in der Welt, und ich konnte sie auch ebenso lesen. Doch durfte ich ihnen nicht mehr als einen oder zwei Gedan­ken entnehmen, weil es der göttlichen Ordnung wider­spräche, durch Schriften aus dem Himmel unterrichtet zu werden. Dies soll vielmehr durch das göttliche Wort gesche­hen, das allein den Verkehr und die Verbindung des Himmels mit der Welt, also des Herrn mit dem Menschen bewerkstel­ligt. Es zeigt sich aber bei Ezechiel, daß im Himmel beschrie­bene Blätter auch den Propheten erschienen sind:

„Als ich hinblickte, siehe, da war eine Hand von einem Geist gegen mich ausgestreckt, und in ihr eine Buchrolle, die sich vor meinen Augen entfaltete. Sie war von vorn und hinten be­schrieben.“ (2,9f)

Und bei Johannes liest man:

„Ich sah zur Rechten dessen, der auf dem Throne saß, ein Buch,  innen und außen beschrieben, versiegelt mit sieben Siegeln“ (Offb.5,1)

*259. Es ist vom Herrn um des Wortes willen vorgesehen, daß es im Himmel Schriften gibt. Denn das Wort ist seinem Wesen nach das göttliche Wahre, aus dem für Menschen wie Engel alle himmlische Weisheit entspringt, ist es doch vom Herrn diktiert worden. Was aber vom Herrn diktiert wird, durchläuft der Ordnung nach alle Himmel und gelangt am Ende schließlich zum Menschen. Daher ist es sowohl der Weisheit der Engel als der Einsicht der Menschen angepaßt, und darum haben auch die Engel das Wort und lesen es, wie die Menschen auf Erden. Aus ihm stammen auch ihre Lehr­bestimmungen, aus ihm wird dort gepredigt (vergleiche Nr.  221). Es handelt sich um dasselbe Wort, aber im Himmel fin­det sich nicht sein natürlicher Sinn — für uns der Buchstaben­sinn —, sondern sein geistiger, das heißt sein innerer Sinn.  Worin dieser Sinn besteht, ersieht man aus dem kleinen Werk „Vom Weißen Pferd“ das in der Offenbarung erwähnt wird.

*260. Einst wurde mir aus dem Himmel auch ein kleines Blatt zugesandt, auf dem nur wenige Worte in hebräischer Schrift standen. Es hieß, jeder Buchstabe berge Geheimnisse der Weisheit in sich, und zwar in seinen Einbiegungen und Krümmungen, und daher auch in den entsprechenden Lau­ten. Mir wurde daraus klar, was durch die Worte des Herrn bezeichnet wird:

„Wahrlich, ich sage euch, bis daß Himmel und Erde vergehen, soll kein Jota noch Strichlein vom Gesetz vergehen“ (Matth.5,18)

Auch in der Kirche ist bekannt, daß das Wort göttlich ist, und zwar bis in jedes Strichlein, noch nicht bekannt ist hingegen, wo in jedem Strichlein das Göttliche verborgen liegt. Deshalb soll es gesagt werden:

Im innersten Himmel besteht die Schrift aus vielerlei ein­gebogenen und gekrümmten Zügen, die nach der Form des Himmels verlaufen. Durch sie drücken die Engel Geheimnisse ihrer Weisheit aus, wie auch manches, das sie nicht in Worten auszusprechen vermögen, und — was wunderbar ist — die Engel beherrschen diese Schrift ohne Mühe und Lehrer; sie ist ihnen eingepflanzt wie die Sprache (vgl. Nr. 236). Dies also ist der Charakter der himmlischen Schrift. Eingepflanzt ist sie den En­geln, weil sich deren Gedanken und Gefühle und somit auch alle Mitteilungen ihrer Einsicht und Weisheit nach der Form des Himmels ausbreiten (vergleiche Nr. 201). So kommt es, daß sich in diese auch ihre Schrift ergießt. Es wurde mir gesagt, daß auch die Angehörigen der Ältesten Kirche auf dieser Erde, eine solche Schrift hatten, ehe die Buchstaben erfunden wurden und, daß diese in die Buchstaben der hebräischen Sprache übergegangen sei, die in den alten Zeiten alle gekrümmt ge­wesen seien und nicht in Linien auslaufend, wie jetzt. Daher kommt es, daß im Wort göttliche Dinge und himmlische Ge­heimnisse selbst in den Jota, Strichlein und Häkchen liegen.

*261. Diese Schrift, die aus Buchstaben von himmlischen Formen entsteht, ist im innersten Himmel im Gebrauch, des­sen Engel alle anderen an Weisheit übertreffen. Durch diese Buchstaben werden Gefühle ausgedrückt, aus denen Gedan­ken hervorgehen und der Ordnung nach aufeinander folgen, je nach dem Gegenstand, von dem die Rede ist. So schließen diese Schriften Geheimnisse in sich, die durch das Denken nicht erschöpft werden können. Es ist mir erlaubt worden, diese Schriften zu sehen. In den unteren Himmeln finden sich dagegen derartige Schriften nicht. Dort sind die Schrif­ten denen in der Welt ähnlich, mit ähnlichen Buchstaben, den Menschen aber doch unverständlich, weil sie in der Sprache der Engel geschrieben sind, einer Sprache, die nichts mit den menschlichen Sprachen gemein hat (Nr. 237). Durch die Vokale nämlich drücken sie Gefühle aus, durch die Kon­sonanten die ihnen entspringenden Denkvorstellungen und durch die wiederum daraus hervorgehenden Wörter den Sinn der Sache (vergl. oben Nr. 236. 241). Diese Schrift enthält auch in wenigen Worten mehr, als der Mensch auf et­lichen Blättern ausdrücken kann. Auch diese Schriften habe ich gesehen. Das Wort Gottes in den unteren Himmeln ist in dieser Weise geschrieben, im innersten Himmel aber in himmlischen Formen.

*262. Merkwürdig ist, daß die Schriften in den Himmeln ganz von selbst ihren Gedanken entströmen, und zwar mit solcher Leichtigkeit, daß man meinen könnte, der Gedanke bilde sich von selbst heraus. Jedes Wort entspricht den Vor­stellungen ihres Denkens. Und da alle Entsprechung natürli­cherweise sich von selbst einstellt, zögert die schreibende Hand nie. Es gibt in den Himmeln sogar Schriften ohne die Hilfe der Hand, allein durch die Entsprechung der Gedanken. Diese Schriften sind jedoch nichts Bleibendes.

*263. Ich habe auch himmlische Schriften gesehen, die aus lauter Zahlen bestanden, niedergeschrieben in einer be­stimmten Ordnung und Reihenfolge, ganz wie bei den aus Buchstaben und Wörtern bestehenden Schriften in der Welt. Ich wurde unterrichtet, daß diese Schrift aus dem innersten Himmel stamme und daß ihre himmlische Schrift, von der oben Nr. 260 f die Rede war, sich bei den Engeln des unteren Himmels in Zahlen darstelle, sobald ein Gedanke zu ihnen herabdringe. Diese Zahlenschrift, so wurde ich informiert, enthalte gleichfalls Geheimnisse, von denen einige nicht mit den Gedanken erfaßt oder mit Worten ausgedrückt werden können. Alle Zahlen nämlich stehen in Entsprechung und haben ihre Bedeutung der Entsprechung gemäß, ebenso wie die Worte, mit dem Unterschied jedoch, daß die Zahlen das Allgemeine und die Worte das Besondere in sich schließen. Weil nun ein Allgemeines unzählig viel Besonde­res in sich schließt, so enthält folglich die Zahlenschrift mehr Geheimnisse als die Buchstabenschrift. Dadurch wurde mir klar, daß die Zahlen im Wort ebenso Dinge bezeichnen wie die Worte. In den „Himmlischen Geheimnissen“ wo über die Zahlen gehandelt worden ist, kann man lesen, was die einfachen Zahlen — 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 12 — und die zu­sammengesetzten — 20, 30, 50, 70, 100, 144, 1’000, 10’000, 12’000 — wie auch andere bedeuten. In jener himmlischen Schrift wird immer eine Zahl vorangestellt, von der die fol­genden wie von ihrem Träger der Reihe nach abhängen. Diese Zahl ist nämlich gleichsam der Anzeiger der Sache, um die es sich jeweils handelt, und durch sie erhalten die nach­folgenden Zahlen ihre Beziehung zu der im Besonderen vor­liegenden Sache.

*264. Wer nichts vom Himmel weiß und auch keine an­dere Vorstellung von ihm haben will als der einer reinen Lichtregion, in der die Engel als Vernunftwesen ohne Gehör und Gesichtssinn umherschweben, kann sich nicht vorstel­len, daß sie eine Sprache und eine Schrift besitzen. Solche Menschen sehen das Dasein eines jeden Dinges nur im Ma­teriellen, während doch die Dinge im Himmel ebenso wirk­lich bestehen wie die in der Welt und die Engel im Himmel alles besitzen, was von Nutzen für das Leben und für die Weisheit ist. 



Die Weisheit der Engel des Himmels.

*265. Das Wesen der Weisheit der Engel läßt sich nur schwer begreifen, weil sie die menschliche Weisheit so weit übersteigt, daß man sie gar nicht miteinander vergleichen kann, und weil das alles Überragende kaum als etwas Seien­des erscheint. Einiges, was sie beschreiben soll, ist auch un­bekannt und, ehe man es kennt, gleichsam wie ein Schatten­bild im Verstand und verdunkelt die Sache an und für sich eher. Dennoch sind diese Dinge etwas, das man wissen und, sobald man es weiß, auch begreifen kann, vorausgesetzt, daß die Seele Freude daran hat. Denn die Freude ist mit Licht gepaart, weil sie aus dem Himmel stammt, und wer Liebe zu den Dingen der göttlichen und himmlischen Weis­heit hat, dem erstrahlt Licht aus dem Himmel und wird Er­leuchtung zuteil.

*266. Das Wesen der Weisheit der Engel ergibt sich dar­aus, daß sie im Lichte des Himmels leben, das seinem Wesen nach das göttliche Wahre oder die göttliche Weisheit ist. Die­ses Licht erleuchtet gleichzeitig ihr inneres Sehen, das dem Gemüt angehört, und ihr äußeres Sehen, das Angelegenheit der Augen ist. (Daß das Licht des Himmels das göttliche Wahre oder die göttliche Weisheit ist, sehe man oben Nr. 126­-133). Die Engel befinden sich auch in der himmlischen Wärme, die ihrem Wesen nach das göttliche Gute oder die göttliche Liebe ist, aus der ihnen die Neigung und das Verlan­gen zukommt, weise zu sein. (Daß die Wärme des Himmels das göttliche Gute oder die göttliche Liebe ist, wurde oben Nr. 133 140 ausgeführt.) Die Engel sind in der Weisheit, ja sie können geradezu Weisheiten genannt werden, weil sich alle ihre Gedanken und Gefühle der Form des Himmels gemäß ergießen, welche die Form der göttlichen Weisheit ist. Ferner sind ihre inneren Bereiche, welche die Weisheit aufnehmen, nach dieser Form zusammengesetzt. (Daß sich die Gedanken und Gefühle der Engel in der Form des Himmels ergießen, folglich auch ihre Einsicht und Weisheit, sehe man oben Nr.201 212). Die Engel besitzen überragende Weisheit. Das läßt sich auch der Tatsache entnehmen, daß ihre Sprache die Sprache der Weisheit ist, da sie unmittelbar und von selbst dem Denken entspringt und dieses wieder dem Gefühl, sodaß sie das Denken aus dem Gefühl in äußerer Gestalt ist. Daher kommt es auch, daß nichts sie vom göttlichen Einfluß abzieht und auch nichts Äußeres aus anderen Gedanken sich in ihre Rede mischt, wie das bei der Rede der Menschen der Fall ist. (Daß die Sprache der Engel die Sprache ihres Denkens und Gefühls ist, siehe oben Nr. 234 245). Zu solcher Weisheit der Engel trägt auch bei, daß alles, was sie durch die Augen und Sinne sehen und empfinden, mit ihrer Weisheit überein­stimmt, handelt es sich dabei doch um Entsprechungen, also um Gegenstände, die vorbildende Formen von Dingen der Weisheit sind. (Daß alle Dinge, die in den Himmeln erschei­nen, Entsprechungen des Inneren der Engel und Vorbildun­gen ihrer Weisheit sind, vergl. oben Nr. 170  182.) Zudem wer­den die Gedanken der Engel anders als die der Menschen, nicht durch Vorstellungen aus Raum und Zeit verendlicht und beengt. Raum und Zeit gehören der Natur an, und was zur Natur gehört, zieht das Gemüt von den geistigen Dingen ab und nimmt der gedanklichen Anschauung die Ausdeh­nung. (Daß die Vorstellungen der Engel ohne Zeit und Raum sind und so den menschlichen voraus haben, daß sie unbe­grenzt sind, siehe oben Nr. 162 169 und Nr. 191 199.) Die Ge­danken der Engel werden auch nicht zu Irdischem und Mate­riellem herabgezogen oder durch irgendwelche Sorgen um die Lebensnotwendigkeiten unterbrochen. Sie werden folg­lich auch nicht durch derartige Dinge von den Freuden der Weisheit abgelenkt, wie dies bei den Gedanken der Men­schen in der Welt der Fall ist. Ihnen kommt nämlich vom Herrn alles ohne Entgelt zu, umsonst werden sie gekleidet, umsonst genährt und umsonst wohnen sie (Nr. 181. 190), und überdies werden sie, je nach der Aufnahme der Weisheit vom Herrn, mit Freuden und Wonnen beschenkt. Dies wurde ausgeführt, damit man wisse, woher den Engeln so große Weisheit kommt.

*267. Die Engel können deshalb so große Weisheit auf­nehmen, weil ihre mehr im Inneren liegenden Bereiche auf­geschlossen sind. Die Weisheit wächst aber, wie alle Vollkom­menheit, dem Inneren zu, also je nach dessen Öffnung. Bei jedem Engel finden sich drei Lebens Grade, die den drei Himmeln entsprechen (vergl. Nr. 29 40). Jene, bei denen der erste Grad aufgeschlossen ist, sind im ersten oder äußersten Himmel, im zweiten oder mittleren Himmel sind die, denen der zweite Grad aufgeschlossen wurde, und im dritten oder innersten Himmel jene, bei denen der dritte Grad geöffnet ist. Diesen Graden gemäß verhält sich die Weisheit der Engel in den Himmeln. Daher übersteigt sie im innersten Himmel unermeßlich die Weisheit der Engel des mittleren Himmels und deren Weisheit wiederum die im äußersten Himmel (vergl. oben Nr. 209, 210, über das Wesen der Grade Nr. 38). Diese Unterschiede rühren daher, daß das Besondere auf einer höheren Stufe steht als das Allgemeine. Das Allgemeine aber enthält das Besondere. Dies verhält sich zum Allgemei­nen wie tausend oder zehntausend zu eins — ebenso die Weis­heit des oberen Himmels zu der des unteren. Die Weisheit dieses unteren Himmels übersteigt jedoch in gleicher Weise die Weisheit des Menschen, denn der Mensch befindet sich im Körperlichen und im dazugehörigen Sinnlichen, folglich im untersten Grade. Hieraus geht hervor, von welcher Art die Weisheit derer ist, die aus dem Sinnlichen heraus denken und sinnliche Menschen genannt werden. Sie besitzen in Wirklichkeit gar keine Weisheit, sondern nur Wissen. An­ders ist es bei denen, deren Gedanken sich über das Sinnliche erheben, und noch mehr bei jenen, deren innere Bereiche bis ins Licht des Himmels aufgeschlossen sind.

*268. Wie groß die Weisheit der Engel ist, läßt sich daraus ersehen, daß in den Himmeln eine Kommunikation aller Dinge besteht: Einsicht und Weisheit des einen teilen sich dem anderen mit. Der Himmel ist eine Gemeinschaft aller Güter. Dies deshalb, weil die himmlische Liebe so beschaffen ist, daß sie wünscht, mit den anderen ihren Besitz zu teilen. Aus diesem Grunde empfindet auch niemand im Himmel sein Gutes in sich als gut, wenn es nicht auch im anderen ist. Daraus entspringt auch die Glückseligkeit des Himmels. Die Himmel leiten dies vom Herrn ab, dessen göttliche Liebe so beschaffen ist. Ich durfte durch eigene Erfahrung erkennen, daß eine solche Kommunikation im Himmel besteht, denn einige einfältige Geister wurden zuweilen in den Himmel er­hoben, wo auch sie in die Weisheit der Engel eintraten und dann verstanden, was ihnen früher unverständlich gewesen war, und redeten, was sie in ihrem vorigen Zustand nie hät­ten aussprechen können.

*269. Die Weisheit der Engel läßt sich nicht mit Worten beschreiben, sondern nur durch einige allgemeine Beobach­tungen beleuchten. Mit einem Wort können sie ausdrücken, wozu der Mensch nicht mit tausend imstande ist. Überdies liegt in einem einzigen Wort der Engel Unzähliges, das mit den Worten der menschlichen Sprache gar nicht ausgedrückt werden kann. Denn in jedem einzelnen Wort, das die Engel sprechen, liegen in stetiger Verknüpfung Geheimnisse der Weisheit, an die die menschlichen Wissenschaften in keiner Weise heranreichen. Auch ergänzen die Engel, was die Worte ihrer Sprache nicht erschöpfen, durch die Beto­nung, der ein Empfinden für die Dinge in ihrer Ordnung in­newohnt. Oben (Nr. 236. 241) wurde ja ausgeführt, daß die Engel durch die Töne Empfindungen und durch die Worte Vorstellungen aus den Empfindungen ausdrücken. Darum heißt auch, was im Himmel gehört wird, „unaussprechlich“ (2. Kor. 12,4). In gleicher Weise können die Engel auch mit wenigen Worten den Inhalt eines ganzen Buches bis in die Einzelheiten hinein wiedergeben und dabei in jedes Wort etwas hineinlegen, das zu tieferer Weisheit vordringt. Ihre Sprache ist nämlich so beschaffen, daß sie mit den Empfin­dungen zusammenstimmt, ebenso wie jedes einzelne Wort mit den Vorstellungen. Die Worte wechseln auch je nach der Verkettung der Dinge, deren Zusammenfassung der Ge­danke ist, in unendlicher Mannigfaltigkeit. Die inneren Engel können auch aus dem Ton und einigen wenigen Wor­ten eines Redners dessen ganzes Leben erkennen. An der Betonung nämlich, die je nach der den Wörtern zugrunde liegenden Vorstellung verschieden ist, erkennen sie seine herrschende Liebe, der die Einzelheiten seines Lebens gleichsam eingeschrieben sind. Dies zeigt, wie die Weis­heit der Engel beschaffen ist. Sie verhält sich zur menschli­chen Weisheit wie zehntausend zu eins, vergleichsweise wie das aus unzählbaren Faktoren zusammengesetzte Kräfte­spiel des Körpers zu den Handlungen, die es hervorruft, und die dem Menschen nur als solche bewußt werden, oder wie das Tausenderlei eines Gegenstandes, den man durch ein vollkommenes Mikroskop betrachtet hat, zu dem einfa­chen Ding vor dem bloßen Auge. Ich will die Sache noch durch ein weiteres Beispiel beleuchten: Ein Engel beschrieb aus seiner Weisheit die Wiedergeburt und brachte von den damit zusammenhängenden Geheimnissen Hunderte in ihrer Ordnung vor, wobei er jedes Geheimnis mit Vorstel­lungen anfüllte, in denen noch tiefere Geheimnisse lagen, und dies von Anfang bis Ende. Er setzte nämlich auseinan­der, wie der geistige Mensch von neuem empfangen, gleichsam im Mutterleib getragen und geboren wird, auf­wächst und allmählich vervollkommnet wird. Er sagte, er hätte die Zahl der Geheimnisse bis zu einigen Tausenden vermehren können, und diejenigen, die er angeführt habe, beträfen bloß die Wiedergeburt des äußeren Menschen, un­zählige weitere gäbe es, die die Wiedergeburt des inneren betreffen. Aus diesem und anderen von den Engeln gehör­ten Dingen wurde mir klar, wie groß ihre Weisheit ist und wie groß dagegen die Unwissenheit des Menschen, der kaum ahnt, was Wiedergeburt ist, und nicht eine einzige Stufe ihrer Entwicklung kennt.

*270. Nun soll einiges gesagt werden über die Weisheit der Engel des dritten oder innersten Himmels und wie sehr sie die Weisheit des ersten oder äußersten Himmels über­trifft. Sie ist unfaßlich, auch für die, die im äußersten Him­mel sind. Dies deshalb, weil das Innere der Engel des dritten Himmels bis zur dritten Stufe aufgeschlossen ist, das der Engel des ersten Himmels aber nur bis zur ersten Stufe, und weil alle Weisheit gegen das Innere hin zunimmt und je nach dessen Öffnung vervollkommnet wird (vergl. Nr. 208. 267). Weil nun die inneren Bereiche der Engel des dritten oder in­nersten Himmels bis zum dritten Grade aufgeschlossen sind, so sind ihnen die göttlichen Wahrheiten gleichsam ein­geschrieben. Diese Bereiche sind ja mehr als die des zweiten oder ersten Grades in der Form des Himmels, und diese stammt aus dem göttlichen Wahren und somit der göttli­chen Weisheit. So kommt es, daß jenen Engeln die göttlichen Wahrheiten wie eingeschrieben, eingepflanzt und angebo­ren erscheinen. Sobald sie nur die echten göttlichen Wahr­heiten vernehmen, erkennen sie dieselben daher umgehend an, nehmen sie wahr und schauen sie hernach gleichsam in sich. Weil die Engel des dritten Himmels so beschaffen sind, darum vernünfteln sie auch niemals über die göttlichen Wahrheiten, und noch weniger streiten sie darüber, ob ir­gendeine Wahrheit sich so oder so verhalte. Sie wissen auch nicht, was unter Glauben oder „Glauben haben“ zu verste­hen ist, sagen sie doch: „Was heißt Glaube? Ich fühle und sehe ja, daß es so ist“. Sie beleuchten das auch durch Verglei­che, sagen zum Beispiel, es wäre ebenso, wie wenn jemand mit seinem Gefährten zusammen ein Haus mit allem Drum und Dran besichtige und dann zu dem Gefährten spräche, jetzt müsse er aber auch daran glauben, daß diese Dinge wirklich vorhanden und so seien, wie er sie gesehen habe; oder es sei so, als betrachte jemand einen Garten mit seinen Bäumen und Früchten und spräche zu seinem Begleiter, nun heiße es aber glauben, daß dies ein Garten mit Bäumen und Früchten sei, obwohl er doch alles deutlich sieht. Daher sprechen jene Engel niemals vom Glauben und haben auch keine Vorstellung von diesem Begriff; und aus demselben Grunde ziehen sie auch niemals Schlüsse über die göttlichen Wahrheiten, geschweige denn, daß sie über irgendeine Wahrheit stritten, ob sie sei oder nicht. Die Engel des ersten oder äußersten Himmels dagegen haben die göttlichen Wahrheiten nicht derart ihrem Inneren eingeschrieben, weil bei ihnen nur der erste Lebensgrad auf­geschlossen ist. Deshalb gebrauchen sie inbezug auf diese Wahrheiten ihre Vernunft. Wer aber seine Vernunft ge­braucht, blickt kaum über den Gegenstand der Sache hin­aus, über den er nachdenkt. Tut er es doch, so höchstens, um die Sache mit einigen Argumenten zu begründen. Ist dies ge­schehen, dann behauptet er, es sei eine Glaubenssache, und daher müsse man daran glauben. Ich sprach hierüber mit den Engeln, und diese sagten, zwischen der Weisheit der Engel des dritten Himmels und der der Engel des ersten Himmels bestehe ein Unterschied wie zwischen Licht und Dunkel. Ferner verglichen sie die Weisheit der Engel des drit­ten Himmels mit einem prächtigen Palast, reich mit allem Komfort versehen, von allen Seiten mit Gärten und pracht­vollen Gegenständen aller Art umgeben. Weil nun jene Engel in den Wahrheiten der Weisheit sind, so können sie in den Palast eintreten und alles anschauen, sich auch in den Gär­ten nach allen Seiten hin ergehen und sich an allem er­freuen. Jene aber, die über die Wahrheiten vernünfteln, und noch weniger die, welche darüber streiten, vermögen das nicht, weil sie die Wahrheiten nicht im Lichte des Wahren sehen, sondern entweder aus anderen Menschen oder aus dem Buchstabensinn des Wortes schöpfen, den sie nicht in­nerlich verstehen. Sie sagen daher, man müsse daran glau­ben oder den Glauben haben und wollen gar nicht, daß das innere Sehen nachher darin eindringe. Von diesen sagten die Engel, sie könnten nicht einmal bis zur ersten Schwelle des Weisheitspalastes gelangen, geschweige denn eintreten und sich in seinen Gärten ergehen, weil sie schon beim ersten Schritt stehen bleiben. Anders verhalte es sich mit denen, die sich den Wahrheiten ergeben haben; diese halte nichts zurück, vorwärts zu schreiten und ohne Schranken überallhin vorzudringen, da die geschauten Wahrheiten sie leiten, wohin sie auch gehen, und zwar in weite Felder, weil jede Wahrheit unendliche Ausdehnung hat und mit vielen ande­ren in Verbindung steht. Weiter erklärten sie, die Weisheit der Engel des innersten Himmels bestehe vor allem darin, daß sie in den einzelnen Gegenständen Göttliches und Himmlisches erblickten und Wunderbares im Zusammen­spiel verschiedener Dinge, denn alles, was vor ihren Augen erscheint, steht in Entsprechung. Wenn sie z.B. Paläste und Gärten sehen, so bleibt ihre Anschauung nicht bei dem ste­hen, was vor ihren Augen liegt, sondern sie schauen auf die ihnen zugrunde liegenden inneren Ursachen, denen sie somit entsprechen, und zwar in aller Mannigfaltigkeit, je nach dem Anblick der Gegenstände. Folglich sehen sie un­zählige Dinge in ihrer Ordnung und im Zusammenhang, die dann ihr Gemüt derart erfreuen, daß es scheint als seien sie außer sich geraten. Wie alle Gegenstände, die in den Him­meln erscheinen, den göttlichen Dingen entsprechen, di vom Herrn her die Engel umgeben, siehe oben Nr. 170 176.

*271. Die Engel des dritten Himmels aber sind deshalb so beschaffen, weil sie in der Liebe zum Herrn leben. Diese Liebe schließt die inneren Bereiche ihres Gemüts bis zum dritten Grade auf, und es wird zum Aufnahmegefäß aller Ge­genstände der Weisheit. Man muß ferner wissen, daß die Engel dieses Himmels dabei fortwährend an Weisheit ver­vollkommnet werden, und auch das auf andere Weise, als es bei den Engeln des äußersten Himmels geschieht. Sie legen nämlich die göttlichen Wahrheiten nicht in ihrem Gedächt­nis ab und machen also auch nicht irgendein Wissen daraus, sondern sobald sie dieselben hören, nehmen sie sie in sich auf und wenden sie aufs Leben an. Daher kommt es, daß die göttlichen Wahrheiten bei ihnen wie eingeschrieben haften, denn was aufs Leben angewandt wird, das haftet in dieser Weise. Anders verhält es sich jedoch mit den Engeln des äußersten Himmels. Diese speichern die göttlichen Wahr­heiten zuerst im Gedächtnis, um sie von dort nach und nach wieder hervorzuholen und durch sie ihren Verstand zu ent­wickeln. Ohne eine innere Wahrnehmung, ob sie wirklich wahr seien, wollen sie dieselben und wenden sie im Leben an. Daher befinden sie sich vergleichsweise im Dunkeln. Be­merkenswerterweise werden die Engel des dritten Himmels durch das Gehör vervollkommnet, und nicht durch die Augen. Was sie in der Predigt hören, geht bei ihnen nicht ins Gedächtnis, sondern unmittelbar in das Innewerden und in den Willen ein und wird zu einer Sache des Lebens. Was aber diese Engel mit ihren Augen sehen, nehmen sie in ihr Ge­dächtnis auf und treten darüber in Erörterungen ein und sprechen miteinander. Daraus geht deutlich hervor, daß der Weg übers Gehör für sie der Weg der Weisheit ist. Auch das ist so aufgrund der Entsprechung, da das Ohr dem Gehor­sam entspricht, der Gehorsam aber eine Angelegenheit des Lebens ist. Demgegenüber entspricht das Auge der Einsicht, und diese bezieht sich auf die Lehre. Der Zustand dieser Engel wird hin und wieder auch im Wort beschrieben, etwa bei Jeremia:

„Ich werde mein Gesetz in ihr Gemüt legen und auf ihr Herz es schreiben, und es soll nicht mehr einer seinen Genossen lehren, noch jemand seinen Bruder, indem er spricht: «Erken­net den Jehovah!» Denn sie alle sollen mich erkennen, vom kleinsten bis zum größten derselben“ (31,33 f)

Und bei Matthäus heißt es:

Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom  Übel“ (5,37)

Was darüber ist, ist darum vom Übel, weil es nicht aus dem Herrn ist, denn die Wahrheiten der Engel des dritten Him­mels sind aus dem Herrn. Die Liebe zum Herrn besteht in diesem Himmel darin, daß man das göttliche Wahre will und tut, denn es ist der Herr im Himmel.

*272. Zu den bereits angeführten Ursachen, weshalb die Engel so große Weisheit aufzunehmen vermögen, kommt noch hinzu, was auch im Himmel die Hauptursache darstellt, daß sie nämlich ohne Selbstliebe sind. Denn je geringer je­mandes Eigenliebe ist, desto weiser kann er in göttlichen Dingen sein. Die Eigenliebe verschließt die inneren Bereiche gegen den Herrn und den Himmel, öffnet die äußeren Berei­che und kehrt diese sich selbst zu. Deshalb befinden sich auch alle, bei denen diese Liebe herrscht, in dichter Finster­nis inbezug auf alles Himmlische, wie sehr sie auch im Hellen bezüglich des Weltlichen sein mögen. Die Engel hingegen, frei von dieser Liebe, stehen im Licht der Weisheit, da die himmlischen Arten der Liebe, in denen sie sich befinden, das heißt die Liebe zum Herrn und zum Nächsten, die innerli­cheren Bereiche aufschließen. Denn diese Arten der Liebe stammen vom Herrn, und der Herr selbst ist in ihnen. (Daß diese Arten der Liebe den Himmel im allgemeinen ausma­chen und auch bei einem jeden im besonderen bilden, sehe man oben Nr. 13 19). Weil die himmlischen Arten der Liebe die innerlichen Bereiche gegen den Herrn hin öffnen, wen­den auch alle Engel ihr Antlitz dem Herrn zu (Nr. 142). In der geistigen Welt ist es nämlich die Liebe, die die inneren Berei­che eines jeden und damit auch dessen Angesicht sich zu­wendet, bildet doch das Angesicht dort eine Einheit mit allem Inneren, weil es dessen äußere Form ist. Weil die Liebe die inneren Bereiche und das Angesicht sich zukehrt, verbin­det sie sich auch mit ihnen, denn die Liebe ist eine geistige Verbindung, und darum teilt sie ihnen auch alle ihre Schätze mit. Durch diese Hinwendung und die daraus folgende Ver­bindung und Mitteilung besitzen die Engel Weisheit. (Daß alle Verbindung in der geistigen Welt sich gemäß der Zuwen­dung verhält, sieht man oben in Nr. 255).

*273. Die Engel wachsen zwar fortwährend in der Weis­heit, und doch erreicht diese in alle Ewigkeit nie den Grad, daß irgendein Vergleich zwischen ihr und der göttlichen Weisheit des Herrn möglich würde. Diese ist nämlich unend­lich und jene endlich. Zwischen dem Unendlichen und dem Endlichen aber gibt es keinen Vergleich.

*274. Weil die Weisheit die Engel vervollkommnet und ihr Leben ausmacht, und weil der Himmel bei einem jeden je nach seiner Weisheit einfließt, sehnen sich dort alle nach Weisheit und streben ihr nach. Ähnlich wie ein Mensch, der Hunger hat, nach Speise verlangt. Wissenschaft, Einsicht und Weisheit ist auch geistige Nahrung, so wie Speise eine natürliche Nahrung ist, und sie entsprechen einander auch gegenseitig.

*275. Die Engel eines Himmels und auch einer Gesell­schaft des Himmels befinden sich in unterschiedlicher Weis­heit. In der größten sind jene, die die Mitte einnehmen, in geringerer, die darum herum bis hin zu den Grenzen woh­nen. Die Abnahme der Weisheit je nach Entfernung von der Mitte gleicht der Minderung des Lichtes bis hin zum Schat­ten (vergl. oben Nr. 43 123). Ihr Licht besitzt daher densel­ben Grad wie ihre Weisheit, weil das himmlische Licht die göttliche Weisheit ist, und jeder Engel Licht besitzt je nach deren Aufnahme. (Über das Licht des Himmels und die un­terschiedliche Aufnahme desselben vergleiche man oben Nr. 126 132). 



Der Zustand der Unschuld bei den Engeln im Himmel.

*276. In der Welt wissen wenige, was Unschuld bedeutet und welcher Art sie ist. Am wenigsten wissen es die Bösen. Die Unschuld liegt zwar vor Augen, sie spricht aus dem Ange­sicht, aus der Rede und den Gebärden, namentlich bei Kindern, und dennoch weiß man nicht, worin sie eigentlich besteht, und noch weniger, daß sich in ihr der Himmel beim Menschen auswirkt. Diese Kenntnis zu verbreiten, will ich der Ordnung nach vorgehen und zuerst von der Unschuld der Kindheit sprechen, dann von der Unschuld der Weisheit und schließlich vom Zustand des Himmels hinsichtlich der Unschuld.

*277. Die Unschuld der Kindheit oder der Kinder ist nicht echt, da sie nur der äußeren, nicht aber der inneren Form nach Unschuld ist. Gleichwohl kann man daraus ler­nen, was Unschuld ist, leuchtet sie doch aus dem Antlitz der Kinder, aus einigen ihrer Gebärden und aus ihrer ersten Sprache. Sie rührt uns darum, weil die Kinder noch kein in­neres Denken haben, da sie ja noch nicht wissen, was gut und böse, und was wahr und falsch ist, woraus eben das Denken hervorgeht. Daher besitzen sie noch keine Klugheit aus dem Eigenen, keinen Vorsatz und keine Überlegung, folglich beabsichtigen sie nichts Böses. Sie haben kein aus der Selbst  und Weltliebe gebildetes Eigenes, schreiben sich selbst nichts zu, sondern verdanken alles ihren Eltern. Sie sind mit den wenigen und geringen Dingen, die ihnen ge­schenkt werden, zufrieden und freuen sich daran, machen sich keine Sorgen um Nahrung und Kleidung oder um die Zukunft. Sie sind nicht auf die Welt ausgerichtet und begeh­ren nicht viel von ihr. Sie lieben ihre Eltern, ihre Amme und ihre Altersgenossen, mit denen sie unschuldig spielen, las­sen sich leiten, sind aufmerksam und gehorchen. Weil sie sich in diesem Zustand befinden, nehmen sie alles ins Leben auf und haben daher, ohne zu wissen woher, anständige Sit­ten, erlernen die Sprache und beginnen ihr Gedächtnis und ihr Denken auszubilden. Bei der Aufnahme und Aneignung dient ihr Zustand der Unschuld als Mittel. Doch ist diese Un­schuld, wie gesagt, bloß äußerlich, nämlich eine Angelegen­heit des Körpers und nicht des Gemüts. Ihr Gemüt ist ja noch unausgebildet, denn es besteht aus Verstand und Wille und von daher aus Denken und Gefühl. Aus dem Himmel ist mir mitgeteilt worden, daß die Kinder vor allem unter der Obhut des Herrn stünden und einem Einfluß aus dem inner­sten Himmel ausgesetzt seien, wo ein Zustand der Unschuld herrscht. Der Einfluß aber gehe durch ihre inneren Bereiche hindurch, wobei diese durch die Unschuld angeregt würden, daher zeige sich die Unschuld im Antlitz und in einigen Ge­bärden. Sie aber sei es, wodurch die Eltern aufs innigste gerührt und ihre sogenannte Eltern  und Kindesliebe her­vorgerufen werde.

*278. Die Unschuld der Weisheit hingegen ist eine echte Unschuld, weil sie innerer Art ist. Sie liegt nämlich im Gemüt und folglich im Willen und daraus dann auch im Verstand. Und wenn darin Unschuld liegt, so ist sie auch Weisheit, denn die Weisheit gehört dem Gemüt und dem Willen an. Darum sagt man im Himmel, die Unschuld wohne in der Weisheit, und wieviel Weisheit ein Engel habe, soviel Un­schuld besitze er auch. Dies bestätigten die Engel: Wer sich in der Unschuld befindet, eignet sich nicht selbst Gutes zu, son­dern allein dem Herrn, dem er dafür dankt. Sie wollen auch von ihm, nicht von sich selbst geführt werden. Ja, sie lieben alles Gute und freuen sich an allem Wahren, weil sie wissen und empfinden, daß das Gute lieben und es daher auch wol­len und tun, den Herrn lieben heißt, und daß das Wahre lie­ben bedeutet, den Nächsten zu lieben. Ferner sind sie zufrie­den mit dem, was sie haben, es sei wenig oder viel, weil sie wissen, daß sie soviel empfangen, wie gut für sie ist — wenig, wenn ihnen wenig, viel, wenn ihnen viel bekömmlich ist. Nicht sie wissen, was ihnen gut tut, vielmehr allein der Herr, dessen Vorsehung bei allem das Ewige berücksichtigt. Darum machen sie sich auch keine Gedanken um die Zukunft, die sie als „Sorge für den morgigen Tag“ bezeichnen. Diese, so meinen sie, entspringe dem Kummer über Verlust oder Man­gel an Dingen, die für die Bedürfnisse des Lebens nicht wirk­lich nötig seien. Gegenüber ihren Gefährten handeln sie nie­mals aus böser Absicht, sondern stets aus Güte, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit. Aus böser Absicht handeln nennen sie Arglist, die sie fliehen wie das Gift von Schlangen, weil sie der Unschuld entgegengesetzt ist. Da ihnen nichts lieber ist als der Gedanke, vom Herrn geführt zu werden und sie ihm für alles danken, so sind sie weit von ihrem Eigenen entfernt, und soweit das der Fall ist, fließt der Herr bei ihnen ein. Daher kommt es, daß sie nichts von dem, was sie von ihm hören — es sei mittels des Wortes oder mittels der Predigt   im Gedächt­nis niederlegen, sondern alles sogleich befolgen, das heißt wollen und tun. Der Wille ist ihr eigenstes Gedächtnis. In der äußeren Gestalt erscheinen sie meistens einfältig, der inne­ren Gestalt nach sind sie weise und klug. Sie sind es, von denen der Herr spricht, wenn er sagt:

„Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ (Matth.10,16)

Solcher Art ist die Unschuld, die als Unschuld der Weis­heit bezeichnet wird. Da sie sich selbst nichts Gutes zu­schreibt, sondern alles dem Herrn zuerkennt, es folglich liebt, vom Herrn geführt zu werden, vermag sie dadurch alles Gute und Wahre aufzunehmen, aus denen alle Weisheit stammt. Der Mensch wurde darum so geschaffen, daß er als Kind in der Unschuld, wenn auch in einer äußeren lebt, später aber als Greis zur inneren Unschuld gelangt, damit er durch jene in diese und durch diese in jene gelange. Deshalb nimmt denn auch der Mensch, wenn er alt wird, inbezug auf seinen Körper ab und wird von neuem wie ein Kind, aber ein weises, d.h. ein Engel. Denn ein weises Kind ist im höchsten Sinne ein Engel. Von daher kommt es, daß im Wort unter „Kind“ der Unschuldige bezeichnet wird und unter „Greis“ der Weise, in dem Unschuld wohnt.

*279. Ähnliches geschieht bei einem jeden, der wiederge­boren wird. Die Wiedergeburt ist ein Neugeborenwerden des geistigen Menschen. Dieser wird zuerst in die Unschuld der Kindheit eingeführt, die darin besteht, daß er nichts Wahres weiß und nichts Gutes vermag aus sich selbst, sondern allein aus dem Herrn, und daß er deshalb nach diesem allein ver­langt und trachtet, weil es wahr und weil es gut ist. Mit fort­schreitendem Alter wird ihm auch Gutes und Wahres vom Herrn gegeben. Zuerst wird er in die Kenntnis darüber einge­führt, dann von der Kenntnis zur Einsicht und zuletzt von der Einsicht zur Weisheit — wobei er immer von der Unschuld be­gleitet wird, die, wie gesagt, darin besteht, daß er aus sich selbst nichts Wahres weiß und nichts Gutes vermag, sondern allein aus dem Herrn. Ohne diesen Glauben und die damit zusammenhängende innere Wahrnehmung, kann niemand etwas vom Himmel in sich aufnehmen. Die Unschuld der Weisheit besteht hauptsächlich darin.

*280. Unschuld ist also, sich vom Herrn führen zu lassen und nicht sich selbst führen. Darum sind im Himmel alle in Unschuld, denn sie lassen sich gern vom Herrn führen. Sie wissen nämlich, daß sich selbst führen bedeutet, vom Eige­nen geführt werden, und das besteht aus Selbstliebe. Wer aber sich selbst liebt, läßt sich nicht von einem anderen len­ken. Inwieweit daher ein Engel sich in der Unschuld befindet, insoweit ist er auch im Himmel, das heißt im Göttlich Guten und  Wahren, denn darin besteht der Himmel. Man unter­scheidet daher auch die Engel nach der Unschuld: Die Be­wohner des äußersten oder ersten Himmels besitzen die Un­schuld des ersten oder untersten Grades, die des mittleren oder zweiten Himmels die Unschuld des zweiten oder mittle­ren Grades, die Bewohner des innersten oder dritten Him­mels aber sind unschuldig im dritten oder innersten Grad. Sie sind daher die eigentlich Unschuldigen des Himmels, denn sie lassen sich lieber als alle anderen vom Herrn führen, wie Kinder von ihrem Vater. Deshalb nehmen sie auch das göttliche Wahre, das sie entweder unmittelbar vom Herrn oder mittelbar durch das Wort und durch die Predigten hören, direkt in den Willen auf, um es zu tun und so dem Leben einzuverleiben. Ihre Weisheit überragt darum bei wei­tem die der Engel der unteren Himmel (vergl. Nr. 270 f). In ihrer Beschaffenheit stehen diese Engel auch dem Herrn am nächsten, von dem sie die Unschuld empfangen. Sie sind auch von ihrem Eigenen getrennt, so daß sie gleichsam im Herrn leben. Äußerlich erscheinen sie als einfältig und vor den Augen der Engel der unteren Himmel als Kinder, also als klein und nicht sehr weise, obwohl sie doch die weisesten aller Engel des Himmels sind. Denn sie wissen, daß sie aus sich keine Weisheit besitzen und Weisheit darin besteht, daß man dies anerkennt und, was man weiß, für nichts hält im Vergleich zu dem, was man nicht weiß. Dies wissen, anerken­nen und innerlich wahrnehmen, nennen sie die erste Stufe der Weisheit. Diese Engel sind auch unbekleidet, weil die Nacktheit der Unschuld entspricht.

*281. Über die Unschuld habe ich viel mit den Engeln ge­sprochen und bin belehrt worden, daß sie das Wesen alles Guten darstellt. Das Gute ist daher nur insoweit gut und folg­lich die Weisheit nur soweit weise, als Unschuld in ihnen wohnt. Dasselbe gilt für die Liebe, die Nächstenliebe und den Glauben. Daher kann niemand in den Himmel gelan­gen, wenn er nicht unschuldig ist. Dies meint der Herr, wenn er sagt:

„Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich der Himmel. Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich der Himmel nicht aufnimmt wie ein Kind, der wird nicht darin eingehen“ (Matth.19,14; Mark.10,14f; Luk.19,16f)

Die kleinen Kinder bezeichnen hier, wie auch an ande­ren Stellen im Wort, die Unschuldigen. Der Zustand der Un­schuld wird auch vom Herrn bei Matth. 6, 25 34 beschrie­ben, jedoch in lauter Entsprechungen. Das Gute ist aber nur insoweit gut, als Unschuld in ihm wohnt, weil alles Gute vom Herrn stammt und die Unschuld darauf beruht, daß man vom Herrn geführt werden will. Ich bin auch unterrichtet worden, daß das Wahre mit dem Guten und das Gute mit dem Wahren durch nichts anderes verbunden werden kann als durch Unschuld. Daher kann kein Engel ein Engel des Himmels sein, wenn nicht Unschuld in ihm wohnt. Der Himmel ist nämlich in niemandem, ehe in ihm nicht Wahres mit Gutem verbunden ist. Daher wird auch die Verbindung des Wahren und Guten als himmlische Ehe bezeichnet, und diese ist der Himmel. Ich bin ferner unterrichtet worden, daß wahrhaft eheliche Liebe ihren Ursprung in der Un­schuld hat, nämlich in der Verbindung des Guten und Wah­ren, in der die Gemüter beider, des Mannes wie des Weibes, sich befinden. Diese Verbindung stellt sich beim Niederstei­gen in der Gestalt der ehelichen Liebe dar, denn die Gatten lieben einander so, wie sich ihre Gemüter lieben. In der ehe­lichen Liebe ist daher etwas Spielerisches, wie in der Kind­heit und Unschuld.

*282. Weil in der Unschuld das eigentliche Wesen des Guten bei den Engeln des Himmels besteht, so ist klar, daß das vom Herrn ausgehende Gute die Unschuld selbst ist, denn dieses Gute fließt bei den Engeln ein, regt ihr Innerstes an und macht es zur Aufnahme alles himmlisch Guten emp­fänglich und geschickt. Dasselbe geschieht bei den kleinen Kindern, deren innere Bereiche nicht allein durch das Hin­durchströmen der Unschuld aus dem Herrn gebildet, son­dern auch fortwährend zubereitet und empfänglich gemacht werden, um das Gute der himmlischen Liebe in sich aufzu­nehmen. Das Gute der Unschuld wirkt nämlich vom Inner­sten her, weil es, wie gesagt, das Sein alles Guten ist. Damit dürfte klar sein, daß alle Unschuld vom Herrn stammt, wes­halb er auch im Wort das „Lamm“ genannt wird, weil dieses die Unschuld bezeichnet. Weil die Unschuld das Innerste in allem Guten des Himmels ist, darum ergreift sie auch die Gemüter so sehr. Wer sie erfährt — und dies geschieht bei der Annäherung eines Engels des innersten Himmels —, scheint seiner selbst nicht mehr mächtig und wird von einer solchen Wonne überströmt und gleichsam fortgerissen, daß im Ver­gleich damit alle Lust der Welt nichtig erscheint. Dies sage ich aus eigener Erfahrung.

*283. Jeder, der sich im Guten der Unschuld befindet, wird auch durch die Unschuld angerührt, und zwar so weit, wie er sich diesem Guten geöffnet hat. Die anderen aber, wer­den auch nicht durch sie berührt, weshalb in der Hölle alle ganz und gar gegen die Unschuld sind. Sie wissen nicht ein­mal, was Unschuld ist, ja sie brennen desto stärker vor Be­gierde, jemandem Schaden zuzufügen, je unschuldiger die­ser ist. Daher können sie auch den Anblick von Kindern nicht ertragen, sondern fühlen das Bedürfnis grausamer Begierde, ihnen zu schaden, sobald sie diese erblicken. Daraus wird nun klar, daß das Eigene des Menschen und folglich auch die Selbstliebe im Gegensatz zur Unschuld steht, denn in den Höllen lieben alle das Eigene und daher sich selbst. 



Der Zustand des Friedens im Himmel.

*284. Wer den Frieden des Himmels nicht selbst erlebt hat, kann den Frieden nicht begreifen, in dem sich die Engel befinden. Solange der Mensch im Körper lebt, kann er diesen Frieden auch gar nicht in sich aufnehmen und verstehen, weil die Erkenntnis des Menschen dem Natürlichen verhaftet ist. Wer ihn begreifen will, muß so beschaffen sein, daß sein Denken erhoben und er vom Körper weggeführt, in den Geist versetzt werden und dann bei den Engeln sein kann. Da ich nun auf diese Weise den Frieden des Himmels empfunden habe, kann ich ihn auch beschreiben — freilich nicht so, wie er an sich ist, denn menschliche Worte reichen dazu nicht aus — , sondern nur durch den Vergleich mit der Seelenruhe derer, von denen es heißt, daß sie in Gott vergnügt seien.

*285. Es gibt zwei innerste himmlische Zustände, näm­lich die Unschuld und den Frieden. Sie werden deshalb als die innersten bezeichnet, weil sie unmittelbar aus dem Herrn entspringen. Aus der Unschuld stammt alles Gute des Him­mels und aus dem Frieden alles Angenehme des Guten. Jedem Guten eignet sein Angenehmes. Beides, das Gute ebenso wie das Angenehme gehört der Liebe an, denn was man liebt, nennt man gut und empfindet man auch als ange­nehm. Daraus folgt, daß diese beiden innersten Zustände, Unschuld und Frieden, aus der göttlichen Liebe des Herrn hervorgehen und die Engel vom Innersten heraus anregen. Die Unschuld ist aber, wie im vorausgehenden Abschnitt dar­gelegt wurde, das Innerste des Guten. Nun soll erklärt wer­den, daß der Friede das Innerste des Angenehmen aus dem Guten der Unschuld ist.

*286. Zuerst soll jedoch der Ursprung des Friedens aufge­zeigt werden: Der göttliche Friede ist im Herrn und entsteht aus der Vereinigung des Göttlichen selbst und des Göttlich­-Menschlichen in ihm. Das Göttliche des Friedens im Himmel stammt vom Herrn und entsteht aus seiner Verbindung mit den Engeln des Himmels, insbesondere aber aus der Verbin­dung des Guten und Wahren vom Herrn bei einem jeden Engel. Dies sind die Ursprünge des Friedens. Damit ist klar, daß der Friede in den Himmeln das Göttliche ist, das dort alles Gute vom Innersten aus mit Seligkeit überströmt, aus dem also alle Himmelsfreude stammt. Es ist seinem Wesen nach die göttliche Freude der göttlichen Liebe des Herrn, wie sie aus seiner Verbindung mit dem Himmel und jedem ein­zelnen Himmelsbewohner hervorgeht. Diese Freude, die vom Herrn in den Engeln, von den Engeln aber vom Herrn her empfunden wird, ist der Friede. Daraus leitet sich alle Se­ligkeit, alles Angenehme und alles Glück der Engel ab, das man als himmlische Freude bezeichnet.

*287. Der Herr heißt der „Fürst des Friedens“, weil dies die Quellen des Friedens sind, und sagt, daß Friede von ihm aus­gehe und Friede in ihm sei. Darum heißen auch die Engel „Friedensengel“ und wird der Himmel als Wohnung des Frie­dens bezeichnet. Man vergleiche folgende Stellen:

„Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, der auf seiner Schulter das Fürstentum hat; und sein Name wird ge­nannt: Wunderbar, Rat, Gott, Held, Vater der Ewigkeit, des Friedens Fürst, der da mehret die Herrschaft, und des Friedens kein Ende ist.“ (Jes.9,5f)

„Jesus sprach: «Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch, nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch.“ (Joh.14,27)

„Solches habe ich zu euch geredet, auf daß ihr in mir Frieden habet.“(Joh.16,33)

„Jehovah wird sein Angesicht zu dir erheben und dir Frieden geben“ (4.Mose.6,26)

„Die Friedensengel weinen bitterlich, verwüstet sind die Pfade“ (Jes.33,7f)

„Das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein..., und mein Volk wird an Wohnorten des Friedens und in sicheren Wohnungen und sorglosen Ruhestätten wohnen“ (Jes.32,17f)

Auch aus anderen Stellen wird deutlich, daß im Wort der Friede den göttlichen und himmlischen Frieden meint, bei­spielsweise Jes.52,7; 54,10; 59,8; Jer.16,5; 25,37; 29,11; Hag. 2,9; Sach.8,12; Psalm 37,37 u.a.m. Weil der Friede den Herrn und den Himmel, wie auch die himmlische Freude und das Angenehme des Guten bezeichnet, so begrüßte man sich im Altertum mit den auch jetzt noch gültigen Worten: „Friede sei mit euch!“ Dies bestätigte auch der Herr, als er die Jünger mit den Worten aussandte:

„Wenn ihr in ein Haus tretet, so sprechet zuerst: «Friede sei die­sem Hause!» Und wenn darin ein Sohn des Friedens ist, so wird auf ihm euer Friede ruhen.“ (Luk.10,5 f)

Auch der Herr selbst sagte, als er den Aposteln erschien:

„Friede sei mit euch !“ (Joh.20,19.21.26)

Dieser Friedenszustand ist auch der Sinn der Worte, Je­hovah habe den „Geruch der Ruhe gerochen“ wie es 2.Mose.29,18.25.41; 3.Mose.1,9.13.17; 2,2.9; 6,8.14; 23,12f. 18; 4.Mose.15,3.7.13; 28,6.8.13; 29,2.6.8.13.36 heißt. Der „Ge­ruch der Ruhe“ bezeichnet im himmlischen Sinne die Emp­findung des Friedens. Weil unter dem Frieden die Vereini­gung des Göttlichen selbst mit dem Göttlich Menschlichen im Herrn zu verstehen ist, ebenso auch die Verbindung des Herrn mit dem Himmel unter der Kirche sowie mit allen Himmelsbewohnern und Gliedern der Kirche, die ihn auf­nehmen, darum wurde zur Erinnerung an diese Dinge der Sabbat eingesetzt und nach der Ruhe bzw. dem Frieden be­nannt. Der Sabbat aber war die heiligste Vorbildung der Kir­che, weshalb sich auch der Herr selbst den „Herrn des Sab­bats“ nannte (Matth.12,8; Mark.2,27f; Luk.6,5).

*288. Weil der himmlische Friede das Göttliche ist, das Gute bei den Engeln vom Innersten aus mit Seligkeit über­strömt, so kommt er ihnen nur durch die Freudigkeit des Herzens deutlich zu Bewußtsein. Er wird ihnen bewußt durch die Wonne, mit der sie das mit ihrem Guten überein­stimmende Wahre hören und durch die Heiterkeit des Gemüts, wenn sie deren Verbindung empfinden. Von da aus strömt der himmlische Friede in alle Handlungen und Ge­danken ihres Lebens ein und zeigt sich hier, auch in der äußeren Erscheinung, als Freude. Dieser Friede ist aber in seiner Art und seinem Umfang in den Himmeln verschieden, und zwar je nach der Unschuld ihrer Bewohner; denn Un­schuld und Friede halten gleichen Schritt. Oben wurde ge­zeigt, daß aus der Unschuld alles Gute des Himmels und aus dem Frieden alles Angenehme dieses Guten hervorgeht. Damit dürfte klar sein, daß sich vom Zustand des Friedens Ähnliches sagen läßt, wie vom Zustand der Unschuld in den Himmeln; denn Unschuld und Friede sind miteinander ver­bunden wie das Gute und das ihm zugehörige Angenehme, wird doch das Gute durch sein Angenehmes empfunden und das Angenehme an seinem Guten erkannt. Damit ist offen­bar, daß die Engel des innersten oder dritten Himmel, sich im dritten oder innersten Grade des Friedens befinden, da sie im dritten oder innersten Grade der Unschuld stehen, während sich die Engel der unteren Himmel, da sie in geringerem Grade Unschuld haben, auch in einem geringeren Grade des Friedens befinden (man sehe oben Nr. 280). Daß Unschuld und Friede ebenso Hand in Hand gehen, wie das Gute und sein Angenehmes, kann man bei den kleinen Kindern sehen, sind sie doch durch ihre Unschuld so auch im Frieden. Darum ist bei ihnen auch alles spielerisch. Doch ist der Friede der Kinder äußerlicher Art; der innere Friede findet sich, wie die innere Unschuld, nur in der Weisheit, und so auch in der Verbindung des Guten und Wahren, aus der die Weisheit entsteht. Auch bei den Menschen, die infolge der Verbindung des Guten und Wahren weise sind und sich daher in Gott zufrieden fühlen, gibt es einen himmlischen oder engelhaften Frieden. Dieser liegt freilich, solange sie in der Welt leben, in ihrem Inneren verborgen, wird jedoch ent­hüllt, sobald sie den Körper verlassen und in den Himmel eingehen, weil dann ihr Inneres aufgeschlossen wird.

*289. Es wurde gesagt, daß der göttliche Friede aus der Ver­bindung des Herrn mit dem Himmel und bei jedem einzelnen Engel aus der Verbindung des Guten und Wahren entsteht. Sind die Engel im Zustand der Liebe, sind sie daher auch im Zustand des Friedens, weil dann bei ihnen das Gute mit dem Wahren verbunden wird. Die Zustände der Engel aber unter­liegen einem Wechsel, wie man oben (Nr. 154 160) nachlesen kann. Das gleiche gilt auch für den Menschen, der wiederge­boren wird. Kommt bei ihm die Verbindung des Guten und Wahren zustande, was besonders nach den Versuchungen der Fall ist, so gelangt er in den Zustand des Angenehmen aus dem himmlischen Frieden. Dieser Friede läßt sich mit dem Mor­gen oder der Morgenröte zur Frühlingszeitvergleichen. Sobald die Nacht vergangen ist, belebt sich von Sonnenaufgang an alles auf Erden von neuem, und mit dem Tau, der vom Himmel herabfällt, verbreitet sich der Duft der Pflanzen. Die Frühlings­wärme verleiht dem Boden Fruchtbarkeit und füllt auch die menschlichen Gemüter mit Wonne. Dies geschieht, weil der Morgen oder die Morgenröte zur Frühlingszeit dem Zustand der Engel im Himmel entspricht (man vergl. Nr. 155).

*290. Ich habe mich auch mit den Engeln über den Frie­den unterhalten, wobei ich sagte, in der Welt spreche man vom Frieden, wenn die Kriege und Feindseligkeiten zwischen den Staaten oder die Feindschaften und Uneinigkeiten zwi­schen den Menschen aufhörten. Man glaube auch, innerer Friede sei jene Seelenruhe, welche eintritt, wenn die Sorgen entfielen, und vor allem bestehe er im Gefühl von Ruhe und Lust, die sich nach einem Erfolg einstellen. Die Engel erwi­derten jedoch, diese Seelenruhe, Ruhe und Lustgefühle durch die Enthebung von Sorgen und durch Erfolg in den eigenen Geschäften schienen zwar etwas mit dem Frieden zu tun zu haben, aber sicher nur bei den Menschen, die im himmli­schen Guten wären, weil der Friede nur in diesem Guten über­haupt möglich sei. Der Friede aus dem Herrn fließe in ihr In­nerstes ein, steige von dort herab und ergieße sich in ihre un­teren Seelenbereiche, wo er Gemütsruhe, Seelenfrieden und damit Freude hervorbringe. Bei den Bösen aber gebe es kei­nen Frieden. Wenn es ihnen nach Wunsch laufe, so schie­nen sie zwar in Ruhe, Stille und Lust zu sein, doch handle es sich dabei um etwas Äußerliches, da inwendig in ihnen wei­terhin Feindschaft, Haß, Rachsucht, Grausamkeit und andere böse Begierden glömmen, die auch ihr Gemüt überströmten, sobald sie nur jemand erblickten, der ihnen nicht gewogen sei, und die zum Ausbruch kämen, wenn Furcht sie nicht zü­gelte. Ihre Lust liege in unsinniger Leidenschaft, die Lust derer hingegen, die gut sind, in der Weisheit. Der Unterschied sei derselbe wie zwischen Hölle und Himmel. 



Die Verbindung des Himmels mit dem menschlichen Geschlecht.

*291. Es ist in der Kirche wohl bekannt, daß alles Gute von Gott und nicht vom Menschen stammt und sich daher nie­mand irgendetwas Gutes selbst zuschreiben darf. Bekannt ist auch, daß das Böse vom Teufel stammt. Diejenigen, die sich in Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche ausdrücken, pflegen daher von Menschen, die gut handeln oder auch fromm reden und predigen, zu sagen, sie seien von Gott ge­führt worden. Das Gegenteil behaupten sie aber von denen, die böse handeln und gottlos reden. Dies wäre gar nicht mög­lich, wenn der Mensch keine Verbindung zum Himmel und zur Hölle hätte, und wenn diese Verbindung nicht mit sei­nem Willen und mit seinem Verstand bestünde; denn aus Wille und Verstand handelt der Körper und redet sein Mund. Welche Bewandtnis es mit dieser Verbindung hat, soll nun gesagt werden.

*292. Bei jedem Menschen sind gute und böse Geister zu­gegen. Durch die guten hat er Verbindung mit dem Himmel und durch die bösen mit der Hölle. Diese Geister befinden sich in der Geisterwelt, die die Mitte zwischen Himmel und Hölle einnimmt, und von der weiter unten im einzelnen ge­handelt werden wird. Wenn diese Geister zu einem Men­schen kommen, so treten sie in alle Einzelheiten seines Ge­dächtnisses und von da aus in sein ganzes Denken ein, die bösen Geister in das, was in seinem Gedächtnis und Denken böse ist, die guten Geister hingegen in das, was darin gut ist. Es ist den Geistern ganz und gar nicht bewußt, daß sie beim Menschen sind, vielmehr halten sie, wenn sie bei ihm sind, sein ganzes Gedächtnis und sein ganzes Denken für ihr eigenes. Sie sehen auch den Menschen nicht, weil die Dinge un­serer Sonnenwelt ihrem Auge unsichtbar sind. Der Herr trifft auch alle Anstalten, damit die Geister nicht wissen, daß sie sich beim Menschen aufhalten, denn wenn sie es wüßten, so sprächen sie mit ihm, und die bösen unter ihnen würden den Menschen ins Verderben stürzen. Da sie mit der Hölle verbunden sind, so wünschen sie nichts sehnlicher, als den Menschen zu verderben, und zwar nicht nur seine Seele, das heißt seinen Glauben und seine Liebe, sondern sogar seinen Körper. Anders, wenn sie nicht mit dem Menschen reden, denn dann ist ihnen auch nicht bewußt, daß das, was sie denken und untereinander besprechen, von ihm stammt. Denn auch unter sich reden sie aus dem Menschen, glauben aber, es handle sich dabei um ihr Eigenes, und ein jeder hält dies bekanntlich lieb und wert. So werden die Geister ange­halten, den Menschen zu lieben und zu schätzen, wenn­gleich sie es gar nicht wissen. Diese Verbindung der Geister mit dem Menschen habe ich aufgrund langjähriger unausge­setzter Erfahrungen so deutlich erkennen können, daß es für mich nichts Gewisseres gibt.

*293. Dem Menschen sind aber deshalb auch böse Gei­ster beigesellt, die mit der Hölle in Gemeinschaft stehen, weil er in Böses aller Art hineingeboren wird und daher sein erstes Leben nur daraus besteht. Wären ihm daher nicht Geister beigesellt, die ihm gleichen, der Mensch könnte nicht leben und auch nicht von seinem Bösen abgewendet und gebessert werden. Er wird daher einerseits durch böse Geister in sei­nem eigenen Leben erhalten, andererseits aber durch gute Geister davon abgehalten. Durch beide Arten von Geistern befindet er sich auch im Gleichgewicht und durch das Gleichgewicht in seiner Freiheit. So kann er vom Bösen abge­halten und zum Guten gelenkt und ihm auch Gutes einge­pflanzt werden. Dies wäre ohne Freiheit vollkommen un­möglich, und Freiheit kann dem Menschen nur gegeben wer­den, wenn Geister aus der Hölle auf der einen und Geister aus dem Himmel auf der anderen Seite wirken, wobei der Mensch selbst in der Mitte steht. Es wurde auch gezeigt, daß der aus seinem Erbgut, folglich aus sich lebende Mensch kei­nerlei Leben besäße, wenn es ihm nicht gestattet wäre, böse zu sein und wenn er sich nicht in Freiheit befände. Ferner wurde gezeigt, daß der Mensch nicht zum Guten gezwungen werden kann, und etwas Erzwungenes nicht haftet, während das Gute, das der Mensch in der Freiheit annimmt, seinem Willen eingepflanzt und gleichsam zu seinem Eigenen wird. Dies sind die Gründe, weshalb der Mensch Verbin­dung mit der Hölle und mit dem Himmel hat.

*294. Im Folgenden soll nun erklärt werden, welcher Art die Verbindung des Himmels mit den guten Geistern und der Hölle mit den bösen Geistern ist und wie sich infolgedessen die Verbindung des Himmels und der Hölle mit dem Men­schen gestaltet. Alle Geister in der Geisterwelt haben entwe­der Verbindung mit dem Himmel oder mit der Hölle, die bösen mit der Hölle, die guten mit dem Himmel. Der Himmel ist in Gesellschaften unterteilt, ebenso die Hölle. Jeder ein­zelne Geist gehört zu einer Gesellschaft, durch deren Einfluß er auch besteht und mit der er folglich auch als eins zusam­menwirkt. Indem er mit Geistern verbunden ist, ist der Mensch auch mit dem Himmel oder mit der Hölle verbun­den, und zwar durch die Gesellschaft, zu der er seiner Nei­gung oder Liebe nach gehört. Alle Gesellschaften des Him­mels sind nach ihren Neigungen zum Guten und Wahren ab­geteilt, alle Gesellschaften der Hölle nach ihren Neigungen zum Bösen und Falschen. Über die Gesellschaften des Him­mels vergleiche man oben Nr. 41 45, ferner Nr. 148 151.

*295. Die Geister, die dem Menschen beigegeben sind, gleichen hinsichtlich Neigung oder Liebe ihm selbst, doch werden ihm die guten Geister vom Herrn zugeteilt, während er die bösen Geister selbst herbeizieht. Die Geister beim Menschen wechseln aber je nach den Veränderungen seiner Neigungen. Daher hat er in der Kindheit, im Knaben , Jüng­lings , Mannes  und Greisenalter jeweils andere Geister bei sich: In seiner Kindheit unschuldige Geister, die also mit dem Himmel der Unschuld, dem innersten oder dritten Himmel, in Verbindung stehen; in seinem Knabenalter Geister, bei denen die Neigung zum Wissen herrscht, ihn also mit dem äußersten oder ersten Himmel in Verbindung bringen; in sei­nem Jünglings  oder Mannesalter Geister, die im Gefühl für das Wahre und Gute, also in der Einsicht sind und somit dem zweiten oder mittleren Himmel verbunden sind. Im Greisen­alter handelt es sich schließlich um solche Geister, die sich zugleich in der Weisheit und Unschuld befinden, folglich mit dem innersten oder dritten Himmel in Verbindung stehen. Aber diese Beigesellung wird durch den Herrn nur bei denen bewirkt, die gebessert oder wiedergeboren werden können. Bei denen, die nicht gebessert oder wiedergeboren werden können, liegt die Sache anders: Auch ihnen sind zwar gute Geister beigegeben, um sie so weit als möglich vom Bösen abzuhalten, ihre unmittelbare Verbindung besteht aber mit bösen Geistern, die Gemeinschaft mit der Hölle haben. Bei solchen Menschen sind daher ebenfalls Geister, die ihnen selbst gleichen: Ob sie sich nun in der Eigenliebe befinden, gewinn  oder rachsüchtig sind, oder ob sie den Ehebruch lie­ben, gleichgeartete Geister sind bei ihnen und wohnen gleichsam in ihren bösen Neigungen. Der Mensch wird durch sie noch angefeuert — sofern er nicht durch gute Geister vom Bösen abgehalten werden kann —, und im gleichen Maße, wie er von einer bösen Neigung beherrscht wird, hängen sie sich an ihn und weichen nicht. Auf diese Weise ist der böse Mensch mit der Hölle verbunden, der gute aber mit dem Himmel.

*296. Der Mensch wird deshalb vom Herrn durch Geister geleitet, weil er sich nicht in der Ordnung des Himmels befin­det, wird er doch in höllisches Böses hineingeboren, das der göttlichen Ordnung ganz und gar entgegengesetzt ist. Er muß daher in die Ordnung zurückgeführt werden, und dies kann nur mittelbar durch Geister geschehen. Ganz anders wäre es, wenn der Mensch in das Gute hineingeboren würde, das der Ordnung des Himmels gemäß ist. Dann würde er vom Herrn nicht durch Geister, sondern mittels der Ordnung selbst re­giert werden, somit durch den allgemeinen Einfluß. Dieser Einfluß lenkt beim Menschen alles, was aus seinem Denken und Wollen ins Tun übergeht, somit sein Reden und Han­deln, da dieses wie jenes sich der natürlichen Ordnung gemäß vollzieht. Mit ihnen haben daher die dem Menschen beigegebenen Geister nichts gemein. Auch die Tiere werden durch den allgemeinen Einfluß aus der geistigen Welt regiert, weil sie sich in ihrer Lebensordnung befinden, die sie auch nicht verkehren und zerstören können, da sie keine Vernunft besitzen. Worin der Unterschied zwischen Mensch und Tier liegt, sehe man oben Nr. 39.

*297. Was die Verbindung des Himmels mit dem mensch­lichen Geschlecht betrifft, so muß man auch noch folgendes wissen: Der Herr selbst fließt bei einem jeden Menschen gemäß der Ordnung des Himmels ein, und zwar sowohl in sein Innerstes als auch in sein Äußerstes, um ihn zur Auf­nahme des Himmels empfänglich zu machen. Er regiert das Äußerste des Menschen aus dessen Innerstem, zugleich aber auch das Innerste aus seinem Äußersten heraus. Auf diese Weise erhält er alles und jedes beim Menschen im Zusam­menhang. Dies wird der unmittelbare Einfluß des Herrn genannt, während der durch Geister ausgeübte als mittelbarer Einfluß bezeichnet wird und durch den ersteren besteht. Der unmittelbare Einfluß, der des Herrn selbst, geht aus seinem Göttlich Menschlichen hervor und ergießt sich in den Willen und von da aus in den Verstand, somit in das Gute und von da aus in das Wahre des Menschen oder, was auf dasselbe hinausläuft, in seine Liebe und von da aus in seinen Glauben, nicht aber umgekehrt, geschweige denn in den Glauben ohne Liebe, in das Wahre ohne Gutes oder in eine Einsicht, die nicht dem Willen entstammt. Dieser göttliche Einfluß fin­det immerwährend statt und wird von den Guten im Guten aufgenommen, nicht aber von den Bösen. Diese stoßen ihn entweder zurück oder ersticken und verkehren ihn, weshalb ihr Leben böse und im geistigen Sinne Tod ist.

*298. Die Geister, die sich beim Menschen aufhalten, ob sie nun mit dem Himmel oder mit der Hölle verbunden sind, verbinden sich niemals aus ihrem eigenen Gedächtnis und ihrem daraus resultierenden Denken mit ihm. Würden sie es nämlich aus ihrem Denken tun, so würde der Mensch das ihnen Angehörende für sein Eigenes halten (vergl. oben Nr. 256). Und dennoch fließt durch sie aus dem Himmel eine Neigung ein, die der Liebe zum Guten und Wahren angehört, aus der Hölle aber eine Neigung, die der Liebe zum Bösen und Falschen entspringt. Soweit daher die Neigung des Men­schen mit der bei ihm einfließenden übereinstimmt, wird sie von ihm in sein Denken aufgenommen. Denn das innere Denken des Menschen vollzieht sich gemäß seiner Neigung oder Liebe. Stimmt sie aber nicht überein, wird sie auch nicht aufgenommen. Damit ist klar, daß dem Menschen Freiheit und Wahl bleiben, weil ihm durch die Geister nicht das Den­ken, sondern nur die Neigung zum Guten oder zum Bösen eingeflößt wird. Er kann also mit seinem Denken das Gute aufnehmen und das Böse verwerfen; denn aus dem Wort weiß der Mensch, was gut und was böse ist. Es wird ihm auch nur angeeignet, was er mit dem Denken aus Neigung auf­nimmt, das andere nicht. Hieraus wird deutlich, wie der Ein­fluß des Guten aus dem Himmel und des Bösen aus der Hölle beim Menschen beschaffen ist.

*299. Ich durfte auch erkennen, wie beim Menschen die Angst, der Kummer und jene innere Traurigkeit, Schwermut genannt, entsteht. Es gibt Geister, die noch nicht fest mit der Hölle verbunden sind, weil sie sich noch in ihrem ersten Zu­stand befinden, von dem weiter unten im Zusammenhang mit der Geisterwelt die Rede sein wird. Sie lieben Unverdau­tes und Bösartiges, wie die in Zersetzung übergehenden Speisen im Magen. Weil diese ihnen angenehm sind, halten sie sich beim Menschen dort auf, wo sie dergleichen finden und unterhalten sich dort aus ihren bösen Neigungen her­aus. Die Stimmung ihrer Rede aber fließt von daher beim Menschen ein, und wenn sie ihm zuwider ist, verursacht sie dem Menschen Traurigkeit und melancholische Beängsti­gung, sagt sie ihm aber zu, so wird er fröhlich und heiter. Diese Geister erscheinen neben dem Magen, einige auf der linken, andere auf der rechten Seite, einige unterhalb, an­dere oberhalb, einige näher, andere weiter entfernt, mithin in verschiedener Lage, je nach ihren Neigungen. Aufgrund vieler Erfahrungen durfte ich wissen und erproben, daß hier tatsächlich die Ursache für die Beängstigung des Gemüts liegt. Ich habe diese Geister gesehen, auch gehört, die von ihnen verursachten Beängstigungen empfunden und mit ihnen gesprochen. Wurden sie hinweggejagt, hörte die Bang­igkeit auf, kehrten sie zurück, so war sie wieder da. Auch empfand ich Zunahme und Abnahme von Bangigkeit, je nach ihrer Annäherung und Entfernung. Daraus wurde mir auch klar, weshalb manche Leute — gewissenlos, und nicht einmal ahnend, was das Gewissen ist — Gewissensbisse dem Magen zuschreiben.

*300. Die Verbindung des Himmels mit dem Menschen gleicht nicht der zwischen zwei Menschen, sondern sie ist eine Verbindung mit dem Inwendigen, dem Bereich des menschlichen Gemüts, das heißt seinem geistigen oder inne­ren Menschen. Die Verbindung mit seinem natürlichen oder äußeren Menschen aber erfolgt durch die Entsprechungen. Davon wird im folgenden Abschnitt die Rede sein, in dem es um die Verbindung des Himmels mit dem Menschen durch das Wort geht.

*301. Im folgenden Abschnitt wird auch das Wesen der wechselseitigen Verbindung des Himmels mit dem menschli­chen Geschlecht aufgezeigt und daß eines durch das andere besteht.

*302. Ich habe mit den Engeln über die Verbindung des Himmels mit dem menschlichen Geschlecht gesprochen und ich sagte dabei folgendes: Die Angehörigen der Kirche er­klären zwar, alles Gute stamme von Gott, und Engel hielten sich beim Menschen auf; wenige Menschen glauben jedoch daran, daß die Engel tatsächlich mit dem Menschen verbun­den seien, und noch weniger, daß sie in seinem Denken und in seiner Neigung wohnten. Darauf entgegneten die Engel, sie wüßten wohl, daß ein solcher Glaube und eine im Gegensatz dazu stehende Art zu reden in der Welt bestünde, und zwar, wie sie verwundert feststellten, besonders in der Kirche, die doch das Wort habe. Dieses belehre sie ja eigentlich über den Himmel und seine Verbindung mit dem Menschen, von der sein geistiges Leben abhänge und die von der Art sei, daß der Mensch ohne die ihm beigegebenen Geister nicht das gering­ste denken könne. Die Unwissenheit auf diesem Gebiet, so sagten die Engel, beruhe darauf, daß der Mensch glaube, er lebe aus sich, ohne Zusammenhang mit dem Ursprung des Lebens. Er wisse nicht, daß dieser Zusammenhang durch die Himmel vermittelt wird, obwohl er doch bei Auflösung dieses Zusammenhangs tot umfiele. Glaubte der Mensch so, wie es sich wirklich verhält, nämlich daß alles Gute vom Herrn und alles Böse aus der Hölle stammt, so würde er das Gute, das sich bei ihm findet, nicht für sein eigenes Verdienst halten. Dann würde ihm auch das Böse nicht zugerechnet werden, denn bei allem Guten, das er denkt und tut, würde er bei einer solchen Einstellung auf den Herrn blicken und alles einfließende Böse in die Hölle, aus der es stammt, zurückweisen. Weil aber der Mensch nicht an einen Einfluß aus dem Himmel und aus der Hölle glaubt und daher meint, was er denke und wolle, sei samt und sonders in ihm und folglich auch aus ihm, darum eignet er sich das Böse an und verunreinigt das einfließende Gute mit dem Gedanken des Verdienstes. 



Die Verbindung des Himmels mit dem Menschen durch das Wort.

*303. Wer aus einer inneren Vernunft heraus denkt, kann erkennen, daß alle Dinge durch Verbindungsglieder unter­einander und mit dem Ursprung zusammenhängen und alles, was nicht im Zusammenhang steht, vergeht. Denn wer darüber nachdenkt, weiß, daß nichts aus sich selbst bestehen kann, sondern nur aus etwas, das ihm vorhergeht, folglich alles aus einem Ersten. Er weiß ferner, daß der Zusammen­hang der Dinge mit den vorhergehenden der gleiche ist wie der zwischen Wirkung und Ursache. Wird diese von ihrer Wirkung abgezogen, so löst sich die Wirkung auf und vergeht. Weil die Gelehrten so dachten, erkannten und erklärten sie, daß das Bestehen ein fortwährendes Entstehen sei. Folglich bestehe alles durch das erste, weil es aus ihm entstanden sei und auch fortwährend entstehe. Das Wesen dieses Zusam­menhanges eines jeden Dinges mit dem ihm Vorhergehen­den, also mit dem ersten, aus dem alles stammt, läßt sich der Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit wegen nicht in kürze, sondern nur im allgemeinen beschreiben. Es besteht näm­lich ein Zusammenhang der natürlichen mit der geistigen Welt und infolgedessen eine Entsprechung aller Dinge der natürlichen Welt mit allen Dingen der geistigen Welt. Über diese Entsprechung vergleiche man oben Nr. 103 115. Ferner läßt sich sagen, daß eine Verbindung aller Teile des Men­schen mit allen Teilen des Himmels besteht (auch darüber vergl. oben Nr. 87 102).

*304. Der Mensch ist so geschaffen, daß er in Verbindung und Zusammenhang mit dem Herrn steht, mit den Engeln des Himmels jedoch nur Gemeinschaft hat. Der Mensch lebt mit den Engeln nicht in Verbindung, sondern nur in Gemein­schaft, weil er von der Schöpfung her dem Engel hinsichtlich der mehr im Inneren liegenden Bereiche seines Gemüts ähn­lich ist, hat er doch einen Willen ähnlich dem des Engels und auch einen ähnlichen Verstand. Daher wird der Mensch, so­fern er nach der göttlichen Ordnung gelebt hat, nach seinem Hinschied ein Engel und verfügt dann über eine engelgleiche Weisheit. Wenn also von einer Verbindung des Menschen mit dem Himmel die Rede ist, so wird darunter seine Verbindung mit dem Herrn und seine Gemeinschaft mit den Engeln ver­standen, denn der Himmel ist nicht durch das Eigene der Engel zum Himmel geworden, sondern durch das Göttliche des Herrn (dazu vergleiche man oben Nr. 7 12). Der Mensch hat aber obendrein auch noch etwas, das die Engel nicht haben, nämlich er lebt nicht nur seinem Inneren nach in der geistigen Welt, sondern zugleich auch seinem Äußeren nach in der natürlichen. Sein der natürlichen Welt angehörendes Äußere umfaßt alles, was zum Gebiet seines natürlichen oder äußeren Gedächtnisses gehört und daraus in seinem Denken und in seiner Einbildungskraft besteht. Dazu gehören im all­gemeinen die Erkenntnisse und Wissenschaften mit ihren An­nehmlichkeiten, soweit sie ihren Geschmack der Welt entleh­nen, wie auch eine Reihe von körperlichen Vergnügungen, ja die Sinne selbst, aber auch Sprache und Taten. Alles dies bil­det das Letzte, in dem der göttliche Einfluß des Herrn endet, denn dieser bleibt niemals in der Mitte stehen, sondern dringt bis zu seinem Letzten vor. Aus allem geht hervor, daß im Men­schen das Letzte der göttlichen Ordnung liegt, und daß er des­halb auch die Stütze und Grundlage darstellt. Weil der göttli­che Einfluß des Herrn nicht in der Mitte stehenbleibt, son­dern, wie gesagt, bis zu seinem Letzten vordringt und die Mitte, durch die er hindurchgeht, der Engelshimmel ist, während sich das Letzte beim Menschen findet und es also nichts Unverbundenes gibt, darum ist die Verbindung und der Zusammenhang des Himmels mit dem menschlichen Ge­schlecht so beschaffen, daß das eine durch das andere be­steht. Das menschliche Geschlecht gliche ohne den Himmel einer Kette ohne Haken, der Himmel aber ohne das mensch­liche Geschlecht einem Hause ohne Grundlage.

*305. Der Mensch hat aber, von Selbst  und Weltliebe ge­trieben, diese Verbindung mit dem Himmel zerrissen und sein Inneres vom Himmel abgewendet und der Welt und sich selbst zuge­kehrt. Er hat sich somit unten weggezogen und diente nun dem Himmel nicht mehr als Stütze und Grundlage. Darum hat der Herr ein Mittel vorgesehen, das dem Himmel die Stelle der Stütze und Grundlage ersetzen und auch zur Ver­bindung des Himmels mit dem Menschen dienen konnte. Dieses Mittel ist das Wort. In den „Himmlischen Geheimnis­sen“ ist im einzelnen nachgewiesen worden, wie das Wort als solches Mittel dienen konnte. All das ist auch zusammenge­faßt worden in der kleinen Schrift „Vom Weißen Pferd in der Offenbarung“. Man findet es auch im Anhang zu dem Werk „Vom Neuen Jerusalem und seiner himmlischen Lehre“, eini­ges ferner in den Anmerkungen am Ende des vorliegenden Buches.

