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 Die goettliche Liebe und Weisheit html  698.62KB  Emanuel Swedenborg a.D. *1688 - 1772     

Göttliche Liebe und Weisheit



Emanuel Swedenborg

Die Weisheit der Engel





Band I

Die göttliche Liebe und Weisheit

*

Das Original von 1763:

SAPIENTIA ANGELICA DE DIVINO AMORE ET DE DIVINA PROVIDENTIA.

Aus dem Lateinischen von Friedemann Horn.



*



Vorwort des Übersetzers

In den Jahren 1763 - 64 gab Emanuel Swedenborg in Amsterdam zwei Werke heraus, die eng aufeinander bezogen sind, wie schon in dem gemeinsamen Titel — „Die Weisheit der Engel“ — deutlich wird. Das erste handelt über „die göttliche Liebe und Weisheit“, das zweite über „die göttliche Vorsehung“. Die Titel der zahlreichen neusprachlichen Übersetzungen ließen in den meisten Fällen diesen Zusammenhang nicht mehr erkennen. Auch die bisherigen deutschen Ausgaben titelten „Die göttliche Liebe und Weisheit“ und „Die göttliche Vorse­hung“ und beließen es bei einem Hinweis auf den lateinischen Originaltitel. Der Swedenborg Verlag hat sich nun entschlossen, die Zusammengehörigkeit der beiden Werke durch Voranstellung des Obertitels wieder deutlich zu machen.

Was die neue Übersetzung betrifft, so ist darüber im er­sten Band der „Weisheit der Engel“ alles Nötige gesagt.



(Friedemann Horn)



*

Teil 1 - LIEBE UND WEISHEIT SIND LEBEN, SUBSTANZ UND FORM



Die Liebe ist das Leben des Menschen.

*1. Der Mensch weiß, daß es Liebe gibt, er weiß aber nicht, was sie ist. Er weiß, daß es Liebe gibt aufgrund der allgemeinen Rede. Man sagt ja zum Beispiel: Dieser oder jener liebt mich, der König liebt seine Untertanen, und diese wiederum lieben den König; der Gatte liebt seine Gattin, die Mutter ihre Kinder und umgekehrt; ein Mensch liebt sein Vaterland, seine Mitbürger und seinen Nächsten. Dasselbe sagt man auch, wenn es nicht um Personen geht, z.B. man liebe dies oder jenes. Doch obgleich der Aus­druck 'Liebe' so oft vorkommt, weiß doch kaum jemand, was Liebe wirklich ist.

Weil man sich keine rechte Vorstellung von ihr machen kann, meint man, sie sei nichts Reales bzw. nur etwas, das auf­grund von Sinneseindrucken oder aus dem menschlichen Umgang entstehe und anrege. Man weiß ganz und gar nicht, daß sie das eigentliche Leben des Menschen ist — nicht allein das gemeinschaftliche Leben des gesamten Körpers und aller Gedanken, sondern auch das Leben aller damit zusammenhan­genden Einzelheiten.

Der Einsichtige erkennt dies, sobald man ihn nur fragt: Entferne die Neigung, die aus der Liebe kommt — was kannst du dann noch denken oder tun? Erkaltet bzw. erwärmt nicht mit der Neigung der Liebe zugleich auch das Denken, Reden und Handeln? Jedoch sieht der Einsichtige das nicht etwa, weil er erkennt, daß die Liebe das Leben des Menschen ist, sondern nur aufgrund der Erfahrung, die es ihn lehrt.

*2. Niemand also weiß, was das Leben des Menschen ist, wenn er nicht weiß, daß es die Liebe ist. Wer es nicht weiß, kann meinen, das Leben des Menschen sei nur ein Empfinden und Handeln bzw. ein Denken, obgleich dieses doch nur die erste, Empfinden und Handeln aber die zweite Wirkung des Lebens ist.

Ich sage, das Denken sei die erste Wirkung des Lebens, doch gibt es ein inneres und innerstes, ein äußeres und äußerstes Denken. Das innerste Denken, nämlich das Inne­werden der Endzwecke, ist tatsächlich die erste Wirkung des Lebens. Davon weiter unten mehr, wo die Grade des Lebens behandelt werden.

*3. Eine gewisse Vorstellung davon, daß die Liebe das Leben des Menschen ist, kann man sich machen, wenn man an die Wärme der Sonne denkt. Diese ist bekanntlich wie das gemeinschaftliche Leben der gesamten Pflanzenwelt. Steigt sie im Frühling herauf, so wachsen Pflanzen aller Art aus dem Boden, schmücken sich mit Blättern, Blüten und Früchten und leben so ihr Leben. Bildet sich aber im Herbst und Winter die Wärme zurück, so werden sie dieser Lebenszeichen beraubt und welken dahin.

Ähnliches gilt für die Liebe im Menschen, da Liebe und Wärme einander entsprechen. Darum erwärmt die Liebe auch den Menschen.

Gott allein, somit der Herr, ist die Liebe, weil das Leben selbst. Engel und Menschen aber sind Aufnahme­gefäße des Lebens.

*4. Das wird in den Ausführungen über die 'Göttliche Vorsehung' und über das 'Leben' noch eingehend beleuchtet werden. Hier nur soviel: Der Herr als der Gott des Weltalls ist unerschaffen und unendlich; Menschen und Engel hingegen sind erschaffen und endlich. Der Herr, unerschaffen und unendlich, ist das Sein selbst, 'Jehovah' (bzw. Jahwe, d.Ü.) genannt. Er ist das Leben selbst oder das Leben in sich. Aus dem Unerschaffenen, Unendlichen, dem Sein und Leben selbst, kann niemand unmittelbar erschaffen werden, weil das Göttli­che unteilbar Eines ist, sondern nur aus Geschaffenem und Endlichem, das so gebildet ist, daß das Göttliche in ihm woh­nen kann. Weil dies auf Menschen und Engel zutrifft, sind sie Aufnahmegefäße des Lebens.

Verirrt sich daher ein Mensch in seinem Denken soweit, daß er sich nicht für ein Gefäß des Lebens, sondern für das Leben selbst hält, so kann man ihn nicht von dem Gedanken abbringen, Gott zu sein. Daß der Mensch es so empfindet, als wäre er ein Leben in sich selbst und dies daher auch glaubt, beruht auf Tauschung; denn in der werkzeuglichen Ursache wird die Hauptursache nicht anders wahrgenommen, als ob sie eins mit jener sei. Der Herr aber lehrt bei Johannes, daß Er das Leben in sich selbst sei:

„Gleich wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich selbst zu haben“ (5/26) und: ,,Ich bin ... das Leben“ (11/25; 14/6).

Da nun, wie sich aus dem oben Gesagten ergibt, Leben und Liebe eins sind, so ist der Herr als das Leben auch die Liebe.

*5. Um das zu verstehen, muß man vor allem folgendes wissen: Der Herr erscheint den Engeln im Himmel als Sonne, ist er doch die Liebe in ihrem Wesen, d.h. die göttliche Liebe selbst. Aus dieser Sonne gehen Wärme und Licht hervor. Die Wärme ist ihrem Wesen nach Liebe, das Licht Weisheit. Die Engel aber sind, soweit sie jene geistige Wärme und jenes gei­stige Licht in sich aufnehmen, Gestalten der Liebe und Weis­heit, doch nicht aus sich, sondern aus dem Herrn.

Geistige Wärme und geistiges Licht fließen aber nicht nur in die Engel ein und regen sie an, sondern auch in die Men­schen, und diese regen sie ganz in dem Maße an, wie sie zu Empfängern derselben werden, d.h. nach Maßgabe ihrer Liebe zum Herrn und zum Nächsten.

Diese Sonne bzw. göttliche Liebe kann durch ihre Wärme oder ihr Licht nicht unmittelbar aus sich Geschöpfe erschaffen, wären diese doch dann die Liebe in ihrem Wesen, also der Herr selber. Wohl aber kann sie erschaffen aus Substanzen und Stof­fen, die dazu gebildet sind, die Wärme und das Licht selbst auf­zunehmen. Auch die Weltsonne kann ja die Keime in der Erde nicht unmittelbar durch Wärme und Licht hervorbringen, son­dern nur aus den Bodenstoffen, in denen sie mittels Wärme und Licht sein und die Vegetation hervorbringen kann.

Im Werk 'Himmel und Hölle' kann man in # 116 140 nach­lesen, daß die göttliche Liebe des Herrn in der geistigen Welt als Sonne erscheint und aus ihr geistige Wärme und geistiges Licht hervorstrahlen, woraus den Engeln Liebe und Weisheit zukommt.

*6. Da nun der Mensch nur ein Gefäß des Lebens, nicht aber Leben selbst ist, ergibt sich, daß die Empfängnis des Men­schen von seiten seines Vaters nicht ein Empfangen des Lebens, sondern nur der ersten und reinsten Formen zum Emp­fang des Lebens ist, Formen, zu denen sich im Mutterleib nach und nach Substanzen und Stoffe fügen, die zur Aufnahme des Lebens in seiner Ordnung und in seinem Grad geeignet sind ­vergleichbar Kette und Schuß am Webstuhl.

*7. Das Göttliche ist nicht im Raum. Aufgrund bloß natürlicher Vorstellungen läßt sich nicht verstehen, daß das Göttliche bzw. Gott nicht im Raum ist, obgleich er auch bei jedem irdischen Menschen und Engel im Himmel und Geist unter dem Himmel allgegenwärtig ist. Wohl aber läßt es sich aufgrund geistiger Vorstellungen erfassen.

Natürliche Vorstellungen sind deshalb ungeeignet, weil ihnen etwas Räumliches anhaftet, bilden sie sich doch anhand irdischer Gegenstände. Allem und jedem aber, was man mit den Augen erblickt, haftet etwas Räumliches an. Alles — Großes wie Kleines — ist hier räumlich, ebenso wie alles Lange, Breite und Hohe. Um es kürzer auszudrücken: Jedes Maß, jede Gestalt und Form ist hier räumlich. Darum wurde oben behauptet, aufgrund bloß natürlicher Vorstellungen könne man nicht verstehen, daß das Göttliche trotz seiner Allgegenwart nicht im Raume ist.

Wohl aber kann es der Mensch begreifen, wenn er nur ein wenig geistiges Licht in seine natürlichen Vorstellungen einläßt. Daher sei hier vorerst etwas über die geistige Vorstellungswei­se, also über das geistige Denken gesagt.

Dieses entlehnt nichts vom Räumlichen, sondern bezieht seinen ganzen Inhalt aus den Zuständen. Zustände werden ausgesagt von der Liebe, vom Leben, von der Weisheit, von den Gefühlen und den sich daraus ergebenden Freuden — all­gemein gesprochen: vom Guten und Wahren.

Die wahrhaft geistige Vorstellung dieser Dinge hat also nichts mit dem Raum zu tun, sondern steht höher und erblickt die räumlichen Vorstellungen unter sich, vergleichsweise wie der Himmel die Erde. Weil aber die Engel und Geister ebenso mit ihren Augen sehen wie die irdischen Menschen, Gegenstän­de aber nicht anders geschaut werden können als im Raum, darum erscheinen auch in ihrer Welt Räume, ähnlich wie auf Erden. Diese aber sind nicht wirklich, sondern nur scheinbar zu nennen. Sie sind nämlich nicht fest und ortbeständig wie auf Erden, da sie ausgedehnt und zusammengezogen, verändert und gewechselt werden können. Weil sie also nicht unter das Meßbare fallen, können sie dort auch nicht mit einer natürli­chen, sondern nur mit einer geistigen Vorstellungsweise erfaßt werden. Diese aber denkt sich unter den räumlichen Abständen das gleiche wie unter denen des Guten oder Wahren — also Ver­wandtschaften oder Ähnlichkeiten, je nach deren Zustanden.

*8. Hieraus ergibt sich, daß der Mensch aufgrund einer bloß natürlichen Vorstellungsweise nicht zu begreifen vermag, daß das Göttliche zwar überall ist, und doch nicht im Raum, daß es aber die Engel und Geister klar begreifen können, folg­lich auch der Mensch, wenn er nur etwas vom geistigen Licht in sein Denken einfließen läßt.

Der Mensch kann es auch deshalb nicht begreifen, weil es nicht sein Körper ist, der da denkt, sondern sein Geist, mithin nicht sein Natürliches, sondern sein Geistiges.

*9. Viele aber fassen es nicht, weil sie das Natürliche lie­ben und darum ihre Gedanken nicht darüber hinaus ins geisti­ge Licht erheben wollen. Und eben darum können sie gar nicht anders, als aus räumlichen Vorstellungen heraus denken, auch über Gott. Räumlich von Gott denken ist aber gleichbedeutend mit einem Denken über das Ausgedehnte der Natur.

Dies war vorauszuschicken, weil man ohne Kenntnis oder wenigstens eine gewisse Ahnung davon, daß das Göttli­che nicht im Raum ist, vom Göttlichen Leben, das eben jene Liebe und Weisheit ist, von denen hier die Rede sein wird, nichts verstehen kann, und damit auch wenig oder nichts von der Göttlichen Vorsehung, Allgegenwart, Allmacht, Unendlich­keit und Ewigkeit, die weiter unten behandelt werden sollen.

*10. In der geistigen Welt erscheinen, wie gesagt, ebenso Räume wie in der natürlichen, also auch Entfernungen. Doch sind sie nur Scheinbarkeiten, die aus der Liebe und Weisheit oder aus dem Guten und Wahren je nach ihren geistigen Ver­wandtschaften resultieren.

Daher kommt es, daß der Herr, obgleich in den Himmeln überall bei den Engeln gegenwärtig, doch hoch über ihnen als Sonne erscheint. Und da die Aufnahme der Liebe und Weisheit die Verwandtschaft mit Ihm begründet, erscheinen die Himmel, deren Engel infolge ihrer Aufnahme näher mit Gott verwandt sind, Ihm näher als diejenigen, die entfernter verwandt sind. So kommt es auch, daß die Himmel, deren es drei gibt, unter sich geschieden sind, ebenso wie auch die einzelnen Gesellschaf­ten eines jeden Himmels. Dasselbe gilt für die Höllen, die sich unter den Himmeln befinden. Ihre Entfernung richtet sich nach dem Maß ihrer Verwerfung der Liebe und Weisheit.

Das gleiche gilt auch für die Menschen der ganzen Erde, in und bei denen der Herr allgegenwärtig ist, und dies einzig aufgrund der Tatsache, daß der Herr nicht im Raum ist.

*11. Gott ist der eigentliche Mensch. In keinem Himmel stellt man sich Gott nicht als Mensch vor. Das beruht darauf, daß der Himmel im Ganzen und in seinen einzelnen Teilen wie ein Mensch gestaltet ist und das Göttliche bei den Engeln den Himmel bildet, ihr Denken aber der himmlischen Form gemäß verläuft. Deshalb ist es den Engeln unmöglich, sich Gott anders zu denken. Und so kommt es auch, daß, alle mit dem Himmel verbundenen Erdenmenschen sich Gott in gleicher Weise den­ken, wenn sie bei sich, d.h. im Geist sind.

Weil nun Gott Mensch ist, so sind auch alle Engel und Gei­ster Menschen in vollkommener Gestalt. Dies wird durch die Form des Himmels bewirkt, die sich im Größten wie im Kleinsten immer gleich bleibt. (Man vergleiche hierzu im Werk über „Him­mel und Hölle“: Daß der Himmel im Ganzen wie in seinen Teilen als Mensch gestaltet ist, Nr. 59-87, und daß sich die Gedanken nach der Gestalt des Himmels entfalten Nr. 203, 204.)

Aus der Bibelstelle 1. Mose 1/26 f. ist bekannt, daß, die Menschen nach Gottes Bild und Ähnlichkeit geschaffen sind. Aus der Bibel ersieht man auch, daß Gott dem Abraham und anderen als Mensch erschienen ist.

Die Alten — von den Weisen bis herab zu den Einfältigen — dachten sich Gott als Mensch und nicht anders. Als sie zuletzt anfingen, mehrere Götter anzubeten, wie in Athen und Rom, verehrten sie alle als Menschen.

In einem früheren Werk wird dies folgendermaßen erläu­tert: ,,Die Heiden, vor allem aber die Afrikaner, die einen Gott als Schöpfer des Weltalls anerkennen und verehren, haben von Ihm die Vorstellung eines Menschen. Sie behaupten, niemand könne eine andere Vorstellung von Gott haben.

Hören sie, daß manche sich Gott wie ein im Zentrum des Alls schwebendes Gewölk vorstellen, so fragen sie erstaunt, wo sich diese Menschen befanden. Sagt man ihnen, bei den Christen, so halten sie es für unmöglich.

Man erwidert ihnen aber, diese hatten deshalb eine solche Vorstellung, weil Gott im Wort als Geist bezeichnet wird und sie sich unter Geist nichts anderes denken können als etwas wie ein Gewölk, da sie nicht wissen, daß jeder Geist und Engel Mensch ist. Man habe jedoch untersucht, ob ihre geistige Vor­stellung ebenso sei wie ihre natürliche und dabei einen Unter­schied gefunden bei denen, die in ihrem Inneren den Herrn als den Gott des Himmels und der Erde anerkennen.

Ich hörte einen christlichen Geistlichen sagen, niemand könne sich das Göttlich Menschliche vorstellen und sah dann, wie er zu verschiedenen Heiden versetzt wurde, von den innerlichen nach und nach zu den noch innerlicheren und von diesen in ihre Himmel und schließlich in den Himmel der Chri­sten. Überall wurde ihm die herrschende innere Gottesvorstel­lung mitgeteilt. So gewahrte er, daß sie sich allesamt Gott nur als Menschen denken könnten und daß dies ein und dasselbe ist wie die Vorstellung des Göttlich Menschlichen. (Aus „Fort­setzung vom Jüngsten Gericht“ # 74)

*12. Die volkstümliche Vorstellung von Gott in der Chri­stenheit ist die einer menschlichen Person, weil Gott in der Athanasischen Dreieinigkeitslehre eine ,Person’ (genauer: eine Einheit dreier Personen; d. Ü.) heißt. Die sich aber in ihrer Weisheit über das Volk erheben, erklären Gott für unschaubar. Sie können nicht begreifen, wie Gott als Mensch Himmel und Erde erschaffen und dann das Weltall mit seiner Gegenwart erfüllen könnte, neben manch anderem, das unverständlich bleibt, solange man nicht weiß, daß das Gött­liche nicht im Raum ist. Wer sich hingegen allein an den Herrn wendet, denkt sich das Göttlich  Menschliche, also Gott, als Menschen.

*13. Die Wichtigkeit einer richtigen Gottesvorstellung ergibt sich daraus, daß diese bei allen religiösen Menschen das Innerste des Denkens bildet, ist doch das Ganze der Religion und des Gottesdienstes auf Gott ausgerichtet. Weil Gott im allgemeinen wie im besonderen allem innewohnt, was zur Religion und Gottesverehrung gehört, kann ohne eine richtige Gottesvorstellung keine Gemeinschaft mit den Himmeln bestehen.

Das ist auch der Grund, weshalb in der geistigen Welt jedes Volk seine Stelle je nach seiner Vorstellung von Gott als Mensch findet. Denn in dieser und in keiner anderen liegt die Vorstellung vom Herrn. Nach dem Tode richtet sich der Zustand des Lebens beim Menschen nach der Gottesvorstel­lung, die er bei sich begründet hat. Das ergibt sich schon aus dem Gegensatz, wonach die Leugnung Gottes die Hölle bedeutet, in der Christenheit aber die Leugnung der Gottheit des Herrn.

Im Gott Menschen sind Sein und Dasein unter­scheidbar eins.

*14. Wo Sein ist, ist auch Dasein. Keins ist ohne das andere, besteht doch das Sein durch das Dasein und nicht ohne dasselbe. Dies kann die menschliche Vernunft begreifen, wenn sie nur erwägt, ob ein Sein ohne Dasein möglich wäre oder ob ein Dasein einen anderen Ursprung haben könne als das Sein. Weil nun das eine zugleich mit dem anderen und keins ohne das andere besteht, so sind sie eins, wenngleich unterscheidbar.

Sie sind unterscheidbar eins wie die Liebe und Weisheit. Auch ist Liebe Sein und Weisheit Dasein, gibt es doch keine Liebe außer in der Weisheit und keine Weisheit außer aus der Liebe. Daher hat die Liebe ihr Dasein dann, wenn sie in der Weisheit ist.

Beide sind so sehr eins, daß man sie zwar in Gedanken, nicht aber in der Wirklichkeit unterscheiden kann. Darum heißt es, sie seien ‚unterscheidbar eins’.

Sein und Dasein sind auch im Gott Menschen unter­scheidbar eins wie Seele und Leib. Es gibt keine Seele ohne ihren Leib und keinen Leib ohne seine Seele. Die Göttliche Seele des Gott Menschen wird unter dem 'Göttlichen Sein' ver­standen, der Göttliche Leib unter dem 'Göttlichen Dasein'.

Die Annahme, eine Seele könne ohne Leib dasein, denken und weise sein, ist ein Irrtum, der auf Tauschung beruht; denn jede menschliche Seele ist, nachdem sie ihre auf Erden getra­gene materielle Hülle abgelegt hat, in einem geistigen Leib.

*15. Ohne das Dasein ist das Sein kein Sein, weil es zuvor keine Form hat. Ohne Form aber hat es keine Beschaffenheit, ist mithin kein Etwas.

Was aus dem Sein da ist, macht eben dadurch eins mit dem Sein aus, weil es aus ihm ist. Daraus entsteht die Verknüp­fung in eins und ist ferner klar, daß das eine dem anderen angehört, gegenseitig und umgekehrt, sowie daß das eine alles in allem des anderen ist, wie in sich.

*16. Hieraus ergibt sich, daß Gott Mensch und so existie­render Gott ist  existierend nicht aus, sondern in sich. Wer in sich existiert, ist Gott, von dem alles stammt.

*17. Im Gott Menschen ist Unendliches unterscheid­bar eins. Es ist bekannt, daß Gott unendlich ist, heißt er doch eben deshalb der Unendliche. Aber er ist nicht dadurch allein unendlich, daß er das eigentliche Sein und Dasein in sich ist, sondern dadurch, daß Unendliches (Infinita) in ihm ist. Die Unendlichkeit ohne Unendlichkeit in Ihm ist eine Unendlich­keit nur dem Namen nach.

Das Unendliche in Ihm kann nicht als unendlich vieles oder alles bezeichnet werden, weil die natürliche Vorstellung von vielem und allem begrenzt ist. Die Vorstellung von unend­lich allem ist zwar unbegrenzt, aber doch von Begrenztem im Weltall entlehnt.

Darum kann der Mensch, dessen Vorstellung natürlich ist, nicht durch Steigerung und Annäherung zur Anschauung des Unendlichen in Gott gelangen. Der Engel kann zwar, weil seine Vorstellung geistig ist, durch Steigerung und Annäherung über den dem Menschen möglichen Grad hinausgelangen, aber auch nicht bis ans Ende.

*18. Daß in Gott Unendliches ist, kann jeder bei sich beja­hen, wenn er nur glaubt, daß Gott Mensch ist. Und weil Gott Mensch ist, so hat er auch einen Leib und alles, was dazu gehört. Er hat also Antlitz, Brust, Unterleib, Lenden und Füße; denn ohne all dies wäre er nicht Mensch. So hat er denn auch Augen, Ohren, Nase, Mund und Zunge, sowie die zum Men­schen gehörenden inneren Organe, also Herz und Lunge und was von diesen abhängt. Alles zusammengenommen macht ja, daß der Mensch ein Mensch ist.

Im geschaffenen Menschen ist es ein Vielfaches und ­betrachtet man es in seiner Verwobenheit untereinander — ein Unzahlbares. Im Gott Menschen aber ist es unendlich; es fehlt nichts. Darum ist in Ihm unendliche Vollkommenheit.

Ein Vergleich Gottes, des unerschaffenen Menschen mit dem erschaffenen wird darum angestellt, weil Gott Mensch ist und Er selbst sagt, der irdische Mensch sei nach Seinem Bild und zu Seinem Ebenbild geschaffen (1.Mose 1/26 f.).

*19. Die Engel in ihren Himmeln erkennen klar, daß in Gott Unendliches ist. Der gesamte Himmel, aus Myriaden und Abermyriaden Engeln bestehend, ist in seiner Gesamtgestalt wie Ein Mensch, ebenso auch jede einzelne himmlische Gemeinschaft, sie sei groß oder klein. Daher ist auch der Engel Mensch, ist er doch ein Himmel in kleinster Gestalt. (Man vgl. dazu # 51-87 im Werk 'Himmel und Hölle'.)

Der Himmel im Ganzen wie in seinen einzelnen Teilen und im Einzelwesen hat aber diese Form aufgrund des Gött­lichen, das die Engel in sich aufnehmen. Denn in dem Maß, wie ein Engel das Göttliche in sich aufnimmt, ist er ein vollkommen geformter Mensch. Darum heißt es von den Engeln, sie seien in Gott und Gott in ihnen, Gott aber sei ihr Ein und Alles.

Die Vielheit der Erscheinungen im Himmel läßt sich nicht beschreiben, und weil das Göttliche den Himmel ausmacht und daher jene unaussprechliche Vielheit aus dem Göttlichen stammt, so wird deutlich, daß in Gott, dem eigentlichen Men­schen, Unendliches ist.

*20. Man kann das gleiche auch aus dem geschaffenen Welt­all folgern, wenn man es in seinen Nutzwirkungen und Entspre­chungen betrachtet. Doch um dies verständlicher zu machen, soll noch einiges zur Erläuterung vorangeschickt werden.

*21. Da Unendliches im Gott Menschen ist, das im Him­mel, im einzelnen Engel und Menschen wie in einem Spiegel erscheint, und da der Gott Mensch nicht im Raum ist, wie oben von # 7 10 gezeigt wurde, so läßt sich einigermaßen sehen und begreifen, wie Gott allgegenwärtig, allwissend und allvorherse­hend sein kann; auch wie er als Mensch alles erschaffen konnte und als Mensch in Ewigkeit das von Ihm Erschaffene in seiner Ordnung erhalten kann.

*22. Auch daß im Gott Menschen Unendliches unter­scheidbar eins ist, läßt sich vom Menschen wie in einem Spie­gel erschauen. Im Menschen ist, wie oben bemerkt wurde, Vie­les, ja Unzähliges, und doch empfindet er dies alles als eins. Durch seine Sinne weiß er nichts von seinem Gehirn, seinem Herzen oder seiner Lunge, Leber, Milz und seinem Gedärm, ebensowenig von dem Unzähligen in seinen Augen und Ohren, in seiner Zunge, seinem Magen, seinen Geschlechts­teilen und allem übrigen. Und weil ihm das durch seine Sinne nicht bewußt wird, erfährt er es wie Eins.

Der Grund ist, daß alles Genannte derart geformt ist, daß nicht eins davon fehlen könnte, ist es doch eine Form, die das Leben aus dem Gott Menschen aufnimmt, wie oben in # 4 6 nachgewiesen wurde. Aus der Ordnung und Verkettung des Ganzen in einer solchen Form entsteht das Gefühl und mithin die Vorstellung, als ob es kein Vielfaches und Unzählbares sei, sondern ein Einziges.

Hieraus kann man entnehmen, daß das Viele und Zahllo­se, das im Menschen wie eins erscheint, in dem eigentlichen Menschen, also in Gott, in unterscheidbarer Weise, ja aufs unterscheidbarste Eines ist.

Es ist Ein Gott Mensch, aus dem alles ist.

*23. In der menschlichen Vernunft verbindet und konzentriert sich gleich­sam alles in dem Gedanken, daß Ein Gott der Schöpfer des Weltalls ist. Deshalb kann ein Mensch mit Vernunft aus der Anlage seines Verstandes heraus nicht anders denken. Sag einem Menschen von gesunder Vernunft, es gäbe zwei Schöp­fer des Universums, und du wirst seine Ablehnung vielleicht schon aus dem bloßen Ton verspüren, der dir daraufhin ans Ohr dringt. Dies zeigt, daß sich in der menschlichen Ver­nunft alles dahin verbindet und konzentriert, daß es nur einen Gott gibt. Dafür gibt es zwei Ursachen:

  1. Schon die Fähigkeit ver­nünftigen Denkens an sich gehört nicht dem Menschen, son­dern Gott beim Menschen an. Von dieser Fähigkeit hängt im allgemeinen die menschliche Vernunft ab, und das Allgemeine bewirkt, daß sie die genannte Wahrheit wie aus sich sieht.

  2. Der Mensch ist vermöge jener Fähigkeit entweder im Licht des Himmels oder empfängt doch das Allgemeine seines Denkens daraus. Das Universelle des himmlischen Lichts aber ist, daß Gott Einer ist.

Anders verhält sich's, wenn der Mensch vermöge jener Fähigkeit das Untere seines Verstandes verkehrt hat. Er bleibt dann zwar im Besitz der besagten Fähigkeit, aber durch die Pervertierung dieses Unteren gibt er ihr eine andere Richtung, so daß seine Vernunft ungesund wird.

*24. Jeder Mensch denkt, wenn auch unbewußt, von einer Menschenmenge wie von einem Menschen. Deshalb versteht er auch sogleich, was damit gemeint ist, wenn gesagt wird: Der König ist das Haupt, die Untertanen sind der Leib oder jemand spiele im gemeinsamen Staatskörper diese oder jene Rolle. Was von einem Staatskörper gilt, gilt auch vom geistigen Körper. Der geistige Körper aber ist die Kirche und ihr Haupt der Gott­-Mensch.

Daraus ergibt sich, wie bei dieser Anschauungsweise die Kirche als Mensch beschaffen wäre, wenn anstelle eines Gottes mehrere Götter als Schöpfer und Erhalter des Weltalls ange­nommen wurden. Sie erschiene dann wie ein Körper mit meh­reren Köpfen, folglich nicht wie ein Mensch, sondern wie ein Ungeheuer.

Wollte man behaupten, jene Köpfe seien eines Wesens und wären daher zusammen in Wirklichkeit nur ein einziger Kopf, so könnten daraus nur Vorstellungen hervorgehen wie: dieser eine Kopf habe mehrere Gesichter oder mehrere Köpfe zusammen hätten ein Gesicht. Die Kirche würde sich somit als Mißgestalt darstellen, während doch der Eine Gott das Haupt und die Kirche der Leib ist, der nach dem Wink des Hauptes und nicht aus sich handelt, wie es auch beim einzelnen Men­schen der Fall ist.

Aus demselben Grund pflegt auch ein Reich nur einen König zu haben; denn mehrere würden es zerteilen, einer aber kann es zusammenhalten.

*25. Ähnliches würde mit der über die ganze Erde zer­streuten Kirche geschehen, der 'Gemeinschaft der Heiligen', weil sie wie ein Leib unter einem Haupt ist.

Bekanntlich lenkt das Haupt den unter ihm befindlichen Leib nach Gefallen; denn in ihm wohnen Verstand und Wille, von denen der Leib auf eine Weise angetrieben wird, daß er bloßer Gehorsam ist. Der Leib kann nur aus dem Verstand und Willen im Haupt heraus handeln, und so auch der Mensch der Kirche nichts tun, es sei denn aus Gott.

Dem Anschein nach handelt zwar der Leib wie aus sich, so als bewegten sich z.B. Hände und Füße bei ihrem Handeln aus sich, als bewegten sich Mund und Zunge beim Reden selbsttätig. Dabei tun sie doch ganz und gar nichts aus sich heraus, sondern handeln nur aus dem Antrieb des Willens und dem Gedanken des Verstandes im Haupt.

Stell dir vor, ein Leib hätte mehrere Häupter, deren jedes frei aus seinem Verstand und Willen heraus waltete. Ob dann wohl der Leib bestehen konnte? Einmütigkeit, wie in einem Haupt, wäre zwischen ihnen unmöglich.

Wie in der Kirche, so ist es auch in den Himmeln, die aus Myriaden und Abermyriaden von Engeln bestehen: Blickten nicht alle zusammen und jeder einzelne von ihnen auf Gott, so fiele einer vom anderen ab, und der Himmel löste sich auf. Darum wird ein Engel, sobald er nur an mehrere Götter denkt, sogleich abgesondert; er wird hinabgeworfen zur äußersten Grenze des Himmels und fällt hinunter.

*26. Da sich nun der gesamte Himmel und alles im Him­mel auf den einen Gott bezieht, so ist es auch eine Eigenart der Engelsprache, daß sie aufgrund eines gewissen Einklangs, der dem Einklang des Himmels entspringt, in Eines mundet — ein Anzeichen, daß es ihnen unmöglich ist, sich etwas anderes als einen einzigen Gott vorzustellen, entspringt doch die Rede aus dem Denken.

*27. Welcher Mensch, der bei voller Vernunft ist, vermoch­te nicht zu erkennen, daß das Göttliche unteilbar ist, und fer­ner, daß es nicht mehrere Unendliche, Unerschaffene, Allmäch­tige, also mehrere Götter gibt? Behauptete jemand, dem es an der nötigen Vernunft fehlt, es ließen sich mehrere Unendliche, Unerschaffene, Allmächtige und mehrere Götter denken, vor­ausgesetzt, sie wären desselben Wesens, denn auf diese Weise sei doch nur ein Unendlicher, Unerschaffener, ein Allmächtiger und ein Gott, man würde ihn fragen: ein und dasselbe Wesen — ist das nicht ein und dasselbe? Ein und dasselbe kommt doch nicht mehreren zu! Und wenn man sagte, das eine sei vom anderen, dann ist gleichwohl der, der vom anderen ist, nicht Gott in sich; denn Gott ist doch in sich der, von dem alles ist (vgl. oben # 16).

Das Göttliche Wesen selbst ist Weisheit und Liebe.

*28. Wenn du alles zusammennimmst, was du weißt, um es in dei­nem Gemüt zu betrachten, und wenn du dann deinen Geist etwas erhebst und untersuchst, was das Allumfassende von allem ist, so kannst du zu gar keiner anderen Folgerung kom­men, als daß es die Liebe und Weisheit sei. Diese beiden sind nämlich das Wesentliche im ganzen Leben des Menschen: Alles, was zu seinem bürgerlichen, sittlichen und geistigen Leben gehört, ist durch diese beiden bedingt und ist ohne sie nichts.

Dasselbe gilt auch für das gesamte Leben eines aus meh­reren zusammengesetzten Menschen (vgl. oben), wie etwa eine größere oder kleinere Gemeinschaft, ein König  oder Kai­serreich, die Kirche oder auch der Engelshimmel. Denke sie dir ohne Liebe und Weisheit und sieh dann, ob sie noch etwas sind. Du wirst erkennen, daß sie ohne diesen ihren Ursprung nichts sind.

*29. Niemand kann leugnen, daß in Gott Liebe und Weis­heit in ihrer Urwesenheit sind, liebt und leitet er doch alle aus der ihm innewohnenden Liebe und Weisheit.

Auch das geschaffene Weltall ist, betrachtet unter dem Gesichtspunkt seiner Ordnung, so voller Weisheit aus der Liebe, daß du bekennen mußt: alles zusammengenommen ist diese Weisheit selbst. Denn unaussprechlich Vieles ist im All in eine solche nach  und nebeneinander bestehende Ordnung gebracht worden, daß es zusammen nur eins ausmacht. Darin liegt auch der einzige Grund, daß es zusammengehalten und ewig erhalten werden kann.

*30. Auf der Tatsache, daß das göttliche Urwesen Liebe und Weisheit ist, beruhen auch die beiden grundlegenden Fähigkeiten des Lebens im Menschen, von denen das eine sei­nen Verstand, das andere seinen Willen begründet. Das Ver­standesvermögen entnimmt alles dem Einfluß der Weisheit aus Gott, das Vermögen des Willens hingegen entnimmt alles dem Einfluß der Liebe aus Gott.

Hat der Mensch keine echte Weisheit und Liebe, so hebt das die beiden genannten Fähigkeiten keineswegs auf, son­dern verschließt sie nur. Ist das der Fall, so heißt zwar der Ver­stand immer noch Verstand, ebenso der Wille noch Wille, doch ihrem Wesen nach sind sie es nicht mehr. Würden daher jene beiden Fähigkeiten hinweggenommen, so ginge alles Mensch­liche zugrunde, und das heißt: das Denken samt dem daraus hervorgehenden Reden und ebenso das Wollen samt dem dadurch bewirkten Handeln.

Dies zeigt, daß das Göttliche beim Menschen in Jenen bei­den Fähigkeiten wohnt, also in der Fähigkeit weise zu sein und in der Fähigkeit zu lieben, d.h. weise sein und lieben zu kön­nen. Im Menschen liegt die Fähigkeit zu lieben, wenngleich er schon nicht weise ist und liebt, wie er es könnte.

Dies hat mich vielfache Erfahrung gelehrt. Belege dafür wird man an anderer Stelle in Menge finden.

*31. Auf der Tatsache, daß das göttliche Urwesen Liebe und Weisheit ist, beruht auch, daß sich alles im Weltall auf das Gute und Wahre bezieht. Alles nämlich, was aus der Liebe her­vorgeht, heißt gut, und alles, was aus der Weisheit hervorgeht, heißt wahr. Darüber später mehr.

*32. Auf der Tatsache, daß das göttliche Urwesen Liebe und Weisheit ist, beruht ferner, daß das Weltall mit allem, was zu ihm gehört — es sei belebt oder unbelebt — durch Wärme und Licht besteht. Denn die Wärme steht in der Entsprechung zur Liebe, das Licht in der Entsprechung zur Weisheit. Deshalb ist auch geistige Wärme Liebe und geistiges Licht Weisheit. Auch davon unten mehr.

*33. Aus der göttlichen Liebe und Weisheit, die das Urwe­sen, Gott, ausmachen, entstehen alle Neigungen und Gedan­ken im Menschen: die Neigungen aus der göttlichen Liebe und die Gedanken aus der göttlichen Weisheit. Der Mensch im ganzen wie auch im einzelnen besteht aus nichts als Neigung und Gedanke. Diese beiden sind wie die Quellen seines gesamten Lebens. Alles, was sein Leben angenehm macht und anregt, fließt aus ihnen hervor, das Angenehme aus der Nei­gung seiner Liebe und das Anregende aus den daraus resultie­renden Gedanken.

Da nun der Mensch geschaffen ist, um aufzunehmen, er aber in dem Maß aufnimmt, wie er Gott liebt und aus der Liebe zu Gott weise ist, d.h. angeregt wird von dem, was von Gott ist und wie er aufgrund dieser Anregung denkt, so folgt, daß das göttliche Urwesen als das allein Schaffende die göttliche Liebe und Weisheit ist.

Die göttliche Liebe gehört der göttlichen Weis­heit, die göttliche Weisheit der göttlichen Liebe an.

*34. Das göttliche Sein und das göttliche Dasein sind in Gott unter­scheidbar eins, wie oben # 14 16 gezeigt wurde. Weil nun das göttliche Sein die göttliche Liebe und das göttliche Dasein die göttliche Weisheit ist, darum sind beide gleichermaßen unter­scheidbar eins.

Wir nennen sie so, weil Liebe und Weisheit zwar verschie­den, aber doch so vereint sind, daß die Liebe der Weisheit und die Weisheit der Liebe zugehört. Denn die Liebe ist in der Weis­heit, die Weisheit aber hat ihr Dasein in der Liebe, und weil dem so ist, wie oben # 15 gezeigt wurde, darum ist auch die göttliche Weisheit das Sein. Daraus folgt, daß Liebe und Weis­heit zusammengenommen das göttliche Sein sind, aber wenn man zwischen ihnen unterscheidet, heißt die Liebe das göttli­che Sein und die Weisheit das göttliche Dasein. Diese Vorstel­lung haben die Engel von der göttlichen Liebe und Weisheit.

*35. Weil im Gott Menschen eine solche Einheit von Liebe und Weisheit, Weisheit und Liebe besteht, ist das göttliche Wesen eins. Denn es ist göttliche Liebe, weil diese der göttli­chen Weisheit angehört, göttliche Weisheit aber, weil diese der göttlichen Liebe angehört. Da nun beide eine solche Einheit darstellen, so ist auch das göttliche Leben eins: das Leben ist das göttliche Wesen.

Mit anderen Worten: Die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit sind eins, weil ihre Vereinigung wechselseitig ist, eine solche Vereinigung aber eins ausmacht. Über diese wechselsei­tige Vereinigung später mehr.

*36. Auch in jedem göttlichen Werk findet sich diese Ein­heit von Liebe und Weisheit, und das ist auch der Grund für dessen Fortbestand, ja Ewigkeit. Wäre in etwas Geschaffenem mehr von der göttlichen Liebe als von der göttlichen Weisheit oder umgekehrt, es würde nicht bestehen. Bestand hat es nur soweit, als ihm jene beiden zu gleichen Teilen innewohnen. Was darüber hinausgeht, vergeht.

*37. Die göttliche Vorsehung bei der Umbildung, Wieder­geburt und Erlösung der Menschen enthält ein gleiches Maß von göttlicher Liebe und Weisheit. Wäre es anders, d.h. wäre mehr Liebe als Weisheit oder mehr Weisheit als Liebe dabei, der Mensch könnte nicht gebessert, wiedergeboren und erlöst wer­den. Die göttliche Liebe möchte alle erlösen, sie kann es aber nur durch die göttliche Weisheit, und in dieser liegen alle Gesetze, durch die die Erlösung bewirkt wird. Die Liebe kann diese Gesetze nicht überschreiten, weil sie eins ist mit der gött­lichen Weisheit und beide vereint wirken.

*38. Die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit werden im Wort unter der 'Gerechtigkeit' und unter dem 'Gericht' ver­standen   erstere unter der 'Gerechtigkeit', letztere unter dem 'Gericht'. Darum wird beides im Wort von Gott ausgesagt, wie bei David: „Gerechtigkeit und Gericht, die Stütze deines Thrones." (Ps. 89/15) „Jehovah wird hervorziehen Gerechtigkeit wie das Licht und das Gericht wie den Mittag" (Ps. 37/6).

Bei Hoschea: „Ich will mich dir ewig verloben in Gerech­tigkeit und im Gericht" (2/19).

Bei Jeremia: „Ich will dem David einen gerechten Sproß erwecken, der als König herrschen und Gericht und Gerechtigkeit üben wird im Lande" (23/5).

Bei Jesaja: „Er soll sitzen auf dem Throne Davids und in sei­nem Reich, um es zu festigen in dem Gericht und in Gerechtigkeit“ (9/6). „Erhoben werde Jehovah, weil er das Land erfüllt hat mit Gericht und mit Gerechtigkeit" (33/5).

Bei David: „Wenn ich gelernt haben werde die Gerichte deiner Gerechtigkeit; siebenmal des Tages lob ich dich ob der Gerichte deiner Gerechtigkeit" (Ps. 119/7, 164).

Ähnliches wird bei Johannes unter 'Leben' und 'Licht' ver­standen: „In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen" (1/4).

Das 'Leben' meint hier die göttliche Liebe des Herrn, das 'Licht' seine göttliche Weisheit. Ähnliches ist auch unter 'Leben' und 'Geist' bei Johannes zu verstehen: „Jesus sprach: Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben" (6/63).

*39. Im Menschen erscheinen Liebe und Weisheit getrennt, gleichwohl sind sie in sich unterscheidbar eins, da beim Men­schen die Weisheit so beschaffen ist, wie seine Liebe und die Liebe wie seine Weisheit.

Eine Weisheit, die nicht eins ist mit ihrer Liebe, erscheint nur als Weisheit, ist es aber nicht, und eine Liebe, die nicht eins ist mit ihrer Weisheit, erscheint nur als Liebe der Weisheit, ist es aber nicht. Denn wechselseitig zieht die eine ihr Wesen und Leben aus der anderen.

Daß Weisheit und Liebe beim Menschen getrennt erschei­nen, beruht darauf, daß seine Fähigkeit des Verstehens ins Licht des Himmels erhoben werden kann, seine Liebesfähigkeit aber nur soweit wie er auch danach handelt.

Scheinbare Weisheit, die nicht eins ist mit der Weisheit der Liebe, fällt daher in die 'Liebe' zurück, die mit ihr eins ist. Eine solche Liebe kann folglich eine Liebe der Nichtweisheit, ja der Raserei sein. Der Mensch kann nämlich aufgrund der Weisheit wissen, daß er dies oder jenes tun sollte, tut es jedoch nicht, wenn er es nicht liebt. Inwieweit er aber aus Liebe tut, was die Weisheit will, insoweit ist er ein Bild Gottes.

Die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit ist Substanz und ist Form.

*40. Gewöhnliche Menschen haben von der Liebe und Weisheit eine Vorstellung wie von etwas, das in dünner Luft oder im Äther fliegt bzw. fließt oder auch wie von einem Hauch aus etwas Derartigem. Kaum jemand denkt, daß sie in Wirklichkeit Substanz und Form sind.

Wer es erkennt, betrachtet Liebe und Weisheit doch (meist) als etwas, das sich außerhalb ihres Trägers befindet und aus ihm hervorgeht. Und was als außerhalb des Trägers und aus demselben hervorfließend — wenngleich als etwas Flüchti­ges und Fließendes — betrachtet wird, nennt man auch Sub­stanz und Form. Man weiß nämlich nicht, daß Liebe und Weis­heit der Träger selbst sind und das, was man außerhalb dessel­ben als etwas Luftiges oder Flüssiges gewahrt, nur eine Scheinbarkeit des Zustandes des Trägers an sich ist.

Es gibt mehrere Ursachen, weshalb man dies bisher nicht gesehen hat. Dazu gehört, daß das menschliche Gemüt seinen Verstand zuerst aus Scheinbarkeiten aufbaut. Diese Scheinbar­keiten kann es aber nur durch Ursachenforschung wieder beheben. Liegt aber die Ursache sehr tief, kann das Gemüt sie nur erkennen, wenn es den Verstand lange (genug) im geisti­gen Licht hält. Das gelingt ihm deshalb nicht, weil das natürli­che Licht unausgesetzt davon ablenkt.

Die Wahrheit ist aber, daß Liebe und Weisheit wirklich und tatsächlich Substanz und Form sind, die den Träger selbst bilden.

*41. Weil dies aber dem Schein widerspricht, so könnte es als unglaubwürdig gelten, wenn es nicht bewiesen würde. Das ist aber nur durch solche Dinge zu bewerkstelligen, die der Mensch sinnlich wahrnehmen kann. Nun hat der Mensch fünf äußere Sinne: Tastsinn, Geschmack, Geruch, Gehör und Gesicht.

Der Träger des Tastsinns ist die den Menschen umgeben­de Haut. Die eigentliche Substanz und Form der Haut bewirkt, daß sie das ihr Nahegebrachte fühlt. Der Tastsinn liegt offen­sichtlich nicht in dem, was die Haut berührt, sondern in der Substanz und Form der Haut, welche sein Träger ist. Die Emp­findung wird nur durch die Erregung der Haut von seiten des Berührenden hervorgebracht.

Ähnlich verhält es sich mit dem Geschmack: Dieser Sinn ist nur eine Erregung der Substanz und Form der Zunge. Die Zunge ist der Träger.

Dasselbe gilt für den Geruch. Bekanntlich regt er die Nase an, liegt in der Nase, und die Anregung wird hervorgebracht durch die sie berührenden Riechstoffe.

Ähnliches geht auch beim Gehör vor sich. Es scheint zwar, als ob das Gehör an dem Ort sei, wo der Ton entsteht. In Wirklichkeit aber befindet es sich im Ohr und ist eine Erregung seiner Substanz und Form. Der Eindruck, daß sich das Gehör in einiger Entfernung vom Ohr befinde, ist eine Scheinbarkeit.

Auch beim Gesichtssinn handelt es sich um etwas ähnli­ches. Wenn der Mensch Gegenstände in einiger Entfernung von sich sieht, wirkt scheinbar dort sein Gesichtssinn, und doch liegt er im Auge, seinem Träger, und ist auf dieselbe Art dessen Anregung. Der Abstand wird lediglich ermittelt durch ein Urteil des Menschen über den Raumgehalt der dazwischen liegenden Gegenstände, über die Verkleinerung und somit Verdunkelung des Gegenstandes, dessen Bild sich im Augenin­neren je nach dem Einfallswinkel darstellt.

Es ist also klar, daß der Gesichtssinn nicht aus dem Auge heraustritt, um zum jeweiligen Objekt zu gelangen, sondern daß umgekehrt das Bild des Objekts ins Auge eindringt und dessen Substanz und Form anregt. Beim Vorgang des Sehens ereignet sich nämlich das gleiche wie beim Hören: Der Gehör­sinn tritt nicht aus dem Ohr heraus, um den Schall aufzuneh­men, sondern der Schall dringt ins Ohr ein und regt es an.

Hieraus wird deutlich, daß die Erregung der Substanz und Form, die der eigentliche Sinn ist, nicht von seinem Träger getrennt ist, sondern nur eine Veränderung in ihm hervor­bringt. Der Träger bleibt dabei Träger wie zuvor.

Das bedeutet: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen sind nicht etwas Flüchtiges, das aus ihren Organen her­vortritt, sondern Organe, nach ihrer Substanz und Form ver­schieden, deren Sinn sich bei entsprechender Erregung äußert.

*42. Die gleiche Bewandtnis hat es nun auch mit der Liebe und Weisheit. Der einzige Unterschied besteht darin, daß die Substanzen und Formen, welche Liebe und Weisheit darstellen, für das Auge nicht erkennbar sind, wie die Organe der äußeren Sinne. Aber niemand kann bestreiten, daß das, was mit Liebe und Weisheit zusammenhängt und was man Gedanken, Wahr­nehmungen und Gefühle nennt, Substanzen und Formen sind und keineswegs flüchtige und aus dem Nichts hervorfließende abstrakte Dinge, die mit der wirklichen und tatsächlichen Sub­stanz und Form, welche die Träger sind, nichts zu tun haben. Denn es gibt im Gehirn unzählige Substanzen und Formen, in denen alles seinen Sitz hat, was mit dem inneren Sinn zusam­menhängt, der sich auf Verstand und Wille bezieht.

Aus dem oben über die äußeren Sinne Gesagten läßt sich entnehmen, daß alle Gefühle, Wahrnehmungen und Gedanken im Gehirn nicht Ausdünstungen seiner Substanzen und Formen sind, sondern daß sie wirklich und tatsächlich die Träger sind, die nichts von sich aussenden, sondern nur Veränderungen erfahren, je wie die von außen kommenden Dinge sie anregen. (Unten mehr über die von außen herandringenden Eindrücke.)

*43. Aus alledem kann man zunächst ersehen, daß die göttliche Liebe und Weisheit Substanz und Form in sich sind, denn sie sind das Sein und Dasein selbst. Wären sie nicht eben­so wie sie Substanz und Form sind, zugleich auch das Sein und Dasein selbst, sie wären lediglich etwas Gedachtes, das an sich nichts ist.

Die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit sind Substanz und Form an sich, folglich das Eigentliche und Einzige.

*44. Soeben wurde nachgewiesen, daß die göttliche Liebe und Weisheit Substanz und Form ist, ebenso wie das göttliche Sein und Dasein das Sein und Dasein an sich ist. Man kann nicht sagen, es sei das Sein und Dasein aus sich, weil das einen Anfang in sich schlösse und zugleich einem bestimmten Teil davon Sein und Dasein in sich zuschriebe.

Das eigentliche Sein und Dasein in sich ist ja doch von Ewigkeit und ist unerschaffen. Alles Erschaffene kann nicht sein, es sei denn aus einem Unerschaffenen. Was erschaffen ist, das ist auch endlich, und Endliches kann nur Dasein haben aus einem Unendlichen.

*45. Wer bei einigem Nachdenken das Sein und Dasein in sich erfassen und begreifen kann, wird gewiß auch erfassen und begreifen, daß es das Eigentliche und Einzige ist. Unter dem Eigentlichen wird verstanden, was allein ist, und unter dem Einzigen das, woraus alles andere ist.

Da nun das Eigentliche und das Einzige Substanz und Form ist, so folgt, daß es die einzige Substanz und Form ist, und weil eben diese Substanz und Form die göttliche Liebe und Weisheit ist, so folgt ferner, daß es die eigentliche und ein­zige Liebe und Weisheit, folglich das eigentliche und einzige Urwesen sowie das Leben selbst und das einzige Leben ist. Liebe und Weisheit ist ja das Leben.

*46. Hieraus mag deutlich geworden sein, wie sinnlich all jene denken, die da behaupten, die Natur bestünde aus sich. Wie sehr urteilen sie doch über die geistigen Dinge aufgrund ihrer körperlichen Sinne und deren Finsternis! Sie denken gewissermaßen aus dem Auge und können nicht aus dem Verstand denken. Das Denken aus dem Auge verschließt den Verstand, das Denken aus dem Verstand aber schließt das Auge auf.

Solche Menschen können gar nicht nachdenken über Sein und Dasein, wie sie in sich sind, und daß sie das Ewige, Uner­schaffene und Unendliche darstellen. Unter dem Leben können sie sich nichts anderes vorstellen als etwas Flüchtiges, das ins Nichts zurückfällt. Darum haben sie auch keine Vorstellung von der Liebe und Weisheit und verstehen durchaus nicht, daß alles in der Natur davon herrührt.

Man kann das auch nicht erkennen, wenn man nicht die Natur unter dem Gesichtspunkt der Nutzwirkungen in deren Reihenfolge und Ordnung betrachtet, sondern nur nach eini­gen ihrer Formen, die bloß Gegenstande für die Augen sind.

Denn die Nutzwirkungen entstehen einzig aus dem Leben, ihre Reihenfolge und Ordnung aber aus der Weisheit und Liebe. Die Formen sind die Gefäße der Nutzwirkungen. Richtet man daher den Blick nur auf die Formen, so kann man in der Natur kein Leben und noch weniger etwas von Liebe und Weisheit, somit nichts von Gott erkennen.

Die göttliche Liebe und Weisheit kann nicht anders sein und dasein als in Anderem, aus ihr Geschaf­fenem.

*47. Das Eigentliche der Liebe besteht nicht darin, sich selbst, sondern andere zu lieben und mit ihnen in Liebe ver­bunden zu werden.

Das Eigentliche der Liebe aber besteht darin, auch von anderen geliebt zu werden, weil so eine Verbindung entsteht und das Wesen aller Liebe Verbindung ist. Ja, diese selbst ist ihr Leben, d.h. ihr Angenehmes, Reizendes, Liebliches, Süßes und Seliges, ihre Wonne und ihr Glück. Das Wesen der Liebe besteht darin, daß sie das Ihrige dem anderen schenken und dessen Lust als eigene Lust empfinden will. Dies also heißt den Nächsten lieben. Aber seine eigene Lust im anderen fühlen und nicht dessen Lust in sich, heißt nicht lieben, son­dern sich selbst lieben.

Diese beiden Arten der Liebe sind völlige Gegensätze. Beide bewirken zwar Verbindung, und wenn man das Eigene, d.h. sich im anderen liebt, scheint es zunächst keine Entzwei­ung hervorzurufen. Dennoch entzweit es so sehr, daß im sel­ben Maß, wie einer den anderen auf diese Weise geliebt hat, er ihn in der Folge haßt. Diese Verbindung löst sich nämlich all­mählich von selbst auf, und dann setzt sich die Liebe in Haß gleichen Grades um.

*48. Welcher Mensch, der das Wesen der Liebe zu schauen vermag, wäre nicht in der Lage, das zu sehen? Denn sich allein zu lieben und nicht jemanden außer sich, ist ja mehr Trennung als Verbindung.

Die Verbindung der Liebe beruht auf der Wechselseitig­keit, und die gibt es nicht in einem allein. Wenn man das glaubt, so bildet man sich die Erwiderung seitens der anderen nur ein.

Damit ist deutlich, daß die göttliche Liebe nicht anders sein und dasein kann als in anderen, die sie liebt und von denen sie geliebt wird. Wenn dies bei jeder Liebe so ist, muß es folglich auch im höchsten Grad, d.h. in der unendlichen, ureigentlichen Liebe so sein.

*49. Was nun Gott betrifft, so kann dieses Lieben und Wie­dergeliebtwerden nicht mit anderen Wesen stattfinden, in denen sich etwas Unendliches bzw. etwas vom Wesen und Leben der Liebe an sich oder etwas vom Göttlichen fände. Fände sich nämlich in diesen etwas Unendliches, oder etwas vom Wesen und Leben der Liebe an sich, d.h. etwas vom Gött­lichen, so würde Gott nicht von anderen geliebt, sondern liebte sich selbst. Das Unendliche nämlich oder das Göttliche ist ein­zig. Fände es sich in anderen, so wäre es ja es selbst, und Gott wäre die Selbstliebe. Von dieser aber kann in Gott nichts sein, da sie seinem göttlichen Wesen völlig entgegengesetzt ist. Darum richtet sich die göttliche Liebe und Weisheit auf andere, in denen nichts an sich Göttliches ist, und das sind, wie man weiter unten sehen wird, die von Gott geschaffenen Wesen.

Aber um das zu ermöglichen, muß eine unendliche Weis­heit sein, die vereint mit der unendlichen Liebe wirkt, d.h. es muß, wie oben #34 39 ausgeführt, die der göttlichen Weisheit angehörende göttliche Liebe und die der göttlichen Liebe angehörende Weisheit sein.

*50. Vom Erfassen und Erkennen dieses Geheimnisses hängt Erfassen und Erkennen aller Geheimnisse des Entstehens bzw. der Schöpfung und der Erhaltung durch Gott, d.h. aller Werke Gottes im geschaffenen Weltall ab. Darüber mehr im Folgenden.

*51. Um eines aber muß ich dich bitten, lieber Leser: Menge weder Zeit noch Raum in deine Vorstellungen. Soweit nämlich beim Lesen des Folgenden deinen Vorstellungen etwas von Zeit und Raum anhaftet, wirst du es nicht verstehen. Denn das Göttliche ist nicht in Zeit und Raum. Das wird man im wei­teren Verlauf dieses Werkes klar erkennen, insbesondere in den Abschnitten über Ewigkeit, Unendlichkeit und Allgegenwart.

Im Weltall ist alles von der göttlichen Liebe und Weisheit des Gottmenschen erschaffen worden.

*52. Das Welt­all im Größten wie im Kleinsten, im Ersten wie im Letzten ist so voll göttlicher Liebe und Weisheit, daß man sagen kann, es sei die göttliche Liebe und Weisheit in ihrem Bilde.

Das zeigt sich deutlich an der Entsprechung aller Teile des Weltganzen mit allen Teilen des Menschen. Alles im Welt­all, was nur irgend Dasein hat, steht in einer solchen Entspre­chung mit allem und jedem im Menschen. Man kann also sagen, auch der Mensch sei eine Welt.

Es besteht eine Entsprechung seiner Neigungen und der ihnen entspringenden Gedanken mit allem im Tierreich und ebenso eine Entsprechung seines Willens und des daraus hervor­gehenden Verstandes mit allem im Pflanzenreich und seiner unter­sten (oder letzten) Lebensbereiche mit allem im Mineralreich.

Das Bestehen einer solchen Entsprechung wird in der natürlichen Welt von niemandem bemerkt, wohl aber von jedem, der darauf achtet, in der geistigen Welt. In dieser findet sich alles, was in den drei Reichen der natürlichen Welt besteht, und zwar als Entsprechungen der Neigungen und Gedanken — der Neigungen aus dem Willen und der Gedan­ken aus dem Verstand —, sowie des Untersten des Lebens in denen, die sich dort aufhalten. Und zwar erscheint all dies um sie herum in derselben Gestalt, die das erschaffene Weltall hat, nur mit dem Unterschied, daß es ein kleineres Abbild dessel­ben ist.

Daran erkennen die Engel deutlich, daß das erschaffene Universum ein Abbild des Gottmenschen ist und daß das, was sich im Universum im Bilde darstellt, seine Liebe und Weis­heit ist.

Das soll nicht etwa heißen, daß das erschaffene Weltall der Gottmensch wäre, sondern vielmehr daß es von Ihm stammt. Denn nichts im erschaffenen Universum ist Substanz und Form an sich, noch Leben oder Liebe und Weisheit an sich, sondern alles ist von Gott, und Gott ist der (eigentliche) Mensch, die Liebe und Weisheit, die Substanz und Form an sich.

Was an sich ist, ist das Unerschaffene und Unendliche, was aber von Ihm ist, das ist, weil nichts in ihm ist, was in sich wäre, erschaffen und endlich und stellt Sein Bild dar, von dem es ist und sein Dasein hat.

*53. Zwar kann man vom Erschaffenen und Endlichen sagen, daß es sei und sein Dasein habe, sowie daß es Substanz und Form, daß es Leben, ja Liebe und Weisheit sei, aber bei alledem ist es doch erschaffen und endlich. Der Grund, wes­halb man so sagen kann, ist nicht, daß es etwas Göttliches hatte, sondern daß es im Göttlichen ist und dieses in ihm. Denn alles Erschaffene ist an sich unbeseelt und tot, wird aber beseelt und belebt dadurch, daß das Göttliche in ihm ist, während es selbst im Göttlichen ist.

*54. Das Göttliche ist nicht in dem einen Träger anders als im anderen, vielmehr ist jeder erschaffene Träger anders als der andere, gibt es doch nicht zwei, die völlig identisch miteinan­der wären. Daher ist das Enthaltende ein anderes, weshalb das Göttliche in seinem Bilde als etwas Mannigfaltiges erscheint. Von Seiner Gegenwart in gegensätzlichen Dingen wird weiter unten die Rede sein.

Im erschaffenen Weltall ist alles Aufnahmegefäß der göttlichen Liebe und Weisheit des Gottmenschen.

*55. Bekanntlich ist alles im Universum von Gott erschaffen, wes­halb es mit allem, was zu ihm gehört, ein Werk der Hände Jehovahs (Jahwe's) heißt.

Man sagt, die ganze Welt sei aus Nichts erschaffen wor­den; und man hat vom Nichts die Vorstellung eines völligen Nichts, während doch aus dem völligen Nichts nichts wird noch werden kann. Das ist eine ausgemachte Wahrheit.

Darum konnte das Weltall, das ein Bild Gottes und daher voll von Gott ist, nur in Gott aus Gott erschaffen werden. Denn Gott ist das Sein selbst, und was da ist, muß dem Sein entstam­men. Aus dem reinen Nichts erschaffen, was ist, ist ein Wider­spruch in sich.

Gleichwohl ist aber das in Gott aus Gott Erschaffene nicht ein stetig mit Ihm Zusammenhängendes (continuum), denn Gott ist das Sein an sich, was vom Erschaffenen nicht gesagt werden kann. Wäre im Erschaffenen ein Sein an sich, so hinge es stetig mit Gott zusammen, wäre also Gott.

Die Engel stellen sich die Sache folgendermaßen vor: Was in Gott aus Gott erschaffen ist, ist wie etwas im Menschen, das zwar aus seinem Leben gezogen, dem aber das Leben entzogen wurde, und das nun wohl mit seinem Leben übereinstimmt, aber nicht sein Leben ist. Die Engel belegen dies mit vielen Erscheinungen ihres Himmels, wenn sie sagen, sie seien in Gott und Gott in ihnen, und doch hatten sie nichts von Gott in ihrem Sein, was Gott wäre. Einiges von dem, womit sie das bestätigen, wird im Folgenden angeführt werden. Soviel nur zur Information.

*56. Von diesem Ursprung her ist alles Erschaffene seiner Natur nach ein Aufnahmegefäß Gottes, nicht weil es sich an Ihn anschließt (non per continuum), sondern weil es Ihn berührt (per contiguum). Nur so, durch Berührung, nicht durch Anschließung findet eine Verbindung statt; denn es ist überein­stimmend, weil in Gott aus Gott erschaffen. Und weil es so erschaffen ist, ist es eine Ähnlichkeit. Durch jene Verbindung aber spiegelt es Gott wie im Bild.

*57. Darauf beruht auch, daß die Engel nicht aus sich selbst Engel sind, sondern aufgrund jener Verbindung mit dem Gottmenschen. Diese Verbindung aber geschieht je nach ihrer Aufnahme des Göttlich Guten und  Wahren, das Gott ist und von Ihm auszugehen scheint, obgleich es in Ihm ist. Die Auf­nahme aber geht vor sich, je wie sie — vermöge ihrer Freiheit, zu denken und zu wollen im Sinne der ihnen vom Herrn wie zum Eigentum geschenkten Vernunft — die Ordnungs Gesetze, also die göttlichen Wahrheiten, auf sich anwenden.

Dadurch findet eine Aufnahme des Göttlich Guten und  Wahren statt, als ob sie wie von ihnen selbst geschehe, und auf diese Weise entsteht das Gegenseitige der Liebe; denn, wie gesagt, es gibt keine Liebe, sie sei denn wechselseitig.

Ähnlich verhält es sich auch bei den Menschen auf Erden. Aus dem Gesagten ersieht man nun zunächst einmal, daß alles im erschaffenen Universum ein Aufnahmegefäß der göttlichen Liebe und Weisheit des Gottmenschen ist.

*58. Noch kann dem Verstand nicht nahegebracht wer­den, daß auch alles übrige des Universums, das nicht zu den Menschen und Engeln gehört, als Gefäß zur Aufnahme der göttlichen Liebe und Weisheit des Gottmenschen dient, so alles, was sich unter dem Menschen im Tierreich und darunter im Pflanzenreich und wiederum unter diesem im Mineralreich befindet. Zuvor muß nämlich erst noch einiges über die Grade des Lebens und die Grade der Aufnahmegefäße des Lebens gesagt werden.

Die Verbindung mit allen diesen Dingen geschieht je nach ihrer Brauchbarkeit; denn alle guten Nutzwirkungen haben ihren Ursprung nur aus einer ähnlichen Verbindung mit Gott; diese ist freilich unähnlich hinsichtlich der Grade. Im Herab­steigen vermindert sich diese Verbindung nach und nach so, daß sich in ihr keine Freiheit mehr findet, weil keine Vernunft und daher auch kein Anschein des Lebens mehr darin ist. Den­noch sind diese Dinge noch Aufnahmegefäße, und eben darum reagieren sie auch noch. Denn dadurch, daß sie reagieren, haben sie Zusammenhalt. Von der Verbindung mit den unguten Auswirkungen wird erst die Rede sein, wenn der Ursprung des Bösen aufgezeigt ist.

*59. Damit ist klar, daß das Göttliche in allen Einzelheiten des erschaffenen Weltalls ist und dieses somit, wie es im Wort heißt, ein Werk der Hände Jehovahs, d.h. ein Werk der göttli­chen Liebe und Weisheit.

Doch obgleich das Göttliche in allen Einzelheiten des erschaffenen Universums ist, so eignet ihnen doch nichts an sich Göttliches, denn das erschaffene Weltall ist nicht Gott, son­dern von Gott, und weil es das ist, so liegt in ihm Sein Bild, vergleichbar dem Bild eines Menschen im Spiegel, in dem er zwar erscheint, in dem aber nichts vom Menschen selbst ist.

*60. Ich hörte mehrere Personen in der geistigen Welt um mich her reden und sagen, sie seien schon bereit anzuerken­nen, daß in allen Einzelheiten des Universums Göttliches sei, weil sie die Wunder Gottes darin sahen, und zwar umso größe­re, je innerlicher man sie betrachte. Als sie aber hörten, daß das Göttliche wirklich in allen Einzelheiten des Weltalls wohne, ärgerten sie sich — ein Zeichen, daß sie zwar so sprachen, aber nicht so glaubten.

Man fragte sie daher, ob sie das nicht schon an der in jedem Samen liegenden Fähigkeit sehen könnten, in genauer Ordnung seine Pflanze hervorzubringen und bis zum neuen Samen ausreifen zu lassen. In jedem Samen liege doch ein Bild des Unendlichen und Ewigen, da ihm das Streben innewohne, sich ins Unendliche und Ewige fortzupflanzen und fruchtbar zu machen.

Und ähnliches gelte doch auch für jedes Tier, sogar das allerkleinste, nämlich daß es Sinnesorgane habe, Gehirn, Herz, Lunge usw. mit Arterien, Venen, Fibern, Muskeln und den dar­aus hervorgehenden Tätigkeiten — ganz zu schweigen von all dem Staunenswerten in ihren Instinkten, worüber ganze Bücher geschrieben wurden.

Alle diese Wunder sind doch aus Gott. Die Formen aber, in die sie gekleidet sind, entstammen den irdischen Stoffen. Aus ihnen sind die Pflanzen und in ihrer Ordnung auch die Menschen, weshalb es vom Menschen heißt, er sei aus Erde erschaffen worden, sei Erdenstaub, und ihm sei die Seele der Leben (hebräisch: chajim, die beiden Leben, d.Ü.) eingehaucht worden (1.Mose 2/7).

Das zeigt deutlich, daß das Göttliche nicht dem Menschen eigen, sondern ihm beigesellt worden ist.

Alles Erschaffene stellt in einem gewissen Bilde den Menschen dar.

*61. Das zeigt sich an allen Einzelheiten im Tier , Pflanzen  und Mineralreich:

Im Tierreich wird die Beziehung zum Menschen an fol­genden Einzelheiten deutlich: Die Tiere jeder Art haben Glie­der, um sich zu bewegen, Organe, um zu empfinden und Ein­geweide, mit deren Hilfe sie in Tätigkeit versetzen, was sie mit dem Menschen gemeinsam haben. Sie haben auch Begierden und Neigungen, ähnlich denen der menschlichen Natur. Ferner haben sie angeborene Kenntnisse, die ihren Neigungen ent­sprechen und in denen gelegentlich sogar etwas dem Geistigen Ähnliches erscheint, was bei den Landtieren, den Vögeln des Himmels, bei den Bienen, Seidenwürmern, Ameisen usw. mehr oder weniger offensichtlich ist. Daher kommt es auch, daß, die bloß natürlichen Menschen die Kreaturen des Tierreichs, abge­sehen von der Sprache, für Ihresgleichen halten.

Die Beziehung des ganzen Pflanzenreichs zum Menschen zeigt sich an folgendem: Alle Pflanzen gehen aus einem Samen hervor und schreiten von da aus nach und nach zu ihren ver­schiedenen Lebensstadien voran. Auch weisen sie etwas auf, was der Begattung und darauffolgenden Fortpflanzung ähnlich ist. Ihre Pflanzenseele ist der Nutzzweck, dessen Formen sie sind. Viele weitere Beziehungen dieser Art zum Menschen sind von anderen Autoren geschildert worden.

Die Beziehung aller Einzelheiten des Mineralreichs zum Menschen erscheint lediglich an dem Bestreben, Formen her­vorzubringen, die eine Beziehung haben, und zwar — wie schon ausgeführt wurde — zu allem und jedem im Pflanzen­reich, um so Nutzen zu schaffen: Sobald nämlich der Same in den Schoß der Erde gelegt wird, hegt sie ihn und führt ihm aus sich von allen Seiten Nahrung zu, damit er wachse und sich in einer Form zeige, die etwas vom Menschen darstellt. Die Koral­len auf dem Meeresgrund und die aus Mineralien sowie aus Metallen gebildeten 'Blumen' in den Bergwerken zeigen, daß ein solches Streben auch in den trockenen Teilen des Mineral­reichs liegt. Dieses Streben, in Vegetation überzugehen, um dadurch Nutzen zu schaffen, ist im Geschaffenen das Unterste (oder: Letzte) aus dem Göttlichen.

*62. Wie den Mineralstoffen der Erde ein Streben inne­wohnt, in Vegetation überzugehen, so den Pflanzen ein Streben, sich zu beleben. Daher gibt es soviele Arten von Insekten, die deren ausgehauchten Duften entsprechen. Im Folgenden wird man sehen, daß dies nicht das Resultat der Wärme unserer irdischen Sonne ist, sondern mit ihrer Hilfe aus dem Leben zustande kommt, je nach der Beschaffenheit der Aufnahmegefäße.

*63. Aus den angeführten Beispielen läßt sich zwar ent­nehmen, daß alle Dinge im erschaffenen Weltall eine Bezie­hung zum Menschen aufweisen, aber doch nicht deutlich. In der geistigen Welt sieht man es jedoch deutlich.

Auch in ihr gibt es alle Dinge der drei Reiche, in deren Mitte sich der Engel befindet. Er erblickt sie um sich herum und weiß auch, daß sie Repräsentationen von ihm selbst sind. Ja, wenn ihm das Innerste seines Verstandes erschlossen wird, erkennt er sich in ihnen, kaum anders als wenn er im Spiegel sein Bild erblickte.

*64. Aus diesen und vielen anderen Übereinstimmungen, die hier nicht angeführt werden können, kann man mit Sicher­heit wissen, daß Gott Mensch ist und das erschaffene Univer­sum Sein Bild. Denn es besteht eine allgemeine Beziehung aller Dinge auf Ihn, ebenso wie eine besondere auf den Menschen.

Die Nutzzwecke aller geschaffenen Dinge stei­gen stufenweise auf vom Untersten zum Menschen und durch den Menschen hindurch zu Gott, dem Schöpfer, von dem sie ausgegangen sind.

*65. Das Unterste (oder Letzte) besteht, wie oben gezeigt wurde, aus allem, was zum Mineral­reich gehört, d.h. aus Stoffen verschiedenster Art, von steiner­ner, salziger, öliger, mineralischer und metallischer Beschaffen­heit, vermengt mit Erde, bestehend aus pflanzlichen und mine­ralischen Stoffen, die zu feinstem Staub zerfallen sind. In diesen liegt Endzweck (finis) wie Anfang (principium) aller Nutzwirkungen (usuum), die aus dem Leben hervorgehen. Der Endzweck aller Nutzwirkungen ist das Streben, sie hervorzu­bringen, ihr Anfang ist die wirkende Kraft aus jenem Streben. Dies hat mit dem Mineralreich zu tun.

Das Mittlere ist alles, was zum Pflanzenreich gehört, Grä­ser und Kräuter, Pflanzen, Sträucher und Bäume jeder Art.

Ihre Nutzwirkungen dienen allem, was zum Tierreich gehört, es sei unvollkommen oder vollkommen. Sie ernähren, erfreuen und beleben es. Sie ernähren die Angehörigen des Tierreichs mit ihren Stoffen, erfreuen ihre Sinne mit ihrem Geschmack, Geruch und ihrer Schönheit und beleben ihre Triebe. Das Streben, dies zu bewirken, liegt auch vom Leben her in ihnen.

Das Erste ist alles, was zum Tierreich gehört, in dem wie­derum das Unterste die Würmer und Insekten sind, das Mittlere die Vögel und Landtiere, während der Mensch das Oberste dar­stellt. In jedem Reich gibt es nämlich ein Unterstes, ein Mittle­res und ein Oberstes, das Untere zum Gebrauch des Mittleren, das Mittlere zum Gebrauch des Obersten.

So steigen der Ordnung nach die Nutzwirkungen aller erschaffenen Dinge auf vom Untersten bis hinauf zum Men­schen, dem Ersten in der Ordnung.

*66. Es gibt drei aufsteigende Grade in der natürlichen und drei in der geistigen Welt: Alle Tiere sind Aufnahmegefäße des Lebens, wobei die vollkommeneren Aufnahmegefäße des Lebens aller drei Grade der natürlichen Welt sind, die weniger vollkommenen Aufnahmegefäße zweier Grade und die unvoll­kommenen eines Grades dieser Welt. Der Mensch allein ist aber ein Aufnahmegefäß nicht nur der drei Grade der natürli­chen, sondern auch der drei Grade der geistigen Welt.

Daher vermag sich der Mensch, anders als jedes Tier, über die Natur zu erheben. Er kann folgerichtig und vernünftig nachdenken über die bürgerlichen und sittlichen Dinge, die zum Bereich der Natur gehören, wie auch über die geistigen und himmlischen Dinge, die über die Natur hinausgehen, er kann sich sogar zur Weisheit erheben, bis er Gott schaut.

Von den sechs Stufen, über welche die Nutzzwecke aller erschaffenen Dinge der Ordnung nach bis zu Gott, dem Schöp­fer, aufsteigen, wird zu gegebener Zeit die Rede sein.

Dieser kurze Abriß läßt aber erkennen, daß alle geschaf­fenen Dinge aufsteigen bis zum Ersten, der allein das Leben ist, und daß die Nutzwirkungen aller Dinge die eigentlichen Auf­nahmegefäße des Lebens, die Dinge mithin Formen der Nutz­wirkungen sind.

*67. Es soll hier noch kurz angedeutet werden, wie der Mensch von der letzten zur ersten Stufe aufsteigt, das heißt erhoben wird.

Er wird in die unterste Stufe der natürlichen Welt hinein­geboren und hernach durch Kenntnisse auf die zweite Stufe erhoben. Und in dem Maße, wie er durch Kenntnisse seinen Verstand vervollkommnet, wird er zur dritten Stufe erhoben und damit vernünftig.

Die drei Aufstiegsstufen der geistigen Welt liegen in ihm über den drei natürlichen Stufen, aber sie erscheinen erst, wenn er seinen irdischen Körper abgelegt hat. Ist das gesche­hen, wird ihm die erste geistige Stufe aufgeschlossen, hernach die zweite und schließlich die dritte — freilich geschieht dies nur bei denen, die zu Engeln des dritten Himmels werden und von denen es heiß, daß sie Gott schauen. Zu Engeln des zwei­ten und des untersten Himmels werden die, bei denen die zweite bzw. die unterste Stufe aufgeschlossen werden kann.

Jede geistige Stufe beim Menschen wird je nach seiner Aufnahme der göttlichen Liebe und Weisheit vom Herrn aufge­schlossen. Wer nur wenig aufnimmt, kommt auf die erste oder unterste geistige Stufe, wer mehr aufnimmt, auf die zweite oder mittlere geistige Stufe, und wer viel aufnimmt, auf die dritte oder höchste geistige Stufe. Wer gar nichts aufnimmt, bleibt auf den natürlichen Stufen stehen und entlehnt von den geistigen Stufen nur das, was er denken und folglich auch reden kann. Er kann es auch wollen und entsprechend handeln, aber nicht in verständiger Weise.

*68. Was die Erhebung der inneren Regionen des Men­schen betrifft, die das Gebiet seines Gemüts ausmachen, muß man auch noch folgendes wissen: Alles von Gott Erschaffene ist reaktiv, nur das Leben ist aktiv; diese Reaktion oder Rück­wirkung wird durch die Aktivität (actio) des Lebens geweckt. Die Reaktion scheint dem Erschaffenen zuzugehören, weil sie sich zeigt, sobald es in Tätigkeit versetzt wird. Mithin erscheint sie auch im Menschen als etwas ihm Eigenes, weil er nur zu fühlen vermag, als ob das Leben sein eigen sei, während er doch in Wirklichkeit nur ein Aufnahmegefäß des Lebens ist.

Das ist auch der Grund, weshalb der Mensch aus seinem Erbübel heraus wider Gott denkt. Sobald er jedoch glaubt, sein Leben stamme gänzlich von Gott und alles Gute des Lebens beruhe auf dem Wirken Gottes, alles Böse im Leben jedoch entstehe durch die Reaktion seitens des Menschen, wird seine Reaktion zur Aktion und der Mensch handelt wie von sich selbst in Übereinstimmung mit Gott.

Das Gleichgewicht aller Dinge beruht darauf, daß. Wirken und Rückwirken, Agieren und Reagieren, gleichen Schritt hal­ten. Im Gleichgewicht aber soll alles sein. Dies wurde gesagt, damit man nicht glaube, der Mensch steige aus eigener Kraft zu Gott auf. Vielmehr geschieht es durch den Herrn.

Das Göttliche erfüllt alle Räume des Weltalls unabhängig vom Raum.

*69. Die Natur hat zwei Eigentümlichkeiten: Zeit und Raum. Aus ihnen bildet der Mensch in der natürlichen Welt seine Denkvorstellungen und aus diesen wiederum seinen Ver­stand. Verharrt er bei diesen Vorstellungen und erhebt sein Gemüt nicht darüber, so kann er durchaus nichts Geistiges und Göttliches fassen, weil er es in die aus Zeit und Raum geborgten Vorstellungen kleidet. Im selben Maß, wie er dies tut, verwandelt sich das Licht seines Verstandes zu einem bloß natürlichen Licht.

Aus diesem heraus über das Geistige und Göttliche zu denken und seine Schlußfolgerungen zu ziehen, gleicht dem Nachdenken im nächtlichen Dunkel über etwas, das nur im Tageslicht erscheint. Dies ist die Quelle des Naturalismus (bzw. Materialismus, d.Ü.).

Wer aber sein Gemüt über die mit Raum und Zeit ver­knüpften Denkvorstellungen zu erheben weiß, kommt vom Dunkel ins Licht, erkennt das Geistige und Göttliche und erkennt zuletzt auch, was in ihm und aus ihm ist. Dann treibt er aus diesem Licht das Dunkel des natürlichen Lichts aus und verweist die daraus entstehenden Täuschungen aus dem Zen­trum gegen die Peripherie.

