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 Denkwuerdigkeiten und Anhang html  2.02MB  Emanuel Swedenborg a.D. *1688 - 1772     

Denkwürdigkeiten

Emanuel Swedenborg

Denkwürdigkeiten

Gehörtes und Gesehenes

*


Einleitung

Die himmlischen Geheimnisse, die in der Heiligen Schrift oder im Wort des Herrn aufgedeckt wurden, sind enthalten in der Auslegung, die der innere Sinn des Wortes ist. Über die Beschaffenheit dieses Sinnes lese man nach, was von ihm aus der Erfahrung gezeigt worden ist: Nr. 1767-1777, 1869-1879; und überdies im Zusammenhang Nr. 1-5, 64, 65, 66, 167, 605, 920, 937, 1143, 1224, 1404, 1405, 1408, 1409, 1502, 1540, 1659, 1756, 1783, 1807.

Die wunderbaren Dinge, die gesehen wurden in der Geisterwelt und im Himmel der Engel, sind jedem Kapitel vorausgeschickt und angehängt worden; in diesem ersten Teile:

*1. Von der Auferweckung des Menschen von den Toten und seinem Eingang in das ewige Leben: Nr. 168-181.

*2. Von des Auferweckten Eingang in das ewige Leben: Nr. 182-189.

*3. Fortsetzung vom Eingang des Menschen ins ewige Leben: Nr. 314-319.

*4. Wie die Seele des Menschen oder sein Geist dann beschaffen ist: Nr. 320-323.

*5. Einige Beispiele von Geistern, wie sie bei Leibesleben über die Seele oder den Geist gedacht haben: Nr. 443-448.

*6. Vom Himmel und der himmlischen Freude: Nr. 449-459.

*7. Fortsetzung von dem Himmel und der himmlischen Freude: Nr. 531-546.

*8. Fortsetzung von dem Himmel und der himmlischen Freude: Nr. 547-553.

*9. Von den Gesellschaften, die den Himmel bilden: Nr. 684-691.

*10. Von der Hölle: Nr. 692-700.

*11. Von den Höllen derer, die in Haß, Rache und Grausamkeit ihr Leben zugebracht haben: Nr. 814-823.

*12. Von den Höllen derer, die in Ehebruch und Geilheit ihr Leben zugebracht haben; dann von den Höllen der Ränkevollen und der Zauberinnen (Praestigiatricum): Nr. 824-831.

*13. Von den Höllen der Geizigen, und von dem unsauberen Jerusalem und den Räubern in der Wüste; dann von den unflätigen Höllen derer, die in lauter Wollüsten gelebt haben: Nr. 938-946.

*14. Von anderen Höllen, die von den früheren verschieden sind: Nr. 947-970.

*15. Von den Abödungen: Nr. 1106-1113.

*16. Von der Ältesten Kirche.

*17. Von den Vorsündflutlichen, die untergingen: Nr. 1265-1272.

*18. Von der Lage des Größten Menschen, dann von dem Ort und der Entfernung im anderen Leben: Nr. 1273-1278.

*19. Fortsetzung von der Lage und dem Ort, sowie auch von der Entfernung und Zeit im anderen Leben: Nr. 1376-1382.

*20. Von der Wahrnehmung der Geister und Engel und von den Sphären im anderen Leben: Nr. 1383-1400.

*21. Fortsetzung von den Wahrnehmungen und von den Sphären im anderen Leben: Nr. 1504-1520.

*22. Vom Lichte, in dem die Engel leben: Nr. 1521-1534.

*23. Fortsetzung von dem Licht, in dem die Engel leben; und von ihren Paradiesen und Wohnungen: Nr. 1619-1633.

*24. Von der Sprache der Geister und Engel: Nr. 1634- 1650.

*25. Fortsetzung von der Sprache der Geister und deren Verschiedenheiten: Nr. 1757-1764.

*26. Von der Heiligen Schrift oder dem Worte, daß es Göttliches in sich schließe, das den guten Geistern und den Engeln offen zutage liegt: Nr. 1767-1777.

*27. Fortsetzung von der Heiligen Schrift oder dem Worte: Nr. 1869-1879.

*28. Einiges von den Geistern und Engeln im allgemeinen: Nr. 1880-1885.


*168. Von der Auferstehung des Menschen von den Toten und seinem Eintritt ins ewige Leben.

Da ich, wie schon bemerkt worden, der Reihe nach angeben darf, wie der Mensch vom Leben des Leibes eingeht in das Leben der Ewigkeit, so ist mir, damit man es wisse wie der Mensch auferweckt wird, nicht durch das Gehör mitgeteilt, sondern durch lebendige Erfahrung gezeigt worden.

*169. Ich wurde in einen Zustand der Empfindungslosigkeit in Rücksicht der leiblichen Sinne, somit beinahe in den Zustand der sterbenden versetzt, während jedoch das innere Leben samt dem Denken unversehrt blieb, damit ich das, was mit denen, die gestorben sind und auferweckt werden, vorgeht, wahrnähme und im Gedächtnis behielte, mit einem dem Leben angemessenen Atmen, später mit stillem Atmen.

*170. Es waren himmlische Engel zugegen, welche die Gegend des Herzen besetzt hatten, so das ich dem Herzen nach mit ihnen vereinigt zu sein schien, zuletzt insoweit, daß kaum noch etwas von dem meinigen mir übriggelassen war, außer dem Denken und dem Wahrnehmen aus diesem (perceptio inde); und dies etliche Stunden lang.

*171. Ich wurde so dem Verkehr mit den Geistern in der Geisterwelt entrückt, welche meinen, ich sei aus dem Leben des Leibes abgeschieden.

*172. Außer den himmlischen Engeln, welche die Gegend des Herzens besetzt hielten, saßen auch zwei Engel bei dem Haupte; und ich erfuhr, daß es einem jeden so geschehe.

*173. Die Engel, die bei dem Haupte saßen, waren die stillsten, indem sie ihre Gedanken nur mit dem Angesichte mitteilten, so daß ich wahrnahm, daß mir gleichsam ein anderes Angesicht beigebracht wurde, und zwar ein zweifaches, weil es ihrer zwei waren. Wenn die Engel wahrnehmen, daß ihre Angesichter angenommen werden, so wissen sie, daß der Mensch gestorben ist.

*174. Nachdem sie ihre Angesichter erkannt hatten, brachten sie einige Veränderungen um die Gegend des Mundes bei und teilten so ihre Gedanken mit; denn durch die Gegend des Mundes zu sprechen ist den Himmlischen gemein; es wurde mir gegeben, ihre Gedankensprache zu verstehen.

*175. Ich empfand einen aromatischen Geruch, wie von einem einbalsamierten Leichnam; denn wenn himmlische Engel zugegen sind, so wird der Leichengeruch als ein aromatischer empfunden, und wenn diesen die bösen Geister empfinden, so können sie sich nicht nahen.

*176. Inzwischen wurde ich in betreff der Gegend des Herzens ziemlich enge mit dem Himmlischen vereinigt gehalten, was ich fühlte und auch durch das Pulsieren empfand.

*177. Es wurde mir kund gegeben, daß die Gedanken, die der Mensch im Augenblick des Todes hat, wenn sie fromm und heilig sind, von den Engeln festgehalten werden. Auch wurde mir kund gegeben, daß die, welche sterben, meistens ans ewige Leben denken, selten an ihr Wohlsein und Glück, daher die Engel sie im Gedanken an das ewige Leben erhalten.

*178. In diesen Gedanken werden sie ziemlich lange von den himmlischen Engeln erhalten, ehe sie zurücktreten und den geistigen Engeln überlassen werden, denen sie sodann zugesellt werden. Inzwischen wissen sie nichts anderes, als daß sie noch im Leibe leben, wiewohl nur dunkel.

*179. Die Lebenssubstanzen werden, sobald die inneren Teile des Körpers erkalten, vom Menschen ausgeschieden, mögen sie sein wo sie wollen, selbst wenn sie in tausend labyrinthartigen Windungen eingeschlossen waren; denn die Wirksamkeit der Barmherzigkeit des Herrn, die ich früher als eine lebendige und kräftige Anziehung empfand, ist so stark, daß nichts zum Leben Gehöriges zurückbleiben kann.

*180. Die himmlischen Engel, die bei dem Haupte saßen, waren, nachdem ich gleichsam auferweckt war, noch einige Zeit bei mir und sprachen nur stille. Ich entnahm aus ihrer Gedankensprache, daß sie alle Tauschungen und Falschheiten zunichte machten, indem sie dieselben zwar nicht als Spielereien verlachten, sich aber nichts darum bekümmerten. Ihre Sprache ist eine Gedankensprache ohne etwas Tonendes, und in ihr fangen sie auch an, mit den Seelen zu sprechen, bei denen sie zuerst sind.

*181. Noch ist der Mensch, der so von den Himmlischen auferweckt ist, in einem dunklen Leben; wenn die Zeit da ist, daß er den geistigen Engeln übergeben werden soll, so treten nach einigem Zögern die himmlischen ab, sobald die geistigen herzugetreten sind; und es wurde gezeigt, wie diese dahin wirken, daß er in den Genuß des Lichtes komme.

*182. Wenn die himmlischen Engel bei dem Auferweckten sind, so verlassen sie ihn nicht, denn sie lieben einen jeden; ist aber eine Seele von der Art, daß sie nicht mehr in der Gemeinschaft der Himmlischen sein kann, so sehnt sie sich von ihnen weg, und wenn dies geschieht, so kommen geistige Engel, die ihr den Genuß des Lichtes verschaffen, denn vorher hat sie nichts gesehen, sondern bloß gedacht.

*183. Es wurde mir gezeigt, wie diese Engel ans Werk gehen; sie scheinen gleichsam die Haut des linken Auges gegen die Nasenwand hin aufzuwickeln, damit das Auge geöffnet und der Genuß des Lichtes verliehen würde. Der Mensch fühlt nicht anders, als daß es so geschehe, es ist aber Schein.

*184. Wenn sie das Häutchen scheinbar aufgewickelt haben, so erscheint einiges Licht, aber noch dunkel, wie wenn der Mensch beim ersten Erwachen durch die Augenlider blickt; und er ist in einem ruhigen Zustand, noch bewacht von den Himmlischen. Alsdann erscheint etwas Schattiges von einer himmlischen Farbe mit einem Sternchen; jedoch wurde vernommen, daß dies mit Mannigfaltigkeit geschehe.

*185. Nachher scheint etwas sanft vom Angesicht ausgewickelt zu werden, und es wird ihm Bewußtsein (perceptio) beigebracht. Die Engel sorgen alsdann so sehr als möglich dafür, daß keine andere Vorstellung von ihm komme, als eine sanftere oder liebevolle, und es wird ihm zu erkennen gegeben, daß er ein Geist ist.

*186. Jetzt fängt er sein Leben an; dieses ist zuerst glücklich und fröhlich, denn es ist ihm, als ob er ins ewige Leben gekommen sei. Dies wird vorgebildet durch ein weißglänzendes, schön ins Gelbe spielendes Licht, durch das sein erstes Leben bezeichnet wird, daß es nämlich ein himmlisches nebst einem geistigen sei.

*187. Daß er hernach in die Gesellschaft guter Geister aufgenommen wurde, ist vorgebildet worden durch einen Jüngling, der auf einem Pferd sitzt und dieses der Hölle zulenkt, aber das Pferd kann sich keinen Schritt vorwärts bewegen. Er wird als ein Jüngling vorgestellt, weil er, sobald er ins ewige Leben kommt, unter Engeln ist, und es ihm so vorkommt, als ob er in der Blüte der Jugend wäre.

*188. Das folgende Leben wurde dadurch vorgestellt, daß er vom Pferde stieg und zu Fuß ging, weil er das Pferd nicht von der Stelle bringen kann, und es wird ihm kundgegeben, daß er mit Kenntnissen des Wahren und Guten ausgerüstet werden soll.

*189. Nachher erschienen schiefe, allmählich aufwärts führende Pfade, die bedeuten, daß er durch Kenntnisse des Wahren und Guten und durch Erkenntnisse seiner selbst nach und nach zum Himmel geführt werden solle, denn ohne Selbsterkenntnis und Kenntnisse des Wahren und Guten kann niemand dorthin geführt werden.

*

*314. Wenn dem Auferweckten oder der Seele der Genuß des Lichtes verliehen worden ist, so daß er sich umsehen kann, so leisten ihm die geistigen Engel, von denen früher die Rede war, alle Dienste, die er in diesem Zustand irgend wünschen mag und belehren ihn über die Dinge die im anderen Leben sind, doch nur soweit er sie fassen kann. Wenn er im Glauben war und es wünscht, zeigen sie ihm auch die Wunder und Herrlichkeiten des Himmels.

*315. Wenn er dagegen nicht von der Art ist, daß er belehrt werden will, dann verlangt der Auferweckte oder die Seele aus der Gesellschaft der Engel weg, was die Engel genau inne werden, denn im anderen Leben findet eine Mitteilung aller Denkvorstellungen statt, und wenn er von ihnen weg verlangt, dann verlassen nicht sie ihn, sondern er trennt sich von ihnen. Die Engel lieben einen jeden, und sehnen sich nach nichts so sehr wie danach, Dienste zu leisten, zu unterrichten und in den Himmel mitzunehmen, darin besteht ihr größtes Vergnügen.

*316. Wenn die Seele sich also trennt, wird sie von guten Geistern aufgenommen, und ist sie in deren Gesellschaft, so werden ihr ebenfalls alle Dienste erwiesen. Wenn aber ihr Leben in der Welt von der Art war, daß sie nicht in der Gesellschaft der Guten hat sein können, so verlangt sie auch von ihnen weg, und dies so lange und so oft, bis sie sich zu solchen gesellt, die mit ihrem Leben in der Welt ganz Übereinstimmen, bei denen sie gleichsam ihr Leben findet; und dann führen sie, was zu verwundern ist, mit ihnen ein ähnliches Leben wie im Leibe.

Wenn sie aber in dieses Leben zurückgesunken sind, dann entsteht von da an ein neuer Lebensanfang. Einige werden nach einem größeren, andere nach einem kleineren Zeitraum von da gegen die Hölle hin gebracht; die aber, die im Glauben an den Herrn waren, werden von jenem neuen Lebensanfang an stufenweise zum Himmel geführt.

*317. Aber einige kommen langsamer, andere schneller zum Himmel, ja ich sah sogar, daß einige unmittelbar nach dem Tode in den Himmel erhoben wurden. Bloß zwei Beispiele mögen erwähnt werden:

*318. Es kam einer zu mir und sprach mit mir. Aus gewissen Zeichen konnte man schließen, daß er kürzlich erst aus dem Leben abgeschieden sei. Zuerst wußte er nicht, wo er war und meinte, er sei in der Welt, und als ihm zu wissen gegeben wurde, daß er im anderen Leben sei und nun nichts habe, wie Haus, Güter und dergleichen, sondern sich in einem anderen Reich befinde, in dem er alles dessen beraubt sei, was er in der Welt gehabt, geriet er in Angst und wußte nicht, wohin er sich wenden und wo er wohnen sollte. Es wurde ihm aber gesagt, der Herr allein sorge für ihn und für alle. Dann wurde er sich selbst überlassen, damit er denken möchte wie in der Welt, und er dachte nach (denn die Gedanken aller können im anderen Leben deutlich wahrgenommen werden), was er jetzt wohl tun wolle, weil er ohne alles das sei, wovon er hatte leben können. Als er aber in dieser Angst war, wurde er unter himmlische Geister versetzt, die aus dem Gebiet des Herzens waren, diese erwiesen ihm alle Dienste, die er nur irgend wünschte. Darauf wieder sich selbst überlassen, fing er an nach der Liebe zu denken, wie er eine so große Huld wieder vergelten könnte, woraus hervorging, daß er bei Leibesleben in der tätigen Liebe des Glaubens gestanden hatte daher er sogleich in den Himmel erhoben wurde.

*319. Auch einen anderen sah ich von den Engeln unmittelbar in den Himmel erhoben werden, und daß er vom Herrn angenommen und ihm die Herrlichkeit des Himmels gezeigt wurde. Außer vielen anderen Erfahrungen, daß dies mit einigen nach einiger Zeit geschah.


*320. Wie das Leben einer Seele oder eines Geistes beschaffen ist.

Was im allgemeinen das Leben der Seelen oder der neuangekommenen Geister nach dem Tode betrifft, so hat sich durch viele Erfahrungen herausgestellt, das der Mensch, wenn er ins andere Leben kommt, nicht weiß, daß er im anderen Leben ist, sondern meint, er sei noch in der Welt, ja in seinem Leibe; so sehr daß, wenn man ihm sagt er sei ein Geist, er sich verwundert und staunt. Und dies sowohl aus dem Grund, weil er ganz ist wie ein Mensch, nach den Sinnen, Begehrungen und Gedanken, als auch darum, weil er während seines Lebens in der Welt nicht geglaubt hat, daß es einen Geist gebe, und einige, daß ein Geist nicht so beschaffen sein könne.

*321. Das andere ist, daß ein Geist viel schärfere Sinnesvermögen und viel vorzüglichere Denk- und Redegaben hat als während er im Leibe lebte, so sehr, daß sie kaum verglichen werden können; wiewohl dies die Geister nicht wissen, bevor ihnen vom Herrn eine Reflexion darüber gegeben wird.

*322. Man hüte sich vor der falschen Meinung, als ob die Geister keine Sinne (sensitivum) hätten, noch viel schärfer als im Leben des Leibes, das Gegenteil weiß ich von tausend und tausend Erfahrungen; und wenn man es infolge der Vorurteile nicht glauben will, die man von einem Geist hat, so möge man es behalten, wenn man ins andere Leben kommt, wo die eigene Erfahrung es glaublich machen wird.

Sie haben nicht nur den Gesichtssinn, denn sie leben im Licht, und die Guten und die Engelgeister und Engel in einem so starken Licht, daß das Mittagslicht in der Welt kaum damit verglichen werden kann. über das Licht, in dem sie leben und sehen, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden. Sie haben den Gehörsinn, einen so feinen, daß ihr Gehör im Leibe demselben nicht gleichgesetzt werden kann. Sie redeten mit mir nun etliche Jahre lang beinahe unausgesetzt, doch von ihrer Rede ebenfalls, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn erst im Folgenden. Sie haben den Geruchssinn, von dem, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, ebenfalls im Folgenden. Sie haben einen äußerst feinen Tastsinn, daher die Schmerzen und Qualen in der Hölle; denn auf den Tastsinn beziehen sich alle Sinnestätigkeiten (sensationes) zurück, die nur ein Verschiedenartiges und Mannigfaltiges des Tastsinnes sind. Sie haben Begierden und Erregungen (affetiones), mit denen diejenigen auch nicht verglichen werden können, die sie bei Leibesleben hatten, wovon mehreres, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden. Sie denken viel scharfsinniger und klarer, als sie bei Leibesleben dachten. In einer einzigen Denkvorstellung erfassen sie mehr als in tausenden, wenn sie im Leben des Leibes dachten. Sie redeten unter sich so scharfsinnig, gründlich, gewandt und klar, daß der Mensch staunen würde, wenn er nur etwas davon vernähme. Kurz, sie haben gar nichts verloren, daß sie nicht wären wie Menschen, aber vollkommenere, ohne Knochen und Fleisch und den Unvollkommenheiten daher.

Sie erkennen an und werden inne, daß während sie im Leibe lebten, der Geist es war, der empfand, daß dieser, obwohl er im Leibe erschien, doch nicht dem Leibe angehörte, daher nach Ablegung des Leibes viel feinere und vollkommenere Empfindungen (sensationes) leben. Das Leben besteht in der Empfindung (in sensu), denn ohne Empfindung gibt es kein Leben, und wie die Empfindung, so ist da Leben, was einem jeden bekannt sein kann.

*323. Es folgen am Ende des Kapitels einige Beispiele von denen, die im Leben des Leibes anders dachten.


*443. Einige Beispiele von Geistern, was sie bei Leibesleben von dem Geist oder der Seele gedacht haben.

Im anderen Leben stellt sich deutlich heraus, welche Meinungen man bei Leibesleben hatte von der Seele, vom Geist und vom Leben nach dem Tode; denn wenn man in einem Zustand gehalten wird, wie wenn man noch im Leibe wäre, dann denkt man ebenso, und das Denken teilt sich so deutlich mit, als wenn man sich offen ausspräche. So wurde ich an einem, der kurz zuvor verschieden war, gewahr, was er auch gestand, daß er zwar einen Geist geglaubt hatte, jedoch einen solchen, der ein dunkles Leben führen werde, und dies aus dem Grunde, weil, wenn das Leben des Körpers entzogen werde, nur etwas Dunkles zurückbleibe; denn er setzte das Leben in den Körper; daher er sich den Geist nur wie ein Gespenst vorstellte und sich hierin dadurch bestärkte, daß, wie er sah, auch die Tiere ein Leben haben, beinahe wie die Menschen. Er wunderte sich nun, daß die Geister und Engel im höchsten Lichte leben, in höchster Einsicht, Weisheit und Seligkeil, mit einer solchen Wahrnehmungsfähigkeit, daß es kaum beschrieben werden kann; also durchaus nicht in einem dunklen, sondern in einem klaren und höchst bewußten (distinctissima) Leben.

*444. Ich sprach mit einem, der, solange er in der Welt lebte, glaubte, der Geist sei nicht ausgedehnt; infolge welchen Prinzips er auch kein Wort zulassen wollte, das eine Ausdehnung in sich schlösse.

Ich fragte, was er nun von sich denke, da er eine Seele oder ein Geist sei und doch Gesicht, Gehör, Geruch, einen feinen Tastsinn, ferner Begierden und ein Denken habe, und alles dies so, daß er sich ganz wie im Körper lebend vorkomme. Er wurde nun in der Vorstellung festgehalten, in der er war, als er so dachte in der Welt; da sagte er denn, daß der Geist ein Denken sei. Aber es wurde mir verliehen zu antworten, wie wenn er in der Welt gelebt hatte, ob er nicht wisse, daß das körperliche Sehen nicht existieren kann ohne ein Gesichtsorgan oder Auge, wie denn nun das innere Sehen oder das Denken? Ob nicht auch ihm eine organische Substanz zukommen müsse, von der es ausgehe? Dann erkannte er an, daß er im Lehen des Leibes an jener Einbildung gelitten habe, daß er meinte, der Geist sei bloß ein Denken ohne alles Organische oder Ausgedehnte.

Es wurde weiter bemerkt, wenn die Seele oder der Geist nur ein Denken wäre, so hätte der Mensch nicht eines so großen Gehirns bedurft, während doch das ganze Gehirn ein Organ innerer Sinne sei. Wenn es dies nicht wäre, so könnte die Hirnschale hohl sein und das Denken immer noch in derselben den Geist treiben (spiritum agere). Aus diesem allein, und dann auch aus dem Wirken der Seele auf die Muskeln bis dahin, daß so große Bewegungen entstehen, hätte er abnehmen können, daß der Geist organisch oder eine organische Substanz ist. Infolgedessen gestand er seinen Irrtum ein, und wunderte sich, daß er so albern habe sein können.

*445. Ferner wurde gesagt, daß die Gelehrten nichts anderes glauben, als daß die Seele, die nach dem Tode leben soll, oder der Geist, ein abstraktes Denken sei. Das geht deutlich daraus hervor, daß sie das Wort Ausdehnung und Worte, die sich auf Ausgedehntes beziehen, darum nicht zulassen wollen, weil das Denken, abgesehen von einem Subjekt, nicht ausgedehnt ist, sondern das Subjekt des Denkens und die Objekte des Denkens ausgedehnt sind und die Menschen die Objekte, die nicht ausgedehnt sind, verendlichen und sie zu Ausgedehntem machen, damit sie dieselben fassen, woraus deutlich erhellt, daß die Gelehrten unter der Seele oder dem Geist nichts anderes begreifen als ein bloßes Denken, und somit, daß sie gar nicht anders glauben können, als daß sie verschwinden werden, wenn sie sterben.

*446. Ich sprach mit Geistern über die Meinung der Menschen, die heutzutage leben, daß sie an keinen Geist glauben, weil sie ihn nicht mit Augen sehen und nicht durch die Wissenschaften begreifen, und daß sie somit nicht bloß leugnen, daß der Geist ausgedehnt, sondern auch, daß er eine Substanz sei, weil sie darüber streiten, was Substanz ist. Und weil sie leugnen, daß er ausgedehnt ist, und über die Substanz streiten so leugnen sie auch, daß der Geist an einem Ort ist und folglich auch, daß er im menschlichen Leib ist; da doch der Einfältigste wissen kann, daß seine Seele oder sein Geist in seinem Leib ist. Als ich dies sagte, wunderten sich die Geister, die zu den Einfältigeren gehörten, daß die Menschen heutzutage so töricht sind; und als sie die Worte hörten, über die Streit ist, z.B. Teile außerhalb der Teile und dergleichen, so nannten sie solches Ungereimtheiten, Spielereien und Possen, mit denen die Gemüter sich nicht befassen sollten, weil sie den Weg zur Einsicht verschlössen.

*447. Ein erst kürzlich ins andere Leben eingetretener Geist, der mit mir redete, fragte, als er hörte, daß ich vom Geiste sprach: Was ist ein Geist? Er meinte nämlich, er sei noch ein Mensch. Ich sagte ihm, ein Geist sei in jedem Menschen, und der Mensch sei in Ansehung seines Lebens ein Geist, und der Körper diene ihm nur zum Leben auf der Erde, und Bein und Fleisch oder der Körper sei gar nicht das, was gelebt und gedacht habe. Als er noch Anstand nahm, fragte ich, ob er irgendeinmal von der Seele etwas gehört habe, er sagte: Was ist die Seele? Ich weiß nicht, was die Seele ist. Dann wurde mir gegeben, ihm zu sagen, daß er nun eine Seele oder ein Geist sei, was er daraus wissen könne, daß er über meinem Haupte sei und nicht auf der Erde stehe, ob er denn dies nicht wahrnehmen könne. Da floh er erschrocken weg und schrie: Ich bin ein Geist, ich bin ein Geist.

Ein gewisser Jude meinte, er lebe noch ganz im Leibe, insoweit, daß er kaum eines anderen belehrt werden konnte, und als ihm gezeigt worden war, daß er ein Geist sei, so fuhr er doch immer fort zu sagen, er sei ein Mensch, weil er sehe und höre. Von der Art sind die, welche in der Welt fleischlich waren.

Es hatte noch sehr vieles angeführt werden können, es ist jedoch bloß dies beigebracht worden zur Bestätigung, daß es der Geist im Menschen ist, der empfindet, nicht der Körper.

*448. Ich habe mit vielen, die während ihres Leibeslebens mir bekannt waren, geredet, und zwar lange, Monate und Jahre hindurch, mit so deutlicher (jedoch innerer) Stimme, wie mit Freunden in der Welt. Zwischen hinein kamen auch einige Gespräche mit ihnen vor, über den Zustand des Menschen nach dem Tode, sie wunderten sich sehr, daß niemand bei Leibesleben weiß oder glaubt, daß er also leben wird nach dem Leben des Leibes, da es doch eine Fortsetzung des Lebens ist, und zwar in der Art, daß er aus einem dunklen Leben in ein klares übergeht; und die im Glauben an den Herrn waren, in immer größere Klarheit. Sie wollten, ich solle ihren Freunden sagen, daß sie leben und solle denselben auch schreiben, welches ihre Zustände seien, wie ich denn auch ihnen mehreres von dem Zustand ihrer Freunde erzählte. Allein ich sagte, wenn ich sagen oder schreiben würde, so würden sie es nicht glauben, sie würden es Phantasien nennen und darüber spotten und Zeichen oder Wunder fordern, ehe sie glauben. Ich wurde mich so ihrer Verhöhnung aussetzen. Und daß dies wahr ist, werden wohl auch wenige glauben, denn sie leugnen im Herzen, daß es Geister gibt; und die es nicht leugnen, wollen doch nichts davon hören, daß jemand mit Geistern sprechen könne. Ein solcher Glaube in Ansehung der Geister war in den alten Zeiten nie, sondern heutzutage, wo sie durch hirnverrücktes Vernünfteln (cerebroso ratiocinio) erforschen wollen, was die Geister sind, die sie alles Sinnes berauben durch Definitionen und Voraussetzungen, und zwar je gelehrter sie sein wollen, desto mehr.


*449. Vom Himmel und der himmlischen Freude.

Was der Himmel und die himmlische Freude ist, weiß noch niemand. Die, welche über jenen und über diese gedacht haben, haben sich eine so allgemeine und so grobe Vorstellung davon gebildet, daß es kaum eine ist. Von den Geistern, die unmittelbar aus der Welt ins andere Leben ankommen, konnte ich sehr gut erfahren, was für einen Begriff vom Himmel und von der himmlischen Freude sie sich gebildet hatten; denn, sich selbst überlassen, denken sie ebenso, wie wenn sie noch in der Welt waren, nur einige Beispiele darf ich anführen.

*450. Einige, die in der Welt sogar vor anderen im Wort erleuchtet zu sein schienen, hatten sich eine so falsche Vorstellung vom Himmel gemacht, daß sie meinten, sie seien im Himmel, wenn sie in der Höhe seien und konnten von da aus das, was unten ist, regieren, somit in eigener Herrlichkeit und in Auszeichnung vor anderen sein. Diese nun, da sie in solcher Einbildung standen, wurden, damit sie ihren Irrtum einsehen möchten, in die Höhe erhoben, und es wurde ihnen gestattet, von da aus etwas unten zu regieren. Aber sie wurden mit Beschämung gewahr, daß dies ein Himmel in der Einbildung sei und daß der Himmel nicht in der Höhe bestehe, sondern überall sei, wo jemand ist, der in der Liebe und Liebtätigkeil steht, oder in dem das Reich des Herrn ist, nicht aber, wo man über andere hervorragen will; denn größer sein wollen als andere ist nicht Himmel, sondern ist Hölle.

*451. Einer, der bei Leibesleben mächtig war vor anderen, behielt auch im anderen Leben bei, daß er herrschen wollte. Dem wurde aber gesagt, daß er in einem anderen Reich sei, das ewig ist, und daß sein Herrschen auf der Erde gestorben sei, und daß nun niemand nach anderem geschätzt werde, als nach dem Guten und Wahren und nach der Barmherzigkeit des Herrn, in der er steht. Ferner, daß es mit diesem Reich sich verhalte wie auf Erden, wo keiner ob anderem geschätzt wird als wegen des Vermögens und wegen der Gunst bei dem Fürsten. Das Vermögen sei hier das Gute und das Wahre, und die Gunst bei dem Fürsten sei die Barmherzigkeit des Herrn; wolle er anders herrschen, so sei er ein Rebell, denn er sei in eines anderen Reich. Als er dies hörte schämte er sich.

*452. Ich sprach mit Geistern, die meinten, der Himmel und die himmlische Freude bestünden darin, daß sie die Größten seien; allein es wurde ihnen gesagt: im Himmel ist der Größte, wer der Kleinste ist, denn wer der Kleinste sein will, hat die größte Seligkeit; und weil die größte Seligkeit hat, wer der Kleinste ist, so folgt hieraus, daß er der Größte ist. Was ist der Größte sein anderes, als der Seligste sein? Danach streben die Mächtigen durch ihre Macht und die Reichen durch ihren Reichtum. Und weiter wurde gesagt, daß der Himmel nicht darin bestehe, daß man begehrt der Kleinste zu sein, um der Größte zu sein, denn alsdann strebt und begehrt man der Größte zu sein, sondern das ist der Himmel, daß man von Herzen anderen wohler will als sich und anderen dienen um ihrer Seligkeit willen, aus keiner selbstischen Absicht, sondern aus Liebe.

*453. Einige haben eine so grobe Vorstellung vom Himmel, daß sie meinen, er sei bloß eine Einlassung; ja er sei ein Zimmer, in das man durch eine Türe, die aufgetan werde, eingelassen und von denen, die daselbst Türhüter sind, eingeführt werde.

*454. Einige meinten, er bestehe in einem müßigen Leben, bei dem sie von anderen bedient werden; allein es wurde ihnen gesagt, daß keine Seligkeit je darin bestehe, daß man Ruhe und davon Seligkeit habe, denn so würde jeder die Seligkeit der anderen um seiner selbst willen haben wollen, und wenn jeder, so hatte sie keiner. Ein solches Leben wäre nicht ein tätiges, sondern ein müßiges, in dem sie erstarren würden, während ihnen doch bekannt sein könnte, daß es ohne ein tätiges Leben kein Lebensglück gibt. Das Engelsleben besteht im Nutzenschaffen und in dem Guten der Liebtätigkeit; denn sie empfinden nichts Seligeres, als die aus der Welt ankommenden Geister zu unterweisen und zu belehren, den Menschen zu dienen und die bösen Geister bei ihnen zu regieren, daß sie nicht über die Schranken hinausgehen und jenen Gutes einzuflößen; dann die Toten zum Leben der Ewigkeit aufzuwecken, und nachher, wenn sie können - wofern nämlich die Seelen so geartet sind - sie in den Himmel einzuführen. In dergleichen empfinden sie mehr Seligkeit als je beschrieben werden konnte; so sind sie Ebenbilder des Herrn; so lieben sie den Nächsten mehr als sich, und darum ist es ein Himmel. Im Nutzenschaffen also und aus dem Nutzenschaffen und gemäß dem Nutzenschaffen, d.h. gemäß dem Guten der Liebe und der Liebtätigkeit ist die Engelsseligkeit.

Denen aber, welche die Vorstellung hatten, die himmlische Freude bestehe darin, daß man müßig sei und in Muße ewige Freude einatme, wurde, nachdem ihnen obiges gesagt war, zu ihrer Beschämung auch noch zu empfinden gegeben, was das für ein Leben ist, und sie fanden, daß es ein höchst trauriges ist und daß sie, da so alle Freude verlorengeht, nach kurzer Zeit Widerwillen und Ekel vor demselben hatten.

*455. Einer unter den im Wort am besten Unterrichteten hatte, als er in der Welt lebte, die Vorstellung von der himmlischen Freude, daß sie in dem Lichte der Herrlichkeit bestehe, gleich dem Lichte, wenn die Sonnenstrahlen golden erscheinen, somit ebenfalls in einem müßigen Leben. Damit er nun einsehe, daß er im Falschen sei, wurde ihm ein solches Licht gegeben, und er empfand inmitten des Lichtes eine solche Wonne, wie wenn er, was er auch sagte, im Himmel wäre. Aber er konnte es nicht lange darin aushalten, denn nach und nach wurde er desselben überdrüssig und die Freude wurde zu Nichts.

*456. Die am meisten Gebildeten sagten, die himmlische Freude bestehe in einem Leben ohne Leistung des Guten der Liebtätigkeit, bloß im Loben und Preisen des Herrn, und das sei das tätige Leben. Aber es wurde gesagt, den Herrn loben und preisen sei nicht ein solches tätiges Leben, sondern eine Wirkung dieses Lebens, denn der Herr bedürfe keiner Lohpreisungen, sondern wolle, daß man Gutes der Liebtätigkeit leiste, und diesem gemäß empfange man vom Herrn Seligkeit. Allein jene Gebildetsten konnten sich in diesem Guten der Liebtätigkeit doch keine Freude, sondern nur Knechtschaft denken. Daß es aber die höchste Freiheit und mit unaussprechlicher Seligkeit verbunden sei, das bezeugen die Engel.

*457. Fast alle, die aus der Welt ins andere Leben kommen, meinen, die Hölle sei für jeden die gleiche und der Himmel sei für jeden der gleiche, während doch in beiden überall unabsehbare Verschiedenheiten und Mannigfaltigkeiten bestehen und nie einer eine ganz gleiche Hölle noch je einer einen ganz gleichen Himmel hat wie der andere, wie es denn auch nirgends einen Menschen, Geist und Engel gibt, der einem anderen ganz gleich wäre. Als ich nur dachte, daß es zwei ganz ähnliche oder gleiche gebe, entsetzten sich die in der Geisterwelt und im Engelshimmel und sagten, daß alle Einheit sich bilde aus der Übereinstimmung vieler; und daß die Einheit so beschaffen sei wie die Übereinstimmung, und daß nie eine Einheit schlechthin bestehen könne, sondern nur eine harmonische Einheit. So bildet jede Gesellschaft in den Himmeln eine Einheit und auch alle Gesellschaften zusammengenommen, d.h. der gesamte Himmel, eine Einheit; und dies vom Herrn allein durch die Liebe. Ein Engel zählte nur die allerallgemeinsten Gattungen der Freuden der Geister oder des ersten Himmels auf, und es waren ungefähr gegen 478. Hieraus konnte geschlossen werden, wie viel unzählige, weniger allgemeine Gattungen und wie viel unzählbare Arten von einer jeden Gattung es gibt; und sind so viele hier, wie unabsehbar viele Gattungen von Seligkeiten müssen im Himmel der engelischen Geister und noch mehr im Himmel der Engel sein!

*458. Böse Geister meinten einige Male, es gebe einen anderen Himmel als den des Herrn. Es wurde ihnen auch erlaubt, allenthalben wo sie nur immer könnten, zu suchen; allein sie fanden gleichwohl zu ihrer Beschämung nirgends einen anderen Himmel, denn es rennen die bösen Geister in Unsinn dahin, sowohl aus Haß gegen den Herrn als aus höllischem Schmerz und machen sich solche Phantasien.

*459. Der Himmel gibt es drei: der erste ist, wo die guten Geister, der zweite, wo die engelischen Geister, der dritte, wo die Engel sind. Es werden sowohl die Geister als auch die engelischen Geister und die Engel unterschieden in himmlische und in geistige. Himmlische sind die, welche durch die Liebe Glauben empfangen haben vom Herrn, wie die von der Ältesten Kirche, von der gehandelt worden ist; geistige sind die, welche durch Erkenntnisse des Glaubens vom Herrn Liebtätigkeit empfangen haben und, nachdem sie selbige empfangen, aus ihr handeln (ex qua accepla agunt).

* * *

*537. Ein gewisser Geist machte sich an meine linke Seite und fragte, ob ich wüßte, wie er in den Himmel kommen könnte. Ihm dürfte ich antworten, die Einlassung in den Himmel sei allein Sache des Herrn, der allein wisse, wie einer beschaffen ist.

Von dieser Art sind sehr viele, die aus der Welt kommen, daß sie nichts anderes suchen als in den Himmel zu kommen, während sie gar nicht wissen, was der Himmel und was die himmlische Freude ist, daß nämlich der Himmel gegenseitige Liebe ist, und die himmlische Freude die Freude aus derselben; daher diejenigen, die es nicht wissen, zuerst belehrt werden, was der Himmel und was die himmlische Freude ist, auch durch lebendige Erfahrung; z.B. ein aus der Welt ebenfalls neu angekommener Geist, der gleicherweise den Himmel begehrte. Damit er inne werde, wie der Himmel beschaffen ist, wurde sein Inwendiges aufgeschlossen, damit er etwas von der himmlischen Freude empfinden möchte; nachdem er sie aber empfunden, fing er an zu jammern und sich zu krümmen und flehte, man möchte ihn befreien, indem er sagte, er könne vor Beklemmung nicht leben. Sein Inwendiges wurde daher gegen den Himmel zu verschlossen und er so wieder hergestellt.

Hieraus kann man abnehmen, von welcher Gewissenspein und von welcher Angst diejenigen gequält werden, die nur ein klein wenig zugelassen werden, obgleich sie nicht dazu fähig sind.

*538. Einige trachteten ebenfalls in den Himmel hinein, nicht wissend, was der Himmel ist. Denen wurde gesagt, wenn sie nicht im Glauben der Liebe seien, so sei es ebenso gefährlich, in den Himmel zu kommen wie in eine Flamme; sie begehrten aber gleichwohl hinein. Als sie zur ersten Vorhalle oder in die untere Sphäre der engelischen Geister kamen, wurden sie so betroffen, daß sie sich jählings rückwärts herabstürzten. Hierdurch wurden sie belehrt, wie große Gefahr es sei, dem Himmel auch nur sich zu nähern, bevor man vom Herrn vorbereitet ist, die Glaubensgefühle (fidei affectiones) aufzunehmen.

*539. Einer, der sich bei Leibesleben nichts aus Ehebrüchen gemacht hatte, wurde auch, weil er es begehrte, zur ersten Schwelle des Himmels zugelassen. Als er dahin kam, fing er an beängstigt zu werden und einen leichenhaften Gestank von sich zu fühlen, bis er es nicht mehr aushielt. Es kam ihm vor, als wäre er des Todes, wenn er noch weiter käme. Er wurde daher von da in das untere Land hinabgestürzt und er grimmte darüber, daß er an der ersten Schwelle des Himmels schon in solche Qualen kam, weil in eine den Ehebrüchen entgegengesetzte Sphäre; er ist unter den Unseligen.

*540. Beinahe allen, die ins andere Leben kommen, ist unbekannt, was himmlische Wonne und Seligkeit ist, weil sie nicht wissen, was und wie beschaffen die innerliche Freude ist. Sie machen sich bloß nach den leiblichen und weltlichen Fröhlichkeiten und Freuden einen Begriff von ihr. Was sie daher nicht wissen, das hallen sie für nichts, während doch leibliche und weltliche Freuden im Vergleich damit nichtig und unrein sind. Darum werden die Gutgearteten, die nicht wissen, was himmlische Freude ist, damit sie es wissen und erkennen, zuerst in paradiesische Orte gebracht, die alle Vorstellung der Einbildungskraft übertreffen, wovon, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden; da meinen sie dann, sie seien ins himmlische Paradies gekommen. Sie werden jedoch belehrt, daß das nicht die wahrhaft himmlische Seligkeit sei, deshalb dürfen sie die inwendigeren Zustände der Freude erfahren, die sich bis zu ihrem Innersten erfühlen lassen. Hernach werden sie in den Zustand des Friedens versetzt, bis in ihr Innerstes hinein, und bekennen dann, daß nichts davon irgend auszusprechen noch auszudenken sei; endlich in den Zustand der Unschuld, ebenfalls bis zu ihrer innersten Empfindung. Dadurch wird ihnen zu erfahren gegeben, was das wahrhaft geistige und himmlische Gute ist.

*541. Einige, die nicht wußten, was himmlische Freude ist, wurden unversehens in den Himmel erhoben. Sie wurden in jenen Zustand versetzt, daß sie alsdann erhoben werden konnten, sie wurden nämlich eingeschlafen in betreff des Leiblichen und der Einbildungen. Von da hörte ich einen zu mir sagen, jetzt erst empfinde er, wie große Freude im Himmel ist, und er sei gar sehr betrogen gewesen, daß er eine andere Vorstellung gehabt, und nunmehr fühle er das Innerste von sich, unbeschreiblich Größeres als je im höchsten Grad eines Vergnügens bei Leibesleben, und er nannte das unrein, woran man sich (hier) ergötzt.

*542. Welche in den Himmel entrückt werden, um zu wissen, wie er beschaffen sei, denen werden entweder das Leibliche und die Einbildungen eingeschlafen, denn mit dem Leiblichen und den Einbildungen, die man aus der Welt mitbringt, kann niemand in den Himmel eingehen; oder sie werden mit einer Sphäre von Geistern umgeben, durch die auf wunderbare Weise das gemildert wird, was unrein ist, und was eine Nichtübereinstimmung verursacht, einigen wird das Innere aufgeschlossen; so und anders, je nach ihrem Leben und den von daher erhaltenen Richtungen (secundum eorum vitas et inde tractas indoles).

*543. Einige verlangten zu wissen, was himmlische Freude ist, darum wurde ihnen vergönnt, das Innerste von sich zu empfinden bis zu dem Grad, daß sie es nicht mehr aushalten konnten. Aber gleichwohl war es nicht die Freude der Engel, kaum war es wie die kleinste der Engel, wie mir durch Mitteilung ihrer Freude wahrzunehmen gegeben wurde. Sie war so gering, daß sie gleichsam etwas kühl war, und doch nannten sie selbige überaus himmlisch, weil ihre innerste.

Hieraus erhellte nicht allein, daß es Grade gibt, sondern auch, daß das Innerste des einen sich kaum dem Äußersten oder Mittleren des anderen nähert. Dann auch, daß wenn jemand sein Innerstes empfängt, er in seiner himmlischen Freude ist, und daß er ein noch Innerlicheres nicht aushält und es ihm schmerzbringend wird.

*544. Einige wurden in den Himmel der Unschuld des ersten Himmels eingelassen, und indem sie von da aus mit mir redeten, bekannten sie, daß es ein Zustand von solcher Freude und Fröhlichkeit sei, daß man sich gar keine Vorstellung davon machen könne. Es war aber dies bloß im ersten Himmel, denn es sind drei Himmel, und in einem jeden ist ein Stand der Unschuld mit seinen unzähligen Mannigfaltigkeiten.

*545. Damit ich aber wissen konnte, was und wie beschaffen der Himmel und die himmlische Freude ist, wurde mir oft und lange vom Herrn gegeben, die Wonnen der himmlischen Freuden zu empfinden; daher ich es, weil aus lebendiger Erfahrung, zwar wissen, aber durchaus nicht beschreiben kann.

Damit man aber nur eine Vorstellung davon haben möge, so ist sie das Gefühl (Affectio) von unzähligen Wonnen und Freuden, die etwas gleichzeitig Allgemeines darstellen. In diesem Allgemeinen oder in diesem allgemeinen Gefühl sind Harmonien von unzähligen Gefühlen, die nicht klar geschieden zur Empfindung gelangen, sondern nur dunkel, weil die Empfindung eine ganz allgemeine ist. Gleichwohl jedoch durfte ich inne werden, daß sich Unzähliges darin findet, so geordnet, daß es durchaus nicht beschrieben werden kann. Jenes Unzählige fließt, wie es ist, aus der Ordnung des Himmels. Eine solche Ordnung ist in den einzelnen und kleinsten Teilen des Gefühls, die nur als eine ganz allgemeine Einheit sich darstellen und empfunden werden, je nach der Empfänglichkeit dessen, in dem sie sich äußern. Mit einem Worte, unsäglich vieles in der geordnetsten Form ist in einem jeden Allgemeinen, und nichts ist, das nicht lebt und das Innerste anregt, denn die himmlischen Freuden gehen vom Innersten aus.

Es wurde auch empfunden, daß die Freude und Wonne wie aus dem Herzen kommt, indem sie sich überaus sanft verbreitet durch alle innersten Fibern, und von diesen in die zusammengesetzten Fibern, mit einem so innigen Gefühl von Wonne, daß die Fiber gleichsam nichts ist als Freude und Lust, und jede Empfindung und jedes Gefühl aus ihr in gleicher Weise lebend aus Seligkeit. Die Freude der Vergnügungen des Körpers verhält sich zu jenen Freuden wie ein dichter und stechender Klumpen zu einem reinen und sanftesten Lüftchen.

*546. Damit ich wüßte, wie es sich mit denen verhält, die in den Himmel verlangen, aber nicht von der Art sind, daß sie dort sein konnten, erschien mir, als ich in einem himmlischen Verein war, ein Engel als ein Kind, um das Haupt ein Kränzchen von glänzend blauen Blumen und die Brust umwunden mit Sträußen von anderen Farben. Hieraus durfte ich erkennen, daß er in einem Verein war, in dem die Liebtätigkeit waltet.

Dann wurden in denselben Verein einige gutgeartete Geister zugelassen, die sogleich, wie sie eintraten, viel verständiger wurden und redeten wie die engelischen Geister. Hernach wurden eingelassen, die aus sich selbst kindlich sein wollten, und deren Zustand mir vorgebildet wurde durch ein Kind, das Milch aus dem Munde von sich gab; ebenso verhalten sich solche.

Darauf wurden zugelassen, die aus sich selbst verständig zu sein meinten; ihr Zustand stellte sich dar durch ihre Gesichter, die spitzig, doch nicht unschön (acutae, satis pulchrae) aussahen, sie erschienen mit einem spitzigen Hut, aus dem ein Stachel hervorragte; aber sie sahen nicht aus wie menschliche fleischerne Gesichter, sondern wie Bildsäulen ohne Leben. Von dieser Art ist der Zustand derer, die meinen, aus sich selbst geistig zu sein, oder aus sich selbst Glauben haben zu können.

Andere zugelassene Geister, die nicht daselbst verweilen konnten, wurden bestürzt und beängstigt und flohen von da weg.

*547. Die Seelen alle, die ins andere Leben kommen, wissen nicht, was der Himmel und was die himmlische Freude ist. Die meisten meinen, es sei eine Freude, in die sie eingelassen werden können, wie sie auch immer gelebt haben, auch die, welche den Nächsten gehaßt und das Leben in Ehebrüchen hingebracht haben, gar nicht wissend, daß der Himmel die gegenseitige und keusche Liebe ist und die himmlische Freude die aus dieser hervorgehende Seligkeit.

*548. Mit Geistern, die aus der Welt neu ankamen, sprach ich einige Male über den Zustand des ewigen Lebens. Es müsse nämlich ihnen daran liegen zu wissen, wer der Herr des Reiches, was für eine Regierung und die Regierungsform ist; gerade wie denen, die in der Welt in ein anderes Reich kommen, denen nichts wichtiger ist als zu wissen, wer und von welcher Art der König, was für eine Regierung und noch mehreres, was in jenem Reich ist. Wieviel mehr in diesem Reich, in dem sie in Ewigkeit leben sollen? Und es wurde gesagt, der Herr allein regiere nicht bloß den Himmel, sondern auch das Weltall, denn wer das eine regiert, muß auch das andere regieren, ferner, das Reich, in dem sie jetzt seien, sei das des Herrn, und dieses Reiches Gesetze seien ewige Wahrheiten, die sich alle auf das eine Gesetz gründen, daß man den Herrn lieben soll über alles und den Nächsten wie sich selbst; ja jetzt noch mehr. Wenn sie den Engeln gleich werden wollen, so müssen sie den Nächsten mehr lieben als sich selbst.

Als sie das hörten, konnten sie nichts antworten, weil sie bei Leibesleben wohl so etwas gehört, aber nicht geglaubt hatten. Sie verwunderten sich, daß eine solche Liebe im Himmel und das es möglich sei, daß jeder den Nächsten mehr liebe als sich selbst, da sie doch gehört haben, man soll den Nächsten lieben wie sich selbst. Aber sie wurden belehrt, daß alles Gute im anderen Leben ins Endlose fortwachse und das Leben im Leibe von der Art sei, daß man nicht weiter kommen könne als den Nächsten wie sich selbst zu lieben, weil man noch im Körperlichen sei. Hingegen wenn dies entfernt ist, dann werde die Liebe reiner und zuletzt eine engelische, welche ist den Nächsten mehr lieben, als sich selbst.

Daß eine solche Liebe möglich ist, kann man ersehen an der ehelichen Liebe einiger, die lieber sterben wollten als dem Gatten ein Leid geschehen lassen; an der Liebe der Eltern gegen die Kinder, indem eine Mutter lieber Hunger leidet, als daß sie ihr Kind darben sieht; auch bei den Vögeln und anderen Tieren, wie auch an der aufrichtigen Freundschaft, indem man für Freunde sich in Gefahren begibt; sogar an der höflichen und erheuchelten Freundschaft, die den Schein der aufrichtigen annehmen will, indem man denen, denen man wohl will, das Bessere anbietet und dergleichen im Munde führt, obwohl nicht im Herzen. Endlich ersieht man es an der Natur der Liebe, deren Art es ist, daß sie sich eine Freude daraus macht, anderen zu dienen, nicht um ihrer selbst, sondern um des anderen willen.

Allein dies konnten die nicht begreifen, die sich selbst mehr als andere liebten und die bei Leibesleben gewinnsüchtig gewesen waren; am allerwenigsten die Geizigen.

*549. Von solcher Art ist der engelische Zustand, daß jeder seine Wonne und Seligkeit dem anderen mitteilt; denn es gibt im anderen Leben eine völlig durchgreifende (exquisitissima) Mitteilung und Empfindung aller Gefühle und Gedanken, daher jeder seine Freude allen mitteilt, und alle einem jeden, so daß ein jeder gleichsam der Mittelpunkt aller ist; dies ist die himmlische Form. Daher, je mehr es sind, die das Reich des Herrn ausmachen, desto größer die Seligkeil, denn nach dem Verhältnis der Mehrzahl nimmt sie zu. Daher kommt es, daß die himmlische Seligkeit unaussprechlich ist.

Eine solche Mitteilung aller an die einzelnen und der einzelnen an alle findet statt, wo einer den anderen mehr liebt als sich selbst. Wenn dagegen einer sich selbst mehr wohl will als einem anderen, dann herrscht die Selbstliebe, die nichts von sich einem anderen mitteilt als die Vorstellung von sich selbst, die ganz schmutzig ist und, wenn man sie empfindet, sogleich ausgeschieden und verworfen wird.

*550. Gleichwie im menschlichen Leibe alles und jedes zusammenwirkt zu den allgemeinen und besonderen Nutzzwecken aller, so ebenfalls im Reich des Herrn, das wie ein (1) Mensch ist und auch genannt wird der Größte Mensch. Dort trägt in dieser Weise jeder näher und entfernter und auf vielfache Weisen das Seinige bei zu den Seligkeiten eines jeden, und zwar nach einer vom Herrn allein eingeführten und fortwährend befestigten Ordnung.

*551. Daher, daß sich der gesamte Himmel auf den Herrn bezieht, und alle und jede einzig auf Ihn im ganzen und im allereinzelnsten, kommt die Ordnung, daher die Einheit, die gegenseitige Liebe und daher die Seligkeit; denn so bezwecken die einzelnen das Heil und die Seligkeit aller, und alle die der einzelnen.