*306. Aus dem Himmel bin ich unterrichtet worden, daß die Urmenschen über eine unmittelbare Offenbarung ver­fügten, weil ihr Inneres dem Himmel zugewandt war und in­folgedessen damals eine Verbindung des Herrn mit dem menschlichen Geschlecht bestand. In den folgenden Zeiten aber gab es keine solche unmittelbare Offenbarung mehr, sondern nur noch eine mittelbare durch Entsprechungen. Der ganze Gottesdienst bestand damals aus Entsprechun­gen, weshalb die Kirchen dieser Zeit vorbildende Kirchen ge­nannt werden. Denn damals wußte man noch, was Entspre­chung und was Vorbildung ist, und daß alles auf Erden den geistigen Dingen im Himmel und in der Kirche entspricht bzw. — was dasselbe ist — diese Dinge vorbildet. Daher dienten ihnen die natürlichen Dinge, die das Äußere ihres Gottes­dienstes bildeten, als Mittel geistig zu denken, also gemein­sam mit den Engeln. Nachdem aber die Wissenschaft der Entsprechungen und Vorbildungen in Vergessenheit geraten war, wurde das Wort geschrieben, in dem alle einzelnen Wör­ter und Wortbedeutungen Entsprechungen darstellen und so einen geistigen oder inneren Sinn enthalten, der den Engeln selbstverständlich ist. Wenn daher ein Mensch das Wort liest und nur nach seinem buchstäblichen oder äußeren Sinn be­greift, so verstehen es doch die Engel nach dem inneren oder geistigen Sinn. Denn jeder Gedanke der Engel ist geistig, der Gedanke des Menschen aber natürlich. So erscheinen ihre Gedanken zwar verschieden, sind aber dennoch eins, weil sie einander entsprechen. Aus diesem Grunde hat der Herr das Wort als ein Mittel zur Verbindung des Himmels mit dem Menschen vorgesehen, nachdem sich der Mensch vom Him­mel entfernt und das Band zerrissen hatte.

*307. Auf welche Weise der Himmel mit dem Menschen durch das Wort verbunden wird, will ich durch einige Stellen daraus beleuchten. In der Offenbarung wird das neue Jerusa­lem folgendermaßen beschrieben:

„Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, und der frühere Himmel und die frühere Erde waren vergangen, und ich sah die heilige Stadt Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabsteigen. Die Stadt war viereckig, ihre Länge so groß wie ihre Breite; der Engel maß die Stadt mit dem Rohr zu 12’000 Stadien. Ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich. Und er maß ihre Mauer, 144 Ellen, das Maß eines Menschen, das ist eines Engels. Der Bau der Mauer war von Jaspis, die Stadt selbst aber aus reinem Gold, ähnlich dem reinen Glas, und die Grundlage der Mauer war geschmückt mit jedem kostbaren Stein. Die 12 Tore waren 12 Perlen, und die Straße der Stadt reines Gold, wie durchsichtiges Glas.“ (Offb.21,l.16 21)

Wer dies liest, versteht davon nur den buchstäblichen Sinn, also daß der sichtbare Himmel zugleich mit der Erde vergehen und ein neuer Himmel entstehen wird und auf die neue Erde die heilige Stadt Jerusalem herabkommen werde, in allen ihren Maßen der Beschreibung gemäß. Die Engel aber, die beim Menschen sind, verstehen es ganz anders: Für sie ist alles geistig, was für den Menschen natürlich ist. So verstehen sie unter dem „neuen Himmel und der neuen Erde“ eine neue Kirche, unter der „von Gott aus dem Himmel herabsteigen­den Stadt“ die vom Herrn geoffenbarte himmlische Lehre. Die „Länge, Breite und Höhe“ der Stadt, die einander gleichen und je 12’000 Stadien betragen, bedeutet für sie alles Gute und Wahre dieser Lehre in der Zusammenfassung, und die „Mauer“ die sie beschützenden Wahrheiten; das „Maß der Mauer, 144 Ellen  das Maß eines Menschen, das ist eines En­gels“ alle diese schützenden Wahrheiten in ihrer Zusammen­fassung und Beschaffenheit. Die „12 Perlentore“ sind für die Engel die einführenden Wahrheiten — die Perlen bezeichnen auch solche Wahrheiten —, die „Grundlagen der Mauer“, die aus Edelsteinen bestehen, bedeuten die Erkenntnisse, auf welche sich diese Lehre gründet. Das „Gold das dem reinen Glase gleicht“, und aus dem die Stadt und deren Straßen be­stehen, ist für sie das Gute der Liebe, aus dem die Lehren mit ihren Wahrheiten durchscheinen. In dieser Weise also, mithin nicht wie der Mensch, verstehen die Engel all diese Bilder. Mit anderen Worten: Die natürlichen Vorstellungen des Men­schen gehen bei den Engeln in die entsprechenden geistigen Ideen über, ohne daß sie etwas vom Buchstabensinn des Wor­tes wüßten, etwa vom neuen Himmel und von der neuen Erde, von der neuen Stadt Jerusalem, ihren Mauern, den Grundlagen der Mauer und von deren Maßen. Und dennoch machen die Gedanken der Engel eins aus mit denen der Men­schen, weil sie einander entsprechen. Sie sind dasselbe; ähn­lich wie Wörter, die ein Redner braucht, dasselbe sind wie ihr Verständnis durch einen Zuhörer, der nicht auf die Wörter, sondern nur auf deren Bedeutung achtet. Damit ist klar, wie der Himmel durch das Wort mit dem Menschen verbunden wird. Dazu noch ein Beispiel aus dem Wort:

„An jenem Tage wird eine Straße führen von Ägypten nach Aschur, und Aschur wird nach Ägypten kommen und Ägypten nach Aschur, und die Ägypter werden Aschur dienen. An jenem Tag wird Israel der dritte sein für Ägypten und Aschur, ein Segen inmitten des Landes, das segnen wird Jehovah der Heerscharen und sprechen: Gesegnet sei mein Volk Ägypten, und Aschur, meiner Hände Werk, und Israel, mein Erbe.“ (Jes.19,23 25)

Was der Mensch und was die Engel bei diesen Worten denken, läßt sich aus dem Buchstabensinn des Wortes und dessen innerem Sinn erkennen. Dem Buchstabensinn zu­folge denkt der Mensch, daß die Ägypter und Assyrer zu Gott bekehrt und angenommen werden sollten, um schließlich eins zu werden mit dem israelitischen Volk. Die Engel aber denken dem inneren Sinn zufolge an den Menschen der geistigen Kirche, der hier beschrieben wird. Bei ihm wird das Geistige durch Israel, das Natürliche durch den Ägypter und das Vernünftige, also das Mittlere, durch Assyrien bezeich­net; dennoch sind beide eins, weil sie einander entspre­chen. Wenn daher die Engel in der genannten Weise geistig denken und der Mensch natürlich, so sind sie miteinander verbunden, beinahe wie Seele und Leib. In der Tat ist auch der innere Sinn des Wortes dessen Seele und der Buchsta­bensinn dessen Leib. Von dieser Beschaffenheit ist das Wort durchgehend. Damit ist offenbar, daß das Wort als Mittel zur Verbindung des Himmels mit dem Menschen dient und sein Buchstabensinn als Stütze und Grundlage.

*308. Durch das Wort besteht auch eine Verbindung des Himmels mit den Menschen außerhalb der Kirche, die das Wort nicht haben; denn die Kirche des Herrn ist allumfas­send und bei allen, die das Göttliche anerkennen und in täti­ger Liebe leben. Sie werden auch nach ihrem Hinscheiden von Engeln unterrichtet und nehmen die göttlichen Wahr­heiten an. Mehr über diesen Gegenstand sehe man unten im Abschnitt über die Heiden. Die universelle Kirche auf Erden erscheint vor dem Auge des Herrn wie Ein Mensch, ganz wie der Himmel, man vergleiche oben Nr. 59 72. Die Kirche dagegen, in der das Wort und durch das Wort der Herr bekannt ist, gleicht dem Herzen und der Lunge eines jeden Menschen. Bekanntlich beziehen alle Eingeweide und Glie­der des Körpers ihr Leben über verschiedene Ableitungen von Herz und Lunge; desgleichen auch der Teil des Men­schengeschlechts, der außerhalb der Kirche des Wortes lebt und die Glieder jenes Großmenschen bildet. Die Verbindung des Himmels durch das Wort mit den Außenstehenden läßt sich auch mit dem Licht vergleichen, das sich von der Mitte aus nach allen Seiten verbreitet. Das göttliche Licht strahlt im Wort, und in ihm ist der Herr mit dem Himmel gegenwärtig. Infolge dieser Gegenwart sind auch die Außenstehenden im Licht. Anders wäre es, gäbe es kein Wort. All das wird noch deutlicher wenn man bedenkt, was oben inbezug auf die Form des Himmels gezeigt wurde, und wie die Gesellschaften und Mitteilungen im Himmel vor sich gehen. Doch dieses Geheimnis ist nur denen verständlich, die sich im geistigen, nicht aber denen, die sich nur im natürlichen Licht befinden. Denn die ersteren sehen in Klarheit unzählig vieles, was letz­tere gar nicht oder nur als einen einzigen Gegenstand un­deutlich erblicken.

*309. Ohne ein solches „Wort“ wäre der Mensch dieser Erde vom Himmel abgetrennt worden, denn die menschliche Vernunft entsteht durch den Einfluß des himmlischen Lich­tes. Der Mensch dieser Erde ist so beschaffen, daß er keine unmittelbare Offenbarung empfangen kann, durch die er in den göttlichen Wahrheiten unterrichtet würde, anders als die Bewohner anderer Erdkörper, über die in einem besonderen kleinen Werk gehandelt wurde. Mehr als diese nämlich ist er im Weltlichen befangen, also im Äußeren, das Innere aber nimmt die Offenbarung auf. Geschähe es durch das Äußere, bliebe das Wahre unverstanden. Wie der Mensch dieser Erde geartet ist, zeigen die Mitglieder der Kirche, die zwar aus dem Wort vom Himmel, von der Hölle, vom Leben nach dem Tode wissen, es aber im Herzen leugnen. Unter ihnen finden sich auch einige, die mehr als andere auf den Ruf der Gelehrsam­keit aus waren und von denen man daher glauben sollte, sie seien weiser als die übrigen.

*310. Ich habe mehrmals mit den Engeln über das Wort gesprochen und gesagt, daß manche es wegen seines einfa­chen Stils verachteten und man ganz und gar nichts von sei­nem inneren Sinn wisse. Daher könne auch niemand glau­ben, daß darin eine so große Weisheit verborgen liege. Dazu meinten die Engel, der Stil des Wortes erscheine zwar im Buchstabensinn als einfach, dennoch gäbe es nichts, das ihm an Vortrefflichkeit gleich komme, weil göttliche Weisheit nicht allein in jedem Gedanken, sondern auch in jedem ein­zelnen Wort verborgen liege, aus dem diese Weisheit im Him­mel hervorleuchte. Sie wollten zum Ausdruck bringen, es sei das Licht des Himmels, weil es das göttliche Wahre sei, denn dieses leuchtet im Himmel (man vergl. oben Nr. 132). Die Engel sagten ferner, ohne ein derartiges Wort hätten die Men­schen unseres Erdkörpers keinerlei himmlisches Licht und somit auch keine Verbindung mit dem Himmel, denn diese tritt nur in dem Maße ein, wie sich himmlisches Licht beim Menschen befindet, und soweit wird ihm auch eine Offenba­rung des Göttlich Wahren aus dem Wort zuteil. Der Mensch dieses Erdkörpers weiß deshalb nicht, daß die besagte Ver­bindung durch den geistigen Sinn des Wortes erfolgt, der dem natürlichen entspricht. Er weiß eben gar nichts von dem geistigen Denken und Reden der Engel, und daß es sich von seinem natürlichen Denken und Reden unterscheidet. Weiß aber der Mensch dies nicht, so kann er auch durchaus nicht erkennen, was der innere Sinn ist, geschweige denn, dadurch eine derartige Verbindung bewirkt werden kann. Und schließlich sagten die Engel, wenn der Mensch um diesen Sinn wüßte und beim Lesen des Wortes aus einer gewissen Kenntnis dieses Sinnes darüber nachdächte, so würde er auf die tiefere Weisheit stoßen und noch inniger mit dem Him­mel verbunden werden, weil er auf diese Weise zu ähnlichen Vorstellungen wie der Engel gelangte. 



Himmel und Hölle sind aus dem menschlichen Geschlecht.

*311. In der Christenheit ist völlig unbekannt, daß Him­mel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht hervorge­gangen sind. Man glaubt allgemein, die Engel seien von An­beginn als solche erschaffen worden und daher stamme der Himmel. Der Teufel oder Satan aber sei ursprünglich ein Engel des Lichts gewesen, weil er sich jedoch empört habe, mit seiner Rotte hinabgestoßen worden, und von daher stamme die Hölle. Die Engel wundern sich sehr darüber, daß in der Christenheit ein solcher Glaube herrscht, noch mehr aber wundern sie sich, daß man so gar nichts vom Himmel weiß, obwohl dies doch ein Hauptpunkt in der Lehre der Kir­che sei. Darum freuten sie sich von Herzen, daß es dem Herrn gefallen hat, den Menschen nun vieles über den Himmel wie auch über die Hölle zu offenbaren und dadurch — so weit als möglich  die herrschende Unwissenheit und Finsternis zu zerstreuen, die von Tag zu Tag wächst, weil die Kirche an ihr Ende gelangt ist. Die Engel möchten daher, daß ich aus ihrem Mund verkünde, daß es im ganzen Himmel nicht einen einzi­gen Engel gibt, der von Anbeginn als solcher erschaffen, noch in der Hölle irgendeinen Teufel, der einst als Engel des Lichts erschaffen und hinabgestoßen worden wäre. Vielmehr seien im Himmel wie in der Hölle alle aus dem menschlichen Ge­schlecht hervorgegangen. Wer in der Welt in himmlischer Liebe und im Glauben gelebt habe, findet sich im Himmel, in der Hölle, wer in höllischer Liebe befangen war. Die Hölle in ihrem ganzen Umfang ist das, was Teufel und Satan genannt wird. Die rückwärtige Hölle, deren Bewohner böse Engel (mali genii) genannt werden, ist der Teufel, die vordere Hölle, deren Bewohner böse Geister genannt werden, der Satan. Über die Beschaffenheit der einen wie der anderen Hölle wird weiter unten Aufschluß gegeben werden. Die Engel sag­ten, in der Christenheit habe sich deshalb ein solcher Glaube über die Bewohner des Himmels und der Hölle verbreitet, weil einige Stellen im Wort nur nach dem buchstäblichen Sinn verstanden wurden und nicht durch die echte Lehre aus dem Wort beleuchtet und erklärt worden seien. Doch der Buchstabensinn allein, wenn ihm nicht die echte Lehre vor­anleuchte, trenne die Gemüter, und daraus resultieren dann Unwissenheit, Irrlehren und Irrtümer.

*312. Dieser Glaube der Kirche beruht auch auf der An­schauung, daß der Mensch nicht eher in den Himmel oder in die Hölle komme als zur Zeit des letzten Gerichts. Unter die­sem versteht man, daß dann alles Sichtbare vergehen, etwas ganz Neues entstehen und die Seele in ihren Körper zurück­kehren werde. Durch diese Verbindung werde dann der Mensch wieder als Mensch leben. Dieser Glaube enthält die Auffassung, die Engel seien von Anbeginn an erschaffene Wesen. Man kann nämlich nicht glauben, daß Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht hervorgegangen seien, wenn man der Meinung ist, daß kein Mensch früher dahin gelange als am Weltende. Um aber den Menschen zu überzeugen, daß dem nicht so ist, wurde mir der Umgang mit den Engeln verliehen und durfte ich auch — und zwar zuwei­len pausenlos vom frühen Morgen bis zum Abend — mit denen reden, die nun schon viele Jahre lang in der Hölle sind. So konnte ich mich über Himmel und Hölle informieren, damit der Mensch der Kirche nicht länger in seinem irrigen Glauben verharre, was die Auferstehung zur Zeit des letzten Gerichts und den Zwischenzustand der Seele bis dahin betrifft ebenso wie hinsichtlich der Engel und des Teufels. Denn dieser Glaube enthält Finsternis, weil er ein Glaube an etwas Fal­sches ist, und er bewirkt bei denen, die aus ihrem eigenen Ver­stand heraus darüber nachdenken, zuerst Zweifel und schließlich Leugnung. Sie sagen sich: Wie kann ein so großer Himmel mit so vielen Gestirnen, mit Sonne und Mond, zer­stört und ins Nichts aufgelöst werden? Wie können die Sterne vom Himmel auf die Erde fallen, wo sie doch größer sind als die Erde? Und wie können die Körper, von Würmern aufge­fressen und durch Fäulnis zerstört, in alle Winde zerstreut, wieder mit ihrer Seele vereinigt werden? Und wo ist inzwi­schen die Seele, wie ist sie überhaupt beschaffen, wenn sie der Sinne entbehrt, über die sie im Körper verfügte — und was der­gleichen Behauptungen mehr sind, die infolge ihrer Unbe­greiflichkeit nicht geglaubt werden können. Sie zerstören bei vielen den Glauben an ein Fortleben der Seele nach dem Tode, an Himmel und Hölle und damit auch an alles Übrige, das zum Glauben der Kirche gehört. Wie groß die Zerstörung tatsächlich ist, zeigen folgende oft zu hörenden Äußerungen: «Wer ist aus dem Himmel zu uns gekommen und hat uns Be­richt erstattet, daß es ihn gibt? Was soll die Hölle sein, und gibt es sie überhaupt? Was soll das heißen, daß der Mensch dort mit ewigem Feuer gequält werde? Was ist der Tag des Ge­richts? Hat man ihn nicht schon Jahrhunderte lang vergeblich erwartet?» Und was dergleichen Fragen mehr sind, die mit der Leugnung aller Punkte des Glaubens zusammenhängen.

Damit nun die vielen, die so denken und die aufgrund ihres weltlichen Wissens Gebildete und Gelehrte heißen, nicht länger die Menschen einfältigen Glaubens und Herzens irre machen und verführen und damit eine höllische Finster­nis verbreiten über Gott, den Himmel, das ewige Leben und alles übrige, das davon abhängt, hat der Herr das Inwendige, das Gebiet meines Geistes, aufgeschlossen und mir gegeben, mit all denen, die ich je bei Leibes Leben gekannt hatte, nach ihrem Tode zu reden. Mit einigen geschah dies einige Tage lang, mit anderen über Monate hindurch und mit einigen ein Jahr lang. Ich habe aber auch mit so vielen anderen gespro­chen, daß ich nicht übertreibe, wenn ich Hunderttausend nenne, von denen sich viele in den Himmeln, viele aber auch in den Höllen befanden. Mit anderen sprach ich auch zwei Tage nach ihrem Hinschied und erzählte ihnen, daß man nun eben Anstalten zu ihrer Einsargung und Bestattung treffe, worauf sie erwiderten, man tue wohl daran, das hinwegzu­schaffen, was ihnen als Leib und zu dessen Verrichtungen in der Welt gedient hätte. Sie baten mich zu sagen, daß sie nicht tot seien, sondern jetzt ebenso als Menschen lebten wie zuvor; sie seien nur von einer Welt in die andere hinüberge­gangen und wüßten nicht, daß sie dabei irgendetwas verloren hätten, da sie wie zuvor über einen Leib und dessen Sinne ver­fügten. Auch Verstand und Willen besäßen sie und ganz ähn­liche Gedanken und Neigungen, ähnliche Empfindungen und Wünsche wie in der Welt. Viele von den Menschen, die erst kürzlich verstorben waren, empfanden neue Freude, als sie sahen, daß sie wie zuvor als Menschen lebten und sich in einem ähnlichen Zustand befanden und sagten, das hätten sie nicht erwartet (denn nach dem Tode findet sich ein jeder zuerst in dem Lebenszustand, in dem er in der Welt war, aber dieser verwandelt sich bei ihm allmählich entweder zu einem himmlischen oder in den höllischen). Sie wunderten sich aber sehr, daß sie, in einer derartigen Unwissenheit und Blindheit gewesen waren, was den Zustand ihres Lebens nach dem Tode betrifft. Noch verwunderlicher aber fanden sie, daß es auch dem Menschen der Kirche so ergeht, obwohl er doch vor allen anderen auf Erden aufgeklärt sein könnte. Die Ursa­che dieser Blindheit und Unwissenheit erkannten sie erst jetzt, daß nämlich das Äußere, Weltliche und Körperliche ihr Gemüt so eingenommen und ausgefüllt hatte, daß sie nicht ins Licht des Himmels hatten erhoben werden können, um von dort aus die Lehren der Kirche als von einem über die Lehrbestimmungen erhabenen Standpunkt aus betrachten zu können. Wenn das Körperliche und Weltliche wie heutzu­tage zu sehr geliebt wird, so kommt von daher lauter Finster­nis, falls die Menschen darüber hinauszublicken trachten.

*313. Sehr viele unter den Gebildeten der Christenheit sind erstaunt, wenn sie sich nach ihrem Tode in einem Leib, in Kleidern und in Häusern erblicken, ganz wie in der Welt. Und wenn sie daran erinnert werden, was sie sich für Gedan­ken über das Leben nach dem Tode, über die Seele, über die Geister und über Himmel und Hölle gemacht hatten, so schämen sie sich und bekennen, daß sie töricht gedacht hät­ten. Die einfältig Glaubenden dagegen sind viel weiser als sie. Gebildete, die sich in derartigen Ideen bestärkt und alles aus der Natur abgeleitet hatten, wurden einer Prüfung unterzo­gen, die ergab, daß ihr Inneres völlig verschlossen, ihr Äuße­res dagegen geöffnet war. Infolgedessen war ihr Blick nicht auf den Himmel, sondern auf die Welt und damit auch auf die Hölle gerichtet. Inwieweit nämlich das Innere aufge­schlossen ist, insoweit blickt der Mensch zum Himmel, in­wieweit es aber verschlossen und statt dessen das Äußere aufgeschlossen ist, blickt er zur Hölle; denn das Innere des Menschen ist zur Aufnahme alles Himmlischen gebildet, das Äußere hingegen zur Aufnahme alles Weltlichen, und wer die Welt und nicht zugleich auch den Himmel in sich aufnimmt, der nimmt die Hölle auf.

*314. Ein Beweis für die Tatsache, daß der Himmel aus dem menschlichen Geschlecht hervorgeht, liegt auch darin, daß die Gemüter der Engel und Menschen einander ähnlich sind. Beide sind fähig zu verstehen, wahrzunehmen und zu wollen, beide sind zur Aufnahme des Himmels geschaffen, denn das menschliche Gemüt kann dieselbe Weisheit aufnehmen wie der Engel. Es erreicht nur nicht die gleiche Weisheit in der Welt, weil es in einem irdischen Körper steckt und sein geistiges Gemüt daher natürlich denkt. Das ändert sich, sobald das menschliche Gemüt von den Banden des Körpers befreit ist. Dann denkt es nicht mehr natürlich, sondern geistig, das heißt es denkt Dinge, die für den natürlichen Menschen unbegreif­lich und unaussprechlich sind, ist folglich weise wie der Engel. Damit dürfte klar sein, daß das Innere des Menschen, das heißt sein Geist, dem Wesen nach ein Engel ist (man vergl. oben Nr. 57). Nach der Ablösung vom irdischen Körper hat er ebenso eine menschliche Gestalt wie der Engel. (Über dessen voll­kommen menschliche Gestalt lese man oben, Nr. 73 77, nach.)

Ist aber das Innere des Menschen nicht nach oben, sondern nur nach unten geöffnet, so erscheint es zwar nach der Ablö­sung vom Körper ebenfalls in menschlicher Gestalt, jedoch in abscheulicher und teuflischer, weil es nicht aufwärts zum Himmel, sondern nur abwärts zur Hölle blicken kann.

*315. Wer über die göttliche Ordnung unterrichtet ist, kann auch begreifen, daß der Mensch dazu geschaffen ist, ein Engel zu werden, weil in ihm das Letzte der Ordnung liegt (Nr. 304). In diesem Letzten kann das, was zur Weisheit des Himmels und der Engel gehört, in eine Form gebracht, ver­vollständigt und vermehrt werden. Die göttliche Ordnung bleibt niemals in der Mitte stehen und bildet dort etwas ohne das Letzte, denn da ist sie nicht in ihrer Fülle und Vollkom­menheit. Vielmehr dringt sie bis zum Letzten durch (vergl. oben Nr. 304). In diesem Letzten erst nimmt sie Form an, er­neuert sich auch durch die hier zusammentreffenden Mittel und bringt durch Zeugungen Neues hervor. Deshalb ist hier die Pflanzschule des Himmels.

*316. Der Herr ist nicht nur mit seinem Geist, sondern auch mit seinem Körper auferstanden, weil er in der Welt all sein Menschliches verherrlicht, das heißt göttlich gemacht hat. Die Seele nämlich, die er vom Vater hatte, war aus sich heraus das Göttliche selbst, und der Leib wurde zum Eben­bild der Seele, das heißt des Vaters, folglich ebenfalls göttlich. Aus diesem Grunde ist er im Unterschied zu jedem Men­schen mit Leib und Seele auferstanden. Dies offenbarte er auch den Jüngern, die einen Geist zu sehen meinten, als sie ihn erblickten. Er sprach:

„Sehet meine Hände und meine Füße, daß ich selbst es bin; be­tastet mich und sehet, ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe.“ (Luk.24,36 39)

*317. Damit zeigte er an, daß er nicht nur dem Geist, son­dern auch dem Körper nach ein Mensch war. Vieles über den Zustand des Menschen nach dem Tode ist mir geoffenbart worden, damit man wisse, daß der Mensch nach dem Tode lebt und gemäß seinem Leben in der Welt entweder in den Himmel oder in die Hölle gelangt. Davon soll unten im Ab­schnitt über die Geisterwelt der Ordnung nach die Rede sein. 



Die Heiden oder die Völker außerhalb der Kirche im Himmel.

*318. Die allgemeine Meinung geht dahin, daß die außer­halb der Kirche Geborenen, die Nicht Christen oder Heiden, die Seligkeit deshalb nicht erlangen können, weil sie das Wort nicht haben, somit nichts vom Herrn wissen und ohne den Herrn kein Heil sei. Aber auch sie werden gerettet, wie man schon deshalb wissen könnte, weil die Barmherzigkeit des Herrn allumfassend ist, das heißt sich auf alle Menschen er­streckt. Sie werden ja auch ebenso als Menschen geboren wie die Angehörigen der Kirche, die vergleichsweise wenige sind, und schließlich ist es nicht ihre Schuld, daß sie nichts vom Herrn wissen. Wer nur aus einer einigermaßen erleuchteten Vernunft heraus denkt, kann erkennen, daß kein Mensch für die Hölle geboren wird; denn der Herr ist die Liebe selbst, und Seine Liebe besteht darin, alle erretten zu wollen. Daher hat er auch Vorsorge getroffen, daß alle Menschen eine Reli­gion haben und durch sie Anerkennung des Göttlichen und ein inneres Leben. In Übereinstimmung mit der Religion leben, heißt nämlich innerlich leben, da der Mensch dann seinen Blick auf das Göttliche richtet. Soweit er dies tut, blickt er nicht auf die Welt, sondern zieht sich von ihr zurück, das heißt vom weltlichen Leben, das äußerlich ist.

*319. Wer weiß, was den Himmel beim Menschen aus­macht, kann auch erkennen, daß die Heiden ebenso gerettet werden können wie die Christen. Der Himmel ist nämlich im Menschen, und in den Himmel kommt, wer den Himmel in sich hat. Dieser Himmel im Menschen besteht darin, daß er das Göttliche anerkennt und sich von ihm führen läßt. Das Erste und Wichtigste in jeder Religion ist die Anerkennung des Göttlichen. Eine Religion, die das Göttliche nicht aner­kennt, ist keine Religion. Die Vorschriften jeder Religion zie­len auf den Gottesdienst, das heißt wie das Göttliche angebe­tet werden soll, damit es annehmbar sei. Wenn dies im Gemüt des Menschen haftet, das heißt wenn er es will oder wenn er es liebt, dann wird er vom Herrn geführt. Es ist be­kannt, daß die Heiden ebenso ein sittliches Leben führen wie die Christen, ja viele von ihnen wohl ein besseres. Ein sittli­ches Leben führt man entweder Gottes oder der Menschen in der Welt wegen. Lebt man es um des Göttlichen willen, so ist es ein geistiges Leben. Beide Arten erscheinen in der äußeren Form gleich, sind der inneren nach jedoch völlig verschieden. Die eine macht den Menschen selig, die andere nicht; denn wer um des Göttlichen willen ein sittliches Leben führt, der wird vom Göttlichen geleitet. Tut er es aber um der Men­schen willen, so wird er von sich selbst geführt. Ein Beispiel soll das beleuchten: Wer dem Nächsten nichts Böses zufügt, weil es der Religion, folglich dem Göttlichen widerspricht, der steht aus geistigem Beweggrund vom Tun des Bösen ab. Wer hingegen dem anderen nur deshalb nichts Böses tut, weil er sich vor dem Gesetz, dem Verlust des guten Rufes, der Ehre oder des Gewinns fürchtet, das heißt aus Rücksicht auf sich selbst und die Welt, der unterläßt die böse Tat lediglich aus einem natürlichen Beweggrund. Ein solcher Mensch wird von sich selbst geführt. Sein Leben ist ein natürliches, das des ersteren aber ein geistiges. Ein Mensch, dessen sittli­ches Leben geistiger Art ist, hat den Himmel in sich, nicht so ein Mensch, dessen sittliches Leben bloß natürlicher Art ist. Dem ist so, weil der Himmel den Menschen von oben her er­schließt, sein Inneres öffnet und durch das Innere sich in das Äußere verbreitet, während die Welt von unten her eindringt und das Äußere, nicht aber das Innere öffnet. Es gibt nämlich keinen Einfluß von der natürlichen in die geistige Welt, son­dern nur von der geistigen Welt in die natürliche. Wird daher nicht zugleich der Himmel aufgenommen, so wird das Innere verschlossen. Aus alledem kann man erkennen, welche Men­schen den Himmel in sich aufnehmen und welche nicht. Der Himmel ist jedoch nicht in jedem Menschen der gleiche, viel­mehr ist er in einem jeden verschieden, je nach seiner Nei­gung zum Guten und dem dazugehörenden Wahren. Wer um des Göttlichen willen in der Neigung zum Guten ist, liebt das göttliche Wahre, denn das Gute und das Wahre lieben sich gegenseitig und wollen miteinander verbunden werden. Deshalb nehmen die Heiden die echten Wahrheiten im an­deren Leben aus Liebe an, obwohl sie diese in der Welt nicht ge­kannt haben.

*320. Ein Geist, der von den Heiden stammte und in dieser Welt im Guten der tätigen Liebe gelebt hatte, wie es seine Reli­gion vorschrieb, wunderte sich, als er hörte, wie sich Geister aus der Christenheit mit Vernunftgründen darüber stritten, was man glauben solle (die Geister disputieren nämlich unter­einander erschöpfender und schärfer als die Menschen, vor allem über das Gute und Wahre.) Er sagte, er wolle dergleichen nicht hören, und zwar weil sie Schlüsse aus Scheinwahrheiten und Täuschungen zogen. Er gab ihnen aber folgende Lehre: „Wenn ich gut bin, so kann ich aus dem Guten selbst wissen, was wahr ist, und was ich nicht weiß aufnehmen.“

*321. Ich bin auf vielfältige Weise belehrt worden, daß die Heiden, die einen gesitteten Lebenswandel geführt und ihrer Religion gemäß in Gehorsam und Unterordnung, sowie in gegenseitiger Liebe gelebt und daher etwas von einem Ge­wissen empfangen hatten, im anderen Leben willkommen sind und von den Engeln mit besonderer Sorgfalt über das Gute und über die Wahrheiten des Glaubens unterrichtet werden. Sie benehmen sich dabei bescheiden, verständig und weise. Sie nehmen die Wahrheiten mit Leichtigkeit auf und eignen sie sich an, hatten sie sich doch auch keine falschen, im Gegensatz zu den Glaubenswahrheiten stehen­den Grundsätze ausgearbeitet, die erst zu entfernen wären. Noch weniger hatten sie Anstoß am Herrn genommen wie so viele Christen, die ihn für einen gewöhnlichen Menschen halten. Sobald die Heiden hören, daß Gott Mensch geworden ist und sich so in der Welt geoffenbart hat, erkennen sie dies im Gegenteil sogleich an und beten den Herrn an, indem sie sprechen: Gott hat sich allerdings geoffenbart, da er ja der Gott des Himmels und der Erde ist und die Menschheit ihm gehört. Es ist zwar eine göttliche Wahrheit, daß es ohne den Herrn kein Heil gibt, doch ist dies so zu verstehen, daß es kein Heil gibt außer vom Herrn. Es gibt im Weltall viele Erd­körper, alle voller Bewohner, von denen kaum einige wissen, daß der Herr auf unserer Erde ein Menschliches angenom­men hat. Dennoch werden sie vom Herrn angenommen und geführt, weil sie das Göttliche unter menschlicher Gestalt verehren. Man vergl. dazu das kleine Werk über die Erdkörper im Weltall.

*322. Es gibt unter den Heiden ebenso wie unter den Chri­sten Weise und Einfältige. Um mich darüber zu belehren, wurde mir erlaubt, mit Heiden zu reden, zuweilen stunden­ und tagelang. Doch heute gibt es keine solchen Weisen mehr wie im Altertum, vor allem wie in der Alten Kirche, die über weite Teile Asiens verbreitet war und von der aus die Religion zu vielen Heiden gedrungen ist. Um ihre Wesensart zu erken­nen, durfte ich mich mit einigen von ihnen in ein vertrauli­ches Gespräch einlassen. So war einmal einer bei mir, der einst in der Welt zu den Weiseren gehört hatte und daher auch in der gelehrten Welt bekannt war. Ich unterhielt mich mit ihm über mancherlei. Ich hatte Grund anzunehmen, daß er Cicero war. Da ich wußte, daß er ein Weiser war, brachte ich das Gespräch auf Weisheit, Einsicht, Ordnung, auf das Wort und zuletzt auf den Herrn. Von der Weisheit sagte er, daß es nur die des Lebens gebe und daß sich von nichts anderem Weisheit aussagen lasse; von der Einsicht, daß sie aus jener stamme, von der Ordnung, daß sie vom höchsten Gott herrühre und daß nach dieser Ordnung zu leben, weise und verständig sein heiße. Was das Wort anlangt, so empfand er sehr große Freude, als ich ihm einiges aus den prophetischen Büchern vorlas, vor allem darüber, daß die einzelnen Namen und Wörter innere Dinge bezeichneten. Er wunderte sich sehr, daß die Gebildeten heutzutage keine Freude an solchen Studien haben. Ich nahm deutlich wahr, daß die inneren Be­reiche seines Denkens oder Gemüts aufgeschlossen waren. Er erklärte, er könne nicht länger bei diesem Gegenstand ver­weilen, weil er dabei Heiligeres empfinde, als er ertragen könne, so tief innerlich ergriff es ihn. Schließlich sprach ich mit ihm über den Herrn, daß er als Mensch geboren, von Gott empfangen worden sei, das Mütterlich Menschliche ausge­zogen, statt dessen das Göttlich Menschliche angezogen habe, und daß er es sei, der das Weltall regiert. Hierauf erwi­derte er, er wisse manches über den Herrn. Auf seine Weise wurde er auch inne, daß gar nichts anderes hätte geschehen können, um das menschliche Geschlecht zu retten. Unterdes­sen streuten einige böse Christen verschiedene Ärgernisse ein, doch er kümmerte sich nicht darum, sondern sagte nur, es sei gar kein Wunder, da sie während ihres irdischen Lebens dergleichen Wahrheiten nicht in sich aufgenommen hätten. Bevor aber derart falsche Vorstellungen ausgestoßen werden, könnten die begründenden Wahrheiten nicht zugelassen werden — anders als bei denen, die gar nichts davon wissen.

*323. Ich durfte auch mit anderen Geistern reden, die in den alten Zeiten gelebt und zu den weiseren gehört hatten. Sie erschienen zuerst in einiger Entfernung von mir und konnten dort das Innere meiner Gedanken wahrnehmen, somit viele Dinge in ihrer Vollständigkeit. In einer einzigen Vorstellung meines Denkens vermochten sie eine ganze Ge­dankenfolge zu unterscheiden und konnten sie mit den Won­nen der Weisheit und zugleich mit lieblichen Vorbildungen füllen. Daran ließ sich erkennen, daß sie zu den Weiseren gehörten, und es hieß, sie wären von den Alten. Nun traten sie näher herzu, und als ich ihnen jetzt etwas aus dem Wort vorlas, freuten sie sich darüber aufs höchste. Ich empfand ihre Freude, die hauptsächlich daher rührte, daß alles, was sie aus dem Wort hören, bis in die Einzelheiten hinein Vorbil­dungen und Bezeichnungen himmlischer und geistiger Dinge darstellte. Sie sagten, zur Zeit ihres irdischen Lebens wäre die Art ihres Denkens und Redens wie auch ihres Schrei­bens ebenso gewesen, und darin habe ihr Studium der Weis­heit bestanden.

*324. Die heute auf Erden lebenden Heiden sind aber nicht in der Art weise, vielmehr meist einfältigen Herzens. Dennoch nehmen im anderen Leben jene von ihnen die Weisheit auf, die in gegenseitiger Liebe gelebt haben. Von diesen darf ich das eine oder andere Beispiel anführen. Als ich das 17. und 18. Kapitel des Buches der Richter las, in dem von Micha berichtet wird, dem die Söhne Dans sein Götzen­bild, die Teraphim und den Leviten wegnahmen, war ein Geist zugegen, der als Heide in seinem irdischen Leben ein Götzenbild angebetet hatte. Er hörte aufmerksam zu, was dem Micha widerfahren war und wie er um sein Bild jam­merte, das ihm von den Daniten weggenommen worden war. Es ergriff ihn derart, daß er vor innerem Schmerz kaum wußte, was er denken sollte. Das Gefühl seines Schmerzes teilte sich mit, und zugleich empfand man auch die Un­schuld in seinen einzelnen Gefühlen. Auch Geister aus den Christen waren zugegen, beobachteten dies und wunderten sich, daß ein Götzendiener von einem so tiefen Gefühl des Mitleids und der Unschuld ergriffen werden konnte. Nachher sprachen gute Geister mit ihm und sagten, ein Götzenbild dürfe nicht angebetet werden, und dies könne er selbst einse­hen, da er ja ein Mensch sei. Er müsse sich vielmehr Gott ohne ein Götzenbild als den Schöpfer und Regenten des ganzen Himmels und der ganzen Erde denken, und daß der Herr dieser Gott sei. Ich durfte dabei die große Inbrunst wahrnehmen, mit der er anbetete, und die sich mir mitteilte. Sie war viel heiliger als bei den Christen. Damit dürfte festste­hen, daß die Heiden leichter in den Himmel kommen als die heutigen Christen, gemäß den Worten des Herrn bei Lukas:

„Und es werden kommen von Osten und von Westen, vom Norden und Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reiche Got­tes. Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und es sind Erste, die werden die Letzten sein“ (13,29)

In dem Zustand nämlich, in dem jener Geist sich befand, konnte er in alle Wahrheiten des Glaubens eingeführt werden und sie mit innigem Gefühl ergreifen. Bei ihm fand sich die Barmherzigkeit, die der Liebe eigen ist, und seine Unwissen­heit war mit Unschuld gepaart. Sind aber diese vorhanden, so wird alles, was zum Glauben gehört, wie von selbst, und zwar mit Freuden aufgenommen. Er wurde auch nachher unter die Engel versetzt.

*325. Eines Morgens ließ sich aus einiger Entfernung ein Chor vernehmen. Aufgrund seiner Vorbildungen durfte ich er­kennen, daß es sich um Chinesen handelte. Sie stellten näm­lich das Bild eines wolligen Bockes dar, sodann einen Hirseku­chen, einen Löffel aus Ebenholz und schließlich das Bild einer schwimmenden Stadt. Sie wünschten, näher an mich heran­zukommen, und als sie bei mir waren, erklärten sie, sie wollten mit mir allein sein, um mir ihre Gedanken zu eröffnen. Es wurde ihnen jedoch bedeutet, daß einige der Anwesenden un­willig darüber seien, daß sie allein zu sein wünschten, obwohl sie doch Gäste seien. Als sie den Unwillen der Betreffenden wahrnahmen, begannen sie darüber nachzudenken, ob sie sich etwa ihrem Nächsten gegenüber versündigt und etwas, das anderen gehörte, angeeignet hätten. Da sich die Gedanken im anderen Leben alle mitteilen, durfte ich ihre Gemütsbewe­gung wahrnehmen. Sie beruhte auf der Anerkennung, daß sie die Betreffenden möglicherweise beleidigt hätten, aus der Scham darüber und zugleich aus anderen gutherzigen Ge­fühlen. Daraus ließ sich erkennen, daß ihnen Nächstenliebe eignete. Gleich darauf sprach ich mit ihnen, und dabei schließ­lich auch über den Herrn. Als ich Christus nannte, zeigte sich bei ihnen ein gewisses Widerstreben, das sie von der Welt her mitgebracht hatten, weil sie wußten, daß die Christen einen schlimmeren Lebenswandel führen als sie und der Nächsten­liebe ermangeln. Als ich ihn aber einfach den „Herrn“ nannte, zeigten sie sich innerlich bewegt. Nachher wurden sie von den Engeln unterrichtet, daß die christliche Lehre mehr als jede an­dere in der Welt Liebe und Nächstenliebe vorschreibe, aber nur wenige nach ihr leben. Es gibt Heiden, die in ihrem irdischen Leben durch eigene Erfahrung oder durch das Gerücht erfah­ren hatten, daß die Christen einen bösen Lebenswandel führen und zu Ehebruch, Haß, Hader, Trunkenheit und der­gleichen neigen, was diese Heiden verabscheuten, weil es ihrer Religion widerspricht. Sie hüten sich daher im anderen Leben ängstlicher als andere, die Glaubenswahrheiten anzunehmen. Von den Engeln werden sie aber darüber unterrichtet, daß die christliche Lehre und der Glaube selbst etwas ganz anderes sind und die Christen weniger als die Heiden nach den Be­stimmungen ihrer Lehre leben. Wenn sie das einsehen, neh­men sie zwar die Glaubenslehren auf und beten den Herrn an, doch zögern sie mehr als andere.

*326. Es ist üblich, daß Heiden, die irgendeinen Gott in einem Bilde, einer Statue oder irgendeinem Götzenbild ange­betet hatten, beim Eintritt ins andere Leben zu gewissen Gei­stern geführt werden, die die Stelle ihrer Götter oder Götzen einnehmen. Das geschieht, damit sie ihre Wahnvorstellungen ablegen. Sind sie dann einige Tage bei diesen Geistern gewe­sen, werden sie von dort hinweggebracht. Wer Menschen an­gebetet hatte, wird auch zuweilen zu denselben oder zu ande­ren, die deren Stelle vertreten, geführt, so z.B. viele von den Juden zu Abraham, Jakob, Moses und David. Sobald sie aber zu der Erkenntnis gelangen, daß diese Menschen sind wie andere auch und ihnen nicht helfen können, fangen sie an, sich zu schämen und werden an den Platz gebracht, der ihrem Leben entspricht. Von den Heiden werden im Himmel am meisten die Afrikaner geliebt, da sie das Gute und Wahre des Himmels leichter aufnehmen als andere. Sie wünschen vor allem als „Gehorsame“, nicht als „Gläubige“ bezeichnet zu werden. Sie sagen, Christen könnten Gläubige genannt werden, weil sie die Glaubenslehren besitzen, nicht aber sie, ehe sie diese Lehre annehmen oder, wie sie sagen, annehmen können.

*327. Ich habe mit einigen gesprochen, die Mitglieder der Alten Kirche gewesen waren. Unter der Alten Kirche ist die Kirche zu verstehen, die nach der Sintflut bestand und sich damals über mehrere Reiche erstreckte: Assyrien, Mesopota­mien, Syrien, Äthiopien, Arabien, Libyen, Ägypten, Philistäa bis nach Tyrus und Sidon und das Land Kanaan diesseits und jenseits des Jordans. Die Menschen dieser Kirche wußten damals vom Herrn, daß er kommen werde und waren in das Gute des Glaubens eingeweiht, fielen aber gleichwohl ab und wurden zu Götzendienern. Diese Geister waren vorn gegen links an einem finsteren Ort und in einem kläglichen Zu­stand. Ihre Rede tönte wie ein monotones Pfeifen, fast ohne Spur eines vernünftigen Denkens. Sie sagten, sie befänden sich dort schon viele Jahrhunderte und würden nur gele­gentlich herausgenommen, anderen geringfügige Dienste zu leisten. Sie gaben mir Anlaß, an die vielen Christen zu den­ken, die zwar nicht äußerlich, wohl aber innerlich Götzen­diener sind, da sie Verehrer ihrer selbst und der Welt sind und den Herrn im Herzen leugnen. Welches Los mag sie im ande­ren Leben erwarten!

*328. Die Kirche des Herrn ist über den ganzen Erdkreis verbreitet, folglich universell. Zu ihr gehören alle, die je nach ihrer Religion im Guten der Nächstenliebe gelebt haben. Die Kirche aber, in der das Wort und dadurch der Herr bekannt ist, verhält sich zu diesen außerhalb von ihr wie das Herz und die Lunge im Menschen, aus denen alle Eingeweide und Glie­der des Körpers, je nach ihren Formen, Positionen und Ver­bindungen in vielfältiger Weise ihr Leben beziehen. Darüber vergleiche man weiter oben in Nr. 308. 



Die Kinder im Himmel.

*329. Manche Menschen glauben, nur die Kinder kämen in den Himmel, die innerhalb der christlichen Kirche geboren wurden. Als Grund geben sie an, diese Kinder seien getauft und durch die Taufe in den Glauben der Kirche eingeweiht worden. Sie wissen nicht, daß niemand durch die Taufe den Himmel oder den Glauben erlangt. Denn die Taufe dient nur als ein Zei­chen und als Erinnerung daran, daß der Mensch wiedergebo­ren werden soll. Und es kann wiedergeboren werden, wer im Schoß der Kirche geboren ist, weil sie das Wort hat, das die gött­lichen Wahrheiten enthält, durch die die Wiedergeburt ge­schieht, und weil in ihr der Herr bekannt ist, von dem die Wie­dergeburt kommt. Sie mögen also wissen, daß jedes Kind, wo auch immer es geboren sein mag, ob innerhalb oder außer­halb der Kirche, ob von frommen oder gottlosen Eltern, sobald es stirbt, vom Herrn aufgenommen und im Himmel erzogen wird. Dort unterrichtet man es der göttlichen Ordnung gemäß und leitet es in Neigungen des Guten und durch diese in Er­kenntnisse des Wahren, um es dann, wenn es an Einsicht und Weisheit zunimmt, in den Himmel einzuführen, wo es ein Engel wird. Wer nachdenkt, könnte wissen, daß niemand für die Hölle, sondern jeder für den Himmel geboren wird, der Mensch daher selbst die Schuld trägt, wenn er in die Hölle kommt, Kinder aber noch in keine Schuld fallen können.

*330. Wenn Kinder sterben, sind sie im anderen Leben zunächst Kinder wie zuvor, haben das gleiche kindliche Gemüt, die gleiche Unschuld in der Unwissenheit und die gleiche Zartheit in allem. Sie befinden sich erst in dem Aus­gangszustand, von dem aus sie Engel werden können, denn die Kinder sind nicht Engel, sondern werden Engel. Jeder nämlich, der diese Welt verläßt, betritt die andere in einem seinem bisherigen ähnlichen Zustand: Das Kind als Kind, der Knabe als Knabe, der Jüngling als Jüngling, der Mann als Mann, der Greis als Greis. Nachher jedoch ändert sich bei einem jeden der Zustand. Die Kinder haben freilich den übri­gen voraus, daß sie im Zustand der Unschuld sind und das Böse bei ihnen noch nicht durch das wirkliche Leben Wur­zeln geschlagen hat. Die Unschuld besitzt aber die Eigen­schaft, daß ihr alles eingepflanzt werden kann, was zum Himmel gehört, ist sie doch ein Aufnahmegefäß für das Wahre des Glaubens und das Gute der Liebe.

*331. Der Zustand der Kinder im anderen Leben übertrifft den der irdischen Kinder, weil sie nicht mit einem irdischen, sondern mit einem engelgleichen Leib bekleidet sind. Der ir­dische Körper ist an sich schwerfällig, er empfängt die ersten Empfindungen und Bewegungen nicht von innen oder von der geistigen Welt her, sondern von außen, von der natürli­chen Welt. Daher müssen die irdischen Kinder zuerst gehen, sich ausdrücken und reden lernen, ja sogar die Sinne, wie Ge­sicht und Gehör, müssen bei ihnen zuerst durch Übung ge­schult werden. Ganz anders ist es bei den Kindern im ande­ren Leben: Als Geistwesen handeln sie sogleich in Überein­stimmung mit ihrem Inneren. Ohne Vorübung können sie gehen, reden, wenn auch zuerst nur aus allgemeinen Nei­gungen, die noch nicht in Denkvorstellungen unterschieden sind. Bald werden sie jedoch auch dazu angeleitet, und zwar weil ihr Äußeres gleichartig mit dem Inneren ist. Die Engel­sprache geht aus den durch die Denkvorstellungen variierten Neigungen hervor, und so wird sie den aus der Neigung stam­menden Gedanken ganz angeglichen (man vergleiche oben Nr. 234 245).

*332. Die Kinder werden unmittelbar nach ihrem Tode auferweckt, in den Himmel erhoben und weiblichen Engeln übergeben, die in ihrem irdischen Leben die Kinder zärtlich geliebt und zugleich auch Gott geliebt hatten. Da sie in der Welt alle Kinder mit einer gleichsam mütterlichen Zärtlich­keit geliebt hatten, nehmen sie die abgeschiedenen Kinder in ihre Zärtlichkeit auf und werden von diesen auch spontan als Mütter geliebt. Bei jeder Engelfrau sind so viele Kinder, wie sie in ihrer geistigen Mutterliebe begehrt. Dieser Him­mel erscheint vorn in der Gegend der Stirn, gerade in der Linie oder Richtung, in der die Engel den Herrn schauen, weil alle Kinder unter der unmittelbaren Obhut des Herrn stehen, ebenso wie unter dem Einfluß des dritten Himmels, des Himmels der Unschuld.

*333. Die Kinder haben verschiedenartige Anlagen, die einen zu geistigen, die anderen zu himmlischen Engeln. Letz­tere erscheinen in jenem Himmel auf der rechten, erstere auf der linken Seite. Aber alle Kinder im größten Menschen, im Himmel, befinden sich in der Gegend der Augen   beim lin­ken Auge die Kinder mit geistiger, beim rechten Auge die Kin­der mit himmlischer Anlage. Der Grund für diese Erscheinung liegt darin, daß der Herr den Engeln des geistigen Reiches vor dem linken Auge erscheint, denen des himmlischen Reiches aber vor dem rechten Auge (man vergl. oben Nr. 118). Die Tat­sache, daß die Kinder im größten Menschen oder Himmel in der Gegend der Augen sind, zeigt auch, daß sie unter der un­mittelbaren Aufsicht und Leitung des Herrn stehen.

*334. Wie die Kinder im Himmel erzogen werden, soll auch kurz beschrieben werden. Von ihrer Erzieherin lernen sie sprechen, wobei es sich zunächst nur um Laute der Nei­gung handelt, die bestimmter werden, sobald sich Denkvor­stellungen damit verbinden. Die Denkvorstellungen aus den Neigungen bilden nämlich die ganze Engelsprache, wie man oben in dem betreffenden Abschnitt, Nr. 234 245, nachlesen kann. In ihre Neigungen, die alle der Unschuld entstammen, werden zuerst die Dinge eingeflößt, die vor ihren Augen er­scheinen und ihnen Freude machen. Da sie geistigen Ur­sprungs sind, fließt zugleich mit ihnen auch Himmlisches ein, durch das ihr Inneres aufgeschlossen wird. Auf diese Weise werden sie von Tag zu Tag vollkommener. Haben sie dieses erste Alter überschritten, werden sie in einen anderen Himmel versetzt, in dem sie von Lehrern unterrichtet wer­den, und so fort.

*335. Die Kinder werden vor allem durch Vorbildungen unterrichtet, die ihrer Gemütsart angemessen sind. Wie schön und wie reich diese von innen her mit Weisheit erfüllt sind, vermag niemand zu glauben. Auf diese Weise wird ihnen stufenweise der Verstand eingeflößt, der seine Seele vom Guten hat. Zwei solcher Vorbildungen, die ich sehen durfte, möchte ich hier anfügen. Aus ihnen möge man auf die übrigen schließen. Als erstes bildeten die Engel den Herrn vor, wie er aus dem Grab auferstand, gleichzeitig die Vereinigung seines Menschlichen mit dem Göttlichen. Das geschah auf eine so weisheitsvolle Art, daß es alle menschli­che Weisheit überstieg und dabei doch kindlich unschuldig blieb. Auch das Begräbnis bildeten sie vor, wobei sie jedoch vermieden, eine Vorstellung vom Herrn zu vermitteln, oder doch nur so weit entfernt, daß man kaum erkennen konnte, daß es sich um den Herrn handelte. Sie vermieden auf diese Weise, daß der Vorstellung des Grabes etwas Leichenartiges anhaftete. Nachher ließen sie vorsichtig etwas Atmosphäri­sches in das Grab eindringen, das wie eine durchsichtige Flüssigkeit erschien und durch das sie — ebenfalls unter schicklicher Zurückhaltung — das geistige Leben in der Taufe bezeichneten. Später sah ich, wie sie die Niederfahrt des Herrn zu den Gebundenen und seine Auffahrt zusam­men mit ihnen in den Himmel vorbildeten; auch dies ge­schah mit unvergleichlich klugem und frommem Sinn. Und ganz kindlich war es, als sie fast unsichtbare, sehr weiche und zarte Stricke herabließen, um den Herrn bei seiner Auf­fahrt damit emporzuheben. Dabei leitete sie eine heilige Furcht, daß sie mit dem Vorbildenden nicht irgendetwas berührten, das nichts mit dem Himmlisch Geistigen ge­mein hätte. Es gibt aber unter ihnen auch andere Vorbil­dungen, die die Kinder wie durch Spiele — ihrem Gemüt an­gepaßt — in die Erkenntnisse des Wahren und in die Neigun­gen des Guten einführen.

*336. Auch das Wesen des zarten Verstandes wurde mir gezeigt. Als ich das Gebet des Herrn betete und sie dann aus ihrer Verständigkeit heraus in die Vorstellungen meines Den­kens einflossen, empfand ich das als so zart und weich, daß es mir aus lauter Neigung zu bestehen schien. Zugleich beob­achtete ich dabei auch, daß der Bereich ihres Verstandes bis hin zum Herrn aufgeschlossen war, denn was von ihm kam, strömte gleichsam durch sie hindurch. Tatsächlich fließt auch der Herr hauptsächlich vom Innersten her in die Vor­stellungen der Kinder ein, denn nichts verschließt diese, wie bei den Erwachsenen. Keine falschen Grundsätze schließen sie gegenüber dem Verständnis des Wahren ab, kein Böses gegenüber der Aufnahme des Guten und der Weisheit. Damit dürfte klar sein, daß die Kinder nicht unmittelbar nach dem Tode in den Zustand der Engel kommen, sondern erst all­mählich durch Erkenntnisse des Guten und Wahren darin eingeführt werden, und zwar ganz der himmlischen Ord­nung gemäß. Dem Herrn ist nämlich jede einzelne Anlage bei ihnen bekannt, daher werden sie jeder ihrer Neigungen ent­sprechend zur Aufnahme der Wahrheiten des Guten und des Guten aus dem Wahren geführt.

*337. Mir ist auch gezeigt worden, wie ihnen alles so bei­gebracht wird, daß es ihnen angenehm und lieblich er­scheint, weil es ihrer Gemütsart zusagt. Ich durfte auch Kin­der sehen, die auf das anmutigste gekleidet waren und an der Brust wie an den zarten Ärmchen Blumengewinde trugen, die im herrlichsten Schmelz himmlischer Farben leuchteten. Einmal durfte ich auch Kinder mit ihren Erzieherinnen und mit Jungfrauen in einem paradiesischen Garten beobachten. Er wurde weniger durch Bäume als durch lorbeerartige, zu einer Pergola ineinandergeflochtenen Sträucher aufs herr­lichste geschmückt — Wege, die von den Eingängen her ins In­nere führten. Die Kinder selbst waren in der genannten Weise gekleidet, und bei ihrem Eintritt leuchtete das Blumen­gehänge über dem Eingang in fröhlichster Pracht. Man sieht daraus, in welchen Wonnen sie leben und daß sie durch lieb­liche und angenehme Erlebnisse in das Gute der Unschuld und der Nächstenliebe eingeführt werden. Dieses Gute legt der Herr fortwährend in jene angenehmen und lieblichen Er­lebnisse hinein.

*338. Es ist mir auch in der im anderen Leben üblichen Kommunikationsweise gezeigt worden, welche Vorstel­lungen die Kinder haben, wenn sie irgendwelche Dinge sehen. Sie reagierten so, als ob alles bis ins letzte hinein le­bendig sei, und daher ist auch jede Vorstellung in ihrem Den­ken voller Leben. Es wurde mir klar, daß die Kinder auf Erden bei ihren Spielen ganz ähnliche Gedanken nähren, denn sie fragen noch nicht, wie die Erwachsenen, ob etwas beseelt oder unbeseelt sei.

*339. Oben wurde gesagt, die Kinder hätten entweder die Anlage zu Himmlischem oder zu Geistigem. Die ersteren sind von den letzteren wohl zu unterscheiden. Sie denken, reden und handeln nämlich so sanft, daß dabei nur zum Vorschein kommt, was aus der Liebe des Guten zum Herrn und zu anderen Kindern hervorströmt. Letztere hingegen sind nicht so sanft, vielmehr zeigt sich bei ihnen im einzel­nen etwas Vibrierendes, gleich Flügelschlag. Daraus zeigt sich unter anderem auch, daß sie gelegentlich unwillig wer­den können.

*340. Viele mögen der Meinung sein, Kinder blieben im Himmel Kinder und seien dann gewissermaßen Engelkinder. Wer sich in Unwissenheit darüber befindet, was ein Engel ist, konnte in dieser Meinung noch bestärkt werden durch Bilder, wie man sie gelegentlich in den Kirchen findet und auf denen die Engel als Kinder dargestellt werden. Die Sache verhält sich jedoch ganz anders. Einsicht und Weisheit machen den Engel aus, und solange die Kinder diese noch nicht haben, sind sie zwar bei den Engeln, aber noch keine Engel. Erst wenn sie verständig und weise sind, werden sie zu Engeln. Ja, was mich verwunderte, sie erscheinen dann auch nicht mehr als Kinder, sondern als Erwachsene, weil sie nicht mehr die kindliche, sondern die reifere Art des Engels an sich haben, was Einsicht und Weisheit mit sich bringt. Je mehr die Kinder an Einsicht und Weisheit reifen, umso erwachsener erschei­nen sie, und schließlich werden sie junge Leute und junge Männer. Der Grund liegt darin, daß Einsicht und Weisheit die eigentliche geistige Nahrung darstellen. Was daher ihre Gemüter nährt, nährt vermöge der Entsprechung auch ihre Leiber, ist doch die Gestalt des Leibes nichts als die äußere Form des Inwendigen. Man wisse aber, daß die Kinder im Himmel nicht weiter als bis zum ersten Mannesalter heran­wachsen, in dem sie dann in Ewigkeit bleiben. Um mir über diesen Punkt Gewißheit zu verschaffen, durfte ich mit eini­gen sprechen, die als Kinder im Himmel erzogen und dort herangewachsen waren. Mit einigen durfte ich auch reden solange sie noch Kinder waren, und dann später, als sie das Mannesalter erreicht hatten. Von ihnen vernahm ich, wie ihr Leben von einem Alter zum anderen verlaufen war.

*341. Die Unschuld ist das Aufnahmegefäß für alles Himmlische, die Unschuld der Kinder stellt somit die Grundlage aller Neigungen des Guten und Wahren dar. Schon daraus könnte bekannt sein, was oben (276 283) über die Unschuld der Engel im Himmel offenbart wurde, näm­lich daß sie darin besteht, daß man vom Herrn und nicht von sich selbst geführt werden will, daß der Mensch folglich in dem Maße Unschuld besitzt, als er von seinem Eigenen entfernt ist. Je weiter jemand von seinem Eigenen entfernt ist, desto näher ist er beim Herrn, und dies wird als die Ge­rechtigkeit und das Verdienst des Herrn bezeichnet. Bei der Unschuld der Kinder handelt es sich jedoch nicht um die echte Unschuld, weil sie noch ohne Weisheit ist. Echte Un­schuld ist Weisheit, denn je weiser jemand ist, desto mehr liebt er es, sich vom Herrn führen zu lassen, oder — was auf dasselbe hinausläuft — wer sich vom Herrn führen läßt, ist weise. Die Kinder werden daher von ihrer anfänglichen äußerlichen Unschuld, der Unschuld der Kindheit, zur in­nerlichen Unschuld, der Unschuld der Weisheit, geleitet. Diese ist das Endziel ihrer ganzen Unterweisung und Ent­wicklung. Sobald die Kinder dahin gelangt sind, werden sie auch mit der Unschuld der Kindheit, die ihnen unterdessen als Grundlage gedient hatte, verbunden. Wie die Unschuld kleiner Kinder aussieht, wurde mir im Bilde gezeigt durch etwas Hölzernes und beinahe Lebloses, das aber belebt wird, sobald die Kinder durch Erkenntnisse des Wahren und Nei­gungen des Guten vervollkommnet werden. Hernach wurde mir auch die echte Unschuld bildhaft dargestellt, und zwar durch ein wunderschönes, lebensvolles nacktes Kind. Die wahrhaft Unschuldigen nämlich, die im innersten Himmel und somit dem Herrn am nächsten sind, erscheinen eben vor den Augen der anderen Engel als Kinder, und zwar als nackte, wird doch die Unschuld durch eine Nacktheit vorge­bildet, über die man nicht errötet; so heißt es vom ersten Menschen und seinem Weibe im Paradies (1.Mose.2,25); und erst als sie den Zustand der Unschuld verloren hatten, erröteten sie daher über ihre Nacktheit und versteckten sich (1.Mose.3,7.10f). Mit einem Wort: Je weiser die Engel sind, desto unschuldiger sind sie, und je unschuldiger sie sind, desto mehr erscheinen sie einander als Kinder. Darin liegt auch der Grund, daß die Kindheit im Wort die Unschuld be­zeichnet (man sehe oben Nr. 278).

*342. Ich habe mit den Engeln darüber gesprochen, ob die Kinder vom Bösen rein seien, da sie das Böse nicht ver­wirklicht haben wie die Erwachsenen. Es wurde mir jedoch gesagt, sie befänden sich ebenso im Bösen, ja auch sie seien nichts als Böses, würden aber, wie alle Engel, durch den Herrn vom Bösen abgehalten und im Guten erhalten — so sehr, daß es ihnen schiene, als ob sie aus sich selbst im Guten wären. Die im Himmel herangewachsenen Kinder werden daher auch, damit sie nicht in den Wahn verfallen, ihr Gutes stamme aus ihnen selbst und nicht vom Herrn, ge­legentlich in ihr erblich empfangenes Böses zurückversetzt und solange darin belassen, bis sie wissen, anerkennen und glauben, daß sich die Sache wirklich so verhält. Ein gewisser Geist, als Kind gestorben, aber im Himmel herangewachsen, hatte sich auch jene Meinung gebildet. Es handelte sich um den Sohn eines Königs. Er wurde daher in das ihm angebo­rene Leben des Bösen zurückversetzt, und dann empfand ich aufgrund der Sphäre seines Lebens, daß er einen Hang hatte, anderen zu befehlen und den Ehebruch für nichtig zu achten. Das waren die ihm von seinen Eltern vererbten Übel. Als er aber diese seine Natur erkannt hatte, wurde er wieder unter die Engel aufgenommen, zu denen er vorher gehört hatte. Im anderen Leben erleidet niemand Strafe für sein anererbtes Böses, da es ihm nicht angehört und er folglich auch nicht Schuld daran hat. Er leidet vielmehr nur für das wirkliche Böse, das sein eigen ist, soviel er sich nämlich von seinem ererbten Bösen durch sein tatsächliches Leben ange­eignet hat. Die im Himmel herangewachsenen Kinder wer­den nicht etwa deshalb in den Zustand ihres ererbten Bösen zurückversetzt, um sie zu strafen, sondern damit sie wissen, daß sie von sich aus nichts als Böses sind und nur durch die Barmherzigkeit des Herrn aus der Hölle, die bei ihnen ist, in den Himmel erhoben werden, also nicht aufgrund ihres ei­genen Verdienstes. Außerdem sollen sie sich nicht vor ande­ren wegen ihres Guten rühmen; dies wäre sowohl ein Ver­stoß wider das Gute der gegenseitigen Liebe als auch wider das Wahre des Glaubens.

*343. Es geschah mehrfach, daß eine Schar von Kindern noch ganz kindlichen Wesens in Chören bei mir zusammen waren. Sie ließen sich als etwas Zartes, Ungeordnetes ver­nehmen, das noch nicht als solche Einheit zusammenwirkte wie bei weiter Herangewachsenen. Die Geister, die bei mir waren, konnten sich zu meiner Verwunderung nicht enthal­ten, ihnen Anleitung zu geben, wie sie sprechen sollten; die­ser Hang ist den Geistern angeboren. Ebenso oft konnte ich aber auch bemerken, daß die Kinder widerstrebten und nicht so sprechen wollten. Solches Weigern und Widerstre­ben, verbunden mit einer Art von Unwillen, habe ich öfter wahrgenommen. Und wenn ihnen Erlaubnis gegeben wurde, sich zu äußern, so sagten sie bloß, daß dem nicht so sei. Ich wurde belehrt, daß die Kinder auf diese Art versucht würden, damit sie sich daran gewöhnen und lernen, nicht allein dem Falschen und Bösen zu widerstehen, sondern auch nicht nach eines anderen Sinn zu denken, zu reden und zu handeln, sich also von keinem anderen leiten zu las­sen, als allein vom Herrn.

*344. Aus dem Gesagten läßt sich das Wesen der Kinder­erziehung im Himmel ersehen, nämlich daß sie durch die Er­kenntnis des Wahren und durch die Weisheit des Guten in das Leben der Engel eingeführt werden, das heißt in die Liebe zum Herrn und in die gegenseitige Liebe, denen Unschuld innewohnt. Wie entgegengesetzt aber in vielen Fällen die Er­ziehung der Kinder auf Erden ist, zeige das folgende Beispiel. Ich befand mich auf der Straße einer Großstadt und sah, wie kleine Knaben miteinander rauften. Die Menge strömte her­bei und sah mit großem Vergnügen zu. Man erzählte mir, daß die Eltern selbst ihre kleinen Knaben zu solchen Kämpfen er­munterten. Die guten Geister und Engel, die durch meine Augen schauten, verabscheuten das dermaßen, daß ich einen Schauder empfand, vor allem darüber, daß die Eltern sie auch noch dazu ermunterten. Die Engel sagten, die Eltern löschten auf diese Weise schon im ersten Alter alle gegensei­tige Liebe und Unschuld aus, die die Kinder vom Herrn her besitzen, und führten sie in Haß und Rachsucht ein, schlös­sen also ihre Kinder mit Fleiß vom Himmel aus, wo nichts als gegenseitige Liebe herrscht. Die Eltern, die ihren Kindern Gutes wünschen, mögen sich also davor hüten.

*345. Der Unterschied zwischen denen, die als Kinder, und denen, die als Erwachsene sterben, soll nun auch noch herausgestellt werden. Die letzteren haben eine Grundlage, die sie von der irdischen und materiellen Welt her bekom­men und mitnehmen. Diese Grundlage ist ihr Gedächtnis und seine natürliche, körperliche Neigung. Sie bleibt unver­ändert, und obwohl sie dann ruht, dient sie dennoch dem Denken nach dem Tode als eine letzte Grundlage, in die die Gedanken einfließen. Daraus ergibt sich die Tatsache, daß der Mensch nach dem Tode so beschaffen ist wie diese Grundlage und so wie seine Vernunft mit dem in Entspre­chung steht, was sie enthält. Die Engel, die als Kinder gestor­ben und im Himmel erzogen worden sind, besitzen aber eine andere, nämlich eine geistig natürliche Grundlage, da sie nichts von der materiellen Welt und vom irdischen Körper an sich haben. Sie können daher nicht grobe Neigungen und daraus stammende Gedanken besitzen, da sie alles aus dem Himmel haben. Zudem wissen die Kinder nicht, daß sie in der Welt geboren wurden, sondern glauben, sie seien im Himmel geboren. Sie wissen daher nur von der geistigen Ge­burt, die durch Erkenntnisse des Guten und Wahren, sowie durch Einsicht und Weisheit geschieht, durch die der Mensch ein Mensch ist. Und weil diese vom Herrn stammen, glauben sie, daß sie dem Herrn selbst angehören und lieben es, so zu sein. Dennoch kann der Zustand der Menschen, die auf Erden her­anwachsen, ebenso vollkommen werden wie der Zustand der Kinder in den Himmeln, sofern sie nur die körperlichen und irdischen Triebe, die ihrer Selbst  und Weltliebe angehören, entfernen und an deren Stelle geistige Neigungen in sich auf­nehmen. 



Weise und Einfältige im Himmel.

*346. Man meint, die Weisen würden im Himmel Herr­lichkeit und Vorrang vor den Einfältigen haben, weil es bei Daniel heißt:

„Die Einsichtsvollen werden leuchten wie der Glanz des Him­mels, und die, welche viele zur Gerechtigkeit führen, wie die Sterne immer und ewiglich“. (12,3)

Wenige wissen aber, was unter den Einsichtsvollen und unter denen, die zur Gerechtigkeit führen, zu verstehen ist. Man glaubt gewöhnlich, es handle sich dabei um die soge­nannten Gebildeten und Gelehrten, vor allem um Theolo­gen, die sich durch Lehre und Predigt vor anderen hervorge­tan oder gar viele zum Glauben bekehrt hätten — solche Men­schen hält man in der Welt für besonders einsichtsvoll. Sie sind aber keineswegs identisch mit den Einsichtsvollen im Himmel, von denen die angeführten Worte handeln — es sei denn, ihre Einsicht sei tatsächlich himmlischer Art. Über deren Beschaffenheit soll im Folgenden gesprochen werden.

*347. Die himmlische Einsicht ist eine tiefer gehende Ein­sicht. Sie entspringt der Liebe zur Wahrheit, nicht der Liebe zum irdischen oder himmlischen Ruhm, vielmehr der Liebe zur Wahrheit um ihrer selbst willen, von der die Betreffenden aufs innigste angeregt und erfreut werden. Wer aber von der Wahrheit selbst angeregt und erfreut wird, der wird vom Lichte des Himmels angeregt und erfreut. Das Licht des Him­mels ist nämlich das Göttlich Wahre, und dieses ist der Herr im Himmel (man vergl. oben Nr. 126 140). Dies Licht dringt nur in das Innere des Gemüts ein, denn dieses ist zu seiner Aufnahme geschaffen, und so wie es eindringt, regt es an und erfreut. Alles nämlich, was vom Himmel her einfließt und aufgenommen wird, birgt Angenehmes und Liebliches in sich. Daher stammt auch die echte Neigung zur Wahrheit, die das Wahre um des Wahren willen liebt. Alle, die diese Nei­gung oder — was auf dasselbe hinausläuft — diese Liebe besit­zen, sind in himmlischer Einsicht und leuchten im Himmel wie vom Glanz des Himmelsgewölbes; denn wie oben Nr. 132 gezeigt wurde, leuchtet das Göttlich Wahre, wo immer im Himmel es sich zeigt. Das Himmelsgewölbe aber bedeutet aufgrund der Entsprechung jene Verstandesfähigkeit bei En­geln und Menschen, die im Licht des Himmels steht. Men­schen aber, deren Wahrheitsliebe auf weltlichen oder himm­lischen Ruhm aus ist, können im Himmel nicht leuchten, da sie gar nicht durch das echte Licht des Himmels erfreut und angeregt werden, sondern durch das Weltlicht. Das aber ist ohne das himmlische Licht lauter Finsternis im Himmel. Bei solchen Menschen herrscht der Selbstruhm vor, weil er ihr Endzweck ist, und wo dies der Fall ist, hat der Mensch vor allem sich selbst im Auge und betrachtet die Wahrheiten, die ihm zu Ruhm verhelfen, nur als Mittel zum Zweck und nütz­liches Werkzeug. Wer immer göttliche Wahrheiten um seines eigenen Ruhmes willen liebt, blickt dabei nur auf sich selbst und nicht auf den Herrn. Daher wendet er seinen Blick — den Blick des Verstandes und des Glaubens — vom Himmel auf die Welt und vom Herrn auf sich selbst. Darin liegt der Grund, daß viele solche Menschen sich im Licht der Welt und nicht im Lichte des Himmels befinden. Ihrer äußeren Gestalt nach, also vor den Menschen, erscheinen sie zwar ebenso ein­sichtsvoll und gelehrt wie jene, die himmlisches Licht haben, und zwar weil sie ebenso weise, dem Anschein nach zuweilen sogar noch weiser reden, werden sie doch von der Liebe zu sich selbst angefeuert und haben Übung darin, himmlische Gefühle vorzutäuschen. Ihrer inneren Gestalt nach, in der sie vor den Engeln erscheinen, sehen sie aber völlig anders aus. Dies zeigt einigermaßen, wer mit den „Einsichtsvollen“ ge­meint ist, die im Himmel leuchten werden wie der Glanz der Himmelsfeste. Im Folgenden soll nun aber gezeigt werden, wer unter denen zu verstehen ist, die „viele zur Gerechtigkeit führen“ und „glänzen werden wie die Sterne“.

*348. Unter denen, die viele zur Gerechtigkeit führen, sind die Weisen zu verstehen, und zwar heißen im Himmel diejenigen weise, die sich im Guten befinden. Gut aber sind dort die Engel, die die göttlichen Wahrheiten zugleich ins Leben umsetzen. Wenn nämlich das göttliche Wahre zur Lebensangelegenheit wird, so wird es zum Guten, zur Sache des Willens und der Liebe. Alles aber, was zum Willen und zur Liebe gehört, heißt Gutes. Sie werden darum weise genannt, weil die Weisheit eine Angelegenheit des Lebens ist. Die an­deren dagegen heißen nur Einsichtige, weil sie die göttlichen Wahrheiten nicht so leicht aufs Leben anwenden, sondern zuerst im Gedächtnis niederlegen, um sie erst später wieder hervorzuholen und dem Leben zu übergeben. Worin und wieso die einen und anderen in den Himmeln verschieden sind, kann man in dem Abschnitt nachlesen, in dem von den beiden Reichen des Himmels, dem himmlischen und dem geistigen, berichtet wird (Nr. 20 28), sowie in dem Abschnitt über die drei Himmel (Nr. 29 40). Die Angehörigen des himmlischen Reiches des Herrn, also des dritten oder inner­sten Himmels, heißen Gerechte, weil sie sich selbst keine, dem Herrn aber alle Gerechtigkeit zuschreiben. Im Himmel ist die Gerechtigkeit des Herrn das Gute, das vom Herrn herrührt. Deshalb werden diese hier unter denen verstan­den, die viele zur Gerechtigkeit führen werden. Auf sie bezie­hen sich auch die Worte des Herrn:

„Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne im Reiche mei­nes Vaters“. (Matth.13,43)

Sie leuchten wie die Sonne, weil sie vom Herrn her in der Liebe zum Herrn sind und diese Liebe durch die Sonne be­zeichnet wird (vergl. Nr. 116 125). Ihr Licht ist auch feurig, und ihre Denkvorstellungen haben etwas Feuriges, weil sie das Gute der Liebe unmittelbar vom Herrn als der Sonne des Himmels aufnehmen.

*349. Im Himmel sind alle willkommen, die sich in der Welt Einsicht und Weisheit erworben haben. Jeder von ihnen wird zum Engel entsprechend der Art und Größe seiner Ein­sicht und Weisheit. Alles nämlich, was sich der Mensch in der Welt erwirbt, bleibt, und er nimmt es nach dem Tode mit sich. Es wird auch vermehrt und zur Fülle gebracht, jedoch nur soweit der Grad seiner Neigung und seines Verlangens nach dem Wahren und Guten reicht, nicht darüber hinaus. Wer wenig Neigung und Verlangen hatte, nimmt wenig auf, immerhin soviel, wie er innerhalb jenes Grades aufnehmen kann. Wer hingegen große Neigung und großes Verlangen da­nach hatte, nimmt viel auf, denn der eigentliche Grad der Neigung und des Verlangens ist wie ein Maß, das bis zur Neige angefüllt wird. Mehr erhält also, wer ein großes, weni­ger, wer ein kleines Maß besitzt. Der Grund dafür liegt darin, daß die Liebe, zu der Neigung und Verlangen gehören, alles ihr Zusagende aufnimmt; je größer also die Liebe ist, desto mehr nimmt sie auf. Dies meinen die Worte des Herrn:

„Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe“ (Matth.13,12 und 25,29).

„Ein vollgedrückt, gerüttelt und über­fließend Maß wird man in euren Schoß geben“. (Luk.6,38)

*350. In den Himmel werden alle aufgenommen, die das Wahre und Gute um des Wahren und Guten willen geliebt hat­ten. Die viel geliebt hatten, werden Weise genannt, während die anderen, die wenig geliebt hatten, als Einfältige bezeich­net werden. Im Himmel leben die Weisen in einem starken, die Einfältigen in einem schwächeren Licht, jeder nach dem Grade seiner Liebe zum Guten und Wahren. Das Wahre und Gute um seiner selbst willen zu lieben heißt, es zu wollen und zu tun, denn nur wer liebt, der führt auch tatsächlich aus, was er will. Nicht aber die anderen, die es weder wollen noch tun. Die ersten sind es auch, die den Herrn lieben und vom Herrn geliebt werden, weil Gutes und Wahres vom Herrn stammen und darum auch der Herr darin ist. Folglich ist der Herr auch bei denen, die das Gute und Wahre durch die Ausführung ihrem Leben einverleiben. An sich betrachtet ist auch der Mensch nichts anderes als sein Gutes und Wahres, gehört doch das Gute seinem Willen und das Wahre seinem Ver­stande an, und ist er doch so beschaffen, wie es sein Wille und Verstand sind. Damit ist klar, daß der Mensch soweit vom Herrn geliebt wird, wie sein Wille vom Guten und sein Ver­stand vom Wahren gebildet wird. Vom Herrn geliebt werden heißt aber auch den Herrn lieben, da die Liebe auf demselben Weg zurückkehrt, denn der Herr verleiht dem, der geliebt wird, daß er wiederlieben kann.

*351. In der Welt glaubt man, daß alle, die viel wissen, be­treffe es nun die Lehren der Kirche, das Wort Gottes oder die Wissenschaften, die Wahrheiten tiefer und schärfer als andere erkennen könnten, also mehr Einsicht und Weisheit besäßen. Die Betreffenden selbst hegen auch die gleiche Meinung von sich selbst. Im Folgenden soll nun aber gezeigt werden, wie sich die wahre, die unechte und die falsche Einsicht und Weis­heit unterscheiden: Die wahre Einsicht und Weisheit besteht darin, daß man erkennt und innewird, was wahr und gut und von da aus auch, was falsch und böse ist, und daß man es aus Intuition und Innewerden gut voneinander unterscheidet. Bei jedem Menschen finden sich innere und äußere Dinge. Er­stere gehören zum inneren oder geistigen Menschen, letztere aber zum äußeren oder natürlichen Menschen. Gemäß der Form dieser inneren Dinge und ihrer Übereinstimmung mit dem Äußeren sieht und empfindet der Mensch. Alles Innere des Menschen kann nur im Himmel gebildet werden, das Äußere aber formt sich in der Welt. Ist das Innere im Himmel gebildet, dann fließt das Himmlische in das Äußere ein und formt es zur Entsprechung, das heißt dazu, daß es mit ihm einheitlich zusammenwirken kann. Ist dies geschehen, sieht und empfindet der Mensch aus dem Inneren heraus. Das ein­zige Mittel, dieses Innere auszubilden, besteht darin, daß der Mensch seinen Blick auf das Göttliche und den Himmel rich­tet, denn, wie gesagt, das Innere wird im Himmel gebildet. Der Mensch richtet aber dann seinen Blick auf das Göttliche, wenn er daran glaubt und es für die Quelle alles Wahren und Guten, mithin aller Einsicht und Weisheit hält. Ferner zeigt sich sein Glaube an das Göttliche, wenn er sich von ihm führen lassen will. Nur auf diese Weise wird das Innere des Menschen aufgeschlossen. Ein Mensch, der in solchem Glau­ben ein dementsprechendes Leben führt, hat auch die Fähig­keit und Kraft, einsichtsvoll und weise zu werden. Dazu muß er aber noch vieles lernen, und nicht nur Dinge, die den Him­mel, sondern auch Dinge, die die Welt angehen — die ersteren aus dem Wort und durch die Kirche, die letzteren durch die Wissenschaft. Je besser der Mensch diese Dinge lernt und aufs Leben anwendet, desto einsichtsvoller und weiser wird er, desto mehr wächst sein inneres Sehen, das Sehen seines Ver­standes, sowie seine innere Neigung, die Neigung seines Wil­lens. Bei den Einfachen dieser Gruppe ist das Innere zwar geöffnet, doch nicht so kultiviert durch geistige, sittliche, bür­gerliche und natürliche Wahrheiten. Sie empfinden zwar die Wahrheiten, sobald sie diese hören, aber sie sehen sie nicht in sich selbst. Bei den Weisen dieser Gruppe dagegen ist das In­nere nicht nur aufgeschlossen, sondern auch ausgebildet, so daß sie die Wahrheiten zugleich empfinden und in sich selbst erblicken. Damit dürfte klar sein, worin wahre Einsicht und Weisheit besteht.