Jeder Mensch von Vernunft vermag sein Denken über jene Eigentümlichkeiten der Natur zu erheben und erhebt es auch wirklich. Sobald er das tut, bestätigt und erkennt er, daß das Göttliche, weil allgegenwärtig, nicht im Raume ist. Zugleich kann er auch das, was oben angeführt wurde, begründen und einsehen Leugnet er aber die göttliche Allge­genwart und schreibt alles der Natur zu, so will er nicht erho­ben werden, obgleich er es konnte.

*70. Raum und Zeit, die beiden Eigentümlichkeiten der Natur, werden von allen abgelegt, die nach dem Tode zu Engeln werden. Sie gelangen nun ins geistige Licht, in dem die Gegenstände des Denkens Wahrheiten sind und wo die ihnen sichtbaren Gegenstände zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit denen der natürlichen Welt aufweisen, aber Entsprechungen ihrer Gedanken sind.

Die Gegenstände ihres Denkens — wie gesagt, die Wahr­heiten — haben ganz und gar nichts vom Raum und von der Zeit an sich, und die sichtbaren Gegenstände erscheinen ihnen zwar wie in Zeit und Raum, aber sie bilden nicht die Grundlage ihres Denkens.

Räume und Zeiten sind nämlich in der geistigen Welt nicht fixiert, wie in der natürlichen, sondern veränderlich je nach den Lebenszuständen ihrer Bewohner. Deshalb sind in ihren Denkvorstellungen die Räume durch Lebenszustände ersetzt, die sich auf die Liebe beziehen und die Zeiten durch Zustande, die sich auf die Weisheit beziehen.

Darauf beruht die grundlegende Verschiedenheit des gei­stigen Denkens und des daraus hervorgehenden Redens vom natürlichen Denken und daraus resultierenden Reden. Abgese­hen vom Inneren der Dinge, das ganz und gar geistig ist, haben sie nichts Gemeinsames. Über diesen Unterschied mehr an anderer Stelle.

Da nun die Gedanken der Engel nichts aus Raum und Zeit ableiten, sondern allein aus ihren Lebenszuständen, so haben sie begreiflicherweise kein Verständnis für die Behauptung, das Göttliche erfülle die Räume. Denn sie wissen gar nicht, was Räume sind. Es ist aber auch klar, daß sie ganz gut begreifen, wenn man ohne irgendeine räumliche Vorstellung sagt, das Göttliche erfülle alles.

*71. Folgendes soll verdeutlichen, daß der bloß natürliche Mensch im Gegensatz zum geistigen von den geistigen und göttlichen Dingen räumliche Vorstellungen hegt: Er denkt näm­lich mittels der Vorstellungen, die er sich aufgrund der sichtba­ren Gegenstände erworben hat. Deren Gestaltung weist Lange, Breite und Höhe auf, also eine begrenzte Form, die entweder eckig oder rund ist. Dergleichen liegt offenbar in den Denkvor­stellungen vom Sichtbaren in der Welt wie auch in seinen Denkbildern vom Unsichtbaren, wie den bürgerlichen und sitt­lichen Dingen. Er sieht es zwar nicht, aber es ist dennoch stets darin enthalten.

Anders der geistige Mensch, besonders der Engel des Himmels, dessen Denken nichts mit Gestalten und Formen gemein hat, die etwas von räumlicher Länge, Breite und Höhe an sich haben, sondern vom Zustand der Sache aus dem Lebenszustand. Statt der räumlichen Länge denkt er sich daher das Gute einer Sache aus dem Guten des Lebens, statt der räumlichen Breite das Wahre einer Sache aus dem Wahren des Lebens, und statt der Höhe ihre Grade. Er denkt so aufgrund der Entsprechung, die zwischen geistigen und natürlichen Dingen untereinander besteht. Auf dieser Entsprechung beruht es, daß die Länge im Wort das Gute einer Sache bezeichnet, die Breite das Wahre einer Sache und die Höhe ihre Grade.

Damit ist klar, daß der Engel des Himmels beim Gedan­ken an die göttliche Allgegenwart gar nicht anderes denken kann, als daß das Göttliche unabhängig vom Raum alles erfül­le. Was aber der Engel denkt, ist Wahrheit, weil sein Verstand vom Licht der göttlichen Wahrheit erleuchtet ist.

*72. Ohne dieses grundlegende Denken über Gott kann nichts von dem, was über die Schöpfung des Weltalls, über den Gottmenschen, Seine Vorsehung, Allmacht, Allgegenwart und Allwissenheit gesagt werden soll, wirklich verstanden und behalten werden. Auch wenn der bloß natürliche Mensch ver­steht, so fällt er doch sogleich wieder in die Liebe seines Lebens zurück, die in seinem Willen liegt. Diese aber zerstreut alles wieder und lenkt seine Gedanken ins Räumliche ab, aus dem er sein Licht gewinnt, das er sein Vernunftlicht nennt. Er weiß gar nicht, daß er in dem Maß unvernünftig wird, als er jene Gedanken leugnet.

Die Bestätigung dafür findet sich in der Idee, daß Gott Mensch ist. Man lese einmal aufmerksam, was oben in # 11-13 und danach ausgeführt wurde, und man wird einsehen, daß es sich so verhält. Anschließend versenke man sein Denken wiederum ins natürliche Licht, das im Räumlichen befangen ist — erscheinen dann jene Ideen nicht als etwas Widersinniges? Und wird man sie nicht, wenn man sich noch tiefer in dieses Licht hinversenkt, verwerfen?

Aus diesem Grund sagt man auch, das Göttliche erfülle alle Räume des Universums und nicht, der Gottmensch erfülle sie. Denn dem wurde das bloß natürliche Licht nicht beipflich­ten, wohl aber ist es einverstanden, wenn man sagt, das Gött­liche erfülle sie, weil das mit der Redeweise der Theologen übereinstimmt, wonach Gott allgegenwärtig sei, alles höre und wisse. Mehr hierüber oben in # 7-10.

Das Göttliche ist in aller Zeit ohne Zeit.

*73. Ist das Göttliche in allem Raum ohne Raum, so ist es auch in aller Zeit ohne Zeit; denn nichts von allem, was der Natur eigentümlich ist, kann vom Göttlichen ausgesagt werden, und der Natur sind nun einmal Raum und Zeit eigentümlich.

Der Raum in der Natur ist meßbar, ebenso auch die Zeit. Die Messung der Zeit entlehnt die Natur von der scheinbaren Umdrehung und Bewegung der irdischen Sonne.

Anders aber ist es in der geistigen Welt. Dort erscheint zwar der Fortgang des Lebens ebenfalls in der Zeit, leben die Bewohner doch dort ebenso wie die Menschen der Welt mit­einander, was ohne den Anschein einer Zeit nicht möglich ist. Allein die Zeit wird dort nicht in Zeiten unterteilt wie in der irdischen Welt, steht doch ihre Sonne beständig im Aufgang, ohne sich je vom Fleck zu rühren; denn es handelt sich bei ihr um die göttliche Liebe des Herrn, die ihnen so erscheint.

Daher gibt es bei ihnen keine Tage, Wochen, Monate, Jahre und Jahrhunderte. An ihre Stelle treten Lebenszustände, die eine Unterscheidung bewirken, aber nichts mit der Zeit zu tun haben, sondern eben mit Zuständen. Daher kommt es auch, daß die Engel überhaupt nicht wissen, was Zeit ist und sie bei ihrer Erwähnung an einen Zustand denken. Bestimmt aber der Zustand die Zeit, so ist diese ein bloßer Schein; denn wenn der Zustand angenehm ist, so erscheint die Zeit kurz, ist er unangenehm, so erscheint sie lang.

Mit anderen Worten: Zeit ist dort nur die Beschaffenheit eines Zustands. Daher werden im Wort mit Stunden, Tagen, Wochen, Monaten und Jahren aufeinanderfolgende Zustände oder Zustände überhaupt bezeichnet. Wird von Zeiten der Kir­che gesprochen, so bezeichnet der 'Morgen' ihren ersten Zustand, der 'Mittag' ihre Fülle, der 'Abend' ihre Abnahme und die 'Nacht' ihr Ende. Ähnliches gilt von den vier Jahreszeiten, d.h. Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

*74. Hieraus wird deutlich, daß die Zeit eins ausmacht mit dem aus der Neigung hervorgehenden Denken, auf dem ja die Beschaffenheit des Menschen beruht.

Durch mancherlei läßt sich beleuchten, daß bei der Fort­bewegung durch die 'Räume' in der geistigen Welt die Entfer­nungen eins ausmachen mit dem Fortschreiten der Zeit. Die Wege werden nämlich dort wirklich abgekürzt je nach dem Verlangen, das dem Denken aus Neigung entspringt, um­gekehrt aber auch verlängert, daher spricht man auch von 'Zeiträumen'. In Fällen aber, in denen sich das Denken nicht mit der eigenen Neigung des Menschen verbindet, erscheint wie in den Träumen keine Zeit.

*75. Da nun die Zeiten als etwas der natürlichen Welt Eigentümliches in der geistigen Welt bloße Zustände sind, die dort jedoch nacheinander erscheinen, weil die Engel und Gei­ster endlich sind, so ergibt sich als Folge, daß sie in Gott nicht nacheinander erscheinen, weil Er der Unendliche ist. Die Unendlichkeiten aber sind in Ihm Eins, wie oben von #17-22 dargelegt wurde. Somit ist das Göttliche in aller Zeit ohne Zeit.

*76. Wer das nicht weiß und sich Gott nicht aus innerer Anschauung heraus zeitlos denken kann, der ist auch nicht in der Lage, das Ewige anders zu sehen als ein Ewiges der Zeit. Wenn er sich dann Gott von Ewigkeit vorstellt, gerät er notwen­digerweise in Wahnvorstellungen, weil er an einen Anfang denkt, und der kann nur zeitlich sein. Sein Wahn aber besteht darin, daß Gott aus sich hervorgegangen sei. Infolgedessen verfällt er von selbst auf die Vorstellung, die Natur habe ihren Ursprung in sich selbst. Von dieser Vorstellung kann er durch nichts anderes befreit werden, als durch die geistige, den Engeln eigene Vorstellung vom Ewigen, die nichts mit Zeit zu tun hat. Wo das der Fall ist, sind das Ewige und das Göttliche ein und dasselbe. Das Göttliche ist aber ein Göttliches in sich und nicht von sich (in se, et non a se).

Die Engel sagen, daß sie sich zwar Gott von Ewigkeit denken können, in keiner Weise aber eine Natur von Ewigkeit, noch weniger eine Natur aus sich und am allerwenigsten eine Natur, die Natur in sich wäre. Denn was in sich ist, ist das Sein selbst, aus dem alles stammt, und das Sein an sich ist das Leben selbst, d.h. die göttliche Liebe der göttlichen Weisheit und die göttliche Weisheit der göttlichen Liebe.

Das bedeutet den Engeln das Ewige, ist also erhaben über die Zeit, wie das Unerschaffene über das Erschaffene oder das Unendliche über das Endliche, zwischen denen nicht einmal ein Verhältnis besteht.

Das Göttliche ist im Größten wie im Kleinsten dasselbe.

*77. Das folgt aus dem in den beiden vorhergehenden Abschnitten Gesagten, nämlich daß das Göttliche in jedem Raum ohne Raum und in jeder Zeit ohne Zeit ist. Nun gibt es aber größere und größte Räume, und es gibt kleinere und kleinste. Da nun, wie oben ausgeführt wurde, die Räume und Zeiten eins ausmachen, so verhält es sich ebenso auch mit den Zeiten.

Das Göttliche ist in ihnen dasselbe, und weil es weder schwankend noch veränderlich ist, wie dies bei allem Räumli­chen und Zeitlichen, also bei allem Natürlichen der Fall ist, sondern unwandelbar und unveränderlich, so ist es überall und immer dasselbe.

*78. Es scheint zwar so, als wäre das Göttliche in dem einen Menschen nicht dasselbe wie in dem anderen, z.B., ein anderes im Weisen als im Einfältigen, ein anderes im Greis als im Kind.

Doch dieser Anschein beruht auf Tauschung: Der Mensch ist ein anderer, das Göttliche in ihm ist es nicht. Der Mensch ist der Aufnehmende, und dieses Aufnehmende oder Aufnahme­gefäß ist verschieden.

Der weise Mensch ist ein geeigneteres, also ein vollkom­meneres Aufnahmegefäß der göttlichen Liebe und Weisheit als der einfältige, und der Greis ist es, wenn er weise geworden ist, mehr als ein Kind oder Knabe. Und dennoch ist das Göttli­che im einen wie im anderen dasselbe.

Ebenso tauscht der bloße Schein, wenn man meint, das Göttliche sei bei den Engeln des Himmels anders als bei den Menschen auf Erden, nur weil die Engel im Unterschied zu den Menschen unaussprechliche Weisheit haben. Die scheinbare Verschiedenheit liegt also in den Trägern (subjectis), nicht im Herrn, und zwar je nach deren Aufnahme des Göttlichen.

*79. Die Tatsache, daß das Göttliche im Größten wie im Kleinsten dasselbe ist, läßt sich am Himmel und am Engel des Himmels deutlich zeigen. Das Göttliche im ganzen Himmel wie im einzelnen Engel ist ein und dasselbe. Deshalb kann auch der gesamte Himmel wie ein einziger Engel erscheinen. Das­selbe gilt auch für die Kirche und den Menschen der Kirche.

Das Größte, in dem das Göttliche ist, ist der ganze Him­mel und zugleich die ganze Kirche. Das Kleinste ist der Engel des Himmels und der Mensch der Kirche.

Mehrmals erschien mir auch eine ganze himmlische Gesellschaft als ein einziger Engelmensch. Und es hieß, daß eine solche Gesellschaft als ein riesengroßer Mensch erschei­nen könne, ebenso aber auch als ein Mensch, so klein wie ein Kind, eben weil das Göttliche im Größten wie im Kleinsten dasselbe ist.

*80. Das Göttliche ist auch ebendasselbe im Größten und Kleinsten aller erschaffenen Dinge, die nicht lebendig sind, ist es doch in allem Guten des Nutzens, der von ihnen kommt. Sie sind nur nicht lebendig, weil sie keine Lebensformen, wohl aber Formen von Nutzwirkungen sind. Die Form aber ist ver­schieden je nach der Güte der Nutzwirkung.

Im Abschnitt über die Schöpfung wird gezeigt werden, auf welche Weise das Göttliche in diesen Formen ist.

*81. Reiße dich los vom Gedanken des Raumes und leug­ne ebenso auch völlig die Leere, und nun stelle dir die göttliche Liebe und Weisheit als das Wesen selbst vor, das bleibt, wenn man alles Räumliche aus seinen Gedanken entfernt und die Leere leugnet. Hernach denke aus dem Räumlichen, und du wirst finden, daß das Göttliche sowohl im Größten wie im Kleinsten des Raumes dasselbe ist, denn in dem Wesen, das nach Entfernung des Raumes bleibt, ist nichts Großes oder Kleines, sondern nur Gleiches.

*82. Hier noch etwas über die Leere: Ich hörte einst Engel mit Newton darüber sprechen und sagen, sie könnten sich mit der Vorstellung einer dem Nichts gleichen Leere nicht abfinden. Sie würden nämlich in ihrer Welt, die geistig sei und sich innerhalb oder oberhalb der Räume und Zeiten der natür­lichen Welt befinde, auch empfinden, denken, angeregt wer­den, lieben, wollen, atmen, ja sogar sprechen und handeln. Das könne aber in einer Leere, die dem Nichts gleiche, nicht geschehen, da das Nichts nichts ist und sich von ihm nichts aussagen läßt.

Newton erwiderte, er sei sich bewußt, daß das Göttliche, das da ist, alles erfülle, und er selbst schaudere zurück bei dem Gedanken der Leere als eines Nichts, da sich dieser Gedanke zerstörerisch auf alles auswirke. Er warnte diejenigen, mit denen er über die Leere sprach, sie sollten sich vor der Vorstel­lung des Nichts hüten und bezeichnete sie als eine Wahnvor­stellung, weil im Nichts keinerlei geistige Tätigkeit möglich wäre.



*



Teil 2 - DIE GEISTIGE UND DIE NATÜRLICHE SONNE



Die göttliche Liebe und Weisheit erscheinen in der geistigen Welt als Sonne.

*83. Es gibt zwei Welten, die geistige und die natürliche, und zwar hat die geistige Welt nichts von der natürlichen und diese nichts von der geistigen. Sie sind völlig verschieden. Gemeinschaft haben sie nur durch Entsprechungen. Was darunter zu verstehen ist, wurde schon anderwärts ausführlich gezeigt. Hier mag es durch ein Beispiel deutlich gemacht werden: Die Wärme in der natürlichen Welt entspricht in der geistigen Welt dem Guten der tätigen Liebe und das Licht in der natürlichen Welt dem Wahren des Glaubens. Wer verstünde nicht, daß Wärme und das Gute der tätigen Liebe, ebenso wie Licht und das Wahre des Glaubens etwas ganz Verschiedenes sind?

Auf den ersten Blick scheinen sie gar nichts miteinander gemein zu haben, obgleich doch die geistige Wärme jenes Gute und das geistige Licht jenes Wahre ist. An sich so geschieden, sind sie doch durch die Entsprechung eins, und zwar in folgender Weise: Wenn der Mensch im Wort etwas von Wärme und Licht liest, so denken sich die Geister und Engel, die beim Menschen sind, dabei statt der Wärme die tätige Liebe und statt des Lichts den Glauben.

Dieses Beispiel wurde angeführt, damit man wisse, daß die beiden Welten, die geistige und die natürliche, sich dermaßen unterscheiden, daß sie nichts miteinander gemein haben, gleichwohl aber so geschaffen wurden, daß sie miteinander kommunizieren, ja durch Entsprechungen miteinander verbunden werden.

*84. Da jene beiden Welten so voneinander geschieden sind, kann man deutlich sehen, daß die geistige unter einer anderen Sonne sein muß als die natürliche. In der geistigen Welt gibt es nämlich ebenso wie in der natürlichen Wärme und Licht. Nur sind in ihr Wärme und Licht geistiger Natur. Die geistige Wärme ist das Gute der tätigen Liebe und das geistige Licht das Wahre des Glaubens.

Wärme und Licht aber können keinen anderen Ursprung haben als eine Sonne. Folglich ist klar, daß in der geistigen Welt eine andere Sonne sein muß als in der natürlichen, und daß sie ihrem Wesen nach nur so beschaffen sein kann, daß aus ihr geistige Wärme und geistiges Licht hervorgehen, während die Sonne der natürlichen Welt ihrem Wesen nach so beschaffen sein muß, daß von ihr natürliche Wärme und natürliches Licht ausstrahlen können.

Alles Geistige aber, das sich auf Gutes und Wahres bezieht, kann keinen anderen Ursprung haben als die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit; denn alles Gute gehört der Liebe und alles Wahre der Weisheit an. Jeder Weise sieht, daß es gar nicht anders sein kann.

*85. Bisher war unbekannt, daß es noch eine andere als die natürliche Sonne gibt, und zwar weil das Geistige des Menschen dermaßen mit seinem Natürlichen vermischt war, daß er gar nicht wußte, was das Geistige ist. Folglich wußte er auch nicht, daß es eine von der natürlichen Welt unterschiedene und geschiedene geistige Welt mit Geistern und Engeln gibt.

Da nun diese geistige Welt bei den Menschen der natürlichen Welt derart verborgen war, hat es dem Herrn gefallen, mein geistiges Auge aufzuschließen, damit ich die Dinge in jener Welt ebenso sehen und beschreiben könne, wie die Dinge dieser Welt. Das ist geschehen in dem Werk 'Himmel und Hölle', wo ein Abschnitt auch über die Sonne der geistigen Welt handelt. Denn ich habe sie gesehen, und sie erschien mir in ähnlicher Größe und in gleicher Weise feurig, nur mit stärkerem Goldglanz als die natürliche Sonne. Und es wurde mir auch zu erkennen gegeben, daß der ganze Engelshimmel unter jener Sonne liegt und die Engel des dritten Himmels sie beständig sehen, die Engel des zweiten Himmels des öfteren und die des ersten Himmels gelegentlich.

Im Folgenden wird man sehen, daß alle Wärme und alles Licht bei ihnen, ebenso wie alles, was in ihrer Welt erscheint, aus jener Sonne hervorgeht.

*86. Jene Sonne ist aber nicht der Herr selbst, vielmehr stammt sie aus dem Herrn. Sie ist die von Ihm ausgehende göttliche Liebe und Weisheit, die in der geistigen Welt als Sonne erscheinen. Und da die Liebe und Weisheit im Herrn eins sind, wird gesagt, jene Sonne sei die göttliche Liebe; denn die göttliche Weisheit gehört der göttlichen Liehe an, ist also selbst auch Liebe.

*87. Feurig erscheint jene Sonne den Engeln deshalb, weil Liebe und Feuer einander entsprechen. Mit ihren Augen können sie nämlich die Liebe nicht sehen, sondern nur das, was ihr entspricht.

Die Engel haben ebenso wie die Menschen ein Inneres und ein Äußeres. Ihr Inneres ist das, was denkt und weise ist, will und liebt; ihr Äußeres das, was empfindet, sieht, spricht und handelt. Ihr ganzes Äußeres ist eine Entsprechung des Inneren, aber geistige, nicht natürliche Entsprechung.

Auch geistige Menschen empfinden die göttliche Liebe als Feuer, und so kommt es, daß das Feuer, wo es im Wort genannt wird, die Liebe (oder ihr Gegenteil, d.Ü.) bezeichnet. Auch in der Israelitischen Kirche bezeichnete das Feuer die Liebe. Darum sagt man im Gebet gelegentlich auch, himmlisches Feuer, d.h. göttliche Liebe möge das Herz entzünden.

*88. Wegen des grundlegenden Unterschieds zwischen dem Geistigen und Natürlichen, wie er oben # 83 aufgezeigt wurde, kann gar nichts von der Sonne der natürlichen Welt in die geistige Welt eingehen, d.h. nichts von ihrem Licht und ihrer Wärme oder von irgendeinem Gegenstand auf einem der Weltkörper. Das Licht der natürlichen Welt ist dort Finsternis und ihre Wärme Tod.

Wohl aber kann die irdische Wärme belebt werden durch den Einfluß der Himmelswärme und das irdische Licht durch den Einfluß des Himmelslichtes. Dieser Einfluß erfolgt durch Entsprechungen; er kann nicht auf kontinuierliche Weise erfolgen.

Aus der Sonne, die von der göttlichen Liebe und Weisheit her ihr Dasein hat, gehen Wärme und Licht hervor.

*89. In der geistigen Welt, der Welt der Geister und Engel, gibt es ebenso Wärme und Licht wie in der natürlichen, der Welt der Menschen. Wärme und Licht werden auch in gleicher Weise als Wärme und Licht empfunden.

Gleichwohl sind sie in beiden Welten derart verschieden, daß sie, wie oben dargelegt wurde, nichts miteinander gemeinsam haben. Sie unterscheiden sich voneinander wie Lebendiges von Totem.

Die Wärme der geistigen Welt ist ebenso lebendig, wie ihr Licht, während die Wärme und das Licht der natürlichen Welt an sich tot sind. Wärme und Licht der geistigen Welt entspringen einer Sonne, die reine Liebe ist, Wärme und Licht der natürlichen Welt hingegen stammen aus einer Sonne, die reines Feuer ist. Die Liebe aber ist lebendig, und die göttliche Liebe ist sogar das Leben selbst, während das Feuer tot ist, das Feuer der Sonne sogar der Tod selbst, weil kein Leben in ihm ist.

*90. Die Engel können in keiner anderen Wärme und in keinem anderen Licht leben als dem geistigen, weil sie geistig sind. Für die Menschen gilt, daß sie nur in der natürlichen Wärme und im natürlichen Licht leben können; denn das Geistige paßt zum Geistigen und das Natürliche zum Natürlichen.

Wurde ein Engel nur das Geringste von natürlicher Wärme und natürlichem Licht annehmen, er wurde zugrunde gehen, weil sie nicht mit seinem Leben übereinstimmen.

Im Inwendigen seines Gemüts aber ist jeder Mensch ein Geist. Stirbt er, so tritt er gänzlich aus der natürlichen Welt aus und läßt alles hinter sich, was zu ihr gehört, um eine Welt zu betreten, in der sich nichts Natürliches findet. In dieser anderen Welt lebt er so getrennt von der Natur, daß keinerlei kontinuierliche Kommunikation — wie etwa zwischen dem Reineren und Gröberen — mehr besteht, sondern nur noch wie zwischen dem Früheren und Späteren. Zwischen diesen aber gibt es Gemeinschaft nur noch mittels der Entsprechungen.

Mit anderen Worten: die geistige Wärme und das geistige Licht sind nicht eine reinere Naturwärme oder ein reineres Naturlicht, sondern sind völlig verschiedenen Wesens, stammen sie doch von einer Sonne, die, wie gesagt, reine Liebe und damit das Leben selbst ist, während natürliche Wärme und natürliches Licht ihr Wesen von einer Sonne beziehen, die reines Feuer und somit völlig tot ist.

*91. Da nun zwischen der Wärme und dem Licht der beiden Welten ein solcher Unterschied besteht, liegt es am Tag, daß ihre Bewohner einander nicht sehen können. Denn die Augen des Menschen, der im natürlichen Licht sieht, sind aus der Substanz seiner Welt, die Augen des Engels aus der der geistigen Welt. In beiden sind sie mithin dazu gebildet, ihr Licht auf angemessene Weise aufzunehmen.

Wie sehr beruht somit das Denken derer auf Unwissenheit, die in ihrem Glauben nicht zugeben, daß Engel und Geister Menschen sind, nur weil sie sie nicht mit ihren Augen sehen!

*92. Bisher war unbekannt, daß Engel und Geister sich in einem ganz anderen Licht und in einer ganz anderen Wärme befinden als die Menschen; ja man wußte nicht einmal, daß es ein anderes Licht und eine andere Wärme überhaupt gibt, weil man mit seinem Denken nicht tiefer drang als bis ins Inwendigere oder Reinere der Natur.

Deshalb gibt es viele Phantasien über die Wohnungen der Engel und Geister im Äther oder auf den Sternen, mithin innerhalb der Natur und nicht ober- oder außerhalb derselben, wo sie sich in ihrer eigenen Welt befinden, die unter einer anderen Sonne liegt.

Und weil, wie oben gezeigt wurde, in ihrer Welt die Raume nur Erscheinungen sind, kann man nicht sagen, sie seien im Äther oder auf Sternen. Vielmehr sind sie mit dem Menschen zusammen, verbunden mit der Neigung und dem Denken seines Geistes; denn der Mensch ist ein Geist. Aus dem Geist denkt und will er. Die geistige Welt ist deshalb dort, wo der Mensch ist und keineswegs entfernt von ihm.

Mit einem Wort: jeder Mensch befindet sich mit dem Inwendigen seines Gemüts in jener Welt inmitten ihrer Bewohner, der Geister und Engel, und er denkt aus ihrem Licht und liebt aus ihrer Wärme.

Jene Sonne ist nicht Gott, sondern das, was aus der göttlichen Liebe und Weisheit des Gottmenschen hervorgeht. Dasselbe gilt für die Wärme und das Licht aus jener Sonne.

*93. Die den Engeln sichtbare Sonne, von welcher sie Wärme und Licht empfangen, ist nicht der Herr selbst, sondern das Erste, was aus Ihm hervorgeht, und das ist der höchste Grad der geistigen Wärme. Der höchste Grad der geistigen Wärme aber ist ein geistiges Feuer, und dieses ist die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit in ihrer ersten Entsprechung.

Aus diesem Grund erscheint jene Sonne feurig und ist auch feurig für die Engel, nicht aber für die Menschen. Das den Menschen erscheinende Feuer ist nicht geistig, sondern natürlich. Zwischen beiden Arten von Feuer besteht ein Unterschied wie zwischen Lebendigem und Totem.

Deshalb belebt die geistige Sonne durch ihre Wärme die Geistigen und stellt das Geistige wieder her, während die natürliche Sonne dasselbe in ähnlicher Weise für die Natürlichen und das Natürliche bewirkt, jedoch nicht aus sich, sondern durch einen Einfluß aus der geistigen Wärme, der sie untergeordnete Hilfe leistet.

*94. Das geistige Feuer, in dem auch das Licht seinen Ursprung hat, wird zu geistiger Wärme und geistigem Licht, die beim Herabsteigen stufenweise abnehmen. Davon wird im Folgenden die Rede sein.

Die Alten haben dies Phänomen dadurch vorgebildet, daß sie sich das Haupt Gottes von einem rötlich schimmernden, feurigen Kreis umgeben dachten — eine Vorstellung, der man auch heute noch auf Gemälden begegnet, wo Gott als Mensch dargestellt wird.

*95. Die Erfahrung selbst zeigt, daß die Liebe Wärme hervorbringt und die Weisheit Licht. Denn wenn der Mensch liebt, wird er warm und wenn er aus Weisheit denkt, sieht er die Dinge gleichsam im Licht. Das zeigt, das Erste, das aus der Liebe hervorgeht, ist Wärme und das Erste, das der Weisheit entspringt, ist Licht.

Offenkundig sind sie Entsprechungen; denn die Wärme tritt nicht in der Liebe selbst hervor, sondern aus ihr im Willen und von da aus im Körper. Und das Licht tritt nicht in der Weisheit selbst hervor, sondern im Denken des Verstandes, und von dort fließt es in die Rede ein.

Liebe und Weisheit sind daher das Wesen und Leben von Wärme und Licht. Wärme und Licht gehen aus ihnen hervor, und so sind sie auch Entsprechungen.

#96. Jeder kann wissen, daß das geistige Licht völlig geschieden ist vom natürlichen; er braucht nur auf seine geistigen Gedanken zu achten. Denn wenn der Geist denkt, sieht er die Gegenstände seines Denkens im Licht, und wer geistig denkt, erkennt die Wahrheiten mitten in der Nacht ebenso gut wie am hellichten Tag.

Deshalb schreibt man dem Verstand Licht zu und sagt, er sehe. Wenn jemand mit einem anderen Menschen spricht, so sagt dieser zuweilen, er sehe, daß dem so sei, d.h. er verstehe, was ihm gesagt wird.

Der Verstand kann aber, weil er geistig ist, nicht aus dem natürlichen Licht sehen. Natürliches Licht ist nicht beständig, sondern abhängig von der Sonne. Damit ist klar, daß sich der Verstand eines anderen Lichts erfreut als das Auge, eines Lichts aus anderem Ursprung.

*97. Man hüte sich aber zu denken, die Sonne der geistigen Welt sei Gott selbst. Gott ist Mensch. Das Erste, was aus seiner Liebe und Weisheit hervorgeht, ist etwas geistig Feuriges, das vor den Engeln als Sonne erscheint: Daher offenbart sich der Herr, wenn er den Engeln persönlich erscheint, als Mensch, und zwar zuweilen umgeben von der Sonne, zuweilen außerhalb von ihr.

*98. Auf dieser Entsprechung beruht es, daß der Herr im Wort nicht nur Sonne, sondern auch Feuer und Licht genannt wird. Unter der Sonne wird dann Er selbst, und zwar zugleich im Hinblick auf seine Liebe und Weisheit verstanden, unter dem Feuer Er selbst allein hinsichtlich seiner göttlichen Liebe und unter dem Licht Er selbst allein hinsichtlich seiner göttlichen Weisheit.

Die geistige Wärme und das geistige Licht sind, wenn sie vom Herrn als Sonne ausgehen, eins, ebenso wie Seine göttliche Liebe und Weisheit.

*99. Im ersten Teil wurde dargelegt, auf welche Weise die göttliche Liebe und Weisheit im Herrn eins ausmachen. Dasselbe gilt für die Wärme und das Licht, weil sie aus ihnen hervorgehen und das Hervorgehende durch Entsprechung eins ausmacht mit seinem Ursprung. Denn die Wärme entspricht der Liebe und das Licht der Weisheit.

Daraus folgt, daß ebenso wie die göttliche Liebe das Sein und die göttliche Weisheit das Dasein ist (vgl. oben #14-16), die geistige Wärme das hervorgehende Göttliche aus dem göttlichen Sein und das geistige Licht das hervorgehende Göttliche aus dem göttlichen Dasein. Ebenso wie aufgrund jener Vereinigung die göttliche Liebe der göttlichen Weisheit angehört und diese der göttlichen Liebe (vgl. oben # 34 bis 39), gehört auch die geistige Wärme dem geistigen Licht und dieses wiederum der geistigen Wärme an. Aus dieser Vereinigung folgt, daß die Wärme und das Licht beim Hervorgehen aus dem Herrn als der Sonne eins sind.

Im Folgenden wird man jedoch sehen, daß sie von Engeln und Menschen nicht als eins aufgenommen werden.

*100. Wärme und Licht, wie sie vom Herrn als Sonne ausgehen, sind das Geistige, wie man es überwiegend nennt. Sie heißen das Geistige in der Einzahl, weil sie eins sind. Deshalb werden im Folgenden, wo das Geistige genannt wird, beide zugleich darunter verstanden.

Dieses Geistigen wegen wird jene ganze Welt als die geistige bezeichnet. In ihr hat alles seinen Ursprung und daher auch seine Benennung aus dem Geistigen.

Jene Wärme und jenes Licht heißen das Geistige, weil Gott Geist ist und Er als Geist das Hervorgehende ist.

Infolge seines Wesens heißt Gott Jehovah (bzw. Jahwe, d.Ü.); aber durch jenes aus Ihm Hervorgehende belebt und erleuchtet er die Engel des Himmels und die Menschen der Kirche. Daher sagt man auch, die Belebung und Erleuchtung geschehe durch den Geist Jehovahs.

*101. Wie gesagt, machen Wärme und Licht, d.h. das vom Herrn als Sonne ausgehende Geistige, eins aus. Das wird anschaulich, wenn man daran denkt, daß auch die natürliche Wärme und das natürliche Licht bei ihrem Ausgehen aus der irdischen Sonne eine Einheit sind.

Wenn sie auch auf Erden nicht eins ausmachen, so liegt das nicht an der Sonne, sondern an der Erde, die sich täglich um ihre Achse dreht und jährlich nach der Ekliptik um die Sonne herumläuft. Daher erscheinen Wärme und Licht nicht als Einheit. Denn auf dem Höhepunkt des Sommers ist mehr Wärme als Licht, mitten im Winter mehr Licht als Wärme zu spüren.

Ähnlich ist es übrigens auch in der geistigen Welt. Allein dort dreht sich die Erde nicht und umkreist auch nicht die Sonne, sondern die Engel wenden sich dem Herrn mehr oder weniger zu. Die Engel, die sich Ihm mehr zuwenden, nehmen mehr von der Wärme und weniger vom Licht auf, die Engel hingegen, die sich Ihm weniger zuwenden, nehmen mehr vom Licht und weniger von der Wärme auf.

Daher kommt es, daß die Engelshimmel in zwei Reiche unterteilt sind, von denen das eine das himmlische, das andere das geistige Reich heißt. Die himmlischen Engel nehmen mehr von der Wärme, die geistigen mehr vom Licht auf. Gemäß ihrer Aufnahme von Wärme und Licht erscheinen auch ihre Wohngegenden. Die Entsprechung ist vollkommen, vorausgesetzt, daß man an die Stelle der Erdbewegung die Zustandsveränderungen der Engel setzt.

*102. Auch alles Geistige, das mittels der Wärme und des Lichts seiner Sonne entsteht, macht an sich ebenso eins aus. Betrachtet man es aber als etwas, das aus den Neigungen der Engel hervorgeht, macht es, wie man im Folgenden sehen wird, nicht eins aus.

Bilden Wärme und Licht in den Himmeln eine Einheit, so ist es bei den Engeln gleichsam Frühling, machen sie aber nicht eins aus, ist es bei ihnen entweder wie im Sommer oder um die Zeit der Wintersonnenwende — freilich nicht wie in den kalten, sondern in den warmen Zonen. Denn die Aufnahme von Liebe und Weisheit zu gleichen Teilen ist das eigentlich Engelhafte. Deshalb ist der Engel ein Engel des Himmels je nach der Vereinigung von Liebe und Weisheit bei ihm. Dasselbe gilt für den Menschen der Kirche, wenn hei ihm Liebe und Weisheit oder Nächstenliebe und Glaube sich vereinen.

Die Sonne der geistigen Welt erscheint in mittlerer Höhe, entfernt von den Engeln wie die Sonne der natürlichen Welt von den Menschen.

*103. Die meisten bringen aus der Welt die Vorstellung mit, daß Gott in der Höhe über dem Haupt sei und vom Herrn, daß er sich im Himmel unter den Engeln befinde. Besagte Vorstellung von Gott bringen sie mit, weil Er im Wort der Höchste genannt wird und es dort auch heißt, Er wohne in der Höhe. Wenn sie ihn anrufen und zu ihm beten, blicken sie daher nach oben und halten die Hände empor. Sie wissen nicht, daß durch das Höchste das Innerste bezeichnet wird.

Die genannte Vorstellung vom Herrn aber bringen sie deshalb mit, weil sie von Ihm nicht anders denken als von einem anderen Menschen, manche auch wie von einem Engel. Es ist ihnen nicht klar, daß der Herr der eigentliche und einzige Gott ist, der das Weltall regiert und, wenn Er unter den Engeln im Himmel wäre, das Weltall nicht unter seinen Augen und unter seiner Leitung halten konnte, und daß er den Engeln kein Licht sein konnte, wenn er ihnen nicht als Sonne leuchtete. Denn die Engel sind geistige Wesen, und darum ist ihnen kein anderes als das geistige Licht angemessen.

Weiter unten, wo die Grade behandelt werden, wird man sehen, daß es im Himmel ein Licht gibt, das das irdische unermeßlich übertrifft.

*104. Die Sonne, von der die Engel ihr Licht empfangen, erscheint in einer Höhe von etwa 45 Grad über der Welt der Engel, also in mittlerer Höhe. Auch erscheint sie entfernt von ihnen, ebenso wie die irdische Sonne von den Menschen. Jene Sonne scheint beständig in der genannten Höhe und Entfernung und bewegt sich nicht von der Stelle.

Aus diesem Grunde haben die Engel keine Zeiten, abgeteilt in Tage und Jahre, ebenso auch keinen Tagesablauf vom Morgen durch den Mittag gegen den Abend in die Nacht, und auch keine Jahreszeiten vom Frühling durch den Sommer gegen den Herbst in den Winter. Vielmehr herrscht bei ihnen beständiges Licht und beständiger Frühling. Deshalb stehen bei ihnen, wie oben gesagt, Zustände anstelle der Zeiten.

*105. Die Ursachen, weshalb die Sonne der geistigen Welt in mittlerer Höhe erscheint, sind vor allem folgende:

Die erste ist, daß auf diese Weise Wärme und Licht, die aus jener Sonne hervorgehen, gleichmäßig und somit von der richtigen 'Temperatur' sind. Erschiene die Sonne oberhalb der mittleren Höhe, wurde mehr Wärme als Licht, erschiene sie unterhalb derselben, wurde mehr Licht als Wärme empfunden werden, wie es auf Erden der Fall ist, wenn die Sonne über oder unter der Mitte des Firmaments steht.

Steht sie darüber, wächst die Wärme über das Licht hinaus, steht sie darunter, übersteigt umgekehrt das Licht die Wärme. Denn das Licht bleibt sich im Sommer wie im Winter gleich, nur die Wärme vermehrt oder vermindert sich je nach dem Grad des Sonnenstandes.

Zweitens herrscht auf diese Weise in allen Engelshimmeln beständiger Frühling, und die Engel leben so im Zustand des Friedens, entspricht doch dieser Zustand der Frühlingszeit auf Erden.

Die dritte Ursache besteht darin, daß die Engel auf diese Weise ihr Angesicht beständig dem Herrn zuwenden und Ihn so vor Augen haben. Denn sie haben — was eine Eigenheit ihrer Welt ist — bei jeder Wendung ihres Leibes den Aufgang, mithin den Herrn vor Augen. Das könnte nicht so sein, wenn die Sonne jener Welt über oder unter der Mitte, noch weniger, wenn sie über dem Haupt im Zenith erschiene.

*106. Würde die Sonne der geistigen Welt nicht ähnlich wie die irdische Sonne entfernt von den Engeln erscheinen, so wäre auch nicht der ganze Engelshimmel und darunter die Hölle und wiederum unter beiden unser Planet in der Anschauung, Leitung, Allgegenwart, Allwissenheit, Allmacht und Vorsehung des Herrn. Entsprechend könnte auch die Sonne unserer Welt, stünde sie nicht entfernt von der Erde, nicht in allen Ländern durch Wärme und Licht gegenwärtig und wirksam sein und damit der Sonne der geistigen Welt stellvertretend Beistand leisten.

*107. Es ist von größer Wichtigkeit zu wissen, daß es zwei Sonnen gibt, eine geistige und eine natürliche, die geistige für die Bewohner der geistigen, die natürliche für die der natürlichen Welt. Weiß man dies nicht, so kann man auch nichts von der Schöpfung und vom Menschen, worüber wir noch sprechen werden, recht verstehen. Man kann zwar die Wirkungen sehen, nicht aber zugleich die Ursachen derselben, und so können die Wirkungen nur wie in nächtlichem Dunkel erscheinen.

Der Abstand zwischen der Sonne und den Engeln in der geistigen Welt ist eine Scheinbarkeit je nach ihrer Aufnahme der göttlichen Liebe und Weisheit.

*108. Alle Selbsttäuschungen bei den Bösen und Einfältigen entspringen aus Scheinbarkeiten, die (verstandesmäßig, d.Ü.) begründet werden. Solange die Scheinbarkeiten, Scheinbarkeiten bleiben, sind sie Scheinwahrheiten, denen zufolge jeder denken und reden darf. Werden sie aber für die Wahrheiten selbst genommen — und das geschieht, sobald sie (rational) begründet werden —, werden die scheinbaren Wahrheiten zu Falschheiten und Täuschungen.

Eine Scheinbarkeit ist z.B., daß sich die Sonne täglich einmal um die Erde herum bewegt und jährlich die Ekliptik durchläuft. Solange dies nicht verstandesmäßig begründet wird, ist es eine Scheinwahrheit, der zufolge ein jeder denken und sprechen darf. Jeder darf daher sagen: Die Sonne geht auf oder unter und dadurch entstehen Morgen, Mittag, Abend und Nacht; ebenso: Die Sonne steht jetzt in diesem oder jenem Grad der Ekliptik oder ihrer Höhe und bewirkt dadurch Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Werden aber diese Scheinbarkeiten rational begründet und als Wahrheiten ausgegeben, so denkt und spricht ein solcher Mensch aus seiner Täuschung heraus etwas Falsches.

Dasselbe gilt für unzählige andere Scheinbarkeiten, nicht allein in natürlichen, bürgerlichen und sittlichen, sondern auch in geistigen Belangen.

*109. Dieselbe Bewandtnis hat es mit dem Abstand der Sonne in der geistigen Welt, jener Sonne also, die das Erste ist, was aus der göttlichen Liebe und Weisheit des Herrn hervorgeht.

In Wahrheit gibt es keinen Abstand, dieser ist vielmehr eine Scheinbarkeit, je nach dem Grad der Aufnahme der göttlichen Liebe und Weisheit von seiten der Engel.

Aus den Darlegungen in #7-9 kann man entnehmen, daß die Abstände in der geistigen Welt etwas Scheinbares sind, da das Göttliche nicht räumlich ist; und aus Nr. 69-72 geht hervor, daß das Göttliche alle Räume erfüllt, ohne selbst im Raum zu sein. Gibt es aber keine Räume (in der geistigen Welt, d.Ü.), so auch keine Abstände. Anders ausgedrückt: Sind die Räume Scheinbarkeiten, so sind es auch die Abstände, da sie Teile des Raumes darstellen.

*110. Die Sonne der geistigen Welt erscheint darum in der Entfernung von den Engeln, weil die göttliche Liebe und Weisheit so von ihnen im angemessenen Grad aufgenommen werden kann. Der Engel kann nämlich als erschaffenes und endliches Wesen den Herrn nicht im ersten Wärme- und Lichtgrad aufnehmen, wie er in der Sonne herrscht; er würde davon völlig verzehrt werden. Darum wird der Herr von ihnen in einem ihrer Liebe und Weisheit entsprechenden Wärme- und Lichtgrad aufgenommen.

Dies läßt sich durch folgendes beleuchten: Der Engel des untersten Himmels kann sich nicht zu den Engeln des dritten Himmels aufschwingen, denn sobald er das tut und ihren Himmel betritt, fällt er gleichsam in Ohnmacht und ringt wie mit dem Tode. Das beruht darauf, daß er sich in einem geringeren Grad von Liebe und Weisheit befindet und auch die Wärme seiner Liebe und das Licht seiner Weisheit dementsprechend beschaffen ist. Was würde erst geschehen, wenn ein Engel bis zur Sonne aufstiege und in ihr Feuer geriete?

Wegen der unterschiedlichen Aufnahme des Herrn seitens der Engel erscheinen auch die Himmel gehörig voneinander abgeteilt. Der oberste, der sogenannte dritte Himmel erscheint über dem zweiten, und dieser wiederum über dem ersten. Nicht als ob die Himmel voneinander getrennt wären, vielmehr scheinen sie nur voneinander getrennt zu sein. Der Herr ist nämlich ebenso gegenwärtig bei denen im untersten wie bei denen im dritten Himmel. Der Anschein eines Abstands entsteht in den Aufnehmern, d.h. in den Engeln, und liegt nicht beim Herrn.

*111. Durch natürliche Vorstellungen läßt sich das nur schwer erfassen, weil in ihnen etwas Räumliches liegt, wohl aber durch geistige Vorstellungen, weil ihnen nichts Räumliches anhaftet. In solchen Vorstellungen sind aber die Engel.

Soviel freilich läßt sich auch durch bloß natürliche Vorstellungen erfassen, nämlich daß Liebe und Weisheit oder was dasselbe ist — der Herr als die göttliche Liebe und Weisheit nicht durch Räume fortschreiten kann, sondern daß Er bei einem jeden je nach seiner Aufnahme gegenwärtig ist.

Daß Er aber bei allen gegenwärtig ist, lehrt Er selbst bei Matthaus 28/20, und daß Er Wohnung nehme bei denen, die Ihn lieben, bei Johannes 14/21.

*112. Das alles könnte zwar als höhere Weisheit erscheinen, weil es durch Hinweise auf die Himmel und Engel begründet wurde, allein ähnliches findet auch bei uns Menschen statt. Wir werden ja doch hinsichtlich unseres Inneren von derselben Sonne erwärmt und erleuchtet, werden von ihrer Wärme erwärmt und von ihrem Licht erleuchtet, je wie wir vom Herrn Liebe und Weisheit aufnehmen.

Der Unterschied zwischen Engeln und Menschen besteht darin, daß die Engel allein unter jener Sonne leben, die Menschen aber zugleich auch unter der Sonne der Welt. Anders als die Leiber der Engel, welche geistig sind, könnten die Körper der Menschen gar nicht dasein und bestehen, wenn sie nicht unter beiden Sonnen wären.

Die Engel sind im Herrn, und der Herr ist in ihnen; und weil die Engel Aufnehmende sind, ist der Herr allein der Himmel.

*113. Der Himmel heißt Gottes Wohnung oder auch Gottes Thron. Darum glaubt man, Gott sei in ihm, wie ein König in seinem Reich. Aber Gott, d.h. der Herr, ist in der Sonne über den Himmeln. Doch ist Er, wie in den beiden vorhergehenden Abschnitten gezeigt wurde, durch Seine Gegenwart in Wärme und Licht (des Himmels, d.Ü.) auch in den Himmeln. Obgleich also der Herr auf diese Weise auch im Himmel ist, ist Er doch dort wie in sich. In #108-112 wurde ja soeben nachgewiesen, daß der Abstand zwischen der Sonne und dem Himmel an sich kein Abstand, sondern nur der Anschein eines Abstandes ist. Wenn aber dieser Abstand nur scheinbar ist, so folgt, daß der Herr selbst im Himmel ist. Denn Er ist in der Liebe und Weisheit der Engel des Himmels gegenwärtig, und weil Er das ist, die Engel aber den Himmel bilden, so ist Er im ganzen Himmel.

*114. Aber der Herr ist nicht nur im Himmel, Er ist auch selbst der Himmel, weil die Liebe und Weisheit den Engel ausmachen und diese beiden dem Herrn bei den Engeln gehören. Daraus folgt, daß der Herr der Himmel ist.

Die Engel sind nämlich Engel nicht aufgrund ihres Eigenen. Dieses ist ganz wie das Eigene des Menschen, das an sich böse ist. Dem ist so, weil alle Engel einst Menschen waren und ihnen dieses Eigene von Geburt her anhaftet. Es wird nur entfernt, und inwieweit das geschieht, nehmen sie Liebe und Weisheit, d.h. den Herrn, in sich auf.

Wer nur einigermaßen seinen Verstand erhebt, kann einsehen, daß der Herr bei den Engeln nur in dem Seinigen wohnen kann, d.h. in Seinem Eigenen, das aus Liebe und Weisheit besteht, und durchaus nicht im Eigenen der Engel, das böse ist. Daher resultiert, daß der Herr insoweit in ihnen ist und sie Engel sind, als das Böse entfernt wird.

Das eigentlich Engelhafte des Himmels ist die göttliche Liebe und Weisheit. Dieses Göttliche wird als das Engelhafte bezeichnet, wenn es in den Engeln ist. Daraus ergibt sich wiederum, daß die Engel, Engel sind aus dem Herrn und nicht aus sich selbst, und daß dasselbe für den ganzen Himmel gilt.

*115. Man kann aber nicht begreifen, auf welche Weise der Herr im Engel und der Engel im Herrn ist, wenn man nichts von der Beschaffenheit ihrer Verbindung weiß. Es besteht nämlich eine Verbindung des Herrn mit dem Engel und des Engels mit dem Herrn; die Verbindung ist also wechselseitig.

Von seiten des Engels geschieht sie wie folgt: Der Engel ebenso wie der Mensch kann nur die Wahrnehmung haben, daß er aus sich selbst in der Liebe und Weisheit sei, also Liebe und Weisheit ihm angehörten oder sein eigen seien. Nähme er dies nicht so wahr, gäbe es keine Verbindung, wäre also nicht der Herr in ihm und er im Herrn.

Auch ist nur möglich, daß der Herr in einem Engel oder Menschen ist, wenn derjenige, in dem Er mit Seiner Liebe und Weisheit ist, diese als das Seinige wahrnimmt und empfindet. Dadurch wird Er nicht allein aufgenommen, sondern nach der Aufnahme auch festgehalten und wiedergeliebt. Der Engel wird deshalb dadurch nicht nur weise, er bleibt es auch.

Wer kann den Herrn und den Nächsten lieben wollen, und wer kann weise sein wollen, ohne das, was er liebt, lernt und in sich aufnimmt, auch als sein Eigenes zu empfinden und wahrzunehmen? Wer könnte es anders bei sich behalten?

Wäre dem nicht so, die einfließende Liebe und Weisheit fände keinen Halt und würde vorbeiströmen ohne anzuregen. Der Engel wäre auf diese Weise nicht Engel und der Mensch nicht Mensch, ja er wäre nur etwas Seelenloses.

Damit steht fest, daß Gegenseitigkeit für die Verbindung unerläßlich ist.

*116. Es soll nun auch gezeigt werden, wie es dazu kommt, daß der Engel es als das Seinige wahrnimmt und empfindet und so in sich aufnimmt und behält, obgleich es doch nicht sein eigen ist (denn wie oben gesagt wurde, ist der Engel nicht Engel aus dem Seinigen, sondern aus dem, was vom Herrn bei ihm ist).

Die Sache verhält sich folgendermaßen: Jeder Engel hat Freiheit und Vernunft und zwar damit er empfänglich wird für die Liebe und Weisheit aus dem Herrn.

Beide jedoch, Freiheit und Vernunft, sind nicht sein eigen, sondern des Herrn bei ihm. Weil sie aber beide aufs innigste mit seinem Leben verbunden sind, so innig, daß sie mit seinem Leben verwoben heißen könnten, erscheinen sie als sein Eigentum. Aus ihnen vermag er zu denken, zu wollen, zu reden und zu handeln. Was immer er auch aus ihnen denkt, will, redet und tut, erscheint wie aus ihm selbst. Dies bewirkt Gegenseitigkeit, durch welche die Verbindung besteht.

Dennoch: Inwieweit der Engel glaubt, Liebe und Weisheit seien in ihm selbst, er sie sich also selbst zuschreibt, ist das Engelhafte nicht in ihm. Dann hat er auch keine Verbindung mit dem Herrn, weil er nicht in der Wahrheit ist, und weil diese mit dem Licht des Himmels identisch ist, kann er insoweit auch nicht im Himmel sein. Denn eben damit leugnet er ja, daß er aus dem Herrn lebe und meint, er lebe aus sich, sei folglich göttlichen Wesens.

In diesen beiden Vermögen, Freiheit und Vernunft, besteht das Leben, das als engelhaft und menschlich bezeichnet werden kann. Hieraus dürfte klar sein, daß dem Engel um der Verbindung mit dem Herrn willen etwas Wechselseitiges eignet, das es aber an sich betrachtet, nicht sein eigen, sondern des Herrn ist. Wenn er daher dieses Wechselseitige, vermittels dessen er, was eigentlich des Herrn ist, als das Seinige wahrnimmt und empfindet, mißbraucht, indem er es sich selbst zueignet, so fällt er vom Engelhaften ab.

Die Wechselseitigkeit der Verbindung lehrt der Herr selbst bei Johannes 14/20-24 und 15/4 bis 5. Und bei Johannes 15/7 lehrt Er ferner, daß die Verbindung des Herrn mit dem Menschen und des Menschen mit dem Herrn in dem geschehe, was des Herrn ist und 'Seine Worte' heißt.

*117. Manche meinen, Adam habe solche Freiheit oder Wahlfreiheit besessen, daß er Gott aus sich heraus lieben und weise sein könnte; diese Wahlfreiheit aber sei in seinen Nachkommen verdorben worden. Dies ist jedoch ein Irrtum; denn der Mensch ist nicht das Leben, sondern ein Empfänger des Lebens (man vgl. oben #4-6 und 54-60). Wer aber ein Empfänger des Lebens ist, kann nicht aus irgendeinem Eigenen heraus lieben und weise sein. Deshalb fiel auch der Mensch, sobald er das versuchte, von der Weisheit und Liebe ab und wurde aus dem Paradies verstoßen.

*118. Dasselbe, was soeben vom Engel gesagt wurde, muß folgerichtigerweise auch vom Himmel gesagt werden, der aus Engeln besteht; denn oben #77-82 wurde gezeigt, daß das Göttliche im Größten wie im Kleinsten dasselbe ist. Und was vom Engel und vom Himmel gesagt wurde, muß nun auch vom Menschen und von der Kirche gesagt werden, da der Engel des Himmels und der Mensch der Kirche durch die Verbindung in Einheit zusammenwirken. Auch ist der Mensch der Kirche in seinem inneren Gemüt ein Engel. Ein 'Mensch der Kirche' ist, wer die Kirche in sich tragt.

In der geistigen Welt ist der Osten dort, wo der Herr als Sonne erscheint; damit sind auch die übrigen Himmelsrichtungen bestimmt.

*119. Bis hierher wurde von der Sonne der geistigen Welt und ihrem Wesen berichtet, sowie von ihrer Wärme, ihrem Licht und von der dadurch ermöglichten Gegenwart des Herrn. Nun soll auch von den Himmelsrichtungen jener Welt gesprochen werden. Der Grund, weshalb (überhaupt) von jener Sonne und ihrer Welt gehandelt wird, liegt darin, da dieses Buch von Gott und von der Liebe und Weisheit handelt. Diese nicht von ihrem eigentlichen Ursprung her betrachten, hieße, sie von den Wirkungen und nicht von den Ursachen her betrachten, während doch die Wirkungen nichts als Wirkungen zeigen und — für sich allein — keine Ursache offenbaren. Vielmehr führen die Ursachen zu den Wirkungen. Daher: Die Wirkungen aus den Ursachen verstehen, heißt weise sein; die Ursachen von den Wirkungen her verstehen wollen, ist töricht, weil sich dabei Täuschungen darbieten, die der Forscher fälschlich als Ursachen bezeichnen wurde, womit er jedoch die Weisheit betört.

Denn die Ursachen sind das Frühere und die Wirkungen das Spätere. Aus dem Späteren kann man jedoch das Frühere nicht erkennen, sondern nur das Spätere aus dem Früheren. Das ist die Ordnung. Darum wird auch hier zuerst von der geistigen Welt gehandelt und erst nachher von der natürlichen, deren Dinge samt und sonders Wirkungen sind.

*120. Hier nun etwas über die Himmelsrichtungen in der geistigen Welt, die es in ihr ebenso gibt wie in der natürlichen. Doch sind diese Himmelsrichtungen ebenso geistiger Art, wie die geistige Welt selbst, während sie in der natürlichen Welt geradeso natürlicher Art sind wie die natürliche Welt. Sie sind daher derart verschieden, daß sie nichts Gemeinsames haben.

In beiden Welten gibt es vier Himmelsrichtungen, Osten, Westen, Süden und Norden. In der natürlichen Welt sind sie unwandelbar, bestimmt durch die Sonne am Mittag. Ihr gegenüber liegt Norden, auf der einen Seite Osten, auf der anderen Westen, und diese Himmelsrichtungen werden vom Mittag eines jeden Ortes aus bestimmt; denn der Sonnenstand am Mittag ist an jedem Ort immer derselbe und somit fest.

Anders verhält es sich damit in der geistigen Welt. In ihr werden die Himmelsrichtungen von ihrer Sonne aus bestimmt, deren Ort unveränderlich ist. Wo sie erscheint, ist immer Osten. Deshalb geschieht die Bestimmung der Himmelsrichtungen in der geistigen Welt nicht wie in der natürlichen vom Mittag, sondern vom Osten aus. Ihm gegenüber liegt der Westen, auf der einen Seite Süden und auf der anderen Norden.

Im Folgenden aber wird man sehen, daß diese Himmelsrichtungen dort (in Wirklichkeit, d.Ü.) nicht von der Sonne, sondern von den Bewohnern, den Engeln und Geistern, herrühren.

*121. Weil jene Himmelsrichtungen geistig sind aufgrund ihres Ursprungs aus dem Herrn als Sonne, so sind es auch die Wohnungen der Engel und Geister, die sich allesamt jenen Himmelsgegenden entsprechend verhalten. Sie sind aber geistig, weil sie je nach ihrer Aufnahme der Liebe und Weisheit vom Herrn beschaffen sind.

Im Osten wohnt, wer in einem höheren Grad der Liebe steht, im Westen, wer Liebe in einem geringeren Grad hat, im Süden, wer in einem höheren Grad der Weisheit steht, und im Norden, wer Weisheit in geringerem Grad besitzt.

Darauf beruht es auch, daß der 'Osten' im Wort im höchsten Sinn den Herrn und im bezüglichen Sinn die Liebe zu Ihm bezeichnet, während unter dem 'Westen' die abnehmende Liebe zu Ihm, unter dem 'Süden' die Weisheit im Licht und unter dem 'Norden' die Weisheit im Schatten verstanden wird, bzw. etwas ähnliches, je nach der Beschaffenheit des Zustands derer, von denen die Rede ist.

*122. Weil in der geistigen Welt alle Himmelsrichtungen durch den Osten bestimmt werden und unter 'Osten' im höchsten Sinn der Herr und auch die göttliche Liebe zu verstehen ist, liegt am Tage, daß es der Herr und die Liebe zu Ihm ist, woraus alles sein Dasein hat. Ferner ist klar, daß jemand insoweit, als er nicht in dieser Liebe steht, von Ihm entfernt ist und entweder im Westen oder im Süden oder gar im Norden wohnt, und zwar jeweils in einem Abstand gemäß seiner Aufnahme der Liebe.

*123. Weil der Herr als Sonne beständig im Osten ist, wendeten die Alten, deren Gottesdienst aus lauter Vorbildungen geistiger Dinge bestand, beim Gebet ihr Antlitz gen Osten.

Um das bei jedem Gottesdienst tun zu können, richteten sie ihre Tempel auch nach dieser Seite aus. Darum werden Kirchen noch heute in dieser Weise erbaut.

Die Himmelsrichtungen in der geistigen Welt stammen nicht vom Herrn als Sonne, sondern von den Engeln, entsprechend ihrer Aufnahme.

*124. Es wurde gezeigt, daß die Engel gesondert voneinander wohnen, die einen in der östlichen Gegend, andere in der westlichen, südlichen oder nördlichen, und daß die Engel, die im Osten wohnen, in einem höheren Grad der Liebe stehen als die im Westen, wahrend die Engel, die im Süden wohnen, im Licht der Weisheit sind, die im Norden in deren Schatten. Diese Verschiedenheit der Wohngegenden scheint vom Herrn als der Sonne herzurühren, in Wirklichkeit aber kommt sie von den Engeln. Der Herr ist nicht in höherem oder geringerem Grad der Liebe und Weisheit, beziehungsweise Er als Sonne ist nicht in einem höheren oder geringeren Grade der Wärme und des Lichts beim einen oder anderen, ist Er doch überall derselbe. Freilich wird er nicht von jedem im gleichen Grade aufgenommen.

Darin liegt der Grund, weshalb sie mehr oder weniger voneinander entfernt zu sein scheinen, und zwar auch auf verschiedene Weise, je nach den Himmelsrichtungen. Somit sind die Gegenden im Himmel nichts anderes, als die verschiedenen Aufnahmegrade der Liebe und Weisheit, also der Wärme und des Lichts vom Herrn als Sonne.

Dies geht auch aus dem oben # 108-112 gegebenen Nachweis hervor, daß die Entfernungen in der geistigen Welt Scheinbarkeiten sind.

*125. Da die Himmelsrichtungen verschiedene Aufnahmegrade der Liebe und Weisheit durch die Engel darstellen, soll noch etwas über die Unterschiede ausgeführt werden, denen dieser Schein entspringt.

Der Herr ist im Engel und der Engel im Herrn, wie im vorigen Abschnitt gezeigt wurde. Da nun aber der Anschein besteht, der Herr als Sonne befände sich außerhalb des Engels, so scheint ihn auch der Herr von der Sonne her zu sehen, während er seinerseits den Herrn in der Sonne sieht — ähnlich wie ein Bild im Spiegel erscheint.

Deshalb verhält sich die Sache — wenn nun einmal nach diesem Schein gesprochen werden soll — so, daß der Herr einen jeden von Angesicht zu Angesicht sieht und anschaut, nicht aber auf gleiche Weise umgekehrt die Engel den Herrn.

Diejenigen, die in der Liebe zum Herrn aus dem Herrn sind, sehen ihn gerade vor sich. Daher sind sie im Osten oder im Westen. Die anderen, die mehr in der Weisheit sind, sehen den Herrn rechts oder, wenn sie weniger weise sind, links von sich. Sie sind daher im Norden und im Süden. Daß sie den Herrn nicht unmittelbar vor sich, sondern an ihrer Seite sehen, beruht darauf, daß Liebe und Weisheit wohl als Eins aus dem Herrn hervorgehen, von den Engeln aber nicht als Einheit aufgenommen werden (wie schon oben ausgeführt wurde). Weisheit aber, die über die Liebe hinausgeht, mag zwar als Weisheit erscheinen, ist es aber nicht, weil in der über die Liebe hinausgehenden Weisheit kein Leben aus der Liebe ist.

Dies zeigt, woher die unterschiedliche Aufnahme kommt, der zufolge die Wohnungen der Engel je nach den Himmelsgegenden in der geistigen Welt erscheinen.

*126. Die verschiedenartige Aufnahme der Liebe und Weisheit bestimmt in der geistigen Welt die Himmelsgegend, in der man sich befindet. Das zeigt sich daran, daß der Engel den Himmelsstrich je nach der Zunahme oder Abnahme seiner Liebe wechselt. Daraus geht hervor, daß die Himmelsrichtungen ihr Bestehen nicht dem Herrn als Sonne, sondern dem Engel je nach seiner Aufnahme des Herrn verdanken.

Dasselbe gilt für den Geist des Menschen; auch er ist in einer gewissen Himmelsgegend der geistigen Welt, gleichgültig, wo in der natürlichen Welt er sich auch befinden mag. Oben wurde ja gezeigt, daß die Himmelsrichtungen der geistigen und der natürlichen Welt nichts miteinander gemein haben. In diesen lebt der Mensch mit seinem Körper, in jenen mit seinem Geist.

*127. Damit Liebe und Weisheit beim Engel wie beim Menschen eins ausmachen, sind in allen Teilen seines Körpers Paare ausgebildet, so die Augen, Ohren, Nasenlöcher, die Hände, Lenden, Füße. Das Gehirn ist in zwei Halbkugeln geteilt, das Herz in zwei Kammern, die Lunge in zwei Flügel, und so das übrige.

Auf diese Weise ist bei Engeln und Menschen ein Rechtes und ein Linkes, und zwar beziehen sich alle ihre rechtsliegenden Teile auf die Liebe, aus der die Weisheit hervorgeht, und alle linksliegenden auf die Weisheit aus der Liebe oder — was auf dasselbe hinausläuft — alle rechtsliegenden Teile beziehen sich auf das Gute, aus dem das Wahre hervorgeht, und alle linksliegenden auf das Wahre aus dem Guten.

Diese paarigen Teile haben Engel und Mensch, damit Liebe und Weisheit oder Gutes und Wahres zusammenwirken und zusammen auf den Herrn ausgerichtet seien. Hierüber mehr im Folgenden.

*128. Daraus kann man ersehen, in welcher Selbsttäuschung, folglich in welcher Falschheit diejenigen befangen sind, die der Meinung sind, der Herr teile den Himmel nach Willkür zu oder bestimme, daß der eine weiser und liebevoller sei als der andere, während doch der Herr will, daß einer wie der andere (an seinem Platz, d.Ü.) in gleicher Weise weise sei und selig werde. Denn Er sieht für alle die Möglichkeit vor, und jeder ist weise und wird selig, je wie er sie wahrnimmt und entsprechend lebt, ist doch der Herr derselbe beim einen wie beim anderen. Ungleich unter sich sind nur die Aufnehmenden, also die Engel und Menschen, weil sie auf verschiedene Weise aufnehmen und leben.

Die Bestätigung kann man in dem finden, was über die Himmelsrichtungen und die sich danach richtenden Wohnungen der Engel gesagt worden ist, nämlich daß besagte Unterschiede nicht vom Herrn, sondern von den Aufnehmenden herrühren.

Die Engel wenden ihr Antlitz fortwährend dem Herrn als Sonne zu und haben so den Süden zur Rechten, den Norden zur linken und den Abend im Rücken.

*129. Alles, was hier von den Engeln und ihrer Hinwendung zum Herrn als Sonne gesagt wird, gilt auch für den Menschen hinsichtlich seines Geistes. Denn seinem Gemüt nach ist der Mensch ein Geist, und wenn er Liebe und Weisheit hat, ein Engel. Deshalb wird er auch nach dem Tode, wenn er das aus der natürlichen Welt mitgebrachte äußere abgelegt hat, zu einem Geist oder Engel.

Weil die Engel ihr Antlitz fortgesetzt dem Aufgang der Sonne, also dem Herrn zuwenden, sagt man auch von einem Menschen, der in der Liebe und Weisheit aus dem Herrn ist, daß er Gott schaue, zu Gott aufsehe und Gott vor Augen habe. Man versteht darunter, daß er wie ein Engel lebt.

Man sagt so in der Welt, einerseits weil es im Himmel wirklich so ist, andererseits aber auch, weil es sich im Geist des Menschen tatsächlich so abspielt. Wer blickt nicht, wenn er betet, zu Gott auf, in welche Himmelsrichtung er auch gerade sein Angesicht wenden mag?

*130. Die Engel wenden aber ihr Antlitz deshalb unausgesetzt dem Herrn als Sonne zu, weil sie im Herrn sind und der Herr in ihnen, und weil der Herr die Gefühle und Gedanken in ihren innerlicheren Regionen leitet und unausgesetzt sich zukehrt. Daher können sie gar nicht anders als nach Osten blicken, wo der Herr als Sonne erscheint.

Das zeigt, daß die Engel sich nicht selbst dem Herrn zuwenden, sondern der Herr sie sich zukehrt. Denn wenn die Engel auf inwendigere Weise an den Herrn denken, stellen sie sich Ihn nicht anders vor, als in sich. Das inwendigere Denken selbst bringt keinen Abstand hervor, dies geschieht vielmehr nur durch das äußere Denken, das mit dem Sehen der Augen zusammenhangt. Denn das äußere Denken ist räumlich, nicht aber das inwendige, und wo das äußere Denken, wie in der geistigen Welt, nicht räumlich ist, da ist es doch in der Scheinbarkeit des Raumes befangen.

Dies kann jedoch vom Menschen, der über Gott aus dem Räumlichen heraus denkt, kaum verstanden werden. Denn Gott ist überall und gleichwohl nicht im Raum. Er ist daher sowohl innerhalb wie außerhalb des Engels, und so kann der Engel Gott, d.h. den Herrn sowohl innerhalb wie außerhalb seiner selbst sehen, innerhalb seiner selbst, wenn er aus Liebe und Weisheit heraus denkt, außerhalb seiner selbst, wenn er über die Liebe und Weisheit nachdenkt. Doch darüber mehr in den Abhandlungen über die Allgegenwart, Allwissenheit und Allmacht des Herrn.

Es hüte sich aber jeder, daß er nicht in jene abscheuliche Ketzerei verfalle, Gott habe sich in den Menschen ergossen und sei nun in ihnen und nicht mehr in sich selbst, während er doch, wie oben #7-10 und 69-72 dargelegt wurde, in jedem Raum ohne Raum ist. Wäre er aber im Menschen, so wäre er nicht nur teilbar, sondern auch in den Raum eingeschlossen, ja der Mensch könnte dann auch denken, er selbst sei Gott: eine derart abscheuliche Ketzerei, daß sie in der geistigen Welt stinkt wie ein Leichnam.

*131. Was die Hinwendung der Engel zum Herrn betrifft, so ist sie von der Art, daß sie bei jeder Wendung ihres Leibes den Herrn als Sonne vor sich sehen. Ein Engel kann sich nach allen Seiten wenden und die ganze Mannigfaltigkeit der Erscheinungen um sich her erblicken, und doch erscheint ihm der Herr stets als Sonne vor seinen Augen. Das mag sonderbar erscheinen, ist aber gleichwohl wahr.

Auch mir wurde verliehen, den Herrn in dieser Weise als Sonne zu sehen, und ich sehe ihn schon wahrend mehrerer Jahre vor meinem Angesicht. In welche Richtung ich auch blickte, immer sah ich ihn auf gleiche Weise.

*132. Aus der Tatsache, daß der Herr als Sonne oder Aufgang allen Engeln des Himmels vor Augen ist, folgt, daß rechts von ihnen Mittag, links Mitternacht und im Rücken Abend ist, und dies bei jeder Wendung ihres Leibes. Denn wie gesagt, alle Himmelsrichtungen in der geistigen Welt sind vom Morgen her bestimmt. Deshalb wohnen die Engel, denen der Morgen vor Augen liegt, in diesen Regionen, ja sie bilden selbst deren Begrenzungen. Wie oben in #124-128 gezeigt wurde, entspringen ja die Himmelsgegenden nicht dem Herrn als Sonne, sondern den Engeln, je nach ihrer Aufnahme des Herrn.

*133. Da der Himmel aus Engeln besteht und die Engel so geartet sind, folgt, daß sich der ganze Himmel dem Herrn zuwendet und aufgrund dieser Zuwendung vom Herrn regiert wird wie Ein Mensch, wie denn auch der Himmel dem Herrn vor Augen liegt. In dem Werk 'Himmel und Hölle' wird von #59 bis 87 beschrieben, daß der Himmel vor dem Herrn wie ein Mensch ist. Auch dadurch sind die Himmelsgegenden bestimmt.

*134. Die Himmelsgegenden sind dem einzelnen Engel wie dem ganzen Himmel gleichsam eingeschrieben, daher weiß der Engel — anders als der irdische Mensch — stets, wie er Haus und Wohnung wieder erreichen kann. Der räumlich denkende Mensch weiß, das nur aufgrund der Himmelsrichtungen der natürlichen Welt, die nichts mit denen der geistigen Welt gemein haben, und nicht aufgrund der inneren Himmelsrichtung in sich selber.

Wohl aber liegt in den Vögeln und anderen Tieren ein solches Wissen, ist ihnen doch, wie man aufgrund vieler Erfahrungen weiß, eingeboren, aus sich heraus ihre Wohnstätten zu finden — ein Zeichen, daß es so etwas in der geistigen Welt gibt. Alle Dinge in der natürlichen Welt sind ja Wirkungen, während alle Dinge in der geistigen Welt Ursachen dieser Wirkungen sind. Etwas Natürliches, das seinen Ursprung nicht aus Geistigem hatte, gibt es nicht.

Alles Inwendige der Engel, das des Geistes wie des Körpers, ist dem Herrn als Sonne zugewandt.

*135. Die Engel haben Verstand und Wille, wie auch Gesicht und Körper. Und das alles hat auch sein Inwendiges. Bei Verstand und Wille ist es das, was ihr inwendigeres Streben und Denken ausmacht, beim Gesicht sind es die beiden Hirnhälften und beim Körper die Eingeweide, also vor allem Herz und Lunge.

Mit einem Wort: Alles und jedes, was die irdischen Menschen haben, das haben auch die Engel. Folglich sind sie Menschen. Die äußere Gestalt allein ohne das Innere macht sie nicht dazu, sondern die äußere Gestalt in Verbindung mit dem Inneren, ja vom Inneren her. Sonst wären sie nur Bilder des Menschen ohne Leben, weil inwendig in ihnen nicht die Form des Lebens wäre.

*136. Bekanntlich regieren Wille und Verstand den Leib nach ihrem Wink. Was der Verstand denkt, spricht der Mund, und was der Wille beabsichtigt, das tut der Körper. Daraus geht hervor, daß der Körper eine dem Verstand und Willen entsprechende Form ist und (weil von Verstand und Wille auch eine Form ausgesagt wird), daß die Form des Körpers der Form von Verstand und Wille entspricht. Wie aber die eine und andere beschaffen ist, das zu beschreiben ist hier nicht der Ort. In beiden gibt es nämlich Unzähliges, und Unzähliges wirkt in beiden einheitlich zusammen, weil sie sich gegenseitig entsprechen.

So kommt es, daß das Gemüt, Wille und Verstand, den Körper nach seinem Wink, mithin ganz und gar wie sich selbst regiert.

Folglich wirkt das Inwendige des Gemüts in Einheit mit dem Inwendigen des Körpers zusammen, und das Auswendige des Gemüts mit dem Auswendigen des Körpers. Vom Inwendigen des Gemüts wird weiter unten die Rede sein, nachdem zuerst die Lebensgrade behandelt worden sind; dann wird auch über das Inwendige des Körpers zu sprechen sein.

*137. Wenn sich das Inwendige des Gemüts dem Herrn als Sonne zuwendet, so tut das Inwendige des Körpers dasselbe, weil ja das Inwendige des Gemüts und des Körpers einheitlich zusammenwirken. Und weil das Auswendige von Gemüt und Körper von ihrem Inwendigen abhängt, tut es auch das gleiche. Denn was das Äußere tut, das tut es aus dem Inneren, da das Allgemeine alles vom Besonderen bezieht, aus dem es stammt.

Damit ist klar: Weil der Engel Angesicht und Körper dem Herrn als Sonne zuwendet, gilt dasselbe auch für alles Inwendige seines Gemüts und Körpers.

Ebenso verhält es sich beim Menschen: Hat er beständig den Herrn vor Augen — und das ist der Fall, wenn er in der Liebe und Weisheit ist —, so blickt er nicht nur mit Augen und Angesicht auf Ihn, sondern auch mit dem ganzen Gemüt und Körper, d.h. mit allem, was zum Willen und Verstand und zugleich mit allem, was zum Körper gehört.

*138. Diese Hinwendung zum Herrn ist eine wirkliche Hinwendung, gewissermaßen eine Erhebung. Sie bringt nämlich eine Erhebung in die Wärme und das Licht des Himmels mit sich. Das geschieht dadurch, daß das Innere aufgeschlossen wird. Ist das geschehen, so fließen Liebe und Weisheit ins Innere des Gemüts, Wärme und Licht des Himmels ins Innere des Körpers ein. Diese Erhebung geschieht wie aus dichtem Dunst in die Luft oder wie aus der Luft in den Äther. Liebe und Weisheit aber mit ihrer Wärme und ihrem Licht sind der Herr beim Menschen, der den Menschen, wie oben gezeigt wurde, sich zuwendet.

Das Gegenteil geschieht bei denen, die nicht in der Liebe und Weisheit, mehr noch bei denen, die gegen sie eingestellt sind. Ihr Inneres, das des Gemüts wie das des Körpers, ist verschlossen. Und wo das der Fall ist, reagiert das Äußere, weil das zu seinem Wesen gehört, gegen den Herrn.

Darauf beruht, daß sie sich vom Herrn abwenden; sich von Ihm abwenden aber heißt, sich der Hölle zuwenden.

*139. Die wirkliche Zuwendung zum Herrn geht aus Liebe und Weisheit zugleich — nicht aus der Liebe oder Weisheit allein — hervor. Die Liebe allein ist wie das Sein ohne Dasein, hat doch die Liebe ihr Dasein in der Weisheit. Die Weisheit ohne Liebe aber ist wie ein Dasein ohne Sein; denn die Weisheit hat ihr Dasein aus der Liebe.

Es gibt zwar Liebe ohne Weisheit, jedoch nur auf seiten des Menschen, nicht auf seiten des Herrn. Ebenso gibt es auch eine Weisheit ohne Liebe. Diese ist zwar vom Herrn, hat aber den Herrn nicht in sich. Sie gleicht dem winterlichen Licht, das zwar von der Sonne stammt, aber nicht das Wesen der Sonne, nämlich Wärme, in sich trägt.

Jeder Geist, wie er auch beschaffen sein mag, wendet sich in gleicher Weise seiner herrschenden Liebe zu.

*140. Zuerst soll gesagt werden, was ein Geist und was ein Engel ist. Jeder Mensch gelangt nach dem Tode zuerst in die Geisterwelt, welche die Mitte zwischen Himmel und Hölle einnimmt. Hier bringt er seine Zeiten, besser: seine Zustände zu und wird gemäß seinem Leben entweder auf den Himmel oder auf die Hölle vorbereitet.

Solange er in jener Welt weilt, heißt er ein Geist. Wer aus ihr in den Himmel erhoben wird, heißt Engel; wer hingegen in die Hölle hinabgeworfen wird, wird Satan oder Teufel genannt. Diejenigen, die in der Geisterwelt auf den Himmel vorbereitet werden, heißen Engel-Geister, die auf die Hölle vorbereitet werden, höllische Geister. Der Engel-Geist ist während seiner Vorbereitung mit dem Himmel, der höllische Geist mit der Hölle verbunden.

Alle Geister in der Geisterwelt sind mit Menschen zusammengesellt, befinden sich diese doch mit dem Inwendigen ihres Gemüts in gleicher Weise zwischen Himmel und Hölle und sind durch Geister in Gemeinschaft mit dem Himmel oder mit der Hölle, ihrem Leben entsprechend.

Man muß wissen, daß zwischen der 'Geisterwelt' und der 'geistigen Welt' zu unterscheiden ist. Die geistige Welt umfaßt sowohl die Geisterwelt als auch Himmel und Hölle.

*141. Da von der Zuwendung der Engel und Geister aus ihrer Liebe heraus zu der ihnen entsprechenden Liebe die Rede war, soll nun auch etwas über die verschiedenen Arten von Liebe gesagt werden:

Der ganze Himmel ist in Gesellschaften unterteilt, gemäß allen unterschiedlichen Arten der Liebe. Dasselbe gilt von der Hölle und ebenfalls von der Geisterwelt. Der Himmel ist jedoch in Gesellschaften unterteilt nach den Unterschieden der himmlischen Liebe, die dort herrschen, die höllischen Gesellschaften unterscheiden sich durch die verschiedenen Arten höllischer Liebe, und in der Geisterwelt gibt es sowohl Gesellschaften himmlischer als auch höllischer Liebesarten.