*552. Daß alle Freude und Seligkeit im Himmel vom Herrn allein kommt, ist mir durch mehrere Erfahrungen gezeigt worden, von denen ich die folgende an dieser Stelle berichten darf:

Ich sah, daß einige engelische Geister mit dem größten Eifer einen Leuchter mit seinen Lampen und Blumen auf das Zierlichste zur Ehre des Herrn bildeten. Ich durfte eine oder zwei Stunden lang sehen, wieviel Muhe sie sich gaben, daß alles und jedes schön und vorbildlich werde, in der Meinung, sie taten es von sich selbst. Aber ich durfte deutlich wahrnehmen, daß sie gar nichts von selbst erfinden konnten. Endlich nach einigen Stunden sagten sie, sie hatten einen sehr schönen vorbildlichen Leuchter zur Ehre des Herrn gebildet und waren innigst darüber erfreut. Allein ich sagte, daß sie überhaupt nichts aus sich selbst erfunden und gebildet hatten, sondern der Herr allein für sie. Zuerst wollten sie es kaum glauben, weil sie aber engelische Geister waren, wurden sie erleuchtet und bekannten, daß dem so sei.

Ebenso verhält es sich mit den übrigen Vorbildungen und allem und jedem einzelnen eines Gefühls und eines Gedankens, und also mit den himmlischen Freuden und Seligkeiten, daß auch das Allerkleinste bei ihnen vom Herrn allein ist.

*553. Die, welche in gegenseitiger Liebe sind, nähern sich im Himmel fortwährend dem Lenz (Frühling) ihrer Jugend, und je mehrere tausend Jahre sie leben, zu einem desto lieblicheren und seligeren Lenz, und dies in Ewigkeit mit fortwährendem Zuwachs, je nach den Fortschritten und Graden der gegenseitigen Liebe, der Liebtätigkeit und des Glaubens.

Solche aus dem weiblichen Geschlecht, die ältlich und an Altersschwäche gestorben sind und im Glauben an den Herrn, in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten und in glücklicher ehelicher Liebe mit dem Manne gelebt haben, kommen nach einer Folge von Jahren mehr und mehr in die Blüte des Jugend- und des Jungmädchenalters und in eine Schönheit, die alle je durch Anschauung zu erlangende Vorstellung von Schönheit übertrifft; denn die Güte und Liebtätigkeit ist es, die gestaltet und ein Ebenbild von sich darstellt und macht, daß das Liebliche und Schöne der tätigen Liebe aus den einzelnsten Teilen des Angesichts hervorstrahlt, so daß sie eigentliche Gestalten der Liebtätigkeit sind. Einige bekamen sie zu sehen und erstaunten.

Die Gestalt der Liebtätigkeit, von der man im anderen Leben eine lebendige Anschauung hat, bringt es so mit sich, daß die Liebtätigkeit selbst es ist, die abbildet und abgebildet wird, und zwar so, daß der ganze Engel, hauptsächlich das Angesicht gleichsam Liebe ist, die deutlich sowohl zur Erscheinung kommt als auch empfunden wird. Diese Gestalt ist, wenn sie geschaut wird, unaussprechliche Schönheit, die mit Liebe das eigentliche innerste Leben des Gemüts anregt. Durch die Schönheit dieser Gestalt werden im Bilde dargestellt die Wahrheiten des Glaubens, die daraus auch zum Innewerden kommen.

Die, welche im Glauben an den Herrn gelebt haben, d.h. im Glauben der tätigen Liebe, werden zu solchen Gestalten oder zu solchen Schönheiten im anderen Leben; alle Engel sind solche Gestalten, mit unzähliger Mannigfaltigkeit; aus ihnen besteht der Himmel.


*684. Von der Gesellschaften, die den Himmel ausmachen.

Es sind drei Himmel: der erste, wo die guten Geister, der zweite, wo die engelischen Geister, der dritte, wo die Engel sind; und einer ist innerlicher und reiner als der andere; somit unter sich ganz geschieden. Sowohl der erste Himmel wie der zweite und der dritte, ist geschieden in unzählige Gesellschaften, und jede Gesellschaft besteht aus vielen, die durch Harmonie und Einmütigkeit gleichsam eine Person bilden; und alle Gesellschaften zusammen gleichsam einen Menschen.

Die Gesellschaften sind unter sich geschieden je nach den Unterschieden der gegenseitigen Liebe und des Glaubens an den Herrn; diese Unterschiede sind so unzählig, daß nicht einmal die allgemeinsten Gattungen aufgezählt werden können. Auch gibt es nicht das geringste eines Unterschieds, das nicht genauestens darauf angelegt wäre, daß es einmütigst mitwirke zur allgemeinen Einheit, und die allgemeine Einheit zur Einmütigkeit der einzelnen, und von daher zu der allen aus den einzelnen und den einzelnen aus allen entspringenden Seligkeit. Daher denn ein jeder Engel und eine jede Gesellschaft ein Bild des gesamten Himmels und gleichsam ein kleiner Himmel ist.

*685. Wunderbare Zusammengesellungen sind im anderen Leben. Sie verhalten sich vergleichsweise wie die Verwandtschaften auf Erden, daß man nämlich sich anerkennt als Eltern, als Kinder, als Bruder, als Blutsverwandte, als Verschwägerte; solchen Unterschieden gemäß ist die Liebe. Die Unterschiede sind endlos, die sich mitteilenden Wahrnehmungen so fein, daß sie nicht geschildert werden können.

Gar keine Rücksicht wird genommen auf Eltern, Kinder, Verwandte und Verschwägerte auf der Erde, auch nicht auf irgendeine Person, wer sie auch war, somit nicht auf Würden, nicht auf Reichtümer und dergleichen, sondern allein auf die Unterschiede der gegenseitigen Liebe und des Glaubens, zu deren Aufnahme man das Vermögen empfing vom Herrn, als man in der Welt lebte.

*686. Es ist des Herrn Barmherzigkeit, das ist die Liebe gegen den gesamten Himmel und gesamte Menschengeschlecht, somit allein der Herr, der alles und jegliches zu Gesellschaften bestimmt. Diese Barmherzigkeit ist es, welche die Eheliche Liebe und daraus die Liebe der Eltern gegen die Kinder erzeugt, welche die Grund- und Hauptliebearten sind, aus denen in endloser Mannigfaltigkeit alle übrigen Arten der Liebe, die in höchster Geschiedenheit in Gesellschaften geordnet sind.

*687. Weil der Himmel so beschaffen ist, so kann kein Engel oder Geist je ein Leben haben, er sei denn in einer Gesellschaft und so in der Harmonie vieler. Eine Gesellschaft ist nichts anderes als eine Harmonie mehrerer, denn es gibt überall kein Leben von jemand, das getrennt wäre von dem Leben anderer. Ja es kann durchaus kein Engel oder Geist oder Verein einiges Leben haben, d.h. vom Guten angeregt werden, d.h. wollen, oder vom Wahren angeregt werden, d.h. denken, er habe denn eine Verbindung durch mehrere seiner Gesellschaft mit dem Himmel und mit der Geisterwelt. Ebensowenig kann das Menschengeschlecht oder ein einzelner Mensch, wer und wie beschaffen er auch sei, irgend leben, d.h. vom Guten angeregt werden, d.i. wollen, vom Wahren angeregt werden, d.i. denken, er sei denn in gleicher Weise verbunden mit dem Himmel durch die Engel bei ihm und mit der Geisterwelt, ja mit der Hölle durch die Geister bei ihm. Denn jeder ist, wenn er im Leibe lebt, in einer gewissen Gesellschaft von Geistern und Engeln, obwohl er dies gar nicht weiß, und wenn er nicht durch die Gesellschaft, in der er ist, verbunden ist mit dem Himmel und mit der Geisterwelt, so kann er auch nicht eine Minute leben.

Es verhält sich dies wie bei dem menschlichen Leibe: welcher Teil desselben nicht mit den übrigen verbunden ist durch Fibern und Gefäße, und so durch die Verhältnisse der Funktionen, der ist kein Teil des Leibes, sondern wird sogleich ausgeschieden und als leblos weggeworfen.

Die Gesellschaften selbst, in denen und mit denen die Menschen bei Leibesleben gewesen sind, wurden ihnen gezeigt, als sie ins andere Leben kamen; wenn sie in dieselbe Gesellschaft nach dem Leben des Leibes kommen, so kommen sie in ihr eigentlichstes Leben, das sie im Leibe hatten, und von diesem Leben aus fangen sie ein neues an, und so gehen sie gemäß ihrem Leben, das sie im Leibe führten, entweder hinab zur Hölle, oder werden erhoben zum Himmel.

*688. Weil eine solche Verbindung aller mit allen besteht, so findet eine gleiche auch bei dem allereinzelnsten einer Regung und bei dem allereinzelnsten eines Gedankens statt.

*689. Infolge hiervon besteht ein Gleichgewicht aller und jeder in Ansehung der himmlischen, geistigen und natürlichen Dinge, so daß keiner denken, fühlen und handeln kann als aus mehreren, und gleichwohl meint jeder, er tue es ganz frei aus sich.

Ebenso gibt es überall nichts, das nicht im Gleichgewicht erhalten wird von seinem Gegensatz und den Mittelgliedern des Gegensatzes, so daß ein jeder durch sich und mehrere zugleich im vollkommensten Gleichgewicht lebt. Daher auch niemandem Böses widerfahren kann, ohne daß es sogleich ins Gleichgewicht gesetzt wird; und wenn ein Übergewicht des Bösen stattfindet, dann wird das Böse, oder der Böse nach dem Gesetze des Gleichgewichts gezüchtigt, wie von ihm selbst, aber überall nur für den Zweck, daß daraus Gutes hervorgehe.

In solcher Form und dem daraus hervorgehenden Gleichgewicht besteht die himmlische Ordnung, die vom Herrn allein gebildet, betätig und erhalten wird in Ewigkeit.

*690. Außerdem ist zu wissen, daß durchaus nie eine Gesellschaft der anderen ganz und vollkommen ähnlich ist, auch keiner in der Gesellschaft einem anderen, sondern es besteht eine zusammenstimmende und harmonische Verschiedenheit aller, und diese Verschiedenheiten sind vom Herrn so geordnet, daß sie zu einem Zweck hinstreben, was durch die Liebe und den Glauben an Ihn geschieht, daher die Einheit.

Folglich gibt es nie einen ganz und vollkommen gleichen Himmel und eine gleiche himmlische Freude für einen wie für den anderen, sondern wie sich die Verschiedenheiten der Liebe und des Glaubens verhalten, so auch der Himmel und die Freude in ihnen.

*691. Dies im allgemeinen von den Gesellschaften aus vielfältiger und langer Erfahrung, wovon, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden mehr im einzelnen.


*692. Von der Hölle.

Der Mensch hat, wie vom Himmel, so auch von der Hölle nur eine ganz allgemeine Vorstellung, die so dunkel ist, daß sie beinahe keine ist - eine Vorstellung, wie sie etwa diejenigen von der Erde haben können, die nicht aus ihren Waldhütten hinausgekommen sind und nichts wissen von den Kaiser- oder Königreichen, geschweige von den Regierungsformen, und noch weniger von den Gesellschaften und den Lebensweisen der Gesellschaften; bevor sie dies wissen, können sie nur eine ganz allgemeine Vorstellung von der Erde haben, so geartet, daß sie fast keine ist. So denn auch vom Himmel und der Hölle; während doch in beiden überall Unzähliges ist und unendlich viel mehr als auf einem Weltkörper. Wie Unzähliges daselbst ist, kann allein daraus erhellen, daß gleich wie nie einer den gleichen Himmel wie der andere hat, so auch nie einer die gleiche Hölle; und daß alle Seelen, die nur immer von der ersten Schöpfung an in der Welt gewesen sind, dahin kommen und versammelt werden.

*693. Wie die Liebe zum Herrn und gegen den Nächsten und die Freude und Seligkeit aus derselben den Himmel ausmacht, so macht der Haß gegen den Herrn und gegen den Nächsten und die Strafe und Qual von daher die Hölle aus. Vom Haß gibt es unzählige Gattungen und noch unzähligere Arten, und ebenso viele Höllen gibt es auch.

*694. Wie der Himmel vom Herrn durch gegenseitige Liebe gleichsam einen Menschen und eine Seele ausmacht, und so nur den einen Zweck hat, alle in Ewigkeit zu erhalten und zu beseligen, so dagegen macht die Hölle vom Eigenen durch die Selbst- und Weltliebe, das ist durch den Haß, einen Teufel und eine Gesinnung aus, und verfolgt nur einen Zweck, welcher ist: alle in Ewigkeit zu verderben und zu verdammen. Ihr Streben ist als solches tausend- und abertausendmal von mir empfunden worden. Wurde daher nicht der Herr in jedem Augenblick, auch dem allerkleinsten, alle erhalten, so gingen sie verloren.

*695. Es wird aber in die Höllen eine solche Form und eine solche Ordnung vom Herrn gebracht, daß alle gefesselt und gebunden gehalten werden von ihren Begierden und Einbildungen, in denen ihr eigentliches Leben besteht, welches Leben, weil es das des Todes ist, sich in schreckliche Qualen verwandelt. Diese Qualen sind so groß, daß sie nicht geschildert werden können, denn die höchste Lust ihres Lebens besteht darin, daß einer den anderen strafen, martern und quälen kann, sogar durch in der Welt ganz unbekannte Künste, mit denen sie scharfe Empfindungen (exquisitos sensus) beibringen können, ganz wie wenn sie im Körper waren; dann auch gräßliche und schauderhafte Einbildungen, nebst Schrecken und Grausen und mehreres dergleichen. Die teuflische Rotte empfindet darin so großes Vergnügen, daß, wenn sie die Schmerzen und Qualen ins Unendliche vermehren und verstärken könnten, sie nicht einmal dann ruhen, sondern vielmehr noch ins Endlose fort entbrennen würden. Aber der Herr wendet ihre Bestrebungen ab und lindert die Qualen.

*696. Ein solches Gleichgewicht besteht bei allem und jedem im anderen Leben, daß das Böse sich selbst straft, so daß im Bösen auch die Strafe des Bösen ist; ebenso im Falschen, das auf den zurückfällt, der im Falschen ist. Daher bringt ein jeder selbst die Strafe und Qual über sich und rennt dann in die teuflische Rotte hinein, welche dergleichen verübt.

Der Herr verweist nie jemand in die Hölle, sondern will alle aus der Hölle herausführen. Noch weniger führt Er in die Qual, sondern weil der böse Geist selbst hineinrennt, wendet der Herr alle Strafe und Qual zum Guten und zu einigem Nutzen. Es kann überhaupt keine Strafe geben, es sei denn, beim Herrn bestünde der Zweck eines Nutzens- denn das Reich des Herrn ist das Reich der Zwecke und Nutzwirkungen. Aber die Nutzwirkungen, welche die Höllischen leisten können, sind sehr gering; wenn sie in denselben sind, so sind sie nicht so sehr in der Qual, werden aber, sobald der Nutzen aufhört, in die Hölle zurückgeschickt.

*697. Bei jedem Menschen sind wenigstens zwei böse Geister und zwei Engel. Der Mensch hat durch die bösen Geister Gemeinschaft mit der Hölle und durch die Engel mit dem Himmel. Ohne die Gemeinschaft nach beiden Seiten hin könnte der Mensch gar keine Minute leben; also ist ein jeder Mensch in einer Gesellschaft von Höllischen, was er gar nicht weiß. Aber ihre Qualen werden ihm nicht mitgeteilt, weil er in der Vorbereitung zum ewigen Leben ist. Jene Gesellschaft, in der er war, wird ihm im anderen Leben zuweilen gezeigt, denn er kommt wieder zu ihr und so in das Leben, das er in der Welt hatte, und infolge hiervon strebt er entweder zur Hölle oder wird er zum Himmel erhoben. Also ist der Mensch, der nicht im Guten der Liebtätigkeit lebt und sich nicht vom Herrn leiten läßt, einer von den Höllischen und wird nach dem Tode auch ein Teufel.

*698. Außer den Höllen gibt es auch Abödungen, von denen im Worte gehandelt wird. Denn der Mensch nimmt von den wirklichen Sünden her unzählig Böses und Falsches ins andere Leben mit sich, häuft es an und verknüpft es; die rechtschaffen gelebt haben, gleichfalls. Ehe nun diese in den Himmel erhoben werden können, muß ihr Böses und Falsches zerstreut werden; diese Zerstreuung (dissipatio) wird Abödung (vastatio) genannt. Der Abödungen gibt es mehrere Gattungen, und die Zeiten der Abödung sind größer und kleiner, einige werden innerhalb ganz kurzer Zeit in den Himmel entrückt, einige sogleich nach dem Tode.

*699. Damit ich die Qual derer, die in der Hölle, namentlich die Abödung derer, die auf der unteren Erde sind, sehen möchte, bin ich mehrmals dahin hinabgelassen worden (hinabgelassen werden in die Hölle heißt nicht, von einem Ort an den anderen versetzt werden, sondern ist ein Hineinlassen in eine höllische Gesellschaft, während der Mensch an demselben Orte bleibt). Aber bloß diese Erfahrung darf ich berichten:

Ich wurde deutlich gewahr, daß mich gleichsam eine Säule umgab; diese Säule wurde fühlbar verstärkt, und es wurde mir eingegeben, daß dies die eherne Mauer sei, von der im Worte vorkommt, und die aus engelischen Geistern gebildet war, damit ich sicher zu den Unseligen hinabgelassen werden konnte. Als ich daselbst war, hörte ich jämmerliche Wehklagen, und zwar diese: ach Gott, ach Gott, erbarme Dich unser, erbarme Dich unser, und das dauerte lange. Es wurde auch gestattet, mit jenen Unseligen zu reden, und zwar ziemlich viel. Hauptsächlich beklagten sie sich über die bösen Geister, daß sie nach nichts anderem begehren und für nichts glühten, als sie zu quälen. Sie waren in Verzweiflung, weil sie glaubten, die Qual werde ewig währen, aber ich dürfte sie trösten.

*700. Weil es so viele Höllen gibt, so soll, damit sie der Ordnung nach besprochen werden, im Folgenden gehandelt werden:

Dieses sehe man in den Vorbemerkungen und am Schluß der folgenden Kapitel.


*814. Von den Höllen derer, die in Hass, Rachehandlungen und Grausamkeit das Leben hingebracht haben.

Solche, die einen tödlichen Haß haben und daher Rache schnauben und nur auf den Tod des anderen ausgehen und nicht eher ruhen, werden in der tiefsten, leichenhaften Hölle gehalten, wo ein gar übler Gestank wie von Leichen ist; und wunderbar ist es, daß solche sich dort an diesem Gestank so sehr ergötzen, daß sie ihn den lieblichsten Gerüchen vorziehen. Von dieser Art ist ihre wüste Natur und infolgedessen ihre Phantasie; aus dieser Hölle dünstet wirklich ein solcher Gestank aus. Wenn diese Hölle geöffnet wird, was selten geschieht und nur ein klein wenig, so wallt daraus ein so großer Gestank hervor, daß die in der Nähe befindlichen Geister nicht da verweilen können. Einige Genien oder vielmehr Furien, die von dort herausgelassen wurden, auf daß ich wissen möchte, wie sie beschaffen sind, steckten die Sphäre mit einem so giftigen und verpestenden Gestank an, daß die Geister, die um mich her waren, nicht bleiben konnten, und zugleich hatte er die Wirkung auf meinen Magen, daß ich mich erbrechen mußte.

Sie offenbarten sich durch ein Kind von nicht unschönem Gesicht, mit einem verborgenen Dolch, das sie zu mir schickten, und das ein Gefäß in der Hand trug, wodurch mir zu wissen gegeben wurde, daß sie die Absicht hatten, mich entweder mit einem Dolch oder mit Gift, unter dem Schein der Unschuld zu morden. Sie selbst hingegen hatten einen nackten, ganz schwarzen Leib. Aber bald wurden sie in ihre leichenhafte Hölle zurückgeworfen. Da wurde mir zu sehen gegeben, wie sie hinabstürzten. Sie gingen nach der Linken hin, auf der Fläche der linken Schläfe, und zwar auf eine große Entfernung ohne niederzusteigen, hernach aber stürzten sie hinab, zuerst in ein Feuer, das erschien, sodann in einen feurigen Rauch wie von einem Ofen, bald unter jenem Ofen nach vorne zu, wo mehrere sehr finstere Höhlen sind, die hinabfuhren. Auf dem Wege hegten und beabsichtigten sie fortwährend Böses, und zwar hauptsächlich gegen Unschuldige ohne Ursache. Als sie durch das Feuer fielen, jammerten sie sehr.

Damit sie erkannt werden, woher und wie beschaffen sie sind, haben sie, wenn sie herausgelassen werden, einen gewissen Kreis, an welchem wie eherne Stacheln geheftet sind, die sie mit den Händen drücken und drehen, und dies ist das Zeichen, daß sie von dieser Art und gebunden sind.

*815. Die, welche ein solches Vergnügen am Haß und daher an Rachehandlungen haben, daß sie sich nicht bloß damit begnügen, den Leib, sondern auch begehren, die Seele zu verderben, die doch der Herr erlöst hat, werden hinabgelassen durch eine sehr finstere Öffnung gegen die untersten Orte der Erde zu, tief, je nach dem Grade des Hasses und daher der Rache, und es wird ihnen alsdann großer Schrecken und Schauder eingejagt, und sie werden zugleich in der Rachsucht gehalten, und je mehr diese zunimmt, desto tiefer werden sie hinabgelassen. Nachher werden sie an einen Ort unter der Gehenna (Hölle) gebracht, wo gräuliche, große, dickbäuchige Schlangen erscheinen, und zwar so nach dem Leben gestaltet, wie wenn sie völlig dergleichen wären. Von diesen werden sie mit Bissen gequält, die sie auch ebenso scharf empfinden. Dergleichen wird von den Geistern empfindlich gefühlt, es entspricht ihrem Leben, wie das Leibliche bei denen, die im Leibe sind und unterdessen leben sie da in wüsten Phantasien, ganze Jahrhunderte lang, bis sie nicht mehr wissen, daß sie Menschen gewesen sind. Anders kann ihr Leben, das sie sich durch solchen Haß und Rachsucht angeeignet hatten, nicht getilgt werden.

*816. Weil es unzählige Gattungen und noch unzähligere Arten des Hasses und der Rache gibt, und die eine Gattung nicht die gleiche Hölle wie die andere hat, und es somit unmöglich ist, jede einzelne der Ordnung nach aufzuzählen, darum darf ich berichten, was gesehen worden ist:

Es kam einer zu mir, der wie ein Edler aussah (sie erschienen mir wie am hellen Tage, ja noch heller, aber vor dem inneren Gesicht, weil mir, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, gegeben worden ist, mit Geistern umzugehen), der gab mir gleich bei seiner Ankunft verstellterweise durch Winke zu verstehen, daß er mir vieles mitzuteilen habe und fragte mich, ob ich ein Christ sei, ich antwortete ihm, ich sei einer. Er sagte, er sei ebenfalls einer und wünschte, mit mir allein zu sein, da er mir etwas erzählen möchte, das andere nicht hören durften. Ich antwortete aber, im anderen Leben könne man nicht allein sein, wie die Menschen auf Erden es zu sein glauben, und es seien mehrere Geister zugegen. Er trat jedoch naher herzu, und machte sich an das Hinterhaupt gegen den Rücken zu. Nun merkte ich, daß er ein Meuchelmörder war und als er daselbst war, fühlte ich wie einen Stich durch das Herz, und bald auch im Gehirn, von welcherlei Stich ein Mensch leicht sterben würde; weil ich aber vom Herrn beschützt war, fürchtete ich nichts. Welches Kunstgriffs er sich bediente, weiß ich nicht. Er glaubte, ich sei tot und sagte zu anderen, er sei eben von einem Menschen gekommen, den er so getötet habe, und zwar durch etwas Tödliches von hinten her. Er sagte, er verstehe die Kunst (es so einzurichten), daß der Mensch es nicht merke, ehe er tot niederfalle, und daß man nicht anders von ihm glaube, als er sei unschuldig. Hierdurch wurde zu wissen gegeben, daß er kürzlich aus dem Leben abgeschieden sei, wo er eine solche Freveltat begangen hatte.

Die Bestrafung solcher ist schauderhaft. Nachdem sie Jahrhunderte lang höllische Qualen ausgestanden, bekommen sie endlich ein scheußliches und äußerst mißgestaltetes Gesicht, so daß es kein Gesicht mehr ist, sondern wie blaßgelbes Werg (stuppeum luridum); so ziehen sie dann alles Menschliche aus, und es hat dann jeder, der sie sieht, ein Grauen vor ihnen, daher sie wie wilde Tiere an finsteren Orten umherschweifen.

*817. Es kam einer aus einer höllischen Kammer, die zur linken Seite ist, zu mir her und sprach mit mir. Es wurde mir wahrzunehmen gegeben, daß er zu den Frevlern gehöre. Was er in der Welt begangen hatte, wurde in folgender Weise entdeckt:

Er wurde in die Unterwelt (inferiorem terram) nach vorne hin etwas links ziemlich tief hinabgelassen und fing dort an, eine Grube auszuwerfen, wie die Totengräber; daraus entstand der Verdacht, daß er bei Leibesleben einen Mord begangen habe. Dann erschien eine mit schwarzen Tüchern umhängte Totenbahre, und bald stand einer von der Bahre auf und kam zu mir und erzahlte treuherzig, er sei gestorben und meine, er sei von jenem vergiftet worden. Er habe dies auch um die Todesstunde gedacht, ohne jedoch zu wissen, ob ein Verdacht vorhanden sei. Als der Verruchte Geist dies hörte, gestand er, daß er solches begangen habe. Auf das Geständnis folgte die Bestrafung: Zweimal wurde er in die schwarze Grube, die er aufgegraben hatte, hineingeworfen, und wurde schwarz wie die Mumien der Ägypter, sowohl im Angesicht als am Leib, und so wurde er in die Höhe gehoben und vor Geistern und Engeln herumgeführt, und es wurde ausgerufen, welch ein Teufel. Auch wurde er kalt gemacht und gehörte so zu den kalten Höllischen, und wurde in die Hölle versetzt.

*818. Unter den Hinterbacken ist eine schauderhafte Hölle, wo die daselbst Befindlichen sich mit Messern zu erstechen scheinen, indem sie mit Messern auf die Brust anderer zielen, wie Furien, aber das Messer wird ihnen immer im Augenblick des Stoßes genommen. Es sind solche, die andere so sehr gehaßt hatten, daß sie dieselben grausam zu töten trachteten und daher eine so entsetzliche Natur annahmen. Es wurde mir diese Hölle geöffnet, aber nur ein wenig, wegen ihrer entsetzlichen Grausamkeiten, damit ich sehen möchte, wie der tödliche Haß beschaffen ist.

*819. Zur Linken, gleichlaufend mit den unteren Teilen des Körpers, ist ein See, der ziemlich groß und länger als breit ist. Um sein vorderes Ufer her erscheinen denen, die daselbst sind, Ungetüme von Schlangen, wie sie in Sümpfen sind, mit verpestendem Dunst. Am linken Ufer, weiter weg von da erscheinen solche, die Menschenfleisch, ja sich selbst einander essen, indem sie sich mit den Zähnen an anderer Schultern hängen. Zur Linken noch weiter weg erscheinen große Fische, Walfisch-Ungetüme, die den Menschen verschlingen und ausspeien. Am entferntesten, d.h. auf dem entgegengesetzten Ufer, erscheinen die häßlichsten Gesichter, besonders alte Weiber, so mißgestaltet, daß sie nicht geschildert werden können. Sie laufen wie wahnsinnig hin und her. Am rechten Ufer sind die, welche mit grausamen Instrumenten einander umzubringen trachten. Die Instrumente sind verschieden je nach den Abscheulichkeiten des Herzens. Inmitten des Sees ist es überall schwarz, wie Versumpftes.

Einige Male sah ich, welche zu diesem See geführt werden und verwunderte mich darüber. Ich wurde aber von einigen, die von daher kamen, belehrt, diese sagten, daß es solche seien, die inneren Haß gegen den Nächsten gehegt haben, und daß der Haß, sooft Gelegenheit gegeben war, ausgebrochen sei, worin sie dann ihre größte Lust empfunden hätten. Und es habe ihnen nichts größere Freude gemacht, als den Nebenmenschen vor die Gerichte zu ziehen und zu machen, daß über ihn Strafen verhängt wurden, und wenn die Anordnungen des Gesetzes es nicht verhindert hätten, ihn umzubringen.

In dergleichen verwandeln sich der Haß und die Grausamkeiten der Menschen nach dem Leben des Leibes. Ihre ihnen daraus entstehenden Phantasien sind, wie wenn sie lebten.

*820. Solche, die Straßenraub und solche, die Seeräuberei bei Leibesleben getrieben haben, lieben vor allen anderen Flüssigkeiten stinkenden und stark riechenden Harn. Es kommt ihnen auch vor, als ob sie in dergleichen wohnten, sodann auch in übel riechenden Pfützen. Ein Räuber näherte sich mir und knirschte mit den Zähnen; der Ton des Zähneknirschens wurde, was zu verwundern ist, so deutlich gehört, wie wenn es von einem Menschen wäre, obwohl sie keine Zähne haben. Er bekannte, daß er viel lieber in garstiger Jauche leben wolle, als in den klarsten Wassern, und daß der Harngestank es sei, an dem er sich ergötze. In Mistjauchen-Behältern, sagte er, wolle er lieber als sonstwo verweilen, und dort seine Wohnung haben.

*821. Es gibt solche, die äußerlich ein ehrliches Gesicht haben und ein ehrenhaftes Leben führen, so daß niemand etwas anderes vermuten kann, als daß sie ehrbar seien. Da sie auf alle Weise sich bestreben, so zu erscheinen, in der Absicht, sich zu Ehrenstellen aufzuschwingen, und ohne ihrem guten Namen zu schaden, Gewinn zu machen, darum gehen sie auch nicht offen zu Werke, sondern berauben durch andere Menschen mit listigen Kunstgriffen andere ihrer Güter, sich nichts darum bekümmernd, wenn auch die Familien, die sie berauben, Hungers sterben mußten, was sie auch, wenn es nicht vor der Welt offenbar würde, wirklich selbst tun würden ohne Gewissen; sie sind jedoch so, wie wenn sie es wirklich getan hätten. Sie sind heimliche Räuber, und die Art ihres Hasses ist mit Hochmut, Gewinnsucht, Unbarmherzigkeit und Betrug verbunden.

Solche wollen im anderen Leben unsträflich sein, indem sie sagen, sie hatten nichts Böses getan, weil es nicht aufgedeckt worden, und um sich schuldlos zu erweisen, ziehen sie die Kleider aus, stellen sich nackt hin, indem sie so ihre Unschuld bezeugen. Wenn sie geprüft werden, so wird an jedem Wort und an jeder Denkvorstellung ihre ganze Beschaffenheit wahrgenommen, was sie nicht wissen.

Solche trachten im anderen Leben danach, ihre Genossen, auf die sie auch nur immer stoßen mögen, gewissenlos zu morden; und sie haben ein Beil bei sich und einen Hammer in der Hand und scheinen einen anderen Geist bei sich zu haben, dem sie rücklings einen Streich versetzen, jedoch nicht bis zum Blutvergießen, weil sie sich vor dem Tode fürchten. Auch können sie diese Werkzeuge nicht aus der Hand werfen (was sie jedoch mit größter Mühe versuchen, um nicht als solche zu erscheinen), damit ihr roher Sinn vor den Geistern und Engeln zur Erscheinung komme. Sie sind in mittlerem Abstand unter den Füßen gegen vorne zu.

*822. Es gibt eine Art des Hasses gegen den Nächsten, bei der sie ihre Freude daran haben, Unrecht zu tun und jeden zu reizen, und je mehr sie ihm Schaden zufügen können, desto mehr machen sie sich daraus ein Vergnügen. Dergleichen gibt es vom untersten Pöbel sehr viele, auch gibt es bei ihnen Gleichgesinnte, die nicht zum Pöbel gehören, sondern äußerlich gesitteter sind, infolge des höflichen Betragens, zu dem sie erzogen sind, und wegen der Strafen des Gesetzes. Solche erscheinen nach dem Tode am oberen Teil des Leibes nackt, mit fliegenden Haaren; sie stürzen einer auf den anderen los, mit den Händen des andern Schultern fassend, und reizen sie so. Sie springen dem anderen auf den Kopf, kommen nach kurzen Rückgängen wieder und schlagen mit Fäusten heftig zu. Die, welche gesitteter waren, und von denen oben die Rede war, machen es ebenso, aber sie grüßen sich vorher und schleichen hinten herum, und versetzen ihnen so eins mit der Faust; wenn sie sie aber im Gesicht sehen, grüßen sie, und gehen wieder hinten herum, und schlagen mit der Faust drein. So bewahren sie den Schein; sie erscheinen links in mittlerer Höhe in einiger Entfernung.

*823. Alles, was der Mensch getan hat bei Leibesleben, kommt im anderen Leben nach und nach wieder, sogar alles, was er gedacht hat. Wenn Feindschaften, Haß und Betrug wiederkehren, so stellen sich auch die Personen, gegen die man Haß gehegt und heimliche Umtriebe gemacht hat, gegenwärtig dar, und zwar augenblicklich; so verhält es sich im anderen Leben, von welcher Gegenwart, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden. Und die Gedanken, die er gegen sie gehabt hat, liegen offen zutage, denn es findet ein Innewerden der Gedanken statt, weshalb dort die kläglichen Zustände, der verborgene Haß offen ausbrechen. Bei denen, die böse sind, kommen ihre Übeltaten und Gedanken auf diese Weise alle lebendig wieder. Bei denen aber, die gut sind, nicht so, sondern alle ihre Zustände des Guten ihre Freundschaft und Liebe mit höchster Wonne und Seligkeit.


*824. Von den Höllen derer, die ihr Leben in Ehebrüchen und Unzüchtigkeiten hingebracht haben; dann von den Höllen der Hinterlistigen (dolosorum) und der Zauberinnen (praestigiatricium).

Unter der Ferse des linken Fußes ist die Hölle, wo diejenigen sind, die ihre Freude an Grausamkeit und zugleich an Ehebrüchen hatten und daran die höchste Lust ihres Lebens empfanden. Zu verwundern ist, daß die, welche bei Leibesleben grausam waren, auch vor anderen Ehebrecher waren. Die von solcher Art waren, befinden sich in dieser Hölle. Hier verüben sie Grausamkeiten in unsäglichen Weisen: Sie machen sich mittels ihrer Phantasien Gefäße, wie zum Zerstampfen (quasi trituratoria), wie man sie für das Kraut (olera) hat, und Werkzeuge zum zerdreschen (instrumenta trituratoria), mit denen sie so zermalmen und quälen, die sie können; dann auch eine Art breiter Beile, wie sie die Henker haben, sowie auch Bohrer, mit denen einer den anderen grausam mißhandelt, außer anderem Gräßlichen.

Dort befinden sich einige von den Juden, die in dieser grausamen Weise einst mit den Heiden verfuhren; und heutzutage wächst diese Hölle hauptsächlich von denen an, die zu der sogenannten Christenheit gehören und die ganze Lust ihres Lebens in Ehebrüche gesetzt hatten und meistens auch grausam sind. Zuweilen verwandelt sich ihre Lust in den Gestank von Menschenkot, der, wenn diese Hölle geöffnet wird, dick hervorqualmt. Er wurde in der Geisterwelt empfunden, und da bin ich davon fast in Ohnmacht gefallen. Dieser Kotgeruch nimmt abwechselnd die Hölle ein, und hört abwechselnd wieder auf, es ist ihre Lust an Ehebrüchen, die sich in einen solchen argen Geruch verwandelt.

Im Verlauf der Zeit, wenn sie ihre Periode (aetatem) in dergleichen zugebracht haben, werden sie allein gelassen und sitzen in der Qual und werden wie scheußliche Totengerippe, leben aber gleichwohl.

*825. In der Fläche der Fußsohlen vorne, in ziemlicher Weite, ist die Hölle, die Gehenna genannt wird, wo sich unzüchtige Weiber befinden, die ihre ganze Lust in Ehebrüche gesetzt und die Ehebrüche nicht bloß für erlaubt, sondern auch für ehrbar gehalten und Arglose und Unschuldige unter mancherlei Schein der Ehrbarkeit zu solchen verlockt haben. Es scheint daselbst wie etwas Feuriges, dergleichen bei einer großen Feuerbrunst in der Luft aufzuleuchten pflegt. Auch ist eine Hitze dabei, was mir durch die von da in mein Angesicht ausströmende Wärme zu empfinden gegeben wurde, und ein Gestank ungefähr wie von verbrannten Knochen und Haaren, der von da ausdünstet. Diese Hölle verwandelt sich zuweilen in gräßliche Schlangen, die sie beißen; sie wünschen sich dann den Tod, können aber nicht sterben.

Einige von da Losgelassene kamen zu mir und sagten, daß daselbst eine große Hitze sei, und daß, wenn ihnen gestattet wird, einer Gesellschaft guter Geister sich zu nähern, diese Hitze sich in schneidende Kälte verwandle, und dann walle bei ihnen die Hitze und die Kälte von einem Äußersten zum anderen, wodurch sie ebenfalls jämmerlich gequält werden. Aber gleichwohl haben sie ihre Zwischenzeiten (interstitia), innerhalb derer sie in der Brunst ihrer feurigen Wollust sind; aber, wie gesagt, ihre Zustände wechseln.

*826. Es waren einige von beiderlei Geschlecht aus der sogenannten Christenheit, die im Leben ihres Leibes die Ehebrüche nicht bloß für erlaubt, sondern auch für heilig gehalten, und so Gemeinschaftsehen (communia conjugia), wie sie dieselben gottloser Weise nannten, unter dem Schein der Heiligkeit gehabt hatten. Ich sah, daß sie in die Gehenna geschickt wurden. Als sie aber dorthin kamen, ging eine Veränderung vor: das Feurige der Gehenna, das eher ins Rötliche fällt, wurde infolge ihrer Ankunft mehr weißglühend, und man bemerkte, daß sie nicht zusammenstimmen konnten; weshalb denn diese ruchlose Rotte von da ausgeschieden und in eine Gegend nach hinten versetzt wurde, und zwar wie man sagte, in eine andere Welt, wo sie in Sumpfe versenkt werden sollten, und von da in eine neue Gehenna, die für sie sei. Man hörte in der Gehenna etwas Zischendes, das nicht beschrieben werden kann, aber das Zischen oder Sumsen der Gehenna war gröber, als das von diesen, welche die Heiligkeit durch Ehebrüche geschändet hatten.

*827. Die, welche mittels der ehelichen Liebe und der Liebe zu den Kindern Schlingen legen, indem sie sich so benehmen, daß der Ehemann keinen Verdacht hegt, daß die Gäste nicht keusch, arglos und Freunde seien und unter solchem und manchem anderen Schein um so sicherer Ehebruch treiben, sind in der Hölle unter den Hinterbacken, im garstigsten Auswurf und werden abgeödet, bis sie wie Knochen werden, weil sie zu den Hinterlistigen gehören. Solche wissen nicht einmal, was Gewissen ist.

Ich sprach mit ihnen, und sie wunderten sich, daß jemand ein Gewissen habe, und daß man sage, Ehebrüche seien gegen das Gewissen. Man sagte ihnen, daß es solchen gewissenlosen Ehebrechern ebenso unmöglich sei, in den Himmel zu kommen, wie es einem Fisch ist, in die Luft oder einem Vogel in den Äther zu kommen, weil sie, wenn sie sich nur nähern, wie ein Ersticken empfinden und dergleichen Lust sich in greulichen Gestank verwandelt. Ferner sagte man ihnen, daß es nicht anders geschehen könne, als daß sie in die Hölle verstoßen werden und am Ende wie knöchern werden, mit wenig Leben, weil sie ein solches Leben sich angeeignet haben, bei dessen Verlust so wenig wahrhaft menschliches Leben übrigbleibe.

*828. Die welche nichts brünstiger begehren, als Jungfrauen zu entehren und denen die Jungfrauschaften und der Raub der Jungfrauschaften zur höchsten Lust gereichen, ohne alle Absicht auf Ehe und auf Kinder, und die, wenn sie der Jungfrauschaft Blüte geraubt, sie nachher im Stich lassen, ihrer überdrüssig werden und sie dem Schimpf preisgeben. Weil sie ein solches Leben geführt haben, das gegen die natürliche, die geistige und die himmlische Ordnung, und nicht allein gegen die eheliche Liebe, die im Himmel höchst heilig gehalten wird, sondern auch gegen die Unschuld ist, die sie verletzen und morden indem sie unschuldige Mädchen, denen die eheliche Liebe hatte eingeflößt werden können, ins buhlerische Leben einführen - es ist ja bekannt, daß es die erste Blüte der Liebe ist, welche die Jungfrauen in eine keusche, eheliche Liebe einführt und die Seelen der Gatten verbindet und weil die Heiligkeit des Himmels sich gründet auf die eheliche Liebe und auf die Unschuld, sie aber innerlich solche Mörder sind, so haben sie im anderen Leben die schwerste Strafe auszustehen. Es kommt ihnen vor, als ob sie auf einem wütenden Pferde säßen, das sie in die Höhe wirft, so daß sie gleichsam mit Lebensgefahr vom Pferd abgeworfen werden. Ein solcher Schrecken wird ihnen eingejagt. Hierauf scheint es ihnen, als befänden sie sich unter dem Bauch des wütenden Pferdes und bald, als schlüpften sie durch den hinteren Teil des Pferdes in dessen Bauch; und plötzlich ist es ihnen, als ob sie in dem Bauch einer garstigen Buhldirne wären, welche Dirne sich in einen großen Drachen verwandelt, und hier bleiben sie eingehüllt in der Qual. Diese Strafe kehrt oftmals wieder, innerhalb Jahrhunderten und Jahrtausenden, bis sie von Schauder vor solchen Begierden erfüllt werden. Von ihren Sprößlingen wurde mir gesagt, daß sie schlimmer seien, als andere Kinder, weil sie so etwas vom Vater her erblich an sich haben, daher auch selten Kinder aus der Begattung von solchen geboren werden, und die, welche geboren werden, nicht lange am Leben bleiben.

*829. Die, welche bei Leibesleben unzüchtig denken und alles, was andere reden, ins Unzüchtige verkehren, auch das Heilige, und zwar auch noch als Erwachsene und als Greise, da doch keine natürliche Lüsternheit mehr dazu anreizt, lassen auch im anderen Leben nicht ab, so zu denken und zu reden. Und weil dort ihre Gedanken sich mitteilen, und zuweilen bei anderen Geistern zu unzüchtigen Darstellungen werden, woraus dann Ärgernisse entstehen, so ist ihre Strafe, daß sie vor den Geistern, die sie verletzt hatten, waagrecht hingeworfen und wie eine Rolle von der Linken zur Rechten schnell herumgewälzt werden, hernach schief in anderer Lage, und so wieder in einer anderen, nackt vor allen, oder halbnackt, je nach der Beschaffenheit ihrer Geilheit, und zugleich wird ihnen Scham eingejagt. Dann werden sie mit Kopf und Füßen überzwerch wie eine Achse umgedreht; es wird ihnen ein Widerstreben beigebracht und zugleich Schmerz; denn es wirken zwei Kräfte, eine rundum und die andere rückwärts; so geschieht es denn mit schmerzhafter Verziehung. Wenn dies vorüber ist, so wird ihnen Gelegenheit gegeben, sich dem Anblick der Geister zu entziehen, und ihnen Scham eingeflößt. Es gibt aber gleichwohl solche, die sie versuchen, ob sie noch auf dergleichen bestehen. Solange sie aber im Zustand der Scham und des Schmerzes sind, hüten sie sich davor. So sind sie für sich verborgen, obwohl sie wissen, wo sie sind. Diese Strafe erschien vorwärts in einiger Entfernung.

Es gibt auch Buben, Jünglinge und junge Männer, die nach der Torheit ihres Alters und ihrem geilen Trieb die abscheulichen Grundsätze angenommen haben, daß die Frauen, besonders die jungen und schönen, nicht für den Mann da sein dürfen, sondern für sie und ihresgleichen; während der Mann nur der Hausvater und Erzieher der Kinder bleibe. Diese werden im anderen Leben auch erkannt am bübischen Ton der Rede. Sie befinden sich daselbst hinter dem Rücken in einiger Höhe. Diejenigen unter ihnen, die sich in ihren Grundsätzen und in einem denselben gemäßen wirklichen Leben verhärtet haben, werden im anderen Lehen jämmerlich gestraft, indem sie hin und her verrenkt oder verdreht werden (per colluxationes el reluxationes, seu contorsiones et retorsiones), und zwar von Geistern, die ihnen durch Kunst die Einbildung von einem Körper, und zugleich ein körperliches Schmerzgefühl beibringen können. Durch dieses Hin- und Herreißen (reverberationes) und die zugleich beigebrachten Gegenstrebungen, werden sie so zerfleischt, daß es ihnen unter unmenschlichen Schmerzen vorkommt, als seien sie gleichsam in kleine Stücke zerrissen. Und dies so oft, bis sie von Schauder vor solchen Lebensgrundsätzen durchschüttert ablassen, so zu denken.

*830. Diejenigen, die mit scharfsinniger Hinterlist (acuto dolo) die Menschen betrügen, indem sie ein freundliches Gesicht und Rede zeigen, inwendig aber giftige Ränke schmieden, und so die Menschen einnehmen, in der Absicht, sie zu verderben, deren Hölle ist noch grauenhafter als die Hölle der Mörder. Es kommt ihnen vor, als lebten sie unter Schlangen; und je verderblicher ihre Tücken waren, desto gräßlichere und giftigere und desto mehr Schlangen erscheinen, die sie umgeben und quälen. Sie wissen nicht anders, als daß es Schlangen seien, sie fühlten die gleichen Schmerzen und die gleichen Qualen, was wohl wenige glauben werden, es ist aber dennoch wahr. Sie sind diejenigen, die mit Vorbedacht Ränke schmieden, und darin die Lust ihres Lebens empfinden.

Der Heimtückischen (dolosorum) Strafen sind verschieden, je nach der Natur der Hinterlist (doli) eines jeden. Im allgemeinen werden sie in den Gesellschaften nicht geduldet, sondern ausgeschlossen; denn alles, was ein Geist denkt, wissen und durchschauen die Nachbarn sogleich, somit ob Hinterlist und welcherlei Hinterlist da ist. Daher sie, aus den Gesellschaften verstoßen, endlich einsam dasitzen und dann mit breitem Gesicht erscheinen, so breit, wie vier oder Fünf Gesichter anderer zusammengenommen, mit breitem, fleischfarbigem Hut. So sitzen sie wie Bilder des Todes in der Qual.

Es gibt andere, die von Natur tückisch (dolosi) sind, somit nicht mit Vorbedacht, und nicht heimlicher Weise unter anderer Miene: diese werden gleich erkannt, und ihr Denken wird deutlich wahrgenommen. Auch brüsten sie sich damit, wie wenn sie als listig erscheinen wollten. Diese haben keine solche Hölle. Doch mehr von den Ränkevollen, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden.

*831. Es gibt Frauen, die ihren Neigungen gefrönt und bloß sich und der Welt gelebt und das ganze Leben und alle Lebensfreude in den äußeren Anstand gesetzt hatten und daher auch in der bürgerlichen Gesellschaft mehr als andere geschätzt waren; infolgedessen haben sie von ihrem wirklichen Leben und dem angeeigneten Wesen her die Fertigkeit erlangt, durch ihre anständigen Manieren in die Begierden und Freuden anderer sich unter dem Schein der Ehrbarkeit einzuschleichen, aber mit der Absicht zu herrschen. Daher denn ihr Leben ein heuchlerisches und ränkevolles wurde. Sie hatten gleich anderen die Kirchen besucht, aber in keiner anderen Absicht, als um ehrbar und fromm zu erscheinen. Im übrigen waren sie ohne Gewissen, zu Schandtaten und Ehebrüchen äußerst geneigt, wenn sie nur verheimlicht werden konnten. Solche denken im anderen Lehen ebenso. Was Gewissen ist, wissen sie nicht, sie verlachen diejenigen, die das Gewissen nennen. Sie schleichen sich in jede Art von Neigungen anderer ein, indem sie Ehrbarkeit, Frömmigkeit, Barmherzigkeit, Unschuld erheucheln, die für sie die Mittel zu täuschen sind, und sooft ihnen die äußeren Fesseln genommen werden, rennen sie in die größten und schändlichsten Verbrechen.

Diese sind es, die im anderen Leben Magierinnen (magae) oder Zauberinnen (praestigiatrices) werden, von denen es einige gibt, die man Sirenen nennt; und dort ergreifen sie Künste, die in der Weit unbekannt sind: sie sind wie Schwämme, die abscheuliche Kunstgriffe einsaugen, und mit solchem Geschick, daß sie dieselben mit Gewandtheit ausüben können. Die in der Weit unbekannten Künste, die sie dort erlernen, sind: daß sie wie anderswo reden können, so daß man eine Stimme wie von guten Geistern, an einem anderen Ort hört; daß sie zu gleicher Zeit gleichsam bei mehreren sein können, indem sie so andere bereden, sie seien gleichsam überall gegenwärtig; daß sie reden wie mehrere zugleich, und an mehreren Orten zugleich; daß sie das, was von guten Geistern und auch von engelischen Geistern einfließt, abwenden und alsbald auf verschiedene Weise zu ihren Gunsten verkehren können; daß sie die Gestalt (similitudinem) eines anderen annehmen können durch Vorstellungen, die sie auffangen und ausprägen; daß sie jedem eine Neigung zu ihnen einflößen, indem sie sich in den eigentlichen Zustand der Neigung des anderen einschleichen, sich plötzlich dem Anblick entziehen und unsichtbar werden. Sie können vor den Geistern eine weißglänzende Flamme ums Haupt darstellen, und zwar vor mehreren, was ein engelisches Zeichen ist; Unschuld heucheln auf verschiedene Arten, auch indem sie Kinder vorstellen, die sie küssen. Sie geben auch anderen, gegen die sie einen Haß haben, ein, sie sollen sie umbringen, weil sie wissen, daß sie doch nicht sterben können; nachher klagen sie dann diese als Mörder an, und breiten es aus. Sie regten aus meinem Gedächtnis alles auf, was ich Böses gedacht und getan hatte, und zwar in sehr geschickter Weise. Als ich im Schlaf war, redeten sie ganz wie aus mir mit anderen, so daß die Geister beredet wurden, und zwar Falsches und Unflätiges; und so mehreres dergleichen.

Ihre Natur ist so suggestiv, daß man in ihr nichts Zweifelhaftes ahnt, daher ihre Vorstellungen nicht, wie die der anderen Geister, mitgeteilt werden. Auch haben sie gleichsam Schlangenaugen, wie man sagt, indem sie mit ihrem Gesicht und ihrer Vorstellung überall gegenwärtig sind. Diese Zauberinnen oder Sirenen werden hart gestraft. Einige in der Gehenna, andere in einem Hof (curia) unter Ottern. Andere durch Verziehungen und verschiedene Zusammenstoßungen mit dem größten Schmerz und Qual. Im Verlauf der Zeit werden sie ausgeschieden und werden vom Kopf bis zur Ferse wie Totengerippe.


*938. Vo den Höllen der Geizigen und von dem unsauberen Jerusalem und den Räubern in der Wüste. Sodann von den kotigen Höllen derjenigen, die in lauter Vergnügungen gelebt haben.

Die Geizigen sind die allerschmutzigsten und denken am allerwenigsten an ein Leben nach dem Tod, an die Seele und an den inneren Menschen; sie wissen nicht einmal, was der Himmel ist, weil sie am allerwenigsten ihre Gedanken erheben, sondern sie ganz eingießen und versenken ins Leibliche und Irdische. Wenn sie ins andere Leben kommen, wissen sie daher lange nicht, daß sie Geister sind, sondern meinen sie seien noch ganz im Leibe. Die Vorstellungen ihres Denkens, die vom Geiz gleichsam körperlich und irdisch wurden, verwandeln sich in gräßliche Einbildungen und, was unglaublich, jedoch wahr ist, es kommt den schmutzig Geizigen vor, als wohnten sie in Kellern, wo ihre Gelder sind und als würden sie den von Mäusen angefallen. Wie sehr sie aber auch beunruhigt werden, so gehen sie doch nicht von da weg, bis sie ermüdet sind. Erst dann winden sie sich endlich aus diesen Gräbern heraus.

*939. In was für schmutzige Einbildungen sich die Denkvorstellungen derer, die schmutzig geizig waren, verwandeln, ergibt sich aus ihrer Hölle, die tief unter den Füßen liegt. Es qualmt von da ein Dampf heraus, wie der Dampf von Schweinen, denen in einem Trog die Haut abgezogen worden; dort sind der Geizigen Wohnsitze. Die dahin kommen erscheinen zuerst schwarz, und es kommt ihnen vor, als ob sie hier durch das Abschaben der Haare, wie bei den Schweinen zu geschehen pflegt, weiß wurden, so erscheinen sie sich auch alsdann; aber dennoch bleibt, wohin sie auch kommen mögen, ein Merkmal davon zurück, daß sie solche seien.

Ein gewisser schwarzer Geist, der noch nicht in seine Hölle gebracht worden war, weil er noch in der Geisterwelt verweilen sollte, wurde dort hinabgelassen; derselbe war nicht so geizig gewesen, aber dennoch hatte er, solange er lebte, boshaft nach anderer Güter getrachtet. Als er nun daselbst anlangte, flohen die Geizigen von da weg und sagten, er sei ein Räuber, weil schwarz, und wolle sie morden; denn die Geizigen fliehen solche, weil sie sehr für ihr Leben furchten. Als sie endlich erfuhren, er sei kein solcher Räuber, sagten sie ihm, wenn er weiß werden wolle, so müßten ihm, wie den Schweinen, die vor dem Blick erschienen, die Haare abgestreift werden, so wurde er weiß werden. Das wollte er aber nicht, und wurde nun wieder unter die Geister versetzt.