*352. Die unechte Einsicht und Weisheit beruht darauf, daß man nicht vom Inneren heraus sieht und empfindet, was wahr und gut, folglich auch, was falsch und böse ist, sondern bloß glaubt, wahr und gut bzw. falsch und böse sei, was von anderen dafür ausgegeben wird, und es dann begründet. Wer somit die Wahrheiten nicht aus der Wahrheit selbst, sondern mit den Augen eines anderen Menschen sieht, kann ebenso das Falsche wie das Wahre aufgreifen und glauben und es auch bis zu einem Punkt begründen, daß es als Wahrheit er­scheint. Alles nämlich, was begründet wird, nimmt den Schein der Wahrheit an, und es gibt nichts, was man nicht be­gründen könnte. Das Innere solcher Menschen ist nicht auf­geschlossen, es sei denn von unten her, ihr Äußeres aber so weit, wie sie sich (in ihrer Haltung) bestärkt haben. Das Licht, aus dem sie sehen, ist daher nicht das Himmels  sondern das Weltlicht, das Licht der Natur, in dem Irrtümer ebenso leuch­ten wie Wahrheiten. Ja, durch die Begründung können sie sogar Glanz gewinnen, doch nicht aus himmlischem Licht. Je mehr die Angehörigen dieser Gruppe sich in ihren Meinungen bestärkt haben, desto mehr verlieren sie an Einsicht und Weis­heit. Dagegen sind einsichtiger und weiser alle, bei denen das nicht so sehr der Fall ist. Damit dürfte klar sein, was unechte Einsicht und Weisheit ist. Zu dieser Gruppe gehören jedoch nicht jene, die als Knaben für wahr hielten, was sie von ihren Lehrern gehört hatten, als Jünglinge aber, sobald sie von einem eigenen Standpunkt aus dachten, nicht daran hängen blieben, sondern ein Verlangen nach der Wahrheit hatten und aus diesem Verlangen heraus danach suchten und, sobald sie diese gefunden hatten, innerlich davon angeregt wurden. Wer von der Wahrheit um der Wahrheit willen angeregt wird und sich darin bestärkt, erkennt das Wahre. Dafür ein Beispiel: Unter den Geistern fand eine Unterredung darüber statt, woher es wohl komme, daß die Tiere in alle Kenntnisse hin­eingeboren würden, die ihrem Wesen angemessen sind, nicht aber der Mensch. Der Grund, so wurde gesagt, liege darin, daß die Tiere sich im Unterschied zum Menschen in ihrer Lebens­ordnung befänden. Der Mensch müsse erst durch Kenntnisse und Wissenschaften in die Ordnung eingeführt werden; würde er hingegen in seine Lebensordnung hineingeboren — und diese Ordnung besteht darin, daß er Gott über alles und den Nächsten wie sich selber lieben soll —, so würde er zu­gleich auch in Einsicht und Weisheit hineingeboren, also zu­gleich auch in den Glauben an alles Wahre, soweit die Er­kenntnisse hinzukämen. Die guten Geister erkannten dies so­fort und fühlten, daß es richtig sei allein schon am Licht des Wahren. Die Geister hingegen, die sich im bloßen Glauben be­stärkt und daher Liebe und Nächstenliebe beiseite gelassen hatten, konnten es nicht einsehen, weil das Licht des Fal­schen, in dem sie sich begründet hatten, bei ihnen das Licht des Wahren verdunkelte.

*353. Falsch ist alle Einsicht und Weisheit, der die Aner­kennung des Göttlichen fehlt. Wer nicht das Göttliche aner­kennt, sondern statt dessen die Natur, denkt nämlich aus­schließlich aus dem Körperlich Sinnlichen und ist rein sinn­lich, so sehr er auch in der Welt als gebildet und gelehrt gelten mag. Seine Bildung erhebt sich nicht über das Augen­scheinliche in der Welt. Dies hält sein Gedächtnis fest und be­trachtet es fast ausschließlich unter materiellen Gesichts­punkten, obwohl es sich dabei um dieselben Wissenschaften handelt, die den wahrhaft Verständigen zur Ausbildung ihrer Vernunft dienen. Unter den Wissenschaften sind hier die ver­schiedenen Arten experimenteller Erkenntnisse zu verstehen, wie Physik, Astronomie, Chemie, Mechanik, Geometrie, Ana­tomie, Psychologie, Philosophie, die Staats  und Literaturge­schichte, die Kritik, die Sprachen. Auch die Geistlichen, die das Göttliche leugnen, erheben ihre Gedanken nicht über das Sinnliche, das dem äußeren Menschen angehört. Sie betrach­ten den Inhalt des Göttlichen Wortes wie andere die Wissen­schaft, machen ihn auch nicht zum Gegenstand ihres Nach­denkens oder der Betrachtung aus erleuchteter Vernunft, und zwar deshalb nicht, weil ihr Inneres verschlossen ist und damit zugleich auch das dem Inneren am nächsten liegende Äußere. All dies ist bei ihnen verschlossen, weil sie dem Himmel den Rücken zukehren, und alles in sich abgewendet haben, was den Blick in diese Richtung lenken könnte (und das ist, wie ge­sagt, das Innere des Gemüts). Deshalb können sie nichts Wah­res und Gutes erkennen, denn es liegt für sie in der Finsternis, das Falsche und Böse aber im Licht. Diese sinnlichen Men­schen vermögen jedoch sehr gut zu vernünfteln, oft sogar ge­wandter und schärfer als andere Menschen, aber es geschieht aufgrund von Sinnestäuschungen, die sie durch ihr Wissen be­gründet haben. Dieser Fähigkeit wegen halten sie sich selbst auch für weiser als andere Menschen. Was ihren Erörterun­gen die Wärme des Gefühls verleiht, ist das Feuer der Selbst­ und Weltliebe. Von ihnen, die sich in falscher Einsicht und Weisheit befinden, spricht der Herr bei Matthäus:

„Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht, und sie verstehen es nicht“. (13,13 15),

und an anderer Stelle sagt der Herr:

„Ich preise Dich, Vater, ... daß Du dies vor den Weisen und Klu­gen verborgen und den Unmündigen geoffenbart hast“. (11,25 f)

*354. Es wurde mir gewährt, mit vielen Gebildeten nach ihrem Austritt aus der Welt zu sprechen. Einige hatten einen großen Ruf genossen und waren durch ihre Schriften in der li­terarischen Welt berühmt. Andere wiederum waren zwar nicht so berühmt gewesen, besaßen aber doch eine tiefe Weisheit. Jene, die im Herzen das Göttliche leugneten, so sehr sie es auch mit dem Munde bekannt hatten, wurden so dumm, daß sie kaum imstande waren, auch nur eine Wahrheit des bürgerli­chen Lebens, geschweige denn etwas Geistiges zu begreifen. Man spürte und sah auch, daß das Innere ihres Gemüts so völ­lig verschlossen war, daß es ganz schwarz erschien (derglei­chen Dinge stellen sich in der geistigen Welt sichtbar dar). Sie konnten nicht das geringste Himmelslicht ertragen, folglich auch keinen Einfluß aus dem Himmel aufnehmen. Diese Schwärze des Inneren erschien intensiver und ausgedehnter bei denen, die sich auf Grund ihrer wissenschaftlichen Bildung gegen das Göttliche bestärkt hatten. Solche Menschen neh­men im anderen Leben mit Lust alles Falsche an und saugen es ein, wie ein Schwamm das Wasser, während sie alles Wahre zurückstoßen, wie eine elastische knöcherne Substanz das zurückstößt, mit dem sie zusammenprallt. Man sagt auch, daß ihr Inneres verknöchert sei, weil sie sich gegen das Göttliche und für die Natur bestärkt haben, und in der Tat erscheint das Haupt solcher Menschen zum Zeichen, daß sie kein Innewer­den mehr besitzen, bis herab zur Nase hart wie von Ebenholz. Wer so beschaffen ist, wird in Schlünde versenkt, die wie Sümpfe erscheinen, und dort von Wahnbildern umgetrieben, in die sich sein Falsches verwandelt. Ihr höllisches Feuer be­steht in der Gier nach Ruhm und einem großen Namen, und aus dieser Gier wirft sich der eine auf den andern und quält mit infernalischer Glut alle, die ihn nicht wie einen Gott verehren wollen. So handeln sie abwechslungsweise aneinander. Alle weltliche Bildung verwandelt sich in dieser Weise, wenn sie nicht als Grundlage für die Anerkennung des Göttlichen himmlisches Licht in sich aufgenommen hat.

*355. Wenn diese Menschen nach dem Tode in die geistige Welt gelangen, dann ruht alles, was zum natürlichen Ge­dächtnis gehört und nur mit den Sinnen des Körpers verbun­den ist — es ruht also auch das eben beschriebene Wissen. Nur was sie an Vernünftigem daraus gewonnen haben, dient ihnen jetzt noch zum Denken und Reden, und daraus läßt sich ihr Wesen leicht erschließen. Der Mensch nimmt zwar sein ganzes natürliches Gedächtnis mit sich hinüber, doch das darin Enthaltene kommt ihm jetzt nicht mehr in den Sinn und vor Augen. Er kann nichts daraus schöpfen und in geistiges Licht stellen, weil es diesem nicht angehört. Aber die Ver­nunft  und Verstandeswahrheiten, die sich der Mensch während seines Lebens im Körper aus den Wissenschaften er­worben hat, passen zum Lichte der geistigen Welt. So weit der Geist des Menschen durch Kenntnisse und Wissenschaften in der Welt vernünftig geworden ist, soweit bleibt er auch nach der Trennung vom Körper vernünftig, denn dann ist er ein Geist, und der Geist denkt im Körper.

*356. Denen aber, die sich Einsicht und Weisheit durch Kenntnisse und Wissenschaften erworben hatten, dienten diese als Mittel, um weise zu werden und alles zu stärken, was mit dem Glauben zusammen hängt. Bei ihnen handelt es sich um Menschen, die alles zum Nutzen des Lebens angewendet, zugleich das Göttliche anerkannt, das Wort Gottes geliebt und ein geistig sittliches Leben geführt hatten, wie es oben in Nr. 319 geschildert wurde — dienten die Wissenschaften als Mittel, um weise zu werden und alles zu stärken, was mit dem Glau­ben zusammenhängt. Ich habe das Innere ihres Gemüts wahr­genommen, ja sogar angeschaut: Es war durchlässig für ein Licht von glänzend weißer, flammend roter und himmelblauer Farbe, vergleichbar durchsichtigen Diamanten, Rubinen und Saphiren, und zwar je nach dem Grade ihrer Bestärkung für das Göttliche und die göttlichen Wahrheiten durch die Wis­senschaften. Die wahre Einsicht und Weisheit erscheint auf diese Art, wenn sie sich in der geistigen Welt sichtbar darstellt. Sie leitet es vom himmlischen Licht ab — dem vom Herrn aus­gehenden göttlichen Wahren, dem alle Einsicht und Weisheit entstammt (vergl. oben Nr. 126 133). Die Aufnahme­ebene jenes Lichts, auf welcher sich etwas wie ein Farbenspiel zeigt, ist der innere Bereich des Gemüts. Die verschiedenarti­gen Begründungen der göttlichen Wahrheiten durch die natürlichen Ansichten, die dem Gebiet der Wissenschaften an­gehören, bringen die genannten Farbenwechsel hervor. Das innere Gemüt des Menschen blickt nämlich in den Bereich des natürlichen Gedächtnisses hinein und hebt, was es an Bestäti­gungen findet, durch das Feuer der himmlischen Liebe gleich­sam empor, führt es zur Höhe und läutert es zu geistigen Ideen. Solange der Mensch im Körper lebt, weiß er nichts von alle­dem, denn obwohl er in diesem Zustand sowohl geistig als auch natürlich denkt, wird er sich doch nur des natürlich, nicht des geistig Gedachten bewußt. Kommt er aber in die geistige Welt, so hat er kein Bewußtsein mehr von dem, was er in der Welt natürlich, sondern nur noch von dem, was er geistig ge­dacht hatte — so sehr verändert sich der Zustand. All das zeigt, daß der Mensch durch Kenntnisse und Wissenschaften geistig wird und sie als Mittel dienen, weise zu werden, freilich nur denen, die das Göttliche in ihrem Glauben und Leben aner­kannt haben. Sie sind es auch, die im Himmel vor anderen auf­genommen werden, und sie gehören zu denen, die sich dort in der Mitte befinden (vergl. Nr. 43), weil sie mehr als andere im Licht stehen. Bei ihnen handelt es sich um die Verständigen und Weisen im Himmel, „die da glänzen wie die Herrlichkeit des Firmaments und leuchten wie die Sterne“. Die Einfältigen aber bestehen hier aus denen, die zwar das Göttliche aner­kannt, das Wort Gottes geliebt und ein geistig sittliches Leben geführt, die inneren Bereiche ihres Gemüts jedoch nicht wei­ter durch Kenntnisse und Wissenschaften ausgebildet hatten. Das menschliche Gemüt ist wie ein Erdreich, dessen Beschaf­fenheit von seiner Kultivierung abhängt. 



Über die Wissenschaften - aus den «Himmlischen Geheimnissen».

*356a  Der Mensch muß mit Wissenschaften und Erkenntnis­sen erfüllt werden, weil er durch sie lernt zu denken, einzuse­hen, was wahr und gut ist, und endlich weise zu werden. Nr. 129. 1450 f. 1453. 1548. 1802. Die Kenntnisse (scientifica) sind das erste, worauf das Leben des Menschen, sowohl das bürgerliche und sittliche als das geistige, gebaut und gegrün­det wird, und sie sollen erlernt werden wegen des Nutzens als Endzweck, Nr. 1489. 3310. 1563. 1616. Das Vernünftige ent­steht durch die Wissenschaften und Erkenntnisse, Nr. 1895. 1900. 3086, jedoch nicht durch die Erkenntnisse selbst, son­dern durch die Neigung zu Nutzleistungen aus denselben (per affectionem usuum ex illis), Nr.1895.

Es gibt Dinge des Wissens, die göttliche Wahrheiten zu­lassen, und solches, das sie nicht zuläßt, Nr. 5213. Das gehalt­lose Wissen (scientifica inania) muß zerstört werden, Nr. 1489. 1600. 1580. Gehaltloses Wissen ist solches, das die Selbstsucht und Weltliebe zum Endzweck hat und befestigt und von der Liebe zu Gott und dem Nächsten abzieht; denn dergleichen verschließt den inneren Menschen so sehr, daß der Mensch hernach gar nichts mehr aus dem Himmel auf­nehmen kann, Nr. 1563. 1489. Die Kenntnisse sind Mittel, weise zu werden, aber auch Mittel, töricht zu werden, und durch sie wird der innere Mensch entweder geöffnet oder verschlossen und so das Vernünftige entweder ausgebildet oder zerstört, Nr. 4156. 8628. 9922. Der innere Mensch wird durch die Kenntnisse aufgeschlossen und nach und nach vervollkommnet, wenn der Mensch guten Gebrauch beab­sichtigt, besonders einen Gebrauch, der aufs ewige Leben ab­zielt, Nr. 3086. Den Kenntnissen des natürlichen Menschen, kommt dann Geistiges und Himmlisches aus dem geistigen Menschen entgegen und nimmt das ihm zusagende in sich auf, Nr. 1495. Was zum Gebrauch des himmlischen Lebens dient, wird alsdann aus den Kenntnissen des natürlichen Menschen durch den inneren Menschen vom Herrn ausge­zogen, verfeinert und gehoben, Nr. 1895 f. 1900 02. 5871. 5874. 5901. Und die nicht übereinstimmenden und wider­streitenden Kenntnisse werden zur Seite geschafft und entfernt, Nr. 5871. 5886. 5889.

Das Auge des inneren Menschen ruft aus den Kenntnis­sen des äußeren Menschen nichts anderes hervor, als was seiner Liebe zusagt. Nr. 9394. Unter dem Auge des inneren Menschen ist in der Mitte und in Klarheit, was seiner Liebe zusagt, auf den Seiten aber und in Dunkelheit, was seiner Liebe nicht zusagt, Nr. 6068. 6085. Die übereinstimmenden Kenntnisse werden nach und nach seinen Grundneigungen (amoribus) eingepflanzt und wohnen gleichsam in diesen, Nr. 6325. Der Mensch würde in die Einsicht hineingeboren, wenn er in die Liebe gegen den Nächsten (geboren würde); weil er aber in die Selbst  und Weltliebe geboren wird, so wird er in völlige Unwissenheit hineingeboren, Nr. 6323. 6325. Die Wissenschaft, Einsicht und Weisheit sind Kinder (filii) der Gottes  und Nächstenliebe, Nr.1226.  2049. 2116.

Ein anderes ist weise sein, ein anderes einsehen (intelle­gere), ein anderes wissen und ein anderes tun; dennoch aber folgt bei denen, die in geistigem Leben sind, das eine auf das andere, und im Tun oder in den Taten sind sie beisammen, Nr. 10331. Auch ist wissen eines, anerkennen ein anderes und noch ein anderes Glauben haben, Nr.896.

Die Kenntnisse, welche zum äußeren oder natürlichen Menschen gehören, sind im Licht der Welt, die Wahrheiten dagegen, welche Sache des Glaubens und der Liebe gewor­den sind und so Leben erlangt haben, sind im Lichte des Himmels, Nr. 5212. Die Wahrheiten, die geistiges Leben er­langt haben, werden durch natürliche Vorstellungen gefaßt. Nr. 5510. Es besteht ein geistiger Einfluß vom innern oder geistigen Menschen in die Kenntnisse des äußeren oder natürlichen Menschen. Nr. 1940. 8005. Die Kenntnisse sind Behälter, gleichsam Gefäße des Wahren und Guten, die dem innern Menschen angehören, Nr. 1469. 1496. 3068. 5489. 6004. 6023. 6052. 6071. 6077. 7770. 9922. Die Kenntnisse sind gleichsam Spiegel, in denen die Wahrheiten und das Gute des inneren Menschen wie im Bild erscheinen, Nr. 5201. In ihnen sind sie beisammen als in ihrem Letzten, Nr. 5373. 5874. 5886. 5901. 6004. 6023. 6052. 6071. Es besteht ein geistiger, nicht aber ein physischer Ein­fluß, d.h. es findet ein Einfluß vom inneren Menschen in den äußeren, somit in dessen Kenntnisse statt, nicht aber vom äußeren in den inneren, somit nicht von dessen Kenntnissen in die Glaubenswahrheiten, Nr. 3219. 5119. 5259. 5427 f. 5478. 6322. 9110 f. Von den Wahrheiten der Kirchenlehre, so­fern sie aus dem Wort geschöpft sind, soll ausgegangen wer­den; sie soll man zuerst anerkennen und erst nachher das Wissenschaftliche zu Rate ziehen, Nr. 6047. Denjenigen also, die die Glaubenswahrheiten bejahen, kommt es zu, sie durch Wissenschaftliches verstandesmäßig zu begründen, nicht aber denjenigen, die sie verneinen, Nr. 2568. 2588. 4760. 6047. Wer die göttlichen Wahrheiten nur glauben will wenn sie wissenschaftlich bewiesen werden, der glaubt nie, Nr. 2094. 2832. Durch Wissenschaftliches in die Glaubens­wahrheiten eindringen ist gegen die Ordnung, Nr. 10236. Diejenigen, die dies tun, werden wahnsinnig in Bezug auf die Dinge des Himmels und der Kirche, Nr.128 130. Sie verfallen auf Falsches des Bösen, Nr. 232 f. 6057, und werden im ande­ren Leben, wenn sie über geistige Dinge nachdenken, wie be­trunken, Nr. 1072. Wie sie weiter beschaffen sind, Nr. 196. Beispiele, die beleuchten, daß die geistigen Dinge nicht ge­faßt werden können, wenn man durch Wissenschaftliches in sie eindringt, Nr. 233. 2094. 2196. 2203. 2209. Viele Gebildete zeigen in geistigen Dingen mehr Unverstand als die Einfälti­gen, weil sie zur Verneinung neigen und diese durch Wissen­schaftliches, das ihnen fortwährend und in Menge vor Augen ist, begründen, Nr. 4760. 8629.

Diejenigen, welche aus Wissenschaftlichem wider die Glaubenswahrheiten vernünfteln, vernünfteln mit Schärfe, infolge der Täuschungen der Sinne, die besonders überzeu­gend wirken, weil sie nur schwer beseitigt werden können, Nr. 5700. Welche Sinnestäuschungen, und wie beschaffen? Nr. 5084. 5094. 6400. 6948. Solche, die nichts Wahres fassen, und selbst solche, die böse sind, können über die Wahrheiten und das Gute des Glaubens vernünfteln und sie doch nicht verstehen, Nr. 4213. Eine Lehrbestimmung ohne wei­teres begründen ist nicht Sache des Verständigen, sondern vor der Begründung erst sehen, ob jene wahr ist oder nicht, Nr. 4741. 6047.

Die Wissenschaften haben nach dem Tode keine Bedeu­tung, sondern nur das, was der Mensch durch die Wissen­schaften in den Verstand und das Leben aufgenommen hat, Nr. 2480. Dennoch aber bleiben nach dem Tode alle Kennt­nisse, allein sie ruhen alsdann, Nr. 2476 2479. 2481 2486.

Ebendiese Kenntnisse sind bei den Bösen Falsches, weil sie auf Böses angewandt werden, bei den Guten aber Wahr­heiten, weil sie auf das Gute angewandt werden, Nr. 6917. Die wissenschaftlichen Wahrheiten sind bei den Bösen keine Wahrheiten, wenn sie auch beim Aussprechen so erscheinen; denn in ihnen ist Böses, Nr. 10331. Ein Beispiel, wie groß die Wißbegier der Geister ist, Nr. 1983. Die Engel sehnen sich, zu wissen und weise zu werden, weil Wissenschaft, Einsicht und Weisheit die geistige Speise sind, Nr. 3114. 4459. 4792. 4976. 5147. 5293. 5340. 5342. 5410. 5426. 5576. 5582. 5588. 5656. 6277. 8562. 9003. Die Wissenschaft der Alten war die Wissen­schaft der Entsprechungen und Vorbildungen, durch welche sie sich in die Erkenntnis geistiger Dinge einführten, allein diese Wissenschaft ist heute ganz in Vergessenheit geraten, Nr. 4749. 4964 f.

Die geistigen Wahrheiten können nicht gefaßt werden, wofern man nicht folgendes Universelle weiß:

  1. Daß alles im Weltall sich auf Gutes und Wahres und auf die Verbindung beider bezieht, damit sie etwas seien, somit auf Liebe und Glauben und deren Verbindung.

  2. Daß beim Menschen Ver­stand und Wille ist, und daß der Verstand das Aufnahmege­fäß des Wahren und der Wille das des Guten ist, und daß beim Menschen alles auf diese beiden und deren Verbindung sich bezieht, sowie alles auf das Wahre und Gute und auf deren Verbindung.

  3. Daß es einen inneren und einen äuße­ren Menschen gibt, und daß sie voneinander geschieden sind wie der Himmel und die Welt, gleichwohl aber eins ausma­chen müssen, damit der Mensch wahrhaft Mensch sei.

  4. Daß das Licht des Himmels dasjenige ist, in dem der innere Mensch sich befindet, und das Licht der Welt dasjenige, in dem der äußere ist, und daß das Licht des Himmels das gött­liche Wahre selbst ist, aus dem alle Einsicht stammt.

  5. Daß zwischen den Dingen, die im inneren, und denjenigen, die im äußeren Menschen sind, eine Entsprechung besteht, und in­folgedessen die Dinge in jenem und die in diesem unter so verschiedener Gestalt zur Erscheinung kommen, daß sie nur durch die Wissenschaft der Entsprechungen unterschieden werden können.

Wofern man nicht diese und noch manche andere Dinge weiß, kann man sich von geistigen und himm­lischen Dingen nur unzutreffende Vorstellungen machen und bilden, und es können somit die dem natürlichen Men­schen eigenen Wissenschaften und Erkenntnisse ohne jenes Universelle dem Vernunftmenschen nur wenig zum Ver­ständnis und Wachstum behilflich sein. Hieraus erhellt, wie notwendig die Kenntnisse sind. 



Die Reichen und Armen im Himmel.

*357. Über die Aufnahme in den Himmel bestehen ver­schiedene Meinungen. Während einige annehmen, daß nur die Armen, nicht aber die Reichen aufgenommen würden, glauben andere, sowohl Reiche als Arme würden eingelas­sen. Andere wiederum meinen, die Reichen könnten nicht aufgenommen werden, sofern sie nicht ihren Gütern entsa­gen und den Armen gleich würden. Dabei begründet jeder seine Meinung durch das Wort. Doch wer zwischen Armen und Reichen bezüglich ihrer Aufnahme in den Himmel unter­scheidet, versteht das Wort nicht. Es ist nämlich in seinem Schoße geistig und im Buchstaben natürlich. Wer es daher nur nach seinem buchstäblichen, nicht aber einigermaßen auch nach seinem geistigen Sinn versteht, der irrt besonders hinsichtlich der Reichen und Armen, so z.B. wenn er meint, den Reichen falle es ebenso schwer, in den Himmel zu gelan­gen, wie einem Kamel, durch ein Nadelöhr hindurchzukom­men, den Armen aber falle es leicht, eben weil sie arm seien, heiße es doch:

„Selig sind die Armen, denn das Himmelreich ist ihr“. (Matt.5,3)

Wer aber etwas vom geistigen Sinn des Wortes weiß, denkt darüber anders. Er weiß, daß der Himmel allen offen steht, die ein Leben des Glaubens und der Liebe leben, seien sie nun reich oder arm. Im Folgenden soll nun gezeigt wer­den, wer in Wirklichkeit unter den Reichen und unter den Armen im Wort zu verstehen ist. Aus vielen Gesprächen und aus dem Zusammenleben mit den Engeln durfte ich zur Ge­wißheit gelangen, daß die Reichen ebenso leicht in den Him­mel kommen wie die Armen und der Mensch nicht vom Himmel ausgeschlossen wird, weil er in Überfluß lebt, noch umgekehrt in den Himmel aufgenommen wird, weil er in Armut lebt. Im Himmel finden sich sowohl Reiche als Arme, und manche von den Reichen besitzen größere Herrlichkeit und Glückseligkeit als die Armen.

*358. Gleich zu Beginn darf bemerkt werden, daß der Mensch Reichtümer erwerben und Vermögen ansammeln kann, soviel er Gelegenheit dazu findet — vorausgesetzt freilich, daß es nicht mit List oder Betrug geschieht. Er darf gut essen und trinken, wenn er nur nicht sein Leben darein setzt, darf sei­nem Stande gemäß prächtig wohnen und geselligen Umgang pflegen, wie andere auch, Unterhaltungslokale besuchen, sich über weltliche Dinge besprechen und hat es nicht nötig, an­dächtig, mit niedergeschlagenen Augen, mit Seufzen und hän­gendem Kopf einherzugehen, sondern darf fröhlich und wohl­gemut sein. Er muß auch nicht sein Eigentum den Armen schenken, wenn ihn nicht Neigung dazu treibt. Mit einem Wort: Er kann äußerlich ganz wie ein Weltmensch leben, da diese Dinge den Menschen nicht im geringsten daran hindern, in den Himmel zu kommen, vorausgesetzt, daß er innerlich ge­ziemend an Gott denkt und gegen den Nächsten aufrichtig und gerecht handelt. Der Mensch ist nämlich so beschaffen wie seine Neigung und sein Denken, bzw. seine Liebe und sein Glaube. All sein äußeres Tun bezieht das Leben von daher, denn Handeln ist Wollen und Reden ist Denken, da der Mensch aus dem Willen handelt und aus seinen Gedanken redet. Wenn es daher im Worte heißt, der Mensch werde nach seinen Taten gerichtet, und es solle ihm nach seinen Werken vergolten wer­den, so ist darunter zu verstehen, daß nach seinem Denken und seiner Gesinnung gefragt wird. Aus denen gehen die Taten hervor, denn sie sind ganz so wie das Denken und die Neigung, und ohne sie sind sie überhaupt nichts. Damit ist klar, daß das Äußere des Menschen nichts zur Sache tut, sondern nur sein Inneres, der Ursprung des Äußeren. Zur Verdeutlichung: Wer nur darum redlich handelt und den anderen nicht betrügt, weil er die Gesetze, den Verlust des guten Namens und damit der Ehre oder des Gewinnes fürchtet, den anderen aber soweit als möglich betrügen würde, wenn ihn diese Furcht nicht zurückhielte, dessen Denken und Wollen ist Betrug, obwohl seine Taten äußerlich als redlich erscheinen mögen. Ein sol­cher Mensch hat die Hölle in sich, weil er innerlich unredlich und betrügerisch ist. Wer dagegen redlich handelt und den an­deren nicht betrügt, weil das wider Gott und den Nächsten wäre, der würde den anderen auch dann nicht betrügen wol­len, wenn er dies durchaus könnte. Sein Denken und Wollen ist gewissenhaft. Er hat den Himmel in sich. Beide Taten gleichen einander in der äußeren Gestalt, in der inneren aber sind sie ganz verschieden.

*359. Der Mensch kann also äußerlich leben wie ein an­derer, er kann reich werden, ausgezeichnet speisen, wohnen und sich kleiden, je nach seinen Verhältnissen und seiner Funktion. Er kann Lust und Freude genießen und sich seiner beruflichen Pflichten und Geschäfte oder eines seelischen und körperlichen Lebens wegen mit weltlichen Dingen be­fassen, wenn er nur das Göttliche anerkennt und seinem Nächsten wohl will. Damit wird klar, daß es nicht so schwer ist, den Weg des Himmels zu betreten, wie viele meinen. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, der Selbstsucht und Weltliebe zu widerstehen und sie so zu zügeln, daß sie nicht vorherrschen. Aus ihnen nämlich entspringt alles Böse. Die Worte des Herrn zeigen, daß es nicht so schwer ist, den Weg des Himmels zu betreten, wie man glaubt:

„Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“. (Matth.11,29f)

Sanft ist das Joch des Herrn und leicht ist seine Last, denn der Mensch wird im gleichen Maße wie er dem seiner Selbst-­ und Weltliebe entspringenden Bösen widersteht, vom Herrn und nicht von sich selbst geführt. Daraufhin widersteht dann der Herr dem Bösen des Menschen und entfernt es.

*360. Ich sprach mit einigen nach ihrem Tode, die während ihres irdischen Lebens der Welt entsagt und sich einem einsamen Leben ergeben hatten. Sie meinten durch Abwendung ihrer Gedanken von weltlichen Dingen fromme Betrachtungen pflegen zu können, um auf diese Weise den Weg des Himmels zu betreten. Solche Menschen sind jedoch im anderen Leben von trauriger Gemütsart: Sie verachten an­dere, die nicht sind wie sie und zeigen sich ungehalten darü­ber, daß ihnen kein glücklicheres Los zuteil wird als den an­deren, glauben sie doch, es verdient zu haben. Sie beküm­mern sich nicht um die anderen, und beteiligen sich nicht an den Werken der Nächstenliebe, durch die eine Verbindung mit dem Himmel zustandekommt. Dabei verlangen gerade sie mehr als andere nach dem Himmel, wenn sie aber zu den Engeln erhoben werden, gehen Beängstigungen von ihnen aus, die die Seligkeit der Engel stören. Deshalb werden sie ab­gesondert und begeben sich, sobald das geschehen ist, in öde Gegenden, um dort ein ähnliches Leben zu führen wie in der Welt. Der Mensch kann nur durch die Welt für den Himmel gebildet werden, denn in der Welt enden die letzten Wirkun­gen, welche die Neigung eines jeden abrunden müssen. Wenn diese sich nicht in Taten entfaltet oder erfüllt haben­ und das geschieht mitten in der gesellschaftlichen Vielfalt —, erstickt die Neigung zuletzt, und zwar im gleichen Maße, wieder Mensch seinen Blick nicht mehr auf den Nächsten, son­dern nur noch auf sich selber richtet. Damit ist klar, daß ein Leben tätiger Nächstenliebe zum Himmel führt — das heißt, daß man bei jeder Arbeit und Verrichtung gerecht und red­lich handelt — keineswegs aber ein (sogenannt) frommes Leben ohne tätige Nächstenliebe. Die Taten der Nächsten­liebe und davon abhängigen Entwicklungen jenes Lebens sind folglich nur in dem Maße möglich, wie der Mensch An­teil an den Geschäften dieser Welt nimmt, nicht aber, wenn er sich davon zurückzieht. Ich will davon aus Erfahrung reden: Von allen, die in der Welt Geschäft und Handel getrie­ben haben und dadurch auch reich geworden waren, befin­den sich viele im Himmel; aber nicht so viele, die durch Ämter zu Ehrenstellen und Reichtum gelangt waren, weil sie sich durch Vorteile und Ehren, die ihnen aus der Verwaltung von Recht und Gerechtigkeit zuwuchsen, wie durch Einkommen und Ehrenämter dazu verleiten ließen, sich selbst und die Welt zu lieben. So wandten sie ihre Gedanken und Nei­gungen vom Himmel ab, sich selbst zu. Im gleichen Maße nämlich, wie der Mensch sich selbst und die Welt liebt und bei allem sein Ich und die Welt im Auge hat, entfremdet er sich dem Göttlichen und entfernt sich vom Himmel.

*361. Das Los der Reichen im Himmel ist, daß sie mehr als andere im Wohlstand leben. Einige von ihnen wohnen in Palästen, deren Inneres von Gold und Silber glänzt, und haben Überfluß an allem, was dem Leben dient. Aber sie hängen ihr Herz nicht an diese Dinge, sondern an die da­durch möglichen Nutzwirkungen. Diese sehen sie in aller Klarheit und wie im Licht, das Gold und Silber aber im Ver­gleich dazu wie in Dunkelheit oder im Schatten. Der Grund dafür liegt in ihrer Liebe zu den Nutzwirkungen während ihres Erdenlebens; Gold und Silber lieben sie nur so weit, wie sie dafür zu Mitteln und Werkzeugen dienten. Die Nutzwir­kungen selbst glänzen im Himmel, das Gute der Nutzwirkun­gen wie Gold und das Wahre der Nutzwirkungen wie Sil­ber. Ihr Reichtum, aber auch ihre Lust und Glückseligkeit richten sich nach dem Nutzen, den sie in der Welt geleistet hatten. Gute Nutzwirkungen sind: Sich und die Seinen mit den Lebensnotwendigkeiten versehen, Reichtum erstreben zum Wohl des Vaterlandes und auch des Nächsten, dem der Reiche in vieler Weise mehr wohltun kann als der Arme. Er kann dann auf diese Weise auch sein Gemüt vor Untätigkeit bewahren, die verderblich ist, weil in einem solchen Leben der Mensch aus dem ihm eingepflanzten Bösen heraus böse denkt. Alle diese Nutzwirkungen sind gut, soweit sie das Gött­liche in sich tragen, das heißt soweit der Mensch dabei auf das Göttliche und den Himmel blickt und sein Gutes darein setzt, im Reichtum aber nur das Mittel zu diesem Guten sieht.

*362. Den Reichen aber, die nicht an das Göttliche ge­glaubt und aus ihrem Gemüt verbannt haben, was zum Him­mel und zur Kirche gehört, wird das entgegengesetzte Los zu­teil. Sie finden sich in der Hölle, in Schmutz, Elend und Dürf­tigkeit. Dahin verwandelt sich nämlich ein Reichtum, der als Endzweck geliebt wird, und nicht allein der Reichtum, son­dern auch die damit verbundenen Zwecke selbst: daß man entweder seinen angeborenen Trieb ausleben, den Lüsten fröhnen, sich üppiger und freier den Lastern hingeben oder sich über andere, die man gering achtet, erheben kann. Sol­cher Reichtum und ein solcher Gebrauch des Reichtums wird schmutzig, weil er nichts Geistiges, sondern nur Irdisches enthält. Denn das Geistige im Reichtum und seiner Nutzung ist wie die Seele im Körper oder wie das Licht des Himmels in einem feuchten Erdreich. Auch sie gehen in Fäulnis über wie ein Körper ohne seine Seele und ein feuchtes Erdreich ohne Himmelslicht. So sind jene, die ihr Reichtum verführt und vom Himmel abgewendet hat.

*363. Einem jeden Menschen bleibt nach dem Tode seine Grundneigung oder herrschende Liebe verbunden. Sie wird in Ewigkeit nicht ausgerottet, weil der Geist des Menschen ganz so ist, wie diese seine Liebe und — was ein Geheimnis bedeutet — weil der Leib jedes Geistes oder En­gels die äußere Form seiner Liebe darstellt. Sie entspricht ganz und gar der inneren Gestalt, nämlich der seiner Gesin­nung und seines Gemüts. So kommt es, daß die Art der Gei­ster aus ihrem Angesicht, ihren Gebärden und ihrer Rede zu ersehen ist. Auch der Geist des irdischen Menschen ließe sich erkennen, hätte er es nicht gelernt, mit Gesicht, Gebär­den und Worten etwas vorzutäuschen, was gar nicht sein eigen ist. Daraus ist ersichtlich, daß der Mensch in Ewigkeit so bleibt, wie seine Grundneigung oder vorherrschende Liebe. Ich durfte mit einigen reden, die siebzehn Jahrhun­derte früher gelebt hatten und deren Leben aus den Schrif­ten der damaligen Zeit bekannt ist. Es zeigte sich, daß sie noch immer von derselben Liebe getragen wurden wie da­mals. Damit dürfte auch feststehen, daß die Liebe zum Reichtum und dessen Nutzen bei jedem in Ewigkeit ganz so bleibt, wie sie sich in der Welt herausgebildet hatte. Der Un­terschied besteht nur darin, daß sich die Reichtümer derer, die davon einen guten Gebrauch gemacht hatten, je nach ihrer Nutzung in Annehmlichkeiten verwandeln, während sie bei bösem Gebrauch zu Schmutz werden, an dem die Ei­gentümer dann aber auch dieselbe Freude haben wie in der Welt. Sie erfreuen sich dann an Schmutz, weil die unreinen Wollüste und Schandtaten, wozu sie ihren Reichtum be­nutzt hatten, ebenso wie der Geiz, der Liebe zum Reichtum ohne Nutzwirkung ist, dem Schmutz entsprechen. Geistiger Schmutz ist nichts anderes.

*364. Die Armen kommen nicht ihrer Armut, sondern ihres Lebens wegen in den Himmel; denn einem jeden, er sei reich oder arm, folgt sein Leben nach. Es gibt keine beson­dere Barmherzigkeit, die dem einen mehr gewährt als dem anderen. Aufgenommen wird, wer einen guten, zurückge­wiesen, wer einen schlechten Lebenswandel geführt hat. Zudem wird der Mensch durch Armut ebensosehr verführt und vom Himmel abgewendet, wie durch Reichtum. Unter den Armen gibt es sehr viele, die mit ihrem Schicksal unzu­frieden, voller Begehrlichkeit sind und Reichtum für einen Segen halten. Erlangen sie ihn nicht, werden sie zornig, denken schlecht von der göttlichen Vorsehung und beneiden andere um ihre Güter. Außerdem betrügen sie ebenso, wenn sich Gelegenheit bietet, wie die andern und leben auch genau wie sie in schmutzigen Wollüsten. Anders freilich die Armen, die nicht mit ihrem Geschick hadern, sorgsam und fleißig in ihrem Geschäft sind, Arbeit über Müßiggang stel­len, gewissenhaft und treu handeln und dabei zugleich ein christliches Leben führen. Ich sprach mehrmals mit Bauern und Angehörigen der unteren Stände, die während ihres irdi­schen Lebens an Gott geglaubt und in ihrer Arbeit treu und aufrichtig gehandelt hatten. Weil es sie nach der Wahrheit verlangte, fragten sie, was unter tätiger Liebe und unter dem Glauben zu verstehen sei. In der Welt hatten sie nämlich viel vom Glauben, im anderen Leben aber viel von der tätigen Liebe gehört. Daher wurde ihnen geantwortet, tätige Liebe beträfe alles, was zum Leben, Glaube aber, was zur Lehre gehöre. Tätige Liebe bestehe mithin im gerechten und auf­richtigen Wollen und Tun aller Arbeit, Glaube aber im ge­rechten und aufrichtigen Denken. Glaube und tätige Liebe verbänden sich wie die Lehre und ihr Leben, bzw. wie Ge­danke und Wille. Der Glaube werde zur tätigen Liebe, wenn der Mensch das, was er in redlicher und aufrichtiger Weise denkt, auch tatsächlich will und tut. Wenn aber dies ge­schehe, seien beide nicht mehr zwei, sondern eins. Das ver­standen sie gut und freuten sich darüber. Sie sagten dazu, in der Welt hätten sie nicht begreifen können, daß Glauben etwas anderes sein sollte als Leben.

*365. Damit dürfte feststehen, daß die Reichen ebenso in den Himmel kommen wie die Armen, die einen so leicht wie die anderen. Die Meinung, die Armen hätten es dabei leicht, die Reichen schwer, beruht auf einem mangelhaften Ver­ständnis der Stellen, in denen das Wort Gottes von den Rei­chen und Armen spricht. Unter den „Reichen“ werden im geistigen Sinne alle verstanden, bei denen Überfluß an Kenntnissen des Guten und Wahren herrscht, also die An­gehörigen der Kirche, in der das Wort bekannt ist. Die „Armen“ hingegen bezeichnen die, denen jene Kenntnisse fehlen, die aber gleichwohl danach verlangen, also die Men­schen außerhalb der Kirche, wo das Wort nicht bekannt ist. Unter dem „Reichen“ der sich in Purpur und Byssus kleidete und in die Hölle geworfen wurde, ist das jüdische Volk zu ver­stehen. Es heißt reich, weil es mit dem Wort Gottes Überfluß an Kenntnissen des Guten und Wahren besaß. „Kleider von Purpur“ bezeichneten tatsächlich Kenntnisse des Guten und „Kleider von Byssus“ Kenntnisse des Wahren. Unter dem „Armen“ hingegen, der vor der Tür des Reichen lag, sich von den Brosamen sättigen wollte, die von dessen Tisch fielen, und der von Engeln in den Himmel empor getragen wurde, werden die Heiden verstanden. Sie besitzen keine Kenntnisse des Guten und Wahren, verlangen aber gleichwohl danach (Luk. 16,19 31). Auch unter jenen „Reichen“ die zum großen Abendmahl geladen wurden und sich entschuldigten, hat man das jüdische Volk zu verstehen, unter den an ihrer Stelle eingelassenen „Armen“ aber die Völker außerhalb der Kirche (Luk. 24,16 24).

Es soll auch erklärt werden, wer jener „Reiche“ sein soll, von dem der Herr sagte:

„Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher ins Reich Gottes komme“ (Matth.19,24)

Dieser „Reiche“ bezeichnet die Reichen in beiderlei Sinn, im natürlichen wie im geistigen: Die Reichen im natür­lichen Sinne, die ihr Herz an ihren materiellen Überfluß hän­gen, und die Reichen im geistigen Sinne, deren Überfluß an Kenntnissen und Wissen — denn darin bestehen die geistigen Reichtümer   sie dazu verführt, sich aus eigener Einsicht der Dinge im Himmel und in der Kirche zu bemächtigen. Weil das gegen die göttliche Ordnung verstößt, heißt es, daß ein Kamel eher durch ein Nadelöhr gehe. In jenem Sinne be­zeichnet nämlich das „Kamel“ das Erkennen und Wissen im allgemeinen, das „Nadelöhr“ aber das geistige Wahre. Man weiß heutzutage nichts mehr von dieser Bedeutung des Ka­mels und des Nadelöhrs, weil die Wissenschaft bisher noch nicht erschlossen war, die uns lehrt, was die im buchstäbli­chen Sinne des Wortes angeführten Dinge im geistigen Sinn bedeuten. In den Einzelheiten des Wortes liegt nämlich neben dem natürlichen ein geistiger Sinn verborgen. Der Zweck davon ist, eine Verbindung des Himmels mit der Welt oder der Engel mit den Menschen weiterhin zu erhalten, nachdem die unmittelbare Verbindung abgerissen war. Damit ist offenkundig, wer an obiger Stelle im besonderen unter dem „Reichen“ verstanden wird. Auch aufgrund ver­schiedener anderer Texte kann gefolgert werden, daß unter den „Reichen“ im geistigen Sinne des Wortes alle verstanden werden, die Kenntnisse des Wahren und Guten besitzen, und unter den „Reichtümern“ eben diese Kenntnisse, die ja auch in der Tat geistige Reichtümer sind. Man lese dazu Jes.10,12­-14; 30,6f; 45,3; Jer.17,3; 47,7; 50,36f; 51,13; Dan.5,2 4; Ez.26,7. 12; 27,1 bis Ende; Sach.9,3 f; Psalm 45,13; Hosch.12,9; Offb.Joh.3,17f; Luk.14,33, nebst vielen anderen Stellen. Daß die „Armen“ im geistigen Sinne jene bezeichnen, die keine Kenntnisse des Guten und Wahren besitzen, aber be­gehren, entnehme man auch den folgenden Bibelstellen: Matth.11,5; Luk.6,20f; 14,21; Jes.14,30; 29,19; 41,17f; Zeph.5,12f. Alle diese Stellen wurden in den „Himmlischen Geheimnissen“ ihrem geistigen Sinne nach ausgelegt. Man sehe dort Nr. 10227. 



Die Ehen im Himmel.

*366. Weil der Himmel aus dem menschlichen Ge­schlecht stammt und daher die Engel beiderlei Geschlechts sind, und weil von der Schöpfung her das Weib für den Mann und der Mann für das Weib bestimmt ist, also einer dem ande­ren angehören soll, und weil schließlich beiden diese Liebe eingeboren ist, so folgt, daß es Ehen in den Himmeln ebenso wie auf Erden gibt. Aber die himmlischen Ehen unterschei­den sich sehr von den irdischen. Welcher Art die himmlischen Ehen sind, worin sie sich von denen auf Erden unterscheiden oder mit ihnen übereinstimmen, wird im nun Folgenden dar­gelegt werden.

*367. Die Ehe in den Himmeln besteht in der Verbindung zweier zu einem Gemüt. Wie diese Verbindung zustande­kommt, soll nun zuerst gezeigt werden. Das Gemüt besteht aus zwei Bereichen, von denen der eine als Verstand, der an­dere als Wille bezeichnet wird. Wirken diese beiden als eines zusammen, werden sie als ein Gemüt bezeichnet. Im Him­mel vertritt der Ehemann den Bereich des Gemüts, der als Verstand, die Gattin den Bereich, der als Wille bezeichnet wird. Wenn nun diese Verbindung aus dem Gebiet des Inne­ren in das des Körpers herabdringt, so wird sie als Liebe wahrgenommen und empfunden. Diese Liebe ist die eheli­che Liebe. Damit ist offenkundig, daß der Ursprung der eheli­chen Liebe auf der Verbindung zweier Gemüter zu einem Gemüt beruht. Im Himmel nennt man das ein Zusammen­wohnen und spricht davon, daß die Betreffenden nicht zwei sondern eins seien. Daher werden im Himmel zwei Ehegat­ten nicht zwei, sondern ein Engel genannt.

*368. Diese Verbindung zwischen dem Ehemann und der Gattin auch im Innersten, das heißt im Gemüt, beruht auf der Schöpfung selbst. Der Mann wird nämlich geboren, um ver­ständig zu sein, also vom Verstand her, die Frau aber, um wohlwollend (voluntaria) zu sein und so aus dem Willen zu denken. Dies ist sowohl aus ihrer Neigung oder angeborenen Art wie aus der Gestalt eines jeden ersichtlich: Aus der ange­borenen Art deshalb, weil der Mann aus Vernunft handelt, die Frau aber aus Neigung; an der Gestalt, insofern der Mann ein strengeres und weniger schönes Gesicht, eine rauhere Spra­che und einen derberen Körper hat, die Frau dagegen ein zar­teres und schöneres Antlitz, eine sanftere Sprache und einen weicheren Körper. Ein ähnlicher Unterschied besteht zwi­schen dem Verstand und dem Willen oder zwischen dem Denken und der Neigung, desgleichen auch zwischen dem Wahren und Guten sowie zwischen dem Glauben und der Liebe; denn das Wahre und der Glaube sind dem Verstand, das Gute und die Liebe dem Willen zugehörig. Daher kommt es, daß im Wort durch den „Jüngling“ und den „Mann“ im geisti­gen Sinne das Verständnis des Wahren, durch die „Jungfrau“ und das „Weib“ hingegen die Neigung zum Guten bezeichnet wird. Aus dem gleichen Grund wird die Kirche als die Neigung zum Guten und Wahren „Weib“ oder auch „Jungfrau“ ge­nannt und werden ferner alle die „Jungfrauen“ geheißen, die in der Neigung zum Guten sind, wie Offb.Joh.14,4.

*369. Ein jeder, Mann wie Frau, erfreut sich des Verstan­des und des Willens, beim Manne jedoch dominiert der Ver­stand und bei der Frau der Wille, und danach richtet sich ihr Menschsein (et homo est secundum id quod praedomina­tur). Bei den Ehen im Himmel gibt es jedoch keinerlei Vor­herrschaft, denn der Wille der Frau ist zugleich der des Man­nes, und der Verstand des Mannes zugleich der des Weibes, weil ja ein jedes gern so will und denkt wie das andere, und so wollen und denken sie in Gegen  und Wechselseitigkeit. Dar­auf beruht ihre Verbindung zu einem Wesen. Diese Verbin­dung ist ein wirkliches Verbundensein, dringt doch der Wille des Weibes in den Verstand des Mannes ein, der Verstand des Mannes aber in den Willen des Weibes, und dies vor allem, wenn sie einander ins Antlitz schauen. Wie oben schon des öfteren gesagt wurde, besteht nämlich in den Himmeln eine Kommunikation der Gedanken und Neigungen, und sie ist intensiver bei Ehegatten, die einander lieben. Hieraus ist er­sichtlich, welcher Art jene Verbindung der Gemüter ist, auf der die Ehe beruht und aus der die eheliche Liebe in den Himmeln entspringt, nämlich daß ein jeder will, daß das sei­nige dem anderen gehöre, und umgekehrt.

*370. Von Engeln wurde mir gesagt, daß zwei Ehegatten im selben Maße, wie sie sich einer solchen Verbindung erfreuen, eheliche Liebe und zugleich Einsicht, Weisheit und Glück­seligkeit genießen. Das ist deshalb so, weil das göttliche Wahre und das göttliche Gute, aus denen alle Einsicht, Weisheit und Glückseligkeit stammt, zuerst in die eheliche Liebe einfließen. Die eheliche Liebe ist mithin die eigentliche Grundlage des göttlichen Einflusses, weil sie zugleich eine Ehe des Wahren und Guten ist. Denn so wie sie eine Verbindung des Verstan­des und des Willens darstellt, so auch eine Verbindung des Wahren und Guten, da ja der Verstand das göttliche Wahre aufnimmt und sich auch aus den Wahrheiten bildet, während der Wille das göttliche Gute an sich zieht und sich auch durch Gutes bildet. Denn was der Mensch will, das hält er für gut, was er versteht, für wahr. Daher kommt es auf dasselbe her­aus, ob man von einer Verbindung zwischen Verstand und Wille oder zwischen Wahrem und Gutem spricht. Die Verbin­dung zwischen dem Wahren und Guten bildet den Engel, wie auch seinen Verstand, seine Weisheit und Glückseligkeit. Seine Beschaffenheit hängt nämlich davon ab, wie das Gute bei ihm mit dem Wahren und das Wahre mit dem Guten ver­bunden ist. Anders ausgedrückt: die Beschaffenheit des En­gels hängt ab von der Verbindung der Liebe und des Glaubens bzw. des Glaubens und der Liebe in ihm.

*371. Das vom Herrn ausgehende Göttliche fließt deshalb zuerst in die eheliche Liebe ein, weil sie aus der Verbindung des Guten und Wahren stammt. Wie oben bereits gesagt wurde, läuft es ja auf dasselbe hinaus, ob man von der Verbin­dung zwischen Verstand und Willen oder von der zwischen Gutem und Wahrem spricht. Die Verbindung des Guten und Wahren hat ihren Ursprung in der göttlichen Liebe zu allen Geschöpfen im Himmel wie auf Erden. Aus der göttlichen Liebe geht das göttliche Gute hervor und wird von Engeln und Menschen in Gestalt göttlicher Wahrheiten aufgenommen. Das einzige Gefäß des Guten ist das Wahre, daher vermag nie­mand etwas vom Herrn und vom Himmel zu empfangen, der sich nicht deren Wahrheiten verschrieben hat. In dem Um­fang, in dem die Wahrheiten beim Menschen mit dem Guten verbunden sind, ist er daher mit dem Herrn und dem Himmel verbunden. Dies also ist der eigentliche Ursprung der eheli­chen Liebe, und deshalb ist sie die eigentliche Grundlage des göttlichen Einflusses. Eben deshalb heißt die Verbindung des Guten und Wahren in den Himmeln eine himmlische Ehe und wird der Himmel im Wort mit einer Ehe verglichen und auch so genannt. Vom Herrn aber heißt es, er sei der Bräutigam und Gatte, und vom Himmel und von der Kirche, sie seien die Braut oder auch das Weib.

*372. Das Gute und Wahre bilden, wenn sie beim Engel und Menschen verbunden sind, nicht mehr zwei, sondern eins, weil dann das Gute zum Wahren und das Wahre zum Guten gehört. Mit dieser Verbindung verhält es sich ebenso, wie wenn der Mensch denkt, was er will und will, was er denkt, denn dann bilden Denken und Wollen eine Einheit, folglich ein Gemüt; das Denken nämlich bildet oder stellt im Bilde dar, was der Wille will, und der Wille hat daran Gefal­len. Daher kommt es auch, daß zwei Ehegatten im Himmel nicht zwei, sondern ein Engel genannt werden. Dies ist auch unter den Worten des Herrn zu verstehen:

„Habt ihr nicht gelesen, daß sie der Schöpfer am Anfang als Mann und Weib schuf und sprach: «Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen; und die zwei werden ein Fleisch sein»? So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht scheiden ... Dies Wort faßt nicht jeder­mann, sondern die, denen es gegeben ist“. (Matth.19,4 6.11; Mark.10,6 9; 1.Mose.2,24)

Hier wird die himmlische Ehe beschrieben, in der die Engel leben, und zugleich die Ehe des Guten und Wahren. Die Worte, „was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht scheiden“, sind so zu verstehen, daß das Gute nicht vom Wahren getrennt werden soll.

*373. Aus all dem kann man nun ersehen, woher die wahre eheliche Liebe stammt. Sie bildet sich nämlich zuerst im Gemüt jener, die ehelich verbunden sind, und steigt von dort herab und wird in den Körper geleitet, wo sie als Liebe wahrgenommen und empfunden wird. Was nämlich im Kör­per empfunden und wahrgenommen wird, leitet seinen Ur­sprung aus seinem Geistigen her: aus Verstand und Willen. Verstand und Wille bilden den geistigen Menschen. Was auch immer vom geistigen Menschen her in den Körper herab­steigt, stellt sich dort zwar unter anderer Gestalt dar, ist aber gleichwohl ähnlich und übereinstimmend, wie es Seele und Leib oder Ursache und Wirkung sind. Das kann aufgrund der beiden Kapitel als feststehend gelten, in denen die Entspre­chungen beschrieben und erklärt wurden.

*374. Ich hörte einst einen Engel die wahre eheliche Liebe und ihre himmlischen Freuden folgendermaßen beschrei­ben: Sie sei das Göttliche des Herrn in den Himmeln, also das göttliche Gute und Wahre, die in zwei Engeln derart vereint seien, daß sie nicht mehr zwei, sondern eins bildeten. Er sagte ferner, daß zwei Gatten im Himmel diese Liebe darstellten, weil jeder von ihnen sein eigenes Gutes und sein eigenes Wah­res bilde, sowohl das Gemüt als den Leib betreffend. Der Kör­per ist nämlich das Schattenbild des Gemüts, weil er nach Sei­nem Bild geformt ist. Daraus zog der Engel den Schluß, daß das Göttliche in zwei Wesen, die sich in wahrer ehelicher Liebe lieben, abgebildet sei. Und weil dem so sei, darum gelte dies auch für den Himmel, denn der ganze Himmel ist das göttliche Gute und göttliche Wahre, wie sie aus dem Herrn hervorgehen. Daher rühre auch, daß alles im Himmel der ehe­lichen Liebe eingeschrieben ist und zugleich damit soviele Se­ligkeiten und Freuden, daß sie jede Zahl übersteigen. Er drückte die Zahl durch eine Bezeichnung aus, die Myriaden von Myriaden in sich schloß. Der Engel wunderte sich, daß der Mensch der Kirche nichts von alledem weiß, obwohl doch die Kirche der Himmel des Herrn auf Erden und die Ehe des Guten und Wahren sein soll. Er staune, sagte der Engel, wenn er bedenke, daß innerhalb der Kirche mehr Ehebrüche began­gen und sogar gerechtfertigt würden als außerhalb von ihr. Denn das Vergnügen des Ehebruchs bestehe im geistigen Sinne — also in der geistigen Welt — in nichts anderem, als in dem Angenehmen der Liebe eines mit Bösem verbundenen Falschen. Das ist ein höllisches Vergnügen, ganz und gar der himmlischen Freude entgegengesetzt, die aus der Liebe des mit dem Guten verbundenen Wahren stammt.

*375. Jeder Mensch weiß, daß zwei Ehegatten, die sich lie­ben, innerlich eins sind, und daß das Wesentliche der Ehe in der Vereinigung der Seelen oder Gemüter besteht. Man könnte daher auch wissen, daß sich die Art ihrer Vereinigung und ihre Liebe nach der Beschaffenheit ihrer Seelen oder Gemüter richten. Das Gemüt aber bildet sich einzig und allein aus Wahrem und Gutem. Alles im Universum bezieht sich nämlich auf das Gute und Wahre und ihre Verbindung. Daher ist die Vereinigung der Seelen ebenso beschaffen, wie das Wahre und Gute, aus denen sie gebildet sind. Folglich ist die Vereinigung jener Seelen am vollkommensten, die aus ech­tem Wahren und Guten gebildet sind. Man muß wissen, daß nichts sich mehr gegenseitig liebt, als das Wahre und Gute; von dieser Liebe stammt daher die wahrhaft eheliche Liebe ab. Es lieben sich freilich auch das Falsche und das Böse, aber ihre Liebe verwandelt sich in der Folge in eine Hölle.

*376. Aus allem, was hier über den Ursprung der ehelichen Liebe gesagt worden ist, kann man auch schließen, wer eheli­che Liebe besitzt, und wer nicht. Jene nämlich besitzen sie, die aus den göttlichen Wahrheiten in göttlichem Guten sind. Man kann daraus auch ableiten, daß die eheliche Liebe genau so echt ist, wie die Wahrheiten, die mit dem Guten verbunden sind. Und weil alles Gute, das mit den Wahrheiten verbunden wird, vom Herrn stammt, so folgt, daß nur der wahre eheliche Liebe haben kann, der den Herrn und sein Göttliches aner­kennt; denn ohne diese Anerkennung kann der Herr nicht mit den Wahrheiten beim Menschen verbunden werden.

*377. Damit ist klar, daß alle, die sich im Falschen befin­den, keine eheliche Liebe besitzen, ganz zu schweigen von denen, die im Falschen aus Bösem sind. Das Innere, das Ge­biet des Gemüts, ist bei jenen verschlossen, die im Bösen und daher im Falschen sind. Es kann in ihnen daher auch keinen Ursprung ehelicher Liebe geben, vielmehr findet auf einer tie­feren Stufe, in dem vom Inneren getrennten äußeren oder natürlichen Menschen eine Verbindung von Falschem und Bösem statt, die als höllische Ehe zu bezeichnen ist. Es wurde mir gewährt, die Art jener infernalischen Ehen zu sehen, die bei denen bestehen, die sich im Falschen des Bösen befinden. Sie sprechen zwar miteinander und vereinigen sich auch aus Lust, aber innerlich brennen sie von einem so tödlichen Haß aufeinander, daß es nicht beschrieben werden kann.

*378. Eheliche Liebe kann nicht zwischen zwei Menschen verschiedener Religion bestehen, weil das Wahre des einen nicht mit dem Guten des anderen übereinstimmt und zwei ungleiche und nicht übereinstimmende Ansichten aus zwei Seelen nicht eine bilden können. Aus diesem Grunde hat auch der Ursprung ihrer Liebe nichts Geistiges. Wenn sie zusammenleben und sich vertragen, so allein aus natürli­chen Gründen. Deshalb werden Ehen im Himmel unter Angehörigen derselben Gesellschaft geschlossen, weil sie in ähnlichem Guten und Wahren sind, und nicht mit Angehöri­gen anderer Gesellschaften. Oben (Nr. 41 f) wurde beschrie­ben, daß alle Angehörigen einer Gesellschaft in ähnlichem Guten und Wahren sind und sich von denen unterscheiden, die nicht dazu gehören. Dasselbe wurde beim israelitischen Volk dadurch dargestellt, daß Ehen innerhalb der Stämme, insbesondere innerhalb der Sippen geschlossen wurden, und nicht außerhalb derselben.

*379. Die wahre eheliche Liebe ist auch nicht möglich zwischen einem Manne und mehreren Frauen; denn der gei­stige Ursprung wird dadurch zerstört, der ja darauf beruht, daß aus zwei Gemütern eines gebildet wird, also die innerli­che Verbindung, die des Guten und Wahren, aus der das ei­gentliche Wesen dieser Liebe stammt. Die Ehe mit mehr als einer Gattin gleicht einem auf mehrere Willen verteilten Ver­stand oder einem Menschen, der nicht einer, sondern meh­reren Kirchen anhängt. Sein Glaube würde derart zerrissen werden, daß er zuletzt zu nichts würde. Die Engel sagen, mehrere Frauen zu heiraten sei ganz und gar gegen die göttli­che Ordnung, und sie wüßten mehrere Gründe dagegen an­zuführen. Zudem würden sie, sobald sie auch nur an die Ehe mit mehreren dächten, der inneren Seligkeit und des himmli­schen Glücks entfremdet und wie betrunken, weil bei ihnen sich das Gute von seinem Wahren abtrenne. Ihr Inneres, der Bereich ihres Gemüts, gelange in einen solchen Zustand be­reits beim bloßen Gedanken, wenn der sich mit einer gewis­sen Hinneigung verbände. Daraus ersähen sie deutlich, daß die Ehe mit mehr als einer Gattin ihr Inneres verschließen und dazu führen würde, daß sich an die Stelle der ehelichen Liebe ausschweifende Liebe einschliche, die vom Himmel abspenstig macht. Die Engel sagten ferner, daß der Mensch dies nur schwer begreife, weil sich nur wenige in der wahren ehelichen Liebe befinden und jene, die nicht darin stehen, überhaupt nichts wissen von der inneren Freude, die jene Liebe in sich birgt, sondern nur von der ausschweifen­den Lust, welche nach kurzem Beischlaf in Unlust um­schlage. Die Freuden der wahrhaft ehelichen Liebe dagegen sind nicht nur beständig bis ins hohe irdische Alter, sondern wandeln sich auch nach dem Tode zu himmlischen Freuden, wobei sie mit einer inneren Freude erfüllt werden, die in Ewigkeit wächst. Die Engel sagten ferner, es könnten viele tausend Seligkeiten der wahren ehelichen Liebe aufgezählt werden, von denen dem Menschen nicht eine bekannt sei, geschweige denn von jemand mit dem Verstand erfaßt wer­den könnte, der nicht vom Herrn her in der Ehe des Guten und Wahren lebt.

*380. Die Sucht des einen Ehegatten, über den anderen zu herrschen, hebt die eheliche Liebe und ihre himmlische Freude völlig auf. Denn die eheliche Liebe und ihre Freude besteht darin, daß wechselseitig der Wille des einen Gatten auch, wie oben bereits gezeigt wurde, der des anderen ist. Die Herrschsucht in der Ehe wirkt darum zerstörend, weil der Herrschende will, daß sein Wille allein beim anderen gelte, umgekehrt aber der des Partners nicht bei ihm. Folg­lich besteht keine Gegenseitigkeit und damit auch keine Ge­meinsamkeit (communicatio ... cum altero) irgendeiner Liebe und ihrer Freuden. Dabei entspringt jedoch der Ge­meinsamkeit und der daraus rührenden Verbundenheit die eigentliche innere Freude in der Ehe, die man Seligkeit nennt. Herrschsucht löscht diese Seligkeit und damit zu­gleich alles Himmlische und Geistige dieser Liebe gänzlich aus, und zwar bis zu einem Punkt, da man nicht mehr weiß, daß es so etwas überhaupt gibt und man bei seiner Erwäh­nung es für so wertlos hielte, daß man entweder lachen oder zornig werden müßte.

Wenn einer dasselbe will oder liebt wie der andere, sind beide frei; denn wo Freiheit ist, herrscht Liebe; Herrschsucht hingegen tötet die Freiheit. Der Beherrschte ist ein Sklave, wie auch der Herrschende es ist, weil er zum Sklaven seiner Herrschsucht wird. Doch das ist völlig unbegreiflich, wenn man nicht die Freiheit der himmlischen Liebe kennt. Aus dem, was oben über den Ursprung und das Wesen der eheli­chen Liebe ausgesagt wurde, kann man aber doch erkennen, daß die Gemüter im selben Maße, wie es zur Herrschsucht kommt, getrennt statt verbunden werden; denn die Herrsch­sucht unterjocht, und das unterjochte Gemüt besitzt entwe­der gar keinen oder einen widerstrebenden Willen. Hat es kei­nen Willen, so auch keine Liebe, hat es einen widersetzlichen Willen, so Haß statt Liebe. Das Innere der Menschen, die in einer solchen Ehe leben, prallt in gegenseitigem Kampf auf­einander, wie zwei einander entgegengesetzte Kräfte, mag auch das Äußere um der Ruhe willen noch so sehr gezügelt und beschwichtigt werden. Der Zusammenprall und Kampf ihres Inneren zeigt sich nach ihrem Tod, wo sie meist zusam­menkommen und dann wie Feinde miteinander kämpfen und sich gegenseitig zerfleischen. Sie handeln dann nämlich in Übereinstimmung mit dem Zustand ihres Inneren. Diese Kämpfe und dieses gegenseitige sichzerfleischen wurde mir mehrfach zu sehen gegeben; bei einigen spielte sich dies mit besonderer Rachsucht und Wut ab. Im anderen Leben wird ja das Innere eines jeden Menschen in Freiheit gesetzt und nicht mehr, wie in der Welt, durch Rücksicht auf Äußeres ge­zügelt. Dann zeigt sich also jeder so, wie er seinem Inneren nach beschaffen ist.

*381. Bei manchen findet sich etwas, das der ehelichen Liebe ähnlich scheint, dennoch aber nichts mit ihr zu tun hat, wofern sie nicht in der Liebe zum Guten und Wahren steht. Es handelt sich dabei um etwas, das den Schein der ehelichen Liebe annimmt, und zwar aus mehreren Ursa­chen. Beispielsweise um zu Hause bedient zu werden, um in Sicherheit, in Ruhe oder Gemächlichkeit leben zu können, um in Tagen der Krankheit und im Alter Pflege zu haben, oder aus Sorge für die geliebten Kinder. Einige tun sich Zwang an, sei es aus Furcht vor dem Gatten, dem Verlust des guten Rufs oder üblen Folgen. Einige bringt die Sinnlichkeit dazu. Es bestehen auch Unterschiede zwischen der eheli­chen Liebe der Ehegatten: der eine kann mehr oder weniger davon haben, der andere wenig oder nichts. Dieser Unterschied macht, daß des einen der Himmel, des anderen die Hölle warten kann.

*382. Die echte eheliche Liebe findet sich im innersten Himmel, weil dort die Engel in der Ehe des Guten und Wahren wie auch in der Unschuld leben. Die Engel der unteren Him­mel befinden sich zwar ebenfalls in der ehelichen Liebe, je­doch nur in dem Maß, wie sie in der Unschuld stehen. Die ehe­liche Liebe ist nämlich an und für sich der Zustand der Un­schuld, weshalb sich zwischen Ehegatten, bei denen die eheliche Liebe herrscht, himmlische Wonnen zeigen, die vor ihren Seelen beinahe wie die unschuldigen Spiele kleiner Kin­der erscheinen. Ihr Gemüt erfreut sich an allem, da der Him­mel mit seiner Freude bis in die Einzelheiten ihres Lebens ein­wirkt. Im Himmel wird deshalb die eheliche Liebe durch die schönsten Dinge vorgebildet. Ich habe sie dort gesehen als eine unaussprechlich schöne Jungfrau, umgeben von einer glänzend weißen Wolke. Man sagte mir, die Engel empfingen ihre Schönheit alle von der ehelichen Liebe. Die ihr entsprin­genden Gefühle und Gedanken stellen sich durch Auren (auras) dar, die in diamantenem Glanze schimmern und wie Goldbronze oder Rubine funkeln, und von Wonnen, die das Gemüt zutiefst ergreifen, begleitet sind. Mit einem Wort: In der ehelichen Liebe stellt sich der Himmel dar, weil er bei den En­geln die Verbindung des Guten und Wahren ist, diese Verbin­dung aber die eheliche Liebe hervorbringt.

*382.a Die irdischen Ehen unterscheiden sich von den himmlischen darin, daß sie nicht zuletzt der Zeugung der Nachkommenschaft dienen, was bei den Ehen in den Him­meln nicht der Fall ist. In den Himmeln tritt die Fortpflan­zung des Guten und Wahren an die Stelle der Zeugung von Nachkommenschaft, weil dort, wie oben gezeigt wurde, die Ehe eine Ehe des Guten und Wahren ist, in der das Gute und Wahre und deren Verbindung über alles geliebt wird. Diese werden daher durch die Ehen in den Himmeln fortgepflanzt. Aus diesem Grund bezeichnen auch die im Wort erwähnten Geburten und Zeugungen geistige Geburten und Zeugun­gen, also solche des Guten und Wahren. Mutter und Vater aber stellen das mit dem Guten verbundene Wahre — das Zeu­gende —, die Söhne und Töchter aber jene Wahrheiten und Arten des Guten dar, welche daraus hervorgehen, die Schwie­gersöhne und  töchter wiederum deren Verbindungen, usw. Damit ist klar, daß die Ehen in den Himmeln denen auf Erden nicht gleichen. In den Himmeln sind sie geistiger Natur und haben nichts mit dem Heiraten zu tun, da sie Ver­bindungen der Seelen aufgrund der Ehe des Guten und Wah­ren darstellen. Auf Erden aber werden sie Heiraten genannt, weil sie nicht nur den Geist, sondern auch den Körper betref­fen. Und weil die Ehen in den Himmeln keine Heiraten sind, so heißen dort die beiden Ehegatten auch nicht Mann und Frau, sondern jedes von ihnen wird mit einem Wort bezeich­net, das aufgrund der engelhaften Vorstellung von der Ver­bindung zweier Gemüter in eins zu der Rolle paßt, die es bei der gegenseitigen Verbindung spielt. Von hier aus läßt sich auch erkennen, wie die Worte des Herrn über das Heiraten der Auferstandenen (Luk.20,35f) zu deuten sind.

*383. Ich durfte sehen, auf welche Weise die Ehen im Himmel geschlossen werden. Überall im Himmel werden die einander Ähnlichen zusammengesellt, die Verschiede­nen aber voneinander getrennt. Deshalb besteht jede Gesell­schaft des Himmels aus einander Ähnlichen. Nicht sie selbst, der Herr führt sie zusammen (vergl. oben Nr. 41, 43, 44 ff), und ebenso die Gatten, deren Gemüter zu einem verbunden werden können. Sie lieben einander daher schon beim er­sten Anblick aufs innigste, betrachten sich als Gatten und wollen eine Ehe eingehen. So ist denn der Herr allein der Stifter aller Ehen des Himmels. Sie feiern auch ein Hoch­zeitsfest, an dem sich viele beteiligen. Die Art der Festlichkeit ist in den Gesellschaften verschieden.

*384. Weil nun die irdischen Ehen die Pflanzschulen des menschlichen Geschlechts wie auch der Engel des Himmels sind — denn der Himmel stammt, wie oben gezeigt wurde, aus dem menschlichen Geschlecht —, und weil die Ehen ihren geistigen Ursprung in der Ehe des Guten und Wahren haben, das Göttliche des Herrn aber vor allem in diese Liebe einfließt, so sind sie in den Augen der Engel des Himmels im höchsten Maße heilig. Auf der anderen Seite betrachten sie die Ehe­brüche als gottlos, weil sie das Gegenteil der ehelichen Liebe darstellen. Denn wie die Engel in den Ehen jene Ehe des Guten und Wahren erblicken, die den Himmel bildet, so sehen sie in den Ehebrüchen die Ehe des Falschen und Bösen, auf der die Hölle beruht. Daher wenden sie sich sogleich ab, wenn sie den Ehebruch auch nur erwähnen hören. Hierin liegt auch die Ursache, daß dem Menschen, wenn er mit Lust Ehebruch begeht, der Himmel verschlossen wird. Wenn das geschehen ist, erkennt er das Göttliche nicht mehr an, noch irgendetwas vom Glauben der Kirche. Ich konnte aus der Sphäre, die die Hölle ausdünstet, spüren, daß dort alle gegen die eheliche Liebe sind; es war ein fortwährendes Streben, die Ehen auf­zulösen und zu verletzen. Damit lag am Tag, daß in der Hölle die Lust des Ehebruchs herrscht, und daß sie zugleich die Lust ist, die Verbindung des Guten und Wahren zu zerstören, die den Himmel ausmacht. Daraus folgt, daß die Lust des Ehe­bruchs höllischer Natur ist, völlig entgegengesetzt der himm­lischen Lust der Ehe.

*385. Es erschienen mir gewisse Geister, die mich aufgrund ihrer im irdischen Leben gewonnenen Erfahrung mit besonderer Gewandtheit angriffen, und zwar mittels eines ganz sanf­ten, gleichsam wellenförmigen Einflusses, wie es von gutge­sinnten Geistern zu kommen pflegt. Ich nahm jedoch wahr, daß Arglist und Ähnliches in ihnen steckte, und daß sie mich fangen und hintergehen wollten. Schließlich sprach ich einen von ihnen an, von dem mir gesagt worden war, er sei in der Welt Heerführer gewesen. Und weil ich wahrnahm, daß seinen Vor­stellungen etwas Unzüchtiges anhaftete, sprach ich mit ihm über die Ehe, und zwar in der geistigen, mit Vorbildungen durchsetzten Sprache, durch welche sich der beabsichtigte Sinn vollständig ausdrücken läßt und in einem Augenblick mehrere Gedanken vermittelt werden. Er sagte, bei Leibesle­ben habe er Ehebrüche für nichts geachtet. Ich durfte ihm aber sagen, daß Ehebruch etwas Verruchtes sei, obgleich er denen, die ihn begingen, nicht so, sondern womöglich als etwas Er­laubtes erscheine, und zwar wegen der begierig eingesogenen Lust und der daraus entspringenden Selbsttäuschung. Er könne das schon daraus entnehmen, daß ja die Ehen die Pflanzschulen des menschlichen Geschlechts und somit auch des himmlischen Reiches seien und darum in keiner Weise ver­letzt, sondern heilig gehalten werden müssen. Da er sich im an­deren Leben und im Zustand des Bewußtseins befinde, müsse er wissen, daß die eheliche Liebe vom Herrn durch den Him­mel herabsteigt und diese Liebe der Ursprung der gegenseiti­gen Liebe — der Basis des Himmels — ist, ebenso daß Ehebre­cher, sobald sie sich den himmlischen Gesellschaften nähern, ihren eigenen Gestank riechen und sich darum in die Hölle hinabstürzen. Mindestens aber hätte er wissen können, daß die Verletzung der Ehe den göttlichen wie auch den bürgerli­chen Gesetzen aller Reiche zuwider ist und eben deshalb auch dem echten Licht der Vernunft widerspricht, von anderen Überlegungen zu schweigen. Er erwiderte, diese Dinge habe er während seines Erdenlebens nicht bedacht. Nun wolle er ver­nünftig überlegen, ob es sich tatsächlich so verhalte. Es wurde ihm jedoch gesagt, die Wahrheit lasse keine Vernünfteleien zu, da diese zugunsten des Vergnügens, mithin des Bösen und Falschen sprächen. Er müsse vielmehr zuerst über das, was man ihm gesagt habe, nachdenken, weil es die Wahrheit sei, oder auch über den in der Welt bekannten Grundsatz: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu. Hätte ihm demnach jemand seine Gattin, die er jawohl wie je­dermann zu Beginn der Ehe geliebt habe, auf solche Weise weg­gestohlen und er sich dann im Zustand der Entrüstung dazu geäußert, so hätte wohl auch er den Ehebruch verabscheut und sich als kluger Kopf sogleich und mehr als andere in dieser Mei­nung bestärkt, ja den Ehebruch zur Hölle gewünscht.

*386. Es wurde mir gezeigt, in welcher Weise sich die Freu­den der ehelichen Liebe bis zum Himmel hin steigern, das Vergnügen des Ehebruchs aber bis zur Hölle. Die Steigerung der Freuden ehelicher Liebe dem Himmel zu vollzog sich in immer größere Seligkeiten und Freuden, bis sie nicht mehr zu zählen noch zu beschreiben waren. Je inniger die Liebe wurde, desto stärker steigerten sich die Freuden, bis sie zu den eigentlichen Seligkeiten des innersten Himmels, des Himmels der Unschuld wurden. Dies alles geschah in der höchsten Frei­heit, denn alle Freiheit stammt aus der Liebe, die höchste Frei­heit somit aus der ehelichen Liebe, welche die himmlische Liebe selbst ist. Demgegenüber hat der Ehebruch die Ten­denz, sich bis zur Hölle hin zu steigern, und zwar stufenweise bis zur untersten, wo nur noch Schrecken und Schauder herr­schen. Ein solches Los erwartet Ehebrecher nach ihrem irdi­schen Leben. Unter den Ehebrechern sind jene zu verstehen, denen der Ehebruch Lust und die Ehe Unlust bereitet. 



Die Tätigkeiten der Engel im Himmel.

*387.  Die Tätigkeiten in den Himmeln lassen sich weder aufzählen noch im einzelnen beschreiben, vielmehr kann darüber nur etwas Allgemeines gesagt werden, sind sie doch unzählig und auch je nach den Aufgaben der einzelnen Ge­sellschaften verschieden. Jede Gesellschaft hat nämlich ihre besondere Aufgabe; denn wie die Gesellschaften je nach ihrem Guten unterschieden werden (man sehe oben Nr. 41), so auch nach ihrer Nutzwirkung. Das Gute bei allen im Him­mel ist nämlich ein Gutes der Tat, das heißt der Nutzwirkung. Jedermann schafft dort irgendeinen Nutzen, denn das Reich des Herrn ist ein Reich der Nutzwirkungen.

*388. In den Himmeln gibt es ebenso wie auf Erden viele verschiedene Verwaltungen, bestehen doch kirchliche, bür­gerliche und häusliche Angelegenheiten. Die kirchlichen Angelegenheiten ergeben sich aus unseren Ausführungen über den Gottesdienst (Nr. 221  227), die bürgerlichen aus denen über die Regierungen im Himmel (Nr. 213 220) und die häuslichen aus denen über die Wohnungen und Heim­stätten der Engel (Nr. 183 190), sowie über die Ehen im Him­mel (Nr. 366 386). Damit ist klar, daß es innerhalb einer jeden himmlischen Gesellschaft mancherlei Tätigkeiten und Verwaltungen gibt.

*389. Alles in den Himmeln ist nach der göttlichen Ord­nung eingerichtet, die durch die Verwaltung seitens der Engel gehütet wird. Die Weiseren verwalten den Bereich des allgemeinen Besten und des allgemeinen Nutzens, die weni­ger Weisen die Angelegenheiten, die das Wohl eines engeren Kreises berühren, und so immer weiter herab. Diese Berei­che sind einander ganz so untergeordnet, wie in der göttli­chen Ordnung die Nutzwirkungen. Daher ist mit jeder Tätig­keit auch eine bestimmte Würde verbunden, je nach der Würde der Nutzwirkung. Gleichwohl aber schreibt der be­treffende Engel die Würde nicht sich selbst, sondern ganz und gar seiner Nutzwirkung zu. Und weil die Nutzwirkung das Gute ist, das er leistet, alles Gute aber vom Herrn stammt, so gibt er in allem ihm die Ehre. Wer in erster Linie an die eigene Ehre denkt, nicht aber an die Ehre der Nutz­wirkung und erst von da aus an die Ehre für sich selbst, der kann im Himmel überhaupt kein Amt verwalten, weil er den Blick vom Herrn weg zuerst auf sich und dann erst auf die Nutzwirkung lenkt. Wenn man von der Nutzwirkung spricht, so wird darunter zugleich der Herr verstanden, da ja, wie oben bereits gesagt wurde, die Nutzwirkung das Gute ist, das Gute aber vom Herrn stammt.

*390. Hieraus kann man nun auch schließen, welche Art Rangordnung in den Himmeln herrscht. Je mehr nämlich je­mand die Nutzwirkung liebt, achtet und ehrt, desto mehr liebt, achtet und ehrt er auch die Person, die sich damit verbin­det. Daraus folgt auch, daß die Person ebenso sehr geliebt, ge­achtet und geehrt wird, wie sie die Nutzwirkung nicht sich selbst, sondern dem Herrn zuschreibt. Denn in dem Maße ist sie weise und leistet die von ihr hervorgebrachten Nutzwir­kungen aus dem Guten. Geistige Liebe, Achtung und Ehre ist nichts anderes als Liebe, Achtung und Ehre angesichts der Nutzwirkung der betreffenden Person, bzw. die Ehrung die­ser Person aufgrund ihrer Nutzwirkung, nicht aber umge­kehrt. Auch wer von der geistigen Wahrheit her die Menschen würdigt, tut es nur, weil er sieht, daß ein Mensch wie der an­dere ist, mag er in hohem oder in niedrigem Amte stehen ­der Unterschied liegt nur in der Weisheit. Die Weisheit aber besteht darin, die Nutzwirkung zu lieben, also das Beste des Mitbürgers, der Gesellschaft, des Vaterlandes und der Kirche. Eben darin besteht auch die Liebe zum Herrn, weil von ihm alles Gute stammt, das ein Gutes der Nutzwirkung ist. Das­selbe gilt für die Liebe zum Nächsten, da er das Gute ist, das man im Mitbürger, in der Gesellschaft, im Vaterland und in der Kirche lieben und ihnen allen erweisen soll.