Es gibt zwei Hauptarten der Liebe, die alle übrigen Arten der Liebe dominieren und auf die diese sich samt und sonders zurückbeziehen: Die erste ist das Haupt aller himmlischen Liebesarten: die Liebe zum Herrn. Die zweite ist das Haupt aller höllischen Liebesarten: die Liebe zum Herrschen aus Eigenliebe. Beide Arten der Liebe sind vollständige Gegensätze.

*142. Weil diese beiden Arten der Liebe — die Liebe zum Herrn und die Liebe zum Herrschen aus Eigenliebe — völlige Gegensätze sind, und weil alle, die den Herrn lieben, sich Ihm als Sonne zuwenden (wie im vorigen Abschnitt ausgeführt wurde), so liegt auf der Hand, daß die anderen, die aus Eigenliebe herrschen wollen, sich vom Herrn abwenden.

Sie nehmen die entgegengesetzte Richtung ein, da ja alle, die in der Liebe zum Herrn sind, nichts mehr lieben, als von Ihm geführt zu werden und wollen, daß der Herr allein herrschen möge. Umgekehrt lieben die anderen, die aus Eigenliebe herrschen wollen, nichts mehr, als sich selbst zu führen und auch allein zu herrschen.

Hier wird ausdrücklich von der Liebe zum Herrschen aus Eigenliebe gesprochen, gibt es doch auch eine Liebe zum Herrschen um des Nutzenschaffens willen. Diese ist eine geistige Liebe, weil sie eins ausmacht mit der Liebe zum Nächsten.

Sie kann eigentlich auch nicht als Liebe zum Herrschen bezeichnet werden, sondern nur als Liebe zum Nutzenschaffen.

*143. Jeder Geist, wie immer er auch beschaffen sein mag, wendet sich seiner herrschenden Liebe zu, weil ja die Liebe das Leben eines jeden Menschen ist, wie im ersten Teil von # 1-3 gezeigt wurde. Das Leben aber wendet seine Aufnahmegefäße — die Glieder, Organe und Eingeweide, somit den ganzen Menschen — der Gesellschaft zu, deren Liebe der seinen ähnelt, also dahin, wo er seine Liebe findet.

*144. Da die Liebe zum Herrschen aus Eigenliebe der Liebe zum Herrn völlig entgegengesetzt ist, wenden die Geister, die in dieser Liebe sind, ihr Antlitz vom Herrn ab, blicken also in die Richtung des Abends jener Welt. Weil auf diese Weise ihr Leib die entgegengesetzte Richtung einnimmt, haben sie den Morgen im Rücken, die Mitternacht zur Rechten, weil sie Tauschungen und damit Falschheiten lieben, und den Mittag zur Linken, weil sie das Licht der Weisheit verachten.

Sie können sich zwar um sich selbst drehen, aber alles, was sie um sich her erblicken, erscheint ihrer Liebe ähnlich. Sie alle sind sinnlich-natürlich. Einige von ihnen meinen sogar, sie allein lebten, die anderen seien bloße Schattenbilder; sie sind überzeugt, alle anderen an Weisheit zu überragen. In Wirklichkeit sind sie wahnsinnig.

*145. In der geistigen Welt erscheinen gebahnte Wege, wie in der natürlichen Welt. Die einen führen zum Himmel, die anderen zur Hölle. Die Wege zur Hölle erscheinen denen nicht, die zum Himmel streben, umgekehrt aber erscheinen die zum Himmel führenden Wege den zur Hölle Strebenden nicht.

Dieser Wege gibt es unzählige, führen doch zu jeder himmlischen und höllischen Gesellschaft Wege. Jeder Geist gelangt auf den Weg, der zur Gesellschaft seiner Liebe führt, die woanders hinführenden sieht er nicht. Darum schreitet ein jeder in der Richtung weiter fort, der sich seine herrschende Liebe zugewandt hat.

Die göttliche Liebe und Weisheit, die aus dem Herrn als Sonne hervorgehen und im Himmel Wärme und Licht spenden, sind das hervorgehende Göttliche; dies ist der Heilige Geist.

*146. In dem Werk 'Die Lehre des Neuen Jerusalem vom Herrn' wurde dargelegt, daß Gott der Person und dem Wesen nach Einer ist, daß eine Trinität in Ihm ist und daß dieser Gott der Herr ist. Seine Dreieinheit wird genannt Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das Urgöttliche heißt Vater, das Göttlich-Menschliche Sohn und das ausgehende Göttliche Heiliger Geist.

Es heißt das ausgehende Göttliche, und doch weiß niemand, warum. Man weiß es deshalb nicht, weil bisher unbekannt war, daß der Herr vor den Engeln als Sonne erscheint, eine Sonne, aus der Wärme ausströmt, die ihrem Wesen nach göttliche Liebe, und Licht, das seinem Wesen nach göttliche Weisheit ist. Solange das unbekannt war, konnte man nichts anderes wissen, als daß das ausgehende Göttliche ein für sich bestehendes Göttliches sei. Darum heißt es auch in der sogenannten Athanasischen Dreieinigkeitslehre, eine andere sei die Person des Vaters, eine andere die des Sohnes und eine andere die des Heiligen Geistes.

Wenn man aber nun weiß, daß der Herr als Sonne erscheint, kann man eine richtige Vorstellung vom ausgehenden Göttlichen, also vom Heiligen Geist haben, nämlich daß er eins ist mit dem Herrn, aber von Ihm ausgeht, wie Licht und Wärme von der Sonne. Das ist auch der Grund, weshalb die Engel in dem Maße, wie sie Liebe und Weisheit aufnehmen, in der göttlichen Wärme und im göttlichen Licht sind.

Ohne die Kenntnis, daß der Herr in der geistigen Welt als Sonne erscheint und Sein Göttliches auf diese Weise ausgeht, kann niemand wissen, was unter dem Ausgehen zu verstehen ist — ob es bloß bedeutet, das mitzuteilen, was Vater und Sohn betrifft, oder bloß erleuchten und lehren meint. Doch auch so hätte man es — erleuchtete Vernunft vorausgesetzt — nicht als ein für sich bestehendes Göttliches anerkennen, noch Gott nennen und unterscheiden sollen, war doch bekannt, daß Gott Einer und daß Er allgegenwärtig ist.

*147. Oben wurde gezeigt, daß Gott nicht im Raum und eben dadurch allgegenwärtig ist; ferner daß das Göttliche überall dasselbe ist und seine scheinbaren Verschiedenheiten in den Engeln und Menschen nur auf deren unterschiedlicher Aufnahme beruhen. Das aus dem Herrn als Sonne hervorgehende Göttliche ist im Licht und in der Wärme, diese fließen aber zuerst in die allgemeinen Aufnahmegefäße ein, die in der Welt als Atmosphären bezeichnet werden und ihrerseits als Aufnahmegefäße von Wolken dienen. Darum steht also fest, daß soweit das Inwendige — das Gebiet des Verstandes bei Menschen und Engeln — mit solchen Wolken umhüllt erscheint, es ein Aufnahmegefäß für das ausgehende Göttliche ist.

Unter den Wolken sind hier geistige Wolken zu verstehen, nämlich Gedanken, die, wenn sie auf Wahrheit beruhen, mit der göttlichen Weisheit übereinstimmen, wenn aber auf Falschem, ihr widersprechen. Deshalb erscheinen auch Gedanken, die auf Wahrheit beruhen, in der geistigen Welt, wenn sie sichtbar dargestellt werden, als weißglänzende Wolken, als schwarze hingegen die auf Falschem beruhenden Gedanken.

Damit dürfte klar sein, daß das ausgehende Göttliche zwar in jedem Menschen ist, von ihm aber auf unterschiedliche Weise umhüllt wird.

*148. Da nun das Göttliche selbst durch die geistige Wärme und das geistige Licht im Engel wie im Menschen gegenwärtig ist, sagt man, von Gott entbrannt sei, wer in den Wahrheiten der göttlichen Weisheit und im Guten der göttlichen Liebe ist, davon angeregt wird und darüber spricht. Zuweilen wird das auch wahrgenommen und empfunden, etwa wenn ein Prediger mit Eifer spricht.

Wo dies geschieht, nennt man die Betreffenden von Gott erleuchtet, weil der Herr durch das von Ihm ausgehende Göttliche nicht nur ihren Willen mit geistiger Wärme entzündet, sondern auch ihren Verstand mit geistigem Licht erleuchtet.

*149. Aus folgenden Stellen im Wort kann man ersehen, daß der Heilige Geist ein und dasselbe ist mit dem Herrn und daß er die Wahrheit selbst ist, die den Menschen erleuchtet.:

Jesus sagte: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, so wird er euch in alle Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hören wird, wird er reden.“ Joh 16/13) „Er wird Mich verherrlichen; denn von dem Meinigen wird er's nehmen und euch verkündigen.“ (Joh 16/14) Daß er bei den Jüngern und ihnen sein werde. Joh 14/17; 15/26) „Was ich zu euch rede, ist Geist und ist Leben.“ (Joh 6/63)

Daraus geht hervor, daß die Wahrheit selbst, die vom Herrn ausgeht, der Heilige Geist genannt wird. Und weil diese Wahrheit im Licht ist, erleuchtet sie.

*150. Die dem Heiligen Geist zugeschriebene Erleuchtung geschieht aber gleichwohl durch Vermittlung von Geistern und Engeln. Über die Beschaffenheit dieser Vermittlung läßt sich an dieser Stelle nur soviel sagen, daß die Engel und Geister den Menschen durchaus nicht erleuchten können, weil auch sie in gleicher Weise vom Herrn erleuchtet werden. Das heißt, alle Erleuchtung geschieht allein durch den Herrn, aber mittels der Engel oder Geister, weil der Mensch bei der Erleuchtung mitten unter solche Engel und Geister versetzt wird, die mehr als andere die Erleuchtung von dem alleinigen Herrn aufnehmen.

Der Herr hat das gesamte Weltall mittels einer Sonne, die zuerst aus der göttlichen Liebe und Weisheit hervorging, erschaffen.

*151. Unter dem Herrn wird der Gott von Ewigkeit, Jehovah (oder Jahwe) verstanden, den man Vater und Schöpfer nennt, weil er, wie in der 'Lehre des Neuen Jerusalem vom Herrn' gezeigt wurde, mit ihm eins ist. Deshalb wird im Folgenden, wo auch immer von der Schöpfung die Rede ist, der Herr genannt.

*152. Im ersten Teil, besonders in # 52 und 53, wurde vollständig nachgewiesen, daß alles im Weltall von der göttlichen Liebe und Weisheit erschaffen wurde. Hier nun soll gezeigt werden, daß es mittels einer Sonne geschah, die als Erstes aus der göttlichen Liebe und Weisheit hervorgegangen ist.

Wer die Wirkungen aus ihren Ursachen und hernach von den Ursachen her die Wirkungen in ihrer Ordnung und Reihenfolge zu sehen vermag, wird nicht leugnen, daß die Sonne das Erste der Schöpfung ist. Denn alles, was zu ihrer Welt gehört, besteht durch sie und ist daher auch aus ihr hervorgegangen. Eins schließt das andere in sich und bezeugt es. Denn alles liegt unter ihrem Anblick, weil sie es gemacht hat. Es unter ihrem Anblick halten heißt, daß es beständig bewirkt wird. Daher sagt man auch, das Bestehen sei ein fortwährendes Entstehen. Ferner, wurde irgendetwas dem Einfluß der Sonne durch die Atmosphären gänzlich entzogen, löste es sich sogleich auf. Die Atmosphären nämlich, die reiner und reiner sind und durch die Sonne in Tätigkeit und Kraft gesetzt werden, halten alles im Zusammenhang.

Da nun alles im Weltall sein Bestehen einer Sonne verdankt, ist offenkundig, daß eine Sonne das Erste der Schöpfung ist, dem alles entspringt. Es heiß 'einer Sonne', gemeint ist jedoch vom Herrn durch eine Sonne; denn auch die Sonnen sind vom Herrn erschaffen worden.

*153. Es gibt, wie gesagt, zwei Sonnen, durch die der Herr alles erschaffen hat, die der geistigen Welt und die Sonnen der natürlichen Welt. Streng genommen hat Er alles durch die Sonne der geistigen, nicht der natürlichen Welt erschaffen; denn diese Sonne ist weit unter jener. Sie ist gewissermaßen in mittlerer Distanz: Über ihr ist die geistige Welt und unter ihr die natürliche. Diese Sonnen der natürlichen Welt wurden erschaffen, um stellvertretende Hilfe zu leisten, wie im Folgenden ausgeführt werden soll.

*154. Der Grund für die Erschaffung des Weltalls in allen seinen Teilen vom Herrn mittels der geistigen Sonne liegt darin, daß sie das Erste ist, was aus der göttlichen Liebe und Weisheit hervorgeht, aus der alles sein Sein hat, wie oben in # 52-82 nachgewiesen wurde.

Drei Dinge finden sich in allem Geschaffenen vom Größten bis zum Kleinsten: Endzweck, Ursache und Wirkung. Es gibt nichts Erschaffenes, in dem diese Drei nicht wären. In der folgenden Ordnung finden sie sich im Größten, also im Weltall: In der Sonne, die das Erste ist, was aus der göttlichen Liebe und Weisheit hervorgeht, liegt der Endzweck aller Dinge. In der geistigen Welt liegen die Ursachen zu allem und in der natürlichen die Wirkungen von allem. Im Folgenden soll gezeigt werden, in welcher Weise sich diese Drei im Ersten wie im Letzten finden.

Da es nun nichts Geschaffenes ohne diese Drei gibt, so folgt, daß das Weltall mit allem, was dazu gehört, erschaffen worden ist durch die Sonne, in der der Endzweck aller Dinge liegt.

*155. Die Schöpfung selbst läßt sich nicht verstehen, wenn man nicht aus seinem Denken Raum und Zeit entfernt. Geschieht das, so kann sie begriffen werden.

Man versuche es einmal, soweit es geht und befreie seinen Geist von der Vorstellung von Raum und Zeit, und man wird finden, daß kein Unterschied ist zwischen dem größten und dem kleinsten Räumlichen. Dann kann man von der Schöpfung des Weltalls nur eine ähnliche Vorstellung haben wie von der Schöpfung der einzelnen Dinge im Weltall, und verstehen, daß die Verschiedenheit im Erschaffenen auf der Unendlichkeit im Gottmenschen (infinita in Deo Homine) beruht, von dem her unbestimmbar Vieles in der Sonne (indefinita in Sole) ist, die als Erstes aus Ihm hervorgeht. Diese unbestimmbare Vielfalt hat ihr Dasein im erschaffenen Universum wie in einem Bilde.

Darum kann es niemals und nirgends etwas geben, das mit einem anderen ein und dasselbe wäre. Darauf beruht die Mannigfaltigkeit aller Dinge, die sich den Augen in der Räumlichkeit der natürlichen und in der scheinbaren Räumlichkeit der geistigen Welt zeigt. Die Mannigfaltigkeit aber besteht im Allgemeinen wie auch im Einzelnen.

Dies sind die Dinge, die im ersten Teil dieses Buches nachgewiesen worden sind, nämlich daß im Gottmenschen unendlich Vieles unterscheidbar Eines ist (# 17-22), daß alles im Weltall von der göttlichen Liebe und Weisheit erschaffen wurde (# 52 und 53), daß alle Dinge im erschaffenen Weltall Aufnahmegefäße für die göttliche Liebe und Weisheit des Gottmenschen sind (# 54-60), daß das Göttliche nicht im Raume ist (# 7-10), daß es alle Räume erfüllt, ohne selbst im Raum zu sein (# 69-72), und daß es im Größten wie im Kleinsten dasselbe ist (# 77-82).

*156. Man kann nicht sagen, daß das Weltall mit allem, was zu ihm gehört, von einem Raum zum anderen und von einer Zeit zur anderen, d.h. fortschreitend und aufeinanderfolgend erschaffen worden sei. Vielmehr entstand es von Ewigkeit und vom Unendlichen her — nicht von einer Ewigkeit der Zeit, die es nicht gibt, sondern von einer nichtzeitlichen Ewigkeit, die identisch ist mit dem Göttlichen; auch nicht von einer Unendlichkeit des Raumes, die es ebensowenig gibt, sondern von einer unräumlichen Unendlichkeit aus, die gleichfalls identisch ist mit dem Göttlichen. Ich bin mir bewußt, daß das die im natürlichen Licht befangenen Vorstellungen übersteigt. Es übersteigt aber nicht die Vorstellungen eines Denkens, das sich im geistigen Licht bewegt, denn diesem haftet nichts von Raum und Zeit an. Im Grunde übersteigt es nicht einmal völlig das natürliche Licht, denn wenn es heißt, es gebe keine Unendlichkeit des Raumes, so stimmt dem jeder Vernünftige zu. Ebenso verhält es sich aber mit dem Begriff des Ewigen, das etwas Unendliches in bezug auf die Zeit ist.

Die Sonne der natürlichen Welt ist reines Feuer und daher tot, und weil die Natur ihren Ursprung in dieser Sonne hat, ist sie ebenfalls an sich tot.

*157. Man kann die Schöpfung selbst durchaus nicht der Sonne der natürlichen Welt zuschreiben, sondern nur der Sonne der geistigen Welt. Denn die Sonne der natürlichen Welt ist vollkommen tot. Die Sonne der geistigen Welt hingegen ist lebendig, weil sie das Erste ist, das aus der göttlichen Liebe und Weisheit hervorgeht. Etwas Totes ist durchaus nicht aus sich tätig, sondern kann nur in Tätigkeit versetzt werden. Der natürlichen Sonne etwas von der Schöpfung zuzuschreiben, wäre daher so, als wollte man dem Werkzeug und nicht dem Künstler, dessen Hände es betätigen, das Werk zuschreiben.

Die Sonne der natürlichen Welt ist reines Feuer, dem alles Leben fehlt, die der geistigen Welt hingegen ist ein Feuer, in dem das göttliche Leben ist. Die Engel hegen vom natürlichen und vom geistigen Sonnenfeuer die Vorstellung, daß letzterem das göttliche Leben inwendig innewohnt, ersterem hingegen nur äußerlich.

Daraus kann man ersehen, daß die natürliche Sonne nicht aus sich selbst tätig ist, sondern aus einer lebendigen Kraft, die der Sonne der geistigen Welt entspringt. Würde deren lebendige Kraft zurückgezogen oder weggenommen, die natürliche Sonne müßte in sich zusammenfallen. Aus diesem Grund ist der Sonnenkult unter allen Kulten der niedrigste, da er ebenso tot ist wie die Sonne selbst. Deshalb wird auch dieser Kult im Wort als ein Greuel bezeichnet.

*158. Da die natürliche Sonne bloßes Feuer und daher tot ist, gilt dies auch für Wärme und Licht, die von ihr ausgehen. Ebenso sind auch die Atmosphären, Äther und Luft also, die in ihrem Schoß Wärme und Licht der natürlichen Sonne aufnehmen und herableiten, in sich tot. Und so ist auch alles und jedes auf Erden unter ihnen tot.

Aber gleichwohl ist alles und jedes von Geistigem umfangen, das aus der Sonne der geistigen Welt hervorgeht und fließt. Wäre dem nicht so, die Erde könnte nicht in Bewegung gesetzt werden und Formen der Nutzwirkungen hervorbringen, wie die Pflanzen, oder Formen des Lebens, wie die Tiere, noch Stoffe, durch die der Mensch Da sein und Beständigkeit hat.

*159. Da die Natur in jener Sonne ihren Anfang hat und wir alles, was aus ihr entsteht und besteht, als Natürliches bezeichnen, so folgt, daß die Natur und alles, was zu ihr gehört, tot ist. Wenn sie — namentlich im Menschen und im Tier — lebendig erscheint, so liegt das an dem sie begleitenden und in Bewegung setzenden Leben.

*160. Weil das Unterste der Natur, das die Erde bildet, tot und nicht, wie in der geistigen Welt, veränderlich und verschieden ist je nach den Zuständen der Neigungen und Gedanken, sondern unveränderlich und fest, gibt es in ihr Räume und Abstände. Es gibt sie, weil die Schöpfung hier aufhört und zu ihrem Stillstand gelangt.

Damit ist klar, daß Räume eine Eigentümlichkeit der Natur sind, und weil sie hier nicht, wie in der geistigen Welt, räumliche Scheinbarkeiten je nach den Lebenszuständen sind, kann man sie auch tot nennen.

*161. In gleicher Weise fest und beständig, sind auch die Zeiten eine Eigentümlichkeit der Natur, dauert doch die Tageszeit beständig 24 Stunden, die Zeit eines Jahres 365,25 Tage, ja sogar die Zustände von Licht und Schatten, Wärme und Kälte, die einen Wechsel in diese Zeiten bringen, kehren beständig wieder; ebenso kehren die Zustände, die den Tag bestimmen — Morgen, Mittag, Abend und Nacht — und desgleichen die Zustände, die Jahr für Jahr wiederkehren: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die Jahreszeiten bringen zudem laufend Wechsel in die Tageszeiten.

Alle diese Zustände sind nicht, wie in der geistigen Welt, Lebenszustände, und daher ebenfalls tot. In der geistigen Welt dagegen herrschen beständig Licht und Wärme, wobei das Licht dem Zustand der Weisheit und die Wärme dem Zustand der Liebe bei den Engeln entspricht. Ihre Zustände sind infolgedessen lebendig.

*162. Daraus läßt sich die Albernheit derer erkennen, die alles der Natur zuschreiben. Sie versetzen sich dadurch in einen Zustand, in dem sie ihr Gemüt nicht mehr über die Natur erheben wollen und es daher nach oben hin verschlossen und nach unten geöffnet haben. Auf diese Weise wird der Mensch sinnlich natürlich und ist geistig tot. Weil er dann nur mehr aus dem heraus denkt, was er durch die körperlichen Sinne aus der Welt in sich aufgenommen hat, leugnet er auch in seinem Herzen Gott.

Seine Verbindung mit dem Himmel ist zerrissen, und er wird mit der Hölle verbunden. Dabei bleibt bloß die Fähigkeit zu denken und zu wollen zurück — die Denkfähigkeit von der Vernunft, das Vermögen zu wollen von der Freiheit, da beide Fähigkeiten jedem Menschen vom Herrn verliehen sind und nicht genommen werden. Das gilt sowohl für die Teufel als auch für die Engel, nur wenden die Teufel diese Vermögen zur Torheit und zum Tun des Bösen, die Engel aber zur Weisheit und zum Tun des Guten an.

Ohne die beiden Sonnen, die lebendige und die tote, wäre eine Schöpfung unmöglich.

*163. Das Universum ist im allgemeinen in zwei Welten eingeteilt, eine geistige und eine natürliche. In der geistigen sind die Engel und Geister, in der natürlichen die Menschen.

Beide Welten sind einander der äußeren Gestalt nach durchaus ähnlich, so sehr, daß sie nicht zu unterscheiden sind.

Der inneren Gestalt nach aber sind sie völlig verschieden. Die Menschen selbst, die sich in der geistigen Welt befinden und, wie gesagt, Engel und Geister heißen, sind geistig, und weil sie das sind, so denken und reden sie geistig. Die Menschen in der natürlichen Welt hingegen sind natürlich und denken und reden daher auch natürlich. Das geistige Denken und Reden hat aber mit dem natürlichen Denken und Reden nichts gemein.

Damit liegt am Tage, daß die beiden Welten, die geistige und die natürliche, völlig verschieden sind und auf keine Art und Weise zugleich sein können.

*164. Wegen dieser Verschiedenheit der beiden Welten müssen zwei Sonnen sein, eine, aus der alles Geistige und eine, aus der alles Natürliche entspringt. Und weil alles Geistige in seinem Ursprung lebendig, alles Natürliche aber aufgrund seines Ursprungs tot ist und die beiden Sonnen die Ursprünge sind, so folgt, daß die eine Sonne lebendig und die andere tot ist. Ferner folgt, daß die in sich tote Sonne vom Herrn durch die in sich lebendige Sonne erschaffen wurde.

*165. Die tote Sonne wurde erschaffen, damit im Untersten alles unabänderlich, bestimmt und dauerhaft sei und so ein beständiges Dasein habe. So und nicht anders erhält die Schöpfung eine Grundlage.

Der Erdball mit allem, was in, auf und um ihn herum ist, ist wie die Basis und Grundfeste. Er ist das letzte Werk, in dem sich alles endigt und auf dem es ruht. Im Folgenden werden wir sehen, daß dies Letzte auch wie eine Matrix ist, aus der die Wirkungen hervorgebracht werden, welche die Endzwecke der Schöpfung sind.

*166. Alles ist vom Herrn durch die lebendige und nichts ist durch die tote Sonne erschaffen worden. Das steht schon darum fest, weil nur das Lebendige etwas Totes sich zum Zwecke von Nutzwirkungen gefügig machen kann, nicht aber umgekehrt.

Daher kann nur ein seiner Vernunft Beraubter denken, alles gehe aus der Natur hervor, und von ihr stamme auch das Leben. Ein solcher Mensch weiß nicht, was das Leben ist. Die Natur vermag keinem Ding Leben zu schenken, da sie in sich völlig träge ist. Es ist ganz gegen die Ordnung, daß, etwas Totes auf das Lebendige bzw. eine tote Kraft auf eine lebendige oder — was dasselbe ist — etwas Natürliches auf das Geistige einwirken soll. So zu denken ist mithin gegen das Licht der gesunden Vernunft. Zwar kann etwas Totes oder Natürliches auf viele Weise durch äußere Zufälle verkehrt oder verändert werden, dessen ungeachtet kann es aber nicht auf das Leben einwirken. Vielmehr wirkt umgekehrt das Leben darauf ein je nach der Veränderung, die der Form beigebracht worden ist.

Dasselbe gilt für den physischen Einfluß in die geistigen Tätigkeiten der Seele. Es ist bekannt, daß es keinen solchen Einfluß gibt, weil es ihn nicht geben kann.

Der Endzweck oder das Ziel der Schöpfung die Rückkehr von allem zum Schöpfer und das Bestehen einer Verbindung - tritt im Letzten hervor.

*167. Zuerst muß etwas über die Ziele oder Endzwecke (definibus) gesagt werden. Dreierlei folgt in der Ordnung aufeinander, nämlich der erste, der mittlere und der letzte Zweck, auch Endzweck, Ursache und Wirkung genannt (finis, causa et effectus).

Zum Bestehen eines jeden Dings müssen alle drei darin beisammen sein; denn einen ersten Zweck ohne einen mittleren und zugleich auch ohne einen letzten Zweck gibt es nicht. Ebenso kann man sagen: es gibt keinen bloßen Zweck ohne Ursache und Wirkung, aber auch keine bloße Ursache ohne Zweck, aus dem sie ist, und ohne Wirkung, in der sie ist. In gleicher Weise gibt es auch keine bloße Wirkung ohne Ursache und deren Zweck.

Man kann das verstehen, wenn man bedenkt, daß das Ziel — der Endzweck — ohne Wirkung oder getrennt von der Wirkung nichts wirklich Bestehendes ist, folglich nur ein Wort. Denn wenn der Endzweck wirklich ein Endzweck sein soll, muß er eine Bestimmung haben, und diese hat er in der Wirkung. In dieser erst kann er Endzweck heißen, weil sie das Ende ist.

Es scheint, als bestünde das Tätige oder Wirkende für sich. Aber es scheint nur so, solange es in einer Wirkung ist. Sobald es davon getrennt wird, verschwindet es augenblicklich. Damit ist klar, daß jene drei: Endzweck, Ursache und Wirkung in jedem Ding sein müssen, damit es etwas sei.

*168. Weiter muß man wissen, daß der Endzweck vollständig in der Ursache, vollständig aber auch in der Wirkung ist. Das ist der Grund, weshalb Endzweck, Ursache und Wirkung auch der erste, mittlere und letzte Zweck heißen. Aber damit der Endzweck vollständig in der Ursache sein kann, muß in dieser etwas vom Endzweck sein, und damit er vollständig in der Wirkung sein kann, muß in dieser durch die Ursache hindurch etwas vom Endzweck sein, worin er sein kann. Denn der Endzweck kann nicht in sich allein sein, sondern nur in etwas aus ihm Bestehenden, in dem er mit allem, was zu ihm gehört, wohnen und durch seine Tätigkeit eine Wirkung hervorbringen kann, bis sie zum Stillstand kommt. Dieser Stillstand ist der letzte Zweck, die Wirkung.

*169. Im erschaffenen Weltall sind diese drei — Endzweck, Ursache und Wirkung — im Größten wie im Kleinsten. Dem ist so, weil diese auch in Gott, dem Schöpfer, dem Herrn von Ewigkeit, sind. Aber weil Er unendlich ist und im Unendlichen Unendliches unterscheidbar eins ist, wie oben von # 17-22 dargelegt wurde, so sind diese drei auch in Ihm und in Seinem Unendlichen unterscheidbar eins.

Daher kommt es, daß das Universum — erschaffen aus Gottes Sein, und unter dem Gesichtspunkt der Nutzwirkungen betrachtet, Sein Bild — in allen seinen Teilen jene drei Dinge aufweist.

*170. Der allumfassende Endzweck der Schöpfung besteht darin, eine ewige Verbindung des Schöpfers mit dem erschaffenen Weltall herzustellen. Diese ist aber nicht möglich, wenn es nicht Träger (subjecta) gibt, in denen Sein Göttliches wie in sich sein, also wohnen und bleiben kann. Diese Träger müssen, um gleichsam seine Wohnungen und Herbergen zu sein, Seine Liebe und Weisheit wie aus sich aufnehmen können, müssen sich also wie von sich selber zum Schöpfer erheben und sich mit Ihm verbinden können. Ohne eine solche Gegenseitigkeit gibt es keine Verbindung. Diese Träger aber sind die Menschen, die sich wie von sich selber zu Gott erheben und mit Ihm verbinden können. Oben wurde des öfteren gezeigt, daß die Menschen Aufnehmer des Göttlichen wie von sich aus sind.

Durch diese Verbindung ist der Herr in jedem von Ihm erschaffenen Werk gegenwärtig. Denn alles Erschaffene ist letztlich um des Menschen willen da. So steigt die Brauchbarkeit alles Erschaffenen stufenweise vom Untersten empor bis zum Menschen und durch diesen zu Gott, dem Schöpfer, der alles erschaffen hat (vgl. oben # 65-68).

*171. Die Schöpfung schreitet beständig zu diesem letzten Zweck voran durch jene drei, nämlich Endzweck, Ursache und Wirkung, weil diese, wie gesagt, im Herrn, dem Schöpfer sind. Das Göttliche aber ist in jedem Raum ohne selbst im Raum zu sein (# 69-72), und es ist im Größten wie im Kleinsten dasselbe (# 77-82). Daraus geht hervor, daß das erschaffene Weltall beim gemeinsamen Fortschreiten zum Endzweck den mittleren Zweck darstellt. Aus der Erde werden vom Herrn, dem Schöpfer, unausgesetzt Formen der Nutzwirkung in ihrer Ordnung bis zum Menschen hinauf emporgebildet, dessen Körper ja auch daher stammt. Hernach wird der Mensch durch Aufnahme der Liebe und Weisheit vom Herrn emporgehoben. Alle Mittel sind vorgesehen, damit der Mensch Liebe und Weisheit in sich aufnehmen kann, ja er ist auch so geschaffen, daß er sie aufnehmen kann, wenn er nur will.

Aufgrund dieser Darlegungen kann man — wenn auch zunächst nur ganz allgemein — ersehen, daß der Endzweck der Schöpfung sein Dasein im Letzten hat und darin besteht, daß alles Geschaffene zum Schöpfer zurückkehren und eine Verbindung sein kann.

*172. Die Tatsache, daß Endzweck, Ursache und Wirkung, diese Drei, in allem Erschaffenen sind, läßt sich auch daraus ersehen, daß alle Wirkungen oder 'letzten Zwecke' in kontinuierlicher Reihenfolge vom Ersten, d.h. vom Herrn und Schöpfer an, wiederum zu ersten Zwecken werden bis hin zum letzten, der die Verbindung des Menschen mit Ihm ist.

Daß alle letzten Zwecke von neuem zu ersten Zwecken werden, ist offenkundig, gibt es doch nichts derart Träges und Totes, das keinerlei Wirkendes in sich trüge. Selbst aus dem Sand dunstet noch etwas aus, das etwas hervorzubringen, also etwas zu bewirken hilft.



*



Teil 3 - DIE GRADE



In der geistigen Welt gibt es wie in der natürlichen Atmosphären, Gewässer und Länder; Sie sind jedoch nicht natürlich, sondern geistig.

*173. Im Vorhergehenden sowie im Werk 'Himmel und Hölle’ wurde gezeigt, daß die geistige und die natürliche Welt zwar einander ähneln, jedoch mit dem Unterschied, daß in der geistigen Welt alles und jedes geistig, in der natürlichen natürlich ist. Infolge dieser Ähnlichkeit gibt es auch in beiden Welten Atmosphären, Gewässer und Länder. Diese sind das Gemeinsame, durch die und aus denen alles und jedes in unendlicher Mannigfaltigkeit sein Dasein hat.

*174. Was nun die Atmosphären, die Äther- oder Luftschichten, angeht, so ähneln sie einander in beiden Welten, freilich mit dem Unterschied, daß sie in der geistigen Welt geistig, in der natürlichen hingegen natürlich sind.

Jene sind geistig, weil sie ihr Dasein einer Sonne verdanken, die das Erste ist, das aus der göttlichen Liebe und Weisheit des Herrn hervorgeht. Von Ihm her nehmen sie göttliches Feuer, also Liebe, und göttliches Licht, also Weisheit, in sich auf und leiten beides zu den Himmeln mit ihren Engeln hinab. So bewirken sie dort eine Gegenwart jener Sonne im Größten und Kleinsten.

Die geistigen Atmosphären sind deutlich unterschiedene Substanzen bzw. kleinste Formen, die aus der Sonne hervorgehen. Da sie einzeln die Sonne in sich aufnehmen, wird das Feuer der Sonne schließlich — in so viele Substanzen oder Formen aufgeteilt und darin gleichsam eingehüllt und gemäßigt zu einer Wärme, die der Liebe der Engel im Himmel und der Geister unter dem Himmel angemessen ist. Dasselbe gilt für das Licht der Sonne.

Die natürlichen Atmosphären ähneln den geistigen insofern, als auch sie deutlich unterschiedene Substanzen und kleinste Formen sind, die der Sonne der natürlichen Welt entspringen und gleichsam einzeln die Sonne in sich aufnehmen, ihr Feuer in sich bergen, es mäßigen und als Wärme zu einem von Menschen bewohnten Erdkörper herableiten. Dasselbe gilt für das Licht.

*175. Der Unterschied zwischen den geistigen und den natürlichen Atmosphären besteht darin, daß erstere Aufnahmegefäße des göttlichen Feuers und Lichts, also der Liebe und Weisheit sind, da sie diese inwendig in sich enthalten, letztere hingegen nicht Aufnahmegefäße des göttlichen Feuers und Lichts, sondern des Feuers und Lichts ihrer Sonne. Und diese sind, wie oben gezeigt wurde, an sich tot und haben inwendig nichts von der Sonne der geistigen Welt, obgleich sie von den dieser Sonne entstammenden geistigen Atmosphären umhüllt sind.

Diese Erkenntnisse über den Unterschied zwischen den geistigen und natürlichen Atmosphären entstammen der Weisheit der Engel.

*176. Die Tatsache, daß es in der geistigen Welt ebenso Atmosphären gibt wie in der natürlichen, läßt sich daraus ersehen, daß die Engel und Geister ebenso atmen, ebenso sprechen und auch hören, wie die Menschen in der natürlichen Welt. Das Atmen aber, ebenso wie das Sprechen und Hören geschieht durch die unterste Atmosphäre, d.h. die Luft. Ferner kann man es daran erkennen, daß die Engel und Geister ebenso sehen wie die Menschen in der natürlichen Welt. Das Sehen ist aber nur möglich mittels einer Atmosphäre, die reiner ist als die Luft. Des weiteren läßt es sich daraus entnehmen, daß Engel und Geister in ähnlicher Weise denken und angeregt werden, wie die Menschen der natürlichen Welt. Denken und Angeregtwerden ist aber nur mittels noch reinerer Atmosphären möglich. Und endlich kann man die Tatsache, daß es in der geistigen Welt ebenso wie in der natürlichen Atmosphären gibt, daran ersehen, daß alle äußeren und inneren Teile des Leibes der Engel und Geister im Zusammenhang gehalten werden, die äußeren durch die luftigen Atmosphären, die inneren durch die ätherischen Atmosphären. Es ist offenkundig, daß ohne den allseitigen Druck und die Wirkung dieser Atmosphären die inneren und äußeren Formen des Leibes zergehen würden.

Da die Engel geistig sind und ihre Leiber im Ganzen wie im Einzelnen durch Atmosphären in Zusammenhang, Gestalt und Ordnung gehalten werden, so folgt, daß diese Atmosphären geistiger Art sind. Und zwar sind sie das, weil sie aus der geistigen Sonne entstehen, dem ersten aus der göttlichen Liebe und Weisheit Hervorgehenden.

*177. Oben wurde gesagt und in 'Himmel und Hölle' näher ausgeführt, daß es in der geistigen Welt ebenso Gewässer und Länder gibt, wie in der natürlichen, nur mit dem Unterschied, daß sie geistig sind. Weil sie das sind, werden sie bewegt und verändert durch Wärme und Licht der geistigen Sonne, und zwar mittels deren Atmosphären, ganz wie die Gewässer und Länder in der natürlichen Welt durch Wärme und Licht ihrer Sonne mittels deren Atmosphären bewegt und verändert werden.

*178. Es werden hier Atmosphären, Gewässer und Länder genannt, weil diese drei das Gemeinsame sind, durch das und aus dem alles und jedes in unendlicher Mannigfaltigkeit besteht. Die Atmosphären sind aktive, die Wasser vermittelnde und die Erden passive Kräfte, aus denen alle Wirkungen ihr Dasein haben. Die Stufenfolge dieser drei Kräfte beruht auf dem Leben, das vom Herrn als der Sonne hervorgeht und bewirkt, daß sie tätig sind.

*179. Es gibt Grade der Liebe und Weisheit und daher auch Grade der Wärme und des Lichts und Grade der Atmosphären. Wenn man nicht weiß, daß es Grade gibt, was sie sind und welche Beschaffenheit sie haben, so kann man auch das Folgende nicht verstehen. Denn in allen geschaffenen Dingen, mithin in jeder Form, gibt es Grade. Deshalb soll in diesem Teil der 'Engelweisheit' von ihnen die Rede sein.

Das Vorhandensein von Graden der Liebe und Weisheit sieht man deutlich an den Engeln der drei Himmel. Die des dritten Himmels übertreffen an Liebe und Weisheit die Engel des zweiten und diese wiederum die des untersten Himmels so sehr, daß sie nicht zusammensein können. Die verschiedenen Grade ihrer Liebe und Weisheit unterscheiden und trennen sie.

Daher können die Engel der unteren Himmel nicht zu denen der oberen Himmel hinansteigen. Wird es ihnen aber gestattet, so sehen sie dieselben nicht, noch irgendetwas von dem, was bei ihnen ist. Der Grund liegt darin, daß deren Liebe und Weisheit einen Grad aufweist, der ihre Wahrnehmung übersteigt. Denn jeder Engel ist identisch mit seiner Liebe und Weisheit, und beide zusammen sind in ihrer Gestaltung Mensch, weil Gott als die Liebe und Weisheit selbst Mensch ist.

Ich durfte mehrmals beobachten, wie Engel des untersten Himmels zu den Engeln des dritten Himmels emporstiegen. Als sie dort angekommen waren, hörte ich, wie sie sich darüber beschwerten, daß sie niemanden sahen, obgleich sie sich doch mitten unter jenen Engeln befanden. Nachher wurden sie belehrt, daß sie sie deshalb nicht sehen könnten, weil ihnen deren Liebe und Weisheit nicht wahrnehmbar sei, und daß Liebe und Weisheit bewirken, daß der Engel als Mensch erscheint.

*180. Das Vorhandensein von Graden der Liebe und Weisheit wird noch deutlicher, wenn man Liebe und Weisheit bei Engeln und Menschen vergleicht. Wie man weiß, ist die Weisheit der Engel im Unterschied zur menschlichen Weisheit unaussprechlich. Im Folgenden wird man sehen, daß sie dem in seiner natürlichen Liebe befangenen Menschen unbegreiflich und unaussprechlich ist, weil die Weisheit der Engel in einem höheren Grade steht.

*181. Wie es Grade der Liebe und Weisheit gibt, so auch Grade der Wärme und des Lichts. Unter Wärme und Licht verstehen wir hier Wärme und Licht geistiger Art, wie sie die himmlischen Engel, aber auch die Menschen im Inwendigen ihres Gemüts haben (denn die Menschen haben eine ähnliche Wärme der Liebe und ein ähnliches Licht der Weisheit wie die Engel).

In den Himmeln ist es folgendermaßen: Art und Umfang der Liebe bestimmen die Wärme der Engel, Art und Umfang der Weisheit ihr Licht. Das beruht, wie schon gezeigt wurde, darauf, daß die Liebe in der Wärme und die Weisheit im Licht bei ihnen ist.

Ebenso ist es bei den irdischen Menschen, jedoch mit dem Unterschied, daß die Engel anders als die Menschen jene Wärme empfinden und jenes Licht sehen. Die Menschen sind nämlich in natürlicher Wärme und natürlichem Licht, und solange das der Fall ist, empfinden sie die geistige Wärme nur mittelbar als angenehmes Gefühl der Liebe, und auch das geistige Licht sehen sie nur mittelbar, wenn sie etwas Wahres wahrnehmen.

Da nun der Mensch, solange er in natürlicher Wärme und natürlichem Licht ist, nichts von der geistigen Wärme und vom geistigen Licht bei sich weiß — und man kann auch davon nichts wissen, außer durch Erfahrung aus der geistigen Welt, soll hier vor allem von der Wärme und vom Licht, in dem die Engel und ihre Himmel sind, die Rede sein. Nur so kann dieser Gegenstand anschaulich dargestellt werden.

*182. Die Grade der geistigen Wärme lassen sich nicht aus der Erfahrung beschreiben, weil die Liebe, der diese geistige Wärme entspricht, weniger in die Denkvorstellungen fällt.

Wohl aber können die Grade des geistigen Lichts beschrieben werden, weil das Licht als Gegenstand des Denkens sehr wohl vorstellbar ist. Aus den Graden des Lichts kann man immerhin auf die Grade der geistigen Wärme schließen, da sie Hand in Hand gehen (sunt enim in parili gradu).

Was nun das geistige Licht betrifft, in dem die Engel sind, so durfte ich es mit meinen eigenen Augen schauen. Bei den Engeln der oberen Himmel ist es derart glänzend weiß, daß es sich nicht beschreiben läßt, selbst nicht durch die Weiße des Schnees; wiederum ist es aber auch von einem so goldigen Glanz (tam rutilans), daß man es nicht einmal mit dem Glanz der irdischen Sonne vergleichen kann. Mit einem Wort: Jenes Licht übertrifft das Licht des Mittags auf Erden tausendmal. Hingegen läßt sich das Licht bei den Engeln der unteren Himmel einigermaßen durch Vergleiche beschreiben. Doch übertrifft es immer noch das stärkste Licht unserer Welt.

Das Licht der Engel in den oberen Himmeln kann aber deshalb nicht beschrieben werden, weil es eins ausmacht mit ihrer Weisheit, die gegenüber der Weisheit des Menschen unaussprechlich ist.

Aus diesen wenigen Andeutungen geht hervor, daß es Grade des Lichts gibt, und weil Weisheit und Liebe Hand in Hand gehen, auch ähnliche Grade der Wärme.

*183. Da die Atmosphären Aufnahmegefäße und Behälter von Wärme und Licht sind, so ergeben sich ebensoviele Grade der Atmosphären wie Grade der Wärme und des Lichts sowie Grade der Liebe und Weisheit.

Durch häufige Erfahrung in der geistigen Welt ist mir klar geworden, daß es mehrere Atmosphären gibt, die unter sich in Grade abgeteilt sind. Ich sah es besonders daran, daß die Engel der unteren Himmel nicht in der Region der oberen Engel atmen können, ja mit dem Tode zu ringen scheinen; wie jene Geschöpfe, die aus der Luft in den Äther oder aus dem Wasser in die Luft erhoben werden. Tatsächlich erscheinen auch die Geister unterhalb der Himmel wie in Nebeldunst gehüllt. Oben in # 176 kann man nachlesen, daß es mehrere Atmosphären gibt, die durch Grade voneinander abgesondert sind.

Es gibt zweierlei Grade, solche der Höhe und solche der Breite.

*184. Die Kenntnis der Grade ist sozusagen der Schlüssel, der die Ursachen der Dinge erschließt und in sie eindringen läßt. Ohne diese Kenntnis kann man kaum etwas von einer Ursache wissen. Denn ohne sie erscheinen die Objekte und Subjekte in beiden Welten so einfach, als ob an ihnen nur das wäre, was sich dem Auge darstellt, obgleich es sich doch im Vergleich zu dem, was in ihrem Inneren verborgen liegt, wie Eins zu Tausenden, ja Myriaden verhält.

Das nicht offen zutageliegende Inwendige kann ohne Kenntnis der Grade durchaus nicht enthüllt werden; denn das Äußere schreitet durch Grade fort zum Inneren und durch dieses zum Innersten, und zwar nicht durch stetig fortlaufende (continuos), sondern durch getrennte Grade (gradus discretos). Stetig fortlaufend heißen die Grade der Abnahme oder Abschwächung vom Gröberen zum Feineren oder vom Dichteren zum Dünneren bzw. der Zunahme oder des Wachstums vom Feineren zum Gröberen oder vom Dünneren zum Dichteren, ganz wie vom Licht zum Schatten oder von der Wärme zur Kälte.

Etwas ganz anderes sind die gesonderten Grade. Sie sind wie das Frühere, Spätere und Letzte oder auch wie Endzweck, Ursache und Wirkung. Diese Grade heißen 'gesondert', weil das Frühere, Spätere und Letzte je für sich bestehen, obgleich sie doch zusammen ein Ganzes ausmachen.

Es gibt Atmosphären vom Obersten bis herab zum Untersten oder von der Sonne bis zum Erdkörper. Sie heißen Äther oder Luftschichten und sind in Grade der genannten Art abgeteilt. Sie sind wie das Einfache, das aus Einfachem Zusammengesetzte und das wiederum daraus Zusammengesetzte. Alle zusammengenommen sind sie ein wohlgeordnetes Ganzes (compositum).

Dies sind die getrennten Grade, weil sie abgeteilt für sich bestehen. Sie sind unter den Höhengraden zu verstehen.

Die anderen sind stetig fortlaufende Grade, weil sie in stetiger Weise zunehmen. Sie werden als Grade der Breite bezeichnet.

*185. Alles und jedes, was in der geistigen und in der natürlichen Welt existiert, besteht sowohl aufgrund von gesonderten als auch stetig fortlaufenden Graden bzw. aufgrund von Höhen- und Breitengraden. Die Dimension, die aus gesonderten Graden besteht, heißt Höhe, die Dimension, die aus stetig fortlaufenden Graden besteht, wird als Breite bezeichnet. Ihre jeweilige Lage inbezug auf die Sicht des Auges verändert ihre Benennung nicht.

Ohne Kenntnis dieser Grade kann man weder etwas wissen von der Verschiedenheit der drei Himmel noch vom Unterschied zwischen der Liebe und Weisheit ihrer Bewohner, der Engel, auch nicht von dem zwischen der Wärme und dem Licht, worin sie sich befinden, noch auch vom Unterschied zwischen den verschiedenen Atmosphären, die sie umgeben und zusammenhalten.

Ferner kann man ohne Kenntnis dieser Grade nichts wissen von jenen unterschiedlichen innerlicheren Fähigkeiten, die im Gemüt der Menschen schlummern, und so auch nichts von ihrem Zustand im Hinblick auf Umbildung und Wiedergeburt. Dasselbe gilt für die unterschiedlichen äußeren Fähigkeiten des Leibes der Engel wie der Menschen, besonders aber auch für den Unterschied zwischen dem Geistigen und Natürlichen, folglich auch für die Entsprechung, ja selbst für den Unterschied zwischen den vollkommeneren und den unvollkommeneren Tieren, sowie zwischen den Formen des Pflanzen- und des Mineralreichs.

Damit ist klar, daß kein einigermaßen zutreffendes Urteil über die Ursachen fallen kann, wer keine Kenntnis dieser Grade hat. Er sieht bloß die Wirkungen, nach denen er die Ursachen beurteilt, was meist durch Ableitung aus den fortlaufenden Wirkungen geschieht, obgleich doch die Ursachen keine Wirkungen in stetig fortlaufender, sondern nur in getrennter Weise hervorbringen. Denn die Ursache ist etwas anderes als die Wirkung. Sie sind so verschieden wie das Frühere und das Spätere oder wie das Bildende und das Gebildete.

*186. Um noch besser verständlich zu machen, was die gesonderten Grade sind und wo der Unterschied zwischen ihrer Beschaffenheit und der der stetig fortlaufenden Grade liegt, diene der Engelshimmel als Beispiel:

Es gibt drei Himmel, die durch Grade der Höhe voneinander geschieden sind. So ist ein Himmel unterhalb des anderen. Sie haben auch untereinander keine Gemeinschaft, außer durch den Einfluß vom Herrn, welcher der Ordnung nach durch die Himmel hindurchdringt, bis hinab zum untersten, nicht aber umgekehrt.

Die einzelnen Himmel sind jedoch nicht durch Hohen-, sondern durch Breitengrade unterteilt Die im Zentrum Wohnenden stehen im vollen Licht der Weisheit, im Umkreis bis an die Grenzen ist man mehr und mehr in deren Schatten. So nimmt die Weisheit ab bis zur Unwissenheit, geradeso wie das Licht abnimmt bis zum Schatten, und dies in stetiger Weise.

Ähnlich ist es auch beim Menschen. Das Inwendige seines Gemüts ist in ebenso viele Grade abgeteilt wie die Engelshimmel, und zwar immer ein Grad über dem anderen. So ist also das Inwendige der Menschen, das ihrem Gemüt angehört, in gesonderte oder Höhengrade unterteilt. Darum kann der Mensch je nach dem Grade seiner Weisheit im untersten, im höheren oder höchsten Grad sein. Darauf beruht ferner, daß der höhere Grad bei ihm verschlossen ist, solange er nur im untersten verweilt, daß er aber in dem Maße aufgeschlossen wird, wie er vom Herrn her Weisheit in sich aufnimmt.

Beim Menschen sind auch ebenso wie im Himmel stetig fortlaufende oder Breitengrade. Der Grund, weshalb der Mensch dem Himmel ähnlich ist, beruht darauf, daß er — soweit er in der Liebe und Weisheit des Herrn ist — dem Inwendigen seines Gemüts nach ein Himmel in kleinster Form ist. Mehr darüber in 'Himmel und Hölle' # 51-58.

*187. Aus diesen wenigen Andeutungen ergibt sich, daß wer nichts von den gesonderten oder Höhengraden weiß, auch nichts vom Zustand des Menschen hinsichtlich seiner Umbildung und Wiedergeburt wissen kann, welche durch die Aufnahme der Liebe und Weisheit vom Herrn und so durch eine ordnungsgemäße Aufschließung der Grade des Inwendigen seines Gemüts geschieht. Ein solcher Mensch kann daher auch nichts von einem Einfluß aus dem Herrn durch die Himmel hindurch, noch etwas von der Ordnung wissen, in die er hineingeschaffen ist. Wer sich dies nicht nach gesonderten oder Höhengraden denkt, sondern nach stetig fortlaufenden oder Breitengraden, kann davon nichts sehen, es sei denn aufgrund der Wirkungen, nicht aber aufgrund der Ursachen. Nur infolge der Wirkungen sehen, heißt sich Tauschungen hingeben, aus denen dann ein Irrtum nach dem anderen entsteht. Diese Irrtümer können sich durch Ableitungen so vervielfältigen, daß zuletzt ungeheure Falschheiten für Wahrheiten gehalten werden.

*188. Ich weiß nicht, ob bisher etwas von den gesonderten oder Höhengraden bekannt war. Man wußte wohl bloß etwas von den stetig fortlaufenden oder Breitengraden, und doch kann ohne eine Kenntnis der beiden Arten von Graden nichts über die wahre Natur der Ursachen ausgemacht werden Daher soll davon in diesem ganzen Teil gehandelt werden, ist es doch der Zweck dieses Werkes, die Ursachen aufzudecken und von ihnen aus die Wirkungen zu sehen, um so die Finsternis zu zerstreuen, in welcher sich der Mensch der Kirche hinsichtlich Gottes und des Herrn, ja überhaupt hinsichtlich des Göttlichen, d.h. des Geistigen, befindet.

Ich kann berichten, daß die Engel über die auf Erden herrschende Finsternis betrübt sind. Sie sagen, kaum irgendwo sahen sie Licht. Die Menschen rafften Trugwahrheiten zusammen, die sie begründen, und so häuften sie Falschheiten auf Falschheiten. Weil sie aus Falschem und aus verfälschtem Wahren Schlüsse zogen, um diese Trugwahrheiten zu begründen, spürten sie Dinge auf, die sich wegen der herrschenden Finsternis inbezug auf die Ursachen und Wahrheiten nicht zerstreuen lassen.

Am meisten aber klagen sie über die Argumente, die zur Begründung für den von der tätigen Liebe getrennten Glauben und die dadurch bewirkte Rechtfertigung vorgebracht werden. Ferner klagten sie aber auch über die Vorstellungen von Gott, den Engeln und Geistern und über die Unkenntnis der Menschen hinsichtlich dessen, was Liebe und Weisheit ist.

Die Grade der Höhe sind in sich gleichartig, und einer folgt der Reihe nach aus dem anderen, wie Endzweck, Ursache und Wirkung.

*189. Die Grade der Breite, also die stetig fortlaufenden, verhalten sich wie die Grade des Lichts bis hin zum Schatten, der Wärme bis zur Kälte, des Harten bis zum Weichen, des Dichten bis zum Dünnen, des Groben bis zum Feinen, usw. Diese Grade sind aufgrund der sinnlichen Erfahrung und des Augenscheins bekannt. Dasselbe gilt aber nicht für die Höhen- oder gesonderten Grade, weshalb in diesem Teil vor allem von ihnen zu handeln ist. Denn ohne ihre Kenntnis ist eine Einsicht in die Ursachen unmöglich.

Nun ist zwar bekannt, daß Endzweck, Ursache und Wirkung wie Früheres, Späteres und Letztes der Ordnung nach aufeinander folgen, ferner daß der Endzweck die Ursache und durch diese die Wirkung hervorbringt, damit er ins Dasein treten kann, wie auch mehreres andere. Allein wenn man das weiß, es sich jedoch nicht durch Anwendung auf Bestehendes zur Anschauung bringt, bleibt es ein abstraktes Wissen, das nur solange haftet, wie man in Gedanken etwas Analytisches aus der Metaphysik erwägt.

Daher kommt es, daß in der Welt wenig oder nichts von diesen Graden bekannt ist, obgleich sich doch Endzweck, Ursache und Wirkung durch getrennte Grade hindurchziehen. Die bloß abstrakte Erkenntnis gleicht der Luft, die sich verflüchtigt. Wendet man aber das Abstrakte auf Dinge an, die in der Welt existieren, so wird es zu etwas, das man mit eigenen Augen auf Erden beobachtet hat und das im Gedächtnis haftet.

*190. Alles in der Welt Existierende, dem drei Dimensionen eignen, also alles Zusammengesetzte, besteht aus Höhen- oder gesonderten Graden. Beispiele sollen das verdeutlichen:

Der Augenschein lehrt, daß jeder Muskel des menschlichen Körpers aus kleinsten Fibern besteht, die bündelweise zusammengesetzt größere Fibern bilden, die sogenannten Bewegungsfibern, und daß wiederum das daraus Zusammengesetzte zu dem wird, was man als Muskel bezeichnet. Auf ganz ähnliche Weise verhält es sich mit den Nerven, bei denen sich aus winzig kleinen Fasern die größeren zusammenschichten, die wie Faden erscheinen, aus deren Aneinanderreihung sich schließlich der Nerv zusammensetzt.

Ähnlich liegt der Fall bei den übrigen zusammengeschichteten, -gebündelten und -gereihten Dingen, aus denen die Organe und Eingeweide bestehen. Diese sind nämlich aus Fibern und Gefäßen zusammengesetzt, die durch ähnliche Grade hindurch auf mannigfache Weise zusammengebildet sind. Auch bei allen Dingen des Pflanzen- und Mineralreichs verhält es sich ähnlich. So finden sich in den Hölzern Zusammenschichtungen von Faden in dreifacher Ordnung. In Metallen und Steinen finden sich Zusammenballungen von Teilen ebenfalls in dreifacher Ordnung.

So zeigt die Beschaffenheit der gesonderten Grade, daß eins aus dem anderen und durch das andere zu einem dritten wird, also ein Zusammengesetztes, und daß ein jeder Grad vom anderen gesondert ist.

*191. Daraus kann man auf das schließen, was nicht vor Augen erscheint, das sich jedoch in gleicher Weise verhält. So z.B. auf jene organischen Substanzen, die als Aufnahmegefäße und Wohnstätten der Gedanken und Triebe in den Gehirnen dienen, oder auf die Atmosphären, auf Wärme und Licht, auf Liebe und Weisheit. Die Atmosphären sind nämlich Aufnahmegefäße von Wärme und Licht, und diese wiederum Aufnahmegefäße der Liebe und Weisheit. Gibt es daher Grade der Atmosphären, so gibt es auch ähnliche Grade der Wärme und des Lichts wie auch der Liebe und Weisheit. Denn mit diesen verhält es sich nicht anders als mit jenen.

*192. Aus dem eben Gesagten ergibt sich, daß diese Grade gleichartig sind, das heißt, dasselbe Grundwesen und dieselbe Natur haben. Die Bewegungsfibern der Muskeln sind, von den kleinsten bis zu den größten, gleichartig. Dasselbe gilt für die Nervenfasern, die Holzfasern, die Stein- und Metallteile jeder Gattung. Die organischen Substanzen, d.h. die Aufnahmegefäße und Wohnstätten der Gedanken und Triebe, sind von den allereinfachsten bis hin zu ihrem gemeinsamen Ganzen, dem Gehirn — gleichartig. Die Atmosphären vom reinen Äther bis herab zur Luft sind gleichartig. Die Grade der Wärme und des Lichts in ihrer Reihenfolge nach den Graden der Atmosphären sind gleichartig, folglich auch die Grade der Liebe und Weisheit. Was jedoch nicht dasselbe Grundwesen und dieselbe Natur aufweist, ist ungleichartig und stimmt mit dem Gleichartigen nicht zusammen, kann folglich auch nicht zusammen mit diesem gesonderte Grade bilden, sondern bloß mit dem Seinigen, das dasselbe Grundwesen und dieselbe Natur aufweist und mit dem es gleichartig ist.

*193. Offenkundig verhalten sich diese Dinge in ihrer Ordnung wie Endzwecke, Ursachen und Wirkungen. Das erste nämlich, welches das kleinste ist, schafft sich seine Ursache durch ein Mittleres und seine Wirkung durch das Letzte.

*194. Man muß wissen, daß sich jeder Grad vom anderen mittels seiner eigenen Hülle unterscheidet, ebenso alle Grade zusammen mittels ihrer gemeinsamen Umhüllung, und daß diese gemeinsame Umhüllung in Verbindung steht mit dem Inwendigen und Innersten in seiner Ordnung. Infolgedessen findet eine Verbindung und ein einhelliges Wirken aller statt.

Der erste Grad ist Summe und Substanz der folgenden Grade.

*195. Der Grund liegt darin, daß die Grade jedes Gegenstands und jeder Sache gleichartig sind, und sie sind es, weil sie vom ersten Grad hervorgebracht und so gebildet sind, daß das Erste ein Zweites hervorbringt, indem es sich bündelweise zusammenballte, mit einem Wort zusammensetzt. Und daraus bringt es wiederum ein Drittes hervor. Ein jedes unterscheidet sich vom anderen durch eine Hülle, die es um sich herumlegt. Dies zeigte, daß der erste Grad das Wichtigste und das allein Herrschende in den folgenden ist, daß er mithin deren Summe und Substanz darstellt.

*196. Wir haben festgestellt, daß sich die Grade auf diese Weise untereinander verhalten. Darunter ist jedoch zu verstehen, daß dies die Art der Substanzen in ihrem jeweiligen Grad ist. Wer von den Graden spricht, drückt etwas Abstraktes aus, das so allgemein ist, daß es sich auf jeden Gegenstand und jedes Ding anwenden läßt, das in solchen Graden ist.

*197. Die Anwendung laßt sich auf alles ausdehnen, was wir im vorhergehenden Abschnitt aufgeführt haben: Auf Muskeln, Nerven, die materiellen Substanzen und Teile des Pflanzen- und Mineralreichs, auf die organischen Stoffe als Trägern der Gedanken und Triebe im Menschen, auf die Atmosphären, auf Wärme und Licht, auf Liebe und Weisheit. In allen beherrscht allein das Erste das ihm Folgende, ja, es ist in ihm das einzige, und somit ist es auch alles in ihm. Wir können dies aus der bekannten Tatsache ersehen, daß der Endzweck vollständig die Ursache bestimmt und durch diese ebenso auch die Wirkung. Deshalb heißen Endzweck, Ursache und Wirkung auch der erste, mittlere und letzte Zweck. Ferner ist es auch daraus ersichtlich, daß die Ursache der Ursache auch die Ursache des Verursachten ist und in den Ursachen außer dem Endzweck nichts Wesentliches ist. Ebenso ist in der Bewegung nichts Wesentliches als das Streben (conatus), und schließlich sehen wir es auch daran, daß es nur eine einzige Substanz gibt, die als Substanz an sich bezeichnet werden kann.

*198. All dies zeigt deutlich, daß es das Göttliche ist — die Substanz an sich bzw. die einzige und alleinige Substanz-, aus dem alles und jedes Erschaffene sein Sein hat, daß also Gott das Ein und Alles im Weltall ist, wie schon im ersten Teil dargelegt wurde: Die göttliche Liebe und Weisheit ist Substanz und Form (# 40-43). Die göttliche Liebe und Weisheit ist Substanz und Form an sich, folglich das Selbst und das Einzige (# 44-46). Alles im Weltall ist von der göttlichen Liebe und Weisheit geschaffen worden (# 54-60). Infolgedessen ist das erschaffene Weltall Sein Bild (# 61-65). Der Herr allein ist der Himmel, in dem die Engel sind (# 113-118).

Alle Vollkommenheiten wachsen und steigen empor mit und gemäß den Graden.

*199. Oben in # 184 bis 188 wurde gezeigt, daß es zwei Arten von Graden gibt, nämlich solche der Breite und solche der Höhe. Erstere sind wie die Grade des bis zum Schatten abnehmenden Lichts oder wie die Grade der allmählich in Unwissenheit übergehenden Weisheit. Die Höhengrade hingegen verhalten sich wie Endzweck, Ursache und Wirkung oder wie Früheres, Späteres und Letztes. Von diesen Graden heißt es, daß sie auf- oder niedersteigen, eben weil sie Höhengrade sind. Von den anderen aber sagt man, daß sie zu- oder abnehmen, weil sie Breitengrade sind. Beide Arten von Graden sind derart verschieden, daß sie nichts miteinander gemein haben. Sie sind daher wohl zu unterscheiden und dürfen keineswegs verwechselt werden.

*200. Alle Vollkommenheiten wachsen und steigen deshalb mit und entsprechend den Graden empor, weil alle Aussagen (praedicata) ihren Gegenständen (subjecta) folgen; Vollkommenheit bzw. Unvollkommenheit aber stellen allgemeine Aussagen über das Leben, die Kräfte und Formen dar.

Die Vollkommenheit des Lebens ist eine solche der Liebe und Weisheit, und weil Wille und Verstand deren Aufnahmegefäße sind, so ist die Vollkommenheit des Lebens auch eine Vollkommenheit des Willens und des Verstandes, somit der Neigungen und Gedanken. Da nun die geistige Wärme ein Behälter der Liebe und das geistige Licht ein Behälter der Weisheit ist, kann die Aussage über deren Vollkommenheit auch als eine Aussage über die Vollkommenheit des Lebens gelten.

Die Vollkommenheit der Kräfte ist eine Vollkommenheit all dessen, was durch's Leben in Tätigkeit und Bewegung gesetzt wird, ohne daß jedoch Leben darin wäre. Solche Kräfte sind die Atmosphären, weil sie in Tätigkeit versetzt werden können, ferner die inneren und äußeren organischen Substanzen bei Menschen und Tieren aller Art. Und solche Kräfte sind schließlich alle Dinge in der natürlichen Welt, die von der natürlichen Sonne mittelbar und unmittelbar in Tätigkeit gesetzt werden.

Die Vollkommenheit der Formen und die Vollkommenheit der Kräfte sind ein und dasselbe, denn wie die Kräfte, so sind die Formen — mit dem einzigen Unterschied, daß die Formen Substanzen sind, die Kräfte aber deren Tätigkeiten. Deshalb sind die Grade der Vollkommenheit bei beiden gleich. Formen, die nicht zugleich Kräfte sind, sind ebenfalls je nach ihrem Grad vollkommen.

*201. Es soll hier nicht die Rede sein von den Vollkommenheiten des Lebens, der Kräfte und Formen, die nach Breiten- oder stetigen Graden wachsen oder abnehmen, da sie in der Welt hinlänglich bekannt sind. Vielmehr soll nur die Rede sein von den Vollkommenheiten des Lebens, der Kräfte und der Formen, die nach Höhen- oder gesonderten Graden auf oder niedersteigen. Denn diese Grade kennt man in der Welt nicht. In welcher Art und Weise die Vollkommenheiten diesen Graden gemäß steigen und fallen, läßt sich aber nur schwer an den sichtbaren Gegenständen in der natürlichen Welt erkennen, deutlich hingegen an den sichtbaren Gegenständen in der geistigen Welt.

An den sichtbaren Gegenständen der natürlichen Welt läßt sich nur entdecken, daß uns in ihnen umso Wunderbareres entgegentritt, je innerlicher wir sie betrachten. Das zeigt sich bei den Augen, Ohren, der Zunge, in den Muskeln, in Herz und Lunge, an Leber und Pankreas, an Nieren und sonstigen Eingeweiden aber auch an den Samen, Früchten und Blüten, sowie an den Metallen, Mineralien und Gesteinen. Je tiefer wir in diese Dinge eindringen, desto Wunderbareres begegnet uns bekanntlich. Und doch ist nur wenig darüber bekannt, daß sie inwendig vollkommener sind nach Höhen- oder gesonderten Graden. Die Unkenntnis dieser Grade hat die Augen dafür verschlossen.

Nun stellen sich aber ebendiese Grade in der geistigen Welt deutlich heraus, weil diese Welt durchgehend vom obersten bis zum untersten auf unterscheidbare Weise gesondert ist. Daher läßt sich die Kenntnis dieser Grade aus ihr schöpfen, und aus ihnen kann man dann auf die Vollkommenheiten der Kräfte und Formen schließen, die in der natürlichen Welt in einem ähnlichen Grad sind.

*202. Es gibt in der geistigen Welt drei Himmel, nach Höhengraden geordnet. Die Engel im obersten Himmel sind an Vollkommenheit denen im mittleren Himmel weit voraus, und diese wiederum sind es im Vergleich zu den Engeln des untersten Himmels. Die Grade der Vollkommenheit sind von einer Art, daß die Engel des untersten Himmels nicht einmal bis zur ersten Schwelle der Vollkommenheit der Engel des mittleren Himmels emporsteigen können, diese aber auch nicht bis zur ersten Schwelle der Vollkommenheit der Engel des obersten Himmels. Das mag unglaublich erscheinen, ist aber dennoch wahr. Der Grund liegt darin, daß sie nicht nach stetigen, sondern nach getrennten Graden zusammengesellt sind. Durch Erfahrung durfte ich erkennen, daß zwischen den Engeln der oberen und der unteren Himmel ein solcher Unterschied der Neigungen und Gedanken, folglich auch der Redeweise besteht, daß sie nichts miteinander gemein haben und Kommunikation zwischen ihnen nur besteht aufgrund eines unmittelbaren Einflusses des Herrn in alle Himmel und eines mittelbaren Einflusses durch den obersten Himmel in den untersten.

Diese Unterschiede lassen sich, weil sie von solcher Art sind, nicht in natürlicher Sprache ausdrücken, also nicht beschreiben. Die Gedanken der Engel fallen nämlich, weil sie geistig sind, nicht in natürliche Vorstellungen. Sie lassen sich nur von ihnen selbst durch ihre eigenen Sprachen, Wörter und Schriften ausdrücken und beschreiben, nicht durch menschliche. Darum heißt es, Unaussprechliches sei in den Himmeln gehört und gesehen worden (2. Kor 12/4). Diese Unterschiede lassen sich einigermaßen erfassen, wenn man bedenkt, daß die Gedanken der Engel des obersten oder dritten Himmels Gedanken an Endzwecke sind, die Gedanken der Engel des mittleren oder zweiten Himmels solche an Ursachen und die Gedanken der Engel des untersten oder ersten Himmels Gedanken an Wirkungen. Man muß wissen, daß es etwas ganz anderes ist, von den Endzwecken aus zu denken als über die Endzwecke, von den Ursachen aus zu denken als über sie und von den Wirkungen aus zu denken als über sie. Die Engel der unteren Himmel denken über die Ursachen und Endzwecke, die Engel der oberen Himmel aber von den Ursachen und Endzwecken her. Aus diesen zu denken, ist Sache höherer, über sie zu denken, Sache niederer Weisheit. Das Denken von den Endzwecken her ist Sache der Weisheit, das Denken von den Ursachen her ist eine Angelegenheit der Einsicht, und das Denken von den Wirkungen her ist Sache des Wissens. Damit ist deutlich, daß alle Vollkommenheit mit den Graden und ihnen gemäß aufsteigt und abfällt.

*203. Die inwendigeren Bereiche des Menschen, die zu seinem Willen und Verstand gehören, sind hinsichtlich der Grade den Himmeln ähnlich. Der Mensch ist ja dem Inneren seines Gemüts nach ein Himmel in kleinster Gestalt. Daher gleichen sich auch ihre Vollkommenheiten, obwohl diese keinem Menschen erscheinen, solange er in der Welt lebt. So lange nämlich ist er im untersten Grad, von dem aus die höheren Grade nicht erkannt werden können. Nach dem Tode aber kann sie der Mensch erkennen, weil er dann in den seiner Liebe und Weisheit entsprechenden Grad gelangt. Er wird nun zu einem Engel und denkt und spricht Dinge, die für seinen natürlichen Menschen unaussprechlich sind. Sein Gemüt wird dann allseitig erhoben, und zwar nicht im einfachen Verhältnis der Breitengrade, sondern im dreifachen Verhältnis der Höhengrade. In diese Grade aber steigen nur Menschen auf und werden erhoben, die in der Welt das Wahre geliebt und aufs Leben angewandt hatten.

*204. Dem Anschein nach ist das Frühere weniger vollkommen als das Spätere und das Einfache weniger als das Zusammengesetzte. Und doch ist das Frühere, aus dem das Spätere sein Sein bezieht, bzw. das Einfache, aus dem das Zusammengesetzte geworden ist, das Vollkommenere. Der Grund dafür ist, daß das Frühere oder Einfachere unbekleideter (sunt nudiora = nackter) d.h. weniger mit leblosen Substanzen und Materiellem umhüllt ist. Es ist wie das Göttlichere, weshalb es auch der geistigen Sonne, in der sich der Herr verbirgt, näher ist. Die Vollkommenheit selbst ist im Herrn und von Ihm her in der Sonne, die als Erstes aus seiner Liebe und Weisheit hervorgeht und von hier aus im jeweils Folgenden, der Reihe nach bis herab zum Untersten ist, das mit dem wachsenden Abstand unvollkommener wird. Wäre im Früheren und Einfachen nicht eine derart überschwengliche Vollkommenheit, weder der Mensch noch irgendein Tier könnte aus dem Samen entstehen und hernach bestehen. Auch die Samen von Bäumen und Sträuchern könnten nicht in Vegetation und Befruchtung übergehen. Je früher das Frühere ist und je einfacher das Einfache, desto mehr ist es vor Beschädigung bewahrt, weil es umso vollkommener ist.

In der aufeinanderfolgenden Ordnung bildet der erste Grad das Oberste und der dritte das Unterste; in der gleichzeitigen Ordnung hingegen bildet der erste Grad das Innerste, der dritte das Äußerste.

*205. Es gibt eine aufeinanderfolgende und eine gleichzeitige Ordnung der Grade; erstere ist die vom Obersten bis zum Untersten oder vom Höchsten bis zum Niedersten. In dieser Ordnung stehen die Engelshimmel, bei denen der dritte Grad das Oberste, der zweite das Mittlere und der erste das Unterste ist. Das ist ihre Lage zueinander (was nichts mit dem Raum zu tun hat! d. Ü.). In einer ähnlichen aufeinanderfolgenden Ordnung sind hier die Zustände der Liebe und Weisheit bei den Engeln, sowie auch die der Wärme und des Lichts und der geistigen Atmosphären. Dasselbe gilt für alle Vollkommenheiten der Formen und Kräfte bei ihnen. Da die Höhen- oder gesonderten Grade in aufeinanderfolgender Ordnung stehen, lassen sie sich mit einer Säule vergleichen, die in drei Stufen eingeteilt ist, durch die das Auf- und Niedersteigen vor sich geht und in der das Vollkommenste und Schönste den obersten, das weniger Vollkommene und Schöne den mittleren und das am wenigsten Vollkommene und Schöne den untersten Teil darstellt.

Die gleichzeitige Ordnung hingegen kommt, obgleich sie aus ähnlichen Graden besteht, auf andere Weise zur Erscheinung. In ihr ist das Höchste der aufeinanderfolgenden Ordnung, also — wie gesagt — das Vollkommenste und Schönste, im Innersten, das Untere in der Mitte und das Unterste im Umkreis. Sie sind wie in einer aus den genannten drei Graden bestehenden Grundfläche, in deren Zentrum sich die feinsten, darum herum die weniger feinen und im äußersten Umkreis die daraus zusammengesetzten, somit gröberen Teile befinden.

Es verhält sich damit, wie wenn die oben genannte Säule in den Grund zusammensackte: Ihr Oberstes bildete dann das Innerste, ihr Mittleres die Mitte und ihr Unterstes das Äußerste.

*206. Weil auf diese Weise das Oberste der aufeinanderfolgenden Ordnung zum Innersten der gleichzeitigen Ordnung und das Unterste zum Äußersten wird, bezeichnet das Obere im Wort das Inwendige, das Untere aber das Auswendige. Ähnliches gilt für die Begriffe 'aufwärts' und 'abwärts', 'hoch' und 'tief’.

*207. In allem Letzten finden sich gesonderte Grade in gleichzeitiger Ordnung. Die Bewegungsfibern jedes Muskels, die Fasern jedes Nervs, die Fibern und kleinen Gefäße der Eingeweide und Organe sind in einer derartigen Ordnung. Zu innerst in ihnen ist das Einfachste, also das Vollkommenste, und das Äußerste setzt sich aus diesem zusammen. In jedem Samen und in jeder Frucht, aber auch in jedem Metall und Stein findet sich eine ähnliche Ordnung; ebenso sind ihre Teile, aus denen das Ganze besteht. Das Innerste, Mittlere und Äußerste der Teile besteht in diesen Graden, folgen sie doch aufeinander in Zusammensetzungen, Zusammenschichtungen und Zusammenballungen von jenem Einfachen, das ihre ersten Substanzen oder materiellen Stoffe ausmacht.

*208. Mit einem Wort: Diese Grade finden sich in jedem Letzten, also jeder Wirkung, besteht doch alles Letzte aus Früherem und dieses wiederum aus seinem Ersten. Jede Wirkung besteht, wie oben nachgewiesen wurde, aus einer Ursache, diese aber aus einem Endzweck. Und der Endzweck ist das Ganze in der Ursache, wie die Ursache das Ganze in der Wirkung. Der Endzweck macht die Ursache aus, die Ursache das Mittlere und die Wirkung das Letzte. Man wird im Folgenden sehen, daß es sich in gleicher Weise mit den Graden der Liebe und Weisheit, der Wärme und des Lichts, sowie auch mit den organischen Formen der Triebe und Gedanken beim Menschen verhält. Über die Reihenfolge dieser Grade in aufeinanderfolgender und gleichzeitiger Ordnung handelt auch `Die Lehre des Neuen Jerusalems von der Heiligen Schrift' in # 38 und anderwärts, wo gezeigt wird, daß sich ähnliche Grade auch in allen Einzelheiten des Wortes finden.

Der letzte Grad ist Zusammenfassung, Behälter und Unterlage der vorhergehenden Grade.

*209. Die Lehre von den Graden, die in diesem Teil behandelt wird, wurde durch mancherlei in beiden Welten verdeutlicht: Durch die Grade der Engelshimmel sowie deren Wärme und Licht, durch die Grade der Atmosphären, durch Verschiedenes im menschlichen Körper und im Tier- und Mineralreich. Diese Lehre reicht jedoch noch weit darüber hinaus. Sie erstreckt sich nicht nur auf das Natürliche, sondern auch auf das Bürgerliche, Sittliche und Geistige mit allem, was dazu gehört. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens, in jedem Ding, über das etwas ausgesagt werden kann, steckt dreierlei, Endzweck, Ursache und Wirkung genannt, und diese drei verhalten sich untereinander entsprechend den Höhengraden. Zweitens, alles Bürgerliche, Sittliche und Geistige ist nicht etwas von einer Substanz Abgezogenes, sondern substanzhaft. Denn ebenso wie Liebe und Weisheit keineswegs etwas Abstraktes sind, sondern Substanzen, wie oben # 40-43 dargelegt wurde, so auch alle bürgerlichen, sittlichen und geistigen Dinge. Zwar lassen sie sich abgesehen von ihren Substanzen denken, sind es aber nicht. Das gilt beispielsweise für Triebe und Gedanken, tätige Liebe und Glaube, Wille und Verstand. Mit ihnen verhält es sich ebenso wie mit der Liebe und Weisheit: Außerhalb der Träger (subjecta), also Substanzen, sind sie gar nicht vorhanden. Folglich sind sie Zustände von Trägern oder Substanzen. Man wird im Folgenden sehen, daß sie Veränderungen derselben sind, die einen Wechsel mit sich bringen. Unter der Substanz versteht man zugleich die Form, da es keine Substanz ohne Form gibt.

*210. Weil man sich Wille und Verstand, Neigungen und Gedanken, wie auch Nächstenliebe und Glaube abgesehen von ihren Substanzen oder Trägern denken könnte und gedacht hat, darum ging die richtige Vorstellung davon verloren. Diese aber besteht darin, daß all dies Zustände von Substanzen oder Formen sind, geradeso wie die Empfindungen und Handlungen, die auch keine von den Empfindungs- und Bewegungsorganen abgezogenen Erscheinungen sind. Abstrakt oder getrennt von ihnen sind sie bloß etwas Gedachtes, wie ein Sehen ohne Auge, ein Hören ohne Ohr, ein Schmecken ohne Zunge usw.

*211. Alle bürgerlichen, sittlichen und geistigen Dinge schreiten — ebenso wie die natürlichen — durch Grade voran, nicht nur durch stetig fortlaufende, sondern auch durch gesonderte. Dieser Fortschritt der gesonderten Grade vollzieht sich ebenso wie der der Endzwecke zu den Ursachen und der Ursachen zu den Wirkungen. Darum wollte ich die Tatsache, daß der letzte Grad Zusammenfassung, Behälter und Unterlage der vorhergehenden Grade ist, durch das oben Gesagte beleuchten und begründen, nämlich durch das, was zur Liebe und Weisheit, zu Wille und Verstand, Neigung und Denken sowie auch zur Nächstenliebe und zum Glauben gehört.

*212. Der Fortschritt der Endzwecke und Ursachen zu den Wirkungen zeigt deutlich, daß der letzte Grad Zusammenfassung, Behälter und Unterlage der vorhergehenden Grade ist. Dies kann auch die erleuchtete Vernunft begreifen. Nicht so klar jedoch läßt sich begreifen, daß Endzweck und Ursache mit allem, was zu ihnen gehört, tatsächlich in der Wirkung vorhanden sind und die Wirkung ihre vollständige Zusammenfassung bedeutet. Daß dem so ist, kann man aus dem in diesem Teil Gesagten ersehen, vor allem daraus, daß eins aus dem anderen in dreifacher Reihenfolge hervorgeht und die Wirkung nichts anderes ist als der Endzweck in seinem Letzten. Weil nun das Letzte die Zusammenfassung ist, so ist es auch der Behälter und die Unterlage.