*940. In dieser Hölle sind großenteils Juden, die schmutzige Geizhälse waren, deren Gegenwart, auch wenn sie zu anderen Geistern kommen, an dem Mäusegestank empfunden wird. Weil von den Juden die Rede ist, so darf ich berichten, wie jämmerlich ihr Zustand nach dem Tode ist, nämlich derer, die schmutzige Geizhälse gewesen waren und aus angeborenem Hochmut andere neben sich verachtet hatten, weil sie meinten, sie seien allein die Auserwählten; dann auch von ihren Städten und den Räubern in der Wüste.

Infolge der Einbildung, die sie bei Leibesleben gefaßt, und in der sie sich bestärkt haben, daß sie nach Jerusalem kommen werden, und damit in das heilige Land, das sie besitzen sollten, indem sie nicht wissen wollten, daß unter dem neuen Jerusalem verstanden wird das Reich des Herrn in den Himmeln und auf Erden, erscheint ihnen, wenn sie ins andere Leben kommen, zur Linken der Gehenna, ein wenig vorwärts, eine Stadt, in der sie haufenweise ankommen. Allein diese Stadt ist kotig und stinkend, daher sie das unsaubere Jerusalem genannt wird. Hier laufen sie hin und her durch die Gassen, im Schlamm und Kot bis über die Knöcheln, klagend und heulend. Städte sehen sie mit Augen, auch Gassen, sie haben eine Vorbildung von dergleichen, wie bei hellem Tage. Ich habe auch einige Male solche Städte gesehen.

Es erschien mir ein Finsterling (quidam obscurus), der aus diesem unsauberen Jerusalem kam. Es wurde etwas wie ein Tor aufgetan, um ihn her waren Irrsterne, besonders zu seiner Linken. Die Irrsterne um einen Geist her bedeuten in der Geisterwelt Falschheiten (anders ist es, wenn es keine Irrsterne sind). Er näherte sich mir und machte sich an mein linkes Ohr oberhalb, das er gleichsam mit dem Mund berührte, um mit mir zu reden. Er redete aber nicht mit lauter Stimme, wie andere, sondern inwendig in sich hinein, immerhin jedoch so, daß ich es hörte und verstand. Er sagte, er sei ein jüdischer Rabbiner und sei lange Zeit her in jener kotigen Stadt gewesen. Er sagte auch, die Gassen daselbst seien nichts als Schlamm und Kot, ieuten in der Geisterwelt Falschheiten (anders ist es, wenn es keine Irrsterne sind). Er näherte sich mir und machte sich an mein linkes Ohr oberhalb, das er gleichsam mit dem Mund berührte, um mit mir zu reden. Er redete aber nicht mit lauter Stimme, wie andere, sondern inwendig in sich hinein, immerhin jedoch so, daß ich es hörte und verstand. Er sagte, er sei ein jüdischer Rabbiner und sei lange Zeit her in jener kotigen Stadt gewesen. Er sagte auch, die Gassen daselbst seien nichts als Schlamm und Kot, ieuten in der Geisterwelt Falschheiten (anders ist es, wenn es keine Irrsterne sind). Er näherte sich mir und machte sich an mein linkes Ohr oberhalb, das er gleichsam mit dem Mund berührte, um mit mir zu reden. Er redete aber nicht mit lauter Stimme, wie andere, sondern inwendig in sich hinfinde Ihn überall, und Er höre und kenne alle. Aber da zogen ihn andere jüdische Geister zurück.

*941. Es ist auch eine andere Stadt zur Rechten der Gehenna, aber zwischen der Gehenna und dem Pfuhl, wo, wie es ihnen scheint, die Besseren von den Juden wohnen, aber diese Stadt verändert sich ihnen je nach ihren Phantasien. Bald verwandelt sie sich in Dörfer, bald in einen Sumpf, bald wiederum in eine Stadt. Sie haben daselbst Furcht vor Räubern, und solange sie in dieser Stadt sind, sind sie sicher.

Zwischen beiden Städten ist gleichsam ein dreieckiger finsterer Raum, da sind die Räuber, die Juden sind, aber die schlimmsten von ihnen, die alle, auf die sie irgend stoßen, jämmerlich quälen. Diese Räuber nennen die Juden aus Furcht den Herrn, und die Wüste, in der sie sind, nennen sie die Erde. Damit sie sicher vor den Räubern in diese Stadt zur Rechten kommen mögen, ist an der Grenze im Eck ein guter Geist, der die Kommenden empfängt. Wenn sie zu ihm kommen, bücken sie sich zur Erde und werden dann unter seinen Füßen eingelassen, und das ist der Gebrauch der Einlassung in diese Stadt.

Ein Geist kam plötzlich zu mir; ich fragte, woher er komme, er sagte, er fliehe und fürchte sich vor den Räubern, welche die Leute töten, zermetzeln, verbrennen, braten, und suche nun, wo er sicher sein könne. Ich fragte, woher er wäre und aus welchem Land. Er wagte aus Furcht nichts anderes zu antworten, als daß das Land (terra) des Herrn sei, denn die Wüste nennen sie das Land, und die Räuber den Herrn. Es kamen hernach Räuber, die sehr schwarz waren und in einem Baßton redeten wie die Riesen, und, was zu verwundern ist, wenn sie herkommen, wirklich einen fühlbaren Schrecken und Schaudereinjagen. Ich fragte, wer sie waren; sie sagten, sie suchten Beute. Ich fragte, wo sie ihre Beute hintragen wollten, ob sie nicht wußten, daß sie Geister seien, und daß sie weder Beute wegnehmen, noch zusammenscharren können, und daß dergleichen nur Einbildungen der Bösen seien. Sie antworteten, sie seien in der Wüste und gingen auf Raub aus und quälten die, auf die sie stoßen. Sie anerkannten endlich, während sie bei mir waren, daß sie Geister seien, aber gleichwohl konnten sie nicht dahin gebracht werden, anders zu glauben, als daß sie im Leibe lebten.

Es sind Juden, die so herumschweifen, und im Munde führen toten, niedermetzeln, verbrennen, braten, und dies gegen alle, selbst wenn sie Juden oder Freunde sind.

Hieraus wurde auch offenbar, von welcher Gesinnung sie sind, obwohl sie in der Welt nicht wagen, so etwas sich merken zu lassen.

*942. Nicht weit von dem unsauberen Jerusalem ist auch noch eine andere Stadt, die genannt wird das Gericht der Hölle (Judicium Gehennae); daselbst sind die, welche aus eigener Gerechtigkeit sich den Himmel zusprechen und andere verdammen, die nicht nach ihren Einbildungen leben. Zwischen dieser Stadt und der Hölle erscheint wie eine Brücke, ziemlich schön, von blasser oder grauer Farbe, wo ein schwarzer Geist ist, den sie fürchten, und der sie vom Übergang zurückhält; denn auf der anderen Seite der Brücke erscheint die Hölle (gehenna).

*943. Die, welche bei Leibesleben bloß auf Vergnügungen ausgingen und nur ihren Neigungen frönen und in Pracht und Herrlichkeil Leben wollten, allein ihnen selbst und der Welt sich widmend, göttliche Dinge für nichts achtend, ohne Glauben und Liebtätigkeit, werden nach dem Tode zuerst in ein Leben eingeführt, das demjenigen, das sie in der Welt hatten, ähnlich ist. Es ist ein Ort vorne zur Linken, ziemlich tief, wo nichts als Vergnügungen, Spiele, Tanze, Schmausereien und Unterhaltungen sind; dahin werden solche versetzt, und dann wissen sie nicht anders, als daß sie noch in der Welt seien: allein die Szene ändert sich; nach einiger Zeit werden sie hinabgelassen in die Hölle (Infernum) unter den Hinterbacken, die ganz kotig ist; denn ein solches Vergnügen, das bloß körperlich ist, verwandelt sich im anderen Leben in Kotiges; ich sah sie dort Mist tragen und jammern.

*944. Frauen, die von einem niedrigen und gemeinen Stand her reich wurden, und aus Stolz darauf sich ganz den Vergnügungen und einem üppigen und müßigen Leben hingegeben hatten, indem sie, wie Königinnen auf Pfuhlen lagerten, am Spieltisch und zur Tafel saßen und sich um nichts anderes bekümmerten, geraten im anderen Leben, wenn sie zusammenkommen, arg aneinander, zerschlagen und zerreißen sich, und ziehen sich an den Haaren und werden wie Furien.

*945. Anders aber diejenigen, die in Vergnügungen oder Annehmlichkeiten des Lebens geboren und von Kindheit an zu dergleichen erzogen worden sind, wie die Königinnen und andere von edler Herkunft, so wie auch die Reichen. Solche sind, obwohl in Vergnügungen und in Pracht und Glanz aufgewachsen, wofern sie nur zugleich im Glauben an den Herrn und in Liebtätigkeit gegen den Nächsten gelebt haben, im anderen Leben unter den Seligen: denn daß man den Genüssen des Lebens, der Macht und dem Reichtum entsagen, und so durch Leiden den Himmel verdienen müsse, ist falsch; aber sowohl die Vergnügungen als auch die Macht und den Reichtum für nichts achten gegenüber (respectiva ad) dem Herrn, und das Leben der Welt für nichts gegenüber dem himmlischen Leben, das ist es, was im Worte gemeint ist.

*946. Ich redete mit Geistern davon, daß wohl wenige glauben werden, es gebe so vieles und von solcher Art im anderen Leben, aus dem Grund, weil der Mensch keinen anderen Begriff hat von seinem Leben nach dem Tod, als nur einen ganz allgemeinen und dunklen, der keiner ist, und in dem sie sich bestärkt haben durch das, daß sie eine Seele oder einen Geist nicht mit Augen sehen konnten, und daß die Gelehrten, obwohl sic behaupten, es gebe eine Seele oder einen Geist, dennoch, weil sie an erdichteten Wörtern und Ausdrücken hängen, die das Verständnis der Dinge vielmehr verdunkeln, ja auslöschen, und weil sie sich selbst und der Welt, selten aber dem allgemeinen Besten und dem Himmel leben, noch weniger als die sinnlichen Menschen glauben.

Die Geister, mit denen ich geredet, haben sich verwundert, daß der Mensch von solcher Art ist, da er doch weiß, daß es in der Natur selbst und in jedem ihrer Reiche soviel Wunderbares und Mannigfaltiges gibt, das er nicht kennt, wie z.B. im Inwendigen des menschlichen Ohres, von dem man ein ganzes Buch mit erstaunlichen und unerhörten Dingen füllen könnte, welchen ein jeder Glauben schenkte. Dagegen, wenn von der geistigen Welt, aus der doch alles und jedes, was in den Reichen der Natur ist, entsteht, etwas gesagt wird, so glaubt es kaum jemand; wie gesagt, infolge der vorgefaßten und verfestigten Meinung, daß es nicht sei, weil man es nicht sieht.


*947. Von anderen Höllen, die von den früheren unterschieden sind.

Denjenigen, die hinterlistig (dolosi) sind, und alles durch arglistige Ränke erlangen zu können meinen und sich darin bei Leibesleben bestärkt hatten, durch den guten Erfolg, den sie damit hatten, kommt es vor, als wohnten sie in einer Tonne zur Linken, welche die höllische Tonne (tonna infernalis) heißt. Über derselben ist eine Decke, und außerhalb auf pyramidenförmigem Gestell eine Scheibe (orbiculus), die sie für das Weltall halten, das sie zu beaufsichtigen und zu regieren hatten; ganz so kommt es ihnen vor. Diejenigen von ihnen, die Unschuldige auf hinterlistige Art verfolgt halten, sind hier jahrhundertelang. Es wurde mir gesagt, daß einige schon zwanzig Jahrhunderte hier zugebracht hatten.

Wenn sie herausgelassen werden, so haben sie eine solche Phantasie, daß sie glauben, das Weltall sei eine Scheibe (orbis), um die sie herumgehen und die sie mit Füßen treten, indem sie sich für die Götter des Weltalls halten. Einige Male erschienen sie mir, und ich redete mit ihnen von ihrer Einbildung. Weil sie aber von solcher Art in der Welt gewesen waren, so konnten sie nicht davon abgebracht werden.

Ich wurde auch einige Male inne, mit welch feiner Hinterlist sie die Gedanken verdrehen und augenblicklich anderswohin ziehen und anderes unterschieben können, so daß man kaum erkennen könnte, daß es von ihnen herkam. Und dies in solcher Art, daß es unglaublich ist. Weil sie so geartet sind, werden sie gar nicht zu den Menschen gelassen, denn sie flößen auf so geheime und verborgene Weise Gift ein, daß man es gar nicht merken kann.

*948. Es ist auch zur Linken eine andere Tonne (so kommt es ihnen nämlich vor), in dieser sind einige, die bei Leibesleben gemeint hatten, sie hätten, wenn sie Böses taten, Gutes getan, und umgekehrt, so daß sie ins Böse das Gute setzten. Diese verweilen dort eine Zeitlang, und werden dann der Vernunft beraubt, und wenn sie diese verloren, sind sie wie im Schlaf, und nichts von dem, was sie alsdann tun, wird ihnen zugerechnet. Aber gleichwohl kommt es ihnen vor, als seien sie wach. Wird ihnen die Vernunft wieder gegeben, so kommen sie wieder zu sich und sind wie andere Geister.

*949. Zur Linken vorwärts ist ein Gewölbe (camera) wo gar kein Licht, sondern lauter Finsternis ist, daher es das dunkle Gewölbe (camera obscura) heißt. Hier sind die, welche nach den Gütern anderer getrachtet und ihren Sinn beständig auf dieselben gerichtet, und sie auch, ohne sich ein Gewissen daraus zu machen, weggenommen hatten, so oft sie es unter einem scheinbaren Vorwand gekonnt hatten. Es sind hier solche, die, solange sie in der Welt lebten, in ziemlich hohen Würden gestanden und die Ehre der Klugheit in arglistige Ränke gesetzt hatten. In diesem Gewölbe beratschlagen sie sich untereinander, gerade wie einst bei Leibesleben, durch welche betrügerischen Mittel sie andere hintergehen wollen. Finsternis nennen sie hier eine Lust. Es wurde mir ihr Bild gezeigt, und ich sah es, wie am hellen Tage, und wie die, welche hier sind und betrüglich gehandelt haben, am Ende werden, daß nämlich ihr Gesicht greulicher wird als das eines Toten, bleifarbig, wie bei den Leichnamen, mit abscheulichen Falten und Gruben (cum lacunis horrendis); so leben sie in Angstqual dahin.

*950. Eine Horde Geister fuhr von der Seite der Hölle (gehenna) her in die Höhe nach vorne, und an ihrer Sphäre erkannte man (denn die Beschaffenheit der Geister kann man, sobald sie nahen, schon an ihrer Sphäre erkennen), daß sie den Herrn gering schätzten und allen Gottesdienst verachteten. Ihre Rede war wellenförmig. Einer von ihnen, der ärgerliche Dinge gegen den Herrn vorbrachte, wurde sogleich hinabgeworfen gegen die eine Seite der Hölle hin. Sie schwebten vorne über das Haupt hin, in der Absicht, solche zu treffen, mit denen sie sich verbinden konnten, um andere zu unterjochen. Sie wurden aber auf dem Weg aufgehalten, und es wurde ihnen gesagt, sie sollten ablassen, weil dies ihnen übel bekommen würde. So hielten sie denn inne. Dann sah man sie: sie waren von Angesicht schwarz, und um das Haupt hatten sie eine weiße Binde, wodurch bezeichnet wird, daß sie den Gottesdienst, so wie auch das Wort des Herrn, für etwas Schwarzes ansahen, das nur dazu diene, das gemeine Volk in den Banden des Gewissens zu halten. Ihre Wohnung ist in der Nähe der Hölle (gehenna), wo fliegende, jedoch nicht giftige Drachen sind, daher sie die Drachenwohnung (Domicilium draconum) heißt. Weil sie aber nicht hinterlistig sind, so ist ihre Hölle nicht so hart. Solche schreiben auch sich selbst und ihrer Klugheit alles zu und rühmen sich; sie fürchten niemand, es wurde ihnen aber gezeigt, daß schon ein Zischen sie in Schrecken setzen und in Flucht jagen kann. Als sie ein Zischen hörten, glaubten sie aus Schrecken, die ganze Hölle komme herauf, sie zu holen, und aus Helden wurden sie auf einmal wie Weiber.

*951. Die, welche sich bei Leibesleben für heilig gehalten hatten, sind in der unteren Erde vor dem linken Fuß; daselbst erscheinen sie sich zuweilen mit glänzendem Angesicht, was von den Vorstellungen herkommt, die sie von ihrer Heiligkeit haben. Ihr Ausgang ist aber, daß sie dort gehalten werden in der größten Begierde, in den Himmel aufzufahren, den sie in der Höhe glauben. Ihre Begierde wird immer größer und verwandelt sich mehr und mehr in Angst, die ungeheuer zunimmt, bis sie endlich anerkennen, daß sie nicht heilig sind. Wenn sie von da herausgelassen werden, wird ihnen ihr eigener Geruch, der stinkend ist, zu empfinden gegeben.

*952. Es glaubte einer, er habe in der Welt heilig gelebt, damit er von den Menschen für heilig gehalten werde, und so den Himmel verdiente. Er sagte, er habe ein frommes Leben geführt, sei dem Gebet obgelegen, und meinte, es sei genug, wenn jeder nur auf sein eigenes Wohl bedacht sei und für sich selbst sorge. Er sagte auch, daß er ein Sünder wäre und leiden wollte, selbst wenn er von anderen unter die Füße getreten wurde, was er christliche Geduld nannte, und daß er der Kleinste sein wollte, um der Größte im Himmel zu werden. Als dieser geprüft wurde, ob er auch jemanden etwas Gutes oder Werke der Liebtätigkeit getan habe oder habe tun wollen, sagte er, er wisse nicht worin diese bestehen, nur daß er heilig gelebt habe. Da er nur sein Hervorragen über andere zum Zweck hatte, die er somit für geringer als sich hielt, erschien er zuerst, weil er sich selbst für heilig gehalten, in menschlicher Gestalt, weiß bis zu den Lenden, verwandelte sich aber zuerst in Dunkelblau und hernach in Schwan; und weil er herrschen wollte über andere und sie neben sich verachtete, wurde er schwärzer als andere.

Von denen, welche die Größten im Himmel sein wollen, sehe man Nr. 450, 452.

*953. Ich wurde durch einige Wohnstätten des ersten Himmels geführt, und es wurde mir von da, in der Ferne ein ungeheures tobendes Meer mit großen Wogen, dessen Grenze unabsehbar war, zu schauen gegeben, und es wurde gesagt, daß solche Phantasien diejenigen haben, die in der Welt groß haben sein wollen, unbekümmert darum, ob auf rechtem oder unrechtem Wege, wenn sie sich nur Ruhm verschaffen könnten. Sie sehen ein solches Meer, mit der Furcht, darin ertränkt zu werden.

*954. Die Einbildungen, die man bei Leibeslehen hatte, verwandeln sich im anderen Leben in andere, die aber gleichwohl ihnen entsprechen. So z.B. die, welche auf Erden gewalttätig und unbarmherzig waren, deren Gewalttätigkeit und Unbarmherzigkeit verwandelt sich in unglaubliche Grausamkeit, und es ist ihnen, als oh sie alle Genossen, auf die sie irgend stoßen mögen, töteten, und auf verschiedene Arten peinigten, woran sie so großes Gefallen finden, daß solches ihre höchste Lust ist.

Die, welche blutdurstig waren, haben ihre Lust daran, die Geister bis aufs Blut zu peinigen, denn sie glauben, die Geister seien Menschen, sie wissen es nicht anders, und wenn sie welches sehen (denn solcherlei ist ihre Einbildung, daß sie gleichsam Blut sehen), haben sie sehr große Freude daran. Aus dem Geiz entspringen Einbildungen, daß es ihnen vorkommt, als würden sie von Mäusen und dergleichen angefallen, je nach der Art des Geizes.

Die, welche ihre Lust bloß in Wollüste gesetzt hatten, die sie für den letzten Zweck, für das höchste Gut und gleichsam für ihren Himmel hielten, lieben es sehr, in Kloaken zu weilen, indem sie daselbst ihre höchste Lust empfinden, einige in urinhaften und stinkenden Pfützen, andere in kotigen, usf.

*955. Außerdem gibt es verschiedene Strafen, mit denen im anderen Leben die Bösen sehr hart heimgesucht werden und in die sie verfallen, wenn sie wieder in ihre schnöden Begierden hineinkommen. Durch dieselben bekommen sie Scham, Schrecken und Schauder vor solcherlei, bis daß sie zuletzt davon ablassen. Die Strafen sind verschieden, im allgemeinen sind es Strafen der Zerfleischung (lacerationis), Strafen der Zerreißung (discerptionis), Strafen unter Verhüllungen (sub velis), usw.

*956. Die, welche hartnackig auf Rache sinnen und sich für größer als alle anderen halten, indem sie diese für nichts im Vergleich mit sich ansehen, haben die Strafe der Zerfleischung, die so beschaffen ist: sie werden am Leib und im Gesicht verunstaltet, so daß kaum noch ein menschlicher Überrest erscheint. Das Gesicht wird wie ein runder breiter Kuchen, die Arme erscheinen wie Lappen, nach deren Ausbreitung ein solcher in der Höhe wie ein Rad herumgetrieben wird, immer dem Himmel zu, und es wird vor allen ausgerufen, daß er so beschaffen sei, bis daß Scham das Innerste durchdringt. So flehend, wird er zur Abbitte gezwungen und ihm scharf geboten. Hernach wird er in einen kotigen Pfuhl versetzt, der in der Nähe des schmutzigen Jerusalems ist, und hier wird er gewälzt und untergetaucht, daß er wie Kot wird. Und das geschieht einige Male, bis ihm solche Begierde benommen ist. In diesem kotigen Pfuhl sind bösartige Frauen aus der Gegend der Harnblase.

*957. Welche bei Leibesleben sich zur anderen Natur gemacht haben, anders zu reden als zu denken, hauptsächlich die unter dem Schein der Freundschaft nach den Gütern anderer getrachtet haben, die schweifen umher, und überall, wohin sie kommen, fragen sie, oh sie bei ihnen sein konnten, indem sie vorgeben, sie seien arm, und wenn sie aufgenommen werden, trachten sie aus der ihnen zur Natur gewordenen Begierde nach allem. Wenn ihre Beschaffenheit sich herausstellt, werden sie gestraft und fortgejagt und zuweilen erbärmlich zerrissen, auf verschiedene Art, je nach der Natur der arglistigen Verstellung, die sie sich angeeignet: einige am ganzen Leib, andere an den Füßen, andere an den Lenden, andere an der Brust, andere am Kopf, andere bloß in der Gegend des Mundes. Man bringt sie dazu, daß sie hin und her geworfen werden und wieder zurückprallen (adiguntur in reciprocas reverberationes), auf eine Weise, die nicht beschrieben werden kann. Es sind gewaltsame Zusammenstoßungen und so Verziehungen der Teile, daß sie glauben, in kleine Teile zerrissen zu sein. Es wird auch ein Gegenstreben beigebracht, so daß der Schmerz größer wird.

Solche Zerreißungsstrafen (discerptionis poenae) gibt es in großer Mannigfaltigkeit, und sie werden nach Zwischenräumen so oft wiederholt, bis Furcht und Grauen vor der Täuschung durch Unwahrheiten eingejagt ist. Jede Bestrafung nimmt etwas hinweg.

Die Zerreißer (Discerptores) sagten, sie hatten eine solche Lust am Strafen, daß sie nicht ablassen wollten, selbst wenn es ewig fort dauern wurde.

*958. Es gibt Scharen von Geistern, die umherschweifen und von den Geistern gar sehr gefürchtet werden; sie machen sich an die Rückenseite unten, und foltern durch schnelle Hin- und Herrenkungen (torquent per recitrocationes citas), denen niemand Einhalt tun kann, und machen dabei mit Geräusch eine zusammen- und zurückschränkende Bewegung nach den oberen Teilen (dirigentes motum constrictorium et restrictorium versus superiora), in der Form eines nach oben zugespitzten Kegels. Jeder nun, der in diesen Kegel hinein, besonders, wer gegen seine Spitze hin versetzt wird, wird jämmerlich zerrissen in allen Teilchen der Gelenke. Es sind arglistige Gleißner (simulatores dolosi), die hineinversetzt und so bestraft werden.

*959. Einst wachte ich nachts vom Schlaf auf, und hörte Geister um mich her, die mir im Schlaf nachstellen wollten, aber bald schlummerte ich ein und hatte einen bösen Traum. Als ich jedoch erwachte, waren zu meiner Verwunderung sogleich Strafgeister da und straften die Geister erbärmlich, die mir im Schlaf nachgestellt hatten, indem sie ihnen gleichsam Körper, die auch erschienen, sowie körperliche Sinne beibrachten und sie so durch gewaltsames Zusammenstoßen der Teile marterten, vor- und rückwärts (per violentas collisiones partium cis cl retro... torquebant), verbunden mit Schmerzen, die durch die Gegenstrebungen verursacht wurden. Gerne hätten die Strafgeister sie, wäre es möglich gewesen , umgebracht, daher die äußerst große Heftigkeit. Es waren meistens Sirenen, von denen Nr. 831 die Rede war.

Die Bestrafung dauerte lange und erstreckte sich um mich herum auf mehrere Scharen; und zu meiner Verwunderung wurden alle herausgefunden, die mir nachgestellt hatten, obwohl sie sich verbergen wollten. Weil es Sirenen waren, versuchten sie viele Künste, um der Strafe zu entwischen, aber sie vermochten es nicht. Bald wollten sie sich in eine inwendigere Natur hineinversetzen, bald glauben machen, daß es andere seien, bald die Strafe auf andere ableiten durch Übertragungen der Vorstellungen, bald verstellten sie sich (mentitae sunt) in Kinder, die man quäle, bald in gute Geister, bald in Engel und dergleichen mehr; aber alles vergeblich.

Daß sie so hart bestraft wurden, wunderte mich, aber ich wurde inne, daß so etwas Übermäßiges stattfinde (quod taue sit enorme), infolge einer Notwendigkeit, weil der Mensch sicher schlafen müsse, und daß, wenn das nicht geschähe, das Menschengeschlecht zugrunde ginge, daher aus Notwendigkeit eine so große Strafe verhängt werde. Ich vernahm, daß das gleiche auch geschehe bei anderen Menschen, die sie im Schlaf meuchlings zu überfallen trachten, obwohl der Mensch nicht darum weiß; denn wem nicht gegeben ist, mit Geistern zu reden, und mit dem inneren Sinn bei ihnen zu sein, der kann nichts von derart hören, geschweige sehen, während doch stets ähnliches bei anderen vorkommt. Der Herr behütet den Menschen gar sehr, wenn er schlaft.

*960. Es gibt einige arglistige Geister, die, während sie im Leibe lebten, insgeheim auf Ränke sannen und einige derselben, die sich durch arge Kunstgriffe wie in Engel verstellten, um zu täuschen, diese lernen im anderen Leben, sich in eine feinere Natur zurückzuziehen, und sich den Augen anderer zu entrücken, indem sie sich so vor aller Strafe sicher glauben. Aber sie erdulden nicht nur wie andere die Strafen des Zerreißens, je nach der Natur und Bosheit ihrer Arglist, sondern sie werden auch zusammengeklebt (conglutinantur), und je mehr sie, wenn dies geschieht, sich aufzulösen oder voneinander loszuwinden suchen, desto enger werden sie gebunden. Die Strafe ist mit einer größeren Qual verbunden, weil sie ihren heimlicheren Tücken entspricht.

*961. Einige verwenden aus Gewohnheit, andere aus Verachtung beim gewöhnlichen Gespräch Redensarten der Heiligen Schrift zu Ausdrucken des Scherzes oder Spottes, in der Meinung, daß sie so in zierlicher Weise scherzen oder spotten. Aber solche Gedanken und Reden verknüpfen sich mit ihren körperlichen und schmutzigen Vorstellungen und fügen ihnen im anderen Leben großen Schaden zu; denn sie stellen sich wieder dar zugleich mit Unheiligem. Solche erdulden ebenfalls die Strafen des Zerreißens, bis sie sich dergleichen abgewöhnt haben.

*962. Es gibt auch eine Strafe des Zerreißens für die Gedanken, so daß die inneren Gedanken streifen mit den äußeren, was mit einer mehr inwendigen Qual geschieht.

*963. Unter den Bestrafungen kommt häufig vor der Überwurf einer Decke (superinjectio veli); damit verhält es sich so, daß sie infolge der Phantasien, die sie sich eingeprägt, unter einer weithin ausgebreiteten Decke zu sein glauben. Es ist gleichsam eine zusammenhängende Wolke, die gemäß ihrer Phantasie verdichtet wird. Unter derselben laufen sie mehr oder weniger geschwind hin und her, mit brennender Begierde, daraus hervorzubrechen, bis sie ermüdet sind. Dies dauert gewöhnlich eine Stunde lang, mehr oder weniger, und geschieht mit verschiedener Qual, je nach dem Grad der Begierde, sich herauszuarbeiten. Die Decke (velum) ist für die, welche, obwohl sie die Wahrheit sehen, sie doch aus Eigenliebe nicht anerkennen wollen, und sich beständig darüber ärgern, daß dem so ist. Einige haben unter der Decke eine solche Angst und Schrecken, daß sie daran verzweifeln, jemals befreit werden zu können, was mir einer sagte, der daraus befreit worden ist.

*964. Es gibt auch eine andere Gattung von Decke, die darin besteht, daß sie gleichsam in ein Tuch eingewickelt werden, so daß sie sich gebunden glauben an Händen, Füßen und am Leib, und es wird ihnen eine heftige Begierde eingeflößt, sich herauszuwickeln. Weil ein solcher auf einmal (per unam vicem) eingewickelt worden ist, glaubte er, leicht ausgewickelt werden zu können, wenn er aber sich auszuwickeln beginnt, geht es in die Länge fort, indem die Auswicklung immer fortdauert, bis er verzweifelt.

*965. Soviel von den Höllen und den Strafen. Die Höllenqualen sind nicht, wie einige glauben, Gewissensbisse; denn die, welche in der Hölle sind, hatten kein Gewissen, daher sie auch im Gewissen nicht gequält werden können. Die, welche ein Gewissen hatten, sind unter den Seligen.

*966. Was zu merken ist, niemand erduldet im anderen Leben eine Strafe oder Qual wegen seines Erbbösen, sondern wegen des wirklichen Bösen, das er begangen hat.

*967. Wenn die Bösen gestraft werden, sind immer Engel dabei, welche die Strafe mäßigen und die Schmerzen der Unglückseligen lindern, aber wegnehmen können sie dieselbe nicht, weil ein solches Gleichgewicht von allem im anderen Leben besteht, daß das Böse sich selbst bestraft; und wenn dieses nicht durch Abstrafungen weggenommen wurde, müßten solche notwendig ewig in einer Hölle zurückgehalten werden, da sie sonst die Vereine der Guten feindselig anfallen und die vom Herrn eingesetzte Ordnung, auf der das Heil des Weltalls beruht, gewaltsam stören würden.

*968. Einige hatten aus der Welt die Vorstellung mitgebracht, daß man mit dem Teufel nicht reden dürfe, sondern ihn fliehen müsse. Sie wurden aber belehrt, daß es denen, die der Herr beschirmt, gar nicht schadet, selbst wenn sie von der ganzen Hölle äußerlich wie auch innerlich umwogt wurden, was mir aus vieler und wundervoller Erfahrung zu erkennen gegeben wurde, so daß mich zuletzt keine Furcht, selbst nicht vor den schlimmsten aus der Höllenschar abhielt, mit ihnen zu reden; was mir auch gestattet wurde, damit ich wußte, wie sie beschaffen sind.

Denen, die sich wunderten, daß ich mit ihnen redete, durfte ich ferner sagen, daß dies mir nicht nur keinen Schaden bringe, sondern auch, daß diejenigen Teufel sind im anderen Leben, welche Menschen gewesen waren und in der Welt ihr Leben in Haß, Rache und Ehebrüchen hingebracht hatten, und daß einige damals vor anderen hoch geehrt gewesen waren. Daß sogar einige unter ihnen seien, die ich bei Leibesleben gekannt hatte; und daß der Teufel nichts anderes bedeutet, als eine solche Höllenschar. Und überdies, daß die Menschen, solange sie im Leibe leben, wenigstens zwei Geister aus der Hölle bei sich haben, neben diesen aber auch zwei Engel aus dem Himmel. Jene Höllengeister herrschen bei den Bösen, bei den Guten aber sind sie unterjocht und müssen dienen. Somit sei falsch, wenn man glaubt, es habe einen Teufel von Anfang der Schöpfung an gegeben, einen anderen, außer den Menschen, die so beschaffen waren.

Als sie das hörten, staunten sie und bekannten, daß sie eine ganz andere Meinung vom Teufel und von der teuflischen Schar gehabt hatten.

*969. In einem so großen Reich, wo alle Menschenseelen von der ersten Schöpfung her zusammenkommen, und zwar aus diesem Weltkörper beinahe tausendmal tausend in jeder Woche, und wo alle ihre eigene Gemütsart und ihre eigene Natur, verschieden von derjenigen der anderen haben, und eine Mitteilung aller Vorstellungen eines jeden stattfindet, und gleichwohl das Ganze und Einzelne in Ordnung zu bringen ist, und zwar fonwährend, kann es nicht anders sein, als daß unsäglich vieles daselbst existiert, was nie in eines Menschen Vorstellung gekommen ist. Und weil von der Hölle wie vom Himmel, kaum jemand eine andere als eine dunkle Gesamtvorstellung gefaßt hat, so kann dergleichen nicht anders als fremdartig und wunderbar erscheinen, hauptsächlich aus dem Grund, weil man meint, die Geister hatten gar kein Gefühl, während sie doch ein feineres haben als die Menschen. Auch wird ihnen von bösen Geistern, durch Kunstgriffe, die in der Welt unbekannt sind, ein Gefühl beigebracht, das beinahe körperlich und noch viel gröber ist.


*1106. Von den Abödungen.

Es gibt viele, die während sie in der Welt waren, aus Einfalt und Unkunde, Falsches in betreff des Glaubens eingesogen und eine Art von Gewissen nach ihren Glaubensgrundsätzen gehabt und nicht, wie andere, in Haß, Rache und Ehebrüchen gelebt hatten. Diese können im anderen Leben, solange sie im Falschen sind, nicht in himmlische Gesellschaften eingelassen werden, denn so würden sie dieselben beflecken, daher sie eine Zeitlang auf der unteren Erde gehalten werden damit sie daselbst die falschen Grundsätze ablegen. Die Zeiten, während derer sie daselbst bleiben, sind länger oder kürzer, je nach der Natur des Falschen und dem Leben, das sie sich aus demselben gebildet, und je nach den Grundsätzen, in denen sie sich begründet haben. Einige erleiden daselbst ziemlich Hartes, andere nicht. Dies ist es, was Abödung heißt, deren im Wort sehr häufig Erwähnung geschieht.

Ist die Zeit der Abödung vollbracht, so werden sie in den Himmel entrückt und als Neulinge belehrt in den Wahrheiten des Glaubens, und zwar durch die Engel, von denen sie aufgenommen werden.

*1107. Es gibt einige, die gerne abgeödet werden wollen, um so die falschen Grundsätze abzulegen, die sie aus der Welt mitgebracht haben (falsche Grundsätze kann man im anderen Leben immer nur ablegen nach Verlauf einiger Zeit und durch die vom Herrn vorgesehenen Mittel), diese werden, solange sie auf der unteren Erde bleiben, vom Herrn in der Hoffnung auf Befreiung und im Gedanken an den Endzweck erhalten, daß sie so gebessert und zur Aufnahme der himmlischen Seligkeit vorbereitet werden.

*1108. Einige werden in einem Zustand gehalten, der die Mitte hält zwischen Wachen und Schlafen, diese denken sehr wenig, nur wachen sie von Zeit zu Zeit gleichsam auf und erinnern sich dessen, was sie bei Leibesleben gedacht und getan haben und verfallen dann wieder in den Zustand, der zwischen Wachen und Schlafen die Mitte hält, und so werden sie abgeödet. Sie sind unter dem linken Fuß ein wenig vorwärts.

*1109. Die, welche sich in falschen Grundsätzen ganz bestärkt haben, werden in völlige Unwissenheit versetzt, und sind dann in solcher Dunkelheit und Verwirrung, daß es sie, wenn sie nur an das denken, in dem sie sich bestärkt haben, innerlich schmerzt. Nach vollbrachter Zeit aber werden sie gleichsam neu geschaffen und in die Glaubenswahrheiten eingeweiht.

*1110. Die, welche in gute Werke Gerechtigkeit und Verdienst gesetzt und so die Kraft der Seligmachung sich selbst zugeschrieben haben, nicht dem Herrn und Seiner Gerechtigkeit und Verdienst und sich darin mit dem Denken und Leben bestärkt haben, deren falsche Grundsätze verwandeln sich im anderen Leben in Einbildungen, daß es ihnen vorkommt, sie spalteten Holz; es erscheint ihnen auch ganz so. Mit diesen habe ich geredet: wenn sie in ihrer Arbeit sind, und man fragt sie, oh sie nicht müde würden, so antworten sie, sie hätten noch nicht soviel Arbeit getan, um den Himmel verdienen zu können. Es erscheint, wenn sie Holz spalten, wie etwas vom Herrn unter dem Holz, wie wenn das Holz das Verdienst wäre. Je mehr vom Herrn im Holz erscheint, desto länger bleiben sie so; dagegen wenn es anfängt zu verschwinden, dann geht es dem Ende der Abödung zu. Endlich werden sie so, daß sie auch in gute Gesellschaften zugelassen werden können, dennoch aber schwanken sie lange zwischen dem Wahren und Falschen. Sofern sie ein frommes Leben geführt haben, trägt der Herr viele Sorge für sie und schickt von Zeit zu Zeit einen Engel zu ihnen. Diese sind es, die in der jüdischen Kirche vorgebildet wurden durch die Holzhauer: Jos. 9/23, 27.

*1111. Die, welche ein bürgerlich und sittlich gutes Leben geführt, dagegen aber sich beredet hatten, sie verdienten durch Werke den Himmel, und geglaubt hatten, es sei genug, wenn sie einen einzigen Gott, den Schöpfer der Welt anerkennten, deren falsche Grundsätze verwandeln sich im anderen Leben in solche Einbildungen, daß es ihnen vorkommt, sie mähten Gras; sie werden Grasmäher genannt. Sie sind kalt, und suchen durch dieses Mähen sich warm zu machen. Zuweilen gehen sie umher und fragen bei denen, die sie finden, ob sie ihnen etwas Wärme geben möchten: was auch die Geister tun können, aber die Wärme, die sie empfangen, bewirkt nichts bei ihnen, weil sie eine äußere ist, während sie eine innere Wärme haben wollen, daher sie zu ihrem Mähen zurückkehren, um so sich Wärme durch Arbeit zu erwerben. Ihre Kälte habe ich gefühlt. Sie hoffen immer, sie würden in den Himmel entrückt werden. Zuweilen beraten sie sich, wie sie sich selbst durch eigene Kraft möchten hineinversetzen können. Diese, weil sie gute Werke geleistet haben, gehören unter diejenigen, die abgeödet werden; und endlich nach vollbrachter Zeit werden sie in gute Gesellschaften eingelassen und werden belehrt.

*1112. Diejenigen aber, die im Guten und Wahren des Glaubens gewesen sind, und daher ein Gewissen und ein Leben der Liebtätigkeit erlangt haben, werden sogleich nach dem Tod in den Himmel vom Herrn erhoben.

*1113. Es gibt Mädchen, die zur Unzucht verführt und so beredet worden waren, es sei nichts Böses dabei, sonst aber gutmütig sind. Solche, weil sie noch nicht zu dem Alter gekommen waren, daß sie es wissen und von einem solchen Leben urteilen konnten, haben einen sehr strengen Lehrmeister bei sich, der sie züchtigt, sooft sie mit dem Denken in solch freches Wesen ausschweifen, diesen fürchten sie sehr; und so werden sie abgeödet.

Dagegen erwachsene Frauenspersonen, die feile Dirnen gewesen waren, und andere (von dem weiblichen Geschlecht) verlockt hatten, kommen in keine Abödung, sondern sind in der Hölle.



*1114. Von der Ältesten Kirche, die Mensch oder Adam genannt wurde.

Die Engel und Geister oder die Menschen nach dem Tode können von denen, die sie in der Welt gekannt und von welchen sie gehört hatten, alle, die sie irgend wünschen mögen, auffinden, sie als gegenwärtig sehen und, wenn es der Herr gestattet, mit ihnen reden. Und zwar sind sie, was zu verwundern ist, augenblicklich da und ganz gegenwärtig. So dürfen sie nicht nur mit Freunden reden, die sich meistens finden, sondern auch mit anderen, die sie schätzten und ehrten.

Vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn wurde mir gestattet, nicht bloß mit denen zu reden, die ich gekannt hatte, als sie im Leibe lebten, sondern auch mit denen, die im Worte vor anderen berühmt sind; sodann auch mit denen, die von der Ältesten Kirche waren, welche diejenige war, die Mensch oder Adam genannt wird, auch mit einigen, die zu den Kirchen nach ihr gehörten, zu dem Ende, daß ich wissen möchte, daß unter den Namen in den ersten Kapiteln der Genesis nur Kirchen verstanden wurden, sodann auch, daß ich wissen möchte, wie die Menschen der Kirche jener Zeit beschaffen waren. Was mir nun von den Ältesten Kirchen zu wissen gegeben wurde, ist das, was folgt.

*1115. Die von der Ältesten Kirche, die Mensch oder Adam genannt wurde und himmlische Menschen waren, sind ganz hoch über dem Haupt, und wohnen da beisammen in höchster Seligkeit. Sie sagten, daß selten andere zu ihnen kommen, nur zuweilen einige anderswoher, und zwar, wie dieselben angeben, aus dem Weltall. Und daß sie so hoch über dem Haupte sind, komme nicht davon her, daß sie hochmutigen Sinnes seien, sondern damit sie die daselbst Befindlichen leiten möchten.

*1116. Es wurden mir die Wohnungen derer gezeigt, die zur anderen und dritten Nachkommenschaft dieser Ältesten Kirche gehörten: dieselben sind prächtig, weithin in die Länge ausgedehnt, von schönen bunten, purpurroten und blauen Farben; denn die Engel haben die prächtigsten Wohnungen, so daß sie gar nicht beschrieben werden können. Ich habe sie oftmals gesehen, vor ihren Augen so lebhaft erscheinend, daß es nichts Lebhafteres geben kann. Woher aber solche Erscheinungen in so lebendiger Weise stammen, davon, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden.

Sie leben in der Atmosphäre eines sozusagen schimmernden Perlenlichtes, und zuweilen in der eines glänzenden Diamantenlichtes (in aura lucis ut ita dicam, splendentis margariticae, et quandoque in adamantinae); denn im anderen Leben gibt es wunderbare Atmosphären (aurae), mit unzähliger Verschiedenheit. Wer da meint, es könne dort dergleichen und unendlich viel mehr, als je in eines Menschen Vorstellung kommen konnte oder kann, nicht gehen, ist sehr im Irrtum. Es sind zwar Vorbildungen, dergleichen zuweilen den Propheten erschienen sind, aber dennoch so reell, daß die, welche im anderen Leben sind, dieselben für reell halten, dagegen aber das, was in der Welt ist, für nicht reell.

*1117. Im höchsten Licht leben sie. Das Licht der Welt kann mit dem Licht, in dem sie leben, kaum verglichen werden. Es wurde mir jenes Licht gezeigt mittels eines flammigen Lichtes, das gleichsam vor den Augen herabfiel, und es sagten die von der Ältesten Kirche, sie hätten ein solches Licht, ja ein noch stärkeres.

*1118. Es wurde mir durch einen Einfluß, den ich nicht beschreiben kann, gezeigt, wie ihre Rede beschaffen war, als sie noch in der Welt lebten. Sie war nicht artikuliert wie die Wörtersprache unserer Zeit, sondern still (tacita), und geschah nicht durch das äußere, sondern durch ein inneres Atmen. Es wurde mir auch wahrzunehmen gegeben, wie ihr inneres Atmen beschaffen war, daß es nämlich vom Nabel dem Herzen zu, und so durch die Lippen ging, lautlos, und daß es in des anderen Ohr nicht durch den äußeren Weg einging, und an etwas schlug, was das Trommelfell des Ohres genannt wird, sondern durch einen Weg innerhalb des Mundes, und zwar durch etwas daselbst, was heutzutage die Eustachische Rohre (tuba Eustachiana) genannt wird. Und es wurde gezeigt, daß sie durch eine solche Rede die Empfindungen des Gemüts und die Vorstellungen des Denkens viel vollständiger ausdrücken konnten, als es durch artikulierte Töne oder laute Worte irgend geschehen kann, die ebenfalls durch das Atmen bestimmt werden, aber durch das äußere, denn es gibt nichts in einem Wort, das nicht bestimmt wird durch die Modifikationen (applicationes) des Atmens. Bei ihnen aber geschieht das viel vollkommener, weil durch das innere Atmen; welches, weil innerlich, auch viel vollkommener und den Denkvorstellungen selbst angemessener und gleichförmiger ist. Außerdem geschah es auch durch kleine Bewegungen der Lippen und entsprechende Veränderungen des Angesichts; denn weil sie himmlische Menschen waren, so leuchtete alles, was sie dachten, aus ihrem Angesicht und Augen hervor, die sich auf angemessene Weise veränderten. Nie konnten sie eine andere Miene zeigen als gemäß dem, was sie dachten. Verstellung und noch mehr Arglist galt ihnen für einen argen Frevel.

*1119. Es wurde mir in lebendiger Weise gezeigt, wie das innere Atmen der Uralten still einfloß in ein äußeres, und so in eine stille Rede, die von dem anderen vernommen wurde in seinem inwendigen Menschen. Sie sagten, daß dieses Atmen bei ihnen sich verschieden gestaltete je nach dem Stand ihrer Liebe und ihres Glaubens an den Herrn. Es wurde auch der Grund angegeben, daß es, weil sie Gemeinschaft mit dem Himmel hatten, nicht anders sein könnte, denn sie atmeten mit den Engeln, in deren Umgang (consortio) sie waren. Die Engel haben ein Atmen, dem das innere Atmen entspricht, und es gestaltet sich bei ihnen ebenso verschieden, denn wenn ihnen etwas aufstößt, das der Liebe und dem Glauben an den Herrn entgegen ist, so haben sie ein beengtes Atmen, wenn sie aber in der Seligkeit der Liebe und des Glaubens sind dann haben sie ein freies und weites Atmen. Jeder Mensch hat etwas ähnliches, aber gemäß seinen körperlichen und weltlichen Trieben und gemäß seinen Grundsätzen; wenn diesen etwas widerstreitet, so haben sie eine Beengung des Atmens, wenn sie aber begünstigt werden, so haben sie ein freies und weites Atmen, allein dieses findet beim äußeren Atmen statt.

Von dem Atmen der Engel aber soll, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn im Folgenden gehandelt werden.

*1120. Es wurde auch gezeigt, daß das innere Atmen der Menschen der Ältesten Kirche, das vom Nabel aus gegen die innere Gegend der Brust zuging, im Laufe der Zeit, d.h. bei den Nachkommen, sich veränderte, und sich mehr nach der Rückengegend und dem Unterleib zu, somit mehr nach außen und niederwärts zurückzog, und daß endlich in der letzten Nachkommenschaft dieser Kirche, die zunächst vor der Sündflut war, kaum etwas vom inneren Atmen zurückblieb, und sie, als es endlich aus der Brust verschwand, von selbst erstickt wurden: daß aber in einigen alsdann das äußere Atmen anfing, und mit diesem Atmen der artikulierte Ton oder die Wörtersprache. So verhielten sich die Atmungen bei den Menschen vor der Sündflut, gemäß dem Stande ihrer Liebe und ihres Glaubens, und als endlich keine Liebe und kein Glaube mehr da waren, sondern Beredung des Falschen, hörte das innere Atmen auf, und mit demselben die unmittelbare Gemeinschaft mit den Engeln und das Innewerden.

*1121. Ich bin von den Söhnen der Ältesten Kirche unterrichtet worden über den Stand ihres Innewerdens, daß sie nämlich ein Innewerden (pereptionem) hatten von allem, was Sache des Glaubens ist, beinahe wie die Engel, mit denen sie Gemeinschaft hatten, darum, weil ihr inwendiger Mensch oder Geist auch mittels des inneren Atmens verknüpft war mit dem Himmel, und daß die Liebe zum Herrn und die Liebe zum Nächsten dies so mit sich bringt, denn so wird der Mensch verbunden mit den Engeln durch ihr eigenstes Leben, das in solcher Liebe besteht. Sie sagten, daß das Gesetz ihnen eingeschrieben war, weil sie in der Liebe zum Herrn und in der Liebe zum Nächsten waren; denn da war mit ihrem Innewerden alles in Übereinstimmung, was die Gesetze gebieten, und gegen das Innewerden alles, was die Gesetze verbieten. Und sie zweifelten nicht, daß alle menschlichen Gesetze, wie die göttlichen, sich gründen auf die Liebe zum Herrn und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten und sich darauf als auf ihr Grundwesen beziehen. Weil sie daher das Grundwesentliche in sich vom Herrn her hatten, so konnten sie nicht anders als auch alles daraus Folgende wissen. Sie glauben auch, daß alle heutzutage in der Welt Lebenden, die den Herrn und den Nächsten lieben, auch ein ihnen eingeschriebenes Gesetz haben und überall auf Erden willkommene Bürger sind, wie sie es auch im anderen Leben sind.

*1122. Ferner bin ich belehrt worden, daß die Menschen der Ältesten Kirche die lieblichsten Träume hatten und außerdem auch Gesichte, und daß ihnen alsdann zugleich eingegeben wurde, was sie bedeuteten, daher ihre paradiesischen Vorbildungen und mehreres. Darum waren ihnen die Gegenstände der äußeren Sinne, die irdisch und weltlich sind, nichts, und sie empfanden auch keinen Lustreiz in ihnen, nur in dem, was sie bezeichneten und vorbildeten. Wenn sie daher irdische Gegenstände sahen, so dachten sie nicht an sie, sondern an das, was sie bezeichneten und vorbildeten, was ihnen höchst angenehm war, denn es war solches, was im Himmel ist, und worin sie den Herrn selbst sehen.

*1123. Ich sprach mit Angehörigen der dritten Generation der Ältesten Kirche; die sagten, daß sie zu ihrer Zeit, da sie in der Welt lebten, den Herrn erwartet hätten, der das ganze Menschengeschlecht erretten sollte, und daß bei ihnen damals die gemeine Rede war: der Same des Weibes werde den Kopf der Schlange zertreten. Sie sagten, daß von jener Zeit an, die größte Lust ihres Lebens war, Kinder zu zeugen, so daß ihre höchste Wonne war, die Gattin zu lieben um des Nachwuchses willen; sie nannten dergleichen die süßesten Wonnen, und die wonnevollsten Süßigkeiten, indem sie hinzusetzten, daß das Gefühl (perceptio) dieser Süßigkeiten und Wonnen von einem Einfluß aus dem Himmel hergekommen sei, weil der Herr geboren werden sollte.

*1124. Von der Nachkommenschaft, die vor der Sundflut lebte, nicht von denen, die umkamen, sondern die etwas besser als sie gewesen waren, waren einige bei mir und influierten ziemlich gelind und ziemlich unfühlbar; ich konnte aber wahrnehmen, daß sie innerlich böse waren und innerlich gegen die Liebe handelten; es dünstete von ihnen die Sphäre eines Leichengeruches aus, so daß die mich umgebenden Geister davor flohen. Sie meinten, sie seien so fein, daß niemand inne werde, was sie dachten. Als ich mit ihnen vom Herrn redete, oh sie nicht wie ihre Väter Ihn erwartet hatten, sagten sie, sie hatten sich den Herrn vorgestellt als einen alten, graubärtigen, heiligen Mann, und daß sie durch Ihn heilig würden und ebenso bärtig; daher eine solche Ehrerbietung vor den Bärten bei den Nachkommen entstand. Sie setzten hinzu, daß sie auch jetzt Ihn anbeten könnten, aber aus sich selbst. Nun aber kam ein Engel, dessen Kommen sie nicht aushalten konnten.

*1125. Ich durfte auch mit denen reden, die von der Kirche waren die Enosch hieß, und von der 1. Mose 4/26 die Rede ist. Ihr Einfluß war gelind, ihre Rede bescheiden; sie sagten, daß sie unter sich in Liebtätigkeit leben und anderen, die zu ihnen kommen, Freundschaftsdienste leisten. Es zeigte sich aber, daß ihre Liebtätigkeit die Freundschaftsliebe war: sie leben ruhig, machen keinem Ungelegenheit, wie gute Bürger.

*1126. Es erschien mir ein enges Zimmer, und bei offener Türe kam mir zu Gesicht ein langer Mann, weiß gekleidet, das Weiß war sehr stark. Ich wunderte mich, wer er wohl wäre; sie sagten, daß der weiß gekleidete Mann diejenigen bezeichne, die Noach genannt wurden, oder welche die Allerersten von der Alten Kirche waren, welche die Kirche nach der Sundflut ist, und daß sie so vorgebildet werden, weil ihrer wenige waren.