*391. Alle Gesellschaften in den Himmeln werden nach den Nutzwirkungen unterschieden, weil sie, wie oben (Nr. 41 f) gezeigt wurde, nach ihrem Guten unterschieden sind und das Gute ein Gutes der Tat oder der tätigen Liebe, also Nutz­wirkung ist. Es gibt Gesellschaften, deren Tätigkeit in der Pflege kleiner Kinder besteht; andere Gesellschaften wie­derum nehmen sich der Heranwachsenden an, unterrichten und erziehen sie. Wieder andere tun das in gleicher Weise für solche Knaben und Mädchen, die aufgrund ihrer irdischen Erziehung gutartig sind und in den Himmel kommen. An­dere Gesellschaften befassen sich damit, die einfältig Guten aus der Christenheit zu lehren und auf den Weg zum Himmel zu leiten, und es gibt Gesellschaften, die in gleicher Weise die vielen heidnischen Völker unterrichten. Wieder andere Ge­sellschaften beschützen die Geister Neulinge — diejenigen, die frisch von der Erde herkommen — vor den Anfechtungen böser Geister. Es gibt auch Gesellschaften, die denen beiste­hen, die sich in der „unteren Erde“ befinden, und andere, die den Bewohnern der Höllen helfen und sie im Zaum halten, damit sie einander nicht über die vorgezeichneten Grenzen hinaus peinigen. Schließlich gibt es Gesellschaften, die denen beistehen, welche von den Toten auferweckt werden. Überhaupt werden Engel aus jeder Gesellschaft zu den Men­schen gesandt, um sie zu behüten und von bösen Neigungen und daher rührenden Gedanken abzulenken und ihnen statt dessen gute Neigungen einzuflößen, soviel sie nur in Freiheit aufnehmen mögen. Durch diese guten Neigungen leiten sie dann auch die Taten oder Werke der Menschen, indem sie die bösen Absichten so weit wie möglich entfer­nen. Wenn Engel bei dem Menschen sind, wohnen sie gleich­sam in dessen Neigungen und sind umso näher bei ihm, als er sich im Guten aus den Wahrheiten befindet, umso entfern­ter jedoch, als sein Leben von diesem Guten entfernt ist. Doch alle diese Tätigkeiten werden vom Herrn durch die Engel verrichtet. Die Engel unterziehen sich nämlich diesen Tätigkeiten nicht aus sich, sondern aus dem Herrn. Aus die­sem Grunde versteht auch der innere Sinn des Wortes unter den Engeln nicht Engel, sondern etwas vom Herrn, und aus eben diesem Grunde werden auch die Engel im Wort (gele­gentlich) Götter genannt.

*392. Die genannten Tätigkeiten der Engel betreffen je­doch nur ihre gemeinsamen Aufgaben. Darüber hinaus hat noch ein jeder Engel seine besondere Aufgabe; denn jede ge­meinsame Nutzwirkung setzt sich aus unzähligen einzelnen zusammen, die man als vermittelnde, helfende und die­nende bezeichnen kann. Sie alle sind nach der göttlichen Ordnung einander bei  und untergeordnet, und zusammen bilden und vollenden sie den allgemeinen Nutzen, das allge­meine Wohl.

*393. Kirchliche Ämter werden im Himmel von jenen bekleidet, die auf Erden das Wort Gottes geliebt und im Ver­langen nach der Wahrheit darin geforscht hatten, nicht um der Ehre oder um des Gewinnes willen, sondern um des eigenen wie der anderen Menschen Nutzen willen. Entspre­chend der Größe ihrer Liebe und ihres Verlangens Nutzen zu stiften, stehen sie dort in der Erleuchtung und im Licht der Weisheit. Sie gelangen dahin durch das in den Himmeln befindliche Wort, das nicht natürlich wie in der Welt, son­dern geistig ist (vergl. oben Nr. 259). Sie versehen auch das Predigtamt, und zwar stehen dort der göttlichen Ordnung zufolge jene höher, die inbezug auf die Erleuchtung aus der Weisheit andere überragen. Wer in der Welt das Vaterland und dessen allgemeines Wohl mehr als das eigene geliebt und Gerechtigkeit und Recht um dieser selbst willen geübt hatte, verwaltet die bürgerlichen Ämter. In dem Maße, wie er vom Verlangen der Liebe getrieben, die Gesetze der Gerechtigkeit erforscht und dadurch Einsicht erlangt hatte, ist er auch befähigt, Ämter im Himmel zu versehen. Sie üben sie auch wirklich in der Stellung oder auf der Stufe aus, die ihrer Einsicht angemessen ist und daher auch glei­chen Schritt hält mit der Liebe, Nutzen zu schaffen für das allgemeine Wohl. Überdies gibt es im Himmel so viele Ämter und Verwaltungen und auch so viele Beschäftigun­gen, daß sie gar nicht aufgezählt werden können; im Ver­gleich damit gibt es in der Welt nur wenige. Aber alle Engel, so viele ihrer auch sind, haben Freude an ihrer Beschäftigung und Arbeit, weil sie von Liebe erfüllt sind Nutzen zu schaffen und nicht von Selbst  oder Gewinn­sucht getrieben werden. Auch liebt niemand den Gewinn um des Lebensunterhalts willen, weil ihnen allen die Lebensnotwendigkeiten umsonst gegeben werden; sie wohnen umsonst, sie werden umsonst gekleidet, sie essen umsonst. Damit ist klar, daß alle, die sich und die Welt mehr als ihre Nutzwirkung geliebt hatten, im Himmel kei­nen Platz finden. Denn jedem Menschen verbleibt nach dem Erdenleben seine Liebe oder Neigung, und sie wird in Ewigkeit nicht ausgerottet (vergl. oben Nr. 363).

*394. Im Himmel findet jedermann seine Beschäftigung aufgrund der Entsprechung. Diese Entsprechung aber be­steht nicht mit der Beschäftigung als solcher, sondern mit dem Nutzen einer jeden Beschäftigung (siehe oben Nr. 112). Zwischen allem besteht Entsprechung (Nr. 106). Wer im Him­mel eine Tätigkeit oder Beschäftigung gefunden hat, die sei­ner Brauchbarkeit entspricht, der ist ganz und gar in demsel­ben Lebenszustand, in dem er auch in der Welt gewesen war. Das Geistige und das Natürliche wirken nämlich vermöge der Entsprechungen als Einheit, nur mit dem Unterschied, daß er jetzt eine innigere Freude empfindet, weil er dem geistigen Leben angehört, das innerlicher und daher empfänglicher für die himmlische Seligkeit ist. 



Die himmlische Freude und Glückseligkeit.

*395.  Heutzutage weiß kaum jemand, worin eigentlich der Himmel und die himmlische Freude besteht. Die darüber nachgedacht haben, machen sich so allgemeine und grobe Vorstellungen davon, daß man es kaum als solche bezeich­nen kann. Von den Geistern, die von der Welt her ins andere Leben kommen, konnte ich am besten erfahren, welche Vor­stellung sie vom Himmel und von der himmlischen Freude hatten. Denn wenn sie sich selbst überlassen sind, denken sie ebenso, wie wenn sie noch in der Welt lebten. Man weiß aber deshalb nicht, worin die himmlische Freude besteht, weil alle nur aufgrund der äußeren Freuden, der Freuden des natürlichen Menschen, darüber nachdachten und urteilten und gar nicht wußten, was der innere oder geistige Mensch ist, folglich auch nicht, worauf dessen Lust und Seligkeit be­ruht. Selbst wenn ihnen von den Engeln, die sich in der gei­stigen oder inneren Lust befanden, gesagt worden wäre, was und wie die himmlische Freude ist, sie hätten sie doch nicht begreifen können, weil es nicht in eine ihnen bekannte Vor­stellung, also nicht in ihre Erkenntnis gefallen wäre und daher zu den Dingen gehört hätte, die der natürliche Mensch zu verwerfen pflegt. Gleichwohl könnte jeder wissen, daß er in den inneren oder geistigen Zustand des Menschen eintritt, wenn er den äußeren oder natürlichen Menschen verläßt. So könnte er auch wissen, daß die himmlische Lust innerer und geistiger, nicht aber äußerer oder natürlicher Art ist und eben deshalb eine reinere und höhere sein und das Innere des Menschen, den Bereich seiner Seele oder seines Geistes, er­füllen muß. Schon aus diesen Überlegungen kann jeder­mann folgern, daß ihm im anderen Leben dasselbe ange­nehm sein wird, was schon hier seinem Geist gefallen hat, und daß die Körperfreuden, die sogenannten fleischlichen Lüste, im Vergleich damit nicht himmlischer Natur sein kön­nen. Auch verbleibt ja dem Menschen, wenn er nach dem Tode seinen Körper verläßt, sein geistiger Besitz, weil er dann als ein Geistmensch lebt.

*396. Alles Angenehme entspringt einer bestimmten Liebe; denn was der Mensch liebt, das empfindet er als an­genehm; bei niemandem findet sich eine andere Quelle der Lust. Daraus folgt, daß wie die Liebe, so die Lust ist. Alle körperlichen oder fleischlichen Lustempfindungen ent­stammen der Selbst  und Weltliebe. Dasselbe gilt für die Be­gierden und deren Wollust. Alles aber, was der Seele oder dem Geist angenehm ist, quillt aus der Liebe zum Herrn und zum Nächsten hervor, und von daher stammen auch die Neigungen zum Guten und Wahren, sowie die Zustände innerer Freudigkeit. Diese beiden Liebesarten fließen auf einem inneren Weg, nämlich von oben herab, vom Herrn und aus dem Himmel und regen das Innere an. Im Unter­schied dazu dringen die beiden anderen Liebesarten mit ihren Lustempfindungen auf dem äußeren Weg oder von unten her, aus dem Fleisch und aus der Welt ein und regen das Äußere an. In dem Maße nun, wie jene zweifache Liebe des Himmels aufgenommen wird und den Menschen an­regt, wird sein Inneres aufgeschlossen, das seiner Seele oder seinem Geist angehört und von der Welt weg auf den Him­mel blickt. Umgekehrt aber wird das Äußerliche, das dem Bereich des Körpers oder Fleisches zugeordnet ist und sich vom Himmel abwendet und auf die Welt richtet, in dem Maße geöffnet, wie der Mensch jene beiden weltlichen Lie­besarten aufnimmt und von ihnen angeregt wird. Ebenso, wie diese oder jene Liebe aufgenommen wird, empfindet er zugleich auch ihre Freuden, die himmlischen im Inneren, die weltlichen im Äußeren, denn jede Freude gehört, wie be­reits gesagt, einer Liebe an.

*397. Der Himmel ist dermaßen mit Freuden angefüllt, daß er nur aus Seligkeit und Freude besteht, bildet doch das aus der göttlichen Liebe des Herrn hervorgehende göttliche Gute bei jedem, der sich dort befindet, den Himmel im allgemeinen wie im besonderen. Die göttliche Liebe besteht ja doch darin, daß sie das vollkommene Heil und die im Innersten empfundene Seligkeit für alle will. Darum ist es gleichgültig, ob man vom Himmel oder von der himmlischen Freude spricht.

*398. Die Freuden des Himmels können weder gezählt noch beschrieben werden, doch jemand, der nur die körper­liche oder fleischliche Lust kennt, ist nicht imstande, auch nur eine davon zu erfassen oder daran zu glauben. Sein Inne­res blickt ja, wie oben gesagt wurde, vom Himmel hinweg auf die Welt, also nach rückwärts. Wer sich ganz der körperlichen oder fleischlichen Lust bzw. — was auf dasselbe hinausläuft ­der Selbst  und Weltliebe ergibt, der empfindet nämlich nur Lust an Ehre, Gewinn und den körperlichen und sinnlichen Vergnügungen. Sie löschen dann die inneren Freuden, die Freuden des Himmels, so sehr aus und ersticken sie, daß er nicht einmal mehr daran glaubt, daß es sie überhaupt gibt. Ein solcher Mensch würde sich daher sehr wundern, wenn man ihm sagte, Freuden gäbe es auch noch nach dem Weg­fallen der mit Ehre und Gewinn verbundenen Lust, und noch mehr würde er sich darüber wundern, daß die himmlischen Freuden, die an deren Stelle treten, zahllos und unvergleich­lich größer sind als die körperlichen und fleischlichen Freu­den, besonders der mit Ehre und Gewinn zusammenhängen­den. Dies zeigt die Ursache für die Unkenntnis der himmli­schen Freuden auf.

*399. Die Unermeßlichkeit der Freude des Himmels be­weist schon die Tatsache, daß es dort allen Freude macht, einander ihre Freuden und Seligkeiten mitzuteilen. Und da dies für alle Himmelsbewohner gilt, so ist offenbar, wie uner­meßlich die Freude im Himmel sein muß. Oben in Nr. 268 wurde ja gezeigt, daß in den Himmeln eine Kommunikation von allen mit jedem einzelnen und von jedem einzelnen mit allen besteht. Diese gegenseitige Kommunikation beruht auf den beiden himmlischen Liebesarten, der Liebe zum Herrn und der Liebe zum Nächsten, die ihre Freude mitteilen möchten. Diese Eigenart beruht bei der Liebe zum Herrn darauf, daß die Liebe des Herrn die Seligkeit aller will und daher das Ihrige mit allen teilen möchte. Eine ähnliche Liebe findet sich aber auch in allen einzelnen Menschen, die den Herrn lieben, weil er in ihnen ist. So kommt es, daß bei den Engeln eine gegenseitige Mitteilung ihrer Freuden stattfin­det. Im Folgenden wird man sehen, daß es sich mit der Nächstenliebe ähnlich verhält. Damit aber steht fest, daß diese Liebesarten die mit ihnen verbundenen Freuden mit­teilen wollen. Anders verhält es sich mit der Selbst  und Weltliebe. Die Selbstliebe entzieht und entreißt den anderen alle Freude, um sie auf sich selbst überzuleiten, will sie doch sich allein wohl. Und die Weltliebe trachtet nach dem, was dem Nächsten gehört. Deshalb wirken diese Liebesarten zerstörerisch auf die Freude der anderen. Sind sie je mitteil­sam, dann um ihrer selbst, nicht um der anderen willen. Sie sind daher in Wirklichkeit nicht kommunikativ, sondern zer­störerisch, es sei denn, daß die Freuden der anderen für sie selbst nützlich sind. Ich durfte oft die Erfahrung machen, daß die Selbst  und Weltliebe, sobald sie zur Herrschaft ge­langen, diese Beschaffenheit zeigen. So oft sich mir Geister nahten, die als Menschen in der Welt in diesen Liebesarten gelebt hatten, wich alle Freude von mir und verschwand. Man sagte mir, wenn sich diese Geister nur in Richtung auf eine himmlische Gesellschaft zubewegten, so vermindere sich deren Freude mit dem Grad ihrer Annäherung, während umgekehrt jene bösen Geister erstaunlicherweise gerade dann Lust empfänden. Daraus konnte ich entneh­men, in welchem Zustand der Geist eines irdischen, körper­lichen Menschen ist, gleicht er doch dem nach der Tren­nung vom Körper, das heißt er ist begierig und lüstern nach den Freuden oder Gütern der anderen und empfindet Lust, soweit er damit Erfolg hat. Das zeigt, wie zerstörerisch die Selbst  und Weltliebe auf die Freuden des Himmels wirkt, folglich den mitteilsamen Liebesarten des Himmels völlig entgegengesetzt ist.

*400. Man muß aber folgendes wissen: Die der Selbst  und Weltliebe verfallenen Geister empfinden bei ihrer Annähe­rung an irgendeine himmlische Gesellschaft die Lust ihrer Be­gierde, die der Wonne des Himmels völlig entgegengesetzt ist. Sie erlangen diese Lust, indem sie den Engeln ihre himmlische Wonne rauben und entziehen. Wenn es dazu nicht kommt, liegen die Dinge ganz anders. Dann nämlich können sie der betreffenden himmlischen Gesellschaft nicht nahe kommen, weil sie mit jeder weiteren Annäherung zunehmend in Beäng­stigungen und Schmerzen geraten. Daher wagen sie es nur selten, nahe an himmlische Gesellschaften heranzutreten. Auch das durfte ich aufgrund vielfältiger Erfahrungen erken­nen, von denen ich ebenfalls ein Beispiel anführen will.

Die aus der Welt ins andere Leben eingehenden Geister wünschen nichts sehnlicher als in den Himmel zu kommen. Fast alle trachten danach, in der Meinung, es komme nur dar­auf an, in den Himmel eingelassen und aufgenommen zu werden. Weil sie es wünschen, werden sie denn auch zu einer Gesellschaft des untersten Himmels gebracht. Doch die der Selbst  und Weltliebe Verfallenen empfinden schon beim Be­treten der ersten Schwelle dieses Himmels eine solche Beäng­stigung und innerliche Qual, daß sie in sich mehr die Hölle als den Himmel empfinden. Sie stürzen sich daher Hals über Kopf hinab und kommen nicht eher zur Ruhe, als bis sie in den Höllen zu Ihresgleichen gelangt sind. Des öfteren ge­schah es auch, daß derartige Geister erfahren wollten, worin die himmlische Freude bestehe. Wenn sie hörten, sie wohne im Inneren der Engel, verlangten sie, daß man sie ihnen zu empfinden gebe, was dann auch geschah. Denn alles, wo­nach ein Geist verlangt, der noch nicht im Himmel oder in der Hölle ist, das wird ihm, wenn es irgend dienlich ist, gewährt. Sobald aber die Verbindung hergestellt war, empfanden sie eine derartige Qual, daß sie vor lauter Schmerz nicht wußten, wie sie den Leib zusammendrücken sollten. Man sah, wie sie den Kopf bis zu den Füßen hinunterbeugten, sich zur Erde warfen und sich wie Schlangen kreisförmig zusammen­krümmten — all das vor inwendiger Qual. So sah die Wirkung der himmlischen Freude bei denen aus, die den Freuden der Selbst  und Weltliebe ergeben waren. Die Ursache liegt in dem absoluten Gegensatz dieser Liebesarten zu den himmli­schen, denn wenn ein Gegensatz auf den anderen trifft, ist ein solcher Schmerz die Folge. Weil die himmlische Freude auf dem inneren Wege eindringt und auf die entgegengesetzte Freude einwirkt, so werden die innerlicheren Bereiche, die von dieser entgegenstehenden Freude erfüllt sind, rückwärts, also in das ihnen Entgegengesetzte gewendet — daher dann die Qualen. Sie sind aber deshalb einander entgegengesetzt, weil — wie oben gesagt wurde — die Liebe zum Herrn und die Nächstenliebe alles mit anderen teilen wollen (denn das ist ihre ganze Freude), die Selbst  und Weltliebe dagegen den an­deren alles nehmen und auf sich überleiten wollen und nur soweit Lust empfinden, als ihnen dies gelingt. Von hier aus versteht man auch den Grund, weshalb die Hölle vom Him­mel getrennt ist. Denn alle in den Höllen kannten in ihrem weltlichen Leben nur die aus der Selbst  und Weltliebe stam­menden körperlichen und fleischlichen Freuden, während alle in den Himmeln zur Zeit ihres irdischen Lebens um die Freuden der Seele und des Geistes wußten, die aus der Liebe zum Herrn und zum Nächsten hervorgehen. Weil diese Lie­besarten einander entgegengesetzt sind, darum sind die Höl­len und die Himmel so vollkommen von einander geschie­den, daß ein Geist der Hölle nicht einmal einen einzigen Fin­ger von da herauszustrecken oder den Scheitel seines Hauptes darüber emporzuheben wagt, weil er schon beim kleinsten Versuch dazu sogleich verrenkt und gequält wird. Auch dies habe ich oft gesehen.

*401. Wenn sich ein Mensch der Selbst  und Weltliebe er­gibt, so empfindet er, solange er im Körper lebt, das von ihnen ausgehende Angenehme und die einzelnen Vergnügungen, die ihnen entstammen. Anders dagegen ein Mensch, der sich der Liebe zu Gott und dem Nächsten ergibt. Er empfindet, so­lange er im Körper lebt, das aus ihnen rührende Angenehme mit den damit zusammenhängenden guten Regungen nicht so deutlich, sondern als eine Art von Beseligung, doch bei­nahe unmerklich, weil sie in seinem Inneren verborgen und durch das leibliche Äußere verhüllt und durch die irdischen Sorgen abgeschwächt ist. Nach dem Tode aber verändern sich diese Zustände völlig: Was der Selbst  und Weltliebe ange­nehm war, verursacht dann Schmerz und Schrecken, weil es zu dem umgewandelt wird, was man das höllische Feuer nennt. Zuweilen wandelt es sich auch zu etwas Ekelhaftem und Schmutzigen, das den unreinen Lüsten entspricht und dann merkwürdigerweise angenehm erscheint. Die verbor­gene Freude und beinahe unmerkliche Seligkeit der Men­schen, die sich in der Welt der Liebe zu Gott und dem Näch­sten ergeben hatten, verwandelt sich nach dem Tode zur himmlischen Freude, die nun auf jede Weise fühlbar und empfindbar wird. Die Seligkeit nämlich, die während des irdi­schen Lebens noch im Inneren verborgen lag, wird nun offen­bar und kommt ihnen klar zum Bewußtsein, weil sie jetzt Geistwesen sind und jene Lust geistig war.

*402. Alle Freuden des Himmels sind mit Nutzwirkungen verbunden und darin enthalten, sind doch die Nutzwirkun­gen die guten Früchte der Liebe und Nächstenliebe, deren sich die Engel erfreuen. Deshalb sind die Freuden eines Geistwesens dieselben wie seine Nutzwirkungen, und ihre Intensität die gleiche wie seine Neigung zur Nutzwirkung. Wie alle himmlischen Freuden mit den Nutzwirkungen zu­sammenhängen, läßt sich durch den Vergleich mit den fünf körperlichen Sinnen des Menschen verdeutlichen. Jedem dieser Sinne sind nämlich je nach seiner Nutzwirkung be­stimmte Freuden zugeordnet. Gesicht, Gehör, Geruch, Ge­schmack und Tastgefühl besitzen die ihnen eigenen Freuden: die Augen die Schönheit und die Formen, das Gehör die Har­monien, der Geruch die Düfte, der Geschmack das Wohl­schmeckende. Wer darüber nachdenkt, weiß um die Nutz­wirkungen der einzelnen Sinne; noch genauer weiß darüber bescheid, wer die Entsprechungen kennt. Dem Gesichtssinn zugeordnete Freuden sind die Dienste, die er dem Verstande leistet, der der innere Gesichtssinn ist; die Freuden des Gehörsinns stammen aus dem Nutzen, den er Verstand und Willen durch das Lauschen leistet; die Freuden des Geruchs­sinns sind die Folge des Dienstes, den er dem Gehirn und der Lunge leistet; und die Freuden des Geschmackssinns rühren von dem Nutzen her, den er dem Magen und damit dem ganzen Körper leistet, indem er ihn ernährt. Die eheliche Freude, eine reinere und auserlesene Freude des Tastsinns, überragt die genannten allesamt durch ihre Nutzwirkung, nämlich die Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts, und somit auch der Engel des Himmels. Diese Freuden woh­nen den genannten Sinnesorganen aufgrund eines Einflusses aus dem Himmel inne, wo jede Freude einer Nutzwirkung angehört und ihr gemäß ist. Einige Geister hatten sich in der Welt die Meinung gebildet, die himmlische Seligkeit bestehe in einem Leben des Müßiggangs, indem man von anderen bedient würde. Ihnen wurde jedoch bedeutet, das Glück bestehe nirgends im Ausruhen und Genießen; denn dann würde jeder das Glück des anderen für sich beanspruchen, es also niemand besit­zen. Dies wäre kein tätiges Leben, sondern ein Leben des Müßiggangs, in dem sie erlahmen würden. Dabei könnten sie doch wissen, daß es kein Lebensglück ohne Tätigkeit gibt und die Muße bloß der Erholung dient, damit man dann umso freudiger zur Tätigkeit seines Lebens zurückkehren könne. Nachher wurde ihnen an vielen Beispielen gezeigt, daß das Leben der Engel in guten Handlungen der Nächsten­liebe besteht, nämlich in der Nutzwirkung, und daß die Engel all ihr Glück in der Nutzwirkung, aus der Nutzwirkung und gemäß der Nutzwirkung finden. Um die Geister zu be­schämen, welche die Vorstellung nährten, die himmlische Freude bestehe darin, untätig dahinzuleben und im Müßig­gang ewige Freude zu genießen, wurde ihnen ein solches Leben zu empfinden gegeben. Und in der Tat fühlten sie, daß das ein höchst trauriges Leben wäre und es sie nach kurzer Zeit anwidern und anekeln würde, weil auf diese Weise alle Freude erlahme.

*404. Einige Geister, die sich für besser unterrichtet hiel­ten als andere, erklärten, ihr Glaube auf Erden sei gewesen, daß die himmlische Freude allein im Loben und Preisen Gottes bestehe und eben darunter das tätige Leben zu ver­stehen sei. Ihnen wurde jedoch erwidert, Gott zu loben und zu preisen sei keineswegs ein tätiges Leben, und Gott habe auch kein Bedürfnis nach solchem Lob und Preis. Er wolle vielmehr, daß man Nutzen schaffe, mithin jenes Gute, das man das Gute der Nächstenliebe nenne. Sie aber vermoch­ten damit keinerlei Vorstellungen himmlischer Freuden, sondern nur der Knechtschaft zu verbinden. Die Engel aber bezeugten, daß in jeder Tätigkeit höchste Freiheit liege, weil sie aus innerem Streben entspringe und mit unaussprechli­cher Wonne verbunden sei.

*405. Fast alle, die ins andere Leben eintreten, nehmen an, daß die Hölle wie auch der Himmel für jedermann gleich ausfalle. In Wirklichkeit bestehen in beiden unendliche Man­nigfaltigkeiten und Verschiedenheiten; auch sieht nirgends die Hölle oder der Himmel für den einen völlig gleich aus wie für den anderen. Es gibt ja auch nirgends einen Menschen, Geist oder Engel, der dem anderen vollkommen gliche, und wäre es auch nur in den Gesichtszügen. Als mir auch nur der Gedanke kam, zwei könnten einander vollkommen ähnlich oder gleich sein, entsetzten sich die Engel und sagten, jedes „Eine“ werde durch die harmonische Übereinstimmung Vie­ler gebildet, und die Beschaffenheit dieses Einen richtet sich nach der Art der Übereinstimmung. Auf diese Weise bilde auch jede himmlische Gesellschaft eine Einheit, und das­selbe gelte für alle Gesellschaften des Himmels, und dies allein aus dem einen Herrn durch die Liebe. In gleicher Weise zeigen die Nutzwirkungen in den Himmeln jede Man­nigfaltigkeit und Verschiedenheit, und nirgends gleicht die des einen vollkommen der eines anderen; und dasselbe gilt für die damit zusammenhängenden Freuden. Ja noch mehr, die Freuden einer jeden Nutzwirkung sind unzählig, und diese unzähligen wieder in gleicher Weise verschieden. Dabei sind sie doch in einer Ordnung miteinander verbun­den und aufeinander bezogen, ebenso wie die Nutzwirkun­gen eines jeden Gliedes, Organs oder Eingeweideteils im Kör­per. Ja, noch mehr, sie verhalten sich wie die Nutzwirkung jedes Gefäßes oder jeder kleinsten Faser in jedem Glied, Organ oder Eingeweideteil, die samt und sonders auf eine Weise zusammenspielen, daß sie im anderen, und so in allen und alle in jedem einzelnen ihr Gutes erblicken. Auf der Grundlage dieser allumfassenden und besonderen Bezogenheit aufeinander wirken sie als Einheit.

*406. Mehrfach habe ich mit Geistern, die erst kurz zuvor aus der Welt angekommen waren, darüber gesprochen, wie das ewige Leben aussieht; insbesondere auch darüber, wie wichtig es sei zu wissen, wer der Herr dieses Reiches sei, und in welcher Art und Form die Regierung vor sich geht. Ebenso wichtig sei es für Menschen, die auf Erden in ein anderes Land reisen, zu wissen, wer dort der Herrscher ist und wie er, seine Regierung und viele Angelegenheiten in seinem Reich funktionieren. Wieviel mehr gilt dies für jenes Reich, wo sie in Ewigkeit leben sollen! Daher sollten sie wissen, daß es der Herr ist, der im Himmel und auch im Weltall herrscht, denn wer auch immer das eine regiert, der regiert auch das andere. Mithin sei das Reich, in dem sie sich jetzt befänden, des Herrn, und die Gesetze dieses Reiches seien die ewigen Wahrheiten, die sich samt und sonders auf das eine Gesetz gründen, nämlich: Liebe den Herrn über alles und den Näch­sten wie dich selbst — ja, mehr noch, wenn man wie die Engel sein wolle, müsse man den Nächsten sogar mehr lieben als sich selber. Als sie dies hörten, vermochten sie nichts darauf zu erwidern, weil sie in ihrem leiblichen Leben dergleichen zwar gehört, aber nicht geglaubt hatten. Sie wunderten sich über das Bestehen einer solchen Liebe im Himmel und daß es möglich sei, den Nächsten mehr zu lieben als sich selbst. Sie wurden aber belehrt, daß im anderen Leben alles Gute unermeßlich zunimmt und es an der Art des irdischen Le­bens liege, wenn man nicht weiter fortschreiten könne als bis zur Liebe des Nächsten, eben weil man noch im Körperli­chen befangen sei. Nach dessen Entfernung aber werde die Liebe immer reiner und schließlich engelhaft, das heißt, man liebe dann den Nächsten mehr als sich selbst. Denn in den Himmeln bestehe die Freude darin, daß man anderen Gutes tue, nicht aber sich selbst, es sei denn auf eine Weise, daß sie anderen zugute komme, also letztlich ihnen zuliebe. Und das bedeute, den anderen mehr zu lieben als sich selbst. Die Möglichkeit einer solchen Liebe, erklärte man ihnen, hätten sie auf Erden an der ehelichen Liebe einiger Menschen er­kennen können, die lieber selbst sterben als dem Gatten ein Leid geschehen lassen wollten, an der Elternliebe, welche die Mutter veranlasse, lieber selber Hunger zu leiden, als ihr Kind hungern zu sehen, an der aufrichtigen Freundschaft, bei der man sich für die Freunde in Gefahr begibt. Ja, sogar aus der herkömmlichen und nur erheuchelten Freundschaft sei sie ersichtlich, die der aufrichtigen darin zu gleichen suche, daß man die besseren Stücke denen anbiete, für die man Wohl­wollen zu hegen vorgebe, wenigstens dem Munde nach, wenn auch nicht mit dem Herzen. Schließlich wäre die Mög­lichkeit einer solchen Liebe schon an der Natur der Liebe zu erkennen, die ja ihre Freude darein setze, anderen zu dienen, nicht nur ihrer selbst, sondern um des anderen willen. Das war jedoch jenen unbegreiflich, die sich selbst mehr als andere liebten und im Erdenleben nach Gewinn gestrebt hat­ten, am allerwenigsten den Geizigen.

*407. Ein gewisser Geist, der in seinem körperlichen Leben über andere Macht besessen hatte, wollte auch in jenem Leben noch befehlen. Ihm wurde erklärt, daß er sich hier in einem anderen, ewigen Reiche befinde, und daß seine Herrschaft auf Erden vergangen sei. Jetzt werde jeder nur eingeschätzt nach dem Guten und Wahren und der Gnade des Herrn, in der er aufgrund seines Lebens in der Welt stehe. In diesem Reich werde es ähnlich gehalten wie auf Erden, wo man wegen seines Vermögens und der Be­liebtheit beim Herrscher geachtet werde. Das Vermögen bestehe aber hier im Guten und Wahren und die Beliebtheit beim Herrscher in der Gnade, in der der Mensch sich je nach seinem in der Welt geführten Leben beim Herrn be­finde. Wolle er auf einer anderen Grundlage befehlen, so wäre er ein Empörer, denn er befände sich im Reich eines anderen. Als er dies hörte, schämte er sich sehr.

*408. Ich sprach mit Geistern, die der Meinung waren, der Himmel und die himmlische Freude bestünden darin, daß man zu den Großen gehöre. Ihnen wurde jedoch bedeu­tet, der Größte im Himmel sei der Kleinste; denn der Kleinste sei, wer nichts vermag und weiß und auch nichts vermögen und wissen will aus sich selbst, sondern aus dem Herrn. Solch ein Kleinster genieße die größte Glückseligkeit und sei deshalb in Wirklichkeit der Größte, da er aus dem Herrn alles vermöge und weiser sei als alle. Und was heißt schon, der Größte zu sein, wenn man nicht der Glücklichste ist? Denn was anders als höchstes Glück suchen die Mächtigen durch die Macht und die Reichen durch den Reichtum? Ferner wurde ihnen gesagt, der Himmel bestehe auch nicht im Stre­ben danach, der Kleinste zu sein, um dadurch der Größte zu sein, denn dann trachte man ja in Wirklichkeit doch danach, der Größte zu sein. Vielmehr liege der Himmel darin, daß man anderen von Herzen mehr wohl will als sich selbst und ihnen zu ihrer Glückseligkeit dienen will, ohne dabei in selbstischer Absicht auf eine Belohnung zu hoffen, sondern einfach aus Liebe.

*409. Die eigentliche himmlische Freude kann in ihrem Wesen nicht beschrieben werden, weil sie zum Innersten des Lebens der Engel gehört. Von da aus erscheint sie in ihren einzelnen Gedanken und Gefühlen, und wiederum von die­sen aus im einzelnen ihrer Sprache und ihrer Handlungen. Es ist, als ob die inneren Bereiche völlig aufgeschlossen und geöffnet wären, um Freude und Seligkeit in sich aufzunehmen, die sich bis in die einzelnen Fasern und somit durch das Ganze verbreiten. Die damit zusammenhängenden Empfin­dungen und Gefühle sind ganz unbeschreiblich, denn was im Innersten beginnt, das fließt in die vom Innersten abgeleite­ten Einzelheiten ein und erweitert sich, indem es immer mehr nach außen zunimmt. Gute Geister, die noch nicht in jener Freude leben, weil sie noch nicht in den Himmel erho­ben worden sind, werden mit einer derartigen Freude erfüllt, sobald sie diese bei einem Engel aufgrund der Sphäre seiner Liebe empfinden. Dabei vergehen sie fast vor Wonne. Das er­fuhren mehrmals Geister, die zu wissen wünschten, was himmlische Freude sei.

*410. Als andere Geister das ebenfalls zu wissen begehr­ten, ließ man sie die himmlische Freude bis zu dem Grade empfinden, daß sie es nicht mehr aushalten konnten. Und doch war es noch keineswegs die Freude der Engel, sondern nur ein Allergeringstes davon. Es war so unbedeutend, daß es fast kalt zu nennen war, sie aber bezeichneten es als höchst himmlisch, weil es ihre innerste Freude darstellte. Daraus ergab sich: Nicht allein Grade der Freude des Himmels gibt es, sondern das Innerste des einen erreicht kaum das Äußer­ste oder Mittlere eines anderen, ferner, daß jemand in seiner (ihm angemessenen) himmlischen Freude ist, wenn er seine innerste Freude empfängt, und daß er eine noch innigere nicht ertrüge und sie ihn schmerzen würde.

*411. Einige Geister — sie waren nicht böse — gerieten in eine Ruhe, die wie Schlaf schien, und wurden in diesem Zu­stand in den Himmel versetzt, soweit ihr Inneres, das Gebiet ihres Gemüts, es zuließ. Die Geister können nämlich schon ehe ihr Inneres aufgeschlossen ist, in den Himmel versetzt und über die Seligkeit derer belehrt werden, die dort sind. Ich sah sie während einer halben Stunde in dieser Ruhe verharren und dann in ihr vorheriges Äußerliches zurückfallen. Sie behielten die Erinnerung an das Gesehene und sagten, sie seien unter den Engeln des Himmels gewesen und hätten dort erstaunliche Dinge gesehen und vernommen. Alles hätte geglänzt wie von Gold; Silber und Edelsteinen, in herrli­chen Formen, die sich auf wunderbare Weise veränderten. Die Engel hätten ihre Freude aber nicht an den äußeren Din­gen selbst gehabt, sondern an dem, was sie vorbildeten, und das seien unaussprechliche göttliche Dinge von unendlicher Weisheit — an diesen hätten sie ihre Freude gehabt. Auch hät­ten sie unzählige Dinge gesehen, die durch menschliche Worte nicht zum zehntausendsten Teil ausgedrückt werden noch mit irgendwelchen Vorstellungen zu fassen seien, denen etwas Materielles anhafte.

*412. Fast alle, die ins andere Leben kommen, wissen nicht, worin die himmlische Seligkeit und Wonne besteht, da sie Wesen und Beschaffenheit der inneren Freude nicht ken­nen. Sie haben bloß einen Begriff von den körperlichen und weltlichen Genüssen und Freuden. Was sie aber nicht wissen, das halten sie für unbedeutend, obwohl doch die körperli­chen und weltlichen Freuden im Vergleich mit den inneren nichtig sind. Aus diesem Grunde werden die Rechtschaffe­nen, die nicht wissen, worin himmlische Freude besteht, zu­erst in paradiesische Gefilde gebracht, die jede Vorstellung der Einbildungskraft übertreffen, damit sie wissen und erfah­ren, was himmlische Freude ist. Sie meinen dann, sie seien ins himmlische Paradies gelangt, werden aber belehrt, daß das noch nicht die himmlische Seligkeit sei. Ihnen wird nun gestattet, die inneren Zustände der Freude bis hin zu dem In­nersten, das ihnen wahrnehmbar ist, zu empfinden. An­schließend werden sie — wiederum bis zu ihrem Innersten ­in einen Zustand des Friedens versetzt, wo sie dann beken­nen, daß nichts davon jemals ausgedrückt oder auch nur in Gedanken erreicht werden könne. Abschließend versetzt man sie dann in den Zustand der Unschuld, ebenfalls bis zu ihrer innersten Empfindung. Auf diese Weise wird ihnen be­greiflich gemacht, was das wahrhaft geistige und himmli­sche Gute ist.

*413. Damit ich aber fähig würde, das Wesen und die Be­schaffenheit des Himmels und der himmlischen Freude zu erkennen, wurde mir vom Herrn verliehen, oft und lange die Wonnen der himmlischen Freuden zu empfinden, so daß ich sie aus lebendiger Erfahrung wohl kennen, gleichwohl aber durchaus nicht beschreiben kann. Damit man sich aber we­nigstens eine matte Vorstellung davon machen könne, soll etwas darüber gesagt werden: Die himmlische Freude ist eine Konzentration zahlloser seliger Gefühle, die zusammen eine Art Allgemeines darstellen, in dem die Harmonien unzähliger Empfindungen liegen, die nicht deutlich, sondern nur dun­kel wahrgenommen werden. Ich durfte aber empfinden, daß Unzähliges darin liegt, und zwar so geordnet, daß es sich durchaus nicht beschreiben läßt. Die Beschaffenheit dieser zahllosen Einzelheiten fließt aus der Ordnung des Himmels ein, und diese Ordnung findet sich in jedem einzelnen, selbst dem kleinsten Teil eines Gefühls, das jedoch nur als allge­meinste Einheit dargestellt und empfunden wird, je nach der Empfänglichkeit dessen, der es aufnimmt. Mit einem Wort: In jedem Allgemeinen liegt die unendliche Vielfalt der geord­neten Form, und alles lebt und regt an, und zwar samt und sonders aus dem Innersten heraus, gehen doch die himmli­schen Freuden aus dem Innersten hervor. Ich durfte auch empfinden, daß die Freude und Wonne aus dem Herzen kamen und sich ganz sanft durch alle innersten Fasern und von da aus in die Muskeln verbreiteten, mit einem solch inni­gen Wonnegefühl, daß jede Fiber gleichsam nichts als Freude und Wonne war, und jede davon abgeleitete Wahrnehmung und Empfindung ebenfalls in Wonne lebte. Im Vergleich zu diesen Freuden verhalten sich die der körperlichen Wollust wie ein grober, verletzender Klumpen Erde zu dem reinsten und sanftesten Lüftchen. Wenn ich all meine Freude auf einen anderen übertragen wollte, so habe ich beobachtet, daß an deren Stelle beständig eine innigere und größere Freude ein­strömte, und zwar im selben Maße, wie ich sie übertragen wollte. Ich ward inne, daß dies vom Herrn herrührte.

*414. Die Himmlischen schreiten fortwährend im Früh­ling des Lebens voran, und je mehr Jahrtausende sie leben, desto seliger wird dieser Frühling. Dies setzt sich in Ewigkeit fort, wobei die Zunahme dem Fortschritt und den Graden der Liebe, der Nächstenliebe und des Glaubens entspricht. Die Frauen gelangen, wenn sie bejahrt und vom Alter abgezehrt gestorben sind, jedoch im Glauben an den Herrn, in der Liebe zum Nächsten und in glücklicher ehelicher Liebe mit ihrem Manne gelebt hatten, im Verlauf der Jahre mehr und mehr zurück in die Blüte der Jugend und des mannbaren Al­ters. Ihre Schönheit übertrifft dann jede Vorstellung von Schönheit, die das Auge je geschaut haben könnte. Es ist die Güte, die Nächstenliebe, welche sie so gestalten und ein Ebenbild ihrer selbst darstellen. Die Güte und Nächstenliebe sind die Ursache des Angenehmen und Schönen der Liebe, das aus den kleinsten Zügen des Angesichts hervorleuchtet, so daß diese Frauen geradezu Formen der Liebe sind. Einige haben sie gesehen und waren darüber höchst erstaunt. Die Nächstenliebe hat die Eigenart, daß sie im Himmel als Ge­stalt lebendig wahrgenommen wird, daß es eben sie selbst ist, welche abbildet und abgebildet wird, und zwar so, daß der ganze Engel, vor allem aber sein Gesicht, gleichsam Nächstenliebe ist, die ebenso klar erscheint wie sie empfun­den wird. Diese Gestalt erscheint dem Anschauenden als unaussprechliche Schönheit, die das innerste Leben des Gemüts unmittelbar durch Nächstenliebe anregt. Mit einem Wort: Alt werden im Himmel heißt jung werden. Diejenigen, die in der Liebe zum Herrn und in der Liebe zum Nächsten gelebt haben, werden im anderen Leben zu solchen Gestal­ten der Schönheit. Alle Engel sind solche Gestalten in unzäh­liger Mannigfaltigkeit. Aus ihnen besteht der Himmel. 



Die Unermeßlichkeit des Himmels.

*415.  Die unermeßliche Größe des Himmels des Herrn geht aus vielem hervor, was schon bisher gesagt und gezeigt wurde, vor allem daraus, daß der Himmel aus dem menschlichen Geschlecht hervorgegangen ist (vergl. oben Nr. 311 317), und zwar nicht bloß aus dem Teil, der inner­halb der Kirche, sondern auch aus dem, der außerhalb der Kirche geboren worden ist (vergl. Nr. 318 328). Er besteht folglich aus allen, die von der ersten Entstehung dieser Welt an im Guten gelebt haben. Welch eine große Men­schenmenge auf diesem ganzen Erdenrund lebt, kann sich jeder denken, der etwas von den Erdteilen, Ländern und Reichen dieser Erde weiß. Wer eine Berechnung darüber anstellt, wird finden, daß jeden Tag viele Tausende wegster­ben, innerhalb eines Jahres also viele Zehntausende oder Millionen, und das von den ersten Zeiten an, seit mehreren Jahrtausenden. Alle gelangen nach ihrem Abscheiden in die andere, die geistige Welt, und dies geht ständig so wei­ter. Wieviele von ihnen aber Engel des Himmels geworden sind und noch werden, läßt sich nicht sagen. Ich hörte nur, daß es in den alten Zeiten sehr viele waren, weil die Men­schen damals innerlicher und geistiger dachten und daher in himmlischer Neigung lebten. In den darauffolgenden Zeiten waren es dann nicht mehr so viele, weil der Mensch sich allmählich Äußerlichkeiten zuwandte und begann, ma­teriell zu denken und daher in irdische Neigung zu fallen. Dies mag als der erste Beleg dafür gelten, daß der Himmel allein schon von den Bewohnern dieses unseres Erdkörpers reich bevölkert ist.

*416. Auf die unermeßliche Größe des Himmels des Herrn kann man jedoch bereits daraus schließen, daß alle Kinder, sie seien innerhalb oder außerhalb der Kirche geboren, vom Herrn angenommen und zu Engeln werden. Ihre Zahl beträgt aber den vierten oder fünften Teil der Menschheit auf Erden. Oben (Nr. 329 345) kann man nachlesen, daß jedes Kind, gleichgültig wo es geboren sein mag, ob innerhalb oder außerhalb der Kir­che, ob von frommen oder gottlosen Eltern, vom Herrn angenommen wird, sobald es stirbt. Es wird im Himmel erzogen und nach der göttlichen Ordnung unterrichtet, mit Neigungen zum Guten erfüllt und dadurch mit den Erkenntnissen des Wahren. Wenn dann seine Einsicht und Weisheit vollkommen sind, wird es in den Himmel eingeführt und zu einem Engel. Hieraus läßt sich ersehen, wie groß die Zahl der Engel des Himmels ist, die von der ersten Schöpfung an bis auf den heutigen Tag allein schon aus diesen Kindern hervorgegangen sind.

*417. Die unermeßliche Größe des Himmels des Herrn kann man auch daraus erschließen, daß alle Planeten, die wir mit den Augen in unserem Sonnensystem erblicken können, Erden sind, und daß es außer ihnen noch unzählig viele an­dere im Weltall gibt, alle voller Bewohner. Über die Erdkörper im Weltall wurde in einem besonderen kleinen Werk gehan­delt, woraus ich folgendes zitieren will:

„Es ist im anderen Leben wohlbekannt, daß es viele Erden und Menschen darauf gibt, sowie Geister und Engel, die aus ihnen hervorgegangen sind. Denn in der geistigen Welt wird jedem gestattet, der aus Liebe zum Wahren und dem Nutzen daraus, mit Geistern anderer Erdkörper zu reden wünscht, um so von der Vielheit der Welten überzeugt und darüber belehrt zu werden, daß das menschliche Ge­schlecht nicht nur aus einem einzigen Erdkörper, sondern aus unzähligen hervorgeht. Ich habe hierüber einige Male mit Geistern unseres Erdkörpers gesprochen und geäußert, daß ein Mensch mit gutem Verstand aus zahlreichen Tatsa­chen entnehmen könne, daß es viele Erden und auf ihnen Menschen gibt. Aufgrund der Vernunft kann er den Schluß ziehen, daß so große Massen wie die Planeten, von denen einige größer sind als die Erde, nicht nur als leere Klumpen bloß dazu geschaffen seien, sich um die Sonne zu wälzen oder zu spazieren und mit ihrem schwachen Schimmer einem einzigen Erdkörper zu leuchten; ihr Nutzen muß vielmehr ein höherer sein. Wenn man glaubt — und dies sollte ein jeder —, daß das Göttliche das Weltall zu keinem anderen Zweck erschaffen hat, als eine Menschheit und aus ihr einen Himmel zu bilden — denn die Menschheit ist die Pflanzschule des Himmels —, so muß man auch glau­ben, daß überall Menschen sind, wo auch immer ein Erd­ball ist“.

„Daß die Planeten unseres Sonnensystems Erden sind, können wir ganz einfach daran erkennen, daß sie Körper aus irdischer Materie sind, weil sie das Licht der Sonne reflektie­ren und, wenn man sie im Fernrohr betrachtet, nicht wie die Fixsterne den rötlichen Schimmer des Feuers zeigen, viel­mehr wie Erdkörper vielfarbig auf dunklem Grund erschei­nen. Man sieht es auch daraus, daß sie sich ebenso wie unsere Erde rund um die Sonne bewegen und auf der Bahn des Tierkreises fortschreiten und dadurch Jahre und Jahres­zeiten — Frühling, Sommer, Herbst und Winter — bilden. Man erkennt es ferner daran, daß sie sich ebenso wie unsere Erde um ihre Achse drehen und dadurch Tage und Tageszeiten verursachen — Morgen, Mittag, Abend und Nacht. Schließlich haben auch einige von ihnen Monde, sogenannte Trabanten, die ebenso wie unser Mond in bestimmten Zeiten ihren Umlauf um ihre Erde vollenden. Auch hat der Planet Saturn, der sehr weit von der Sonne entfernt ist, einen großen leuch­tenden Gürtel, der diesem Erdkörper viel, wenngleich nur reflektiertes Licht spendet“. „Wer all das weiß und vernünftig bedenkt, wie könnte der noch sagen, die Erdkörper seien unbewohnt? Überdies habe ich mit Geistern über die Mög­lichkeit gesprochen, daß der Mensch den Glauben, im Welt­all gebe es mehr als einen Erdkörper, schon aus der uner­meßlichen Größe des Sternenhimmels ziehen könnte, in dem es unzählige Sterne gibt, von denen jeder an seiner Stelle, in seiner Welt, ebenso eine Sonne ist wie die unsere, nur von verschiedener Größe. Wer das wohl bedenkt, wird zu dem Schluß gelangen, daß dieses unermeßlich große Ganze nichts anderes sein kann, als ein Mittel zu dem Endzweck, dem Ziel der ganzen Schöpfung. Dieser Endzweck aber ist das himmlische Reich, in dem das Göttliche bei Engeln und Menschen wohnen kann. Das sichtbare Universum nämlich, der von so unzähligen Sternen oder Sonnen erleuchtete Himmel, ist nur das Mittel für die Existenz vieler Erdkörper und Menschheiten, aus denen sich das himmlische Reich bilden kann. Diese Tatsachen müssen den vernünftigen Menschen notwendigerweise zu dem Schluß führen, daß ein so immenses Mittel zu einem so großen Endzweck nicht allein für die Menschheit und den daraus hervorgehenden Himmel eines einzigen Erdkörpers geschaffen sein könne. Was wäre das auch für das Göttliche, das unendlich ist, und für das Tausende, ja Myriaden von Erdkörpern, alle voller Bewohner, nur wenig, ja fast nichts darstellen?“

„Es gibt Geister, deren einziges Streben darin besteht, sich Kenntnisse zu verschaffen, weil sie allein daran Vergnü­gen haben. Diesen Geistern ist es daher erlaubt umherzu­schweifen und auch über unser Sonnensystem hinaus in andere Sonnensysteme einzudringen und sich so Kenntnisse zu erwerben. Sie sagten, Erdkörper mit Menschen darauf gebe es nicht allein in unserem Sonnensystem, sondern auch außerhalb desselben im Fixsternhimmel, und zwar in unermeßlicher Zahl. Diese Geister stammen vom Planeten Merkur.“

„Eine vorläufige Berechnung zeigt: Wenn es eine Million Erdkörper im Weltall gäbe, und auf jedem von ihnen drei­hundert Millionen Menschen und zweihundert Generatio­nen innerhalb von 6’000 Jahren, und wenn jedem Menschen oder Geist ein Raum von drei Kubikellen zugemessen wäre, so füllte doch die Gesamtzahl so vieler Menschen oder Gei­ster nicht einmal den Raum des tausendsten Teiles unserer Erde, und kaum mehr als den Raum eines einzigen Traban­ten irgendeines Planeten — im Weltall ein Raum, so klein, daß er fast nicht zu bemerken wäre, da die Trabanten dem unbe­waffneten Auge kaum sichtbar sind“.

„Was wäre das für den Schöpfer des Weltalls, dem es noch nicht einmal genügte, wenn das ganze Weltall angefüllt wäre, da er ja unendlich ist? Als ich hierüber mit den Engeln sprach, versicherten sie, sie hätten die gleiche Vorstellung von der geringen Zahl des menschlichen Geschlechts ge­genüber der Unendlichkeit des Schöpfers. Sie dächten jedoch nicht in Kategorien des Raumes, sondern der Zustände, und nach ihrer Vorstellung wären Erdkörper von so vielen Myria­den, wie man sie sich nur irgend vorstellen könne, dennoch ganz und gar ein Nichts vor dem Herrn“.

Über die Erdkörper im Weltall und ihre Bewohner, sowie die von ihnen stammenden Geister und Engel lese man in dem genannten Werk nach. Sein Inhalt ist mir zu dem Zweck geoffenbart und gezeigt worden, damit man wissen möge, daß der Himmel des Herrn unermeßlich groß und ganz und gar aus dem menschlichen Geschlecht hervorgegangen ist, und ferner, daß unser Herr überall als Gott des Himmels und der Erde anerkannt wird.

*418. Schließlich läßt sich die Unermeßlichkeit des Him­mels des Herrn auch daraus ersehen, daß der Himmel in sei­nem Gesamtumfang einen einzigen Menschen darstellt und auch allen Einzelheiten beim Menschen entspricht. Diese Entsprechung kann niemals vollständig dargestellt werden, weil sie sich nicht nur auf die einzelnen Glieder, Organe und Eingeweide des Körpers im allgemeinen erstreckt, sondern auch im besonderen und einzelnen auf jedes kleinste Teil­chen innerhalb der Eingeweide und Organe, ja sogar auf die einzelnen Gefäße und Fasern, bis hin zu den organischen Substanzen, die von innen her den Einfluß aus dem Himmel aufnehmen, der Quelle aller inneren Tätigkeiten des Men­schen, die dem Wirken seiner Seele dienen. Alles nämlich, was mehr im Inneren des Menschen lebendig ist, besteht in Form von Substanzen, denn ohne solche Substanzen als den Trägern hätte es kein Dasein. Alle diese Dinge haben eine Entsprechung mit dem Himmel, wie man aus dem Abschnitt ersehen kann, der von der Entsprechung aller Dinge des Himmels mit allen Dingen des Menschen spricht (Nr. 87-102). Der Grund, weshalb diese Entsprechung niemals zu ihrer Erfüllung gelangen kann, liegt darin, daß der Himmel umso vollkommener wird, je mehr Engel Vereinigungen entstehen, die einem einzigen Glied entsprechen. In den Himmeln wächst nämlich jede Vollkommenheit mit der größeren Zahl, weil dort alle dasselbe Endziel haben und alle einmütig darauf blicken. Dieses Endziel besteht im allgemei­nen Wohl. Wenn es die oberste Stelle einnimmt, so kommt davon auch dem Einzelnen Gutes zu, und vom Einzelnen fließt wiederum dessen Gutes dem Allgemeinen zu. Dies ge­schieht, weil der Herr (man vergl. oben Nr. 123) alle im Him­mel zu sich hinwendet und dadurch bewirkt, daß sie in ihm eine Einheit bilden. Diese Einmütigkeit und Eintracht vieler bringt Vollkommenheit hervor — besonders wenn sie einen solchen Ursprung und ein solches Band hat —, das kann jeder einsehen, wenn er auch nur über eine einigermaßen erleuchtete Vernunft verfügt.

*419. Es wurde mir auch gewährt, die Ausdehnung so­wohl des bewohnten als des unbewohnten Himmels zu er­blicken, und ich erkannte, daß die des unbewohnten derart groß ist, daß er in Ewigkeit nicht ausgefüllt werden könnte, wenn es auch viele Myriaden von Erdkörpern gäbe, und auf einem jeden derselben eine Menschenmenge, so groß wie auf dem unseren. Auch hierüber lese man nach in dem Werk „Die Erdkörper im Weltall“ (Nr. 168).

*420. Einige Leute haben behauptet, der Himmel sei nicht unermeßlich groß, sondern klein. Sie schlossen dies aus eini­gen Stellen im Wort, die sie rein buchstäblich verstanden, zum Beispiel wenn es heißt, in den Himmel würden nur die Armen aufgenommen oder nur die Auserwählten, nur die Mitglieder der Kirche, nicht die Außenstehenden, nur jene, für die der Herr als Fürsprecher eintritt, und daß der Himmel geschlossen werde, sobald er gefüllt ist, und der Zeitpunkt sei vorausbestimmt. Aber diese Leute verstehen nicht, daß der Himmel niemals geschlossen wird und auch keine Zeit vor­ausbestimmt oder eine Menge festgesetzt ist, und daß als „Auserwählte“ diejenigen bezeichnet werden, die ein Leben führen, das dem Guten und Wahren verpflichtet ist. Mit den „Armen“ sind ja die gemeint, die der Erkenntnisse des Guten und Wahren ermangeln, aber doch danach verlangen, wie sie denn auch dieses Verlangens wegen „Hungrige“ ge­nannt werden. Wer sich aufgrund des unverstandenen Wortes die Meinung gebildet hat, der Himmel sei klein, meint auch, er sei an einem bestimmten Orte zu finden, einem Sammelplatz für alle, während doch der Himmel in Wirklich­keit aus unzähligen Gesellschaften besteht (vergl. oben Nr. 41 50). Auch weiß man nur, daß der Himmel einem jeden aus unmittelbarer Barmherzigkeit zuteil werde, also bloß als Folge einer Einlassung und Aufnahme aufgrund des göttli­chen Wohlgefallens. Solche Menschen sehen auch nicht ein, daß der Herr aus Barmherzigkeit einen jeden führt, der ihn aufnimmt, und daß ihn aufnimmt, wer nach den Gesetzen der göttlichen Ordnung lebt, welche die Gebote der Liebe und des Glaubens sind. Unter der Führung des Herrn zu ste­hen, von der Kindheit an bis zum Ende des Lebens in der Welt und hernach in Ewigkeit, das ist die Barmherzigkeit, die gemeint ist. Mögen sie also wissen, daß jeder einzelne Mensch für den Himmel geboren und darin aufgenommen wird, wenn er in der Welt den Himmel in sich aufnimmt, und daß er ausgeschlossen wird, wenn er dies nicht tut.

*



DIE GEISTERWELT

Der Zustand des Menschen nach dem Tode



Was ist die Geisterwelt?

*421. Die Geisterwelt ist weder der Himmel noch die Hölle, vielmehr ein Mittelort oder besser: Zwischenzustand zwi­schen beiden. Dahin gelangt der Mensch nach dem Tode zu­erst, um dann nach vollbrachter Zeit, je nach seinem Leben in der Welt, entweder in den Himmel erhoben oder in die Hölle geworfen zu werden.

*422. Die Geisterwelt ist ein „Ort“ in der Mitte zwischen Himmel und Hölle, sowie ein Zwischenzustand des Men­schen nach dem Tode. Offenbar wurde mir, daß sie ein Mit­telort ist, weil die Höllen unterhalb und die Himmel oberhalb liegen, und daß sie ein Zwischenzustand ist, weil der Mensch, solange er sich dort aufhält, sich weder im Himmel noch in der Hölle befindet. Der Zustand des Himmels beim Menschen ist die Verbindung des Guten und Wahren in ihm, der Zustand der Hölle dagegen die Verbindung des Bösen und Falschen in ihm. Wird bei einem Geistmenschen sein Gutes und Wahres verbunden, so gelangt er in den Himmel, weil diese Verbin­dung, wie gesagt, der Himmel bei ihm ist. Anders wenn beim Geistmenschen Böses und Falsches verbunden wird, dann kommt er nämlich in die Hölle, weil diese Verbindung die Hölle bei ihm ist. Diese Verbindung aber vollzieht sich in der Geisterwelt, weil sich der Mensch dann im Zwischenzustand befindet. Es macht übrigens keinen Unterschied, ob man von der Verbindung des Verstandes und Willens spricht oder von der Verbindung des Wahren und Guten.

*423. Hier soll nun zuerst etwas über die Verbindung des Verstandes und Willens ausgeführt werden, da diese Verbin­dung in der Geisterwelt geschieht. Der Menschen besitzt Ver­stand und Willen; ersterer bildet sich durch die Aufnahme des Wahren, letzterer durch die Aufnahme des Guten. Der Mensch nennt daher alles, was er einsieht und infolgedessen denkt, wahr, alles aber, was er will und daher denkt, gut. Aufgrund seines Verstandes kann der Mensch denken und daher auch begreifen, was wahr und was gut ist. Er denkt es jedoch nicht aus dem Willen, außer er will und tut es auch. Sobald er es will und aus dem Wollen heraus tut, gründet es sowohl im Ver­stand wie im Willen, das heißt im Menschen selbst, denn weder der Verstand noch der Wille allein macht den Men­schen aus, sondern nur beides zusammen. Was daher in bei­den gründet, das ist im Menschen und ein Teil von ihm ge­worden. Was hingegen nur dem Verstand angehört, ist zwar beim Menschen, aber nicht in ihm, bleibt eine Angelegenheit seines Gedächtnisses und der Kenntnisse, an die er denken kann, wenn er nicht innerlich in sich selbst, sondern außer sich bei anderen ist. Es bleibt also eine Angelegenheit, über die er reden und Betrachtungen anstellen und für die er auch Gefühle und Gebärden heucheln kann.

*424. Die Fähigkeit des Menschen, aus dem Verstande und nicht zugleich aus dem Willen zu denken, ist deshalb vorge­sehen worden, damit er umgebildet werden kann. Denn der Mensch wird umgebildet durch das Wahre, und das ist, wie ge­sagt, Sache des Verstandes. Der Mensch wird nämlich, was seinen Willen angeht, in alles Böse hineingeboren und will daher niemandem wohl als sich selbst. Wer aber sich selbst wohl will, freut sich über das Übel, das anderen zustößt, be­sonders wenn es ihm selbst zum Vorteil gereicht. Er möchte am liebsten die Güter aller anderen an sich reißen, seien es nun Rechte oder Reichtümer, und soweit ihm das gelingt, freut er sich innerlich darüber. Zur Besserung und Umbildung dieses Wollens ist dem Menschen die Fähigkeit verliehen wor­den, einzusehen, was wahr ist und dadurch die Neigungen zum Bösen, die aus seinem Willen hervorgehen, zähmen zu können. Darin liegt der Grund, weshalb der Mensch mit Hilfe des Verstandes denken, aussprechen und auch tun kann, was wahr ist, auch wenn er es solange nicht aus dem Willen zu denken vermag, ehe er zu einem Menschen geworden ist, der es aus sich, daß heißt von Herzen will und tut. Erst dann sind die Gedanken, die seinem Verstand entspringen, Angehör sei­nes Glaubens, und die seinem Willen entstammen, Angehör seiner Liebe. Deshalb verbinden sich dann bei ihm Glaube und Liebe ebenso wie Verstand und Wille.

*425. Der Mensch hat also den Himmel in sich, soweit das Wahre seines Verstandes sich mit dem Guten seines Willens verbindet, das heißt soweit der Mensch die Wahrheiten will und infolgedessen auch tut. Denn oben wurde gesagt, in der Verbindung des Guten und Wahren bestehe der Himmel. Um­gekehrt hat der Mensch die Hölle in sich, soweit sich das Falsche im Verstande mit dem Bösen im Willen verbindet. Im Zwischenzustand aber befindet sich der Mensch solange, wie das Wahre im Verstand noch nicht mit dem Guten im Willen verbunden ist. In diesem Zustand lebt heutzutage fast jeder Mensch. Er kennt nämlich viele Wahrheiten und denkt sie auch aufgrund seines Wissens und Verstandes, wendet aber davon viel oder nur wenig oder auch gar nichts an, oder aber er handelt aus Liebe zum Bösen und dem daher rührenden Glauben an Falsches wider sein besseres Wissen. Damit ihm nun entweder der Himmel oder die Hölle zuteil werde, wird er nach dem Tode zuerst in die Geisterwelt versetzt. Dort voll­zieht sich die Verbindung des Guten und Wahren bei denen, die in den Himmel erhoben und die Verbindung des Bösen und Falschen bei denen, die in die Hölle geworfen werden sol­len. Weder im Himmel noch in der Hölle darf jemand ein ge­teiltes Gemüt haben, nämlich etwas anderes erkennen als wollen. Was der Mensch will, das soll er auch erkennen, und was er erkennt, das soll er auch wollen. Wer daher im Himmel will, was gut ist, der soll auch einsehen, was wahr ist, und um­gekehrt: wer in der Hölle will, was böse ist, der soll auch ver­stehen, was falsch ist. Darum wird in der Geisterwelt bei den Guten das Falsche entfernt und ihnen das mit ihrem Guten übereinstimmende und dazu passende Wahre geschenkt. Bei den Bösen dagegen wird das bei ihnen befindliche Wahre hin­weggeschafft und ihnen das mit ihrem Bösen übereinstim­mende und zusammenpassende Falsche zugeteilt. Das zeigt die Beschaffenheit der Geisterwelt.

*426. In der Geisterwelt befinden sich ungeheuer viele Geister, weil dort für alle der erste Sammelplatz ist, alle dort geprüft und vorbereitet werden. Die Zeit des Aufenthalts ist nicht festgesetzt. Einige werden, kaum sind sie dort, entweder in den Himmel erhoben oder in die Hölle hinabgeworfen; ei­nige verweilen nur etliche Wochen, andere viele Jahre, jedoch nicht über 30. Die Unterschiede der Aufenthaltsdauer erge­ben sich aus der Entsprechung oder Nichtentsprechung des Inneren und Äußeren beim Menschen. Im Folgenden soll nun gezeigt werden, wie der Mensch in jener Welt von einem in den anderen Zustand hinübergeleitet und vorbereitet wird.

*427. Nach ihrem Tode werden die Menschen, sobald sie in die Geisterwelt kommen, vom Herrn aufs genaueste unter­schieden. Die Bösen werden umgehend an die höllische Ge­sellschaft gebunden, zu der sie ihrer herrschenden Liebe nach bereits in der Welt gehört hatten. Die Guten aber werden so­gleich mit der himmlischen Gesellschaft verbunden, zu der sie hinsichtlich der Liebe, der Nächstenliebe und des Glau­bens auch schon auf Erden gehört hatten. Trotz dieser Unter­scheidung kommen sie doch in der Geisterwelt zusammen, und wenn sie es wünschen, können sich dort alle sprechen, die bei Leibesleben miteinander befreundet und bekannt waren, namentlich die Ehefrauen und  männer, wie auch Brü­der und Schwestern. Ich sah, wie ein Vater mit seinen sechs Söhnen sprach und sie wiedererkannte, viele andere sah ich mit ihren Verwandten und Freunden sprechen. Weil sie aber aufgrund ihres Lebens in der Welt verschiedener Gesinnung waren, trennten sie sich nach kurzer Zeit wieder voneinander. Jene aber, die aus der Geisterwelt in den Himmel gelangen, sehen hernach die in die Hölle Kommenden nicht wieder und er­kennen einander auch nicht, es sei denn, sie befänden sich aus ähnlicher Liebe in ähnlicher Gesinnung. Sie können ein­ander wohl in der Geisterwelt wiedersehen, nicht aber, wenn die einen von ihnen im Himmel und die anderen in der Hölle sind, weil eben die Geister in der Geisterwelt in die gleichen Zustände versetzt werden, in denen sie sich bei Leibesleben befanden, und zwar abwechselnd von einem in den anderen. Danach aber kommen alle in einen bleibenden Zustand, der dem Zustand ihrer herrschenden Liebe gleicht, und in dem einer den anderen nur infolge der Ähnlichkeit ihrer Liebe zu erkennen vermag. Wie oben (Nr. 41 50) gezeigt wurde, ver­bindet die Ähnlichkeit, während die Unähnlichkeit trennt.

*428. Ebenso wie die Geisterwelt einen mittleren Zustand zwischen Himmel und Hölle beim Menschen darstellt, so ist sie auch ein mittlerer Ort. Unterhalb befinden sich die Höllen, oberhalb die Himmel. Alle Höllen sind gegen die Geisterwelt hin abgesperrt. Zugänglich sind sie nur durch Löcher und Spalten, ähnlich wie sie sich in den Felsen finden, und durch breitere Klüfte, die aber bewacht werden, damit niemand ohne Erlaubnis herauskommen kann. Dies geschieht den­noch zuweilen, wenn es irgendeine Notwendigkeit erfordert. Darüber im Folgenden. Auch der Himmel ist auf allen Seiten eingezäunt, und der Zugang zu irgendeiner himmlischen Ge­sellschaft ist nur auf einem schmalen Pfade möglich, dessen Eingang ebenfalls bewacht ist. Diese „Ausgänge“ und „Ein­gänge“ sind es, die im Wort „Tore“ und „Pforten“ der Hölle und des Himmels heißen.

*429. Die Geisterwelt sieht wie ein Tal zwischen Bergen und Felsen aus, das da und dort abfällt und wieder ansteigt. Die Tore und Pforten zu den himmlischen Gesellschaften werden nur denen sichtbar, die für den Himmel gerüstet sind, die anderen finden sie nicht. Zu jeder Gesellschaft führt aus der Geisterwelt nur ein einziger Eingang, dahinter zeigt sich ein Weg, der sich jedoch beim Hinansteigen in mehrere teilt. Auch die Tore und Eingänge zu den Höllen sind nur denen sichtbar, die hineingehen sollen und denen sie dann geöffnet werden. Wenn das geschieht, erblickt man finstere, wie mit Ruß überzogene Höhlen, die sich schräg abwärts in die Tiefe ziehen, wo sich wieder mehrere Eingänge finden. Diesen Höhlen entsteigen scheußliche Dünste und ekelhafte Gerüche, vor denen die guten Geister fliehen, weil sie davor einen Abscheu haben, während sie den bösen Geistern beha­gen, die sie dann aufsuchen. Denn geradeso wie jeder in der Welt an seinem Bösen Vergnügen empfindet, so ergötzt er sich nach dem Tode an dem Gestank, dem sein Böses entspricht. Man kann sie in dieser Hinsicht mit den Raubvögeln und reißenden Tieren, Raben, Wölfen und Schweinen, verglei­chen, die, sobald sie nur den Dunst von Aas und Mist wittern, darauf zufliegen und zulaufen. Ich hörte jemanden wie von innerer Pein laut aufschreien, als ihn ein Hauch des Himmels berührte, während er rundum vergnügt blieb, als ihn hölli­scher Dunst traf.

*430. Auch bei jedem einzelnen Menschen finden sich zwei Pforten. Die eine steht offen zur Hölle und für alles von daher kommende Böse und Falsche, die andere zum Himmel und für das von daher rührende Gute und Wahre. Die hölli­sche Pforte ist bei allen geöffnet, die im Bösen und hieraus im Falschen leben. Nur durch einen Spalt fließt von oben her ge­rade soviel Himmelslicht bei ihnen ein, daß sie aufgrund von dessen Einfluß denken, Schlüsse ziehen und reden können. Die himmlische Pforte hingegen ist bei allen geöffnet, die im Guten und von hier aus im Wahren leben. Es gibt in der Tat zwei Wege, die zum vernünftigen Gemüt des Menschen führen, einen oberen oder inneren, durch den vom Herrn her Gutes und Wahres eindringt, sowie einen unteren oder äuße­ren, durch den sich von der Hölle her Böses und Falsches ein­schleicht. Das vernünftige Gemüt selbst, zu dem die beiden Wege führen, liegt in der Mitte. Der Mensch ist daher soweit vernünftig, wie Licht aus dem Himmel bei ihm zugelassen wird, soweit das nicht geschieht, ist er auch nicht vernünftig, wenn er sich auch so vorkommen mag. Diese Bezüge wurden erwähnt, um zu zeigen, worin die Entsprechung des Men­schen mit dem Himmel und mit der Hölle besteht. Solange sich sein vernünftiges Gemüt bildet, entspricht es der Gei­sterwelt, was über ihm ist, dem Himmel und was unterhalb, der Hölle. Bei den Geistern, die auf den Himmel vorbereitet werden, öffnen sich die Gebiete oberhalb des vernünftigen Gemüts, während die unterhalb befindlichen gegen den Ein­fluß des Bösen und Falschen verschlossen werden. Anders bei denen, die auf die Hölle vorbereitet werden. Bei ihnen werden die Gebiete unterhalb des vernünftigen Gemüts geöffnet, die Gebiete oberhalb aber gegen den Einfluß des Guten und Wah­ren versperrt. Diese können daher nur noch nach unten, daß heißt auf die Hölle blicken, jene dagegen nur noch nach oben, das heißt auf den Himmel. Nach oben blicken heißt zugleich zum Herrn aufblicken, weil er der allgemeine Mittelpunkt ist, auf den alle Dinge des Himmels ausgerichtet sind. Nach unten sehen bedeutet, vom Herrn weg auf den entgegengesetzten Mittelpunkt blicken, auf den alle Dinge der Hölle bezogen sind (man vergl. oben Nr. 123 und 124).

*431. Auf den vorstehenden Seiten wurden die Bewohner der Geisterwelt als Geister, die des Himmels als Engel be­zeichnet. 



Jeder Mensch ist, was seine inneren Bereiche anlangt, ein Geist.

*432.  Wer gründlich darüber nachdenkt, kann wissen, daß nicht der Körper denkt, sondern die Seele, da sie geistig ist. Die Seele des Menschen, über deren Unsterblichkeit viele ge­schrieben haben, ist sein Geist. Dieser ist in der Tat unsterb­lich, und zwar mit allem, was zu ihm gehört. Er ist es auch, der im Körper denkt, eben weil er geistig ist und das Geistige in sich aufnimmt und geistig lebt, das heißt denkt und will. Daher gehört alles geistige Leben, das im Körper erscheint, dem Geist, und auch nicht im geringsten dem Körper an. Wie bereits gesagt, ist ja der Körper stofflich, und das dem Körper eigentümliche Stoffliche ist dem Geist nur hinzugefügt und fast etwas wie eine Nebensache, unerläßlich für den Geist des Menschen in der natürlichen Welt, in der alles stofflich und an sich leblos ist, um hier sein Leben führen und Nutzen schaf­fen zu können. Da nun das Stoffliche nicht lebt, sondern nur das Geistige, können wir es als feststehend ansehen, daß alles, was beim Menschen lebt, seinem Geist angehört und der Kör­per diesem nur dient — ganz wie ein Werkzeug der lebendig wirkenden Kraft. Zwar sagt man von einem Werkzeug, es wirke, bewege oder stoße, doch anzunehmen, daß es wirklich das Werkzeug sei und nicht der Mensch, der dahinter steht und wirkt, bewegt und stößt, ist eine Täuschung.

*433. Wenn nun alles, was im Körper lebt und aus dem Leben wirkt und fühlt, einzig dem Geist und nicht dem Kör­per angehört, so muß folglich der Geist der Mensch selbst oder — was auf dasselbe hinausläuft — der Mensch an sich be­trachtet ein Geist sein und dieser auch die gleiche Form auf­weisen. Alles nämlich, was im Menschen lebt und empfindet, gehört seinem Geist an, und da es vom Haupt bis zur Fußsohle nichts im Menschen gibt, das nicht lebt und empfindet, so muß der Mensch folglich im Tode, wenn der Körper von sei­nem Geist abgetrennt wird, dennoch Mensch bleiben und leben. Aus dem Himmel habe ich vernommen, daß manche der Gestorbenen, die auf der Totenbahre liegen und noch nicht auferweckt sind, in ihrem erkalteten Körper fortdenken und das Bewußtsein haben, als lebten sie noch, freilich mit dem Unterschied, daß sie kein einziges stoffliches Teilchen bewegen können, das zu ihrem Körper gehört.

*434. Der Mensch kann weder denken noch wollen, außer es sei eine substantielle Unterlage vorhanden, aus der und in der es geschieht. Was angeblich existieren soll ohne eine substantielle Unterlage, ist ein Nichts. Das geht aus der Tatsache hervor, daß der Mensch ohne ein Organ als Unter­lage seines Gesichtssinnes nichts sehen, und ohne ein Organ als Basis seines Gehörssinnes auch nichts hören kann. Gesicht und Gehör sind ohne sie ein Nichts, ja eine Unmög­lichkeit. Dasselbe gilt auch für das Denken, das innere Sehen, sowie für das Innewerden (apperceptio), das innere Hören — beständen diese nicht in und aus Substanzen als ihren organischen Formen und Unterlagen, so hätten sie durchaus kein Dasein. Aufgrund dieser Überlegungen kann festgehalten werden, daß der Geist des Menschen in gleicher Weise eine Gestalt hat, und zwar die menschliche, und daß er ebenso über Sinnesorgane und Sinne verfügt wie zu der Zeit, als er noch im materiellen Körper lebte. Ferner, daß alles Leben des Auges und alles Leben des Ohres, kurz, alles sinnliche Leben das sich beim Menschen findet, keineswegs seinem Körper, sondern seinem Geist angehört, der es bis ins einzelne erfüllt. Aus diesem Grunde sehen, hören und emp­finden die Geister ebensogut wie die Menschen, freilich nach ihrer Trennung vom Körper nicht mehr in der natürlichen, sondern in der geistigen Welt. Wenn der Geist während seines Aufenthaltes im Körper in natürlicher Weise empfand, so geschah es durch das Stoffliche, das ihm beigefügt war. Aber selbst damals empfand er doch zugleich auch geistig, indem er dachte und wollte.

*435. Dies alles sollte jeden vernünftigen Menschen über­zeugen, daß der Mensch an und für sich ein Geist ist und das Körperliche, das ihm hinzugefügt wurde, um seine Funktio­nen in der natürlichen und stofflichen Welt zu versehen, nicht den Menschen, sondern nur ein Werkzeug seines Geistes dar­stellt. Doch haben Erfahrungsbelege mehr Beweiskraft, weil von vielen die Vernunftgründe nicht erfaßt, von denen aber in Zweifel gezogen werden können, die sich aufs Gegenteil ver­steift haben, weil sie aus Sinnestäuschungen ihre Folgerun­gen ziehen. Sie denken gewöhnlich, die Tiere lebten und emp­fänden ja auf gleiche Weise und hätten demnach ebenso ein Geistiges wie der Mensch, und doch sterbe es mit dem Körper. Aber das Geistige der Tiere ist nicht von gleicher Art wie das des Menschen. Der Mensch besitzt, anders als die Tiere, ein Innerstes, in welches das Göttliche einfließt, es zu sich erhebt und so mit sich verbindet. Daher hat der Mensch den Tieren voraus, daß er sich über Gott und die göttlichen Dinge, das heißt Belange des Himmels und der Kirche, Gedanken ma­chen und Gott aus und in diesen Dingen lieben und so mit ihm verbunden werden kann. Was aber mit dem Göttlichen verbunden werden kann, das vermag unmöglich in nichts zu zerfallen, wie etwas, von dem das nicht gilt. Über das Inner­ste, das der Mensch den Tieren voraus hat, wurde oben in Nr. 39 berichtet, und das dort Ausgeführte soll hier wiederholt werden, weil es sehr wichtig ist, die Trugschlüsse zu zer­streuen, die aus dem genannten Schein gezogen werden, wie das oft geschieht, aus Mangel an Kenntnissen und aufgrund eines nicht aufgeschlossenen Verstandes. Solche Menschen können hierüber nicht vernünftig urteilen. Der entspre­chende Abschnitt lautet:

„Zuletzt darf noch ein gewisses Geheimnis über die Engel der drei Himmel bekanntgegeben werden, das früher niemandem in den Sinn kam, weil man nichts von diesen Abstufungen wußte. Bei jedem Engel, wie auch bei jedem Menschen, gibt es nämlich eine innerste oder höchste Stufe, ein Innerstes oder Höchstes, in welches das Göttliche des Herrn zuerst oder zunächst einwirkt und von dem aus die übrigen Teile der inneren Bereiche ausgerichtet werden, die sich nach den Abstufungen der Ordnung bei ihm anfügen. Dieses Innerste oder Höchste kann als Eingang des Herrn beim Engel und Menschen und als seine eigentliche Woh­nung bei ihnen bezeichnet werden. Durch dieses Innerste oder Höchste ist der Mensch überhaupt Mensch und unter­scheidet sich von den unvernünftigen Tieren, die es nicht haben. Nur daher kann der Mensch, anders als die Tiere, mit seinem ganzen Inneren, das heißt seinem Gemüt und seiner Gesinnung, vom Herrn zu sich erhoben werden, so daß er an ihn glauben, von Liebe zu ihm angeregt werden und so ihn zu schauen vermag. Darauf beruht es, daß er Einsicht und Weisheit in sich aufnehmen und mit Vernunft reden kann, auch daß er ewiges Leben hat. Was in jenem Innersten in Ordnung gebracht und vorgesehen wird, fließt nicht deut­lich ins Bewußtsein eines Engels ein, denn es steht über sei­nem Denken und übersteigt seine Weisheit“.

*436. Viele der mir gewährten Erfahrungen haben mich gelehrt, daß der Mensch ein Geist ist, was seine inneren Be­reiche angeht. Wenn ich alle diese Erfahrungen anführen wollte, würden sie, wie man so sagt, ganze Bände füllen. Ich sprach mit den Geistern ebenso als Geist wie auch als Mensch im Körper. Sprach ich mit ihnen als Geist, so hielten sie mich ebenfalls für einen Geist in menschlicher Gestalt wie sie selbst es sind. Die inneren Bereiche in mir erschienen ihnen so, weil mein stofflicher Körper, solange ich als Geist sprach, unsichtbar war.

*437. Der Mensch ist, was seine inneren Bereiche anlangt, ein Geist. Diese Tatsache wird dadurch beleuchtet, daß er nach der Trennung vom Körper im Tode dennoch als Mensch weiterlebt wie zuvor. Um mich in dieser Erkenntnis zu be­stärken, wurde mir erlaubt, beinahe mit allen zu reden, die ich je in ihrem leiblichen Leben gekannt hatte — mit einigen stundenlang, mit anderen während Wochen und Monaten, ja sogar jahrelang. Und das, wie gesagt, vor allem zu dem Zweck, damit ich in dieser Tatsache bestärkt würde und es bezeugen könne.

*438. Ich darf noch hinzufügen, daß jeder Mensch, soweit es seinen Geist betrifft, sich in der Gesellschaft von Geistern befindet, auch während er noch im Körper lebt; allerdings wird er sich dessen nicht bewußt. Durch diese Geister gehört der Gute einer Gesellschaft von Engeln an, der Böse aber einer höllischen Gesellschaft, und jeder kommt nach dem Tode in eben diese Gesellschaft. Diese Tatsache wurde den Abgeschiedenen oft gesagt und gezeigt, wenn sie nach dem Tode unter die Geister kamen. Solange der Mensch in der Welt lebt, erscheint er zwar noch nicht als Geist in der betref­fenden Gesellschaft, weil er ja noch natürlich denkt. Anders verhält es sich mit den Menschen, die sich vom Körper abge­zogenen Gedanken hingeben. Sie erscheinen zuweilen in ihrer Gesellschaft, weil sie dann im Geist sind. Aber sie sind dabei von den darin befindlichen Geistern sehr genau zu unterscheiden, gehen sie doch, in Gedanken versunken, stumm einher und sehen andere nicht an. Es ist, als bemerk­ten sie diese gar nicht, und sobald ein Geist sie anspricht, verschwinden sie.