*213. Was Liebe und Weisheit betrifft, so ist die Liebe der Endzweck, die Weisheit die vermittelnde Ursache und die Nutzleistung (usus) die Wirkung. Die Nutzleistung ist auch Zusammenfassung, Behälter und Unterlage von Weisheit und Liebe, und zwar ist sie das in der Weise, daß alles, was zur Liebe und Weisheit gehört wirklich in ihr ist. Sie ist dasjenige, in dem alle gleichzeitig vorhanden sind. Man beachte aber, daß alles, was von Liebe und Weisheit gleichartig ist und zusammenstimmt, der Nutzleistung innewohnt, wie es oben in # 189-194 festgestellt und erklärt worden ist.

*214. Auch Neigung, Gedanke und Handlung sind in einer ähnlichen Abfolge von Graden. Denn jede Neigung geht auf Liebe zurück, jeder Gedanke auf Weisheit und jede Handlung auf Nutzleistung. In einer ähnlichen Abfolge von Graden sind auch Nächstenliebe, Glaube und gute Werke, ist doch die Nächstenliebe Sache der Neigung, der Glaube Sache des Denkens und das gute Werk Sache des Handelns. Auch Wille, Verstand und Ausübung sind in einer ähnlichen Reihenfolge von Graden, gehört doch der Wille der Liebe und so der Neigung an, der Verstand der Weisheit und so dem Glauben, die Ausübung aber der Nutzleistung, somit dem Werk. Wie nun in der Nutzleistung das Ganze der Weisheit und Liebe ist, so in der Handlung das Ganze des Denkens und der Neigung, im guten Werk das Ganze des Glaubens und der Nächstenliebe, usw. alles nämlich, was gleichartig, d.h. zusammenstimmend ist.

*215. Noch ist nicht bekannt, daß in jeder Reihe — Nutzwirkung, Handlung, Werk und Ausübung — jeweils das letzte Glied die Zusammenfassung und den Behälter alles Vorhergehenden darstellt. Es scheint, als ob in Nutzwirkung, Handlung, Werk und Ausübung nicht mehr liege als in einer Bewegung. Aber in Wirklichkeit liegt tatsächlich alles Vorhergehende darin, und zwar so vollständig, daß nichts fehlt. Es ist darin eingeschlossen, wie der Wein in seinem Gefäß und der Hausrat in seinem Haus. Wenn es nicht zum Vorschein kommt, so deshalb, weil wir es nur äußerlich betrachten und daher nur Tätigkeit und Bewegung sehen. Es verhält sich damit, wie mit der Bewegung von Armen und Händen, wenn man nicht weiß, daß dabei tausend Muskelfasern mitwirken, denen tausenderlei in Denken und Neigung entspricht, was sie anregt und was — weil es von innen heraus wirkt —, von keinem Körpersinn wahrgenommen wird. Soviel ist bekannt, daß nichts im oder durch den Körper tätig wird, außer aufgrund des Willens und mithilfe des Denkens. Und weil diese beiden tätig sind, so wohnen sie notwendigerweise vollständig der Handlung inne. Sie lassen sich nicht trennen. Daher kommt es auch, daß andere aufgrund der Taten oder Werke eines Menschen über dessen willentliches Denken oder Absicht urteilen. Mir ist bekannt gemacht worden, daß die Engel aus der bloßen Handlung oder dem Werk eines Menschen sein Wollen und Denken vollständig wahrnehmen und sehen. Und zwar sehen die Engel des dritten Himmels aus dem Willen den Endzweck, den der Mensch dabei verfolgt, und die Engel des zweiten Himmels sehen die Ursache, durch die sich der Endzweck verwirklicht. Dies ist der Grund, warum Werke und Taten im Wort so oft gefordert werden und es heißt, der Mensch werde aus ihnen erkannt.

*216. Es gehört zur Weisheit der Engel, daß Wille und Verstand bzw. Neigung und Denken, aber auch Nächstenliebe und Glaube, sofern sie nicht, wenn immer möglich, in Werke oder Taten übergehen und sich kleiden, nur Luftgebilde sind, die rasch verfliegen. Sie bleiben dem Menschen und werden zu einem Teil seines Lebens nur dann, wenn er sie wirkt und tut, und zwar darum, weil das Letzte die Zusammenfassung, der Behälter und die Unterlage des Vorhergehenden ist. Der von den guten Werken getrennte Glaube ist ein solches Luftgebilde und ähnlich auch Glaube und Liebe ohne deren Betätigung mit dem einzigen Unterschied, daß diejenigen, die sowohl den Glauben als auch die Nächstenliebe für notwendig halten, im Unterschied zu denen, die einen Glauben ohne Nächstenliebe vertreten, Gutes wissen und wollen können.

Die Höhengrade sind dann in ihrer Fülle und Macht, wenn sie zu ihrem Letzten kommen.

*217. Wie im vorigen Abschnitt gezeigt wurde, ist der letzte Grad die Zusammenfassung und der Behälter der vorhergehenden Grade. Daraus folgt, daß diese in ihrem Letzten zu ihrem Vollbestand gelangen. Hier nämlich sind sie in ihrer Wirkung, und jede Wirkung ist der Vollbestand ihrer Ursachen.

*218. Die Tatsache, daß jene auf- und absteigenden Grade — auch frühere und spätere oder Höhen- und gesonderte Grade genannt — in ihrem Letzten in ihrer Macht sind, kann durch all die wahrnehmbaren und erkennbaren Dinge begründet werden, die oben zum Beleg angeführt wurden. Hier will ich es nur noch bestätigen durch die Energie (conatus), die Kräfte und Bewegungen in toten wie in lebendigen Gegenständen (subjectis). Bekanntlich bewirkt die Energie aus sich selbst nichts, sondern nur indem sie sich der ihr entsprechenden Kräfte bedient, durch die sie eine Bewegung hervorbringt. Infolgedessen ist die Energie das Entscheidende in den Kräften, durch die sie in Bewegung ist. Und weil die Bewegung der letzte Grad der Energie ist, ist sie dasjenige, in dem die Energie ihre Macht ausübt.

Energie, Kraft und Bewegung sind allein nach Höhengraden miteinander verbunden, d.h. nicht auf kontinuierliche Weise, sondern durch Entsprechungen. Denn Energie ist nicht Kraft, und Kraft nicht Bewegung. Vielmehr wird die Kraft von der Energie hervorgebracht, ist sie doch erregte Energie. Und die Bewegung wird hervorgebracht durch die Kraft. Deshalb liegt auch in der Energie allein keine Macht, ebensowenig in der Kraft allein, sondern in der Bewegung, die deren Produkt ist.

Dies mag im Augenblick noch zweifelhaft erscheinen, weil wir es noch nicht durch Anwendung auf erkennbare und wahrnehmbare Naturerscheinungen verdeutlicht haben. Gleichwohl ist dies jedoch die Art, wie jene Dinge zur Wirksamkeit voranschreiten .

*219. Doch nun zur Anwendung auf die lebendige Energie, die lebendige Kraft und die lebendige Bewegung! Die lebendige Energie im Menschen als einem lebendigen Wesen ist sein Wille, vereint mit dem Verstand. Die lebendigen Kräfte im Menschen sind das, was von innen heraus seinen Körper aufbaut und mit auf mannigfache Weise zusammengesetzten Fibern versieht, die zur Bewegung dienen. Die lebendige Bewegung im Menschen aber sind die Handlungen, die durch jene Kräfte vom Willen und dem mit ihm vereinten Verstand hervorgebracht werden. Das Inwendige, das zu Verstand und Wille gehört, bildet den ersten Grad; das Inwendige, das zu seinem Körper gehört, den zweiten, und der gesamte Körper, der all dies zusammenfaßt, den dritten Grad. Es ist bekannt, daß das zum Gemüt gehörende Inwendige keine Macht hat außer durch die Körperkräfte, und daß dasselbe auch für die Körperkräfte gilt, wenn diese sich nicht in körperlichen Handlungen äußern. Diese drei wirken also nicht auf kontinuierliche, sondern auf diskontinuierliche Weise zusammen, d.h. aber durch Entsprechungen. Das Inwendige des Gemüts entspricht dem Inwendigen des Körpers und dieses wiederum dessen Äußerem, durch das die Handlungen in Erscheinung treten. Daher sind die beiden ersteren durch das Äußere des Körpers in ihrer Macht. Es könnte scheinen, als ob die Energien und Kräfte im Menschen auch ohne stattfindende Handlung — wie etwa im Schlaf oder im Ruhezustand — irgendwie Macht hatten. Doch auch dann finden sie in den gemeinsamen Bewegungsorganen des Körpers, nämlich Herz und Lunge, ihre äußeren Formen (determinationes). Hören aber deren Tätigkeiten auf, so auch die Kräfte, und mit ihnen die Energien.

*220. Weil das Ganze, der Körper, seine Macht vor allem in die Arme und Hände verlegt hat, die das Letzte sind, so bezeichnen Arme und Hände im Wort die Macht. Die 'rechte Hand' insbesondere bezeichnet die höhere Macht. Aufgrund dieses Sich-Entfaltens und Hervortretens der Grade zu ihrer Wirksamkeit können die Engel, die sich beim Menschen aufhalten und in Entsprechung mit allem bei ihm stehen, aus der bloßen mit Händen vollbrachten Handlung erkennen, wie der Mensch hinsichtlich seines Willens und Verstandes beschaffen ist. Ebenso können sie daraus auf seine Nächstenliebe und seinen Glauben, also sein inneres Gemütsleben, wie auch auf das von daher stammende äußere Leben in seinem Körper schließen. Ich habe mich oft darüber gewundert, daß die Engel aus einer bloßen Körpertätigkeit, wie der der Hände, solche Erkenntnisse haben können. Es wurde mir aber mehrfach auf lebendige Weise gezeigt, wobei mir unter anderem gesagt wurde, darauf beruhe es auch, daß die Einweihung in ein geistliches Amt durch Handauflegung erfolge und die Berührung mit der Hand die Kommunikation bezeichne.

All dies führte zu dem Schluß, daß Nächstenliebe und Glaube zur Gänze in den Werken wohnen, und daß sie ohne Werke wie flüchtige Regenbogen um die Sonne sind, die eine Wolke hinwegnimmt. Deshalb ist auch im Wort so oft die Rede von den Werken und vom Tun, von denen die Seligkeit des Menschen abhänge. So wird weise genannt, wer tut, töricht, wer nicht tut. Man muß jedoch wissen, daß hier mit den Werken Nutzwirkungen (usus) gemeint sind, die tatsächlich vollbracht werden. In ihnen und ihnen gemäß ist nämlich das Ganze der Nächstenliebe und des Glaubens. Mit den Nutzwirkungen besteht jene oben genannte Entsprechung, weil diese Entsprechung geistiger Natur ist. Sie geschieht aber mittels Substanzen und Stoffen, welche als Träger fungieren.

*221. Hier können zwei Geheimnisse enthüllt werden, da sie aufgrund des oben Ausgeführten verstanden werden können:

Das erste Geheimnis ist, daß das Wort im buchstäblichen Sinn in seiner Fülle und Macht ist. Tatsächlich finden sich gemäß den drei Graden im Wort auch drei Sinnbezüge (sensus): ein himmlischer, ein geistiger und ein natürlicher. Weil diese sich gemäß den drei Höhengraden im Wort verhalten und durch Entsprechungen miteinander verbunden sind, darum ist der letzte, der natürliche oder buchstäbliche Sinn nicht nur die Zusammenfassung, der Behälter und die Unterlage der ihm entsprechenden inneren Sinnbezüge, sondern zugleich ist auch das Wort in diesem letzten Sinn in seiner Fülle und Macht. In dem Werk 'Die Lehre des neuen Jerusalems von der Heiligen Schrift' ist all dies von # 27-69 im einzelnen dargelegt und begründet worden.

Das zweite Geheimnis besteht darin, daß der Herr in die Welt kam und eine menschliche Natur annahm, um sich dadurch die Macht zu verschaffen, die Höllen zu unterwerfen und alles in den Himmeln wie auf Erden in Ordnung zu bringen. Diese menschliche Natur zog er über sein früheres Menschliches an; sie war wie die menschliche Natur eines irdischen Menschen. Aber das eine wie das andere war göttlich und überstieg daher unendlich die endliche Menschennatur der Engel und Menschen. Da er nun das natürliche Menschliche bis ins Letzte hinein vollständig verherrlichte, so ist er auch mit dem ganzen Körper auferstanden, was keinem anderen Menschen geschieht.

Durch Annahme dieser menschlichen Natur versah er sich mit der göttlichen Allmacht, um die Höllen nicht nur einmal zu unterwerfen und die Himmel zu ordnen, sondern um die Höllen auch in Ewigkeit unterjocht zu halten und die Menschen zu retten. Diese Macht wird durch das Sitzen zur Rechten der Macht und Kraft Gottes bezeichnet. Weil sich der Herr durch die Annahme eines natürlichen Menschlichen zum Göttlich-Wahren auch im Letzten gemacht hat, darum wird er das Wort genannt und gesagt, das Wort sei Fleisch geworden. Das Göttlich-Wahre im Letzten ist das Wort in seiner buchstäblichen Bedeutung. Dazu machte er sich, indem er alles erfüllte, was bei Moses und den Propheten im Wort von ihm handele.

Jeder Mensch ist sein eigenes Gutes und Wahres, durch nichts anderes ist er Mensch. Der Herr aber ist durch seine Annahme des natürlich Menschlichen das Göttlich-Gute und -Wahre oder — was aufs selbe hinausläuft — die göttliche Liebe und Weisheit selbst, und zwar im Ersten wie im Letzten. Aus diesem Grunde erscheint er als Sonne in den Engelshimmeln nach seiner irdischen Ankunft in stärkerer Strahlung und größerem Glanz als zuvor. Dies ist ein Geheimnis, das durch die Lehre von den Graden vom Verstand aufgenommen werden kann. Über Gottes Allmacht vor seiner irdischen Ankunft wird im Folgenden die Rede sein.

Grade beiderlei Art finden sich in allem Erschaffenen, vom Allergrößten bis zum Allerkleinsten.

*222. Dies laßt sich nicht durch Beispiele aus dem sichtbaren Bereich verdeutlichen, weil das Kleinste dem Auge unsichtbar ist und das Größte zwar sichtbar ist, aber nicht in Grade geschieden erscheint. Daher können wir diesen Gegenstand nur anhand allgemeiner Prinzipien aufzeigen. Und da die Engel in einer aus diesen allgemeinen Grundsatzen abgeleiteten Weisheit sind und Kenntnis des Einzelnen haben, sollen hier ihre diesbezüglichen Aussagen vorgebracht werden.

*223. Die Engel sagen, es gebe nichts noch so Kleines, in dem nicht Grade beiderlei Art seien. Das gelte beispielsweise für die kleinsten Teile in irgendeinem Tier oder einer Pflanze, einem Mineral oder im Äther und in der Luft. Und da Äther und Luft Behälter von Wärme und Licht sind, so gilt es auch für die kleinsten Teilchen von Wärme und Licht. Ferner gilt es, da geistige Wärme und geistiges Licht Gefäße der Liebe und Weisheit sind, auch für die kleinsten Teile derselben. Wie klein sie auch waren, so enthalten sie doch beide Arten von Graden.

Aus den Aussagen der Engel geht auch hervor, daß selbst das kleinste Teilchen einer Neigung oder eines Gedankens, ja der bloßen Vorstellung eines Gedankens aus Graden von beiderlei Art besteht, und daß es ohne sie nichts wäre. Tatsächlich hatte es keine Form, folglich keine Beschaffenheit noch Form, die der Veränderung und dem Wechsel unterlagen und ihm Bestand verliehen.

Die Engel begründeten dies durch die Wahrheit, daß in Gott, dem Schöpfer und Herrn von Ewigkeit, Unendliches in unterscheidbarer Weise Eins sei. In seinem Unendlichen sei Unendliches, und in dem unendlich Unendlichen fanden sich beide Arten von Graden, die gleichfalls in ihm unterscheidbar Eines sind. Und weil diese Dinge in Gott sind und von ihm alles erschaffen ist und alles Erschaffene in einem gewissen Bilde etwas von dem darstellt, was in Gott ist, so folge, daß kein noch so kleines Endliches ist, das nicht die beiden Arten von Graden enthielte.

Der Grund, weshalb diese Grade im Kleinsten ebenso wie im Größten sind, ist der, daß das Göttliche im Größten wie im Kleinsten dasselbe ist. (Oben in # 17-22 wurde gezeigt, daß im Gott-Menschen Unendliches unterscheidbar Eines ist; in # 77-82 daß das Göttliche im Größten wie im Kleinsten dasselbe ist, und in # 155, 169 und 171 ist dies noch weiter beleuchtet worden.)

*224. Es gibt, wie gesagt, nicht das Geringste von Liebe und Weisheit, von Neigung und Gedanke, ja selbst von der bloßen Vorstellung eines Gedankens, in dem nicht beide Arten von Graden vorhanden waren. Dies beruht darauf, daß Liebe und Weisheit ebenso wie Neigung und Gedanke Substanz und Form sind (vgl. oben # 40-43). Und weil es keine Form ohne die beiden Arten von Graden gibt, wie oben ebenfalls gezeigt wurde, so folgt, daß die genannten Dinge ebenfalls diese Grade enthalten. Liebe und Weisheit, sowie Neigung und Gedanken trennen von Substanz und Form, heißt sie vernichten. Denn ohne ihre Träger gibt es sie nicht. In diesen werden sie vom Menschen in ihrem Zustands-Wechsel wahrgenommen und stellen sich dar.

*225. Die größten Einheiten, in denen sich beide Arten von Graden finden, sind: das Weltall in seiner Ganzheit, die natürliche Welt in ihrer Ganzheit und die geistige Welt in ihrer Ganzheit. Sodann jedes Kaiser- oder Königreich in seiner Ganzheit, wie auch deren bürgerliche, sittliche und geistige Angelegenheiten in ihrer jeweiligen Ganzheit, aber auch Tier-, Pflanzen- und Mineralreich, ein jedes in seiner Ganzheit, und schließlich sämtliche Atmosphären beider Welten zusammengenommen samt ihrer Wärme und ihrem Licht. Dasselbe gilt für das weniger Allgemeine, so für den Menschen in seiner Ganzheit, jedes Tier, jeden Baum und Strauch, jeden Stein und jedes Metall. Die Formen all dieser Ganzheiten ähneln einander darin, daß sie aus Graden beiderlei Art bestehen. Der Grund ist, daß das Göttliche, das sie erschaffen hat, im Größten wie im Kleinsten dasselbe ist, wie oben # 77 bis 82 ausgeführt wurde. Die Einzelheiten, selbst die allerkleinsten, sind darin dem Allgemeinen, ja dem Allgemeinsten ähnlich, daß auch sie Formen von Graden beider Arten sind.

*226. Auf der Tatsache, daß Größtes und Kleinstes Formen von Graden beider Art sind, beruht ihre Verknüpfung vom Ersten bis zum Letzten. Ihre Ähnlichkeit verknüpft sie. Dennoch gibt es nicht das Kleinste, das mit irgendeinem anderen identisch wäre. Alle Einzelheiten, bis herab zu den kleinsten sind unterschieden. Dies ergibt sich daraus, daß im Größten ähnliche Grade sind und das Größte aus Kleinstem besteht. Sind aber solche Grade im Größten und bestehen ihnen gemäß fortlaufende Unterschiede vom Höchsten bis herab zum Niedersten und vom Mittelpunkt bis zu den Umkreisen, so folgt daraus, daß es in ihnen nicht ein Kleineres und Kleinstes geben kann, in dem ja dieselben Arten von Graden sind, das miteinander identisch wäre.

*227. Zur Weisheit der Engel gehört auch, daß die Vollkommenheit des erschaffenen Weltalls auf der Ähnlichkeit des Allgemeinen und Besonderen oder des Größten und Kleinsten hinsichtlich der genannten Grade beruht. Denn auf diese Weise bezieht sich eins aufs andere, weil es ihm ähnlich ist und mit ihm zu jedem Nutzzweck (usum) verbunden werden und jeden Endzweck (finem) in der Wirkung darstellen kann.

*228. Diese Sätze können zwar als paradox erscheinen, weil sie nicht durch Anwendung auf Sichtbares nachgewiesen wurden. Abstraktes pflegt aber dennoch aufgrund seiner Allgemeinheit besser begriffen zu werden als seine Anwendung, weil diese fortgesetzte Variationen mit sich bringt und so die Sache eher verdunkelt.

*229. Manche behaupten die Existenz einer derart einfachen Substanz, daß sie nicht mehr als Form von noch kleineren Formen gedeutet werden könne, aus denen durch Anhäufung sekundäre oder zusammengesetzte Substanzen entstünden und schließlich die Substanzen, die man als Materie bezeichnet. Doch solche einfachsten Substanzen gibt es nicht; denn was wäre eine Substanz ohne Form? Von ihr ließe sich nichts aussagen, und aus einem Ding, von dem sich nichts aussagen läßt, kann auch durch Anhäufung nichts gebildet werden. Im folgenden wird von den Formen gehandelt, und dann wird man sehen, daß sich in den allerersten erschaffenen Substanzen, die das Kleinste und Einfachste sind, Unzähliges findet.

Es gibt drei unendliche und unerschaffene Höhengrade im Herrn und drei endliche und erschaffene Grade im Menschen.

*230. Im Herrn sind drei unendliche und unerschaffene Höhengrade, weil er, wie oben gezeigt wurde, die Liebe und Weisheit selbst ist. Und weil er das ist, so ist er auch die Nutzwirkung selbst, zielt doch die Liebe auf Nutzwirkung ab und bringt sie durch die Weisheit hervor. Liebe und Weisheit ohne Nutzwirkung hatten in der Tat kein Ziel und Ende, d.h. es fehlte ihnen die Wohnstätte. Daher könnte man nicht sagen, sie seien etwas und bestünden, wenn sie ohne Nutzwirkung wären, in der sie sind und bestehen.

Diese drei Dinge bilden in den lebenden Wesen die Höhengrade. Die drei aber sind untereinander wie der vornehmste Zweck, der mittlere Zweck, d.h. die Ursache, und der letzte Zweck, die Wirkung. Oben wurde bereits vielfach belegt, daß Endzweck, Ursache und Wirkung die drei Höhengrade bilden.

*231. Das Vorhandensein dieser drei Grade im Menschen läßt sich daran feststellen, daß, er sein Gemüt bis zu den Graden der Liebe und Weisheit erheben kann, in denen die Engel des zweiten und dritten Himmels sind. Alle Engel aber sind als Menschen geboren worden, und der Mensch ist, was die inwendigeren Bereiche seines Gemüts betrifft, ein Himmel in kleinster Gestalt. Daher finden sich beim Menschen von der Schöpfung her ebensoviele Höhengrade wie es Himmel gibt. Zudem ist der Mensch auch Gottes Bild und Ähnlichkeit, und so sind ihm denn jene drei Grade eingeschrieben, weil sie im Gott-Menschen, d.h. im Herrn sind.

Aus dem, was im ersten Teil dargelegt wurde, ergibt sich, daß jene Grade im Herrn unendlich und unerschaffen, im Menschen aber endlich und erschaffen sind. Der Herr ist nämlich die Liebe und Weisheit an sich, der Mensch aber ein Empfänger dieser Liebe und Weisheit vom Herrn. Und zudem kann vom Herrn nichts als Unendliches ausgesagt werden, vom Menschen aber nichts als Endliches.

*232. Bei den Engeln heißen die genannten drei Grade der himmlische, der geistige und der natürliche, und für sie ist der himmlische Grad der der Liebe, der geistige der der Weisheit und der natürliche der der Nutzwirkungen. Jene Grade aber werden deshalb so genannt, weil der Himmel aus zwei Reichen besteht, - dem eigentlich himmlischen und dem geistigen-, zu denen als drittes das natürliche Reich kommt, in dem sich die irdischen Menschen befinden. Tatsächlich stehen die Engel, aus denen das himmlische Reich gebildet ist, in der Liebe, die Engel des geistigen Reiches in der Weisheit, die Menschen in der Welt aber in den Nutzwirkungen. Daher kommt es auch, daß jene Reiche in Verbindung miteinander stehen. Im nächsten Teil soll gezeigt werden, wie man es zu verstehen hat, daß, die Menschen in der Nutzwirkung stehen.

*233. Aus dem Himmel wurde mir gesagt, daß im Herrn von Ewigkeit, Jehovah, vor der Annahme einer menschlichen Natur in dieser Welt die beiden ersten Grade in Wirklichkeit bestanden, der dritte Grad aber nur dem Vermögen nach, wie es auch bei den Engeln der Fall ist. Nach der Annahme einer menschlichen Natur in der Welt habe er aber auch den dritten, d.h. den natürlichen Grad darüber angezogen, wodurch er in ähnlicher Weise Mensch wurde wie der irdische Mensch, mit dem Unterschied freilich, daß dieser Grad unendlich und unerschaffen sei, gleich den beiden ersten, wahrend alle diese Grade bei Engeln und Menschen endlich und erschaffen sind. Das Göttliche nämlich, das # 69-72 zufolge alle Räume ohne Raum erfüllt hatte, drang zwar auch bis herab zum Untersten der Natur, doch vor Annahme einer menschlichen Natur wurde der göttliche Einfluß in den natürlichen Grad durch die Engelshimmel vermittelt, hernach hingegen stammte er unmittelbar von ihm.

Das ist auch der Grund, weshalb vor der Ankunft des Herrn alle irdischen Kirchen das Geistige und Himmlische nur vorbildeten, nachher aber geistig- und himmlisch-natürlich wurden und der vorbildende Gottesdienst abgeschafft wurde. Ferner war es der Grund dafür, daß die Sonne des Engelshimmels, die — wie oben gezeigt wurde — das Erste ist, was aus seiner göttlichen Liebe und Weisheit hervorgeht, nach der Annahme des Menschlichen stärker strahlt und schimmert als zuvor.

Dies ist es, was in der folgenden Stelle bei Jesaja angedeutet wird: ,,An jenem Tage wird das Licht des Mondes wie das Licht der Sonne sein, und das Licht der Sonne wird siebenfältig, wie das Licht von sieben Tagen sein" (30/26). Dies wurde im Hinblick auf den Zustand des Himmels und der Kirche nach dem Kommen des Herrn in die Welt gesagt. Und auch in der Offenbarung des Johannes heißt es: ,,Und das Angesicht des Menschensohnes war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft" (1/16) Ähnlich heißt es bei Jes. 60/20; 2. Sam. 25/3 f und Mat. 17/l f.

Die durch den Engelshimmel vermittelte Erleuchtung der Menschen vor der Ankunft des Herrn kann mit dem Licht des Mondes verglichen werden, das ja mittelbares Sonnenlicht ist. Weil die Erleuchtung nach seiner Ankunft zur unmittelbaren wurde, heißt es bei Jesaja, daß das Licht des Mondes sein werde wie das Licht der Sonne, und in den Psalmen heißt es: ,,Blühen wird in seinen Tagen der Gerechte und Friede in Fülle bestehen, bis der Mond nicht mehr scheint" (72/7). Auch dies wird vom Herrn gesagt.

*234. Der Herr von Ewigkeit, Jehovah, hat jenen dritten Grad durch Annahme eines Menschlichen in der Welt noch hinzugenommen, weil er nicht anders in ihn eingehen konnte als mithilfe einer der menschlichen Natur ähnlichen Natur, also nicht anders als dadurch, daß er aus seinem Göttlichen heraus empfangen und durch eine Jungfrau geboren wurde, konnte er doch auf diese Weise die Natur, die an sich zwar tot, dennoch aber ein Aufnahmegefäß des Göttlichen ist, ablegen und an ihrer Stelle das Göttliche annehmen. Darin liegt die Bedeutung der beiden Zustände, die das Leben des Herrn in der Welt kennzeichneten, nämlich der Zustand der Entäußerung und der Zustand der Verherrlichung, die in dem Werk über 'Die Lehre des Neuen Jerusalem vom Herrn' näher behandelt worden sind.

*235. Soviel in allgemeiner Weise über das dreifache Aufsteigen der Höhengrade. Weil sich aber diese Grade im Größten und im Kleinsten finden, wie im vorhergehenden Abschnitt gezeigt wurde, läßt sich über sie im besonderen nichts weiter sagen, außer daß sie auch in allem sind, was zur Liebe und in allem, was zur Weisheit gehört und von daher auch in allem, was mit den Nutzwirkungen zusammenhängt, daß aber all dies im Herrn unendlich, in den Engeln und Menschen hingegen endlich ist. Von welcher Beschaffenheit diese Grade in der Liebe, Weisheit und Nutzwirkung sind, läßt sich jedoch nur der Reihe nach beschreiben und entfalten.

Diese drei Höhengrade sind in jedem Menschen von Geburt an. Sie können nach und nach aufgeschlossen werden, und je wie das geschieht, ist der Mensch im Herrn und der Herr in ihm.

*236. Es war bisher unbekannt, daß es in jedem Menschen drei Höhengrade gibt, und zwar weil man überhaupt nichts von dieser Art von Graden wußte. Solange sie aber verborgen waren, konnte man nur etwas von den stetig fortlaufenden Graden wissen. So konnte man auf den Glauben kommen, Liebe und Weisheit wuchsen beim Menschen nur in stetig fortlaufender Weise. Nun wisse man aber, daß bei jedem Menschen von Geburt an drei Höhen- oder gesonderte Grade sind, jeweils einer oberhalb oder innerhalb des andern, ferner daß jeder von diesen auch seine Breiten- oder stetig fortlaufenden Grade hat, nach denen er kontinuierlich wächst, wurde doch oben # 222-228 gezeigt, daß sich im Allergrößten wie im Allerkleinsten beide Arten von Graden finden, da die eine nicht ohne die andere sein kann.

*237. Oben in # 232 wurde gesagt, daß die drei Höhengrade der natürliche, der geistige und der himmlische heißen. Der Mensch kommt bei seiner Geburt zuerst in den natürlichen Grad, der bei ihm mit den Kenntnissen kontinuierlich wächst, bis die höchste Stufe des Verstandes erreicht wird, das sogenannte Vernünftige. Hierdurch wird jedoch noch nicht der andere, d.h. der geistige Grad aufgeschlossen. Dies geschieht erst durch die Liebe zu nützlicher Tätigkeit aufgrund des Verständnisses, aber wohlgemerkt durch eine geistige Liebe zu nützlichem Wirken, d.h. durch Nächstenliebe. Auch dieser zweite Grad kann in stetig fortlaufender Weise wachsen bis zur höchsten Stufe, und dies geschieht durch Erkenntnisse des Wahren und Guten, d.h. durch geistige Wahrheiten. Auf diese Weise wird jedoch der dritte oder himmlische Grad noch nicht aufgeschlossen. Das geschieht erst durch die himmlische Liebe zu nützlichem Wirken, und diese Liebe ist die Liebe zum Herrn. Die Liebe zum Herrn ist aber nichts anderes als die Anwendung der Vorschriften des Wortes im Leben. Deren kurzer Inhalt besteht darin, das Böse zu fliehen, weil es höllisch und teuflisch ist, das Gute aber zu tun, weil es himmlisch und göttlich ist. Auf diese Weise also werden die drei Grade nach und nach beim Menschen aufgeschlossen.

*238. Solange der Mensch in der irdischen Welt lebt, weiß er nichts von der Aufschließung dieser Grade bei sich. Der Grund ist, daß er dann im natürlichen, d.h. im letzten Grad lebt, aus dem heraus er denkt, will, redet und handelt. Der geistige Grad, der innerlicherer Art ist, verkehrt mit dem natürlichen nicht auf kontinuierliche Weise, sondern mittels Entsprechungen. Dieser Verkehr aber wird nicht (deutlich) empfunden. Doch sobald der Mensch den natürlichen Grad ablegt — und das geschieht mit dem Tod —, gelangt er in den Grad, der bei ihm in der Welt aufgeschlossen war, sei es in den geistigen, sei es in den himmlischen. Wer nach dem Tode in den geistigen Grad kommt, denkt, will, redet und handelt nicht mehr natürlich, sondern geistig, wer in den himmlischen kommt, denkt, will, redet und handelt gemäß diesem Grad. Weil nun ein Verkehr der drei Grade untereinander nur durch Entsprechungen stattfindet, so sind derartige Unterschiede zwischen den Graden von Liebe, Weisheit und nützlichem Wirken, daß sie keine Gemeinschaft durch unmittelbare Verbindung untereinander haben.

All dies zeigt, daß der Mensch drei Höhengrade besitzt, die nach und nach aufgeschlossen werden können.

*239. Aus der Tatsache, daß in uns drei Grade von Liebe, Weisheit und Nutzwirkung sind, folgt, daß wir auch drei Grade des Willens und des Verstandes sowie der daraus folgenden Entschließung und Selbstbestimmung zu nützlichem Wirken haben, ist doch der Wille das Gefäß der Liebe, der Verstand das Gefäß der Weisheit und das Beschlossene die Nutzwirkung aus ihnen. Das alles zeigt, daß in jedem Menschen ein natürlicher, ein geistiger und ein himmlischer Wille und Verstand ist- der Möglichkeit nach von Geburt an, wirksam jedoch nur, wenn sie aufgeschlossen werden.

Mit einem Wort: Das Gemüt des Menschen, das aus Willen und Verstand besteht, weist von der Schöpfung, d.h. von Geburt an drei Grade auf. Folglich hat der Mensch ein natürliches, ein geistiges und ein himmlisches Gemüt und kann somit zur Weisheit der Engel erhoben werden, ja sie sogar schon in der Welt besitzen. Gleichwohl gelangt er nicht vor seinem Tode in sie, wird er doch dann erst ein Engel und vermag Unaussprechliches, dem natürlichen Menschen Unbegreifliches, auszusprechen.

Ich kannte einen Menschen von mittelmäßigen Kenntnissen in der Welt. Nach seinem Tode sah ich ihn und sprach mit ihm im Himmel, wobei ich deutlich erkannte, daß er wie ein Engel sprach, und was er sprach, war für den natürlichen Menschen unfaßbar. Das beruhte darauf, daß er in der Welt die Gebote der Bibel ins Leben umgesetzt und den Herrn verehrt hatte, so daß er vom Herrn in den dritten Grad der Liebe und Weisheit erhoben wurde. Es ist sehr wichtig, daß man um diese Erhebung des menschlichen Gemüts weiß, weil das Verständnis des Folgenden davon abhängt.

*240. Wir Menschen haben zwei gottgegebene Fähigkeiten, die uns von den Tieren unterscheiden. Die erste ist die Fähigkeit, einsehen zu können, was gut und wahr ist, Vernunft genannt, eine Fähigkeit unseres Verstandes. Die zweite ist die Fähigkeit, das Wahre und Gute tun zu können, Freiheit genannt, eine Fähigkeit unseres Willens. Aufgrund unserer Vernunft können wir Menschen denken, was uns beliebt, für oder gegen Gott, für oder gegen den Mitmenschen, und wir können auch unserem Denken gemäß wollen und handeln. Falls wir etwas Böses im Auge haben und Strafe fürchten, können wir aber auch aufgrund unserer Freiheit von der Verwirklichung Abstand nehmen.

Diese beiden Fähigkeiten machen uns zu Menschen und unterscheiden uns von den Tieren. Wir verdanken diese Fähigkeiten dem Herrn, von ihm werden sie uns fortwährend verliehen. Sie werden niemandem entzogen, denn wenn das geschähe, ginge sein eigentlich Menschliches zugrunde. In diesen beiden Fähigkeiten ist der Herr bei jedem Menschen zugegen, er sei gut oder böse. Sie sind die Wohnstätte des Herrn im menschlichen Geschlecht. Dies ist auch der Grund, weshalb jeder Mensch, ob gut oder böse, in Ewigkeit fortlebt. Aber die Wohnung des Herrn beim Menschen ist in dem Maße persönlicher (proprior), wie der Mensch mithilfe der beiden genannten Fähigkeiten die höheren Grade in sich aufschließt. Denn dadurch gelangt der Mensch in höhere Grade der Liebe und Weisheit und so näher zum Herrn. So kann man also feststellen, daß der Mensch in dem Maße im Herrn ist und der Herr in ihm, wie jene Grade aufgeschlossen werden.

*241. Oben wurde gezeigt, daß sich die drei Höhengrade verhalten wie Endzweck, Ursache und Wirkung, und daß sich Liebe, Weisheit und Nutzwirkung ihnen gemäß entfalten. Daher soll hier ein wenig mehr gesagt werden über die Liebe als Endzweck, die Weisheit als Ursache und die Nutzwirkung als Wirkung. Jeder Mensch, der seine Vernunft zu Rate zieht, solange sie im Licht ist, kann erkennen, daß die Liebe des Menschen den Endzweck von allem darstellt, was in ihm ist. Denn was er liebt, das denkt, das beschließt und das tut er auch, hat es folglich als Endzweck im Auge. Ebenso kann der Mensch aufgrund seiner Vernunft auch sehen, daß die Weisheit die Ursache ist, weil er bzw. seine Liebe, d.h. sein Endzweck, im Verstande die Mittel zusammensucht, durch die er sich verwirklichen kann. So zieht er denn seine Weisheit zu Rate, und jene Mittel bilden die Ursache, durch die er sein Ziel erreicht. Unnütz zu sagen, daß die Nutzwirkung das Ergebnis ist.

Aber die Liebe keines Menschen ist identisch mit der eines anderen, und das gilt auch für die Weisheit und die Nutzwirkung. Weil aber Liebe, Weisheit und Nutzwirkung, wie oben # 189-194 gezeigt wurde, untereinander gleichartig sind, so folgt, daß die Weisheit und Nutzwirkung eines Menschen von seiner Liebe bestimmt wird. Wir sprechen hier von seiner Weisheit, meinen aber das, was zu seinem Verstand gehört

Das geistige Licht fließt durch die drei Grade beim Menschen ein, die geistige Wärme aber nur soweit der Mensch das Böse als Sünde meidet und zum Herrn aufblickt.

*242. Aus dem oben Nachgewiesenen ist deutlich: Die Sonne des (geistigen) Himmels ist das Erste, was aus der göttlichen Liebe und Weisheit hervorgeht. Dies wurde im II. Teil nachgewiesen. Von dieser Sonne gehen Licht und Wärme aus, das Licht der Weisheit und die Wärme der Liebe. Licht und Wärme sind die Aufnahmegefäße der Weisheit bzw. der Liebe. Soweit der Mensch zur Weisheit gelangt, kommt er in jenes göttliche Licht, soweit er zur Liebe gelangt, kommt er in jene Liebe. Aus dem oben Nachgewiesenen folgt ferner, daß es je drei Grade des Lichts und der Wärme, also je drei Grade der Weisheit und der Liebe gibt, und daß auch im Menschen diese drei Grade gebildet wurden, damit er ein Aufnahmegefäß der göttlichen Liebe und der göttlichen Weisheit sein kann.

An dieser Stelle ist nun der Nachweis zu führen, daß zwar das geistige Licht durch die genannten drei Grade beim Menschen einfließt, die geistige Wärme aber nur in dem Maß, wie der Mensch das Böse als Sünde flieht und zum Herrn aufblickt. Anders ausgedrückt: Der Mensch kann die Weisheit bis zum dritten Grad aufnehmen, nicht aber die Liebe, es sei denn, daß er das Böse als Sünde flieht und zum Herrn aufblickt. Und wieder anders ausgedrückt: Der Verstand des Menschen kann zur Weisheit erhoben werden, nicht aber sein Wille, es sei denn, er fliehe das Böse als Sünde.

*243. Aufgrund von Erfahrungen in der geistigen Welt wurde mir klar, daß der Verstand bis ins Licht des Himmels bzw. bis zur Weisheit der Engel erhoben werden kann, nicht aber der zugehörige Wille in die Wärme des Himmels bzw. in die Liebe der Engel, außer wenn der Mensch das Böse flieht und zum Herrn aufblickt. Oftmals habe ich gesehen und gehört, daß schlichte Geister, die wenig mehr wußten, als daß ein Gott ist und der Herr als Mensch geboren wurde, die Geheimnisse der Engelsweisheit vollkommen verstanden, fast so gut wie die Engel. Aber nicht nur für sie traf das zu, sondern sogar für manche aus dem teuflischen Gewimmel. Diese verstanden besagte Geheimnisse freilich nur, wenn sie sie hörten, nicht aber, wenn sie für sich darüber nachdachten. Denn nur, wenn sie sie hörten, drang von oben her Licht bei ihnen ein, wenn sie hingegen für sich darüber nachdachten, konnte nur das ihrer Wärme bzw. ihrer Liebe entsprechende Licht eindringen. Sobald sie daher die Ohren wieder abwandten, wußten sie nichts mehr von jenen Geheimnissen des Engelsweisheit. Die zur höllischen Menge Gehörigen wiesen sie sogar zurück und leugneten sie ganz und gar, weil das Feuer ihrer Liebe und ihr Licht trügerisch waren und eine Finsternis mit sich brachten, die das von oben einfallende himmlische Licht auslöschte.

*244. Auch in der Welt beobachtet man etwas ähnliches. Wenn ein Mensch, der nicht völlig dumm ist oder der sich nicht in seinem intellektuellen Dünkel schon auf etwas Falsches festgelegt hat, andere über einen Gegenstand höherer Einsicht reden hört oder dergleichen liest, kann er es, einen genügenden Wissensdrang vorausgesetzt, verstehen und auch behalten und nachher begründen. Das gilt für böse wie für gute Menschen. Auch der Böse kann die göttlichen Grundsätze der Kirche, obgleich er sie in seinem Herzen leugnet, durchaus verstehen und auch darüber reden, ja predigen, und er kann gelehrte Bücher darüber schreiben, um sie zu begründen. Doch sobald er sich selbst überlassen darüber nachdenkt, führt ihn sein höllischer Trieb auf gegenteilige Gedanken, und er leugnet sie. Dies zeigt, daß der Verstand auch dann im geistigen Licht sein kann, wenn der Wille nicht in geistiger Wärme ist.

Aus all dem folgt auch, daß nicht der Verstand den Willen führt oder die Weisheit nicht die Liebe hervorbringt, sondern daß sie nur lehrt und den Weg aufzeigt. Die Weisheit lehrt den Menschen, wie er leben und zeigt ihm, welchen Weg er gehen soll. Und es folgt ferner, daß der Wille den Verstand führt und bewirkt, daß er in Übereinstimmung mit ihm wirkt, und daß die Liebe im Willen dasjenige im Verstand als Weisheit bezeichnet, was mit ihr übereinstimmt.

Weiter unten werden wir sehen, daß der Wille nichts durch sich selbst, sondern nur in Verbindung mit dem Verstande in Bewegung setzt. Es ist jedoch der Wille, der den Verstand zu seinem Teilhaber macht, indem er in ihn einfließt, nicht aber umgekehrt.

*245. Der Einfluß des Lichts in die drei dem Gemüt angehörenden Lebensgrade soll nun beschrieben werden: Die Formen im Menschen, die als Aufnahmegefäße für Wärme und Licht bzw. Liebe und Weisheit dienen und die, wie gesagt, in dreifacher Ordnung oder in drei Graden bestehen, sind von Geburt an durchsichtig und lassen das geistige Licht ebenso hindurch wie Kristallglas das natürliche Licht. Daher kann der Mensch, soweit es die Weisheit anlangt, bis zum dritten Grad erhoben werden. Dennoch aber schließen sich jene Formen nicht auf, ehe sich nicht geistige Wärme mit dem geistigen Licht, d.h. Liebe mit der Weisheit verbindet. Nur durch diese Verbindung werden jene durchscheinenden Formen den Graden nach aufgeschlossen.

Es verhält sich damit geradeso wie mit dem Licht und der Wärme der irdischen Sonne und ihrer Wirkung auf die Pflanzenwelt der Erde. Zwar ist das Licht des Winters ebenso strahlend wie das des Sommers, schließt aber nichts auf im Samen oder Baum. Das geschieht vielmehr erst, wenn sich die Frühlingswärme mit dem Licht verbindet. Dem ist so, weil das geistige Licht dem natürlichen entspricht, und die geistige Wärme der natürlichen.

*246. Zu dieser geistigen Wärme gelangt man nicht anders als dadurch, daß man das Böse als etwas Sündhaftes flieht und dann zum Herrn aufblickt. Denn solange der Mensch dem Bösen verhaftet ist, ist er auch der Liebe zum Bösen verhaftet, weil in der Begierde danach. Die Liebe und Begierde des Bösen sind aber Gegensätze zur geistigen Liebe und Neigung und können nur dadurch entfernt werden, daß man das Böse als Sünde flieht. Weil dies aber der Mensch nicht aus sich selbst heraus vermag, sondern nur aus dem Herrn, muß er zu diesem aufblicken. Flieht er dann das Böse aus der Kraft des Herrn, so wird bei ihm die Liebe zum Bösen samt deren Wärme entfernt und an ihrer Stelle die Liebe zum Guten samt deren Wärme eingepflanzt, durch die der höhere Grad aufgeschlossen wird. Der Herr fließt nämlich von oben her ein und schließt ihn auf, um dann die Liebe, die geistige Wärme, mit der Weisheit, dem geistigen Licht, zu verbinden. Aufgrund dieser Verbindung beginnt der Mensch geistig zu erblühen, ähnlich einem Baum im Frühling.

*247. Durch diesen Einfluß des geistigen Lichts in alle drei Grade seines Gemüts unterscheidet sich der Mensch von den Tieren. Daher hat der Mensch vor den Tieren voraus, daß er analytisch denken und nicht nur Natürliches, sondern auch Geistiges sehen und, sobald er es sieht, anerkennen und auf diese Weise umgebildet und wiedergeboren werden kann. Die Fähigkeit, geistiges Licht aufzunehmen ist das, was man unter Vernunft versteht und wovon oben die Rede war. Der Herr verleiht sie einem jeden, und sie kann ihm nicht wieder genommen werden, weil er sonst nicht umgebildet werden könnte. Aufgrund dieser Vernunftfähigkeit kann der Mensch nicht nur denken, sondern aus dem Denken auch reden, anders als die Tiere. Sodann kann er aufgrund seines anderen Vermögens, nämlich der Freiheit, von dem ebenfalls schon die Rede war, das tun, was er im Verstande denkt. Beide Fähigkeiten sind oben in # 240 zur Genüge behandelt worden.

Wird der höhere, d.h. der geistige Grad beim Menschen nicht aufgeschlossen, so wird er natürlich und sinnlich.

*248. Wie wir gezeigt haben, hat das menschliche Gemüt drei Grade, den natürlichen, den geistigen und den himmlischen. Diese können nach und nach aufgeschlossen werden. Ferner wurde gezeigt, daß zuerst der natürliche Grad aufgeschlossen wird, danach aber, wenn der Mensch das Böse als Sünde flieht und zum Herrn aufblickt, der geistige Grad und zuletzt der himmlische. Aus der Tatsache, daß diese Grade je nach dem Leben des Menschen nach und nach aufgeschlossen werden, ergibt sich die Folge, daß die beiden oberen Grade auch unaufgeschlossen bleiben können, so daß der Mensch im natürlichen, d.h. im letzten Grad bleibt. In der Welt ist zwar bekannt, daß es einen natürlichen und einen geistigen bzw. einen äußeren und einen inneren Menschen gibt, nicht bekannt ist aber, daß der natürliche dadurch zum geistigen Menschen wird, daß bei ihm ein bestimmter höherer Grad aufgeschlossen wird und dies durch das geistige Leben, d.h. das Leben nach den göttlichen Geboten geschieht, und daß der Mensch ohne ein solches Leben bloß natürlich bleibt.

*249. Beim natürlichen Menschen kann man drei Arten unterscheiden: Menschen, die nichts von den göttlichen Geboten wissen, Menschen, die zwar wissen, daß es so etwas gibt, aber nicht an ein entsprechendes Leben denken, und schließlich Menschen, die diese Gebote verachten und leugnen. Was die erste Art betrifft — Menschen, die nichts von den göttlichen Geboten wissen —, so bleiben sie notgedrungen natürlich, weil sie von sich selbst nicht belehrt werden können. Ein jeder wird über die göttlichen Gebote von anderen belehrt, welche sie aufgrund ihrer Religion kennen, nicht aber aufgrund unmittelbarer Offenbarungen (man vgl. dazu # 114-118 in dem Werk 'Die Lehre des Neuen Jerusalem von der Heiligen Schrift). Was die zweite Art betrifft — Menschen, die zwar etwas von den göttlichen Geboten wissen, aber nicht daran denken, danach zu leben-, so bleiben sie ebenfalls natürlich und kümmern sich um nichts als ums Irdische und Leibliche. Nach dem Tode sind sie je nach ihrer Fähigkeit zu nützlichem Tun die Knechte und Diener derer, die geistig sind. Der natürliche Mensch ist nämlich ein Knecht und Diener, der geistige Mensch aber Herr und Gebieter. Die dritte Art schließlich — Menschen, welche die göttlichen Gebote verachten und leugnen — bleiben nach dem Tode nicht nur natürlich, sondern werden auch sinnlich, je nach dem Grade ihrer Verachtung und Leugnung. Die Sinnlichen sind natürliche Menschen der untersten Stufe. Sie können nicht über den bloßen Anschein und die Sinnestäuschungen hinaus denken.

*250. In der Welt weiß man nicht, was der geistige und der natürliche Mensch eigentlich ist. Viele bezeichnen jemand als geistig, der in Wirklichkeit bloß natürlich ist, oder umgekehrt. Darum soll die Frage hier erörtert werden:

  1. Was ist ein natürlicher und was ein geistiger Mensch?

  2. Wie ist ein natürlicher Mensch beschaffen, bei dem der geistige Grad aufgeschlossen ist?

  3. Wie ist ein solcher Mensch beschaffen, wenn bei ihm der geistige Grad zwar nicht aufgeschlossen, aber auch nicht verschlossen ist?

  4. Und wie ist ein natürlicher Mensch beschaffen, wenn bei ihm der geistige Grad völlig verschlossen ist?

  5. Und schließlich, was ist der Unterschied zwischen dem Leben eines bloß natürlichen Menschen und dem der Tiere?

1. Was ist ein natürlicher und was ein geistiger Mensch?

*251. Der Mensch ist Mensch nicht wegen seines Gesichts und Körpers, sondern wegen seines Verstandes und Willens. Deshalb verstehen wir unter einem natürlichen oder geistigen Menschen seinen Verstand und Willen, die entweder natürlich oder geistig sind. Der natürliche Mensch ist inbezug auf seinen Verstand und Willen wie die natürliche Welt. Man kann ihn auch als eine Welt bzw. einen Mikrokosmos bezeichnen. Der geistige Mensch hingegen ist inbezug auf seinen Verstand und Willen wie die geistige Welt und kann auch als eine solche bzw. als ein Himmel bezeichnet werden.

Daraus geht hervor, daß der natürliche Mensch, weil er als eine Art von Abbild die natürliche Welt ist, das liebt, was zur natürlichen Welt gehört, wohingegen der geistige Mensch, weil er als eine Art Abbild die geistige Welt ist, das liebt, was zur geistigen Welt bzw. zum Himmel gehört. Zwar liebt der geistige Mensch auch die natürliche Welt, jedoch nicht anders als ein Herr seinen Diener, durch den er Nutzen schafft. Je nach seinen Nutzwirkungen wird auch der natürliche Mensch gewissermaßen geistig. Das geschieht, wenn er das mit seinen Nutzwirkungen zusammenhängende Angenehme aus dem Geistigen heraus empfindet. Einen Menschen dieser Art kann man als geistig-natürlich bezeichnen.

Der geistige Mensch liebt geistige Wahrheiten, und er liebt sie nicht nur um des Wissens und Verstehens willen, sondern er beabsichtigt sie auch. Im Unterschied zu ihm liebt der natürliche Mensch solche Wahrheiten auszusprechen und auch zu tun. Etwas Wahres zu tun, heißt Nutzen zu schaffen. Diese Unterordnung beruht auf der Verknüpfung der geistigen und der natürlichen Welt; denn was auch immer in der natürlichen Welt erscheint und geschieht, hat seine Ursache in der geistigen Welt.

Damit steht fest, daß sich der geistige Mensch völlig vom natürlichen unterscheidet und zwischen ihnen keine andere Kommunikation besteht als die zwischen Ursache und Wirkung.

2. Wie ein natürlicher Mensch beschaffen ist, bei dem der geistige Grad aufgeschlossen ist, ergibt sich aus dem Obigen.

*252. Dem ist noch beizufugen, daß der natürliche Mensch, sofern der geistige Grad bei ihm aufgeschlossen ist, als ein vollständiger Mensch gelten kann. Dann ist er nämlich den Engeln im Himmel, wie auch den Menschen in der Welt beigesellt und lebt in beiderlei Rücksicht unter der Leitung des Herrn. Der geistige Mensch (in ihm) holt nämlich Befehle ein durch das Wort vom Herrn und führt sie mithilfe des natürlichen Menschen aus. Der natürliche Mensch, dessen geistiger Grad aufgeschlossen ist, weiß nicht, daß er aus seinem geistigen Menschen heraus denkt und handelt, scheint es ihm doch so, als ob es aus ihm selbst geschehe, während es in Wirklichkeit nicht aus ihm, sondern aus dem Herrn geschieht. Ein solcher Mensch weiß auch nicht, daß er durch seinen geistigen Menschen im Himmel ist, obwohl der geistige Mensch in ihm mitten unter den Engeln des Himmels ist und diesen auch zuweilen, wenn auch nur kurz, erscheint, weil er sich wieder zu seinem natürlichen Menschen zurückzieht.

Der natürliche Mensch, dessen geistiger Grad erschlossen ist, weiß ferner nicht, daß sein geistiges Gemüt tausend Geheimnisse der Weisheit und tausend Wonnen der Liebe vom Herrn birgt und daß sie ihm nach dem Tode, wenn er ein Engel wird, bewußt werden. Der natürliche Mensch weiß aber diese Dinge deshalb nicht, weil der Verkehr zwischen dem natürlichen und geistigen Menschen durch Entsprechungen geschieht und ein solcher Verkehr im Verstande nicht anders wahrgenommen wird, wie Wahrheiten, die man im Licht sieht, und im Willen nicht anders als dadurch, daß Nutzwirkungen aus der Neigung heraus geleistet werden.

3. Wie ist der natürliche Mensch beschaffen, wenn bei ihm der geistige Grad zwar nicht aufgeschlossen, aber auch nicht verschlossen ist?

*253. Der geistige Grad ist nicht aufgeschlossen, aber auch nicht verschlossen bei Menschen, die einigermaßen ein Leben der tätigen Liebe geführt, dabei aber wenig von den echten Wahrheiten gewußt hatten. Der Grund ist, daß jener Grad durch die Verbindung von Liebe und Weisheit oder Wärme und Licht aufgeschlossen wird. Doch die Liebe bzw. die geistige Wärme allein schließt ihn nicht auf, ebenso wenig die Weisheit oder das geistige Licht allein, sondern nur beide zusammen. Wenn man daher die echten Wahrheiten, den Ursprung von Weisheit und Licht, nicht kennt, so vermag die Liebe jenen Grad nicht aufzuschließen, sondern nur dafür zu sorgen, daß er aufgeschlossen werden kann. Dies ist es, was wir damit meinen, daß er nicht verschlossen ist.

Es verhält sich hiermit ähnlich wie mit dem Pflanzenreich. Bloße Wärme läßt Samen und Baume nicht wachsen, sondern nur ihre Verbindung mit dem Licht kann das bewirken. Man muß wissen, daß alle Wahrheiten dem geistigen Licht angehören und alles Gute der geistigen Wärme, und daß das Gute den geistigen Grad durch die Wahrheiten aufschließt.

4. Wie ist ein natürlicher Mensch beschaffen, wenn bei ihm der geistige Grad völlig verschlossen ist?

*254. Der geistige Grad wird bei denen verschlossen, deren Leben böse ist, noch mehr aber bei denen, die von daher unwahr sind. Es ist ähnlich wie bei einem Nervenfaserchen, das auf die kleinste Berührung durch einen Fremdkörper damit reagiert, daß es sich zusammenzieht, oder wie bei allen Muskelfasern, ja dem ganzen Muskel oder Leib bei der Berührung durch einen harten oder kalten Gegenstand. Ebenso reagieren die Substanzen oder Formen des geistigen Grades beim Menschen auf die Berührung mit dem Bösen und Falschen des Betreffenden, da diese fremdartig sind. Der geistige Grad nämlich läßt, weil er nach der Form des Himmels gestaltet ist, nur Gutes zu sowie Wahrheiten, die ihren Ursprung im Guten haben. Nur diese sind ihm im Gegensatz zum Bösen und dem daraus entspringenden Falschen gleichartig. Dieser Grad zieht sich zusammen und verschließt sich auf diese Weise, und das besonders bei denen, die in der Welt aufgrund ihrer Eigenliebe der Liebe zur Herrschaft verfallen sind, da diese der Liebe zum Herrn entgegengesetzt ist. Er verschließt sich auch bei denen, die aufgrund ihrer Weltliebe leidenschaftlich danach begehren, die Güter anderer an sich zu reißen, wenn auch nicht im selben Maß.

Diese Triebe aber verschließen deshalb den geistigen Grad, weil sie der Ursprung des Bösen sind. Das Zusammenziehen und Verschließen jenes Grades läßt sich auch mit dem Umwickeln einer Spiralfeder in die entgegengesetzte Richtung vergleichen. Darin liegt auch der Grund, daß der geistige Grad, sobald er verschlossen ist, das Licht aus dem Himmel zurückwirft. Anstatt himmlischen Lichtes herrscht nun Finsternis, und die Wahrheit, die im Licht des Himmels ist, wird zu etwas Ekelerregendem. Bei diesen Menschen verschließt sich nicht nur der geistige Grad selbst sondern auch die obere Region des natürlichen Grades, d.h. das Gebiet der Vernunft. Schließlich bleibt nur noch die unterste Region des natürlichen Grades geöffnet, d.h. das Gebiet des Sinnlichen. Dieses liegt der Welt und den physischen Sinnen am nächsten, und wenn der Mensch so geworden ist, denkt, redet und folgert er von da aus. Ein aufgrund seines Bösen und daher rührenden Falschen auf die Stufe des bloß Sinnlichen herabgesunkener Mensch erscheint im himmlischen Licht der geistigen Welt nicht als Mensch, sondern als Monstrum, wie auch mit zurückgezogener Nase (cum retracto naso), und dies deshalb, weil die Nase dem Innewerden des Wahren entspricht. Ein solcher Mensch erträgt auch nicht den geringsten Strahl des himmlischen Lichts, darum gleicht das Licht in den Höhlen, in denen er sich aufhält, dem Licht von glühenden oder feurigen Kohlen.

Aus alledem wird klar, von welcher Art und Beschaffenheit diejenigen sind, bei denen der geistige Grad verschlossen ist.

5. Der Unterschied zwischen dem Leben eines bloß natürlichen Menschen und dem der Tiere.

*255. Darüber wird im Abschnitt über das Leben ausführlich gesprochen werden. Daher hier nur soviel: Dieser Unterschied besteht darin, daß der Mensch drei Grade des Gemüts bzw. drei Grade des Verstandes und Willens hat, die nach und nach aufgeschlossen werden können. Weil sie durchscheinend sind, kann der Mensch mit seinem Verstand ins Licht des Himmels erhoben werden und Wahrheiten schauen — nicht allein bürgerliche und sittliche, sondern auch geistige. Aus mehrerem, was er so geschaut hat, kann er auf die Wahrheiten in ihrer Reihenfolge schließen und auf diese Weise seinen Verstand in Ewigkeit vervollkommnen.

Die Tiere hingegen haben die beiden oberen Grade nicht, sondern nur die natürlichen, die ohne die oberen Grade keinerlei Fähigkeit haben, über irgend einen bürgerlichen, sittlichen und geistigen Gegenstand nachzudenken. Und weil ihre natürlichen Grade nicht der Aufschließung und somit der Erhebung in ein höheres Licht fähig sind, können sie nicht in aufeinanderfolgender, sondern nur in gleichzeitiger Ordnung denken. Das heißt aber nicht denken, sondern tätig sein aus einer ihrem Trieb entsprechenden Kenntnis. Und da sie nicht analytisch denken und einen niederen Gedanken von irgend einem höheren herab zu erblicken vermögen, können sie auch nicht reden, sondern nur Töne von sich geben, die zu dem Wissen ihrer Liebe paßt.

Der sinnliche Mensch, d.h. der Mensch auf der Stufe des untersten Natürlichen, unterscheidet sich vom Tier nur darin, daß er sein Gedächtnis mit Kenntnissen anfüllen und von daher denken und reden kann. Dies beruht auf der jedem Menschen eigenen Fähigkeit, das Wahre einzusehen, wenn er nur will. Diese Fähigkeit ist das Unterscheidende. Gleichwohl haben sich viele durch Mißbrauch dieser Fähigkeit unter die Tiere herabgesetzt.

An sich betrachtet ist der natürliche Grad des menschlichen Gemüts stetig fortlaufend; aber aufgrund seiner Entsprechung mit den beiden höheren Graden erscheint er, wenn er erhoben wird, als sei er ein gesonderter.

*256. Wenn dies auch von denen nur schwer verstanden werden kann, die noch keine Kenntnis von den Höhengraden haben, muß es doch, da zur Engelsweisheit gehörig, geoffenbart werden. Diese Weisheit aber kann, obgleich sie der natürliche Mensch nicht in derselben Weise in sein Denken aufzunehmen vermag, wie die Engel, vom Verstande dennoch erfaßt werden, sobald dieser bis zu dem Grade des Lichtes erhoben wird, in dem die Engel sind. Denn der Verstand kann bis dahin erhoben und je nach seiner Erhebung auch erleuchtet werden. Allem die Erleuchtung des natürlichen Gemüts steigt nicht durch die gesonderten Grade empor. Sie nimmt vielmehr zu innerhalb des stetig fortlaufenden Grades. Und je wie sie zunimmt, wird das Gemüt von innen heraus durch das Licht der beiden oberen Grade erleuchtet. Um zu verstehen, wie das geschieht, benötigen wir ein Verständnis der Höhengrade, nämlich daß einer über dem anderen liegt, während der natürliche Grad, welcher der letzte von ihnen ist, gleichsam die gemeinsame Umhüllung der beiden oberen Grade bildet. Sowie nun der natürliche Grad zum nächsthöheren Grad erhoben wird, wirkt dieser von innen her in ihn ein und erleuchtet ihn. Diese Erleuchtung kommt zwar von innen aus dem Licht der oberen Grade, doch wird sie vom natürlichen Grad, der sie umhüllt und umgibt, in stetig fortlaufender Weise aufgenommen, also umso heller und reiner, je höher er aufsteigt. Mit anderen Worten: der natürliche Grad wird von innen her aus dem Licht der oberen Grade erleuchtet, die gesondert sind, doch innerhalb des natürlichen Grades geschieht es auf kontinuierliche Weise.

Daher kann der Mensch, solange er in der Welt lebt und auf den natürlichen Grad beschränkt ist, nicht in die bei den Engeln herrschende Weisheit selbst, sondern nur in ein höheres Licht bis zu den Engeln hinan erhoben werden und aus ihrem Licht Erleuchtung empfangen, das von innen heraus bei ihnen einfließt und sie erleuchtet. Doch läßt sich das noch nicht deutlicher beschreiben. Es kann besser aufgrund der Wirkungen begriffen werden, weil diese die Ursachen, sobald man von diesen wenigstens schon etwas weiß, besser ins Licht setzen.

*257. Die Wirkungen sind folgende:

Das natürliche Gemüt kann bis zum Licht des Himmels, das die Engel umgibt, erhoben werden und auf natürliche Weise wahrnehmen, was diese geistig wahrnehmen. Das heißt, weil das natürliche Gemüt des Menschen nicht ins Licht der Engel selbst erhoben werden kann, geschieht diese Wahrnehmung nicht so vollständig.

Der Mensch kann durch sein bis zum Licht des Himmels erhobenes Gemüt mit den Engeln denken, ja sogar reden. Dabei fließt jedoch das Denken und Reden der Engel ins natürliche Denken und Reden des Menschen ein, nicht aber umgekehrt. Daher sprechen die Engel mit dem Menschen in seiner Muttersprache, also in der natürlichen Sprache.

Dies geschieht durch ein geistiges Einfließen ins natürliche Gemüt, nicht durch ein natürliches Einfließen ins geistige Gemüt.

Die menschliche Weisheit ist, solange der Mensch in der natürlichen Welt lebt, natürlich. Daher kann sie durchaus nicht in die Weisheit der Engel erhoben werden, sondern nur in eine Art Abbild derselben, geschieht doch die Erhebung des natürlichen Gemüts in kontinuierlicher Weise wie vom Schatten zum Licht oder wie vom Gröberen zum Reineren. Wohl aber kommt ein Mensch, bei dem der geistige Grad erschlossen ist, mit dem Tode in jene Weisheit, kann aber auch in sie kommen, wenn seine körperlichen Empfindungen eingeschläfert werden und dann ein Einfluß von oben her ins Geistige seines Gemüts erfolgt.

Das natürliche Gemüt des Menschen besteht sowohl aus geistigen wie aus natürlichen Substanzen. Aber das Denken beruht auf den geistigen, nicht auf den natürlichen Substanzen. Letztere schwinden dahin (recedunt), wenn der Mensch stirbt, nicht so die geistigen Substanzen. Deshalb behalt eben dieses Gemüt nach dem Tode, wenn der Mensch ein Geist oder Engel wird, eine ähnliche Form wie in der Welt.

Die natürlichen Substanzen dieses Gemüts, die, wie gesagt, beim Tode dahinschwinden, bilden eine hautartige Umhüllung des geistigen Leibes, in dem die Geister und Engel erscheinen. Diese Hülle, die aus der natürlichen Welt stammt, gibt ihrem geistigen Leib Bestand, ist doch das Natürliche das Letzte, was alles zusammenhält. Das ist auch der Grund, weshalb es keinen Geist oder Engel gibt, der nicht als Mensch geboren wäre.

Diese Geheimnisse der Engelsweisheit werden hier angeführt, damit man über die Beschaffenheit des natürlichen Gemüts beim Menschen Bescheid wisse, von dem auch im Folgenden noch weiter die Rede sein wird.

*258. Jeder Mensch wird mit der Fähigkeit geboren, die Wahrheiten bis zum innersten Grad einzusehen, also bis zu dem Grad, in dem die Engel des dritten Himmels sind. Denn der menschliche Verstand nimmt, wenn er in kontinuierlicher Weise rings um die beiden oberen Grade aufsteigt, das Licht der Weisheit jener Grade so auf, wie es oben # 256 geschildert wurde. Daher kann der Mensch nach dem Maß seiner Erhebung vernünftig werden. Geschieht die Erhebung bis zum dritten Grad, wird er vernünftig aus dem dritten Grad, geschieht sie bis zum zweiten Grad, wird er vernünftig aus dem zweiten Grad, geschieht sie gar nicht, ist er vernünftig nur im ersten Grad.

Es wird gesagt, der Mensch werde aus jenen Graden vernünftig, weil der natürliche Grad das gemeinsame Aufnahmegefäß ihres Lichtes ist. Wenn der Mensch nicht, wie er es könnte, bis zum höchsten Grad vernünftig wird, so darum, weil die Liebe, die dem Willen zugehört, nicht in derselben Weise erhoben werden kann wie die Weisheit, die dem Verstand zugehört. Die dem Willen zugehörige Liebe wird nur dadurch erhoben, daß der Mensch das Böse als Sünde flieht und gute Taten der Nächstenliebe vollbringt. Diese Taten sind dann jene Nutzwirkungen, die der Mensch aus der Kraft des Herrn leistet.

Wird daher die dem Willen zugehörige Liebe nicht zugleich erhoben, so wird die dem Verstande zugehörige Weisheit, wie hoch sie auch gestiegen sein mag, schließlich doch wieder auf das Niveau ihrer Liebe zurückgeworfen. So kommt es, daß der Mensch, wenn seine Liebe nicht mit dem Verstand zusammen in den geistigen Grad erhoben wird, doch nur auf der untersten Stufe vernünftig ist. Aus alledem können wir schließen, daß das Vernünftige (rationale) des Menschen dem Anschein nach drei Stufen aufweist: Ein Vernünftiges aus dem Himmlischen, eines aus dem Geistigen und eines aus dem Natürlichen. Und weiter können wir daraus den Schluß ziehen, daß die Vernunft (rationalitas) als die Fähigkeit, sich zu erheben — ob sie nun ausgeübt wird oder nicht — ununterbrochen beim Menschen vorhanden ist.

*259. Wir haben gesagt, daß jeder Mensch mit der Vernunftfähigkeit geboren werde. Damit ist aber gemeint: Jeder Mensch, bei dem das Äußere nicht durch irgendwelche Umstände, sei es im Mutterleib oder nach der Geburt, sei es infolge einer Krankheit oder Kopfverletzung, sei es eine überspannte, alle Bande zerreißende Leidenschaft beschädigt ist. Bei solchen Menschen kann das Vernünftige nicht erhoben werden, weil das Leben, das im Willen und Verstand liegt, bei ihnen keine Begrenzungen hat, in die es auslaufen könnte und die so eingerichtet waren, daß es der Ordnung gemäß die letzten Handlungen vollbringen konnte. Das Leben äußert sich nämlich gemäß den letzten Begrenzungen, aber nicht aufgrund derselben. Über die Unmöglichkeit der Erhebung der Vernunft bei Kindern und Knaben vgl. man unten # 266 am Ende.

Das natürliche Gemüt ist als Umhüllung und Gefäß der oberen Grade des menschlichen Gemüts reaktiv. Werden die oberen Grade nicht aufgeschlossen, so wirkt es wider sie, werden sie aber aufgeschlossen, wirkt es mit ihnen zusammen.

*260. Im letzten Abschnitt wurde gezeigt, daß das natürliche Gemüt, weil es im letzten Grad ist, das geistige und das himmlische Gemüt, die den Graden nach höher sind, umhüllt und umschließt. Hier soll nun gezeigt werden, daß das natürliche Gemüt gegen die höheren oder inwendigeren Bereiche des Gemüts reagiert. Die Ursache dieses Reagierens beruht darauf, daß es sie umhüllt, umschließt und in sich enthält, was ohne Rückwirkung nicht geschehen konnte. Denn wenn es nicht reagierte, würde sich das Inwendige oder Eingeschlossene aus dem Zusammenhang herauslösen und damit zerfallen. Es wäre, wie wenn die den menschlichen Körper umgebende Haut nicht reagierte, so daß die Eingeweide, die das Innere des Körpers darstellen, herausfielen und auseinanderflossen. Oder es wäre, wie wenn das Häutchen, das die Bewegungsfasern eines Muskels umgibt, nicht gegen die Kräfte bei der Tätigkeit der Fasern reagierte. Nicht nur würde diese Tätigkeit aufhören, sondern es würden sich auch alle inneren Gewebe auflösen.

Dasselbe gilt für jeden letzten Grad in einer Serie von Höhengraden, folglich auch für das natürliche Gemüt inbezug auf die höheren Grade. Oben wurde ja gezeigt, daß das menschliche Gemüt drei Grade aufweist, einen natürlichen, einen geistigen und einen himmlischen. Das natürliche Gemüt steht im letzten Grad. Daß es gegen das geistige Gemüt reagiert, beruht auch darauf, daß es nicht nur aus Substanzen der geistigen, sondern auch der natürlichen Welt besteht (vgl. oben # 257). Diese aber reagieren aufgrund ihres Wesens gegen die Substanzen der geistigen Welt. Die Substanzen der natürlichen Welt sind nämlich an sich tot und werden durch die Substanzen der geistigen Welt von außen in Bewegung gesetzt. Was aber an sich tot ist und von außen her in Bewegung gesetzt wird, leistet von seinem Wesen her Widerstand, reagiert also aufgrund seines Wesens.

Damit kann als feststehend betrachtet werden, daß der natürliche Mensch gegen den geistigen reagiert und zwischen ihnen ein Kampf stattfindet. Im übrigen läuft es auf dasselbe hinaus, ob man sagt, der natürliche und der geistige Mensch oder das natürliche und das geistige Gemüt.

*261. Damit steht auch fest, daß das natürliche Gemüt, wenn das geistige verschlossen ist, stets gegen das wirkt, was zum geistigen Gemüt gehört, und daß es fürchtet, es könnte etwas von daher einfließen, was Störung in seine Zustände brachte. Alles nämlich, was durch das geistige Gemüt einfließt, stammt aus dem Himmel, ist doch das geistige Gemüt seiner Form nach himmlisch.

Demgegenüber entspringt alles, was aus dem natürlichen Gemüt einfließt, der Welt, da das natürliche Gemüt seiner Form nach weltlich ist. Daraus folgt, daß das natürliche Gemüt, solange das geistige verschlossen ist, gegen alle Dinge des Himmels reagiert und ihnen keinen Eintritt gewährt, es sei denn, sie ließen sich dazu benutzen, sich weltliche Güter zu erwerben, um sie zu besitzen. Wenn aber die himmlischen Dinge dem natürlichen Gemüt für seine Zwecke dienstbar gemacht werden, so werden sie trotz ihrer himmlischen Erscheinung zu etwas Natürlichem. Denn der Zweck entscheidet über ihre Beschaffenheit. Im genannten Falle werden sie nämlich wie das Wissen des natürlichen Menschen, also inwendig leblos. Da sich nun aber das Himmlische nicht so mit dem Natürlichen verbinden kann, daß sie einheitlich zusammenwirken, so trennen sie sich. Das Himmlische setzt sich bei den bloß natürlichen Menschen äußerlich um ihr Natürliches herum an, welches bei ihnen das Innere bildet. Darauf beruht es auch, daß ein bloß natürlicher Mensch sehr wohl Himmlisches reden und predigen, ja auch durch Handlungen simulieren kann, obgleich er in seinem Inneren das Gegenteil denkt. Letzteres tut er, wenn er für sich allein ist, Ersteres, wenn er in Gesellschaft ist. Mehr darüber weiter unten.

*262. Das natürliche Gemüt oder der natürliche Mensch handelt, falls er sich und die Welt über alles liebt, aufgrund seiner angeborenen Reaktionsweise dem zuwider, was das geistige Gemüt oder den geistigen Menschen ausmacht. Dann empfindet er auch Lust an jeder Art von Bösem, wie Ehebrüchen, Betrügereien, Rachehandlungen, Lästerungen und dergleichen. Ein solcher Mensch hält die Natur für die Schöpferin des Weltalls und begründet alles durch seine Vernunft. Wenn das geschehen ist, verdreht er entweder das Gute und Wahre des Himmels und der Kirche oder er erstickt und verwirft es. Schließlich flieht er es entweder oder empfindet einen Widerwillen dagegen, ja haßt es geradezu. Dies geht in seinem Geist vor, und zeigt sich in seinem Körper nur insoweit, als er mit anderen darüber zu reden wagt, ohne für seinen guten Ruf und darum für Ehre und Erwerb fürchten zu müssen. Ist der Mensch von dieser Art, so verschließt er das geistige Gemüt stufenweise immer mehr. Das geschieht besonders dadurch, daß er das Böse durch Falsches begründet. Und so kommt es, daß das in solcher Weise begründete Böse und Falsche nach dem Tode nicht mehr ausgerottet werden kann. Es wird nur in der Welt ausgerottet, und zwar durch die Sinnesänderung.

*263. Ganz anders aber ist der Zustand des natürlichen Gemüts, wenn das geistige aufgeschlossen ist. Dann nämlich wird das natürliche Gemüt dazu gebracht, daß es dem geistigen gehorcht und sich ihm unterordnet. Denn das geistige Gemüt wirkt von oben herab oder von innen heraus ins natürliche Gemüt ein, entfernt, was ihm dort entgegenwirkt, und paßt sich dem an, was in Übereinstimmung mit ihm wirkt. So wird nach und nach die überhandnehmende Wirkung aufgehoben.

Man muß wissen, daß es im Weltall im Größten wie im Kleinsten, im Belebten wie im Unbelebten Wirkung und Gegenwirkung gibt, wodurch ein Gleichgewicht entsteht. Dieses geht verloren, wenn die Gegenwirkung die Wirkung überwiegt, oder umgekehrt. Derselbe Grundsatz gilt auch für das Verhältnis zwischen dem natürlichen und dem geistigen Gemüt. Handelt das natürliche Gemüt nach den Lüsten seiner Liebe und nach dem, was seinem Denken angenehm ist - d.h. aus Bösem und Falschem —, so beseitigt die Reaktion des natürlichen Gemüts das, was zum geistigen Gemüt gehört. Es verrammelt alle Zugänge, damit es nicht eindringen kann und sorgt dafür, daß sich seine Tätigkeit aus dem heraus bildet, was mit seiner Reaktion übereinstimmt. Dies bewirkt eine Tätigkeit und Reaktion des natürlichen Gemüts, die denen des geistigen Gemüts entgegengesetzt sind. Die Folge ist eine Verschließung des geistigen Gemüts, die man mit dem Zurückbeugen einer Spiralfeder vergleichen kann.

Wird hingegen das geistige Gemüt aufgeschlossen, so werden Tätigkeit und Reaktion des natürlichen Gemüts umgekehrt. Dann wirkt nämlich das geistige Gemüt von oben herab bzw. von innen heraus und benutzt zugleich all das, was im natürlichen Gemüt zum Gehorsam gebracht worden ist, und zwar mehr von innen oder von außen her. So wird gleichsam die Spiralfeder zurückgebogen, auf der Tätigkeit und Reaktion des natürlichen Gemüts beruht; denn dieses Gemüt steht von Gehurt an im Gegensatz zu dem, was zum geistigen Gemüt gehört. Bekanntlich ist ihm das von den Eltern her anererbt.

Dies ist jene Zustandsveränderung, die wir als Umbildung (reformatio) und Wiedergeburt (regeneratio) bezeichnen. Der Zustand des natürlichen Gemüts vor der Umbildung läßt sich mit einer abwärts gekrümmten und gewundenen Spiralfeder vergleichen. Nach der Umbildung kann dieser Zustand mit einer nach oben gekrümmten und gewundenen Spiralfeder verglichen werden. Daher blickt der Mensch vor der Umbildung abwärts zur Hölle, nachher aber aufwärts zum Himmel.

Der Ursprung des Bösen liegt im Mißbrauch der dem Menschen eigenen Fähigkeiten von Vernunft und Freiheit.

*264. Unter Vernunft verstehen wir die Fähigkeit, das Wahre und von daher auch das Falsche, sowie das Gute und von daher auch das Böse einzusehen. Mit 'Freiheit' meinen wir die Fähigkeit, es frei zu denken, zu wollen und zu tun. Aufgrund der obigen Darlegungen und noch mehr aufgrund des Folgenden läßt sich feststellen, daß dem Menschen diese beiden Fähigkeiten von Geburt an gegeben sind, daß sie vom Herrn kommen und nie genommen werden. Sie sind der Ursprung der Erscheinung, daß der Mensch denkt, redet, will und handelt wie aus sich. In diesen beiden Fähigkeiten wohnt der Herr bei einem jeden Menschen, und dieser Verbindung wegen lebt der Mensch in Ewigkeit. Durch diese beiden Fähigkeiten, und nicht ohne sie, kann der Mensch umgebildet und wiedergeboren werden, und durch sie unterscheidet er sich von den Tieren.

*265. Der Ursprung des Bösen liegt im Mißbrauch dieser beiden Fähigkeiten, wie in folgender Ordnung nachgewiesen werden soll:

  1. Der böse Mensch erfreut sich ihrer ebenso wie der gute.

  2. Der böse Mensch mißbraucht sie zur Begründung des Bösen und Falschen, der gute gebraucht sie zur Begründung des Guten und Wahren.

  3. Begründetes Böses und Falsches bleibt beim Menschen und wird zu einem Teil seiner Liebe und so seines Lebens.

  4. Was seiner Liebe und seinem Leben einverleibt wurde, wird seinen Nachkommen eingepflanzt.

  5. Alles Böse, das angeborene wie das erworbene, hat seinen Sitz im natürlichen Gemüt.

1. Der böse wie der gute Mensch erfreut sich jener beiden Fähigkeiten.

*266. Im letzten Abschnitt haben wir gezeigt, daß das natürliche Gemüt, was den Verstand betrifft, bis zum Licht der Engel des dritten Himmels erhoben werden und so das Wahre sehen, anerkennen und wiedergeben kann. Aus der Tatsache, daß es auf diese Weise erhoben werden kann, geht hervor, daß sich Böse wie Gute der Fähigkeit erfreuen, die wir als Vernunft bezeichnen. Und daraus, daß das natürliche Gemüt soweit erhoben werden kann, geht ferner hervor, daß es jenes Wahre auch denken und wiedergeben kann. Was die Fähigkeit anlangt, es auch zu wollen und zu tun, obgleich man es eigentlich gar nicht will und tun möchte, bezeugen Vernunft und Erfahrung.