*1127. Ich durfte mit denjenigen reden, die von der Alten Kirche oder der Kirche nach der Sundflut waren und Schem genannt wurden. Sie influierten gelind durch die Gegend des Hauptes in die Brustgegend dem Herzen zu, aber nicht bis zum Herzen. Aus dem Einfluß kann man wissen, wie sie beschaffen sind.

*1128. Es erschien einer wie mit einer Wolke umhüllt, in dessen Angesicht mehrere Irrsterne waren, die Falschheiten bedeuten, es wurde gesagt, daß so die Nachkommenschaft der Alten Kirche beschaffen war als sie anfing zugrunde zu gehen, hauptsächlich bei denen, die den Opfer- und Bilderdienst einführten.


*1265. Von den Vorsündflutlichen, die untergingen.

Über dem Haupt in einiger Höhe waren mehrere, die auf meine Gedanken einwirkten und sie gleichsam gebunden hielten, so daß ich sehr im Dunkeln war. Sie setzten mir ziemlich stark zu. Die Geister um mich her wurden von ihnen ebenfalls wie gebunden, so daß sie wenig denken konnten, außer was von jenen einfloß, und dies so sehr, daß sie unwillig wurden. Es wurde gesagt, es seien diejenigen, die vor der Sündflut lebten, jedoch nicht von denen, die Nephilim hießen und untergingen, denn sie hatten keine so starke Beredungskraft.

*1266. Die Vorsündflutlichen, die untergingen, sind in einer Hölle unter der Ferse des linken Fußes; es ist ein in dunklen Nebeln gehüllter Fels, (nimbosa petra) mit dem sie bedeckt sind und der aus ihren greulichen Phantasien und Beredungen hervorbricht, und durch den sie von den übrigen Höllen geschieden und von der Geisterwelt abgehalten werden.

Anhaltend strengen sie sich an heraufzukommen, aber weiter als zu dem Versuch können sie es nicht bringen, denn sie sind von der Art, daß sie, kämen sie in die Geisterwelt mit ihren greulichen Phantasien und mit dem Hauch und Gift ihrer Beredungen, allen Geistern, die sie trafen, die guten ausgenommen, das Vermögen zu denken benehmen würden; und wofern nicht der Herr durch Sein Kommen ins Fleisch die Geisterwelt von dieser ruchlosen Rotte befreit hätte, so wäre das Menschengeschlecht zugrunde gegangen, denn kein Geist hätte beim Menschen sein können, und doch kann der Mensch keinen Augenblick leben, wenn nicht Geister und Engel bei ihm sind.

*1267. Diejenigen von ihnen, die hartnäckig aus jener Hölle auszubrechen trachten, werden von ihren Genossen grausam behandelt; denn sie haben einen tödlichen Haß gegen alle, auch gegen die Kameraden. Ihre größte Lust besteht darin, daß einer den anderen unter sich bringt und gleichsam niedermetzelt; und die noch krampfhafter sich anstrengen, ihren Ausbruch durchzusetzen, die werden noch tiefer unter den umnebelten Felsen gebracht. Denn es treibt sie eine ihnen eingepflanzte unsinnige Glut, alle zu verderben. Daher das Streben herauszukommen, denn welche sie treffen, die wickeln sie in ein Tuch, führen sie als Gefangene fort und werfen sie in eine Art Meer, wie es ihnen vorkommt, oder gehen auf andere Weise grausam mit ihnen um.

*1268. Ich wurde unter dem Schutz einer Wache hingeführt gegen jenen umnebelten Felsen (hingeführt werden zu solchen, heißt nicht, von einem Ort an einen anderen geführt werden, sondern es geschieht durch vermittelnde Geister- und Engelvereine, während der Mensch an demselben Ort bleibt. Dennoch aber erscheint es als ein Hinablassen). Als ich nahe an jenem Felsen war, kam mir eine Kälte entgegen, welche die untere Gegend des Rückens einnahm. Von hier aus redete ich mit ihnen von ihren Beredungen, und was sie bei Leibesleben vom Herrn geglaubt hätten; sie antworteten, sie hätten viel über Gott gedacht, aber sich beredet, einen Gott gebe es nicht, sondern die Menschen seien Götter. So seien auch sie Götter gewesen, und darin hätten sie sich durch Träume bestärkt. Von ihren Phantasien gegen den Herrn wird unten die Rede sein.

*1269. Damit ich noch besser wüßte, wie sie beschaffen waren, wurde vom Herrn zugelassen, daß einige von ihnen in die Geisterwelt heraufkamen. Ehe dies geschah, erschien ein schöner, weißgekleideter Knabe, hierauf in einer offenen Türe ein anderer Knabe in grünem Kleid, bald darauf zwei Mägde mit etwas Weißem um das Haupt; aber was dies bedeutete, wurde mir nicht aufgedeckt.

*1270. Bald wurden einige aus jener Hölle herausgelassen, aber der Herr traf durch vermittelnde Geister und Engel Vorkehrung, daß sie mir nicht schaden konnten. Aus jener Tiefe kamen sie vorwärts und schienen sich einen Weg zu bahnen gegen vorne zu, wie durch die Höhlen des Felsen, und so aufwärts. Endlich erschienen sie links oben, um von da, somit von ferne, auf mich einzuwirken. Es wurde mir gesagt, daß sie einwirken durften in den rechten Teil des Hauptes, nicht aber in den linken, und von dem rechten Teil des Hauptes in die linke Seite der Brust. Ja nicht in das linke Haupt, denn wurde dies geschehen so wäre ich verloren, weil sie alsdann mit ihren Beredungen, die greulich und todbringend seien, einwirken würden; wenn aber in das rechte Haupt und von da in die linke Brust, so geschehe es durch Begierden. So verhält es sich mit dem Einfluß.

Ihre Beredungen sind von der Art, daß sie alles Wahre und Gute auslöschen, so daß die, auf die sie einwirken, gar nichts inne werden können, und daher auch nichts denken; sofort wurden auch die Geister entfernt. Als sie einzuwirken anfingen, fiel ich in einen Schlaf, dann wirkten sie ein als ich schlief, durch Begierden, und zwar so stark, daß ich im Wachen ihnen nicht hätte widerstehen können. Im Schlaf fühlte ich eine Schwere, die ich nicht beschreiben kann, nur daß ich mich nachher erinnerte, daß sie mich umzubringen versuchten durch einen erstickenden Anhauch, welcher war wie ein wütender Alp, aber dann erwachte ich, und wurde sie neben mir gewahr; als sie aber merkten, daß ich wach sei, entflohen sie an ihren Ort oberhalb und wirkten von da aus ein.

Als sie dort waren, schien es mir, als ob sie in ein Tuch gewickelt würden, wie das, wovon Nr. 964 die Rede war. Ich meinte, es seien dieselben, aber es waren andere, die von ihnen eingewickelt wurden, was durch Phantasien geschieht, aber gleichwohl wissen die Geister gegen die sie so mit Phantasien wirken, nicht anders, als daß sie eingewickelt wurden. Diese, die von ihnen so eingewickelt wurden, schienen über einen Felsabhang hinabgewälzt zu werden, aber die Eingewickelten wurden herausgenommen und befreit; es waren Geister, die nichtweichen wollten, sie wurden so vom Herrn erhalten, sonst wären sie erstickt worden, wiewohl sie wieder aufgelebt waren, aber erst nach der Qual. Sie traten zurück durch den Abhang des Felsens. Von da hörte man ein Geräusch von Bohrern, wie wenn es viele große Bohrer wären, und man wurde inne, daß ihre höchst grausamen Phantasien wider den Herrn ein solches Geräusch verursachten. Hernach wurden sie durch finstere Höhlen unter dem umnebelten Felsen in ihre Hölle hinabgeworfen. Als sie in der Geisterwelt waren, wurde die dortige Sphäre in ihrer Beschaffenheit verändert.

*1271. Hernach waren einige tückische Geister da, die wollten, daß jene heraufkamen und ihnen deswegen eingaben, sie sollten sagen, daß sie nichts seien, damit sie so durchschlüpfen könnten. Dann wurde ein Getöse in jener Hölle gehört, wie von einer in Unruhe versetzten großen Rolle (turbulentum magnum volumen), welches die Bewegung derer war, die herausdringen wollten. Deshalb wurde auch wieder zugelassen, daß einige heraufstiegen, und sie erschienen an demselben Ort, wo die vorigen. Sie suchten nun von da aus, mir eine tödliche Beredung einzugießen, wobei sie von tückischen Genien unterstützt wurden, aber vergeblich, weil ich vom Herrn beschirmt wurde. Dennoch wurde ich deutlich inne, daß ihre Beredung eine erstickende war. Sie meinten, sie konnten alles und einem jeden das Leben nehmen. Aber weil sie meinten, sie konnten alles, war es nur ein Kind, das sie wegstieß, bei dessen Gegenwart sie so schwankten, daß sie schrieen vor Beängstigung, und zwar so sehr, daß sie zu Gebeten Zuflucht nahmen. Die Tückischen wurden auch bestraft, zuerst wurden sie von ihnen beinahe erstickt und hernach zusammengekoppelt, daß sie von derlei ablassen sollten. Hernach aber wurden sie befreit.

*1272. Nachher wurde mir gezeigt, wie ihre Weiber gekleidet waren: um den Kopf hatten sie einen runden schwarzen vorragenden, wie vorwärts getürmten Hut, ihr Gesicht war klein; die Männer aber waren rauh und haarig.

Es wurde auch gezeigt, wie sehr sie groß taten mit der Menge ihrer Kinder, daß sie nämlich überall, wohin sie gingen, ihre Kinder bei sich hatten, die in einer gebogenen Linie vorausgingen. Aber es wurde ihnen gesagt, Liebe zu den Kindern sei auch bei allen unvernünftigen Tieren, selbst bei den schlimmsten, und dies sei kein Beweis, daß etwas Gutes bei ihnen sei. Dagegen wenn sie ihre Kinder nicht aus Eigenliebe und um des Ruhmes willen geliebt hätten, sondern damit die menschliche Gesellschaft des allgemeinen Besten wegen vermehrt, und noch mehr, damit der Himmel hierdurch vergrößert würde, somit um des Reiches des Herrn willen, dann wäre die Liebe gegen ihre Kinder eine echte gewesen.


*1273. Den Ort und die Enfernnung im anderen Leben.

Wenn die aus der Welt neuangekommenen Seelen aus der Gesellschaft der geistigen Engel entlassen werden sollen, damit sie unter die Geister und zuletzt in den Verein kommen, in dem sie waren, als sie im Leibe lebten, so werden sie von den Engeln umhergeführt zu mehreren Aufenthaltsorten, die gesonderte Vereine und dennoch mit anderen verbunden sind, und werden hin und wieder aufgenommen, dann wieder von da weiter zu anderen geführt. Und dies setzt sich eine Zeitlang fort, bis sie zu dem Verein kommen, in dem sie waren, als sie im Leibe lebten und hier bleiben sie. Von da datiert ein neuer Anfang ihres Lebens.

Ein Gleißner, Heuchler oder Betrüger, der ein täuschendes Wesen und eine engelgleiche Art annehmen kann, wird zuweilen von guten Geistern aufgenommen, aber nach kurzer Zeit wieder weggewiesen, und dann schweift er ohne Engel umher und bittet um Aufnahme, wird aber abgewiesen und zuweilen gestraft. Und endlich wird er unter die Höllischen hinabversetzt.

Diejenigen, die aus der Abödung unter Engel entrückt werden, wechseln auch die Vereine, und wenn sie von einem zu anderen übergehen, werden sie freundlich und liebreich entlassen, bis sie in einen Engelverein kommen, der mit der Art ihrer Liebtätigkeit, Frömmigkeit Rechtschaffenheit oder aufrichtigen Freundlichkeit übereinstimmt.

Auch ich wurde ebenso durch Aufenthaltsorte geführt, und sie redeten mit mir, damit ich erführe, wie es sich damit verhält. Dann durfte ich durch Nachdenken über die Ortsveränderungen finden, daß sie bloß scheinbar, und nur Zustandsveränderungen sind, während der Körper an demselben Ort bleibt.

*1274. Zu den Wundererscheinungen im anderen Leben gehört:

Erstens, daß die Geister- und Engelvereine unter sich nach den Lagen geschieden erscheinen, obwohl die Orte und Entfernungen im anderen Leben nichts anderes sind, als Zustandsverschiedenheiten.

Zweitens, daß die Lagen und Entfernungen ein entsprechendes Verhältnis zum menschlichen Leibe haben, so daß die zur Rechten auch zur Rechten erscheinen, mag sich der Leib wenden, wohin er will, ebenso die zur Linken, dann auch die in anderen Himmelsgegenden Befindlichen.

Drittens, daß kein Geist und kein Engel in so weiter Entfernung sich befindet, daß er nicht erblickt werden könnte; dennoch aber fallen nur so viele ins Auge, wie der Herr gestattet.

Viertens, daß die Geister, an die andere denken, z.B. die ihnen bei Leibesleben irgendwie bekannt waren, wenn der Herr es gestattet, augenblicklich da sind, und zwar so ganz nahe, daß sie am Ohr, im Bereich der Berührung, oder in einiger Entfernung sind, wobei nicht hindert, wenn sie auch einige tausend Meilen von da entfernt, selbst wenn sie in der Sternenwelt sind. Die Ursache ist, weil die Ortsentfernung im anderen Leben nichts ausmacht.

Fünftens, daß die Engel keine Zeitvorstellung haben.

Dies ist der Fall in der Geisterwelt, noch vollkommener im Himmel, wieviel mehr vor dem Herrn, dem notwendig alle und jede ganz und gar gegenwärtig und unter Seinen Augen und Seiner Vorsehung sein müssen! Dies erscheint als unglaublich, ist aber dennoch wahr.

*1275. Ich war in einem Verein, wo Ruhe herrschte, oder deren ruhiger Zustand einigermaßen dem Stande des Friedens nahe kam, jedoch kein Friedensstand war. Dort redete ich vom Zustand der Kinder, dann auch vom Ort, daß die Veränderung des Ortes und der Entfernung nur ein Schein sei, gemäß dem Zustand eines jeden und dessen Veränderung. Als ich dorthin versetzt war, schien es, als ob die mich umgehenden Geister entfernt und unter mir gesehen würden, dennoch durfte ich sie reden hören.

*1276. Was die Lage betrifft, in der die Geister in der Geisterwelt und die Engel im Himmel sind, so verhält es sich damit so, daß zur Rechten des Herrn die Engel sind, zur Linken die bösen Geister, vorne sind die der mittleren Art, rückwärts sind die Boshaften, über dem Haupt sind die Hochmütigen und die nach hohen Dingen trachten, unter den Füßen sind die Höllen, die denen, die in der Höhe sind, entsprechen. So sind alle in ihrer Lage, je nach ihrem Verhältnis zum Herrn, nach allen Himmelsgegenden und Höhen, in waagrechter und senkrechter Stellung und in jeder schiefen Richtung. Ihre Lage bleibt sich gleich und wechselt in Ewigkeit nicht.

Die Himmel bilden dort zusammen gleichsam einen Menschen, der deswegen genannt wird der Größte Mensch, dem auch alles, was beim Menschen ist, entspricht, über welche Entsprechung, vermöge der göttlichen Barmherzigkeil des Herrn, im Folgenden. Daher kommt es, daß um jeden Engel her alles die gleiche Lage hat, und bei jedem Menschen, dem vom Herrn der Himmel geöffnet wird. Die Gegenwart des Herrn bringt dies mit sich, was nicht stattfände, wenn der Herr im Himmel nicht allgegenwärtig wäre.

*1277. Ebenso verhält es sich mit den Menschen in betreff ihrer Seelen, die immer gebunden sind an einen Verein von Geistern und Engeln. Auch sie haben eine Lage im Reich des Herrn, gemäß der Art ihres Lebens und ihren Zuständen; und es tut gar nichts zur Sache, daß sie auf der Erde ferne voneinander sind, wäre es auch mehrere tausend Meilen; sie können dennoch zugleich in einem Verein sein, und zwar die in Liebtätigkeit leben in einem Engelverein, die in Haß und dergleichen in einem höllischen Verein.

Ebenso tut es nichts zur Sache, daß auf Erden an einem Orte mehrere zugleich sind, sie sind dennoch alle geschieden nach ihren Lebensweisen und Zuständen. Und jeder kann in einem anderen Verein sein. Menschen, die einige hundert oder tausend Meilen voneinander entfernt leben, sind, wenn sie vor dem inneren Sinn erscheinen, so nahe, daß einige von ihnen einander berühren, gemäß der Lage. Somit, wenn sich mehrere auf Erden fänden, denen der innere Sinn geöffnet wäre, so konnten sie beisammen sein und sich miteinander unterreden, wenn auch der eine in Indien, der andere in Europa sich befände, was auch gezeigt wurde. So sind auch alle und jede Menschen auf Erden dem Herrn höchst gegenwärtig und unter seinem Blick und Vorsehung.

* * *

*1376. Ich sprach oft mit den Geistern über die Vorstellung des Ortes und der Entfernung bei ihnen, daß sie nämlich nichts Reales seien sondern bloß ein Schein, als ob sie existierten, während sie doch nichts anderes sind, als Zustände ihres Denkens und Fühlens, die sich so verschieden gestalten. Und zwar stellen sie so sich sichtbar dar in der Geisterwelt, nicht so im Himmel bei den Engeln, da diese nicht in der Vorstellung des Ortes und der Zeit sind, sondern in der Vorstellung der Zustände.

Aber die Geister, denen körperliche und irdische Vorstellungen ankleben, begreifen dies nicht, sie meinen, es sei ganz so, wie sie es sehen. Solche können kaum dazu gebracht werden, anders zu glauben, als daß sie im Leibe leben; und daß sie Geister sind, davon wollen sie sich nicht überzeugen lassen, somit kaum, daß es einen Schein, auch nicht, daß es eine Täuschung gebe; sie begehren in Täuschungen zu leben. So verschließen sie sich den Weg zum Begreifen und zur Anerkennung des Wahren und Guten, das möglichst weit von den Täuschungen entfernt ist. Es wurde ihnen öfters gezeigt, daß die Veränderung des Ortes nur ein Schein und nur eine Sinnestauschung sei. Es gibt nämlich zweierlei Arten von Veränderungen des Ortes im anderen Lehen: die eine ist, wie bereits gezeigt, daß alle Geister und Engel im Größten Menschen beständig ihre Stelle beibehalten, was ein Schein ist; die andere ist, daß die Geister an einem bestimmten Ort erscheinen, während sie doch nicht dort sind, was eine Täuschung ist.

*1377. Daß der Ort, die Veränderung des Ortes und der Abstand in der Geisterwelt Schein sind, könnte daraus erhellen, daß alle Seelen und Geister, so viele ihrer gewesen sind von der ersten Schöpfung an, beständig an ihren Orten erscheinen, und nie die Orte verändern, außer wenn ihr Zustand sich verändert, und so wie der Zustand sich verändert, wechseln bei ihnen auch die Orte und Entfernungen. Weil aber ein jeder einen allgemeinen Zustand hat der herrscht, und die besonderen und einzelnen Zustandsveränderungen sich immer auf den allgemeinen beziehen, so kommt daher auch, daß sie nach jenen Veränderungen zu ihrer Lage zurückkehren.

*1378. Ich bin sowohl durch Unterredung mit Engeln als auch durch lebendige Erfahrung belehrt worden, daß die Geister, als Geister, in Ansehung der Organe, aus denen ihre Leiber bestehen, nicht an dem Ort sind, an dem sie gesehen werden, sondern daß sie weit von da weg sein und dennoch dort erscheinen können. Ich weiß, daß die, welche sich von Täuschungen verführen lassen, es nicht glauben werden. Die Sache verhält sich aber dennoch so. Dies wurde vor den Geistern, die nichts für wahr hielten, was sie nicht mit ihren Augen sahen, wenn es auch lauter Täuschung war, dadurch ins Licht gesetzt, daß etwas Ähnliches bei den Menschen in der Welt sich zeigt: z.B. der Schall eines Redenden in des anderen Ohr. Wenn der Mensch es nicht von den Unterschieden des Schalles, die er von Kindheit an durch Übung erlernt hat, wüßte und den Fernstehenden sähe, so würde er nicht anders glauben, als daß der Redende zunächst dem Ohr sei. Ebenso der Mensch, der etwas von ihm Entferntes sieht, wenn er nicht zugleich das dazwischen Befindliche sehen und daraus die Entfernung abnehmen oder sie aus dem, was er weiß, erschließen würde, so würde er meinen, der entfernte Gegenstand sei ganz nahe bei dem Auge.

Mehr noch ist dies der Fall bei der Rede der Geister, die eine inwendige Rede, sodann bei ihrem Sehen, das ein inwendiges Sehen ist. Und weiter wurde gesagt, daß sie es nicht deshalb bezweifeln, noch weniger leugnen dürfen, weil es nicht so vor den Sinnen erscheint und sie es nicht wahrnehmen können, da die augenscheinliche Erfahrung es aufnötigt. Wie es denn auch innerhalb der Natur vieles gibt, was gegen die Täuschungen der Sinne ist, und doch geglaubt wird, weil es die sichtbare Erfahrung lehrt, z.B. das Schiffen rings um die Erdkugel herum: die, welche sich von Sinnestäuschungen bestimmen lassen, würden glauben, daß sowohl das Schiff als die Schiffer hinabfallen müßten, wenn sie auf der entgegengesetzten Seite sind, und daß die Gegenfüßler gar nicht auf den Füßen stehen könnten. Es verhält sich damit und mit vielen anderen Dingen im anderen Leben, die den Sinnestäuschungen entgegen sind, in gleicher Weise, und dennoch sind sie wahr. So z.B. daß der Mensch das Leben nicht von sich, sondern vom Herrn hat, und soviel anderes mehr. Durch dieses und anderes konnten die ungläubigen Geister zum Glauben gebracht werden, daß die Sache sich so verhält.

*1379. Hieraus kann auch erhellen, daß die Wanderungen und Versetzungen der Geister und die Schritte, die sehr oft wahrgenommen werden, nichts anderes sind als Zustandsveränderungen, d.h. daß sie als Ortsveränderungen erscheinen in der Geisterwelt, aber als Zustandsveränderungen im Himmel. Ebenso vieles andere, was vorbildlich ist und sich dort sichtbar darstellt, wovon, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden.

*1380. Daß der Ort, die Ortsveränderung und die Entfernung im anderen Leben auch eine Täuschung ist, konnte daraus erhellen, daß die Geister durch Phantasien augenblicklich in die Höhe, ja in die höchste Höhe, versetzt werden konnten, und in demselben Augenblick auch in die Tiefe, wie auch gleichsam von einem Ende des Weltalls zum anderen. Ja die Gauklerinnen und die Taschenspieler (praestigiatrices et magici) im anderen Leben bringen durch Phantasien anderen den Glauben bei, daß sie, wenn an einem bestimmten Ort, zugleich auch an einem anderen, ja sogar an mehreren Orten seien, indem sie so ein Allenthalben-Gegenwärtigsein vortäuschen. Die, welche bei Leibesleben nach hohen Dingen getrachtet hatten, wie auch die, welche betrügerisch gewesen waren, erscheinen oft über dem Haupt, sind aber gleichwohl in der Hölle unter den Füßen. Sobald ihnen der Hochmut benommen wird, fallen sie in ihre Hölle hinab, was mir gezeigt wurde. Dies ist nicht Schein, sondern ist Täuschung, denn, wie gesagt, es gibt zweierlei Arten von Ortsveränderungen im anderen Leben: daß nämlich alle Geister und Engel beständig ihre Stelle behalten, ist ein Schein; daß sie aber an einem bestimmten Ort erscheinen, wo ihre Stelle nicht ist, ist eine Täuschung.

*1381. Die Seelen und Geister, die noch keine beständige Stelle im Größten Menschen erlangt haben, werden an verschiedene Orte gebracht, bald dahin, bald dorthin, bald werden sie gesehen auf der einen Seite, bald auf der anderen, bald oben, bald unten; sie werden irrende Seelen oder Geister genannt, und verglichen mit den Flüssigkeiten im menschlichen Körper, die vom Magen, das eine Mal in den Kopf, das andere Mal anderswohin aufsteigen und versetzt werden: so diese Geister, ehe sie zu der bestimmten und ihrem allgemeinen Zustand angemessenen Stelle kommen. Ihre Zustände sind es, die so verändert werden und umherirren.

*1382. Die Menschen können nicht anders, als die göttliche Unendlichkeit mit der Unendlichkeit des Raumes verwechseln, und weil sie die Unendlichkeit des Raumes nicht anders fassen, als daß sie ein Nichts sei, wie es auch der Fall ist, dann glauben sie auch die göttliche Unendlichkeit nicht. Ebenso verhält es sich mit der Ewigkeit, welche die Menschen nur fassen können, als eine Ewigkeit der Zeit; sie stellt sich aber dar durch die Zeit bei denen, die in der Zeit sind.

Die eigentliche Idee der göttlichen Unendlichkeit wird den Engeln dadurch nahe gebracht, daß sie dem Blick des Herrn augenblicklich zugegen sind, selbst wenn sie am Ende des Weltalls wären, ohne das Zwischeneintreten von Raum oder Zeit. Und die eigentliche Idee der göttlichen Ewigkeit wird ihnen dadurch nahegebracht, daß tausend Jahre ihnen nicht als Zeit erscheinen, kaum anders, als wenn sie eine Minute gelebt hätten. Und beides dadurch, daß sie in ihrem Gegenwärtigen zugleich das Vergangene und Zukünftige haben. Daher sie keine Sorge wegen der Zukunft, und nie eine Vorstellung des Todes, sondern allein die Vorstellung des Lebens haben. So ist in all ihrer Gegenwart des Herrn Ewigkeit und Unendlichkeit.




*1383. Von der Gefühlswahrnehmung (perceptio) der Geister und Engel; und von den Sphären im anderen Leben.

Unter die Wunderdinge im anderen Leben gehören die Wahrnehmungen (durch das Gefühl, Innewerdungen, «Perceptiones»), deren es zwei Arten gibt:

Die eine, die den Engeln eigen ist, besteht darin, daß sie fühlen (wahrnehmen oder innewerden «percipiunt»), was wahr und gut und was vom Herrn und von ihnen selbst, sodann wenn das, was sie denken, reden und tun, von ihnen selbst ist, woher und wie beschaffen es ist.

Die andere Art haben alle miteinander gemein, und zwar ist sie bei den Engeln in höchster Vollkommenheit, und bei den Geistern je nach der Beschaffenheit eines jeden, daß sie nämlich, sobald ein anderer herankommt, sofort wissen, wie er beschaffen ist.

*1384. Was die erste Art betrifft, die den Engeln eigen ist, nämlich daß sie inne werden, was wahr und gut, und inne werden, was vom Herrn und was von ihnen selbst ist, sodann woher und wie beschaffen das ist, was sie denken, reden und tun, wenn es aus ihnen selbst kommt: so durfte ich mit den Söhnen der Urkirche von ihrem Innewerden reden. Sie sagten, daß sie nichts aus sich denken oder denken können, und nichts aus sich wollen, sondern daß sie bei allem und jedem, was sie denken und wollen, inne werden, was vom Herrn und was anderswoher komme, und daß sie inne werden nicht nur, wieviel vom Herrn und wieviel wie von ihnen selbst, sondern auch, falls es wie von ihnen selbst kommt, woher es stammt, von welchen Engeln, dann wie diese Engel beschaffen sind, welcherlei ihre Gedanken sind, mit allem Unterschied, somit was für Einflüsse es sind, und so unzähliges andere. Die Wahrnehmungen dieser Art sind sehr mannigfaltig. Bei den himmlischen Engeln, die in der Liebe zum Herrn sind, ist ein Wahrnehmen des Guten und daher alles dessen, was Sache des Wahren ist; und weil sie aus dem Guten das Wahre inne werden, so lassen sie kein Gespräch, noch weniger ein Vernünfteln über das Wahre zu, sondern sagen, so sei es oder so sei es nicht.

Die geistigen Engel aber, die zwar auch ein Innewerden haben, jedoch kein solches wie die himmlischen, reden über das Wahre und Gute; dennoch aber werden sie es inne, nur mit Unterschied; denn es gibt unzählige Verschiedenheiten dieses Innewerdens. Die Verschiedenheiten beziehen sich darauf, daß sie inne werden, ob etwas nach des Herrn Willem, ob mit Erlaubnis und ob aus Zulassung, was unter sich durchaus verschieden ist.

*1385. Es gibt Geister, die zur Gegend der Haut, besonders der schuppigen, gehören, die über alles vernünfteln wollen, aber keineswegs inne werden, was gut und wahr ist, ja, je mehr sie vernünfteln, desto weniger es inne werden, indem sie in das Vernünfteln die Weisheit setzen, und damit glänzen wollen. Ihnen wurde gesagt, Engelsweisheit sei, durch das Gefühl inne werden, ob etwas gut und wahr ist, ohne Vernünftelei. Aber sie begreifen nicht, daß ein solches Gefühl oder Innewerden (perceptio), möglich sei. Es sind die, welche bei Leibesleben das Wahre und Gute durch Wissenschaftliches und Philosophisches verdunkelt hatten, und daher sich für gebildeter hielten als andere, und zuvor keine Grundsätze des Wahren aus dem Worte geschöpft hatten. Solche haben daher weniger gesunden Menschenverstand (sensus communis).

*1386. Solange die Geister meinen, daß sie sich selber leiten und aus sich selbst denken, aus sich wissen, verstehen, weise seien, können sie kein Innewerden (durchs Gefühl) haben, sondern glauben, es seien Märchen.

*1387. Ich sprach öfters über das Innewerden durchs Gefühl mit denen im anderen Leben, die, als sie in der Welt lebten, meinten, sie könnten alles durchschauen und verstehen. Ich sagte ihnen, daß die Engel durchs Gefühl inne werden, daß sie denken und reden, wollen und handeln aus dem Herrn. Aber dennoch konnten sie nicht begreifen, was Gefühlswahrnehmung oder Innewerden sei, indem sie meinten, wenn in solcher Weise alles einfließen würde, so würden sie ja alles Lebens beraubt sein, weil sie so nichts aus sich selbst oder aus dem Eigenen denken würden - darein setzten sie nämlich das Leben - und es ja so ein anderer wäre, der denken würde, und nicht sie, folglich sie selbst bloß leblose Organe sein würden. Aber es wurde ihnen gesagt, daß ein solcher Lebensunterschied sei zwischen Innewerden haben und nicht haben, wie zwischen Finsternis und Licht, und daß sie dann erst eigentlich leben, wenn sie ein solches Innewerden empfangen, denn sie lebten alsdann aus dem Herrn, und hatten doch auch ein Eigenes, das ihnen gegeben wird mit aller Glückseligkeit und Lust. Es wurde ihnen auch durch mehrfache Erfahrung gezeigt, wie es sich mit dem Inneworden verhalte, und dann erkannten sie an, daß es ein solches geben könne, aber nach einiger Zeit vergaßen, bezweifelten und leugneten sie es wieder. Hieraus konnte erhellen, wie schwer ein Mensch fassen kann, was das Innewerden durch das Gefühl ist.

*1388. Die andere Art des Innewerdens ist, wie gesagt, die, welche alle gemein haben, die Engel in höchster Vollkommenheit und die Geister je nach der Beschaffenheit eines jeden, daß sie nämlich, sobald ein anderer herankommt, wissen, wie er beschaffen ist, wenn er auch nichts redet. Sie äußert sich sogleich durch einen gewissen wunderbaren Einfluß. Man erkennt an einem guten Geist nicht bloß, welche Art von Güte, sondern auch, welchen Glauben er hat, und wenn er redet, an den einzelnen Worten. An einem bösen Geist erkennt man, welche Bosheit und welchen Unglauben er hat, und wenn er redet, an den einzelnen Worten; und zwar so deutlich, daß gar keine Täuschung stattfindet.

Etwas ähnliches kommt vor bei den Menschen, die auch an dem Benehmen, der Miene, der Rede eines anderen zuweilen erkennen können, was er denkt, obwohl er durch die Rede sich anders zeigt. Diese Wissenschaft ist dem Menschen natürlich und stammt her, von der so beschaffenen Naturanlage der Geister, somit vom Geist des Menschen selbst und seiner Gemeinschaft mit der Geisterwelt.

Dieses sich mitteilende Gefühls-Innewerden hat seinen Ursprung daher, daß der Herr will, daß alles Gute mitteilbar sei, und daß alle von gegenseitiger Liebe angeregt und so glückselig sein sollen. Daher auch eine solche Gefühlswahrnehmung unter den Geistern allgemein herrscht.

*1389. Seelen, die in das andere Leben kamen, wunderten sich, daß es eine solche Mitteilung der Gedanken eines anderen gebe, und daß sie sogleich wußten, nicht bloß, was für eine Gesinnung, sondern auch, was für einen Glauben ein anderer habe. Es wurde ihnen aber gesagt, daß der Geist viel höhere Fähigkeiten erlange, wenn er vom Leib getrennt ist. Bei Leibesleben wirken die Gegenstände der Sinne ein, sodann die Phantasiebilder von dem, was von jenen her im Gedächtnis haftet, und überdies die Beunruhigungen wegen der Zukunft, verschiedene durch Äußeres erregte Begierden, Sorgen für Nahrung, Kleidung, Wohnung, Kinder und mehreres, woran man im anderen Leben gar nicht denkt. Wenn daher solche Hemmungen und Hindernisse, samt dem Körperlichen, das mit der groben Empfindung zusammenhängt, beseitigt sind, so muß man sich notwendig in einem vollkommeneren Zustand befinden; es bleiben dieselben Fähigkeiten, aber viel vollkommener, lichter und freier, besonders bei denen, die in Liebtätigkeit und Glauben an den Herrn, und in der Unschuld gelebt haben. Die Fähigkeiten solcher werden unermeßlich weit über diejenigen hinaus erhöht, die sie im Leibe hatten, bis zuletzt zu den engelischen des dritten Himmels.

*1390. Es besteht ferner nicht bloß eine Mitteilung der Neigungen und Gedanken eines anderen, sondern auch eine Mitteilung seines Wissens, bis dahin, daß der eine Geist meint, er habe gewußt, was der andere weiß, obwohl er davon nichts gewußt hatte; auf diese Art teilt sich alles Wissen des anderen mit. Einige Geister behalten solches, andere nicht.

*1391. Die Mitteilungen geschehen sowohl durch ihre Rede unter sich als auch durch Ideen und zugleich Vorbildungen, denn die Ideen ihres Denkens sind zugleich vorbildlich, daher sich alles in Fülle darstellt. Durch eine einzige Idee können sie mehr vorbilden als durch tausend Worte. Aber die Engel werden den inneren Gehalt einer Idee inne, die Art der Neigung, den Ursprung der Neigung, den Zweck derselben, und so mehreres, was Inwendig ist.

*1392. Wonnen und Seligkeiten werden im anderen Leben von einem an mehrere gewöhnlich auch mitgeteilt durch reelle Übertragungen (transmissio), die wunderbar sind, und infolge derer dann diese ebenso, wie jener, davon angeregt werden. Und diese Mitteilungen geschehen, ohne daß eine Verminderung eintritt bei demjenigen, der mitteilt. Auch ich durfte auf diese Art Wonnegefühle durch Übertragungen anderen mitteilen.

Hieraus kann erhellen, welch eine Seligkeit diejenigen empfinden, die den Nächsten mehr lieben als sich selbst und kein größeres Verlangen haben, als ihre Seligkeit auf andere zu übertragen; was seinen Ursprung vom Herrn hat, der so die Seligkeiten den Engeln mitteilt. Die Mitteilungen der Seligkeit sind solche beständige Übertragungen, aber ohne ein Bewußtsein, daß sie von einer solchen wirkenden Ursache her kommen und wie durch offenbare Willensbestimmung erfolgen.

*1393. Die Mitteilungen geschehen auch in wunderbarer Weise durch Wegschaffungen (remotiones), deren Beschaffenheit vom Menschen nicht begriffen werden kann. Weggeschafft wird im Augenblick alles, was traurig und beschwerlich ist, und so stellt sich Wonniges und Seliges ein ohne Hindernisse, denn wenn jenes beseitigt ist, fließen die Engel ein, und teilen ihr Seliges mit.

*1394. Weil ein solches Innewerden stattfindet, daß der eine im Augenblick wissen kann, wie der andere beschaffen ist in betreff der Liebe und des Glaubens, darum werden sie den Übereinstimmungen gemäß in Vereine verbunden und der Nichtübereinstimmung gemäß getrennt, und zwar so genau, daß es nicht das Kleinste eines Unterschiedes gibt, das nicht trennt oder verbindet. Darum sind die Vereine in den Himmeln so geschieden, daß man sich nichts Geschiedeneres denken kann und zwar gemäß allen Unterschieden der Liebe und des Glaubens an den Herrn, die unzählig sind. Daher die himmlische Form, die beschaffen ist, daß sie einen Menschen darstellt, welche Form fortwährend vervollkommnet wird.

*1395. Wie es sich mit dieser Art von Wahrnehmung verhalte, wurde mir durch vielfache Erfahrung zu wissen vergönnt. Es wäre aber zu umständlich, das alles zu berichten. Ich hörte öfters, wenn Arglistige redeten und wurde nicht bloß die List inne, sondern auch, was für eine List es war, und welche Bosheit in der List lag. Es ist sozusagen in jedem Ton der Stimme ein Bild der List. Dann auch wurde ich inne, ob es die List des Redenden oder anderer sei, die durch ihn redeten. Ebenso verhält es sich mit denjenigen, die im Haß sind; sogleich wird wahrgenommen, was für ein Haß es sei, und mehr als je ein Mensch zu glauben bestimmt werden kann, daß es sich im Haß finde. Wenn die Personen gegenwärtig sich darstellen, gegen die sie einen Haß hatten, so entsteht dadurch ein jämmerlicher Zustand, denn alles, was sie wider einen andern gedacht und angezettelt haben, stellt sich da heraus.

*1396. Ein gewisser Geist, der sich ein Verdienst anmaßen wollte wegen dessen, was er, als er in der Welt lebte, getan und gelehrt hatte, ging rechts hin und kam zu solchen, die nicht so beschaffen waren, um sich ihnen beizugesellen; er sagte, er sei nichts und wolle ihnen dienen. Aber diese merkten, sobald er herbeikam, und zwar schon von ferne, wie er beschaffen war. Sie antworteten sogleich, er sei nicht von der Art, sondern wolle groß werden, und so könne er nicht zusammenstimmen mit denen, die klein sind. Dadurch wurde er beschämt und trat ab und verwunderte sich, daß sie es schon aus so weiter Ferne wußten.

*1397. Weil die Wahrnehmungen so genau sind, können böse Geister sich einer Sphäre oder einem Verein nicht nähern, wo gute Geister sind, die in gegenseitiger Liebe stehen. Sobald sie nur nahen, fangen sie an Angst zu fühlen, indem sie klagen und jammern. Ein Böser warf sich aus Keckheit und Selbstvertrauen in einen Verein, der sich auf der ersten Schwelle des Himmels befand, aber sobald er sich hinzumachte, konnte er kaum atmen und spürte seinen Leichengeruch, daher er zurückfiel.

*1398. Es waren mehrere Geister um mich, die nicht gut waren, da kam ein Engel, und ich sah, daß die Geister seine Gegenwart nicht er tragen konnten, denn sie entfernten sich mehr und mehr, je näher er her zutrat, worüber ich mich verwunderte. Aber es wurde mir zu wissen gegeben, daß die Geister bei der Sphäre, die er bei sich hatte, nicht verweilen konnten. Hieraus, wie auch aus einer anderen Erfahrung, ergab sich, daß ein einziger Engel Myriaden von bösen Geistern wegtreiben kann, denn sie halten die Sphäre der gegenseitigen Liebe nicht aus. Dennoch aber wurde ich inne, daß seine Sphäre gemildert war durch Beigesellungen anderer; wäre sie nicht gemildert gewesen, so wären alle auseinander gestoben. Hieraus ist auch klar, was für eine Wahrnehmung es im anderen Leben gibt, und wie sie sich zusammen gesellen und wie sie sich trennen gemäß den Wahrnehmungen.

*1399. Ein jeglicher Geist hat Gemeinschaft mit dem inwendigen und dem innersten Himmel, und zwar ohne daß er etwas davon weiß, sonst könnte er nicht leben. Wie er inwendig beschaffen ist, wird erkannt von den Engeln, die im Inwendigen sind, und er wird auch durch sie vom Herrn regiert. So gibt es Mitteilungen seines Inneren im Himmel, wie seines Äußeren in der Geisterwelt. Durch die innerlichen Mitteilungen wird er geschickt gemacht zu dem Nutzzweck, zu dem er geführt wird, ohne daß er es weiß.

So auch verhält es sich mit dem Menschen: auch er hat durch Engel Gemeinschaft mit dem Himmel, (was er gar nicht weiß,) denn sonst könnte er nicht leben. Was von daher in seine Gedanken einfließt, sind nur die letzten Wirkungen; von da ist all sein Leben, und von da aus wer den alle Bestrebungen seines Lebens regiert.

* * *

*1504. Daß man im anderen Leben schon beim ersten Herankommen eines andern sogleich erkennt, wie er beschaffen ist, wenn er auch nichts spricht, ist schon Nr. 1388 gesagt worden. Hieraus kann man ersehen, daß das Innere des Menschen in einer unbekannten Tätigkeitsäußerung ist, und daß an dieser ein Geist erkannt wird, wie er beschaffen ist. Daß dem so ist, konnte daraus erhellen, daß die Sphäre dieser Tätigkeit sich nicht bloß in die Ferne erstreckt, sondern auch zuweilen, wenn der Herr es zuläßt, sich auf verschiedene Weise fühlbar darstellt.

*1505. Wie diese Sphären, die im anderen Leben so fühlbar werden, sich bilden, darüber bin ich auch belehrt worden; zur Verdeutlichung diene folgendes Beispiel:

Wer von sich und seinen Vorzügen vor anderen eine hohe Meinung gefaßt hat, nimmt zuletzt eine solche Art und Weise und gleichsam Natur an, daß er überall, wohin er nur geht, und sooft er andere ansieht und mit ihnen spricht, sich selbst im Auge hat, und zwar dies zuerst offenbar, hernach nicht offenbar, so daß er sich dessen nicht bewußt ist, dasselbe aber gleichwohl durchgehend herrscht, wie in dem einzelnen seines Fühlens und Denkens, so auch in dem einzelnen seines Benehmens und in dem einzelnen seiner Rede. Dies können die Menschen an anderen sehen. So etwas ist es, was die Sphäre im anderen Leben macht, die empfunden wird, aber gleichwohl nicht öfter als der Herr es gestattet.

So verhält es sich auch mit anderen Neigungen, daher es ebenso viele Sphären gibt, wie Neigungen und Zusammensetzungen von Neigungen, die unzählig sind. Die Sphäre ist gleichsam ein Bild von ihm, das sich über ihn hinaus verbreitet hat, und zwar ein Bild von allem, was bei ihm ist. Jedoch ist, was sich sichtbar oder empfindbar in der Geisterwelt darstellt, nur etwas Allgemeines, wie er aber im Besonderen beschaffen ist, das weiß man im Himmel. Hingegen wie er im einzelnen ist, weiß niemand als der Herr allein.

*1506. Damit man wisse, wie die Sphären beschaffen sind, darf ich einiges aus Erfahrung anführen: Ein gewisser Geist, der mir, als er noch im Leibe lebte, bekannt war und mit dem ich redete, erschien nachher öfter unter den Bösen. Weil dieser eine hohe Meinung von sich hatte, bildete er sich eine Sphäre des Vorzugs vor anderen. Und weil er so geartet war, entflohen die Geister augenblicklich, so daß keiner erschien als er allein. Er erfüllte dann die ganze Sphäre ringsumher, die eine selbstbeschauliche war. Von seinen Genossen verlassen, verfiel er bald auch in einen anderen Zustand: wer nämlich von seiner Gesellschaft, zu der er gehört, verlassen wird im anderen Leben, der wird zuerst wie halbtot; sein Leben wird alsdann nur erhalten durch den Einfluß des Himmels in sein Inneres; da fängt er dann an zu jammern und Pein zu leiden. Die anderen Geister sagten nachher, daß sie seine Gegenwart nicht hätten aushalten können, weil er größer als andere habe sein wollen. Als er zuletzt anderen beigesellt wurde, fuhr er in die Höhe, und so kam es ihm vor, als ob er allein das Weltall regiere; denn so sehr bläht sich die sich selbst überlassene Selbstliebe auf. Er wurde nachher unter die Höllischen geworfen.

Ein solches Los erwartet diejenigen, die meinen, sie seien größer als andere. Die Selbstliebe ist mehr als jede andere Liebe entgegen der wechselseitigen Liebe, die das Leben des Himmels ist.

*1507. Da war einer, der sich bei Leibesleben für größer und weiser als andere hielt; sonst aber gutartig war und andere sich gegenüber nicht so sehr verachtete. Dagegen aber, weil er in hohem Stande geboren war, eine Sphäre des Hervorragens und der Autorität sich angebildet hatte. Dieser kam zu mir und sprach lange nichts; ich bemerkte aber, daß er wie von einem Nimbus umflossen war, der von ihm ausströmend die Geister zu umhüllen begann, infolgedessen die Geister beängstigt zu werden anfingen. Von da aus redeten sie mit mir und sagten, sie könnten durchaus nicht mehr da sein, sie würden aller Freiheit beraubt, wie wenn sie nicht wagen dürften, etwas zu sagen. Auch er fing an zu reden, auch mit ihnen, die er seine Söhne nannte und zuweilen belehrte, aber im Ton der Autorität, die er sich angeeignet hatte. Hieraus konnte ich entnehmen, wie die Sphäre der Autorität im anderen Leben beschaffen ist.

*1508. Oftmals konnte ich beobachten, daß diejenigen, die in der Welt die höchste Würde bekleidet hatten, infolgedessen nicht vermeiden konnten, sich eine Sphäre der Autorität anzueignen, und ebendarum sie im anderen Leben weder zu verbergen noch abzulegen vermochten. Bei denjenigen von ihnen, die mit Glauben und Liebtätigkeit begabt waren, wird die Sphäre ihrer Autorität mit der Sphäre der Güte wunderbar verbunden, so daß sie niemanden lästig wird, ja es wird ihnen von wohlgesitteten Geistern auch eine Art von entsprechender Unterordnung geleistet. Allein es ist bei ihnen nicht die Sphäre des Befehlens, sondern nur, weil sie so geboren sind, eine natürliche Sphäre, die sie auch, weil sie gut sind, später nach Verlauf einiger Zeit ablegen und abzulegen streben.

*1509. Es waren bei mir einige Tage lang solche Geister, die, während sie in der Welt lebten, gar nicht für das Beste der Gesellschaft, sondern nur für sich selbst gesorgt hatten, zu Dienstleistungen im Staat unnütz waren und bloß darauf ausgingen, üppig zu leben, sich prächtig zu kleiden und reich zu werden, wobei sie sich die Verstellungskünste und geeigneten Manieren angewöhnt hatten, durch mancherlei Schmeichelei und Diensteifer sich einzuschmeicheln, bloß um zu scheinen und die Güter ihres Herrn verwalten zu dürfen, geringschätzig ansehend alle, die in ernsten Dienstverrichtungen stehen. Ich merkte, daß sie an Höfen gelebt hatten. Ihre Sphäre äußerte sich darin, daß sie mir allen Eifer benahmen und mir eine große Unlust am Tun und Denken des Ernsten, Wahren und Guten beibrachten, so daß ich zuletzt kaum mehr wußte, was ich tun sollte. Wenn solche unter die Geister kommen, verursachen sie ihnen eine gleiche Stumpfheit. Sie sind im anderen Leben unnütze Glieder und werden überall, wohin sie kommen, zurückgewiesen.

*1510. Ein jeder Geist, und noch mehr ein jeder Verein von Geistern, hat seine Sphäre aus den gefaßten Grundsätzen und Überzeugungen, welche die Sphäre der Grundsätze und Überzeugungen (principiorum et persuasionum) ist; die bösen Genien haben eine Sphäre der Begierden. Die Sphäre der Prinzipien und der Überzeugungen ist so beschaffen, daß sie, wenn sie auf einen anderen einwirkt, das Wahre als falsch erscheinen läßt, und alle Gründe dafür hervorruft, so daß sie zu dem Glauben veranlaßt, das Falsche sei wahr, und das Böse sei gut. Hieraus konnte ich ersehen, wie leicht der Mensch im Falschen und Bösen bestärkt werden kann, wofern er nicht den Wahrheiten glaubt, die vom Herrn sind. Solche Sphären sind mehr oder weniger dicht, je nach der Natur der Falschheiten. Diese Sphären können durchaus nicht zusammenstimmen mit den Sphären der Geister, die in den Wahrheiten sind. Wenn sie einander nahen, so entsteht ein Widerstreit. Wenn die Sphäre des Falschen aus Zulassung überwiegt, so kommen die Guten in Versuchung und in Angst.

Empfunden wurde auch die Sphäre des Unglaubens, die von der Art ist, daß sie nichts glauben von dem, was gesagt wird, kaum das, was ihnen sichtbar dargestellt wird; auch die Sphäre derjenigen, die nichts glauben, als was sie mit den Sinnen begreifen. Es erschien mir auch einer, der dunkel gekleidet war und an einer Mühle saß, als ob er Mehl mahlte, und seitwärts erschienen kleine Spiegel (visa specula parva); nachher sah ich gewisse Dinge, die durch die Phantasie hervorgebracht, aber Luftgebilde waren. Ich wunderte mich, wer es sein möchte; er kam aber zu mir und sagte, er sei der, der an der Mühle gesessen und habe solche Vorstellungen gehabt, daß alles und jedes nur Phantasiegebilde seien und nichts Wirkliches, daher sei er so geworden.

*1511. Durch viele Erfahrung ist mir gewiß geworden, ja so gewiß, daß es nichts Gewisseres gibt, daß nämlich die Geister, die im Falschen sind, ins Denken einfließen, und völlig glauben machen, daß das Falsche wahr sei, so daß es durchaus nicht anders erscheinen kann, und zwar dies vermöge ihrer Sphäre. In gleicher Weise fließen die Genien, die im Bösen sind, so in den Willen ein, und verursachen ein Gefühl, als ob das Böse gut wäre: so daß es durchaus nicht anders empfunden werden kann, und zwar ebenfalls infolge ihrer Sphäre.

Den Einfluß von jenen und diesen durfte ich tausendmal deutlich empfinden, sodann auch, von welchen Geistern er herkam, sowie auch auf welche Art die Engel aus dem Herrn jenes entfernt haben, außer mehrerem, was speziell nicht so gesagt werden kann.

Hieraus konnte sich mir mit solcher Gewißheit, daß es nichts Gewisseres gibt, ergeben, woher das Falsche und Böse beim Menschen kommt; und daß aus den Grundsätzen des Falschen und aus den Begier den des Bösen solche Sphären hervorgehen, die nach dem Leben des Körpers bleiben und sich so augenscheinlich herausstellen.

*1512. Die Sphären der Phantasien erscheinen, wenn sie sich sicht bar darstellen, wie Wolken, die je nach Beschaffenheit der Phantasie mehr oder minder dicht sind. Unter dem linken Fuß ist ein nebeliger Fels, unter dem die Vorsündflutlichen sich befinden. Jenes Nebelige entspringt aus ihren Phantasien, und durch dasselbe werden sie von allen übrigen im anderen Leben ferngehalten.

Aus denen, die in Haß und Rache gelebt hatten, dünsten Sphären aus, die von der Art sind, daß sie Ohnmacht verursachen und Erbrechen erregen; solche Sphären sind gleichsam vergiftet. Wie giftig und wie dicht sie seien, erkundet man gewöhnlich durch eine Art von dunkelblauen Bin den, so wie diese verschwinden, wird auch die Sphäre abgeschwächt.

*1513. Einer von denen, die Laue genannt werden, kam zu mir, und benahm sich, als ob er sich gebessert hätte, und ich empfand den Betrug nicht, obwohl ich dachte, daß er ihn inwendig verberge. Die Geister aber sagten, sie könnten seine Gegenwart nicht ertragen, und fühlten bei sich eine Wirkung, wie sie die Menschen als Reiz zum Erbrechen zu haben pflegen, und daß er unter die gehöre, die ausgespien werden sollen. Derselbe führte nachher ruchlose Reden und konnte nicht davon ablassen, sehr man ihn auch zu überzeugen suchte, daß man nicht so reden dürfe.

*1514. Die Sphären stellen sich auch empfindbar dar durch Gerüche, welche die Geister viel schärfer empfinden als die Menschen; denn den Sphären entsprechen, was wunderbar ist, die Gerüche.

Wenn bei solchen, die sich auf Verstellung gelegt und diese sich zur anderen Natur gemacht haben, ihre Sphäre sich in einen Geruch verwandelt, so ist es ein Erbrechen erregender Qualm. Wenn hei solchen, die sich auf Beredsamkeit gelegt haben in der Absicht, daß alles ihnen Bewunderung zolle, ihre Sphäre in eine riechbare verwandelt wird, so ist es wie der Geruch von verbranntem Brot. Bei solchen, die bloß den Wollüsten nachhingen und in keiner Liebtätigkeit und in keinem Glauben standen, ist der Geruch ihrer Sphäre wie der von Exkrementen. Ebenso bei denen, die in Ehebrüchen ihr Leben hingebracht haben. Ihr Geruch ist noch stinkender. Verkehrt sich die Sphäre derer, die in heftigem Haß und in Rache und Grausamkeit gelebt haben, in Gerüche, so ist es ein Leichengestank. Ein Mäusegestank breitet sich von denen aus, die schmutzig geizig gewesen sind. Ein Wanzengestank (pediculorum domesticorum) von denen, welche die Unschuldigen verfolgen.