*439. Zur Verdeutlichung der Tatsache, daß der Mensch hinsichtlich seiner innerlicheren Regionen ein Geist ist, will ich aus Erfahrung berichten, wie es zugeht, wenn der Mensch aus dem Körper herausgeführt und dann vom Geist an einen anderen Ort versetzt wird.

*440. Was das erste betrifft, nämlich das Herausgeführt­werden aus dem Körper, so verhält es sich damit folgender­maßen: Der Mensch wird in einen Zustand versetzt, der die Mitte zwischen Schlafen und Wachen hält. In diesem Zustand ist ihm nichts anderes bewußt, als daß er völlig wach sei. Alle Sinne sind so wach wie bei höchster körperli­cher Wachheit, das Gesicht ebenso wie das Gehör und ­merkwürdigerweise — auch das Tastgefühl, das dann sogar feiner ist, als es je bei wachem Körper möglich wäre. In die­sem Zustand habe ich auch Geister und Engel ganz leibhaftig gesehen und gehört, ja merkwürdigerweise sogar berührt, obwohl damals fast nichts vom Körper mit dabei war. Von diesem Zustand heißt es, man werde aus dem Körper her­ausgeführt und wisse nicht, ob man im Körper oder außer­halb des Körpers sei. In diesen Zustand wurde ich nur drei ­oder viermal versetzt, lediglich um zu erfahren, wie es sich damit verhält, und zugleich auch zu wissen, daß die Geister und Engel alle Sinne besitzen, ebenso wie auch der Mensch als Geist, wenn er dem Körper entrückt ist.

*441. Was das zweite betrifft, nämlich das Entrücktwer­den vom Geist an einen anderen Ort, so ist mir durch leben­dige Erfahrung gezeigt worden, wie es sich damit verhält und wie es geschieht, jedoch nur zwei  bis dreimal. Ich will ledig­lich folgende Erfahrung anführen: Während ich durch die Straßen einer Stadt und durch die Felder spazieren ging und dabei gleichzeitig mit Geistern sprach, war ich mir lediglich bewußt, daß ich ebenso wie zu anderen Zeiten wache und sehe. So ging ich, ohne mich zu verirren und war doch dabei in einer Vision, die mir Wälder, Flüsse, Schlösser, Häuser, Menschen und anderes mehr zeigte. Nachdem ich nun so stundenlang umhergewandert war, kehrte ich mit einemmal wieder in den körperlichen Gesichtssinn zurück und erkannte, daß ich inzwischen an einem anderen Orte ange­langt war. Ich war darüber sehr erstaunt und merkte nun erst, daß ich mich in dem Zustand befunden hatte wie jene, von denen es heißt, sie „seien vom Geist an einen anderen Ort entrückt worden“. Solange dieser Zustand andauert, denkt man nämlich nicht an den Weg, und wäre er mehrere Meilen weit; auch empfindet man keinerlei Ermüdung und wird, ohne sich zu verirren, auf Wegen, die man selbst nicht kennt, an den angestrebten Ort geführt.

*442. Diese beiden Zustände des Menschen — Zustände, die sich ergeben, wenn er sich in seine mehr im Inneren befindlichen Bereiche versenkt oder, was auf dasselbe hin­ausläuft, wenn er im Geist ist — sind außergewöhnlicher Art. Sie wurden mir nur gezeigt, damit ich wüßte, wie es sich mit ihnen verhält, denn in der Kirche sind sie bekannt. Allein, mit Geistern zu reden und bei ihnen zu sein, als ob man zu ihnen gehörte, ist mir auch bei vollem Wachen des Körpers gewährt worden, und dies nun schon seit vielen Jahren.

*443. Die Tatsache, daß der Mensch, was seine mehr im Inneren befindlichen Bereiche anlangt ein Geist ist, erfährt weitere Bestätigung durch das, was oben von Nr. 311 317 gesagt und gezeigt wurde, wo davon gesprochen wird, daß Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht her­vorgehen.

*444. Wenn es heißt, daß der Mensch hinsichtlich seines Inneren ein Geist sei, so ist darunter zu verstehen: was sein Denken und Wollen ausmacht, denn diese bilden das eigent­liche Innere, das den Menschen zum Menschen macht, und zwar wie er hinsichtlich dieses seines Denkens und Wollens beschaffen ist. 



Die Auferweckung des Menschen von den Toten und sein Eintritt ins ewige Leben.

*445. Wenn der Körper seine Funktionen in der natürli­chen Welt nicht länger erfüllen kann — Funktionen, die den Gedanken und Neigungen seines Geistes, die er aus der gei­stigen Welt empfängt, entsprechen — dann sagt man, der Mensch sterbe. Das geschieht, wenn Lunge und Herz ihre Tätigkeit einstellen. Dennoch stirbt der Mensch nicht, son­dern wird nur von dem Körperlichen getrennt, das ihm in der Welt gedient hat. Der Mensch selbst lebt. Ich sagte, der Mensch selbst, denn der Mensch ist nicht Mensch durch sei­nen Körper, sondern durch seinen Geist, da es ja der Geist ist, der im Menschen denkt und das Denken zugleich mit der Nei­gung den Menschen ausmacht. Hieraus geht hervor, daß der Mensch im Tode nur von der einen Welt in die andere hin­übergeht. Aus diesem Grunde bedeutet der „Tod“ im inneren Sinn des Wortes die Auferstehung und das Fortleben.

*446. Der Geist steht in der allerengsten Gemeinschaft mit dem Atem und dem Schlag des Herzens. Sobald daher diese Bewegungen im Körper aufhören, tritt sogleich die Tren­nung ein. Atmung und Pulsschlag bilden die eigentlichen Bande, nach deren Zerreißung der Geist sich selbst überlassen ist und der Körper erkaltet, weil er dann ohne das Leben sei­nes Geistes ist und verwest. Diese allerinnigste Gemeinschaft des Menschengeistes mit der Atmung und dem Herzen be­ruht darauf, daß alle Lebenstätigkeit davon abhängt, und zwar nicht nur im allgemeinen, sondern in jedem einzelnen Teil.

*447. Nach der Lostrennung bleibt der Geist noch eine Weile im Körper, jedoch nicht länger als bis zum völligen Still­stand des Herzens, der je nach dem Zustand der Krankheit, an welcher der Mensch stirbt, unterschiedlich eintritt. Der Herzschlag hält bei einigen noch lange an und bei anderen nicht. Sobald diese Bewegung aufhört, wird der Mensch auf­erweckt, doch das geschieht allein durch den Herrn. Unter der Auferweckung hat man die Herausführung des Men­schengeistes aus dem Körper und seine Einführung in die geistige Welt zu verstehen, die gewöhnlich als Auferstehung bezeichnet wird. Die Ursache, weshalb der Geist des Men­schen nicht vor dem Stillstand des Herzens vom Körper ge­trennt wird, beruht darauf, daß das Herz der aus der Liebe entstammenden Neigung entspricht, die das eigentliche Leben des Menschen darstellt. Jeder bezieht nämlich seine Lebenswärme aus der Liebe. Solange daher diese Verbin­dung besteht, besteht auch diese Entsprechung und fließt von daher geistiges Leben im Körper.

*448. Auf welche Weise die Auferweckung vorgeht, ist mir nicht allein gesagt, sondern auch durch lebendige Erfahrung gezeigt worden. Diese Erfahrung geschah am eigenen Leibe (ipsa experientia mecum facta est), damit ich ganz genau wüßte, wie es sich damit verhält.

*449. Ich wurde hinsichtlich der körperlichen Sinne in einen Zustand der Empfindungslosigkeit gebracht, mithin beinahe in den Zustand der Sterbenden. Dabei blieb jedoch das innerliche Leben samt dem Denken unversehrt, da ich ja wahrnehmen und im Gedächtnis behalten sollte, was vor­ging und was denen begegnet, die von den Toten auferweckt werden. Ich nahm wahr, daß die Körperatmung beinahe aufgehört hatte, während die innere Atmung — die des Gei­stes, verbunden mit einer schwachen und leisen des Kör­pers — verblieb. Zuerst wurde nun hinsichtlich des Herz­schlags eine Gemeinschaft mit dem himmlischen Reich bewirkt, weil dieses Reich dem Herzen des Menschen ent­spricht. Ich sah auch Engel von daher, einige in der Ferne, zwei nahe beim Haupt, bei dem sie sich niederließen. Dies führte zu einer Entfernung aller eigenen Gemütsregungen, doch Denken und Wahrnehmen blieben erhalten. In diesem Zustand verharrte ich einige Stunden. Dann entfernten sich die Geister, die um mich gewesen waren, da sie meinten, ich sei nun gestorben. Auch ließ sich ein aromatischer Geruch empfinden, wie von einem einbalsamierten Leichnam. Denn Leichenartiges wird in der Gegenwart himmlischer Engel als etwas Aromatisches empfunden, und wenn die Geister dies riechen, können sie sich nicht nahen. Dadurch werden auch die bösen Geister bei der ersten Einführung des Menschen in das ewige Leben von dessen Geist fernge­halten. Die Engel bei meinem Haupt verhielten sich still, nur ihre Gedanken suchten sie mit den meinigen zu vereini­gen. Werden ihre Gedanken aufgenommen, so wissen die Engel, daß nun der Geist des Menschen in dem Zustand ist, daß er aus dem Körper herausgeführt werden kann. Die Mitteilung ihrer Gedanken geschah dadurch, daß sie mir ins Gesicht schauten; denn so geschieht in der Tat die Mittei­lung von Gedanken im Himmel. Weil mir Denken und Wahrnehmung verblieben, und zwar damit ich wissen und mich erinnern sollte, wie die Auferweckung vor sich geht, so nahm ich wahr, daß die Engel zuerst mein Denken darauf­hin untersuchten, ob es dem der Sterbenden gliche, welche gewöhnlich an das ewige Leben denken. Auch nahm ich wahr, daß sie meine Seele bei diesem Gedanken festhalten wollten. Später wurde mir gesagt, daß der Geist des Men­schen beim Tode des Körpers solange bei seinem letzten Gedanken festgehalten wird, bis er zu den Gedanken zurückkehrt, die aus seiner allgemeinen oder herrschenden Neigung in der Welt hervorgehen. Insbesondere durfte ich wahrnehmen und auch empfinden, daß da etwas wie ein Ziehen oder Herausreißen der inneren Teile meines Gemüts, also meines Geistes, aus dem Körper stattfand. Es wurde mir gesagt, daß dies vom Herrn geschehe und daher die Auferstehung eintrete.

*450. Wenn himmlische Engel bei dem Auferweckten sind, so verlassen sie ihn nicht, da sie jeden Menschen lieben. Wenn aber der Geist so geartet ist, daß er nicht länger Umgang mit den himmlischen Engeln haben kann, so sehnt er sich von ihnen hinweg. Geschieht dies, so treten Engel aus dem geistigen Reich des Herrn herzu und setzen ihn in den Genuß des Lichtes, denn vorher hatte er nichts gesehen, son­dern bloß gedacht. Es wurde mir auch gezeigt, wie das vor sich geht. Es hatte den Anschein, als ob jene Engel am linken Auge eine Hülle zur Scheidewand der Nase hin aufwickelten, um sie auf diese Weise abzulösen und das Sehen zu ermögli­chen. Der Geist nimmt es zwar so wahr, es ist aber doch nur ein Schein. Sobald das geschehen ist, dringt etwas Helligkeit ein, jedoch noch schwach, etwa wie wenn der Mensch beim ersten Erwachen durch die Augenwimpern blickt. Dieses Helldunkel schien mir von himmlischer Farbe zu sein, doch mir wurde gesagt, daß es variiere. Hierauf fühlte ich, wie von meinem Gesicht etwas sanft abgewickelt wurde; sobald es geschehen war, wurde dadurch geistiges Denken veranlaßt. Auch diese Ablösung vom Gesicht ist nur ein Schein, nämlich die Vorbildung davon, daß der Mensch vom natürlichen zum geistigen Denken gelangt. Die Engel suchen dann mit größter Sorgfalt zu verhindern, daß von dem Auferweckten eine andere Vorstellung ausgeht, als eine, die den Eindruck von Liebe vermittelt (sapit ex amore). Dann erklären sie dem Menschen, daß er nun ein Geist sei.

Nachdem ihm der Genuß des Lichtes geschenkt worden ist, erweisen die geistigen Engel dem neuen Geist alle Dienste, die er in diesem Zustand nur irgend wünschen kann und un­terrichten ihn auch über alles, was er im anderen Leben vor­finden wird, freilich nur soweit er es fassen kann. Befindet er sich in einem Zustand, daß er gar nicht unterrichtet werden will, so sehnt sich der Auferweckte auch aus der Gesellschaft dieser Engel hinweg. Es ist aber nicht so, daß die Engel ihn ver­lassen, vielmehr trennt er sich von ihnen, lieben doch die Engel einen jeden Menschen und wünschen nichts sehnli­cher als zu dienen, zu unterrichten und in den Himmel zu er­heben. Daran haben sie ihre größte Freude. Nachdem der Geist sich auf diese Weise entfremdet hat, wird er von guten Geistern aufgenommen, und in ihrer Gemeinschaft werden ihm ebenfalls alle Dienste geleistet. Hat er aber ein Leben von der Art geführt, die ein Zusammenleben mit den Guten nicht erlaubt, so sehnt er sich auch von diesen hinweg. Dieser Vor­gang wiederholt sich so lange und so oft, bis er sich solchen Geistern beigesellt, die vollständig mit seinem in der Welt ge­führten Leben übereinstimmen und bei denen er sein Leben findet. Dann führt er erstaunlicherweise das gleiche Leben wie in der Welt.

*451. Doch dieser Beginn des Lebens eines Menschen nach dem Tode dauert nicht länger als einige Tage. Im Fol­genden soll beschrieben werden, wie er nachher von einem Zustand in den anderen und schließlich entweder in den Himmel oder in die Hölle geführt wird. Auch das wurde mir aufgrund vielfältiger Erfahrung zu wissen gegeben.

*452. Ich sprach mit einigen am dritten Tage nach ihrem Tode, zu einer Zeit, wo das oben (Nr. 449 f.) Geschilderte voll­endet war. Drei von ihnen kannte ich von der Welt her. Ihnen erzählte ich, daß man soeben Anstalten zu ihrem Begräbnis treffe, um ihren Körper zu bestatten. Ich hatte aber den Aus­druck gebraucht: „damit sie begraben würden“. Als sie das hörten, waren sie einigermaßen erstaunt. Sie erklärten, sie seien ja lebendig, und man beerdige nur, was ihnen in der Welt gedient habe. Nachher drückten sie ihre Verwunderung dar­über aus, daß sie während ihres Lebens im Körper nicht an ein solches Leben nach dem Tode geglaubt hatten, besonders auch darüber, daß das beinahe die allgemeine Anschauung in der Kirche sei. Alle, die in der Welt an keinerlei Fortleben der Seele nach dem Tode des Körpers geglaubt hatten, sind sehr beschämt, sobald sie merken, daß sie dennoch leben. Doch wer sich darauf versteift hatte, wird mit seinesgleichen zu­sammengesellt und von den Gläubigen getrennt. In den mei­sten Fällen werden die Betreffenden an eine höllische Gesell­schaft gekettet, weil sie auch das Göttliche geleugnet und das Wahre der Kirche verachtet hatten. Denn in der Tat, so, wie sich jemand auf die Leugnung des ewigen Lebens seiner Seele versteift, so versteift er sich auch auf die Leugnung der Dinge des Himmels und der Kirche. 



Nach dem Tod hat der Mensch eine vollkommene menschliche Gestalt.

*453. Die Geistgestalt des Menschen ist die menschliche. Mit anderen Worten: der Geist ist auch hinsichtlich seiner Ge­stalt Mensch. Das läßt sich aufgrund von allem feststellen, was oben in mehreren Abschnitten gezeigt wurde, besonders dort, wo ausgeführt wurde, daß jeder Geist eine vollkommene menschliche Gestalt hat (Nr. 73 77), daß jeder Mensch hin­sichtlich seines Inneren ein Geist ist (Nr. 432 444), und daß die Engel im Himmel aus dem menschlichen Geschlecht hervor­gegangen sind (Nr. 311 317). Noch deutlicher läßt es sich daraus erkennen, daß der Mensch ein Mensch ist durch seinen Geist und nicht durch seinen Körper, und daß die körperliche Gestalt dem Geist gemäß dessen Gestalt beigefügt wird, und nicht umgekehrt. Denn er ist seiner Form entsprechend mit dem Körper bekleidet, weshalb der Geist des Menschen auf die ein­zelnen, die kleinsten Teilchen des Körpers einwirkt. Das geht soweit, daß ein Teil, der nicht vom Geist in Bewegung gesetzt wird, bzw. in dem der Geist nicht das Bewegende ist, auch nicht lebt. Diese Tatsache ist schon allein daran zu erkennen, daß Gedanke und Wille den ganzen Körper in allen seinen Tei­len aktivieren, und daß es nichts gibt, was nicht auf ihren Wink sogleich herbeieilte. Was nicht folgt, ist auch kein Teil des Kör­pers und wird denn auch als etwas Unlebendiges ausge­stoßen. Gedanke und Wille aber gehören dem Geist und nicht dem Körper des Menschen an. Der Geist aber, er sei nun von seinem Körper getrennt oder noch mit demselben verbunden, erscheint dem Men­schen nicht in menschlicher Gestalt, weil das körperliche Seh­organ, das Auge, soweit es in die Welt blickt, aus Materie be­steht, das Materielle aber nur das Materielle wahrnehmen kann. Wenn daher das materielle Auge verhüllt und der Fähig­keit beraubt wird, mit dem geistigen Auge zusammenzuwir­ken, dann werden die Geister in ihrer eigenen Gestalt sichtbar, die die menschliche ist. Das gilt nicht nur für die Geister, die sich in der geistigen Welt befinden, sondern auch für den Geist, der sich in einem anderen, noch in seinem Körper be­findlichen Menschen aufhält.

*454. Die Gestalt des Geistes ist deshalb die menschliche, weil der Mensch, was seinen Geist betrifft, in die Form des Himmels erschaffen worden ist. Denn alles, was zum Himmel und seiner Ordnung gehört, ist in der Seele des Menschen und ihrem Zugehörigen zusammengetragen worden. Daher hat der Mensch die Fähigkeit, Einsicht und Weisheit in sich auf­zunehmen. Man kann ebenso gut auch sagen, er hat die Fähigkeit, den Himmel in sich aufzunehmen. Das geht klar aus dem hervor, was in den betreffenden Abschnitten ausge­führt wurde: Über das Licht und die Wärme des Himmels (Nr. 126 140); über die Gestalt des Himmels (Nr. 200 212); über die Weisheit der Engel (Nr. 265 275). Es geht ferner aus dem Ab­schnitt hervor, in dem gezeigt wurde, daß der Himmel hin­sichtlich seiner Form im Ganzen wie in seinen Teilen einen einzigen Menschen darstellt (Nr. 59 77), und zwar aufgrund des Göttlich Menschlichen des Herrn, das den Ursprung des Himmels und seiner Form bildet (Nr. 78 86).

*455. Der vernünftige Mensch kann die eben angeführten Tatsachen verstehen, weil er sie aus dem Zusammenhang der Ursachen und aus dem Wahren in seiner Ordnung zu sehen vermag. Ein Mensch aber, der unvernünftig ist, versteht es nicht, und zwar aus mehreren Gründen: Der Hauptgrund ist der, daß er es gar nicht verstehen will, weil es seinen falschen Grundsätzen, die er zu seinen Wahrheiten gemacht hat, widerspricht. Wer aus diesem Grunde nicht verstehen will, hat den Weg des Himmels zum Bereich seiner Vernunft ver­schlossen. Dieser Weg kann jedoch stets wieder geöffnet wer­den, wenn nur sein Wille dem nicht widersteht (man vergl. oben Nr. 424). Der Mensch kann die Wahrheiten einsehen und vernünftig sein, wenn er nur will — das wurde mir durch vielfältige Erfahrung zur Gewißheit. Des öfteren wurden böse Geister, die unvernünftig waren, weil sie auf Erden das Göttli­che und das Wahre der Kirche geleugnet und sich im Gegen­teil bestärkt hatten, durch göttliche Kraft denen zugewendet, die im Lichte des Wahren standen. Sie begriffen dann auch ebenso wie die Engel alles und gaben zu, daß das Vernom­mene wahr sei und sie auch alles verstünden. Doch sobald sie wieder in sich selbst zurückgefallen und der Liebe ihres Wil­lens zugekehrt waren, begriffen sie von all dem nichts mehr und behaupteten das Gegenteil.

Ich hörte auch, wie einige höllische Geister erklärten, sie wüßten und fühlten, daß ihr Tun böse und ihr Denken falsch sei, doch könnten sie dem Angenehmen ihrer Liebe, also ihrem Willen, nicht widerstehen. Von diesem würden aber ihre Gedanken bestimmt, so daß sie das Böse als etwas Gutes und das Falsche als etwas Wahres betrachteten. Das zeigte deutlich, daß Geister, die aus bösem Hang im Falschen sind, durchaus Einsicht und Vernunft besitzen konnten, es aber nicht wollten, und zwar eben deshalb nicht, weil sie das Falsche mehr als das Wahre liebten, da es ja mit dem Bösen, in dem sie sich befanden, zusammenstimmte. Lieben und Wollen ist dasselbe, denn was der Mensch will, das liebt er, und was er liebt, das will er. Eben weil die Menschen sich in dem Zustand befinden, daß sie einsehen können was wahr ist, wenn sie nur wollen, wurde mir gestattet, das Kirche und Himmel betreffende Wahre auch durch Vernunftgründe zu bestätigen. Die Absicht dabei ist, daß das Falsche, das bei vie­len Menschen den Bereich der Vernunft verschlossen hat, durch vernünftige Überlegungen zerstreut und so vielleicht ihr Auge bis zu einem gewissen Grade aufgeschlossen werden kann. Wer in der Wahrheit steht, darf die geistigen Wahrhei­ten durch Vernünftiges begründen. Wer könnte je das Wort aus seinem buchstäblichen Sinn verstehen, wenn er nicht die darin enthaltenen Wahrheiten durch die erleuchtete Vernunft sähe? Woher kämen sonst die vielen Irrlehren aus einem und demselben Wort?

*456. Die tägliche Erfahrung vieler Jahre hat mir bezeugt, daß der Geist des Menschen nach der Trennung vom Körper Mensch ist, und zwar in derselben Gestalt. Ich habe sie tau­sendmal gesehen, gehört und mit ihnen gesprochen — auch darüber, daß die Menschen in der Welt nicht glauben, daß sie so beschaffen sind und daß alle, die es glauben, von den Ge­bildeten für einfältig gehalten werden. Die Geister waren herzlich betrübt darüber, daß solche Unwissenheit auf Erden immer weiter besteht, und vor allem innerhalb der Kirche. Sie sagten aber, dieser Glaube sei hauptsächlich von den Gelehr­ten ausgegangen, die sich von der Seele nur einen rein ge­danklichen Begriff gebildet haben, weil sie vom Sinnlich Kör­perlichen ausgehen. Sie haben die Seele als eine bloße Idee definiert, ohne Bindung an eine Basis, in der sie sich verwirk­lichen kann. Eine solche Seele wäre aber wie ein flüchtiges Teilchen reinen Äthers, das beim Tode des Körpers nur zer­streut werden kann. Doch da die Kirche aufgrund des Wortes an die Unsterblichkeit der Seele glaubt, so blieb ihr nichts an­deres übrig, als diese mit etwas Lebendigem auszustatten, wie es dem Denken eigentümlich ist, nicht aber dem Empfin­dungsvermögen, wie es der Mensch besitzt — jedenfalls nicht, ehe die Seele wieder mit dem Körper verbunden sein würde. Diese Auffassung begründet die Lehre von der Auferstehung und den Glauben, daß die Wiedervereinigung mit dem Körper erfolgen werde, wenn das letzte Gericht ergeht. So kann nie­mand, der sich die Seele aufgrund dieser Lehre und der damit zusammenhängenden Voraussetzung vorstellt, begreifen, daß sie ein Geist ist und dieser auch menschliche Gestalt hat. Dazu kommt noch, daß heutzutage kaum jemand weiß, was das Geistige ist, geschweige denn, daß den Geistwesen, wie allen Geistern und Engeln, eine menschliche Gestalt gehöre. Darum sind auch fast alle, die von der Welt her ankommen, sehr erstaunt darüber, daß sie leben und genau wie zuvor Menschen sind, also sehen und reden und ihr Körper einen Tastsinn besitzt, ganz wie zuvor, ohne Unterschied (man vergl. oben Nr. 74). Wenn sie aber einmal aufgehört haben, sich über sich selbst zu wundern, so beginnen sie darüber zu staunen, daß die Kirche nichts von diesem Zustand der Men­schen nach dem Tode weiß, folglich auch nichts vom Himmel und von der Hölle. Dabei befinden sich doch alle, die je in der Welt gelebt haben, im anderen Leben, wo sie als Menschen weiterleben. Weil sie sich aber auch darüber wunderten, daß dem Menschen ein so wesentlicher Glaubensartikel der Kir­che nicht durch Visionen geoffenbart worden ist, wurde ihnen aus dem Himmel bedeutet, es hätte sehr wohl geschehen kön­nen, denn nichts sei leichter als das, wenn es dem Herrn ge­falle. Doch dadurch hätten jene Menschen, die sich auf das ge­genteilige Falsche versteift hatten, gleichwohl nicht geglaubt, selbst wenn sie es gesehen hätten. Ferner sei es gefährlich, den Anhängern des Falschen etwas durch Visionen beweisen zu wollen, weil sie daraufhin zwar zuerst einmal zum Glauben gebracht werden, bald aber wieder leugnen und so jene Wahr­heit selbst entweihen; entweihen heißt nämlich glauben und nachher wieder leugnen. Die Entweiher des Wahren werden in die unterste und härteste aller Höllen hinabgestoßen. Diese Gefahr wird durch die Worte des Herrn bezeichnet:

„Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, damit sie mit den Augen nicht sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich sie heile“. (Joh. 12,40)

Die Tatsache, daß die Anhänger des Falschen dennoch nicht glauben würden, ist unter den folgenden Worten zu verstehen:

„Abraham sprach (zu dem Reichen in der Unterwelt): «Sie haben Moses und die Propheten, die sollen sie hören». Er aber antwortete: «Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen käme, dann würden sie sich bekehren“. Abraham aber sprach zu ihm: «hören sie Moses und die Pro­pheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten auferstünde»“  (Luk. 16,29 31)

*457. Wenn der Geist des Menschen kurz nach seiner Auferweckung zuerst die Geisterwelt betritt (darüber vergl. oben), sind Antlitz und Ton der Rede noch ähnlich wie in der Welt. Denn er befindet sich dann in einem Zustand, in dem sein Äußeres vorherrscht, weil seine inneren Bereiche noch nicht aufgedeckt sind. Das ist des Menschen erster Zustand nach dem Tode. Später verändert sich aber sein Angesicht und wird völlig anders, wird es doch seiner herrschenden Neigung oder Liebe angeglichen, welche die inneren Berei­che seines Gemüts auf Erden erfüllt hatte, und der sein Geist im Körper gedient hatte. Denn das geistige Antlitz eines Menschen unterscheidet sich sehr von seinem leiblichen. Letzteres stammt von den Eltern, das geistige Angesicht aber aus seiner Neigung, deren Bild es ist. Zu diesem gelangt der Geist nach dem Leben im Körper, wenn die äußerlichen Be­lange entfernt und die inneren Bereiche enthüllt werden. Dies ist der zweite Zustand des Menschen (das lateinische Original spricht zwar vom dritten, man vergl. aber unten Nr. 499). Ich sah einige Leute, die soeben neu aus der Welt ein­getroffen waren und erkannte sie an ihrem Gesicht und an ihrer Stimme. Doch als ich sie später wiedersah, erkannte ich sie nicht mehr. Denn alle die, deren Neigungen gut waren, hatten nun ein schönes, die anderen aber, deren Neigungen böse waren, ein häßliches Gesicht. Der Geist des Menschen ist nämlich an sich nichts als seine Neigung, und deren äußere Form das Angesicht. Eine weitere Ursache für die Veränderung der Gesichter besteht darin, daß niemand im anderen Leben Gefühle heucheln darf, die er gar nicht hat. Folglich darf auch niemand Gesichtszüge annehmen, die seiner Liebe entgegengesetzt sind. Alle ohne Ausnahme wer­den in einen Zustand versetzt, daß sie reden, wie sie denken, und in Mienen und Gebärden zeigen, was sie wirklich wol­len; so kommt es, daß ihr Angesicht zur Form und zum Eben­bild Ihrer Neigungen wird. Darin liegt auch der Grund, daß alle, die einander in der Welt gekannt hatten, sich auch in der Geisterwelt wiedererkennen, jedoch nicht mehr im Himmel und in der Hölle, wie oben (Nr. 427) festgestellt wurde.

*458. Die Gesichter der Heuchler verändern sich später als die der anderen Geister, weil sie eine Haltung eingeübt haben, die es ihnen erlaubt, die Vorgänge in ihrem Inneren so zurechtzubiegen, daß sie gute Neigungen nachahmen. Lange Zeit sehen sie daher nicht unschön aus. Da sie aber nach und nach der erheuchelten Miene beraubt und ihre inneren Gemütsbereiche der Gestalt ihrer wirklichen Nei­gungen angepaßt werden, sind sie hernach häßlicher als andere. Heuchler sind Menschen, die zwar wie Engel reden, innerlich aber nur die Natur und nicht das Göttliche anerkennen und daher die Dinge der Kirche und des Him­mels leugnen.

*459. Man sollte wissen, daß die menschliche Gestalt eines Geistes nach dem Tode umso schöner ist, je innerlicher der betreffende Mensch die göttlichen Wahrheiten geliebt und danach gelebt hatte. Bei jedem werden nämlich die in­neren Bereiche aufgeschlossen und gebildet je nach seiner Liebe zu den göttlichen Wahrheiten und seinem dement­sprechenden Leben. Je innerlicher daher die Neigung, desto mehr hat sie Anteil an der Form des Himmels und desto schöner ist infolgedessen das Antlitz. Die Engel des inner­sten Himmels sind deshalb die schönsten, sind sie doch For­men der himmlischen Liebe. Wer aber die göttlichen Wahr­heiten nur mehr äußerlich geliebt und folglich auch nur in einem äußerlichen Sinn danach gelebt hatte, ist weniger schön. Aus seinem Antlitz strahlt nur etwas verhältnismäßig Äußerliches hervor, weil bei ihm die tiefere himmlische Liebe das Äußerliche nicht zu durchstrahlen vermag, folg­lich sich auch die himmlische Form nicht in ihm ausdrücken kann, wie sie an sich ist. Aus dem Gesicht solcher Geistwe­sen scheint etwas vergleichsweise Dunkles hervor, das nicht vom durchleuchtenden inwendigen Lieben belebt ist. Mit einem Wort, die Schönheit nimmt nach innen zu und nach außen ab, und wie die Vollkommenheit, so wächst und schwindet auch sie. Ich habe Engel des dritten Himmels ge­sehen, deren Antlitz so schön war, daß kein Maler mit aller Kunst seinen Farben je eine solche Leuchtkraft verleihen könnte, um auch nur den tausendsten Teil von dem wieder­zugeben, was als Licht und Leben in ihrem Gesicht er­scheint. Dagegen lassen sich die Gesichter der Engel des un­tersten Himmels bis zu einem gewissen Grade wiedergeben.

*460. Zum Schluß möchte ich noch ein Geheimnis mit­teilen, das bis jetzt noch niemandem bekannt ist: Alles Gute und Wahre, das vom Herrn ausgeht und den Himmel aus­macht, hat menschliche Gestalt. Das trifft nicht nur im großen und ganzen zu, sondern auch in jedem Teil und in allen Einzelheiten. Diese Form regt jedermann an, der das Gute und Wahre vom Herrn aufnimmt und bewirkt, daß jeder im Himmel je nach seiner Aufnahme eine menschliche Gestalt hat. Darin liegt der Grund, weshalb der Himmel sich selbst im allgemeinen wie im besonderen gleicht, und daß das Ganze, jede einzelne Gesellschaft und jeder Engel menschliche Gestalt aufweist, wie das in vier Abschnitten (Nr. 59 86) nachgewiesen wurde. Dem wäre noch beizufügen, daß das auch für die Einzelheiten der Gedanken zutrifft, wie sie aus der himmlischen Liebe bei den Engeln hervorge­hen. Dieses Geheimnis faßt jedoch der menschliche Ver­stand nur dunkel, deutlich aber der der Engel, weil sie im Lichte des Himmels leben. 



Der Mensch besitzt nach dem Tod alle Sinne, sein ganzes Gedächtnis, Denken und alle Neigung, wie in der Welt; Er läßt nichts zurück als seinen irdischen Leib.

*461. Wenn der Mensch im Tode aus der natürlichen in die geistige Welt hinübergeht, so nimmt er alles mit, was zu ihm gehört, bzw. was seinen Menschen bildet, ausgenom­men seinen irdischen Leib. Das ist mir aufgrund vielfacher Erfahrung zur Gewißheit geworden. Wenn nämlich der Mensch in die geistige Welt oder in das Leben nach dem Tode eintritt, so lebt er dort in einem Leib wie in der Welt. Schein­bar besteht gar kein Unterschied, jedenfalls fühlt und emp­findet er ihn nicht. Doch sein Leib ist dann geistig, also vom Irdischen geschieden oder gereinigt; und wenn das Geistige Geistiges berührt und anschaut, so ist das ebenso, wie wenn das Natürliche Natürliches berührt und anschaut. Wenn daher der Mensch ein Geist geworden ist, ist ihm nur bewußt, daß er noch in demselben Körper lebt, den er in der Welt hatte. Er weiß also nicht, daß er gestorben ist. Dieser zu einem Geist gewordene Mensch besitzt auch alle äußeren und inneren Sinne, die er in der Welt hatte. Er sieht wie zuvor, er hört und spricht wie zuvor, er riecht und schmeckt auch, und wenn er berührt wird, fühlt er es auch — ganz wie zuvor. Ebenso begehrt er, verlangt, wünscht, denkt, überlegt er, fühlt er sich angeregt, liebt und will er ganz wie zuvor. Wer Freude an wissenschaftlicher Beschäftigung hat, liest und schreibt wie zuvor mit einem Wort, wenn der Mensch von dem einen Leben in das andere, bzw. von der einen Welt in die andere hinübergeht, ist es, als ob er von einem Raum in den anderen ginge. Auch nimmt er alles mit, was er als Mensch in sich be­sitzt. Daher kann man nicht sagen, daß der Mensch nach dem Tode, der lediglich seinen irdischen Körper betrifft, ir­gendetwas von dem verliert, was zu ihm gehört. Er nimmt auch das natürliche Gedächtnis mit, denn er behält alles, was er in der Welt gehört, gesehen, gelesen, gelernt und gedacht hat, von der ersten Kindheit an bis zum Ende seines Lebens. Weil aber die natürlichen Vorstellungen, die sein Gedächtnis bewahrt, in einer geistigen Welt nicht hervorgerufen werden können, ruhen sie — ähnlich wie das auch beim Menschen der Fall ist, wenn er nicht über sie nachdenkt. Gefällt es aber dem Herrn, so werden sie dennoch ans Licht gebracht. Über das Gedächtnis und dessen Zustand nach dem Tode wird im Fol­genden Näheres ausgeführt werden. Der sinnliche Mensch vermag absolut nicht zu glauben, daß der Mensch nach dem Tode in einem solchen Zustand lebt, weil er es nicht begreift. Der sinnliche Mensch kann nämlich nur natürlich denken, selbst über geistige Dinge. Darum behauptet er von allem, das er nicht zu empfinden vermag also nicht mit leiblichen Augen sieht oder mit Händen greift — es existiere nicht, wie man es von Thomas liest (Joh. 20,25 29). Wie der sinnliche Mensch beschaffen ist, vergleiche man in den Ausführungen in Nr. 267 und den dazu gehörigen Anmerkungen.

*462. Dennoch herrscht ein grundlegender Unterschied zwischen dem Leben des Menschen in der geistigen Welt und seinem Leben in der natürlichen, und zwar sowohl was die äußeren Sinne und ihre Eindrücke, als was die inneren Sinne und deren Eindrücke angeht. Im Himmel empfinden sie, das heißt sehen und hören sie viel schärfer und denken sie auch weiser als zur Zeit, da sie auf Erden lebten. Sie schauen ja nun im himmlischen Licht, das das irdische um viele Grade über­trifft (vergl. oben Nr. 126), auch hören sie nun durch die geistige Atmosphäre, die ebenfalls viel intensiver ist als die irdische (Nr. 235). Es besteht ein ähnlicher Unterschied wie zwischen der Helligkeit und dem verhüllenden dichten Nebel in der Welt, oder wie zwischen dem Mittagslicht und abendli­chem Schatten. Das Himmelslicht als das göttliche Wahre be­wirkt in der Tat, daß der Gesichtssinn der Engel die allerklein­sten Dinge bemerkt und unterscheidet. Dazu kommt, daß ihr äußeres Sehen ihrem inneren, dem Verstand, entspricht.  Denn bei den Engeln fließt das eine in das andere ein, so daß sie einheitlich zusammenwirken. Daher stammt die große Schärfe ihres Sehvermögens. Ebenso entspricht auch ihr Gehör ihrem Innewerden (perceptioni), das sowohl dem Ver­stande wie dem Willen angehört. Daher nehmen sie im Ton­fall und in den Worten eines Redners die kleinsten Einzelhei­ten seiner Neigung und seines Denkens wahr — im Tonfall die Einzelheiten der Neigung, in den Worten die des Denkens (vergl. oben Nr. 234 245). Die übrigen Sinne sind freilich bei den Engeln nicht so scharf ausgeprägt, wie der Gesichts  und Gehörssinn, und zwar deshalb, weil Sehen und Hören im Un­terschied zu den übrigen Sinnen ihrer Einsicht und Weisheit dienen. Wären diese daher auch ebenso scharf wie jene, so würden sie ihnen das Licht und die Freude ihrer Weisheit ent­ziehen und statt dessen die Freude an den Vergnügungen ein­flößen, die mit den verschiedenartigen Begierden und dem Körper zusammenhängen. Diese aber verdunkeln und schwächen den Verstand soweit, wie sie überwiegen, was auch bei den irdischen Menschen der Fall ist, die im Hinblick auf das geistige Wahre auch umso stumpfsinniger und düm­mer sind, je mehr sie sich dem Geschmack und den Reizen des körperlichen Kitzels hingeben.

Aus dem, was oben im Abschnitt über die Weisheit der En­gel des Himmels gesagt und gezeigt wurde (Nr. 265 275), ist be­reits bekannt, daß auch die innerlicheren Sinne der Engel, die mit ihrem Denken und ihrer Neigung zusammenhängen, schär­fer und vollkommener sind, als zu ihren Lebzeiten auf Erden.

Doch auch bei denen in der Hölle besteht ein großer Un­terschied zum irdischen Leben. Denn so groß die Vollkom­menheit und Vortrefflichkeit der äußeren und inneren Sinne bei den Engeln im Himmel ist, so groß ist auch deren Unvoll­kommenheit bei den Bewohnern der Hölle. Ihr Zustand wird jedoch weiter unten behandelt werden.

*462a Mir ist aber auch durch viele Beispiele gezeigt wor­den, daß der Mensch sein ganzes Gedächtnis aus der Welt mitbringt (secum a habeat) . Ich habe diesbezüglich viel Denk­würdiges gesehen und gehört, wovon ich der Reihe nach eini­ges berichten will. Da waren zum Beispiel Leute, die ihre in der Welt begangenen Schandtaten und Verbrechen leugneten. Damit man sie nicht für schuldlos halte, wurde alles enthüllt und aus ihrem eigenen Gedächtnis von ihrem ersten Lebens­alter an bis zum letzten der Reihe nach aufgezählt. Es handelt sich hauptsächlich um Ehebrüche und Verbrechen der Un­zucht. Andere hatten ihre Mitmenschen mithilfe arglistiger Kunstgriffe betrogen, wieder andere hatten sie bestohlen. Ihre Finten und Gaunereien wurden der Reihe nach aufgezählt, darunter viele, die außer ihnen selbst kaum jemand in der Welt gekannt hatte. Sie erkannten auch alles an, weil es wie ins Licht gestellt erschien, zugleich mit einem jeden Gedanken, jeder Absicht, Lust und Befürchtung, zwischen denen damals ihr Gemüt hin und hergeschwankt hatte. Andere hatten Ge­schenke angenommen und aus dem Richterberuf eine Er­werbsquelle gemacht. Auch sie wurden aufgrund ihres eige­nen Gedächtnisses überführt, aus dem vom Beginn ihrer Amtsführung an bis zuletzt alles aufgezählt wurde: die einzel­nen Bestechungen nach Art und Umfang, dazu die Zeit, ihr Gemütszustand und ihre Absicht — alles zugleich wurde ihnen wieder in Erinnerung gerufen und sichtbar vorgestellt. Die Fälle gingen in die Hunderte. Bei einigen wurden erstaunli­cherweise selbst ihre Tagebücher, in denen sie dergleichen Dinge notiert hatten, aufgeschlagen und ihnen Seite für Seite vorgelesen. Da gab es Leute, die junge Mädchen zur Unzucht verführt und die Keuschheit verletzt hatten. Auch sie wurden vor ein ähnliches Gericht gestellt und ihrem Gedächtnis die Einzelheiten entnommen und aufgezählt. Dabei wurden sogar die Gesichter der jungen Mädchen und Frauen wie ge­genwärtig dargestellt, dazu die Örtlichkeiten, Gespräche und Gesinnungen — und das so unerwartet, wie wenn ein Bild er­scheint. Diese Enthüllungen dauerten zuweilen stundenlang. Da war jemand, der sich nichts daraus gemacht hatte, andere anzuschwärzen. Ich hörte, wie seine Verleumdungen und auch seine Lästerungen der Reihe nach mit seinen eigenen Worten aufgezählt wurden — welche Personen sie betrafen und an wen sie gerichtet waren. Es wurde alles vorgeführt und samt und sonders lebendig dargestellt. Dabei hatte er doch auf Erden alles sorgfältig verborgen gehalten! Ein anderer hatte unter betrügerischem Vorwand einen Verwandten der Erbschaft beraubt. Auch er wurde auf dieselbe Weise über­führt und gerichtet. Dabei wurden merkwürdigerweise auch die Briefe und Zettel, die sie ausgetauscht hatten, vor meinen Ohren verlesen und erklärt, daß kein Wort davon fehle. Dieser Mensch hatte noch kurz vor seinem Tode seinen Nachbarn heimlich mit Gift getötet. Das wurde auf folgende Weise ent­hüllt: Es schien, als ob unter seinen Füßen eine Grube gegra­ben würde, aus der wie aus einem Grab ein Mann hervorkam, der ihn anschrie: „Was hast Du mir getan?!“ Und nun wurde alles offenbar, wie nämlich der Giftmischer freundlich mit ihm geredet und ihm einen Becher gereicht, ferner was er vor­her gedacht hatte und was nachher geschah. Als das alles auf­gedeckt war, wurde er zur Hölle verurteilt.

Mit einem Wort: jedem bösen Geist werden all seine bösen, ruchlosen Taten, Räubereien, Kunstgriffe und Betrü­gereien handgreiflich vorgeführt. Sie werden seinem eigenen Gedächtnis entnommen, und so wird er schließlich über­führt. Es bleibt ihm keine Möglichkeit zur Leugnung, weil alle Umstände zur gleichen Zeit auftauchen. Ich hörte sogar aus dem Gedächtnis eines gewissen Geistes, das von Engeln ein­gesehen und durchforscht wurde, was der Betreffende inner­halb eines Monats von einem Tag zum anderen gedacht hatte, und zwar ohne irgendeine Täuschung, denn all dies wurde zurückgerufen, wie er es selbst in jenen Tagen erlebt hatte. Aufgrund dieser Beispiele kann als feststehende Tatsache gel­ten, daß der Mensch sein ganzes Gedächtnis mit hinüber­nimmt, und daß in der Welt nichts so gut verborgen ist, daß es nicht nach dem Tode offenbar würde, und zwar gemäß den Worten des Herrn in aller Öffentlichkeit:

„Nichts ist verborgen, das nicht aufgedeckt, und nichts heimlich, das man nicht wissen werde. Darum, was ihr im Finstern gespro­chen habt, das wird man im Lichte hören, und was ihr ins Ohr ge­sagt habt, wird auf den Dächern ausgerufen werden“. (Luk. 12,2 f)

*463. Wenn dem Menschen seine Taten nach dem Tode aufgedeckt werden, so betrachten die Engel, denen die Unter­suchung obliegt, genau sein Gesicht. Ihre Untersuchung er­greift dann den ganzen Leib, beginnt bei den Fingern der einen und dann der anderen Hand und erstreckt sich von da aus über den ganzen Körper. Da ich mich wunderte, was das solle, wurde es mir erklärt: Ebenso wie die Einzelheiten des Denkens und Wollens im Gehirn verankert sind — denn im Gehirn lie­gen die Anfänge — so sind sie auch dem ganzen Leib einge­prägt, weil sich nämlich von ihren Anfängen aus alle Einzel­heiten des Denkens und Wollens durch diesen ausbreiten und in ihm als Letztem endigen. Was daher dem Gedächtnis aus dem Wollen und dem daraus hervorgehenden Denken einge­prägt ist, das ist nicht allein dem Gehirn, sondern auch dem ganzen Menschen eingeprägt und existiert dort in einer Ord­nung, die der Anordnung der Körperteile entspricht. Daraus wurde mir klar, daß der Mensch im Ganzen so ist wie sein Wol­len und das daraus hervorgehende Denken, bis zu dem Punkt, daß der böse Mensch identisch ist mit seinem Bösen, und der gute mit seinem Guten. Damit steht auch fest, was man unter dem „Lebensbuch“ des Menschen zu verstehen hat; daß nämlich alle Einzelheiten der Taten wie der Gedanken dem ganzen Menschen eingeprägt sind, so daß es scheint, als wür­den sie aus einem Buche vorgelesen, wenn sie aus dem Ge­dächtnis abgerufen werden und wie im Bilde sichtbar werden, sobald der betreffende Geist im Himmelslicht betrachtet wird.

Ich möchte hier noch eine denkwürdige Begebenheit beifügen, die das den Tod überdauernde Gedächtnis des Men­schen betrifft. Sie bestärkte mich darin, daß nicht nur Allge­meines, sondern auch kleinste Einzelheiten dem Gedächtnis eingeprägt sind und unauslöschlich darin haften. Ich sah Bücher mit der Schrift darin, ganz wie irdische Bücher, doch wurde ich belehrt, daß sie aus dem Gedächtnis derer stamm­ten, die sie verfaßt hatten. Es fehlte darin auch nicht ein Wort von dem, was sie in der Welt geschrieben hatten. In dieser Weise können dem Gedächtnis eines Geistes die kleinsten Einzelheiten entnommen werden, sogar solche, die der Betref­fende in der Welt selbst vergessen hatte. Auch die Ursache     wurde mir enthüllt. Sie besteht darin, daß der Mensch ein äußeres und ein inneres Gedächtnis hat. Das äußere gehört zu seinem natürlichen, das innere zu seinem geistigen Menschen. Die Einzelheiten, die der Mensch gedacht, gewollt, geredet, getan, ja selbst die er gehört und gesehen hat, sind seinem inneren oder geistigen Gedächtnis eingeschrieben. Was einmal darin ist, kann niemals ausgelöscht werden, weil es, wie oben gezeigt wurde, zugleich dem Geist selbst wie auch den Gliedern seines Leibes eingeprägt ist. Der Geist ist dem­ nach ein Abbild seiner Gedanken und Handlungen seines Wollens. Ich bin mir bewußt, daß diese Dinge als unsinnig erschei­nen und daher kaum geglaubt werden. Dennoch sind sie wahr. Es nehme also niemand an, daß irgendetwas von dem, was er bei sich gedacht und im Verborgenen getan hat, nach dem Tode verborgen bleibe, vielmehr glaube der Mensch, daß alles und jedes sich dann wie am hellichten Tage zeigen werde.

*464. Obwohl der Mensch nach dem Tode das äußere oder natürliche Gedächtnis behält, so werden doch die darin ent­haltenen bloß natürlichen Dinge im anderen Leben nicht wie­der hervorgeholt, wohl aber die geistigen, die aufgrund der Entsprechung mit den natürlichen zusammenhängen. Wer­den sie sichtbar dargestellt, so erscheinen sie jedoch in ganz ähnlicher Gestalt, wie in der natürlichen Welt. Alles was in den Himmeln erscheint, erscheint ja ebenso auch in der Welt, ob­gleich es im Wesen nicht natürlich, sondern geistig ist, wie man im Abschnitt von den Vorbildungen und Erscheinungen im Himmel (Nr. 170 176) nachgewiesen finden kann.

Doch das äußere oder natürliche Gedächtnis dient, soweit sein Inhalt etwas vom Materiellen sowie von Zeit und Raum, und allem anderen an sich hat, was der Natur eignet, dem Geist nicht zum gleichen Zweck wie in der Welt. Als Mensch in der Welt hatte er ja aus dem äußeren Sinnlichen, nicht aber zugleich aus dem inneren oder verstandesmäßigen Sinnlichen, folglich natürlich und nicht geistig gedacht. Weil er nun im anderen Leben in der geistigen Welt ist, denkt er nicht natürlich, sondern geistig. Und geistig denken heißt, verstan­des  oder vernunftmäßig denken. Die Folge davon ist, daß das äußere oder natürliche Gedächtnis, was die materiellen Dinge betrifft, ruht und davon nur das braucht, was der Mensch durch diese Dinge in der Welt in sich aufgenommen und sei­ner Vernunft einverleibt hat. Der Grund, weshalb das äußere Gedächtnis der materiellen Dinge ruht, liegt darin, daß sie gar nicht zurückgerufen werden können. Denn tatsächlich spre­chen die Geister und Engel aus den Neigungen und den daraus folgenden Gedanken, die ihrem Gemüt entsprechen. Dinge, die dazu nicht passen, können sie gar nicht aussprechen, wie wir aus dem entnehmen können, was oben über die Sprache der Engel im Himmel und ihr Sprechen mit dem Menschen ausgeführt wurde (Nr. 234 257).

Darum ist der Mensch nach dem Tode in dem Maße ver­nünftig, wie er durch Sprachen und Wissenschaft in der Welt seine Vernunft gebildet hat, keineswegs aber soweit er Spra­chen und Wissenschaften beherrscht hat. Ich habe mit vielen gesprochen, die in der Welt als gebildet galten, weil sie die alten Sprachen, wie die hebräische, die griechische und die lateinische beherrschten. Da sie aber ihre Vernunft nicht durch den Inhalt dieser Sprachen ausgebildet hatten, so erschienen einige von ihnen ebenso einfältig wie andere, die keine Kenntnis dieser Sprachen besaßen; einige wirkten gera­dezu dumm, obwohl sich bei ihnen der Dünkel erhalten hatte, weiser zu sein als andere. Auch sprach ich mit einigen, die in der Welt geglaubt hatten, die Weisheit des Menschen hänge von seinem guten Gedächtnis ab. Sie hatten auch tatsächlich ihr Gedächtnis mit vielem vollgestopft und spra­chen fast nur daraus, also nicht aus sich selbst, sondern aus anderen. Sie hatten ihre Vernunft in keiner Weise durch den Inhalt ihres Gedächtnisses vervollkommnet. Einige von ihnen waren geradezu stumpfsinnig, andere wiederum albern und durchaus unfähig zu beurteilen, ob etwas Wahres wahr sei oder nicht, alles Falsche aufgreifend, das von den sogenannten Gebildeten für wahr ausgegeben wird. Tatsäch­lich können sie von sich selbst aus nicht erkennen, wie etwas wirklich ist, folglich können sie auch nichts von dem, was sie von anderen hören, vernünftig beurteilen.

Ich habe auch mit einigen gesprochen, die in der Welt mancherlei, und zwar auf allen Gebieten der Wissenschaft, geschrieben hatten, und daher weit und breit den Ruf großer Gelehrsamkeit genossen. Einige von ihnen konnten zwar auch logisch über Gegenstande der Wahrheit denken, näm­lich ob sie wahr seien oder nicht; andere konnten zwar die Wahrheiten erkennen, wenn sie sich an jene wandten, die im Lichte des Wahren standen, wollten sie aber dennoch nicht einsehen. Daher leugneten sie sie wieder, sobald sie in ihr eigenes Falsches zurückfielen und zu sich selber kamen. Andere wiederum waren nicht viel weiser als die ungebildete Menge. Das bedeutet, jeder von ihnen hatte seine Vernunft auf verschiedene Weise ausgebildet, und zwar je nach dem, wie er mit den wissenschaftlichen Dingen umgegangen war, die er zusammengetragen und aufgeschrieben hatte. Diejeni­gen aber, die gegen die Wahrheiten der Kirche eingestellt waren und ihr Denken auf die Wissenschaft gegründet hatten und sich dabei im Falschen bestärkten, hatten nicht ihre Ver­nunft, sondern nur die Fähigkeit zu vernünftigen Überlegun­gen ausgebildet. Diese Fähigkeit gilt zwar in der Welt als Ver­nünftigkeit, ist aber davon getrennt: nämlich was man nur will zu begründen und aufgrund von willkürlich angenom­menen Prinzipien und Trugschlüssen das Falsche, nicht aber das Wahre zu sehen. Solche Menschen können niemals zur Anerkennung des Wahren gebracht werden, weil man vom Falschen aus nicht das Wahre, sondern allein vom Wahren aus das Falsche sehen kann.

Die Vernunft des Menschen gleicht einem Garten oder Blumenbeet oder auch einem Acker. Das Gedächtnis ist das Erdreich, die wissenschaftlichen Wahrheiten und Erkennt­nisse sind die Samen, Licht und Wärme des Himmels bringen sie zum Wachsen — ohne sie gibt es kein Keimen. Dies zeigt sich auch, wenn das Himmelslicht der göttlichen Wahrheit und die himmlische Wärme der göttlichen Liebe nicht zuge­lassen werden — ohne sie gibt es keine Vernunft. Die Engel kla­gen sehr darüber, daß die meisten Gebildeten alles auf die Natur zurückführen und sich die mehr im Inneren befindli­chen Bereiche ihres Gemüts dadurch so verschlossen haben, daß sie nichts Wahres mehr aus dem Licht des Wahren — dem Himmelslicht — sehen können. Im anderen Leben werden sie deshalb der Fähigkeit zum vernünftigen Denken beraubt, um sie daran zu hindern, durch diese Fähigkeit unter den einfäl­tig Guten Falsches zu verbreiten und sie zu verführen. Sie selbst aber werden in Einöden verbannt.

*465. Ein gewisser Geist war ungehalten darüber, daß er sich an manches nicht mehr erinnern konnte, was er im physi­schen Leben gewußt hatte. Er war traurig über das verlorene Vergnügen, das ihn aufs höchste ergötzt hatte. Man sagte ihm jedoch, er habe durchaus nichts verloren und wisse noch alles bis ins Einzelne, nur sei es ihm in der Welt, in der er sich jetzt befinde, nicht erlaubt, sich dergleichen Dinge ins Bewußtsein zurückzurufen. Es genüge ja auch, daß er jetzt viel besser den­ken und reden könne, ohne seine Vernunft wie früher in dich­tes Dunkel, in materielle und körperliche Angelegenheiten zu versenken. Diese Dinge seien in dem Reich, das er jetzt betre­ten habe, von keinerlei Nutzen. Zudem habe er ja jetzt alles, was zum Genuß des ewigen Lebens diene. Nur so und nicht anders könne er selig und glücklich werden. Es sei nur ein Zeichen der Unwissenheit, wenn er meine, daß in diesem Reich der Ver­stand dadurch verloren gehe, daß die materiellen Dinge ent­fernt würden und im Gedächtnis ruhten. In Wirklichkeit ver­halte es sich aber so, daß das Gemüt im selben Maße zu den geistigen und himmlischen Dingen erhoben wird, wie es von den sinnlichen Dingen, die zum äußeren Menschen oder zum Körper gehören, abgelenkt werden kann.

*466. Die Beschaffenheit der Gedächtnisse stellt sich im anderen Leben zuweilen sichtbar in Gestalten dar, wie sie nur dort in Erscheinung treten (es tritt dort aber mancherlei in Erscheinung, was sonst bei den Menschen nur als Idee vorkommt). Das mehr äußerliche Gedächtnis erscheint dort wie eine dicke Haut, das innerlichere hingegen als Marksub­stanz, wie wir sie im menschlichen Gehirn finden. Aus die­sen Bildern kann man auf ihre Beschaffenheit schließen.

Alle, die sich in ihrem leiblichen Leben nur um ihr Gedächtnis bemüht und so ihre Vernunft unausgebildet gelassen hatten, zeigen ihre Dickhäutigkeit wie etwas Har­tes, das innerlich mit Strichen wie von Sehnen durchzogen ist. Bei denen, die ihr Gedächtnis mit Falschheiten angefüllt hatten, erscheint es als etwas Haariges und Struppiges, und zwar infolge der ungeordneten Anhäufung von Kenntnis­sen. Wer sich aus Selbstsucht und Weltliebe um sein Gedächtnis bemühte, bei dem stellt es sich wie zusammen­geleimt und verknöchert dar. Wer wiederum durch wissen­schaftliche und besonders durch philosophische Erkennt­nisse in die göttlichen Geheimnisse eindringen und nicht eher glauben wollte, als er sich dadurch überzeugt hatte, bei dem zeigt es sich als etwas Finsteres, mit der Eigen­schaft, die Lichtstrahlen zu verschlucken und in Finsternis zu verwandeln. Das Gedächtnis der Betrüger und Heuchler sieht hart und verknöchert wie Ebenholz aus und wirft die Lichtstrahlen zurück. Anders ist es bei denen, die sich dem Guten der Liebe und dem Wahren des Glaubens ergeben hatten. Bei ihnen erscheint keine derartige Haut, denn ihr mehr im Inneren befindliches Gedächtnis läßt die Licht­strahlen in das äußere hindurchdringen, in dessen Inhalt oder Ideen die Strahlen gleichsam ihre Unterlage oder ihr Erdreich finden — also voll befriedigende Aufnahmegefäße. Das äußere Gedächtnis ist nämlich das Letzte der Ordnung, in das die geistigen und himmlischen Dinge sanft auslau­fen und in dem sie Fuß fassen, wenn sie dort Gutes und Wahres vorfinden.

*467. Menschen, die in der Liebe zum Herrn stehen und sich liebevoll um den Nächsten kümmern, haben schon im ir­dischen Leben Engelseinsicht und  weisheit in und um sich, jedoch verborgen im Innersten ihres inwendigen Gedächtnis­ses. Diese Einsicht und Weisheit kann ihnen jedoch niemals erscheinen, bevor sie das Körperliche ablegen. Dann erst wird das natürliche Gedächtnis eingeschläfert und ihr inwendiges Gedächtnis wird erweckt und dann nach und nach zu dem ei­gentlich engelmäßigen Gedächtnis.

*468. In kurzen Worten soll auch gesagt werden, wie die Vernunfttätigkeit ausgebildet werden kann: die echte Ver­nunftfähigkeit besteht aus Wahrem und nicht aus Falschem. Was aus Falschem besteht, ist nicht vernünftig. Es gibt aber dreifache Wahrheiten: bürgerliche, sittliche und geistige. Die bürgerlichen beziehen sich auf alles, was mit Rechtswe­sen und Staatsregierung oder, allgemein gesagt, mit der ent­sprechenden Gerechtigkeit und Billigkeit zusammenhängt. Die sittlichen Wahrheiten betreffen das persönliche Leben des Einzelnen in seiner Beziehung zur Gesellschaft und Gemeinschaft und hängen, allgemein gesprochen, mit Red­lichkeit und Aufrichtigkeit und besonders mit jeder Art von Tugend zusammen. Die geistigen Wahrheiten hingegen beziehen sich auf den Himmel und die Kirche, also allge­mein auf das Gute, das zur Liebe, und das Wahre, das zum Glauben gehört.

Es gibt drei Grade des Lebens in jedem Menschen (vergl. oben Nr. 267). Seine Fähigkeit, vernünftig zu werden, wird bis zum ersten Grad erschlossen durch das bürgerliche Wahre, bis zum zweiten durch das sittliche und bis zum drit­ten durch das geistig Wahre. Man muß jedoch wissen, daß die Vernunft nicht dadurch gebildet und erschlossen wird, daß der Mensch die verschiedenen Arten des Wahren kennt, sondern nur wenn er nach ihnen lebt. „Nach ihnen leben“ heißt, sie aufgrund geistiger Neigung lieben, und das bedeu­tet wiederum, Recht und Billigkeit lieben, weil sie gerecht und billig sind, auch Redlichkeit und Aufrichtigkeit um ihrer selbst willen, sowie das Gute und Wahre, weil es gut und wahr ist. Wer hingegen nach ihnen lebt und sie aus fleischli­cher Neigung liebt, der liebt sie um seiner selbst, seines Rufes, seiner Ehre oder um seines Vorteils willen. Der Mensch wird daher nicht vernünftig, wenn er jene Wahrhei­ten aus fleischlicher Neigung liebt, weil er dann in Wirklich­keit nicht sie, sondern sich selbst liebt und die Wahrheiten ihm wie Knechte ihrem Herrn dienen. Wenn aber die Wahr­heiten zu dienstbaren Werkzeugen der Eigenliebe gemacht werden, so dringen sie nicht in den Menschen ein und schließen keinen einzigen Grad seines Lebens bei ihm auf, nicht einmal den ersten. Als Kenntnisse natürlicher Art ruhen sie lediglich im Gedächtnis, wo sie sich mit der Selbst­liebe verbinden, deren Natur fleischlich ist. Von hier aus kann bekannt sein, auf welche Weise der Mensch vernünftig wird, nämlich bis zum dritten Grade durch die geistige Liebe zu jenem Guten und Wahren, das Himmel und Kirche betrifft, bis zum zweiten Grade durch die Liebe zur Redlich­keit und Aufrichtigkeit, und bis zum ersten Grade durch die Liebe zu Recht und Billigkeit. Die letzten beiden Arten der Liebe werden durch die geistige Liebe zum Guten und Wah­ren ebenfalls geistig, weil diese sich mit ihnen verbindet und in ihnen gleichsam ihre Ausprägung findet.

*469. Geister und Engel besitzen ebenso wie die Men­schen ein Gedächtnis. Was immer sie hören, sehen, denken, wollen und tun, verbleibt ihnen, auch bildet sich dadurch ihre Vernunft immer weiter aus, und zwar in Ewigkeit. Hierauf beruht, daß Geister und Engel ebenso wie Menschen durch Er­kenntnisse des Wahren und Guten in ihrer Einsicht und Weis­heit vollkommener werden. Vielfältige Erfahrungen haben mich gelehrt, daß Geister und Engel ein Gedächtnis besitzen. So sah ich, daß aus ihrem Gedächtnis alles hervorgerufen wurde, was sie öffentlich oder im Verborgenen gedacht und getan hatten, so oft sie mit anderen Geistern zusammen waren. Auch sah ich, daß Geister, die durch schlichte Güte (ex simplici bono) über ein wenig Wahrheit verfügten, mit Er­kenntnissen und dadurch mit Einsicht ausgestattet und hier­auf in den Himmel erhoben wurden. Man muß jedoch wis­sen, daß diese Ausstattung nur bis zu dem Grad der Neigung zum Guten und Wahren geht, in dem sie in der Welt standen, nicht aber darüber hinaus. In der Tat behält jeder Geist und Engel seine Neigung in dem Umfang und in der Weise, wie sie in der Welt war. Hernach wird sie dadurch vervollkommnet, daß sie angereichert wird, was in Ewigkeit geschieht. Alles kann nämlich in Ewigkeit immer weiter angereichert werden, weil jedes Ding unendlich variiert, also durch Variationen be­reichert und so vervielfältigt und fruchtbar gemacht werden kann. Ein gutes Ding hat nie ein Ende, stammt es doch vom Unendlichen.

Man vergleiche über die unausgesetzte Vervollkomm­nung der Geister und Engel durch Erkenntnisse des Wahren und Guten die folgenden Abschnitte: Über die Weisheit der Engel des Himmels (Nr. 265 275)) über die Heiden und Völker außerhalb der Kirche im Himmel (Nr. 318 328), über die Kin­der im Himmel (Nr. 329 345). Über die Vervollkommnung bis zu dem Grad der Neigung zum Guten und Wahren, den sie in der Welt entwickelt hatten, nicht aber darüber hinaus, ver­gleiche man Nr. 348.

 

Der Mensch ist nach dem Tode so, wie sein Leben in der Welt war.

*470. Das ist jedem Christen aus dem Worte Gottes be­kannt, wird doch darin an vielen Stellen gesagt, daß der Mensch nach seinen Taten und Werken gerichtet und belohnt werde. Zudem kann jedem klar sein, der als Grundlage seines Denkens jenes Gute betrachtet, das wirklich gut und wahr ist, daß in den Himmel kommt, wer ein gutes Leben führt, in die Hölle aber, wer böse lebt. Wer hingegen dem Bösen verhaftet ist, der will nicht glauben, daß sich sein Zustand nach dem Tode nach seinem Leben in der Welt richtet. Er denkt vielmehr und zwar vor allem wenn er krank wird — jedermann komme in den Himmel aus purer Barmherzigkeit, gleichgültig wie er gelebt habe, und das wiederum hänge vom Glauben ab, den er aber vom Leben trennt.

*471. Von den vielen Stellen im Wort, in denen gesagt wird, daß der Mensch nach seinen Taten und Werken gerichtet und belohnt werde, möchte ich hier einige anführen:

„Des Menschen Sohn wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln und dann einem jeden vergelten nach seinen Werken“. (Matth.16,27)

„Selig sind die Toten, die im Herrn sterben... Ja, spricht der Geist, sie sollen ruhen von ihren Arbeiten;... ihre Werke aber folgen ihnen nach“. (Offb.14,13)

„Ich werde einem jeglichen unter euch nach seinen Werken geben“. (Offb.2,23)

„Ich sah die Toten, kleine und große, vor Gott stehen, und Bücher wurden aufgetan ... Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was geschrieben steht in den Büchern, nach ihren Werken. Und das Meer gab die Toten, die darin waren, und der Tod und die Unterwelt gaben die Toten, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein jeglicher nach seinen Werken“. (Offb.20,12)

„Siehe, ich komme ..., und mein Lohn mit mir, einem jeglichen zu geben nach seinen Werken“. (Offb.22, 12)

„Jeden, der meine Worte hört und sie tut, will ich einem klugen Manne vergleichen... Jeden aber, der meine Worte hört und sie nicht tut, will ich einem törichten Manne vergleichen“. (Matth.7,24.26)

„Nicht jeder, der zu mir sagt: «Herr, Herr» wird in das Himmel­reich kommen, sondern der den Willen tut meines Vaters in den Himmeln. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: «Herr, Herr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in Deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in Deinem Namen viele Taten getan? Doch dann will ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; wei­chet von mir, ihr Übeltäter!“ (Matth.7,21 23)

„Alsdann werdet ihr anheben zu sagen: «Wir haben vor Dir ge­gessen und getrunken, und auf unseren Straßen hast Du ge­lehrt». Er aber wird sprechen: «Ich sage euch, ich kenne euch nicht... ihr Täter der Ungerechtigkeit»“. (Luk.13,26 f)

„Vergelten will ich ihnen nach ihrem Werk und nach der Tat ihrer Hände“. (Jer.25,14)

(Jehovah,) „Deine Augen stehen offen über alle Wege des Men­schen, daß Du einem jeden gebest nach seinen Wegen und nach der Frucht seiner Werke“. (Jer.32,19)

„Ich will ihr Tun heimsuchen und ihnen vergelten, wie sie es verdienen“. (Hosch.4,9).

„Jehovah ... tut mit uns nach unseren Wegen und nach unse­ren Werken“. (Sach.1,6)

Wo der Herr das letzte Gericht voraussagt, spricht er bloß von den Werken und daß diejenigen ins ewige Leben einge­hen würden, die gute Werke getan haben, in die Verdammnis hingegen, die böse Werke getan haben. (Matth. 25,32 46).

Ebenso lautet es an vielen anderen Stellen, die sich mit der Erlösung und der Verdammnis des Menschen befassen. Es ist offenkundig, daß Werke und Taten das äußere Leben des Menschen bezeichnen, daß sich aber in ihnen die Beschaffenheit seines inneren Lebens ausdrückt.

*472. Unter den Taten und Werken wird aber nicht nur deren äußere Erscheinungsform verstanden, sondern auch, wie sie innerlich sind. Jedermann weiß ja, daß jede Tat und jedes Werk dem Wollen und Denken des Menschen ent­springt. Anders wären sie eine bloße Bewegung, vergleichbar einem Automaten und Roboter (ex automatis et simulacris). Die Tat oder das Werk sind daher an und für sich nur eine Aus­wirkung, so sehr beseelt und belebt von Wollen und Denken, daß sie eigentlich nur deren Wirkung und folglich auch deren äußere Form darstellt. Das bedeutet, daß Tat und Werk genauso beschaffen sind wie das Wollen und Denken, die sie hervorgebracht haben. Waren Gedanken und Wille gut, so sind es auch die Taten, waren sie böse, gilt dasselbe für die Taten und Werke, wenn sie auch in ihrer äußeren Form voll­kommen gleich erscheinen mögen. Tausend Menschen kön­nen das gleiche tun, das heißt uns vor die gleichen Handlun­gen stellen  so gleich, daß sie äußerlich kaum unterschieden werden können — und doch ist jede Handlung an sich ver­schieden, weil sie verschiedenem Wollen entspringt. Nehmen wir als Beispiel Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, die man sei­nem Mitmenschen erweisen soll: Der eine kann aufrichtig und gerecht an ihm handeln in der Absicht, dadurch aufrich­tig und gerecht zu erscheinen, doch nur um seiner selbst und seiner Ehre willen. Ein anderer handelt um der Welt und sei­nes Profits willen, ein dritter um des Lohnes und der Ehre wil­len, ein vierter aus Freundschaft, ein fünfter aus Furcht vor dem Gesetz und dem Verlust seines guten Rufes und seines Amtes, ein sechster um dadurch jemanden für seine Absich­ten, auch die bösen, zu gewinnen, ein siebter, um zu täuschen — andere wieder aus anderen Absichten. Die Taten all dieser Menschen sind böse, mögen sie auch gut erscheinen, denn nur aufrichtig und gerecht an seinem Mitmenschen handeln ist gut, sie aber geschahen nicht aus Liebe zur Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, sondern aus Selbst und Weltliebe. Aufrich­tigkeit und Gerechtigkeit müssen dieser dienen, wie Knechte ihrem Herrn, der diese denn auch wenig schätzt und fort­schickt, sobald sie ihm nicht mehr nützen.

Menschen, die wirklich Liebe zu Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit hegen, unterscheiden sich äußerlich scheinbar nicht in ihren Taten von den anderen. Einige von ihnen han­deln aus dem Wahren des Glaubens oder aus Gehorsam gegenüber den Geboten im Worte Gottes, manche aus dem Guten des Glaubens oder aus ihrem Gewissen, weil das zur Religion gehört, andere aus dem Guten der Nächstenliebe, weil man für seinen Nächsten sorgen soll. Bei einigen ent­springen ihre Taten der Liebe zum Herrn, weil man das Gute um des Guten willen tun soll. Diese Menschen handeln folg­lich auch ehrlich und gerecht um der Ehrlichkeit und Gerechtigkeit willen, die sie lieben, weil sie vom Herrn stam­men, in ihnen das vom Herrn ausgehende Göttliche liegt und sie daher an sich eigentlich göttlich sind. Die Taten oder Werke dieser Menschen sind innerlich gut und deshalb auch äußerlich, da Taten oder Werke, wie oben gezeigt wurde, ganz so beschaffen sind wie das Denken und Wollen, aus denen sie hervorgehen und ohne die sie nur automatische Bewegungen wären. Damit steht fest, was unter den Werken und Taten im Wort verstanden wird.

*473. Da sie dem Willen und Denken angehören, sind sie also auch eine Angelegenheit der Liebe und des Glaubens und folglich von gleicher Beschaffenheit wie diese. Es ist nämlich kein Unterschied, ob man von der Liebe oder vom Willen des Menschen spricht, und dasselbe gilt für die Begriffe Glaube und entschiedenes Denken des Menschen. Denn was der Mensch liebt, das will er, und was er glaubt, das denkt er auch. Wenn der Mensch liebt, was er glaubt, so will er es auch und führt es so weit wie möglich aus. Jeder kann wissen, daß Liebe und Glaube im Wollen und Denken des Menschen enthalten sind, nicht aber außerhalb dersel­ben, denn der Wille ist es, der von der Liebe entfacht wird, während das Denken in den Dingen des Glaubens erleuch­tet wird. Aus diesem Grunde werden nur jene Menschen erleuchtet, die weise zu denken vermögen, und soweit diese Erleuchtung reicht, denken sie dann das Wahre und wollen es auch — oder mit anderen Worten, glauben und lieben sie, was wahr ist.

*474. Wissen muß man jedoch, daß der Wille den Men­schen bestimmt. Vom Denken gilt dies nur soweit, wie es dem Willen entspringt. Taten oder Werke entspringen bei­den. Man kann ebenso gut sagen, daß die Liebe den Men­schen ausmacht, während das vom Glauben nur in dem Maße gilt, als er seinen Ursprung in der Liebe hat, und daß Taten oder Werke aus beiden hervorgehen. Das bedeutet, daß der Wille bzw. die Liebe der Mensch selbst ist; denn alles Austretende gehört der Quelle an, der es entspringt. Heraustreten heißt, herausgeführt, in übereinstimmender Form dargestellt zu werden und in Erscheinung zu treten. Damit steht fest, daß ein von der Liebe getrennter Glaube überhaupt kein Glaube, sondern nur ein Wissen ist — ein Wissen, das keinerlei geistiges Leben in sich birgt. Ferner steht fest, daß eine Tat oder ein Werk ohne Liebe nicht eine Tat oder ein Werk des Lebens, sondern des Todes ist, also etwas, dem aufgrund der Liebe zum Bösen und dem Glau­ben an Falsches nur der Anschein von Lebendigkeit inne­wohnt. Unter diesem Anschein des Lebens wird der geistige Tod verstanden.

*475. Ferner muß man wissen, daß in seinen Taten oder Werken der ganze Mensch erscheint. Sein Wollen und Den­ken bzw. seine Liebe und sein Glaube, die sein Inneres bil­den, sind nicht vollendet, ehe sie sich in den Taten oder Werken ausdrücken, die sein Äußeres darstellen. Was zu diesem Äußeren gehört, ist nämlich das Letzte, durch das jene sich abgrenzen. Ohne diese Begrenzungen sind sie wie etwas Ungestaltetes, das noch nicht ins Dasein hervortritt, somit noch nicht im Menschen ist. Denken und Wollen ohne Handeln, obwohl die Ausführung möglich wäre, glei­chen einer Flamme, die, in ein Gefäß eingeschlossen, erlischt, oder auch einem Samen, der auf Sand gesät nicht aufgeht, sondern samt seiner Fruchtbarkeit verdirbt. Den­ken und wollen und dann auch handeln gleicht hingegen einer Flamme, die ringsum Wärme und Licht verbreitet, oder dem Samen in gutem Erdreich, der zu einem Baum oder einer Blume empor keimt und darin in Erscheinung tritt. Jeder kann auch wissen, daß wollen und nicht handeln, obwohl es möglich wäre, dasselbe ist wie nicht wollen, und daß lieben und das Gute nicht ausführen, obgleich man könnte, ebensoviel bedeutet, wie gar nicht lieben. Denn bloß denken daß man wolle und liebe, verschwindet und vergeht, weil es ein vom Dasein getrenntes Denken ist. Die Liebe, die Absicht, ist die eigentliche Seele der Tat oder des Werkes. Diese Seele bildet ihren Leib in den aufrichtigen und gerechten Handlungen des Menschen. Der geistige Leib, der Leib des Menschengeistes, hat nur darin seinen Ursprung, das heißt er wird lediglich aus dem gebildet, was der Mensch aus Liebe oder freiem Willen auch ausführt (vergl. oben Nr. 463). Mit einem Wort: alles, was den Menschen und seinen Geist bildet, liegt in seinen Taten oder Werken.

*476. Damit dürfte feststehen, was mit dem Leben ge­meint ist, das den Menschen nach dem Tode erwartet. Es be­steht in seiner Liebe und dem daraus hervorgehenden Glau­ben, nicht nur der Möglichkeit nach, sondern auch in der Ver­wirklichung. So sind es also die Taten oder Werke, weil diese alles in sich enthalten, was zur Liebe oder zum Glauben des Menschen gehört.

*477. Die herrschende Liebe erwartet den Menschen nach dem Tode und wird in Ewigkeit niemals verändert. Zwar hat jeder eine ganze Anzahl von Neigungen (amores), doch beziehen sich alle auf seine herrschende Liebe und bilden zusammen mit ihr eine Einheit. Alles im Willen, das mit der herrschenden Liebe übereinstimmt, wird als Neigung bezeichnet, weil es geliebt wird. Einige dieser Neigungen sind innerlicher, andere äußerlicher; einige sind unmittelba­rer, andere mittelbarer mit der herrschenden Liebe verbun­den, stehen ihr näher oder entfernter und dienen ihr in ver­schiedener Weise. Alle zusammen bilden gleichsam ein Reich. In der Tat sind sie beim Menschen in dieser Weise ge­ordnet, obwohl der Mensch davon keine Ahnung hat. Im an­deren Leben wird ihm jedoch etwas davon offenbar, weil dort die Verbreitung des Denkens und der Neigung von ihrer Ord­nung abhängt: die Verbreitung in himmlische Gesellschaften, wenn seine herrschende Liebe aus himmlischen Liebesarten, in höllische Gesellschaften dagegen, wenn sie aus höllischen Neigungen besteht. Aus dem, was in den Abschnitten über die Weisheit der himmlischen Engel und über die Gestalt des Himmels ausgeführt wurde, kann man ersehen, daß jeder Gedanke und jede Neigung der Geister und Engel eine Ver­breitung in bestimmte Gesellschaften erfährt.

*478. Was bisher ausgeführt worden ist, spricht jedoch nur das Denken des vernünftigen Menschen an. Um es auch den Sinnen faßbar zu machen, will ich Erfahrungen an­führen, durch die diese Ausführungen verdeutlicht und be­stätigt werden:

  1. daß der Mensch nach dem Tode seine Liebe bzw. sein Wille ist;

  2. daß der Mensch in Ewigkeit so bleibt, wie er hinsichtlich seines Willens oder seiner herrschenden Liebe beschaffen ist;

  3. daß in den Himmel kommt, wer eine himmlische und geistige Liebe besitzt, in die Hölle aber, wer eine fleischliche und weltliche Liebe ohne die himmlische und geistige aufweist;

  4. daß der Mensch seinen Glauben nicht behält, wenn dessen Ursprung nicht die himmlische Liebe ist;

  5. daß es die tätige Liebe ist, welche bleibt, folglich sie das Leben des Menschen bestimmt.

*479. Erstens: Der Mensch ist nach dem Tode seine Liebe bzw. sein Wille. Dies ist mir durch häufige Erfahrung zur Ge­wißheit geworden. Der ganze Himmel ist je nach den Unter­schieden des Guten der Liebe in Gesellschaften eingeteilt. Jeder Geist, der in den Himmel erhoben und zu einem Engel wird, wird der Gesellschaft zugeführt, in der seine Liebe herrscht. Wenn er dort ist, fühlt er sich wie daheim — gewis­sermaßen wie zu Hause, wo er geboren wurde. Ein Engel nimmt das deutlich wahr und gesellt sich hier zu den ihm Ähnlichen. Geht er von da fort und kommt anderswohin, wi­derstrebt es ihm fortwährend, und er sehnt sich, zu den ihm Ähnlichen, mithin zu seiner herrschenden Liebe zurückzu­kehren. Auf diese Weise entstehen die Gesellschaften im Himmel. Ähnliches gilt für die Hölle, wo sich die Geister ebenfalls aufgrund ihrer den himmlischen entgegengesetz­ten Liebesarten vereinen. Über die Gesellschaften, die den Himmel und ebenso die Hölle bilden, und ihre Unterschei­dung aufgrund der Unterschiede der Liebe vergleiche man oben Nr. 41 50 und Nr. 200 212.

Auch daraus können wir entnehmen, daß der Mensch nach dem Tode aus seiner Liebe besteht, weil dann alles ent­fernt und ihm gleichsam genommen wird, was nicht mit sei­ner herrschenden Liebe übereinstimmt. Wenn jemand gut ist, so wird alles von ihm abgerückt und gleichsam wegge­nommen, was nicht damit übereinstimmt oder abweicht, und so wird er ganz und gar in seine Liebe versetzt. Ähnliches geschieht dem, der böse ist, nur mit dem Unterschied, daß ihm die Wahrheiten weggenommen werden, bis zu dem Punkt, daß schließlich jeder nur noch aus seiner Liebe besteht. Das geschieht, wenn der Geistmensch in seinen drit­ten Zustand versetzt wird, den wir weiter unten darstellen werden. Danach wendet sich der Mensch beständig seiner Liebe zu, die er damit stets vor Augen hat, wohin er sich auch wenden mag (man vergl. oben Nr. 123 f).

Man kann alle Geister führen, wohin man will, solange man sie nur in ihrer herrschenden Liebe festhält; sie vermö­gen nicht zu widerstehen, obwohl sie sich bewußt sind, was ihnen geschieht, und wie sehr sie auch auf Widerstand sin­nen. Mehrere Versuche, sich dagegen zu wehren, führten zu nichts. Ihre Liebe ist wie ein Band oder Seil, das sie gleichsam umschlingt und an dem sie gezogen werden können, ohne daß sie sich loszumachen vermögen. Aber auch den Men­schen in der Welt widerfährt etwas Ähnliches. Auch sie wer­den durch ihre Liebe geführt und durch sie von anderen ge­lenkt. Das steigert sich jedoch, wenn sie zu Geistern werden, weil sie dann nicht mehr eine fremde Liebe zur Schau tragen oder etwas vortäuschen dürfen, das nicht ihr eigen ist.