Die Vernunft bezeugt es, denn wer wäre unfähig, zu wollen und zu tun, was er denkt? Wenn er es aber nicht will und nicht tut, so deshalb, weil er keine Liebe dazu hat, es zu wollen und zu tun. Daß er das Gute und Wahre wollen und tun kann, ist die Freiheit, die jedem Menschen vom Herrn gegeben wird; Wenn er es aber nicht will und nicht tut, obwohl er es doch könnte, so wegen seiner Liebe zum Bösen, die dem widerstrebt. Er kann ihr aber widerstehen, und manche tun es auch.

Dies ist mir durch Erfahrung in der geistigen Welt oftmals bestätigt worden. Ich hörte böse Geister, die inwendig Teufel waren und in der Welt die Wahrheiten des Himmels und der Kirche verworfen hatten. Sobald bei ihnen die Neugier, die jeder von der Kindheit an hat, durch die Glorie erregt war, die wie ein feuriger Schein jede Liebe umgibt, verstanden sie die Geheimnisse der Engelsweisheit ebensogut wie die guten Geister, die inwendig Engel waren. Ja, die teuflischen Geister sagten sogar, sie könnten zwar durchaus diesen Engelsweisheiten entsprechend wollen und tun, wollten es aber nicht. Als man ihnen dann sagte, sie würden es auch wollen, sobald sie nur das Böse als Sünde mieden, antworteten sie, auch das könnten sie, wollten es aber nicht.

Daraus ersah ich, daß die Bösen ebenso wie die Guten die Fähigkeit haben, die man Freiheit nennt. Es gehe ein jeder selbst mit sich zu Rate, so wird er dies bestätigt finden. Der Grund, weshalb der Mensch wollen kann, ist der, daß der Herr, von dem diese Fähigkeit stammt, fortwahrend dafür sorgt, daß er es kann. Denn, wie oben bereits gesagt, der Herr wohnt in den genannten beiden Fähigkeiten bei jedem Menschen, folglich in der Fähigkeit oder in der Kraft, wollen zu können. Was die Fähigkeit betrifft, die Wahrheiten zu verstehen, Vernunft genannt, so findet sie sich beim Menschen nicht eher als bis sein natürliches Gemüt zur Reife gelangt ist. Bis dahin verhält es sich damit wie mit dem Samen in einer unreifen Frucht, der in der Erde nicht aufgehen und zum Strauch werden kann. Die Vernunftfähigkeit findet sich auch nicht bei den Menschen, von denen oben # 2S9 die Rede war.

2. Der böse Mensch mißbraucht diese Fähigkeiten zur Begründung des Bösen und Falschen, der gute gebraucht sie zur Begründung des Guten und Wahren.

*267. Die Fähigkeit zu verstehen, also die Vernunft, und die Fähigkeit zu wollen, also die Freiheit, verleihen dem Menschen die Möglichkeit, alles zu begründen, was er nur will. Denn der natürliche Mensch kann — soweit er es wünscht — seinen Verstand zu höherem Licht erheben. Wer freilich im Bösen und von daher im Falschen ist, erhebt ihn nur bis in die obere Region seines natürlichen Gemüts, selten in die des geistigen Gemüts. Dem ist so, weil er den Lustreizen der Liebe seines natürlichen Gemüts ergeben ist. Wenn er sich darüber hinaus erhebt, schwindet der Lustreiz seiner Liebe. Erhebt er sich dennoch höher und sieht die den Lustreizen seines Lebens bzw. die den Grundsätzen seiner eigenen Einsicht entgegengesetzten Wahrheiten, so verfälscht er sie entweder oder geht an ihnen voller Verachtung vorüber, oder aber er verleibt sie seinem Gedächtnis ein, damit sie bei Gelegenheit seiner Lebensliebe oder dem Dunkel seiner eigenen Einsicht als Werkzeuge dienen.

Die Tatsache, daß der natürliche Mensch alles begründen kann, was immer er will, wird deutlich an den vielen Irrlehren in der Christenheit. Eine jede wird von ihren Anhängern begründet. Und wer wüßte nicht, daß sich Böses und Falsches jeder Art begründen läßt? So kann z.B. begründet werden und die Bösen tun es auch bei sich selbst —, daß es keinen Gott gibt, vielmehr die Natur alles ist und sich selbst hervorgebracht hat. Es kann begründet werden, daß die Religion nur ein Mittel sei, um die einfältigen Seelen in Schach zu halten, oder daß die menschliche Klugheit alles bewirke und die göttliche Vorsehung nichts, außer daß sie das Weltganze in seiner erschaffenen Ordnung erhalte. Es kann ferner begründet werden, daß Mord, Ehebruch, Diebstahl, Betrug und Rache erlaubt seien, wie Machiavelli und seine Anhänger lehrten.

All dies und vieles andere mehr kann der natürliche Mensch begründen, ja ganze Bücher kann er mit derartigen Argumenten füllen. Und ist etwas Falsches einmal begründet, so scheint es in seinem unechten Licht, während die Wahrheiten in einen solchen Schatten geraten, daß sie kaum mehr anders gesehen werden können denn als Nachtgespenster.

Mit einem Wort: Nimm die größte Falschheit, stelle sie als These auf und sage einem scharfsinnigen Kopf: 'Begründe dies!' und er wird es begründen, bis er das Licht der Wahrheit völlig ausgelöscht hat. Dann aber lege seine Begründung beiseite, kehre zu deiner These zurück, betrachte sie mit deiner Vernunft, und du wirst ihre Falschheit in ihrer ganzen Häßlichkeit sehen.

So kann als feststehend gelten, daß der Mensch die beiden ihm vom Herrn verliehenen Fähigkeiten zur Begründung von Bösem und Falschem jeder Art mißbrauchen kann. Dies vermag kein Tier, weil es sich jener Fähigkeiten nicht erfreut. Deshalb wird das Tier in seine vollständige Lebensordnung und Kenntnis seiner natürlichen Triebe (amoris sui naturalis) geboren, was beim Menschen nicht der Fall ist.

3. Begründetes Böses und Falsches bleibt beim Menschen und wird zu einem Teil seiner Liebe und so seines Lebens.

*268. Die Begründung des Bösen und Falschen ist nichts anderes als die Ablehnung des Guten und Wahren. Nimmt sie überhand, wird sie zur Verwerfung, denn das Böse lehnt das Gute ab und verwirft es, und das Falsche verhält sich ebenso gegenüber dem Wahren. Daher ist die Begründung des Bösen und Falschen zugleich auch ein Verschließen des Himmels, fließt doch alles Gute und Wahre vom Herrn durch den Himmel ein. Ist aber der Himmel verschlossen, so ist der Mensch in der Hölle, wo er sich in einer Gesellschaft befindet, in der ein Böses und Falsches ähnlicher Art regiert, und die er nachher nicht mehr verlassen kann.

Ich dürfte mit einigen sprechen, die vor Jahrhunderten die Falschheiten ihrer Religion bei sich begründet hatten und ich sah, daß sie noch immer darauf beharrten. Der Grund ist, daß all das, was der Mensch bei sich begründet, zu einem Teil seiner Liebe und seines Lebens wird. Es wird zu einem Teil seiner Liebe, weil es zu einem Teil seines Willens und seines Verstandes wird, Wille und Verstand aber das Leben eines jeden Menschen ausmachen. Wird es aber zu einem Teil seines Lebens, so wird es nicht nur zu einem Bestandteil seines ganzen Gemüts, sondern auch seines ganzen Leibes.

So ist denn offenbar, daß ein Mensch, der sich im Bösen und Falschen bestärkt hat, von Kopf bis Fuß so beschaffen ist. Ist das aber einmal der Fall, so kann der Mensch nicht mehr durch irgendeinen Prozeß der Umkehr oder Vergeltung in einen entgegengesetzten Zustand gebracht und damit aus der Hölle herausgezogen werden. Aufgrund dieser und der weiter oben dargelegten Tatsachen kann man sehen, wo das Böse seinen Ursprung hat.

4. Was der Liebe und dem Leben einverleibt wurde, wird den Nachkommen eingepflanzt.

*269. Bekanntlich wird der Mensch in Böses hineingeboren und empfängt es als Erbteil von seinen Eltern. Manche glauben, daß er es nicht von seinen Eltern, sondern durch die Eltern von Adam her empfange. Doch das ist ein Irrtum. Der Mensch empfängt es von seinem Vater, dem er auch seine Seele verdankt, die bei der Mutter mit einem Leib bekleidet wird; denn der väterliche Same ist der erste Behälter des Lebens, aber es ist dieselbe Art von Behälter, die im Vater bestand. Tatsächlich ist er in der Form seiner Liebe, und die Liebe eines jeden ist sich im Größten wie im Kleinsten ähnlich. In ihr ist auch ein Streben zur menschlichen Gestalt, in die sie auch nach und nach eingeht.

Daraus folgt, daß das sogenannte anererbte Böse von den Vätern stammt, mithin von den Großvätern und Urgroßvätern stufenweise auf die Nachkommenschaft fortgeleitet wird. Dies lehrt auch die Erfahrung, besteht doch hinsichtlich der Neigungen eine Ähnlichkeit der Stämme mit ihrem Stammvater. Mehr noch gilt dies für die Sippen, ja für die einzelnen Familien. Diese Ähnlichkeit ist derart, daß man Sippen nicht nur an ihrer Gemütsart, sondern auch an den Gesichtszügen erkennt.

Über die Fortpflanzung der Liebe zum Bösen von den Eltern auf die Kinder wird im Folgenden noch mehr gesagt werden, wo von der Entsprechung des Gemüts bzw. des Willens und Verstandes mit dem Körper und dessen Gliedern und Organen gehandelt wird. Hier nur dieses Wenige, damit man wisse, daß sich das Böse von den Eltern allmählich weitervererbt und durch Anhäufung des einen nach dem anderen wächst, bis schließlich der Mensch von Geburt an nichts als Böses ist und die Bösartigkeit des Bösen je nach dem Grad der Abschließung des geistigen Gemüts wächst. Denn dadurch wird auch das natürliche Gemüt von oben her verschlossen. Dies wird bei den Nachkommen nicht wiederhergestellt, außer dadurch, daß man das Böse vom Herrn her als Sünde flieht. Nur so und nicht anders wird das geistige Gemüt aufgeschlossen und damit das natürliche Gemüt in die entsprechende Form gebracht.

5. Alles Böse, das angeborene wie das erworbene, hat seinen Sitz im natürlichen Gemüt.

*270. Das Böse und das daraus hervorgehende Falsche hat deshalb seinen Sitz im natürlichen Gemüt, weil dieses in der Form oder im Bild eine Welt ist, während das geistige Gemüt in der Form oder im Bild ein Himmel ist und das Böse nicht im Himmel wohnen kann. Darum ist dieses Gemüt nicht von Geburt an aufgeschlossen, ist aber so beschaffen, daß es aufgeschlossen werden kann. Das natürliche Gemüt baut seine Form auch teilweise aus Substanzen der natürlichen Welt auf, das geistige Gemüt hingegen gebraucht hierzu allein Substanzen aus der geistigen Welt. Es wird vom Herrn in seiner Reinheit (integritas) erhalten, damit der Mensch zum Menschen werden kann, kommt er doch als Tier zur Welt und wird erst zum Menschen.

Das natürliche Gemüt mit allem, was zu ihm gehört, ist in kreisförmigen Windungen angelegt, die von rechts nach links führen, das geistige Gemüt hingegen in Windungen, die von links nach rechts führen. Beide Gemüter sind also in entgegengesetzter Richtung angelegt — ein Zeichen, daß das Böse im natürlichen Gemüt seinen Sitz hat und von sich aus gegen das geistige Gemüt handelt. Dazu kommt, daß die Richtung der von rechts nach links führenden Windungen abwärts, der Hölle zu, weist, während die Richtung der von links nach rechts führenden Windungen aufwärts, dem Himmel zu, weist.

Folgende Erfahrung hat mir dies bestätigt: Böse Geister können sich nämlich nicht von links nach rechts umwenden, sondern nur von rechts nach links, während gute Geister sich nur mit Mühe von rechts nach links, leicht aber von links nach rechts umdrehen können. Die Umdrehung folgt der inwendigen Strömung des Gemüts.

Das Böse und Falsche bildet in jeder Hinsicht den Gegensatz zum Guten und Wahren, weil es teuflisch und höllisch, das Gute und Wahre aber göttlich und himmlisch ist.

*271. Dies gibt jeder zu, sobald er es hört. Weil aber Menschen, die ins Böse verstrickt sind, nur empfinden und wahrnehmen, daß das Böse gut ist — denn das Böse ist ihren Sinnen, vor allem Gesicht und Gehör, angenehm und erfreut daher auch ihre Gedanken und folglich ihre Wahrnehmungen —, so erkennen sie zwar an, daß das Böse und Gute Gegensätze sind. Doch solange sie in etwas Böses verstrickt sind, läßt sie das damit verbundene angenehme Gefühl das Böse gut nennen, und umgekehrt.

Ein Beispiel: Wer seine Freiheit dazu mißbraucht, etwas Böses zu denken und zu tun, nennt dies Freiheit, das Entgegengesetzte aber, nämlich Gutes zu denken, das in sich selbst gut ist, nennt er Knechtschaft, obgleich dies doch die wahre Freiheit, jenes aber Knechtschaft ist. Wer den Ehebruch liebt, hält ehebrecherische Handlungen für einen Ausdruck der Freiheit, sie nicht begehen zu dürfen für Unfreiheit, bedeutet ihm doch die Geilheit Lust und die Keuschheit Unlust. Menschen, die aus Eigenliebe andere zu beherrschen lieben, empfinden darin eine Lebenslust, die alle anderen Lüste übertrifft. Daher nennen sie alles gut, was zu dieser Liebe gehört, alles, was ihr entgegensteht, böse, obgleich doch das Gegenteil zutrifft. Ähnlich verhält es sich mit jedem anderen Bösen. Obwohl also jeder anerkennt, daß das Böse und das Gute Gegensätze sind, so haben doch Menschen, die ins Böse verstrickt sind, eine verkehrte Vorstellung von diesem Gegensatz, und eine richtige nur diejenigen, die im Guten sind. Niemand kann, während er in Böses verstrickt ist, das Gute sehen. Aber wer im Guten ist, kann das Böse sehen. Das Böse ist unten, wie in einer Höhle, das Gute aber oben, wie auf einem Berg.

*272. Da nun viele Menschen gar nicht wissen, von welcher Beschaffenheit das Böse ist und daß es den Gegensatz zum Guten darstellt, es aber wichtig ist, daß man das weiß, soll dieser Gegenstand in der folgenden Ordnung beleuchtet werden:

  1. Ist das natürliche Gemüt im Bösen und von daher auch im Falschen, so ist es eine Form und ein Abbild der Hölle.

  2. Das natürliche Gemüt, das eine Form und ein Abbild der Hölle ist, steigt durch drei Grade abwärts.

  3. Die drei Grade des natürlichen Gemüts, das eine Form und ein Abbild der Hölle ist, sind den drei Graden des geistigen Gemüts, das eine Form und ein Abbild des Himmels ist, entgegengesetzt.

  4. Das natürliche Gemüt, das eine Hölle ist, steht im völligen Gegensatz zum geistigen Gemüt, das ein Himmel ist.

1. Ist das natürliche Gemüt im Bösen und von daher auch im Falschen, so ist es eine Form und ein Abbild der Hölle.

*273. Wir können hier nicht beschreiben, wie das natürliche Gemüt in seiner substantiellen Form beim Menschen beschaffen ist, auch nicht, wie es beschaffen ist in seiner aus Substanzen beider Welten zusammengesetzten Form in den beiden Gehirnhälften, wo es in seinen ersten Ausgangspunkten wohnt. Eine allgemeine Vorstellung davon wird im Folgenden gegeben, wo wir die Entsprechung zwischen Gemüt und Körper behandeln werden. Hier nur einiges über seine Form hinsichtlich jener Zustände und Zustandsveränderungen, die sich in Wahrnehmungen, Gedanken, Absichten, Willensregungen und dem, was mit ihnen zusammenhängt, manifestieren. Denn ein natürliches Gemüt, das im Bösen und von daher im Falschen ist, ist im Hinblick darauf eine Form und ein Abbild der Hölle. Diese Form setzt eine substantielle Form als Unterlage voraus; denn Zustandsveränderungen ohne substantielle Form als deren Unterlage kann es nicht geben — ebenso wenig wie ein Sehen ohne Auge und ein Hören ohne Ohr.

Was nun die Form oder das Abbild betrifft, in dem das natürliche Gemüt die Hölle darstellt, so ist sie so beschaffen, daß die herrschende Liebe mit ihren Begierden — also der allumfassende Zustand eines solchen Gemüts — wie der Teufel in der Hölle ist, während die aus der herrschenden Liebe hervorgehenden Gedanken wie des Teufels Rotte sind. Unter dem Teufel und seiner Rotte wird im Wort auch nichts anderes verstanden.

Die Sache ist auch ähnlich, ist doch in der Hölle die Sucht, aus der Liebe zu sich selbst andere zu dominieren, die herrschende Liebe. Sie wird dort als Teufel bezeichnet, während die Neigungen zum Falschen samt den daraus entspringenden Gedanken, seine Rotte (turba) heißen. Dasselbe gilt für jede höllische Gesellschaft, mit gewissen Unterschieden, wie sie in ein und derselben Art bestehen.

Auch das natürliche Gemüt, das im Bösen und daraus im Falschen ist, ist in einer ähnlichen Form. Deshalb gelangt auch ein so beschaffener natürlicher Mensch nach dem Tode in eine ihm ähnliche Gesellschaft der Hölle, mit der er dann im ganzen wie im einzelnen zusammenwirkt, gelangt er doch in seine eigene Form, d.h. in die Zustände seines Gemüts.

Es gibt auch noch eine andere Liebe, Satan genannt, Sie ist der zuerst genannten Liebe, die als Teufel bezeichnet wird, untergeordnet. Es handelt sich dabei um die Liebe, sich durch alle möglichen bösen Tricks die Güter anderer anzueignen. Die ingeniösen Bosheiten und Schlauheiten sind ihre Rotte. Die Bewohner dieser Hölle heißen im allgemeinen Satane, während die Bewohner der zuerst genannten Hölle im allgemeinen Teufel heißen. Diejenigen, die dort nicht auf geheime Weise wirken, weisen ihren Namen auch nicht zurück. Daher rührt es, daß die Höllen insgesamt Teufel und Satan heißen.

Die beiden Höllen sind im allgemeinen den genannten Liebesarten entsprechend unterschieden, weil auch alle Himmel ihren beiden Liebesarten entsprechend in zwei Reiche, das himmlische und das geistige, unterschieden sind, die teuflische Hölle aber aufgrund des Gegensatzes dem himmlischen Reich entspricht, die satanische Hölle hingegen aufgrund ihres Gegensatzes dem geistigen Reich. Im Werk über „Himmel und Hölle“ kann man in # 20-28 nachlesen, daß die Himmel in zwei Reiche, das himmlische und das geistige, unterschieden sind.

Der Grund, weshalb ein natürliches Gemüt von dieser Art seiner Form nach eine Hölle ist, beruht auf der Tatsache, daß jede geistige Form im Größten wie im Kleinsten sich gleich ist. Darum ist auch jeder Engel ein Himmel in verkleinerter Gestalt, wie im Werk über Himmel und Hölle ebenfalls dargelegt wurde (# 51 bis 58). Hieraus ergibt sich auch, daß jeder teuflische oder satanische Mensch oder Geist eine Hölle in verkleinerter Gestalt ist.

2. Das natürliche Gemüt, das eine Form und ein Abbild der Hölle ist, steigt durch drei Grade abwärts.

*274. Oben in # 222-229 kann man nachlesen, daß im Allergrößten wie im Allerkleinsten Grade von zweierlei Art sind, Höhen- und Breitengrade genannt. Dies gilt auch für das natürliche Gemüt im Größten wie im Kleinsten, wobei wir es hier mit den Höhengraden zu tun haben.

Das natürliche Gemüt ist aufgrund seiner beiden Fähigkeiten, Vernunft und Freiheit genannt, in einem Zustand, der es befähigt, durch drei Grade nach oben aufzusteigen oder durch drei Grade nach unten herabzusteigen. Infolge des Guten und Wahren steigt es auf, infolge des Bösen und Falschen steigt es herab. Steigt es nach oben auf, werden die unteren, zur Hölle strebenden Grade verschlossen, steigt es aber nach unten herab, so werden die oberen, zum Himmel strebenden Grade verschlossen. Dies geschieht aufgrund der zwischen ihnen bestehenden Gegenwirkung

Beim neugeborenen Menschen sind diese drei oberen und unteren Grade weder aufgeschlossen noch verschlossen, ist er doch noch in Unkenntnis hinsichtlich des Guten und Wahren wie auch des Bösen und Falschen. Sobald er sich aber in sie versetzt, öffnen oder schließen sich die Grade der einen oder der anderen Seite. Öffnen sie sich zur Hölle, so nimmt die herrschende Liebe, die dem Willen angehört, den obersten oder innersten Platz ein; den zweiten oder mittleren Platz erhält das Denken des Falschen, das aus jener Liebe heraus im Verstand vor sich geht, den untersten Platz aber erhalten die von der Liebe mittels des Denkens bzw. der vom Willen mittels des Verstandes gefälschten Beschlüsse.

Es verhält sich damit ähnlich wie mit den Höhengraden, von denen zuvor die Rede war, und die in einer Reihenfolge stehen wie Endzweck, Ursache und Wirkung oder wie der erste, der mittlere und der letzte Zweck. Das Herabsteigen dieser Grade zielt auf den Körper. Dabei verdichten sie sich und werden materiell und körperlich. Werden dabei Wahrheiten des zweiten Grades aus dem Wort zu Hilfe genommen, so werden sie aus dem ersten Grad, der die Liebe zum Bösen ist, verfälscht und zu Knechten und Sklaven gemacht. Daraus ersieht man, welche Beschaffenheit die Wahrheiten der Kirche aus dem Wort bei denen annehmen, die das Böse lieben, bzw. deren natürliches Gemüt eine Form der Hölle ist. Weil sie dem Teufel als Mittel dienen, werden sie entweiht. Die Liebe zum Bösen, die im natürlichen Gemüt herrscht, das eine Hölle ist, ist nämlich, wie oben gezeigt wurde, der Teufel.

3. Die drei Grade des natürlichen Gemüts, das eine Form und ein Abbild der Hölle ist, sind den drei Graden des geistigen Gemüts, das eine Form und ein Abbild des Himmels ist, entgegengesetzt.

*275. Oben wurde gezeigt, daß es drei Gemütsgrade gibt, natürlicher, geistiger und himmlischer genannt. Ferner daß das aus diesen Graden zusammengesetzte menschliche Gemüt zum Himmel blickt und sich nach ihm wendet.

Daran kann man ersehen, daß das natürliche Gemüt, wenn es abwärts blickt und sich der Hölle zuwendet, ebenfalls aus drei Graden besteht, von denen ein jeder dem entsprechenden himmlischen Gemütsgrad entgegengesetzt ist.

Daß dem so ist, wurde mir aufgrund dessen offenbar, was ich in der geistigen Welt sah, nämlich daß es drei Himmel gibt, die nach den drei Höhengraden unterschieden sind, aber auch drei Höllen, die sich ebenfalls nach drei Graden der Höhe, bzw. der Tiefe unterscheiden. Ferner, daß die Höllen im ganzen wie im einzelnen den Himmeln entgegengesetzt sind, die unterste Hölle dem obersten Himmel, die mittlere Hölle dem mittleren Himmel, die höchste Hölle dem letzten Himmel. Ähnlich verhält es sich mit dem natürlichen Gemüt, das in der Form der Hölle ist, sind doch die geistigen Formen im Größten wie im Kleinsten einander ähnlich.

Die Himmel und Höllen stehen aber deshalb in einem solchen Gegensatz zueinander, weil ihre Grundneigungen einander so entgegengesetzt sind. Die Liebe zum Herrn und von ihr her die Liebe zum Nächsten bilden in den Himmeln den innersten Grad. Die Liebe zu sich selbst aber und die Liebe zur Welt bilden in den Höllen den innersten Grad. Weisheit und Einsicht, die aus diesen himmlischen Grundneigungen hervorgehen, bilden in den Himmeln den mittleren Grad. Torheit und Wahnsinn hingegen, die zwar wie Weisheit und Einsicht erscheinen mögen, bilden aus ihren höllischen Grundneigungen heraus in den Höllen den mittleren Grad. Und schließlich bilden die Ergebnisse aus den beiden himmlischen Graden, die entweder als Erkenntnisse im Gedächtnis niedergelegt werden oder im Körper als Handlungen ausprägen, in den Himmeln den letzten Grad, in den Höllen aber bilden die Ergebnisse aus den beiden höllischen Graden, die entweder zum Wissen oder zu Handlungen werden, den äußersten Grad.

Die folgende Erfahrung zeigt, wie das Gute und Wahre des Himmels sich in den Höllen in Böses und Falsches, also in das Entgegengesetzte verdrehen:

Ich hörte, daß sich etwas von einer göttlichen Wahrheit in die Hölle herabgesenkt habe und vernahm, daß es sich dabei stufenweise in Falsches verwandelt habe, bis es gegen die unterste Hölle zu in das genaue Gegenteil verkehrt war. Daran zeigte sich, daß die Höllen hinsichtlich alles Guten und Wahren Grad für Grad den Gegensatz zu den Himmeln bilden und daß das Gute und Wahre, wenn es in gegensätzliche Formen einfließt, zum Bösen und Falschen wird. Es ist ja bekannt, daß alles, was einfließt, den aufnehmenden Formen und deren Zustand gemäß wahrgenommen und empfunden wird.

Die folgende Erfahrung hat mir diese Verkehrung ins Entgegengesetzte klar gemacht: Es wurde mit gewährt, die Anordnung der Höllen gegenüber den Himmeln zu sehen. Dabei erschienen die Höllenbewohner, als ob sie auf dem Kopf stünden. Mir wurde jedoch gesagt, daß sie sich dessen ungeachtet selbst als auf den Füßen stehend erscheinen, was sich mit den Antipoden (den Menschen auf der entgegengesetzten Hälfte der Erdkugel) vergleichen läßt.

An diesen Erfahrungsbelegen ersieht man, daß die drei Grade eines natürlichen Gemüts, das der Form und dem Bild nach eine Hölle ist, den Gegensatz zu den drei Graden eines natürlichen Gemüts darstellen, das der Form und dem Bild nach ein Himmel ist.

4. Das natürliche Gemüt, das eine Hölle ist, steht im völligen Gegensatz zum geistigen Gemüt, das ein Himmel ist.

*276. Befinden sich die Grundneigungen (amores) im Gegensatz, so wird alles, was dem Menschen zu Bewußtsein kommt, zum Gegensatz. Denn aus der Grundneigung, die das eigentliche Leben des Menschen ausmacht, fließt alles andere hervor, wie ein Bach aus seiner Quelle. Was einen anderen Ursprung hat, trennt sich im natürlichen Gemüt, was aus der Grundneigung stammt. Was aus seiner herrschenden Liebe hervorgegangen ist, bildet den Mittelpunkt, das übrige liegt an den Seiten. Besteht Letzteres aus Wahrheiten der Kirche, die aus dem Wort geschöpft sind, so werden sie aus der Mitte weiter hinaus an die Seite verwiesen und zuletzt ganz verbannt. Ist das geschehen, so empfindet der Mensch bzw. das natürliche Gemüt das Böse als gut, hält das Falsche für wahr, und umgekehrt. So hält er Bosheit für Weisheit, Wahnsinn für Einsicht, Schlauheit für Klugheit, bösartige Ranke für Genialität. Das Göttliche und Himmlische der Kirche und des Gottesdienstes achtet er für nichts, und das Höchste ist ihm das Leibliche und Weltliche.

Er kehrt also den Zustand seines Lebens um, weist, was eigentlich zum Haupt gehört, der Fußsohle zu und tritt darauf, und was zur Fußsohle gehört, weist er dem Haupt zu. So wird er aus einem lebendigen zu einem toten Menschen. Lebendig heißt ein Mensch, dessen Gemüt ein Himmel ist, tot der, dessen Gemüt eine Hölle ist.

In den Werken, die durch die Tätigkeit des Körpers hervorgebracht werden, ist alles eingeschlossen, was zu den drei Graden des natürlichen Gemüts gehört.

*277. Durch die Kenntnis der Grade, die in diesem Teil vermittelt worden ist, enthüllt sich auch das Geheimnis, daß alles, was zum Gemüt oder zum Willen und Verstand des Menschen gehört, in seinen Handlungen oder Werken auf ähnliche Weise enthalten ist, wie Sichtbares und Unsichtbares im Samen, in der Frucht oder im Ei. Die Handlungen selbst bzw. die Werke erscheinen nicht anders als jene im Äußeren, gleichwohl aber findet sich Unzähliges im Inneren. Dort treffen nämlich die Kräfte der Bewegungsfibern des ganzen Körpers zusammen, und dort sind auch alle Teile des Gemüts, die jene Kräfte erregen und bestimmen und die, wie oben ausgeführt wurde, drei Grade aufweisen. Weil hier alles ist, was zum Gemüt gehört, so ist hier auch alles, was zum Willen gehört bzw. alle Empfindungen der Grundneigung des Menschen, die den ersten Grad bilden. Es ist da ferner das ganze Gebiet seines Verstandes mit allen Gedanken seines Wahrnehmungsvermögens, die den zweiten Grad bilden, und schließlich ist da das ganze Gebiet seines Gedächtnisses mit allen ihm entnommenen Denk-Vorstellungen, die dem Sprechen am nächsten liegen und den dritten Grad bilden. Aus ihnen entstehen, wenn der Entschluß gefaßt wird, die Werke; In diesen erscheint, äußerlich betrachtet, das Vorhergegangene nicht, obgleich es in Wirklichkeit doch darin enthalten ist. Das Letzte ist, wie man oben # 209-216 nachlesen kann, die Zusammenfassung, der Behälter und die Grundlage des Vorhergegangenen. In ihm sind, wie # 217-221 gezeigt wurde, die Höhengrade in ihrer Vollständigkeit.

*278. Der Grund, weshalb alle Handlungen des Körpers dem Auge als ebenso einfach und einförmig erscheinen wie die Samen, Früchte und Eier oder wie die Nüsse und Mandeln in ihrer Schale und dabei doch alles, was ihnen vorangegangen und sie verursacht hat, in sich enthalten, beruht darauf, daß alles Letzte umhüllt ist und sich dadurch von dem unterscheidet, was ihm vorangegangen ist. Jeder Grad ist zudem mit einer Fülle umgeben und ist dadurch vom anderen unterschieden. Deshalb wird, was zum ersten Grad gehört, vom zweiten nicht erkannt, und wiederum vom dritten nicht, was zum zweiten gehört. So wird zum Beispiel die Liebe des Willens, also der erste Grad des Gemüts, in der Weisheit des Verstandes, also im zweiten Grad, nicht erkannt, es sei denn durch eine gewisse Lust, die beim Denken an die betreffende Sache empfunden wird. Der erste Grad, wie gesagt die Liebe des Willens, wird im Gedächtniswissen, d.h. im dritten Grad, nur erkannt durch einen gewissen Reiz, den das Wissen und Reden verursacht.

Daraus ergibt sich, daß eine Tat, die ja eine körperliche Handlung ist, all jenes in sich schließt, obgleich sie der äußeren Form nach einfach als Ganzes erscheint.

*279. Bestätigt wird dies durch die Tatsache, daß die Engel, die sich beim Menschen aufhalten, all das im einzelnen wahrnehmen, was von seinem Gemüt her in seinen Handlungen liegt — die geistigen Engel das, was darin aus dem Verstand, die himmlischen das, was darin aus dem Willen liegt. Das mag widersinnig erscheinen, ist aber dennoch wahr. Aber man muß wissen, daß sich die mentalen Dinge, die zu einer beschlossenen oder ausgeführten Handlung gehören, im Zentrum befinden, während die übrigen je nach ihrer Verwandtschaft den Umkreis bilden. Die Engel behaupten, schon an einer einzigen Tat lasse sich die Beschaffenheit eines Menschen wahrnehmen, daß aber verschiedene Taten verschiedene Bilder seiner Liebe ergaben, je nachdem wie diese sich zu Neigungen und von daher zu Gedanken bestimmt hat. Mit einem Wort: Jede Tat oder Handlung des geistigen Menschen ist für die Engel wie eine schöne Frucht, die Wohlgeschmack, Nutzen und Freude spendet, sobald sie geöffnet und genossen wird. Auch oben in # 220 kann man nachlesen, daß die Engel in solcher Weise die Taten und Handlungen des Menschen durchschauen.

*280. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Sprechen des Menschen. Die Engel erkennen schon am Tonfall seine Liebe, an der Aussprache seine Weisheit und am Sinn der Wörter sein Wissen. Diese drei Dinge, so sagten sie ferner, fanden sich in jedem einzelnen Wort, denn jedes Wort ist wie ein zusammenhängendes Ganzes, sind in ihm doch Ton, Aussprache und Sinn enthalten. Engel des dritten Himmels sagten mir auch, daß sie aus jedem Wort einer zusammenhängenden Rede den allgemeinen Seelenzustand des Sprechenden, sowie auch einige Besonderheit dieses Zustands innewurden.

In der 'Lehre des Neuen Jerusalems von der Heiligen Schrift' ist ausführlich gezeigt worden, daß die einzelnen Ausdrücke von Gottes Wort Geistiges enthalten, das aus der göttlichen Weisheit und Himmlisches, das aus der göttlichen Liebe stammt, und daß dies von den Engeln wahrgenommen wird, wenn ein Mensch andächtig darin liest.

*281. Hieraus ergibt sich folgender Schluß: In den Taten eines Menschen, dessen natürliches Gemüt über die genannten drei Grade hinweg zur Hölle hinabsteigt, steckt all sein Böses und alles damit zusammenhängende Falsche; in den Taten eines Menschen, dessen natürliches Gemüt zum Himmel emporsteigt, ist all sein Gutes und Wahres enthalten. Beides wird von den Engeln schon allein an der Sprache und dem Handeln des Menschen wahrgenommen. Daher kommt es, daß es im Worte Gottes heißt, der Mensch solle nach seinen Taten gerichtet werden und Rechenschaft über jedes Wort ablegen.



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Teil 4 - DIE SCHÖPFUNG DES WELTALLS



Der Herr von Ewigkeit, Jehovah, hat das Weltall in allen Teilen aus sich selbst und nicht aus dem Nichts erschaffen.

*282. Weltweit ist bekannt und auch von allen Weisen aufgrund innerer Wahrnehmung anerkannt, daß Ein Gott ist, der Schöpfer des Universums. Und aus der Heiligen Schrift ist bekannt, daß Gott, der Schöpfer, Jehovah heißt, abgeleitet vom Zeitwort 'sein', weil Er allein wahrhaft ist. In der „Lehre des Neuen Jerusalem vom Herrn“ ist aufgrund der Heiligen Schrift ausführlich nachgewiesen worden, daß der Herr von Ewigkeit dieser Jehovah ist.

Jehovah wird der Herr von Ewigkeit genannt, weil Jehovah eine menschliche Natur angenommen hat, um die Menschen von der Hölle zu retten und weil er den Jüngern gebot, ihn 'Herr' zu nennen. Jehovah heißt daher im Neuen Testament 'der Herr', wie sich daran zeigt, daß die Stelle 5. Mose 6/5 „du sollst lieben Jehovah, deinen Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele“ im Neuen Testament bei Mat. 22/37 heißt: „du sollst lieben den Herrn, deinen Gott von ganzem Herzen und von ganzer Seele“. Dasselbe gilt für viele andere Stellen, welche die Evangelisten aus dem Alten Testament zitieren.

*283. Wer klar und vernünftig denkt, erkennt, daß das Weltall nicht aus Nichts heraus erschaffen wurde, weil er sieht, daß aus dem Nichts nicht etwas werden kann; denn Nichts ist nichts, und daraus etwas zu machen, ist ein Widerspruch, und somit gegen das Licht der Wahrheit, das der göttlichen Weisheit entspringt. Und was nicht aus der göttlichen Weisheit entspringt, das entspringt auch nicht aus der göttlichen Allmacht.

Ein jeder, der klar und vernünftig denkt, sieht auch, daß alles aus einer Substanz erschaffen wurde, die Substanz an sich ist, denn diese ist das Sein selbst, aus dem alles Bestehende sein Dasein haben kann. Und weil Gott allein Substanz an sich und folglich das Sein selbst ist, so steht fest, daß die Existenz der Dinge keinen anderen Ursprung hat.

Viele haben das gesehen, weil die Vernunft es zeigt, wagten aber nicht, es zu begründen, aus der Furcht heraus, daraus könnte sich der Gedanke ergeben, das erschaffene Universum sei, weil aus Gott, Gott selbst, oder die Natur bestünde damit aus sich selbst, und das Innerste derselben sei dann das, was man Gott nennt.

Aus diesem Grunde wagten doch viele, die sehr wohl sahen, daß das Dasein aller Dinge keinen anderen Ursprung hat als Gott und Gottes Sein, nicht über den ersten Gedanken daran hinauszugehen. Sie wollten ihren Verstand nicht in den sogenannten gordischen Knoten verwickeln, aus dem sie ihn nachher womöglich nicht wieder herauswinden könnten. Dies wäre ihnen tatsächlich auch nicht gelungen, weil sie über Gott und Seine Schöpfung des Weltalls aus Zeit und Raum heraus dachten. Zeit und Raum aber gehören der Natur an (sunt propria naturae), und aus der Natur kann niemand Gott und die Schöpfung des Universums begreifen. Jeder aber, dessen Verstand sich eines inwendigeren Lichts erfreut, vermag die Natur und ihre Erschaffung aus Gott zu begreifen, weil Gott nicht in Zeit und Raum ist.

Oben in # 7-10 kann man nachlesen, daß das Göttliche nicht in Raum und Zeit ist, in # 69-72, daß es alle Räume des Universums ohne Raum erfüllt, und in # 72-76, das es in jeder Zeit ohne Zeit ist. Weiter unten werden wir sehen, daß trotz der Tatsache, daß Gott das Weltall in allen Teilen aus sich selbst erschaffen hat, nichts darin ist, das Gott wäre — nebst anderem, das dies beleuchten wird.

*284. Im ersten Teil dieses Werkes sprachen wir von Gott und sagten, daß er die göttliche Liebe und Weisheit, das Leben sowie die Substanz und Form sei, die das eigentliche und einzige Sein ist. Im zweiten Teil sprachen wir von der geistigen Sonne und ihrer Welt sowie von der natürlichen Sonne und ihrer Welt und zeigten, daß das Weltall in allen seinen Teilen von Gott mithilfe beider Sonnen erschaffen wurde. Im dritten Teil sprachen wir von den Graden, die in allem und jedem Erschaffenen sind.

Im gegenwärtigen vierten Teil wollen wir über die Schöpfung des Universums durch Gott sprechen. Das ist deshalb notwendig, weil sich die Engel vor dem Herrn darüber beklagen, daß sie beim Anblick der Welt nichts als Finsternis wahrnehmen und bei den Menschen kein Wissen über Gott, den Himmel und die Erschaffung der Natur, das ihrer Weisheit als Grundlage dienen könnte.

Der Herr von Ewigkeit oder Jehovah hatte das Weltall in allen seinen Teilen nicht erschaffen können, wenn er nicht Mensch wäre.

*285. Wer sich Gott in körperlichnatürlicher Weise als Mensch vorstellt, ist vollkommen unfähig zu verstehen, wie Gott als Mensch das Weltall in allen seinen Teilen hatte erschaffen können. Er denkt bei sich: „Wie kann Gott als Mensch das Weltall von Raum zu Raum durchstreifen und erschaffen? Oder wie kann er von seinem Ort aus ein Wort sprechen, aufgrund dessen alles alsbald erschaffen ist?“

Wenn man sagt, Gott sei Mensch, ergeben sich solche Gedanken bei denen, die sich dabei einen Menschen wie in der Welt vorstellen und sich Gott aus der Natur und ihren Eigenschaften von Zeit und Raum ausmalen. Wer sich hingegen Gott als Mensch vorstellt, aber nicht wie einen weltlichen Menschen, und wer nicht in natürlichen Räumen und Zeiten denkt, begreift klar, daß das Weltall nicht hätte erschaffen werden können, wenn Gott nicht Mensch wäre.

Versetze dein Denken in die Vorstellung, welche die Engel von Gott als Mensch haben und entferne soweit als möglich die räumliche Vorstellung, so wirst du dich mit deinem Denken der Wahrheit nähern. Etliche Gebildete begreifen auch, daß Geister und Engel nicht im Raum sind, weil sie verstehen, daß das Geistige nicht räumlich ist. Es verhält sich damit wie mit dem Denken, das zwar im Menschen vor sich geht, durch das er aber dennoch an jedem, selbst dem entferntesten Ort gleichsam gegenwärtig sein kann.

Dieser Art ist der Zustand der Geister und Engel, die auch ihrem Leibe nach — Menschen sind. Sie erscheinen jeweils an dem Ort, an dem sich ihr Denken befindet, sind doch die Räume und Entfernungen in der geistigen Welt Scheinbarkeiten (apparentiae), die sich je nach den Gedanken verhalten, die sich aus ihren Neigungen ergeben.

Daraus läßt sich erkennen, daß man sich Gott, obgleich er weit über der geistigen Welt als Sonne erscheint und für den es durchaus keine Scheinbarkeit des Raumes geben kann, nicht räumlich denken darf. Dann erst kann man begreifen, daß Gott das Universum nicht aus dem Nichts, sondern aus sich selbst erschaffen hat. Ferner versteht man dann, daß Sein menschlicher Leib nicht als klein oder groß oder von einem bestimmten Wuchs gedacht werden kann, weil auch das räumlich wäre. Wir können daraus den Schluß ziehen, daß Gott im Ersten wie im Letzten, im Größten wie im Kleinsten derselbe ist und zudem, daß das Menschliche in allem Erschaffenen das Innerste ist, ohne jedoch etwas Räumliches zu sein.

Oben in # 77-82 wurde gezeigt, daß das Göttliche im Größten wie im Kleinsten dasselbe ist, und in # 69-72, daß es alle Räume ohne Raum erfüllt. Und weil das Göttliche nicht im Raum ist, so ist es auch nichts räumlich Zusammenhängendes, wie es das Innerste der Natur ist.

*286. Der Einsichtsvolle kann ganz klar erfassen, daß Gott das Universum in allen seinen Teilen nicht hätte erschaffen können, wenn er nicht Mensch wäre, und zwar deshalb, weil er nicht leugnen kann, daß in Gott Liebe und Weisheit ist, daß er die Barmherzigkeit und Gnade sowie das Gute und Wahre selbst ist, weil all dies von Ihm stammt. Weil der Einsichtsvolle dies nicht leugnen kann, so auch nicht, daß Gott Mensch ist. Denn nichts von alledem laßt sich denken, sobald man vom Menschen absieht. Der Mensch nämlich ist der Träger all dessen, und es von ihm trennen, heißt es leugnen. Stelle dir Weisheit vor außerhalb eines Menschen — ist sie dann wohl noch etwas? Kannst du sie dir vorstellen als etwas Ätherisches oder Flammendes? Du kannst es nicht — es sei denn vielleicht als etwas, das darin ist. Wenn dem so wäre, dann wäre ja die Weisheit doch in einer Form, wie sie der Mensch hat, und zwar in seiner vollständigen Form. Nichts dürfte fehlen, damit die Weisheit in ihr sei. Mit einem Wort: Die Form der Weisheit ist der Mensch, und weil er das ist, so ist er auch die Form der Liebe, der Barmherzigkeit, der Gnade, des Guten und Wahren — machen doch sie alle eins aus mit der Weisheit. Oben in # 40-43 kann man nachlesen, daß es keine Liebe und Weisheit geben kann, es sei denn in einer Form.

*287. An den Engeln des Himmels ist ersichtlich, daß Liebe und Weisheit Mensch sind. Sie sind nämlich insoweit Menschen in Schönheit, als sie in Liebe und von daher in Weisheit vom Herrn her sind. Man kann es auch daran ersehen, daß im Wort von Adam gesagt wird, er sei in das Bild und nach der Ähnlichkeit Gottes — weil in der Form der Liebe und Weisheit — erschaffen worden (1. Mose 1/26).

Jeder Mensch der Erde wird dem Leibe nach in die menschliche Form hineingeboren. Dies geschieht, weil sein Geist oder, wie man auch sagt, seine Seele Mensch ist. Der Geist aber ist Mensch, weil er Liebe und Weisheit vom Herrn in sich aufnehmen kann, und inwieweit er das tut, wird er nach dem Tode des Körpers, der ihn in der Welt umgeben hatte, Mensch. In dem Maße aber, in dem er sie nicht aufnimmt, wird er dann zur Mißgestalt, die nur aufgrund ihrer Fähigkeit zur Aufnahme von Liebe und Weisheit etwas Menschliches an sich hat.

*288 . Weil Gott Mensch ist, so stellt der Engels Himmel in seinem Gesamtumfang einen Menschen dar. Er ist nach den Gliedern, Eingeweiden und Organen des Menschen in Regionen und Gebiete eingeteilt. So gibt es himmlische Gesellschaften, die das Gebiet aller zum Gehirn gehörenden Teile bilden, andere, die das Gebiet aller Gesichts-Organe und wieder andere, die das Gebiet aller inneren Organe des Leibes bilden. Und diese Regionen werden ganz wie die entsprechenden Regionen beim Menschen unterschieden. Und die Engel wissen genau, in welcher Region des Menschen sie sich gerade befinden.

Der gesamte Himmel ist in diesem Ebenbild, weil Gott Mensch ist. Gott aber ist der Himmel, weil die Engel im Himmel Aufnehmer der Liebe und Weisheit vom Herrn sind. Die Aufnehmenden sind Abbilder. In den 'Himmlischen Geheimnissen' ist jeweils am Ende mehrerer Kapitel gezeigt worden, daß der Himmel in der Form aller Teile des Menschen ist.

*289. Aus alledem kann man ersehen, wie nichtig die Ideen derer sind, die sich Gott nicht als Mensch vorstellen und die göttlichen Eigenschaften als nicht gebunden an Gott als Mensch, da sie doch getrennt vom Menschen bloße Gedanken bleiben. Oben in # 11-13 kann man nachlesen, daß Gott der eigentliche Mensch ist, aus dem jeder Mensch je nach seiner Aufnahme der Liebe und Weisheit Mensch ist. Eben dies wird hier bestätigt, damit man das Folgende, die Schöpfung des Universums, als etwas verstehe, das von Gott geschah, weil Er Mensch ist.

Der Herr von Ewigkeit, Jehovah, hat aus sich selbst die Sonne der geistigen Welt hervorgebracht, und aus ihr hat er das Weltall und alles darin erschaffen.

*290. Teil II dieses Werkes handelte von der Sonne der geistigen Welt. Folgendes wurde gezeigt: Die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit erscheinen in der geistigen Welt als Sonne, # 83-88. Aus dieser Sonne gehen geistige Wärme und geistiges Licht hervor, # 89-92. Diese Sonne ist nicht Gott, sondern das aus der göttlichen Liebe und Weisheit des Gottmenschen Hervorgehende. Dasselbe gilt für die Wärme und das Licht aus dieser Sonne, # 93-98. Die Sonne der geistigen Welt befindet sich in mittlerer Höhe und erscheint den Engeln ebenso entfernt, wie die Sonne der natürlichen Welt den Menschen, # 103-107. In der geistigen Welt ist Osten (Sonnenaufgang) dort, wo der Herr als Sonne erscheint, und von hier aus bestimmen sich die übrigen Himmelsgegenden, # 119-124, 125-129. Die Engel kehren ihr Antlitz fortwährend dem Herrn als Sonne zu, # 129-134, 135-139. Der Herr hat das Weltall mit allem, was sich darin befindet, aus jener Sonne erschaffen, die das erste ist, was aus der göttlichen Liebe und Weisheit entspringt, # 151 bis 156. Die Sonne der natürlichen Welt ist reines Feuer; die Natur, die ihren Ursprung in ihr hat, ist infolgedessen tot. Die Sonne der natürlichen Welt wurde erschaffen, um das Werk der Schöpfung zu Ende zu führen und abzugrenzen, # 157 bis 162. Ohne beide Sonnen, die lebendige und die unlebendige, gäbe es keine Schöpfung.

*291. Zu dem, was in Teil II gezeigt wurde, gehört auch, daß die geistige Sonne nicht der Herr ist. Aber es wurde gezeigt, daß sie das aus der göttlichen Liebe und Weisheit des Herrn Hervorgehende ist. Sie wird als Hervorgehendes bezeichnet, weil sie aus der göttlichen Liebe und aus der göttlichen Weisheit, die Substanz und Form an sich sind, hervorgebracht wurde und das Göttliche durch sie hervortritt. Die menschliche Vernunft ist so beschaffen, daß sie nicht ruht, ehe sie eine Sache nicht von Grund auf erkannt oder ehe sie das Wie nicht begriffen hat — im vorliegenden Fall also, wie die Sonne der geistigen Welt, die nicht der Herr, sondern das aus ihm Hervorgehende ist, hervorgebracht wurde. Darum soll auch darüber etwas gesagt werden.

Ich habe viel mit den Engeln darüber gesprochen. Sie sagten mir, daß sie es in ihrem geistigen Licht klar erkennen, aber nur mit Mühe dem Menschen in seinem natürlichen Licht vor Augen stellen könnten, weil ein so großer Unterschied bestünde zwischen diesen beiden Arten von Licht und den zugehörigen Gedanken. Sie sagten aber, es verhalte sich damit ähnlich wie mit der Sphäre der Neigungen und der daraus hervorgehenden Gedanken, die jeden Engel umgibt und durch die er sich in der Nähe wie in der Ferne als gegenwärtig darstellt. Diese umgebende Sphäre sei nicht der Engel selbst, sondern entspringe allen Teilen seines Leibes. Einem Strome gleich flossen diese Substanzen unausgesetzt daraus hervor und umgeben ihn. Seinem Leibe beigesellt, werden sie durch die beiden Quellen seiner Lebenstätigkeit, Herz und Lunge, fortwährend angetrieben und regen die Atmosphären zu ihren Tätigkeiten an. So bringen sie die Vorstellung der Gegenwart des Engels bei anderen hervor. Folglich sei die Sphäre der Neigungen und der aus ihnen entspringenden Gedanken nichts anderes, wenngleich man sie so nennt, weil sie ausgeht und sich fortsetzt, weil Neigungen bloße Zustände der Formen des Gemüts im Engel sind.

Sie fügten dem noch bei, eine solche Sphäre sei um jeden Engel, weil sie um den Herrn sei. Die den Herrn umgebende Sphäre sei in gleicher Weise aus Ihm, und diese Sphäre sei ihre Sonne, d.h. die Sonne der geistigen Welt.

*292. Mir wurde des öfteren wahrzunehmen erlaubt, daß um Engel und Geister eine solche Sphäre ist, ebenso wie eine gemeinsame Sphäre um mehrere aus einer Gesellschaft. Ich durfte diese Sphäre auch in verschiedener Gestalt sehen, im Himmel zuweilen wie eine zarte Flamme, in der Hölle wie ein dichtes Feuer. Gelegentlich erschien mir diese Sphäre im Himmel auch wie eine zarte, hellglänzende Wolke, in der Hölle aber wie ein dichter, schwarzer Nebel. Ferner durfte ich diese Sphären als verschiedenartige Gerüche und Düfte empfinden.

All dies bestärkte mich darin, daß im Himmel wie in der Hölle jeder Bewohner von einer Sphäre umgeben ist, bestehend aus Substanzen, die sich von seinem Leib abgelöst und getrennt haben.

*293. Ich durfte auch wahrnehmen, daß eine Sphäre nicht nur den Engeln und Geistern entströmt, sondern auch allen Dingen, die in jener Welt erscheinen, z.B. den Bäumen und ihren Früchten, den Kräutern und Gräsern, ja selbst den Stoffen der Erde und deren einzelnen Teilen. Aus alledem war offenbar, daß dieses Universelle sowohl in den belebten als auch in den unbelebten Dingen ist, daß jedes Ding von etwas umflossen wird, das dem gleicht, was inwendig in ihm ist und auch stets von ihm ausgehaucht wird.

Ähnliches gibt es auch in der natürlichen Welt, wie aus der Erfahrung mehrerer Forscher bekannt ist. So strömen vom Menschen beständig Wellen aus, ebenso von jedem Tier und ebenso aus den Bäumen und Sträuchern, den Blumen, ja selbst aus Metall und Stein. Dies leitet die natürliche Welt aus der geistigen und die geistige aus dem Göttlichen ab.

*294. Weil das, was die Sonne der geistigen Welt zusammensetzt, vom Herrn, aber nicht der Herr ist, so ist es an sich kein Leben, sondern leblos. Ebenso ist das, was vom Engel und Menschen ausströmt und die sie umgebende Sphäre bildet, nicht der Engel oder Mensch selbst. Vielmehr sind diese Dinge etwas aus ihm Hervorgegangenes, das seines Lebens beraubt ist und nur insofern eins mit ihm (Engel bzw. Mensch), als es mit ihm zusammenstimmt und seinen körperlichen Formen entnommen ist, welche die Formen seines Lebens in ihm waren.

Dies ist ein Geheimnis, das die Engel aufgrund ihrer geistigen Denkvorstellungen sehen und auch durch ihre Sprache ausdrücken können, nicht aber die Menschen in ihren natürlichen Vorstellungen. Tausend geistige Vorstellungen bilden nämlich nur eine natürliche Vorstellung. Diese aber kann vom Menschen nicht in irgendeine geistige Vorstellung aufgelöst werden, geschweige denn in viele, weil sie nach den Höhengraden unterschieden sind, von denen in Teil 3 die Rede war.

*295. Die folgende Erfahrung zeigte mir, daß zwischen den Gedanken der Engel und der Menschen ein solcher Unterschied besteht: Es wurde ihnen gesagt, sie möchten über irgendetwas geistig nachdenken und mir nachher sagen, was sie gedacht hatten. Als das geschehen war und sie es mir mitteilen wollten, waren sie dazu nicht imstande und erklärten, sie könnten es nicht aussprechen. Ebenso verhielt es sich auch inbezug auf ihre geistige Sprache und Schrift, fand sich doch kein einziges Wort der geistigen Sprache, das einem natürlichen Wort ähnlich gewesen wäre und auch nichts in der geistigen Schrift, das einer natürlichen Schrift geähnelt hätte, ganz zu schweigen von den einzelnen Buchstaben ihrer Schrift, von denen jeder einzelne einen ganzen Sinn in sich schloß.

Erstaunlicherweise behaupteten sie dennoch, daß es ihnen so vorkomme, als dachten, redeten und schrieben sie im geistigen Zustand geradeso wie der Mensch im natürlichen, obgleich doch keine Ähnlichkeit besteht. Daraus ging hervor, daß sich Natürliches und Geistiges in der Weise der Höhengrade unterscheiden und daß sie untereinander nur durch Entsprechungen Gemeinschaft haben.

Dreierlei ist im Herrn, was zugleich der Herr ist, nämlich das Göttliche der Liebe, das Göttliche der Weisheit und das Göttliche der Nutzwirkung.

*296. Und diese drei stellen sich dem Anschein nach außerhalb der Sonne der geistigen Welt dar: das Göttliche der Liebe durch die Wärme, das Göttliche der Weisheit durch das Licht und das Göttliche der Nutzwirkung durch die beides enthaltende Atmosphäre.

Oben von # 89 bis 92, 99-102 und 146-150 haben wir gesehen, daß aus der Sonne der geistigen Welt Wärme und Licht hervorgehen, die Wärme aus der göttlichen Liebe des Herrn und das Licht aus seiner göttlichen Weisheit. Hier soll nun gezeigt werden, daß das Dritte, das aus der dortigen Sonne hervorgeht, die Atmosphäre ist, der Behälter von Wärme und Licht, und daß diese Atmosphäre aus dem Göttlichen des Herrn hervorgeht, das als Nutzwirkung bezeichnet wird.

*297. Jeder einigermaßen Erleuchtete kann sehen, daß die Liebe eine Nutzwirkung zum Ziel hat und bezweckt, und daß sie diese Nutzwirkung durch die Weisheit hervorbringt. Denn die Liebe allein kann keinen Nutzen bewirken, sondern nur mithilfe der Weisheit. Ja, was wäre die Liebe, wenn es nicht etwas gäbe, was sie lieben könnte? Dieses Etwas ist die Nutzwirkung, und weil sie das ist, was geliebt und durch die Weisheit hervorgebracht wird, so ergibt sich, daß die Nutzwirkung der Behälter von Weisheit und Liebe ist. Oben in # 209 bis 216 und an anderen Stellen ist gezeigt worden, daß diese drei: Liebe, Weisheit und Nutzwirkung in der Ordnung der Höhengrade aufeinanderfolgen, und daß der letzte Grad die Zusammenfassung, der Behälter und die Basis der vorhergehenden Grade ist. So können wir nun feststellen, daß das Göttliche der Liebe, das Göttliche der Weisheit und das Göttliche der Nutzwirkung, diese drei, im Herrn sind und zugleich den Herrn in seinem Wesen ausmachen.

*298. Im Folgenden soll vollständig nachgewiesen werden, daß der Mensch, seinem Äußeren wie seinem Inneren nach betrachtet, eine Form aller Nutzwirkungen ist und daß alle Nutzwirkungen im erschaffenen Universum diesen Nutzwirkungen entsprechen. Im gegenwärtigen Zusammenhang wollen wir es nur erwähnen, damit man wisse, daß Gott als Mensch die eigentliche Form aller Nutzwirkungen ist, von der alle Nutzwirkungen im erschaffenen Weltall ihren Ursprung ableiten, folglich daß das erschaffene Weltall, unter dem Gesichtspunkt der Nutzwirkungen betrachtet, Gottes Bild ist. Unter Nutzwirkungen verstehen wir alles, was aus dem Gott-Menschen, d.h. aus dem Herrn, von der Schöpfung her in seiner Ordnung ist. Nicht darunter zu verstehen ist, was dem Eigenwillen (proprium) des Menschen entspringt; denn das Eigene des Menschen ist eine Hölle, und was aus dieser stammt, ist gegen die Ordnung.

*299. Da nun Liebe, Weisheit und Nutzwirkung, diese drei, im Herrn sind, ja der Herr sind, dieser aber überall, d.h. allgegenwärtig ist, und da sich der Herr so, wie er an sich ist und wie er in seiner Sonne ist, keinem Engel oder Menschen gegenwärtig darstellen kann, so stellt er sich durch solche Dinge dar, die aufgenommen werden können. Und zwar stellt er sich hinsichtlich der Liebe durch die Wärme, hinsichtlich der Weisheit durch das Licht und hinsichtlich der Nutzwirkung durch die Atmosphäre dar. Letzteres geschieht, weil die Atmosphäre der Behälter von Wärme und Licht ist, geradeso wie die Nutzwirkung das Gefäß von Liebe und Weisheit. Denn Licht und Wärme, die aus der göttlichen Sonne hervortreten, können nicht im Nichts, mithin im Leeren hervortreten, sondern nur in einem Geist, als ihrem Träger. Dieses Gefäß nennen wir die Atmosphäre, welche die Sonne umgibt und sie in ihrem Schoß aufnimmt, um sie zum Himmel der Engel und von dort zur Welt der Menschen fortzuleiten, auf diese Weise eine Gegenwart des Herrn bewirkend.

*300. Oben in # 173 bis 178 und 179 bis 183 wurde gezeigt, daß es ebenso wie in der natürlichen Welt auch in der geistigen Atmosphären gibt. Dabei wurde erläutert, daß die Atmosphären der geistigen Welt geistig, die der natürlichen natürlich sind. Nun läßt sich aber aus dem Ursprung der die geistige Sonne zuerst umgebenden geistigen Atmosphäre begreifen, daß sie in jedem Teil so beschaffen ist wie die Sonne selbst. Mithilfe ihrer geistigen Vorstellungen, die nichts von Raum und Zeit an sich haben, erklären dies die Engel dadurch, daß es nur eine einzige Substanz gebe, einen Ursprung aller Dinge, und daß die Sonne der geistigen Welt diese Substanz sei. Da nun das Göttliche nicht im Raume, und da es im Größten wie im Kleinsten dasselbe sei, gelte dies auch für jene Sonne, die das erste aus dem Gott-Menschen Hervorgegangene ist. Ferner, daß diese einzige Substanz, die Sonne, die Mannigfaltigkeiten aller Dinge im erschaffenen Universum darstelle, indem sie sich ausbreite nach den stetig fortlaufenden oder Breitengraden und zugleich nach den gesonderten oder Höhengraden mittels der Atmosphären.

Die Engel versicherten, daß dies durchaus nicht begriffen werden könne, sofern man nicht das Räumliche aus seinem Denken entferne. Wenn das nicht geschehe, müßten die Scheinbarkeiten notwendigerweise Täuschungen herbeiführen. Diese könnten jedoch nicht auftreten, sobald man denke, daß Gott das Sein selbst ist, aus dem alles hervorgeht.

*301. Aus den nicht-räumlichen Vorstellungen der Engel geht überdies deutlich hervor, daß im erschaffenen Universum nichts wirklich lebt, außer allein der Gott-Mensch, d.h. der Herr, und daß sich nichts bewegt, es sei denn durch das Leben von Ihm, und ebenso daß nichts ist, es sei denn durch die Sonne von Ihm. So ist es also wahr, daß wir „in Gott leben, weben und sind“ (Apg. 17, 28).

Die Atmosphären, deren es drei in jeder der beiden Welten gibt, laufen in ihrem Letzten in Substanzen und materielle Stoffe aus, wie sie auf Erden sind.

*302. In Teil 3 ist in #173 bis 176 gezeigt worden, daß es in beiden Welten, der geistigen und der natürlichen, je drei Atmosphären gibt, die unter sich nach Höhengraden geschieden sind und nach unten zu, den Breitengraden folgend, fortschreitend abnehmen. Infolgedessen werden die Atmosphären stets dichter und träger, bis sie schließlich im Letzten zu ruhenden Substanzen geworden sind, und zwar in der natürlichen Welt zu festen Stoffen, also zu irdischer Materie. Aus diesem Ursprung der Substanzen und Stoffe folgt erstens, daß diese Substanzen und Stoffe ebenfalls drei Grade aufweisen, zweitens, daß sie durch die sie umgebenden Atmosphären untereinander zusammengehalten werden, und drittens, daß sie geeignet sind, alle Formen von Nutzwirkungen hervorzubringen.

*303. Daß Substanzen und Stoffe wie die irdischen von der Sonne durch ihre Atmosphären hervorgebracht wurden — wer wollte das nicht bejahen, wenn er daran denkt, daß vom Ersten bis herab zum Letzten ein beständiger Austausch besteht und nichts entstehen kann außer aus etwas, das ihm vorhergegangen ist und schließlich aus einem Ersten? Das Erste aber ist die Sonne der geistigen Welt und das Erste dieser Sonne wiederum ist der Gott-Mensch, d.h. der Herr.

Da nun die Atmosphären jenes Frühere sind, durch das sich diese Sonne im Letzten darstellt, und da dieses Frühere an Aktivität und Ausdehnung bis herab zum Letzten stets abnimmt, so ergibt sich, daß es schließlich, wenn seine Aktivität und Ausdehnung im Letzten ganz aufhört, zu irdischen Substanzen und Stoffen wird, die von den Atmosphären her, aus denen sie entstanden sind, das Streben und den Drang behalten, Nutzwirkungen hervorzubringen.

Wer die Schöpfung des Universums in all seinen Teilen nicht durch fortlaufende, vermittelnde Stufen vom Ersten her ableitet, verfällt unweigerlich auf erratische und von ihren Ursachen losgelöste Hypothesen, die vor einem Geist, der ins Innere der Dinge einzudringen vermag, nicht als ein geordnetes Gebäude, sondern wie ein Schutthaufen erscheinen.

*304. Von diesem allgemeinen Ursprung aller Dinge im erschaffenen Weltall leitet auch alles Einzelne die Eigenschaft ab, von seinem Ersten aus fortzuschreiten bis zu seinem Letzten, das dem Ersten gegenüber im Zustand der Ruhe ist, um dort zu seinem Ende und Bestand zu kommen. Im menschlichen Körper bilden sich auf diese Weise Fibern von ihren ersten Formen weiter, bis sie zu Sehnen werden; wieder andere Fibern mit ihren kleinen Gefäßen, bis sie zu Knorpeln und Knochen werden, in denen sie zur Ruhe kommen und Bestand haben.

Weil bei den Fibern und Gefäßen im Menschen eine solche Entwicklung vom Ersten aus bis zum Letzten stattfindet, so gibt es auch eine ähnliche Entwicklung ihrer Zustände. Diese bestehen aus Empfindungen, Gedanken und Neigungen. Auch sie gehen von ihrem Ersten aus, wo sie im Licht sind, und breiten sich aus bis zum Letzten, wo sie im Schatten sind. Man kann auch sagen, sie gehen von ihrem Ersten aus, wo sie in der Wärme sind, bis hin zu ihrem Letzten, wo sie nicht in der Wärme sind. Und weil darin die Art ihrer Entwicklung liegt, so gilt dies auch für die Entwicklung der Liebe und der Weisheit samt allem, was zu ihnen gehört. Mit einem Wort: Auf diese Art entwickeln sich alle Dinge im erschaffenen Universum.

Dies stimmt überein mit dem, was oben in # 222 bis 229 nachgewiesen wurde, nämlich, daß im Allergrößten wie im Allerkleinsten des Erschaffenen Grade von zweierlei Art bestehen. Daß dies auch für das Allerkleinste zutrifft, beruht darauf, daß, nach den geistigen Vorstellungen der Engel die geistige Sonne die einzige Substanz ist, aus der alles hervorgeht (vgl. # 300).

In den Substanzen und materiellen Stoffen, aus denen die Erden sind, ist nichts Göttliches an sich, wenngleich sie aus dem an sich Göttlichen sind.

*305. Aus dem Ursprung der Erden, wie wir ihn im vorhergehenden Abschnitt besprochen haben, läßt sich die Feststellung treffen, daß in ihren Substanzen und Stoffen nichts an sich Göttliches ist, sondern daß sie alles an sich Göttlichen ledig sind, sagten wir doch, daß sie die äußersten Begrenzungen der Atmosphären seien, deren Wärme in der Kälte, deren Licht in der Finsternis und deren Beweglichkeit in der Trägheit endigt. Und dennoch haben sie aufgrund ihrer Ableitung aus der Substanz der geistigen Sonne das behalten, was in derselben vom Göttlichen stammte und das, wie oben # 291 bis 298 gezeigt wurde, die den Gott-Menschen, d.h. den Herrn umgebende Sphäre war. Aus dieser Sphäre sind aufgrund der ununterbrochenen Ableitung aus der Sonne mittels der Atmosphären die Substanzen und Formen entstanden, aus denen die Erden bestehen.

*306. Der Ursprung der Erden aus der geistigen Sonne mittels der Atmosphären läßt sich durch Wörter, die aus natürlichen Vorstellungen hervorgehen, nicht anders beschreiben, er kann aber sehr wohl beschrieben werden durch Wörter aus geistigen Vorstellungen, da diese nichts Räumliches an sich haben. Aber eben deshalb fallen sie auch nicht in Wörter irgendeiner natürlichen Sprache. Oben in # 295 kann man nachlesen, daß geistige Gedanken, Sprachen und Schriften so verschieden sind von natürlichen Gedanken, Sprachen und Schriften, daß sie nichts miteinander gemein haben und nur mittels der Entsprechungen miteinander in Verbindung stehen. Darum genügen diese Darlegungen, um den Ursprung der Erden auf natürliche Weise einigermaßen zu begreifen.

Alle Nutzwirkungen, welche die Endzwecke der Schöpfung sind, bestehen in Formen, und diese Formen empfangen sie aus den irdischen Substanzen und Stoffen.

*307. Alle bisher behandelten Gegenstände — die Sonne, Atmosphären und Erden — sind lediglich Mittel zu den Endzwecken der Schöpfung. Diese sind, was der Herr als die Sonne durch die Atmosphären aus den Erden hervorbringt. Diese Endzwecke aber heißen Nutzwirkungen, und sie bestehen aus allen Dingen des Pflanzen- und Tierreichs und zuletzt aus dem menschlichen Geschlecht und dem daraus hervorgehenden Himmel der Engel.

All dies wird als Nutzwirkung bezeichnet, weil sie Empfänger der göttlichen Liebe und Weisheit sind und ferner weil sie auf Gott, den Schöpfer blicken, von dem sie ausgegangen sind und den sie so mit seinem großen Werk verbinden. Durch diese Verbindung aber bewirken sie, daß sie durch Ihn ebenso auch bestehen, wie sie aus Ihm hervorgegangen sind.

Wenn wir sagen, daß sie auf Gott, den Schöpfer blicken, von dem sie ausgegangen sind und den sie so mit seinem großen Werk verbinden, ist das nach dem bloßen Anschein gesprochen. In Wirklichkeit ist es so, daß Gott, der Schöpfer, bewirkt, daß sie gleichsam auf Ihn blicken und sich wie von sich aus mit Ihm verbinden. Wie sie aber auf Ihn blicken und sich dadurch mit Ihm verbinden, wird im Folgenden ausgeführt werden, doch ist davon schon früher die Rede gewesen, etwa in # 47 bis 51, wo es hieß, das die göttliche Liebe und Weisheit gar nicht anders kann, als sein und dasein in einem anderen, von ihr Erschaffenen, oder in # 54 bis 60, wo gesagt wurde, daß alles im erschaffenen Weltall zum Empfang der göttlichen Liebe und Weisheit dient, und schließlich in # 65 bis 68, wo es heißt, daß die Nutzwirkungen aller erschaffenen Dinge durch Grade aufsteigen zum Menschen und durch diesen zu Gott, dem Schöpfer, von dem sie ausgegangen sind.

*308. Wer sieht nicht klar, daß die Endzwecke der Schöpfung in Nutzwirkungen bestehen? Man muß nur bedenken, daß aus Gott, dem Schöpfer, nichts anderes hervortreten, folglich von ihm auch nichts anderes erschaffen werden kann, als was nützlich ist. Um aber nützlich zu sein, muß es um anderer willen sein, und auch eine Nutzwirkung, die man für sich selbst vollbringt, muß für andere nützlich sein, d.h. sie muß darauf abzielen, daß man sich dadurch instand setzt, anderen nützlich sein zu können. Wer dies bedenkt, wird auch begreifen können, daß eine Nutzwirkung, die wirklich Nutzwirkung ist, ihr Dasein nicht vom Menschen selbst haben kann, sondern im Menschen von Ihm stammt, von dem alle Nutzwirkung ist, mithin vom Herrn.

*309. Weil aber hier von den Formen der Nutzwirkungen gehandelt wird, soll es in folgender Ordnung geschehen:

  1. In den Erdkörpern liegt ein Streben, Nutwirkungen in Formen oder Formen der Nutzwirkungen hervorzubringen.

  2. In allen Formen der Nutzwirkungen liegt etwas wie ein Abbild der Schöpfung des Weltalls.

  3. In allen Formen der Nutzwirkungen liegt etwas wie ein Abbild des Menschen.

  4. In allen Formen der Nutzwirkungen liegt etwas wie ein Abbild des Unendlichen und Ewigen.

1. In den Erden liegt ein Streben, Nutzwirkungen in Formen oder Formen von Nutzwirkungen hervorzubringen.

*310. Dies steht fest aufgrund ihres Ursprungs. Die Substanzen und Stoffe, aus denen die Erdkörper bestehen, sind nämlich das Äußerste und die Begrenzungen der Atmosphären, die als Nutzwirkungen aus der geistigen Sonne hervorgehen (vgl. oben # 305 und 306). Und weil dies der Ursprung der Substanzen und materiellen Stoffe ist, aus denen die Erdkörper bestehen, und ihre Aggregate dadurch zusammengehalten werden, daß die Atmosphären von allen Seiten auf sie drücken, so folgt daraus ihr ständiges Streben, Formen von Nutzwirkungen hervorzubringen. Die eigentliche Fähigkeit zum Hervorbringen von Nutzwirkungen haben sie aufgrund ihres Ursprungs, wonach sie das Letzte der Atmosphären sind, mit denen sie infolgedessen übereinstimmen.

Wir sagen zwar, jenes Streben und jene Fähigkeit sei in den Erdkörpern, meinen aber damit, daß sie zu den Substanzen und materiellen Formen gehören, aus denen die Erden bestehen, seien sie nun in den Erdkörpern selbst oder in Form von Ausdünstungen aus denselben in den Atmosphären.

Es ist bekannt, daß die Atmosphären voll davon sind. Die Tatsache, daß den Substanzen und materiellen Stoffen der Erde ein solches Streben und eine solche Fähigkeit innewohnt, zeigt sich deutlich an den Samen aller Art. Sobald sie durch die Wärme bis zum Innersten aufgeschlossen sind, werden sie von den feinsten Substanzen geschwängert. Diese aber haben notwendigerweise einen geistigen Ursprung und daher die Macht, sich mit einer Nutzwirkung zu vereinigen. Daraus resultiert ihre Befähigung, sich zu vermehren und durch die Verbindung mit Stoffen natürlichen Ursprungs Formen von Nutzwirkungen hervorzubringen, um sie dann wie aus einer Gebärmutter zu entlassen, damit sie auch ans Licht kommen, sprossen und wachsen. Dieses Streben setzt sich nachher ununterbrochen fort, ausgehend von der Erde durch die Wurzel bis zum Äußersten, und von diesem aus bis zum Ersten, in dem die Nutzwirkung selbst ihren Ursprung hat.

Auf diese Weise gehen die Nutzwirkungen in Formen über. Die Formen aber leiten von der Nutzwirkung, die wie ihre Seele ist, bei ihrer Entwicklung vom Ersten bis zum Letzten und zurück vom Letzten bis zum Ersten die Eigenschaft ab, daß sie in ihrer Ganzheit wie in ihren Einzelheiten zu irgendeinem Nutzen dienen. Es wurde gesagt, die Nutzwirkung sei wie die Seele, und zwar deshalb, weil ihre Form wie der Leib ist.

Aus dem Gesagten folgt auch, daß es ein noch inwendigeres Streben gibt, nämlich das Streben, durch das Sprossen von Pflanzen Nutzwirkungen für das Tierreich zu bewirken, denn Tiere jeder Art nähren sich davon. Und schließlich folgt daraus nicht minder, daß in ihnen auch ein innerstes Streben liegt, nämlich Nutzen für das menschliche Geschlecht zu leisten.

All dies ergibt sich aus Folgendem:

Es gibt ein Letztes, und in diesem ist alles Vorangegangene zugleich in seiner Ordnung enthalten, gemäß dem, was früher hin und wieder gezeigt wurde.

Beide Arten von Graden sind, wie oben # 222 bis 229 gezeigt wurde, sowohl im Allergrößten wie im Allerkleinsten vorhanden; ebenso in jenem Streben.

Alle Nutzwirkungen werden vom Herrn aus dem Letzten hervorgebracht. Deshalb muß im Letzten das Streben zu denselben liegen.

*311. All dies Streben ist jedoch nicht lebendig. Vielmehr ist es ein Streben der äußersten Lebenskräfte, denen aufgrund ihres Ursprungs aus dem Leben gleichwohl das Streben innewohnt, durch die dargereichten Mittel wieder zu ihrem Ursprung zurückzukehren. Die Atmosphären in ihrem Äußersten werden zu derartigen Kräften, welche die Substanzen und materiellen Stoffe, die sich in den Erden finden, zu Formen gestalten und innerlich wie äußerlich in Formen zusammenhalten. Hierüber kann jetzt nicht mehr gesagt werden, weil es ein umfassendes Werk erfordern würde.

*312. Das erste, was die Erdkörper hervorbrachten, solange sie noch neu waren und ihre ursprüngliche Gestalt hatten, waren die Samen. Das erste Streben konnte kein anderes sein.

2. In allen Formen der Nutzwirkungen liegt etwas wie ein Abbild der Schöpfung.

*313. Die Formen der Nutzwirkungen sind von dreifacher Art: solche des Mineralreichs, des Pflanzenreichs und des Tierreichs. Die Formen der Nutzwirkungen des Mineralreichs lassen sich nicht beschreiben, weil sie sich nicht sichtbar darstellen. Die ersten Formen sind die Substanzen und materiellen Stoffe, aus denen die Erdkörper in ihren kleinsten Teilen bestehen. Die zweiten Formen sind Zusammensetzungen aus diesen, deren Mannigfaltigkeit unendlich ist. Die dritten Formen ergeben sich aus den Überresten von toten Pflanzen und Tieren, sowie aus deren Ausdünstungen und Gasen, die sie ständig von sich geben. All das fügt sich den Erden bei und bildet den Boden. Diese aus drei Graden bestehenden Formen des Mineralreichs stellen insofern etwas wie ein Abbild der Schöpfung dar, als sie — von der Sonne durch die Atmosphären und deren Wärme und Licht in Bewegung gesetzt Nutzwirkungen in Formen hervorbringen, welche die Endzwecke der Schöpfung waren. Dieses Abbild der Schöpfung liegt in ihrem Streben, von dem oben in # 310 die Rede war.

*314. In den Formen der Nutzwirkungen des Pflanzenreichs erscheint ein Abbild der Schöpfung insofern, als sie sich von ihrem Ersten bis zu ihrem Letzten entwickeln und dann wiederum vom Letzten bis zum Ersten. Das Erste sind die Samen, das Letzte die mit Rinde umgebenen Stengel. Und mittels der Rinde, der äußeren Hülle (ultimum) der Stengel, kommt es zur Bildung der Samen, die, wie gesagt, ihr Erstes ist. Die von Rinden umhüllten Stengel haben einen Bezug auf unseren Planeten und dessen Bedeckung mit Erde, aus der die Schöpfung und Bildung aller Nutzwirkungen hervorging. Wie vielen bekannt ist, geht das Pflanzenwachstum durch die Rinden, Baste und Häute vor sich, indem sie sich herausarbeiten aus den Wurzelhüllen, die sich um die Stengel und Zweige fortsetzen bis zu den Anfangen der Früchte und wiederum durch die Früchte zu den Samen. Ein Abbild der Schöpfung in den Formen der Nutzwirkungen wird deutlich beim Fortschritt ihrer Gestaltung vom Ersten bis zum Letzten und vom Letzten bis zum Ersten wie auch darin, daß es im Endzweck der ganzen Entwicklung liegt, Früchte und Samen hervorzubringen, welche Nutzwirkungen sind. Aus alledem wird klar, daß der Fortschritt der Schöpfung des Universums ausging von ihrem Ersten, d.h. von dem mit der (geistigen) Sonne umgebenen Herrn, bis zu ihrem Letzten, den Erden, und von diesen durch die Nutzwirkungen zurück zu ihrem Ersten, d.h. zum Herrn, und ferner, daß die Nutzwirkungen die Endzwecke der ganzen Schöpfung waren.

*315. Man muß aber wissen, daß Wärme, Licht und Atmosphären der natürlichen Welt ganz und gar nichts zu diesem Bild der Schöpfung beitragen, sondern allein Wärme, Licht und Atmosphären der Sonne der geistigen Welt. Diese tragen das Bild in sich und übertragen es in die Formen der Nutzwirkungen des Pflanzenreichs. Wärme, Licht und Atmosphären der natürlichen Welt schließen bloß die Samen auf, erhalten, was sie bei ihrer Ausdehnung hervorbringen und versorgen sie mit den materiellen Stoffen, die ihnen Festigkeit geben. Doch auch dies geschieht nicht durch die Kräfte aus ihrer Sonne, die an und für sich nichts sind, sondern durch die Kräfte aus der geistigen Sonne, die sie beständig dazu antreiben. Aber sie selbst tragen gar nichts dazu bei, daß jene ein Abbild der Schöpfung sind. Denn das Abbild der Schöpfung ist etwas Geistiges, um aber zur Erscheinung zu kommen und Nutzen in der natürlichen Welt zu schaffen, um festzustehen und zu dauern, muß es zu Stoff werden, d.h. aus materiellen Stoffen dieser Welt zusammengesetzt werden.