Diese Gerüche können von keinem Menschen empfunden werden, wenn ihm nicht die inneren Sinne (sensationes) geöffnet worden sind, so daß er zugleich bei den Geistern ist.

*1515. Es wurde die Sphäre des Übelgeruchs einer Frau empfunden, die nachher den Sirenen zugesellt wurde, und dieser üble Geruch dünstete einige Tage lang überall aus, wohin sie kam. Die Geister sagten, es sei ein beinahe tödlicher Gestank; sie selbst jedoch empfand nichts von diesem Gestank. Der Gestank der Sirenen ist der gleiche, weil ihr Inneres unsauber, ihr Äußeres aber meistens anständig und hübsch ist, wovon Nr. 831. Zu verwundern ist, daß die Sirenen im anderen Leben alles, was dort ist, ergreifen, und besser als andere wissen, wie sich die Sache verhält; auch die Lehrbestimmungen, aber alles in der Absicht, es in Magisches zu verkehren und sich die Herrschaft über andere zu verschaffen. In die Neigungen der Guten schleichen sie sich ein durch den angenommenen Schein des Guten und Wahren, sind aber gleichwohl so geartet.

Hieraus kann erhellen, daß die Lehrbestimmung nichts ist, wofern der Mensch nicht so wird, wie sie lehrt, d.h. wofern sie nicht das Leben zum Zweck hat. Abgesehen davon, daß viele unter den Höllischen sind, welche die Lehrbestimmungen besser als andere verstanden haben. Die aber ein Leben der Liebtätigkeit gelebt haben, sind alle im Himmel.

*1516. Ich sprach mit den Geistern über den Geschmacksinn, von dem sie sagten, sie hätten ihn nicht, sondern etwas, woraus sie gleich wohl erkennen, welcherlei der Geschmack ist, den sie mit dem Geruch verglichen, jedoch nicht beschreiben konnten. Da wurde mir in die Erinnerung zurückgerufen, daß der Geschmack und der Geruch in einem Dritten zusammentreffen, wie dies auch an den Tieren zu ersehen ist, die mit dem Geruch die Nahrung untersuchen, woraus ihnen offenbar wird, ob sie ihnen gesund und zuträglich ist.

*1517. Es wurde ein Weingeruch empfunden, und ich erfuhr, daß er von solchen komme, die aus Freundschaft und erlaubter Liebe schmeicheln in der Art, daß in den Schmeicheleien auch Wahrheit ist. Dieser Geruch ist von großer Verschiedenheit, und stammt aus der Sphäre des formalen Schönen.

*1518. Wenn himmlische Engel bei der Leiche eines gestorbenen Menschen sind, der auferweckt werden soll, so verwandelt sich der Leichengeruch in einen aromatischen Geruch, bei dessen Empfindung die bösen Geister nicht herzunahen können.

*1519. Die Sphären der Liebtätigkeit und des Glaubens sind, wenn sie als Gerüche empfunden werden, äußerst angenehm. Es sind Wohlgerüche wie von Blüten, Lilien, Gewürzen verschiedener Art, mit unendlicher Mannigfaltigkeit. Außerdem stellen sich auch die Sphären der Engel zuweilen sichtbar dar, und zwar als Atmosphären oder heitere Himmelslüfte (aurae), die so schön, so lieblich und mannigfaltig sind, daß sie gar nicht beschrieben werden können.

*1520. Betreffs dessen jedoch, was gesagt worden ist von der Empfindbarkeit des Inneren eines Geistes mittels der Sphären, die über ihn hinaus sich verbreiten und fortsetzen, wie auch mittels der Gerüche, so muß man wissen, daß diese nicht beständig existieren; abgesehen davon, daß sie auf verschiedene Weise vom Herrn gemäßigt werden, damit die Geister nicht immer vor anderen offenbar sein möchten, wie sie beschaffen sind.



*1521. Vom Licht, in dem die Engel Leben.

Daß die Geister und Engel alle Sinne, außer dem Geschmack, und zwar viel schärfer und vollkommener haben, als irgend ein Mensch, ist mir vielfältig offenbar geworden. Sie sehen nicht nur einander und gehen miteinander um - die Engel in höchster Seligkeit aus gegenseitiger Liebe -‚ sondern was sie dort sehen, ist auch mehr als je ein Mensch glauben kann. Es ist die Geisterwelt, und es sind die Himmel voll von Vorbildungen, wie sie den Propheten erschienen, und zwar so großartig, daß, wenn jemanden nur das Gesicht geöffnet würde und er einige Stunden hineinblickte, er vor Staunen außer sich geraten müßte. Es ist ein solches Licht im Himmel, daß es selbst das Mittagslicht der Sonnenwelt in unglaublicher Weise übertrifft. Sie haben aber kein Licht aus dieser Welt, weil sie über oder innerhalb der Sphäre dieses Lichtes sind, sondern es ist ein Licht vom Herrn, der ihnen Sonne ist. Das Weltlicht, auch das mittägige, ist den Engeln wie dichtes Dunkel. Wenn ihnen gegeben wird, in dieses Licht hineinzublicken, so ist es, als ob sie lauter Finsternis erblickten, was mir durch Erfahrung zu wissen gegeben wurde.

Hieraus kann erhellen, was für ein Unterschied ist zwischen dem Licht des Himmels und dem Licht der Welt.

*1522. Das Licht, in dem die Geister und Engel leben, habe ich so oft gesehen, daß ich mich zuletzt nicht mehr darüber verwunderte, weil es mir etwas Gewöhnliches geworden war, aber jede Erfahrung anzuführen, wäre allzu umständlich, daher möge nur dies wenige hier stehen.

*1523. Damit ich wüßte, was es für ein Licht sei, bin ich einige Male in Wohnungen versetzt worden, in denen gute und engelische Geister waren, und dort habe ich nicht nur sie selbst, sondern auch die Dinge gesehen, die sich daselbst befanden. Es erschienen auch Kinder und Mütter in einem Licht von so glänzendem Weiß und Schimmer (tanti candoris et splendoris), daß es nirgends ein glänzenderes Weiß geben kann.

*1524. Unvermutet fiel ein starkes Flammenlicht vor das Auge hin, das dadurch sehr geblendet wurde, und zwar nicht nur das Gesicht des Auges, sondern auch das inwendigere. Bald darauf erschien etwas Dunkles wie eine finstere Wolke, worin gleichsam etwas Erdartiges war; und als ich mich darüber wunderte, wurde mir zu wissen gegeben, daß das Licht bei den Engeln im Himmel so groß ist im Vergleich mit dem Licht in der Geisterwelt, obwohl die Geister im Lichte leben, daß aber dennoch ein solcher Unterschied sei; und daß es sich wie mit dem Licht, so auch mit der Einsicht und Weisheit der Engel gegenüber der Einsicht und Weisheit der Geister verhält, und nicht allein mit der Ein sicht und Weisheit, sondern auch mit allem, was zur Einsicht und Weisheit gehört, wie mit der Rede, mit dem Denken, mit den Freuden und Wonnen, denn diese entsprechen dem Licht. Hieraus konnte mir auch klar sein, wie groß und von welcher Art die Vollkommenheiten der Engel sind im Vergleich mit den Menschen, die doch noch mehr im Dunkeln sind als die Geister.

*1525. Es wurde mir die Lichthelle gezeigt, in der diejenigen leben, die zu einem inwendigen Gebiet des Angesichts gehören: es war ein Lichtglanz mit schönem Farbenspiel von Strahlen einer goldenen Flamme für die, welche in den Neigungen des Guten sind und ein Lichtglanz im Farbenspiel von Strahlen eines Silberlichtes für die, welche in den Neigungen des Wahren sind. Zuweilen sehen sie auch den Himmel, aber nicht den, der vor unseren Augen erscheint, sondern den, der vor ihnen sich darstellt, mit Sternchen auf das schönste geschmückt. Daß ein Unterschied des Lichtes besteht, kommt daher, daß alle guten Geister, die im ersten Himmel sind und alle engelischen Geister, die im zweiten Himmel, und alle Engel, die im dritten sind, im allgemeinen sich unterscheiden in himmlische und geistige. Himmlische sind die in der Liebe zum Guten, geistige die in der Liebe zum Wahren sind.

*1526. Ich wurde den Vorstellungen der einzelnen oder leiblichen Dinge entrückt, so daß ich in geistigen Vorstellungen festgehalten wurde. Da erschien ein lebhaftes Funkeln von diamantartigem Licht, und zwar ziemlich lange. Ich kann das Licht nicht anders beschreiben, denn es funkelte wie von Diamantenschimmer in den kleinsten Dingen. Und solange ich in diesem Licht gehalten wurde, sah ich die Einzeldinge (particularia), die weltlich und leiblich waren, wie unter mir und entfernt; wodurch ich belehrt wurde, in wie großem Licht die sind, die, den materiellen Vorstellungen entrückt, in geistigen sind. Außerdem er schien mir das Licht der Geister und Engel so oft, daß ganze Seiten an gefüllt würden, wenn alle Erfahrungen aufgezählt werden sollten.

*1527. Wenn es dem Herrn gefällt, erscheinen die guten Geister vor anderen und auch sich selbst wie leuchtende Sterne, schimmernd je nach der Beschaffenheit ihrer Liebtätigkeit und ihres Glaubens. Böse Geister aber wie kleine Kugeln von Kohlenfeuer.

*1528. Das Leben der Begierden und der Wollüste aus ihnen er scheint zuweilen wie Kohlenfeuer bei den bösen Geistern: in ein solches gleichsam feuriges Wesen verwandelt sich das Leben der Liebe und Barmherzigkeit des Herrn, das bei ihnen einfließt. Das Leben ihrer Phantasien aber erscheint wie der daraus entstehende Schein, der dunkel ist und sich auf keine Entfernung ausdehnt. Wenn aber das Leben der gegenseitigen Liebe sich naht, so verlöscht jenes Feurige und schlägt in Kälte um, und jenes dunkle Licht schlägt in Finsternis um; denn die bösen Geister leben in der Finsternis, und merkwürdig ist, daß auch einige die Finsternis lieben, und das Licht hassen.

*1529. Im Himmel ist allbekannt, nicht so in der Geisterwelt, woher ein so großes Licht kommt, daß es nämlich vom Herrn herrührt und, was merkwürdig ist, der Herr erscheint im dritten Himmel den himmlischen Engeln als Sonne und den geistigen Engeln als Mond. Der eigentliche Ursprung des Lichtes ist nicht anderswoher. Aber soviel Himmlisches und Geistiges bei den Engeln ist, soviel Licht haben sie; und wie das Himmlische und Geistige beschaffen ist, so ist ihr Licht. So offenbart sich das Himmlische und das Geistige des Herrn selbst durch das Licht vor ihrem äußeren Auge.

*1530. Daß dem so ist, kann jedem aus dem Worte bekannt sein, z.B. als der Herr dem Petrus, Jakobus und Johannes geoffenbart wurde, denn alsdann glänzte Sein Angesicht wie die Sonne, und Seine Kleider wurden wie das Licht: Matth. 17/2. Daß Er ihnen so erschien, war nur, weil ihr inwendigeres Auge geöffnet worden war.

Bei den Propheten wird ebendasselbe auch bestätigt, z.B. bei Jes. 30/26, wo vom Reich des Herrn in den Himmeln gehandelt wird: „Es wird das Licht des Mondes wie das Licht der Sonne sein, und das Licht der Sonne wird siebenfach sein, wie das Licht von sieben Tagen“.

Joh. Offenb. 21/23, wo auch die Rede ist vom Reich des Herrn, das genannt wird das neue Jerusalem: „Die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, daß sie in ihr leuchten, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm“.

Joh. Offenb. 22/5: „Nacht wird nicht da sein, auch bedürfen sie nicht einer Leuchte noch des Lichtes der Sonne, denn der Herr Gott er leuchtet sie“.

Ferner, als der Herr dem Mose, Aharon, Nadab, Abihu und den siebzig Ältesten erschien, „sahen sie den Gott Israels, unter dessen Füßen war wie ein Werk von Saphirstein, und wie das Wesen des Himmels an Klarheit“: 2. Mose 24/10.

Weil des Herrn Himmlisches und Geistiges vor dem äußeren Gesicht der Engel als Sonne und Mond erscheint, darum bedeutet die Sonne im Wort das Himmlische und der Mond das Geistige.

*1531. Damit ich bestärkt würde in dem, daß der Herr den himmlischen Engeln als Sonne und den geistigen Engeln als Mond erscheint, wurde mir, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, das inwendigere Gesicht bis dahin geöffnet, und deutlich sah ich den glänzenden Mond, der von mehreren kleineren Monden umgeben war, deren Licht beinahe sonnig war, nach den Worten bei Jes. 30/26: „Es wird das Licht des Mondes sein wie das Licht der Sonne“.

Die Sonne aber durfte ich damals nicht sehen. Der Mond erschien vorne zur Rechten.

*1532. Aus dem Licht des Herrn im Himmel erscheinen Wunder dinge, und zwar so unzählige, daß sie gar nicht ausgesprochen werden können. Es sind fortwährende Vorbildungen des Herrn und Seines Reiches, wie sie bei den Propheten und bei Johannes in der Offenbarung vorkommen, außer anderen Bezeichnungen. Der Mensch kann sie mit den körperlichen Augen nicht sehen, sobald aber vom Herrn jemandem das inwendigere Gesicht geöffnet wird, welches das Gesicht seines Geistes ist, kann ähnliches ihm sichtbar dargestellt werden. Die Gesichte der Propheten waren nichts anderes als Aufschließungen ihres inwendigeren Gesichtes, wie z.B. daß Johannes goldene Leuchter sah: Joh. Offenb. 1/12, 13, und die heilige Stadt als reines Gold und ihr Licht gleich dem kostbarsten Stein: Joh. Offenh. 21/2, 10, 11, außer vielem hei den Propheten, woraus man wissen kann, daß die Engel nicht allein im höchsten Licht leben, sondern auch daß unendlich vieles dort sich findet, was niemand je glauben kann.

*1533. Von unzähligen Dingen, die im anderen Leben erscheinen, konnte ich, bevor das Gesicht mir geöffnet worden, kaum eine andere Vorstellung hegen als die anderen auch, nämlich daß es ein Licht und solche Dinge, die vom Licht herkommen, wie auch sinnlich wahrnehmbare Dinge (praeter sensitiva) im anderen Leben gar nicht geben könne, und zwar dies infolge der vorgefaßten Wahnvorstellung der Gebildeten vom Immateriellen, das sie mit so großer Entschiedenheit von den Geistern und von allem, was zu ihrem Leben gehört, aussagen, infolgedessen man keinen anderen Begriff davon haben konnte als daß es, eben als etwas Immaterielles, entweder etwas so Dunkles ist, das man es sich gar nicht vorstellen könne, oder daß es gar nichts sei, denn das Immaterielle schließt solches in sich, während doch das gerade Gegenteil der Fall ist; denn wenn die Geister nicht organisiert und die Engel nicht organische Substanzen wären, könnten sie weder reden noch sehen oder denken.

*1534. Daß sich im anderen Leben kraft des Lichtes aus himmlischem und geistigem Ursprung vom Herrn die wundervollsten Dinge vor dem Gesichtssinn der Geister und Engel sichtbar darstellen, wie paradiesische Gegenden, Städte, Paläste, Wohngebäude, die schönsten Atmosphären, und anderes dergleichen, sehe man im Folgenden.

* * *

*1619. Wenn das inwendigere Gesicht dem Menschen geöffnet wird, welches das Gesicht seines Geistes ist, alsdann erscheinen die Dinge, die im anderen Leben sind, die sich durchaus nicht vor dem Gesichtssinn des Leibes sichtbar darstellen können. Die Gesichte der Propheten waren nichts anderes. Es gibt im Himmel fortwährende Vorbildungen des Herrn und Seines Reiches, und es gibt Bezeichnungen, ja es existiert sogar überhaupt nichts vor dem Gesichtssinn der Engel, was nicht vorbildlich und bezeichnend ist; daher die Vorbildungen und Bezeichnungen im Wort, denn das Wort ist durch den Himmel vom Herrn herabgekommen.

*1620. Was in der Geisterwelt und im Himmel sich sichtbar dar stellt, dessen ist mehr, als daß es ausgesprochen werden könnte.

Weil hier vom Licht die Rede ist, so darf ich anführen, was unmittelbar aus dem Licht sein Dasein hat: wie die Atmosphären, die Paradiese, die Farbenbogen, die Paläste und Wohnungen, die daselbst vor dem äußeren Gesicht der Geister und Engel so hell und lebhaft dastehen und zugleich mit allen Sinnen empfunden werden, daß sie sagen, diese Dinge seien etwas Reelles, diejenigen aber, die in der Welt sind, seien ihnen gegenüber nicht wirklich.

*1621. Was die Atmosphären betrifft, die Lichtatmosphären sind, weil sie aus jenem Licht stammen und in denen die Seligen leben, so sind sie unzählig und von solcher Schönheit und Lieblichkeit, daß sie nicht beschrieben werden können.

Es gibt diamantene Atmosphären, die in allen kleinsten Teilen funkeln, wie von diamantenen Kügelchen (sphaerulis); es gibt Atmosphären, die dem Schimmern aller Edelsteine gleichen; es gibt Atmosphären wie von Perlen, die von Mittelpunkten aus durchscheinen und in den glänzendsten Farben strahlen; es gibt Atmosphären, flammend wie von Gold, dann von Silber, auch von diamantartigem Gold und Silber; es gibt Atmosphären von verschiedenfarbigen Blumen, die in den kleinsten und unsichtbaren Formen sind: von solchen ist der Himmel der Kinder, voll mit unzähliger Mannigfaltigkeit, ja es stellen sich auch Atmosphären dar wie von spielenden Kindern in den kleinsten unsichtbaren, aber - nur in der inwendigsten Vorstellung - wahrnehmbaren Formen, wovon die Kinder die Vorstellung fassen, daß alles um sie her lebe, und sie im Leben des Herrn seien, das ihr Innerstes mit Seligkeit erfüllt. Und so vieles andere, denn die Verschiedenheiten sind unzählig und auch unaussprechlich.

*1622. Was die Paradiese betrifft, so sind sie staunenswert. Es stellen sich dem Blick dar paradiesische Gärten von unermeßlicher Ausdehnung mit Bäumen aller Art und von solcher Schönheit und Lieblichkeit, daß sie jede Vorstellung übertreffen;, und zwar so lebendig vor ihrem äußeren Gesichtssinn, daß sie auch die Einzelheiten viel lebhafter nicht nur sehen, sondern auch empfinden als das Gesicht des Auges dergleichen auf Erden erblickt. Damit ich nicht daran zweifeln möchte, wurde ich auch dorthin geführt, (es ist vorn ein wenig nach oben gegen den Winkel des rechten Auges) wo diejenigen sind, die ein paradiesisches Leben leben, und ich sah es: Es erscheint alles und jedes wie in seinem allerschönsten Lenz und Flor mit staunenswerter Pracht und Mannigfaltigkeit. Es lebt alles und jedes von Vorbildlichem, denn nichts ist da, was nicht etwas Himmlisches und Geistiges vorbildet und be zeichnet, und so regt es nicht nur den Gesichtssinn mit Lieblichkeit, sondern auch das Gemüt mit Seligkeit an.

Einige aus der Welt neu angekommene Seelen, die infolge vorgefaßter Grundsätze, solange sie in der Welt lebten, zweifelten, ob so etwas im anderen Leben existieren könne, wo doch kein Holz und Stein ist, wurden dorthin erhoben und redeten von da aus mit mir. Sie sagten infolge des Staunens, in dem sie waren, es sei unaussprechlich, und sie könnten das Unaussprechliche durch keinerlei Vorstellung darstellen, und die Annehmlichkeiten und Seligkeiten leuchteten aus allem einzelnen hervor, und zwar mit aufeinanderfolgenden Abwechslungen. Seelen, die in den Himmel eingeführt werden, werden meistens allererst zu Paradiesischem gebracht. Aber die Engel sehen dieses mit anderen Augen an, nicht das Paradiesische macht ihnen Vergnügen, sondern das Vorbildliche, somit das Himmlische und Geistige, aus dem es stammt. Aus diesem hatte die Urkirche ihr Paradiesisches.

*1623. Was die regenbogenartigen Erscheinungen betrifft, so ist gleichsam ein regenbogenfarbiger Himmel, wo die ganze Atmosphäre aus stetig aneinanderhängenden kleinsten Regenbogen zusammengesetzt erscheint. In ihm befinden sich die, welche zum Gebiet des in wendigeren Auges gehören, zur Rechten vorne ein wenig nach oben. Dort besteht die gesamte Atmosphäre oder Luftregion (aura) aus solchem Wetterleuchten (fulgurationibus), strahlend in solcher Weise, gleichsam in ihren einzelnen Ursprüngen. Rings um sie her erscheint ein sie einfassender größter Regenbogen, außerordentlich schön, aus ähnlichen, kleineren zusammengesetzt, die sehr schöne Bilder des größeren sind. Jede Farbe besteht aus unzähligen Strahlen, so daß Myriaden ein wahrnehmbares gemeinsames Ganze ausmachen, das gleichsam eine Gestaltung der Ursprünge des Lichtes aus den himmlischen und geistigen Dingen ist, die sie hervorbringen und zugleich eine vor bildliche Idee vor dem Gesicht darstellen. Die Mannigfaltigkeiten und Spielarten der Farbenbogen sind unzählbar. Einige wurden mir zu sehen gegeben, und damit man sich eine Vorstellung davon machen könne, wie mannigfaltig sie sind und man sehe, aus wie unzähligen Strahlen ein sichtbares Ganze besteht, so darf ich nur den einen und den anderen beschreiben.

*1624. Es erschien mir die größere Gestalt eines Regenbogens, auf daß ich daraus abnehmen könne, wie sie in ihren kleinsten Gestalten beschaffen sind: es war ein außerordentlich weißglänzendes Licht, umgeben von einem Umkreis, in dessen Mittelpunkt etwas dunkles Erdartiges (quasi terrenum) war, und umgossen vom hellsten Lichtschein (lucidissimum), sich verwandelte und überging in einen anderen Lichtschein (variabatur et discriminabatur alio lucido) mit goldgelben (flave scentibus) kleinen Pünktchen, die wie Sternchen aussahen; dabei ein Farbenspiel (variegationes), herbeigeführt durch buntfarbige Blumen, die in jenen hellsten Lichtschein hineinspielten, und deren Farben nicht von dem weißglänzenden Lichtschein, sondern von einem flammigen ausflossen, die samt und sonders Vorbildungen himmlischer und geistiger Dinge waren. Alle im anderen Leben sichtbaren Farben bilden Himmlisches und Geistiges vor; die Farben aus dem Flammigen solches, was der Liebe und Neigung zum Guten angehört, die Farben aus dem weißglänzenden Lichtschein solches, was dem Glauben und der Neigung zum Wahren angehört: aus diesen Ursprüngen stammen alle Farben im anderen Leben, die deshalb so glänzen, daß die Farben der Welt ihnen nicht gleichgestellt werden können. Es gibt auch Farben, die in der Welt noch nie gesehen wurden.

*1625. Es erschien auch die Gestalt eines Farbenbogens, in dessen Mitte etwas Grasgrünes war, und man hatte das Gefühl wie von einer Sonne, die unsichtbar von der Seite her leuchtete und ein so weißglänzendes Licht ergoß, daß es nicht beschrieben werden kann. Gegen den Umkreis waren die schönsten Farbenwechsel auf lichtern Perlengrund (in plano lucido margaritico). Aus diesem und anderem konnte ersehen werden, wie die Regenbogenerscheinungen in ihrem Kleinsten beschaffen sind, und daß es unzählig viele Spielarten gibt, und zwar je nach der Liebtätigkeit und dem aus ihr stammenden Glauben dessen, dem sie vorgebildet werden, und der wie ein Farbenbogen (Iris) ist für diejenigen, denen er in seiner Würde und Herrlichkeit sichtbar dargestellt wird.

*1626. Außer diesen paradiesischen Erscheinungen stellen sich auch sichtbar dar Städte mit prächtigen Palästen, die aneinanderstoßen, in glänzenden Farben erscheinen und über alle architektonische Kunst erhaben sind; was auch nicht zu verwundern ist.

Ähnliche Dinge erschienen auch den Propheten, sobald das inwendige Gesicht ihnen geöffnet war, und zwar so deutlich, daß nichts deutlicher in der Welt erscheint wie dem Johannes das neue Jerusalem, das auch von ihm mit folgenden Worten beschrieben wird:

Joh. Offenb. 21/10, 12, 18-20: „Er führte mich im Geist weg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem...sie hatte eine große und hohe Mauer...sie hatte zwölf Tore... Der Aufbau der Mauer war von Jaspis und die Stadt lauteres Gold, gleich goldenem Glas. Die Gründe der Mauer waren mit allerlei Edelstein geschmückt: der erste Grundstein ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalcedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyacinth, der zwölfte ein Amethyst“. Außer den von den Propheten berichteten Erscheinungen.

Unzähliges dieser Art wird von den Engeln und Geistern bei hellem Tage gesehen, und, was merkwürdig ist, mit allen Sinnen wahrgenommen. Was durchaus niemand, der geistige Vorstellungen durch Kunstwörter und Erklärungen menschlicher Philosophie und durch Vernünfteleien ausgelöscht hat, je glauben kann, während es doch ganz gewisse Wahrheiten sind. Daß es Wahrheiten sind, hätte man auch daraus entnehmen können, daß die Heiligen öfter solche Erscheinungen hatten.

*1627. Außer den Städten und Palästen durfte ich auch zuweilen Verzierungen sehen, wie z.B. an Stufen und Toren, und zwar solche, die sich bewegten, als ob sie lebendig wären, und sich mit immer neuer Schönheit und Symmetrie verwandelten. Und ich wurde belehrt, daß so immerfort wechselnde Gebilde aufeinanderfolgen können, und wenn es in Ewigkeit währte, mit fortwährend neuer Harmonie, indem selbst die Aufeinanderfolge eine Harmonie bildet. Und es wurde gesagt, daß dieses noch unter die geringsten Dinge gehöre.

*1628. Alle Engel haben ihre Wohnungen, wo sie sich befinden, und diese sind prächtig. Ich war dort und sah es etliche Male und verwunderte mich und sprach daselbst mit ihnen. Sie sind so deutlich und augenscheinlich, daß es nichts Deutlicheres und Augenscheinlicheres geben kann. Die Wohnungen auf Erden sind kaum etwas im Vergleich damit. Sie nennen auch die Dinge auf der Erde tot und nicht wirklich, die ihren aber lebendig und wahr, weil vom Herrn. Die Architektur ist von der Art, daß die Kunst selbst davon herstammt, und zwar mit unendlicher Mannigfaltigkeit. Sie sagten, wenn ihnen alle Paläste auf dem ganzen Erdkreis gegeben würden, sie würden dieselben doch nicht um die ihrigen eintauschen. Was von Stein, Lehm und Holz ist, ist ihnen tot; was aber vom Herrn, und vom eigentlichen Leben und Licht ist, das ist lebendig, und das um so mehr, weil sie es mit allen Sinnen genießen; denn die dort befindlichen Dinge sind ganz den Sinnen der Geister und Engel angepaßt; denn was im Licht der Sonnenwelt ist, können die Geister mit ihrem Gesichtsorgan gar nicht sehen. Das Steinerne und Hölzerne aber ist den Sinnen der Menschen im Körper angepaßt. Die geistigen Dinge entsprechen dem Geistigen und die körperlichen Dinge dem Körperlichen.

*1629. Die Wohnungen der guten Geister und der engelischen Geister haben gemeiniglich Säulengänge oder lange bogenförmige, zuweilen gedoppelte Vorhallen, in denen sie lustwandeln, und deren Wände eine große Mannigfaltigkeit zeigen, wie sie denn auch geschmückt wer den mit Blumen und wunderbar geflochtenen Blumengewinden und überdies mit vielen Verzierungen, die wechseln und sich folgen: bald er scheinen sie ihnen in hellerem, bald in schwächerem Licht; stets mit innigem Entzücken.

Ihre Wohnungen verwandeln sich auch, so wie die Geister vollkommener werden, in schönere. Wenn sie sich verwandeln, so erscheint etwas, was ein Fenster vorstellt von der Seite her, was sich erweitert und inwendig dunkler wird, und es zeigt sich etwas wie ein Fummel mit Sternen, und einige Wolken (quaedam nubes), was ein Zeichen ist, daß ihre Wohnungen sich in lieblichere verwandeln.

*1630. Die Geister nehmen es sehr übel, daß die Menschen nicht an das Leben der Geister und Engel glauben und meinen, dieselben seien in einem Zustand der Dunkelheit, der nur ein höchst trauriger sein könnte, gleichsam in einer Leere und Ode, während sie doch im höchsten Licht sind, und mit allen Sinnen im Genuß alles Guten, und zwar bis zu dessen innerstem Gefühl.

So waren auch Seelen, die eben erst aus der Welt angekommen waren und infolge der dort gefaßten Grundsätze die Meinung hegten, es gebe dergleichen im anderen Leben nicht. Sie wurden daher hingeführt zu den Wohnungen der Engel und redeten dort mit diesen und sahen jene Dinge. Als sie zurückkamen, sagten sie, sie hätten sich überzeugt, daß es so sei, und daß jene Dinge Wirklichkeiten seien. Sie hätten dies bei Leibesleben nie geglaubt noch glauben können; und man könne diese Dinge nicht anders als zu den Wundern zählen, die man nicht glaubt, weil man sie nicht begreift. Da es aber eine Erfahrung des Sinnes ist, ob wohl des inwendigeren Sinnes, und ihnen dies gesagt wird, so sollten sie dennoch nicht deshalb daran zweifeln, weil sie es nicht begreifen, denn wenn man nichts glauben wollte als was man begreift, so dürfte man nichts glauben von den Dingen, die zur inwendigeren Natur, geschweige von denen, die zum ewigen Leben gehören. Daher kommt der Wahnsinn unserer Zeit.

*1631. Solche, die reich waren bei Leibesleben und in prächtigen Palästen wohnten, dabei aber in dergleichen ihren Himmel setzten und, gewissen- und lieblos, andere unter mancherlei Schein um ihre Güter brachten, diese werden, wenn sie ins andere Leben kommen, zuerst in ihr eigenstes Leben versetzt, das sie in der Welt hatten. Auch wird ihnen dann zuweilen vergönnt, ebenso in Palästen zu wohnen, wie in der Welt, denn es sind alle im anderen Leben anfangs willkommen als Gäste und Neuankömmlinge, denen, solange sie ihrem Inwendigen und ihren Lebenszwecken nach noch nicht enthüllt werden sollen, die Engel vom Herrn her Gefälligkeiten und Wohltaten erweisen. Allein die Szene ändert sich, die Paläste verschwinden allmählich und werden zu Häuschen, nach und nach immer geringer, und zuletzt zu nichts; und alsdann gehen sie umher, wie die, welche Almosen begehren und bitten, man möchte sie aufnehmen. Weil sie aber so beschaffen sind, werden sie aus den Gesellschaften ausgestoßen, und zuletzt werden sie Ausgestoßene (excrementilii) und hauchen eine Sphäre von üblem Geruch der Zähne aus.

*1632. Ich redete mit den Engeln über die Vorbildungen, daß nämlich im Pflanzenreich auf der Erde nichts sei, was nicht auf irgendeine Weise das Reich des Herrn vorbildete. Sie sagten, alles Schöne und Zierliche, das im Pflanzenreich ist, habe seinen Ursprung durch den Himmel vom Herrn, und wenn das Himmlische und Geistige des Herrn in die Natur einfließt, so stellten sich in der Wirklichkeit solche Dinge dar, und daher komme die Seele oder das Leben der Pflanzen, und hieraus die Vorbildungen. Und weil man dies in der Welt nicht weiß, so wurde es ein himmlisches Geheimnis genannt.

*1633. Wie es sich ferner mit dem Einfluß in die Lebenstätigkeiten der Tiere verhält, die alle nach dem Tode verschwinden, darüber bin ich auch vollständig belehrt worden, wovon, vermöge der göttlichen Barm herzigkeit des Herrn, im Folgenden.

*1634. Vom Reden der Geister und Engel.

Bekannt ist aus dem Worte des Herrn, daß ehemals viele mit Geistern und Engeln geredet, und daß sie auch vieles, was sich im an deren Leben befindet, gehört und gesehen haben. Daß aber später der Himmel gleichsam verschlossen wurde, und zwar so sehr, daß man heut zutage kaum glaubt, daß es Geister und Engel gibt, und noch weniger, daß jemand mit ihnen reden kann, indem man meint, das Reden mit solchen, die man nicht sieht, und die man im Herzen leugnet, sei etwas Unmögliches. Weil mir aber, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn nun schon einige Jahre hindurch vergönnt worden ist, beinahe fortwährend Rede mit ihnen zu wechseln und mit ihnen umzugehen wie einer von ihnen, so darf ich, was mir über ihr Reden miteinander zu wissen gegeben worden ist, jetzt berichten.

*1635. Das Reden der Geister mit mir wurde ebenso deutlich gehört und empfunden (percepta) wie das Reden mit einem Menschen. Ja, zuweilen sprach ich mit ihnen mitten in einer Gesellschaft von Menschen und bemerkte dann, da ich die Geister ebenso laut sprechen hörte wie die Menschen, so ganz, daß die Geister sich zuweilen wunderten, daß ihr Gespräch mit mir nicht auch von anderen gehört wurde; denn es fand durchaus kein Unterschied in Rücksicht des Gehörs statt. Weil jedoch der Einfluß in die inneren Gehörorgane ein anderer ist als der Einfluß der Rede mit den Menschen, so konnte es nur von mir gehört werden, dem, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, jene geöffnet worden waren. Die menschliche Rede fällt auf einem äußeren Wege mittels der Luft durch das Ohr ein, die Rede der Geister hingegen nicht durch das Ohr noch mittels der Luft, sondern auf einem inneren Weg in eben dieselben Organe des Hauptes oder des Gehirns; daher das gleiche Hören stattfindet.

*1636. Wie schwer die Menschen zu dem Glauben gebracht werden können, daß es Geister und Engel gibt, ja noch mehr, daß jemand mit ihnen reden könne, konnte mir durch folgendes Beispiel klar werden:

Es waren einige Geister, die, solang sie im Körper waren, zu den Gelehrteren gehörten, und mir damals bekannt waren, (denn ich sprach fast mit allen, die ich bei ihres Leibesleben gekannt hatte, mit einigen etliche Wochen lang, mit anderen ein Jahr lang; ganz wie wenn sie im Leibe gelebt hätten). Diese wurden einmal in den gleichen Zustand des Denkens versetzt, den sie gehabt hatten, als sie in der Welt lebten, was im anderen Leben leicht geschieht; da wurde ihnen die Frage nahegelegt, ob sie glaubten, daß ein Mensch mit Geistern reden könne: sie sagten dann in diesem Zustand, es sei ein Wahn, so etwas zu glauben, und dies behaupteten sie steif und fest. Daraus war zu erkennen, wie schwer der Mensch zu dem Glauben gebracht werden kann, daß irgendein Reden des Menschen mit Geistern stattfinden könne, weil man nämlich nicht glaubt, daß es Geister gibt, und noch weniger, daß man nach dem Tod unter die Geister kommen werde, worüber sich auch ebendieselben alsdann gar sehr wunderten; und doch gehörten sie zu den Gelehrteren, und hatten in der Welt vor dem Volke viel vom anderen Leben, vom Himmel und von den Engeln gesprochen, so daß man hätte glauben können, es sei ihnen dies eine wissenschaftlich ganz ausgemachte Sache, besonders aus dem Worte, wo häufig davon die Rede ist.

*1637. Zu den Wunderdingen, die sich im anderen Leben finden, gehört auch dies, daß das Reden der Geister mit dem Menschen in dessen Muttersprache geschieht, die sie so fertig und geschickt reden, wie wenn sie in demselben Lande geboren und in derselben Sprache erzogen worden wären, und zwar dies ohne Unterschied, mögen sie nun aus Europa, oder aus Asien, oder aus einem anderen Weltteil sein. In gleicher Weise diejenigen, die vor Tausenden von Jahren gelebt hatten, ehe diese Sprache existierte. Ja die Geister wissen nicht anders, als daß die Sprache, in der sie mit dem Menschen reden, ihre eigene und die ihres Vaterlandes sei. Ebenso verhält es sich mit anderen Sprachen, die der Mensch versteht. Außer diesen aber können sie, wofern ihnen dies nicht unmittelbar vom Herrn gegeben worden ist, kein Wörtchen einer anderen Sprache vorbringen.

Auch die Kinder, die gestorben sind, bevor sie eine Sprache gelernt hatten, reden in gleicher Weise. Die Ursache ist aber, weil die Sprache, mit der die Kinder vertraut sind, nicht eine Wörtersprache, sondern eine Sprache der Denkvorstellungen ist, welche die allen Sprachen zugrundeliegende Universalsprache ist (universalis omnium linguarum); und wenn sie beim Menschen sind, so fallen die Vorstellungen (ideae) ihres Denkens in die Wörter, die beim Menschen sind, und dies in so entsprechender und passender Weise, daß die Geister nicht anders wissen, als daß die Wörter selbst ihre eigenen seien, und daß sie in ihrer Sprache reden, während sie doch in der Sprache des Menschen reden. Ich sprach hierüber einige Male mit den Geistern.

Mit dieser Gabe werden alle Seelen beschenkt, sobald sie ins andere Leben kommen, daß sie nämlich die Sprachen aller, die auf dem ganzen Erdkreis sind, verstehen können, ganz so, wie wenn sie in den selben geboren wären, denn sie nehmen alles wahr, was der Mensch denkt; außer anderen Fähigkeiten, die noch höher stehen. Daher kommt, daß die Seelen nach dem Tode des Körpers mit allen, welcher Gegend und Sprache sie auch angehören mögen, reden und umgehen können.

*1638. Die Wörter, durch die sie reden, d.h. die sie aus dem Gedächtnis des Menschen erwecken und herausnehmen, sind gewählt und klar, sinnvoll, deutlich ausgesprochen, zur Sache passend; und merkwürdigerweise wissen sie die Worte besser und gewandter zu wählen als der Mensch selbst, ja sie kennen, wie dies gezeigt worden, die verschiedenen Bedeutungen der Wörter, die sie augenblicklich anwenden, ohne sich vorher irgend darauf besonnen zu haben, und dies darum, weil die Begriffe (ideae) ihrer Sprache nur in diejenigen Wörter einfließen, die dazu passen. Es verhält sich damit beinahe wie wenn ein Mensch spricht, und nicht an die Wörter denkt, sondern bloß im Sinn der Wörter ist: alsdann fällt diesem gemäß der Gedanke schnell und von selbst in die Wörter. Es ist der innere Sinn, der die Wörter hervorbringt. In einem solchen inneren Sinn, der nur noch feiner und vortrefflicher ist, besteht die Sprache der Geister, durch die der Mensch, obwohl ohne sein Wissen, Gemeinschaft mit den Geistern hat.

*1639. Die Wörtersprache ist die den Menschen eigene Sprache, und zwar die ihres körperlichen Gedächtnisses, hingegen die Sprache der Denkvorstellungen ist die Sprache der Geister, und zwar die des in wendigen Gedächtnisses, welches das Gedächtnis des Geistes ist. Daß sie dieses haben, wissen die Menschen nicht, weil das Gedächtnis der besonderen oder materiellen Dinge, das körperlich ist, alles ausmacht, und das inwendige verdunkelt, während doch der Mensch ohne das inwendige, seinem Geist eigene Gedächtnis, nichts denken kann. Aus diesem Gedächtnis habe ich öfter mit den Geistern gesprochen, somit in ihrer eigenen Sprache, d.h. durch Denkvorstellungen. Wie allumfassend (universalis) und reich diese Sprache ist, kann daraus erhellen, daß jedes Wort einen Begriff (ideam) von großem Umfang hat; denn es ist bekannt, daß der Begriff eines Wortes durch viele auseinandergesetzt wer den kann, mehr noch der Begriff eines Dinges und noch mehr derjenige von vielen Dingen, die in ein Zusammengesetztes verbunden werden können, das gleichwohl als ein Einfaches erscheint. Woraus erhellen kann, von welcher Beschaffenheit die natürliche Sprache der Geister unter sich ist, und durch welche Sprache der Mensch mit den Geistern verbunden wird.

*1640. Es ist mir gegeben worden, nicht nur dasjenige deutlich wahrzunehmen, was die Geister mit mir sprachen, sondern auch, wo sie sich alsdann befanden, ob über dem Haupt oder unterhalb desselben, ob zur Seite rechts oder links, am Ohr oder anderwärts neben oder inner halb des Körpers, in welcher Entfernung, ob entfernter oder näher; denn aus verschiedenen Orten oder Stellungen, in denen sie sich je nach ihrer Stellung im Größten Menschen befanden, d.h. je nach ihrem Zustand, haben sie mit mir gesprochen.

Es wurde mir auch wahrzunehmen gegeben, wann sie kamen und wann sie gingen, wohin und bis wie weit, ob es viele oder wenige waren, und so noch vieles andere.

Dann durfte ich auch aus ihrer Rede wahrnehmen, von welcher Art sie waren, denn aus der Rede, desgleichen aus ihrer Sphäre geht deutlich hervor, welchen Charakter und welche Anlagen sie haben, dann auch welche Überzeugung und welche Neigungen, so z.B. wenn sie trügerisch sind, so wird, obschon während ihrer Rede kein Betrug hervortritt, doch die Gattung und Art des Betruges an den einzelnen Wörtern und Vorstellungen erkannt. Ja alle übrigen Bosheiten und Begierden, so daß nicht nötig ist, sie umständlich zu erforschen; es ist in jedem Wort und in jeder Vorstellung ein Bild davon. Es wird auch wahrgenommen, ob die Vorstellung ihrer Rede verschlossen oder offen ist; dann auch, was sie aus sich, was von anderen, und was sie vom Herrn her haben.

Es verhält sich damit beinahe wie mit der Miene beim Menschen, an der auch, ohne daß er spricht, erkannt zu werden pflegt, ob etwas Verstelltes, etwas Trügerisches, etwas Freudiges, etwas Heiteres von Natur oder durch Kunst, etwas aus dem Herzen kommendes Freundschaftliches, etwas Sittsames, auch ob etwas Unsinniges da ist. Zuweilen kommt dergleichen auch mit dem Ton seiner Rede zum Vorschein. Wieviel mehr im anderen Leben, wo das Innewerden eine solche Wahrnehmung weit übertrifft. Ja, noch ehe der Geist spricht, wird schon an seinem Denken erkannt, was er zu reden beabsichtigt, denn das Denken fließt schneller und früher ein als die Rede.

*1641. Die Geister im anderen Leben reden unter sich wie die Menschen auf Erden, und zwar die, welche gut sind, in aller Vertraulichkeit der Freundschaft und der Liebe, wie ich dies oft angehört habe, und zwar in ihrer Sprache, in der sie in einer Minute mehr ausdrücken können als der Mensch in der Zeit von einer Stunde vermag, denn ihre Sprache ist die Universalsprache, die allen Sprachen zugrunde liegt mittels der ursprünglichen Begriffe der Wörter. Sie reden von den Dingen so scharfsinnig und einsichtsvoll, durch so viele Reihen von der Ordnung nach aufeinanderfolgenden und überzeugenden Gründen, daß der Mensch, wenn er es wüßte, staunen würde. Sie verbinden damit Überzeugung und Gefühl und beleben so (die Rede); zuweilen auch zugleich durch Vorbildungen in anschaulicher, somit in lebendiger Weise. Ist z.B. die Rede vom Schamgefühl, ob es möglich sei ohne Ehrerbietung, so kann dies beim Menschen nur erörtert werden durch viele Vernunftschlüsse aus Beweisen und Beispielen, und er bleibt dennoch im Zweifel, beim Geist dagegen in einer Minute durch die der Ordnung nach wechselnden Zustände des Gefühls der Scham, dann der Ehrerbietung; und so durch Zusammenstimmungen und Nichtzusammenstimmungen, die man erkannt und zugleich in den der Rede beigefügten Vorbildungen geschaut hat, aus denen man augenblicklich die Schlußfolgerung er kennt, die so von selbst hervorgeht aus den auf diese Art zur Übereinstimmung gebrachten Widersprüchen; ebenso in allem übrigen. In diese Fähigkeit kommen die Seelen sogleich nach dem Tode; und es tun als dann die guten Geister nichts lieber als die Neuangekommenen und die Unwissenden zu belehren.

Die Geister selbst wissen nicht, daß sie unter sich in einer so vorzüglichen Sprache reden und mit einer so vortrefflichen Gabe ausgerüstet sind, wenn ihnen nicht vom Herrn gegeben wird, darüber nachzudenken, denn diese Sprache ist für sie eine natürliche und zudem angeborene. Es verhält sich damit wie mit dem Menschen, wenn er seine Aufmerksamkeit richtet auf den Sinn der Dinge, nicht auf die Wörter und die Sprache, daß er nämlich ohne Reflexion zuweilen auch nicht weiß, in welcher Sprache er redet.

*1642. Dies nun ist die Sprache der Geister. Aber die Sprache der en gelischen Geister ist noch umfassender und vollkommener, und die der Engel ist noch umfassender und vollkommener; denn es sind, wie schon früher gesagt wurde, drei Himmel: der erste ist, wo die guten Geister, der zweite wo die engelischen Geister, und der dritte, wo die Engel sind. Die Vollkommenheiten steigen in dem Verhältnis, in dem das Auswendige zu dem Inwendigen steht; um es durch Vergleichung zu erkennen: beinahe in demselben Verhältnis, in dem das Gehör zum Gesicht und das Gesicht zum Denken steht; denn was das Gehör mittels der Rede in einer Stunde auffassen kann, das kann vor dem Gesicht in einer Minute dargestellt werden, wie z.B. die Ansicht von Gefilden, Palästen und Städten; und was man mit dem Auge in mehreren Stunden sehen kann, das kann man mit dem Denken in einer Minute begreifen. In einem solchen Verhältnis steht die Rede der Geister zu der Rede der engelischen Geister, und die Rede dieser letzteren zur Rede der Engel; denn die engelischen Geister begreifen klar durch eine Vorstellung der Rede oder des Denkens mehr als die Geister durch einige Tausende, und die Engel ebenso im Vergleich mit den engelischen Geistern. Wie wird es dann beim Herrn sein, von dem alles Leben der Neigung (affectionis), des Denkens und der Rede kommt, und der allein das Reden (sermo) und das Wort ist?

*1643. Die Rede der engelischen Geister ist unbegreiflich. Um nur weniges von ihrer Rede, jedoch bloß von der vorbildlichen, zu sagen, so wird die Sache selbst vorbildlich dargestellt in wunderbarer Form, die abgezogen ist von den Gegenständen der Sinne; und von den lieblichsten und schönsten Vorbildungen in unzähligen Weisen immer wieder in andere übergeht, mit fortwährendem Einfluß von Gefühlen aus dem Seligen der gegenseitigen Liebe, das durch den oberen Himmel vom Herrn her einfließt, von welchem Einfluß alles und jedes gleichsam lebt. Jegliche Sache wird so dargestellt, und zwar in fortlaufend zusammenhängenden Reihenfolgen; nicht einmal eine einzige Vorbildung in irgendeiner Reihe kann verständlich beschrieben werden.

Dies ist es, was in die Vorstellungen der Geister einfließt, aber diesen erscheint es nur als etwas anregendes Allgemeines, das einfließt ohne klar geschiedene Wahrnehmung dessen, was klar geschieden bei den engelischen Geistern wahrgenommen wird.

*1644. Es gibt sehr viele inwendig bösere Geister (mali interiores), die auch nicht reden wie die Geister, sondern ebenfalls in den Prinzipien der Ideen, somit noch feiner sind als die Geister; es gibt eine große Menge solcher Geister. Sie sind aber ganz geschieden von den engelischen Geistern und können ihnen nicht einmal nahen.

Diese feineren bösen Geister knüpfen auch ihre Vorstellungen in abgezogener Weise an Gegenstände und Sachen, jedoch an unsaubere an und bilden sich in diesen verschiedenerlei Dinge vor, aber unsaubere, und hüllen ihre Vorstellung in solche ein. Sie sind gleichsam albern (fatui).

Ihre Rede ist mir bekannt geworden, sodann auch vorgebildet durch unreinen Auswurf aus einem Gefäß; und das Intellektuelle ihrer Rede wurde mir vorgebildet durch das Hinterteil eines Pferdes, dessen Vorderteil nicht erschien, denn das Intellektuelle wird in der Geisterwelt durch Pferde vorgebildet.

Die Rede der engelischen Geister hingegen wurde vorgebildet schön, in ein weißliches, an ein Bruststück sich Gewand gekleidet, mit anständiger Haltung des durch eine Jungfrau, eng anschmiegendes Körpers.

*1645. Die Rede der Engel hingegen ist unaussprechlich; weit über der Rede der Geister, weit über der der engelischen Geister, und dem Menschen, solange er im Körper lebt, in keiner Weise verständlich. Auch die Geister in der Geisterwelt können sich keine Vorstellung davon machen, denn sie übersteigt die Fassungskraft ihres Denkens.

Ihre Rede ist nicht eine Rede von Sachen, die vorgebildet werden durch irgendwelche Vorstellungen, wie sie die Geister und die engelischen Geister haben, sondern sie ist eine Rede der Endzwecke und der aus ihnen hervorgehenden Nutzwirkungen, die das Uranfängliche (principialia) und Wesentliche der Dinge sind. In diese werden die engelischen Gedanken hineingelegt und wechseln mit unendlicher Mannigfaltigkeit. Und in allem und jedem dieser Rede ist eine inwendigere Lust und Seligkeit aus dem Guten der gegenseitigen Liebe vom Herrn her, sowie Schönes und Ergötzliches aus dem Wahren des Glaubens von daher. Die Endzwecke und die aus ihnen hervorgehenden Nutzwirkungen sind gleichsam die zartesten Aufnahmegefäße und lieblichen Träger von unzählig vielen Variationen, und zwar dies durch unbegreifliche himmlische und geistige Formen. In diesen werden sie vom Herrn ge halten, denn das Reich des Herrn ist nur ein Reich der Endzwecke und Nutzwirkungen; daher auch die Engel, die beim Menschen sind, auf nichts anderes merken als auf die Absichten und Nutzzwecke und nichts anderes aus dem Denken des Menschen herausholen; um das übrige, das ideell und materiell ist, bekümmern sie sich nicht, weil dasselbe weit unter ihrer Sphäre ist.

*1646. Die Rede der Engel erscheint zuweilen in der Geisterwelt, und so vor dem inwendigeren Gesicht wie das Schwingen des Lichtes oder einer glänzenden Flamme, und zwar mit Variationen gemäß dem Zustand der Gefühle ihrer Rede. Nur das Allgemeine ihrer Rede in betreff der Zustände des Gefühls, wie es aus unzähligem Unterschiedenen hervorgeht, ist es, was so vorgebildet wird.

*1647. Die Rede der himmlischen Engel ist unterschieden von der Rede der geistigen Engel, und noch unaussprechlicher und unbeschreiblicher; es ist das Himmlische und Gute der Absichten, in das ihre Gedanken hineingelegt werden, und sie sind deswegen in der Seligkeit selbst. Und, was wunderbar ist, ihre Rede ist viel reicher, denn sie sind in den eigentlichen Quellen und Ursprüngen des Lebens, des Denkens und Redens.

*1648. Es gibt eine Rede der guten Geister und der engelischen Geister, die ein Zusammensprechen vieler ist, hauptsächlich in Kreisen (gyris) oder Chören, wovon, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, in der Folge die Rede sein wird. Das Reden in Chören, das ich öfters gehört habe, hat gleichsam einen rhythmischen Fall. Sie denken nicht an die Worte oder Ideen; die Empfindungen ergießen sich von selbst in dieselben, es fließen keine Worte oder Vorstellungen ein, die den Sinn vervielfältigen oder anderwärts hinwegziehen, oder denen etwas Künstliches anklebt, oder was sich zierlich dünkt aus sich oder aus Selbstliebe; denn solches würde sogleich eine Störung verursachen. Sie bleiben an keinem Wort hängen, sie denken an den Sinn, die Worte sind die sich von selbst ergebenden Folgen des eigentlichen Sinnes. Sie endigen sich in Einheiten, meistens in einfache; wenn in zusammengesetzte, so wälzen sie sich durch den Akzent in die folgende. Dies kommt daher, daß sie im Verein denken und reden, weshalb sich die Form der Rede gemäß der Verbindung und Einmütigkeit des Vereins fortbewegt. Von dieser Art war ehemals die Form der Lieder, und von solcher Art ist die der Psalmen Davids.

*1649. Wunderbar ist, daß die sich wie rhythmisch oder harmonisch fortbewegende Redeweise der Lieder eine den Geistern natürliche ist. Sie reden so unter sich, ihnen selbst unbewußt. In die Weise selbst, so zu reden, kommen die Seelen sogleich nach dem Tode; in die gleiche bin ich eingeführt worden, und sie wurde mir endlich vertraut. Der Grund, warum sie so beschaffen ist, ist der, weil sie im Verein reden, allermeist ohne es zu wissen. Der klarste Beweis, daß alle in Vereine geschieden sind, und daß sich von daher alles in die Formen der Vereine ausprägt.