Jede Gemeinschaft im anderen Leben zeigt deutlich, daß der Geist des Menschen aus seiner herrschenden Liebe besteht. Soweit nämlich jemand in Übereinstimmung mit der Liebe eines anderen Geistes handelt und spricht, erscheint der Betreffende ganz wie er ist, mit vollem, heiterem und lebendigem Gesicht. Sobald dagegen jemand im Wider­spruch zur Liebe eines anderen handelt und spricht, beginnt dessen Gesicht sich zu verändern und zu verfinstern und unsichtbar zu werden. Schließlich verschwindet er ganz, als ob er nie zugegen gewesen wäre. Ich habe mich oft darüber gewundert, weil so etwas in der Welt nicht passieren kann. Man sagte mir jedoch, daß etwas ähnliches auch mit dem Geist im Menschen vorgehe, der einem anderen ebenfalls nicht mehr vor Augen steht, wenn er sich von ihm abwendet. Auch daraus wurde mir klar, daß der Geist seine herrschende Liebe ist, weil er alles an sich zieht und sich aneignet, was mit seiner Liebe übereinstimmt, alles andere aber zurückstößt und von sich wirft. Jede Liebe gleicht einem schwammigen oder porösen Holz, das nur die Flüssigkeiten aufsaugt, die sei­ner pflanzlichen Entwicklung zuträglich sind und die übrigen abstößt. Sie gleicht auch den Tieren aller Art, die ihr Futter kennen und danach auswählen, ob es zu ihrer Natur paßt, anderes aber verabscheuen. Jede Liebe will sich mit dem ihr Gemäßen nähren, die böse Liebe mit Falschem, die gute mit Wahrem. Es wurde mir einige male zu beobachten erlaubt, wie etliche einfältig gute Geister die bösen über das Wahre und Gute unterrichten wollten, diese aber das Weite suchten und, sobald sie zu Ihresgleichen kamen, das mit ihrer Liebe übereinstimmende Falsche voller Begier ergriffen. Ich durfte auch mit ansehen, wie gute Geister über die Wahrheiten mit­einander sprachen. Die anwesenden Guten hörten mit großem Interesse zu, die Bösen aber, die ebenfalls zugegen waren, achteten überhaupt nicht darauf, gerade als ob sie gar nichts hörten. In der Geisterwelt erscheinen Wege, von denen einige zum Himmel, andere zur Hölle führen, jeder zu einer ganz bestimmten Gesellschaft. Die guten Geister wählen nur die Wege, die zum Himmel führen, und zwar zu derjenigen Gesellschaft, in der das Gute ihrer Liebe herrscht. Die anderen Wege beachten sie nicht. Die bösen Geister wiederum suchen nur die Wege, die zur Hölle führen, und darin zu der Gesell­schaft, in der das Böse ihrer eigenen Liebe herrscht. Andere Wege sehen sie entweder nicht, oder wollen sie doch nicht beschreiten. Derartige Wege in der geistigen Welt sind „wirkli­che Erscheinungen“ die Wahrem oder Falschem entsprechen. Deshalb bezeichnen im Wort die Wege Wahres oder Falsches. Diese Erfahrungsbelege bestätigen, was oben aus Vernunftgründen festgestellt wurde, nämlich daß jeder Mensch nach dem Tode seine Liebe und sein Wille ist. Wir sagen Wille, weil der Wille selbst identisch ist mit der Liebe eines jeden Menschen.

*480. Zweitens: Der Mensch bleibt nach dem Tode in Ewig­keit so, wie er hinsichtlich seines Willens oder seiner herrschen­den Liebe beschaffen ist. Auch das wurde mir durch viele Er­fahrungen bestätigt. Ich durfte mit einigen Menschen reden, die vor 2000 Jahren gelebt hatten, und deren Leben aus den Beschreibungen der Geschichtsquellen bekannt ist. Es zeigte sich, daß sie sich gleich geblieben waren und noch ganz so sind, wie sie beschrieben wurden. Hinsichtlich der Liebe, die ihr Leben hervorbrachte und der es entsprach, bestand kei­nerlei Unterschied. Andere hatten vor 17 Jahrhunderten ge­lebt und waren ebenfalls aus der Geschichte bekannt, wieder andere vor vier Jahrhunderten, vor drei Jahrhunderten und so weiter. Auch mit ihnen durfte ich reden und fand dabei, daß sie noch immer von der gleichen Neigung beherrscht waren. Der Unterschied bestand nur darin, daß das, was ihrer Liebe angenehm gewesen war, sich nun in Entsprechendes verwan­delt hatte. Engel erklärten, das Leben der herrschenden Liebe werde in Ewigkeit bei niemandem verändert, weil jeder iden­tisch ist mit seiner Liebe. Würde diese bei einem Geist verän­dert, bedeutete das, ihn seines Lebens zu berauben oder ihn zu vernichten. Sie nannten auch die Ursache, nämlich daß der Mensch nach dem Tode nicht mehr auf dieselbe Weise wie in der Welt durch Belehrung umgebildet werden könne. Der Grund dafür liegt darin, daß dann die letzte Grundlage, die aus natürlichen Erkenntnissen und Neigungen besteht, gleichsam eingeschläfert ist und nicht aufgeweckt werden kann, weil sie nicht geistig ist (vergl. Nr. 464). Die mehr im In­neren liegenden Bereiche des Gemüts oder der Gesinnung ruhen aber auf dieser Grundlage, und zwar wie ein Haus auf seinem Fundament. Daher bleibt der Mensch in Ewigkeit so, wie das Leben seiner Liebe in der Welt gewesen war. Die Engel wundern sich sehr darüber, daß der Mensch nicht weiß, daß jeder so beschaffen ist wie seine herrschende Liebe. Ebenfalls erstaunt sie der weit verbreitete Glaube, man könne aufgrund unmittelbarer Barmherzigkeit und bloßen Glaubens erlöst werden, ohne Rücksicht auf das Leben, das man geführt habe. Und schließlich war ihnen das Fehlen der Erkenntnis ver­wunderlich, daß die göttliche Barmherzigkeit eine mittelbare ist und darin besteht, daß man vom Herrn geführt wird, in der Welt ebenso wie hernach in der Ewigkeit, und daß diejenigen durch die Barmherzigkeit geführt werden, die nicht ins Böse verstrickt sind. Viele Menschen wissen auch nicht, daß der Glaube eine Neigung zum Wahren ist, die aus der himmli­schen, vom Herrn stammenden Liebe hervorgeht.

*481. Drittens: In den Himmel kommt, wer eine himmli­sche und geistige Liebe besitzt, und in die Hölle, wer eine fleischliche und weltliche Liebe ohne die himmlische und gei­stige aufweist. Dies bestätigte sich mir an all denen, die ich in den Himmel erhoben bzw. in die Hölle geworfen sah. Die ersteren hatten ein Leben aus himmlischer und geistiger Liebe geführt, das Leben der letzteren hatte auf fleischlicher und weltlicher Liebe beruht. Die himmlische Liebe besteht in der Liebe des Guten, Aufrichtigen und Gerechten, eben weil es gut, aufrichtig und gerecht ist, und im Tun desselben aus Liebe. Infolgedessen führen jene ein Leben der Güte, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, und darin besteht das himmlische Leben. Wer die genannten Dinge um ihrer selbst willen liebt und sie im Leben tut oder übt, der liebt auch den Herrn über alles, weil ja diese Dinge von ihm stammen, und er liebt zugleich auch den Nächsten, weil das Gute der Näch­ste ist, der geliebt werden soll. Die fleischliche Liebe hin­gegen besteht darin, daß man Güte, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit nicht um ihret , sondern um seiner selbst wil­len liebt, um sich dadurch einen guten Ruf, Auszeichnungen und Vorteile zu verschaffen. Diese Menschen haben bei ihrer Güte, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit nicht den Herrn und den Nächsten im Auge, sondern sich selbst und die Welt, und diese Täuschung bereitet ihnen auch noch Vergnügen. In Wirklichkeit lieben sie in diesem auf Täuschung beruhenden Guten, Aufrichtigen und Gerechten etwas Böses, Unaufrich­tiges und Ungerechtes.

Da nun die Art der Liebe das Leben eines jeden Men­schen in dieser Weise bestimmt, so werden alle, sobald sie nach dem Tode in die Geisterwelt gelangen, auf ihre Beschaf­fenheit hin geprüft und mit denen in Verbindung gebracht, die von der gleichen Liebe beseelt sind: Alle, bei denen es die himmlische Liebe ist, mit den Bewohnern des Himmels, und die anderen, bei denen es die fleischliche Liebe ist, mit den Bewohnern der Hölle. Sobald sie den ersten und zweiten Zu­stand durchlaufen haben, werden sie dann endgültig ge­trennt, so daß sie einander nicht mehr sehen oder erkennen. Jeder verwandelt sich nämlich in seine Liebe, nicht nur im Hinblick auf sein Gemüt, seine inneren Bereiche, sondern auch äußerlich, das heißt im Hinblick auf sein Gesicht, seinen Körper und seine Sprache. Auch äußerlich wird nämlich jeder zum Abbild seiner Liebe: Schwerfällig, dunkel, schwarz und mißgestaltet erscheinen jene, die fleischliche Liebe sind, leb­haft, strahlend, weiß und schön hingegen alle, die himmli­sche Liebe sind. Auch hinsichtlich ihrer Gesinnungen und Gedanken unterscheiden sie sich völlig voneinander. Die Ver­körperungen himmlischer Liebe sind zugleich auch einsich­tig und weise, die der fleischlichen Liebe dumm und wie vor den Kopf geschlagen.

Wenn einem erlaubt wird, Denken und Neigung der Gei­ster zu untersuchen, die von himmlischer Liebe erfüllt sind in ihren inneren und äußeren Bereichen, so erscheinen erstere als Licht, einige sogar als flammendes Licht, letztere in den mannigfaltigen schönen Farben des Regenbogens. Dagegen stellen sich die inneren Bereiche der von fleischlicher Liebe beherrschten wie etwas Schwarzes dar, weil sie verschlossen sind, und bei einigen sehen sie wie dunkle Glut aus   bei denen nämlich, die innerlich von bösartiger Hinterlist erfüllt waren. Das Äußere von allen, in denen die fleischliche Liebe herrscht, zeigt sich von schmutziger Färbung und bietet einen traurigen Anblick. (Die inneren und die äußeren Bereiche des Gemüts und der Gesinnung werden in der geistigen Welt sichtbar gemacht, so oft es dem Herrn gefällt.)

Die der fleischlichen Liebe Verfallenen nehmen vom Licht des Himmels nichts wahr; es ist für sie Finsternis. Das höllische Licht dagegen, ein Licht wie von glühenden Kohlen, ist für sie wie helles Licht. Im Lichte des Himmels verfinstert sich auch ihr inneres Sehen derart, daß sie wahnsinnig wer­den. Deshalb fliehen sie davor und verbergen sich in Höhlen und Schluchten, in einer Tiefe, die davon abhängt, wie weit sie das Falsche aus ihrem Bösen entwickelt haben. Auf der anderen Seite aber schauen die Verkörperungen der himmli­schen Liebe, je innerlicher oder höher sie ins Licht des Him­mels gelangen, alles desto heller und schöner, und desto größer ist die Einsicht und Weisheit, mit der sie die Wahrhei­ten erfassen.

Die der fleischlichen Liebe Verfallenen können in der Wärme des Himmels gar nicht leben — denn diese Wärme ist die himmlische Liebe  , wohl aber in der Wärme der Hölle, die eine Liebe zur Grausamkeit anderen gegenüber ist, die ihnen nicht geneigt sind. Geringschätzung anderer, Feindschaften, Haßausbrüche, Rache bereiten dieser Liebe Vergnügen, und wenn die Geister sich ihnen ergeben, empfinden sie das als ihr Leben und wissen überhaupt nicht, was es bedeutet, anderen Gutes zu tun aus dem Guten selbst und um des Guten willen, vielmehr nur, was es heißt, Gutes aus böser Absicht und um des Bösen willen zu tun.

Wer der fleischlichen Liebe verfallen ist, kann im Himmel auch nicht atmen; wird ein solcher böser Geist dahin ge­bracht, schnappt er nach Luft, wie jemand, der mit dem Tode kämpft. Umgekehrt aber atmen die der himmlischen Liebe Ergebenen umso freier und leben umso mehr aus der Fülle des Lebens, je mehr sie innerlich im Himmel sind. All dies führt zur Feststellung, daß die himmlische und geistige Liebe den Himmel bei den Menschen bildet, weil dieser Liebe alles Himmlische eingeschrieben ist. Ohne die himmlische und geistige Liebe stellt die fleischliche und weltliche Liebe die Hölle beim Menschen dar, weil diesen Arten der Liebe alles Höllische eingeschrieben ist. Damit liegt am Tag, daß in den Himmel kommt, wer eine himmlische oder geistige Liebe auf­weist, in die Hölle hingegen, wer statt derselben eine fleisch­liche und weltliche Liebe hegt.

*482. Viertens: Der Mensch behält seinen Glauben nicht, wenn dessen Ursprung nicht die himmlische Liebe ist. Das hat sich mir durch soviele Erfahrungen bestätigt, daß es ein ganzes Buch füllen würde, wollte ich anführen, was ich darüber gese­hen und gehört habe. Ich kann bezeugen, daß sich bei denen, die der fleischlichen und weltlichen Liebe ergeben sind, die himmlische und geistige jedoch mißachten, gar kein Glaube findet. Bei ihnen kann gar kein Glaube sein, sondern statt des­sen nur Wissen oder Überredung, daß etwas wahr sei, weil es ihrer Liebe dient. Mehrere, die den Glauben zu haben mein­ten, wurden zu wirklichen Gläubigen gebracht und mußten nun, nachdem sie mit ihnen verkehren konnten erkennen, daß sie gar keinen Glauben besaßen. Sie bekannten nachher auch, daß das bloße Für wahr halten (credere) eines Wahren oder des Wortes Gottes nicht Glaube (fides) bedeute; glauben heiße vielmehr, das Wahre aus himmlischer Liebe lieben und aus innerer Neigung wollen und tun. Es wurde mir auch ge­zeigt, daß ihre Überredung, die sie fälschlich als Glauben be­zeichneten, dem winterlichen Lichte glich, bei dem infolge der mangelnden Wärme alles auf Erden gefriert, im Eis erstarrt und unter Schnee begraben wird. Das Licht ihres Überre­dungsglaubens wird denn auch, sobald die Strahlen himmli­schen Lichtes darauf fallen, nicht allein sogleich ausgelöscht, sondern sogar in dichte Finsternis verwandelt, in der sich nie­mand erkennt. Gleichzeitig verfinstert sich dann ihr Inneres derart, daß sie überhaupt nichts mehr verstehen und schließ­lich aufgrund des Falschen wahnsinnig werden. Ihnen wird daher alles Wahre, das sie aus dem Wort und aus der Lehre der Kirche gewußt und an das sie zu glauben vorgegeben hatten, weggenommen. Stattdessen werden sie mit allem falschen vertraut gemacht, das mit dem Bösen ihres Lebens überein­stimmt. Tatsächlich werden sie alle in ihre Grundneigungen und zu gleicher Zeit in das damit übereinstimmende Falsche versetzt, und weil das Wahre dem Falschen ihres Bösen wider­spricht, entwickeln sie einen Haß darauf, verabscheuen es und stoßen es von sich. Aufgrund all meiner Erfahrungen hin­sichtlich Himmel und Hölle kann ich bezeugen, daß alle, die entsprechend der Lehre den Glauben allein bekannt hatten, im Hinblick auf ihr Leben jedoch dem Bösen ergeben waren, sich in der Hölle befinden. Ich habe gesehen, wie sie zu vielen Tausenden hinabgestürzt wurden, worüber in dem Buch „Vom Jüngsten Gericht und vom zerstörten Babylon“ berich­tet wurde.

*483. Fünftens: Die tätige Liebe ist es, die bleibt, folglich ist sie das Leben des Menschen. Das geht ebenso aus den angeführten Erfahrungsbelegen hervor wie auch daraus, was oben über die Taten und Werke dargelegt wurde. Die tätige Liebe ist das Werk und die Tat.

*484. Man muß wissen, daß alle Werke und Taten zum Be­reich des sittlichen und bürgerlichen Lebens gehören und daher nach Aufrichtigkeit und Geradheit, sowie nach Gerech­tigkeit und Billigkeit streben. Aufrichtigkeit und Geradheit be­treffen das sittliche, Gerechtigkeit und Billigkeit das bürgerli­che Leben. Die Liebe, der sie entspringen, ist entweder himm­lischer oder höllischer Natur. Werke und Taten des sittlichen und bürgerlichen Lebens sind himmlisch, wenn sie himmli­scher Liebe entspringen; denn was aus ihr geschieht, stammt vom Herrn, und was vom Herrn stammt, ist samt und sonders gut. Umgekehrt sind Taten und Werke des sittlichen und bür­gerlichen Lebens höllisch, wenn sie aus höllischer Liebe, das heißt aus der Selbst  und Weltliebe hervorgehen; was aber aus dem Menschen selbst geschieht, ist in sich samt und sonders böse. Tatsächlich ist der Mensch, an sich betrachtet oder hin­sichtlich seines Eigenen, nichts als Böses. 

*485. Bei jedem Menschen verwandeln sich nach dem Tode die Freuden des Lebens in ihre Entsprechungen.

Im vorhergehenden Abschnitt wurde gezeigt, daß die herrschende Neigung oder Liebe bei jedem Menschen in Ewig­keit fortdauert. Hier soll nun gezeigt werden, daß sich die Freu­den seiner Neigung oder Liebe in etwas Entsprechendes ver­wandeln. Sie werden nämlich in etwas Geistiges umgewandelt, das dem Natürlichen entspricht. Sie werden in Geistiges ver­wandelt, weil der Mensch, solange er in der natürlichen Welt lebt, einen irdischen Leib besitzt, dann aber, wenn er diesen Leib verläßt und in die geistige Welt kommt, einen geistigen Leib anzieht. (Die Engel besitzen die vollkommene menschli­che Form, ebenso die Menschen nach dem Tode; die Leiber, mit denen sie versehen sind, sind geistig; man vergleiche oben Nr. 73 77 und Nr. 453 460; über das Verhältnis der Entspre­chungen zwischen den geistigen und natürlichen Dingen ver­gleiche man Nr. 87 115).

*486. Alles, was dem Menschen Freude macht, hängt mit seiner herrschenden Liebe zusammen; denn als Freude emp­findet er nur, was er liebt, folglich am meisten das, was er über alles liebt. Ob man nun von der herrschenden Liebe spricht oder von dem, was der Mensch über alles liebt, es läuft auf das­selbe hinaus. Die Freuden sind von großer Vielfalt. Im allge­meinen gibt es ihrer ebensoviele wie Arten der herrschenden Liebe, ebensoviele also wie es Menschen, Geister und Engel gibt. Denn bei keinem gleicht die herrschende Liebe vollkom­men der irgendeines anderen. Aus diesem Grunde besitzt auch niemand ein völlig gleiches Gesicht wie ein anderer. Das Ge­sicht ist nämlich bei jedermann das Abbild seiner Gesinnung, und in der geistigen Welt das Abbild der herrschenden Liebe. Im einzelnen sind die Freuden eines jeden ebenfalls von un­endlicher Mannigfaltigkeit, und es findet sich bei niemandem auch nur eine Freude, die der anderen völlig gliche oder iden­tisch mit ihr wäre — das gilt für die aufeinanderfolgenden ebenso wie für die gleichzeitigen Freuden. Nicht eine einzige gleicht der anderen, und dennoch beziehen sich die Freuden bei einem jeden insbesondere auf die eine herrschende Liebe bei ihm. In der Tat setzen sie diese herrschende Liebe zusam­men und bilden so eine Einheit mit ihr. Auf Ähnliche Weise gehen auch alle Freuden insgesamt auf eine einzige, universell herrschende Liebe zurück  im Himmel auf die Liebe zum Herrn, in der Hölle auf die Liebe zu sich selbst.

*487. Nur aufgrund der Wissenschaft von den Entspre­chungen kann man erkennen, in welche Art von geistigen Freuden die natürlichen Freuden eines jeden Menschen nach dem Tode verwandelt werden. Ganz allgemein lehrt diese Wissenschaft, daß es nichts Natürliches gibt, dem nicht etwas Geistiges entspräche, und im besonderen, wie und was es ist, das damit in Entsprechung steht. Wer sich daher in dieser Wissenschaft auskennt, kann seinen Zustand nach dem Tode kennenlernen und verstehen, sofern er nur seine Liebe und ihre Beschaffenheit hinsichtlich der universellen Liebe ver­steht, auf die, wie eben gesagt wurde, alle Arten der Liebe zurückgehen.

Ihre herrschende Liebe zu erkennen, ist freilich den Menschen unmöglich, die in der Liebe zu sich befangen sind, weil sie das Ihrige lieben und ihr Böses gutheißen, wobei sie gleichzeitig das Falsche, das sie begünstigt und mit dessen Hilfe sie ihr Böses begründen, als Wahres bezeichnen. Den­noch könnten sie es, wenn sie nur wollten, von anderen erfah­ren. Diese sehen nämlich, falls sie weise sind, was die Betref­fenden selbst nicht sehen können. Doch auch das geschieht bei denen nicht, die von ihrer Selbstliebe so besessen sind, daß sie jede Belehrung weiserer Menschen zurückstoßen. Anders verhalten sich jene, die der himmlischen Liebe erge­ben sind. Sie nehmen Belehrungen an und erkennen das Böse, in das sie hineingeboren wurden, und zwar sobald sie hineinversetzt werden; sie erblicken es aus den Wahrheiten, denn diese machen das Böse offenbar. In der Tat vermag jeder aufgrund des Wahren aus dem Guten das Böse und dessen Falsches zu erkennen, umgekehrt kann aber niemand vom Bösen her das Gute und Wahre erblicken. Denn das dem Bösen entspringende Falsche ist Finsternis, und ihm ent­spricht auch die Finsternis. Deshalb gleichen alle, die dem aus Bösem entsprungenen Falschen anhangen, blinden Men­schen, die, was im Licht steht, nicht sehen, ja davor zurück­scheuen gleich den Nachteulen. Doch das dem Guten ent­springende Wahre ist Licht und entspricht auch dem Licht (vergl. oben Nr. 126 134). Menschen, die ihm anhangen, sind Sehende mit offenen Augen und wissen die Dinge des Lichts von denen zu unterscheiden, die im Schatten liegen.

Auch hierin durfte ich mich durch Erfahrungen bestär­ken. Die Engel des Himmels sehen nicht nur das Böse und Falsche, das zuweilen in ihnen aufsteigt, sondern sie empfin­den es auch, und ebenso sehen und empfinden sie das Böse und Falsche der Geister, die in der Geisterwelt mit den Höllen verbunden sind. Die Geister selbst können jedoch ihr Böses und Falsches nicht erkennen. Sie fassen nicht, was das Gute der himmlischen Liebe, das Gewissen, was Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit bedeutet  außer, wenn es zu ihren Gunsten spricht —, sie fassen nicht, was es heißt, vom Herrn geführt zu werden. Sie sagen vielmehr, dergleichen gebe es nicht, somit sei es nichts. Das alles wurde erwähnt, damit sich ein jeder prüfe und anhand seiner Freuden seine Liebe erkenne und daraus — soweit seine Erkenntnis der Entsprechungen reicht ­den Zustand seines Lebens nach dem Tode erfahre.

*488. Nun kann man zwar aufgrund der Wissenschaft von den Entsprechungen erkennen, auf welche Weise sich die Freuden des Lebens nach dem Tode bei einem jeden Men­schen in Entsprechendes verwandeln; weil aber diese Wissen­schaft noch nicht (wieder) allgemein verbreitet ist, so will ich sie durch einige Beispiele aus meiner Erfahrung bis zu einem gewissen Grade beleuchten. Alle Menschen, die vom Bösen beherrscht sind und sich gegen die Wahrheiten der Kirche im Falschen begründeten, besonders auch solche, die das Wort Gottes verworfen haben, fliehen das Licht das Himmels und stürzen sich in unterirdische Höhlen mit finster erscheinen­den Öffnungen und in Felsenklüfte, um sich darin zu verber­gen. Sie tun das, weil sie das Falsche geliebt und das Wahre ge­haßt hatten, denn solche unterirdischen Höhlen und Fel­senklüfte entsprechen dem Falschen der Finsternis, ebenso wie das Licht dem Wahren entspricht. Sich darin aufzuhalten, bereitet ihnen Behagen, Unlust dagegen, auf dem freien Felde zu sein. Ebenso verhalten sich jene, denen es Freude gemacht hatte, heimlich anderen nachzustellen und im Verborgenen Ränke zu schmieden. Auch sie halten sich in unterirdischen Höhlen auf und verkriechen sich in Gewölbe, die so dunkel sind, daß nicht einmal einer den anderen erkennt; in den Winkeln raunen sie einander in die Ohren. In solche Zustände verwandelt sich, was die Freude ihrer Liebe war. Menschen, die sich nur zum Zweck des Ruhmes ihrer Gelehrsamkeit auf die Wissenschaften geworfen, ihre Vernunft aber nicht da­durch ausgebildet und Freude am Gedächtniswissen nur des­halb gehegt hatten, weil es sie in ihrem Dünkel bestärkte, lie­ben sandige Plätze. Diese ziehen sie Feld und Garten vor, weil das Sandige solchen Studien entspricht. Menschen, die gut bewandert in den Lehrbestimmungen ihrer eigenen und an­derer Kirchen waren, aber nichts davon aufs Leben ange­wandt hatten, wählen felsige Gegenden, wo sie sich zwischen Steinhaufen aufhalten. Bebaute Gegenden fliehen sie und haben einen Abscheu davor.

Menschen wiederum, die alles der Natur oder auch der eigenen Klugheit zugeschrieben und sich durch allerlei Ränke zu Ehren aufgeschwungen und Reichtum erlangt hat­ten, verlegen sich im anderen Leben auf magische Künste, die ein Mißbrauch der göttlichen Ordnung sind, und emp­finden darin ihre höchste Lebensfreude. Menschen, die gött­liche Wahrheiten ihren eigenen Neigungen angefügt und sie damit verfälscht hatten, lieben harnartige Dinge, weil diese den Freuden einer solchen Liebe entsprechen. Andere, die von schmutzigem Geiz besessen waren, wohnen in Kel­lern und lieben den Schmutz der Schweine, ebenso den üblen Geruch, wie er aus unverdautem Mageninhalt auf­steigt. Wer bloß für das Vergnügen gelebt und dem Gaumen und Bauch gefrönt hat, weil er das als höchstes Lebensgut betrachtete, liebt im anderen Leben Exkremente und Kloa­ken. Weil derartige Vergnügungen geistigen Schmutz dar­stellen, ergötzen (erfreuen) sich derartige Geister daran; Orte, an denen es reinlich und sauber ist, meiden sie, weil sie ihnen zuwider sind. Menschen, deren Freude der Ehebruch war, halten sich in Bordellen auf, wo alles vor Schmutz und Un­flat starrt. Sie lieben diese Häuser, während sie die anständi­gen meiden, ja, wenn sie in diese geraten, fallen sie in Ohn­macht. Nichts bereitet ihnen größeres Vergnügen, als Ehen zu zerstören. Die Rachgierigen wiederum, die eine blutdür­stige und grausame Natur angenommen hatten, lieben das Leichenartige und sind auch in entsprechenden Höllen. Bei anderen verhält es sich wieder anders.

*489. Umgekehrt verwandeln sich die Lebensfreuden der Menschen, die in der Welt in himmlischer Liebe gelebt hatten, in Entsprechendes, wie es sich in den Himmeln findet, und wie es aus der Sonne des Himmels und ihrem Licht entspringt. Ihr Licht bringt aber solche Dinge zur Erscheinung, die Gött­liches in sich bergen; sie regen zugleich die mehr im Inneren befindlichen Bereiche der Engel an, die ihrem Gemüt an­gehören, wie auch die äußerlichen, die Teil ihres Leibes sind. Weil nun das göttliche Licht, nämlich das vom Herrn ausge­hende göttliche Wahre, in ihre durch himmlische Liebe auf­geschlossenen Gemüter einfließt, bringt es im Äußeren For­men zur Erscheinung, die den Freuden ihrer Liebe entspre­chen. Weiter oben wurde gezeigt, daß alles, was dem Auge im Himmel erscheint, den inneren Bereichen der Engel bzw. den Dingen entspricht, um die ihr Glaube und ihre Liebe sich bemühen, und damit in der Einsicht ihrer Weisheit ist. Man vergleiche den Abschnitt über die Vorbildungen und Erschei­nungen im Himmel (Nr. 170 176), sowie den Abschnitt über die Weisheit der Engel des Himmels (Nr. 265 275). Da ich nun einmal damit begonnen habe, diese Ausführungen durch Bei­spiele aus der Erfahrung zu beleuchten, um das zuvor aus sachlichen Gründen Gesagte zu verdeutlichen, so will ich nun auch etwas über die himmlischen Freuden herausheben, in welche die natürlichen Freuden bei denen verwandelt wer­den, die auf Erden in himmlischer Liebe leben. Alle Men­schen, die das Göttlich Wahre und das Wort aus einer inneren Neigung oder aus einer Neigung zur Wahrheit selbst geliebt haben, wohnen im anderen Leben auf Anhöhen, die wie Berge erscheinen und leben fortwährend im Licht des Him­mels. Sie wissen gar nicht, was Finsternis — etwa die irdische Nacht — ist und leben auch in einem frühlinghaften Klima. Ihren Blicken stellen sich gleichsam Äcker, Erntefelder und Weinberge dar. In ihren Häusern blitzt alles wie von Edelstei­nen; die Fenster, durch die sie hinausblicken, sind wie von rei­nem Kristall. Soweit über ihre visuellen Freuden. Doch diese sind aufgrund der Entsprechung mit Himmlisch Göttlichem zugleich auch innere Freuden, denn die von ihnen geliebten Wahrheiten aus dem Wort entsprechen den Ernten, den Weinbergen, den Edelsteinen, den Fenstern und Kristallen.

Die Engel, die aus dem Wort geschöpfte Lehren der Kir­che sofort ins Leben umgesetzt hatten, befinden sich im in­nersten Himmel und besonders in den Freuden der Weisheit. Sie erblicken in den einzelnen Dingen Göttliches, das heißt sie sehen zwar die Gegenstände, doch das diesen entspre­chende Göttliche fließt sogleich in ihre Gemüter ein, sie mit einer Seligkeit erfüllend, die alle ihre Empfindungen anregt. So kommt es, daß vor ihren Augen alles gleichsam lacht, spielt und lebt (man vergl. dazu oben Nr. 270) Bei denen, die die Wissenschaften geliebt und dadurch ihre Vernunft ausgebil­det, sich so Einsicht erworben und zugleich das Göttliche an­erkannt hatten, wird ihr Vergnügen an den Wissenschaften und ihre Lust am Vernunftgemäßen im anderen Leben in gei­stige Freuden verwandelt, nämlich in die an den Erkenntnis­sen des Guten und Wahren. Sie wohnen in Gärten, die aufs schönste in Blumenanlagen und Rasenplätze unterteilt sind, umgeben von Baumgruppen mit Bogengängen und Alleen. Die Bäume und Blumen variieren von einem Tag zum ande­ren. Der Anblick des Ganzen bereitet ihren Gemütern Freude, die durch die Variationen im einzelnen fortwährend erneuert wird. Weil aber diese Dinge Göttlichem entsprechen und sie mit der Wissenschaft der Entsprechungen vertraut sind, emp­fangen sie daraus auch stets neue Erkenntnisse, durch die ihr Geistig Vernünftiges vervollkommnet wird. Sie genießen diese Freuden, weil Gärten, Blumenanlagen, grüne Rasenflächen und Bäume den Wissenschaften, Erkenntnissen sowie den daraus resultierenden Einsichten entsprechen.

Menschen, die alles auf das Göttliche zurückführten und die Natur nur als etwas Totes betrachteten, das dem Geistigen lediglich dient, und die sich in dieser Ansicht bestärkt hatten, sind in himmlischem Licht. Alles, was ihren Augen erscheint, wird von diesem Licht her transparent, und in dieser Durch­sichtigkeit erblicken sie unzählige Wechselspiele des Lichts, die ihr inneres Auge gleichsam unmittelbar einsaugt; darin finden sie ihre innere Freude. Die Gegenstände, die in ihren Häusern sichtbar werden, sind wie von Diamant und zeigen ein ähnliches Spiel des Lichts. Man sagte mir, die Wände ihrer Häuser seien wie aus Kristall, also ebenfalls durchsichtig, und daß darin gleichsam fließende Bilder erschienen, die — eben­falls in beständigem Wechsel — Himmlisches vorbildeten. Das geschieht, weil solche Durchsichtigkeit dem vom Herrn er­leuchteten Verstand entspricht, nachdem der Schatten weg­fällt, den der Glaube an natürliche Dinge und die Liebe zu ihnen wirft. So sehen diese und noch unendlich viele andere Dinge aus, die alle, die im Himmel weilten, sagen ließen: «Wir haben Dinge geschaut, die noch kein Auge gesehen hat». Und das ihnen dadurch vermittelte Innewerden des Göttlichen ließ sie ausrufen: «Wir haben gehört, was noch kein Ohr je hörte». Menschen, die nie etwas heimlich taten, sondern alle ihre Gedanken offen darlegten, soweit das bürgerliche Leben es zuließ, haben im Himmel, weil sie aufrichtig und gerecht aus dem Göttlichen dachten, ein leuchtendes Gesicht. In die­sem Licht erscheinen auf ihrem Gesicht die einzelnen Ge­fühle und Gedanken wie im Bilde, und auch ihre Reden und Handlungen sind gleichsam Abbildungen ihrer Neigungen. Sie werden daher mehr als andere geliebt. Wenn sie reden, wird ihr Gesicht ein wenig trübe, doch wenn sie fertig sind, er­scheint alles, was sie gesprochen haben, gleichzeitig deutlich sichtbar auf ihrem Antlitz. Ebenso erscheint auch alles in ihrer Umgebung, weil es ihrem Inneren entspricht, auf eine Weise, daß die anderen deutlich wahrnehmen, was es vorbil­det und bedeutet. Geister, die Heimlichkeiten liebten, fliehen schon, wenn sie diese Engel nur von weitem erblicken, und jenen erscheint es, als ob sich die Betreffenden wie Schlangen vor ihnen verkröchen.

Menschen, die den Ehebruch für etwas Schändliches ge­halten und in keuscher ehelicher Liebe gelebt hatten, fügen sich ganz besonders in die Ordnung und Form des Himmels und stehen darum in vollkommener Schönheit und fort­währender jugendlicher Blüte. Die Wonnen ihrer Liebe sind unaussprechlich und wachsen in Ewigkeit, denn in diese Liebe strömen alle Wonnen und Freuden des Himmels ein, weil nämlich diese Liebe aus der Verbindung des Herrn mit dem Himmel und der Kirche, im allgemeinen aber aus der Verbindung des Guten und Wahren entspringt. Diese Verbin­dung ist, allgemein betrachtet, der Himmel selbst; im einzel­nen bildet sie jedoch den Himmel bei einem jeden Engel (man vergl. oben Nr. 366 386). Ihre äußeren Freuden sind mit menschlichen Worten überhaupt nicht zu beschreiben.

Doch ist es nur ein kleiner Teil, was wir hier von den Ent­sprechungen der Freuden der Engel angeführt haben, die himmlischer Liebe ergeben sind.

*490. Dem kann man entnehmen, daß sich die Freuden nach dem Tode bei allen Menschen in etwas Entsprechendes verwandeln, während die Liebe selbst in Ewigkeit bleibt. Zum Beispiel: die eheliche Liebe, die Liebe zur Gerechtigkeit und Wahrheit, zur Aufrichtigkeit, zum Guten und Wahren, die Liebe zu den Wissenschaften und Erkenntnissen, die Liebe zu Einsicht und Weisheit und andere mehr. Wie Bäche aus ihrer Quelle entspringen ihnen die Freuden und dauern daher ebenfalls fort, wenngleich auf einer höheren Stufe, nämlich vom Natürlichen zum Geistigen erhoben. 



Der erste Zustand des Menschen nach dem Tode.

*491. Der Mensch durchläuft nach dem Tode drei Zu­stände, ehe er entweder in den Himmel oder in die Hölle kommt. Im ersten Zustand ist er noch in seinem Äußerlichen, im zweiten Zustand tritt sein Inneres mehr und mehr hervor, der dritte Zustand aber besteht in seiner Vorbereitung. Der Mensch durchläuft diese Zustände in der Geisterwelt. Es gibt jedoch einige, die eine Ausnahme davon machen und unmit­telbar nach dem Tode entweder in den Himmel erhoben oder in die Hölle geworfen werden. Sogleich in den Himmel erho­ben werden die Wiedergeborenen, die bereits in der Welt auf den Himmel vorbereitet waren. Wiedergeboren und vorberei­tet, müssen sie nur noch die natürlichen Unreinigkeiten mit dem Körper zugleich abwerfen und werden dann sogleich von den Engeln in den Himmel geführt. Ich habe gesehen, wie sie in der Stunde nach ihrem Tode dahin erhoben wurden. Um­gekehrt aber werden die Menschen, die innerlich bösartig und äußerlich scheinbar gut waren, also ihre Bosheit durch Hin­terlist voll gemacht und sich des Guten aus trügerischer Ab­sicht bedient hatten, ohne Verzug in die Hölle geworfen. Ich habe das bei einigen Menschen dieser Art mit angesehen. Ein Erzbetrüger wurde mit dem Kopf nach unten und den Füßen nach oben hinabgeworfen, andere wieder auf andere Weise. Manche werden unmittelbar nach dem Tode in Höhlen ge­worfen und dadurch von den Bewohnern der Geisterwelt ab­gesondert. Sie werden abwechselnd von dort wieder heraus­gelassen und später wieder hineinversetzt. Bei ihnen handelt es sich um Menschen, die unter dem Schein des Wohlwollens bösartig an ihren Mitmenschen gehandelt hatten. Es gibt aber von den einen wie den anderen vergleichsweise wenige ge­genüber denen, die in der Geisterwelt behalten und hier nach der göttlichen Ordnung auf den Himmel oder auf die Hölle vorbereitet werden.

*492. Was nun den ersten Zustand betrifft, den Zustand in dem der Mensch noch in seinem Äußerlichen ist, so tritt er un­mittelbar nach dem Tode ein. Jeder Mensch hat in seinem Geist Bereiche, die äußerlich und die innerlich sind. Mithilfe der äußerlichen paßt er seinen Körper in der Welt, vor allem sein Gesicht, seine Redeweise und seine Gebärden dem Um­gang mit anderen Menschen an. Die inneren Bereiche aber gehören zu seinem eigenen Willen und dem daraus entsprin­genden Denken und stellen sich selten im Gesicht, in der Re­deweise und den Gebärden offen dar. Von Kindheit an ge­wöhnt sich der Mensch daran, Freundschaft, Wohlwollen und Aufrichtigkeit zur Schau zu tragen und die eigentlichen Ab­sichten seines Willens zu verbergen. Daher nimmt er äußerlich gewohnheitsmäßig ein sittlich und bürgerlich gutes Leben an, gleichgültig wie er innerlich beschaffen sein mag. Diese Ge­wohnheit hat zur Folge, daß der Mensch sein Inneres kaum kennt und auch gar nicht darauf achtet.

*493. Der erste Zustand des Menschen nach dem Tod ähnelt seinem Zustand in der Welt, weil er sich dann in ähnli­cher Weise im Äußeren befindet. Fast unverändert sind sein Gesicht, seine Ausdrucks  und Denkweise, folglich auch sein sittliches und bürgerliches Leben. Wenn er nicht darauf ach­tet, was ihm jetzt begegnet und was ihm die Engel bei seiner Auferweckung sagen, nämlich daß er Jetzt ein Geist sei, dann nimmt er an, daß er noch in der Welt lebe (vergl. Nr. 450). So setzt sich das eine Leben in das andere fort, und der Tod ist bloß ein Übergang.

*494. Weil der Geist des Menschen unmittelbar nach dem Leben auf Erden diese Beschaffenheit besitzt, erkennen ihn dann auch seine Freunde und alle, die er in der Welt gekannt hatte. Die Geister nehmen ihn nämlich nicht nur an seinem Gesicht und seiner Redeweise wahr, sondern, sobald sie ihm nahe kommen, auch an seiner Lebenssphäre. Im anderen Leben stellt sich jeder, wenn er an den anderen denkt, zu­gleich auch dessen Gesicht und anderes, für sein Leben Typi­sches vor. Wenn er das tut, wird der andere sogleich gegen­wärtig, als wenn er herbeigeholt und  gerufen worden wäre. Diese Erscheinung zeigt sich deshalb in der geistigen Welt, weil sich dort die Gedanken mitteilen und Entfernungen an­ders als in der natürlichen Welt sind (man vergl. oben Nr. 191­199). Deshalb werden alle, sobald sie in das andere Leben kommen, von ihren Freunden, Verwandten und mehr oder weniger nahe Bekannten wiedererkannt. Sie reden dann auch miteinander und tun sich zusammen, je nach ihren freund­schaftlichen Verbindungen in der Welt. Ich hörte oft, wie aus der Welt Eintreffende sich darüber freuten, ihre Freunde wie­derzusehen, und wie diese ihre Freude teilten. Es ist die Regel, daß Ehegatten wieder zusammenkommen und einander mit großer Freude begrüßen. Sie bleiben auch für längere oder kürzere Zeit beieinander, je nachdem wie groß die Freude ihres Zusammenlebens in der Welt war. Wenn aber, was sie miteinander verbunden hatte, nicht die wahrhaft eheliche Liebe war — diese Liebe ist eine Verbindung der Gemüter aus himmlischer Liebe — so trennen sie sich nach einiger Zeit des Zusammenlebens. Stimmten aber die Gemüter der Ehegatten nicht miteinander überein, hatten sie innerlich einen Wider­willen gegeneinander, so brechen sie nun in offene Feind­schaft aus und liegen miteinander im Streit. Gleichwohl tren­nen sie sich nicht eher, als bis sie in den zweiten Zustand ein­treten, von dem im Folgenden die Rede sein wird.

*495. Weil nun das Leben der neuangekommenen Geister, wie wir gesehen haben, ihrem Leben in der natürlichen Welt nicht unähnlich ist, und weil sie — abgesehen von dem, was sie aus dem Buchstabensinn des Wortes und den Predigten dar­über gelernt hatten — nichts vom Zustand ihres Lebens nach dem Tode wissen, sie sich aber doch darüber wundern, daß sie einen Leib und alle Sinne besitzen, ganz wie in der Welt, daß sie auch ähnliche Gegenstände erblicken, so möchten sie schließlich wissen, wie Himmel und Hölle beschaffen sind, und wo man sie zu suchen hat. Ihre Freunde belehren sie daher über den Zustand des ewigen Lebens und führen sie auch umher, so daß sie verschiedenartige Orte und Gesellschaften kennenlernen. Einigen werden auch Städte, Gärten und Park­anlagen gezeigt, meistens die prächtigsten, weil an ihnen das Äußere, in dem sich die Ankömmlinge noch befinden, beson­dere Freude hat. Von Zeit zu Zeit werden sie dann auch in die Gedanken zurückversetzt, die sie sich im irdischen Leben über den Zustand ihrer Seele nach dem Tode und über Himmel und Hölle gemacht hatten. Dies geht so lange, bis sie unwillig dar­über werden, daß sie in diesen Angelegenheiten so vollkom­men unwissend waren und auch die Kirche nichts davon weiß. Fast alle möchten erfahren, ob sie in den Himmel kommen werden. Die meisten von ihnen glauben, daß es geschehen werde, weil sie in der Welt sittlich und bürgerlich einwandfrei gelebt haben. Sie bedenken nicht, daß Böse wie Gute äußerlich ein ganz ähnliches Leben führen, in ähnlicher Weise anderen Gutes tun, die Kirche besuchen, die Predigt hören und beten. Sie sind sich nicht darüber klar, daß es nicht auf die äußeren Handlungen und auf den äußeren Gottesdienst ankommt, sondern auf das Innere, das das Äußere beseelt. Unter Tausen­den weiß kaum einer, was das Innere ist, und daß in ihm der Himmel und die Kirche für den Menschen enthalten ist. Nur ganz wenige wissen, daß die Beschaffenheit der äußeren Handlungen von den Absichten und Gedanken abhängt, die wiederum der Liebe und dem Glauben entspringen. Wenn man sie entsprechend belehrt, so begreifen sie nicht, daß es auf Denken und Wollen mehr ankommt, als auf das Reden und Handeln. Die meisten Menschen, die heutzutage aus der Chri­stenheit ins andere Leben eintreten, sind von dieser Art.

*496. Sie werden jedoch von guten Geistern auf ihre We­sensart hin geprüft, und zwar in verschiedener Weise, weil in diesem ersten Zustand die Bösen ebenso wie die Guten Wahres reden und Gutes tun. Der oben bereits erwähnte Grund ist folgender: Da sie als Staatsbürger unter dem Ge­setz gelebt haben, waren sie der äußeren Form nach ebenso sittlich und gut, erwarben sich dadurch den Ruf, aufrichtig und gerecht zu sein, nahmen die Menschen in sich ein und gelangten so zu Ansehen und Wohlstand. Die bösen Geister werden aber gegenüber den guten vor allem daran erkannt, daß sie begierig auf alles achten, was über äußerliche Dinge, wenig dagegen auf das, was über die inneren Dinge — über die Wahrheiten und das Gute der Kirche und des Himmels ­gelehrt wird. Sie hören das zwar an, doch nicht mit Auf­merksamkeit und Freude. Ferner sind sie daran zu erkennen, daß sie sich oft bestimmten Gegenden zuwenden und, so­bald sie sich selbst überlassen sind, die dahin führenden Wege einschlagen. Die Art der Liebe, die sie leitet, läßt sich aus ihrer Hinwendung zu bestimmten Gegenden und aus der Wahl bestimmter Wege erkennen.

*497. Alle aus der Welt ankommenden Geister stehen zwar in Verbindung mit einer bestimmten Gesellschaft im Himmel oder in der Hölle, aber das gilt nur für ihre inneren Bereiche. Diese jedoch sind niemandem zugänglich, solange die Betref­fenden in ihrem Äußeren sind. Das Äußere verdeckt und ver­birgt nämlich das Innere, besonders bei denen, deren Böses von einer innerlicheren Art ist. Wenn sie aber später in den zweiten Zustand kommen, tritt es offen zutage, weil dann ihre mehr im Inneren befindlichen Bereiche aufgeschlossen und die mehr äußeren eingeschläfert werden.

*498. Dieser erste Zustand nach dem Tode dauert bei eini­gen Menschen mehrere Tage, bei anderen mehrere Monate und wieder bei anderen ein Jahr lang. Die Unterschiede beru­hen darauf, wie weit die innerlichen und die äußerlichen Be­reiche bei den einzelnen Menschen übereinstimmen oder nicht. Sie müssen nämlich bei jedem eine Einheit bilden und einander entsprechen. In der geistigen Welt darf niemand an­ders denken und wollen, als er redet und handelt. Jeder muß dort das Abbild seiner Neigung oder Liebe sein. Wie er daher in seinen inneren Regionen ist, so muß er auch in den äuße­ren sein. Deshalb werden die äußeren Bereiche des Geistes zuerst aufgedeckt und in Ordnung gebracht, damit sie den in­neren als entsprechende Grundlage dienen können. 



Der zweite Zustand des Menschen nach dem Tode.

*499. Der zweite Zustand des Menschen nach dem Tode betrifft den Zustand seines Inneren, weil er dann in die mehr im Inneren befindlichen, seinem Gemüt bzw. seinem Wollen und Denken zugehörigen Bereiche versetzt und die äußerli­chen, die in seinem ersten Zustand vorherrschten, einge­schläfert werden. Wer auf das Leben des Menschen, seine Re­deweise und Handlungen achtet, kann erkennen, daß sich bei jedem Innerliches und Äußerliches oder mehr äußerliche und mehr innerliche Gedanken und Absichten finden. Die Er­kenntnis gründet sich auf folgende Tatsachen: Wer im bürger­lichen Leben steht, beurteilt zwar andere danach, was er entweder durch Gerücht oder persönlichen Umgang von ihnen gehört und erfahren hat, aber wenn er mit ihnen redet, läßt er sie es nicht merken; obwohl sie schlecht sein mögen, be­nimmt er sich ihnen gegenüber doch höflich. Diese Verhal­tensweise ist besonders von den Schwindlern und Schmeich­lern bekannt, die ganz anders reden und handeln, als sie den­ken und wollen. Ebenso verhalten sich die Heuchler, die über Gott, den Himmel, das Seelenheil, die Wahrheiten der Kirche, das Wohl des Vaterlandes und den Nächsten reden, als ob Glaube und Liebe sie beseelten, im Herzen aber etwas ganz anderes glauben und sich allein lieben. Dies alles zeigt, daß es ein doppeltes Denken gibt, ein äußerliches und ein innerli­ches, und daß die Genannten aus dem Äußeren heraus reden, wobei sie in ihrem Inneren ganz andere Gedanken hegen. Ebenso besteht eine Trennung zwischen diesen beiden Arten; von Gedanken, hütet man sich doch, daß ja der innere nicht in den äußeren einfließt und irgendwie zum Vorschein kommt. Und doch ist der Mensch von der Schöpfung her so angelegt, daß sein inneres Denken aufgrund der Entspre­chung in Einklang wirken soll mit dem äußeren. Bei guten Menschen, ist das auch tatsächlich der Fall; sie denken und reden nur Gutes. Anders bei den Bösen; ihr inneres Denken wirkt nicht im Einklang mit dem äußeren, sie denken Böses und reden Gutes. Bei ihnen ist also die Ordnung umgekehrt, das Gute ist außerhalb und das Böse innerhalb. So herrscht bei ihnen das Böse über das Gute und unterwirft es sich wie einen Knecht, damit es ihm als Mittel zur Erreichung seines ei­gentlichen Endzwecks diene, der das Ziel seiner Liebe ist. Weil dieser Endzweck im Guten liegt, das sie reden und tun, so ist offensichtlich ihr Gutes nicht gut, sondern vom Bösen infi­ziert, wie sehr es auch seiner äußeren Form nach in den Augen derer, die die inneren Dinge nicht kennen, als etwas Gutes er­scheinen mag.

Anders liegen die Dinge bei denen, die dem Guten erge­ben sind. Bei ihnen ist die Ordnung nicht verkehrt, vielmehr fließt das Gute aus ihrem inneren Denken in das äußere und so in Rede und Handlungen ein. Das ist die Ordnung, in die der Mensch hineingeschaffen wurde. Auf diese Weise sind ihre in­neren Regionen dem Himmel und dem dort herrschenden Licht verbunden. Und da das Licht des Himmels das Göttlich ­Wahre ist, das vom Herrn ausgeht, also (wie in Nr. 126 140 ge­zeigt wurde) der Herr im Himmel ist, so werden sie von ihm ge­führt. Diese Dinge wurden erwähnt, damit man wisse, daß jeder Mensch ein innerliches und ein äußerliches Denken be­sitzt, die von einander zu unterscheiden sind. Wenn vom Den­ken gesprochen wird, so ist zugleich auch der Wille gemeint, stammt doch das Denken aus dem Willen, da niemand ohne den Willen zu denken vermag. Damit liegt am Tag, was unter dem Zustand der äußeren und dem Zustand der mehr im In­neren liegenden Bereiche des Menschen zu verstehen ist.

*500. Wenn wir vom Willen und Denken sprechen, so mei­nen wir mit dem Willen zugleich die Neigung und Liebe, sowie alle Freude und Lust, die mit ihnen zusammenhängen, weil diese sich auf den Willen als ihren Träger beziehen. Denn was der Mensch will, das liebt und empfindet er als angenehm und erfreulich. Umgekehrt, was der Mensch liebt und als ange­nehm und erfreulich empfindet, das will er auch. Mit dem Denken meinen wir dann aber auch all das, wodurch der Mensch seine Neigung oder Liebe begründet. Das Denken ist nämlich nichts anderes, als die Form des Willens oder ein Mit­tel, durch das etwas, das der Mensch will, ans Licht tritt. Diese Form beruht auf verschiedenen vernunftgemäßen Analysen, die ihren Ursprung aus der geistigen Welt ableiten und ei­gentümlich für den Geist des Menschen sind.

*501. Man muß wissen, daß der Mensch ganz und gar so ist, wie er im Hinblick auf sein Inneres beschaffen ist, nicht aber so, wie er hinsichtlich der davon getrennten äußeren Be­reiche erscheint. Dies beruht darauf, daß seine inneren Be­reiche seinen Geist bilden, das Leben des Menschen aber das Leben seines Geistes ist; denn aus dem Geist lebt der Körper. Deshalb bleibt der Mensch auch in Ewigkeit so, wie er im Hin­blick auf seine inneren Bereiche beschaffen ist. Die äußeren Bereiche aber werden nach dem Tode abgetrennt, weil sie auch zum Körper gehören, und was davon mit dem Geist zu­sammenhängt, wird eingeschläfert und dient den inneren Bereichen nur noch als Grundlage, wie oben gezeigt wurde, als von dem den Tod überdauernden Gedächtnis des Men­schen gesprochen wurde. Daraus geht hervor, worin das Ei­gene des Menschen wirklich besteht, und worin nicht. Bei den Bösen ist weder das, was zum äußerlichen Denken gehört, aus dem heraus sie reden, ihr Eigenes, noch was zum äußerlichen Wollen gehört, aus dem heraus sie handeln. Ihr Eigenes besteht vielmehr in dem, was ihr inneres Denken und Wollen ausmacht.

*502. Nachdem der erste Zustand durchlaufen ist — der Zu­stand des Äußerlichen, von dem das vorige Kapitel berichtete —, wird der Geist in den Zustand seiner inneren Bereiche bzw. seines inneren Wollens und des daraus hervorgehenden Den­kens versetzt. ein Zustand, in dem er auch in der Welt war, wenn er, sich selbst überlassen, frei und ungebunden dachte. Er verfällt unbewußt in diesen Zustand, wenn er das der Rede dienende Denken abschaltet und sich in sich selbst zurück­zieht und dort in seinem eigentlichen Leben ruht; denn frei denken aus eigener Neigung ist das eigentliche Leben des Menschen und ist er selbst.

*503. In diesem Zustand denkt der Geist aus seinem ei­gentlichen Willen, folglich aus seiner eigentlichen Neigung bzw. seiner eigentlichen Liebe. Sein Denken bildet dann eine Einheit mit seinem Wollen und zwar so sehr, daß er kaum zu denken, sondern nur zu wollen scheint. Beinahe ebenso ver­hält es sich, wenn er spricht, nur mit dem Unterschied, daß er dabei eine gewisse Furcht hat, die Gedanken seines Wollens könnten nackt zum Vorschein kommen. Diese Furcht war auf­grund der bürgerlichen Verhältnisse auf Erden zu einem Teil seines Willens geworden.

*504. Alle Menschen, soviel ihrer auch sind, werden nach dem Tode in diesen Zustand versetzt, weil er dem Zustand ihres Geistes gemäß ist. Der vorhergehende Zustand bildet sich im Geist des Menschen heraus, wenn er in Gesellschaft lebt, ist aber nicht der ihm eigene. Aus verschiedenen Überle­gungen ergibt sich, daß dieser Zustand, in den der Mensch zu­erst nach dem Tode eintritt und in dem bei ihm sein Äußeres dominiert — davon handelte das vorige Kapitel — nicht sein ei­gentliches Wesen bildet, z.B. ergibt es sich daraus, daß die Gei­ster aus ihrer Neigung heraus nicht nur denken, sondern auch reden, weil ihre Sprache, wie man im Kapitel über die Sprache der Engel (Nr. 234 245) dargelegt finden kann, auf ihrer Nei­gung beruht. In ähnlicher Weise dachte auch der Mensch in der Welt, wenn er in sich versunken war. Denn in diesem Au­genblick beruhten seine Gedanken nicht auf der Grundlage seiner physischen Sprache, sondern beachteten nur die Dinge selbst, und so in einer Minute mehr, als er hernach in einer hal­ben Stunde aussprechen konnte. Auch aus dem Folgenden geht hervor, daß der Zustand seines äußeren Wesens nicht der dem Menschen bzw. seinem Geist eigentümliche ist: Wenn er in der Welt Umgang mit anderen hat, so richtet er sich nach den Gesetzen des moralischen und bürgerlichen Lebens, wobei dann sein inneres Denken das äußere überwacht, ähn­lich wie ein Mensch den anderen kontrolliert, damit es nicht die Grenze des Anstandes und der Ehre überschreitet. Ebenso ergibt es sich daraus, daß der Mensch bei sich selbst auch daran denkt, wie er reden und handeln muß, um zu gefallen und Freundschaft, Wohlwollen und Ansehen zu gewinnen. Dies geschieht auf äußerliche Weise, das heißt anders, als wenn es aus dem ihm eigentümlichen Willen heraus erfolgte. Damit ist klar, daß der Zustand der inneren Bereiche, in den der Geist versetzt wird, sein eigentliches Wesen ist, ihm also auch zugehörte, als er noch in der Welt lebte.

*505. Sobald der Geist in den Zustand gelangt, in dem sich seine inneren Bereiche befinden, liegt offen zutage, was für ein Mensch er innerlich auf Erden war. Dann handelt er nämlich aus seinem eigentlichen Wesen heraus. Wer in der Welt inner­lich dem Guten ergeben war, der handelt dann vernünftig und weise, ja noch weiser als in der Welt, weil er jetzt vom Körper und damit zugleich auch von den irdischen Dingen entbun­den ist, die etwas wie eine Verdunkelung, ähnlich einer vor­beiziehenden Wolke, bewirkt hatten. Doch wer in der Welt dem Bösen ergeben war, handelt dann unverständig und un­vernünftig, ja noch unvernünftiger als in der Welt, weil er jetzt frei und uneingeschränkt ist. Solange er in der Welt lebte, ver­hielt er sich nämlich in äußeren Dingen vernünftig, weil er da­durch als vernünftiger Mensch gelten konnte. Sobald daher diese äußeren Dinge fortfallen, werden seine Tollheiten offen­bar. Der Böse, der nach außen hin den guten Menschen spielt, läßt sich mit einem äußerlich glänzenden, fein polierten und verhüllten Gefäß vergleichen, in dem alle Arten von Unrat ver­borgen sind, gemäß dem Ausspruch des Henn:

„Ihr seid gleich übertünchten Gräbern, die von außen schön erscheinen, inwendig aber voller Totengebeine und aller Un­reinheit sind“. (Matth. 23,27)

*506. Alle Menschen, die ihr Leben in der Welt dem Guten gewidmet und nach ihrem Gewissen gehandelt haben — und das sind die Menschen, die etwas Göttliches anerkannt und göttliche Wahrheiten geliebt, sie aber vor allem im Leben an­gewandt hatten — empfinden, wenn sie in den Zustand ihrer in­neren Bereiche versetzt werden, ein Gefühl, als ob sie vom Schlaf erwachten oder aus dem Schatten ins Licht träten. Sie denken auch aus dem himmlischen Licht, folglich aus tieferer Weisheit, und handeln aus dem Guten, folglich aus tieferer Neigung. Auch wirkt der Himmel mit einer inneren Seligkeit und Lust in ihre Gedanken und Neigungen ein, von der sie früher nichts ahnen konnten, befinden sie sich doch nun in Gemeinschaft mit den Engeln des Himmels. Ihre Anerken­nung des Herrn verbindet sich dann mit einer Verehrung, die ihrem eigensten Leben entspringt; denn in ihrem eigentlichen Leben sind sie ja, wie oben Nr. 505 gezeigt wurde, wenn sie im Zustand ihres Inneren sind. Nun erkennen sie den Herrn an und verehren ihn in Freiheit, denn die Freiheit ist mit der tiefe­ren Neigung verbunden. Zugleich treten sie von aller äußeren Heiligkeit zurück und gelangen zu einer inneren Heiligkeit, welche die Grundlage des eigentlichen Gottesdienstes bildet. So sieht der Zustand derer aus, die nach den Geboten des gött­lichen Wortes ein christliches Leben geführt haben.

Völlig entgegengesetzt ist aber der Zustand der Geister, deren irdisches Leben böse war, und die in ihrer Gewissenlo­sigkeit das Göttliche geleugnet haben. Denn alle, deren Leben böse ist, leugnen innerlich das Göttliche, wie sehr sie auch äußerlich glauben mögen, daß sie es nicht leugnen, sondern anerkennen, denn die Anerkennung des Göttlichen und ein böses Leben sind einander ausschließende Ge­gensätze. Wenn solche Menschen im anderen Leben in den Zustand ihrer inneren Bereiche eintreten und man sie reden hört und handeln sieht, erscheinen sie wie Narren. Denn auf­grund ihrer bösen Begierden gehen sie plötzlich zu Schand­taten über, zur Geringschätzung anderer, zu Verhöhnungen und Lästerungen, zu Haßausbrüchen, Racheakten und zum Ränkeschmieden. Einige von ihnen treiben das mit solcher Arglist und Bosheit, daß man kaum glauben kann, derglei­chen sei im Inneren eines Menschen verborgen gewesen. Tatsächlich befinden sie sich nun in einem Zustand, in dem sie sich frei fühlen, die Gedanken ihres Willens in die Tat um­zusetzen, weil die äußeren Bedingungen fortfallen, die sie in der Welt gezügelt und gebremst hatten. Mit einem Wort: sie sind der Vernunft beraubt, weil die Fähigkeit dazu in der Welt nicht ihrem Inneren, sondern nur ihrem Äußeren inne­wohnte. Sich selbst erscheinen sie zwar immer noch weiser als andere.

Weil sie sich in ihrem zweiten Zustand in dieser Weise zeigen, werden sie zur Abwechslung kurze Zeit in ihren äußer­lichen Zustand und damit in die Erinnerung an die Handlun­gen zurückversetzt, die sie in ihrem innerlichen Zustand begangen hatten. Einige schämen sich dann und sehen ein, daß sie wahnsinnig waren, andere schämen sich nicht, und wieder andere sind unwillig, daß ihnen nicht erlaubt wird, in ihrem äußeren Zustand zu bleiben. Den zuletzt Genannten wird jedoch gezeigt, wie sie sich benehmen würden, wenn sie unausgesetzt in diesem Zustand blieben, nämlich daß sie heimlich auf ähnliche Tücke sinnen und Menschen einfälti­gen Herzens und Glaubens durch den Schein von Güte, Auf­richtigkeit und Gerechtigkeit verführen und auch sich selbst vollends zugrunde richten würden. Denn ihre mehr äußeren Bereiche würden zuletzt ebenso entflammt werden wie die inneren, und dann würde ihr ganzes Leben zerstört werden.

*507. In diesem zweiten Zustand erscheinen die Geister ganz so, wie sie innerlich auf Erden waren, und es kommt auch an den Tag, was sie im Verborgenen getan und gesprochen hat­ten. Da nun Äußeres nicht mehr in Schranken hält, reden sie in aller Offenheit über diese Dinge, versuchen auch Ähnliches zu tun und fürchten nicht mehr, wie in der Welt, den bösen Leu­mund. Um sie den Engeln und guten Geistern so vorzuführen, wie sie wirklich sind, werden sie auch in verschiedene Zu­stände ihres Bösen versetzt. Auf diese Weise wird Verborgenes geöffnet und das Heimliche aufgedeckt, nach den Worten des Herrn im Evangelium des Lukas:

„Nichts ist zugedeckt, das nicht enthüllt, und nichts verbor­gen, das nicht erkannt werden wird. Was ihr im Finstern gesagt habt, das wird man im Licht hören, und was ihr in den Gemächern ins Ohr geredet, das wird man auf den Dächern verkündigen“. (Luk.12,2 f)

Und an anderer Stelle: „Ich sage euch, daß die Menschen von jedem unnützen Wort, das sie geredet haben, werden Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts“. (Matth.12,36)

*508. Wie sich die Bösen in diesem Zustand verhalten, läßt sich nicht in Kürze beschreiben, denn jedermanns Wahnsinn richtet sich nach seinen eigenen Begierden, diese aber sind un­terschiedlicher Art. Ich will deshalb nur einzelne Fälle an­führen, von denen man auf die übrigen schließen kann. Men­schen, die sich selbst über alles geliebt und bei ihren Pflichten und Funktionen nur auf ihre eigene Ehre aus waren, Nutzen nicht um des Nutzens willen geleistet und daran ihre Freude hatten, sondern nur um des eigenen Ansehens willen liebten, als Mittel zu dem Zweck, bedeutender als andere zu erschei­nen — Menschen also, deren Freude der Ruhm ihrer eigenen Ehre war —, sind im zweiten Zustand dummer als die übrigen. Soweit nämlich jemand sich selbst liebt, entfernt er sich auch vom Himmel und damit von der Weisheit. Menschen aber, deren Selbstsucht mit Schlauheit verbunden war und die sich durch List zu Stellungen von hohem Ansehen emporgearbei­tet hatten, gesellen sich zu den allerschlimmsten und erlernen von ihnen magische Künste, die auf einem Mißbrauch der Göttlichen Ordnung beruhen und von ihnen zur Herausforde­rung und Beunruhigung aller benutzt werden, die ihnen die Ehre verweigern. Sie hecken Anschläge aus, nähren den Haß, brennen von Rachgier und brechen in Wut aus gegen alle, die sich ihnen nicht unterordnen. In all das stürzen sie sich so tief hinein, wie der bösartige Mob ihnen Beifall spendet. Schließ­lich gehen sie sogar mit dem Gedanken um, in den Himmel aufzusteigen, um ihn zu zerstören oder um darin als Götter an­gebetet zu werden. So weit treibt sie ihr Wahnsinn. Die ehe­maligen Katholiken unter ihnen sind noch wahnsinniger als die übrigen. Sie tragen sich sogar mit dem Gedanken, sie hät­ten Gewalt über Himmel und Hölle und könnten nach Belie­ben Sünden vergeben; sie maßen sich alles Göttliche an und nennen sich Christus. Diese Überzeugung von sich selbst ist so stark, daß sie dort, wo sie eindringt, die Geister verwirrt und in schmerzliche Finsternis stürzt. Sie verhalten sich praktisch in beiden Zuständen gleich, im zweiten jedoch ohne alle Ver­nunft. Ihr Wahnsinn und ihr Schicksal nach Vollendung dieses Zustands wird in dem kleinen Werk „Vom Jüngsten Gericht und dem zerstörten Babylon“ mehr im einzelnen beschrieben. Menschen, die die Schöpfung nur auf die Natur zurück­geführt haben und daher, wenn auch nicht mit dem Munde, so doch im Herzen das Göttliche und damit auch die Belange der Kirche und des Himmels geleugnet hatten, gesellen sich in die­sem Zustand zu den ihnen ähnlichen. Sie bezeichnen jeden als Gott, der sich durch besondere Schlauheit hervortut, und er­weisen ihm auch göttliche Ehren. Ich habe gesehen, wie sie in einer Zusammenkunft einen Magier anbeteten und über die Natur um Rat fragten, wobei sie sich so albern benahmen, als seien sie unvernünftige Tiere in Menschengestalt. Unter ihnen waren auch einige, die in der Welt hohe Stellungen eingenom­men hatten und andere, die dort als Gelehrte und Weise gal­ten. So gibt es unter ihnen die verschiedensten Arten. Man kann aber von hier aus auf das Wesen der Menschen schließen, bei denen die inneren Bereiche des Gemüts für den Himmel verschlossen sind. Das ist bei allen der Fall, die gar keinen Ein­fluß aus dem Himmel aufnehmen, der ja durch Anerkennung des Göttlichen und ein Leben des Glaubens zustande kommt. Jeder kann selbst beurteilen, wie er sich entwickeln würde, wenn er ein solcher Mensch wäre und er handeln könnte, ohne Furcht vor dem Gesetz oder Gefahr für sein Leben, ohne alle äußeren Bande, wie die Angst, Schaden an seinem guten Ruf und seiner Ehre zu nehmen oder des Einkommens und der damit gegebenen Vergnügungen beraubt zu werden.

Und doch wird ihr Wahnsinn vom Herrn jederzeit in Schranken gehalten, damit er nicht die nützlichen Grenzen übersteigt; denn immerhin erfüllt noch jeder von ihnen einen Nutzen. Die guten Geister erkennen an ihrem Beispiel, was das Böse und wie es beschaffen ist, und was der Mensch ist, wenn er nicht vom Herrn geführt wird. Ein weiterer Nutzen besteht darin, daß durch sie die Bösen ähnlichen Wesens gesammelt und von den Guten getrennt werden. Auch ist es nützlich, daß den Bösen das Wahre und Gute, das sie äußerlich gezeigt und vorgetäuscht hatten, entzogen wird und sie nun in das Böse ihres Lebens und in das damit zusammenhängende Falsche versetzt und so für die Hölle vorbereitet werden.

Es kommt nämlich niemand in die Hölle, ehe er in sei­nem Bösen und in dem damit zusammenhängenden Fal­schen ist, weil niemand ein geteiltes Gemüt haben, das heißt anders denken und reden darf als den Zielen seines Willens entspricht. Jeder Böse dort wird auch das Falsche aus dem Bösen denken und aus dem Falschen des Bösen heraus reden, und zwar beides weil er es will, folglich aus seiner eigensten Liebe und deren Freude und Lust — ganz wie auf Erden, wenn er bei sich in seinem Geist Gedanken hegte, das heißt seiner inneren Neigung entsprechend dachte. Die Ursache dafür liegt darin, daß der Wille, nicht aber das Denken der Mensch selbst ist, das Denken nur soweit es etwas vom Willen an sich hat. Der Wille aber ist die eigentliche Natur oder Anlage des Menschen. In seinen Willen zurückversetzt zu werden bedeu­tet daher soviel, als in seine Natur oder Anlage oder auch in sein Leben zurückversetzt zu werden. Durch das Leben näm­lich versieht sich der Mensch mit einem Wesen, und er bleibt nach dem Tode in dem, was er sich durch sein Leben in der Welt erworben hat. Bei den Bösen kann es nicht mehr auf dem Wege des Denkens oder Verstehens der Wahrheit gebessert und verändert werden.

*509. In diesem zweiten Zustand werden die bösen Geister häufig und schwer gestraft, weil sie sich in alle Arten des Bösen stürzen. Es gibt in der Geisterwelt die verschiedensten Stra­fen, und es gilt kein Ansehen der Person  gleichgültig ob einer in der Welt ein König oder ein Knecht gewesen ist. Jedes Böse führt seine Strafe mit sich, beide sind untrennbar miteinander verknüpft. Wer daher dem Bösen erliegt, verfällt auch der Strafe des Bösen. Und doch wird dort niemand für das Schlechte gestraft, das er in der Welt getan hat, sondern für das Böse, das er gegenwärtig tut. Es läuft nämlich auf dasselbe hinaus, ob man sagt, sie büßen nun für das Böse, das sie in der Welt verübt haben, oder für das Böse, das sie im anderen Leben tun: Jeder kehrt nämlich nach dem Tode wieder zu sei­nem Leben und damit auch zu seinem Bösen zurück, das heißt jeder ist so, wie er im physischen Leben beschaffen war (man vergl. Nr. 470 484). Bestraft werden sie aber, weil in die­sem Zustand Furcht vor Strafe das einzige Mittel ist, um das Böse zu zähmen. Weder Ermahnung noch Belehrung oder Furcht vor dem Gesetz und dem üblen Ruf vermag mehr zu zügeln — der Mensch handelt jetzt aus seinem Wesen heraus, das nicht anders in Schranken gehalten oder gebrochen wer­den kann, als durch Strafen.

Die guten Geister dagegen werden niemals gestraft, obgleich auch sie in der Welt Böses getan haben. Es wurde mir auch zu wissen gegeben, daß ihr Böses von anderer Art oder Natur war, und daß es deshalb nicht zurückkehrt. Sie haben nämlich nicht absichtlich gegen das Wahre gehandelt, sondern nur aus einem von den Eltern ererbten bösen Her­zen, zu dessen Neigungen sie sich aus blinder Lust fortreißen ließen, wenn sie sich den vom Inneren getrennten Äußerlich­keiten hingaben.

*510. Jeder kommt zu der Gesellschaft, zu der sein Geist be­reits in der Welt gehört hatte. In der Tat ist der Geist jedes Men­schen mit irgendeiner höllischen oder himmlischen Gesell­schaft verbunden, der böse mit einer höllischen, der gute mit einer himmlischen. Über die Rückkehr jedes Geistes zu seiner Gesellschaft nach dem Tode vergleiche man Nr. 438. Sein Geist wird nach und nach dort hingeführt, und schließlich tritt er ihr bei. Wenn ein böser Geist in den Zustand seines Inneren ge­langt, wird er stufenweise seiner Gesellschaft zugewendet, und schließlich endgültig, noch ehe dieser Zustand beendet ist. Ist das aber geschehen, so stürzt sich der böse Geist von selbst in die Hölle, wo sich die ihm Ähnlichen aufhalten. Dieser Höllen­sturz zeigt sich dem Auge, als ob jemand rücklings den Kopf nach unten und die Füße nach oben, hinabfiele. Es sieht so aus, weil die Ordnung, in der der Betreffende lebt, auf den Kopf gestellt ist, hatte er doch die höllischen Dinge geliebt und die himmlischen verworfen. Einige Böse betreten und verlassen abwechselnd wieder die Höllen, solange sie in diesem zweiten Zustand sind. Bei ihnen sieht es dann aber nicht so aus, als fie­len sie rücklings hinab, wie das der Fall ist, wenn sie völlig ver­ödet sind. Die Gesellschaft selbst, zu der sie im Geist schon in der Welt gehört hatten, wird ihnen bereits gezeigt, wenn sie noch im Zustand ihres Äußerlichen sind. Sie sollen daraus er­kennen, daß sie sich bereits während ihres physischen Lebens in der Hölle befanden, zwar nicht im gleichen Zustand wie die Höllischen selbst, sondern wie Angehörige der Geisterwelt. Über den Zustand der letzteren gegenüber dem der Höllischen wird im Folgenden die Rede sein.

*511. Die Trennung der bösen Geister von den guten ge­schieht in diesem zweiten Zustand, denn im ersten sind sie noch beisammen. Solange nämlich der Geist noch in seinen äußeren Zuständen lebt, verhält er sich so, wie er in der Welt war; folglich lebt der Böse noch beim Guten und der Gute beim Bösen. Das ändert sich erst, wenn er in sein Inneres ver­setzt und seinem Wesen oder seinem Willen überlassen wird. Die Scheidung der Guten von den Bösen wird auf vielfältige Weise bewirkt, gewöhnlich dadurch, daß die Geister zu den Gesellschaften gebracht werden, bei denen sie aufgrund ihres äußeren Scheins den Glauben erweckt hatten, sie seien nicht böse. Man führt sie in einem weiten Kreis umher, um sie über­all den guten Geistern so vorzustellen, wie sie in sich selbst beschaffen sind. Bei ihrem Anblick wenden sich dann die guten Geister ab, und indem sie es tun, wenden auch die bösen Geister, die umhergeführt werden, ihr Antlitz von den guten ab der Gegend zu, in der sich ihre höllische Gesellschaft befindet, bei der ihre Bestimmung liegt. Über andere Arten der Trennung, deren es viele gibt, möchte ich schweigen. 



Der dritte Zustand des Menschen nach dem Tod, der eine Unterweisung  für die ist, die in den Himmel kommen.

*512. Der dritte Zustand des Menschen bzw. seines Geistes nach dem Tode ist der der Unterweisung. Er gilt jedoch nur für die, die in den Himmel kommen und zu Engeln werden, nicht für die in die Hölle Kommenden; denn diese können nicht un­terrichtet werden. Der zweite Zustand bei ihnen ist daher zugleich auch der dritte und führt schließlich dahin, daß sie sich ganz und gar ihrer höllischen Gesellschaft zuwenden, die in einer ähnlichen Liebe steht. Sobald das geschehen ist, wollen und denken sie aus dieser Liebe, und da sie höllisch ist, wollen sie nichts als Böses und denken nichts als Falsches. Darin fin­den sie ihr Vergnügen, weil es zu ihrer Liebe gehört. Infolgedes­sen verwerfen sie alles Gute und Wahre, das sie früher ange­nommen hatten, weil es ihrer Liebe nur als Mittel gedient hatte.

Die guten Geister hingegen werden vom zweiten Zustand noch zu einem dritten geführt, in dem sie durch Unterricht für den Himmel vorbereitet werden. Jeder Geist kann lediglich durch Kenntnisse des Guten und Wahren, mithin durch Unter­weisung für den Himmel vorbereitet werden; denn niemand kann ohne Unterricht wissen, worin das geistig Gute und Wahre und dessen Gegensatz, das Böse und Falsche, besteht. In der Welt kann man wissen, wie das Gute und Wahre auf der bür­gerlichen und moralischen Ebene aussieht, die sogenannte Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit, denn hier gibt es bürgerliche Gesetze, die lehren, was gerecht ist. Auch lernt der Mensch in der Gemeinschaft, nach sittlichen Gesetzen zu leben, die sich alle auf das beziehen, was ehrlich und recht ist. Was aber auf der geistigen Ebene gut und wahr ist, lernt man nicht auf Erden, sondern im Himmel. Man kann diese Gesetzmäßigkei­ten zwar aus dem Wort und der dem Wort entnommenen Lehre der Kirche wissen, sie können aber nicht ins Leben des Menschen eindringen, wenn er nicht inbezug auf seine inner­licheren Gemütsbereiche dem Himmel angehört. Der Mensch ist im Himmel, wenn er das Göttliche anerkennt und zugleich gerecht und aufrichtig handelt, weil es so im Wort geboten ist. Auf diese Weise lebt er gerecht und aufrichtig um des Göttli­chen willen, nicht aber um seiner selbst und der Welt, als der von ihm eigentlich verfolgten Zwecke willen.

So zu handeln vermag jedoch niemand, ohne zuvor un­terrichtet worden zu sein, zum Beispiel über die Existenz Got­tes, über Himmel und Hölle, das Leben nach dem Tode, sowie darüber, daß man Gott über alles, den Nächsten aber wie sich selbst lieben und glauben soll, was im Wort geschrieben steht, weil das Wort göttlich ist. Der Mensch kann nicht geistig den­ken, solange er diese Dinge weder kennt noch anerkennt, und ohne Nachdenken darüber kann er sie auch nicht wollen; denn was der Mensch nicht weiß, darüber kann er auch nicht nachdenken, und was er nicht denkt, das kann er nicht wol­len. Will er die genannten Dinge, so fließt der Himmel, das heißt der Herr durch den Himmel in das Leben des betreffen­den Menschen ein; denn er fließt zunächst in den Willen, dann durch den Willen ins Denken und schließlich durch beide ins Leben ein, und daher kommt dem Menschen all sein Leben. Damit ist klar, daß man das geistig Gute und Wahre nicht aus der Welt, sondern aus dem Himmel lernt und jeder nur durch entsprechenden Unterricht auf den Himmel vorbereitet werden kann.

Der Herr lehrt auch den Menschen, soweit er in sein Leben einfließt; denn dann entzündet er im Willen die Liebe zu wissen was wahr ist, und erleuchtet das Denken, daß es das Wahre erkennt. Im selben Maße werden auch die innerli­cheren Bereiche des Menschen aufgeschlossen und ihm der Himmel eingepflanzt, ja mehr noch, im selben Maße vermag das Göttliche und Himmlische in all das einzuströmen, was in seinem sittlichen Leben aufrichtig und in seinem bürgerli­chen Leben gerecht war. So werden diese Bereiche geistig, da der Mensch dann aus dem Göttlichen, das heißt um des Gött­lichen willen, handelt. Denn schließlich ist all das, was der Mensch aus diesem Grunde an Aufrichtigkeit und Gerechtig­keit in seinem moralischen und bürgerlichen Leben verwirk­licht, die eigentliche Auswirkung des geistigen Lebens. Die Auswirkung entnimmt aber alles, was zu ihr gehört, ihrer Ur­sache, denn deren Wesen entscheidet.

*513. Der Unterricht wird durch Engel mehrerer Gesell­schaften erteilt, vor allem durch die Bewohner der nördlichen und südlichen Gegend. Diese Engelgesellschaften haben nämlich auf Grund ihrer Kenntnis des Guten und Wahren Einsicht und Weisheit. Die Orte, an denen der Unterricht erteilt wird, liegen gegen Norden und sind sehr verschieden ge­ordnet und abgeteilt, je nach den Gattungen und Arten des himmlischen Guten, so daß dort alle ohne Ausnahme je nach ihrer Anlage und Empfänglichkeit Belehrung empfangen können. Diese Orte dehnen sich nach allen Seiten in weitem Umkreis aus. Hierher bringt der Herr die guten Geister, wenn sie ihren zweiten Zustand in der Geisterwelt vollendet haben und unterrichtet werden sollen. Freilich gilt das nicht für alle, denn wer in der Welt unterrichtet wurde, ist bereits vom Herrn für den Himmel vorbereitet worden. Solche Geister werden auf einem anderen Weg in den Himmel erhoben, ei­nige von ihnen unmittelbar nach dem Tod, andere nach kurzem Aufenthalt bei den guten Geistern, wo sie gereinigt und dabei aus ihren Gedanken und Neigungen jene gröberen Elemente entfernt werden, die sie in der Welt aufgrund von Ansehen und Reichtum angenommen hatten. Einige werden zuerst abgeödet, was an den Plätzen unter den Fußsohlen (des Großen Menschen) geschieht, die als die „untere Erde“ bezeichnet werden, und wo manche von ihnen Hartes erlei­den müssen. Es handelt sich dabei um Menschen, die sich in falschen Ansichten begründet, dabei aber doch einen guten Lebenswandel geführt hatten. Falsches, das man bei sich be­gründet hat, haftet hartnäckig, und ehe es beseitigt ist, kann man das Wahre nicht sehen, folglich auch nicht annehmen. Die Abödungen und die dabei angewandten Methoden sind in den „Himmlischen Geheimnissen“ dargelegt worden.