*316. In den Formen der Nutzwirkungen des Tierreichs liegt ein ähnliches Abbild der Schöpfung. So bildet sich aus einem in die Gebärmutter oder ins Ei gelegten Samen ein Körper, der dessen Letztes ist und der wiederum, sobald er herangewachsen ist, neue Samen hervorbringt. Dieser Vorgang ähnelt dem der Hervorbringung der Formen der Nutzwirkungen im Pflanzenreich. Der Same ist der Anfang, die Gebärmutter oder das Ei wie die Erde. Der Zustand vor der Geburt gleicht dem Zustand des Samens in der Erde, wo er Wurzeln schlägt, und der Zustand nach der Geburt bis zur Fortpflanzung gleicht dem Wachstum eines Baumes bis zu seinem Fruchttragen.

Aus dieser Parallele geht hervor, daß die Gestalten der Tiere ebenso eine Ähnlichkeit mit der Schöpfung aufweisen, wie die Pflanzenformen, insofern nämlich, als in beiden ein Fortschreiten vom Ersten bis zum Letzten und vom Letzten zurück zum Ersten stattfindet. Ein ähnliches Abbild der Schöpfung besteht im Einzelnen des Menschen; denn auf ähnliche Weise schreitet die Liebe durch die Weisheit zu den Nutzwirkungen fort, bzw. der Wille durch den Verstand zu den Handlungen oder die Nächstenliebe durch den Glauben zu den Werken. Wille und Verstand, ebenso Nächstenliebe und Glaube sind das Erste, von dem es ausgeht, Handlungen und Werke das Letzte. Von diesem Letzten aus führt die Freude an den Nutzwirkungen wieder zurück zum Ersten, das, wie gesagt, der Wille und Verstand bzw. die Nächstenliebe und der Glaube ist. Es ist offensichtlich, daß diese Freude die Rückkehr bewirkt. Man muß nur daran denken, welche Freude wir bei Handlungen und Werken empfinden, die unserer Liebe entspringen, und wie sie dann zurückströmt zu dem Ersten der Liebe, von dem sie ausgegangen war. Auf diese Weise geschieht eine Verbindung. Die Freude an Handlungen und werken nennen wir die Freuden der Nutzwirkung.

Ein ähnliches Fortschreiten vom Ersten bis zum Letzten und wieder zurück zum Ersten tritt in den reinsten organischen Formen der Triebe und Gedanken beim Menschen hervor. In den verschiedenen Teilen seines Gehirns gleichen diese Formen kleinen Sternen, den sogenannten grauen Substanzen. Von ihnen gehen Fibern aus, die durch die Marksubstanz über den Nacken in den Körper übergehen und hier bis zum Letzten durchdringen, um von dort wieder zu ihrem Ersten zurückzukehren. Diese Rückkehr der Fibern zu ihrem Ersten wird durch die Blutgefäße bewirkt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Fluß aller Triebe und Gedanken, die Zustandsveränderungen und -wechsel jener Formen und Substanzen sind. Denn die aus jenen Formen und Substanzen hervorgehenden Fibern lassen sich den Atmosphären aus der geistigen Sonne vergleichen, den Gefäßen von Wärme und Licht. Und die vom Körper ausgehenden Handlungen sind wie das von der Erde durch die Atmosphären Hervorgebrachte. Die Freuden dieser Nutzwirkungen kehren zu ihrem Ursprung zurück, von dem sie ausgegangen waren.

Nur mühsam ist voll verständlich zu machen, daß es hierbei um ein solches Fortschreiten geht, und daß eben darin ein Abbild der Schöpfung liegt. Denn Tausende, ja Myriaden von wirkenden Kräften erscheinen in einer Handlung jeweils wie eine einzige Kraft, und die Freuden der Nutzwirkungen zeigen sich im Denken nicht als deutliche Vorstellungen, sondern regen nur an, ohne deutlich zu Bewußtsein zu kommen.

Zu diesen Dingen vergleiche man die bereits getroffenen Feststellungen und Erklärungen, z.B. daß die Nutzwirkungen aller erschaffenen Dinge durch Höhengrade bis zum Menschen aufsteigen und durch diesen wiederum zu ihrem Ursprung, Gott, dem Schöpfer zurückkehren (# 65 bis 68). Ferner daß der Endzweck der Schöpfung im Letzten hervortritt und daß er eben darin besteht, daß alles zum Schöpfer zurückkehren möge und eine Verbindung sei (# 167 bis 172). Doch wird dies im folgenden Abschnitt noch deutlicher werden, wo die Entsprechung des Willens und Verstandes mit Herz und Lunge behandelt werden soll.

3. In allen Formen der Nutzwirkungen liegt etwas wie ein Abbild des Menschen.

*317. Dies wurde oben # 61 bis 64 gezeigt. Im folgenden Abschnitt wird man sehen, daß alle Nutzwirkungen, angefangen von der ersten bis zu den letzten und wiederum von den letzten bis zur ersten eine Beziehung zu allem haben, was zum Menschen gehört und in einem Entsprechungsverhältnis zu ihm steht. Somit ist der Mensch in einem gewissen Sinne ein Abbild des Universums, während umgekehrt das Universum, in seinen Nutzwirkungen betrachtet, als Bild des Menschen erscheint.

4. In allen Formen der Nutzwirkungen liegt etwas wie ein Abbild des Unendlichen und Ewigen.

*318. Das Abbild des Unendlichen in diesen Formen zeigt sich an dem Streben und Vermögen, den gesamten Raum unseres und vieler anderer Erdkörper bis ins Unendliche zu füllen. Denn aus einem Samen entsteht ein Baum, ein Strauch oder eine Pflanze, deren jede ihren Raum ausfüllt. Baum, Strauch und Pflanze erzeugen wiederum ihre Samen — manche von ihnen zu Tausenden — die ausgesät und zum Keimen gebracht, neue Räume ausfüllen. Und wenn aus jedem ihrer Samen ebensoviele neue Gewächse hervorgingen, und sich das ohne Unterlaß wiederholte, so wäre nach einer bestimmten Anzahl von Jahren der ganze Erdkreis damit bedeckt. Würde sich das weiter fortsetzen, könnten schließlich mehrere Erdkörper damit bedeckt werden, und dies bis ins Unendliche. Man multipliziere nur einmal einen Samen mit tausend und diese dann mit zehntausend, zwanzigtausend bis zu hunderttausend, so sieht man es deutlich. Es liegt darin aber auch ein Bild des Ewigen. Die Samen pflanzen sich von Jahr zu Jahr fort, und das hört nie auf. Die Vermehrung hat von der Erschaffung der Welt an bis zum heutigen Tag nie aufgehört und wird auch in Ewigkeit nie aufhören.

Diese beiden Tatsachen liegen klar zutage und bezeugen deutlich, daß alle Teile des Universums von dem unendlichen und ewigen Gott erschaffen worden sind.

Ein weiteres Bild des Unendlichen und Ewigen zeigt sich in der Mannigfaltigkeit, kann es doch nirgends eine Substanz, einen Zustand oder irgendein Ding im erschaffenen Weltall geben, das mit einem anderen völlig identisch wäre. Das gilt für die Atmosphären, für die Erde ebenso wie für die aus ihnen hervorgehenden Formen. So kann im ganzen Weltall in Ewigkeit nichts hervorgebracht werden, was einem anderen völlig gliche. Man sieht das augenscheinlich an der Mannigfaltigkeit der Gesichter aller Menschen. Auf Erden gibt es nicht eines, das völlig identisch wäre mit einem anderen. Und es kann auch in Ewigkeit kein solches geben, mithin auch nicht eine ganz identische Seele, da ja das Angesicht deren Abbild ist.

Alles im Universum, betrachtet unter dem Gesichtspunkt seiner Nutzwirkungen, ist ein Ebenbild des Menschen; und dies bezeugt, daß Gott Mensch ist.

*319. Die Alten nannten den Menschen eine kleine Welt (microcosmos), und zwar deshalb, weil er ein Ebenbild der großen Welt (macrocosmos), des Universums in seinem Gesamtumfang darstellt. Aber heutzutage (d.h. im 18. Jh., d.Ü.) kennt man den Grund dieses Ausdrucks nicht mehr, scheint es doch so, als ob der Mensch mit der großen Welt oder dem Universum nicht mehr gemein habe, als daß er seinen Leib aus Tier- und Pflanzenwelt ernährt und durch die Wärme der Welt imstande ist zu leben, dank ihres Lichts zu sehen und dank ihrer Atmosphäre zu hören und zu atmen. Nicht das ist es aber, was den Menschen zu einer kleinen Welt macht, so wie das Weltall mit allen seinen Teilen die große Welt ist. Wenn die Alten den Menschen einen Mikrokosmos oder eine kleine Welt nannten, so schöpften sie das aus ihrer Kenntnis der Entsprechungen, wie sie ihnen von den Ältesten überliefert war, sowie aus dem Verkehr mit den Engeln des Himmels. Diese nämlich wissen aus dem, was sie um sich herum erblicken, daß alles im Universum, betrachtet unter dem Gesichtspunkt der Nutzwirkungen, ein Abbild des Menschen ist.

*320. Doch daß der Mensch ein Mikrokosmos oder eine kleine Welt ist, weil das erschaffene Universum, seinen Nutzwirkungen nach betrachtet, ein Abbild des Menschen ist, kann niemand durch Nachdenken in den Sinn kommen, von wo aus er es dann auch zu erkennen vermochte, sondern nur aufgrund einer Anschauung des Universums in der geistigen Welt. Deshalb kann es auch nur von einem Engel bestätigt werden, der der geistigen Welt angehört, oder von jemandem, dem verliehen wurde, in jener Welt zu weilen und ihre Erscheinungen zu beobachten. Und weil das für mich zutrifft, so kann ich aus dem dort Gesehenen dieses Geheimnis offenbaren.

*321. Man muß wissen, daß die geistige Welt in ihrer äußeren Erscheinung der natürlichen Welt ganz ähnlich ist. Es erscheinen dort Länder, Berge, Hügel, Täler, Ebenen, Felder, Seen, Flüsse, Quellen — ganz wie in der natürlichen Welt, mithin alles, was zum Mineralreich gehört. Ebenso erscheinen auch Parkanlagen, Garten, Haine, Wälder mit Bäumen und Sträuchern aller Art samt ihren Früchten und Samen, ebenso Pflanzen, Blumen, Kräuter und Gräser — kurz, alles was zum Pflanzenreich gehört. Ebenso erscheinen dort Säugetiere, Vögel und Fische aller Art, mithin alles, was zum Tierreich gehört. Der Mensch ist dort Engel oder Geist.

Dies sei vorausgeschickt, damit man wisse, daß das Universum der geistigen Welt dem der natürlichen Welt vollkommen ähnlich ist. Der einzige Unterschied besteht darin, daß alles, was sich dort befindet, nicht fixiert und dauerhaft ist, wie die irdischen Phänomene, weil dort nichts natürlich, sondern alles geistig ist.

*322. Die Tatsache, daß das Universum der geistigen Welt ein Abbild des Menschen widerspiegelt, ist schon daraus ersichtlich, daß alles, was soeben in # 321 ausgeführt wurde, sich rund um die Engel und Engelsgesellschaften her in lebendiger Weise zeigt, und zwar wie etwas, das sie selbst hervorgebracht und erschaffen haben. Es sieht wie etwas von ihnen selbst Hervorgebrachtes oder Erschaffenes aus, weil es beim Weggang des Engels oder der Engelsgesellschaft nicht mehr erscheint oder, wenn andere Engel statt ihrer kommen, die Gestalt aller umliegenden Dinge sich verändert. So verändern sich dann die Bäume und Früchte in den Parkanlagen, die Rosen und Samengewächse in den Blumenfluren, die Kräuter und Gräser in den Auen und ebenso auch die Arten der Landtiere und Vögel.

Das Vorhandensein all dieser Dinge samt ihren Veränderungen beruht darauf, daß sie ihr Dasein haben gemäß den Gefühlen und den daraus entspringenden Gedanken der Engel, sind sie doch Entsprechungen. Weil aber das Entsprechende eins ausmacht mit dem, dem es entspricht, ist es eine Darstellung oder Abbildung desselben.

Das Bild selbst tritt nur in Erscheinung, wenn man jene Dinge unter dem Gesichtspunkt ihrer Nutzwirkungen betrachtet, nicht aber, wenn man lediglich auf ihre Formen achtet.

Ich durfte sehen, wie die Engel sich selbst darin wiederfanden, sobald ihre Augen vom Herrn aufgeschlossen wurden und sie jene Dinge unter dem Gesichtspunkt der Entsprechung ihrer Nutzwirkungen betrachteten.

*323. Da nun das, was die Engel umgibt, in Übereinstimmung mit ihren Gefühlen und Gedanken ist und insofern eine Art von Universum darstellt, als es aus Erdkörpern, Pflanzen und Tieren besteht, die ein repräsentatives Bild des betreffenden Engels darstellen, so ist klar, wie die Alten dazu kamen, den Menschen als eine kleine Welt zu bezeichnen.

*324. In den 'Himmlischen Geheimnissen' sowie im Werk 'Himmel und Hölle', ebenso wie auch hin und wieder im Vorhergehenden, wo von Entsprechungen die Rede war, ist das durch vieles belegt worden. Dort ist auch gezeigt worden, daß es im erschaffenen Universum nichts gibt, was nicht in einem Verhältnis der Entsprechung zu irgendeinem Teil des Menschen steht, nicht nur zu seinen Gefühlen und den damit zusammenhängenden Gedanken, sondern auch mit den Organen und Eingeweiden seines Körpers, zwar nicht soweit sie Substanzen sind, sondern sofern sie Nutzwirkungen dienen. Daher werden dort, wo es sich im Worte Gottes um die Kirche und die Menschen der Kirche handelt, so oft Bäume genannt, wie Ölbäume, Weinstöcke und Zedern, ferner Gärten, Haine und Wälder, aber auch Landtiere, Vögel des Himmels und Fische des Meeres. Sie werden genannt, weil sie entsprechen und, wie gesagt, durch die Entsprechung eins ausmachen mit jenen Dingen. Daher kommt es auch, daß die Engel, wenn der Mensch dergleichen im Worte liest, statt dieser Dinge die Kirche oder die Menschen der Kirche hinsichtlich ihrer verschiedenen Zustände verstehen.

*325. Weil alles im Universum den Menschen im Bilde darstellt, wird auch Adam hinsichtlich seiner Weisheit und Einsicht durch den Garten Eden beschrieben, in dem Bäume aller Art waren, aber auch Flüsse, Edelsteine und Gold, sowie Tiere, denen er Namen gab. Unter alledem hat man zu verstehen, was zu Adam gehörte und das ausmacht, was Mensch heißt. Beinahe dasselbe wird bei Ezechiel 31/3-9 auch von Aschur ausgesagt, durch den die Kirche hinsichtlich der Einsicht bezeichnet wird, sowie bei Ezechiel 28/12, 13 von Tyrus, das die Kirche hinsichtlich der Kenntnisse des Guten und Wahren bezeichnet.

*326. Damit steht fest, daß alles im Weltall, wenn man es im Hinblick auf seine Brauchbarkeit betrachtet, den Menschen im Bilde darstellt und damit bezeugt wird, daß Gott Mensch ist. Denn alles, was oben erwähnt wurde, findet sich auch in der Umgebung des Engelmenschen - nicht vom Engel aus, sondern vom Herrn aus durch den Engel. Es entsteht nämlich aus einem Einfluß der göttlichen Liebe und Weisheit des Herrn in den Engel als einem Empfänger, und es wird vor seinen Augen hervorgebracht wie die Schöpfung des Universums. Daraus erkennt man dort, daß Gott Mensch ist und daß das erschaffene Universum, hinsichtlich der Nutzwirkungen betrachtet, Sein Bild ist.

Alles, was vom Herrn erschaffen wurde, ist eine Nutzwirkung, und zwar in der Ordnung, Stufe und Hinsicht, wie es sich auf den Menschen und durch diesen auf den Herrn zurückbezieht, von dem es ausgegangen ist.

*327. Inbezug darauf wurde oben schon folgendes dargelegt: Aus Gott dem Schöpfer kann nichts anderes hervortreten als Nutzwirkungen (# 308). Die erschaffenen Nutzwirkungen steigen durch Grade vom Letzten auf bis zum Menschen und vom Menschen bis zu Gott, dem Schöpfer, von dem sie ausgegangen sind (# 65 bis 68). Der Endzweck der Schöpfung tritt im Letzten hervor und besteht darin, daß alles zu Gott, dem Schöpfer zurückkehren und sich mit ihm verbinden möge (# 167 bis 172). Die Dinge sind Nutzwirkungen, soweit sie sich auf den Schöpfer beziehen (# 307). Das Göttliche kann nicht anders, als sein und dasein in Anderem, von ihm Erschaffenem (# 47 bis 51). Alle Dinge des Universums sind Aufnahmegefäße je nach ihrer Nutzwirkung, und dies je nach ihren Graden (# 58). Das Universum ist, unter dem Gesichtspunkt der Nutzwirkungen betrachtet, ein Bild Gottes (# 59) — und anderes mehr.

Daraus ergibt sich die Wahrheit, daß alles, was vom Herrn erschaffen wurde, zu einem Nutzen dient und in der Ordnung, in dem Grad und in der Hinsicht nützlich ist, wie es sich auf den Menschen und durch den Menschen auf den Herrn bezieht, von dem sie stammen. Es bleibt nur noch, einiges im Besonderen über die Nutzwirkungen zu sagen.

*328. Mit dem Menschen, auf den sich die Nutzwirkungen beziehen, ist nicht nur der einzelne Mensch gemeint, sondern auch Gruppen von Menschen, kleinere und größere menschliche Gemeinschaften, Staaten, König- und Kaiserreiche, wie auch die größte Gemeinschaft, die Menschheit der ganzen Erde. All dies ist 'Mensch'. Geradeso ist es im Himmel. Der ganze Engelshimmel ist vor dem Herrn wie ein einziger Mensch, ebenso auch jede himmlische Gesellschaft, folglich auch jeder einzelne Engel (vgl. 'Himmel und Holle', # 68 bis 103). Damit sollte klar sein, was wir im Folgenden mit dem Menschen meinen.

*329. Aus dem Endzweck der Schöpfung des Weltalls kann man ersehen, was Nutzwirkung ist. Dieser Endzweck ist die Entstehung eines Engelshimmels. Und weil der Engelshimmel der Endzweck ist, so ist es auch der Mensch bzw. das Menschengeschlecht, weil sich aus ihm der Himmel bildet. Daraus ergibt sich, daß alle erschaffenen Dinge Mittel zum Zweck sind und Nutzwirkungen darstellen je nach der Ordnung, dem Grad und der Hinsicht, wie sie sich auf den Menschen und durch den Menschen auf den Herrn beziehen.

*330. Weil der Endzweck der Schöpfung ein Engelshimmel aus der Menschheit und somit die Menschheit ist, so bilden alle übrigen erschaffenen Dinge Mittel zum Zweck. Und da sich diese auf den Menschen beziehen, so haben sie wegen der Verbindung des Menschen mit dem Herrn - eine Beziehung zu seinen drei Hauptbestandteilen: Leib, Vernunft und Geistiges. Der Mensch kann nämlich nicht mit dem Herrn verbunden werden, wenn er nicht geistig ist. Geistig aber kann er nicht sein, wenn er nicht vernünftig ist, und vernünftig kann er wiederum nicht sein, wenn sein Körper nicht in einem Zustand der Unversehrtheit ist. Diese drei sind wie sein Haus, wobei der Körper das Fundament, die Vernunft das darauf errichtete Haus und das Geistige die Einrichtung des Hauses darstellt, während die Verbindung mit dem Herrn dem Wohnen im Hause gleicht.

Damit ist klar, in welcher Ordnung, in welchem Grad und in welcher Hinsicht sich die Nutzwirkungen, welche Mittelzwecke der Schöpfung sind, auf den Menschen beziehen, daß sie nämlich zur Erhaltung seines Leibes, zur Vervollkommnung seiner Vernunft und zur Aufnahme des Geistigen vom Herrn dienen.

Die zur Erhaltung des Körpers dienlichen Nutzwirkungen beziehen sich auf seine Nahrung, Kleidung, Wohnung, Erholung und Unterhaltung, die Beschützung und Erhaltung seines Zustands.

*331. Die zur Ernährung des Körpers dienlichen Nutzwirkungen sind alle Dinge des Pflanzenreichs, die dem Menschen zu Speis und Trank dienen, wie Fruchte, Trauben, Samen, Gemüse und Kräuter; ferner alle Dinge des Tierreichs, die verspeist werden, wie Ochsen, Kühe, Stiere, Hirsche, Schafe, Ziegenbockchen, Lämmer und Milchprodukte, ebenso Vögel und Fische der verschiedensten Art. Die zur Bekleidung des Körpers dienlichen Nutzwirkungen gehören ebenfalls den beiden Reichen an. Dasselbe gilt für die zur Wohnung wie auch zur Erholung, Unterhaltung, Beschützung und Erhaltung seines Zustands dienlichen Nutzwirkungen. Sie werden hier nicht einzeln aufgezählt, weil sie bekannt sind und ihre Aufzählung nur Seiten füllen würde.

Es gibt freilich auch manches, was dem Menschen nicht zum Nutzen dient, aber das Überflüssige hebt den Nutzen nicht auf, sondern trägt dazu bei, daß er weiterbestehen kann. Ebenfalls gibt es den Mißbrauch des Nützlichen, aber der Mißbrauch hebt die Nützlichkeit nicht auf, ebenso wie die Verfälschung des Wahren das Wahre nicht aufhebt, außer bei denen, die sich der Verfälschung schuldig machen.

Die zur Vervollkommnung der Vernunft dienlichen Nutzwirkungen

*332. sind all das, was uns lehrt, was wir gerade dargelegt haben, das heißt Wissenschaften und Studien, die sich auf Natur und Wirtschaft, auf bürgerliche und sittliche Dinge beziehen und die man entweder von den Eltern und Lehrern oder aus Büchern und aus dem Umgang mit anderen Menschen bzw. aus eigenem Nachdenken darüber lernt. All dies vervollkommnet die Vernunft umso mehr, je höher der Grad seiner Nützlichkeit ist, und es bleibt dem Menschen, soweit er es aufs Leben anwendet. Eine Aufzählung dieser Nutzwirkungen überstiege den zur Verfügung stehenden Raum, sowohl wegen ihrer Menge als auch wegen der Vielfältigkeit ihrer Beziehungen zum allgemeinen Wohl.

Die zum Empfang des Geistigen vom Herrn dienlichen Nutzwirkungen

*333. bestehen aus allem, was zur Religion und zum Gottesdienst gehört, also aus allem, was Anerkennung und Erkenntnis Gottes sowie des Guten und Wahren, mithin des ewigen Lebens lehrt. In gleicher Weise wie die oben erwähnten Disziplinen erlernt man das von den Eltern und Lehrern, aus Predigten und Büchern, besonders durch ein eifriges Streben nach einem entsprechenden Leben. In der Christenheit geschieht es namentlich durch Lehren und Predigten aus dem Wort und so durch den Herrn.

Diese Nutzwirkungen lassen sich umfassender beschreiben, wenn wir sie mit den Nutzwirkungen vergleichen, die dem Körper dienlich sind, wie Nahrung, Kleidung, Wohnung, Erholung, Unterhaltung, Schutz und Erhaltung des Zustands. Wir müssen all das lediglich auf die Seele beziehen: die Ernährung auf das Gute der Liebe, die Bekleidung auf die Wahrheiten der Weisheit, die Wohnung auf den Himmel, die Erholung und Unterhaltung auf die Glückseligkeit des Lebens und die himmlische Freude, den Schutz auf die Anfechtungen durch das Böse, und die Aufrechterhaltung des Zustands auf das ewige Leben.

All dies gibt uns der Herr in dem Maße, wie wir anerkennen, daß alles Körperliche ebenfalls vom Herrn stammt und der Mensch nur als Diener und Verwalter der Güter seines Herrn eingesetzt ist.

*334. Es zeigt sich deutlich, daß diese Dinge dem Menschen zur Nutznießung gegeben wurden und daß sie ein freies Geschenk sind, wenn man an den Zustand der himmlischen Engel denkt, die ebenso über einen Leib, ein Vernünftiges und Geistiges verfügen, wie die irdischen Menschen. Sie werden gratis ernährt, da sie täglich ihre Nahrung erhalten, sie werden gratis bekleidet, ihre Kleider werden ihnen geschenkt, und ebenso wohnen sie gratis in Häusern, die ihnen gegeben werden. Um all das sorgen sie sich überhaupt nicht, und insoweit sie geistig-vernünftig werden, wird ihnen auch Freude, Schutz und Sicherheit in ihrem Zustand zuteil.

Der Unterschied besteht darin, daß die Engel erkennen, daß all das vom Herrn stammt, weil es ja, wie oben in # 322 gezeigt wurde, gemäß dem Zustand ihrer Liebe und Weisheit geschaffen wird, während die Menschen es nicht sehen, weil es jährlich wiederkehrt, und das nicht im Verhältnis zum Zustand ihrer Liebe und Weisheit, sondern zum Maß ihrer Anstrengung.

*335. Obgleich es heißt, die Nutzwirkungen seien Nutzwirkungen, weil sie sich durch den Menschen auf den Herrn beziehen, kann man doch nicht sagen, daß die Nutzwirkungen vom Menschen für den Herrn geschehen. Vielmehr stammen sie vom Herrn und geschehen um des Menschen willen. Denn alle Nutzwirkungen sind auf unendliche Weise eins im Herrn, während sich nichts von ihnen im Menschen findet, außer eben vom Herrn her; kann doch der Mensch von sich aus nichts Gutes tun, sondern allein aus dem Herrn. Das Gute ist es, was als Nutzwirkung bezeichnet wird. Das Wesen der geistigen Liebe besteht darin, anderen Gutes zu tun, doch nicht für sich selbst, sondern um ihretwillen. In unendlich höherem Maße noch ist dies das Wesen der göttlichen Liebe. Es verhält sich damit ähnlich wie mit der Liebe der Eltern zu ihren Kindern, wenn sie ihnen aus Liebe Gutes tun, nicht um ihrer selbst, sondern um der Kinder willen. Besonders deutlich sieht man dies an der Liebe der Mutter zu ihren Kindern.

Man glaubt gewöhnlich, daß der Herr, weil er anzubeten, zu verehren und zu verherrlichen ist, Anbetung, Verehrung und Verherrlichung um seiner selbst liebe. Er liebt sie jedoch um des Menschen willen, weil dieser dadurch in den Zustand gelangt, in dem das Göttliche in ihn einfließen und von ihm aufgenommen werden kann. Der Mensch entfernt nämlich auf diese Weise das Eigene, das Einfluß und Aufnahme verhindert, weil es Eigenliebe ist und das Herz verhärtet und verschließt. Entfernt wird das Eigene durch die Anerkennung, das von ihm selbst nur Böses kommt, vom Herrn aber nur Gutes. So wird das Herz erweicht und es entsteht jene Demut, aus der Anbetung und Verehrung hervorfließen.

Aus alledem folgt, daß die Nutzwirkungen, die sich der Herr durch den Menschen verschafft, dazu dienen, daß Er ihm aus Liebe wohltun kann. Und weil dies die Liebe des Herrn ist, so bedeutet es die Aufnahme der Lust Seiner Liebe.

Man glaube also nicht, der Herr sei bei denen, die ihn nur anbeten, vielmehr ist er bei denen, die seine Gebote halten, d.h. Nutzen schaffen. Bei ihnen allein hat der Herr eine Wohnung. Man vergleiche damit auch, was oben in # 47 bis 49 dazu gesagt wurde.

*336. Die bösen Nutzwirkungen wurden nicht vom Herrn erschaffen, sondern sind zugleich mit den Höllen entstanden. Alle Arten des Guten, die wirklich existieren (quae actu existunt), werden als Nutzwirkungen bezeichnet, ebenso auch alle tatsächlich existierenden Arten des Bösen, letztere jedoch als böse, erstere als gute Nutzwirkungen. Da nun alles Gute vom Herrn stammt und alles Böse von der Hölle, so ist klar, daß vom Herrn nur gute Nutzwirkungen erschaffen wurden und die bösen aus der Hölle entstanden sind.

In diesem Abschnitt werden insbesondere alle Nutzwirkungen behandelt, die auf Erden erscheinen, wie etwa Tiere und Pflanzen aller Art. Was von ihnen dem Menschen Nutzen bringt, stammt vom Herrn, was ihm schadet, von der Hölle.

Unter den Nutzwirkungen vom Herrn ist auch alles zu verstehen, was das Vernunftgebiet des Menschen vervollkommnet und dazu führt, daß der Mensch vom Herrn das Geistige in sich aufnimmt. Alles aber, was das Vernunftgebiet des Menschen zerstört und dazu führt, daß er nicht geistig werden kann, zählt zu den bösen Nutzwirkungen.

Wenn wir Dinge, die dem Menschen schaden, dennoch als Nutzwirkungen bezeichnen, so deshalb, weil sie den Bösen dazu dienen, Böses zu tun sowie auch dazu, verschiedene Arten des Bösen (gleichsam) aufzusaugen und damit zur Heilung beizutragen. Der Ausdruck 'Nutzwirkung' (usus) wird also in einem doppelten Sinn gebraucht, ebenso wie der Ausdruck 'Liebe', indem wir von guter und böser Liebe sprechen. Die Liebe betrachtet alles, was sie tut, als Nutzwirkung.

*337. In folgender Ordnung wollen wir nachweisen, daß die guten Nutzwirkungen vom Herrn, die bösen aber von der Hölle stammen:

  1. Was versteht man auf Erden unter bösen Nutzwirkungen?

  2. Alle bösen Nutzwirkungen sind in der Hölle, alle guten im Himmel.

  3. Es besteht ein ununterbrochener Einfluß aus der geistigen in die natürliche Welt.

  4. Der Einfluß aus der Hölle bewirkt dort, wo er auf etwas Entsprechendes trifft, böse Nutzwirkungen.

  5. Bewirkt wird es durch das niederste Geistige, wenn es von seinem höheren Geistigen getrennt ist.

  6. Es gibt zweierlei Formen, in denen sich dieser Einfuß auswirkt, die pflanzliche und die tierische.

  7. Beide Formen empfangen die Befähigung, ihre Gattung fortzupflanzen, sowie die Mittel dazu.

1. Was versteht man auf Erden unter bösen Nutzwirkungen?

*338. Man versteht darunter alles Schädliche in beiden Reichen, dem der Tiere und dem der Pflanzen, sowie auch im Mineralreich. All dies aufzuzählen, hieße nur Namen anhäufen. Die Anhäufung von Namen aber, ohne gleichzeitige Anzeige des Schadens, den jede damit bezeichnete Gattung mit sich bringt, trägt nichts zum Nutzen des gegenwärtigen Werkes bei. Einige Beispiele genügen.

Im Tierreich sind zu nennen: Giftschlangen, Skorpione, Krokodile, Drachen, Uhus, Eulen, Mäuse, Heuschrecken, Frosche und Spinnen, ferner Fliegen, Bremsen (fuci), Motten, Läuse, Milben — mit einem Wort, die Tiere, welche Gräser, Blätter, Früchte, Samen, Speisen und Getränke verzehren und Tier und Mensch Schaden zufügen. Im Pflanzenreich zählen dazu alle giftigen und bösartigen Kräuter, Hülsenfrüchte und Sträucher, im Mineralreich alle giftigen Erden. Diese wenigen Hinweise zeigen, was auf Erden unter bösen Nutzwirkungen verstanden wird. Sie umfassen alles, was den guten Nutzwirkungen, von denen der unmittelbar vorhergehende Abschnitt handelte, entgegengesetzt ist.

2. Alle bösen Nutzwirkungen sind in der Hölle, alle guten im Himmel.

*339. Ehe man erkennen kann, daß alle bösen Nutzwirkungen auf Erden nicht vom Herrn, sondern von der Hölle stammen, ist einiges über Himmel und Hölle vorauszuschicken. Denn sonst könnte man die bösen Nutzwirkungen ebenso, wie die guten dem Herrn zuschreiben und annehmen, daß sie seit der Schöpfung beisammen seien oder aus der Natur stammten und ihren Ursprung in der natürlichen Sonne hatten.

Von diesen beiden Irrtümern läßt sich der Mensch nicht abbringen, wenn er nicht weiß, daß in der natürlichen Welt nichts entsteht, was nicht seinen Grund, also seinen Ursprung aus der geistigen Welt ableitet, und daß das Gute vom Herrn, das Böse aber vom Teufel, d.h. von der Hölle stammt. Die geistige Welt umfaßt beides, Himmel und Hölle. Im Himmel erscheinen, wie oben gezeigt wurde, alle guten Nutzwirkungen, in der Hölle alle bösen, wie soeben in # 338 dargelegt wurde, wo etwas davon aufgezählt wurde. Dazu gehören Schlangen, Skorpione, Drachen, Krokodile, Tiger, Wölfe, Füchse, Schweine, Uhus, Nachteulen, Kauzchen, Fledermäuse, große und kleine Mäuse, Heuschrecken, Spinnen und schädliche Insekten der verschiedensten Art.- Dazu gehören ferner alle giftigen Dinge, wie die verschiedenen Schierlingspflanzen und giftigen Kräuter und Erden, kurz: alles, was Schaden bringt und zum Tode des Menschen führt. In den Höllen erscheint es geradeso lebendig wie die Dinge über oder in der Erde. Wir sagen, es erscheint, denn es existiert dort nicht in gleicher Weise wie auf Erden, sondern ist bloße Entsprechung der Begierden ihrer Bewohner. Was ihren bösen Grundneigungen entspringt, stellt sich anderen in solchen Formen dar.

Weil diese Dinge in den Höllen existieren, darum sind sie auch voller scheußlicher Gerüche, wie von verwesenden Tieren, Mistgruben, Urin und Fäulnisstoffen. Die teuflischen Geister haben daran ebenso ihre Freude, wie gewisse giftige Tiere.

Hieraus kann man entnehmen, daß dergleichen Dinge in der Welt ihren Ursprung nicht vom Herrn herleiten und nicht von Anfang an erschaffen wurden, und daß sie auch nicht aus der Natur und deren Sonne entstanden, sondern aus der Hölle. Aus der Tatsache, daß das Geistige ins Natürliche einfließt und nicht umgekehrt, geht augenscheinlich hervor, daß sie nicht aus der Natur und deren Sonne entstanden sind, sondern aus der Hölle. Und daß sie ihren Ursprung nicht vom Herrn herleiten, geht daraus hervor, daß die Hölle nicht von Ihm stammt, somit auch nichts von dem, was in der Hölle ist und dem Bösen ihrer Bewohner entspricht.

3. Es besteht ein ununterbrochener Einfluß aus der geistigen in die natürliche Welt.

*340. Wer nicht weiß, daß es eine geistige Welt gibt, die von der natürlichen unterschieden ist wie das Frühere und das Spätere oder wie die Ursache und das Verursachte, der kann auch nichts von diesem Einfluß wissen. Darin liegt der Grund, weshalb diejenigen, die über den Ursprung von Pflanzen und Tieren geschrieben haben, denselben zwangsläufig der Natur zuschrieben, und wenn schon Gott, so nur in der Weise, daß dieser am Anfang die Natur mit der Kraft ausgestattet habe, Pflanzen und Tiere hervorzubringen. Sie wußten also nicht, daß die Natur nicht mit einer Kraft au s gestattet ist, da sie an sich tot ist und nicht mehr zur Hervorbringung von Pflanzen und Tieren beiträgt, als ein Werkzeug zum Werk des Künstlers, das ja, um tätig zu sein, beständig vom Künstler in Bewegung gesetzt werden muß.

Es ist vielmehr das Geistige mit seinem Ursprung aus der Sonne, in der der Herr ist, und das bis zum Letzten der Natur vordringt, was die Formen von Pflanzen und Tieren hervorbringt und all die hier zu beobachtenden Wunder bewirkt. Das Geistige fügt sie aus den materiellen Stoffen der Erde dicht zusammen, damit ihre Formen fest und dauerhaft seien.

Da wir nun wissen, daß es eine geistige Welt gibt und das Geistige von jener Sonne stammt, in der der Herr ist und die von Ihm ist, da wir ferner wissen, daß das Geistige die Natur zur Tätigkeit antreibt, ganz wie das Lebendige das Unlebendige, und schließlich daß es in jener Welt Ähnliches gibt wie in der natürlichen, so können wir nun erkennen, daß Pflanzen und Tiere ihr Dasein und ihr Bestehen keinem anderen Ursprung verdanken als dem Herrn, der durch jene Welt wirkt. Folglich besteht ein ununterbrochener Einfluß aus der geistigen in die natürliche Welt. Im folgenden Abschnitt soll dies noch weiter begründet werden.

Die Tatsache, daß das Schädliche auf Erden durch einen Einfluß aus der Hölle hervorgebracht wird, beruht auf demselben Gesetz der Zulassung, demzufolge das Böse selbst von daher bei den Menschen einfließt. Dieses Gesetz wird in dem Werk 'Die Weisheit der Engel betreffend die göttliche Vorsehung' behandelt werden.

4. Der Einfluß der Hölle bewirkt dort, wo er auf etwas Entsprechendes trifft, böse Nutzwirkungen.

*341. Die Dinge, die bösen Nutzwirkungen entsprechen, also bösartigen Kräutern und schädlichen Tieren, haben zu tun mit Aas, Fäulnis, Exkrementen und Mist, Ranzigem und Urin. Wo sich dergleichen findet, entstehen auch solche Kräuter und kleinere Tiere, wie sie oben erwähnt wurden, und in den tropischen Zonen auch größere, wie Schlangen, Echsen, Krokodile, Skorpione, Mäuse und dergleichen mehr.

Jeder weiß, daß Sümpfe, Teiche, Mist und stinkendes Erdreich von solchen Tieren wimmeln, schädliche Insekten die Atmosphäre wie Wolken schwängern und schädliche Würmer auf dem Land die Pflanzen bis in den Wurzelbereich abfressen. Ich entdeckte einst in meinem Garten, wie auf einem eine Quadrat-Elle großen Stück fast die gesamte Erde in Massen von winzigen geflügelten Insekten verwandelt war. Mit dem Stock aufgestört, flogen sie wie Nebelwolken in die Höhe.

Schon allein die Erfahrung lehrt uns, daß verwesende und faulige Stoffe mit den genannten schädlichen und unnützen Tieren übereinstimmen, ja daß sie gleichartig sind. Man ersieht es auch aus der zugrundeliegenden Ursache, nämlich an dem ganz ähnlichen Gestank und Dunst in den Höllen. Auch dort erscheinen solche Tierchen. Die Höllen heißen daher auch entsprechend. So gibt es die Aashöllen, die Misthöllen, Urinhöllen usw. Sie sind jedoch allesamt überdeckt, sodaß jene Dünste nicht von dort emporsteigen. Sobald sie nämlich auch nur ein wenig geöffnet werden — und das geschieht, wenn neue Teufel eingelassen werden —, so erregen sie Übelkeit und Kopfschmerz, ja wenn diese Dunstschwaden zugleich giftig sind, können sie zur Ohnmacht führen. Selbst der Staub hat dort diese Beschaffenheit, weshalb er dort 'der verdammte Staub' genannt wird. Aus alledem geht hervor, daß dort, wo solch üble Geruche herrschen, auch die entsprechenden Schädlinge sind.

*342. Wir wollen uns nun fragen, ob derartige Lebewesen aus dort abgelegten Eiern entstehen oder durch die Luft, durch Regen, durchsickerndes Wasser oder aus den dort befindlichen Flüssigkeiten und Gerüchen selbst. Alle Erfahrung spricht dagegen, daß solche schädlichen Tierchen und Insekten, wie die oben erwähnten, aus dort abgelegten oder von der Schöpfung her überall in der Erde verborgenen Eiern ausschlüpfen. Denn Würmer entstehen in kleinen Samen, Kernen, Hölzern, Steinen, ja selbst in Blättern. Ebenso entstehen auf und in Kräutern, mit denen sie übereinstimmen, Läuse und Würmer oder in Häusern, Feldern und Wäldern im Sommer die Fliegen, ohne daß eiförmige Materie in so großer Menge entstanden wäre, daß sie daraus hatten hervorgehen können. Dasselbe gilt für das Ungeziefer, das Wiesen und Auen abfrißt und in warmen Gegenden die Luft erfüllt und erregt, ganz zu schweigen von dem, was in faulem Wasser, saurem Wein und verpesteter Luft in unsichtbarer Weise schwimmt und fliegt.

Alle diese Erfahrungen sprechen dafür, daß diejenigen recht haben, die behaupten, die aus Kräutern, aus dem Boden und Sümpfen aufsteigenden Gerüche, Dünste und Gase selbst gaben die Anfänge für dergleichen Lebewesen ab. Die Tatsache, daß sie sich nach ihrer Entstehung entweder durch Eier oder Sprossen fortpflanzen, hebt ihre unmittelbare Entstehung nicht auf, erhält doch jedes Tier zugleich mit seinen Eingeweiden auch die Zeugungsorgane und die Mittel zur Fortpflanzung. Davon wird unten in # 347 die Rede sein. Auch die bisher nicht bekannte Erfahrung, wonach sich Ähnliches in den Höllen findet, stützt obige Annahme.

*343. Die obengenannten Höllen kommunizieren nicht allein mit derartigen Dingen auf Erden, sie verbinden sich auch mit ihnen. Wir können das daraus schließen, daß die Höllen von den Menschen nicht entfernt, sondern um sie sind, ja sogar in denen, die böse sind. Mithin sind die Höllen den Erden benachbart.

Der Mensch ist nämlich hinsichtlich seiner Neigungen und Begierden und der daraus entspringenden Gedanken und Handlungen — guten oder bösen Nutzwirkungen — entweder inmitten der himmlischen Engel oder der höllischen Geister. Und weil sich alles, was auf den Erden besteht, auch in den Himmeln oder Höllen findet, so folgt, daß es aus diesem Einfluß unmittelbar hervorgeht, sobald das irdische Klima günstig dafür ist.

Alles nämlich, was in der geistigen Welt, d.h. sowohl im Himmel wie in der Hölle, erscheint, ist eine Entsprechung von Neigungen und Begierden, da es dort diesen gemäß entsteht. Sobald daher Neigungen und Begierden, die an sich geistiger Natur sind, etwas Gleichartigem oder Entsprechendem auf Erden begegnen, ist etwas Geistiges vorhanden, das die Seele und etwas Materielles, das den Körper bestimmt (dat animam ... dat corpus). In allem Geistigen liegt auch ein Streben, sich mit einem Leib zu bekleiden.

Der Grund, weshalb die Höllen den Menschen umgeben und daher die Erden dicht berühren, beruht darauf, daß die geistige Welt nicht im Raume ist, sondern überall da, wo sich eine entsprechende Neigung findet.

*344. Einst hörte ich, wie sich zwei Vorsitzende einer Gesellschaft von Engländern in der geistigen Welt unterhielten. Es waren dies Sir Sloane und Sir Folkes1, und sie besprachen die Entstehung der Samen und Eier, sowie die Zeugungen daraus auf Erden. Ersterer schrieb sie der Natur zu und meinte, diese sei von der Schöpfung her mit der Fähigkeit und Kraft ausgerüstet, solche Dinge mithilfe der Sonnenwärme hervorzubringen. Der andere aber meinte, diese Kraft flösse beständig von Gott, dem Schöpfer her in die Natur ein.

1) Sir Hans Sloane und Sir Martin Folkes. Präsidenten der Royal Society, der berühmten kgl. Akademie der Wissenschaften.

Um den Streit zu schlichten, erschien Sir Sloan ein schöner Vogel, und man sagte ihm, er solle ihn genau betrachten, ob er sich auch nur im geringsten von einem ähnlichen Vogel auf Erden unterscheide. Er hielt ihn in der Hand, betrachtete ihn sorgfältig und erklärte, es bestehe kein Unterschied; er wußte aber, daß der Vogel nichts anderes war als die Neigung irgendeines Engels, die sich außerhalb desselben als Vogel darstellte und zugleich mit dessen Neigung verschwinden würde, was denn auch tatsächlich geschah.

Aufgrund dieser Erfahrung wurde Sir Sloan überführt, daß die Natur ganz und gar nichts zur Erzeugung der Pflanzen und Tiere beiträgt, sondern allein das, was aus der geistigen Welt in die natürliche einfließt. Er erklärte, wenn jener Vogel in seinen kleinsten Einzelheiten mit den entsprechenden irdischen Stoffen angefüllt und damit fixiert wurde, so wäre er ein ebenso dauerhafter Vogel, wie die Vogel auf Erden, und ebenso verhalte es sich auch mit allem, was aus der Hölle stammt. Er fügte noch hinzu, hatte er von der geistigen Welt gewußt, was er nun wisse, so wurde auch er der Natur nur zugeschrieben haben, daß sie dem Geistigen, das von Gott stammt, dazu diene, diesem beständig in sie Einfließenden eine feste Form zu geben.

5. Bewirkt werden die bösen Nutzwirkungen durch das niederste Geistige, wenn es von seinem höheren Geistigen getrennt ist.

*345. Im dritten Teil wurde gezeigt, daß das Geistige von seiner Sonne ausgehend über drei Grade oder Stufen hinweg bis zum Letzten der Natur hinabfließt. Diese Grade heißen der himmlische, der geistige und der natürliche und sind von der Schöpfung, also von der Geburt her im Menschen. Je nach seinem Leben werden sie aufgeschlossen, und wenn dies mit dem himmlischen Grad, dem höchsten und innersten, geschieht, so wird der Mensch ein himmlischer. Wird der geistige, der mittlere Grad aufgeschlossen, so wird der Mensch ein geistiger, betrifft die Aufschließung aber nur den natürlichen, den untersten und äußersten Grad, so wird er ein natürlicher Mensch. Als solcher liebt er nur das Körperliche und Irdische. In dem Maße aber, wie das der Fall ist, liebt er das Himmlische und Geistige nicht, blickt nicht auf Gott und ist böse.

Daraus geht hervor, daß sich das letzte, das sogenannte natürlich-Geistige, von seinem höheren Geistigen trennen kann, und daß dies bei den Menschen der Fall ist, aus denen sich die Hölle zusammensetzt. Das letzte Geistige kann sich aber von seinem höheren Geistigen weder bei den Tieren noch sonst auf Erden von sich aus trennen und nach der Hölle streben, außer allein bei den Menschen. Daraus folgt, daß das vom Höheren getrennte letzte Geistige, wie es sich bei denen findet, die zur Hölle gehören, jene bösen Nutzwirkungen auf Erden auslöst, von denen oben die Rede war.

Belege dafür, daß alles Schädliche auf Erden durch den Menschen und seine Verbindung mit der Hölle entsteht, finden sich in dem, was das Wort über den Zustand des Landes Kanaan sagt. Immer dann nämlich, wenn die Kinder Israel nach den Geboten lebten, gab das Land seinen Ertrag, ebenso wie die Klein- und Großviehherden. Sobald sie aber gegen die Gebote verstießen, war das Land unfruchtbar und, wie es heißt, verflucht. Statt seinen Ertrag zu geben, trug es Dornen und Disteln, die Schafe und Rinder brachten Fehlgeburten zur Welt, und wilde Tiere fielen ein. Ähnliches gilt auch für die Heuschrecken, Frosche und Läuse im Bericht über die ägyptischen Plagen.

6. Es gibt zweierlei Formen, in denen sich der Einfluß auswirkt, die pflanzliche und die tierische.

*346. In der Natur gibt es zwei Reiche, das Tier- und das Pflanzenreich. Von daher weiß man, daß aus der Erde nur zwei allgemeine Lebensformen hervorgebracht werden, die viel Gemeinsames haben. So haben z.B. alle Tiere Sinne und Bewegungsorgane, sowie Glieder und Eingeweide, die von den Gehirnen, Herzen und Lungen in Tätigkeit gesetzt werden. Alle Pflanzen schlagen Wurzeln im Erdboden und bringen Stengel, Zweige, Blätter, Blüten, Früchte und Samen hervor.

Die Formbildung in beiden Reichen verdankt ihre Entstehung einem geistigen Einfließen und Einwirken aus der Himmelssonne, in welcher der Herr ist und nicht einem Einfließen und Einwirken der natürlichen Sonne — abgesehen von der durch sie bewirkten Fixierung, die oben dargelegt wurde. Alle Tiere, die größeren wie die kleineren, leiten ihre Entstehung vom Geistigen in seinem letzten, dem natürlichen Grad ab. Nur der Mensch leitet sie von allen drei Graden, dem himmlischen, geistigen und natürlichen ab.

Jeder Höhen- oder gesonderte Grad nimmt ständig vom Vollkommenen zum Unvollkommenen ab, etwa wie das Licht in Schatten übergeht. Dasselbe geschieht daher auch bei den Tieren, unter denen es folglich vollkommene, weniger vollkommene und unvollkommene gibt. Vollkommene Tiere sind Elefanten, Kamele, Pferde, Packesel, Rinder, Schafe, Ziegen und die übrigen, die zum Groß- oder Kleinvieh gehören. Weniger vollkommene Tiere sind die Vögel, und unvollkommene Fische und Schalentiere, die sich, weil sie das Unterste dieses Grades darstellen, wie im Schatten befinden, während erstere im Licht sind. Da diese jedoch ebenfalls nur aus dem untersten geistigen Grad, dem sogenannten natürlichen Grad, leben, so können sie nur zur Erde blicken, um Nahrung zu finden, sowie auf ihre Gefährten, mit denen sie sich fortpflanzen. Ihrer aller Seele besteht aus dem Naturtrieb und aus Verlangen. Dasselbe gilt für die Mitglieder des Pflanzenreichs. Auch unter ihnen gib es vollkommene, weniger vollkommene und unvollkommene. Vollkommen sind die Fruchtbäume, minder vollkommen die Weinstöcke und Sträucher, unvollkommen sind die Gräser.

Allein die Pflanzen verdanken dem Geistigen, aus dem sie hervorgehen, daß sie Nutzwirkungen, Tiere, daß sie, wie gesagt, Triebe und Verlangen sind.

7. Beide Formen empfangen zugleich mit ihrer Entstehung die Fähigkeit, ihre Art fortzupflanzen.

*347. Oben (# 313 bis 318) wurde gezeigt, daß in allem, was die Erde hervorbringt und, wie gesagt, entweder zum Pflanzen- oder zum Tierreich gehört, etwas wie ein Abbild der Schöpfung, dann auch des Menschen sowie des Unendlichen und Ewigen liegt. Ebenso wurde gezeigt, daß das Bild des Unendlichen und Ewigen daraus hervorleuchtet, weil sie sich ins Unendliche und in Ewigkeit fortpflanzen können. Darum erhalten sie auch alle Mittel zur Fortpflanzung, sodaß die Mitglieder des Tierreichs sich durch Samen und Eier, entweder in der Gebärmutter oder durch Laichen vermehren, die Mitglieder des Pflanzenreichs durch Samen in der Erde.

So können wir es als feststehend betrachten, daß sich die unvollkommeneren und schädlichen Tiere und Pflanzen, obgleich durch einen unmittelbaren Einfluß aus der Hölle entstanden, doch hernach mittelbar durch Samen, Eier oder Ableger fortpflanzen können. Mit der Annahme des einen wird daher das andere nicht aufgehoben.

*348. Alle Nutzwirkungen, gute wie böse, haben einen geistigen Ursprung, das heißt in der Sonne, wo der Herr ist. Das wird durch folgende Erfahrung anschaulich: Ich hörte, daß Gutes und Wahres vom Herrn durch die Himmel hindurch von Stufe zu Stufe immer tiefer in die Höllen hinabgesandt worden sei, wobei es schließlich in das dem Guten und Wahren entgegengesetzte Böse und Falsche verkehrt wurde. Der Grund war, daß die empfangenden Wesenheiten alles Einfließende in das verwandeln, was mit ihren Formen übereinstimmt — geradeso wie sich das glänzend reine Sonnenlicht in häßliche Farben, ja in Schwarz verwandelt, wenn es auf Gegenstände fällt, deren innere Substanzen eine Form aufweisen, die das Licht erstickt und auslöscht, oder auch wie Sümpfe, Misthaufen und Kadaver die Sonnenwärme in Gestank verwandeln.

Dies zeigt, daß selbst die bösen Nutzwirkungen aus der geistigen Sonne stammen. Ursprünglich gut, verwandeln sie sich in der Hölle in böse. Daran läßt sich erkennen, daß der Herr nur gute Nutzwirkungen erschaffen hat und erschafft, die Hölle aber die bösen hervorbringt.

Die sichtbaren Dinge im erschaffenen Weltall bezeugen, daß die Natur nichts hervorgebracht hat und nichts hervorbringt, daß vielmehr das Göttliche alles aus sich und durch die geistige Welt erschafft.

*349. Die meisten irdischen Menschen folgen dem bloßen Anschein, wenn sie davon sprechen, daß es die Sonne sei, die durch ihre Wärme und ihr Licht hervorbringe, was auf den Feldern und Ackern, in den Gärten und Wäldern wächst. Ferner, daß die Sonne durch ihre Wärme die Würmer aus den Eiern ausbrüte und die Tiere der Erde und Vögel des Himmels fruchtbar mache, ja selbst den Menschen belebe.

Solange dies nur eine Redewendung bleibt und diese Kräfte nicht wirklich der Natur zugeschrieben werden, schadet das nichts. Ebenso folgt man ja auch dem bloßen Anschein, wenn man davon spricht, daß die Sonne auf- und untergeht, Tage und Jahre bewirkt oder in dieser oder jener Höhe stehe. Das ist erlaubt, solange man all dies nicht wirklich der Sonne zuschreibt und gar nicht darüber nachdenkt, daß in Wirklichkeit die Sonne stillsteht und sich die Erde um sie dreht.

Wer sich aber darauf versteift, daß die Sonne durch ihre Wärme und ihr Licht alle irdischen Erscheinungen hervorbringe, schreibt schließlich alles der Natur zu, auch die Schöpfung des Weltalls und wird so zum Naturalisten und zuletzt zum Atheisten. Diese mögen zwar nachher sagen, Gott habe die Natur erschaffen und die Kraft zur Hervorbringung dieser Dinge in sie gelegt. Doch das tun sie nur aus Furcht vor dem Verlust ihres guten Namens. In Wirklichkeit verstehen sie doch unter Gott, dem Schöpfer, die Natur, und einige von ihnen deren Innerstes. Damit machen sie die göttlichen Dinge, welche die Kirche lehrt, zu nichts.

*350. Und dennoch müssen wir Nachsicht haben gegenüber manchen, die einige Dinge der Natur zuschreiben, und zwar aus zwei Gründen: Erstens, weil sie nichts von der geistigen Sonne wußten, wo der Herr ist, und von wo ein Einfluß ausgeht, sowie auch nichts von der geistigen Welt und ihrem Zustand, ja nicht einmal von deren Gegenwart beim Menschen. Deshalb könnten sie sich das Geistige nur als ein reines Natürliches denken und somit die Engel als entweder im Äther oder auf den Sternen befindlich, während sie den Teufel entweder für das Böse des Menschen hielten oder ihn — wenn er wirklich existiere — in der Luft oder unter der Erde suchten. Von den Seelen der Menschen nach dem Tode dachten sie, sie befänden sich bis zum Tage des Gerichts entweder im Erdinneren oder in irgendeinem Niemandsland (ubi seu pu). Aus Unkenntnis der geistigen Welt und ihrer Sonne verfiel ihre Phantasie auf alle möglichen Ideen.

Zweitens sind sie deshalb zu entschuldigen, weil sie nicht wissen könnten, auf welche Art und Weise das Göttliche die auf Erden erscheinenden Dinge, unter denen es gute wie böse gibt, hervorbringen könnte. Sie fürchteten sich vor einer Entscheidung, weil sie Gott nicht auch das Böse zuschreiben oder sich eine materielle Vorstellung von ihm machen wollten und auf diese Weise Gott und die Natur zu vermengen.

Aus diesen beiden Gründen sind diejenigen zu entschuldigen, die da meinten, die Natur bringe aufgrund ihrer von der Schöpfung her in sie gelegten Kraft die sichtbaren Dinge hervor. Nicht zu entschuldigen sind hingegen diejenigen, die dadurch zu Atheisten wurden, daß sie sich für die Natur entschieden, hätten sie sich doch für das Göttliche entscheiden können. Unkenntnis entschuldigt zwar, hebt aber das Falsche, auf das man sich versteift hat, nicht auf, hängt es doch mit dem Bösen, also mit der Hölle zusammen. Daher halten Menschen, die sich so sehr für die Natur bestärkt haben, daß sie das Göttliche von ihr trennen, nichts wirklich für Sünde. Sünde ist ja nur das, was gegen das Göttliche ist, das sie abgetrennt, also verworfen haben. Wer aber innerlich nichts für Sünde hält, ist nach dem Tode, wenn er zu einem Geist wird, an die Hölle gebunden und stürzt sich in Frevel aller Art, je nach seinen Begierden, denen er die Zügel schießen läßt.

*351. Wer an ein göttliches Wirken im einzelnen der Natur glaubt, kann sich durch sehr vieles, was er in der Natur beobachtet, vom Göttlichen überzeugen - ebenso, ja noch mehr als jemand, der sich für die Natur entschieden hat, vom Gegenteil. Wer vom göttlichen Wirken überzeugt ist, richtet seine Aufmerksamkeit auf all die Wunder beim Wachstum von Pflanzen und Tieren.

Was das Wachstum der Pflanzen betrifft, so beobachtet man, daß aus einem in die Erde gelegten Samenkorn zuerst eine Wurzel hervorgeht, durch die Wurzel ein Stengel und nach und nach Zweige, Blätter, Blüten und Früchte, bis hin zu neuem Samen — gerade als wüßte der Same die richtige Reihenfolge oder den Entwicklungsgang, nach dem er sich erneuern soll. Welcher vernünftige Mensch kann sich vorstellen, daß die Sonne, die doch aus purem Feuer besteht, dies wisse oder die Fähigkeit in ihre Wärme und ihr Licht hineinlegen könne, all diese Wunder zu bewirken und eine Nutzwirkung zu beabsichtigen? Ein Mensch, dessen Vernunft erhoben worden ist, kann sich, wenn er diese Dinge sieht und darüber nachdenkt, nur vorstellen, daß sie von Dem stammen müssen, der unendliche Weisheit hat, also von Gott. Wer das Göttliche anerkennt, sieht und denkt sich das auf diese Weise. Wer das Göttliche nicht anerkennt, sieht und denkt anders darüber, weil ihm der Wille zur Anerkennung fehlt. Er versenkt auf diese Weise seine Vernunft bis hinab ins Sinnliche, das alle seine Vorstellungen aus dem Licht der körperlichen Sinne gewinnt, auf deren Tauschungen er sich versteift. Solche Menschen pflegen zu sagen: Siehst du denn nicht, daß all dies von der Sonne durch ihre Wärme und ihr Licht bewirkt wird? Ist denn das, was du nicht siehst, überhaupt etwas?

Wer vom Göttlichen überzeugt ist, achtet auch auf alle Wunder beim Wachstum der Tiere. Man denke nur an die Eier. In ihnen liegt das Junge in seinem Samen oder Keim verborgen, samt allem, was es bis zu seiner Ausbrütung benötigt, sowie mit dem ganzen Plan zu seiner anschließenden Entwicklung zum Vogel oder geflügelten Tier nach der Art seiner Eltern. Achtet man auf ihre Gestalt, so muß der Tieferdenkende notwendigerweise in Erstaunen geraten, finden sich doch in den kleinsten wie in den größten, den für das unbewaffnete Auge unsichtbaren wie den sichtbaren dieser Tiere die Sinnesorgane des Gesichts, des Geruchs, des Geschmacks und des Tastgefühls, aber auch Bewegungsorgane, Muskeln, die sie zum Fliegen und Schreiten befähigen, sowie die zu Herz und Lunge gehörenden Eingeweide, die vom Gehirn aus in Tätigkeit versetzt werden.

Die Tatsache, daß auch unbedeutende Insekten all dies haben, ist aus ihrer Anatomie bekannt, wie sie von einer Anzahl Forscher, namentlich von Swammerdam in seiner 'Bibel der Natur' beschrieben worden ist.

Menschen, die alle diese Dinge der Natur zuschreiben, sehen sie zwar auch, denken aber nur, daß sie nun einmal da seien und sagen, die Natur habe sie hervorgebracht. Sie sagen es, weil sie ihr Gemüt vom Gedanken an das Göttliche abgewendet haben. Wer das einmal getan hat, kann beim Anblick der Naturwunder nicht vernunftgemäß, geschweige denn auf geistige Weise über sie denken, sondern nur sinnlich und materiell. Sein Denken beschränkt sich auf die Natur und ist abhängig von ihr, es erhebt sich nicht darüber hinaus, geradeso wie es beim Denken derer der Fall ist, die in der Hölle sind. Daher unterscheiden sie sich von den Tieren nur darin, daß sie die Anlage zur Vernunft haben, d.h. daß sie verstehen und daher auch anders denken könnten; wenn sie nur wollten.

*352. Wenn sich Menschen vom Gedanken an das Göttliche abgewandt haben und dadurch sinnlich geworden sind, denken sie beim Anblick der Naturwunder nicht daran, daß das menschliche Auge derart stumpf ist, daß es beispielsweise eine Anhäufung von winzigen Insekten nur als einen einzigen dunklen Fleck wahrzunehmen vermag. Dabei ist doch jedes einzelne derselben so organisiert, daß es empfinden und sich selbständig fortbewegen kann, d.h. ausgestattet ist mit Fibern und Gefäßen, mit winzigen Herzen, Luftröhren, Eingeweiden und Gehirnen. Sie denken nicht daran, daß alle diese Teile aus den reinsten Elementen der Natur zusammengewoben sind, deren Gewebe mit einem bestimmten Leben in Entsprechung stehen, aus dem sie bis ins kleinste ihre gesonderte Anregung empfangen.

Wenn nun die Sehkraft des menschlichen Auges derart stumpf ist, daß ihr unzählige Geschöpfe, jedes davon mit zahllosen Einzelheiten, nur wie ein kleiner dunkler Fleck erscheint, die sinnengebundenen Menschen aber von da aus denken und urteilen, so sieht man, wie weitgehend ihr Gemüt abgestumpft ist und in welcher Finsternis sie hinsichtlich geistiger Dinge sind.

*353. Jeder kann sich, wenn er nur will, aus dem Sichtbaren in der Natur für das Göttliche entscheiden. Ebenso entscheidet sich auch, wer aus dem Leben über das Göttliche nachdenkt. Er muß beispielsweise nur die Vögel des Himmels betrachten, wie jede Art ihre Nahrung kennt und weiß, wo sie zu finden ist. Am Ton und Aussehen erkennen die Vögel ihre Artgenossen und unter den anderen ihre Freunde und Feinde. Sie schließen Ehen, begatten sich, bauen kunstvolle Nester, legen darein ihre Eier, brüten darüber, kennen die Brutzeit, nach deren Ablauf die Jungen ausschlüpfen. Diese lieben sie dann aufs zärtlichste, hegen sie unter ihren Flügeln, suchen Nahrung und futtern sie, bis sie selbständig werden und ein ähnliches Leben beginnen, eine neue Familie gründen und so die Art erhalten können.

Jeder, der an einen göttlichen Einfluß mittels der geistigen Welt in die natürliche denken will, kann ihn hier erkennen. Wenn er nur will, kann er auch in seinem Herzen sprechen: Derartige Kenntnisse können nicht aus den Lichtstrahlen der Sonne in die Natur einfließen, ist doch die Sonne, der die Natur ihre Entstehung und ihr Wesen verdankt, pures Feuer, folglich sind ihre Lichtstrahlen völlig tot. Darum kann man den Schluß ziehen, daß derartige Kenntnisse auf einem Einfluß der göttlichen Weisheit ins Unterste der Natur beruhen.

*354. Jeder kann im Sichtbaren der Natur Beweise für das Göttliche finden, betrachtet er nur die Würmer: Aus dem Lustreiz einer gewissen Begierde heraus streben sie nach der Verwandlung ihres erdgebundenen Zustands in einen himmelsähnlichen. Zu diesem Zweck kriechen sie an geeignete Stellen, wo sie sich wie in einer Gebärmutter festsetzen, um wiedergeboren und aus Raupen zu Puppen, Nymphen und endlich zu Schmetterlingen zu werden. Wenn sie diese Verwandlung hinter sich haben und je nach ihrer Art mit schönen Flügeln ausgerüstet sind, schwingen sie sich in die Luft wie in ihren Himmel empor. Dort führen sie hochzeitliche Spiele auf, begatten sich, legen Eier und sorgen für ihre Nachkommenschaft, und bei alledem ernähren sie sich aus Blumen mit lieblicher und süßer Nahrung.

Wer von denen, die sich aufgrund ihrer Beobachtungen in der Natur für das Göttliche entscheiden, sähe nicht ein Bild des irdischen Menschen in ihrem Wurm-Stadium und ein Bild des himmlischen Menschen in ihrem Schmetterlingsstadium? Wer sich hingegen für die Natur entscheidet, beobachtet diese Erscheinungen zwar ebenfalls, aber weil er den Gedanken eines himmlischen Zustandes des Menschen aus seinem Gemüt verbannt hat, bezeichnet er all das als bloß natürliche Instinkte.

*355. Jeder kann sich aufgrund der sichtbaren Erscheinungen in der Natur vom Göttlichen überzeugen, wenn er an das denkt, was von den Bienen bekannt ist: wie sie es verstehen, aus Kräutern und Blumen Wachs zu sammeln, Honig zu saugen und sich zellenförmige kleine Wohnungen zu bauen, sie in Form einer Stadt anzuordnen, mit Straßen zum Eingang und Ausgang. Von ferne wittern sie Blumen und Kräuter, von denen sie Wachs zur Wohnung und Honig zur Nahrung sammeln können und von denen sie — damit bepackt — auf geradem Weg wieder zu ihrem Stock zurückfliegen. So versorgen sie sich mit Nahrung und Wohnung für den kommenden Winter, als ob sie ihn voraussähen und wüßten.

An ihre Spitze stellen sie eine Gebieterin, die einer Königin gleicht und für ihre Nachkommenschaft sorgt. Für sie bauen sie über sich etwas wie einen Hof, rings um den Leibwachen aufgestellt sind. Wenn dann die Zeit zum Gebären kommt, geht die Königin in Geleit ihrer Wachen von Zelle zu Zelle und legt ihre Eier hinein, und der nachfolgende Haufen versiegelt sie, damit sie nicht von der Luft leiden. So entsteht die neue Brut. Ist sie herangewachsen, wird sie aus dem Haus vertrieben, um ein Gleiches tun zu können. Der ausgetriebene Schwarm aber sammelt sich zunächst, damit ihr Verein sich nicht auflöse, und fliegt dann gemeinsam davon, um sich eine neue Behausung zu suchen. Zur Herbstzeit werden auch die unnütz gewordenen Drohnen herausgeführt, ihrer Flügel beraubt, damit sie nicht zurückkommen und die Nahrung, auf deren Sammlung sie keine Mühe verwandt hatten, aufzehren können.

Und so gibt es bei den Bienen noch vieles andere, aus dem man ersehen kann, daß sie wegen ihres Nutzens für die Menschheit aufgrund eines Einflusses aus der geistigen Welt eine Regierungsform haben, wie sie sich bei den irdischen Menschen, ja bei den himmlischen Engeln findet. Welcher Mensch von gesunder Vernunft erkennt nicht, daß sie all das nicht von der natürlichen Welt her haben?! Was hat die Sonne, aus der die Natur hervorgegangen ist, mit einer Regierung gemein, die der himmlischen Regierung nacheifert und ihr ähnelt?

Aufgrund dieser und anderer ähnlicher Erscheinungen bei den vernunftlosen Tieren sieht sich der Bekenner und Verehrer der Natur in seinen Anschauungen bestärkt, während sie dem Bekenner und Verehrer Gottes zur Bestärkung seines Glaubens dienen. Denn der geistige Mensch sieht in ihnen Geistiges und der natürliche Mensch Natürliches, jeder nach seiner Beschaffenheit. Was mich betrifft, so galten mir diese Erscheinungen als Zeugnisse für den geistigen Einfluß ins Natürliche bzw. den Einfluß der geistigen Welt in die natürliche, mithin für die göttliche Weisheit des Herrn.

Man versuche einmal sich vorzustellen, ob es möglich wäre, über irgendeine Regierungsform, irgendein bürgerliches Gesetz, irgendeine sittliche Tugend oder geistige Wahrheit analytisch zu denken, wenn nicht das Göttliche aus seiner Weisheit durch die geistige Welt hindurch einflösse. Was mich betrifft, ich konnte es nicht und kann es nicht, nehme ich doch diesen Einfluß nun schon seit neunzehn Jahren ununterbrochen klar und deutlich wahr, und so spreche ich hier als Zeuge.

*356. Kann sich etwas Natürliches einen Nutzen zum Ziel setzen und die dazu dienenden Mittel in Reihen anordnen und formen? Das vermag nur ein Weiser, und das ganze Universum in dieser Weise anordnen und formen kann nur Gott, der unendliche Weisheit hat. Wer sonst oder was sonst vermochte Nahrung und Kleidung für den Menschen vorherzusehen und vorzusehen — Nahrung und Kleidung aus den Früchten und Tieren der Erde? Zu den Wundern gehört es dabei, daß so unscheinbare Würmer wie die Seidenraupen Frauen und Männer, angefangen von der Königin und vom König bis herab zu den Mägden und Knechten, mit Seide bekleiden und prachtvoll schmücken. Ebenso auch, daß jene bescheidenen Geschöpfe, die Bienen, das Wachs zu den Kerzen liefern, die Tempel und Fürstenhofe erschimmern lassen. Dies und noch vieles andere offenbart unwiderleglich, daß der Herr aus sich durch die geistige Welt alles bewirkt, was in der Welt hervortritt.

*357. Dem möchte ich noch beifügen, daß ich in der geistigen Welt diejenigen gesehen habe, die sich aufgrund der sichtbaren Dinge in der Welt für die Natur als deren Ursprung entschieden hatten, bis sie schließlich zu Atheisten geworden waren. Im geistigen Licht betrachtet, erschien ihr Verstand nach unten geöffnet und nach oben verschlossen, hatten sie doch ihre Gedanken abwärts zur Erde und nicht aufwärts zum Himmel gerichtet. Über dem Sinnlichen, dem untersten Bereich des Verstandes, schien bei ihnen etwas wie eine Hülle zu liegen, die bei einigen wie von höllischem Feuer wetterleuchtete, bei anderen schwarz wie Ruß oder bleifarben wie ein Leichnam war. Man hüte sich also vor jeder Selbstbestärkung für die Natur und überzeuge sich vom Göttlichen. An dem nötigen Rüstzeug fehlt es nicht.

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Teil 5 - DIE SCHÖPFUNG DES MENSCHEN



Der Herr hat beim Menschen zwei Aufnahmegefäße und Wohnungen für Sich erschaffen und gebildet, Wille und Verstand genannt, den Willen für Seine göttliche Liebe und den Verstand für Seine göttliche Weisheit.

*358. Der bisherige Inhalt handelte von der Liebe und Weisheit Gottes, des Schöpfers und Herrn von Ewigkeit, sowie von der Schöpfung des Weltalls. Im Folgenden soll auch etwas über die Schöpfung des Menschen gesagt werden.

Wie man bei 1.Mose 1/26 liest, ist der Mensch in das Bild und nach der Ähnlichkeit Gottes erschaffen worden, wobei unter dem Bilde Gottes die göttliche Weisheit und unter der Ähnlichkeit Gottes die göttliche Liebe verstanden wird. Die Weisheit ist nichts anderes als ein Bild der Liebe. Die Liebe zeigt sich nämlich und läßt sich erkennen anhand der Weisheit. Und da sie in ihr gesehen und erkannt wird, ist die Weisheit ihr Bild.

Die Liebe ist auch das Sein (Esse) und die Weisheit das Dasein (Existere) des Lebens aus dem Sein. An den Engeln treten Ähnlichkeit und Bild Gottes deutlich in Erscheinung, leuchtet doch die Liebe von innen heraus aus ihrem Antlitz und die Weisheit aus ihrer Schönheit, der Gestalt ihrer Liebe. Ich habe es gesehen und erfahren.

*359. Der Mensch kann nicht Gottes Bild nach Seiner Ähnlichkeit sein, wenn Gott nicht in ihm und so vom Innersten heraus sein Leben ist. Aus dem, was oben in # 4-6 nachgewiesen wurde, folgt, daß Gott im Menschen und so vom Innersten heraus sein Leben ist; denn Gott allein ist das Leben, während Menschen und Engel Empfänger des Lebens von Ihm sind. Auch aus dem Wort ist bekannt, daß Gott im Menschen ist und Wohnung bei ihm nimmt. Daher pflegen die Prediger ihre Zuhörer zu ermahnen, sie sollten sich zur Aufnahme Gottes vorbereiten, damit er zu ihnen eingehe, in ihren Herzen sei und sie seine Wohnung seien. Ähnlich spricht auch der Fromme in seinen Gebeten, ja einige sprechen noch offener vom Heiligen Geist, von dem sie meinen, er sei in ihnen, wenn heiliger Eifer sie überkommt und sie daraus denken, reden oder predigen. In der 'Lehre des Neuen Jerusalem vom Herrn' wurde freilich in # 5l bis 53 gezeigt, daß der Heilige Geist niemand anders ist als der Herr und nicht eine göttliche Person für sich, sagt doch der Herr: „An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß ihr in mir seid und ich in euch bin“ (Joh. 14/20 sowie 15/4 f; 17/23).

*360. Da nun der Herr die göttliche Liebe und Weisheit ist und diese beiden im Wesen Er selbst sind, so sind die Aufnahmegefäße, die er für sich im Menschen erschuf - eines für die Liebe, ein anderes für die Weisheit - die Voraussetzung dafür, daß er im Menschen wohnen und dem Menschen das Leben schenken kann. Diese Aufnahmegefäße oder Wohnungen beim Menschen werden Wille und Verstand genannt, erstere für die Liebe, letztere für die Weisheit. Im folgenden wird sich zeigen, daß beide Aufnahmegefäße oder Wohnstätten das Eigentum des Herrn beim Menschen sind, dem von daher alles Leben kommt.

*361. In der Welt weiß man und weiß man auch wieder nicht, daß diese beiden, Wille und Verstand, jedem Menschen eignen und ebenso voneinander unterschieden sind, wie Liebe und Weisheit. Man weiß es aufgrund des gesunden Menschenverstands, nicht aber aufgrund des Nachdenkens und der daraus resultierenden Beschreibungen.

Wer wüßte nicht aufgrund seines gesunden Menschenverstandes, daß Wille und Verstand zwei verschiedene Fähigkeiten des Menschen sind? In der Tat nimmt es jeder auf, wenn er es nur hört und kann auch zum anderen sagen: „Dieser Mensch hat zwar guten Willen, aber keinen guten Verstand“ oder umgekehrt: „Er hat einen guten Verstand, aber es gebricht ihm am guten Willen. Ich liebe Menschen, die guten Willen und guten Verstand haben, nicht aber Menschen, die zwar einen guten Verstand haben, denen es aber am guten Willen fehlt“. Wer aber über Wille und Verstand nachdenkt, macht aus ihnen gewöhnlich nicht zwei, sondern vermengt sie. Der Grund besteht darin, daß das Denken meist mit dem körperlichen Sehen verbunden ist. Noch weniger begreift ein solcher Mensch, daß Wille und Verstand zweierlei sind, wenn er darüber schreibt, und zwar weil eben dann sein Denken verbunden ist mit dem Sinnlichen, das des Menschen Eigenes ist. Darauf beruht auch, daß manche gut denken und reden, aber nicht gut schreiben können, wie es beim weiblichen Geschlecht üblich ist.

Ähnlich ist es bei vielen anderen Dingen. Wer wüßte nicht aufgrund seines gesunden Menschenverstands, daß Menschen mit einem guten Lebenswandel gerettet, Menschen mit einem bösen Lebenswandel verdammt werden? Oder daß Erstere unter die Engel kommen, wo sie sehen, hören und sprechen wie Menschen, und daß das ebenso zutrifft für die Gewissenhaften, die aus Gerechtigkeit gerecht handeln und aus Rechtschaffenheit das Richtige tun?

Entfernt man sich aber vom gesunden Menschenverstand und macht sein Denken zum Richter über diese Dinge, dann weiß man weder, was das Gewissen ist noch daß eine Seele sehen, hören und reden kann wie ein irdischer Mensch, noch worin das Gute des Lebens besteht, es sei denn darin, den Armen zu geben. Wenn du das aufgrund deines Denkens schriftlich niederlegst, begründest du es durch Scheinbarkeiten und Täuschungen sowie durch wohltönende, aber inhaltsleere Worte.

Dies ist der Grund, weshalb manche Gelehrte, die viel gedacht, und mehr noch solche, die viel geschrieben haben, den gesunden Menschenverstand bei sich geschwächt und verdunkelt, ja zerstört haben. Einfache Menschen sehen oft klarer, was gut und wahr ist als jene, die sich weiser dünken als sie. Gesunder Menschenverstand beruht auf einem Einfluß aus dem Himmel, der ins Denken herabfällt, bis er zur Anschauung kommt. Anders das Denken, das vom gesunden Menschenverstand getrennt ist. Es fällt herab in die Einbildungskraft, die auf dem Sehen aus dem Eigenen beruht.

Du kannst selbst die Erfahrung machen, das dem so ist: Sage einem Menschen von gesundem Menschenverstand eine Wahrheit, und er wird sie sehen. Sage ihm, daß wir sind, leben und weben von Gott und in Gott, und er wird es einsehen. Sage, Gott wohne in der Liebe und Weisheit beim Menschen, und er wird es einsehen. Erkläre ihm ferner ein wenig, der Wille sei das Aufnahmegefäß für die Liebe und der Verstand für die Weisheit, und er wird es einsehen. Sage, Gott sei die Liebe und Weisheit selbst, und es wird ihm einleuchten. Frage ihn, was das Gewissen sei, und er wird es sagen. Und dann sage ebendas einem Gelehrten, der nicht aus dem gesunden Menschenverstand heraus denkt, sondern aus Grundsätzen oder Vorstellungen, die er sich aufgrund seiner weltlichen Wahrnehmungen gebildet hat, er wird es nicht einsehen. Welcher von beiden ist nun der weisere?

Wille und Verstand, die Aufnahmegefäße der Liebe und Weisheit, haben ihren Sitz in den beiden Gehirnen des Menschen, und zwar im ganzen wie in jedem einzelnen Teil derselben, und von da aus auch im Körper, ebenfalls im ganzen wie in jedem Teil.

*362. Dies soll in folgender Ordnung nachgewiesen werden:

  1. Liebe und Weisheit, somit auch Wille und Verstand bilden das eigentliche Leben des Menschen.

  2. Das Leben des Menschen ist in den Gehirnen in seinen Anfängen und in abgeleiteter Form in seinem Körper.

  3. Wie das Leben in seinen Anfängen beschaffen ist, so auch im Ganzen wie in jedem Teil.

  4. Von diesen Anfängen her ist das Leben von jedem Teil aus im Ganzen und aus dem Ganzen in jedem Teil.

  5. Von der Beschaffenheit der Liebe hängt die Beschaffenheit der Weisheit und damit des Menschen ab.

1. Liebe und Weisheit, somit auch Wille und Verstand, bilden das eigentliche Leben des Menschen.

*363. Kaum jemand weiß, was das Leben eigentlich ist. Denkt man darüber nach, so erscheint es als etwas Flüchtiges, von dem man sich keine Vorstellung machen kann. Es erscheint aber deshalb so, weil man nicht weiß, daß der Herr allein das Leben ist und Sein Leben in der göttlichen Liebe und Weisheit besteht. Daraus ist ersichtlich, daß es kein anderes Leben beim Menschen gibt und daß er es in dem Grad hat, als er es aufnimmt.

Bekanntlich strahlen von der Sonne Wärme und Licht aus, die von allem aufgenommen werden, was in der Welt ist, und je nach dem Grade der Aufnahme erwärmt und erglänzt alles. Dasselbe gilt auch von jener Sonne, wo sich der Herr aufhält. Die von ihr ausstrahlende Wärme ist Liebe, das von ihr ausstrahlende Licht Weisheit. Dies wurde in Teil II gezeigt. Aus diesen beiden (Substanzen) also, die vom Herrn als Sonne ausstrahlen, besteht also das Leben.