*1757. Das Reden der Geister mit dem Menschen geschieht, wie früher gesagt wurde, durch Wörter (voces), hingegen die Rede der Geister unter sich durch die Ideen, die den Wörtern zugrunde liegen (per ideas, originarias vocum) von der Art der Denkbilder, aber nicht so dunkel, wie sie der Mensch hat, solange er noch im Körper lebt, jedoch unterschieden (distinctae), wie sie es in der Rede sind.

Das menschliche Denken wird nach dem Abscheiden des Körpers bestimmter (distinctior) und klarer, und die Denkvorstellungen werden getrennte (discretae), so daß sie zu bestimmten Redeformen (pro formis loquelae distinctis) dienen; denn das Dunkle ist mit dem Körper verschwunden und so das Denken gleichsam von seinen Fesseln, in die es verstrickt war, folglich von den Schatten, die es eingehüllt hatten, befreit. Es wird mehr augenblicklich, daher gegenwärtiger die Anschauung, Wahrnehmung (apperceptio) und Aussprache des einzelnen.

*1758. Die Rede der Geister ist verschieden, eine jede Gesellschaft oder Familie von Geistern kann man an der Rede erkennen, ja einen jeden Geist, kaum anders als die Menschen. Und nicht allein durch die Gefühle (affectiones), die das Leben der Rede ausmachen und welche die Worte erfüllen und tragen, wie durch die Akzente, sondern auch durch die Töne, wie auch durch andere Anzeichen, die sich nicht so bestimmen lassen.

*1759. Die Rede der himmlischen Geister kann nicht leicht in artikulierte Töne und Worte beim Menschen einfließen, denn sie kann in kein Wort eingefügt werden, in dem etwas zischend Tönendes (sonans stridule) ist, oder dem eine etwas harte Verdoppelung von Konsonanten zugrunde liegt, auch nicht in ein Wort, dem eine aus dem Wissenschaftlichen stammende Vorstellung zugrunde liegt, daher sie selten in die Rede anders einfließen als durch Gefühle (affectiones), die wie eine Strömung oder ein Lufthauch (instar fluvii aut aurae) die Wörter weich machen.

Die Rede der Geister, welche die Mitte bilden zwischen den Himmlischen und den Geistigen, ist süß, gleich der mildesten Atmosphäre dahinfließend, die aufnehmenden Organe sanft berührend und die Worte selbst erweichend, auch rasch und bestimmt. Der Fluß und die Anmut der Rede kommt daher, daß das himmlisch Gute in ihren Ideen so beschaffen ist und keinerlei Widerstreit zwischen der Rede und dem Denken stattfindet. Alles lieblich Harmonische im anderen Leben kommt von der Güte und Liebe.

Die Rede der Geistigen ist auch fließend, aber nicht so weich und sanft, diese sind es, die hauptsächlich reden.

*1760. Auch bei den bösen Geistern gibt es eine fließende Rede, aber nur auswendig für das Gehör, inwendig aber ist sie zischend, weil sie aus angenommenem Schein (ex simulatione) des Guten und keiner wirklichen Neigung dazu kommt. Es gibt auch eine Rede solcher Geister ohne Fließendes, in der die Nichtübereinstimmung der Gedanken wahr genommen wird wie etwas still dahin Schleichendes (ut tacitum reptile).

*1761. Es gibt Geister, die nicht in der Weise der Strömung ein fließen, sondern durch gleichsam aus Linien bestehende, mehr oder weniger scharfe Schwingungen und Rückstöße. Ebendieselben fließen nicht bloß ein mit der Rede, sondern auch mit der Antwort. Sie sind diejenigen, die das Inwendigere des Wortes aus mehrfachen Gründen verwerfen wobei sie den Menschen als ihr Werkzeug und als etwas Geringfügiges ansehen und nur das Ihre suchen.

*1762. Es gibt Geister, die nicht reden, sondern durch Veränderungen, die sie meinem Angesicht beibrachten, die Gesinnungen ihrer Seele ausdrückten und die Ideen so lebhaft darstellten, daß sich dadurch ihr Denken wie in einem Bilde zeigte. Dies geschah durch Variationen um die Gegend der Lippen herum und von da ins Angesicht hinein, sodann um die Augen herum, während sie die inwendigeren Empfindungen ihrer Seele mitteilen: um das linke Auge, wenn Wahrheiten und Gefühle (affectiones) für das Wahre, um das rechte, wenn Gutes und Gefühle für das Gute.

*1763. Es ließ sich auch ein gleichzeitiges Reden mehrerer Geister hören, wellenförmig sich fortbewegend gleich einer Rolle und ins Gehirn einfließend mit verschiedener Endung.

Sodann ist da die Rede gewisser Geister, die vierfach (quadruplicato) endigt, gleichsam nach dem Takt und Schall der Drescher. Diese Geister sind von anderen abgesondert, sie verursachen dem Kopf einen Schmerz wie das Ziehen eines Röhrgeschwürs (tanquam attractionis sy ringicae).

Es ließen sich solche hören, die mit lauter Stimme redeten, aber gleichsam inwendig in ihnen, doch immer so, daß die Rede zum Gehör gelangte; andere, die mittels eines Herausstoßens der Worte wie aus dem Bauche redeten. Sie sind solche, die gar nicht achten wollen auf den Sinn der Sache, sondern von anderen zum Reden angetrieben werden.

Ich hörte solche, die in rauhem, wie in zwei Teile gespaltenem (sicut bifido) Tone redeten, sie machen sich an die linke Seite unter dem Ellenbogen, auch an das linke Ohrläppchen.

Dann auch solche, die nicht laut reden konnten, sondern wie die, welche an Rheumatismus leiden. Zu ihnen gehören die, welche in der Absicht zu schaden, anderen ihre Geheimnisse entlocken, indem sie sich in ihre Lieblingsneigungen einschmeicheln.

Es gibt kleine Geister, die, obwohl sie wenige sind, dennoch reden wie eine große Menge, wie donnernd. Sie wurden über dem Haupt gehört, und ich meinte, es sei eine Menge, aber dann kam einer zu mir an die linke Seite unter dem Arm, und redete ebenso mit donnernder Stimme; auch heim Weggehen machte er es so. Woher solche sind, davon, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, anderwärts. Aber diese Arten der Rede sind seltener.

Dergleichen wird, was wunderbar ist, so hell und laut gehört von dem, welchem die inwendigen Gehörorgane geöffnet sind, ebenso auch von den Geistern, wie die Töne und Reden des Menschen auf der Erde gehört werden; aber durchaus nicht von dem, welchem sie nicht geöffnet sind.

*1764. Einmal redeten auch Geister mit mir durch lauter sichtbare Vorbildungen, indem sie verschiedenfarbige Flammen, Lichter, auf und niedersteigende Wolken, verschiedenartige Häuschen und Gerüste, Gefäße, verschieden gekleidete Personen, und vieles andere darstellten, was alles sinnbildlich bezeichnend war, und woraus allein man schon wissen konnte, was sie wollten.


*1767. Von der Heiligen Schrift oder dem Wort, das göttliche Dinge in sich birgt, die vor den guten Geistern und Engeln offen da liegen.

Wenn das Wort des Herrn von einem Menschen gelesen wird, der das Wort liebt und in Liebtätigkeit lebt, wie auch von einem Menschen, der aus einfältigem Herzen glaubt, was geschrieben steht und sich nicht selbst eigene Grundsätze gegen das im inneren Sinn liegende Glaubenswahre gebildet hat, so wird es vom Herrn vor den Engeln in solcher Schönheit und in solcher Lieblichkeit dargestellt, auch wohl mit Vorbildungen, und zwar in unbeschreiblicher Mannigfaltigkeit, ganz gemäß dem Zustand, in dem sie sich gerade befinden, daß man ein Gefühl hat, als ob alles einzelne Lehen hätte, und dies ist eben das Leben, das im Wort ist und aus dem das Wort entstand, als es aus dem Himmel herniederkam. Infolgedessen ist das Wort des Herrn so beschaffen, daß es, obwohl es im Buchstaben schmucklos (rude) erscheint, dennoch inwendig geistige und himmlische Dinge birgt, die vor den guten Geistern und vor den Engeln offen da liegen, wenn es vom Menschen gelesen wird.

*1768. Daß sich das Wort des Herrn vor den guten Geistern und vor den Engeln so darstellt, wurde mir zu sehen und zu hören gegeben; daher ich die Erfahrungen selbst anführen darf.

*1769. Ein gewisser Geist kam nicht lange nach seinem Abscheiden aus dem Leibe zu mir, was ich daraus schließen konnte, daß er noch nicht wußte, daß er im anderen Leben sei, indem er meinte, er lebe noch in der Welt. Ich merkte, daß er sich den Studien gewidmet hatte, wovon ich mit ihm sprach. Aber alsdann wurde er plötzlich in die Höhe gehoben, worüber ich mich wunderte und vermutete, daß er zu denen gehörte, die nach hohen Dingen trachteten, denn solche werden gewöhnlich in die Höhe gehoben; oder daß er den Himmel in die höchste Höhe gesetzt habe, die gleichfalls in die Höhe gerückt zu werden pflegen, damit sie daraus erkennen möchten, daß der Himmel nicht in der Höhe, sondern im Inneren ist. Aber bald wurde ich gewahr, daß er erhoben wurde zu den engelischen Geistern, die vorwärts, ein wenig zur Rechten, auf der ersten Schwelle (limine) des Himmels waren; von da aus sprach er nachher mit mir, und sagte, daß er erhabenere Dinge sehe, als je menschliche Gemüter fassen könnten. Als dies geschah, las ich das erste Kapitel des 5. Buches Mose vom jüdischen Volk, daß Kundschafter abgesandt worden seien, die das Land Kanaan, und was darin sich findet, erforschen sollten. Als ich dies las, sagte er, er vernehme gar nichts von dem, was im Buchstabensinn, sondern nur, was im geistigen Sinn ist, und dies seien Wunderdinge, die er nicht beschreiben könne. Dies geschah auf der ersten Schwelle des Himmels der engelischen Geister, wie wird es also sein in diesem Himmel selbst, und wie im engelischen Himmel!

Einige bei mir befindliche Geister, die früher nicht geglaubt hatten, daß das Wort des Herrn so beschaffen sei, fingen nun an zu bereuen, daß sie es nicht geglaubt hatten. Sie sagten in diesem Zustand, sie glaubten, weil sie jenen hätten sagen hören, er habe gehört, gesehen und empfunden, daß dem so ist. Andere Geister aber beharrten noch in ihrem Unglauben und sagten, es sei dem nicht so, sondern es seien Phantasien; daher auch diese plötzlich erhoben wurden, und von da aus mit mir redeten und gestanden, daß es nichts weniger als Phantasie sei, da sie in Wirklichkeit inne würden, daß dem so ist, und zwar mit einer schärferen Empfindung (perceptione exqusitiore), als im Leben des Körpers einem Sinne jemals gegeben werden könne.

Bald darauf wurden auch andere in denselben Himmel erhoben, und unter ihnen einer, den ich bei Leibesleben gekannt hatte, dieser bezeugte ebendasselbe und sagte unter anderem auch, daß er vor Staunen die Herrlichkeit des Wortes in seinem inneren Sinn nicht beschreiben könne; und indem er nun aus einem gewissen Mitleiden heraus redete, äußerte er, es sei zu verwundern, daß die Menschen gar nichts von solchen Dingen wissen. Außerdem sagte er, daß er von da aus meine Gedanken und meine Neigungen ganz durchschauen könne und in denselben mehr finde, als er aussprechen könnte, z.B. die Ursachen, die Einflüsse, woher und von denen die Vorstellungen, wie sie mit Irdischem vermischt seien, und daß dieses ganz und gar beseitigt werden müsse, und anderes mehr.

*1770. Zweimal nachher sah ich andere, die in den zweiten Himmel unter die engelischen Geister erhoben worden waren und von da aus mit mir redeten, als ich das dritte Kapitel des 5. Buches Mose von Anfang bis zu Ende las, sie sagten, sie seien bloß im inwendigeren Sinne des Wortes, und versicherten alsdann, daß da auch nicht ein Strichlein (apex) sei, in dem nicht ein innerer, auf das schönste mit dem übrigen zusammenhängender Sinn wäre, sodann daß die Namen Sachen bezeichnen. So wurden auch sie, die es vorher nicht geglaubt hatten, über zeugt, daß alles und jegliches im Worte vom Herrn eingegeben worden ist. Sie wollten dies sogar vor anderen mit einem Eidschwur bekräftigen, allein es wurde nicht zugelassen.

*1771. Einige Geister waren auch im Unglauben in Beziehung auf das Wort des Herrn, daß es dergleichen in seinem Schoß oder inwendig berge. Denn die Geister sind im anderen Leben im gleichen Unglauben, in dem sie bei Leibesleben waren, und derselbe wird nur zerstreut durch die vom Herrn vorgesehenen Mittel und durch lebendige Erfahrungen. Als ich daher einige Psalmen Davids las, wurde ihr inwendigeres Schauvermögen oder Gemüt geöffnet (diese wurden nicht unter die engelischen Geister erhoben), da erkannten sie (percipiebant) das Inwendigere des Wortes in jenen Psalmen und, hierdurch in Staunen versetzt, sagten sie, so etwas hätten sie nie geglaubt.

Dann wurde dieses Wort von mehreren anderen Geistern gehört, sie alle aber faßten es verschieden auf. Bei einigen erfüllte es ihre Denkvorstellungen mit vielen Lieblichkeiten und Lustgefühlen, also mit einem gewissen Leben, je nach der Fähigkeit eines jeden und zugleich mit einer bis zu ihrem Innersten dringenden Wirksamkeit, bei einigen mit einer so starken, daß es ihnen war, wie wenn sie gegen die inwendigeren Himmelssphären zu immer näher und näher zum Herrn erhoben würden, und zwar stufenweise, je nachdem die Wahrheiten und das den Wahrheiten innewohnende Gute sie anregte. Zugleich wurde dann das Wort zu einigen gebracht, die nichts vom inneren Sinn des Wortes faßten, sondern bloß vom äußeren oder buchstäblichen Sinn, diesen er schien der Buchstabe als leblos.

Hieraus erhellt, wie das Wort beschaffen ist, wenn der Herr es lebendig macht, daß es nämlich eine solche Wirksamkeit hat, daß es bis ins Innerste eindringt, und wie es beschaffen ist, wenn Er es nicht lebendig macht, daß es alsdann bloß ein Buchstabe ist, der kaum einiges Leben hat.

*1772. Vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn wurde mir auch vergönnt, in gleicher Weise das Wort des Herrn in seiner Schönheit im inneren Sinne zu sehen, und zwar oftmals, nicht wie es ist, wenn einzelne Wörter nach dem inneren Sinn erklärt werden, sondern alle und jedes in einem Zusammenhang, wovon man sagen kann, es heiße vom irdischen Paradies aus das himmlische Paradies sehen.

*1773. Geister, die sich bei Leibesleben am Wort des Herrn mit Lust ergötzt hatten, haben im anderen Lehen eine angenehme himmlische Wärme, die auch mir zu empfinden gegeben wurde.

Die Wärme solcher, die sich einigermaßen daran ergötzt hatten, wurde mir auch mitgeteilt, sie war wie Frühlingswärme, die von der Gegend der Lippen ausging und sich um die Wangen, und von da bis zu den Ohren verbreitete und dann aufstieg bis zu den Augen und ebenso herabstieg gegen die mittlere Gegend der Brust. Die Wärme solcher, die noch mehr angeregt worden waren von dem Ergötzen am Wort des Herrn und seinem Inwendigeren, das der Herr selbst gelehrt hatte, wurde mir ebenfalls mitgeteilt, sie war eine noch inwendigere, indem sie anfing von der Brust, von da sich erhob gegen das Kinn, und dann hinabstieg gegen die Lenden. Die noch mehr dadurch ergötzt und angeregt worden waren, hatten eine noch tiefer inwendige und angenehme, und noch frühlingshaftere Wärme, und zwar von den Lenden aufwärts gegen die Brust, und von da durch den linken Arm zu den Händen hin.

Ich wurde von den Engeln belehrt, daß sich die Sache so verhalte, und daß ihre Annäherung solche Wärme mit sich bringe, obwohl sie selbst sie nicht fühlen, weil sie darin sind, wie die Kinder, die Knaben und die Jünglinge ihre Wärme, deren sie mehr haben als die Erwachsenen und die Greise, nicht zu empfinden pflegen, weil sie in ihr sind.

Es wurde auch die Wärme derjenigen empfunden, die sich zwar am Wort ergötzt hatten, um dessen Verständnis aber nicht bekümmert gewesen waren, sie war bloß im rechten Arm.

Was die Wärme betrifft, so können auch böse Geister mit ihren Künsten eine Wärme hervorbringen, die den Schein des Angenehmen vortäuscht, und sie anderen mitteilen. Sie ist aber bloß eine äußerliche Wärme, die ihren Ursprung nicht aus dem Inneren hat. Eine solche Wärme hat Fäulnis zur Folge hat und geht ins Auswurfartige über, wie die Wärme der Ehebrecher und derjenigen, die in unreine Wollüste versunken sind.

*1774. Es gibt Geister, die vom Inwendigeren des Wortes nichts hören wollen, ja, obwohl sie es verstehen können, doch nicht wollen, sie sind hauptsächlich die, welche in die Werke ein Verdienst setzten, und zwar darum, weil sie das Gute aus Selbst- und Weltliebe getan hat ten, d.h. um sich Würde oder Reichtum und dadurch Ruf zu verschaffen, somit nicht um des Reiches des Herrn willen. Solche wollen im anderen Leben vor den übrigen in den Himmel eingehen, sie bleiben aber außerhalb des Himmels, denn sie wollen nicht mit Erkenntnissen des Wahren ausgerüstet und so vom Guten angeregt werden, indem sie den Sinn des Wortes nach dem Buchstaben ihren Phantasien gemäß er klären, und alles aus demselben hervorholen, was den Begierden Beifall zulächelt. Solche wurden vorgebildet durch ein altes Weib von unschönem, aber dennoch glänzend weißem, bleichem Angesicht, von unregelmäßigen Zügen, durch die es eben häßlich war. Wogegen aber die, welche das Inwendigere des Wortes annehmen und lieben, vorgebildet wurden durch ein Mädchen in ihrem ersten jungfräulichen Alter oder ihrer Jugendblüte, anständig gekleidet, mit Kränzchen und himmlischem Schmuck.

*1775. Ich sprach mit einigen Geistern über das Wort, daß es unumgänglich war, daß irgendeine Offenbarung durch die göttliche Vorsehung des Herrn erfolgte; denn die Offenbarung oder das Wort ist das allgemeine Aufnahmegefäß geistiger und himmlischer Dinge, somit das den Himmel und die Erde Verbindende, sonst wären diese voneinander geschieden gewesen und das Menschengeschlecht zugrunde gegangen. Ganz zu schweigen davon, daß irgendwo himmlische Wahrheiten sein mußten, durch die der Mensch belehrt würde, weil er zum Himmlischen geboren ist und nach dem Leben des Körpers unter die Himmlischen kommen soll; denn die Wahrheiten des Glaubens sind die Gesetze der Ordnung in dem Reich, in dem er in Ewigkeit leben soll.

*1776. Es kann als widersinnig erscheinen, ist aber dennoch ganz gewiß wahr, daß die Engel besser und völliger den inneren Sinn des Wortes verstehen, wenn kindliche Knaben und Mädchen es lesen, als wenn es von Erwachsenen geschieht, die nicht im Glauben der Liebtätigkeit stehen. Als Grund hiervon wurde mir gesagt, weil die kindlichen Knaben und Mädchen im Stande der gegenseitigen Liebe und der Unschuld, somit ihre sehr zarten Gefäße beinahe himmlisch und nur Fähigkeiten sind, aufzunehmen, die so vom Herrn gehörig geordnet werden können, obwohl dies nicht zu ihrem Bewußtsein gelangt, außer durch einen gewissen ihren Sinnesarten angemessenen Lustreiz.

Von den Engeln wurde gesagt, daß das Wort des Herrn ein toter Buchstabe sei, daß es aber im Leser vom Herrn lebendig gemacht werde gemäß der Fähigkeit eines jeden, und daß es lebendig werde, gemäß dem Zustand seiner Liebtätigkeit und Unschuld, und zwar mit unzähliger Mannigfaltigkeit.

*1869. Wieviel in einem einzigen Ausdruck des Wortes Gottes liegt, wurde mir dadurch gezeigt, daß mir die Denkvorstellungen aufgeschlossen wurden. Im anderen Leben kann dieses merkwürdigerweise so lebendig geschehen, daß die Vorstellungen selbst sichtbar in einer Gestalt erscheinen, somit wie gemalte Bilder sind. So wurden die Vorstellungen eines solchen, der in Liebtätigkeit oder gegenseitiger Liebe gelebt und, als er noch in der Welt lebte, am Worte Gottes seine Freude gehabt hatte, aufgeschlossen, und da erschienen unzählige schöne Dinge mit so Wonnevollem und Lieblichem, daß es rührend war. Und man sagte, daß diese Dinge, die in solcher Weise sichtbar erscheinen, ihrem Inwendigeren nach abermals aufgeschlossen werden könnten, nach dessen Aufschließung dann noch Schöneres und Wonnevolleres mit dem eigentlichen Seligen sich darstelle. Alle Engelsvorstellungen sind von dieser Art, denn sie sind vom Herrn selbst aufgeschlossen.

Es wurde dies von Geistern, die sich verwunderten, daß im anderen Leben die Denkvorstellungen so aufgeschlossen werden können, beleuchtet durch das Sehen des Auges, dessen Sehkraft so stumpf und dunkel ist, daß sie die kleineren Gegenstände der Natur, in denen Unzähliges liegt, nicht anders sehen kann als einen dunklen, unförmigen und schwarzen Punkt; wenn aber ebendieselben durch ein Mikroskop betrachtet werden, so stellt sich das Inwendigere sichtbar dar in schöner Verkettung verbunden und in ansprechender Ordnung ineinanderfließend; und daß diese inwendigen Dinge in gleicher Weise durch ein noch stärker vergrößerndes Mikroskop noch weiter aufgeschlossen werden könnten. Hieraus konnte erhellen, wie es sich mit dem inneren Gesichtssinn verhält, dessen Strahlen nichts anderes sind als Vorstellungen, daß sie nämlich an sich so dicht (crassae) sind, daß es in dieser Sphäre nichts Dichteres geben kann, obwohl der Mensch es nicht meint. Von den Vorstellungen (ideis) aber, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, in der Folge.

*1870. Ebenso verhält es sich mit dem Wort des Herrn: die einzelnen Wörter in ihm gestalten ihre Vorstellungen, denn ein Wort ist nichts als eine Vorstellung, die so gestaltet ist, daß man den Sinn faßt. Es liegen darin so unzählig viele Dinge, die nicht zum Bewußtsein (ad perceptionem) des Menschen kommen können, sondern bloß zu dem der Engel, daß man es gar nicht glauben kann. Wenn dieselben vom Herrn aufgeschlossen werden, so stellen sich die inwendigeren Gestalten dem Bewußtsein durch Wonniges und Seliges und dem Gesichtssinn durch Vorbildliches und Paradiesisches dar; jenes aus den himmlischen und geistigen Dingen der Liebe oder Barmherzigkeit des Herrn, dieses von den Strahlen des Lichtes von daher.

Es wurde mir durch eine wunderbare Erfahrung gezeigt, daß das Wort nicht allein in betreff der einzelnen Wörter, sondern auch in betreff der einzelnen Buchstaben eines jeden Wortes, ja in betreff des kleinsten Jotas, eingegeben (inspiratum) ist; denn in jedem Jota ist etwas von der Anregung und dem Leben, welches als das Gemeinsame dem Aus druck angehört, und so in das einzelnste in entsprechender Weise hin eingelegt ist. Allein dies kann ohne vorgängige Kenntnis vieler Dinge ganz und gar nicht verständlich erklärt werden.

*1871. Wie das Wort des Herrn vor den Engeln erscheint, kann nicht beschrieben werden. Einigermaßen aber können sich diejenigen einen Begriff davon machen, die in den physikalischen Kabinetten (incimeliis) optische Zylinder gesehen haben, in denen sich schöne Bilder darstellen von den Dingen, die ringsherum durcheinander hingeworfen sind. Obwohl hier die ringsumher liegenden Dinge als form-, zusammenhangs- und ordnungslos, und nur als verworren hingeworfenes Zeug erscheinen, so stellen sie doch, wenn sie gegen den Zylinder hin konzentriert werden, ein liebliches Bild darin dar. So verhält es sich mit dem Wort des Herrn, besonders dem prophetischen des Alten Testaments: im buchstäblichen Sinn erscheint es kaum anders, denn als etwas Ungeordnetes. Wenn es aber von einem Menschen, besonders von einem kindlichen Knaben oder Mädchen gelesen wird, so wird es stufenweise, wie es sich erhebt, immer schöner und lieblicher, und zuletzt stellt es sich vor dem Herrn dar wie das Bild eines Menschen, in welchem und durch welches der Himmel in seinem Inbegriff vorgebildet wird, nicht wie er ist, sondern wie der Herr will, daß er sein möchte, nämlich Sein Ebenbild.

*1872. Es erschien mir ein Mädchen von schönem und blendend weißem Angesicht, schnell zur Rechten hin nach oben gehend, mit etwas beschleunigtem Schritt; dem Alter nach wie in der ersten Blüte, nicht Kind und auch noch nicht Jungfrau, in schwarzem, glänzendem und geschmackvollem Gewand, so eilte sie freudig von Licht zu Licht. Es wurde gesagt, daß das Inwendigere des Wortes so beschaffen sei, so bald es sich erhebt. Das schwarze Kleid war das Wort im Buchstaben. Nachher flog das junge Mädchen gegen die rechte Wange hin, jedoch bloß von dem inwendigeren Gesichtssinn wahrgenommen. Es wurde gesagt, daß es das sei, was vom inneren Sinn des Wortes nicht zur Fassungskraft gelangt.

*1873. Es redeten die Geister vom inneren Sinn des Wortes, nämlich daß dem Verständnis gemäß dargestellt werden möchte, wie er he schaffen ist. Es wurde durch ein Beispiel versinnlicht, was die Frucht des Glaubens ist und gesagt, die guten Werke seien die Frucht des Glaubens im äußeren oder Buchstabensinn. Diese guten Werke seien aber unbeseelt, wofern sie nicht aus der Liebtätigkeit hervorgehen, und so sei die Frucht des Glaubens im nächst inwendigeren Sinn die Liebtätigkeit. Weil aber die Liebtätigkeit oder die Liebe gegen den Nächsten hervorgehen muß aus der Liebe zum Herrn, so ist dieselbe die Frucht des Glaubens im inneren Sinn. Und weil alle Liebe vom Herrn kommt, so ist sie der Herr selbst, denn so ist im guten Werk die Liebtätigkeit, in dieser die Liebe zum Herrn, und in dieser der Herr selbst.

*1874. Ich redete mit den guten Geistern, daß vieles und mehr als jemand glauben kann, im Worte nach Scheinbarkeiten und nach den Täuschungen der Sinne gesagt sei, z.B. daß Jehovah in Zorn, Grimm und Wut sei gegen die Gottlosen, daß Er Freude daran habe, sie zu verderben und zu vertilgen, ja daß Er töte. Allein es ist so gesagt worden, damit die Überredungen und Begierden nicht gebrochen, sondern gelenkt würden, denn anders reden als der Mensch es faßt, nämlich nach den Scheinbarkeiten, Täuschungen, und Überredungen, hieße Samen ins Wasser säen, und etwas sagen, das sogleich verworfen werden würde. Doch können diese Dinge zu allgemeinen Gefäßen dienen, in denen Geistiges und Himmlisches enthalten ist, denn es kann in sie hineingelegt werden (insinuari), daß alles vom Herrn kommt; ferner, daß der Herr es zuläßt, daß aber alles Böse von teuflischen Geistern herrührt; ferner, daß der Herr vorsieht und es so fügt, daß das Böse zu Gutem gewendet wird, und endlich, daß nichts als Gutes vom Herrn kommt. So vergeht der Buchstabensinn, je wie er sich erhebt und wird geistig, dann himmlisch und zuletzt göttlich.

*1875. Es wurde mir gegeben, die engelischen Ideen im Gebet des Herrn inne zu werden (appercipere) bei den Worten: „führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen“. Von den nächsten guten Geistern wurde in einer mir in die Sinne fallenden Vorstellung (idea quadam apud me perceptibili) verworfen die Versuchung und das Böse, und zwar bis dahin, daß das rein Engelische, nämlich das Gute, ohne die Vorstellung der Versuchung und des Bösen übrigblieb, und so der buchstäbliche Sinn ganz verschwand. Über dieses Gute bildeten sich beim ersten Wegwerfen unzählige Ideen, wie aus der Anfechtung des Menschen Gutes komme, und dennoch die Anfechtung aus dem Menschen und seinem Bösen hervorgehe, in dem die Strafe liegt;, und zwar dies mit einer Art von Unwillen, der bei ihnen darüber hinzukam, daß man meint, die Versuchung mit ihrem Bösen komme anderswoher, und man müsse an Böses denken, wenn an den Herrn. Diese Vorstellungen wurden, je höher sie sich erhoben, immer mehr gereinigt. Die Erhebungen wurden dargestellt durch die Wegschaffungen, worüber Nr. 1393. Diese erfolgten mit einer Schnelligkeit und in unbeschreiblicher Weise, bis sie in den Schatten meines Denkens übergingen, und dann waren sie im Himmel, wo unaussprechliche engelhafte Vorstellungen allein vom Guten des Herrn herrschen.

*1876. Die Namen der Männer, der Königreiche, der Städte, die im Wort vorkommen, vergehen ebenso wie die Wörter der menschlichen Rede, schon auf der ersten Schwelle, wenn sie sich erheben, denn sie sind etwas Irdisches, Körperliches und Materielles, das die Seelen, die ins andere Leben kommen, nach und nach ausziehen und ganz und gar diejenigen, die in den Himmel kommen. Die Engel behalten auch nicht das Geringste der Vorstellung einer Person, und somit des Namens der selben. Was Abram, was Jischak und Jakob ist, wissen sie nicht mehr, sie bilden sich eine Vorstellung aus demjenigen, was durch dieselben im Worte vorgebildet und bezeichnet wird. Die Namen und die Wörter sind wie Hülsen (grumi) oder wie Schuppen, die abfallen, wenn sie in den Himmel eingehen. Daraus kann erhellen, daß durch die Namen im Worte nichts anderes als Sachen bezeichnet werden. Hierüber sprach ich öfter mit den Engeln, von denen ich über die Wahrheit vollständig belehrt wurde.

Die Rede der Geister unter sich ist nicht eine Wörtersprache, sondern eine Sprache der Ideen, wie diese letztere das menschliche Denken ohne Wörter hat. Daher liegt sie allen Sprachen als die universelle zu Grunde (universalis est omnium linguarum). Wenn sie aber mit einem Menschen reden, so bildet ihre Rede Wörter der Menschensprache, wie schon gesagt worden: Nr. 1635, 1637, 1639. Als ich hierüber mit den Geistern sprach, wurde mir zu sagen gegeben, daß sie, wenn sie unter sich reden, auch nicht ein einziges Wort einer menschlichen Sprache, noch weniger einen Namen aussprechen können. Einige von ihnen verwunderten sich darüber, gingen weg und versuchten es; sie kamen aber zurück und sagten, sie hätten dergleichen nicht aussprechen können, weil jene Wörter zu grob materiell, mithin unterhalb ihrer Sphäre befindlich, aus einem durch die körperlichen Organe artikulierten Ton der Luft, oder durch den Einfluß in solche auf einem zum Gehörorgan führenden inneren Weg gebildet seien.

Hieraus konnte auch klar erhellen, daß nichts von einem Ausdruck, der im Worte vorkommt, zu den Geistern übergehen kann, noch weniger zu den engelischen Geistern, deren Rede noch umfassender (universalior) ist: Nr. 1642; am wenigsten zu den Engeln: Nr. 1643, bei denen nichts übrigbleibt von den ersten Ideen der Geister, sondern anstatt derselben geistige Wahrheiten, und himmlisches Gutes, das in unaussprechlicher Weise in den kleinsten Formen wechselte, die stetig zusammenhängen und in einmütiger Reihenfolge verknüpft sind mit den Urbildern (quae ... formis minimis, continuis, connexis in unanima serie, cum originarils repraesentativorum ... varinatur), die durch die Seligkeit der gegenseitigen Liebe höchst lieblich und schön und durch die Lieblichkeiten und Schönheiten selig, weil mit dem Leben des Herrn erfüllt (inspiratis) sind.

*1877. Die in der Geisterwelt befindlichen Seelen oder Geister, besonders die bösen, behalten zuerst das bei, was sie im Leben ihres Leibes gehabt hatten, nämlich das Erdische, Körperliche und Weltliche und mit diesem die Grundsätze, die sie angenommen hatten. Unter ihnen sind diejenigen, die nichts vom inneren Sinn des Wortes hören wollen, sondern bloß vom buchstäblichen Sinn, und zwar soweit, daß sie glauben, die zwölf Apostel werden auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten; ebenso glauben sie, daß in den Himmel keine anderen eingehen werden, als Arme, Elende und solche, die Verfolgungen erduldet haben, während doch darin sowohl Reiche als Mächtige sind, die in Liebtätigkeit und Glauben an den Herrn gelebt hatten. Solche, weil sie ihrer Verdienste wegen auf den Himmel Anspruch machen, sah ich hin und her laufen und überall, wohin sie kommen, verhöhnen, was zum inneren Sinn des Wortes gehört, weil es gegen ihre Selbstberedungen und Begierden ist, sofern sie den Himmel verdienen und allen anderen vorgezogen werden wollen. Sie werden aber mit dem Bösartigen und Schädlichen verglichen, das ins Blut einfließt und in die Venen und Arterien dringt und die Masse des Blutes verunreinigt.

*1878. Es gibt auch solche, die bei Leibesleben das Wort verachtet und solche, welche die im Wort gebrauchten Ausdrücke zu Redensarten des Spottes mißbraucht hatten; es gibt solche, die gemeint hatten, das Wort sei nichts, könne aber dem gemeinen Volk dienen, damit dieses einigermaßen in Banden gehalten werde; es gibt solche, die das Wort gelästert, und es gibt solche, die es entweiht hatten. Diese haben im anderen Leben ein erbärmliches Los, ein jeder nach der Beschaffenheit und dem Grad der Verachtung, Verspottung, Lästerung und Entweihung, denn das Wort ist so heilig in den Himmeln, daß ihnen das Wort gleichsam der Himmel ist, daher denn jene, weil eine Mitteilung aller Gedanken statthat, mit den Seligen gar nicht zusammen sein können, sondern ausgeschieden werden.

*1879. Als ich im Bett lag, wurde mir gesagt, daß böse Geister sich gegen mich verschworen hätten, in der Absicht, mich zu ersticken. Weil ich aber vom Herrn beschützt und sicher war, achtete ich diese Drohungen gering und schlief ein. Als ich aber mitten in der Nacht aufwachte, fühlte ich, daß ich nicht aus mir atmete, sondern aus dem Himmel, denn es war nichts von meinem Atmen dabei, was ich deutlich empfand. Es wurde dann gesagt, die Verschwörung sei da, und es seien diejenigen, die das Tiefere des Wortes, die Glaubenswahrheiten selbst, hassen; (denn diese sind das Inwendigere des Wortes,) und zwar darum, weil dasselbe gegen ihre Selbsttäuschungen, Beredungen und Begierden ist, denen der Buchstabensinn noch Vorschub leisten könnte. Nachher, als ihre Anschläge vereitelt waren, suchten die Rädelsführer sich in die Eingeweide meines Körpers hineinzumachen und bis zum Herzen vorzudringen, wohin sie auch zugelassen wurden; wovon ich stets eine scharfe Sinnesempfindung hatte (quod semper manifesto sensu perceptum); denn der, dem das Inwendigere, das dem Geist angehört, geöffnet ist, empfängt auch eine sinnliche Wahrnehmung (sensitivam perceptio nem) von solchen Dingen. Hierauf wurde ich aber in einen himmlischen Zustand versetzt, der darin bestand, daß ich durchaus nicht suchte, jene Gäste abzutreiben, noch weniger die Unbill zu rächen. Sie sagten dann, dies sei friedlich gemeint. Bald aber wurden sie der Vernünftigkeit wie beraubt, indem sie auf Rache sannen und ihre Anschläge durchzuführen trachteten, jedoch vergebens; sie wurden dann durch sich selbst (a semet) zerstreut.

*1880. Was übrigens im allgemeinen die Engel und Geister betrifft, die sämtlich Menschenseelen sind, die nach dem Tode des Körpers fortleben, so haben sie viel schärfere Sinne als die Menschen: nämlich das Gesicht, das Gehör, den Geruch und den Tastsinn, nicht aber den Geschmack. Doch können die Geister und noch weniger die Engel mit ihrem Gesichtssinn, das ist mit dem Gesicht des Geistes, etwas von dem sehen, das in der Welt ist, denn für sie ist das Welt- oder Sonnenlicht wie ein dichtes Dunkel; so wie auch nicht der Mensch mit seinem Gesichtssinn, das ist mit dem Gesicht des Körpers, irgend etwas von dem, was im anderen Leben ist, sehen kann; denn für ihn ist das Licht des Himmels oder das himmlisch Licht des Herrn wie ein dichtes Dunkel. Dennoch aber können die Geister und die Engel, wenn es dem Herrn gefällt, die Dinge, die in der Welt sind, durch die Augen eines Menschen sehen, allein dies gestattet der Herr bei keinem anderen, als dem der Herr verleiht, mit Geistern und Engeln zu reden, und mit ihnen zusammen zu sein. Durch meine Augen durften sie die in der Welt befindlichen Dinge sehen, und zwar so deutlich wie ich selbst, und dann auch die Menschen mit mir reden hören. Es traf sich einigemal, daß einige ihre Freunde, die sie bei Leibesleben gehabt hatten, durch mich ganz so gegenwärtig sahen wie früher, worüber sie sehr erstaunt waren. Sie sahen auch ihre Gatten und Kinder, und wollten, daß ich ihnen sagte, sie seien da, und sähen sie, und daß ich denselben von ihrem Zustand im anderen Leben Kunde geben möchte; allein denselben zu sagen und zu offenbaren, daß sie so gesehen worden seien, war mir untersagt, auch aus dem Grund, weil sie gesagt hätten, ich sei nicht bei Sinnen oder gedacht hätten, es seien Schwärmereien (deliria animi), da mir bekannt war, daß sie, obwohl sie es mit dem Munde sagten, den noch im Herzen nicht glaubten, daß es Geister gibt und die Toten auf erstanden sind.

Zuerst als mir das inwendigere Gesicht geöffnet worden war und sie durch meine Augen die Welt, und was in der Welt ist, sahen, waren die Geister und Engel so erstaunt, daß sie sagten, das sei ein Wunder aller Wunder, und es kam eine neue Freude über sie, daß in dieser Weise ein Verkehr der Erde mit dem Himmel und des Himmels mit der Erde stattfinden sollte. Allein dieses Ergötzen dauerte etliche Monate, jetzt aber, nachdem es zur Gewohnheitssache geworden ist, wundern sie sich gar nicht mehr.

Ich bin belehrt worden, daß die Geister und Engel bei anderen Menschen durchaus nicht sehen, was in der Welt ist, sondern nur die Gedanken und Gefühle derjenigen wahrnehmen, bei denen sie sind. Hier aus konnte erhellen, daß der Mensch einst so geschaffen worden ist, daß er, während er auf Erden unter den Menschen lebt, zugleich auch im Himmel unter den Engeln leben sollte und umgekehrt, so daß der Himmel und die Erde beisammen sein und wie eins zusammenwirken und die Menschen wissen sollten, was im Himmel, und die Engel, was in der Welt ist; und daß so jene, wenn sie abscheiden, hinübergehen sollten vom Reich des Herrn auf Erden in das Reich des Herrn in den Himmeln, nicht wie in ein anderes, sondern wie in ebendasselbe, in dem sie waren, als sie im Körper lebten. Weil aber der Mensch so gar körperlich geworden ist, so hat er sich den Himmel verschlossen.

*1881. Die Geister sind sehr unwillig, ja sie zürnen, wenn man ihnen sagt, die Menschen glaubten nicht, daß sie sehen, daß sie hören, daß sie mit dem Tastsinn empfinden. Sie sagten, dieselben sollten doch wissen, daß ohne die Sinne kein Leben, und je schärfer die Sinne sind, das Lehen desto vortrefflicher ist, und daß die Gegenstände, die sie mit den Sinnen wahrnehmen, sich gemäß der Vortrefflichkeit ihrer Sinne verhalten und die Vorbildungen, die vom Herrn kommen, wirklich existierende Dinge (realia) sind, denn von ihnen stamme alles her, was in der Natur und Welt ist: Nr. 1632. Sie haben viel bessere und schärfere Sinnesempfindungen, als jene (quod sentiant multo melius et praestan tius quam illi); dies sind die Worte ihrer Entrüstung.

*1882. Es gibt zweierlei Arten von Gesichten (visionum), die außerordentlich sind, und in die ich versetzt wurde, bloß damit ich wüßte, wie es sich mit ihnen verhält und was darunter verstanden wird, wenn man im Worte liest, „sie seien dem Körper entrückt worden“ (abducti a corpore), und „sie seien vom Geist an einen anderen Ort weggeführt worden“.

*1883. Was das erste betrifft, nämlich das Entrücktwerden (abduci a corpore), so verhält es sich damit so: der Mensch wird in einen Zustand versetzt, der zwischen Schlafen und Wachen die Mitte hält, und wenn er in diesem Zustand ist, so kann er nicht anders wissen, als daß er ganz wach sei. Alle Sinne sind so wach, wie im höchsten Wachsein des Körpers, sowohl das Gesicht, wie das Gehör, und merkwürdigerweise auch der Tast sinn, der alsdann schärfer ist, als er es je sein kann beim Wachsein des Körpers. In diesem Zustand sind die Geister und Engel auch ganz lebhaft von mir gesehen, auch gehört, und merkwürdigerweise sogar betastet worden, und dann war beinahe nichts vom Körper dabei tätig.

Dieser Zustand ist der, von dem es heißt, man werde dem Körper entrückt (abduci a corpore) und wisse nicht, ob man im Körper oder außer dem Körper sei. In diesen Zustand bin ich nur drei- oder viermal versetzt worden, nur damit ich wüßte, wie es sich damit verhält, und daß die Geister und Engel sich eines jeden Sinnes erfreuen, auch eines Tast Sinnes, der weit stärker und schärfer ist, als der Tastsinn des Körpers.

*1884. Was das andere betrifft, das „vom Geist an einen anderen Ort weggeführt werden“, so wurde mir durch lebendige Erfahrung gezeigt, was es ist, und wie es sich damit verhält. Allein dies bloß zwei- oder dreimal. Ich erlaube mir, die bloße Erfahrung anzuführen:

Durch die Gassen einer Stadt, und durch Gefilde wandelnd und zugleich auch im Gespräch mit Geistern, wußte ich nicht anders, als daß ich so wach und sehend sei wie zu anderen Zeiten, so wandelte ich ohne mich zu verirren, und inzwischen war ich im Gesicht, in dem ich Heine, Flüsse, Paläste, Häuser, Menschen und vieles andere sah. Nachdem ich aber so etliche Stunden gewandelt, war ich auf einmal im Sehen des Körpers, und wurde gewahr, daß ich an einem anderen Orte sei, worüber ich sehr erstaunt war und merkte, daß ich in demselben Zustand gewesen war, in dem jene, von denen es heißt, „sie seien im Geist an einen an deren Ort weggeführt worden“, denn solange er währt, denkt man gar nicht an den Weg, und wenn dieser auch mehrere Meilen betragen würde; auch denkt man nicht an die Zeit, und wenn diese mehrere Stunden oder Tage ausmachen würde; auch spürt man keinerlei Ermüdung. Man wird alsdann auf Wegen geführt, die man selbst nicht kennt, bis an den bestimmten Ort.

Dies geschah, damit ich auch wissen möchte, daß der Mensch vom Herrn geführt werden kann, ohne daß er es weiß, woher und wohin.

*1885. Allein diese zweierlei Arten von Gesichten sind außerordentliche, mir bloß zu dem Ende gezeigt, daß ich wissen möchte, wie sie beschaffen sind. Ordentlich Gesehenes (vis ordinaria) hingegen ist alles das, was man, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, berichtet findet in diesem ersten Teil, und zwar sowohl jedem Kapitel vorausgeschickt als hinten beigefügt. Allein dies sind nicht Gesichte (visiones), sondern Gesehenes (vis) im höchsten Wachsein des Körpers, und zwar nun schon mehrere Jahre hindurch.


*1966. Von den Gesichten und Träumen, auch den prophetischen, die im Worte vorkommen.

Wenigen ist bekannt, wie es sich mit den Gesichten verhält, und welche Gesichte echt sind; und da ich nun einige Jahre lang beinahe fortwährend mit denen im anderen Leben beisammen war, (wie aus dem ersten Teil genugsam erhellen kann, ) und dort staunenswerte Dinge sah, so wurde ich über die Gesichte und Träume durch die Erfahrung selbst belehrt, worüber ich Folgendes berichten darf.

*1967. Es werden die Visionen einiger zu Markte getragen, die sagten, sie hätten vieles gesehen, sie haben es allerdings gesehen, aber in der Phantasie. Ich wurde davon unterrichtet, und es wurde mir auch gezeigt, wie sie entstehen. Es gibt Geister, die solche Gestalten durch Phantasien vorführen, so daß sie erscheinen, als ob sie wirklich wären, z.B. wenn man im Schatten etwas sieht oder im Mondschein oder auch bei Tag, wenn der Gegenstand im Dunkeln ist, dann halten die Geister die Seele fest und fortwährend im Denken an eine Sache, sei es ein Tier oder ein Ungetüm, ein Wald oder irgendeine andere Sache. Solange sie darin festgehalten wird, wird die Phantasie vergrößert und wächst bis zu dem Grad, daß man überredet wird und es ganz so sieht, als ob es wirklich wäre; während es doch nichts anderes ist als Täuschung: davon werden diejenigen befallen, die viel den Phantasien nachhängen und in Seelenschwäche sind und dadurch leichtgläubig geworden; diese sind Visionäre.

*1968. Die schwärmerischen Geister sind von ähnlicher Art, sie haben aber Gesichte in Beziehung auf Glaubenssachen, von denen sie so stark beredet werden und andere bereden, daß sie schwören können, das Falsche sei wahr und die Täuschung sei Wirklichkeit. Von dieser Natur der Geister könnte vieles aus Erfahrung berichtet werden, doch von ihnen vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn im besonderen: sie haben sich dieselbe angebildet durch Beredungen und Grundsätze des Falschen, während sie lebten.

*1969. Die bösen Geister im anderen Leben sind kaum etwas anderes als Begierden und Phantasien, sie haben sich kein anderes Leben erworben. Ehre Phantasien sind von der Art, daß sie gar nichts anderes inne werden, als daß es so sei. Die Phantasien der Menschen können mit den ihrigen gar nicht verglichen werden, denn sie sind in einem vollkommeneren Zustand auch in solchen Dingen: solche Phantasien sind fortdauernd bei den Höllischen, wo der eine den anderen durch Phantasien jämmerlich quält.

*1970. Unter echten Gesichten werden Gesichte oder Gesehenes von solchen Dingen verstanden, die im anderen Leben wirklich existieren, und das sind nur Dinge, die mit den Augen des Geistes, nicht mit den Augen des Körpers gesehen werden können und dem Menschen erscheinen, wenn sein inwendigeres Sehvermögen vom Herrn geöffnet wird, das heißt jenes Sehvermögen, das sein Geist hat, in das er auch kommt, wenn er vom Körper getrennt ins andere Leben übergeht; denn der Mensch ist ein mit einem Körper bekleideter Geist. Solche Gesichte waren die der Propheten.

Wenn dieses Sehvermögen geöffnet wird, dann werden in einem Licht, das heller ist als das mittägliche der Welt, die Dinge gesehen, die bei den Geistern hauptsächlich existieren, nicht bloß die vorbildlichen Gegenstände, sondern auch die Geister selbst zugleich mit einem Innewerden, wer sie sind, sodann wie sie beschaffen sind, wo sie sind, woher sie kommen, wohin sie gehen, von welcher Neigung, welcher Überzeugung, ja welchen Glaubens sie sind, Nr. 1388, 1394, was sich bestätigte durch eine lebendige, ganz der menschlichen gleiche Rede, und zwar ohne alle Täuschung.

*1971. Die Gesichte, die sich vor guten Geistern darstellen, sind Vorbildungen der Dinge, die im Himmel sind; denn wenn das, was sich im Himmel vor den Engeln darstellt, in die Geisterwelt herabsinkt, verwandelt es sich in Vorbildungen, aus denen und in denen erschaut werden kann, was sie bedeuten. Dergleichen zeigen sich bei den guten Geistern fortwährend, mit kaum aussprechlicher Schönheit und Lieblichkeit.

*1972. Was die Gesichte oder vielmehr die gesehenen Dinge (Visa) betrifft, die vor den Augen des Geistes, nicht vor den Augen des Körpers erscheinen, so sind sie mehr und mehr inwendig. Was ich in der Geisterwelt sah, das sah ich in hellem Licht, dunkler aber das, was im Himmel der engelischen Geister und noch dunkler, das was im Himmel der Engel, denn bis dahin wurde mir das Sehvermögen meines Geistes selten geöffnet; aber mit einem Innewerden, dessen Beschaffenheit nicht beschrieben werden kann, wurde mir zu wissen gegeben, was sie rede ten, öfter durch vermittelnde Geister, zuweilen erschienen die dort befindlichen Dinge im Schatten des Himmelslichts, und dieser Schatten ist dem Schatten des Weltliches nicht ähnlich, denn es ist ein Licht, das dünner und schwächer wird in unbegreiflicher Weise ebensosehr vor dem Verstand als vor dem Gesichtssinn.

*1973. Alle Gattungen von Gesichten anzuführen, wäre zu umständlich, denn es gibt deren viele. Bloß zur Verdeutlichung darf ich zweierlei Gesichte vorführen, aus denen auch erhellen kann, wie sie beschaffen sind, dann zugleich wie die Geister angeregt werden von dem, was sie sehen und wie es die bösen Geister quält, wenn ihnen vorenthalten wird, das zu sehen, was andere sehen und hören; denn sie können es nicht ertragen, daß ihnen etwas dergleichen entzogen werden soll: denn die Geister haben keinen Geschmackssinn, sondern statt dessen eine Begierde, gleichsam ein Sehnen, zu wissen und zu lernen. Dies ist gleichsam ihre Speise, von der sie sich nähren, Nr. 1480. Wie sehr sie daher geängstigt werden, wenn ihnen diese Speise entzogen wird, kann aus folgendem Beispiel erhellen.

*1974. Nach einem beschwerlichen Schlaf, früh morgens, stellte sich eine sehr liebliche Erscheinung (Visum) dar. Es waren Kränze wie von Lorbeer, grün, in schönster Ordnung, beweglich wie wenn sie lebten, von solcher Form und kunstvollen Fügung, daß sie in Rücksicht der Schönheit und Harmonie und des daraus hervorgehenden Gefühls der Seligkeit nicht beschrieben werden können. Sie waren in zwei ein wenig voneinander abstehende ziemlich lange Reihen zusammengestellt und fortwährend in der Art ihrer Schönheit wechselnd. Dies war für die Geister, auch die bösen, sichtbar. Darauf folgte eine andere, noch schönere Erscheinung, in der himmlische Seligkeit, aber nur dunkel, sichtbar wurde: es waren Kinder in himmlischen Spielen, die auf unaussprechliche Weise das Gemüt anregten.

Hernach redete ich von diesen Erscheinungen mit den Geistern, die bekannten, sie hätten die erste ebenso wie ich gesehen, die andere je doch nur so dunkel, daß sie nicht sagen könnten, was es war. Daher entstand bei ihnen Arger, hernach ein sich steigernder Neid darum, weil gesagt wurde, die Engel und die Kinder hätten es gesehen, und diesen ihren Neid durfte ich recht fühlbar innewerden, so daß mir gar nichts davon entging, was zur Kenntnisnahme nötig war. Der Neid war so beschaffen, daß er bei ihnen nicht allein die höchsten Beschwerden verursachte, sondern auch Beengung und inwendigeren Schmerz, bloß aus dem Grund, daß sie nicht auch das andere gesehen hatten. Sie wurden von da durch allerlei Wechsel des Neides geführt, bis zu dem Grad, daß es ihnen in den Eingeweiden wehe tat. Als sie in diesem Zustand waren, redete ich mit ihnen vom Neid, sie könnten zufrieden sein, daß sie das erste gesehen hätten, und sie hätten auch das andere sehen können, wenn sie gut gewesen wären. Nun verstärkte auch noch der Arger ihren Neid, der mehr und mehr zunahm, bis dahin, daß sie nachher nicht einmal das Mindeste einer Erinnerung daran aushielten, ohne von Schmerz ergriffen zu werden. Die Zustände und Fortbewegungen des Neides mit seinen Graden, Steigerungen, wechselnden und beigemischten Kränkungen der Seele und des Herzens, können nicht beschrieben werden.

So wurde gezeigt, wie sehr die Gottlosen allein schon von Neid gequält werden, wenn sie die Seligkeit der Guten von ferne sehen, ja wenn sie nur daran denken.