*514. Die Teilnehmer an der Unterweisung wohnen nicht am Ort des Unterrichts, sondern getrennt von einander. Jeder einzelne nämlich steht im Hinblick auf seine inneren Berei­che in Verbindung mit der himmlischen Gesellschaft, zu der er schließlich gelangen soll. Da nun diese Gesellschaften nach der Form des Himmels angeordnet sind (man vergl. oben Nr. 200 212), so gilt dasselbe für die Unterrichtsorte. Vom Him­mel aus betrachtet zeigen sich daher diese Orte wie ein Him­mel in kleinerer Gestalt. In die Länge dehnen sie sich von 0st nach West, in die Breite von Süd nach Nord, doch scheint die Breite geringer als die Länge zu sein. Die Anordnung ist im all­gemeinen folgende: Vorn befindet sich der Bereich derer, die schon als Kinder gestorben und bis zur ersten Jugendzeit im Himmel erzogen worden waren. Nachdem sie die Kindheit bei Erzieherinnen zugebracht hatten, wurden sie vom Herrn hierher geführt, um unterrichtet zu werden. Dahinter er­streckt sich der Bereich, wo jene unterrichtet werden, die als Erwachsene gestorben waren und in der Welt die Neigung zum Wahren aus dem Guten des Lebens entwickelt hatten. Hinter ihnen wiederum liegt der Bereich der Mohammeda­ner, die in der Welt ein sittliches Leben geführt und ein einzi­ges Göttliches anerkannt, den Herrn selbst aber für den Pro­pheten gehalten hatten. Sobald sie sich von Mohammed ab­wenden, weil er ihnen gar nicht helfen kann, kommen sie zum Herrn. Ihn beten sie nun an, erkennen sein Göttliches an und werden nun in der christlichen Religion unterrichtet. Unter ihnen wiederum, mehr gegen Norden, erstreckt sich

der Bereich, wo die vielen verschiedenen Heiden unterrichtet werden, die in der Welt ein mit ihrer Religion übereinstim­mendes gutes Leben geführt hatten. Sie haben sich auf diese Weise eine Art Gewissen gebildet und nach Gerechtigkeit und Recht gehandelt, nicht so sehr um den Gesetzen ihrer Regie­rung, sondern um den Gesetzen der Religion zu folgen; denn diese glaubten sie unverbrüchlich halten zu müssen und ver­letzten sie auf keine Weise durch ihr Tun. Sie alle werden durch den Unterricht leicht zur Anerkennung des Herrn ge­bracht, weil ihrem Herzen eingeprägt ist, daß Gott nicht un­sichtbar, sondern unter menschlicher Gestalt sichtbar ist. Sie sind zahlreicher als die übrigen. Die besten unter ihnen stam­men aus Afrika.

*515. Es werden jedoch nicht alle in derselben Weise oder durch dieselben himmlischen Gesellschaften unterwiesen. Wer von Kindheit an im Himmel erzogen wurde, wird von En­geln der mehr im Inneren liegenden Himmel belehrt, weil er sich nichts Falsches aus falschen religiösen Lehren angeeig­net und auch sein geistiges Leben nicht durch den Bodensatz des Strebens nach Ansehen und Reichtum verunreinigt hat. Geister, die als Erwachsene gestorben sind, empfangen Un­terweisung zumeist von Engeln des äußersten Himmels, weil diese Engel besser zu ihnen passen, als die Engel der mehr im Inneren liegenden Himmel, deren tiefere Weisheit sie noch nicht fassen können. Den Unterricht der Mohammedaner er­teilen Engel, die früher selber dieser Religion angehört hatten und zur christlichen bekehrt worden waren, und ebenso wer­den die Heiden von ehemals heidnischen Engeln belehrt.

*516. Aller Unterricht gründet sich dort auf die Lehre, die aus dem Wort abgeleitet ist, nicht aber auf das Wort ohne die Lehre. Die Christen werden aufgrund der himmlischen Lehre unterwiesen, die völlig mit dem inneren Sinn des Wortes über­einstimmt. Die übrigen, wie Mohammedaner und Heiden, werden auf der Basis von Lehren unterrichtet, die ihrem Fas­sungsvermögen angemessen sind und sich von der himmli­schen Lehre nur darin unterscheiden, daß sie das geistige Leben mithilfe des sittlichen führen lehren, gemäß den guten Lehrbestimmungen ihrer eigenen Religion, wonach sie ihr Leben bereits in der Welt ausgerichtet hatten.

*517. Der himmlische Unterricht unterscheidet sich von dem irdischen darin, daß die Kenntnisse nicht dem Ge­dächtnis, sondern dem Leben übergeben werden. Das Ge­dächtnis der Geister liegt in ihrem Leben. In der Tat nehmen sie alles auf und eignen sich an, was mit ihrem Leben über­einstimmt, das andere nehmen sie nicht auf, und noch we­niger eignen sie es sich an. Die Geister sind nämlich Neigun­gen und daher in einer menschlichen Gestalt, die ihren Nei­gungen ähnelt.

*Weil dies ihr Wesen ist, wird ihnen unausgesetzt die Nei­gung zum Wahren um der Nutzanwendung im Leben willen eingeflößt. Der Herr sorgt nämlich dafür, daß jeder die mit seiner Anlage übereinstimmenden Nutzwirkungen liebt. Diese Liebe wird noch durch die Hoffnung vermehrt, ein Engel zu werden. Nun beziehen sich alle Nutzwirkungen des Himmels auf den allgemeinen Nutzen, der auf das Reich des Herrn abzielt, das dort ihr Vaterland ist. Die besonderen und die einzelnen Nutzwirkungen sind desto höher eingestuft, je tiefer und vollständiger sie sich in den allgemeinen Nutzen einfügen; darum sind alle die unzähligen besonderen und einzelnen Nutzwirkungen gut und himmlisch. Aus diesem Grunde ist in jedem die Neigung zum Wahren mit der Nei­gung zu nützlichem Tun so verbunden, daß sie einheitlich zusammenwirken. Dadurch wird das Wahre den Nutzwir­kungen eingepflanzt, so daß die Engelgeister gewisser­maßen Nutzwahrheiten (usus vera) erlernen. Auf diese Weise werden sie unterrichtet und für den Himmel vorberei­tet. Die Neigung zu dem mit der Nutzwirkung übereinstim­menden Wahren wird durch verschiedene Methoden einge­flößt, wovon die meisten in der Welt unbekannt sind. Beson­ders geschieht es durch Vorbildungen der Nutzwirkungen, die in der geistigen Welt auf tausendfache Weise dargestellt werden und mit derartigen Freuden und Wonnen verbunden sind, daß sie den Geist gänzlich erfassen und ihn von seinen inneren Regionen, dem Gemüt, bis zu den äußeren, mit sei­nem Leib zusammenhängenden, durchdringen. Auf diese Weise wird der Geist gleichsam zu seiner Nutzwirkung und gelangt daher, sobald er in seine Gesellschaft kommt, in die er durch den Unterricht eingeführt wird, in sein Leben, also in seine Nutzwirkung. Aufgrund dieser Vorgänge läßt sich sagen, daß niemand durch Kenntnisse, das heißt durch äußerlich Wahres, in den Himmel kommt, sondern allein durch sein Leben, ein Leben der Nutzwirkungen, eingeübt durch Kenntnisse.

*518. Einige Geister hatten sich in der Welt aufgrund der Gedanken, die sie sich dort gemacht hatten, eingebildet, sie würden bevorzugt in den Himmel kommen, weil sie gelehrt waren und vieles aus dem Wort und den Lehren der Kirche wußten. Sie hielten sich für weise und hofften, sie wären die, von denen es bei Daniel 12,3 heißt, “sie werden strahlen wie der Glanz des Himmelsgewölbes und wie die Sterne“. Sie wurden jedoch geprüft, ob ihre Kenntnisse im Gedächtnis oder im Leben ihren Sitz hätten. Dabei stellte sich heraus, daß einige eine echte Neigung zum Wahren hatten, das heißt das Wahre abgesehen von den körperlichen und welt­lichen Dingen um jener Nutzanwendungen liebten, die in sich geistig sind. Sie wurden denn auch nach erfolgter Un­terweisung in den Himmel aufgenommen und ihnen zu wissen gegeben, was im Himmel wirklich glänzt, nämlich das göttliche Wahre dort das Licht des Himmels — in der Nutzwirkung, welche als Grundlage die Strahlen jenes Lichts in sich aufnimmt und in vielfältigen Glanz umwan­delt. Die anderen aber hatten die Kenntnisse bloß im Ge­dächtnis, und von daher hatten sie sich die Fähigkeit er­worben, vernünftige Überlegungen über das Wahre anzu­stellen und Thesen zu begründen, die sie als Prinzipien angenommen hatten. Obwohl diese Thesen falsch waren, betrachteten sie sie nach der Begründung als richtig. Diese Geister waren überzeugt, gelehrter als andere zu sein und in den Himmel zu kommen, wo ihnen die Engel dienen wür­den, und zwar aufgrund ihres Dünkels, wie er solchem Wis­sen gewöhnlich anhaftet, obwohl sie keineswegs im Licht des Himmels standen. Darum würden sie, um von ihrem al­bernen Glauben befreit zu werden, bis zum ersten oder un­tersten Himmel erhoben und in eine bestimmte Engelge­sellschaft eingeführt. Doch schon am Eingang spürten sie unter dem Einfluß des himmlischen Lichtes ein Dunkelwer­den vor den Augen, und ihr Verstand begann sich zu verwir­ren; zuletzt hatten sie wie Sterbende mit dem Atem zu rin­gen, und als sie gar die himmlische Wärme, das heißt die himmlische Liebe, zu spüren bekamen, begann für sie eine derartige innere Qual, daß man sie von da wieder herabwarf. Nachher wurden sie belehrt, daß nicht die Kenntnisse den Engel bilden, sondern das wirkliche Leben, das man sich mithilfe der Kenntnisse gebildet hat. Die Kenntnisse blieben an sich außerhalb des Himmels, innerhalb des Himmels sei nur das durch die Kenntnisse erlangte Leben.

*519. Nachdem die Geister an den oben erwähnten Orten durch Unterricht für den Himmel vorbereitet worden sind ­das geschieht in kurzer Zeit, weil sie geistige Vorstellungen besitzen, die vielerlei zugleich umfassen —, empfangen sie Engelgewänder, die meist glänzend weiß wie feine Leinwand aussehen. Nun werden sie auf den Weg gebracht, der auf­wärts zum Himmel führt; dort werden sie Wächter Engeln übergeben, darauf von anderen Engeln übernommen und in Gesellschaften mit allen ihren Seligkeiten eingeführt. Nach­her wird dann ein jeder vom Herrn in seine eigene Gesell­schaft gebracht, was ebenfalls auf verschiedenen Wegen, zu­weilen auch auf Umwegen geschieht. Kein Engel kennt die Wege, die sie geführt werden, sondern allein der Herr. Kom­men sie dann zu ihrer Gesellschaft, so werden ihre mehr im Inneren liegenden Bereiche aufgeschlossen, und weil diese mit den entsprechenden Bereichen jener Engel überein­stimmen, werden sie auf der Stelle anerkannt und mit Freu­den aufgenommen.

*520. In diesem Zusammenhang möchte ich noch etwas Merkwürdiges über die Wege hinzufügen, die von den ge­nannten Orten zum Himmel führen und auf denen die neuen Engel eingeführt werden. Es sind acht Wege, zwei von jedem Ort der Unterweisung her, wovon der eine in östlicher Rich­tung emporsteigt, der andere in westlicher. Die neuen Engel für das himmlische Reich des Herrn werden dort auf dem öst­lichen Wege eingeführt, die anderen, die für das geistige Reich bestimmt sind, auf dem westlichen. Die vier Wege zum himmlischen Reich des Herrn erscheinen im Schmuck von Ölbäumen und vielerlei Fruchtbäumen, die Wege zum geisti­gen Reich des Herrn schmücken Weinstöcke und Lorbeer­bäume. Die Ursache liegt in den Entsprechungen, weil Wein­stock und Lorbeerbaum der Neigung zum Wahren mit dessen Nutzwirkungen, Ölbaum und Fruchtbäume aber der Nei­gung zum Guten und dessen Nutzwirkungen entsprechen. 



Niemand gelangt durch unmittelbare Barmherzigkeit in den Himmel.

*521. Menschen, die nicht im Bild sind über den Himmel, über den Weg dahin und wie das Leben des Himmels beim Menschen aussieht, sind der Meinung, die Aufnahme in den Himmel erfolge durch bloße Barmherzigkeit. Diese Barm­herzigkeit werde den Gläubigen und jenen erwiesen, für die der Herr Fürbitte (beim Vater) einlege. Es handle sich also um eine Aufnahme aus reiner Barmherzigkeit, und folglich könnten ausnahmslos alle Menschen aufgrund göttlichen Wohlgefallens gerettet werden — einige meinen sogar, dies gelte auch für alle Bewohner der Hölle.

Wer so etwas glaubt, zeigt damit jedoch nur, daß er nichts vom Menschen versteht. Der Mensch ist nämlich ganz und gar so beschaffen wie sein Leben, sein Leben aber wie seine Liebe — nicht nur hinsichtlich der inneren Bereiche sei­nes Willens und Verstandes, sondern auch der äußerlichen, seinem Körper zugehörigen; und die Körperform bildet nur die äußere Gestalt, in der das Innere zur Wirkung gelangt. Der ganze Mensch ist folglich seine Liebe (man vergl. oben Nr. 363). Ferner übersehen die Betreffenden, daß der Körper nicht aus sich selbst, sondern aus seinem Geist lebt, der des Menschen ureigenste Neigung ist, während sein geistiger Leib nichts anderes ist als des Menschen Neigung in jener menschlichen Gestalt, in der er auch nach dem Tode er­scheint (man vergl. oben Nr. 453 460). Solange diese Dinge unbekannt sind, kann der Mensch zu dem Glauben verleitet werden, das ewige Heil (salvatio) sei nichts als das Ergebnis göttlicher Willkür (beneplacentia), Barmherzigkeit und Gnade genannt.

*522. Zuerst sei gesagt, was die göttliche Barmherzigkeit in Wirklichkeit ist: Sie ist reines Erbarmen für das ganze menschliche Geschlecht, mit dem Ziel, es zu erretten, und wirkt auch unausgesetzt bei jedem einzelnen Menschen und wendet sich von keinem je ab. Deshalb wird auch jeder ge­rettet, der nur gerettet werden kann. Es gibt jedoch für nie­manden eine andere Rettung, als durch die entsprechenden göttlichen Mittel, wie sie der Herr im Wort geoffenbart hat. Diese göttlichen Mittel sind identisch mit dem, was man die göttlichen Wahrheiten nennt. Diese lehren, wie der Mensch zu leben hat, um gerettet werden zu können; und durch sie führt der Herr den Menschen zum Himmel und flößt ihm das Leben des Himmels ein. So handelt der Herr bei allen, doch kann er das Leben des Himmels nur einflößen, wenn der Mensch vom Bösen Abstand nimmt; denn das Böse ist das Hindernis. In dem Maße, wie er also vom Bösen absteht, führt ihn der Herr aus reiner Barmherzigkeit durch seine göttlichen Mittel. Das geschieht von Kindheit an bis ans Ende seines Lebens in der Welt, danach in Ewigkeit. Dies ist die göttliche Barmherzigkeit, die hier gemeint ist. Damit ist offenbar, daß die göttliche Barmherzigkeit reine, aber nicht unmittelbare Barmherzigkeit ist, eine Barmherzigkeit, die darin bestünde, alle Menschen aus Willkür zu retten, wie immer sie auch gelebt haben mögen.

*523. Der Herr handelt niemals gegen die Ordnung, da er die Ordnung selbst ist. Das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre ist es, was die Ordnung bildet, und die göttlichen Wahrheiten sind die Gesetze dieser Ordnung. In Überein­stimmung mit diesen Gesetzen führt der Herr den Men­schen. Ihn aus unmittelbarer Barmherzigkeit zu retten, wäre wider die göttliche Ordnung und damit wider das Gött­liche. Die göttliche Ordnung ist der Himmel beim Men­schen. Diese hatte er bei sich verkehrt durch ein Leben gegen die Gesetze der Ordnung, gegen die göttlichen Wahr­heiten. Aus reiner Barmherzigkeit wird der Mensch nur durch eben diese Gesetze in die Ordnung zurückgeführt, und soweit, wie dies geschieht, nimmt er den Himmel in sich auf; wer aber den Himmel in sich aufnimmt, der kommt auch in den Himmel. Damit liegt wiederum am Tag, daß die göttliche Barmherzigkeit des Herrn reine, aber nicht unmit­telbare Barmherzigkeit ist.

*524. Hätten die Menschen aus unmittelbarer Barmher­zigkeit gerettet werden können, so wären alle gerettet wor­den, auch jene, die in der Hölle sind. Ja, es gäbe gar keine Hölle, weil der Herr die absolute Barmherzigkeit und Liebe und das absolute Gute selbst ist. Die Behauptung, Gott könne alle unmittelbar selig machen, tue es aber nicht, kehrt sich daher gegen sein Göttliches. Man weiß aber aus dem Wort, daß der Herr für alle Menschen das Heil und für nie­manden die Verdammnis will.

*525. Sehr viele von denen, die aus der Christenheit ins andere Leben kommen, bringen den Glauben mit, wonach sie aufgrund unmittelbarer Barmherzigkeit gerettet werden müßten, denn um diese flehen sie. Bei ihrer Prüfung stellt sich aber heraus, daß sie der Meinung waren, in den Himmel gelange man rein dadurch, daß man eingelassen werde, und dann trete man auch in die himmlische Freude ein. Sie hat­ten keine Vorstellung davon, was der Himmel und was die himmlische Freude in Wirklichkeit ist. Deshalb wurde ihnen bedeutet, daß der Herr niemandem den Himmel verwehre und sie, wenn sie es wünschten, eingelassen werden und sich auch dort aufhalten könnten. Tatsächlich wurden auch ei­nige, die es verlangten, eingelassen. Doch schon auf der er­sten Schwelle ergriff sie beim Anhauch der himmlischen Wärme — der Liebe, in der die Engel leben — und beim Ein­strömen des himmlischen Lichts — des göttlichen Wahren ­eine derartige Herzensangst, daß sie statt himmlischer Freude höllische Pein empfanden, niedergeworfen wurden und sich kopfüber herabstürzten. So wurden sie durch le­bendige Erfahrung belehrt, daß der Himmel niemandem durch unmittelbare Barmherzigkeit geschenkt werden kann.

*526. Ich sprach gelegentlich mit Engeln darüber und er­zählte ihnen, daß in der Welt die meisten Menschen, die ein böses Leben führen, anderen gegenüber in Gesprächen über den Himmel und das ewige Leben immer nur sagten, in den Himmel werde man allein aufgrund bloßer Barmherzigkeit eingelassen. Diese Meinung vertreten besonders Menschen, die den Glauben zum einzigen Mittel des Heils erklären. Weil darin für sie der oberste Grundsatz der Religion besteht, blicken sie nicht aufs Leben oder auf die Taten der Liebe, die das Leben ausmachen, folglich auch nicht auf die anderen Mittel, durch die der Herr den Himmel in den Menschen legt und ihn für die himmlische Freude empfänglich macht. Indem sie so jede Vermittlung durch Taten verwerfen, sehen sie sich durch den Zwang ihres Prinzips zur Behauptung genötigt, der Mensch gelange durch bloße Barmherzigkeit in den Himmel, und Gott Vater werde durch die Vermittlung des Sohnes zur Barmherzigkeit bewogen. Die Engel erwiderten darauf, sie wüßten wohl, daß diese Lehre die notwendige Folge aus dem angenommenen Grundsatz vom bloßen Glauben sei. Da nun dieses Dogma infolge seiner Unwahrheit keinerlei Licht aus dem Himmel aufnehmen könne und es die Krone aller übrigen Falschheiten darstelle, so sei es die Quelle jener Unwissenheit, die in der Kirche heutzutage herrscht: die Un­kenntnis über den Herrn, den Himmel, das Leben nach dem Tod, die himmlische Freude, das Wesen der Liebe und Näch­stenliebe und ganz allgemein die Unwissenheit über das Gute und dessen Verbindung mit dem Wahren. Folglich herrsche auch Unklarheit über das Leben des Menschen, dessen Ursprung und Be­schaffenheit. Da ja kein Mensch das Leben jemals aus dem Denken, sondern immer nur aus dem Willen und den daraus bewirkten Taten erlangen könne, und aus dem Denken nur insofern, als es aus dem Willen abgeleitet ist. Dies bedeute, daß das Leben nur insoweit aus dem Glauben herrühre, als der Glaube seinerseits der Liebe entspringe. Die Engel bedauern es sehr, daß jene Menschen nicht wissen, daß der bloße Glaube bei niemandem möglich ist, weil er ohne seine Quelle, die Liebe, ein bloßes Wissen bleibt und bei einigen sogar nur eine Selbsttäuschung ist, die sich fälschlich als Glaube gebär­det (vergl. oben Nr. 482). Diese Selbsttäuschung verbindet sich nicht mit dem eigentlichen Leben des Menschen, sondern bleibt außerhalb von ihm, da sie sich vom Menschen abtrennt, wenn sie nicht mit der Liebe zusammenhängt.

Ferner sagten die Engel, wer hinsichtlich des entschei­denden Mittels zur Erlösung des Menschen einen solchen Grundsatz vertrete, könne gar nicht anders, als an eine un­mittelbare Barmherzigkeit glauben. Im natürlichen Licht, wie auch aus anschaulicher Erfahrung erkennt er nämlich, daß der (von der Liebe) getrennte Glaube nicht das Leben des Menschen ausmacht, weil ja auch jene, die ein böses Leben führen, Ähnliches denken und sich einreden können. Die Folge davon ist die Anschauung, die Bösen könnten ebenso gerettet werden wie die Guten, wenn sie nur in ihrer Todesstunde zuversichtlich von der Vermittlung und der da­durch zu erlangenden Barmherzigkeit reden. Die Engel ver­rieten, daß sie noch niemanden gesehen hätten, der trotz eines bösen Lebens aus unmittelbarer Barmherzigkeit in den Himmel aufgenommen worden wäre, gleichgültig, mit wie­viel Zuversicht oder Vertrauen (das man ja vor allem unter dem Glauben versteht) er in der Welt auch geredet habe.

Auf die Frage, ob Abraham, Isaak, Jakob, David und die Apostel aus unmittelbarer Barmherzigkeit in den Himmel aufgenommen worden seien, antworteten sie: keiner von ihnen, sondern alle ihrem Leben in der Welt entsprechend. Die Engel sagten auch, sie wüßten, wo sich die Genannten aufhielten und daß sie kein höheres Ansehen genössen als andere. Wenn ihrer im Wort ehrerbietig gedacht werde, so deshalb, weil unter ihnen im inneren Sinn der Herr verstan­den werde   unter Abraham, Isaak und Jakob der Herr in Bezug auf sein Göttlich Menschliches, unter David auf sein Göttlich Königliches, und unter den Aposteln im Hinblick auf die göttlichen Wahrheiten. Ihnen selbst, den Engeln, würden diese Personen, wenn das Wort von einem Menschen gelesen werde, gar nicht bewußt, da ihre Namen nicht in den Himmel eindrängen, statt dessen aber, wie bereits gesagt, der Herr. Im Wort, das im Himmel vorliegt, seien auch die be­treffenden Personen nirgends erwähnt (man vergl. oben Nr. 259), weil ja dieses Wort den inneren Sinn jenes Wortes dar­stellt, das in der Welt existiert.

*527. Ich selbst kann aufgrund vielfacher Erfahrung be­zeugen, daß es unmöglich ist, Menschen, die auf Erden ein dem Himmel widersprechendes Leben geführt haben, das Leben des Himmels einzuflößen. Tatsächlich gab es da ei­nige Geister, die gemeint hatten, nach dem Tode würden sie die göttlichen Wahrheiten mit Leichtigkeit annehmen, so­bald sie sie von den Engeln hörten, und daraufhin ihr Leben ändern und daher in den Himmel aufgenommen werden. Der Versuch wurde mit sehr vielen gemacht. Er durfte jedoch nur mit den Geistern durchgeführt werden, die sich in einem entsprechenden Glauben befunden hatten, und denen die­ser Versuch erlaubt wurde, damit sie begriffen, daß nach dem Tode keine Buße mehr möglich ist. Einige der Versuchs Per­sonen begriffen die Wahrheiten und schienen sie auch an­zunehmen, doch im selben Augenblick, indem sie sich ihrer Liebe zuwandten, lehnten sie diese Wahrheiten wieder ab, ja sprachen sich sogar gegen sie aus. Einige Versuchspersonen verwarfen die Wahrheiten auf der Stelle und wollten sie gar nicht erst hören; andere verlangten, daß man ihnen das Wesen ihrer Liebe, das sie sich in der Welt angeeignet hatten, nehme und statt dessen das Leben der Engel beziehungs­weise das Leben des Himmels eingieße — was auch zugelas­sen wurde. Doch sobald ihnen das Leben ihrer Liebe ge­nommen war, lagen sie da wie tot und waren ihrer selbst nicht mehr mächtig. Aufgrund dieser und anderer Experi­mente wurden die arglos Guten belehrt, daß nach dem Tode bei keinem Menschen das Leben in grundlegender Weise mehr verändert werden und ein böses Leben unmöglich in ein gutes, oder ein höllisches in ein engelhaftes umgewan­delt werden kann. Und das deshalb, weil jeder Geist von Kopf bis Fuß so ist wie seine Liebe, folglich wie sein Leben. Dieses in sein Gegenteil zu verkehren würde bedeuten, den Geist gänzlich zu vernichten. Die Engel gestehen, daß es leichter wäre, ein Käuzchen in eine Taube oder einen Uhu in einen Paradiesvogel zu verwandeln, als einen höllischen Geist in einen Engel des Himmels. Im entsprechenden Abschnitt (vergl. Nr. 470 484) wurde gezeigt, daß der Mensch nach dem Tode so bleibt, wie sein Leben in der Welt gewesen ist. Wir können also feststellen, daß niemand aus unmittelbarer Barmherzigkeit in den Himmel aufgenommen werden kann. 



Es ist nicht so schwer wie man glaubt, so zu leben, daß man in den Himmel kommt.

*528. Einige Menschen glauben, es sei sehr schwer, so zu leben, daß man in den Himmel kommt, also, wie man sagt, ein geistiges Leben zu führen. Das glauben sie deshalb, weil sie gehört haben, der Mensch müsse der Welt entsagen und sich dem Verlangen des Körpers und des Fleisches widerset­zen, um ein geistiges Wesen zu entwickeln. Unter einem sol­chen Leben stellen sie sich aber nur vor, daß man die weltli­chen Dinge, besonders Reichtum und Ansehen, ablehnen müsse, um sich dafür beständig frommen Betrachtungen über Gott, das Seelenheil und das ewige Leben hinzugeben und sein Leben im Gebet, der Lektüre des Wortes und from­mer Bücher zu verbringen. Darunter verstehen sie, der Welt entsagen und ein geistiges, nicht ein fleischliches Leben führen. Aufgrund vielfacher Erfahrungen und aus Ge­sprächen mit Engeln durfte ich jedoch wissen, daß sich die Sache ganz anders verhält, ja daß alle, die so der Welt entsa­gen und in der genannten Weise ein „geistiges Leben“ führen, sich ein trauriges Los verschaffen, das ganz und gar nicht für die himmlische Freude empfänglich ist, da ja einen jeden sein Leben erwartet. Um das Leben des Himmels in sich aufzunehmen, muß der Mensch ganz im Gegenteil in der Welt leben, um dort seinen Pflichten und Geschäften zu obliegen. Nur wenn er so ein sittlich und bürgerlich gutes Leben führt, nimmt er das Geistige in sich auf, kann auf sol­che Weise beim Menschen das geistige Leben gebildet bzw. sein Geist für den Himmel vorbereitet werden. Ein inneres Leben ohne das äußere zu führen wäre etwas ähnliches, wie wenn man in einem Hause ohne Fundament wohnte, das sich allmählich senkt oder Risse bekommt, auseinander­klafft oder schwankt, bis es zusammenfällt.

*529. Betrachten wir das Leben des Menschen unter dem Gesichtspunkt der Vernunft, so finden wir, daß es von drei­facher Art ist und wir ein geistiges, ein sittliches und ein bür­gerliches unterscheiden können. Nun gibt es Menschen, die zwar ein bürgerliches, aber doch kein sittliches und geistiges Leben führen, andere Menschen wiederum leben zwar sitt­lich, aber doch nicht geistig, und schließlich gibt es diejeni­gen, die sowohl ein bürgerliches als auch ein sittliches und dazu geistiges Leben führen. Nur sie leben das Leben des Himmels, die anderen aber führen ein weltliches, vom Leben des Himmels getrenntes Leben. Schon jetzt können wir also feststellen, daß das geistige Leben nicht vom natürlichen oder weltlichen Leben getrennt, sondern damit verbunden ist wie die Seele mit ihrem Leib. Wollte man sie trennen, so gliche das dem Wohnen in einem Hause ohne Fundament, wie oben gezeigt wurde. Das sittliche und bürgerliche Dasein ist nämlich der tätige Teil des geistigen Lebens, besteht doch das geistige Leben im guten Wollen und das sittliche und bürgerliche im guten Handeln. Trennt man das eine vom an­deren, so beschränkt sich das geistige Leben nur noch auf Denken und Reden, während der Wille zurücktritt, weil ihm der Boden entzogen ist, — und doch ist er das eigentlich Gei­stige des Menschen.

*530. Aus den nun folgenden Darlegungen wird man ent­nehmen können, daß es nicht so schwer ist, durch sein Leben in den Himmel zu kommen, wie man gewöhnlich meint. Denn wer könnte nicht ein bürgerlich und sittlich gutes Leben führen? Jeder Mensch wird ja von Kindheit an darin eingeführt und kennt es aus dem Leben auf Erden. Der Böse wie der Gute führt auch ein solches Leben, denn wer möchte nicht aufrichtig heißen und wer nicht gerecht? Na­hezu alle praktizieren äußerlich Aufrichtigkeit und Gerech­tigkeit bis zu dem Grad, daß es scheint, als wären sie auch im Herzen aufrichtig und gerecht und handelten aus Aufrich­tigkeit und Gerechtigkeit selbst. Der geistige Mensch muß notwendigerweise ebenso leben, und er kann es ebenso leicht wie der natürliche. Der einzige Unterschied besteht darin, daß der geistige Mensch an das Göttliche glaubt und nicht nur deshalb aufrichtig und gerecht handelt, weil es den bürgerlichen und moralischen, sondern auch den göttlichen Gesetzen gemäß ist. Denn da er beim Handeln an das Gött­liche denkt, stellt er die Gemeinschaft mit den Engeln des Himmels her, und soweit er dies tut, wird er mit ihnen ver­bunden. Auf diese Weise aber wird sein innerer Mensch, der an sich betrachtet der geistige Mensch ist, aufgeschlossen. In diesem Zustand wird dann der Mensch vom Herrn adoptiert und ohne sein Wissen geführt. Was er dann in seinem sittli­chen und bürgerlichen Leben an Aufrichtigkeit und Gerech­tigkeit verwirklicht, geschieht aus geistigem Ursprung. Das bedeutet aber, daß er aus Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit selbst oder von Herzen handelt. Der äußeren Form nach un­terscheidet sich seine Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit nicht von deren der natürlichen Menschen, ja selbst der bösen und höllischen. Der inneren Form nach sehen sie jedoch ganz an­ders aus, denn die Bösen handeln nur um ihret  und der Welt willen gerecht und aufrichtig. Fürchteten sie daher nicht die Gesetze und Strafen, sowie den Verlust des guten Namens, der Ehre, des Einkommens und des Lebens, so würden sie vollkommen ungerecht und unaufrichtig handeln, da sie weder Gott noch irgendein göttliches Gesetz achteten, folg­lich kein inneres Band sie zügelte. Sie würden daher im Rah­men des Möglichen andere mit Vergnügen betrügen, berau­ben und plündern. Die innere Beschaffenheit dieser Men­schen zeigt sich besonders an ihren Artgenossen im anderen Leben, wo jedem sein Äußeres genommen wird, während die inneren Bereiche, in denen sie dann in Ewigkeit leben, auf­geschlossen werden (man vergl. oben Nr. 499 511). Dann wird ihr Handeln nicht mehr von äußeren Banden gehemmt — also von Furcht vor dem Gesetz, vor dem Verlust des guten Rufs, der Ehre, des Einkommens und des Lebens —, und darum handeln sie nun ganz unsinnig und spotten aller Auf­richtigkeit und Gerechtigkeit. Die anderen aber, die um der göttlichen Gesetze willen aufrichtig und gerecht waren, han­deln weise, wenn ihnen das Äußere entzogen ist und sie dem Inneren überlassen worden sind; denn sie sind mit den En­geln des Himmels verbunden, die ihnen Weisheit vermitteln. Dies ermöglicht uns eine erste Feststellung, daß nämlich der geistige Mensch im bürgerlichen und sittlichen Leben ebenso handeln kann wie der natürliche, vorausgesetzt daß sein innerer Mensch bzw. sein Wollen und Denken mit dem Göttlichen verbunden ist (man vergl. oben Nr. 358 360).

*531. Die Gesetze des geistigen, des bürgerlichen und des sittlichen Lebens werden auch in den Zehn Geboten des De­kalogs überliefert: Die Gesetze des geistigen Lebens in den drei ersten Geboten, die des bürgerlichen Lebens in den vier folgenden und die des sittlichen Lebens in den drei letzten. Der äußeren Form nach lebt der bloß natürliche Mensch nach denselben Geboten wie der geistige, denn in gleicher Weise verehrt er das Göttliche, geht in die Kirche, hört die Predigt, zeigt eine andachtsvolle Miene. Er tötet nicht, be­geht keinen Ehebruch, stiehlt nicht, legt kein falsches Zeug­nis ab, bringt den Partner nicht um seine Güter. Aber das alles tut er nur um seiner selbst, um der Welt und um des Schei­nes willen. Seiner inneren Gestalt nach ist er das genaue Ge­genteil von dem, was er in der äußeren zu sein vorgibt, denn im Herzen leugnet er das Göttliche, im Gottesdienst spielt er den Heuchler, und wenn er sich seinen eigenen Gedanken überläßt, lacht er nur über die heiligen Dinge der Kirche und glaubt, sie dienten bloß als Zügel für die einfältige Masse. So kommt es, daß ein solcher Mensch ganz und gar vom Him­mel abgeschnitten ist und als einer, der nicht geistig ist, nicht als sittlich und bürgerlich guter Mensch gelten kann. Denn wenn er auch nicht tötet, so haßt er doch jeden, der ihm im Wege steht, und aus Haß brennt er von Rachgier; er würde auch ohne weiteres töten, wenn ihn nicht die bürgerlichen Gesetze und äußeren Fesseln, das heißt seine Befürchtun­gen, davon abhielten. Weil aber sein Verlangen danach steht, so folgt, daß er im Grunde fortwährend tötet. Und wenn er auch keinen Ehebruch begeht, so ist er doch ein beständiger Ehebrecher, weil er den Ehebruch in Wirklichkeit für erlaubt hält, denn soweit er kann und es ihm frei steht, handelt er als solcher. Solch ein Mensch spielt in seiner Gesinnung auch ständig den Dieb, weil es ihn nach den Gütern anderer gelü­stet und er Betrug und andere Ränke nicht für widerrechtlich hält, obwohl er nicht stiehlt. Ähnlich verhält es sich auch mit den Geboten des sittlichen Lebens, also dem Nicht falsch­-Zeugnis-reden und dem Sich nicht gelüsten lassen nach den Gütern anderer. So sieht die Natur eines jeden Menschen aus, der das Göttliche leugnet und nicht aufgrund der Reli­gion irgendwie ein Gewissen hat. Die Beschaffenheit dieser Menschen zeigt sich deutlich an den ihnen ähnlichen im an­deren Leben, wenn sie nach der Hinwegnahme des Äußeren in ihr Inneres versetzt sind. Weil diese dann vom Himmel ge­schieden sind, handeln sie in Übereinstimmung mit der Hölle; deren Bewohnern werden sie daher beigesellt. Ganz anders liegen die Dinge bei denen, die in ihrem Herzen das Göttliche anerkannt und im Leben bei ihrem Handeln die göttlichen Gesetze im Auge gehabt und in Übereinstimmung mit den drei ersten Geboten des Dekalogs, sowie allen übri­gen gelebt hatten. Werden sie nach der Wegnahme des Äuße­ren in ihr Inneres versetzt, so sind sie weiser als in der Welt. Gelangen sie in ihr Inneres, so treten sie wie vom Schatten ins Licht, von der Unwissenheit in die Weisheit und von einem traurigen Leben in ein beglückendes, weil sie im Gött­lichen, folglich im Himmel sind.

Aufgrund dieser Feststellungen kann man nun wissen, wie verschieden die beiden Arten von Menschen sind, ob­gleich ihr äußeres Leben gleich erscheint.

*532. Jedem kann bekannt sein, daß sich der Lauf der Ge­danken nach den Absichten richtet, bzw. daß die Gedanken dahin wandern, worauf die Absicht des Menschen zielt. Das Denken des Menschen ist in der Tat ein inneres Sehen, mit dem es sich ganz ähnlich verhält, wie mit dem äußeren, so­fern es sich nämlich dahin wendet und da verweilt, wohin es gelenkt und gerichtet wird. Wendet man nun sein inneres Sehen oder Denken der Welt zu und läßt es darin verweilen, so wird schließlich das Denken weltlich. Wendet man es dem eigenen Selbst und der eigenen Ehre zu, so wird es schließ­lich fleischlich, wendet man es aber dem Himmel zu, so wird es himmlisch. Himmelwärts gerichtet, wird es also erhoben, dagegen auf das eigene Selbst gerichtet, vom Himmel abge­zogen und ins Körperliche versenkt. Richtet man es auf die Welt, so wird es auch vom Himmel abgelenkt und zerstreut durch die Dinge, die vor Augen liegen. Die Liebe des Men­schen ist es, die seine Absicht bestimmt und seinem inneren Sehen oder Denken Richtung auf seine Ziele gibt. Die Selbst­liebe richtet daher das innere Sehen auf den Menschen selbst und was zu ihm gehört, die Weltliebe auf das Weltliche, die Liebe zum Himmel aber auf das Himmlische. Von hier aus ist klar, in welchem Zustand die inneren, seinem Gemüt an­gehörenden Bereiche des Menschen sich befinden, sobald man nur seine Liebe kennt. Liebt jemand den Himmel, so ist nämlich sein Inneres zum Himmel erhoben und nach oben geöffnet. Liebt aber jemand die Welt und liebt jemand sich selbst, so ist sein Inneres nach oben verschlossen und nach außen geöffnet. Daraus ergibt sich: Wenn die oberen Regio­nen, die des Gemüts, nach oben verschlossen sind, kann der Mensch die Dinge des Himmels und der Kirche nicht mehr sehen, so daß sie bei ihm in Finsternis liegen. Finsteres wird aber entweder geleugnet oder nicht verstanden. Dies ist der Grund, weshalb Menschen, die sich selbst und die Welt über alles lieben, die göttlichen Wahrheiten im Herzen leugnen, weil bei ihnen die oberen Regionen des Gemüts verschlossen sind, auch wenn sie etwas davon aus dem Gedächtnis hersa­gen, verstehen sie es doch nicht. Sie sehen auch diese Dinge mit denselben Augen an, mit denen sie die weltlichen und körperlichen Dinge betrachten. Das liegt in ihrer Natur, darum können sie auch ihren Geist mit nichts anderem be­schäftigen, als mit dem, was durch ihre körperlichen Sinne eindringt und an dem sie auch allein ihre Freude haben. Dar­unter gibt es sogar vieles, was schmutzig, unzüchtig, gemein und verbrecherisch ist und von dem sie nicht abgebracht werden können, weil ihr Gemüt nach oben verschlossen ist und deshalb keinen Einfluß aus dem Himmel empfangen kann. Die Absicht des Menschen, die sein inneres Sehen oder Denken bestimmt, ist sein Wille; denn was der Mensch will, das beabsichtigt er, und was er beabsichtigt, das denkt er. Mit anderen Worten: zielt seine Absicht auf den Himmel, so rich­tet sich sein Denken dahin und mit dem Denken sein ganzes Gemüt, das dementsprechend im Himmel ist. Von da aus be­trachtet er nachher die weltlichen Dinge wie etwas, das unter ihm liegt, vergleichsweise wie man vom Dach eines Hauses herabblickt. Aus diesem Grund vermag ein Mensch, dessen mehr im Inneren liegenden Gemüts Bereiche aufgeschlos­sen sind, das Böse und Falsche bei sich zu erkennen, liegt es doch unterhalb seines geistigen Gemüts, während umge­kehrt ein Mensch, dessen Inneres nicht aufgeschlossen ist, sein Böses und Falsches nicht sehen kann, weil er selbst mit­ten drin und nicht darüber steht. Hieraus läßt sich folgern, aus welcher Quelle der Mensch Weisheit, aus welcher Torheit schöpft, ebenso wie er nach dem Tode beschaffen sein wird, wo man es ihm überläßt, seinen inneren Antrieben gemäß zu wollen und zu denken wie auch zu handeln und zu reden.

Diese Ausführungen sollten deutlich machen, wie be­sonders die innere Beschaffenheit eines Menschen sein kann, wenn er auch äußerlich einem anderen noch so ähn­lich erscheinen mag.

*533. Wir sehen jetzt, daß es nicht so schwer ist, ein himmlisches Leben zu führen, wie man gewöhnlich glaubt. Denn wenn dem Menschen etwas begegnet, von dem er weiß, daß es unredlich und ungerecht ist, sich aber seine Sinnesart dahin neigt, so braucht er nur daran zu denken, daß er es nicht tun dürfe, weil es den göttlichen Geboten zu­widerliefe. Gewöhnt er sich an diese Denkweise und er­wirbt er sich durch Übung einige Fertigkeit (habitum), so wird er allmählich mit dem Himmel verbunden. In dem Maße aber, wie dies geschieht, werden die oberen Bereiche seines Gemüts aufgeschlossen, und dann sieht er, was un­redlich und ungerecht ist, und soweit er dies wiederum er­kennt, kann es auch ausgetrieben werden. Denn nur das Böse kann ausgetrieben werden, das man erkannt hat. In diesen Zustand kann der Mensch aufgrund seiner Freiheit eintreten, denn wer wäre nicht frei für solche Überlegun­gen? Ist damit aber einmal ein Anfang gemacht, so wirkt der Herr alles Gute bei ihm und sorgt dafür, daß der Mensch nicht allein das Böse sieht, sondern auch nicht mehr will und schließlich sogar verabscheut. Dies meint der Herr mit den Worten:

„Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“. (Matth. 11,30).

Man muß sich jedoch darüber klar sein, je öfter der Mensch willentlich Böses tut, desto schwerer kann er solche Überlegungen anstellen und dem Bösen Widerstand leisten; denn im selben Maß gewöhnt er sich daran, bis er es schließ­lich überhaupt nicht mehr merkt. Schließlich liebt er es, ent­schuldigt es, weil mit dieser Liebe Vergnügen verbunden sind, rechtfertigt es durch alle möglichen Trugschlüsse und hält es für erlaubt und gut. Dies geschieht bei Menschen, die sich bereits in der Jugend zügellos ins Böse stürzen und dabei im Herzen die göttlichen Dinge verwerfen.

*534. Mir wurde einst ein Weg vorgebildet, der zum Him­mel wie auch zur Hölle führte. Es war ein breiter Weg, der sich nach links bzw. nach Norden zog. Viele Geister erschienen und beschritten ihn; doch in der Ferne, wo dieser breite Weg endete, erblickte man einen ziemlich großen Stein. Von ihm aus teilte er sich in zwei Wege, in einen nach links und einen anderen in die entgegengesetzte Richtung nach rechts. Der linke Weg war eng oder schmal, führte gen Westen nach Süden und so schließlich in das Licht des Himmels. Der rechte Weg war breit und geräumig und lief schräg abwärts zur Hölle. Zuerst schienen alle denselben Weg zu gehen, bis sie den großen Stein am Scheideweg erreichten. Dort trenn­ten sie sich, die Guten wandten sich nach links und folgten dem schmalen Weg, der zum Himmel führte; die Bösen aber sahen den Stein am Scheideweg nicht, stolperten über ihn, verletzten sich und liefen, wenn sie sich wieder erhoben hat­ten, auf dem breiten Weg nach rechts, der zur Hölle führte.

Nachher wurde mir die Bedeutung von alledem erklärt: Der erste Weg, breit und von vielen begangen, Guten wie Bösen, die wie Freunde miteinander plauderten, weil kein Unterschied zwischen ihnen zu erkennen war, bildete alle vor, die von außen gesehen ein gleich redliches und gerech­tes Leben geführt und sich augenscheinlich nicht unter­schieden hatten. Der Stein am Scheideweg, der Eckstein, über den die Bösen stolperten, und von dem aus sie dann auf dem zur Hölle führenden Wege weiterliefen, bildete das gött­liche Wahre vor, das alle leugnen, die zur Hölle blicken. Im höchsten Sinne stellt dieser Stein das Göttlich Menschliche vor. Die Menschen aber, die das Göttlich Wahre und zu­gleich das Göttliche des Herrn anerkannten, wurden auf den Pfad geleitet, der zum Himmel führt. Daraus sieht man wie­derum, daß die Bösen äußerlich genau dasselbe Leben führen wie die Guten, bzw. daß sie denselben Weg gehen, die einen so leicht wie die anderen. Und doch werden dabei die­jenigen, die das Göttliche von Herzen anerkennen, und in­nerhalb der Kirche besonders diejenigen, die das Göttliche des Herrn anerkennen, zum Himmel geführt, die anderen aber zur Hölle. Im anderen Leben werden die Gedanken des Menschen, die seiner Absicht oder seinem Willen entsprin­gen, durch Wege vorgebildet; und tatsächlich erscheinen dort Wege in völliger Übereinstimmung mit dem Gedanken­ziel. Zudem läuft jeder gemäß seinen gedanklichen Absich­ten umher; darum können die Geister und ihre Gedanken an ihren Wegen erkannt werden. Damit ist auch klar, was man unter den folgenden Worten des Herrn zu verstehen hat:

„Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden“. (Matth.7,13 f)

Der zum Leben führende Weg heißt nicht deshalb schmal, weil er beschwerlich wäre, sondern weil ihn nur we­nige finden, wie die Worte sagen. Der Stein am Endpunkt des gemeinsamen Weges, von dem aus die beiden gegenläufi­gen, getrennten Wege erschienen, läßt erkennen, was durch die Worte des Herrn bezeichnet wird:

„Habt ihr nicht gelesen, was geschrieben steht: 'Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen' (Luk.20,17)

Der „Stein“ bezeichnet das göttliche Wahre, der „Stein Israels“ den Herrn hinsichtlich seines Göttlich Menschli­chen. Die „Bauleute“ die Menschen der Kirche; der „Eck­stein“ die Scheidung“, „fallen und zerschellen“ aber heißt so­viel wie leugnen und untergehen.

*535. Es wurde mir erlaubt, mit einigen Menschen im an­deren Leben zu sprechen, die sich von den weltlichen Ge­schäften zurückgezogen hatten, um fromm und heilig zu leben, sowie auch mit einigen, die sich auf verschiedene Weise kasteit hatten, weil sie glaubten, dies heiße der Welt entsagen und die fleischlichen Begierden zähmen. Doch da sich die meisten von ihnen ein trauriges Leben schufen und nicht am Leben der Nächstenliebe teilnahmen — ein Leben, das nur in der Welt geführt werden kann —, können sie nicht mit den Engeln zusammengesellt werden. Das Leben der Engel ist nämlich in ihrer Seligkeit fröhlich, immer bereit, Gutes zu tun, also Nächstenliebe zu üben. Dazu kommt, daß Menschen, die ein weltabgewandtes Leben geführt haben, geradezu nach Verdienst brennen, daher unablässig nach dem Himmel verlangen und sich die himmlische Freude, von der sie ganz und gar nichts verstehen, als ihren wohlver­dienten Lohn vorstellen. Werden sie unter die Engel und in deren Freude versetzt, dann wundern sie sich höchlichst nach der Art von Menschen, die etwas ihrem Glauben völlig Fremdes erblicken. Denn die Freude der Engel weiß von kei­nem Verdienst und besteht dafür in Beschäftigung und täti­gem Dienst untereinander, sowie in der Seligkeit, die dem Guten entspringt, das ihre Tätigkeit bewirkt hat. Weil diese Menschen für solche Freuden nicht empfänglich sind, wen­den sie sich ab und gesellen sich mit denen zusammen, die in der Welt ein ähnliches Leben geführt haben wie sie selbst.

Was aber die anderen betrifft, die äußerlich heilig ge­lebt, ständig die Kirchen besucht, dort gebetet, ihre Seele ka­steit, dabei aber doch ständig daran gedacht hatten, daß sie mehr Achtung und Ehre verdienten als andere und nach dem Tode als Heilige gelten würden, so befinden sie sich im an­deren Leben keineswegs im Himmel, weil sie ja all diese Dinge für sich selbst getan hatten. Und da sie die göttlichen Wahrheiten durch ihre Selbstliebe besudelt haben, sind manche von ihnen derart wahnsinnig, daß sie sich für Göt­ter halten. Aus diesem Grunde sind sie unter ihresgleichen in der Hölle. Andere wiederum sind schlau und arglistig und befinden sich in den Höllen der Betrüger. Das heißt, sie sind bei Geistern, die durch allerlei Kunstgriffe und Schlauheiten äußerliche Frömmigkeit zur Schau trugen, durch die sie den Pöbel verleitet hatten, sie für göttliche Heilige zu halten. Viele katholische Heilige sind von dieser Art, und mit einigen von ihnen durfte ich auch sprechen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihr Leben deutlich, und zwar wie es in der Welt er­schien und wie es nachher beschaffen war. Diese Dinge wur­den angeführt, um zu zeigen, daß nicht ein von der Welt zurückgezogenes Leben, sondern ein Leben mitten in der Welt zum Himmel führt, und zwar ein Leben der Nächsten­liebe, nicht aber ein frommes Leben ohne diese, wie es ja nur in der Welt möglich ist. Nächstenliebe heißt, in jedem Beruf, in jedem Geschäft und bei jedem Werk aufrichtig und ge­recht zu handeln, und zwar von innen heraus, das heißt aus himmlischem Ursprung. Dieser Ursprung erfüllt das Leben dann, wenn der Mensch aufrichtig und gerecht handelt, weil das mit den göttlichen Gesetzen übereinstimmt. Ein solches Leben fällt nicht schwer, wohl aber ein Leben der Frömmig­keit, das vom Leben der Nächstenliebe absieht. Und doch führt gerade ein solches Leben soweit vom Himmel weg, wie man glaubt, es führe zu ihm hin.

*



DIE HÖLLE

 

Der Herr regiert die Höllen.

*536. Im Kapitel über den Himmel ist überall, aber vor allem in Nr. 2 6, gezeigt worden, daß der Herr der Gott des Himmels ist, ihm also die Gesamtleitung der Himmel obliegt. Da nun das Verhältnis des Himmels zur Hölle (und ebenso der Hölle zum Himmel) dem zweier Gegensätze gleicht, die wechselseitig einander entgegenwirken, aus Wirkung und Gegenwirkung also ein Gleichgewicht entstehen lassen, in dem alles seinen Bestand findet, so muß, wer den Himmel re­giert, auch die Hölle regieren, damit alles Bestehende im Gleichgewicht gehalten wird. Denn wenn nicht derselbe Herr die feindlichen Angriffe von seiten der Höllen im Zaum hielte und die Wahnsinnstaten darin zähmte, würde das Gleichge­wicht und mit dem Gleichgewicht das Ganze zugrundegehen.

*537. Hier soll nun zuerst etwas über das Gleichgewicht gesagt werden. Wenn zwei Wesen gegeneinander wirken und jedes im selben Maß zurückschlägt und widersteht, wie das andere kämpft und angreift, so kommt bekanntlich keines von beiden zum Ziel, weil ihre Kräfte sich gegenseitig aufhe­ben. Jedes von ihnen kann dann von einem Dritten nach Be­lieben bewegt werden, denn da beide ihre Kraft gegen den sel­ben Widerstand verzehren, kommt die Kraft des Dritten ebenso leicht zur Wirkung, als wenn gar kein Widerstand vor­handen wäre. Ein solches Gleichgewicht besteht zwischen Himmel und Hölle. Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein Gleichgewicht wie zwischen zwei gleich starken Kämpfern, sondern um ein geistiges Gleichgewicht, ein Gleichgewicht des Falschen gegen das Wahre und des Bösen gegen das Gute. Die Hölle strömt aus dem Bösen fortwährend Falsches aus, umgekehrt der Himmel aus dem Guten fortwährend Wahres. Dieses geistige Gleichgewicht bewirkt, daß der Mensch in der Freiheit des Denkens und Wollens steht. Alles nämlich, was der Mensch denkt und will, bezieht sich entweder auf etwas Böses und das daraus resultierende Falsche oder aber auf etwas Gutes und das daraus hervorgehende Wahre. Befindet sich also der Mensch in diesem Gleichgewicht, so ist er frei, entweder das Böse und das daraus resultierende Falsche aus der Hölle zuzulassen und in sich aufzunehmen, oder aber das Gute und das daraus hervorgehende Wahre aus dem Himmel. Der Herr hält jeden Menschen in diesem Gleichgewicht, weil er beide, den Himmel sowohl wie die Hölle, regiert. Im Fol­genden werden wir in den einzelnen Abschnitten zeigen, warum der Mensch durch das Gleichgewicht in dieser Frei­heit gehalten und warum ihm nicht durch göttliche Macht das Böse und Falsche genommen und statt dessen das Gute und Wahre beigebracht wird.

*538. Ich durfte einige male die von der Hölle ausströ­mende Sphäre jenes Falschen empfinden, das dem Bösen entspringt. Sie war wie ein unaufhörliches Streben, alles Gute und Wahre zu zerstören, verbunden mit Zorn und einer gewissen blinden Wut darüber, daß sie das nicht vermochte. Darin überwog ein Streben, das Göttliche des Herrn zu ver­nichten und zu zerstören, weil er die Quelle alles Guten und Wahren ist. Ich durfte aber auch die vom Himmel ausströ­mende Sphäre des Guten, das aus dem Wahren hervorgeht, empfinden, welche diese wütende Gier aus der Hölle hemmte, so daß ein Gleichgewicht entstand. Die vom Him­mel her empfundene Strömung schien von den Engeln zu kommen, doch stammte sie vom Herrn allein, denn jeder Engel des Himmels erkennt an, daß von ihm selbst nichts Gutes und Wahres kommt, sondern allein vom Herrn.

*539. Alle Macht in der geistigen Welt gehört dem aus dem Guten hervorgehenden Wahren an; das aus dem Bösen entspringende Falsche hat keinerlei Macht. Die Ursache, weshalb alle Macht dem Wahren aus dem Guten zukommt, liegt im Göttlichen selbst, das im Himmel das Göttlich Gute und  Wahre ist, und das allein alle Macht besitzt. Das aus dem Bösen hervorgehende Falsche kann darum keinerlei Macht haben, weil diese völlig dem aus dem Guten hervor­gehenden Wahren angehört, in dem aus dem Bösen resultie­renden Falschen aber keine Spur Gutes zu finden ist, das dem Wahren entstammte. Daher liegt alle Macht beim Himmel und keine bei der Hölle. Im Himmel verfügt jeder über die aus dem Guten hervorgehenden Wahrheiten, während in der Hölle jedermann dem Falschen des Bösen ist. Denn in den Himmel wird nur eingelassen, wer in den Wahrheiten aus dem Guten lebt, und niemand wird in die Hölle gewor­fen, ehe er von den Falschheiten aus dem Bösen erfüllt ist. Den Nachweis dieser Tatsache findet man in den Abschnit­ten, die vom ersten, zweiten und dritten Zustand des Men­schen nach dem Tode handeln (Nr. 491 520). Den Nachweis, daß alle Macht dem aus dem Guten hervorgehenden Wah­ren angehört, findet man im Abschnitt über die Macht der Engel des Himmels (Nr. 228 233).

*540. Darin besteht nun das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle. In der Geisterwelt befindet man sich in diesem Gleichgewicht, liegt sie doch in der Mitte zwischen Himmel und Hölle. Von der Geisterwelt aus werden auch alle Menschen in der Welt in einem ähnlichen Gleichgewicht ge­halten, denn die Menschen in der Welt werden durch Geister aus der Geisterwelt regiert. Ein entsprechender Abschnitt weiter unten wird dies zeigen. Ein solches Gleichgewicht kann es nur geben, weil der Herr sowohl den Himmel wie auch die Hölle regiert und beiden Maß und Ziel setzt. Wäre es anders, so würde das aus dem Bösen hervorgehende Falsche das Übergewicht erlangen und die einfachen Guten im Untersten des Himmels, die sich leichter als die eigentli­chen Engel verderben lassen, anstecken. Auf diese Weise wurde das Gleichgewicht und mit dem Gleichgewicht auch die Freiheit bei den Menschen zugrundegehen.

*541. Die Hölle ist ebenso in Gesellschaften eingeteilt, wie der Himmel, und zwar auch in ebensoviele, denn um des Gleichgewichtes willen steht jeder Gesellschaft im Himmel eine solche in der Hölle gegenüber. Nur unterscheiden sich die höllischen Gesellschaften nach dem Bösen und dem dar­aus resultierenden Falschen, da sich auf der anderen Seite die himmlischen Gesellschaften nach dem Guten und dem daraus resultierenden Wahren unterscheiden. Jedem Guten ist ein Böses entgegengesetzt, jedem Wahren ein Falsches, wie man schon daraus erkennen kann, daß es nichts ohne Beziehung zu seinem Gegenteil gibt. Aus dem Gegensatz be­greift man die Beschaffenheit eines Dings und auf welcher Stufe es steht. Alle Wahrnehmung und Empfindung beruht auf Polarität. Daher sorgt der Herr beständig dafür, daß jede Gesellschaft des Himmels in einer Gesellschaft der Hölle ihren Gegenpol findet und zwischen ihnen ein Gleichge­wicht besteht.

*542. Weil die Hölle in ebenso viele Gesellschaften einge­teilt ist wie der Himmel, darum gibt es auch genauso viele Höllen wie himmlische Gesellschaften. Jede Gesellschaft ist ja, wie man oben in Nr. 51 58 nachlesen kann, ein Himmel in kleinerer Gestalt. Da es nun im allgemeinen drei Himmel gibt, so auch drei Höllen, nämlich eine unterste als Gegenpol des innersten oder dritten Himmels, eine mittlere als Ge­genstück zum mittleren oder zweiten Himmel, sowie eine obere als Gegenüber zum äußersten oder ersten Himmel.

*543. In wenigen Sätzen soll auch gesagt werden, wie der Herr die Hölle regiert. Aufs Ganze gesehen, werden sie durch den allgemeinen Zustrom des Göttlich Guten und  Wahren aus den Himmeln regiert, der die aus den Höllen hervor­fließende allgemeine Begierde einschränkt und zähmt, aber auch durch den besonderen Zustrom aus jedem Himmel und jeder einzelnen himmlischen Gesellschaft. Genauer ge­sagt, die Höllen werden durch Engel regiert, denen es er­möglicht wird, in die Höllen hineinzusehen und den darin herrschenden Wahnsinn und Aufruhr im Zaum zu halten. Es geschieht auch zuweilen, daß Engel dahin abgesandt werden und durch ihre bloße Gegenwart mäßigend wirken. Im um­fassenden Sinn werden alle Bewohner der Hölle durch ihre Befürchtungen regiert, manche sogar noch durch die ihnen in der Welt eingepflanzten und von daher mitgebrachten. Da aber diese Befürchtungen nicht genügen und auch allmäh­lich nachlassen, werden sie auch durch Furcht vor Strafen beherrscht, die sie vor allem vom Tun des Bösen ab­schrecken. Es gibt dort eine Vielzahl von Strafen, gelindere und härtere — je nach dem Bösen. Die Bösartigeren werden meist über andere gesetzt, denen sie an Schlauheit und Ge­schicklichkeit überlegen sind und die sie durch Strafen und die damit zusammenhängenden Schrecken in Gehorsam und Knechtschaft halten. Diese Befehlshaber wagen es je­doch nicht, die ihnen gesetzten Grenzen zu überschreiten. Man muß wissen, daß die Furcht vor Strafe das einzige Mit­tel ist, um (Gewalttätigkeiten und blinde Wut der Höllischen zu zähmen. Ein anderes Mittel gibt es nicht.

*544. Bis heute glaubt man auf Erden, es gebe einen be­stimmten Teufel, der die Höllen beherrsche; er sei ur­sprünglich als Engel des Lichts erschaffen, dann zu einem Empörer geworden und mit seiner Rotte in die Hölle hinab­gestoßen worden. Dieser Glaube beruht darauf, daß im Wort sowohl vom Teufel und Satan als auch vom Lichtbringer (Luzifer) gesprochen wird und man das Wort an diesen Stel­len rein buchstäblich versteht. In Wirklichkeit hat man unter dem Teufel und Satan die Hölle zu verstehen, wobei der Teufel die Hölle bezeichnet, die weiter hinten liegt, wo sich die Schlimmsten finden, böse Engel (genii) genannt. Der Satan dagegen bezeichnet die weiter vorn liegende Hölle, wo sich die weniger Bösartigen aufhalten, böse Gei­ster genannt. Unter Luzifer sind hingegen diejenigen zu ver­stehen, die aus Babel oder Babylonien stammen, das heißt Geister, die ihre Herrschaftsbereiche bis in den Himmel aus­dehnen. Die Tatsache, daß kein besonderer Teufel existiert, dem die Höllen unterworfen wären, ergibt sich auch aus der Herkunft der Höllenbewohner, die ebenso wie die Bewoh­ner des Himmels allesamt dem menschlichen Geschlecht entstammen (man vergl. oben Nr. 311 317). Vom Anfang der Schöpfung bis auf die heutige Zeit haben sich dort Myriaden mal Myriaden eingefunden, und jeder einzelne von ihnen ist der besondere Teufel, zu dem ihn in der Welt sein Ge­gensatz zum Göttlichen gemacht hat (vergl. hierüber oben Nr. 311 und Nr. 313). 



Der Herr wirft niemanden in die Hölle, sondern der Geist sich selbst.

*545. Manche sind der Meinung, daß Gott sein Angesicht vom Menschen abwende, ihn von sich stoße, in die Hölle werfe und über sein Böses erzürnt sei. Manche gehen noch weiter und meinen, daß Gott den Menschen strafe und ihm Böses erweise. Sie bestärken sich in dieser Ansicht durch den Buchstabensinn des Wortes, in dem ähnliches gesagt wird, und wissen nicht, daß der geistige Sinn des Wortes die Er­klärung des buchstäblichen und von ganz anderer Beschaf­fenheit ist. Aus diesem geistigen Sinn des Wortes stammt daher die reine Lehre der Kirche, die etwas ganz anderes lehrt, nämlich daß Gott niemals sein Antlitz vom Menschen abwendet oder ihn von sich stößt, daß er niemanden in die Hölle wirft und niemandem zürnt. Das kann auch jeder erkennen, dessen Gemüt erleuchtet wird, wenn er das Wort liest, schon allein daraus, daß ja Gott das Gute, die Liebe, die Barmherzigkeit selbst ist. Das Gute selbst aber vermag nie­mandem etwas Böses zuzufügen und die Liebe und Barm­herzigkeit keinen Menschen zurückzustoßen, denn das wi­derspräche dem eigentlichen Wesen der Barmherzigkeit und Liebe, folglich dem Göttlichen selbst. Wer daher beim Lesen des Wortes aus einem erleuchteten Gemüt heraus nach­denkt, erkennt klar, daß sich Gott niemals vom Menschen abwendet, sondern aus Güte, Liebe und Barmherzigkeit mit ihm handelt, also sein Bestes will, ihn liebt und sich seiner erbarmt. Er kann also auch erkennen, daß der Buchstaben­sinn des Wortes an den fraglichen Stellen einen geistigen Sinn in sich birgt, der zur Erklärung dessen dient, was in die­sem Buchstabensinn dem Fassungsvermögen des Men­schen und seinen ersten und noch ganz allgemeinen Vor­stellungen angepaßt worden ist.

*546. Menschen im Zustand der Erleuchtung sehen fer­ner, daß das Gute und Böse zwei Gegensätze sind, ebenso entgegengesetzt wie Himmel und Hölle, und daß alles Gute aus dem Himmel, alles Böse aus der Hölle stammt. Sie erken­nen, daß vom Herrn nur Gutes auf den Menschen übergeht, weil sein Göttliches den Himmel bildet (Nr. 7 12), von der Hölle dagegen nur Böses. Also führt der Herr den Menschen unausgesetzt vom Bösen weg zum Guten, während umge­kehrt die Hölle den Menschen fortgesetzt ins Böse hinein­zieht. Stünde der Mensch nicht zwischen beiden, er besäße weder Denken noch Wollen und noch weniger irgendeine Freiheit und Wahl. All dies besitzt er nämlich infolge des Gleichgewichts zwischen Gutem und Bösem. Daraus folgt: Würde sich der Herr abwenden und wäre der Mensch allein seinem Bösen überlassen, er wäre nicht mehr Mensch. Es ist also offensichtlich, daß der Herr mit dem Guten bei jedem Menschen einfließt, bei den bösen ebenso wie den guten, mit dem Unterschied jedoch, daß er den bösen Menschen fort­während vom Bösen abhält, während er den guten Menschen fortwährend zum Guten hinführt. Der Grund für diesen Un­terschied liegt beim Menschen, weil er der Empfangende ist.

*547. Wir können daher feststellen, daß der Mensch das Böse von der Hölle und das Gute vom Herrn her tut. Weil nun aber der Mensch glaubt, er tue alles, was er tut, aus sich, darum hängt ihm das vollbrachte Böse an, als ob es sein eigen wäre; und darum ist der Mensch der Urheber seines Bösen und in keiner Weise der Herr. Das Böse eines Men­schen ist seine Hölle, denn es bleibt sich gleich, ob man nun sagt, das Böse oder die Hölle. Weil nun der Mensch selbst Ur­sache seines Bösen ist, so bringt er sich auch selbst in die Hölle und nicht der Herr. Weit davon entfernt, den Men­schen in die Hölle zu werfen, befreit ihn der Herr vielmehr davon in dem Maß, wie er seinem Bösen widersteht und sich ihm nicht unterwerfen will. Des Menschen ganzer Wille und seine ganze Liebe bleiben bei ihm nach dem Tode (Nr. 470­-484). Wer in der Welt das Böse will und liebt, der will und liebt es auch im anderen Leben und läßt sich dann nicht mehr davon abbringen. Daher ist der Mensch, der sich dem Bösen ergeben hat, an die Hölle gekettet. Was seinen Geist betrifft, so ist er auch tatsächlich schon dort, und nach dem Tode wünscht er sich nichts sehnlicher, als dorthin zu kommen, wo er sein Böses wiederfindet. Deshalb stürzt sich der Mensch nach dem Tode selbst in die Hölle und wird nicht vom Herrn dorthin verbannt.

*548. Es soll auch gesagt werden, wie das vor sich geht. Wenn der Mensch ins andere Leben eintritt, wird er zuerst von Engeln empfangen, die alles für ihn tun und mit ihm auch über den Herrn, den Himmel und das Leben der Engel reden und ihn im Wahren und Guten unterweisen. Ist aber der Mensch, der jetzt ein Geist ist, so geartet, daß er von die­sen Dingen zwar in der Welt gehört, sie im Herzen aber ge­leugnet oder gar verachtet hat, so verlangt er nach einigen Besprechungen, von den Engeln loszukommen und ver­sucht das auch. Sobald die Engel dies merken, verlassen sie ihn. Er aber gesellt sich, nachdem er noch einige Zeit mit an­deren zusammen war, schließlich zu denen, die in derselben Art des Bösen sind, wie er (man vergl. oben Nr. 445 452). Wenn das geschieht, wendet er sich vom Herrn ab und wen­det sein Gesicht jener Hölle zu, mit der er in der Welt ver­bunden gewesen ist und deren Bewohner der gleichen Liebe zum Bösen verfallen sind.

Damit ist klar, daß der Herr durch die Engel, wie auch durch einen Einfluß aus dem Himmel jeden Geist an sich zieht, daß aber Geister, die dem Bösen verfallen sind, ganz und gar widerstreben und sich gleichsam vom Herrn losreißen und wie mit Stricken von ihrem Bösen, also von der Hölle, angezo­gen werden. Und weil sie diesem Zug aus ihrer Liebe zum Bösen heraus auch folgen wollen, so steht fest, daß sie sich freiwillig in die Hölle stürzen. In der Welt kann man das infolge der Vorstellung, die man sich von der Hölle gemacht hat, nicht glauben. Ja, sogar im anderen Leben sieht es in den Augen derer, die sich außerhalb der Hölle befinden, ebenso aus — frei­lich nicht in den Augen derer, die sich selbst in die Hölle hin­abstürzen. Diese gehen ja aus eigenem Antrieb hinein; und alle, die eine geradezu brennende Liebe zum Bösen dazu treibt, erwecken den Eindruck, als ob sie kopfüber hinabge­stürzt würden. Dieser Anschein läßt es so aussehen, als ob sie durch göttliche Gewalt hinabgestoßen würden. (Mehr dar­über weiter unten in Nr. 575.) Hieraus ist ersichtlich, daß der Herr niemanden in die Hölle wirft, vielmehr jeder sich selbst, nicht allein während er in der Welt lebt, sondern auch nach dem Tod, wenn er unter die Geister kommt.

*549. Der Herr kann aus seinem göttlichen Wesen heraus, das die Güte, Liebe und Barmherzigkeit selbst ist, nicht mit jedem Menschen auf die gleiche Weise verfahren. Das ist ihm deshalb nicht möglich, weil das Böse und das daraus hervor­gehende Falsche hindernd im Wege steht und seinen göttli­chen Einfluß nicht nur erlahmen läßt, sondern geradezu zurückstößt. Das Böse und das aus ihm resultierende Falsche gleichen schwarzen Wolken, die sich zwischen die Sonne und das Auge des Menschen schieben und die Helligkeit und Heiterkeit des Lichtes wegnehmen, obschon die Sonne un­ausgesetzt die Wolken zu zerstreuen trachtet. Denn sie steht hinter ihnen und wirkt und läßt zuweilen auch ein wenig mattes Licht durch einzelne Öffnungen ins Auge des Men­schen fallen. Auch in der geistigen Welt ereignet sich ähnli­ches. Hier ist die Sonne der Herr und die göttliche Liebe (Nr. 116 140), das Licht das göttliche Wahre (Nr. 126 140), die schwarzen Wolken das Falsche aus dem Bösen und das Auge der Verstand. Befindet sich hier jemand in einem dem Bösen entspringenden Falschen, so umgibt ihn eine solche Wolke, schwarz und dicht, je nach dem Grade des Bösen. Aus die­sem Vergleich kann man erkennen, daß die Gegenwart des Herrn unaufhörlich bei jedem vorhanden ist, jedoch ver­schieden aufgenommen wird.

*550. Die bösen Geister in der Geisterwelt werden streng bestraft, um dadurch vom Tun des Bösen abgeschreckt zu werden; auch dies scheint vom Herrn zu kommen. In Wirk­lichkeit aber liegt der Ursprung der Strafe nie im Herrn, son­dern im Bösen selbst, denn es ist mit seiner Strafe so eng ver­bunden, daß sie nicht getrennt werden können. In der Tat be­gehrt und liebt der höllische Mob nichts mehr, als Böses zu tun, vor allem Strafen zu verhängen und zu quälen, und es gelingt ihm auch bei jedem, der nicht vom Herrn beschützt wird. Sobald daher irgendetwas Böses aus bösem Herzen getan wird, so stürzen sich, weil dies allen Schutz von Seiten des Herrn aufhebt, die bösen Geister auf den Missetäter und strafen ihn. Bis zu einem gewissen Grad läßt sich das durch das Böse in der Welt veranschaulichen, das auch mit den ent­sprechenden Strafen verbunden ist. In der Welt schreiben ja die Gesetze für jedes Böse die entsprechende Strafe vor. Mit anderen Worten, wer sich dem Bösen ergibt, zieht sich ebenso dessen Strafe zu. Der einzige Unterschied besteht darin, daß sich das Böse in der Welt verheimlichen läßt, nicht aber im anderen Leben. Somit können wir feststellen, daß der Herr niemandem etwas Böses zufügt, und daß es sich damit ähnlich verhält wie in der Welt. Dort liegt die Ursache auch nicht bei dem König, dem Richter oder dem Gesetz, wenn der Schuldige bestraft wird, denn sie bilden nicht die Ursache des Bösen bei dem Übeltäter. 



Alle Bewohner der Hölle sind aufgrund ihrer selbst  und Weltliebe im Bösen und dem daraus entsprechenden Falschen.

*551. Alle Bewohner der Hölle sind dem Bösen und dem daraus hervorgehenden Falschen verfallen. Es gibt dort nie­manden, der, dem Bösen verfallen, zugleich wahr wäre. In der Welt kennen die meisten Bösen die geistigen Wahrhei­ten, das heißt die Wahrheiten der Kirche, haben sie diese doch von Kindheit an und später auch aus der Predigt und der Lek­türe des Wortes gelernt, um in ihrem Sinne zu reden. Einigen von ihnen war es auch gelungen anderen vorzutäuschen, sie seien aufrichtige Christen, weil sie es verstanden mit erheu­chelter Neigung aus der Perspektive der Wahrheit zu reden. Auch handelten sie redlich, als ob es aus einem vergeistigten Glauben geschähe. Doch alle, die bei sich das genaue Ge­genteil gedacht hatten und sich nur der bürgerlichen Ge­setze wegen und aus Besorgnis um ihren guten Ruf, ihre Stel­lung und ihre Vorteile versagt hatten, das Böse zu tun, das sie in Gedanken hegten, sind im Herzen böse, und nur dem Kör­per, nicht dem Geiste nach dem Wahren und Guten zugetan. Wenn ihnen daher im anderen Leben das Äußere genommen und das ihrem Geist angehörende Innere enthüllt wird, so verfallen sie ganz und gar dem Bösen und Falschen und be­sitzen keinerlei Wahres und Gutes mehr. Dann liegt offen zu­tage, daß das Wahre und Gute nur als ein Wissen in ihrem Ge­dächtnis lag, das sie beim Reden hervorholten, um den Ein­druck zu erwecken, als ob bei ihnen alles Gute geistiger Liebe, geistigem Glauben entspringe. Werden diese Men­schen in ihr Inneres, folglich in ihr Böses versetzt, so können sie nichts Wahres mehr sprechen, sondern nur noch Falsches, weil sie aus ihrem Bösen reden. Es ist nämlich un­möglich, aus dem Bösen heraus Wahres zu reden, weil dann der Geist nur noch sein eigenes Böses ist und aus dem Bösen nur Falsches hervorgehen kann. Jeder böse Geist wird, ehe er in die Hölle geworfen wird, in diesen Zustand versetzt (man vergl. oben Nr. 499 512). Es wird als „Abödung“ (vastatio) vom Wahren und Guten bezeichnet. Die Abödung ist nichts anderes als ein Eingelassen werden in die inneren Be­reiche, also in das Eigene des Geistes oder in den Geist selbst (man vergl. auch oben Nr. 425).

*552. Wenn der Mensch nach dem Tode diese Stufe er­langt hat, ist er nicht mehr ein Menschen Geist, wie er es in seinem ersten Zustand war (man vergl. oben Nr. 491 498), sondern er ist nun wirklich ein Geist. Ein echter Geist ist er, sobald er ein Gesicht und einen Leib hat, die seinem Inne­ren, das heißt seiner Gesinnung, entsprechen, wenn also seine äußere Gestalt ein Abdruck oder ein Abbild seiner in­neren Bereiche geworden ist. In diesem Zustand ist aber der Geist nach vollbrachtem ersten und zweiten Zustand, von denen oben die Rede war. Er wird daher nun auf den ersten Blick als der erkannt, der er tatsächlich ist, keineswegs nur an seinem Gesicht, sondern auch an seinem ganzen Leib, sowie an seiner Sprache und seinen Gebärden. Und weil er nun in sich ist, so ist es ihm unmöglich, an einem anderen Ort zu verweilen als dort, wo die ihm Ähnlichen sich aufhalten.

In der Tat werden in der geistigen Welt alle Neigungen und die aus ihnen entspringenden Gedanken mitgeteilt, wes­halb der Geist wie von selbst zu seinen Gesinnungsgenossen hingezogen wird; er folgt seiner eigenen Neigung und deren Lust, wendet sich also selbst in jene Richtung. Nur so findet er sein eigenes Leben und atmet aus freier Brust, was ihm sonst nirgends gelingt. Man muß wissen, daß die Kommunikation mit anderen in der geistigen Welt von der Zuwendung des An­gesichts abhängt, und daß jeder ständig diejenigen vor Augen hat, die mit ihm die gleiche Liebe teilen; und das bei jeder Wendung des Leibes (man vergl. oben Nr. 151).

Darin liegt die Ursache, weshalb sich alle höllischen Geister vom Herrn abwenden und sich jenen dunstigen und verfinsterten Körpern zukehren, die dort anstelle der irdi­schen Sonne und des irdischen Mondes stehen, während sich alle Engel des Himmels dem Herrn als der Sonne und dem Mond des Himmels zuwenden (man vergl. oben Nr. 123, 143 f, 151). Damit steht fest, daß sich alle Bewohner der Hölle dem Bösen und dem daraus resultierenden Falschen erge­ben und sich auch den entsprechenden Arten der Liebe zu­gewendet haben.

*553. Alle Geister in den Höllen erscheinen, wenn sie ir­gendwie im Licht des Himmels betrachtet werden, in der Ge­stalt ihres Bösen. In der Tat ist jeder von ihnen das Abbild sei­nes Bösen, da seine inneren und äußeren Bereiche einheit­lich zusammenwirken, wobei die ersteren sich in den letzteren sichtbar darstellen, nämlich im Gesicht, im Körper, in der Rede und in den Gebärden. So ist es möglich, die Be­schaffenheit der Geister bei ihrem Anblick zu erkennen. All­gemein gesprochen, drückt sich in ihrer Gestalt die Verach­tung anderer und die Drohung gegenüber allen aus, die ihnen nicht huldigen. Sie sind Gestalten des Hasses ver­schiedenster Art und vielfältiger Rachgier; Wut und Grau­samkeit entsteigen ihren tieferen Schichten. Doch sobald andere sie loben, verehren und anbeten, zieht sich ihr Ge­sicht zu einem Ausdruck des Behagens befriedigter Lust zu­sammen. Es läßt sich gar nicht in Kürze beschreiben, wie alle die Gestalten aussehen, denn keine gleicht der anderen. Nur zwischen denen, die einem ähnlichen Bösen verfallen sind und daher zur gleichen höllischen Gesellschaft gehören, be­steht eine gemeinsame Übereinstimmung, die als Grund­lage für eine gewisse Ähnlichkeit der einzelnen Gesichter un­tereinander zu dienen scheint. Im allgemeinen sind ihre Ge­sichter grausig und leblos wie die von Leichen. Bei einigen glühend rot wie ein Feuerbrand, manche durch Blattern, Beulen und Geschwüre entstellt, bei vielen ist überhaupt kein Gesicht zu erkennen, stattdessen nur etwas Struppiges oder Knöchernes; bei anderen fallen nur die Zähne auf. Auch ihre Leiber sehen scheußlich aus, und ihre Sprache erweckt den Eindruck, als werde sie aus Zorn, Haß oder Rachgier her­vorgestoßen, redet doch jeder aus seinem Falschen und in einem Tonfall, der seinem Bösen entspringt. Mit einem Wort: Sie sind samt und sonders Abbilder ihrer Höllen. Die Ge­samtgestalt der Hölle wurde mir nicht zu sehen gegeben, mir wurde nur gesagt, ebenso wie der Himmel in seinem Ge­samtumfang einen einzigen Menschen darstelle (vergl. Nr. 59 67), so forme auch die Hölle in ihrem Gesamtumfang einen Teufel und könne daher auch wirklich im Bilde eines Teufels dargestellt werden (man vergl. oben Nr. 544). Ich durfte aber öfters sehen, welche Gestalt die einzelnen Höllen und die höllischen Gesellschaften haben, denn an den Ein­gängen, den sogenannten Höllenpforten, erscheint mei­stens ein Scheusal, das ein allgemeines Bild der betreffenden Bewohner vermittelt. Ihre Wutausbrüche werden bei dieser Gelegenheit durch derart entsetzliche und gräßliche Dinge vorgestellt, daß ich darüber nicht berichten möchte.

Man soll sich jedoch klar machen, daß die höllischen Geister zwar im Lichte des Himmels so aussehen, sich aber untereinander als Menschen erblicken. Infolge der Barm­herzigkeit des Herrn dürfen sie einander nicht als ebensol­che Scheußlichkeiten erscheinen, wie den Engeln. Aber so­bald nur ein wenig Licht aus dem Himmel eingelassen wird, zeigt sich, daß dies auf Täuschung beruht, verwandelt es doch jene menschlichen Gestalten umgehend in die Unge­heuer, die sie an und für sich sind und die oben beschrieben wurden. Alles erscheint nämlich im Licht des Himmels so, wie es an und für sich ist. Darum fliehen sie auch das Licht (lucem) des Himmels und stürzen sich in ihr eigenes Licht (lumen) hinab, das dem Schein glühender Kohlen und gele­gentlich auch brennenden Schwefels gleicht. Doch auch die­ser Schein wird zu schwarzer Finsternis, sobald nur ein Strahl des himmlischen Lichtes einfällt. Aus diesem Grunde heißt es, in den Höllen herrsche Dunkel und Finsternis, und Dun­kel und Finsternis bedeuten das Falsche aus dem Bösen, wie es in der Hölle herrscht.

*554. Die Betrachtung jener scheußlichen Gestalten der höllischen Geister zeigt deutlich: Samt und sonders sind sie Formen der Verachtung anderer und der Drohung gegen­über allen, die sie nicht verehren und anbeten, ebenso auch Formen des Hasses und der Rachgier denen gegenüber, die ihnen nicht gewogen sind. Sie stellen — allgemein gespro­chen — Formen der Selbst  und Weltliebe dar, und das Böse, dessen besondere Ausprägungen sie sind, hat seinen Ur­sprung in diesen beiden Abarten der Liebe. Aus dem Himmel wurde mir auch gesagt, und es bestätigte sich durch viele Er­fahrung, daß diese beiden Arten der Liebe, die Selbst  und Weltliebe, in den Höllen herrschen, ja die Höllen sind, wo­hingegen die Liebe zum Herrn und die Liebe zum Nächsten in den Himmeln herrschen, ja die Himmel sind. Ferner wurde mir gesagt, daß die beiden Liebesarten, die im Him­mel herrschen, völlige Gegensätze bilden.