Man kann die Tatsache, daß Liebe und Weisheit vom Herrn das Leben sind, auch daran ersehen, daß der Mensch wie erstarrt, sobald die Liebe von ihm weicht und daß er stumpfsinnig wird, sobald die Weisheit schwindet. Entwichen sie gänzlich, er würde ausgelöscht.

Unter verschiedenen Bezeichnungen gibt es viele Spielarten der einen Liebe. So gibt es Triebe, Gelüste und Begierden samt ihren Vergnügungen und Lustreizen. Ähnliches gilt für die Weisheit. Zu ihr gehören die Wahrnehmung, Reflexion und Erinnerung, das Denken und Aufmerken auf etwas. Und es gibt vieles, was beiden, der Liebe wie der Weisheit, gemein ist, wie Zustimmung, logische Folgerung, der Entschluß zur Handlung und dergleichen mehr. Es wird freilich, obgleich es beiden gemein ist, benannt nach dem, was jeweils vorherrscht oder näher liegt.

Als Letztes stammen von der Liebe und Weisheit auch die Sinneswahrneh-mungen ab: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen samt den damit zusammenhängenden Lustreizen und Freuden. Dem Anschein nach ist es das Auge, welches sieht, allein es ist der Verstand, der mithilfe des Auges sieht. Deshalb sagt man auch vom Verstande, daß er 'sehe'. Dem Anschein nach hört das Ohr, in Wirklichkeit hört der Verstand mithilfe des Ohrs, weshalb man auch vom Aufmerken und Aufhorchen — beides eine Angelegenheit des Verstandes — als vom 'Hören' spricht. Scheinbar riechen wir mit der Nase und schmecken mit der Zunge, und doch ist es der Verstand, der vermöge seines Wahrnehmungsvermögens riecht und schmeckt. Deshalb werden auch die Ausdrücke 'riechen' und 'schmecken' inbezug auf das Wahrnehmungsvermögen gebraucht, usw.

Die Quellen aller dieser Phänomene sind Liebe und Weisheit. Daraus können wir schließen, daß diese beiden das Leben des Menschen ausmachen.

*364. Jeder sieht ein, daß der Verstand das Aufnahmegefäß der Weisheit ist. Doch nur wenige erkennen, daß der Wille das Aufnahmegefäß für die Liebe bildet, weil der Wille nichts unmittelbar aus sich heraus tut, sondern durch den Verstand tätig wird. Ein weiterer Grund liegt darin, daß die Liebe des Willens beim Übergang in die Weisheit des Verstandes zuerst zur Neigung wird und sich so verwandelt, die Neigung aber nur empfunden wird an einem gewissen Vergnügen beim Denken, Reden und Tun, worauf man aber gewöhnlich nicht achtet. Daß der Ursprung gleichwohl in der Liebe liegt, wird daran deutlich, daß ein jeder will, was er liebt und nicht will, was er nicht liebt.

2. In den beiden Gehirnen ist das Leben des Menschen in seinen Anfängen and im Körper in seiner abgeleiteten Form.

*365. In seinen Anfängen (in principiis) heißt in seinem Ersten, und in seiner abgeleiteten Form (in principiatis) heißt in dem durch das Erste Hervorgebrachten und Gestalteten. Und unter dem Leben in seinen Anfängen ist der Wille und Verstand zu verstehen. Diese beiden sind es, die in ihren Anfängen in den beiden Gehirnen und im Körper in ihren abgeleiteten Formen bestehen. Die Tatsache, daß die Anfänge oder ersten Formen des Lebens in den Gehirnen liegen, geht aus Folgendem hervor:

a) Aus der Empfindung selbst. Denn wenn der Mensch seinen Geist anstrengt und nachdenkt, hat er die Empfindung, im Gehirn zu denken. Er zieht das Sehen des Auges gleichsam zurück, hält die Stirne gespannt und fühlt, daß inwendig in ihm ein Denkvorgang abläuft, besonders hinter und etwas oberhalb der Stirn.

b) Aus der Bildung des Menschen im Mutterleib, bei der das Gehirn oder das Haupt das erste ist und noch lange nachher größer bleibt als der übrige Körper.

c) Aus der Tatsache, daß der Kopf oben und der Leib unten ist und es der Ordnung entspricht, daß das Obere ins Untere einwirkt, nicht aber umgekehrt.

d) Bei Hirnverletzungen — sei es im Mutterleib, sei es bei einer Verwundung oder als Folge einer Krankheit, sei es bei zu großer Anstrengung — wird das Denken geschwächt und können Geisteskrankheiten auftreten.

e) Alle Sinne des äußeren Körpers — Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack, zugleich mit dem allumfassenden Sinn, Tastsinn genannt — wie auch das Sprachvermögen haben ihren Sitz im Vorderhaupt oder Antlitz, das durch Fibern unmittelbar mit den Gehirnen in Verbindung steht und sein Empfindungs- und aktives Leben von daher bezieht.

f) Darin liegt der Grund, weshalb sich die Neigungen, die der Liebe des Menschen angehören, gleichsam auf seinem Antlitz abbilden, während die Gedanken, die seiner Weisheit angehören, in seinen Augen als eine Art Licht erscheinen.

g) Aus der Anatomie weiß man auch, daß alle Nervenfasern durch den Nacken in den Körper hinabführen, keine einzige aber vom Körper durch den Nacken in die Gehirne aufwärts führt. Wo aber die Anfänge oder das Erste der Nervenfasern liegt, da ist auch das Leben in seinen Anfängen und in seinem Ersten. Wer könnte bestreiten, daß der Ursprung des Lebens beim Ursprung der Nervenfasern liegt?

h) Man frage eine Person mit gesundem Menschenverstand: Wo findet das Denken statt oder wo denkst du? Er wird antworten: Im Kopf. Nachher frage aber jemanden, der den Sitz der Seele entweder in irgendeiner Drüse oder im Herzen bzw. sonstwo vermutet, wo seiner Meinung nach die Neigung und damit auch das Denken seinen Anfang nimmt, ob nicht vielleicht im Gehirn. Er wird es verneinen oder sagen, er wisse es nicht. Der Grund für ein solches Nichtwissen wurde oben # 361 genannt.

3. Wie das Sehen in seinen Anfängen beschaffen ist, so auch im Ganzen wie in jedem Teil.

*366. Das wird verständlich, wenn gesagt wird, wo jene Anfänge in den Gehirnen sind und auf welche Weise sie sich verzweigen. Auskunft über die Anfänge in den Gehirnen gibt die Anatomie. Die Anatomie lehrt, daß es zwei Gehirne gibt, die sich vom Kopf ins Rückgrat fortsetzen. Sie bestehen aus zwei Substanzen, Rinden- und Marksubstanz (substantia corticalis et substantia medullaris) genannt. Die Rindensubstanz besteht aus unzähligen kleinen drüsenartigen Gebilden, die Marksubstanz aus unzähligen faserartigen Strukturen. Da nun jene Drüschen die Köpfe jener Fäserchen bilden, so sind sie auch ihre Anfänge. Die Fäserchen nehmen von ihnen ihren Ausgangspunkt, setzen sich von da weiter fort, bündeln sich allmählich zu Nerven und steigen, wenn sie bündelweise zusammengereiht zu Nerven geworden sind, zu den Sinnesorganen im Gesicht und zu den Bewegungsorganen im Körper herab und gestalten sie. Jeder in der Anatomie Erfahrene wird das bestätigen.

Jene Rinden- oder Drüsensubstanz bildet die Oberfläche des Gehirns, wie auch die Oberfläche der gestreiften Körper (corporum striatorum), aus denen das verlängerte Hirnmark (medulla oblongata) besteht und bildet die Mitte des Kleinhirns wie auch des Rückenmarks. Die Mark- oder Fasersubstanz (substantia medullaris seu fibrillaris) hingegen beginnt durchwegs von da an und setzt sich dann weiter fort. Aus ihr stammen die Nerven, von denen alle Körperteile abhängen. Dies lehrt die Autopsie.

Wer dies aus eigener Kenntnis der Anatomie oder von den Experten dieser Wissenschaft weiß, erkennt, daß die Anfänge des Lebens nirgend anders liegen als dort, wo die Anfänge der Nervenfasern sind und daß diese Fasern nicht von sich, sondern nur von jenen Anfängen ausgehen können.

Diese Anfänge oder Ausgangspunkte, die als winzige Drüsen erscheinen, sind beinahe unzählig. Ihre Menge läßt sich mit der Zahl der Sterne im Weltall vergleichen, und die Menge der von ihnen ausgehenden Fäserchen mit den Strahlen, die von den Sternen ausgehen und deren Wärme und Licht zu ihren Erdkörpern dringen. Man kann die Menge jener Drüsen auch mit der Menge der Engelsgesellschaften in den Himmeln vergleichen, die ebenfalls unzählbar und, wie mir gesagt wurde, in einer ähnlichen Ordnung sind. Die Menge der von jenen Drüsen ausgehenden Fäserchen läßt sich vergleichen mit den geistigen Wahrheiten und dem geistigen Guten, die in ähnlicher Weise wie Strahlen von da herabfließen.

Daher kommt, daß der Mensch wie ein Universum und wie ein Himmel in kleinster Form ist, wie das oben verschiedentlich gesagt und dargelegt wurde. All das bestätigt: Wie das Leben in seinen Anfängen beschaffen ist, so auch im Ganzen und in jedem Teil. Oder wie das Leben in den Gehirnen in seinen ersten Formen ist, so ist es auch in den daraus abgeleiteten Formen im Körper.

4. Von diesen Anfängen her ist das Leben von jedem Teil aus im Ganzen and aus dem Ganzen in jedem Teil.

*367. Diese Tatsache ergibt sich daraus, daß das Ganze, Gehirn und Körper zugleich, ursprünglich nur aus Fasern besteht, die von ihren Anfängen in den Gehirnen ausgehen. (Daß sie keinen anderen Ursprung haben, ist soeben in # 366 gezeigt worden.) Das bedeutet, der ganze Organismus hängt von jedem seiner Teile ab. Von jenen Anfängen her ist auch in jedem Teil Leben aus dem ganzen Organismus, was sich daraus ergibt, daß das Ganze jedem Teil seine Aufgabe und seinen Bedarf zuweist und so zu einem Teil im Ganzen macht. Kurz, das Ganze hat sein Dasein durch die Teile, und diese bestehen aufgrund des Ganzen.

Dieser wechselseitige Zusammenhang und die dadurch bewirkte Verbindung ist aus vielem im Körper offensichtlich. Es verhält sich damit ähnlich wie in einer Stadt, einem Staat oder Königreich: Jedes dieser Gemeinwesen verdankt sein Dasein den Menschen als seinen Teilen; die Teile oder Menschen wiederum bestehen dank der Gemeinwesen. Dasselbe gilt für jede Sache, die eine gewisse Form hat, besonders aber für den Menschen.

5. Von der Beschaffenheit der Liebe hängt die Beschaffenheit der Weisheit und damit des Menschen ab.

*368. Wille und Verstand sind nämlich so beschaffen wie Liebe und Weisheit, da — wie oben ausgeführt wurde — der Wille das Aufnahmegefäß der Liebe und der Verstand das Aufnahmegefäß der Weisheit ist. Beide zusammen bilden den Menschen und bestimmen seine Beschaffenheit. Die Liebe ist derart vielfältig, daß ihre Variationen unzählig sind. Man kann es an der irdischen wie an der himmlischen Menschheit sehen, gibt es doch nicht einen Menschen oder Engel, der einem anderen so ähnlich wäre, daß keinerlei Unterschied bestünde. Es ist aber die Liebe, die sie unterscheidet; denn ein jeder ist tatsächlich seine Liebe.

Man meint, die Weisheit unterscheide die Menschen, doch die Weisheit geht aus der Liebe hervor, ist ihre Form. Die Liebe ist das Sein des Lebens, die Weisheit das Dasein aus diesem Sein. In der Welt meint man, der Verstand mache den Menschen aus, allein man nimmt es nur an, weil der Verstand, wie oben gezeigt wurde, bis ins Licht des Himmels erhoben werden kann und der Mensch dann wie ein Weiser erscheint. Der verstand hat zwar Eigenschaften, die über die Liebe hinausgehen, d.h. nicht zur Liebe gehören, und die doch als Eigentum des Menschen erscheinen und den Eindruck vermitteln, als ob der Mensch entsprechend beschaffen sei. Das ist aber nur Schein. Denn alles im Verstand, was nicht mit der Liebe des Menschen verbunden ist, gehört zwar einer Neigung an, und zwar der Neigung zum Wissen und Weisesein, nicht aber der Neigung, das Wissen und die Weisheit auch aufs persönliche Leben anzuwenden. Es entweicht daher mit der Zeit in der Welt, oder es führt ein Schattendasein am Rande der Gedächtnisinhalte und fällt nach dem Tode ab, wie fallende Blätter. Nichts bleibt mehr zurück, als was mit der persönlichen Liebe des Geistwesens übereinstimmt.

Weil die Liebe das Leben des Menschen, mithin den Menschen selbst ausmacht, so sind alle Gesellschaften des Himmels und alle einzelnen Engel innerhalb dieser Gesellschaften nach den Neigungen ihrer jeweiligen Liebe geordnet. Keine Gesellschaft oder irgendein Engel innerhalb derselben ist nach irgendwelchen Verstandesinhalten geordnet, die von der Liebe getrennt waren. Dasselbe gilt für die Höllen und deren Gesellschaften, nur handelt es hier um Liebesarten, die den himmlischen entgegengesetzt sind.

All dies erlaubt die Feststellung, daß von der Beschaffenheit der Liebe die Beschaffenheit der Weisheit und damit des Menschen abhängt.

*369. Man erkennt zwar an, daß der Mensch so beschaffen ist wie seine herrschende Liebe, jedoch nur inbezug auf Geist und Gemüt, nicht inbezug auf den Körper, mithin nicht nach seiner ganzen Beschaffenheit. Aus vielfältiger Erfahrung in der geistigen Welt ist es mir jedoch zur Gewißheit geworden, daß der Mensch von Kopf zu Fuß oder von den Anfängen im Haupt bis zum Letzten des Körpers ganz so geartet ist wie seine Liebe. Denn alle Bewohner jener Welt sind Formen ihrer Liebe, die Engel Formen himmlischer, die Teufel Formen höllischer Liebe. Bei letzteren sind Antlitz und Körper unförmig, bei ersteren wohlgestaltet. Wird ihre Liebe angefeindet, verändert sich ihr Antlitz, ist die Anfeindung heftig, ziehen sie sich ganz zurück. Das ist eine Eigentümlichkeit jener Welt, weil dort Leib und Geist eins ausmachen. Es geht aus den obigen Ausführungen darüber hervor, daß alle Teile des Leibes etwas Abgeleitetes sind, zusammengewoben durch Fasern aus den Anfängen, den Aufnahmegefäßen der Liebe und Weisheit. Wie aber die Anfänge, so auch das Abgeleitete. Mit anderen Worten: Wohin die Anfänge auch immer zielen, dahin folgt ihnen das Abgeleitete; sie lassen sich nicht trennen.

Wer daher sein Gemüt zum Herrn erhebt, ist ganz zum Herrn erhoben. Wer sein Gemüt zur Hölle versenkt, ist ganz in sie versunken. Deshalb gelangt der Mensch je nach der Liebe seines Lebens entweder in den Himmel oder in die Hölle.

Es gehört zur Weisheit der Engel, daß das Gemüt eines Menschen deshalb Mensch ist, weil Gott Mensch ist, und ferner, daß der Leib das Äußere des Gemüts ist, welches empfindet und handelt, weshalb sie eins und nicht zwei sind.

*370. Anzumerken ist, daß selbst die Formen der Glieder, Organe und Eingeweide des Menschen bis in ihr Gewebe hinein aus Fasern bestehen, die in ihren Anfängen den Gehirnen entspringen. Fest und beständig aber werden sie durch die Substanzen und materiellen Stoffe, die sich auf den Erdkörpern und in deren Luft und Äther finden. Dies wird durch das Blut bewirkt. Deshalb muß sich der Mensch, damit alle seine Körperteile in ihrer angemessenen Form fortbestehen und ihre Funktionen ausüben können, mit materieller Nahrung versehen und immer wieder erneuern lassen.

Es besteht ein Entsprechungsverhältnis des Willens mit dem Herzen und des Verstandes mit der Lunge.

*371. Dies soll in folgender Ordnung nachgewiesen werden:

  1. Alles, was zum Gemüt gehört, bezieht sich auf Wille und Verstand, alles, was zum Körper gehört, auf Herz und Lunge.

  2. Es besteht ein Entsprechungsverhältnis von Wille und Verstand mit dem Herzen und der Lunge; somit auch aller Teile des Gemüts mit allen Teilen des Körpers.

  3. Der Wille entspricht dem Herzen.

  4. Der Verstand entspricht der Lunge.

  5. Aufgrund dieses Entsprechungsverhältnisses können viele den Willen und Verstand, mithin auch die Liebe und Weisheit betreffende Geheimnisse aufgedeckt werden.

  6. Das Gemüt des Menschen ist sein Geist; der Geist ist der Mensch und der Körper sein Äußeres, mit dessen Hilfe das Gemüt oder der Geist in seiner Welt empfindet und handelt.

  7. Die Verbindung des Menschengeistes mit dem Körper beruht auf der Entsprechung seines Willens und Verstandes mit Herz und Lunge, die Trennung aber folgt aus der Nicht-Entsprechung.

1. Alles, was zum Gemüt gehört, bezieht sich auf Wille und Verstand, alles, was zum Körper gehört, auf Herz und Lunge.

*372. Unter dem Gemüt ist nichts anderes zu verstehen als der Wille und Verstand. Diese sind ein Inbegriff all dessen, was den Menschen anregt und was er denkt, mit anderen Worten all dessen, was Neigung und Denken des Menschen ausmacht. Was den Menschen anregt, gehört zu seinem Willen, was er denkt, zu seinem Verstand.

Wie man weiß, ist alles Denken Verstandessache; denn der Mensch denkt nun einmal aus dem Verstand. Weniger bekannt ist, daß alle Neigungen des Menschen Willenssache sind. Es ist aber deshalb weniger bekannt, weil der Mensch beim Denken nicht auf die ihn beseelenden Neigungen achtet, sondern nur auf sein Denken. Auch wer der Rede eines Menschen zuhört, achtet gewöhnlich nicht auf den Ton, sondern auf den Inhalt der Rede. Dabei verhält es sich mit der Neigung im Denken ähnlich wie mit dem Ton in der Rede. Deshalb läßt sich am Ton des Redenden seine Neigung erkennen und an der Rede selbst sein Denken. Die Tatsache, daß die Neigung eine Sache des Willens ist, folgt daraus, daß jede Neigung einer Liebe angehört und der Wille das Aufnahmegefäß der Liebe ist, wie oben gezeigt wurde.

Wer nicht weiß, daß die Neigung eine Angelegenheit des Willens ist, vermengt die Neigung mit dem Verstand, sagt er doch, sie sei eins mit dem Denken, während sie doch in Wirklichkeit nur wie eins zusammenwirken. Wir erkennen diese Vermengung an Redensarten des alltäglichen Lebens, etwa wenn es heißt, man 'gedenke' dies oder das zu tun, also: man wolle es tun. An solchen Redensarten erkennt man aber auch, daß es sich um zwei verschiedene Dinge handelt, wenn man etwa sagt: Über diese Sache 'will' ich nachdenken. Wenn man das dann tut, so liegt ja eine Neigung des Willens im Denken des Verstandes — ganz wie der Ton in der Rede, wie wir schon sagten.

Bekannt ist, daß sich alle Teile des Körpers auf Herz und Lunge beziehen, unbekannt aber, daß ein Entsprechungsverhältnis von Herz und Lunge mit Wille und Verstand besteht. Deshalb soll dies im folgenden untersucht werden.

*373. Weil Wille und Verstand Aufnahmegefäße für Liebe und Weisheit sind, so sind sie beide organische Formen — Formen, deren Struktur aus den reinsten Substanzen besteht. Um Aufnahmegefäße sein zu können, müssen sie derartige Formen sein. Die Tatsache, daß ihre Struktur nicht vor Augen liegt, tut nichts zur Sache. Sie ist kein Gegenstand für die Sehkraft, selbst wenn diese durch Mikroskope verstärkt würde.

Auch die kleinsten Insekten sind ja nicht Gegenstand unserer Sehkraft, obgleich sie Sinnes- und Bewegungsorgane haben, da sie ja empfinden, laufen und fliegen. Genaue Beobachter haben bei ihrer Zergliederung mithilfe von Mikroskopen entdeckt, daß sie auch Gehirne, Herzen, Luftröhren und Eingeweide haben. Wenn nun diese winzigen Insekten unserem Blick nicht erscheinen — geschweige denn die inneren Teile, aus denen sie bestehen — und doch nicht geleugnet werden kann, daß sie bis ins Letzte hinein strukturiert sind, wie kann dann irgend jemand behaupten, die beiden Aufnahmegefäße für die Liebe und Weisheit, Wille und Verstand, seien keine organischen Formen?! Wie können Liebe und Weisheit, die doch das Leben vom Herrn sind, auf etwas wirken, das kein Objekt ist und gar nicht substantiell besteht? Wie könnte ein Gedanke dann überhaupt haften und wie jemand aus einem solchen nicht haftenden Gedanken heraus reden? Ist nicht das Gehirn, in dem das Denken vor sich geht, angefüllt und bis ins Einzelne strukturiert? Die organischen Formen in ihm erscheinen selbst dem bloßen Auge, und zwar gilt das ganz besonders für die Anfänge der Aufnahmegefäße des Willens und Verstandes in der Rindensubstanz, wo sie sich als winzige Drüsen zeigen (vgl. oben # 366). Man gehe beim Denken über diese Dinge ja nicht von der Vorstellung eines Vakuums aus. Ein Vakuum ist ein Nichts, und im Nichts wird nichts und aus dem Nichts entsteht nichts. (Über die Vorstellung eines Vakuums vgl. # 82).

2. Es besteht ein Entsprechungsverhältnis von Wille und Verstand mit dem Herzen und der Lunge; somit auch aller Teile des Gemüts mit allen Teilen des Körpers.

*374. Dies ist neu, denn bisher war nicht bekannt, was das Geistige ist und worin es sich vom Natürlichen unterscheidet. Daher war auch nichts von einem Entsprechungsverhältnis bekannt. Es besteht aber ein solches Verhältnis der geistigen Dinge mit den natürlichen und dadurch eine Verbindung zwischen ihnen. Wir sagten, es sei bisher nicht bekannt gewesen, was das Geistige ist und worin seine Entsprechung mit dem Natürlichen besteht, somit was Entsprechung ist. Beides hatte jedoch bekannt sein können. Denn wer wußte nicht, daß Neigung und Gedanke etwas Geistiges sind, somit alles, was mit ihnen zusammenhängt, geistig ist? Wer wüßte nicht, daß Handlung und Rede etwas Natürliches sind, also alles, was mit ihnen zusammenhängt, natürlich ist? Und wer wüßte nicht, daß Neigung und Gedanke als etwas Geistiges bewirken, daß der Mensch handelt und spricht? Wer könnte daher nicht wissen, was Entsprechung des Geistigen mit dem Natürlichen ist? Bewirkt nicht der Gedanke, daß die Zunge spricht und Neigung zusammen mit dem Denken, daß der Körper handelt?

Man muß jedoch Zweierlei unterscheiden: Ich kann denken und nicht reden, kann wollen und nicht handeln, und so weiß man, daß nicht der Körper denkt und will, sondern daß das Denken in die Rede und der Wille in die Handlung übergeht. Leuchtet nicht auch die Neigung aus dem Antlitz hervor und stellt in ihm etwas wie ein Abbild von sich dar? Das weiß ein jeder. Ist nicht die Neigung, an sich betrachtet, etwas Geistiges, und sind nicht jene Veränderungen des Antlitzes, die man als Mienenspiel bezeichnet, etwas Natürliches? Wer also wäre nicht imstande gewesen, auf das Vorhandensein von Entsprechungen zu schließen, somit daß ein Entsprechungsverhältnis zwischen allen Teilen des Gemüts und allen Teilen des Körpers besteht? Und weil sich alles im Gemüt auf Neigung und Denken oder — was dasselbe ist — auf Wille und Verstand bezieht, ebenso wie alles im Körper auf Herz und Lunge, daß ein Verhältnis der Entsprechung des Willens mit dem Herzen und des Verstandes mit der Lunge besteht?

Dies war nicht bekannt, obwohl es hätte bekannt sein können, weil der Mensch so äußerlich geworden ist, daß er nur anerkennen will, was natürlich ist, weil seine Liebe und von daher auch sein Verstand es als angenehm empfand. Deshalb war es ihm unangenehm, sein Denken über das Natürliche hinaus zu einem davon getrennten Geistigen zu erheben. Daher konnte er aus seiner natürlichen Liebe und der damit zusammenhängenden Lust sich nur vorstellen, das das Geistige ein reineres Natürliches, die Entsprechung aber etwas kontinuierlich Einfließendes sei. Ja, der rein natürliche Mensch ist unfähig, etwas vom Natürlichen Getrenntes auch nur zu denken. Für ihn wäre dies ein Nichts.

Ein weiterer Grund, warum diese Dinge bisher nicht gesehen wurden und daher unbekannt waren, besteht darin, daß man alles, was mit der Religion zusammenhängt, das sogenannte Geistige, der Anschauung der Menschen entzogen hatte. Dies geschah durch das in der ganzen Christenheit anerkannte Dogma — die von den Konzilien und einigen führenden Theologen festgesetzten theologischen Lehren — die sogenannten geistigen Dinge müßten blind geglaubt werden, da sie, wie es hieß, den Verstand überstiegen. Daher hielten einige das Geistige für etwas wie einen Vogel, der über der Atmosphäre im Äther fliege, wohin das Auge nicht reicht. In Wirklichkeit ist es wie ein Paradiesvogel, der so nahe am Auge vorbeifliegt, daß er mit seinem schönen Gefieder beinahe die Pupille berührt, weil er gesehen werden möchte — wobei hier mit dem Sehen des Auges natürlich das Schauen des Verstandes gemeint ist.

*375. Das Entsprechungsverhältnis von Wille und Verstand mit Herz und Lunge kann nicht durch bloße Vernunftgründe, wohl aber anhand seiner Wirkungen dargetan werden. Es ist damit geradeso wie mit den Ursachen der Dinge, welche die Vernunft zwar erkennen kann, aber nur unklar anhand ihrer Wirkungen, in denen sie verborgen sind und durch die sie sich zu erkennen geben. Der Geist überzeugt sich auch nicht früher von den Ursachen.

Im folgenden werden die Auswirkungen dieses Entsprechungsverhältnisses behandelt. Damit aber niemand im Hinblick auf diese Entsprechungen den vorgefaßten Meinungen über die Seele zum Opfer falle, lese man zuerst nach, was in den voranstehenden Abschnitten dargelegt wurde, wo es in # 363 und 364 heißt, daß Liebe und Weisheit, daher Wille und Verstand, das persönliche Leben des Menschen ausmachen, oder in # 365, daß dieses Leben seine Anfänge in den verschiedenen Hirnregionen hat, im Körper aber in abgeleiteter Form ist; in # 366, daß das Leben im Ganzen wie in jedem Teil so beschaffen ist, wie in seinen Anfangen; in # 367, daß das Leben durch diese Anfänge im Ganzen und von daher auch in jedem Teil ist; und in # 368, daß der Mensch so beschaffen ist, wie seine Liebe und Weisheit.

*376. Zur Bestätigung mag hier eine Vorbildung der Entsprechung von Wille und Verstand mit Herz und Lunge angeführt werden, wie ich sie im Himmel bei den Engeln gesehen habe. Diese bildeten mittels eines wundersamen und durch Worte nicht ausdrückbaren kreisförmigen Fließens ein Bild des Herzens und der Lunge nach, wobei alle in diesen Organen befindlichen inneren Gewebe erschienen. Bei diesem Tun folgten die Engel der Strömung des Himmels, die aufgrund des Einflusses der Liebe und Weisheit vom Herrn mit aller Kraft solche Formen anstrebt. So bildeten sie die Verbindung zwischen Herz und Lunge ab und zugleich ihre Entsprechung mit der Liebe des Willens und der Weisheit des Verstandes. Diese Entsprechung und Vereinigung bezeichneten sie als himmlische Ehe, wobei sie hinzufügten, etwas ähnliches gelte für den ganzen Körper und seine einzelnen Glieder, Organe und Eingeweide mit dem, was darin Herz und Lunge angehöre. Wo Herz und Lunge nicht wirken, und zwar jedes in seinem Wirkungskreis, da könne es auch keinerlei Lebensimpuls aus irgendeinem Willensprinzip geben, noch irgendein Lebensgefühl aus einem Verstandesprinzip.

*377. In den folgenden Abschnitten wird die Entsprechung von Herz und Lunge mit Wille und Verstand behandelt. Auf diese Entsprechung gründet sich im einzelnen die Entsprechung aller Körperteile, der Glieder, Sinnesorgane und Eingeweide. Da nun die Entsprechung des Natürlichen mit dem Geistigen bisher unbekannt war, obgleich sie bereits in zwei Werken umfassend dargelegt wurde — von denen das eine über Himmel und Hölle, das andere über den geistigen Sinn der beiden ersten Bücher Mose handelt, 'Himmlische Geheimnisse' betitelt —, so will ich hier aufzeigen, was in den genannten beiden Werken über das Thema der Entsprechung geschrieben und erklärt wurde.

Im Buch "Himmel und Hölle" folgendes:

Die Entsprechung von allem im Himmel mit allem im Menschen (# 87 bis 102).

Die Entsprechung von allem im Himmel mit allem auf Erden (#103 bis 115).

Im Werk über den geistigen Sinn der beiden ersten Bucher Mose "Himmlische Geheimnisse":

Die Entsprechung von Gesicht und Mienen mit den Gemütsbewegungen (# 1568, 2988, 2989, 3631, 4796 f, 4800, 5165, 5168, 5695, 9306).

Die Entsprechung des Körpers hinsichtlich seiner Gebärden und Handlungen mit den Tätigkeiten von Verstand und Wille (# 2988, 3632, 4215).

Die Entsprechung der Sinne im allgemeinen (# 4318 bis 4330).

Die Entsprechung von Auge und Sehkraft (# 4403 bis 4420).

Die Entsprechung von Nase und Geruch (# 4624 bis 4634),

Die Entsprechung von Ohren und Gehör (# 4652 bis 4660).

Die Entsprechung von Zunge und Geschmack (# 4791 bis 4805).

Die Entsprechung von Händen, Armen, Schultern und Füßen (# 4931 bis 4953).

Die Entsprechung der Lenden und Zeugungsorgane (# 5050 bis 5062).

Die Entsprechung der inneren Körperteile, besonders von Magen, Thymusdrüse, Organen und Gängen der Speisesäfte und des Gekröses (# 5171 bis 5180 und 5181).

Die Entsprechung der Milz (# 9698).

Die Entsprechung von Bauchfell, Niere und Blase (# 5377 bis 5385).

Die Entsprechung der Leber und des hepatischen, zystischen und pakreatischen Gangs (#5183 bis 5185).

Die Entsprechung der Gedärme (# 5392 bis 5395, 5379).

Die Entsprechung der Knochen (# 5560 bis 5564).

Die Entsprechung der Haut (# 5552 bis 5559).

Die Entsprechung des Himmels mit dem Menschen (# 911, 1900, 2990, 2996, 2998, 3624 bis 3649, 3741 bis 3745, 3884, 4051, 4279, 4403, 4524 f, 6013, 6057, 9279, 9632).

Alles in der natürlichen Welt und ihren drei Reichen entspricht allem in der geistigen Welt (#1632, 1881, 2758, 2990 bis 2993, 2997 bis 3003, 3213 bis 3227, 3483, 3624 bis 3649, 4044, 4053, 4116, 4366, 4939, 5116, 5377, 5427 f, 5477, 8211 und 9280).

Alle Dinge, die in den Himmeln erscheinen, sind Entsprechungen (# 1521, 1532, 1619 bis 1625, 1807 f, 1971, 1974, 1977, 1980 f, 2299, 2601, 3213 bis 3226, 3349 f, 3475 bis 3485, 3748, 9481, 9570, 9476 f).

Die Entsprechung zwischen dem buchstäblichen und geistigen Sinn des Wortes ist im genannten Werk durchwegs behandelt. Man vergleiche dazu auch das Werk 'Die Lehre des Neuen Jerusalems von der Heiligen Schrift' (# 5 bis 26 und 27 bis 69).

3. Der Wille entspricht dem Herzen.

*378. Dies läßt sich im einzelnen nicht so klar ersehen wie am Willen, sobald man ihn, wie oben ausgeführt, in seinen Wirkungen betrachtet. Man kann es aber im einzelnen daraus ersehen, daß alle mit der Liebe zusammenhängenden Neigungen im Herzen Veränderungen bewirken, die sich am Puls und am Herzschlag zeigen, die ja parallel laufen. Diese Veränderungen sind je nach der Art der Neigungen der Liebe unzählig. Mit dem Finger ist nur zu fühlen, ob der Puls langsam oder rasch, hoch oder tief, weich oder hart, gleichmäßig oder ungleichmäßig ist. Er ist also anders bei Freude als bei Traurigkeit, anders bei Gelassenheit als im Zorn, anders bei Unerschrockenheit als bei Furcht, anders bei fieberhaften als bei frostigen Erkrankungen usw.

Da sich die Bewegungen des Herzens, Systole und Diastole (Zusammenziehung und Erweiterung) genannt, je nach den Regungen der Liebe bei einem jeden so verändern und wechseln, haben viele Menschen des Altertums, aber auch einige in neuerer Zeit dem Herzen Gefühle zugeschrieben und es als deren Sitz bezeichnet. So entstanden Redensarten, in denen das Herz als mutig oder furchtsam, froh oder traurig, weich oder hart, groß oder klein, ganz oder gebrochen, fleischern oder steinern, fest, weich oder sanft bezeichnet wird. Oder wenn man sagt, sich ein Herz fassen, dies oder jenes zu tun, wenn es heißt, ein Herz, beziehungsweise ein neues Herz geben, etwas beherzigen, mit dem Herzen aufnehmen, etwas nicht zu Herzen nehmen, sein Herz verhärten, einen Herzensfreund haben. Man spricht auch von der Eintracht, Zwietracht oder Raserei des Herzens — neben anderen Redensarten über das, was zur Liebe und ihren Neigungen gehört. Das Wort Gottes spricht in derselben Weise, weil es in Entsprechungen geschrieben ist.

Es macht keinen Unterschied, ob man von Wille oder Liebe spricht, da der Wille, wie oben ausgeführt wurde, das Aufnahmegefäß der Liebe ist.

*379. Bekannt ist, daß der Mensch wie jedes Tier eine vitale Wärme hat, nicht bekannt ist aber, woher sie stammt. Man äußert darüber nur Mutmaßungen. Aus diesem Grunde haben diejenigen, die nichts von einer Entsprechung der natürlichen Dinge mit den geistigen wußten, ihren Ursprung der Sonnenwärme zugeschrieben, andere der Aktivität der Teile, und wieder andere dem Leben selbst. Weil sie aber nicht wußten, was das Leben eigentlich ist, begnügten sie sich mit der bloßen Behauptung.

Wer aber um das Entsprechungsverhältnis zwischen der Liebe und ihren Neigungen mit dem Herzen und dem von ihm Abgeleiteten weiß, der kann auch wissen, daß die Liebe Ursprung der vitalen Wärme ist. Denn die Liebe geht als Wärme von der geistigen Sonne aus, in der der Herr ist, und wird auch von den Engeln als Wärme empfunden. Es ist diese geistige Wärme, deren Wesen Liebe ist, die vermöge der Entsprechung in Herz und Blut einfließt, Wärme spendend und belebend.

Es ist bekannt, daß dem Menschen je nach Art und Grad seiner Liebe warm wird, er gleichsam angefeuert wird, und daß er entsprechend ihrer Abnahme erstarrt und kalt wird; fühlt und sieht man das doch. Man fühlt es an der Wärme des ganzen Körpers und sieht es an der Röte des Angesichts, und umgekehrt fühlt man das Erlöschen an der Kälte des Körpers und sieht es an der Blasse des Gesichts.

Weil die Liebe das Leben des Menschen ist und sich das Leben der Seele im Körper durch das Blut äußert, darum wird das Blut im Wort als die Seele bezeichnet, wie 1. Mose 9/4 und 3. Mose 17/14. Eine andere Bedeutung des Begriffs der 'Seele' wird im folgenden behandelt werden.

*380. Die Röte des Blutes beruht auch auf dem Entsprechungsverhältnis von Herz und Blut mit der Liebe und deren Regungen. In der geistigen Welt gibt es nämlich Farben aller Art. Rot und weiß sind ihre Grundfarben, die anderen leiten daraus und aus ihren Gegensätzen — dem düster Feurigen und dem Schwarzen — ihre Verschiedenheit ab. Die rote Farbe entspricht dort der Liebe, die weiße der Weisheit. Rot entspricht deshalb der Liebe, weil ihr Ursprung das Feuer der geistigen Sonne ist, und Weiß entspricht der Weisheit, weil sie dem Licht jener Sonne entspringt. Und weil ein Entsprechungsverhältnis der Liebe mit dem Herzen besteht, kann das Blut nur rot sein und damit seinen Ursprung anzeigen.

Aus diesem Grunde hat auch das Licht in den Himmeln, in denen die Liebe zum Herrn herrscht, einen flammenden Schein und sind die Engel mit purpurnen Gewändern bekleidet, während in den Himmeln, in denen die Weisheit herrscht, das Licht glänzend weiß ist und die Engel Kleider von weißem Byssus tragen.

*381. Im Himmel unterscheidet man zwei Reiche, das himmlische und das geistige. Im ersteren herrscht die Liebe zum Herrn, im letzteren die Weisheit aus dieser Liebe. Das Reich der Liebe heißt die Herzensregion, das Reich der Weisheit die Lungenregion des Himmels.

Man muß, wissen, daß das Ganze des Himmels das Ebenbild eines Menschen darstellt und auch vor dem Herrn als ein Mensch erscheint. Deshalb bildet sein Herz das eine und die Lunge das andere Reich. Es besteht nämlich im ganzen Himmel etwas wie eine allgemeine Bewegung von Herz und Lunge, die sich im besondern bei jedem einzelnen Engel manifestiert. Und zwar kommt diese allgemeine Bewegung von Herz und Lunge allein vom Herrn, da Er der einzige Ursprung von Liebe und Weisheit ist. In der Sonne nämlich, wo sich der Herr befindet und die vom Herrn stammt, vollziehen sich jene beiden Bewegungen, und von ihr aus auch im Himmel der Engel und im Universum.

Zieh deine Gedanken vom Räumlichen ab und denke dir die Allgegenwart Gottes, und du wirst dich davon überzeugen. Zur Einteilung des Himmels in zwei Reiche, das himmlische und das geistige, vergleiche man im Werke über 'Himmel und Hölle' # 20 und 27 f, zur Tatsache, daß der Himmel in seiner Ganzheit einen Menschen vorstellt, # 59 bis 67.

4. Der Verstand entspricht der Lunge.

*382. Dies folgt aus dem, was über die Entsprechung des Willens mit dem Herzen gesagt wurde, ist es doch Zweierlei, was im geistigen Menschen oder im Gemüt herrscht, der Wille und der Verstand. Zweierlei herrscht aber auch im natürlichen Menschen oder im Körper, nämlich Herz und Lunge. Wie oben dargelegt wurde, besteht eine Entsprechung zwischen allen Dingen des Gemüts und allen Teilen des Körpers. Daraus ergibt sich: wenn der Wille dem Herzen entspricht, so der Verstand der Lunge.

Jeder kann auch an sich selbst wahrnehmen, daß der Verstand der Lunge entspricht, wenn er auf sein Denken und sein Sprechen achtet.

Was das Denken betrifft: Jemand kann denken, ohne daß der Atem der Lunge (pulmonaris spiritus) dabei mitwirkt und zusammenstimmt. Wer leise denkt, atmet daher auch leise, wer tief denkt, atmet tief. Der Mensch atmet ein und aus, drückt die Lungen zusammen oder erweitert sie je nach dem Denken, mithin je nach dem Einfluß einer Neigung aus seiner Liebe langsam, schnell, eifrig, sanft oder gespannt. Hält er den Atem ganz an, kann er nicht denken, es sei denn in seinem Geist und dessen Atmung, was ihm aber nicht zu Bewußtsein kommt.

Was das Sprechen Betrifft, so kann der Mund auch nicht den kleinsten Teil eines Wortes ohne Beihilfe der Lunge äußern, da der Ton, der sich in Wörtern ausdrückt, ganz und gar aus der Lunge durch die Luftrohre und Kehlklappe hervorströmt. Daher verstärkt sich das Gesprochene, je nachdem wie weit dieses Gebläse betätigt wird und wird je nach der Öffnung der Röhre zum Schreien oder zum sanften Ton und hört schließlich zusammen mit dem Denken ganz auf, wenn die Röhre verengt oder geschlossen wird.

*383. Weil der Verstand der Lunge entspricht und damit das Denken dem Atmen der Lunge, so wird durch 'Seele' und 'Geist' im Göttlichen Wort der Verstand bezeichnet, so etwa: "Du sollst lieben den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele" (Mat. 22/37), oder: Gott werde ihnen ein neues Herz und einen neuen Geist geben, (Ez. 36/26 und Ps 51/12 f)

Oben wurde dargelegt, daß das Herz die Liebe des Willens bezeichnet. Daher bezeichnen Seele und Geist die Weisheit des Verstandes. In der 'Lehre des Neuen Jerusalems vom Herrn' kann man in # 50 f, nachlesen, daß unter dem Geist Gottes, auch als Heiliger Geist bezeichnet, die göttliche Weisheit, somit die göttliche Wahrheit zu verstehen ist, durch die der Mensch erleuchtet wird. Daher hauchte der Herr die Jünger an und sprach "Nehmet hin den heiligen Geist" (Joh. 20/21). Und darum heißt es auch: "Jehovah Gott hauchte Adam den Atem (oder die Seele) der Leben (animam vitarum) in die Nase, und er ward zur lebendigen Seele" (1.Mose 2/7), und daß er zum Propheten sprach: "Weissage über den Geist ... und sprich zum Wind ... Komm, Geist, von den vier Winden und hauche diese Erschlagenen an, damit sie leben" (Ez. 37/9). Ähnlich lautet es an anderen Stellen.

Daher kommt, daß der Herr 'Geist der Nüstern' (spiritus narium) oder auch 'Odem des Lebens' genannt wird.

Weil die Atmung durch die Nase erfolgt, darum bezeichnet die Nase auch die Wahrnehmung und sagt man von einem verständigen Menschen, er habe eine gute und von einem unverständigen, er habe eine schlechte Nase. Aus ebendiesem Grund werden auch Geist und Wind im Hebräischen wie in einigen anderen Sprachen durch dasselbe Wort bezeichnet. Das Wort für Geist ist nämlich abgeleitet vom Wort für Beseelung; daher sagt man auch beim Tode eines Menschen, er habe seine Seele ausgehaucht. Und ferner kommt daher, daß die Menschen glauben, der Geist sei etwas Wind- oder Luftartiges, wie ein von der Lunge ausgeatmeter Hauch, und ähnliches gelte für die Seele.

Damit kann als feststehend gelten, daß "Gott lieben von ganzem Herzen und ganzer Seele" bedeutet: mit ganzer Liebe und ganzem Verstand; und "ein neues Herz und einen neuen Geist geben": einen neuen Willen und einen neuen Verstand geben. Weil der Geist den Verstand bezeichnet, darum heißt es 2. Mose 31/3, Bezaleel sei erfüllt worden mit dem Geist der Weisheit, der Einsicht und Kenntnis (scientiae), und 5. Mose 34/9, Joschua sei erfüllt worden mit dem Geist der Weisheit. Ferner sagte Nebuchadnezar bei Dan. 5/1 f und 14 inbezug auf Daniel, in ihm sei „ein vortrefflicher Geist der Wissenschaft, der Einsicht und der Weisheit“, und bei Jesaja 29/24 heißt es, „die jetzt verkehrten Sinnes sind, werden Einsicht gewinnen“. Ähnlich lautet es an vielen anderen Stellen.

*384. Alles im Gemüt bezieht sich auf Wille und Verstand, alles im Körper auf Herz und Lunge. Darum befinden sich im Haupt des Menschen zwei Gehirne, die sich voneinander unterscheiden wie Wille und Verstand. Das Kleinhirn ist vor allem zuständig für den Willen, das Großhirn vor allem für den Verstand. Auf ähnliche Weise sind auch Herz und Lunge vom übrigen Körper abgegrenzt. Diese Abgrenzung geschieht durch das Zwerchfell und die sie umgebende Hülle, das sogenannte Brustfell. Zusammen bilden sie den Körperteil, den man als Brust bezeichnet. In den anderen Körperteilen, den Gliedern, Organen und Eingeweiden, sind die beiden verbunden und erscheinen deshalb als Paare, wie die Arme und Hände, die Beine und Füße, die Augen, die Nasenlöcher. Im Leib gilt dasselbe für die Nieren, die Harnleiter, die Hoden. Die inneren Teile, die nicht aus Paaren bestehen, sind in eine rechte und eine linke Seite eingeteilt. Das gilt unter anderem für das Gehirn selbst, das aus zwei Halbkugeln besteht, für das Herz mit seinen beiden Kammern und die Lunge mit ihren beiden Flügeln. Die rechte Seite bezieht sich auf das Gute des Wahren, und die linke auf das Wahre des Guten, mit anderen Worten: die rechte Seite bezieht sich auf das Gute der Liebe, aus dem das Wahre der Weisheit hervorgeht, und die linke auf das Wahre der Weisheit aus dem Guten der Liebe. Da nun die Verbindung des Guten und Wahren gegenseitig ist und auf diese Weise zu einer Einheit wird, so wirken die genannten Gliederpaare im Menschen einheitlich zusammen in ihren Verrichtungen, Bewegungen und Empfindungen.

5. Aufgrund dieses Entsprechungsverhältnisses können viele den Willen und Verstand, mithin auch die Liebe und Weisheit betreffende Geheimnisse, aufgedeckt werden.

*385. In der Welt weiß man kaum, was der Wille und was die Liebe ist, da der Mensch nicht die Fähigkeit besitzt, von sich aus zu lieben und daher auch zu wollen, wie er doch von sich aus einsehen und denken kann. Auf ähnliche Weise kann er sein Herz nicht von sich aus zum Schlagen antreiben, während er die Lunge sehr wohl von sich aus zum Atmen bewegen kann.

Da man nun in der Welt kaum weiß, was der Wille und was die Liebe ist, wohl aber, was Herz und Lunge sind — beide sind ja für das Auge sichtbar, sodaß sie untersucht werden können, und Anatomen haben sie auch untersucht und beschrieben. Hingegen sind Wille und Verstand für das Auge unsichtbar und können daher nicht untersucht werden. Daher lassen sich, sobald man nur weiß, daß sie zueinander in einem Entsprechungsverhältnis stehen und durch Entsprechung zusammenwirken, viele Geheimnisse aufdecken, die Willen und Verstand betreffen, Geheimnisse, die sonst verborgen bleiben mußten. Zu diesen Geheimnissen gehört die Verbindung des Willens mit dem Verstand und die gegenseitige Verbindung des Verstandes mit dem Willen; des weiteren die Verbindung der Liebe mit der Weisheit und die gegenseitige Verbindung der Weisheit mit der Liebe; ferner die Fortleitung der Liebe in die Neigungen, dann die Verbindungen der einzelnen Neigungen untereinander und ihr Einfluß in die Wahrnehmungen und Gedanken und endlich, wie sie — je nach der Entsprechung — in die Handlungen und Sinnesorgane des Körpers übergehen.

Diese und viele andere Geheimnisse können entdeckt und beschrieben werden, wenn man die Verbindung von Herz und Lunge, das Einfließen des Blutes aus dem Herzen in die Lunge und umgekehrt aus der Lunge ins Herz und von da durch die Schlagadern in alle G1ieder, Organe und Eingeweide des Körpers bedenkt.

6. Das Gemüt des Menschen ist sein Geist; der Geist ist der Mensch und der Körper das äußere, mit dessen Hilfe das Gemüt oder der Geist in seiner Welt empfindet und handelt.

*386. Die Behauptung, das Gemüt des Menschen sei sein Geist und der Geist sei der Mensch selbst, kann von denen nicht so leicht akzeptiert werden, die sich vorgestellt hatten, der Geist (spiritus) sei etwas wie ein Wind und die Seele (anima) etwas Ätherartiges, ähnlich dem von der Lunge ausgeatmeten Lufthauch. Sie sagen nämlich: ,,Wie kann der Geist Mensch sein, wenn er doch Geist ist, und wie kann die Seele Mensch sein, wenn sie doch Seele ist?" Und sie wenden dies auch auf Gott an, von dem es heißt, er sei Geist.

Auf diese Vorstellung vom Geist und von der Seele sind diese Menschen gekommen, weil Geist und Wind in einigen Sprachen durch dasselbe Wort bezeichnet werden und weil man beim Tode eines Menschen sagt, er gebe seinen Geist auf oder werde entseelt; ferner sagt man auch, das Leben kehre zurück, wenn bei einem Erstickten oder in Ohnmacht Gefallenen der Hauch (spiritus) oder Atem (anima) wiederkehrt. Da sie in diesen Fällen nichts weiter beobachteten als den Atem oder Lufthauch, schlossen sie aufgrund des Zeugnisses der Augen und der körperlichen Empfindung, Geist und Seele des Menschen seien nach dem Tode nicht Mensch.

Diese materielle Beurteilung von Geist und Seele hat zu verschiedenen Hypothesen geführt, aus denen der Glaube entstand, daß der Mensch erst am Tage des jüngsten Gerichts wieder Mensch werde und sich in der Zwischenzeit irgendwo aufhalte, um die Wiedervereinigung mit seinem Körper abzuwarten, wie in der 'Fortsetzung vom jüngsten Gericht' # 32 bis 38 dargelegt wurde.

Weil das Gemüt (mens) des Menschen sein Geist ist, so werden die Engel, die ebenfalls Geister sind, auch als Gemüter bezeichnet.

*387. Die Tatsache, daß das Gemüt des Menschen sein Geist ist und der Geist der Mensch, beruht darauf, daß mit dem Begriff 'Gemüt' (mens) alles bezeichnet wird, was zum Willen und Verstand des Menschen gehört. Alle Anfänge gehen von den Gehirnen aus, alle Ableitungen aus diesen Anfängen gehen in den Körper hinein. So umfassen sie alles, was zum Menschen gehört, soweit es die Formen betrifft. Und weil das so ist, regiert das Gemüt — also Wille und Verstand — den Körper bis in alle Einzelheiten nach seinem Wink.

Tut nicht der Körper alles, was das Gemüt denkt und will? Das Gemüt spitzt das Ohr, um zu hören, richtet das Auge auf etwas, um zu sehen und bewegt Zunge und Lippen zum Sprechen. Das Gemüt setzt Hände und Finger in Bewegung, um zu tun, was ihm gefällt, oder die Füße, um zu gehen, wohin es gelangen will. Was wäre also der Körper anderes, als Gehorsam gegenüber seinem Gemüt? Und könnte er dies sein, wenn das Gemüt nicht durch seine abgeleiteten Formen in ihm gegenwärtig wäre? Wäre es dann in Übereinstimmung mit der Vernunft, zu denken, der Körper tue all dies aus Gehorsam, weil es das Gemüt so will? Wären dann nicht gewissermaßen zwei Individuen, ein oberes und ein unteres, eines, das befiehlt, und ein anderes, das darauf hört?

Da eine solche Annahme durchaus nicht mit der Vernunft übereinstimmt, muß man den Schluß ziehen, daß das Leben des Menschen — gemäß dem, was oben # 365 ausgeführt wurde — in den Gehirnen in seinen Ausgangspunkten, im Körper aber in seinen Ableitungen ist. Und ferner folgt daraus, daß das Leben im Ganzen und in jedem Teil so beschaffen ist wie in seinen Anfängen (vgl. # 366), und daß das Leben durch jene Anfänge aus jedem Teil im Ganzen und aus dem Ganzen in jedem Teil ist (# 367).

Früher wurde gezeigt, daß sich alles, was zum Gemüt gehört, auf den Willen und Verstand bezieht, welche die Aufnahmegefäße für die Liebe und Weisheit des Herrn sind, die das Leben des Menschen ausmachen.

*388. Aus alledem kann man nun auch ersehen, daß das Gemüt des Menschen der Mensch selbst ist. Denn das erste Gewebe der menschlichen Gestalt oder die menschliche Gestalt selbst mit allem, was zu ihr gehört, besteht, wie oben bereits gezeigt wurde, aus jenen Anfängen, die sich vom Gehirn aus durch die Nerven fortsetzen.

Dies ist auch die Gestalt, in die der Mensch nach dem Tode gelangt und die dann als Geist oder Engel bezeichnet wird; es ist eine menschliche Gestalt in aller Vollkommenheit, aber von geistiger Beschaffenheit. Die materielle Gestalt, die in der Welt hinzukam und darüber angezogen wurde, ist nicht die eigentliche menschliche Gestalt, sondern von ihr abgeleitet, ihr beigefügt und darübergezogen, damit der Mensch in der natürlichen Welt Nutzen schaffen und auch etwas Festes und Beständiges aus den reineren Substanzen der Natur als Behälter des Geistigen mit sich bringen und so das Leben fortsetzen und ununterbrochen weiterführen kann.

Es gehört zur Weisheit der Engel, daß das Gemüt des Menschen nicht nur im allgemeinen, sondern ebenso in allen Einzelheiten beständig zur menschlichen Form hinstrebt, weil Gott Mensch ist.

*389. Wenn der Mensch ein Mensch sein soll, dann darf kein Teil, der zum vollkommenen Menschen gehört, fehlen — weder im Haupt noch im Körper, gibt es doch dort nichts, das nicht an jener Gestalt teilhatte und sie ausmachte, da sie die Form der Liebe und Weisheit ist, die an sich betrachtet göttlich ist.

In ihr finden sich alle begrenzten Formen der Liebe und Weisheit, die im Gott-Menschen unendlich, in Gottes Bild — dem Menschen, Engel und Geist — hingegen endlich sind. Fehlte dem Menschen irgendein Teil, es wurde ihm etwas Entsprechendes von den begrenzten Formen fehlen, durch die der Herr vom Ersten aus im Letzten beim Menschen gegenwärtig sein und aus Seiner göttlichen Liebe durch Seine göttliche Weisheit die Nutzwirkungen in der erschaffenen Welt vorsehen kann.

7. Die Verbindung des Menschengeistes mit dem Körper beruht auf der Entsprechung seines Willens und Verstandes mit Herz und Lunge; die Trennung aber folgt aus der Nicht-Entsprechung.

*390. Bisher war nicht bekannt, daß das Gemüt des Menschen (bestehend aus Wille und Verstand) sein Geist ist und daß der Geist der Mensch ist. Ebenfalls nicht bekannt war, daß der Geist des Menschen ebenso wie der Körper Herzschlag und Atmung aufweist. Darum könnte man auch nicht wissen, daß Herzschlag und Atmung des Geistes im Menschen in Herzschlag und Atmung des Körpers einfließen und sie erzeugen.

Aus der Tatsache, daß sich unser Geist ebenfalls eines Herzschlags und Atems erfreut, folgt, daß auch ein ähnliches Entsprechungsverhältnis besteht zwischen Herzschlag und Atem des Geistes und des Körpers des Menschen, ist doch das Gemüt, wie gesagt, sein Geist. Hört daher die Entsprechung dieser beiden Bewegung auf, so kommt es zur Trennung, d.h. zum Tod.

Diese Trennung bzw. der Tod erfolgt, wenn der Körper durch Krankheit oder Unfall in einen Zustand gerät, in dem er nicht mehr mit seinem Geist zusammenwirken kann. Auf diese Weise ist die Entsprechung zerstört und damit die Verbindung. Dies geschieht jedoch noch nicht, wenn die Atmung aufhört, sondern erst, wenn der Herzschlag aufhört. Denn solange das Herz schlägt, bleibt die Liebe mit ihrer Lebenswärme und hält das Leben aufrecht. Man sieht dies bei Ohnmachten und Erstickungen sowie am Lebenszustand der Embryos im Mutterleib.

Kurz, das Leben des menschlichen Leibes ist abhängig von der Entsprechung seines Herzschlags und seiner Atmung mit Herzschlag und Atmung seines Geistes. Hört diese Entsprechung auf, so hört auch das Leben des Körpers auf, der Geist entweicht und setzt sein Leben in der geistigen Welt fort. Dieses Leben aber ist seinem Leben in der natürlichen Welt derart ähnlich, daß er zuerst nicht weiß, daß er abgeschieden ist. Die meisten Menschen sind zwei Tage nach dem Tode des Körpers in der geistigen Welt, habe ich doch mit etlichen von ihnen zwei Tage nach ihrem Tode gesprochen.

*391. Allein die Geister und Engel können einem Menschen, dem es gestattet wird, mit ihnen zu reden, die Tatsache bestätigen, daß sich der Geist ebenso des Herzschlags und der Atmung erfreut wie der irdische Körper des Menschen. Mir wurde dies gestattet, und auf meine dies bezügliche Frage haben sie mir geantwortet, daß sie geradeso Menschen seien wie die Menschen in der Welt und sich wie sie eines Körpers erfreuen, freilich eines geistigen, und daß sie ihren Herzschlag in der Brust und den Puls am Handgelenk ebenso fühlen könnten, wie die Menschen in der natürlichen Welt. Ich habe viele hierüber befragt, und sie antworteten alle das gleiche.

Ich habe aber auch durch eigene Erfahrung feststellen können, daß der Geist des Menschen in seinem Körper atmet. Engeln wurde nämlich einst gestattet, meine Atmung zu leiten und nach Belieben schwächer werden zu lassen, um sie zuletzt soweit zurückzuziehen, daß allein die Atmung meines Geistes übrig blieb, die ich dann sinnlich wahrnehmen könnte. Ähnliches ging mit mir vor, als mir gestattet wurde, an mir selbst den Zustand der Sterbenden zu erfahren. Man vergleiche im Werk 'Himmel und Hölle' # 449.

Einige Male wurde ich auch in den Zustand versetzt, wo nur noch mein Geist atmete, was ich dann als übereinstimmend mit dem gemeinsamen Atmen des Himmels sinnlich wahrnahm. Häufig war ich auch im gleichen Zustand wie die Engel und wurde auch zu ihnen in den Himmel erhoben. Ich war dann im Geist außerhalb meines Körpers und sprach mit ihnen, wobei ich Atem holte, ebenso wie in der Welt.

Diese und andere lebendige Beweise machten mir deutlich, daß der Geist des Menschen nicht nur im Körper atmet, sondern auch noch nachher, wenn er den Körper verlassen hat. Ferner, daß die Atmung des Geistes so leise ist, daß sie vom Menschen nicht empfunden wird, und daß sie in die wahrnehmbare Atmung des Körpers einfließt — kaum anders als die Ursache in die Wirkung und das Denken in die Lunge und durch die Lunge in die Sprache.

Aus alledem wird klar, daß der Zusammenhang von Geist und Körper beim Menschen durch die Entsprechung des Herzschlags und der Atmung in beiden zustandekommt.

*392. Beide Bewegungen, die des Herzens und die der Lunge, entstehen und bestehen dadurch, daß diese beiden lebenswichtigen Bewegungen im ganzen Engelshimmel ausgeführt werden, und zwar im allgemeinen wie im besonderen. Dem ist so, weil der Herr dies aus der Sonne, in der er selbst ist und die von ihm stammt, eingibt. Denn diese Sonne bringt beide Bewegungen aus dem Herrn hervor. Da nun alles im Himmel und in der Welt durch jene Sonne vom Herrn in einem Zusammenhang und einer Form abhängt als ein Werk, das zusammengefügt ist wie eine Kette, die vom Ersten herabreicht bis zum Letzten, und da das Leben der Liebe und Weisheit von Gott stammt und alle Kräfte im Weltall von diesem Leben herrühren, so liegt am Tage, daß es keinen anderen Unsprung gibt.

Eine Folge hiervon ist, daß die Variationen dieser Bewegungen gemäß der Aufnahme von Liebe und Weisheit erfolgen.

*393. Über die Entsprechung dieser Bewegungen wollen wir im folgenden mehr sagen. Etwa, wie diese Entsprechung bei denen beschaffen ist, die mit dem Himmel atmen und wie bei denen, die mit der Hölle atmen; ferner, wie sie bei denen ist, die mit dem Himmel reden, aber mit der Hölle denken, also bei den Heuchlern, Schmeichlern, Gleisnern und anderen mehr.

Anhand der Entsprechung des Herzens mit dem Willen und des Verstandes mit der Lunge läßt sich alles erkennen, was vom Willen und Verstand oder von der Liebe und Weisheit, mithin von der Seele des Menschen, zu erkennen möglich ist.

*394. In der gelehrten Welt haben sich viele mit Untersuchungen über die Seele abgemüht. Da sie aber nichts von der geistigen Welt und vom Zustand des Menschen nach dem Tode wußten, konnten sie nur Hypothesen darüber aufstellen, Hypothesen jedoch nicht über die Beschaffenheit der Seele, sondern über ihre Einwirkung auf den Körper. Von der Beschaffenheit der Seele konnten sie sich keine andere Vorstellung machen als daß sie etwas überaus Reines im Äther sei und von etwas Ätherischem umhüllt sei.

Doch wagten sie nicht, viel darüber zu äußern, um der Seele ja nicht etwas Natürliches zuzuschreiben, weil sie wußten, daß die Seele geistig ist. Da sie nun eine solche Vorstellung von der Seele hatten und ihnen bekannt war, daß die Seele im Körper wirkt und alles in ihm hervorbringt, was sich auf seine Empfindung und Bewegung bezieht, mühten sie sich, wie gesagt, mit Untersuchungen darüber ab, auf welche Art die Seele auf den Körper einwirkt. Einige behaupteten, diese Einwirkung geschehe durch einen Einfluß andere, sie beruhe auf einer (prästabilierten) Harmonie.

Auf diese Weise war aber nichts entdeckt, womit sich der Geist, der erkennen will, ob etwas so ist, hätte beruhigen können. Darum ist mir gewährt worden, mit den Engeln zu reden und aus ihrer Weisheit in dieser Frage Erleuchtung zu erlangen. Es handelt sich um folgendes: Die Seele des Menschen, die nach dem Tode lebt, ist sein Geist. Dieser aber ist Mensch in vollkommener Gestalt. Seine Seele besteht aus Wille und Verstand, und deren Seele wiederum ist Liebe und Weisheit vom Herrn, die das Leben des Menschen ausmachen. So ist das Leben allein vom Herrn. Dieser wiederum bewirkt, damit er vom Menschen aufgenommen werden kann, daß diesem das Leben als sein eigen erscheint.

Aber damit der Mensch sich das Leben dennoch nicht als sein Eigentum zuschreibt und sich so der Aufnahme Gottes entzieht, hat Gott auch gelehrt, daß alles, was zur Liebe gehört und was man das Gute nennt, sowie alles, was zur Weisheit gehört und was man das Wahre nennt, von Ihm allein und nicht vom Menschen stammt; und weil diese beiden das Leben ausmachen, alles Leben, das wirklich Leben ist, von Ihm stammt.

*395. Da die Seele ihrem eigentlichen Sein nach Liebe und Weisheit ist, die beide ihren Ursprung im Herrn haben, sind dem Menschen zwei Aufnahmegefäße anerschaffen, die auch als des Herrn Wohnungen beim Menschen gelten. Das eine, der Wille, dient der Aufnahme der Liebe, das andere, der Verstand, dient der Aufnahme der Weisheit.

Im Herrn sind Liebe und Weisheit unterscheidbar eins (vgl. oben # 17-22), die göttliche Liebe gehört Seiner göttlichen Weisheit an und umgekehrt die göttliche Weisheit seiner göttlichen Liebe (vgl. # 34-39). Beide gehen auch in gleicher Weise aus dem Gott-Menschen, d.h. vom Herrn, hervor. Darum hat der Herr die beiden Aufnahmegefäße oder Wohnungen im Menschen, also Wille und Verstand, so geschaffen, daß sie zwar deutlich zwei sind, gleichwohl aber eins ausmachen bei jeder Handlung und Empfindung. Sie können dabei nicht geschieden werden.

Damit nun aber der Mensch Aufnehmer und Wohnstätte werden könne, ist die zu diesem Zweck notwendige Einrichtung getroffen worden, daß der Verstand des Menschen über seine eigene Liebe hinaus in ein Licht der Weisheit erhoben werden kann, für das er (noch) keine Liebe empfindet. Dadurch kann er sehen und belehrt werden, wie er leben mußte, um auch in diese Liebe zu kommen und so die ewige Seligkeit zu genießen.

Der Mensch hat jedoch seine Fähigkeit, den Verstand über seine eigene Liebe zu erheben, mißbraucht. Damit hat er bei sich das, was Aufnahmegefäß und Wohnstätte des Herrn, das heißt der Liebe und Weisheit vom Herrn hätte sein können, zerstört, indem er seinen Willen zum Hort der Eigen- und Weltliebe machte und seinen Verstand zum Hort für die Rechtfertigung dieser Grundtriebe. Das ist der Grund, weshalb diese beiden Wohnstätten, Wille und Verstand, zur Wohnstätte der höllischen Liebe und durch die Rechtfertigung dieser Liebe auch zur Wohnstätte des höllischen Denkens geworden sind, das von den Bewohnern der Hölle für Weisheit gehalten wird.

*396. Eigen- und Weltliebe sind aber deshalb höllische Grundtriebe geworden, in die der Mensch geraten und so Wille und Verstand bei sich zerstören konnte, weil Eigenliebe und Weltliebe von der Schöpfung her eigentlich himmlisch sind. Sie sind es aber darum, weil sie die Grundtriebe des Menschen sind, die seinen geistigen Neigungen auf ähnliche Art dienen, wie etwa die Grundmauern den Häusern und Wohnungen. Denn Eigen- und Weltliebe bewirken, daß der Mensch seinem eigenen Körper wohl will, sich ernährt und kleidet, eine Wohnung erstrebt, für sein Haus sorgt, sich für Ämter bewirbt, um Nutzen zu schaffen, ja geehrt werden will und Gehorsam verlangt, je nach der Würde seines Amtes. Auch an den Freuden der Welt kann er teilhaben und sich erholen — doch all dies um des Endzwecks willen, der die Nutzwirkung sein soll. Denn all dies setzt ihn überhaupt erst in den Stand, dem Herrn und seinem Mitmenschen zu dienen. Wenn jedoch keine Liebe vorhanden ist, dem Herrn und dem Nächsten zu dienen, sondern nur die Liebe, sich mithilfe der Welt selbst zu dienen, dann wird aus der himmlischen eine höllische Liebe, die verursacht, daß der Mensch Geist und Gemüt in sein Eigenes versenkt, das in sich durchaus böse ist.

*397. Der Mensch kann mit dem Verstand im Himmel und mit dem Willen in der Hölle sein, also ein gespaltenes Gemüt haben. Nach dem Tode wird daher all das, was in seinem Verstand das Niveau seiner eigenen Liebe übersteigt, entfernt. So kommt es, daß Wille und Verstand schließlich bei allen in Übereinstimmung wirken. Der Wille derer, die im Himmel sind, liebt das Gute und ihr Verstand denkt das Wahre, der Wille derer hingegen, die in der Hölle sind, liebt das Böse und ihr Verstand denkt das Falsche.

Ähnlich macht es der Mensch in der Welt, wenn er für sich allein ist und aus seinem eigenen Geist heraus denkt, obgleich viele auch anders denken, wenn sie nicht allein sind, weil sie dann ihren Verstand über die eigene Liebe ihres Willens oder ihres Geistes erheben.

Diese Dinge wurden erwähnt, damit man zur Kenntnis nehme, daß Wille und Verstand unterschiedlicher Art sind, gleichwohl aber geschaffen wurden, um in Übereinstimmung miteinander zu wirken. Wenn es dazu nicht schon vorher kommt, so werden sie doch nach dem Tode dazu gebracht.

*398. Liebe und Weisheit, somit Wille und Verstand sind also das, was man als Seele bezeichnet. Im Folgenden soll dargelegt werden, wie die Seele auf den Körper wirkt und alles in ihm arbeiten läßt. Dies aber läßt sich aus dem Entsprechungsverhältnis des Herzens mit dem Willen und der Lunge mit dem Verstand erschließen, wie folgende Punkte zeigen:

  1. Die Liebe bzw. der Wille ist das eigentliche Leben des Menschen.

  2. Die Liebe bzw. der Wille strebt unausgesetzt zur menschlichen Form und allem, was zu ihr gehört.

  3. Ohne die Ehe mit der Weisheit bzw. dem Verstand kann die Liebe bzw. der Wille durch seine menschliche Form nichts ausrichten.

  4. Die Liebe bzw. der Wille bereitet für die zukünftige Gattin, die Weisheit bzw. den Verstand, eine Wohnung oder ein Brautgemach zu.

  5. Die Liebe bzw. der Wille trifft auch innerhalb seiner menschlichen Form alle Vorbereitungen, um in Verbindung mit der Weisheit bzw. dem Verstand handeln zu können.

  6. Wenn die Vermahlung zustande gekommen ist, so geschieht die erste Verbindung durch die Wißbegierde, der die Neigung zur Wahrheit folgt.

  7. Die zweite Verbindung geschieht durch die Neigung zur Einsicht, der ein Innewerden des Wahren entspringt.

  8. Die dritte Verbindung geschieht durch die Neigung, das Wahre zu schauen, aus dem das Denken hervorgeht.

  9. Durch die se drei Verbindungen gelangt die Liebe bzw. der Wille zu seinem bewußten und aktiven Leben (in sua vita sensitiva et in sua vita activa sit).

  10. Die Liebe bzw. der Wille fuhrt die Weisheit bzw. den Verstand in alle Teile seiner Wohnung ein.

  11. Die Liebe bzw. der Wille tut nichts, es sei denn in Verbindung mit der Weisheit bzw. dem Verstand.

  12. Die Liebe bzw. der Wille verbindet sich mit der Weisheit bzw. dem Verstand und bewirkt, daß die Verbindung wechselseitig ist.

  13. Aufgrund der ihr von seiten der Liebe bzw. des Willens verliehenen Macht kann die Weisheit bzw. der Verstand erhoben werden und das aufnehmen und innewerden, was Gegenstand des Lichts aus dem Himmel ist.

  14. In gleicher Weise kann auch die Liebe bzw. der Wille erhoben werden und innewerden, was Gegenstand der himmlischen Wärme ist, wenn er seine Gattin in diesem Grade liebt.

  15. Zudem zieht die Liebe bzw. der Wille die Weisheit bzw. Verstandestätigkeit von ihrer Erhebung zurück, damit sie in Übereinstimmung mit ihr wirke.

  16. Die Liebe bzw. der Wille wird von der Weisheit im Verstand gereinigt, wenn sie gleichzeitig erhoben werden.

  17. Die Liebe bzw. der Wille wird im und durch den Verstand verunreinigt, wenn sie nicht gleichzeitig erhoben werden.

  18. Die von der Weisheit im Verstand gereinigte Liebe wird geistig und himmlisch.

  19. Die im Verstand und von diesem verunreinigte Liebe wird natürlich und sinnlich.

  20. Die Fähigkeit zur Einsicht, Vernunft genannt, und Fähigkeit zu handeln, Freiheit genannt, bleiben gleichwohl erhalten.

  21. Die geistige und himmlische Liebe ist die Liebe zum Nächsten und die Liebe zum Herrn, die natürliche und sinnliche aber die Liebe zur Welt und zu sich selbst.

  22. Mit der Nächstenliebe und dem Glauben und ihrer Verbindung verhält es sich ebenso wie mit dem Willen und Verstand und ihrer Verbindung.

1. Die Liebe bzw. der Wille ist das eigentliche Leben des Menschen.

*399. Dies ergibt sich aus der Entsprechung des Herzens mit dem Willen, wovon oben # 378-381 die Rede war. Denn wie das Herz im Körper tätig ist, so der Wille im Gemüt. Und wie alle Körperteile in ihrem Bestehen und ihrer Bewegung vom Herzen abhängen, so alle Einzelheiten des Gemüts in ihrem Bestehen und Leben vom Willen. Wir sagen: vom Willen, verstehen jedoch darunter die Liebe, weil der Wille das Aufnahmegefäß der Liebe und die Liebe das eigentliche Leben ist (vgl. oben # 1-3), und weil die Liebe, die das eigentliche Leben ist, allein vom Herrn stammt. Am Herzen und seiner Wirkung auf den gesamten Körper mithilfe der Arterien und Venen kann man erkennen, daß die Liebe bzw. der Wille das Leben des Menschen ist. Dies folgt daraus, daß einander entsprechende Dinge auf gleiche Weise tätig sind, freilich mit dem Unterschied, daß eines auf natürliche, das andere auf geistige Weise geschieht. Die Anatomie zeigt, wie das Herz im Körper tätig ist. Alles lebt oder gehorcht dem Leben, was der Einwirkung des Herzens und der von ihm ausgehenden Gefäße unterliegt, während alles, was dieser Einwirkung entzogen ist, nicht lebt. Zudem ist das Herz auch als das Erste und Letzte im Körper tätig, wie man an den Embryonen sieht, bei denen es das Erste ist und an den Sterbenden, bei denen es das Letzte ist. Daß das Herz auch ohne Mitwirkung der Lunge tätig sein kann, zeigt sich bei Erstickungen und Ohnmachten. Daraus läßt sich ersehen, daß wie das untergeordnete Leben des Körpers (vita corporis succenturiata) allein vom Herzen abhängt, so das (übergeordnete) Leben des Gemüts allein vom Willen, und daß der Wille beim Aufhören des Denkens noch ebenso lebendig ist, wie das Herz beim Stillstand der Atmung. Auch das wird deutlich an Embryonen, Sterbenden, Erstickten und Ohnmächtigen. Aus alledem folgt, daß die Liebe bzw. der Wille das eigentliche Leben des Menschen ist.

2. Die Liebe bzw. der Wille strebt unausgesetzt zur menschlichen Form und allem, was zu ihr gehört.

*400. Dies zeigt sich anhand der Entsprechung zwischen Herz und Wille, ist doch bekannt, daß alle Körperteile in der Gebärmutter gebildet werden, und zwar durch Fasern, die von den Gehirnen und durch Blutgefäße, die vom Herzen ausgehen. So weiß man, daß die Gewebe aller Organe und Eingeweide aus diesen beiden Elementen gebildet werden. Damit liegt vor Augen, daß alles im Menschen aus dem Leben des Willens bzw. der Liebe sein Dasein hat, ausgehend von seinen Anfängen im Gehirn durch die Fiber. Ebenso klar ist damit, daß alles im Körper des Menschen sein Dasein hat aus dem Herzen durch die Arterien und Venen.

Also ist offenbar, daß das Leben, also die Liebe bzw. der Wille unausgesetzt zur menschlichen Form hinstrebt. Und da die menschliche Form aus all dem zusammengesetzt ist, was im Menschen ist, so folgt, daß die Liebe bzw. der Wille ständig bestrebt und bemüht ist, all dies zu gestalten. Dieses Streben zur menschlichen Form beruht darauf, daß Gott Mensch ist und die göttliche Liebe samt der göttlichen Weisheit Sein Leben ist, dem alles Leben entspringt.

Ein jeder kann erkennen, daß nichts von alledem, was im Menschen ist, hätte gebildet werden können, wirkte nicht das Leben, das der Mensch selbst ist, auf das ein, was an sich leblos ist. Millionen Dinge im Menschen, die eins ausmachen und Hand in Hand dabei zusammenwirken, formen das Bild des Lebens, aus dem sie stammen, und streben danach, den Menschen zu einem Aufnahmegefäß und zu einer Wohnstätte des (wahren) Lebens zu machen.

Von hier aus kann man sehen, daß die Liebe und aus der Liebe der Wille und aus dem Willen das Herz beständig zur menschlichen Form hinstrebt.

3. Ohne die Ehe mit der Weisheit bzw. dem Verstand kann die Liebe bzw. der Wille durch seine menschliche Form nichts ausrichten.

*401. Auch dies wird aufgrund der Entsprechung des Herzens mit dem Willen klar: Der menschliche Embryo lebt mit dem Herzen, nicht mit der Lunge. In diesem Zustand nämlich fließt kein Blut in die Lunge ein, um sie zur Atmung zu befähigen, vielmehr fließt es durch eine Öffnung in die linke Herzkammer. Deshalb kann der Embryo noch nichts an seinem Körper (bewußt) bewegen, liegt er doch gleichsam eingewickelt da, und er kann auch noch nichts (bewußt) empfinden, weil seine Sinnesorgane noch verschlossen sind. Dasselbe gilt für die Liebe bzw. die Willenstätigkeit, aus der er immerhin lebt, aber im Dunkeln, das heißt ohne Empfindung und Tätigkeit. Gleich nach der Geburt aber, wenn die Lunge geöffnet wird, fängt er an zu empfinden und tätig zu sein und ebenso auch zu wollen und zu denken.

Von da aus ergibt sich die Feststellung, daß die Liebe bzw. der Wille ohne die Ehe mit der Weisheit bzw. dem Verstand durch ihre menschliche Form nichts ausrichten kann.

4. Die Liebe bzw. der Wille bereitet für die zukünftige Gattin, die Weisheit bzw. den Verstand, eine Wohnung oder ein Brautgemach zu.

*402. Im ganzen erschaffenen Weltall wie in seinen einzelnen Teilen besteht eine Ehe des Guten und Wahren. Dies beruht darauf, daß das Gute der Liebe und das Wahre der Weisheit zugehört, die beide im Herrn sind, aus dem alles erschaffen wurde.

Wie sich diese Ehe im Menschen zeigt, läßt sich aus der Verbindung von Herz und Lunge wie im Spiegel erkennen. Denn das Herz entspricht der Liebe oder dem Guten und die Lunge der Weisheit oder dem Wahren, wie oben # 378-381 und 382-384 ausgeführt wurde. Anhand dieser Verbindung kann man erkennen, wie die Liebe bzw. der Wille die Weisheit bzw. die Verstandestätigkeit mit sich verlobt und sie nachher heimführt und gleichsam eine Ehe mit ihr eingeht. Er verlobt sich mit ihr dadurch, daß er das Haus bzw. die Brautkammer für sie bereitet, und er führt sie heim dadurch, daß er sie durch Neigungen mit sich verbindet und hernach in jenem Haus zusammen mit ihr als Weisheit tätig ist.

Diese Tatsache läßt sich nicht völlig beschreiben, es sei denn in geistiger Sprache. Denn Liebe und Weisheit, somit auch Wille und Verstand, sind etwas Geistiges. Einiges läßt sich zwar auch in der natürlichen Sprache ausdrücken, aber nur zu dunkler Wahrnehmung bringen, weil man in Unkenntnis darüber ist, was man unter Liebe und Weisheit, unter den Neigungen zum Guten und zur Weisheit sowie zum Wahren zu verstehen hat.

Und doch läßt sich die Art der Verlobung und der Ehe zwischen Liebe und Weisheit bzw. Wille und Verstand an dem Parallelismus ersehen, der aufgrund der Entsprechung derselben mit Herz und Lunge besteht. Die beiden Verhältnisse sind so ähnlich, daß gar kein Unterschied besteht, nur daß das eine geistig und das andere natürlich ist.

Was Herz und Lunge betrifft, so steht fest, daß das Herz zuerst die Lunge bildet, um sich dann mit ihr zu verbinden. Das Herz bildet die Lunge im Embryo und verbindet sich mit ihr nach der Geburt. Dies geschieht im Haus des Herzens, in der Brust, in der sie zusammenwohnen, von den übrigen Körperteilen abgesondert durch die Scheidewand des Zwerchfells und die Hülle des Brustfells. Ähnliches gilt für Liebe und Weisheit bzw. Wille und Verstand.

5. Die Liebe bzw. der Wille trifft innerhalb seiner menschlichen Form alle Vorbereitungen, um in Verbindung mit der Weisheit bzw. dem Verstand handeln zu können.