*1975. Was die „Träume“ betrifft, so ist bekannt, daß der Herr bei den Propheten nicht allein durch Gesichte, sondern auch durch Träume die Geheimnisse des Himmels offenbarte, und daß die Träume ebenso vorbildlich und bezeichnend waren wie die Gesichte, und daß sie bei nahe von einer und derselben Art waren, sodann daß auch bei anderen als bei den Propheten, die Zukunft durch Träume enthüllt wurde, z.B. durch die Träume, die Joseph hatte, und die, welche Josephs Mitgefangene, welche Pharao, Nebukadnezar und andere hatten. Woraus erhellen kann, daß die Träume dieser Art ebenso wie die Gesichte aus dem Himmel einfließen, mit dem Unterschied, daß die Träume stattfinden, wenn das Körperliche schläft und die Gesichte, wenn es nicht schläft.

*1976. Wie die prophetischen Träume, und solche, die im Worte vorkommen, einfließen, ja aus dem Himmel sich herablassen, ist mir lebendig gezeigt worden; wovon ich Folgendes aus Erfahrung anführen darf:

Es gibt drei Gattungen von Träumen:

Die erste Gattung kommt mittelbar durch den Himmel vom Herrn, von dieser Art waren die prophetischen Träume, die im Worte vorkommen.

Die anderen durch engelische Geister, besonders diejenigen, die vorne über der Rechten sind, wo Paradiesisches ist. Von daher hatten die Menschen der Ältesten Kirche ihre Träume, die belehrend waren, Nr. 1122.

Die dritte Gattung durch Geister, die nahe sind, wenn der Mensch schläft, und diese sind auch bezeichnend.

Die phantastischen Träume aber kommen anderswoher.

*1977. Um ganz bestimmt zu wissen, wie die Träume einflossen, wurde ich in einen Schlaf versetzt und träumte, daß ein Schiff kommt mit allerlei delikaten und schmackhaften Dingen zum Essen; diese waren im Schiffe nicht zu sehen, sondern verborgen. Auf dem Schiff standen zwei bewaffnete Wächter, nebst einem dritten, welcher der Befehlshaber des Schiffes war. Das Schiff lief ein in einen gewölbten Hafen. Hier erwachte ich, und dachte über den Traum nach, dann redeten mich engelische Geister an, die oben vorne zur Rechten waren und sagten, daß sie diesen Traum herbeigeführt hätten: und damit ich gewiß wissen möchte, daß er von ihnen kam, wurde ich in einen schlafähnlichen und doch zugleich wachen Zustand versetzt. Nun führten sie in gleicher Weise allerlei Liebliches und Ergötzliches vor, z.B. ein unbekanntes Tierchen, das sich verlor wie in schwärzliche und glänzende Strahlen, die mit wunderbarer Schnelligkeit ins linke Auge flogen. Sie stellten auch Menschen dar, so dann Kinder, die auf verschiedene Art geschmückt waren, nebst anderem mit unbeschreiblicher Lieblichkeit; worüber ich auch mit ihnen redete. Dies geschah nicht einmal, sondern öfter, und ich wurde ebenso oft mit lebendiger Stimme von ihnen belehrt.

Es sind jene engelischen Geister, die auf der Schwelle zu Paradiesischem sind, welche solche Träume eingehen. Ihnen ist auch das Amt übertragen, über gewisse Menschen, wenn sie schlafen, zu wachen, damit sie da nicht von bösen Geistern angefochten werden. Diesem Beruf verrichten sie mit dem größten Vergnügen, sodaß sie wetteifern, bei den Menschen sein zu dürfen, um dann ihr Vergnügen darein setzen, ihn mit dem Angenehmen und Wonnigen zu erfreuen, das sie in seiner Neigung und Sinnesart sehen. Es sind die, welche engelische Geister geworden sind von denen, die bei Leibesleben eine Freude daran hatten, und es liebten, anderen das Leben auf alle Weise und mit allem Fleiß angenehm zu machen. Wenn das Gehör bis dahin geöffnet ist, so hört man von dorther wie von ferne ein süßes und wohllautendes Getöne, wie einen Gesang: sie sagten, sie wüßten nicht, woher ihnen solche, und zwar so schöne und liebliche Vorbildungen augenblicklich kommen, aber es wurde bemerkt, sie kommen aus dem Himmel.

Sie gehören zum Gebiet des kleinen Gehirns, weil das kleine Gehirn, wie ich belehrt wurde, zur Zeit des Schlafes wacht, während das große Gehirn schläft. Von daher hatten die Menschen der Ältesten Kirche ihre Träume samt des Innewerden, was sie bedeuten, von denen großenteils die Vorbildungen und Bezeichnungen der Alten herkommen, unter denen tief verborgene Dinge dargestellt wurden.

*1978. Außerdem gibt es andere Geister, die zur Gegend der linken Brusthöhle gehören, von denen sie öfter gestört werden, außer von an deren, die sie aber nicht beachten.

*1979. Sehr oft durfte ich nach solchen Träumen mit den Geistern und Engeln reden, die sie eingegeben hatten, wobei sie erzählten, was sie eingegeben haben und ich, was ich gesehen. Es würde zu weitläufig sein, wollte ich die Erfahrung von alledem anführen.

*1980. Der Erwähnung wert ist: als ich nach dem Erwachen berichtete, was ich im Traum gesehen hatte, und zwar in langer Reihenfolge, da sagten einige engelische Geister — nicht von denen, von welchen oben die Rede war — dasselbe treffe ganz zusammen und sei eins mit den Dingen, von denen sie unter sich geredet hatten, und es sei kein Unterschied. Es sei aber dennoch nicht dasselbe, wovon sie ein Gespräch hatten, sondern die Vorbildungen desselben, in die ihre Vorstellungen in der Geisterwelt so verwandelt und verändert worden seien; denn die Vorstellungen der Engel verwandeln sich in der Geisterwelt in Vorbildungen. Daher wurde alles und jedes, was sie unter sich gesprochen hatten, so im Traum vorgebildet.

Es wurde ferner von ihnen gesagt, daß dieselbe Rede in andere Vorbildungen hätte verwandelt werden können, ja in ähnliche und unähnliche mit endloser Mannigfaltigkeit; daß gerade in solche, sei dem Zustand der Geister, die um mich her waren, und täglich meinem Zustand, in dem ich mich damals befand, gemäß gewesen. Mit einem Wort, daß sehr viele ungleiche Träume aus der gleichen Rede, somit aus einem Ursprung hernieder kommen und sich darstellen können, und zwar, wie gesagt, weil das, was sich im Gedächtnis und Trieb des Menschen findet, Aufnahmegefäß ist, in dem die sich Vorstellungen verschieden gestalten und aufgenommen werden, wobei sie ihren Ausdruck bekommen gemäß den Verschiedenheiten der Form der Gefäße und den Veränderungen des Zustandes.

*1981. Noch einen ähnlichen Traum möchte ich erzählen. Ich träumte einen Traum, aber einen gewöhnlichen; als ich wach wurde, er zählte ich alles von Anfang bis zu Ende. Die Engel sagten, das treffe ganz zusammen mit dem, was sie unter sich geredet hatten, nicht daß es das sei, was im Traum vorkam, sondern etwas ganz anderes, in das die Gedanken ihrer Rede sich verwandelten, so jedoch, daß es Vorbildliches und Entsprechendes war, sogar das einzelne, so daß nichts fehlte.

Dann redete ich mit ihnen vom Einfluß: wie dergleichen einfließe und wechsle. Es war eine Person, von der ich die Vorstellung hatte, daß sie im natürlich Wahren sei, und diese Vorstellung faßte ich aus den Handlungen ihres Lebens. Bei den Engeln war die Rede von der natürlichen Wahrheit, daher wurde mir jener Mensch vergegenwärtigt; und was er im Traum mit mir redete und tat, das folgte in der Ordnung auf vorbildliche und entsprechende Weise aus ihrem Gespräch miteinander. Dennoch aber war nichts, was ganz das gleiche oder dasselbe gewesen wäre.

*1982. Einige aus der Welt neu angekommene Seelen, welche die Herrlichkeit des Herrn zu sehen wünschten, werden, ehe sie so beschaffen sind, daß sie zugelassen werden können, in betreff der auswendigeren Sinne und der niedrigeren Vermögen in einen süßen Schlummer gewiegt, und dann wachen ihre inwendigeren Sinne und Vermögen auf zu einem besonders hellen Wachzustand, und so werden sie in des Himmels Herrlichkeit versetzt. Aber wenn in die auswendigeren Sinne und Vermögen wieder das Wachbewußtsein kommt, kehren sie in ihren früheren Zustand zurück.

*1983. Die bösen Geister wünschen gar sehr und brennen vor Begierde, den Menschen, wenn er schläft, zu beunruhigen und anzufallen, aber dann gerade wird er ganz besonders vom Herrn behütet; denn die Liebe schläft nicht: die Geister, die beunruhigen, werden jämmerlich bestraft. Ich hörte öfter als daß es erzählt werden könnte, ihre Bestrafungen, die Verzerrungen sind, wovon Nr. 829, 957, 959, unter der Ferse des linken Fußes, und zwar zuweilen Stunden lang:

Die Sirenen, die inwendigere Zauberinnen sind, die sind es, welche zur Nachtzeit hauptsächlich nachstellen und sich in die inwendigeren Gedanken und Triebe des Menschen einzudrängen suchen, aber eben so oft durch Engel vom Herrn abgehalten und durch die schwersten Strafen zuletzt abgeschreckt werden. Sie sprachen auch mit anderen zur Nachtzeit, ganz wie von mir aus, als ob es mit meiner Rede geschehe, die so ähnlich war, daß sie nicht unterschieden werden konnte; wobei sie Unsauberes einfließen ließen und Falsches einredeten.

Ich war einmal in einem sehr angenehmen Schlaf, in dem ich nichts als eine süße Ruhe hatte; als ich aufwachte, fingen einige gute Geister an, mich zu schelten, daß ich sie beunruhigt hätte, und zwar so arg, wie sie sagten, daß sie meinten, sie seien in der Hölle gewesen, und warfen so die Schuld auf mich. Ich antwortete ihnen, daß ich gar nichts von dieser Sache wisse, sondern ganz ruhig geschlafen hätte, so daß ich an ihnen auf keine Weise eine Feindseligkeit hätte zufügen können. Darüber staunten sie und merkten endlich, daß dies durch Zaubereien der Sirenen geschehen sei.

Das gleiche wurde auch nachher gezeigt, aus dem Grunde, damit ich wissen möchte, wie die Rotte der Sirenen beschaffen ist. Sie sind hauptsächlich solche aus dem weiblichen Geschlecht, die bei Leibesleben durch inwendigere Schlauheiten Genossen an sich zu locken suchten, indem sie sich durch Äußeres einschmeichelten, die Gemüter auf jede Weise für sich einnahmen, in die Triebe und Lustreize eines jeden eindringen, aber in böser Absicht, hauptsächlich um zu herrschen. Daher haben sie im anderen Leben eine solche Natur, daß sie meinen, sie könnten aus sich alles, indem sie verschiedene Künste schnell auf fassen und aussinnen, deren sie sich so leicht bemächtigen wie die Schwämme, die ebensowohl unreines als klares Wasser aufnehmen, so ist sowohl Unheiliges als Heiliges, was sie einsaugen und zur Ausübung bringen, wie gesagt, in der Absicht zu herrschen:

Ich durfte inne werden, wie häßlich ihr Inwendigeres ist, wie sehr mit Ehebrüchen und allerlei Haß befleckt. Sodann durfte ich auch inne werden, wie wirksam ihre Sphäre ist. Sie bringen ihr Inwendigeres in den Zustand der Überzeugung, so daß auf solches, was sie bezwecken, das Innere mit dem Äußeren zusammen abzielt. So drängen sie die Geister dahin, und verleiten sie gewaltsam dazu, ganz wie sie zu denken. Vernunftschlüsse kommen bei ihnen nicht zum Vorschein, sondern es ist ein Zusammenwirken von Vernünfteleien, die von bösen Trieben eingegeben worden sind, verbunden mit einem Anschmiegen an die Sinnesarten. So ist es ein Sichhineinversetzen in die Gesinnungen anderer, die sie auf ihre Seite bringen und mit Beredung entweder übertäuben oder für sich gewinnen: auf nichts gehen sie mehr aus als das Gewissen zu zerstören, und wenn dieses zerstört ist, so nehmen sie das Inwendigere des Menschen in Besitz, ja besetzen es förmlich, obwohl der Mensch dies nicht weiß. Heutzutage gibt es keine äußeren Besitznahmen Besessenheiten wie ehemals, sondern innere von seiten solcher. Die, welche kein Gewissen haben, sind so besessen. Das Inwendigere ihrer Gedanken ist in einer nicht unähnlichen Weise wahnsinnig, aber es wird verborgen und verhüllt durch äußeren Anstand und erheuchelte Sittlichkeit, um ihrer Ehre, ihres Erwerbes, ihres Rufes willen. Dies kann ihnen, wenn sie auf ihre Gedanken achtgeben, auch bekannt sein.


*2117. Vom Letzten Gericht.

Was das Letzte Gericht ist, wissen heutzutage wenige; man meint, es werde kommen mit dem Untergang der Welt. Daher die Vermutungen, der Erdkreis samt allem in der sichtbaren Welt werde im Feuer vergehen; und daß dann erst die Toten auferstehen und vor das Gericht gestellt würden. Die Bösen sollen dann in die Hölle geworfen werden und die Guten sich in den Himmel erheben. Diese Vermutungen sind den prophetischen Teilen des Wortes entnommen, in denen eines neuen Himmels und einer neuen Erde gedacht wird, dann auch eines neuen Jerusalem. Man weiß jedoch nicht, daß die prophetischen Stellen des Wortes im inneren Sinn etwas ganz anderes bedeuten als im Buchstabensinn hervortritt, und daß unter dem Himmel nicht verstanden wird der Himmel, noch unter der Erde die Erde, sondern die Kirche des Herrn im allgemeinen, und bei einem jeden insbesondere.

*2118. Unter dem Letzten Gericht wird verstanden die letzte Zeit der Kirche, sodann auch das Letzte des Lebens eines jeden.

Was die letzte Zeit der Kirche betrifft, so fand das Letzte Gericht der Ältesten Kirche, die vor der Sündflut bestanden hatte, dann statt, als die Nachkommenschaft derselben zugrunde ging. Ihr Untergang wird durch die Sündflut beschrieben.

Das Letzte Gericht der Alten Kirche, die nach der Sündflut bestanden hatte, war da, als beinahe alle, die zu dieser Kirche gehörten, Götzendiener geworden waren und zerstreut wurden.

Das Letzte Gericht der vorbildlichen Kirche, die bei den Nachkommen Jakobs folgte, fand statt, als die zehn Stämme in die Gefangenschaft weggeführt und unter die Heiden verstreut wurden und nachher die Juden, nach der Ankunft des Herrn, aus dem Lande Kanaan vertrieben und in die ganze Welt zerstreut wurden.

Das Letzte Gericht der gegenwärtigen Kirche, welche die christliche Kirche genannt wird, ist das, was bei Johannes in der Offenbarung unter dem neuen Himmel und der neuen Erde verstanden wird.

*2119. Daß das Letzte des Lebens eines jeden Menschen, wenn er stirbt, für ihn das Letzte Gericht ist, wissen einige wohl, dennoch aber glauben es wenige, während es doch eine feststehende Wahrheit ist, daß ein jeder Mensch nach dem Tod in das andere Leben aufersteht und vor das Gericht gestellt wird.

Mit diesem Gericht aber verhält es sich so: sobald seine Körperteile erkalten, was nach einigen Tagen geschieht, wird er vom Herrn auferweckt durch himmlische Engel, die zuerst bei ihm sind. Ist er aber von der Art, daß er nicht mit ihnen zusammen sein kann, so wird er von geistigen Engeln in Empfang genommen und nachher allmählich von guten Geistern; denn alle, soviel ihrer auch immer ins andere Leben kommen, sind angenehme und willkommene Ankömmlinge. Weil aber demjenigen, der ein böses Leben geführt hatte, seine Sehnsüchte (desideria) nachfolgen, so kann er nicht lange bei den Engeln und den guten Geistern verweilen, sondern trennt sich allmählich von ihnen, und zwar dies so oft, bis er zu Geistern kommt, deren Leben demjenigen, das er in der Welt geführt hatte, ähnlich und gleichförmig ist. Dann kommt es ihm vor, als ob er im Lehen seines Leibes wäre. An sich ist es auch eine Fortsetzung seines Lebens.

Mit diesem Leben nimmt sein Gericht den Anfang: die, welche ein böses Leben geführt hatten, fahren nach Verfluß einiger Zeit (per temporis moras) in die Hölle hinab; die ein gutes geführt, werden stufenweise vom Herrn in den Himmel erhoben.

Von solcher Art ist das Letzte Gericht eines jeden; wovon aus Erfahrung im ersten Teil.

*2120. Was der Herr von den letzten Zeiten gesagt hat, daß dann das Meer und die wogende See widerhallen, die Sonne verdunkelt werden, der Mond sein Licht nicht geben werde, die Sterne vom Himmel fallen, Völkerschaft wider Völkerschaft und Königreich wider Königreich werde erregt werden, und dergleichen mehr: Matth. 24/7, 29; Luk. 21/25, das alles bedeutet sowohl im ganzen wie im einzelnen den Zustand der Kirche, wie er sein werde zur Zeit ihres Letzten Gerichts, und zwar wurde durch das Widerhallen des Meeres und der wogenden See nichts anderes bezeichnet, als daß die Irrlehren und Streitigkeiten, im allgemeinen innerhalb der Kirche und im besonderen in einem jeden, einen solchen Lärm machen werden. Unter der Sonne wurde nichts anderes verstanden als die Liebe zum Herrn und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten. Unter dem Mond der Glaube und unter den Sternen die Erkenntnisse des Glaubens, die in den letzten Zeiten so verdunkelt werden, kein Licht geben und vom Himmel fallen, d.h. verschwinden werden. In ähnlicher Weise wurde vom Herrn gesprochen bei Jes. 13/11.

Sodann wurde unter Völkerschaft wider Völkerschaft und König reich wider Königreich, nichts anderes verstanden als Böses wider Böses und Falsches wider Falsches, usf. Daß der Herr so sprach, geschah aus vielen geheimen Gründen.

Daß Meere, Sonne, Mond, Sterne, Völkerschaften und Königreiche dergleichen bedeuten, weiß ich gewiß, und ist im ersten Teile gezeigt worden.

*2121. Daß das Letzte Gericht bevorsteht, kann man auf Erden und innerhalb der Kirche nicht so wissen, wie im anderen Leben, wohin alle Seelen kommen und zusammenströmen. Die Geisterwelt ist heutzutage voll von bösen Genien und von bösen Geistern, besonders aus der Christenheit. Unter ihnen herrschen nichts als Haß, Rache, Grausamkeit, Unzüchtigkeit wie auch arglistige Ränke.

Und nicht bloß die Geisterwelt, in der die von der Welt her eben abscheidenden Seelen zuerst anlanden, ist voll davon, sondern auch die inwendigere Sphäre jener Welt, in der die sind, die in betreff ihrer Bestrebungen und Endzwecke tief innerlich böse waren. Diese ist in gleicher Weise heutzutage so angefüllt, daß ich mich wunderte, wie es irgendeine so große Menge geben konnte, denn alle werden nicht augenblicklich in die Höllen hinabgeworfen, weil den Gesetzen der Ordnung gemäß ist, daß ein jeder von solcher Art in sein Leben zurückkehre, das er in der Welt hatte, und infolgedessen stufenweise in die Hölle niedersinke. Der Herr stürzt keinen in die Hölle, sondern ein jeder sich selbst. Daher sind jene Geisterwelten ganz außerordentlich angefüllt von einer Menge solcher, die dort anlangen und eine Zeitlang da selbst verweilen. Von ihnen aus werden die Seelen, die aus der Welt kommen, arg angefochten, und außerdem werden die Geister, die beim Menschen sind, (denn jeder Mensch wird vom Herrn durch Geister und Engel regiert,) mehr als früher erregt, dem Menschen Böses anzutun, und zwar in dem Grade, daß es die Engel, die beim Menschen sind, kaum abwenden können, sondern genötigt werden, mehr aus der Ferne auf den Menschen einzuwirken. Daraus kann man im anderen Leben deutlich erkennen, daß die letzte Zeit bevorsteht.

*2122. Was die aus der Welt neu anlangenden Seelen weiter betrifft, so sinnen und trachten die, welche aus der Christenheit herkommen, selten nach etwas anderem, als daß sie die Größten sein und alles besitzen möchten, somit sind alle von Selbst- und Weltliche er füllt, und diese Neigungen sind ganz gegen die himmlische Ordnung, Nr. 2057. Außerdem denken die meisten an nichts anderes als an unreine, unzüchtige und unheilige Dinge und reden unter sich nichts anderes. Dann achten sie für nichts und verachten ganz und gar alles, was zur Liebtätigkeit und zum Glauben gehört, den Herrn selbst er kennen sie nicht an, ja sie hassen alle, die Ihn bekennen; denn im anderen Leben reden die Gedanken und Herzen; und außerdem werden die Erbübel infolge des lasterhaften Lebens der Eltern bösartiger, so daß sie wie inwendig verborgene und unterhaltene Brände den Menschen zu ärgeren Sünden gegen die Ehrenhaftigkeit und Frömmigkeit anreizen als früher.

Solche kommen heutzutage haufenweise ins andere Leben, und Füllen die auswendigere und die inwendigere Sphäre der Geisterwelt an. Wenn das Böse in dieser Weise vorzuherrschen und das Gleichgewicht sich auf die Seite des Bösen zu neigen anfängt, so erkennt man daran deutlich, daß die letzte Zeit bevorsteht und es notwendig ist, das Gleichgewicht wieder herzustellen durch Verwerfung derjenigen, die innerhalb der Kirche sind, und Aufnahme anderer außerhalb derselben.

*2123. Daß die letzte Zeit bevorsteht, kann man im anderen Leben auch daraus abnehmen, daß alles Gute, das vom Herrn durch den Himmel in die Welt der Geister einfließt, dort augenblicklich in Böses, Unzüchtiges und Unheiliges und alles Wahre augenblicklich in Falsches, somit die gegenseitige Liebe in Haß, die Redlichkeit in Betrug verkehrt wird usf., daß sie also kein Gefühl mehr für irgend etwas Gutes und Wahres haben. Ähnliches strömt ein in den Menschen, der durch Geister regiert wird, mit dem die dort Befindlichen in Gemeinschaft stehen.

Dies ist mir durch häufige Erfahrung ganz genau bekannt geworden, und wollte ich sie alle anführen, so würden viele Seiten damit angefüllt werden. Ich durfte sehr oft wahrnehmen und hören, wie das Gute und Wahre, das aus dem Himmel kam, in Böses und Falsches verkehrt wurde, sodann auch, in welchem Grad und in welcher Art dies geschah.

*2124. Es wurde mir gesagt, daß in den Vorsündflutlichen das im Willen liegende Gute (Bonum voluntarium), das bei den Menschen der Ältesten Kirche war, gänzlich zugrunde gerichtet wurde. Daß hingegen heutzutage bei den Menschen der Christlichen Kirche das verstandesmäßige Gute (Bonum intellectuale) zugrunde zu gehen anfange, und zwar so sehr, daß wenig mehr davon übrig ist, und dies weil sie nichts glauben, als was sie mit den Sinnen begreifen, und daß sie heutzutage nicht bloß aus diesen, sondern auch mittels einer den Alten unbekannten Philosophie über die göttlichen Geheimnisse vernünfteln; wodurch das verstandesmäßige Licht ganz verfinstert wird; welche Verfinsterung so groß wird, daß sie kaum vertrieben werden kann.

*2125. Von welcher Art die Menschen der Christlichen Kirche heutzutage sind, wurde mir durch Vorbildungen vor Augen gestellt: es erschienen in einer finsteren Wolke so schwarze Geister, daß mir davor graute. Hernach erschienen andere, nicht so grauenhafte; und es wurde mir bedeutet, daß ich etwas sehen werde.

Zuerst erschienen dann Knaben, die von ihren Müttern so grausam geschlagen wurden, daß Blut umherfloß. Hierdurch wurde vorgebildet, daß von solcher Art heutzutage die Erziehung der Kinder ist. Hernach erschien ein Baum, und es schien, als ob es der Baum der Erkenntnis wäre, auf den eine große Viper zu steigen schien, von solcher Art, daß sie Schauder einjagte. Sie erschien so lang wie der Stamm. Als der Baum mit der Viper verschwand, erschien ein Hund: und dann tat sich eine Türe auf in ein Gemach, wo eine rötlich gelbe Helle wie von Kohlen war, und darin zwei Weiher, und es fand sich, daß es eine Küche war. Was man aber dort sah, darf ich nicht erwähnen. Es wurde mir gesagt, daß der Baum, auf den die Viper stieg, den Zustand der Menschen der Kirche vorbildete, wie sie heutzutage beschaffen sind, daß sie anstatt der Liebe und Liebtätigkeit tödlichen Haß hegen, der zugleich ringsum von dem angenommenen Schein der Ehrenhaftigkeit und trügerischen Vorspiegelungen umsponnen ist, sodann ruchlose Gedanken über die Dinge des Glaubens. Was aber in der Küche gesehen wurde, bildete jenen Haß und jene Anschläge vor, wie sie weiter beschaffen waren.

*2126. Weiter wurde auch vorgebildet, wie heutzutage diejenigen, die innerhalb der Kirche sind, wider die Unschuld selbst sind: Es er schien ein schönes und unschuldiges Kind, und nachdem dieses erblickt war, wurden die äußeren Bande, durch welche die bösen Genien und Geister von Schandtaten abgehalten werden, ein wenig nachgelassen: dann fingen sie an, das Kind schrecklich zu mißhandeln, es zu zertreten und es töten zu wollen, der eine so, und der andere so: denn die Unschuld wird im anderen Leben durch Kinder vorgebildet. Ich sagte aber, daß so etwas bei ihnen nicht zum Vorschein komme in ihrem Leibesleben, es wurde jedoch geantwortet, daß ihr Inwendigeres von solcher Art sei, und wofern die bürgerlichen Gesetze, sodann andere äußere Bande, als da sind die Furcht vor dem Verlust des Erwerbs, der Ehre, des guten Namens und die Furcht für das Leben, es nicht verhinderten, würden sie in gleicher Raserei losstürzen gegen alle Unschuldigen. Als sie diese Antwort hörten, verhöhnten sie auch dies.

Wie sie also heutzutage sind, kann aus dem, was gesagt worden, erhellen; sodann auch, daß die letzten Zeiten vor der Türe sind.

*2127. Im anderen Lehen erscheint zuweilen eine Art von Letztem Gericht vor den Bösen, wenn ihre Gesellschaften aufgelöst werden, und vor den Guten, wenn sie in den Himmel eingelassen werden. Von jenen und diesen darf ich berichten, was ich aus Erfahrung weiß.

*2128. Die Darstellung des Letzten Gerichts vor den Bösen, wie ich sie zwei- und dreimal sehen durfte, war folgende: nachdem die Geister um mich her sich in verderbenbringende Gesellschaften verbunden hatten, so daß sie die Oberhand hatten und sich nicht nach dem Gesetz des Gleichgewichts der Ordnung gemäß so regieren ließen, daß sie nicht andere Gesellschaften mutwilliger Weise anfielen und ihnen mit Übermacht Schaden zuzufügen anfingen, da erschien eine ziemlich große Schar von Geistern aus der vorderen Gegend, ein wenig zur Rechten nach oben, bei deren Herankunft wie ein wogender und gewaltig tönender Lärm gehört wurde. Nachdem man diesen gehört, entstand unter den Geistern Bestürzung mit Schrecken, und infolgedessen Verwirrung, und nun wurden die, welche sich in jenen Gesellschaften befanden, zerstreut, der eine dahin, der andere dorthin, so daß sie auseinanderstoben und kein Genosse wußte, wo der andere war. Als dies andauerte, erschien es den Geistern nicht anders als wie ein Letztes Gericht mit dem Untergang aller. Einige jammerten, andere waren vor Schrecken wie außer sich. Mit einem Wort, alle ergriff gleichsam die nahende Gefahr eines letzten entscheidenden Moments. Ein Geräusch von solchen, die von der vorderen Gegend her anrückten, wurde von ihnen verschieden gehört, von einigen wie ein Geräusch von bewaffneten Reitern, von anderen anders — gemäß dem Zustand der Furcht und der Phantasie aus ihr. Mir wurde es hörbar wie ein anhaltendes Surren mit abwechselndem Wellenschlag, und zwar vieler zugleich. Ich wurde von denen, die mir nahe waren, belehrt, daß solche Scharen von jener Gegend kommen, wenn die Gesellschaften so, wie gesagt worden, übel zusammengesetzt sind, und daß sie den einen vom anderen zu trennen und loszureißen und ihnen zugleich solchen Schrecken einzujagen wissen, daß sie an nichts anderes als an Flucht denken und daß mittels solcher Trennungen und Zerstreuungen nachher alle vom Herrn in Ordnung gebracht werden. Dann auch, daß dergleichen im Wort durch den Ostwind bezeichnet werde.

*2129. Es gibt auch andere Arten von Lärm oder vielmehr Zusammenstößen, die ebenfalls ein Bild des Letzten Gerichts darstellen, und durch welche die übel verbundenen Gesellschaften dem Inwendigen nach aufgelöst werden, wovon ich Folgendes erwähnen darf:

Solche Geister werden in den Zustand gebracht, daß sie nicht, wie gewöhnlich, in Gesellschaft oder Gemeinschaft denken, sondern ein jeder für sich. Infolge der so variierenden Gedanken und der verschiedenartig murmelnden Reden wurde ein gewisses Rauschen gehört, wie von vielen Wassern und ein Zusammenstoßen untereinander, das nicht beschrieben werden kann, entstehend aus Verwirrung der Meinungen über gewisse Wahrheiten, die alsdann Gegenstände der Gedanken und der Besprechung sind, welche Verwirrung von der Art ist, daß sie ein geistiges Chaos genannt werden kann.

Der Lärm des zusammenstoßenden und konfusen Gemurmels war von dreierlei Art: der eine floß um das Haupt herein, und es wurde gesagt, derselbe sei derjenige der Gedanken. Der andere floß ein gegen die linke Schläfe, und es wurde gesagt, daß dies das Zusammenstoßen der Vernünfteleien über einige Wahrheiten sei, denen sie keinen Glauben beimessen wollten. Der dritte floß ein von oben herab zur Rechten. Dieser war knirschend (stridens), nicht so sehr konfus. Dieses Knirschen wandte sich hin und her, und es wurde gesagt, daß dies daher komme, daß die Wahrheiten kämpften, die in dieser Weise durch Vernünfteleien hin und her gewendet werden.

Während diese Konflikte fortdauerten, waren gleichwohl Geister da, die mit mir redeten und sagten, was das einzelne bedeutete, wobei ihre Rede durch jenes Getöse vernehmlich hindurchdrang. Gegenstände über Vernünfteleien waren besonders diese, ob es buchstäblich zu verstehen sei, daß die zwölf Apostel sitzen werden auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels; sodann weiter, ob auch andere in den Himmel eingelassen werden sollten als solche, die Verfolgungen und allerlei Elend erduldet hatten. Jeder räsonierte nach seiner Phantasie, die er bei Leibesleben aufgeschnappt hatte, einige von ihnen aber, die in eine Gemeinschaft und Ordnung gebracht wurden, wurden nachher belehrt, daß es ganz anders zu verstehen sei, daß nämlich unter den Aposteln nicht Apostel verstanden wurden und unter den Thronen nicht Throne, noch unter den Stämmen Stämme, selbst nicht zwölf unter zwölf, sondern durch jene — nämlich sowohl die Apostel als die Throne und Stämme, wie auch durch zwölf — bezeichnet wurden die vornehmsten Stücke (Primaria) des Glaubens: Nr. 2089 und daß durch diese, und diesen gemäß, das Gericht über einen jeden gehalten werde; und über dies wurde gezeigt, daß die Apostel nicht einmal einen einzigen Menschen richten könnten, sondern daß alles Gericht Sache des Herrn allein sei. Betreffend den anderen Punkt, so sei auch dies nicht so zu verstehen, daß allein die in den Himmel kommen würden, die Verfolgungen und allerlei Elend erduldet haben, sondern ebensowohl Reiche als Arme, ebensowohl die in Würden Stehenden wie die von geringem Stande; und daß der Herr sich aller erbarme, besonders derer, die in geistigen Nöten und Versuchungen, (die Verfolgungen von seiten der Bösen sind,) gewesen waren, somit derjenigen, die anerkennen, daß sie aus sich selbst elend sind und glauben, es sei bloß Folge der Barmherzigkeit des Herrn, daß sie selig werden.

*2130. Was das zweite betrifft, nämlich die Darstellung des Letzten Gerichts vor den Guten, wenn sie in den Himmel eingelassen werden, so darf ich berichten, wie es sich damit verhält:

Es wird im Wort gesagt, die Türe sei geschlossen worden, so daß sie nicht mehr eingelassen werden können, und es habe ihnen an Öl gemangelt, und sie seien zu spät gekommen und deshalb nicht eingelassen worden, wodurch gleichfalls der Zustand des Letzten Gerichts bezeichnet wird. Wie es sich damit verhält, und wie es zu verstehen ist, ist mir gezeigt worden.

Ich hörte Gesellschaften von Geistern, eine nach der anderen, mit lauter Stimme sagen: der Wolf habe sie fortnehmen wollen, der Herr aber habe sie herausgerissen. und so seien sie dem Herrn wiedergegeben worden, worüber sie sich aus innerstem Herzensgrunde freuten; denn sie waren in Verzweiflung, somit in der Furcht gewesen, die Türe möchte geschlossen und sie zu spät gekommen sein, so daß sie nicht mehr eingelassen werden könnten. Ein solcher Gedanke war ihnen von denen ein geflößt worden, die Wölfe genannt werden. Er verschwand aber dadurch, daß sie eingelassen, d.h. von engelischen Gesellschaften aufgenommen wurden. Die Einlassung in den Himmel ist nichts anderes.

Die Einlassung erschien mir, als gleichsam geschehen und fortgesetzt an Gesellschaften bis zu zwölf und daß die zwölfte schwieriger als die elf vorhergehenden, eingelassen, d.h. aufgenommen wurde. Nachher wurden auch zugelassen acht gesellschaftartige Gemeinschaften (octo quasi societates), und es wurde mir angezeigt, daß diese vom weiblichen Geschlecht waren.

Nachdem ich dies gesehen, wurde gesagt, dieses Verfahren bei der Zulassung, d.h. der Aufnahme in himmlische Gesellschaften, komme so zur Erscheinung, und zwar fortwährend, der Ordnung nach von einem Ort in den anderen. Sodann auch, daß der Himmel in Ewigkeit nie ausgefüllt und noch weniger, daß die Türe je geschlossen werde, sondern je mehr dahin kommen, desto größere Wonne und Seligkeit werde denen im Himmel zuteil, weil dadurch eine stärkere Einmütigkeit entstehe.

Nachdem jene eingelassen waren, schien es, als ob der Himmel geschlossen würde; denn es waren mehrere da, die hernach auch eingelassen, d.h. aufgenommen werden wollten. Allein sie bekamen zur Antwort, daß das noch nicht geschehen könnte, was bezeichnet wird durch die „zu spät Kommenden“, durch das „Geschlossenwerden der Türe“, durch „die Anklopfenden“ und dadurch, „daß es ihnen an Öl gefehlt habe in den Lampen“. Daß diese nicht zugelassen wurden, hatte seinen Grund darin, daß sie noch nicht vorbereitet waren, um in engelischen Gesellschaften sein zu können, wo gegenseitige Liebe waltet; denn, wie Nr.2119 am Ende gesagt worden, die, welche in Liebtätigkeit gegen den Nächsten in der Welt gelebt hatten, werden vom Herrn stufenweise in den Himmel erhoben.

Es waren auch andere Geister da, die nicht wußten, was der Himmel ist, daß er nämlich in gegenseitiger Liebe besteht. Diese wollten dann auch eingelassen werden, in der Meinung, es sei nur eine Einlassung. Sie bekamen aber zur Antwort, es sei für sie noch nicht Zeit, daß sie aber zu einer anderen Zeit, wenn sie erst vorbereitet wären, eingelassen werden würden.

Daß zwölf Gesellschaften erschienen, davon war der Grund der, daß zwölf alles zum Glauben Gehörige bedeutet, wie Nr. 2129 am Ende gesagt worden ist.

*2131. Die, welche eingelassen werden, werden von den engelischen Gesellschaften mit der innigsten Liebe und entsprechender Freude aufgenommen, und es wird ihnen alle Liebe und Freundschaft erzeigt. Wenn sie aber in den Gesellschaften, zu denen sie zuerst kommen, nicht gerne sein wollen, so werden sie von anderen Gesellschaften aufgenommen, und dies nacheinander fort, bis sie zu derjenigen Gesellschaft kommen, mit der sie dem Leben der gegenseitigen Liebe nach, das sie haben, übereinstimmen, und in ihr bleiben sie so lange, bis sie noch vollkommener werden, und dann von da in eine noch größere Seligkeit erhoben und erhöht werden, und zwar dies vermöge der Barmherzigkeit des Herrn, gemäß dem Leben der Liebe und Liebtätigkeit, das sie in der Welt angenommen hatten.

Allein die Versetzung von einer Gesellschaft in die andere geschieht nie durch Ausstoßen aus der Gesellschaft, in der sie sind, sondern infolge eines freien Wollens bei ihnen, gemäß dem Verlangen, das ihnen vom Herrn eingeflößt wird, und weil ihren Wünschen gemäß, so geschieht alles mit Freiheit.

*2132. Wenn es im Worte heißt: es sei auch einer hineingegangen, der nicht mit einem hochzeitlichen Kleid angetan war (Matth. 22/11-13), und derselbe sei hinausgeworfen worden, so wurde auch gezeigt, wie es sich damit verhält:

Es gibt solche, die bei Leibesleben den Kunstgriff erlernt hatten, sich in Engel des Lichts verstellen zu können, und wenn sie dann im anderen Leben in diesem heuchlerischen Zustand sind, können sie sich auch in die nächsten himmlischen Gesellschaften einschleichen. Allein sie verbleiben nicht lange daselbst, denn sobald sie die Sphäre der gegenseitigen Liebe dort spüren, werden sie von Furcht und Schauder ergriffen und stürzen sich von da herab, und dann erscheint es in der Geisterwelt, wie wenn sie herabgeworfen worden wären. Einige einem Sumpf zu, andere der Gehenna zu, andere in irgendeine andere Hölle.

*2133. Zwei und dreimal ist mir, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, der Himmel bis dahin aufgetan worden, daß ich die gemeinsame Verherrlichung des Herrn hörte. Diese war von der Art, daß mehrere Gesellschaften zusammen und einmütig, dennoch aber jede Gesellschaft für sich durch verschiedene Gefühle und daraus hervorgehende Vorstellungen, den Herrn verherrlichten. Es war eine himmlische Stimme, die gehört wurde in die Länge und Breite, und zwar so ins Unermeßliche fort, daß das Gehör sich verlor ins Endlose, wie das Gesicht, wenn es ins Weltall hinausblickt. Und dies geschah mit der innigsten Freude und der innigsten Seligkeit. Auch wurde die Verherrlichung des Herrn zuweilen wahrgenommen gleich einer herabströmenden und das Inwendigere des Gemüts anregenden Ausstrahlung. Diese Verherrlichung geschieht, wenn sie im Zustand der Ruhe und des Friedens sind; denn alsdann ergießt sie sich aus ihren innigsten Freuden und aus den Seligkeiten selbst.


*2289. Vom Zustand der Kinder im anderen Leben.

Es wurde mir für gewiß zu wissen gegeben, daß alle Kinder, die auf dem ganzen Erdkreis sterben, vom Herrn auferweckt, in den Himmel versetzt und dort bei den Engeln, die für sie zu sorgen haben, auferzogen und unterrichtet werden und dann, so wie sie an Einsicht und Weisheit zunehmen, heranwachsen.

Hieraus kann erhellen, wie unermeßlich groß der Himmel allein von den Kindern her ist, denn sie alte werden in den Wahrheiten des Glaubens, und im Guten der gegenseitigen Liebe unterrichtet und werden zu Engeln.

*2290. Die, welche nichts vom Zustand des Lebens nach dem Tode wissen, könnten meinen, daß die Kinder, sobald sie ins andere Leben kommen, sogleich in engelischer Einsicht und Weisheit seien, daß es sich aber anders verhält, davon bin ich durch viele Erfahrung belehrt worden.

Die, welche nicht lange nach der Geburt verscheiden, sind von kindlichem Gemüt beinahe wie auf der Erde, und wissen auch nichts weiter, denn sie haben bei sich nur die Fähigkeit zu wissen, vermöge dieser zu verstehen und weise zu sein, welche Fähigkeit vollkommener ist, weil sie nicht im Körper sich befinden, sondern Geister sind. Daß sie so beschaffen sind, wenn sie eben erst in den Himmel kommen, ist mir nicht nur gesagt, sondern auch gezeigt worden. Denn einige Male sind, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, Kinder in Chören zu mir gesandt worden, und es wurde auch gestattet, ihnen das Gebet des Herrn vorzulesen und zugleich dann gegeben wahrzunehmen, wie die Engel, in deren Genossenschaft sie waren, in ihre zarten und neuangehenden Vorstellungen, den Sinn der im Gebet des Herrn enthaltenen Dinge einflößten, und diese in dem Maß wie sie es aufnehmen konnten, erfüllten; und hernach, wie ihnen das Vermögen gegeben wurde, ähnliches wie aus sich zu denken.

*2291. Wie ihr zarter Verstand beschaffen ist, wurde mir auch gezeigt, als ich das Gebet des Herrn betete, und sie alsdann in die Vorstellungen meines Denkens aus ihrem Verstandesvermögen ein flossen, was so zart war, daß sie kaum etwas weiter als den Sinn der Worte hatten; dennoch aber waren ihre Vorstellungen bei solcher Zartheit fähig, aufgeschlossen zu werden bis zum Herrn hin, d.h. bis vom Herrn her; denn der Herr fließt in die Vorstellungen der Kinder vorzugsweise vom Innersten her ein, denn noch hat nichts ihre Vorstellungen verschlossen, wie bei den Erwachsenen, keine Grundsätze des Falschen, die sie am Verstehen des Wahren und kein Leben des Bösen, das sie an der Aufnahme des Guten, und so am Weisesein hinderte.

*2292. Hieraus kann erhellen, daß die Kinder nicht sogleich nach dem Tod in den engelischen Zustand kommen, sondern daß sie durch die Erkenntnisse des Guten und Wahren allmählich eingeführt werden, und zwar dies ganz gemäß der himmlischen Ordnung; denn das allereinzelnste ihrer Anlage wird dort aufs genaueste wahrgenommen und gemäß allen und jeden Momenten ihrer Neigung werden sie angetrieben, das Wahre des Guten, und das Gute des Wahren aufzunehmen, und zwar unter fortwährender Leitung des Herrn.

*2293. Vornehmlich werden sie immerfort dazu angeleitet, keinen anderen Vater zu wissen und hernach anzuerkennen als allein den Herrn, und daß sie von Ihm das Leben haben; denn daß sie Lebenssubjekte sind, nämlich wahrhaft menschliche und engelische, kommt von dem Verständnis des Wahren und von der Weisheit des Guten her, die sie einzig vom Herrn haben. Daher kommt, daß sie nichts anderes wissen, als daß sie im Himmel geboren seien.

*2294. Mehrmals, als Kinder in Chören sich bei mir befanden, solange sie noch ganz kindlich waren, wurden sie gehört wie etwas ungeordnetes Zartes, so daß sie noch nicht als eines zusammenwirkten, wie nachher, als sie mehr erwachsen waren; und, worüber ich mich wunderte, die Geister hei mir konnten sich nicht enthalten, ihnen Anleitung zu gehen, nämlich zum Denken und zum Reden. Es ist den Geistern solche Begierde angeboren, aber ebenso oft wurde beobachtet, daß die Kinder sich sträubten, indem sie nicht so denken und nicht so reden wollten. Das Widerstreben und Sichsträuben mit einer Art von Unwillen habe ich öfter wahrgenommen, und als ihnen einige Gelegenheit zum Reden gegeben war, sagten sie nur, daß es nicht so sei. Ich wurde belehrt, daß von dieser Art die Versuchung der Kinder im anderen Leben sei, damit sie sich angewöhnen und angeleitet werden, nicht allein dem Falschen und Bösen zu widerstehen, sondern auch, nicht aus einem anderen zu denken, zu reden und zu handeln, somit sich nicht von einem anderen leiten zu lassen, als allein vom Herrn.

*2295. Wenn die Kinder nicht in jenem Zustand sind, sondern in einer inwendigeren, nämlich engelischen Sphäre, dann können sie nicht im Geringsten von Geistern angefochten werden, selbst dann nicht, wenn sie in deren Mitte sind. Zuweilen werden auch Kinder, die im anderen Leben sind, vom Herrn zu Kindern auf Erden gesandt, obgleich das Kind auf der Erde gar nichts davon weiß; dies macht ihnen gar große Freude.

*2296. Wie ihnen alles durch Angenehmes und Liebliches, das ihrer Sinnesart entspricht, beigebracht wird, ist mir auch gezeigt worden. Ich durfte Kinder sehen, die äußerst zierlich gekleidet waren, um die Brust mit Gewinden von Blumen, die in den lieblichsten und wahrhaft himmlischen Farben erglänzten, und außerdem auch dergleichen um ihre zarten Armchen. Einmal durfte ich auch Kinder sehen mit Jungfrauen, ihren Erzieherinnen, in einem paradiesischen Garten, der nicht sosehr mit Bäumen, als mit lorbeerähnlichen Lauben und dergleichen Bogengängen, überaus schön geschmückt war, mit Wegen, die gegen die inwendigeren Teile hinführten: und als die Kinder selbst, die damals ebenso gekleidet waren, eintraten, erglänzte das Blumengehänge über dem Eingang aufs heiterste.

Hieraus kann erhellen, was für Wonnegenüsse ihnen geboten werden, und daß sie durch Liebliches und Angenehmes eingeführt werden in Gutes der Unschuld und Liebtätigkeit, das jenem Angenehmen und Lieblichen fortwährend vom Herrn eingeflößt wird.

*2297. Außerdem werden die Kinder, so wie sie vervollkommnet werden, auch mit Atmosphären gemäß dem Zustand ihrer Vervollkommnung umgeben. Daß es im anderen Leben Atmosphären von unendlicher Mannigfaltigkeit, und unaussprechlicher Schönheit gibt, sehe man durch Erfahrung belegt Nr. 1621. Es stellen sich ihnen hauptsächlich Atmosphären dar wie mit spielenden Kindern in kleinster unsichtbarer, nur in innerster Vorstellung wahrnehmbarer Gestalt, wovon sie jene himmlische Vorstellung fassen, daß alles und jedes um sie her lebe, und daß sie im Leben des Herrn seien, das ihr Innerstes mit Seligkeit erfüllt.

*2298. Es wurde mir in einer im anderen Lehen gewöhnlichen Weise der Mitteilung gezeigt, welcherlei die Vorstellungen der Kinder sind, wenn sie einige Gegenstände sehen: sie waren wie wenn alles und jedes lebte, so daß sie in den einzelnen Vorstellungen ihres Denkens Leben hatten: und ich wurde inne, daß die Kinder auf Erden beinahe die gleichen Vorstellungen haben, wenn sie in ihren kindlichen Spielen sind, denn sie haben noch nicht, wie die Erwachsenen, eine Reflexion von etwas Unbeseeltem.

*2299. Die Kinder werden hauptsächlich durch Vorbildungen, die ihren Gemütsarten angemessen sind, unterrichtet; und wie schön diese sind und zugleich wie voll von Weisheit von innen her, kann niemand je glauben. So wird ihnen stufenweise Einsicht beigebracht, die ihre Seele von dem Guten her hat.

Nur eine Vorbildung, die mir zu sehen gegeben wurde, darf ich hier anführen, und aus ihr kann man einen Schluß auf die übrigen machen: sie bildeten den Herrn vor, wie Er aus dem Grab aufstieg, und zugleich die Vereinigung Seines Menschlichen mit dem Göttlichen, und dies geschah in so weisheitsvoller Weise, daß es über alle menschliche Weisheit hinausging und doch zugleich in kindlich unschuldiger Art. Sie stellten auch das Grab im Bilde dar, aber nicht zugleich ein Bild des Herrn, außer so entfernt gehalten, daß man kaum inne wurde, daß es der Herr sei, nur wie von weitem, und dies darum, weil in der Vorstellung des Grabes etwas von einer Leiche (funus) liegt, was sie so beseitigten. Hernach ließen sie in höchst kluger Weise ins Grab etwas Atmosphärenartiges hinein gelangen, das aber dennoch wie ein dünnes Wasser erschien, wodurch sie, ebenfalls unter schicklicher Fernhaltung, das geistige Leben in der Taufe bezeichneten. Hernach sah ich, wie von ihnen das Hinabfahren des Herrn zu den Gebundenen und das Auffahren mit den Gebundenen in den Himmel vorgebildet wurde, und zwar dies mit unvergleichlich klugem und frommem Sinn. Und, was ganz kindlich war, als sie den Herrn bei den Gebundenen in der unteren Erde vorbildeten, ließen sie beinahe unsichtbare, ganz weiche und höchst zarte Seilchen nieder, um den Herrn damit beim Aufsteigen emporzuheben. Immer in frommer Besorgnis, in der Vorbildung an etwas anzustreifen, in dem nicht himmlisch Geistiges wäre: um zu übergehen andere Vorbildungen, in denen sie sind, und durch die sie, wie durch Spiele, die den kindlichen Gemütern angemessen sind, in Erkenntnisse des Wahren und in Gefühle des Guten eingeleitet werden.

*2300. Überdies sind die Kinder von verschiedener Sinnesart und Anlage, und zwar infolge des Anererbten, das sie von den Eltern und durch die Geschlechterfolge von Großeltern und Ahnen her haben; denn die durch Angewöhnung bestärkte Handlungsweise der Eltern wird zur anderen Natur (induit naturam) und durch Vererbung den Kindern ein gepflanzt, daher deren verschiedene Neigungen.

*2301. Im allgemeinen sind die Kinder entweder von himmlischer oder von geistiger Gemütsart. Die von himmlischer Gemütsart sind, kennt man wohl heraus von denen mit geistiger Gemütsart: jene denken, reden und handeln etwas weicher (molliuscule), so daß kaum irgend etwas anderes zum Vorschein kommt, als was aus der Liebe des Guten zum Herrn und zu anderen Kindern herfließt. Diese aber sind nicht so sanft, sondern es zeigt sich gleichsam etwas schwunghaft Geflügeltes im einzelnen bei ihnen. Sodann stellt es sich auch heraus in ihrem Unwillen, außer anderem. So hat ein jedes Kind eine von jedem anderen verschiedene Anlage, und jedes wird der Anlage gemäß erzogen.

*2302. Es gibt bestimmte, und zwar viele Gesellschaften von Engeln, die für die Kinder Sorge tragen, es sind besonders solche aus dem weiblichen Geschlecht, die bei ihrem Leibeslehen die Kinder zärtlich geliebt hatten. Die Kinder, die braver als andere sind, bringen sie in gewisser Art dem Herrn dar.

*2303. Engelische Geister, die oben nach vorne waren, redeten mit mir in der Engelssprache, die nicht in Wörter geschieden ist, und sagten, ihr Zustand sei ein Zustand der Friedensruhe, und es seien bei ihnen auch Kinder, und in dem Umgang mit diesen empfänden sie Seligkeit; auch diese Geister waren aus dem weiblichen Geschlecht.

Sie sprachen ferner von den Kindern auf Erden, daß bei diesen gleich nach der Geburt Engel aus dem Himmel der Unschuld seien, im darauf folgenden Alter Engel aus dem Himmel der Friedensruhe, nach her solche aus den Gesellschaften der Liebtätigkeit, und hernach sowie die Unschuld und Liebtätigkeit bei den zum Gebrauch ihrer Freiheit gekommenen Kindern (apud infantes liberos) abnimmt, andere Engel. Und zuletzt, wenn sie noch mehr heranwachsen und in ein der Liebtätigkeit entfremdetes Leben eintreten, seien zwar Engel da, aber entfernter, und zwar dies gemäß den Endabsichten des Lebens, welche die Engel vorzugsweise regieren, indem sie fortwährend gute einflößen und böse abwenden. In dem Maß aber, wie sie das können oder nicht können, fließen sie näher oder entfernter ein.

*2304. Manche könnten meinen, daß die Kinder im anderen Leben Kinder bleiben, und daß sie wie Kinder unter den Engeln seien. Die, welche in Unkunde sind, was ein Engel ist, konnten in dieser Meinung bestärkt werden durch die Bilder, die man hie und da in den Kirchen und anderwärts sieht, wo Engel als Kinder dargestellt werden, allein die Sache verhält sich ganz anders.

Einsicht und Weisheit macht den Engel, und solange die Kinder diese noch nicht haben, sind sie zwar bei den Engeln, aber sie sind nicht Engel. Wenn sie aber verständig und weise geworden sind, dann erst werden sie Engel. Ja, worüber ich mich wunderte, sie erscheinen als dann nicht als Kinder, sondern als Erwachsene, denn sie haben alsdann keinen kindischen Geist mehr, sondern einen gereifteren engelischen. Die Verständigkeit und Weisheit bringt dies mit sich, denn daß Verstand und Urteilskraft und das durch diese bestimmte Leben machen, daß jeder sich und anderen als Erwachsener erscheint, kann jedem klar sein.