*555. Zuerst verstand ich nicht recht, warum die Selbst- ­und Weltliebe so teuflisch sein sollen und die darin Befange­nen als Scheusale erscheinen. In der Welt macht man sich ja wenig Gedanken über die Selbstliebe, dafür umso mehr über eine hochfahrende Sinnesart (alationem animi), die ge­wöhnlich als Hochmut bezeichnet wird und, weil sie in die Augen springt, allein als Selbstliebe gilt. Außerdem sieht man in der Welt die Selbstliebe, die nicht so herausfordernd ist, als Lebensfeuer und notwendigen Antrieb dafür an, daß sich die Menschen um Ämter bewerben und Nutzen schaffen. Man meint, ohne die Lockungen von Ehre und Ruhm würde der Mensch nichts unternehmen und sagt: „Wer hat je etwas Großes, Nützliches und Denkwürdiges vollbracht, wenn nicht, um gefeiert, geehrt und bei den Menschen unverges­sen zu sein? Das alles entspringt doch nur der glühenden Liebe zu Ruhm und Ehre, also zu sich selbst!?“ Aus diesem Grund weiß man in der Welt nicht, daß die Selbstliebe, be­trachtet man sie genau, jene Liebe ist, die in der Hölle herrscht, ja die Hölle beim Menschen ausmacht. Weil die Dinge so liegen, will ich zuerst die Selbstsucht beschreiben und dann zeigen, wieso aus ihr alles Böse und damit zusam­menhängende Falsche entspringt.

*556. Die Selbstliebe besteht darin, nur sich selbst wohl­zuwollen und niemand sonst, nicht der Kirche, nicht dem Vaterland, nicht irgendeiner menschlichen Gesellschaft, es sei denn um seiner selbst willen. Jenen dient der Eigen­süchtige nur um des eigenen Rufes, der eigenen Ehre und des eigenen Ruhmes willen. Gehen diese nicht aus dem geleiste­ten Dienst für ihn hervor, so spricht er in seinem Herzen: „Was liegt schon daran?“ „warum sollte ich?“ „was springt für mich dabei heraus?“ und so unterläßt er ihn. Damit ist klar: Wer in der Selbstliebe befangen ist, liebt nicht die Kir­che, das Vaterland und die Gesellschaft, irgendeine nützliche Funktion, sondern sich selbst allein. Angenehm ist ihm nur die Lust der Eigenliebe, und weil die Lust, die einer Liebe ent­springt, das Leben des Menschen bildet, so besteht sein Leben nur aus seinem selbstsüchtigen Leben. Ein solches Leben ist aber an sich betrachtet nur böse.

Wer sich liebt, der liebt auch die, die ihm nahe stehen, insbesondere seine Kinder und Verwandten, im weiteren Sinne alle, die eins mit ihm ausmachen und die er „seine Leute“ nennt. Die einen wie die anderen zu lieben bedeutet auch, sich selbst zu lieben, erblickt er sie doch gleichsam in sich und sich in ihnen. Zu denen, die er „seine Leute“ nennt, gehören auch alle, die ihn loben, ehren und verehren.

*557. Durch den Vergleich mit der himmlischen Liebe läßt sich deutlich erkennen, wie die Selbstsucht aussieht: Die himmlische Liebe besteht nämlich darin, Nutzwirkung um der Nutzwirkung, bzw. Gutes um des Guten willen zu lieben, das der Mensch der Kirche, dem Vaterland, der menschli­chen Gesellschaft und dem Mitbürger erweist; und das heißt in der Tat, Gott und den Nächsten lieben, da alle Nutzwir­kungen und alle guten Dinge von Gott kommen und zugleich auch der Nächste sind, den man lieben soll. Wer diese aber um seiner selbst willen liebt, der liebt sie nur als seine Die­ner, weil sie sich ihm selbst als nützlich erweisen. Daraus folgt: Wer in der Selbstliebe befangen ist, will, daß Kirche, Va­terland, die menschlichen Gemeinschaften und die Mitbürger ihm dienen, nicht aber umgekehrt. Er stellt sich über sie und sie unter sich. In dem Maße, wie sich jemand der Selbst­sucht ergibt, entfernt er sich daher von dem Himmel, weil er sich von der himmlischen Liebe entfernt.

*558. Und weiter: Im selben Maß, in dem sich jemand der himmlischen Liebe hingibt, wird er vom Herrn geführt. Himmlische Liebe aber besteht darin, nützliche und gute Werke zu lieben und seine Freude daran zu haben, wenn man sie für die Kirche, das Vaterland, die menschliche Ge­sellschaft und den Mitbürger vollbringt. Denn in dieser Liebe ist der Herr selbst, und sie stammt von ihm. In dem Maße je­doch, wie jemand der Selbstliebe verfällt, wird er von sich selbst geführt, und soweit das geschieht, nicht vom Herrn. Selbstliebe aber besteht darin, nützliche und gute Werke aus Eigensucht tun. Daraus folgt ebenfalls: Soweit der Mensch sich selbst liebt, entfernt er sich vom Göttlichen und damit auch vom Himmel. Von sich selbst geführt werden heißt, aus seinem Eigenen geführt werden. Das Eigene des Menschen aber ist nichts als Böses, ist tatsächlich sein anererbtes Böses, das darin besteht, sich selbst mehr als Gott, und die Welt mehr als den Himmel zu lieben. Wann immer der Mensch bei dem Guten, das er tut, sich selbst im Auge hat, wird er in sein Eigenes, also in sein anererbtes Böses versetzt. Denn bei solchem Handeln blickt er vom Guten weg auf sich selbst, nicht umgekehrt, von sich selbst weg auf das Gute. Im Guten errichtet er dann gewissermaßen ein Bild seiner selbst und nicht ein Bild des Göttlichen. Erfahrung hat mich darin be­stärkt, daß dem so ist. Es gibt böse Geister, deren Wohnsitze in der Gegend halbwegs zwischen Nord und West unterhalb der Himmel liegen, und welche die Kunst verstehen, recht­schaffene Geister in ihr Eigenes und damit in Böses ver­schiedener Art zu versetzen. Sie bewirken das dadurch, daß sie die Betreffenden in Gedanken an das eigene Ich hinein­leiten, entweder offen, indem sie sie loben und ehren, oder heimlich, indem sie ihren Neigungen eine Richtung auf das eigene Ich geben. Soweit ihnen das gelingt, wenden sie die Gesichter der rechtschaffenen Geister vom Himmel ab, und im selben Maß verfinstern sie ihren Verstand und rufen ihr Böses hervor.

*558.a Die Liebe zu sich selbst ist das Gegenteil der Liebe zum Nächsten, wie man aus dem Ursprung und Wesen dieser beiden Liebesarten ersehen kann. In einem eigensüchtigen Menschen beginnt die Liebe zum Nächsten bei ihm selbst, er­klärt er doch, ein jeder sei sich selbst der Nächste. Von ihm aus als dem Mittelpunkt erstreckt sich seine Liebe auf alle, die mit ihm übereinstimmen, und nimmt ab, je weniger eng sie in Verbindung zu seiner Selbstliebe stehen. Wer nicht zu diesem Kreis gehört, interessiert ihn nicht; wer gegen ihn und sein Böses auftritt, gilt ihm als Feind, er sei noch so weise und an­ständig, aufrichtig und gerecht. Im Gegensatz dazu nimmt die geistige Liebe zum Nächsten ihren Anfang beim Herrn; von ihm aus als dem Mittelpunkt breitet sie sich über alle aus, die mit dem Herrn durch Liebe und Glauben verbunden sind. Diese Ausbreitung richtet sich nach der Beschaffenheit ihres Glaubens und ihrer Liebe. Dies zeigt: Wenn die Nächsten­liebe beim Menschen selbst ihren Anfang nimmt, steht sie im Gegensatz zu der, die vom Herrn ausgeht und stammt aus dem Bösen, nämlich aus dem Eigenen des Menschen, die an­dere hingegen aus dem Guten, nämlich vom Herrn, der das Gute selbst ist. Ferner zeigt es, daß die vom Menschen und sei­nem Eigenen ausgehende Nächstenliebe fleischlicher, die vom Herrn ausgehende dagegen himmlischer Natur ist. Mit einem Wort: Die Selbstliebe bildet bei einem Menschen, der sich ihr ergeben hat, das Haupt, die himmlische Liebe die Füße, auf die er sich stellt. Dient ihm aber die himmlische Liebe nicht, so tritt er sie mit Füßen. Darum sieht es auch so aus, als ob alle, die in die Hölle geworfen werden, mit dem Kopf voran hinabgestürzt würden, während ihre Füße nach oben, dem Himmel zu, weisen (man vergl. oben Nr. 548).

*559. Im Wesen der Selbstsucht liegt ferner, daß sie im sel­ben Maß voranstürmt, wie man ihr die Zügel schießen läßt, das heißt, ihre äußeren Fesseln lockert   nämlich die Furcht vor dem Gesetz mit seinen Strafen, vor dem Verlust des guten Rufs, der Ehre, des Gewinns, der Stellung und des Lebens, bis sie schließlich nicht nur über die ganze Welt, sondern sogar über den ganzen Himmel, ja selbst über das Göttliche herrschen möchte. Sie kennt keine Grenze und kein Ende. Bei jedem Menschen liegt das verborgen, der sich der Selbstliebe ergeben hat, auch wenn es in der Welt, in der ihn die genannten Zügel hemmen, nicht offen zutage tritt. Man sieht es aber an den Machthabern und Königen, die keine solchen Fesseln und Be­schränkungen kennen. Sie stürmen immer weiter, unterwer­fen sich, soweit es ihnen gelingt, ganze Provinzen und Reiche und trachten nach schrankenloser Macht und Herrlichkeit. Noch deutlicher ersichtlich ist es an dem heutigen Babylonien, (die römisch-katholische Kirche) das seine Herrschaft bis in den Himmel hinein ausgedehnt und alle göttliche Gewalt des Herrn auf sich übertragen hat, dabei aber immer noch höher hinaus will. Kommen diese Menschen ins andere Leben, so zeigt sich, daß sie ganz und gar gegen das Göttliche und den Himmel, dabei aber für die Hölle eingenommen sind. Man vergl. dazu das kleine Werk über „Das Jüngste Gericht und das zerstörte Babylonien“.

*560. Man stelle sich eine Gesellschaft vor, in der alle Men­schen nur sich selbst lieben und andere nur, sofern sie mit ihnen übereinstimmen. Dann wird man sehen, daß ihre Liebe sich nicht von der von Verbrechern unterscheidet: Bei ge­meinschaftlichem Handel umarmen sie sich und nennen sich Freunde, treibt aber jeder für sich allein sein Geschäft und ent­zieht sich der Aufsicht der Gemeinschaft, dann geht jeder auf jeden los, und sie metzeln sich gegenseitig nieder. Bei der Un­tersuchung ihres Inneren oder ihrer Gesinnung zeigt sich, daß sie einen feindlichen Haß aufeinander hegen und im Herzen über alles lachen, was gerecht und aufrichtig heißt, selbst über das Göttliche, das sie zurückweisen, als sei es ein Nichts. Diese Feststellung wird sich noch bekräftigen, wenn weiter unten die Rede von ihren Gesellschaften in den Höllen sein wird.

*561. Bei Menschen, die sich selbst über alles lieben, wen­den sich die inneren Bereiche der Gedanken und Neigung sich selbst und der Welt zu und daher im selben Maße vom Herrn und vom Himmel ab. Aus diesem Grunde sind sie be­sessen von allen Arten des Bösen und deshalb findet das Gött­liche bei ihnen auch keinen Eingang. Sobald das geschähe, würde es nämlich in den Gedanken an sie selbst untergehen und verunreinigt, und dem Eigenen entspringenden Bösen einverleibt. Darum müssen auch alle diese Menschen im an­deren Leben vom Herrn weg auf jenen düsteren Bereich blicken, der dort die Stelle der irdischen Sonne einnimmt und den Gegenpol zur Sonne des Himmels bildet, die der Herr ist (man vergl. oben Nr. 123). Obendrein bezeichnet die Finster­nis das Böse und die Sonne der Welt die Selbstliebe.

*562. Im allgemeinen besteht das Böse bei denen, die der Selbstliebe verfallen sind, in der Verachtung anderer Men­schen, in Neid und Groll gegen alle, die ihnen nicht gewogen sind und daher in Feindseligkeit, in Haßausbrüchen ver­schiedenster Art, Rache Handlungen, listigen Anschlägen, Betrügereien, in Unbarmherzigkeit und Grausamkeit. Und was die Religion betrifft, so besteht ihr Böses nicht nur in der Verachtung des Göttlichen und der göttlichen Dinge, das heißt des Wahren und Guten der Kirche, sondern auch in einer Erbitterung, mit der sie sich dagegen wenden und die sich ebenfalls in Haß verwandelt, wenn der Mensch zu einem Geist wird. Nicht nur findet er es dann unerträglich, etwas von diesen Dingen zu hören, er entbrennt auch in Haß gegen alle, die das Göttliche anerkennen und verehren. Ich sprach einst mit einem Menschen, der in der Welt ein Herrscher ge­wesen war und sich selbst im höchsten Grade geliebt hatte. Als er vom Göttlichen auch nur hörte, vor allem aber, als er den Herrn nennen hörte, reizte ihn seine Erbitterung zu einem solchen Haßausbruch, daß er danach brannte, ihn zu töten. Wären dem Trieb seiner Liebe die Zügel gelockert wor­den, er hätte der Teufel selbst sein mögen, um aus seiner Selbstsucht heraus fortwährend den Himmel angreifen zu können. Dieses Verlangen zeigt sich auch bei vielen An­gehörigen der päpstlichen Religion, wenn sie im anderen Leben entdecken müssen, daß der Herr alle Macht hat und sie selbst keine.

*563. Einst erschienen mir in den westlichen Breiten gen Süden einige Geister und erklärten, sie hätten in der Welt in hohen Würden gestanden und verdienten daher, über andere erhoben zu werden und zu gebieten. Engel prüften ihre innere Beschaffenheit und dabei zeigte sich, daß sie bei ihren welt­lichen Obliegenheiten nicht auf die Nutzwirkung, sondern auf sich selbst geblickt, ihr eigenes Ich also über ihre Nutzwirkun­gen gestellt hatten. Weil sie sich aber bewarben und dringend verlangten, anderen vorgesetzt zu werden, gestattete man ihnen, an den Beratungen von Engeln teilzunehmen, die mit den Angelegenheiten eines höheren Wirkungskreises betraut waren. Dabei stellte es sich heraus, daß sie den Geschäften, um die es sich handelte, keinerlei Aufmerksamkeit schenkten. Sie konnten die Dinge nicht innerlich betrachten, sprachen nicht vom Nutzen, sondern von ihrem Eigenen her und trach­teten danach, willkürlich und um des Beifalls willen zu han­deln. Deshalb wurden sie ihres Amtes entsetzt und entlassen, um sich andernorts nach einer Anstellung umzusehen. Sie zogen daher weiter nach Westen, wo sie auch hie und da auf­genommen wurden. Überall mußten sie jedoch hören, sie dächten bloß an sich und betrachteten jede Angelegenheit nur im Blick auf ihr eigenes Ich, seien also stumpfsinnig wie die sinnlich fleischlichen Geister. So wurden sie überall, wohin sie auch kamen, wieder weggeschickt. Nach einiger Zeit sah man sie in äußerster Not um Almosen betteln. Daraus wurde mir folgendes offenbar: Menschen, die der Selbstliebe verfallen sind, mögen in der Welt aus der Glut ihrer Liebe noch so weise Reden halten, es entstammt doch alles nur ihrem Ge­dächtnis und nicht dem Licht der Vernunft. Im anderen Leben, wo der Inhalt des natürlichen Gedächtnisses nicht mehr reproduziert werden darf, sind sie daher stumpfsinniger als andere, weil sie sich vom Göttlichen getrennt haben.

*564. Es gibt zwei Arten der Herrschaft: Die eine entspringt der Nächsten liebe, die andere der Selbstliebe. In ihrem Wesen sind sie einander völlig entgegengesetzt. Wer aus Nächsten­liebe herrscht, will allen Menschen wohl und liebt nichts mehr als die Nutzwirkung, das heißt anderen zu dienen (anderen dienen heißt, anderen wohlwollen und nützlich sein, handle es sich nun um die Kirche, das Vaterland, eine Gesellschaft oder den einzelnen Mitbürger). Darin besteht seine Liebe, die Freude seines Herzens. Ein solcher Mensch freut sich auch, wenn er über andere erhoben wird, jedoch nicht des Ranges, sondern des Nutzens wegen, den er dann in größerem Aus­maß und höherem Grade leisten kann. Dieser Art ist die Herr­schaft in den Himmeln.

Wer dagegen aus Selbstliebe herrscht, denkt nur an sein eigenes Wohl. Bei den Nutzwirkungen, die er vollbringt, geht es ihm nur um die eigene Ehre und Herrlichkeit, den einzigen Nutzen, den er kennt. Anderen ist er nur gefällig, damit man wiederum ihm gefällig sei, ihn ehre und er herrschen kann. Um Ämter bewirbt er sich nicht um des Guten willen, das er darin dem Vaterland und der Kirche erweisen soll, sondern um nach Herzenslust die mit der hervorragenden Stellung verbundene Ehre zu genießen.

Bei jedem Geist besteht die Liebe zum Herrschen auch nach seinem Leben in der Welt fort. Allen, die aus Nächsten­liebe geherrscht haben, wird auch in den Himmeln eine Herr­schaft anvertraut, doch in Wirklichkeit regieren dann nicht sie, sondern die von ihnen geliebten Nutzwirkungen, und durch diese herrscht in Wirklichkeit der Herr. Wer aber in der Welt aus Selbstliebe geherrscht hat, wird nach dem irdischen Leben zum verachteten Sklaven der Hölle. Ich habe Machtha­ber gesehen, deren irdische Herrschaft auf Selbstliebe gegründet war, und die nun unter die Verachtetsten geworfen waren, einige von ihnen befanden sich dort sogar in den Kloaken Gesellschaften.

*565. Die Weltliebe dagegen ist der himmlischen Liebe nicht in so hohem Grade entgegengesetzt, weil nicht soviel Bosheit in ihr verborgen liegt. Sie besteht darin, das Vermö­gen anderer auf jede denkbare Weise an sich bringen zu wol­len, sein Herz an Reichtum zu hängen und sich durch die Welt von der geistigen Liebe, also von der Nächstenliebe, dem Himmel und dem Göttlichen abwenden und abbringen zu lassen. Es gibt jedoch viele Variationen dieser Liebe: Liebe zum Reichtum, um dadurch zu Ehren zu gelangen, auf die es einem allein ankommt; Liebe zu Ehren und Würden, um durch sie zu Reichtum zu kommen; Liebe zum Reichtum um der vielfältigen Genüsse willen, an denen man in der Welt seine Freude hat; Liebe zum Reichtum um des Reichtums willen, wie sie die Geizigen hegen, und so weiter. Der Zweck, den man mit dem Reichtum verbindet, ist sein Nutzen, und der Zweck oder der Nutzen bestimmt die Art der Liebe. Denn jede Liebe ist so beschaffen wie ihr Endzweck, weil ihr alles übrige nur als Mittel dient. 



Höllisches Feuer und Zähneknirschen.

*566.  Bis jetzt weiß kaum jemand, was es mit dem ewigen Feuer und dem Zähneknirschen derer auf sich hat, die sich in der Hölle befinden, wovon im Wort die Rede ist. Der Grund liegt darin, daß man die Aussagen des Wortes nur materiell verstanden hat, weil man dessen geistigen Sinn nicht kannte. Deshalb dachten sich einige unter dem Feuer etwas Materiel­les, einige die Folter im allgemeinen und einige die Gewis­sensbisse. Andere wiederum meinten, die Rede vom Höllen­feuer diene bloß der Abschreckung vom Bösen. Unter dem Zähneknirschen verstanden einige tatsächlich ein solches Knirschen, einige nur den Schauder, den man beim Aufein­anderpressen der Zähne empfindet. Wer aber mit dem geisti­gen Sinn des Wortes vertraut ist, kann wissen, was mit dem ewigen Feuer und dem Zähneknirschen gemeint ist. Denn jeder Ausdruck und jede Bedeutung eines Ausdrucks im Wort birgt einen geistigen Sinn, weil das Wort in seinem Schoße geistig ist. Das Geistige aber kann vor den Menschen lediglich auf natürliche Weise ausgedrückt werden, weil der Mensch in der natürlichen Welt lebt und vom Weltlichen her denkt. Im Folgenden soll nun erklärt werden, was mit dem ewigen Feuer und dem Zähneknirschen gemeint ist, in das böse Men­schen inbezug auf ihren Geist nach dem Tode geraten, bzw. was ihre Geister dann in der geistigen Welt zu erleiden haben.

*567. Es gibt zwei Quellen der Wärme: Die Sonne des Himmel — den Herrn — , und die Sonne der Welt. Die Wärme aus der Sonne des Himmels oder aus dem Herrn ist geistig und in ihrem Wesen Liebe (man vergl. oben Nr. 126 140). Da­gegen ist die Wärme aus der irdischen Sonne natürlich und ihrem Wesen nach nicht Liebe, dient aber der geistigen Wärme oder Liebe als Aufnahmegefäß. Die Tatsache, daß sich die Seele und dadurch auch der Körper samt dem Blut durch die Liebe, je nach ihrer Beschaffenheit, erwärmen, zeigt daß das Wesen der Liebe Wärme ist; der Mensch kann davon in Hitze und Kälte gleichermaßen gepackt werden, was auf den Zusammenhang mit der Erwärmung des Blutes hin­weist. Das andere, nämlich daß die natürliche Wärme der ir­dischen Sonne als Aufnahmegefäß der geistigen Wärme dient, läßt sich an der Körperwärme feststellen, die durch die Wärme des innewohnenden Geistes erweckt und ergänzt wird. Die Wirkung der Frühlings  und Sommerwärme zeigt sich besonders deutlich an den Tieren aller Gattungen, die jedes Jahr zu dieser Zeit wieder in ihre Paarungsphase ein­treten. Dabei ist es aber nicht etwa so, daß die Wärme allein den Trieb bewirkt, sie bereitet nur ihre Körper vor, die auch bei ihnen aus der geistigen Welt einfließende Wärme in sich aufzunehmen. Denn die geistige Welt fließt in die natürliche ein, wie die Ursache in ihre Wirkung. Wer da meint, die natürliche Wärme produziere die Triebe der Tiere, täuscht sich sehr, da es nur einen Einfluß der geistigen in die natür­liche Welt gibt, nicht aber der natürlichen Welt in die geistige, und jede Liebe ist, da sie dem Leben selbst angehört, geisti­ger Art. Im Irrtum ist auch, wer da meint, in der natürlichen Welt entstehe irgend etwas ohne einen Einfluß aus der gei­stigen, denn das Natürliche entsteht und besteht nur aus dem Geistigen. Selbst die Daseinsformen des Pflanzenreichs erhalten die Kraft zum Keimen aus diesem Einfluß. Die natürliche Wärme zur Zeit des Frühlings und Sommers bringt die Samen lediglich in ihre natürlichen Formen, läßt sie aufgehen und wachsen, damit der Einfluß aus der geisti­gen Welt darin wirken kann.

Wir haben diese Dinge lediglich erwähnt damit man wisse, daß es zwei Arten von Wärme gibt, eine geistige aus der Sonne des Himmels und eine natürliche aus der Sonne der Welt, und daß der Einfluß der ersteren und die nachfol­gende Mitwirkung der letzteren jene Auswirkungen hervor­bringen, die dem Auge in der Welt erscheinen.

*568. Die geistige Wärme ist die Lebenswärme des Men­schen, weil sie in ihrem Wesen Liebe ist, wie bereits gesagt wurde. Diese Wärme wird im Wort unter dem „Feuer“ ver­standen  die Liebe zum Herrn und zum Nächsten unter dem himmlischen, die Selbst  und Weltliebe unter dem hölli­schen Feuer.

*569. Dieses höllische Feuer, die höllische Liebe, ent­springt der gleichen Quelle wie das himmlische Feuer, die himmlische Liebe, nämlich aus der Sonne des Himmels, bzw. aus dem Herrn. Höllisch wird dieses Feuer nur durch die, die es aufnehmen, denn alles, was aus der geistigen Welt kommt, wird entsprechend seiner Aufnahme, bzw. je nach den Formen verändert, in die es einfließt. Es verhält sich damit nicht anders, als mit der Wärme und dem Licht von der irdischen Sonne. Wenn sie auf die Bäume und Blumen ein­wirkt, fördert sie deren Wachstum und ruft zugleich will­kommene und angenehme Düfte hervor. Dieselbe Wärme aber verursacht Fäulnis, üble Gerüche und Gestank, wirkt sie auf Exkremente und Aas ein. Ebenso bringt das Licht der ir­dischen Sonne in dem einen Gegenstand schöne und liebli­che, in dem anderen unschöne und unerfreuliche Farben hervor. Dasselbe gilt für die Wärme und das Licht der Sonne des Himmels, der Liebe. Fließt von ihr her Wärme bzw. Liebe in etwas Gutes ein, wie es sich bei guten Menschen und Gei­stern und bei den Engeln findet, so wirkt es befruchtend. Auf die Bösen übt sie jedoch die gegenteilige Wirkung aus, denn durch deren Böses wird sie entweder erstickt oder verkehrt. Dasselbe gilt für das Licht des Himmels: Fließt es in das Wahre des Guten ein, so erblüht daraus Einsicht und Weis­heit, fließt es aber in Falsches aus dem Bösen ein, so wird es in Unsinn und alle möglichen Wahnvorstellungen verdreht. So kommt es überall auf die Art der Aufnahme an.

*570. Da das höllische Feuer Selbst  und Weltliebe ist, so gehören dazu auch alle Begierden, die mit diesen Liebesar­ten zusammenhängen, sind sie doch nur deren Ausläufer. Denn was der Mensch liebt, das begehrt er unaufhörlich, und erlangt er es, so findet er sein Vergnügen daran. Die Her­zensfreude des Menschen kennt keinen anderen Ursprung.

So ist also das höllische Feuer Begierde und Lust, die den beiden genannten Liebesarten als ihren Quellen ent­springen. Das damit zusammenhängende Böse aber besteht in der Verachtung anderer, in Groll und Feindschaft gegen alle, die einem nicht gewogen sind, in Neid, Haß und Rach­sucht und daraus Härte und Grausamkeit. Im Hinblick auf das Göttliche besteht dieses Böse in der Leugnung und daher Verachtung, Verspottung und Lästerung der heiligen Dinge der Kirche. Nach dem Tode, wenn der Mensch ein Geist wird, verwandelt sich diese Haltung in Erbitterung und Haß (man vergl. oben Nr. 562). Und weil dieses Böse unausgesetzt nach der Vernichtung und dem Tod aller trachtet die ihm als Feinde gelten und gegen die es von Haß und Rachgier brennt, so besteht seine Lebenslust im Ziel, zu vernichten und zu töten und, wenn das nicht möglich ist, zu benachteiligen, zu schaden und zu wüten. Das wird im Wort an den Stellen unter dem „Feuer“ verstanden, wo vom Bösen und von den Höllen berichtet wird. Hier einige Stellen zur Bestätigung:

„Heuchlerisch und böse sind sie alle. Und jeglicher Mund redet Torheit... Denn die Ungerechtigkeit brennt wie Feuer, das Dornstrauch und Dorngestrüpp auffrißt und das Dickicht des Waldes anzündet, das empor wirbelt in Säulen von Rauch... Und das Volk ist ein Fraß des Feuers geworden, kein Mann wird seinen Bruder verschonen“. (Jes. 6,16 18)

„Ich werde Wunderzeichen geben am Himmel und auf Erden, Blut und Feuer und Rauchsäulen. Die Sonne wird sich in Fin­sternis verwandeln“. (Joel 3,3 f)

„Das Land wird zu brennendem Pech werden, Nacht und Tag wird es nicht verlöschen, in Ewigkeit wird sein Rauch aufstei­gen“. (Jes. 34,9)

„Es kommt der Tag, brennend wie ein Ofen... Alle Übermüti­gen und gottlos Handelnden werden wie Stoppeln sein; und der Tag, der da kommt, wird sie in Brand stecken“. (Mal. 3,19)

„Babylon ist ein Wohnplatz von Dämonen... Sie schrien, da sie den Rauch ihres Brandes sahen ..., und ihr Rauch steigt auf in die Zeitläufe der Zeitläufe“. (Offb. 18,2.18; 19,3)

„Und er tat den Brunnen des Abgrunds auf; und daraus stieg hervor wie der Rauch eines großen Ofens, der Sonne und Luft verfinsterte“. (Offb. 9,2)

„Aus den Mäulern der Rosse kamen Feuer, Rauch und Schwe­fel heraus. Durch diese drei wurde der dritte Teil der Menschen getötet ...“. (Offb.9,17f)

„Wenn jemand das Tier und sein Bild anbetet..., soll auch er trinken vom Wein des Grimmes Gottes, der unvermischt ein­geschenkt ist in den Becher seines Zorns, und soll mit Feuer und Schwefel gequält werden ...“. (Offb.14,9 f)

„Und der vierte Engel goß seine Schale aus auf die Sonne, und es ward ihm gegeben, die Menschen mit Hitze zu schla­gen durch Feuer. Und die Menschen entbrannten mit großer Hitze...“ Offb.16,8 f)

„Sie wurden in den Feuerpfuhl geworfen, der mit Schwefel brennt“ (Offb.19,20; 20,14f; 21,8)

„Ein jeder Baum, der nicht gute Frucht trägt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen werden“. (Matth.3,10; Luk.3,9)

„Der Sohn des Menschen wird seine Engel senden, und sie werden aus seinem Reich sammeln alle Ärgernisse und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen“. (Matth.13,41.50)

(Der König) „wird zu denen auf seiner Linken sagen: «Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln“. (Matth.25,41)

(Und sie werden) „ins ewige Feuer geworfen ..., in die Feuer­hölle ..., wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“. (Matth.18,8f; Mark.9,43 49)

(Der reiche Mann in der Unterwelt sprach zu Abraham: „Ich leide Pein in dieser Flamme“. (Luk.16,24)

An diesen und an vielen anderen Stellen ist unter dem „Feuer“ die Begierde zu verstehen, die ein Teil der Selbst­- und Weltliebe ist, und unter dem „Rauch“ aus dem Feuer das Falsche, das dem Bösen entspringt.

*571. Weil das höllische Feuer die Begierde bezeichnet, Böses der Selbst  und Weltliebe zu tun, und weil diese Gier alle Bewohner der Hölle erfüllt (man vergl. den vorhergehen­den Abschnitt), darum erscheint auch bei der Öffnung der Höllen etwas gleichsam Feuriges, verbunden mit einem Rauch, wie er bei einer Feuersbrunst zu beobachten ist. In den Höllen, in denen die Selbstliebe herrscht, handelt es sich um ein wütendes Feuer, in den Höllen, in denen die Weltliebe regiert, um etwas Flammendes. Sind sie aber geschlossen, er­scheint das Feurige nicht, sondern stattdessen etwas Dunk­les, ähnlich verdichtetem Rauch. Dennoch glüht dort im In­neren jenes Feuer, wie sich mir auch anhand der Hitze zeigte, die davon ausstrahlte. Sie gleicht einer Hitze wie von den Re­sten einer Feuersbrunst, irgendwie auch der eines heißge­wordenen Ofens oder eines heißen Bades. Dringt diese Hitze in den Menschen ein, so facht sie bei ihm Begierden an, bei bösen Menschen aber Haß und Rachsucht, bei kranken Wahnsinn. Die Menschen, die den oben genannten Liebesar­ten verfallen sind, hegen aber dieses Feuer oder diese Hitze, weil ihr Geist an jene Höllen gekettet ist, und zwar schon während ihres Lebens im Körper. Man wisse jedoch, daß sich die Bewohner der Höllen nicht in einem wirklichen Feuer be­finden, sondern daß es sich dabei nur um den äußeren An­schein eines Feuers handelt. Sie empfinden nämlich in ihren Höllen keinerlei Brennen, sondern lediglich Wärme, ganz wie früher in der Welt. Die Erscheinung des Feuers ist eine Folge der Entsprechung, da die Liebe dem Feuer entspricht und in der geistigen Welt alles seiner Entsprechung gemäß erscheint.

*572. Es gilt jedoch festzuhalten, daß sich das Feuer oder die Wärme der Hölle im selben Moment in hochgradige Kälte verwandelt, in dem aus dem Himmel Wärme einfließt. Die Anwesenden befällt dann ein Schauder gleich einem Fieber­frost, und sie erleiden innerliche Qualen. Der Grund liegt in ihrer negativen Haltung gegenüber dem Göttlichen und der Wärme des Himmels, der göttlichen Liebe, die die Wärme der Hölle, die Selbstsucht, auslöscht und damit zugleich ihr Lebensfeuer. Das Resultat ist besagte Kälte, die ihnen Schau­der und Pein verursacht. Hand in Hand damit entsteht dann dort auch eine dichte Finsternis, die eine Verdummung und geistiges Dunkel mit sich bringt. Doch das geschieht nur sel­ten und auch nur, wenn Aufstände zu ersticken sind, die ein bestimmtes Maß überschreiten.

*573. Da man sich nun unter dem höllischen Feuer jede selbstsüchtige Begierde, etwas Böses zu tun, vorzustellen hat, so auch die höllische Qual. Die aus jener Liebe ent­springende Begierde sucht nämlich anderen zu schaden, von denen man sich nicht geehrt, verehrt und angebetet fühlt. Im selben Maß, wie die Erbitterung darüber und dar­aus Haß und Rachsucht um sich greifen, wächst auch die Be­gierde, gegen die Betreffenden zu wüten. Hier setzen keine äußeren Bande Schranken, keine Furcht vor dem Gesetz, vor dem Verlust des guten Namens, der Ehre, des Erwerbs und des Lebens — in dieser Gesellschaft herrscht die genannte Be­gierde in jedem Einzelnen, und jeder stürzt sich aus seinem Bösen heraus auf den anderen. Soweit er kann, unterwirft also einer den anderen seiner Herrschaft, und gegen die, die sich nicht unterwerfen lassen, wütet er mit Lust. Diese Lust hängt so eng zusammen mit der Lust zu herrschen, daß sie auf gleicher Stufe stehen, weil ja die Lust zu schaden als Grundlage für Feindschaft, Neid, Haß und Rachsucht dient, die — wie oben gezeigt wurde — das Böse dieser Liebe darstel­len. Alle Höllen sind solche Gesellschaften. Deshalb nährt dort jeder in seinem Herzen den Haß gegen den anderen und bricht aus diesem Haß heraus in Grausamkeiten aus, soweit er nur kann. Diese Grausamkeiten und die damit verbunde­nen Qualen sind ebenfalls unter dem höllischen Feuer zu verstehen, da sie die Auswirkungen der Begierden darstellen.

*574. Wie oben (Nr. 548) gezeigt wurde, stürzt sich der böse Geist von selbst in die Hölle. Da nun dort eine solche Qual herrscht, so soll in Kürze gesagt werden, warum er dies tut. Aus jeder Hölle weht nämlich eine Sphäre jener Begier­den herauf, denen die dort Befindlichen verfallen sind, und die jemand, der die gleiche Begierde teilt, in freudige Erre­gung versetzt, sobald er sie wahrnimmt; denn die Begierde und ihre Lust bilden eine Einheit. Was jemand begehrt, das ist ihm ja doch angenehm, und so kommt es denn, daß sich der Geist dahin wendet und dahin zu gelangen für ihn Her­zenslust bedeutet. Noch weiß er nicht, daß ihn dort derartige Qualen erwarten, aber selbst wer es weiß, fühlt sich dahin ge­zogen, denn in der geistigen Welt kann niemand seiner Be­gierde widerstehen. Diese Tatsache beruht darauf, daß die Begierde seiner Liebe, die Liebe wiederum seinem Willen, der Wille aber seiner Natur angehört, und dort ein jeder sei­ner Natur gemäß handelt.

Wenn nun der Geist von selbst, bzw. aus seiner Freiheit heraus zu seiner Hölle gelangt und in sie eintritt, wird er zu­erst freundlich aufgenommen und meint daher, er sei zu Freunden gekommen. Dieser Zustand dauert jedoch nur we­nige Stunden. Inzwischen wird er untersucht, um zu sehen, wie schlau er ist, welchen Wert er also besitzt. Ist diese Un­tersuchung beendet, beginnt man ihn anzugreifen, und zwar in verschiedenster Weise und immer heftiger. Gleichzeitig führt man den Betreffenden immer weiter und tiefer in die Hölle hinein, denn im Inneren und in der Tiefe werden die Geister immer bösartiger.

Nach diesen Angriffen beginnen sie mit Strafen solange gegen ihn zu wüten, bis er zum Sklaven wird. Weil aber dort stets von neuem aufrührerische Bewegungen entstehen, da ja jeder der größte sein will und von Haß gegen den anderen brennt, so kommt es zu immer neuen Aufständen, und die Szene wechselt ständig. Auf diese Weise werden dann die zu Sklaven gemachten Geister befreit, um irgendeinem neuen Teufel bei der Unterjochung anderer zu helfen, wobei dann wiederum diejenigen, die sich nicht unterwerfen und auf den ersten Wink gehorchen, auf die verschiedenste Weise ge­peinigt werden, und so geht es ohne Unterbrechung fort. Die Qualen der Hölle, die das höllische Feuer genannt werden, bestehen aus derartigen Folterungen.

*575. Das „Zähneknirschen“ hingegen ist der unaufhör­liche Streit und Kampf der Falschheiten untereinander, also der Geister, die sich dem Falschen ergeben haben. Er ist ebenfalls verbunden mit der Verachtung anderer, mit Feind­schaft, Verspottung, Verhöhnung, Lästerung, die auch zum Ausbruch verschiedener Arten gegenseitiger Zerfleischung führen; denn jeder kämpft für sein Falsches und nennt es die Wahrheit. Außerhalb der genannten Höllen hören sich diese Zänkereien und Kämpfe wie Zähneknirschen an und ver­wandeln sich auch dazu, wenn das Wahre aus dem Himmel einfließt. In diesen Höllen befinden sich alle, die sich zur Natur bekannt, das Göttliche aber geleugnet hatten, und die­jenigen, die sich in dieser Haltung bestärkt hatten, leben in den tieferen Regionen der Hölle. Da diese Geister gar kein Licht aus dem Himmel in sich aufnehmen und daher in ihrem Inneren auch nichts sehen können, gehören die mei­sten von ihnen zu den Fleischlich Sinnlichen, das heißt zu denen, die nur glauben, was sie mit eigenen Augen sehen und mit Händen greifen können. Für sie bedeuten daher alle Sinnestäuschungen Wahrheiten, und ihr ganzer Streit be­ruht auf diesen. Darum also werden ihre Zänkereien als Zäh­neknirschen gehört. In der geistigen Welt knirscht nämlich alles Falsche, und die Zähne entsprechen sowohl dem Letz­ten in der Natur als auch dem Letzten beim Menschen, näm­lich dem Fleischlich Sinnlichen.

(Über das Zähneknir­schen in den Höllen vergl. man Matth.8,12; 13,42.50; 22,13; 24,51; 25,30; Luk.13,28.) 



Bosheiten und versuchte Kunstgriffe der höllischen Geister.

*576. Wer tiefer denkt und etwas von der Wirkungsweise seiner eigenen Seele versteht, kann die Überlegenheit der Geister über den Menschen sehen und begreifen. Tatsächlich vermag ja auch der Mensch in seinem Inneren in einer Mi­nute mehr zu überdenken, zu entwickeln und zu schließen, als er in einer halben Stunde aussprechen und niederschrei­ben könnte. Dies zeigt bereits, wieviel vollkommener der Mensch ist, wenn er sich im Geist befindet — und wieviel mehr noch, wenn er ein Geist wird. Der Geist ist es, welcher denkt, der Körper ist nur der Diener, durch den die Gedanken mittels der Sprache oder der Schrift zum Ausdruck gebracht werden. Ein Mensch, der nach seinem Tode zu einem Engel wird, be­sitzt daher, verglichen mit seinem Zustand auf Erden, unaus­sprechliche Einsicht und Weisheit. Solange er noch in der Welt lebte, war sein Geist an den Körper gefesselt und weilte durch diesen in der natürlichen Welt. Was er damals geistig dachte, floß in natürliche Vorstellungen ein, die vergleichs­weise ungegliedert, grob und dunkel sind und Unzähliges, das zum geistigen Denken gehört, nicht aufnehmen, oder aber es unter dem Dickicht weltlicher Sorgen ersticken ließen. Anders liegen die Dinge, wenn der Geist von seinem Körper befreit ist und in seinen geistigen Zustand gelangt. Das geschieht, wenn er aus der natürlichen Welt in die ihm zugehörige geistige übergeht. Aus dem oben Ausgeführten ist offensichtlich, daß sein Zustand dann die Gedanken und Nei­gungen seines früheren unglaublich übertrifft. Daher kommt es auch, daß die Gedanken der Engel unaussprechlich und unausdrückbar sind, mithin nicht in die natürlichen Gedan­ken des Menschen eingehen können. Und doch ist es eine Tatsache, daß jeder Engel als Mensch geboren wurde und als Mensch gelebt hat, wobei er sich nicht weiser vorkam als ein anderer Mensch seinesgleichen.

*577. So groß bei den Engeln das Maß von Weisheit und Einsicht ist, so groß ist auch die Bosheit und Schlauheit bei den höllischen Geistern. Die Lage ist ja in der Tat ähnlich, da der Geist des Menschen nach seiner Befreiung vom Körper entweder ganz seinem Guten oder ganz seinem Bösen erge­ben ist, der Engelgeist seinem Guten und der höllische Geist seinem Bösen. Denn wie schon öfter gesagt und gezeigt wurde, wird jeder Geist, weil er identisch ist mit seiner Liebe, entweder zu seinem Guten oder zu seinem Bösen. Wie daher der Engelgeist aus seinem Guten heraus denkt, will, redet und handelt, so geschieht das gleiche beim höllischen Geist aus seinem Bösen heraus.

Anders war es, solange er im Körper lebte. Damals wurde sein Böses von den Fesseln gehemmt, die jedem Menschen angelegt werden vom Gesetz, von der Rücksicht auf Erwerb, Ehre, guten Namen und von der Furcht, daran Scha­den zu nehmen. So konnte das Böse seines Geistes nicht her­vorbrechen und seine wahre Natur offenbaren. Dazu kommt, daß dieses Böse damals auch noch eingehüllt und verdeckt war durch äußere Rechtschaffenheit, Aufrichtig­keit, Gerechtigkeit und Liebe zum Wahren und Guten, die ein solcher Mensch um der Welt willen im Munde führte und heuchelte. Darunter lag das Böse derart verborgen und im Dunkeln, daß er kaum selbst wußte, welch große Bosheit und Schlauheit seinem Geist innewohnte, und daß er mithin ein derartiger Teufel wäre, wie sich nach dem Tode zeigt, wenn sein Geist zu sich selbst und in seine Natur gelangt.

Tausenderlei Dinge brechen dann aus diesem Bösen hervor, darunter auch solche, die man überhaupt nicht mit Worten ausdrücken kann. Aufgrund vieler Erfahrungen durfte ich wissen, ja sogar empfinden, wie diese Geister be­schaffen sind, denn es ist mir vom Herrn verliehen worden, durch meinen Geist in der geistigen Welt und zugleich mit meinem Körper in der natürlichen zu leben. Ich kann bezeu­gen, daß ihre Bosheiten so zahlreich sind, daß von tausend kaum eine beschrieben werden kann, ferner, daß der Mensch ohne den Schutz des Herrn nie und nimmer der Hölle entge­hen könnte. Denn bei jedem Menschen halten sich sowohl Geister der Hölle als auch Engel aus dem Himmel auf (man vergl. oben Nr. 292 f). Der Herr kann aber den Menschen nur schützen, wenn dieser das Göttliche anerkennt und ein Leben des Glaubens und der Nächstenliebe führt. Ist das nicht der Fall, so wendet er sich vom Herrn ab, den höllischen Geistern zu und füllt seinen Geist mit der gleichen Bosheit.

Der Herr lenkt aber dennoch den Menschen fort­während vom Bösen ab, das er sich infolge seines Zusam­menseins mit jenen Geistern zulegt und gleichsam anzieht. Wenn es schon nicht durch innere Bande geschieht, die Bande des Gewissens, die ein das Göttliche Leugnender nicht annimmt, so doch durch die äußeren, also die Furcht vor dem Gesetz und seinen Strafen, vor dem Verlust des Ein­kommens, der Ehre und des guten Rufs. Ein solcher Mensch kann zwar durch das Angenehme, das seiner Liebe gehört oder durch dessen Beeinträchtigung oder Verlust vom Bösen abgelenkt, nicht aber in das Geistig Gute eingeführt werden. Im selben Maße nämlich, wie er darin eingeführt wird, sinnt er bei sich auf List und Trug, indem er Güte, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit simuliert und lügt, um auf diese Weise die anderen zu überzeugen und zu täuschen. Diese Verschla­genheit kommt zum Bösen seines Geistes noch hinzu, formt es und bewirkt, daß es erst so recht zu dem Bösen wird, das es seiner Natur nach ist.

*578. Am schlimmsten von allen sind diejenigen, die aus ihrer Selbstliebe heraus dem Bösen anhingen und dabei in­nerlich hinterlistige Absichten verfolgten. Hinterlist dringt nämlich besonders tief in Gedanken und Absichten ein, ver­giftet sie und zerstört alles geistige Leben des Menschen. Die meisten von ihnen befinden sich in den nach hinten gelege­nen Höllen und werden böse Engel (genii) genannt. Dort fin­den sie ihr Vergnügen darin, sich unsichtbar zu machen und gleich Gespenstern um andere herumzugeistern und ihnen im Verborgenen Böses zuzufügen; sie verspritzen es, wie Ot­tern ihr Gift. Sie werden grausamer bestraft als die anderen. Ebenfalls in den hinteren, aber nicht so tiefen Regionen der Höllen befinden sich diejenigen, die zwar auch dem Bösen der Selbstliebe ergeben, doch nicht derart hinterlistig und von bösartiger Schlauheit gewesen waren. In den vorderen Höllen hingegen sind die aus Weltliebe Bösen zu finden; sie werden Geister genannt und verkörpern eine weniger große Bosheit, also Haß und Rachsucht, als jene, die aus Selbstliebe böse sind. Folglich sind sie auch nicht dermaßen hinterlistig und schlau, und ihre Höllen milder.

*579. Wie groß die Bosheit der bösen Engel (genii) ist, wurde mir zu erfahren gegeben. Sie wirken und dringen nicht in die Gedanken ein, sondern in die Neigungen. Diese beob­achten und wittern sie, wie die Hunde in den Wäldern das Wild. Sobald sie irgendwo gute Neigungen bemerken, verkeh­ren sie sie augenblicklich in böse, indem sie sie auf raffinierte Weise durch das leiten und lenken, was dem anderen ange­nehm ist; das geschieht so heimlich und mit solch bösartiger Geschicklichkeit, daß der andere nichts davon ahnt. Sie ver­hüten nämlich sorgfältig, daß irgendetwas davon in sein Den­ken eindringt, denn dadurch würden sie sich verraten. Beim Menschen lassen sie sich unter dem Hinterhaupt nieder. In der Welt waren sie Menschen, die es verstanden, sich in die Seele anderer auf hinterlistige Weise einzuschmeicheln, indem sie deren Neigungen oder Begierden durch das lenkten und überrumpelten, was ihnen angenehm war. Doch der Herr hält diese bösen Engel von jedem Menschen zurück, bei dem noch einige Hoffnung auf Besserung besteht. Es liegt nämlich in ihrer Art, nicht allein das Gewissen zu zerstören, sondern beim Menschen auch das anererbte Böse anzusta­cheln, das sonst im Hintergrund verborgen bliebe. Um zu ver­hindern, daß der Mensch da hinein gelangt, sorgt der Herr dafür, daß diese Höllen völlig verschlossen bleiben. Gelangt nun ein Mensch, der (innerlich) ein solcher böser Engel war, nach dem Tode ins andere Leben, wird er ohne Verzug in ihre Hölle geworfen. Untersucht man die Hinterlist und Schlau­heit dieser Wesen, so erscheinen sie als Vipern.

*580. Welche Bosheit in den höllischen Geistern steckt, zeigen ihre schändlichen Kunstgriffe. Es gibt davon so viele, daß man allein mit ihrer Aufzählung ein ganzes Buch, mit ihrer Beschreibung jedoch mehrere Bände füllen könnte. Diese Ränke sind in der Welt fast samt und sonders unbe­kannt; mehrere Gattungen sind zu unterscheiden:

Diese Künste erlangt der Geist des bösen Menschen, so­bald er von seinem Körper abgetrennt ist, von selbst. Sie lie­gen in der Natur seines Bösen, in der er sich nun befindet. Mit Hilfe dieser Künste quälen sie einander in den Höllen. Weil diese jedoch mit Ausnahme der Verstellungskunst, der Über­redung und Lüge in der Welt unbekannt sind, will ich sie hier nicht im einzelnen beschreiben, einmal weil sie nicht ver­standen würden, zum anderen, weil sie schändlich sind.

*581. Der Herr läßt die Quälereien in den Höllen zu, weil das Böse nicht anders in Schranken gehalten und gebändigt werden kann. Das einzige Mittel, es zu zügeln und zu bändigen und den höllischen Mob in Schranken zu halten, ist die Furcht vor Strafe. Es gibt kein anderes Mittel. Ohne die Furcht vor Strafe und Folter würde sich das Böse in einen Aufruhr nach dem anderen stürzen, bis das Ganze auseinanderfiele wie ein irdisches Reich, in dem es kein Gesetz und keine Strafe gibt. 



Äußere Erscheinung, Lage und Vielfalt der Höllen.

*582. In der geistigen Welt, der Welt der Geister und Engel, erscheinen ganz ähnliche Dinge wie in der natürlichen, der Welt der Menschen. Sie sind so ähnlich, daß äußerlich kein Unterschied besteht. Man sieht dort Ebenen und Berge, Hügel und Felsen, dazwischen Täler, auch Gewässer und viele andere Dinge, die es auch auf Erden gibt. Aber alles entspringt dort aus Geistigem und erscheint daher nur den Augen der Geister und Engel. Die Menschen können es nicht sehen, weil sie in der natürlichen Welt leben. Die Geistigen sehen die Dinge aus geistigem Ursprung, die Natürlichen die Dinge aus natürlichem Ursprung. Deshalb kann der Mensch mit seinen Augen nichts von der geistigen Welt wahrnehmen, es sei denn, daß es ihm gegeben werde, im Geist zu sein, oder dann nach dem Tode, wenn er ein Geist wird. Umgekehrt können aber auch die Engel und der Geist nichts von der natürlichen Welt sehen, es sei denn daß sie bei einem Menschen sind, dem es gewährt wird, mit ihnen zu reden. Denn die Augen des Menschen sind zur Aufnahme des Lichtes der natürlichen Welt eingerichtet, die der Engel und Geister zur Aufnahme des Lichtes der geistigen Welt, und doch haben sie auf beiden Seiten dem Anschein nach genau die gleichen Augen. Der natürliche Mensch kann nicht verstehen, daß die geistige Welt so beschaffen sein soll. Der sinnliche Mensch versteht es am wenigsten — also der Mensch, der nur glaubt, was er mit seinen körperlichen Augen sieht und mit den Händen greift, folglich was er durch Gesichts  und Tastsinn in sich aufge­nommen hat und aufgrund dessen er denkt. Seine Vorstellung ist mithin materiell und nicht geistig. Infolge dieser Ähnlichkeit der geistigen und der natürlichen Welt weiß der Mensch nach seinem Tode kaum, daß er nicht mehr in der Welt ist, in der er geboren wurde und von der er abgeschieden ist. Aus diesem Grunde nennen sie den Tod nur eine Verset­zung aus einer Welt in eine andere, ihr ähnliche. (Über das Be­stehen einer solchen Ähnlichkeit zwischen beiden Welten vergl. man oben in der Abhandlung über die Vorbildungen und Erscheinungen im Himmel, Nr. 170 176.)

*583. Auf den Anhöhen der geistigen Welt befinden sich die Himmel, in den Niederungen die Geisterwelt, die Höllen unterhalb beider. Den Geistern in der Geisterwelt werden die Himmel nicht sichtbar, es sei denn, ihr inneres Sehen werde aufgeschlossen. Von Zeit zu Zeit jedoch erscheinen ihnen die Engel wie Nebelflecken oder glänzend weiße Wolken. Der Grund dafür besteht im inneren Zustand der Engel des Him­mels, in dem sie sich hinsichtlich ihrer Einsicht und Weisheit befinden, so daß sie oberhalb des Gesichtskreises der Be­wohner der Geisterwelt sind. Die Geister hingegen, welche Ebenen und Täler füllen, erblicken sich gegenseitig, doch nur so lange sie noch nicht voneinander abgesondert sind ­und das geschieht, wenn sie in ihre mehr im Inneren liegen­den Bereiche versetzt worden sind   dann nehmen die bösen Geister die guten nicht mehr wahr. Die guten Geister können zwar die bösen sehen, wenden sich aber von ihnen ab, und Geister, die sich abwenden, werden unsichtbar. Die Höllen sind dagegen nicht sichtbar, weil sie verschlossen sind. Man erblickt nur die Eingänge, die sogenannten Pforten, wenn sie für Ankömmlinge aufgetan werden, die den dort Wohnen­den ähnlich sind. Von der Geisterwelt aus stehen alle Höl­lenpforten offen, von den Himmeln aus keine einzige.

*584. Die Höllen befinden sich überall, unter Bergen, Hü­geln und Felsen, ebenso unter Ebenen und Tälern. Die Öff­nungen oder Pforten zu den Höllen, die unter den Bergen, Hügeln und Felsen liegen, erscheinen wie Spalten und Fels­ritzen. Einige sind breit ausgedehnt und von großem Umfang, andere eng und schmal, die meisten zackig. Alle sehen, wenn man sie genauer anschaut, dunkel und finster aus, und auf die darin befindlichen Höllengeister fällt etwas wie ein Schein glühender Kohlen. Ihre Augen sind zur Aufnahme dieses Scheins ausgebildet, weil sie während ihres irdischen Lebens hinsichtlich des Falschen, da sie es begründeten, in einem Schein von Helligkeit lebten, hinsichtlich der göttlichen Wahrheiten aber in dichter Finsternis, weil sie dieselben leug­neten. Daher nahm ihr Augenlicht diese Form an; als Folge davon ist für sie das Licht des Himmels dichte Finsternis, so daß sie nichts sehen, wenn sie ihre Höhlen verlassen. Hieraus geht mit aller Deutlichkeit hervor, daß der Mensch gerade so weit in das Licht des Himmels gelangt, als er das Göttliche an­erkennt und sich innerlich in den Gesetzen des Himmels und der Kirche bestärkt, ebenso tief aber auch in die Finsternis der Hölle, wie er das Göttliche leugnet und sich innerlich gegen die Dinge des Himmels und der Kirche bestärkt.

*585. Die unter den Ebenen und Tälern befindlichen Öff­nungen oder Pforten zu den Höllen erscheinen dem Blick in verschiedener Form: Einige sind ähnlich, wie die unter den Bergen, Hügeln und Felsen, andere sehen aus wie Grotten und Höhlen, einige wie große Klüfte und Schluchten, andere wie Sümpfe oder wieder wie stehende Gewässer. Alle sind ganz zu­gedeckt und unzugänglich, es sei denn, böse Geister aus der Geisterwelt würden hineingeworfen. Stehen sie aber einmal offen, so weht etwas wie Feuer, mit Rauch vermischt, herauf, ähnlich einer Feuersbrunst oder wie bei einer Flamme ohne Rauch, oder auch wie rußiger Qualm von einem entfachten Kamin oder wie nebliger Dunst und dichtes Gewölk. Ich hörte, daß die höllischen Geister das weder wahrnehmen noch emp­finden, weil sie sich darin wie in ihrer Atmosphäre, also in der Freude ihres Lebens, bewegen, und zwar weil es dem Bösen und Falschen entspricht, dem sie sich ergeben haben. Dieses Feuer gleicht nämlich dem Haß und der Rachgier, der Rauch und Ruß dem daraus resultierenden Falschen, die Flammen dem Bösen der Selbstliebe, der dunstige Nebel und die dich­ten Wolken dem daraus entspringenden Falschen.

*586. Ich durfte auch in die Höllen hineinblicken und ihre innere Beschaffenheit sehen. Denn wenn es dem Herrn ge­fällt, kann ein Geist oder Engel, der sich oberhalb von ihnen befindet, ungehindert mit seiner Sehkraft die Abschirmungen bis unten hin durchdringen und ihre Beschaffenheit mustern. So durfte denn auch ich Einblick nehmen: Einige Höhlen er­schienen meinen Augen wie Felsenhöhlen oder  grotten, die nach innen schräg oder steil abwärts in die Tiefe gingen. Ei­nige dieser Höhlen sahen aus wie Schlupfwinkel oder Höhlen wilder Tiere in den Wäldern, andere glichen ausgesprengten Bergwerks Stollen und  Gängen mit tieferliegenden Höhlen. Die meisten sind dreifach unterteilt. Die höher gelegenen Teile darin sehen finster aus, weil ihre Bewohner dem Fal­schen des Bösen ergeben sind, während die tiefer gelegenen Teile feurig erscheinen, weil deren Bewohner dem Bösen selbst verfallen sind. Die Finsternis entspricht ja dem Falschen des Bösen, das Feuer aber dem Bösen selbst. Die Be­wohner der tieferen Höllen haben mehr von innen heraus aus dem Bösen gehandelt, die der weniger tiefen aber mehr aus dem Äußeren, das heißt aus dem Falschen des Bösen. In man­chen Höllen sieht man etwas wie die Trümmer abgebrannter Häuser und Städte, die von höllischen Geistern bewohnt wer­den, die sich dort verbergen. In den milderen Höllen scheinen elende Hütten hie und da wie in einer Stadt in Straßen und Gassen zusammenzuhängen. Im Inneren der Häuser wohnen höllische Geister, unter denen es unausgesetzt zu Zänkereien, Feindseligkeiten, Schlägereien und gegenseitigen Zerflei­schungen kommt. Auf den Gassen und Straßen herrscht Raub und Plünderung. Einige Höllen sind voller Bordelle, garstig anzusehen und angefüllt mit aller Art von Schmutz und Aus­wurf. Dort gibt es auch düstere Waldungen, in denen die höl­lischen Geister wie wilde Tiere umherstreifen, und in deren unterirdische Höhlen sie sich flüchten, wenn sie verfolgt wer­den. Ferner gibt es dort Wüsten, völlig unfruchtbar und san­dig, hie und da mit rauhen Felsen, die Höhlen enthalten und hin und wieder auch Hütten tragen. In diese Wüstenregion werden aus den Höllen die Geister ausgestoßen, die durch das äußerste Böse hindurchgegangen sind, besonders dieje­nigen, die auf Erden schlauer als die übrigen waren. Dies ist ihr letzter Zustand.

*587. Die Lage der Höllen im besonderen aber kann nie­mand erfahren, nicht einmal die Engel im Himmel; allein der Herr weiß darum. Ihre allgemeine Lage ist freilich bekannt aufgrund der Gegenden, in denen sie sich befinden. Denn die Höllen sind ebenso wie die Himmel nach Gegenden ein­geteilt, die in der geistigen Welt nach den Grundneigungen bestimmt werden. Im Himmel nimmt die Einteilung der Ge­genden ihren Ausgang beim Herrn als der Sonne, im Wort der „Aufgang“ oder „Osten“ genannt. Weil nun die Höllen den Gegensatz zum Himmel bilden, so beginnt bei ihnen die Ein­teilung der Richtungen bei dem Entgegengesetzten, also beim Niedergang, dem Westen (man vergl. dazu den Ab­schnitt über die vier Gegenden im Himmel, Nr. 141 153).

Die Höllen in der westlichen Gegend sind aus diesem Grund die allerschlimmsten und schauerlichsten — und zwar umso ärger, je weiter sie sich allmählich vom Osten entfer­nen. Hier befinden sich alle, die in der Welt der Selbstliebe verfallen waren und folglich Verachtung und Feindschaft gegen jeden hegten, der ihnen nicht gewogen war, wie auch Haß und Rachsucht gegen alle, die sie nicht verehrten und anbeteten. In den entferntesten Höllen befinden sich jene Anhänger der sogenannten katholischen Religion, die wie Götter angebetet werden wollten und Haß und Rachsucht hegten gegen alle, die ihre (vermeintliche) Gewalt über die Seelen der Menschen und über den Himmel nicht aner­kannten. Gegenüber diesen Widersetzlichen hegen sie immer noch dieselbe Gesinnung, das heißt Haß und Rache­durst, wie in der Welt. Ihre höchste Lust besteht im Toben und Wüten, doch wendet sich das im anderen Leben wider sie selbst, denn in ihren Höllen, die die westliche Gegend an­füllen, wütet einer gegen den anderen, wenn er ihm die gött­liche Gewalt abspricht. In dem kleinen Werk „Über das Jüng­ste Gericht und das zerstörte Babylonien“ wird jedoch dar­über mehr gesagt. Auf welche Weise aber die Höllen in dieser Gegend angeordnet sind, kann niemand wissen, höchstens, daß die grimmigsten Höllen dieser Art nach Norden zu lie­gen, während sich die weniger schlimmen gegen Süden er­strecken. So nimmt die Wildheit der Höllen von Norden nach Süden, wie auch allmählich nach Osten hin ab. Nach Osten zu leben dort alle, die hochmütig waren und nicht an das Göttliche geglaubt hatten, dabei aber weder einen derarti­gen Haß und Rachedurst gehegt noch eine solche Hinterlist geübt hatten, wie die Bewohner tiefer im Westen.

Heutzutage bestehen in der östlichen Gegend keine Höllen mehr. Deren Bewohner sind in die westliche Gegend, und zwar dort in die vorderen Regionen, versetzt worden. In der nördlichen und südlichen Gegend gibt es hingegen viele Höllen. Ihre Bewohner waren während ihres Lebens der Weltliebe ergeben und daher in vielfältigem Bösen, zum Bei­spiel in Groll, Feindseligkeit, Diebstahl, Raub, Hinterlist, Geiz, Unbarmherzigkeit. Die schlimmsten Höllen dieser Art finden sich in der nördlichen Gegend, die milderen in der südlichen. Ihre Grausamkeit wächst im Verhältnis zu ihrer Annäherung an den Westen und ihrer Entfernung vom Süden, sie nimmt ab gegen Osten wie auch gegen Süden. Hinter den Höllen in der westlichen Gegend erstrecken sich dunkle Waldungen, in denen bösartige Geister wie wilde Tiere umherschweifen, desgleichen hinter den Höllen der nördlichen Gegend, während sich hinter den Höllen der süd­lichen Gegend jene Wüsten befinden, von denen soeben ge­sprochen wurde. Soviel zur Lage der Höllen.

*588. Was die Vielfalt der Höllen betrifft, so ist sie nicht geringer als die der Engelsgemeinschaften in den Himmeln, weil jeder himmlischen Gesellschaft als Gegensatz eine höl­lische entspricht. Die himmlischen Gesellschaften aber sind unzählig und unterscheiden sich voneinander nach der Art des Guten der Liebe, der Nächstenliebe und des Glaubens. Man vergl. darüber das Kapitel über die Gesell­schaften, aus denen die Himmel bestehen (Nr. 41 51), sowie den Abschnitt über die Unermeßlichkeit des Himmels (Nr. 415 420). Das gleiche gilt nun auch für die höllischen Ge­sellschaften, die sich voneinander nach dem Bösen unter­scheiden, das dem Guten entgegengesetzt ist. Ein jedes Böse ist ebenso wie jedes Gute, von unendlicher Mannigfaltig­keit. Das verstehen diejenigen nicht, die eine allzu einfache Vorstellung von den verschiedenen Arten des Bösen haben, z.B. vom Haß, von der Verachtung, der Rachsucht, der Hin­terlist u.a.m. Sie sollten jedoch wissen, daß jede einzelne dieser Arten wiederum soviele verschiedene Unter  und Abarten in sich birgt, daß für die Aufzählung ein ganzes Buch nicht ausreichen würde. Die Höllen sind den Unter­schieden eines jeden Bösen gemäß so genau unterteilt, daß man sich nichts Genaueres vorstellen könnte. Aus allem er­gibt sich, daß sie unzählig sind, näher oder weiter vonein­ander entfernt, je nach den Unterschieden des Bösen im all­gemeinen, im besonderen wie im einzelnen.

Es gibt auch Höllen unterhalb der Höllen. Manche ste­hen miteinander durch Übergänge in Verbindung, und zwi­schen vielen besteht eine Verbindung durch ihre Ausdün­stungen, je nach der Verwandtschaft der verschiedenen Gat­tungen und Arten des Bösen untereinander. Wie zahlreich die Höllen sind, durfte ich daran sehen, daß sie unter jedem Berg, Hügel und Felsen, wie auch unter jeder Ebene und jedem Tal zu finden sind und sich darunter der Länge, Breite und Tiefe nach ausdehnen. Mit einem Wort: Der ganze Himmel und die ganze Geisterwelt sind gleichsam unterhöhlt durch eine fort­laufende Hölle. — Soviel zur Vielheit der Höllen. 



Das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle.

*589. Alles muß im Gleichgewicht sein, damit es existie­ren kann. Ohne Gleichgewicht gibt es keine Wirkung und Ge­genwirkung (actio et reactio), denn das Gleichgewicht voll­zieht sich zwischen zwei Kräften, von denen die eine wirkt und die andere zurückwirkt. Die aus einer gleich starken Wirkung und Gegenwirkung resultierende Ruhe nennt man das Gleichgewicht (aequilibrium). Ein solches Gleichgewicht findet sich in der natürlichen Welt in allen Dingen und ihren Einzelheiten. Im allgemeinen findet man es selbst in den At­mosphären, von denen die unteren im selben Maße reagie­ren und widerstehen, wie die oberen wirken und herab­drücken. Ebenso besteht in der natürlichen Welt ein Gleich­gewicht zwischen Wärme und Kälte, Licht und Schatten, zwischen Trockenheit und Nässe, und auch die mittlere Temperatur resultiert aus einem Gleichgewicht; ferner be­steht es zwischen allen Dingen der drei Naturreiche — Mine­ral , Pflanzen und Tierreich. Denn ohne ein solches Gleich­gewicht entstünde und bestünde nichts. Überall finden wir eine gewisse Aktion auf der einen und eine Reaktion auf der anderen Seite. Alles, was in Erscheinung tritt, bzw. alle Wir­kung erfolgt im Gleichgewicht, und zwar dadurch, daß die eine Kraft in Bewegung setzt und die andere sich in Bewe­gung setzen läßt, bzw. daß die eine Kraft aktiv einwirkt und die andere passiv aufnimmt und angemessen reagiert. In der natürlichen Welt spricht man von Kraft und Streben, in der geistigen nennt man das, was in Bewegung setzt, Leben, und was reagiert, Willen. Das Leben ist dort die lebendige Kraft, und der Wille das lebendige Streben, das Gleichgewicht selbst heißt Freiheit. So entsteht und besteht also ein geisti­ges Gleichgewicht bzw. eine Freiheit zwischen dem Guten, das von der einen Seite her wirkt, und dem Bösen, das von der anderen Seite her reagiert, bzw. zwischen dem Bösen, das von seiner Seite her wirkt, und dem Guten, das darauf rea­giert. Bei den guten Menschen beruht das Gleichgewicht auf dem Verhältnis zwischen dem wirkenden Guten und dem reagierenden Bösen, bei den bösen Menschen auf dem Ver­hältnis zwischen dem wirkenden Bösen und dem reagieren­den Guten. Der Grund für das geistige Gleichgewicht zwi­schen dem Guten und Bösen liegt darin, daß sich alle Le­bensäußerungen des Menschen auf das Gute und Böse beziehen, und dafür der Wille das Aufnahmegefäß ist. Es be­steht ebenfalls ein Gleichgewicht zwischen dem Wahren und dem Falschen, doch hängt es von dem Gleichgewicht zwi­schen dem Guten und Bösen ab. Das Gleichgewicht zwi­schen dem Wahren und Falschen läßt sich mit dem Verhält­nis von Licht und Schatten vergleichen, die soweit auf die Or­ganismen des Pflanzenreichs einwirken, wie mit Licht und Schatten Wärme und Kälte verbunden sind. Licht und Schat­ten wirken nicht aus sich, vielmehr wirkt die Wärme durch sie, wie man aus der Tatsache ableiten kann, daß Licht und Schatten zur Winterszeit und im Frühling einander ähneln. Der Vergleich von Wahrem und Falschem mit Licht und Schatten ist auf die Entsprechung gegründet, denn das Wahre entspricht dem Licht und das Falsche dem Schatten. Die Wärme aber entspricht dem Guten der Liebe. Tatsäch­lich ist auch das geistige Licht Wahres, der geistige Schatten Falsches und die geistige Wärme Gutes der Liebe. Man vergl. dazu über Licht und Wärme im Himmel, Nr. 126 140.

*590. Zwischen Himmel und Hölle besteht ein beständi­ges Gleichgewicht. Aus der Hölle steigt wie ein Dunst fort­während der Anreiz auf, Böses zu tun, dagegen läßt der Him­mel immerzu den Anreiz aushauchen und herabsteigen, Gutes zu tun. In diesem Gleichgewicht befindet sich die Gei­sterwelt, die Mitte zwischen Himmel und Hölle, wie man oben Nr. 421 431 nachlesen kann. Die Geisterwelt ist aber deshalb in diesem Gleichgewicht, weil jeder Mensch nach dem Tode dort eintritt und hier in einem ähnlichen Zustand gehalten wird, wie in der Welt. Das ist aber nur möglich in­folge dieses vollkommensten Gleichgewichts. Auf diese Weise können alle auf ihre Beschaffenheit hin untersucht werden, da sie hier der gleichen Freiheit überlassen sind, die sie in der Welt genossen. Das geistige Gleichgewicht besteht in der Freiheit (liberum) bei Mensch und Geist, wie gerade oben (Nr. 589) ausgeführt wurde. Die Qualität der Freiheit eines jeden wird dort von den himmlischen Engeln aus der Mitteilung der Neigungen und der diesen entspringenden Gedanken erkannt. Die Engel sehen dies an den Wegen, wel­che die Betreffenden einschlagen. Bei den guten Geistern führen diese Wege zum Himmel, bei den bösen zur Hölle. Solche Wege erscheinen tatsächlich in jener Welt. Darauf be­ruht es auch, daß im Wort der Weg die zum Guten führenden Wahrheiten bezeichnet, im entgegengesetzten Sinne aber das zum Bösen führende Falsche; ferner daß Gehen, Wan­deln und Reisen im Wort die Fortschritte im Leben bezeich­net. Solche Wege durfte ich oft beobachten, um zu sehen, wie frei sich die Geister darauf je nach ihren Neigungen und ihren daher rührenden Gedanken bewegen.

*591. Der Grund, weshalb die Hölle fortwährend Böses ausdünstet und aufsteigen läßt, während aus dem Himmel beständig Gutes ausgehaucht wird und herabsteigt, beruht darauf, daß jedes Wesen von einer geistigen Sphäre umge­ben ist. Diese strömt und strahlt aus dem Leben seiner Nei­gungen und der daraus resultierenden Gedanken aus. Dies gilt für jeden einzelnen, wie auch für jede himmlische oder höllische Gesellschaft, mithin für alle zugleich, das heißt für den ganzen Himmel und die ganze Hölle. Das Gute entströmt dem Himmel, weil dort alle gut, das Böse der Hölle, weil dort alle böse sind. Das Gute aus dem Himmel stammt samt und sonders vom Herrn, denn die Engel im Himmel werden alle von ihrem Eigenen abgehalten und im Eigenen des Herrn gehalten, der das Gute selbst ist. Die höl­lischen Geister hingegen sind samt und sonders in ihrem Ei­genen; jedes Eigene aber ist nichts als Böses, folglich eine Hölle. Damit steht fest, daß das Gleichgewicht, in dem die Engel in den Himmeln und die Geister in den Höllen gehal­ten werden, von anderer Art ist als das Gleichgewicht in der Geisterwelt. Das Gleichgewicht der Engel in den Himmeln hängt davon ab, wieweit sie im Guten sein wollen, bzw. in der Welt im Guten gelebt hatten, folglich auch wieweit sie das Böse verabscheut hatten. Bei den Geistern in der Hölle da­gegen wird es davon bestimmt, in welchem Maße sie im Bösen sein wollen, bzw. in der Welt im Bösen gelebt hatten, folglich auch wieweit sie im Herzen und im Geist dem Guten feindlich gesinnt waren.

*592. Würde der Herr nicht die Himmel wie die Höllen re­gieren, so gäbe es keinerlei Gleichgewicht, folglich auch keinen Himmel und keine Hölle. Denn in der Tat besteht ja im Weltall, das heißt in der natürlichen wie in der geistigen Welt, alles und jedes nur durch das Gleichgewicht, wie jeder vernünftige Mensch einsehen kann. Man gebe nur der einen Seite das Übergewicht und nehme der anderen die Kraft zum Wider­stand, würden so nicht zuletzt beide Seiten zugrunde gerich­tet? Ebenso erginge es der geistigen Welt, wirkte dort nicht das Gute dem Bösen entgegen, um dessen Auflehnung fort­während in Schranken zu halten. Ohne diese Einwirkung des Einzig Göttlichen müßten Himmel und Hölle zugleich mit dem ganzen Menschengeschlecht zugrunde gehen. Ohne diese Einwirkung des Einzig Göttlichen, sage ich, weil das Ei­gene eines jeden — des Engels, des Geistes wie des Menschen ­nichts als Böses ist (man vergl. oben Nr. 591). Deshalb könnte kein Engel und kein Geist dem fortwährend heraufwehenden Bösen aus der Hölle irgendeinen Widerstand leisten, weil es alle aus ihrem Eigenen heraus zur Hölle zieht. Daraus geht her­vor, daß es für niemanden ein Heil gäbe, regierte nicht der Herr allein die Himmel wie die Höllen. Zudem wirken alle Höllen einheitlich zusammen, denn das Böse in den Höllen hängt ebenso zusammen, wie das Gute in den Himmeln. Allen Höl­len aber, die unzählig sind und gegen den Himmel und alle Himmelsbewohner zusammenwirken, Widerstand zu leisten, vermag allein das Göttliche, das einzig vom Herrn ausgeht.

*593. Das Gleichgewicht zwischen den Himmeln und Höllen fällt und steigt je nach der Zahl derer, die in den Him­mel und in die Hölle kommen, und es handelt sich dabei täg­lich um viele Tausende. Kein Engel, sondern allein der Herr vermag dies zu wissen und wahrzunehmen, abzuwägen und auszugleichen. Denn das Göttliche, das vom Herrn ausgeht, ist allgegenwärtig und sieht allenthalben, wo etwas ins Wan­ken gerät. Ein Engel hingegen sieht nur, was in seiner Nähe geschieht, er nimmt nicht einmal in sich wahr, was in seiner Gesellschaft vor sich geht.

*594. Aus dem, was oben über die Himmel und Höllen ge­sagt und gezeigt wurde, läßt sich bis zu einem gewissen Grade feststellen, auf welche Weise alles in den Himmeln und Höl­len derart geordnet ist, daß deren Bewohner samt und son­ders im Gleichgewicht leben. Alle Gesellschaften des Him­mels sind nämlich aufs genaueste nach dem Guten und des­sen Gattungen und Arten geordnet und unterschieden, alle Gesellschaften der Höllen aber nach dem Bösen und dessen Gattungen und Arten. Auch wurde mir gezeigt, wie sich un­terhalb jeder Gesellschaft des Himmels als ihr Gegensatz eine entsprechende Gesellschaft der Hölle findet und aus dieser gegensätzlichen Entsprechung das Gleichgewicht resultiert. Deshalb sorgt der Herr stets dafür, daß die unterhalb einer himmlischen Gesellschaft befindliche höllische Gesellschaft nicht das Übergewicht bekommt. Sobald sie aber zu überwie­gen beginnt, wird sie durch verschiedene Mittel in Schranken gehalten und in das ausgewogene Gleichgewicht zurückge­führt. Es gibt viele solcher Mittel, von denen hier nur einige wenige angeführt werden sollen, nämlich: eine verstärkte Ge­genwart des Herrn, eine engere Gemeinschaft und Verbin­dung einer oder mehrerer Gesellschaften untereinander, die Austreibung der überzähligen höllischen Geister in Wüsten­gebiete, die Versetzung gewisser Geister von einer Hölle in die andere, ein Umordnen der Höllenbewohner (wozu es ver­schiedene Methoden gibt), das Verschließen einiger Höllen, sowie Verdichtung und Verstärkung ihrer Abdeckung, und ferner ein Hinablassen in größere Tiefen — von anderen Mit­teln abgesehen, von denen einige mit Vorgängen in den dar­über liegenden Himmeln zu tun haben. Das alles wurde er­wähnt, damit der Leser einigermaßen verstehe, daß es allein der Herr ist, der Vorsorge dafür trifft, ein Gleichgewicht zwi­schen dem Guten und Bösen, also zwischen Himmel und Hölle zu erhalten. Denn auf diesem Gleichgewicht beruht das Heil aller Wesen in den Himmeln wie auf Erden.

*595. Man muß wissen, daß die Höllen fortwährend den Himmel angreifen und danach trachten, ihn zu zerstören. Der Herr dagegen beschützt ihn fortwährend, indem er seine Bewohner von dem Bösen ihres Eigenen abhält und in dem Guten erhält, das von ihm ausgeht. Des öfteren wurde mir gestattet, die den Höllen entströmende Sphäre wahrzuneh­men, die ganz und gar darauf ausgerichtet ist, das Göttliche des Herrn und damit den Himmel zu zerstören. Mehrere Male empfand ich auch das Aufbersten einiger Höllen, als sie hervorbrechen und zerstören wollten.

Umgekehrt aber richtet der Himmel niemals einen An­griff gegen die Höllen, wohnt doch der göttlichen Sphäre, die vom Herrn ausgeht, das unausgesetzte Streben inne, alle zu retten. Weil aber sämtliche Bewohner der Hölle dem Bösen verfallen und dem Göttlichen feind sind, so können sie nicht gerettet werden. Daher werden die Aufstände in den Höllen nur soweit als möglich gebändigt und die Grausamkeiten in Schranken gehalten, damit sie nicht über das zulässige Maß hinaus gegeneinander losschlagen. Dies wird durch unzäh­lige Mittel der göttlichen Macht bewirkt.

*596. Wie man oben in Nr. 20 28 nachlesen kann, sind die Himmel in zwei Reiche abgeteilt, das eigentlich himmlische und das geistige. Die gleiche Einteilung besteht nun auch in den Höllen, die in zwei Reiche gegliedert sind, von denen das eine dem himmlischen und das andere dem geistigen Reich gegenübersteht. Das Gegenstück zum himmlischen Reich be­findet sich in der westlichen Gegend; seine Bewohner heißen böse Engel. Das Gegenreich zum geistigen Reich füllt die nördliche und südliche Gegend aus; seine Bewohner heißen Geister. Die Angehörigen des himmlischen Reiches leben alle in der Liebe zum Herrn, während in den entgegengesetzten Höllen alle der Selbstliebe verfallen sind. Alle Angehörigen des geistigen Reiches sind von der Liebe zum Nächsten er­füllt, in den entgegengesetzten Höllen herrscht die Liebe zur Welt. Damit war mir klar, daß die Liebe zum Herrn und die Selbstliebe Gegensätze sind, ebenso wie die Liebe zum Näch­sten und die Liebe zur Welt. Der Herr sorgt stets dafür, daß aus den Höllen, die den Gegensatz zum himmlischen Reich des Herrn darstellen, nichts zu den Engeln einfließen kann, die zum geistigen Reich gehören. Dies würde nämlich das gei­stige Reich zugrunde richten. Über die Ursache vergl. man oben Nr. 578 f. Darin bestehen die beiden allgemeinen Gleichgewichte, die der Herr stets unversehrt erhält. 



Das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle erhält den Menschen in der Freiheit.

*597. Bei der Behandlung des Gleichgewichts zwischen Himmel und Hölle wurde gezeigt, daß es sich um ein Gleich­gewicht zwischen dem Guten aus dem Himmel und dem Bösen aus der Hölle handelt, mithin um ein geistiges Gleich­gewicht, dessen Wesen in der Freiheit besteht. Dieses gei­stige Gleichgewicht ist aber deshalb seinem Wesen nach Freiheit, weil es zwischen Geistigem, dem Guten und Bösen, bzw. dem Wahren und Falschen, besteht. Die Freiheit, um die es sich hier handelt, ist also das Vermögen, Gutes oder Böses zu wollen, bzw. Falsches oder Wahres zu denken und das eine dem anderen vorzuziehen. Diese Freiheit wird jedem Men­schen vom Herrn verliehen und nie genommen. Ihrem Ur­sprung nach gehört sie allerdings nicht dem Menschen, son­dern dem Herrn an, weil sie von ihm stammt. Dennoch wird sie dem Menschen zugleich mit dem Leben als etwas ge­schenkt, das ihm gehört, und zwar deshalb, weil der Mensch ohne Freiheit weder gebessert noch gerettet werden könnte. Schon einige vernünftige Überlegungen zeigen ja, daß es in der Freiheit des Menschen liegt, böse oder gut, aufrichtig oder unaufrichtig, gerecht oder ungerecht zu denken, ferner daß er gut, aufrichtig und gerecht zu reden und zu handeln vermag, daß er aber wegen der geistigen, sittlichen und bür­gerlichen Gesetze, die sein Äußeres hemmen, nicht böse, un­aufrichtig und ungerecht reden und handeln darf. Daraus wird deutlich, daß