*403. Wir sprechen zwar von Wille und Verstand, aber man beachte wohl, daß der Wille der ganze Mensch ist. Der Wille zusammen mit dem Verstand ist nämlich in den Gehirnen in seinen Anfängen und im Körper in seinen Ableitungen, folglich im Ganzen wie in jedem Teil. Dies ist oben # 365-367 gezeigt worden. So läßt sich feststellen, daß der Wille der ganze Mensch hinsichtlich seiner eigentlichen Form, sowohl im Ganzen wie im Einzelnen ist, während die Verstandestätigkeit seine Gefährtin darstellt, ebenso wie die Lunge die Gefährtin des Herzens. Man hüte sich also davor, sich den Willen als etwas von der menschlichen Form Getrenntes vorzustellen — er ist ebendiese.

Hieraus kann man nicht nur ersehen, wie der Wille das Brautgemach für den Verstand vorbereitet, sondern auch, wie er alles in seinem Hause, das heißt im ganzen Leib vorbereitet, um in Verbindung mit dem Verstand handeln zu können. Es geschieht so, daß alles und jedes im Körper mit dem Verstand verbunden wird, wie es mit dem Willen verbunden ist bzw. daß alles und jedes im Körper dem Verstand gehorcht, wie es dem Willen gehorcht.

In welcher Weise alles und jedes im Körper zur Verbindung mit dem Verstand wie mit dem Willen vorbereitet wird, läßt sich nur wie im Spiegel oder Bilde aus der Anatomie ersehen. Sie lehrt uns, wie alles im Körper miteinander verknüpft ist, z.B. daß beim Atemholen der Lunge alles und jedes im Körper in Bewegung gerät, während es gleichzeitig auch vom Herzen aus bewegt wird. Aus der Anatomie ist auch bekannt, daß das Herz mit der Lunge verbunden ist durch die Aurikeln, die bis ins Innere der Lunge hineinreichen. Ferner weiß man, daß alle Eingeweide des Körpers durch Bänder mit dem Brustgewölbe verbunden sind, und zwar so, daß sich bei der Atmung der Lunge allem und jedem im Ganzen wie im Einzelnen etwas von der Atembewegung mitteilt. Denn wenn sich die Lunge ausdehnt, dehnen die Rippen die Brust aus, das Brustfell erweitert sich, das Zwerchfell erweitert sich, und damit werden auch alle darunter liegenden Körperteile, die mittels der von ihnen ausgehenden Bänder miteinander verknüpft sind, durch die Lunge in eine gewisse Tätigkeit versetzt. Ich will nicht weitergehen, damit nicht die der Anatomie Unkundigen aus Unkenntnis der Terminologie dieser Wissenschaft verwirrt werden.

Man befrage die Fachleute, die tiefer in die Anatomie eingedrungen sind, ob nicht alles im Körper, von der Brust herab bis zum Untersten so miteinander verknüpft ist, daß beim Einatmen, also bei der Ausdehnung der Lunge, alles und jedes angeregt wird, mit der Lungentätigkeit gleichen Schritt zu halten.

Aus alledem geht hervor, auf welche Weise der Wille die Verbindung der Verstandestätigkeit mit allen Einzelheiten der menschlichen Form vorbereitet. Man untersuche nur die Verknüpfungen und betrachte sie mit den Augen des Anatomen. Dann achte man, indem man den Verknüpfungen nachgeht, auf ihr Zusammenwirken mit der atmenden Lunge und dem Herzen und stelle sich statt der Lunge den Verstand und statt des Herzens den Willen vor, so wird man es sehen.

6. Wenn die Vermählung zustande gekommen ist, so geschieht die erste Verbindung durch die Wißbegierde, der die Neigung zur Wahrheit folgt.

*404. Mit der Vermählung bezeichnen wir den Zustand des Menschen nach der Geburt, angefangen beim Zustand der Unwissenheit bis zur Verständigkeit und schließlich zur Weisheit. Der erste Zustand, der der völligen Unwissenheit, wird hier nicht zur Vermählung gezählt, weil in ihm noch kein Denken des Verstandes stattfindet, sondern nur eine dunkle Regung, die Teil der Liebe oder des Willens ist. Dieser Zustand ist daher eine Einleitung zur Vermählung.

Wenn der Mensch in den zweiten Zustand gelangt, den der Kindheit, so zeigt sich bei ihm bekanntlich die Wißbegierde. Durch sie lernt das Kind sprechen und lesen und später nach und nach vieles, was seinen Verstand aufbaut. Man kann nicht bezweifeln, daß dies durch die Liebe des Willens bewirkt wird. Ohne ihren Antrieb würde es nicht geschehen.

Jeder, der seine Erfahrungen vernünftig auswertet, wird anerkennen müssen, das sich bei jedem Menschen nach der Geburt Wißbegierde zeigt und daß er durch sie lernt, was den Verstand stufenweise bildet, mehrt und vervollkommnet. Offensichtlich ist auch, daß hieraus die Neigung zur Wahrheit resultiert. Denn sobald der Mensch durch seine Wißbegierde verständig geworden ist, läßt er sich nicht mehr so sehr durch die Liebe zum Wissen leiten, sondern durch die Neigung zum Denken und Erschließen dessen, was seine Liebe berührt, handle es sich nun dabei um wirtschaftliche, bürgerliche oder sittliche Angelegenheiten. Erhebt sich aber diese Neigung bis zu den geistigen Dingen, so wird daraus die Liebe des geistig Wahren.

Ihr Beginn, die einleitende Phase, war die Wißbegierde, wie man daraus ersehen kann, daß die Neigung zur Wahrheit eine erhöhte Wißbegierde ist. Vom Wahren angeregt werden, bedeutet ja, es aus Neigung wissen wollen und es, wenn man es gefunden hat, mit Lust aufnehmen.

7. Die zweite Verbindung geschieht durch die Neigung zur Einsicht, der ein Innewerden der Wahrheit entspringt.

*404. Dies ist für jeden klar, der es im Licht der Vernunft betrachten will. Die vernünftige Anschauung zeigt, daß die Neigung zur Wahrheit und das Erfassen der Wahrheit zwei Fähigkeiten des Verstandes sind, die bei manchen Menschen übereinstimmen, bei anderen nicht. Sie stimmen bei denen überein, die danach trachten, die Wahrheiten mit dem Verstand zu erfassen, und bei denen nicht, die sie nur wissen wollen.

Es leuchtet auch ein, daß jeder nur soweit das Wahre erfaßt, als er die Neigung hat, es zu verstehen. Denn sobald man die Neigung zum Verstehen des Wahren wegnimmt, hört auch dessen Erfassen auf. Sobald man aber eine Neigung zum Verstehen des Wahren vermittelt, wird auch ein entsprechendes Erfassen da sein, und zwar je nach dem Grad der Neigung. Denn keinem Menschen von gesunder Vernunft mangelt es an der Erkenntnis des Wahren, vorausgesetzt er hat die Neigung dazu.

Oben wurde dargelegt, daß jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, das Wahre einzusehen, eine Fähigkeit, die man als Vernunft bezeichnet.

8. Die dritte Verbindung geschieht durch die Neigung, das Wahre zu schauen, aus dem das Denken hervorgeht.

*404. Wer die verschiedenen Gemütstätigkeiten nicht klar unterscheiden kann, wird nur undeutlich wahrnehmen, daß die Wißbegierde, die Neigung, das Wahre einzusehen und die Neigung, es zu schauen verschiedene Dinge sind. Es ist aber augenscheinlich für die, die sie deutlich unterscheiden können. Der Grund, weshalb es diejenigen nur undeutlich wahrnehmen, welche die Gemütstätigkeiten nicht deutlich unterscheiden, ist der, daß diese Tätigkeiten im Denken derer, die in der Neigung zur Wahrheit sind und das Wahre innewerden, gleichzeitig erfolgen. Infolge dieser Gleichzeitigkeit lassen sie sich nicht unterscheiden.

Der Mensch ist in offenen Gedanken (in cogitatione manifesta est), wenn sein Geist im Körper denkt, was vor allem dann geschieht, wenn er in Gesellschaft anderer Menschen ist. Ist er jedoch von der Neigung zur Einsicht erfüllt und gelangt dadurch zum Erfassen des Wahren, so ist er im Denken seines Geistes, dem Nachdenken (meditatio). Dies steigt zwar herab in das Denken, das sich im Körper vollzieht, aber nur leise. Es ist höher als dasselbe und blickt auf das Denken aus dem Gedächtnis als auf etwas unter ihm Befindliches herab, denn es macht Gebrauch von ihm entweder dadurch, daß es Schlüsse aus ihm zieht oder es begründet. Die eigentliche Neigung zum Wahren hingegen kommt nicht zum Bewußtsein, es sei denn als ein Streben des Willens aufgrund eines gewissen Vergnügens, das inwendig im Nachdenken gleichsam als dessen Leben verborgen liegt und auf das wenig geachtet wird.

Hieraus ist zu entnehmen, daß diese drei, die Neigung zum Wahren, das Innewerden des Wahren und das Denken, der Ordnung nach aus der Liebe folgen und daß sie nur im Verstand zur Erscheinung kommen. Wenn nämlich die Neigung in den Verstand eingeht — und das geschieht, wenn die Verbindung zustande gekommen ist —, so bringt sie zuerst die Neigung zum Wahren hervor, sodann die Neigung, das Gewußte zu verstehen und schließlich die Neigung, das Verstandene auch im Denken des Körpers zu schauen. Das Denken ist nämlich nichts anderes als ein inneres Schauen.

Ein gewisses Denken erscheint, weil es sich im natürlichen Gemüt abspielt, zuerst. Das Denken aufgrund der Erkenntnis des Wahren, das der Neigung zum Wahren entspringt, erscheint erst zuletzt. Es handelt sich dabei um das Denken der Weisheit, während das Erstere ein Denken aus dem Gedächtnis mittels des Sehens des natürlichen Gemüts ist.

Alle Tätigkeiten der Liebe oder des Willens, die nichts mit dem Verstand zu tun haben, beziehen sich auf die Neigungen zum Guten und nicht auf die Neigungen zum Wahren.

*405. Der vernünftige Mensch kann zwar begreifen, daß diese drei gedanklichen Tätigkeiten aufgrund der Liebe des Willens im Verstand in ihrer Ordnung aufeinander folgen, aber er kann es doch nicht klar erkennen und soweit begründen, daß er es glaubt.

Nun wurde oben dargelegt, daß die Liebe als Eigentümlichkeit des Willens aufgrund ihrer Entsprechung mit dem Herzen zusammenwirkt, die Weisheit als Eigentümlichkeit des Verstandes aber mit der Lunge. Darum läßt sich das, was soeben in # 404 über die Liebe zur Wahrheit, das Verständnis der Wahrheit und über das Denken gesagt wurde, an nichts deutlicher machen und bestätigen, als an der Lunge und ihrer Werkstatt. Diese seien daher hier kurz beschrieben.

Das Herz entsendet nach der Geburt aus seiner rechten Kammer Blut in die Lunge. Nach dem Durchgang durch die Lunge leitet es das Blut in seine linke Kammer und Öffnet so die Lunge. Dies bewirkt das Herz mithilfe der Lungenarterien und Lungenvenen.

Die Bronchien der Lunge verzweigen sich und gehen schließlich in die Bläschen über, durch die die Lunge Luft aufnehmen und Atem holen kann. Die Bronchien samt ihren Verzweigungen sind auch von Arterien und Venen umgeben, den sogenannten Bronchialarterien und -venen, die aus der unpaarigen oder Hohlvene und Aorta (oriundae ex azyga seu vena cava et aorta) entspringen. Diese Arterien und Venen unterscheiden sich von den Lungenarterien und -venen. Dies zeigt, daß das Blut auf zwei Wegen in die Lunge hinein- und auch wieder herausfließt. Damit hängt es zusammen, daß die Lunge atmen kann, ohne mit dem Herzen gleichen Schritt halten zu müssen. Es ist bekannt, daß Herz- und Lungenrhythmus nicht zusammenfallen.

Da nun, wie gesagt, eine Entsprechung von Herz und Lunge mit Wille und Verstand besteht und die Verbindung durch die Entsprechung so beschaffen ist, das sich bei seiner Tätigkeit das eine wie das andere verhält, so ist am Einströmen des Blutes aus dem Herzen in die Lunge zugleich zu ersehen, wie der Wille in den Verstand einfließt und bewirkt, was oben (# 404) über die Liebe und das Erfassen des Wahren sowie über das Denken ausgeführt wurden. Die Entsprechung hat es mir verraten, zusammen mit vielen anderen Einzelheiten, die nicht in Kurze beschrieben werden können.

Da nun die Neigung oder der Wille dem Herzen und die Weisheit oder der Verstand der Lunge entspricht, so ergibt sich, daß die Blutgefäße des Herzens in der Lunge den Neigungen zum Wahren entsprechen, die Verästelungen der Bronchien in der Lunge hingegen den Erkenntnissen und Gedanken aus jenen Neigungen. Wer das ganze Lungengewebe von jenen Ursprüngen her verfolgt und eine Parallele herstellt zur Neigung des Willens und zur Weisheit des Verstandes, kann das, was oben in # 404 gezeigt wurde, gewissermaßen im Bilde sehen und sich bis hin zum Glauben überzeugen. Doch da nur wenige über die nötigen anatomischen Kenntnisse von Herz und Lunge verfügen und die Begründung eines Tatbestands durch Unbekanntes nicht zur Erhellung beiträgt verzichte ich darauf, noch weitere Parallelen nachzuweisen.

9. Durch diese drei Verbindungen gelangt die Liebe bzw. der Wille zu seinem bewußten und aktiven Leben.

*406. Die Liebe könnte ohne Verstand und die Neigung der Liebe ohne Denken des Verstandes im Körper weder empfinden noch handeln. Das ergibt sich daraus, daß die Neigung ohne Verstand sozusagen blind ist und die Liebe ohne das Denken wie in der Finsternis, ist doch der Verstand das Licht, in dem die Liebe sieht. Die Weisheit des Verstandes stammt auch aus dem Licht, das vom Herrn als Sonne ausstrahlt.

Sieht nun die Liebe des Willens ohne das Licht des Verstandes nichts und ist blind, so wären daher auch die körperlichen Sinne blind und stumpf ohne das Licht des Verstandes nicht allein Gesicht und Gehör, sondern auch alle übrigen. Es verhält sich mit diesen ebenso, weil alles Innewerden des Wahren der Neigung im Verstand angehört, wie oben gezeigt wurde, und alle körperlichen Sinne ihre Wahrnehmungen von den Wahrnehmungen des Gemüts ableiten.

Dasselbe gilt für alle Tätigkeiten des Körpers, gleicht doch jede Tätigkeit, die aus einer Liebe ohne Verstand hervorgeht, der Tätigkeit eines Menschen in umnachtetem Zustand, der nicht weiß, was er tut, weshalb in seinem Tun nichts von Einsicht und Weisheit ist, so daß man es nicht als lebendig bezeichnen könnte. Jede Tätigkeit hat denn auch ihr Sein aus einer Liebe und ihre Beschaffenheit aus einer Einsicht.

Zudem hat das Gute alle Macht durch das Wahre, weil es im Wahren und so durch das Wahre tätig ist, gehört doch das Gute zur Liebe und das Wahre zum Verstand. So steht denn fest, daß die Liebe bzw. der Wille durch die drei oben in # 404 behandelten Verbindungen in seinem bewußten und aktiven Leben ist.

*407. Dies läßt sich sehr lebendig darstellen, wenn wir an die Verbindung des Herzens mit der Lunge denken, weil die Entsprechung zwischen Wille und Herz sowie Verstand und Lunge von der gleichen Art ist, wie auf der geistigen Ebene die zwischen der Liebe und dem Verstand. Dies geschieht auf der natürlichen Ebene zwischen Herz und Lunge, und daher stellen es die obigen Ausführungen wie in einem Bilde dar, das dem Auge vorgehalten wird.

Aus dem Zustand des Embryos oder Kindes im Mutterleib und nach der Geburt geht hervor, daß der Mensch weder ein Empfindungsleben noch ein tätiges Leben hat, wenn Herz und Lunge nicht zusammenwirken. Solange der Mensch als Embryo im Mutterleib ist, sind seine Lungen verschlossen, darum hat er weder ein bewußtes Empfinden noch ist er tätig. Seine Sinnesorgane sind verschlossen, Hände und Füße wie gebunden. Sobald aber nach der Geburt die Lungen geöffnet werden, empfindet der Mensch und beginnt tätig zu sein. Die Lungen werden aber geöffnet durch das aus dem Herzen eingelassene Blut.

Auch im Zustand der Ohnmacht zeigt sich, daß dann das Empfindungsleben und tätige Leben des Menschen unterbrochen ist, weil Herz und Lunge nicht zusammenwirken, sondern nur das Herz arbeitet, während die Atmung unterbrochen ist. Wie man weiß, hat der Mensch in diesem Zustand keine Empfindung und zeigt keinerlei Aktivität.

Dasselbe gilt für Erstickungszustände, gleichgültig ob durch Wasser oder irgendetwas anderes verursacht, das die Kehle verstopft und die Atmung verhindert. Bekanntlich erscheint der Mensch dann wie ein Toter, empfindet nichts und bewegt sich nicht, obgleich er mit dem Herzen noch lebt. Sobald daher die Verstopfung der Lunge behoben ist, kehrt er in beides zurück, das Empfindungs- und das tätige Leben.

Im Zustand der Ohnmacht kreist zwar das Blut durch die Lunge, jedoch nur durch die Lungenarterien und -venen und nicht durch die Bronchialarterien und -venen. Letztere aber sind es, die bewirken, daß der Mensch atmen kann. Dasselbe gilt für den Einfluß der Liebe in den Verstand.

10. Die Liebe bzw. der Wille führt die Weisheit bzw. den Verstand in alle Teile seiner Wohnung ein.

*408. Wir verstehen unter der 'Wohnung der Liebe bzw. des Willens' den ganzen Menschen samt allem, was zu seinem Gemüt gehört. Und da, wie oben gezeigt wurde, das Gemüt allen Teilen des Körpers entspricht, so wird unter dieser 'Wohnung' auch der ganze Mensch samt all seinen Körperteilen, den Gliedern, Organen und Eingeweiden, verstanden.

Aufgrund dessen, was oben ausgeführt wurde, läßt sich ersehen, daß die Lunge ebenso in alle Körperteile hineinwirkt, wie der Verstand in alle Teile des Gemüts. So wird etwa in # 402 ausgeführt, daß die Liebe bzw. der Wille die Wohnung, respektive das Brautgemach für die zukünftige Gattin, die Weisheit bzw. den Verstand, bereit macht, und in # 403, daß die Liebe bzw. der Wille alles in seiner menschlichen Form, das heißt in seiner Wohnung bereit macht, um in Verbindung mit der Weisheit bzw. dem Verstand handeln zu können.

Aus den dortigen Ausführungen geht hervor, daß im Körper alles bis in die Einzelheiten hinein miteinander durch Bänder verknüpft ist, die ausgehen von Rippen, Wirbelknochen, Brustbein, Zwerchfell und Bauchfell (das von jenen herabhängt). Auf diese Weise wird alles beim Atmen der Lunge zu ebenso gleichmäßig rhythmischer Tätigkeit angeregt. Aus der Anatomie kann man auch wissen, daß sich die Wiederholung der rhythmischen Atembewegung sogar den Eingeweiden mitteilt und bis in ihre innersten Teile eindringt. Die oben erwähnten Bänder hängen nämlich mit den Umhüllungen der Eingeweide zusammen. Diese Umhüllungen dringen durch Fortsätze bis in deren innerste Teile ein, ebenso wie die Arterien und Venen dies durch ihre Verzweigungen bewirken.

Daher können wir feststellen, daß die Atmung der Lunge in vollkommener Verbindung steht mit dem Herzen und sich auf alles und jedes im Körper auswirkt. Damit aber jene vollkommene Verbindung entstehen kann, ist das Herz bei der Bewegung der Lunge beteiligt. Es befindet sich inmitten der Lunge, ist mit ihr durch die Aurikeln verbunden und liegt auf dem Zwerchfell, wodurch seine Arterien auch an der Bewegung der Lunge teilhaben. Überdies steht auch der Magen in einer ähnlichen Verbindung infolge des Zusammenhangs von Speise- und Luftröhre.

Wir haben diese anatomischen Einzelheiten angeführt, um dem Leser deutlich zu machen, welcher Art die Verbindung zwischen der Liebe bzw. dem Willen und der Weisheit bzw. dem Verstand ist, denn sie sind ähnlich.

11. Die liebe bzw. der Wille tut nichts, es sei denn in Verbindung mit der Weisheit bzw. dem Verstand.

*409. Wenn die Liebe ohne den Verstand weder ein (bewußtes) Empfindungsleben noch ein aktives Leben hat und wenn die Liebe den Verstand in alle Teile des Gemüts einfuhrt, wie oben # 407, 408 dargelegt wurde, so ist klar, daß sie nichts tut, außer in Verbindung mit dem Verstand. Denn was heißt schon 'aus Liebe ohne Verstand handeln'? Dergleichen könnte man nur als etwas Unvernünftiges bezeichnen, ist es doch der Verstand, der lehrt, was getan werden soll und wie es getan werden soll. Ohne den Verstand weiß das die Liebe gar nicht. Deshalb besteht zwischen der Liebe und dem Verstand eine derartige Ehe, daß sie trotz ihrer Zweiheit einheitlich handeln.

Eine ähnliche Art von Ehe besteht zwischen dem Guten und Wahren, da das Gute zur Liebe und das Wahre zum Verstand gehört. Eine solche Ehe besteht in allen Einzelheiten des vom Herrn erschaffenen Weltalls. Ihre Nutzwirkung bezieht sich auf das Gute und die Form der Nutzwirkung auf das Wahre. Auf dieser Ehe beruht, daß im Ganzen wie im Einzelnen des Körpers rechts und links zu unterscheiden sind und die rechte Seite sich auf das Gute bezieht, aus dem das Wahre hervorgeht, die linke aber auf das Wahre aus dem Guten daher auf die Verbindung.

Ebenso beruht darauf, das der Mensch paarige Organe hat: zwei Gehirne, zwei Halbkugeln des Großhirns, zwei Herzkammern, zwei Lungenflügel, zwei Augen, Ohren, Nasenlöcher, Arme, Hände, Lenden, Füße, Nieren, Hoden u.a.m. Und wo die Organe nicht aus einem Paar bestehen, da ist an ihnen rechts und links zu unterscheiden. Dem ist so, weil das Gute auf das Wahre blickt, um zur Erscheinung zu kommen, und das Wahre auf das Gute, um zu bestehen. Ähnlich ist es in den Himmeln und einzelnen Engels-Gesellschaften.

Mehr darüber oben in # 401, wo gezeigt wurde, daß die Liebe bzw. der Wille ohne die Ehe mit der Weisheit bzw. dem Verstand durch seine menschliche Form nichts ausrichten kann. Von der Verbindung des Bösen und Falschen, die das Gegenteil der Verbindung des Guten und Wahren ist, soll an anderer Stelle die Rede sein.

12. Die Liehe bzw. der Wille verbindet sich mit der Weisheit bzw. dem Verstand und bewirkt, daß die Verbindung wechselseitig ist.

*410. Die Liebe bzw. der Wille verbindet sich, wie wir gesehen haben, mit der Weisheit bzw. dem Verstand, und dies manifestiert sich in ihrer Entsprechung mit Herz und Lunge. Anatomische Erfahrung lehrt, daß das Herz in lebendiger Bewegung sein kann, während es die Lunge nicht ist. Dies lehrt das Beispiel der in Ohnmacht Gefallenen oder Erstickten, ferner der Zustand des Embryos im Mutterleib und der Jungtiere in den Eiern.

Anatomische Erfahrung lehrt uns auch, daß das Herz, solange es noch allein tätig ist, die Lunge bildet und so gestaltet, daß es in ihr das Atmen bewirken kann, ja daß es auch die übrigen Eingeweide und Organe bildet, um in ihnen die verschiedensten Nutzwirkungen hervorbringen zu können, die Augen, um damit zu sehen, die Bewegungsorgane, um damit zu handeln und alles andere im Körper, um damit die den Neigungen entsprechenden Nutzwirkungen zu schaffen.

Fürs erste ergibt sich daraus folgendes: Geradeso wie das Herz alles um der verschiedenen Funktionen willen hervorbringt, die es im Körper verrichten will, bringt auch die Liebe in ihrem Aufnahmegefäß, dem Willen, der verschiedenen Neigungen wegen eine Form hervor, die sie zum Ausdruck bringt. Daß diese Form die menschliche Gestalt ist, wurde oben gezeigt.

Die ersten und nächstliegenden Neigungen der Liebe sind die Wißbegierde, die Neigung zu verstehen und die Neigung, das, was man weiß und versteht, anschaulich vor sich zu haben. Daraus folgt, daß es die Liebe ist, die den Verstand dafür bildet, und daß er tatsächlich in diese Neigungen eintritt, wenn er zu empfinden und zu handeln anfängt, und wenn er anfängt zu denken. Der Parallelismus des Herzens und der Lunge, von dem oben die Rede war, beweist, daß der Verstand nichts dazu beiträgt.

Hieraus können wir entnehmen, daß sich die Liebe bzw. der Wille mit der Weisheit bzw. dem Verstand verbindet, und nicht die Weisheit bzw. der Verstand mit der Liebe bzw. dem Willen. Ferner können wir hieraus folgendes entnehmen: Das Wissen, das sich die Liebe mithilfe der Wißbegierde erwirbt, das Verständnis des Wahren, in das sie durch ihre Neigung zur Einsicht, und das Denken desselben, in das sie mithilfe ihrer Neigung kommt, das, was sie weiß und versteht, in der Anschauung zu haben — all das gehört nicht dem Verstand, sondern der Liebe an.

Zwar fließen die Gedanken, Wahrnehmungen und daher rührenden Kenntnisse aus der geistigen Welt ein, aber sie werden nicht vom Verstand, sondern von der Liebe je nach ihren Neigungen im Verstand aufgenommen. Es scheint zwar, als ob der Verstand sie aufnehme und nicht die Liebe, doch das ist eine Täuschung.

Auch scheint es, als ob sich der Verstand mit der Liebe oder dem Willen verbinde, doch auch dies ist eine Täuschung. Es ist vielmehr umgekehrt: Die Liebe bzw. der Wille verbindet sich mit dem Verstand und bewirkt, daß sich der Verstand wiederum mit der Liebe verbindet. Diese Rückverbindung des Verstandes zur Liebe beruht auf der Ehe der Liebe mit dem Verstand. Ihre Verbindung ist sozusagen wechselseitig und wird bewirkt durch das Leben und die daher stammende Macht der Liebe.

Ebenso verhält es sich mit der Ehe des Guten und Wahren, gehört doch das Gute zur Liebe und das Wahre zum Verstand. Das Gute tut alles, nimmt das Wahre in sein Haus auf und verbindet sich mit ihm, soweit es mit ihm harmoniert. Das Gute kann zwar auch Wahrheiten zulassen, die nicht mit ihm harmonieren, tut es aber nur aufgrund der ihm eigenen Neigung zu wissen, einzusehen und zu denken, und solange es sich noch nicht zu den Nutzwirkungen entschlossen hat, die seine Endzwecke (fines) sind und als seine Werte (bona) bezeichnet werden.

Es gibt aber gar keine wechselseitige Verbindung oder Verbindung seitens des Wahren mit dem Guten. Die wechselseitige Verbindung stammt vielmehr aus dem Leben des Guten. Daher kommt es, daß jeder Mensch, Geist und Engel vom Herrn nach seiner Liebe bzw. seinem Guten beurteilt wird und niemand nach seinem Verstand bzw. seinem Wahren an sich, d.h. ohne die (zugrundeliegende) Liebe bzw. das Gute. Das Leben des Menschen ist nämlich, wie oben gezeigt wurde, seine Liebe. Und dieses Leben ist so beschaffen, wie er seine Neigungen mithilfe der Wahrheiten vermehrt, das heißt, so wie er sie durch die Weisheit vervollkommnet hat. Denn die Neigungen der Liebe werden vermehrt und vervollkommnet durch die Wahrheiten, mithin durch die Weisheit. Und dann handelt die Liebe in Verbindung mit der Weisheit wie aus ihr, in Wirklichkeit aber aus sich durch die Weisheit, ihre Form, die ganz und gar nichts vom Verstand ableitet, sondern nur aus einer der (vielen) Verzweigungen der Liebe, Neigungen genannt.

*411. Die Liebe bezeichnet all das als ihr Gutes, was sie begünstigt, und all das, was als Mittel zum Guten führt, als ihre Wahrheiten. Und weil sie Mittel sind, werden sie von ihr geliebt und werden Bestandteil ihrer Neigungen, wodurch sie zu gestalteten Neigungen werden. Eine Wahrheit ist daher nichts anderes, als die Form einer Neigung der Liebe.

Die menschliche Gestalt ist daher nichts anderes als die Form aller Neigungen der Liebe. Die Schönheit aber ist ihre Einsicht, die sich die Liebe durch die Wahrheiten aneignet, welche sie durch den inneren oder äußeren Gesichts- oder Gehörsinn in sich aufnimmt.

Dies sind die Dinge, welche die Liebe in die Form ihrer Neigungen bringt. Formen dieser Art gibt es in großer Mannigfaltigkeit, alle aber haben untereinander eine gewisse Ähnlichkeit, und diese beruht auf ihrer allgemeinen Form, nämlich der menschlichen. Alle diese Formen aber sind für die Liebe schön und liebenswert, alle übrigen unschön und nicht liebenswert.

Auch dies bestätigt, daß sich die Liebe mit dem Verstand verbindet und nicht umgekehrt, und daß die wechselseitige Verbindung ebenfalls auf die Liebe zurückzuführen ist. Das ist es, was wir damit meinen, daß die Liebe bzw. der Wille die wechselseitige Verbindung der Weisheit bzw. des Verstandes bewirkt.

*412. Diese Ausführungen kann man wie im Bilde sehen und bestätigt finden durch die Entsprechung des Herzens mit der Liebe und der Lunge mit dem Verstand, wovon oben die Rede war. Denn wenn das Herz der Liebe entspricht, so entsprechen seine Verästelungen (determinationes), die Arterien und Venen, den Neigungen und in der Lunge den Neigungen zum Wahren. Und weil die Lungen auch noch andere Gefäße aufweisen, die Luftröhrenzweige, durch die das Atemholen vor sich geht, so entsprechen diese den Wahrnehmungen.

Man muß sich aber klarmachen, daß die Arterien und Venen in der Lunge keine Neigungen sind und die Atemzuge keine Wahrnehmungen oder Gedanken, sondern Entsprechungen, da sie entsprechend oder synchron tätig sind. Dasselbe gilt für Herz und Lunge als solche, auch sie sind nicht Liebe und Verstand, sondern deren Entsprechung, und weil dem so ist, kann das eine in dem anderen gesehen werden.

Wer aus der Anatomie das ganze Gewebe der Lunge kennt, kann beim Vergleich mit dem Verstand klar erkennen, daß der Verstand nichts aus sich selbst tut. Er nimmt auch allein wahr oder denkt aufgrund der Neigungen, die der Liebe angehören und die im Verstand als Wissensdrang gelten oder als Neigung zur Einsicht und zur Anschauung, wie oben gezeigt wurde. Alle Zustände der Lunge hängen ja ab vom Blut, das aus dem Herzen und aus der Hohlader und Arterie einströmt, und der Vorgang des Atmens mithilfe der Bronchialäste kommt zur Erscheinung je nach deren Zustand; denn sobald das Einströmen des Blutes unterbrochen wird, hört auch das Atmen auf.

Durch den Vergleich der Lungenstruktur mit der ihr entsprechenden Verstandestätigkeit ließe sich zwar noch vieles entdecken, doch weil die Anatomie nur wenigen geläufig ist und der Beweis oder die Begründung eines Tatbestands durch Unbekanntes eher verdunkelt wird, halte ich es für unangebracht, mehr darüber zu sagen.

Aufgrund meiner Vertrautheit mit der Lungenstruktur bin ich völlig davon überzeugt, daß sich die Liebe durch ihre Neigungen mit dem Verstand verbindet, nicht aber umgekehrt der Verstand mit irgendeiner Neigung der Liebe. Diese wird dagegen durch die Liebe rückwirkend mit sich verbunden, in der Absicht, auf diese Weise ein Empfindungsleben und ein aktives Leben zu haben.

Wir müssen vor allem wissen, daß der Mensch eine doppelte Atmung hat - eine des Geistes und eine des Körpers. Die Atmung des Geistes hängt ab von den aus den Gehirnen auslaufenden Fibern, die Atmung des Körpers von den Blutgefäßen aus dem Herzen sowie von der Hohlader (cava vena) und Aorta. Zudem ist offenkundig, daß das Denken die Atmung fördert, ebenso daß Neigungen der Liebe das Denken anregen. Ein Denken ohne Neigung ist ja doch wie ein Atmen ohne Herz, was unmöglich ist. Damit ist offenbar, daß sich die Neigung, die zur Liebe gehört, mit dem Denken verbindet, das zum Verstand gehört, und zwar, wie oben gezeigt wurde, gerade so wie das Herz mit der Lunge.

13. Aufgrund der ihr von seiten der Liebe bzw. des Willens verliehenen Macht kann die Weisheit bzw. der Verstand erhoben werden und die im himmlischen Licht liegenden Dinge aufnehmen und innewerden.

*413. Oben wurde wiederholt gezeigt, daß der Mensch die Geheimnisse der Weisheit erfassen kann, wenn er sie hört. Diese Fähigkeit, die jeder Mensch von der Schöpfung her hat, wird als Vernunft bezeichnet. Aufgrund dieser Fähigkeit vermag der Mensch die Dinge in tieferer Weise zu verstehen und Schlüsse zu ziehen inbezug auf das, was gerecht und billig, gut und wahr ist. Dadurch unterscheidet er sich von den Tieren. Dies ist es daher, was darunter zu verstehen ist, daß der Verstand erhoben werden und die im himmlischen Licht liegenden Dinge in sich aufnehmen und verstehen kann.

Auch dies läßt sich an der Lunge wie im Bilde erkennen, entspricht doch die Lunge der Verstandestätigkeit. Deren Zellsubstanz besteht nämlich aus Aneinanderreihungen von Bronchien, die sich bis in die feinsten Luftbläschen fortsetzen, welche als Aufnahmegefäße der Luft beim Atemholen dienen. Und sie sind das, womit die Gedanken durch Entsprechung zusammenwirken.

Diese Bläschensubstanz hat die Eigenart, daß sie sich auf zweierlei Weise ausdehnen und zusammenziehen kann, einmal in Verbindung mit dem Herzen und einmal nahezu getrennt von ihm. Geschieht es in Verbindung mit dem Herzen, so mittels der Lungenarterien und -venen, die allein aus dem Herzen stammen; geschieht es nahezu ohne diese Verbindung, so mittels der Bronchialarterien und -venen, die aus der Hohlvene und Arterie kommen. Diese Gefäße befinden sich außerhalb des Herzens.

Dem ist so in der Lunge, weil der Verstand über die eigene Liebe, die dem Herzen entspricht, erhoben werden und himmlisches Licht aufnehmen kann. Und doch zieht sich der Verstand, wenn er sich über die eigene Liebe hinaus erhebt, nicht von ihr zurück, sondern bezieht von ihr, was man als Wißbegier und Erkenntnisdrang bezeichnen kann, die dem Streben nach etwas wie Ehre, Ruhm und Gewinn in der Welt dienen. Dieses Etwas bildet bei jeglicher Liebe gewissermaßen die Oberfläche, und die Liebe leuchtet dann nur schwach darüber hinaus. Nur bei den Weisen leuchtet sie hindurch.

Diese Fakten über die Lunge wurden angeführt, um zu bekräftigen, daß sich der Verstand erheben und die in himmlischem Licht liegenden Dinge in sich aufnehmen und begreifen kann, steht er doch in vollkommener Entsprechung. Die Dinge von den Entsprechungen aus sehen heißt, die Lunge vom Verstand und den Verstand von der Lunge her begreifen und so von beiden Bestätigung zu empfangen.

14. In gleicher Weise kann auch die Liebe bzw. der Wille erhoben werden und innewerden, was Gegenstand der himmlischen Wärme ist, wenn er seine Gattin in diesem Grade liebt.

*414. Im vorigen Abschnitt und auch sonst hin und wieder ist gezeigt worden, daß der Verstand ins Licht des Himmels erhoben werden und daraus Weisheit schöpfen kann. Auch haben wir hin und wieder gezeigt, daß die Liebe bzw. der Wille ebenso erhoben werden kann, wenn er liebt, was im himmlischen Licht erscheint oder Sache der Weisheit ist. Wenn er einen Endzweck liebt, der mit Ehre, Ruhm und Gewinn zusammenhangt; wird er jedoch nicht erhoben; erhoben wird er nur durch die Liebe zur Nutzwirkung, nicht in erster Linie für sich selbst, sondern für den Nächsten. Da nun diese Liebe allein aus dem Himmel vom Herrn gegeben wird, und zwar dann, wenn der Mensch das Böse flieht, weil es Sünde ist, so kann auch nur durch diese und keine anderen Mittel die Liebe bzw. der Wille erhoben werden.

Die Liebe bzw. der Wille aber wird in die Wärme, der Verstand hingegen in das Licht des Himmels erhoben. Werden sie beide erhoben, so entsteht dort eine Ehe zwischen ihnen. Sie wird als himmlische Ehe bezeichnet, weil sie eine Vereinigung der himmlischen Liebe und Weisheit ist. Deshalb sagten wir, daß auch die Liebe erhoben wird, wenn sie die Weisheit, ihre Gattin, in solchem Grade liebt.

Die Liebe zum Nächsten, vom Herrn her aufgenommen, ist die Liebe der Weisheit bzw. die echte Liebe des menschlichen Verstandes. Es ist damit geradeso wie mit dem Verhältnis von Licht und Wärme in der Welt. Es gibt kaltes und warmes Licht. Kalt ist es im Winter, warm im Sommer. Ist Wärme im Licht, so kommt alles zum Blühen. Beim Menschen entspricht die Weisheit ohne ihre Liebe dem winterlichen, die Weisheit mit Ihrer Liebe dem sommerlichen Licht.

*415. In der Verbindung von Lunge und Herz erblicken wir etwas wie ein Abbild dieser Verbindung bzw. Trennung von Weisheit und Liebe. Durch das Blut nämlich, welches das Herz aussendet, kann es sich mit den traubenförmigen Bläschen der Bronchien verbinden, aber es kann das auch mittels des nicht (direkt) aus ihm, sondern aus der Hohlader und Aorta hervorströmenden Blutes bewirken. Auf diese Weise kann die Atmung des Körpers von der des Geistes getrennt werden. Ist aber das Blut nur aus dem Herzen heraus tätig, können die beiden Arten der Atmung nicht getrennt werden.

Da nun die Gedanken infolge der Entsprechung mit der Atmung zusammenwirken, wird aufgrund der doppelten Atmungsmöglichkeit der menschlichen Lunge auch deutlich, daß der Mensch anders denken und daraus reden und handeln kann, wenn er z.B. in Gesellschaft ist, als wenn er für sich allein ist und nicht um den Verlust seines guten Rufes bangen muß.

Wenn er nicht darum bangen muß, kann er nach Belieben denken und reden über Gott, den Nächsten, die geistigen Dinge der Kirche, über die Moral und die bürgerlichen Gesetze, und er kann ihnen auch zuwider handeln, nämlich stehlen, sich rächen, lästern, ehebrechen usw. Vor anderen Menschen hingegen, wo er sich vor dem Verlust seines guten Rufs fürchten muß, kann er reden, predigen und handeln, als ob er ein geistiger, sittlicher und bürgerlich guter Mensch sei.

Daraus können wir folgern, daß die Liebe bzw. der Wille sich ebenso erheben und die zur Wärme oder Liebe des Himmels gehörenden Dinge in sich aufnehmen kann, vorausgesetzt, daß er die Weisheit im selben Grad liebt, daß er aber auch gleichsam getrennt werden kann, wenn er sie nicht liebt.

15. Zudem zieht die Liebe bzw. der Wille die Weisheit bzw. die Verstandestätigkeit von ihrer Erhebung zurück, damit sie in Übereinstimmung wirke.

*416. Es gibt eine natürliche und eine geistige Liebe. Der Mensch, der über beide verfügt, ist ein vernünftiger Mensch, wer hingegen nur natürliche Liebe hat, kann zwar ebenso vernünftig denken wie der geistige Mensch, kann aber gleichwohl nicht als vernünftig gelten. Er erhebt zwar seinen Verstand bis zum Licht des Himmels, somit bis zur Weisheit, und doch liebt er die Gegenstände der Weisheit oder des himmlischen Lichts nicht. Wohl wird diese Erhebung durch Liebe bewirkt, doch durch die Liebe zu Ehre, Ruhm und Gewinn.

Sobald er aber bemerkt, daß ihm diese Erhebung nichts für seine Ziele einträgt - und das geschieht, wenn er bei sich aus seiner natürlichen Liebe heraus denkt -, liebt er all das nicht mehr, was Gegenstand des himmlischen Lichts oder der Weisheit ist. Und so läßt dann der Verstand von seinem Höhenflug ab, um in Übereinstimmung mit seiner eigentlichen Liebe zu wirken.

Wenn z.B. der Verstand durch seine Erhebung zur Weisheit gelangt, so sieht die Liebe, was Gerechtigkeit, Redlichkeit, Keuschheit, ja was die echte Liebe ist. Die natürliche Liebe vermag das aufgrund ihrer Fähigkeit, die Dinge im himmlischen Licht zu verstehen und zu erwägen. Ein solcher Mensch kann sogar über diese Dinge reden, predigen und sie als sittliche wie als geistige Tugenden beschreiben.

Ist aber der Verstand nicht im Zustand der Erhebung, so nimmt die bloß natürliche Liebe jene Tugenden nicht wahr: Statt Gerechtigkeit sieht sie nur Ungerechtigkeit, statt Redlichkeit Betrug, statt Keuschheit Geilheit usw. Denkt der Mensch dann an das zurück, was er im Zustand der Erhebung seines Verstandes gesagt hatte, so kann er nur darüber lachen und bei sich denken, daß es immerhin dazu gedient habe, andere für sich einzunehmen.

Hieraus wird deutlich, was man darunter zu verstehen hat, daß die Liebe, wofern sie ihre Gattin, die Weisheit, nicht bis zum gleichen Grade liebt, sie von ihrer Höhe herabzieht, um mit ihr in Übereinstimmung zu wirken. Oben in # 414 kann man nachlesen, daß die Liebe erhoben werden kann, wenn sie die Weisheit bis zum gleichen Grade liebt.

*417. Da nun die Liebe dem Herzen entspricht und der Verstand der Lunge, lassen sich die obigen Darlegungen durch ihre Entsprechungen bestätigen, nämlich wie sich der Verstand über die eigene Liebe hinaus bis zur Weisheit erheben kann, aber auch wie die Liebe, wenn sie bloß natürlicher Art ist, den Verstand von seinem Höhenflug wieder herabziehen kann.

Der Mensch hat eine doppelte Atmung, eine körperliche und eine geistige. Beide können getrennt, aber auch verbunden werden. Bei den bloß natürlichen Menschen, besonders bei den Heuchlern, werden sie getrennt, selten bei den geistigen und aufrichtigen Menschen. Deshalb kann ein bloß natürlicher Mensch oder Heuchler, dessen Verstand erhoben ist und dessen Gedächtnis daher viele Weisheiten enthält, in der Öffentlichkeit aufgrund seines Denkens aus diesem Gedächtniswissen heraus weise reden. Ist ein solcher Mensch nicht in der Öffentlichkeit, so schöpft sein Denken nicht aus dem Gedächtnis, sondern aus seiner Liebe. Ebenso atmet er auch, weil Denken und Atmung in entsprechender Weise tätig sind. Wir haben bereits gesehen, daß der Bau der Lunge ihr die Atmung aus dem unmittelbar aus dem Herzen hervorströmenden Blut erlaubt, aber auch aus dem Blut außerhalb des Herzens.

*418. Man meint gewöhnlich, Weisheit mache den Menschen aus. Wenn man daher jemanden weise reden oder lehren hört, glaubt man, er sei auch so beschaffen, und der Betreffende hat dann auch von sich diese Meinung. Denn solange er in der Öffentlichkeit redet und lehrt, schöpft er sein Denken aus seinem Gedächtnis und — falls er bloß natürlich ist —, von der Oberfläche seiner Liebe, die auf Ehre, Ruhm und Gewinn aus ist. Derselbe Mensch aber denkt, wenn er für sich allein ist, aus der inwendigen, also eigentlichen Liebe seines Geistes, somit keineswegs weise, sondern zuweilen sogar unsinnig.

So steht denn fest, daß man niemand nach seinen weisen Reden beurteilen soll, sondern nach seinem Leben, besser gesagt: nicht nach seinen weisen Reden, sofern sie von seinem Leben getrennt sind, sondern nur sofern sie mit seinem Leben übereinstimmen. Unter dem Leben des Betreffenden ist seine Liebe zu verstehen, da die Liebe das Leben des Menschen ist, wie oben nachgewiesen wurde.

16. Die Liebe bzw. der Wille wird von der Weisheit im Verstand gereinigt, wenn sie gleichzeitig erhoben werden.

*419. Der Mensch liebt von Geburt an nur sich und die Welt. Denn nichts anderes erscheint vor seinen Augen, und nichts anderes beschäftigt daher sein Gemüt. Diese Liebe ist natürlichkörperlich und kann als materiell bezeichnet werden. Darüber hinaus ist diese Liebe unrein geworden, weil schon bei den Eltern die himmlische Liebe von ihr getrennt wurde.

Diese Liebe könnte von ihrer Unreinheit nicht befreit werden, wenn der Mensch nicht die Fähigkeit hätte, seinen Verstand bis ins Licht des Himmels zu erheben und zu erkennen, wie er leben müßte, damit seine Liebe zugleich mit dem Verstand in den Stand der Weisheit erhoben werden könnte.

Mithilfe des Verstandes erkennt die Liebe, das heißt der Mensch, welches Böse die Liebe befleckt und verunreinigt, und er erkennt auch, daß er, sobald er das betreffende Böse flieht und verabscheut, weil es Sünde ist, dessen Gegensatz liebt, der ganz und gar himmlisch ist. Ebenso erkennt er auch die Mittel, die ihn befähigen, jenes Böse als Sünde zu fliehen und zu verabscheuen. Dies sieht die Liebe, das heißt der Mensch, wenn er Gebrauch macht von seiner Fähigkeit, seinen Verstand ins Licht des Himmels zu erheben, aus dem die Weisheit stammt.

In dem Maße, wie dann die Liebe den Himmel an die erste und die Welt an die zweite Stelle setzt, wird sie auch von ihrer Unreinheit gesäubert und gereinigt, soweit wie sie die erste Stelle dem Herrn und erst die zweite sich selbst einräumt. Das bedeutet: die Liebe wird im gleichen Maße in die Wärme des Himmels erhoben und mit dem himmlischen Licht verbunden, wie sich der Verstand dort befindet. So entsteht etwas wie eine Ehe, genannt die Ehe des Guten und Wahren, das heißt der Liebe und Weisheit.

Mit dem Verstand läßt sich erfassen und mit der Vernunft erkennen, daß jemand Redlichkeit, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit liebt, soweit er Diebstahl und Betrug flieht und verabscheut. Ebenso, daß jemand insoweit seinen Nächsten liebt, wie er Handlungen der Rache und des Hasses flieht und verabscheut. Ferner daß jemand die Keuschheit liebt, wenn er den Ehebruch flieht und meidet. Tatsächlich erkennt kaum jemand, was in Redlichkeit, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Keuschheit und allen übrigen himmlischen Neigungen zum Himmel und zum Herrn gehört, bevor er ihre Gegensätze bei sich entfernt hat.

Hat er das aber erst einmal getan, dann ist er in jenen Neigungen, nimmt sie von innen heraus wahr und erkennt sie. Bis dahin aber liegt etwas wie eine Hülle über ihnen. Diese läßt zwar das Licht des Himmels bis zur Liebe hindurch, aber da die Liebe ihre Gattin, die Weisheit, nicht in dem ihr entsprechenden Maße liebt, nimmt sie dieselbe nicht auf, ja, zeiht sie der Lüge und tadelt sie sehr, wenn sie von ihrem Höhenflug zurückkehrt. Auf der anderen Seite schmeichelt sie ihr wiederum, weil ihr die Weisheit ihres Verstandes als Mittel zu Ehre, Ruhm und Vorteil dienen kann. Dabei setzt freilich der betreffende Mensch sich selbst und die Welt an die erste Stelle, den Herrn und den Himmel aber an die zweite. Was jedoch an die zweite Stelle gesetzt wird, das wird nur geliebt, sofern es dient; dient es nicht, wird es entlassen und verstoßen — spätestens nach dem Tode.

Damit steht als Wahrheit fest: die Liebe bzw. der Wille wird im Verstand gereinigt, wenn sie gemeinsam emporgehoben werden.

*420. Dieser Vorgang stellt sich bildhaft in der Lunge dar, deren Arterien und Venen den Neigungen entsprechen, die zur Liebe gehören, und deren Atemzüge Entsprechungen der Wahrnehmungen und Gedanken des Verstandes darstellen, wie oben ausgeführt wurde. Eine Fülle von nachgewiesenen Fakten zeigt, daß sich das Blut des Herzens in der Lunge von unverarbeiteten Stoffen reinigt und sich aus der eingeatmeten Luft mit dem ihm Zuträglichen nährt.

Daß sich das Blut in der Lunge von unverarbeiteten Stoffen reinigt, steht nicht nur fest aufgrund des einfließenden Blutes, das venös ist und somit noch voller Chylus aus den aufgenommenen Speisen und Getränken, sondern auch aufgrund der ausgeatmeten Stoffe, die feucht sind und von anderen Personen durch die Nase wahrgenommen werden; und schließlich auch aufgrund der verminderten Menge des in die linke Herzkammer zuruckfließenden Blutes.

Daß das Blut sich aus der eingeatmeten Luft mit dem ihm Zuträglichen nährt, steht fest aufgrund der ungeheuren Menge von Gerüchen und Ausdünstungen, die beständig von Pflanzen, Blumen und Bäumen ausströmen, ebenso aufgrund der ungeheuren Menge verschiedenartigster Salze, die samt den Wassern aus dem Boden hervorquellen, und den Flüssen und Gewässern. Dazu kommen die unzähligen Dämpfe und Ausdünstungen von Mensch und Tier, die die Luft schwängern. Es kann nicht geleugnet werden, daß diese zusammen mit der eingeatmeten Luft in die Lunge aufgenommen werden. Daher läßt sich auch nicht leugnen, daß das Blut aus alledem das ihm Zuträgliche aufnimmt; zuträglich aber ist ihm, was den Neigungen seiner Liebe entspricht.

Aus diesem Grunde weisen die Bläschen oder innersten Teile der Lunge eine große Menge von Blutaderchen auf, die mit kleinen Mündungen versehen sind, um diese Stoffe aufzunehmen. Daher kommt es auch, daß sich das in die linke Herzkammer zurückfließende Blut in arterioses Blut umwandelt und hell aussieht. Diese Beobachtungen zeigen, daß sich das Blut von fremdartigen Stoffen reinigt und mit gleichartigen nährt.

Noch nicht bekannt ist, daß sich das Blut in der Lunge reinigt und nährt in Entsprechung zu den Neigungen des Gemüts. Wohl bekannt ist es aber in der geistigen Welt. Die Engel in den Himmeln ergötzen sich nämlich einzig an Gerüchen, die der Liebe ihrer Weisheit entsprechen; die Geister in den Höllen dagegen haben Freude einzig an Gerüchen, die ihrer der Weisheit entgegengesetzten Liebe entsprechen. Diese Gerüche sind in Wirklichkeit nichts als Gestank, jene aber Wohlgerüche.

Hieraus folgt, daß die irdischen Menschen ihr Blut in Entsprechung zu den Neigungen ihrer Liebe mit Ähnlichem anreichern; denn was der Geist des Menschen liebt, nach dem verlangt aufgrund der Entsprechung sein Blut, und das zieht er mittels des Atems ein.

Aus dieser Entsprechung folgt, daß der Mensch je nach seiner Liebe gereinigt wird, wenn er die Weisheit liebt, und daß er besudelt wird, wenn er sie nicht liebt. Ferner ergibt sich daraus, daß jede Reinigung des (inneren) Menschen durch Wahrheiten der Weisheit, jede Verunreinigung durch Falschheiten erfolgt, die den Wahrheiten der Weisheit entgegengesetzt sind.

17. Die Liebe bzw. der Wille wird im und vom Verstand verunreinigt, wenn sie nicht gleichzeitig erhoben werden.

*421. Denn wenn die Liebe nicht erhoben wird, bleibt sie unrein, wie oben in # 419 f gezeigt wurde und liebt das Unreine, z.B. Taten der Rache, Haß, Betrug, Lästerung und Ehebruch; dies sind dann ihre Neigungen, Begierden genannt. Was hingegen mit der Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Redlichkeit, Wahrheit und Keuschheit zusammenhängt, verwirft sie.

Wir sagten, daß die Liebe im und vom Verstand verunreinigt werde. Im Verstand geschieht es, sofern die Liebe von diesen unreinen Dingen angeregt wird; vom Verstand geschieht es, sofern die Liebe sich Dinge der Weisheit dienstbar macht oder gar verdreht, verfälscht und schändet.

Über den dementsprechenden Zustand des Herzens und seines Blutes in der Lunge muß nicht mehr gesagt werden, als was schon oben in # 420 gesagt wurde, nur daß statt der Reinigung eine Verunreinigung des Blutes geschieht und statt der Ernährung des Blutes durch Wohlgerüche, wie im Himmel, eine Ernährung durch Moder- und Fäulnisgeruch, wie in der Hölle.

18. Die von der Weisheit im Verstand gereinigte Liebe wird geistig und himmlisch.

*422. Der Mensch wird als ein natürliches Wesen geboren, geistig und himmlisch wird er nach der Erhebung seines Verstandes ins himmlische Licht und der gleichzeitigen Erhebung seiner Liebe in die himmlische Wärme. Er wird dann wie ein Garten Eden, der im Licht und in der Wärme des Frühlings daliegt. Doch nicht der Verstand wird geistig und himmlisch, sondern die Liebe, und wenn sie es wird, macht sie auch ihre Gattin, den Verstand, geistig und himmlisch.

Geistig und himmlisch wird die Liebe durch ein Leben in Übereinstimmung mit den Wahrheiten der Weisheit, die der Verstand lehrt und zeigt. Die Liebe nimmt sie in sich auf mithilfe ihres Verstandes und nicht unmittelbar. Denn die Liebe kann sich nicht erheben, ohne die Wahrheiten zu kennen. Dies aber kann nur durch den erhobenen und erleuchteten Verstand geschehen. Die Liebe wird dann soweit erhoben, wie sie nach den Wahrheiten handelt, die sie liebt. Denn etwas einsehen und etwas wollen sind zwei verschiedene Dinge, ebenso wie reden und tun.

Es gibt Menschen, welche die Wahrheiten der Weisheit einsehen und darüber reden, sie aber gleichwohl nicht wollen und tun. Erst wenn die Liebe die Wahrheiten des Lichtes, die sie einsieht und von denen sie spricht, auch tut, wird sie erhoben. Dies kann der Mensch aufgrund bloßer Vernunft erkennen; denn was ist schon ein Mensch, der die Wahrheiten der Weisheit einsieht und darüber spricht, während er ihnen doch mit seinem Leben, das heißt im Wollen und Handeln, widerspricht?

Die Tatsache, daß die durch Weisheit gereinigte Liebe geistig und himmlisch wird, beruht darauf, daß der Mensch drei Grade des Lebens aufweist — genannt der natürliche, der geistige und der himmlische (vgl. den III. Teil dieses Werkes) — , und von einem zum anderen erhoben werden kann. Doch wird er, wie gesagt, nicht durch bloße Weisheit erhoben, sondern nur durch ein entsprechendes Leben, da ja das Leben des Menschen identisch ist mit seiner Liebe. In dem Maße daher, wie er der Weisheit gemäß lebt, liebt er sie auch. Der Mensch lebt aber der Weisheit gemäß, soweit er sich von den Verunreinigungen der Sünden reinigt. Inwieweit er das tut, insoweit liebt er sie.

*423. Die Entsprechung mit dem Herzen und der Lunge zeigt uns nicht so deutlich, daß die von der Weisheit im Verstand gereinigte Liebe geistig und himmlisch wird. Denn niemand kann die Beschaffenheit des Blutes erkennen, durch das die Atmung der Lunge aufrecht erhalten wird. Das Blut kann voller Unreinigkeiten sein und sich doch nicht von dem reinen Blut unterscheiden lassen. Ebenso erscheint die Atmung des bloß natürlichen Menschen ganz wie die des geistigen Menschen. Im Himmel werden sie jedoch genau unterschieden, weil dort jeder in Übereinstimmung mit der Ehe zwischen seiner Liebe und Weisheit atmet. Daher werden die Engel ebenso an ihrer Atmung erkannt wie an jener Ehe. Das ist auch der Grund, warum jene, die in den Himmel kommen und diese Ehe nicht in sich haben, in Brustbeklemmungen geraten und ihnen der Atem ausgehen will, fast wie Menschen, die mit dem Tode ringen. Daher stürzen sie sich auch kopfüber von dort herab und ruhen nicht eher, als sie bei denen angelangt sind, die auf ähnliche Art atmen. Dann erst sind sie nämlich aufgrund der Entsprechung in einer ähnlichen Neigung, also auch in einem ähnlichen Denken.

Aus alledem läßt sich feststellen, daß es beim geistigen Menschen das reinere Blut ist — von einigen auch als Lebensgeist (spiritus animalis) bezeichnet —, das gereinigt wird, und daß es insoweit gereinigt ist, als der Mensch in der Ehe der Liebe und Weisheit steht.

Jenes reinere Blut ist das, was jener Ehe zunächst entspricht, und da es ins Blut des Körpers einströmt, so wird folglich dieses durch jenes gereinigt. Das Gegenteil geschieht bei denen, deren Liebe im Verstand verunreinigt wurde.

Doch wie gesagt, niemand kann das durch irgendwelche Experimente mit dem Blut erforschen, man kann es nur anhand der Neigungen der Liebe, weil diese dem Blut entsprechen.

19. Die im und vom Verstand verunreinigte Liebe wird natürlich, sinnlich und fleischlich.

*424. Getrennt von der geistigen Liebe ist die natürliche Liebe der geistigen entgegengesetzt, weil die natürliche Liebe Eigenliebe und Weltliebe, die geistige Liebe hingegen Liebe zum Herrn und zum Nächsten ist. Die Eigen- und Weltliebe aber blickt nach unten und außen, die Liebe zum Herrn nach oben und innen. Wenn daher die natürliche von der geistigen Liebe getrennt ist, so kann sie sich nicht über das Eigene (proprio) des Menschen erheben, sondern bleibt darin eingetaucht, ihm wie angeleimt, soweit sie es liebt. Erhebt sich nun der Verstand und sieht aus dem Licht des Himmels, was zur Weisheit gehört, dann wird er von der Liebe zurückgezogen, und diese Liebe verbindet ihn mit sich in ihrem Eigenen. Dann verwirft der Verstand entweder die Dinge der Weisheit oder er verfälscht sie; oder er verwendet sie dazu, sich durch das Reden darüber einen Ruf zu erwerben.

Ebenso wie die natürliche Liebe stufenweise emporsteigen und dadurch geistig und himmlisch werden kann, so kann sie auch stufenweise herabsteigen und sinnlich und fleischlich werden. Sie steigt aber soweit herab, wie sie herrschen möchte, ohne dabei vom Hang zur Nutzwirkung getrieben zu sein, sondern allein von ihrer Eigenliebe. Diese Liebe ist es, die als Teufel bezeichnet wird.

Menschen mit dieser Liebe können zwar ebenso reden und handeln wie Menschen mit geistiger Liehe. Aber das geschieht bei ihnen nur aufgrund ihres Gedächtnisses oder aufgrund des Verstandes, den sie von sich aus ins Licht des Himmels erhoben haben. Wie auch immer — was sie reden und tun, gleicht stets Früchten, die äußerlich schön erscheinen, inwendig aber verfault sind, oder Mandeln mit unversehrten Schalen, die sich aber, wenn man sie öffnet, als von Würmern völlig zerfressen erweisen.

In der geistigen Welt bezeichnet man dies als Phantasien, durch die sich die Huren, dort Sirenen genannt, Schönheit verschaffen und mit glänzenden Kleidern schmücken, obgleich sie, wenn die Phantasien entfernt werden, wie Gespenster erscheinen. Sie sind wie die Teufel, die sich in Engel des Lichts verstellen. Wenn nämlich jene fleischliche Liebe ihren Verstand von der Erhebung zurückzieht - und dies geschieht, sobald sie für sich allein ist — und aus sich selbst heraus denkt, dann zeigt sich, daß ihr Denken gegen Gott gerichtet ist und die Natur begünstigt, also gegen den Himmel und für die Welt spricht, gegen das Wahre und Gute der Kirche und für das Falsche und Böse der Hölle, folglich gegen die Weisheit.

Damit steht fest, welcher Art die fleischlichen Menschen sind. Nicht ihr Verstand ist fleischlich, sondern ihre Liebe, genauer: ihr Verstand ist nicht fleischlich, solange sie in der Öffentlichkeit reden, wohl aber wenn sie im Geist mit sich selbst sprechen. Und weil ihr Geist so beschaffen ist, werden sie nach dem Tode in zweierlei Hinsicht, nämlich inbezug auf ihre Liebe wie auf ihren Verstand, zu fleischlichen Geistern.

Menschen, die in der Welt aufgrund ihrer Eigenliebe im höchsten Grad herrschsüchtig waren und sich zugleich verstandesmäßig über andere erhaben dünkten, erscheinen dann körperlich wie ägyptische Mumien und geistig als roh und albern.

Wer weiß heutzutage in der Welt, daß jene Liebe innerlich so beschaffen ist? Es gibt jedoch auch eine Liebe zum Herrschen, die der Liebe zur Nutzwirkung entspringt, der Nutzwirkung nicht um ihretwillen, sondern für das Allgemeinwohl.

Dem Menschen fällt es nicht leicht, zwischen beiden zu unterscheiden, obgleich der Unterschied ist wie zwischen Himmel und Hölle. Im Werk über Himmel und Hölle, # 551 bis 565, kann man über den Unterschied zwischen den beiden Arten der Liebe zum Herrschen nachlesen.

20. Die Fähigkeit zur Einsicht, Vernunft genannt, und die Anlage zu handeln, Freiheit genannt, bleiben gleichwohl erhalten.

*425. Diese beiden Fähigkeiten des Menschen sind oben # 264 bis 267 behandelt worden. Beide hat der Mensch, damit er aus einem natürlichen zu einem geistigen Wesen, das heißt wiedergeboren werden kann. Oben wurde ja gezeigt, daß es die Liebe ist, die geistig, also wiedergeboren werden soll. Das ist aber nur möglich, wenn sie durch ihren Verstand erfährt, was gut und böse, somit was wahr und falsch ist. Erst wenn sie das weiß, kann sie das eine oder andere wählen. Wählt sie aber das Gute, so kann sie durch ihren Verstand darüber belehrt werden, durch welche Mittel sie zum Guten gelangen kann. Alle Mittel, durch die der Mensch zum Guten gelangen kann, sind vorgesehen.

Die Mittel zu kennen und zu verstehen geschieht aufgrund der Vernunft, sie zu wollen und anzuwenden geschieht aufgrund der Freiheit. Sache der Freiheit ist es auch, diese Mittel kennen, verstehen und denken zu wollen.

Menschen, die der Lehre ihrer Kirche entsprechend glauben, die geistigen und theologischen Fragen überstiegen den Verstand und seien daher unverstanden einfach im Glauben anzunehmen, wissen nichts über diese beiden Fähigkeiten, Vernunft und Freiheit genannt. Sie können letztlich die Vernunftfähigkeit nur leugnen. Und Menschen, die nach der Lehre ihrer Kirche glauben, niemand könne von sich aus Gutes tun, weshalb auch das Tun des Guten bei einer gewissen Beteiligung des Willens kein Mittel zum Heil sei, können aufgrund ihrer Religion nur leugnen, daß der Mensch diese beiden Fähigkeiten hat.

Deshalb werden auch alle, die sich auf diesen Grundsatz versteift hatten, nach dem Tode ihrem Glauben gemäß dieser beiden Fähigkeiten beraubt. Anstatt der himmlischen Freiheit, die sie hatten erlangen können, geraten sie nun in die höllische Freiheit, und sie, die durch die Vernunft in Engelsweisheit hätten sein können, leben nun in höllischem Unsinn. Merkwürdigerweise erkennen sie diese beiden Fähigkeiten an, indem sie Böses tun und Falsches denken, sind sich aber nicht bewußt, daß die Freiheit zum Tun des Bösen Sklaverei und die Fähigkeit der Vernunft, Falsches zu denken, Unvernunft ist.

Aber man merke wohl: diese beiden Fähigkeiten, Vernunft und Freiheit, sind nicht Eigentum des Menschen, sondern des Herrn beim Menschen; auch kann sie sich der Mensch nicht als ihm gehörig aneignen, und ebenso wenig können sie ihm übereignet werden. Vielmehr sind sie fortgesetzt das Eigentum des Herrn bei ihm. Gleichwohl werden sie dem Menschen nie entzogen, weil der Mensch ohne sie nicht selig werden, da nicht wiedergeboren werden könnte, wie oben ausgeführt wurde. Das ist auch der wahre Grund, weshalb der Mensch von der Kirche darüber belehrt wird, daß er von sich aus nichts Wahres denken und nichts Gutes tun könne.

Weil der Mensch es aber nur so wahrnehmen kann, als ob er Wahres denke und Gutes tue von sich aus, so ist klar, daß er auch glauben muß, er denke das Wahre und tue das Gute wie von sich aus. Denn wenn er es nicht glaubte, so dachte er entweder gar nichts Wahres und täte auch nichts Gutes, hatte somit keine Religion, oder aber er dachte Wahres und täte Gutes aus sich selbst und schriebe das, was göttlich ist, sich selbst zu. In der 'Lebenslehre für das Neue Jerusalem' ist von Anfang bis Ende nachzulesen, daß der Mensch das Wahre denken und das Gute tun soll wie aus sich selbst.

21. Die geistige und himmlische Liehe ist die Liebe zum Nächsten und die Liebe zum Herrn, die natürliche und sinnliche aber die Liebe zur Welt und zu sich selbst.

*426. Unter 'Nächstenliebe' ist die Liebe zu Nutzwirkungen zu verstehen, unter der 'Liebe zum Herrn' die Liebe, Nutzwirkungen zu vollziehen. Diese beiden Liebesarten aber sind geistig und himmlisch, weil die Liebe zu den Nutzwirkungen und ihr Vollzug aus Liebe zu ihnen etwas ist, das von der Eigenliebe des Menschen getrennt ist. Denn wer die Nutzwirkungen geistig liebt, sieht dabei nicht auf sich, sondern auf andere außerhalb seiner selbst, deren Wohl ihm am Herzen liegt.

Diesen Liebesarten entgegengesetzt sind die Eigen- und Weltliebe, denn sie haben bei den Nutzwirkungen nicht den anderen, sondern nur sich selbst im Auge. Menschen, die so handeln, kehren die göttliche Ordnung um und setzen sich anstelle des Herrn und die Welt anstelle des Himmels. So blicken sie vom Herrn und vom Himmel weg; das heißt aber, sie blicken auf die Hölle. Oben in # 424 findet man mehr über diese Arten der Liebe.

Nun fühlt und empfindet aber der Mensch die Liebe zum Vollzug von Nutzwirkungen um der Nutzwirkungen willen nicht so stark, wie die Liebe zum Vollzug von Nutzwirkungen, die er für sich selbst vollbringt. Daher weiß er auch, wenn er Nutzen schafft, nicht, ob er es um der Nutzwirkungen oder um seinetwillen getan hat. Er möge aber wissen, daß er insoweit Nutzwirkungen um der Nutzwirkungen willen vollbringt, als er das Böse flieht. Denn in dem Maße als er dieses flieht, tut er das Nützliche nicht von sich, sondern vom Herrn aus. Das Böse und das Gute sind in der Tat Gegensätze, und darum ist jemand insoweit nicht im Bösen, als er im Guten ist.

Niemand kann gleichzeitig im Bösen und im Guten sein, weil niemand gleichzeitig zwei Herren dienen kann.

Dies wurde gesagt, damit man wisse, daß der Mensch, obgleich er es nicht deutlich wahrnehmen kann, ob er die von ihm vollbrachten Nutzwirkungen um der Nutzwirkungen selbst oder um seinetwillen getan hat, es dennoch daran erkennen kann, ob er das Böse für Sünde hält oder nicht. Hält er es für Sünde und tut es deshalb nicht, so sind seine Nutzwirkungen geistiger Beschaffenheit. Indem er das Böse aus Abscheu flieht, beginnt dann ein solcher Mensch auch, die Liebe zur Nutzwirkung um der Nutzwirkung willen deutlich zu empfinden, und zwar aus der geistigen Lust daran.

22. Mit Nächstenliebe und Glauben und mit ihrer Verbindung verhält es sich ebenso wie mit Wille und Verstand und deren Verbindung.

*427. Es gibt zwei Arten Liebe, nach denen die Himmel unterschieden werden - himmlische und geistige Liebe. Die himmlische, ist die Liebe zum Herrn, die geistige die Liebe zum Nächsten. Diese Arten der Liebe unterscheiden sich dadurch, daß die himmlische eine Liebe zum Guten und die geistige eine Liebe zum Wahren ist. Diejenigen nämlich, die sich von himmlischer Liebe leiten lassen, vollbringen Nutzwirkungen aus Liebe zum Guten, die sich von geistiger Liebe leiten lassen, vollbringen sie aus Liebe zum Wahren.

Die himmlische Liebe ist mit der Weisheit und die geistige Liebe mit der Einsicht ehelich verbunden. Sache der Weisheit ist es nämlich, Gutes zu tun aus dem Guten heraus, Sache der Einsicht aber, Gutes zu tun aus dem Wahren heraus. Darum vollbringt der himmlische Trieb das Gute und der geistige das Wahre.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Formen der Liebe läßt sich nicht anders beschreiben als dadurch, daß die von himmlischer Liebe erfüllten Menschen über eine Weisheit verfügen, die ihrem Leben und nicht ihrem Gedächtnis eingeprägt ist. Das ist auch der Grund, weshalb sie nicht über die göttlichen Wahrheiten reden, sie vielmehr einfach tun. Menschen hingegen, die von geistiger Liebe erfüllt sind, verfügen über eine dem Gedächtnis eingeprägte Weisheit. Daher reden sie über die göttlichen Wahrheiten und verwirklichen sie nach den Grundsätzen, die ihr Gedächtnis enthält.

Weil bei den Menschen, die von himmlischer Liebe erfüll sind, die Weisheit ihrem Leben eingeschrieben ist, so erkennen sie umgehend, ob das, was sie hören, wahr ist oder nicht, und wenn man sie fragt, ob es wahr sei, so antworten sie bloß mit Ja oder Nein. Sie sind gemeint mit den Worten des Herrn: „Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein“ (Matth 5/37). Aufgrund dieser Eigenschaft wollen sie nichts über den Glauben hören. Sie sagen vielmehr: „Was ist Glaube? Ist er nicht Weisheit? Und was ist Nächstenliebe? Ist sie nicht Tat?“ Wenn man ihnen sagt, der Glaube bestehe darin, etwas zu glauben, was man nicht versteht, so wenden sie sich ab und nennen es Faselei. Sie sind es, die den dritten Himmel bewohnen und von allen die weisesten sind. Zu Menschen dieser Art wurden in der Welt jene, die das Göttliche, sobald sie es hörten, sogleich aufs Leben anwandten, das Böse als etwas Höllisches verabscheuten und den Herrn allein anbeteten. In ihrer Unschuld erscheinen sie anderen wie Kinder, und da sie über die Wahrheiten der Weisheit nicht reden und in ihrer Redeweise nichts von Dunkel liegt, machen sie auch den Eindruck von Einfältigen. Aber wenn sie jemanden sprechen hören, so erkennen sie schon aus seinem Ton das Ganze seiner Liebe und an seiner Rede das Ganze seiner Einsicht.

Dies sind die Menschen, bei denen Liebe und Weisheit vom Herrn eine Ehe eingegangen sind und die zur Herzregion des Himmels gehören, wie oben dargelegt wurde.

*428. Im Unterschied zu ihnen verfügen Menschen, die von der geistigen Liebe bestimmt sind, über keine ihrem Leben eingeschriebene Weisheit, sondern nur über Einsicht (sed habent intelligentiam). Denn Weisheit bedeutet, das Gute aus Liebe zum Guten zu tun und Einsicht, es aus Liebe zum Wahren zu tun, wie oben gesagt wurde.

Auch diese Menschen wissen nicht, was Glaube ist, wird davon gesprochen, so verstehen sie darunter die Wahrheit, und wird von der Nächstenliebe gesprochen, so verstehen sie darunter das Handeln aus der Wahrheit. Spricht man von der Notwendigkeit des Glaubens, so bezeichnen sie das als eine sinnlose Rede und meinen: „Wer glaubt nicht, was wahr ist?“ Sie sprechen so, weil sie im Licht ihres Himmels das Wahre sehen. Daher bezeichnen sie es als einfältig oder albern, etwas zu glauben, was man nicht sieht. Menschen dieser Art bilden, wie oben ebenfalls dargelegt wurde, die Lungenregion des Himmels.

*429. Menschen hingegen, die in geistig-natürlicher Liebe leben, haben weder Weisheit noch Einsicht, die ihrem Leben eingeschrieben wären. Stattdessen haben sie etwas vom Glauben aus dem Wort, soweit dies mit der Nächstenliebe verbunden ist. Weil sie weder wissen, was die Nächstenliebe (wirklich) ist noch ob der Glaube Wahrheit ist, können sie im Himmel nicht mit denen zusammensein, die von Weisheit und Einsicht geprägt sind, sondern nur mit denen, die bloß ein Wissen davon aufweisen. Und doch befinden sich alle, die das Böse gemieden hatten, weil es Sünde ist, im untersten Himmel. Sie sind dort in einem Licht, das dem nächtlichen Mondlicht gleicht.

Jene hingegen, die sich nicht auf den Glauben an ein Unbekanntes festgelegt und die zugleich auch eine gewisse Neigung zum Wahren hatten, werden durch Engel unterrichtet. Je nach ihrer Aufnahme der Wahrheiten und einem dementsprechenden Leben werden sie in die Gesellschaften derer erhoben, die von geistiger Liebe erfüllt sind und von daher Einsicht haben. Sie werden geistig, die übrigen bleiben geistig-natürlich.

Anders ist das Los derer, die ihren Glauben von der Nächstenliebe getrennt hatten. Sie werden entfernt und in Wüsten verbannt, weil sie keinerlei Gutes aufweisen und daher bei ihnen auch nichts von jener ehelichen Verbindung zwischen dem Guten und Wahren besteht, die sich bei allen findet, die im Himmel sind.

*430. Alles, was in diesem Teil über Liebe und Weisheit ausgeführt wurde, läßt sich ebenso auch über Nächstenliebe und Glaube sagen, vorausgesetzt, man versteht unter der Nächstenliebe die geistige Liebe und unter dem Glauben die Wahrheit, durch die Einsicht entsteht. Auf dasselbe läuft es hinaus, wenn man von Wille und Verstand oder von Liebe und Einsicht spricht, da ja der Wille ein Aufnahmegefäß der Liebe und der Verstand ein Aufnahmegefäß der Einsicht ist.

*431. Dem mochte ich noch folgendes beifügen, was berichtet zu werden verdient: Alle im Himmel, die Nutzwirkungen vollbringen aus ihrer Neigung zu den Nutzwirkungen, werden aufgrund der Gemeinschaft, in der sie dadurch stehen, weiser und glücklicher als andere. Nutzwirkungen vollbringen bedeutet für sie, ehrlich, aufrichtig, gerecht und zuverlässig zu handeln in allem, was ihnen aufgetragen ist. Dies nennen sie Nächstenliebe (charitatem); die gottesdienstlichen Handlungen heißen sie Zeichen der Nächstenliebe, alles Übrige jedoch Pflichten und Freundschaftsdienste (debita et beneficia). Sie sagen, wenn nur jeder ehrlich, aufrichtig, gerecht und zuverlässig tue, was seines Amtes sei, so hätte das Gemeinwohl Bestand und Dauer. Dies bedeute aber zugleich auch, im Herrn zu sein, weil alles, was vom Herrn her einfließt, eine Nutzwirkung sei, und zwar fließe es ein von den Teilen ins Allgemeine und wiederum von dort in die Teile. Die Teile sind dort die einzelnen Engel und das Allgemeine ist ihre Gemeinschaft.

Über die ersten Anfänge des Menschen von der Empfängnis her.

*432. Niemand kann wissen, wie die ersten Anfänge des Menschen im Mutterleib nach der Empfängnis beschaffen sind, weil man sie nicht sehen kann, aber auch weil sie aus einer geistigen Substanz bestehen, die im natürlichen Licht nicht erscheint. Nun sind in der Welt einige so geartet, daß ihr Geist sich auch für die Erforschung des allerersten Anfangs des Menschen interessiert- und das ist der Same des Vaters, von dem die Empfängnis ausgeht. Und da viele von ihnen dem Irrtum erlagen, daß der Mensch schon von Anfang an in seinem Vollbestand existiere, um dann allmählich zu seiner Vollkommenheit heranzuwachsen, so ist mir enthüllt worden, wie dieser Anfang oder dieses Erste seiner Form nach beschaffen ist.

Es ist mir von Engeln enthüllt worden, denen es wiederum vom Herrn offenbart worden war. Sie hatten dies zum Gegenstand ihrer Weisheit gemacht. Die Lust ihrer Weisheit aber besteht dann, ihr Wissen anderen mitzuteilen. So stellten sie denn nach erhaltener Erlaubnis die anfängliche Form des Menschen im Licht des Himmels bildhaft vor meinen Augen dar. Sie war aber folgendermaßen beschaffen:

Ich sah etwas wie das winzig kleine Bild eines Gehirns, das vorn die zarte Zeichnung eines Gesichts zeigte, ohne irgendein Anhängsel. Der obere, nach außen gewölbte Teil dieses ersten Anfangs war ein Gefüge von Klumpchen oder Kugelchen, wobei jedes Kugelchen aus noch kleineren zusammengesetzt war, und diese wiederum aus allerkleinsten. Mithin war in ihm eine Dreiheit von Graden. Auf der vorderen flachen Seite war etwas wie der Umriß eines Gesichts. Eine ganz feine durchsichtige Membrane oder Hirnhaut umhüllte den ausgebuchteten Teil.

Dieser ausgebuchtete Teil, ein kleinstes Abbild des Gehirns, war in etwas wie zwei Lagerstätten eingeteilt, gerade wie das Gehirn im Großen aus zwei Halbkugeln besteht. Es wurde mir bedeutet, daß die rechte Lagerstätte als Aufnahmegefäß für die Liebe, die linke als Aufnahmegefäß für die Weisheit diene, und das sie durch bewundernswerte Verknüpfungen untereinander gleichsam Gefährten und Zeltgenossen seien.

Als mir dann das Licht des Himmels entgegenstrahlte, wurde mir gezeigt, daß die innere Struktur dieses winzigen Gehirnchens hinsichtlich Anordnung und Strömung in der Ordnung und Form des Himmels ist, während seine äußere Struktur im Gegensatz dazu steht.

Nachdem ich gesehen hatte, was mir die Engel gezeigt hatten, sagten sie mir, daß die beiden inwendigen Grade, die in der Ordnung und Form des Himmels waren, als Aufnahmegefäße der Liebe und Weisheit vom Herrn dienten, während der äußere Grad, der im Gegensatz zur Ordnung und Form des Himmels stand, ein Aufnahmegefäß höllischer Liebe und Tollheit sei. Das komme daher, daß der Mensch aufgrund seines erblichen Gebrechens in Böses aller Art hineingeboren wird, das dort im Äußersten seinen Sitz hat. Dieses Gebrechen aber werde nur entfernt, wenn die höheren Grade aufgeschlossen werden, die, wie gesagt, die Aufnahmegefäße der Liebe und Weisheit vom Herrn sind.

Und weil die Liebe und Weisheit der eigentliche Mensch ist (ist doch diese Liebe und Weisheit ihrem Wesen nach der Herr), und dieses Erste des Menschen ein Aufnahmegefäß ist, so folgt, daß von daher in diesem Ersten ein fortwährendes Streben zur menschlichen Form liegt, mit der es sich auch Schritt für Schritt bekleidet.

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[VH-LIF / 2009]