Daß dem so ist, hin ich nicht bloß von den Engeln belehrt worden, sondern ich habe auch mit einem gesprochen, der als Kind gestorben war und nachher dennoch als ein Erwachsener erschien. Eben derselbe sprach auch mit seinem Bruder, der im erwachsenen Alter hingeschieden war, und zwar mit so großer brüderlicher gegenseitiger Liebe, daß der Bruder sich des Weinens gar nicht enthalten konnte, indem er sagte, er habe nichts anderes empfunden, als daß es die Liebe selbst sei, die redete. Außer anderen Beispielen, die nicht erwähnt zu werden brauchen.

*2305. Es gibt einige, die meinen, die Unschuld sei ein und dasselbe mit der Kindheit, weil der Herr von den Kindern gesagt hat, solchen gehöre der Himmel, und die nicht werden wie Kinder, könnten nicht ins Reich der Himmel eingehen. Die aber so meinen, kennen nicht den inneren Sinn des Wortes und wissen somit nicht, was unter der Kindheit verstanden wird.

Unter der Kindheit wird verstanden die Unschuld der Einsicht und Weisheit, die von der Art ist, daß sie anerkennen, daß sie vorn Herrn allein das Leben haben und der Herr ihr alleiniger Vater ist; denn daß der Mensch ein Mensch ist, kommt von der Einsicht in das Wahre und von der Weisheit des Guten her, die sie einzig vom Herrn haben. Die eigentliche Unschuld, die im Worte Kindheit genannt wird, ist und wohnt nirgends als in der Weisheit, so sehr, daß je weiser einer ist, desto unschuldiger er ist. Daher der Herr die Unschuld selbst ist, weil die Weisheit selbst.

*2306. Was die Unschuld der Kinder betrifft, so ist dieselbe, weil noch ohne Einsicht und Weisheit, nur ei ne Art Grundlage zur Aufnahme der echten Unschuld, die sie in dem Grad aufnehmen, in dem sie weise werden.

Es wurde mir die Beschaffenheit der Unschuld der Kinder vorgebildet durch etwas Hölzernes, das beinahe leblos ist, aber belebt wird, so wie sie durch Erkenntnisse des Wahren und Gefühle des Guten vervollkommnet werden. Und hernach wurde mir, wie die echte Unschuld beschaffen ist, vorgebildet durch ein sehr schönes, ganz lebendiges, aber nacktes Kind. Denn die eigentlich Unschuldigen, die im innersten Himmel und so dem Herrn ganz nahe sind, erscheinen vor den Augen der anderen Engel nicht anders als Kinder, und zwar nackt, denn die Unschuld wird vorgebildet durch eine Nacktheit, deren sie sich nicht schämen, wie man vom ersten Menschen und seinem Weibe im Paradiese liest.

Mit einem Wort, je weiser die Engel sind, desto unschuldiger, und je unschuldiger, desto mehr erscheinen sie sich als Kinder; daher kommt, daß die Unschuld im Worte durch die Kindheit bezeichnet wird; doch vom Stand der Unschuld, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden.

*2307. Ich sprach mit den Engeln von den Kindern, ob sie rein vom Bösen seien, weil sie noch nicht, wie die Erwachsenen, ein wirkliches Böse haben; allein es wurde mir gesagt, sie seien ebenso im Bösen, ja auch sie seien nichts als Böses, werden aber, wie alle Engel, durch den Herrn vom Bösen abgehalten und im Guten gehalten, so sehr, daß es ihnen scheint, als ob sie aus sich im Guten wären. Damit daher die Kinder, nachdem sie im Himmel Erwachsene geworden, nicht in der falschen Meinung von sich sein möchten, als ob das Gute bei ihnen aus ihnen selbst und nicht aus dem Herrn sei, werden auch sie zuweilen in ihr Böses, das sie erblich empfangen haben, zurückversetzt und darin belassen, bis sie wissen, anerkennen und glauben, daß es sich so verhält.

So war denn auch einer, der als Kind gestorben, aber im Himmel groß geworden war, in der gleichen Meinung, weshalb er in das ihm angeborene Leben des Bösen zurückversetzt wurde, und dann wurde mir gegeben, aus seiner Sphäre inne zu werden, daß er die Neigung hatte, über andere zu herrschen und sich aus Unzüchtigem nichts zu machen, was das Böse war, das er von den Eltern ererbt hatte. Nachdem er aber anerkannt hatte, daß es so sei, wurde er dann wieder unter die Engel aufgenommen, unter denen er vorher war.

*2308. Niemals hat jemand im anderen Leben Strafe zu leiden für das anererbte Böse, weil es nicht sein eigen ist, und er somit nicht daran schuld ist, daß er so ist, sondern nur für das wirkliche Böse, das sein Eigen ist, somit auch soviel er sich vom anererbten Bösen durch das wirkliche Leben angeeignet hat, wie Nr. 966 gesagt worden ist. Daß die Kinder, nachdem sie Erwachsene geworden, in den Zustand ihres Erbbösen zurückversetzt werden, geschieht nicht deswegen, daß sie dafür Strafe abbüßen, sondern damit sie wissen, daß sie aus sich nichts als Böses sind, und daß sie von der Hölle, die bei ihnen ist, aus Barmherzigkeit des Herrn in den Himmel versetzt worden, und im Himmel nicht durch eigenes Verdienst, sondern durch den Herrn sind, und damit sie sich nicht wegen des Guten, das bei ihnen ist, vor anderen rühmen möchten, denn dies ist gegen das Gute der gegenseitigen Liebe, so wie es gegen das Wahre des Glaubens ist.

*2309. Aus dem, was hier angeführt worden, kann erhellen, welcherlei die Erziehung der Kinder im Himmel ist, daß sie nämlich durch die Einsicht in das Wahre und durch die Weisheit des Guten, eingeführt werden in das engelische Leben, welches die Liebe zum Herrn ist und die gegenseitige Liebe, in der die Unschuld ist. Wie sehr aber bei vielen die Erziehung der Kinder auf Erden das Gegenteil ist, konnte schon allein aus folgendem Beispiel erhellen:

Ich war auf der Straße einer großen Stadt und sah kleine Knaben sich miteinander schlagen. Es strömte viel Volkes herbei, das diesem Schauspiel mit vielem Vergnügen zusah, und ich erfuhr, daß die Eltern selbst die kleinen Knaben, ihre Kinder, zu solchen Kämpfen anregen. Die guten Geister und die Engel, die dies durch meine Augen sahen, hatten solchen Abscheu daran, daß ich ein Schaudern empfand, und hauptsächlich deshalb, weil die Eltern sie zu dergleichen anreizen. Die Engel sagten, daß sie so im ersten Alter alle gegenseitige Liebe und alle Unschuld, welche die Kinder vom Herrn haben, auslöschen und sie zu Haß und Rache anleiten, folglich ihre Kinder geflissentlich vom Himmel, wo nichts als gegenseitige Liebe ist, ausschließen. Mögen sich also Eltern, die es mit ihren Kindern gut meinen, vor dergleichen hüten.


*2469. Vom Gedächtnis des Menschen, sofern es nach dem tode bleibt, und von der Rückerinnerung an das, was er bei Leibesleben getan hat.

Kaum ist wohl bis jetzt jemanden bekannt, daß ein jeder Mensch zwei Gedächtnisse hat, ein äußeres (exterior) und ein inneres (interior); und daß das äußere das seinem Leib, das Innere aber das seinem Geist eigene ist.

*2470. Solange der Mensch im Leibe lebt, kann er kaum wissen, daß er ein inneres Gedächtnis hat, weil alsdann da innere Gedächtnis beinahe eins ausmacht mit seinem äußeren; denn die Vorstellungen des Denkens, die dem inneren Gedächtnis angehören, fließen ein in die Dinge, die im äußeren Gedächtnis sind wie in ihre Gefäße und verbin den sich daselbst mit diesen.

Es verhält sich damit ebenso, wie wenn Engel und Geister mit dem Menschen reden: alsdann fließen ihre Vorstellungen, mittels derer sie untereinander reden, in die Wörter der Sprache des Menschen ein und verbinden sich mit diesen so, daß sie nicht anders wissen, als daß sie in der dem Menschen eigenen Muttersprache reden, während doch die Vorstellungen von ihnen sind und die Wörter, in die sie einfließen, vom Menschen.

*2471. Diese zwei Gedächtnisse sind ganz voneinander unter schieden. Zum äußeren Gedächtnis, das dem Menschen eigen ist, während er in der Welt lebt, gehören alle Wörter der Sprachen, sodann auch die Gegenstände der äußeren Sinneswahrnehmungen, sowie die Dinge des Wissens, welche die Welt betreffen. Zum inneren Gedächtnis gehören die Vorstellungen der Geistersprache, die Sache des in wendigen Auges sind, und alle Vernunfthegriffe, aus deren Vorstellungen das eigentliche Denken sich hervorbildet. Daß diese voneinander unterschieden sind, weiß der Mensch nicht, sowohl weil er nicht dar über reflektiert als weil er im Leiblichen ist und dann von diesem das Gemüt nicht so abziehen kann.

*2472. Daher kommt, daß die Menschen, solange sie im Leibe leben, unter sich nur reden können durch Sprachen, die in artikulierte Laute, d.h. in Wörter gesondert sind, und sich gegenseitig nicht verständigen können, wenn sie diese Sprachen nicht verstehen, und zwar darum nicht, weil dies aus dem äußeren Gedächtnis geschieht: daß hingegen die Geister unter sich durch eine Universalsprache reden, die in Vorstellungen, wie sie dem eigentlichen Denken angehören, geschieden ist, und daß sie sich so mit einem jeden Geist unterhalten können, was immer für einer Sprache und Nation in der Welt er angehört haben mochte. Der Grund ist, daß dies aus dem inneren Gedächtnis geschieht. In diese Sprache kommt jeder Mensch sogleich nach dem Tode, weil in dieses Gedächtnis, das, wie gesagt, seinem Geist eigen ist. Man sehe auch Nr. 1637, 1639, 1757, 1876.

*2473. Das innere Gedächtnis hat unermeßliche Vorzüge vor dem äußeren und verhält sich wie einige Myriaden zu eins, oder wie hell zu finster. Denn Myriaden von Vorstellungen des inneren Gedächtnisses fließen in einen einzigen Gegenstand des äußeren Gedächtnisses ein und stellen in diesem irgendein dunkles Allgemeines dar, daher alle Fähigkeiten der Geister und noch mehr der Engel, in einem vollkommeneren Zustand sind, nämlich sowohl ihre Sinnesempfindungen (sensationes) als auch ihre Gedanken und Wahrnehmungen (perceptiones).

Welch einen Vorzug das innere Gedächtnis vor dem äußeren hat, kann an Beispielen erhellen: wenn sich ein Mensch eines anderen Menschen, der ihm seiner Beschaffenheit nach durch vieljährigen Umgang bekannt geworden ist, sei er nun Freund oder Feind, erinnert, so stellt sich das, was er dann von ihm denkt, als ein dunkles Etwas dar, und zwar. weil es aus dem äußeren Gedächtnis geschieht. Wenn dagegen derselbe Mensch, nachdem er ein Geist geworden ist, sich desselben er innert, so stellt sich das, was er dann von ihm denkt, nach allen Vorstellungen, die er je von ihm gefaßt hat, dar, und zwar, weil es aus dem inneren Gedächtnis geschieht. Ebenso verhält es sich mit jeder Sache: die Sache selbst, von der er vieles weiß, stellt sich im äußeren Gedächtnis als ein allgemeines Etwas dar, im inneren Gedächtnis hingegen nach den Einzelheiten, deren Vorstellung er je von einer Sache sich verschafft hatte, und zwar dies in wunderbarer Gestalt.

*2474. Alles, was immer ein Mensch hört und sieht, und wovon er angeregt wird, das dringt nach seinen Vorstellungen und Zwecken ohne Wissen des Menschen in sein inneres Gedächtnis ein und bleibt in diesem, so daß gar nichts verlorengeht, obwohl es sich im äußeren Gedächtnis verwischt. Das innere Gedächtnis ist also von der Art, daß ihm das einzelne, ja das allereinzelnste, was je ein Mensch gedacht, geredet und getan hat, ja was ihm wie ein Schatten erschienen ist, mit den geringsten Kleinigkeiten (cum minutissimis), von der ersten Kindheit bis zum letzten Augenblick des Greisenalters, eingeschrieben ist. Das Gedächtnis von all diesen Dingen hat der Mensch hei sich, wenn er ins andere Leben kommt, und er wird nach und nach zu aller Erinnerung daran hingeführt. Dies ist das Buch seines Lebens, das im anderen Leben geöffnet und nach dem er gerichtet wird. Dies kann der Mensch kaum glauben, allein es ist dennoch ganz gewiß wahr. Alle Endzwecke, die für ihn im Dunkeln waren, und alle Gedanken, wie auch alle Reden und Handlungen von daher, sind bis auf das kleinste Tüpfelchen in jenem Buch, d.h. im inneren Gedächtnis, und liegen, so oft der Herr es gestattet, den Engeln offen da wie am hellen Tag. Dies ist mir einige Male gezeigt worden und durch so viele Erfahrungen gewiß geworden, daß auch nicht der geringste Zweifel übrigblieb.

*2475. Keinem noch ist bis jetzt bekannt, welches der Zustand der Seelen nach dem Tod in Rücksicht des Gedächtnisses ist: durch viele und lange, nun schon mehrjährige Erfahrung wurde mir zu wissen gegeben, daß der Mensch nach dem Tode gar nichts von dem verliert, was in seinen Gedächtnissen, sowohl was im äußeren als was im inneren gewesen ist, sodaß man sich gar nichts noch so Geringfügiges oder Kleinstes denken kann, das der Mensch nicht bei sich hätte; so daß er nach dem Tode durchaus nichts zurückläßt als bloß die Gebeine und das Fleisch, die, solange er in der Welt lebte, nicht beseelt waren aus sich, sondern vom Leben seines Geistes, das als seine reinere Substanz an das Körperliche geknüpft war.

*2476. Allein es verhält sich mit seinem äußeren Gedächtnis so, daß er zwar alles und jedes davon bei sich hat, aber sich desselben alsdann nicht bedienen darf, sondern nur des inneren (veruni modo interiore); der Gründe sind mehrere:

Der erste ist der, welcher angegeben worden, daß er nämlich aus dem inneren Gedächtnis im anderen Leben mit allen im Universum reden und umgehen kann.

Der zweite, daß dieses dem Geist eigene Gedächtnis seinem Zu stand angemessen ist, in dem er sich alsdann befindet; denn das Äußerliche, nämlich das Wißtümliche, Weltliche und Leibliche, ist dem Menschen angemessen und entspricht seinem Zustand, solange er in der Welt und im Leibe ist; dagegen aber das Innerliche, nämlich das Vernünftige, Geistige und Himmlische, ist angemessen und entspricht dem Geist.

*2477. Einst hörte ich Geister miteinander davon reden, daß alles, was als Prinzip ergriffen wird, worin es nun auch bestehen möge, durch Unzähliges begründet werden könne, und zwar bei dem, der sich darin begründet hat, zuletzt bis dahin, daß es, obwohl es falsch ist, dennoch als ganz wahr erscheint, und daß solche mehr vom Falschen als vorn Wahren überredet werden können. Damit sie hiervon überzeugt würden, wurde ihnen zum Nachdenken und Besprechen untereinander die Frage vorgelegt, ob es den Geistern fromme, sich des äußeren Gedächtnisses zu bedienen: (die Geister reden über solche Dinge unter sich viel trefflicher, als der Mensch glauben, ja fassen kann, aber jeder gemäß seiner Neigung:)

Diejenigen Geister, die fürs Leibliche und Weltliche waren, begründeten dies mit vielem, besonders aber mit folgenden Gründen: sie würden so nichts verloren haben, ja nach dem Tode ebenso Menschen sein wie zuvor. Sie könnten so durch einen Menschen wieder in die Welt kommen. Im äußeren Gedächtnis sei die Lust des Lebens, und in keiner anderen Fähigkeit und Gabe sei die Einsicht und Weisheit, außer vielem anderen, durch das sie sich in ihrer Ansicht bestärkten, bis ihnen dies als das Wahre erschien.

Allein andere dachten und redeten dann aus dem entgegengesetzten Prinzip. Wohl wissend, daß es das Wahre, weil in der göttlichen Ordnung gegründet ist, sagten sie: wenn die Geister sich des äußeren Gedächtnisses bedienen dürften, so wären sie dann in der gleichen Unvollkommenheit, in der sie sich früher befanden, da sie Menschen waren. Sie würden so in roheren und dunkleren Vorstellungen sein als diejenigen, die im inneren Gedächtnis sind, und so nicht nur mehr und mehr verdummen, sondern auch herabkommen, nicht emporkommen, somit auch nicht ewig leben. Denn sich wieder ins Weltliche und Leibliche versenken, hieße, sich wieder in den Zustand des Todes begeben. Ferner, wenn die Geister sich des äußeren Gedächtnisses bedienen dürften, so ginge das menschliche Geschlecht zugrunde, denn ein jeder Mensch werde vom Herrn durch Geister und Engel regiert. Wenn nun die Geister aus dem äußeren Gedächtnis in den Menschen einwirken würden, so könnte der Mensch nicht aus seinem eigenen Gedächtnis, sondern nur aus dem eines Geistes denken, somit würde der Mensch nicht mehr seines Lebens mächtig und nicht mehr selbständig sein, sondern wäre besessen. Die Besessenheiten seien ehedem nichts anderes gewesen, und dergleichen mehr.

*2478. Damit ich wüßte, wie es sich damit verhält, daß der Mensch nicht aus seinem Gedächtnis denken könnte, wenn die Geister aus ihrem äußeren Gedächtnis einwirkten, so wurde zwei- und dreimal zugelassen, daß dies geschah: und nun wußte ich nicht anders, als daß das mein sei, was nicht mein war, sondern dem Geist angehörte, und daß ich solche Dinge schon früher gedacht hätte, da ich sie doch nicht gedacht hatte. Und dies konnte ich nicht wahrnehmen, bevor sie wieder zurückgetreten waren.

*2479. Ein neu angekommener Geist wurde unwillig, daß er sich vieler Dinge, die er bei Leibesleben gewußt hatte, nicht mehr erinnerte, und es schmerzte ihn wegen des Angenehmen, das er eingebüßt und das ihm früher so großes Vergnügen gemacht hatte. Allein es wurde ihm gesagt, er habe gar nichts verloren, sondern wisse noch alles und jedes, es sei aber im anderen Leben nicht erlaubt, dergleichen hervorzuholen; und es sei genug, daß er jetzt viel besser und vollkommener denken und reden, und seine Vernunft nicht mehr wie früher versenken könne in dichtes Dunkel, d.h. in materielle und leibliche Dinge, die in dem Reich, in das er nun gekommen, von keinem Nutzen sind, und daß er die Dinge, die im Reich der Welt waren, zurückgelassen und nun alles habe, was für den Gebrauch des ewigen Lebens dienlich ist, und daß er so und nicht anders selig und glücklich werden könnte. Somit sei es ein Beweis von Unkenntnis, wenn man glaube, daß im anderen Leben mit dem Nichtgebrauch des leiblichen Gedächtnisses die Einsicht verlorengehe, während es sich doch so verhalte, daß in dem Maß wie sich das Gemüt vom Sinnlichen und Leiblichen trennen läßt, es zum Geistigen und Himmlischen erhoben werde.

*2480. Daß die Menschen nach dem Tod im inneren Gedächtnis sind, das ihrem Vernunftgebiet angehörte, hat zur Folge, daß diejenigen, die in der Welt eine bessere Kenntnis der Sprachen hatten als andere, nicht einmal ein einziges Wörtchen derselben hervorholen können, und die, welche mehr als andere in den Wissenschaften bewandert waren, auch nichts von Wissenschaftlichem, so daß sie sich zuweilen als dümmer erweisen als andere. Alles aber, was sie durch die Sprachen, und alles, was sie durch die Wissenschaften in sich aufgenommen haben, das holen sie, weil es ihre Vernunft gebildet hat, zum Gebrauch hervor. Das dadurch erworbene Vernünftige ist es, aus dem sie nun denken und reden. Wer durch die Sprachen und Wissenschaften Falsches aufgenommen und sich darin bestärkt hat, vernünftelt nur aus Falschem, wer aber Wahres, der redet aus dem Wahren. Die Neigung selbst ist es, die Leben gibt, die Neigung zum Bösen gibt dem Falschen, die Neigung zum Guten dem Wahren Leben. Aus der Neigung denkt ein jeder und ohne die Neigung keiner.

*2481. Daß die Menschen nach dem Tod, d.h. die Geister nicht das Geringste von dem verloren haben, was ihrem äußern oder leiblichen Gedächtnis angehört, sondern daß sie alles dazu Gehörige oder dasselbe ganz bei sich haben, obwohl sie aus demselben das Besondere ihres Lebens nicht hervorholen dürfen, ist mir durch viele Erfahrung zu wissen gegeben worden, wie dies aus Folgendem erhellen kann:

Zwei, die ich bei ihres Leibesleben gekannt hatte und die einander feind waren, trafen zusammen. Ich hörte den einen die Sinnesart des andern mit vielen Umständen schildern und dann sagen, welche Meinung er von ihm gehabt hatte. Er las einen ganzen Brief vor, den er an ihn geschrieben und vieles der Reihe nach, was ins Besondere ging und dem äußeren Gedächtnis angehörte, und was der andere schweigend an erkannte.

*2482. Ich hörte, wie einer den andern schalt, daß er seine Gelder behalten hatte und nicht zurückgeben wollte, und dies mit Umständen, welche dem äußeren Gedächtnis angehörten, bis der andere sich schämte. Ich hörte auch, wie der andere darauf antwortete und die Ursachen aufzählte, warum er dies getan habe, welches alles besondere weltliche Verhältnisse waren.

*2483. Frauensperson wurde in den Zustand versetzt, in dem sie war, als sie noch in der Welt lebte und gerade ein Verbrechen begehen wollte, und es traten dann die Einzelheiten der Gedanken und die Einzelheiten des Gespräches mit einer anderen wie ans helle Tageslicht hervor.

Eine aus der Rotte der Sirenen wurde, weil sie hartnäckig leugnete, daß sie eine solche bei Leibesleben gewesen war, in den Zustand des leiblichen Gedächtnisses versetzt, und dann wurden ihre Ehebrüche und Schandtaten, die, solange sie lebte, kaum jemand bekannt gewesen waren, aufgedeckt und der Reihe nach aufgezählt, beinahe gegen hundert: Wo sie gewesen war, mit welchen sie Ehebruch trieb, und worauf sie dabei aus war; und das alles so nach dem Leben wie am hellen Tag. So wurde sie überwiesen.

Dergleichen wird hervorgeholt, wenn einer nicht auf sich kommen lassen will, daß er so gewesen war, und zwar in lebendiger Wirklichkeit mit den einzelnen Umständen.

*2485. Es war einer bei mir, den ich bei seinem Leibesleben nicht gekannt hatte. Als ich fragte, ob er wisse, woher er sei, wußte er es nicht, aber durch das inwendigere Auge wurde er von mir durch die Städte geführt, in denen ich gewesen war und endlich durch die Stadt, aus der er stammte, und dann durch die Gassen und freien Plätze, die er alle kannte, und zuletzt in die Gasse, in der er gewohnt hatte, und wenn ich die Häuser und ihre Lage gewußt hätte, so hätte ich auch das erfahren können.

*2486. Daß die Menschen und jedes, was zu ihrem leiblichen Gedächtnis gehört, hei sich haben, davon konnte ich mich sehr oft vergewissern an denen, die ich bei ihrem Leibesleben gekannt hatte, sofern sie, wenn ich mit ihnen redete, alles und jedes wieder wußten, was sie in meiner Gegenwart getan und was sie geredet, und was sie dabei gedacht hatten. Aus diesen und vielen anderen Erfahrungen, wurde es mir zur Gewißheit, daß der Mensch alles zum äußeren oder leiblichen Gedächtnis Gehörige ins andere Leben mitnimmt.

*2487. Ich bin belehrt worden, daß das äußere Gedächtnis, an sich betrachtet, nichts anders ist als etwas Organisches, gebildet aus den Gegenständen der Sinne, besonders des Gesichts und des Gehörs, in denjenigen Substanzen, welche die Uranfänge der Nervenfasern sind, und daß gemäß den Eindrücken von jenen die Formenwechsel entstehen, die reproduziert werden, und daß diese Formen wechseln und sich ändern gemäß den Zustandsveränderungen, die mit den Neigungen und Überzeugungen vorgehen. Ferner daß das innere Gedächtnis ebenfalls etwas Organisches ist, aber ein reineres und vollkommeneres, gebildet aus den Gegenständen des inwendigen Auges, in welches Gegenstände in unbegreiflicher Ordnung auf gewisse Reihenfolgen verteilt sind.

*2488. Ehe ich durch lebendige Erfahrungen belehrt war, glaubte ich wie die anderen, daß kein Geist wissen könne, was in meinem Gedächtnis und was in meinem Denken ist, sondern daß es nur bei mir verborgen sei. Allein ich kann versichern, daß die Geister, die beim Menschen sind, alles in seinem Gedächtnis und seinen Gedanken haarklein wissen und wahrnehmen, und zwar dies noch viel deutlicher als der Mensch selbst. Und daß die Engel sogar die Endzwecke, wie sie sich vom Guten zum Bösen, und vom Bösen zum Guten wenden, und viel mehr als der Mensch weiß, sehen, wie z.B. das, was er in seine Lust und so gleichsam in seine Natur und Sinnesart versenkt hat, und was, wenn dies geschieht, nicht mehr in Erscheinung tritt, weil er nicht mehr dar über reflektiert.

Der Mensch soll also ja nicht mehr glauben, daß seine Gedanken verborgen seien und er keine Rechenschaft geben müsse von den Gedanken und Handlungen, je nach der Zahl und Beschaffenheit der Gedanken, die in denselben waren; denn die Handlungen haben von den Gedanken ihre Beschaffenheit und die Gedanken von den Endzwecken.

*2489. Was zum inneren Gedächtnis gehört, offenbart sich im an deren Leben durch eine gewisse Sphäre, an der man die Geister schon aus der Entfernung kennt, wie beschaffen, nämlich von welcher Neigung und Überzeugung sie sind. Jene Sphäre entsteht aus der Tätigkeit der Dinge im inneren Gedächtnis. Über diese Sphäre sehe man Nr. 1048, 1053, 1316, 1504.

*2490. Mit dem inneren Gedächtnis verhält es sich so, daß in dem selben nicht bloß alles und jedes aufbehalten wird, was der Mensch je von der Kindheit an gesehen und gehört und was er gedacht, geredet und getan hat, sondern auch das, was er im anderen Leben sieht und hört, und was er denkt, redet und tut. Allein dies geschieht mit Unterschied: Die, welche in der Überredung des Falschen und in der Begierde des Bösen sind, fassen auf und behalten alles, was mit ihnen übereinstimmt, denn es dringt ein wie Wasser in Schwämme, das übrige wird zwar auch angespült (alluunt), aber es wird nur so obenhin behalten, daß sie kaum wissen, daß es etwas ist. Hingegen die, welche im Glauben an das Wahre und in der Neigung zum Guten sind, behalten alles, was wahr und gut ist und werden dadurch fortwährend vervollkommnet. Daher kommt, daß sie belehrt werden können und belehrt werden im anderen Leben.

*2491. Es gibt Geister (von deren Heimat aufgrund göttlicher Barmherzigkeit des Herrn anderwärts geredet werden soll), die das innere Gedächtnis darstellen, diese reisen in Scharen umher und locken auf wunderbare Weise alles hervor, was andere wissen, und alles, was sie hören, teilen sie den ihrigen mit.

*2492. Welche Bewandtnis es mit den Gedächtnissen hat, wird zu weilen im anderen Leben sichtbar in Gestalten dargestellt, die bloß dort erscheinen, (es stellte sich dort vieles sichtbar dar, was sonst bei den Menschen bloß in die Ideen fällt).

Das äußere Gedächtnis stellt sich zur Erscheinung so dar wie eine dicke Haut (instar calli), das innere wie eine markige Substanz, wie sie sich im menschlichen Gehirn findet. Hierdurch wird auch zu erkennen gegeben, wie sie beschaffen sind: Bei denen, die sich bei Leibesleben bloß aufs Gedächtnis verlegt und so ihre Vernunft nicht ausgebildet hat ten, erscheint ihre Dickhäutigkeit hart und inwendig gekehrt (striata). Bei denen, die das Gedächtnis mit Falschheiten angefüllt hatten, erscheint sie haarig und struppig, und zwar dies infolge der ungeordneten Anhäufung von Sachen. Bei denen, die sich aus Selbst- und Weltliebe auf das Gedächtniswissen verlegt hatten, erscheint sie wie zusammengeleimt (conglutinata) und verhärtet. Bei denen, die durch Wissenschaftliches, besonders Philosophisches, in die göttlichen Geheimnisse eindringen und nicht eher glauben wollten, als wenn sie durch jenes überzeugt würden, erscheint sie wie eine dunkelfarbige (tenebricosa), von der Art, daß sie die Lichtstrahlen einsaugt und in Finsternis verkehrt. Bei denen, die Betrüger (dolosi) und Heuchler waren, erscheint sie wie knöchern und von Elfenbein, das die Lichtstrahlen zurückwirft.

Bei denen aber, die im Guten der Liebe und im Wahren des Glaubens waren, erscheint keine solche Dickhaut, weil ihr inneres Gedächtnis die Lichtstrahlen durchläßt in das Äußere, in dessen Gegenstände oder Vorstellungen die Strahlen wie in ihrer Grundlage oder wie in ihrem Boden sich begrenzen (terminantur) und hier leibliche Aufnahmegefäße finden. Denn das äußere Gedächtnis ist das Letzte der Ordnung, in das die geistigen und himmlischen Dinge sanft (molliter) aus laufen und zur Ruhe kommen, wenn daselbst Gutes und Wahres ist.

*2493. Ich redete mit den Engeln über das Gedächtnis der vergangenen, und der daher rührenden ängstlichen Sorge wegen der zukünftigen Dinge, und ich wurde belehrt, daß die Engel, je innerlicher und vollkommener sie sind, desto weniger um das Vergangene sich kümmern und an das Zukünftige denken, und daß darauf auch ihre Seligkeit beruht, indem sie sagen, daß der Herr ihnen in jedem Augenblick gebe, was sie denken sollen, und zwar dies mit einem seligen und wonnigen Gefühl, und daß sie oft ohne Sorgen und Bekümmernisse seien. Ferner, daß dieses im inneren Sinn unter dem verstanden werde, daß sie das Manna täglich vom Himmel empfingen und unter dem Täglichen des Brotes im Gebet des Herrn. Sodann daß man nicht sorgen soll, was man essen und trinken und womit man sich kleiden werde. Daß sie aber, ob wohl sie um das Vergangene sich nicht kümmern und wegen des Zukünftigen nicht besorgt sind, dennoch die vollkommenste Erinnerung an das Vergangene und eine Anschauung des Zukünftigen haben, weil in all ihrem Gegenwärtigen sowohl das Vergangene als auch das Zukünftige ist. So haben sie ein vollkommeneres Gedächtnis als je gedacht und ausgedrückt werden kann.

*2494. Menschen, die in der Liebe zum Herrn und in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten sind, haben, während sie in der Welt leben, bei sich und in sich engelische Einsicht und Weisheit, aber verborgen in dem Innersten ihres inneren Gedächtnisses. Diese Einsicht und Weisheit kann ihnen gar nicht ins Bewußtsein aufsteigen, ehe sie das Leibliche ausziehen. Alsdann wird das Gedächtnis des Besonderen, wovon oben die Rede war, eingeschläfert, und sie erwachen zum inneren Gedächtnis und allmählich in da eigentliche Engelische.

*2589. Zustand und Los der Völkerschaften und Völker im anderen Leben, die außerhalb der Kirche geboren sind.

Die allgemeine Meinung ist, daß diejenigen, die außerhalb der Kirche geboren wurden und Nichtchristen und Heiden (ethinici et gentiles) genannt werden, nicht selig werden können, weil sie nicht das Wort haben und daher nichts vom Herrn wissen, ohne den kein Heil ist.

Daß aber dennoch auch sie selig werden, kann man schon dar aus wissen, daß des Herrn Barmherzigkeit allumfassend ist, d.h. über alle einzelnen waltet; daß jene ebenso als Menschen geboren werden, wie die innerhalb der Kirche, deren verhältnismäßig wenige sind, und daß es nicht ihre Schuld ist, wenn sie vom Herrn nichts wissen.

Welches nun ihr Zustand und Los im anderen Lehen ist, wurde mir aus des Herrn göttlicher Barmherzigkeit gezeigt.

*2590. Vielfältig bin ich belehrt worden, daß Heiden, die ein gesittetes Lehen führten, gehorsam waren, und auch in gegenseitiger Liebtätigkeit lebten, und die ihrer Religion gemäß eine Art von Gewissen empfingen, im anderen Leben willkommen sind und dort mit angelegentlicher Sorge von den Engeln im Guten und Wahren des Glaubens unterrichtet werden.

Wenn dieselben unterrichtet werden, betragen sie sich bescheiden, verständig und weise; sie fassen leicht auf und eignen es sich gerne an, denn sie haben sich keine Grundsätze des Falschen gegen die Glaubenswahrheiten gebildet, die zu zerstören wären, noch weniger Ärgernisse gegen den Herrn, wie mehrere Christen, die ein Leben des Bösen führten. Außerdem haben solche keinen Haß gegen andere, sie rächen Beleidigungen nicht, auch spielen sie keine Ränke und Betrügereien, ja sie sind wohlwollend gegen die Christen, während umgekehrt diese jene verachten, auch soviel sie können schädigen, sie werden aber ihrer Unbarmherzigkeit vom Herrn entnommen und beschirmt.

Denn es verhält sich mit den Christen und Heiden so im anderen Leben, daß Christen, welche die Wahrheiten des Glaubens anerkannten und zugleich ein Leben des Guten führten, den Heiden bei der Aufnahme vorgezogen werden; aber solcher sind heutzutage wenige. Die Heiden aber, die im Gehorsam und gegenseitiger Liebtätigkeit lebten, werden vor den Christen aufgenommen, die kein so gutes Leben führten. Denn alle die im ganzen Weltkreis werden durch die Barmherzigkeit des Herrn aufgenommen und selig gemacht, die im Guten lebten, denn eben das Gute ist es, welches das Wahre aufnimmt. Das Gute des Lebens ist der eigentliche Boden für den Samen, d.h. für das Wahre; das Böse des Lebens nimmt es gar nicht an; wenngleich die, welche im Bösen sind, auf tausend Arten unterrichtet, sogar wenn sie die Bestunterrichteten würden, so gehen gleichwohl die Glaubenswahrheiten bei ihnen nicht weiter als ins Gedächtnis und dringen nicht in die Neigung ein, die eine Sache des Herzens ist; darum verlieren sich auch die Wahrheiten ihres Gedächtnisses und werden im anderen Leben zunichte.

*2591. Aber es gibt unter den Heiden, wie unter den Christen, Weise und Einfältige; um zu erfahren, wie geartet sie sind, durfte ich mit jenen und diesen reden, zuweilen Stunden und Tage lang; aber deren, die weise sind, gibt es heutzutage kaum etliche, aber viel mehr in den alten Zeiten, hauptsächlich in der Alten Kirche, von der aus die Weisheit zu mehreren Völkerschaften sich verbreitete. Um zu wissen, wie geartet sie waren, durfte ich mit einigen in vertrautem Gespräch sein: wie beschaffen nun ihre Weisheit war und wie sie sich vor der heutigen auszeichnete, kann aus dem, was folgt, erhellen.

*2592. Es war bei mir einer, der ehedem unter den Weiseren war und daher auch in der gebildeten Welt bekannt: mit dein habe ich über Verschiedenes geredet; und weil ich merkte, daß er weise gewesen, besprach ich mich mit ihm über die Weisheit, über die Einsicht, über die Ordnung, über das Wort, und zuletzt über den Herrn.

Von der Weisheit sagte er, daß es keine andere gebe als die, welche sich aufs Leben bezieht, und daß von etwas anderem Weisheit nicht ausgesagt werden könne; von der Einsicht, daß diese aus jener herkomme; von der Ordnung, daß sie vom höchsten Gott sei, und daß in ihr leben heiße, weise und verständig sein. Was das Wort betrifft, So hatte er, als ich ihm etwas aus den Propheten vorlas, eine gar große Freude, vornehmlich daran, daß die einzelnen Namen und Worte etwas Inwendiges bezeichnen, wobei er sich sehr verwunderte, daß die Gebildeten heutzutage keine Freude an solcher Forschung haben.

Ich wurde deutlich inne, daß das Inwendigere seines Denkens oder Gemütes geöffnet war, jedoch bei einigen Christen, die zugegen waren, verschlossen; denn es herrschte bei diesen ein Neid gegen ihn und Unglaube, daß das Wort so beschaffen sei. Ja, als ich das Wort zu lesen fortfuhr, sagte er, er könne nicht da sein, weil das, was er inne werde, zu heilig sei, als daß er es ertragen könnte: so angeregt wurde er innerlich. Dagegen die Christen sagten mit lauter Stimme, sie könnten wohl da sein, nämlich darum, weil das Inwendige ihnen verschlossen war, und das Heilige sie nicht anregte.

Endlich sprach ich mit ihm vom Herrn, daß Er als Mensch geboren, aber von Gott empfangen sei; daß Er das Menschliche ausgezogen und das Göttliche angezogen habe; und daß Er es sei, der das Weltall regiert. Hierauf antwortete er, er wisse mehreres vom Herrn, und er begriff in seiner Weise, daß es nicht anders habe geschehen können, wenn das Menschengeschlecht gerettet werden sollte. Indessen streuten einige böse Christen mancherlei Ärgernisse ein, aber er kümmerte sich nicht darum, und sagte, es sei kein Wunder, weil sie bei Leibesleben über diese Gegenstände nicht solches, was sich geziemt, in sich aufgenommen hätten, und daß sie, ehe solche Begriffe weggeschafft seien, das, was begründet, nicht annehmen können, wie die, welche nichts wissen. Dieser war ein Heide.

*2593. Ich durfte auch mit anderen reden, die in alten Zeiten gelebt haben, und die damals unter den Weiseren gewesen sind: sie erschienen zuerst vorne in einiger Entfernung und konnten dort das Inwendigere meiner Gedanken, somit mehreres vollständig wahrnehmen. Aus einer einzigen Idee konnten sie eine ganze Reihe wissen und sie mit Wonnen der Weisheit samt lieblichen Vorbildungen füllen.

Hieraus wurde erkannt, daß sie zu den Weiseren gehörten, und es wurde gesagt, sie seien von den Alten; und so traten sie näher herzu, und als ich ihnen dann etwas aus dem Wort vorlas, waren sie höchlichst erfreut. Ihre Freude und Lust selbst durfte ich inne werden. Sie kam hauptsächlich daher, daß alles und jedes, was sie aus dem Wort hörten, Vorbildungen und Bezeichnungen himmlischer und geistiger Dinge waren. Sie sagten, daß zu ihrer Zeit, als sie in der Welt lebten, die Weise ihres Denkens und Redens, dann auch ihres Schreibens so beschaffen, und daß dies das Studium ihrer Weisheit gewesen sei.

*2594. Was aber die Heiden betrifft, die heutzutage auf der Erde sind, so sind sie nicht so weise, sondern meistens einfältigen Herzens: aber dennoch nehmen im anderen Leben diejenigen von ihnen Weisheit an, die in gegenseitiger Liebtätigkeit lebten; von ihnen darf ich das, was folgt, berichten.

*2595. Ich hörte einen lauten Gesang, der aber rauher tönte als gewöhnlich. Aus dem Ton merkte ich sogleich, daß sie aus den Heiden waren. Es wurde mir von den Engeln gesagt, daß es Heiden seien, die vor drei oder vier Tagen aufgeweckt wurden. Der Gesang oder Chor wurde mehrere Stunden lang gehört, und man konnte merken, daß sie schon während der kurzen Zeit, wo man ihn hörte, mehr und mehr sich vervollkommneten. Als ich mich hierüber verwunderte, wurde gesagt, daß jene in Chore, somit in Harmonie in einer Nacht eingeleitet werden könnten, was bei den meisten Christen kaum in dreißig Jahren möglich sei.

Gesänge (gyri) oder Chöre sind, wenn mehrere zusammen reden, alle wie einer, und einer wie alle. Aber von den Gesängen und Chören soll aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn anderwärts gesprochen werden.

*2596. Ein Chor stand eines Morgens in einiger Entfernung vor mir. Aus den Vorbildungen des Chors konnte man merken, daß es Chinesen waren; denn sie stellten das Bild eines wolligen Bocks, sodann einen Hirsekuchen und einen Löffel aus Ebenholz, wie auch die Vorstellung einer schwimmenden Stadt dar. Sie wünschten mir näher zu kommen, und als sie sich herannahten, sagten sie, sie möchten allein bei mir sein, um ihre Gedanken zu eröffnen; aber es wurde ihnen gesagt, sie seien nicht allein, und andere seien da, darüber unwillig, daß sie allein sein wollten, da sie doch nur Gäste seien. Als sie deren Unwillen inne wurden, fielen sie auf den Gedanken, ob sie sich gegen den Nächsten verfehlt, und ob sie sich etwas, das anderen gehörte, zugeeignet hätten. (Die Gedanken teilen sich im anderen Leben alle mit.) Ihre Gemütsbewegung konnte ich inne werden, sie war ein Gefühl der Anerkennung, daß sie dieselben womöglich beleidigt hätten, sodann ein Schamgefühl darüber, sowie die eine und andere die gutherzige Regung. Daraus ließ sich erkennen, daß sie mit Liebe begabt waren.

Gleich darauf redete ich mit ihnen, endlich auch vom Herrn. Als ich Ihn Christus nannte, merkte man bei ihnen ein gewisses Widerstreben, aber als Ursache wurde entdeckt, weil sie das von der Welt her mitgebracht hatten, aus dem Umstand, daß sie wußten, die Christen leben schlimmer als sie und in keiner Liebtätigkeit, aber als ich einfach den Herrn nannte, da wurden sie innerlich bewegt. Sie wurden hernach von den Engeln unterrichtet, daß die christliche Lehre mehr als jede andere in der ganzen Welt Liebe und Liebtätigkeit vorschreibe, daß es aber wenige seien, die nach ihr leben.

*2597. Es gibt Heiden, die, da sie in der Welt lebten, aus dem Umgang und von Hörensagen erkannt haben, daß die Christen das schlimmste leben führen, in Ehebrüchen, in Haß und Händeln, in Trunkenheit und dergleichen, vor dem sie ein Grauen gehabt haben, weil solches gegen ihre Gesetze, Sitten und Religionslehren ist. Diese sind im anderen Leben ängstlicher als andere, die Glaubenswahrheiten anzunehmen, aber sie werden von den Engeln unterrichtet, daß die christliche Lehre und der eigentliche Glaube ganz anderes Lehrt und daß jene weniger als die Heiden nach den Lehrsatzungen leben. Wenn sie dies vernehmen, so nehmen sie die Glaubenswahrheiten an und beten den Herrn an, aber später.

*2598. Als ich im 17. und 18. Kapitel der Richter von Micha las, daß die Söhne Dans sein Götzenbild, seine Theraphim und seinen Leviten wegführten, war ein Geist aus den Heiden da, der bei seinen Lebzeiten ein Götzenbild angebetet hatte. Als dieser aufmerksam hörte, was dem Micha geschehen und in welchem Jammer er um sein Götzenbild war, das die Daniten weggenommen hatten, überkam und erregte auch ihn ein solcher Schmerz, daß er vor innerlichem Schmerz kaum wußte, was er denken sollte. Dieser Schmerz teilte sich mir mit, und zugleich wurde ich auch aus seinen einzelnen Regungen seine Unschuld inne. Es waren auch Christengeister da und beobachteten es und verwunderten sich, daß ein Götzendiener von einer so gewaltigen Regung des Erbarmens und der Unschuld bewegt wurde.

Hernach redeten gute Geister mit ihm und sagten, daß man ein Götzenbild nicht anbeten solle, und daß er das als Mensch wohl einsehen könne; sondern er müsse absehen von einem gemachten Bild und sich Gott, den Schöpfer und Regenten des ganzen Himmels und der ganzen Erde denken, und daß dieser Gott der Herr sei. Als dies gesagt wurde, durfte ich die Inbrunst seiner Anbetung innewerden, die sich mir mitteilte, und die viel ehrfurchtsvoller war als bei den Christen.

Hieraus konnte erhellen, daß die Heiden leichter in den Himmel kommen als die Christen heutzutage, die nicht erregt werden, gemäß den Worten des Herrn bei Luk. 13/29 30; denn in dem Zustand in dem er war konnte er in alle Glaubenswahrheiten eingeweiht werden und sie mit inwendiger Regung annehmen. Bei ihm war Erbarmen, das der liebe eigen ist und in seiner Unwissenheit war Unschuld; und wenn diese vorhanden sind wird alles zum Glauben Gehörige wie von selber angenommen, und zwar mit Freuden. Er wurde nachher unter die Engel aufgenommen.

*2599. Es war auch ein anderer unter den Heiden der im Guten der Liebtätigkeit gelebt hatte; als derselbe Christen über Glaubenssachen räsonieren (vernünfteln) hörte (die Geister räsonieren unter sich viel eingehender und schärfer als die Menschen hauptsächlich über Gutes und Wahres, weil dieses dem anderen Leben angehört) wunderte er sich, daß sie so untereinander stritten. Er sagte, er wolle das nicht hören; denn sie räsonierten aus Täuschungen und sprach sich so gegen sie aus: wenn ich gut bin so kann ich das, was wahr ist, aus dem Guten selbst wissen und was ich nicht weiß, kann ich aufnehmen.

*2600. Die gutgesinnten Heiden werden im anderen leben meistens gemäß den Zuständen ihres Lebens und gemäß ihrer Religion, soviel dies geschehen kann, unterrichtet, somit auf verschiedene Arten; hier darf ich bloß drei angeben.

*2601. Einige von ihnen werden in den Zustand der Ruhe wie in Schlaf versetzt und dann kommt es ihnen vor, wie wenn sie kleine Städte erbauten und mitten in denselben etwas Geheimes zu verbergen das sie von niemand verletzt wissen wollen. Jene Städte schenken sie anderen, mit der Bitte, daß sie das Geheimnis in der Mitte derselben nicht verletzen möchten. So wird ihnen Unschuld eingeflößt, sodann Liebtätigkeit, mit der Vorstellung, daß das Geheimnis sich auf den Herrn beziehe.

In diesem Zustand werden sie ziemlich lange gehalten. Es ist der Zustand der Unwissenheit in der Unschuld ist: sie werden von Kindern beschirmt, daß ihnen niemand Schaden zufügt. Mit diesen redete ich und wurde vom Stand ihrer Unschuld und Liebtätigkeit in hohem Grade beeindruckt, sodann von der Sorge wie sie das Geheimnis verbergen und der heiligen Furcht, daß es nicht verletzt werde.

*2602. Es gibt eine Völkerschaft, es wurde gesagt aus Indien, welche die Religion haben, daß sie den größten Gott in der Weise verehren, daß sie, wenn sie ihn anbeten, sich zuerst groß machen, aber bald darauf als Würmer zu Boden werfen: sodann daß über dem Weltall, von dem sie glauben, daß es im Kreis herum gehe, jener größte Gott sei, der von da aus sehe, was sie tun. Weil sie solche Religionsbegriffe haben, werden sie im anderen leben in dieselben zurückversetzt. Mit diesen habe ich, während sie sich solches einbildeten, geredet. Sie sind zum größten Teil bescheiden, gehorsam, einfältigen Herzens. Sie werden nach und nach durch Engel von jener Phantasie befreit: denn sie werden, in Gemäßheit ihrer Religion belehrt, daß der größte Gott, der Herr sei und daß sie sich deswegen groß machen mögen; daß sie Ihn anbeten können, und daß sie dennoch wie Würmer seien und daß der Herr aus der obersten Höhe alles und jedes sehe. So werden sie durch ihre Religion auf angemessene Weise in die Erkenntnisse des Wahren und Guten eingeleitet.

*2603. Es gibt gewisse Heiden aus jenen Gegenden, wo Neger (Schwarze) sind, die von ihrem Leben in der Welt her den Wunsch haben, hart behandelt zu werden, indem sie glauben, daß niemand in den Himmel kommen könne außer durch Strafen und Drangsale und daß sie hernach Freundlicheres, was sie Paradiesisches nennen, empfangen.

Weil diese solche Gedanken ihrer Religion gemäß haben, werden sie im anderen Leben auch zuerst hart behandelt von gewissen Christen, die sie Teufel nennen und werden hernach in Paradiesisches geführt, wovon Nr. 1622. Aber sie werden von Engeln belehrt, daß die Strafen und Drangsale ihnen vom Herrn zum besten gewendet worden seien, wie bei denen die in Versuchungen sind; sodann daß paradiesische Orte nicht der Himmel seien, sondern die Neigung zu Himmlischen und Geistigen darin; und daß sie auf einem Weg der Wahrheit gewesen seien, aber im Schatten der Unwissenheit.

Sie redeten lange mit mir. Solange sie im Stande der Drangsale waren, hatte ihre Rede gleichsam etwas Zusammenstoßendes, somit unterschieden von der Rede anderer, als sie aber, nachdem sie die Drangsale durchgemacht hatten, zu den paradiesischen Orten erhoben wurden, hatten sie keine solche Rede mehr sondern eine beinahe Engelische.

Aus ihrer Religion haben sie auch den Glauben, daß sie Inwendigeres haben wollen, sie sagten, daß sie dann, wenn sie hart behandelt werden, schwarz seien, aber daß sie nachher die Schwärze ablegen und das Weiße (candorem) anziehen, da sie wissen, daß ihre Seelen weiß seien, aber ihre Leiber schwarz.

*2604. Es ist gewöhnlich, daß Heiden, die einen Gott unter einem Bild oder Bildsäule oder irgendein geschnitztes Werk angebetet haben, wenn sie ins andere Leben kommen, zu gewissen Geistern geführt werden, die an derselben Götter oder Götzen Stelle da sind, aus dem Grund, daß sie ihre Phantasie ablegen sollen und wenn sie etliche Tage bei ihnen gewesen sind, werden sie wieder von da weggebracht. Die, welche Menschen angebetet haben, werden auch zuweilen zu denselben, oder zu anderen, die ihre Stelle vertreten, eingeführt; wie z.B. mehrere von den Juden zu Abraham, Jakob, Mose, David: aber wenn sie wahrnehmen, daß sie ein ebensolches Menschliches haben, wie andere und nicht helfen können, so schämen sie sich, und werden an ihre Örter, ihrem Leben gemäß gebracht.

Unter den Heiden werden im anderen Leben am meisten die Afrikaner geliebt; denn diese nehmen leichter als die übrigen das Gute und Wahre des Himmels an: sie wollen vornehmlich Gehorsame heißen, nicht aber Gläubige; sie sagen, daß die Christen, weil sie die Glaubenslehre haben, Gläubige genannt werden können, sie aber nicht, außer wenn sie dieselbe annehmen, oder wie sie sagen, annehmen können.

*2605. Ich redete mit einigen, die in der Allen Kirche waren, und die damals vom Herrn wußten, daß Er kommen werde und in Gutes des Glaubens eingeweiht waren, aber dennoch abfielen und Götzendiener wurden. Sie waren vorne zur Linken an einem finsteren Ort und in einem elenden Zustande. Ihre Rede war wie pfeifend, eintönig, beinahe ohne vernünftiges Denken. Sie sagten, daß sie schon viele Jahrhunderte lang da seien, und daß sie zuweilen von da herausgenommen würden, um anderen für gewisse Nutzzwecke zu dienen, die aber geringfügig seien.

Durch sie wurde Anlaß gegeben, von mehreren Christen zu denken, die nicht äußerlich, aber innerlich Götzendiener sind und im Herzen den Herrn, somit auch die Wahrheiten des Glaubens leugnen, was für ein Los auf sie im anderen Leben wartet.


*2727. Von den Ehen, wie sie in den Himmeln angesehen werden und von den Ehebrüchen.

Was echte eheliche Liebe ist und woher ihr Ursprung, wissen heutzutage wenige, aus dem Grund, weil wenige in ihr sind. Es glauben beinahe alle, daß sie angeboren sei und so aus einem, wie sie sagen, natürlichen Instinkt ausfließe, und um so mehr, weil das Eheliche auch bei den Tieren existiert, während doch zwischen der ehelichen Liebe bei den Menschen und dem Ehelichen bei den Tieren ein solcher Unterschied ist, wie zwischen dem Zustand des Menschen und dem Zustand eines unvernünftigen Tieres.

*2728. Und weil wenige heutzutage wissen, was echte eheliche Liebe, so soll sie aus dem, was mir aufgedeckt worden, beschrieben werden:

Die eheliche Liebe leitet ihren Ursprung her von der göttlichen Ehe des Guten und Wahren, somit vom Herrn selbst. Daß von daher die eheliche liebe stammt, erscheint nicht sinnen- und begriffsmäßig, aber gleichwohl kann es erhellen aus dem Einfluß und aus der Entsprechung, außerdem aus dem Wort.

Aus dem Einfluß: Der Himmel wird kraft der Vereinigung des Guten und Wahren, die vom Herrn einfließt, mit einer Ehe verglichen und eine Ehe genannt;

Aus der Entsprechung: wenn das mit dem Wahren vereinigte Gute in die untere Sphäre herabfließt, stellt es eine Vereinigung der Gemüter dar, wenn in die noch tiefere, eine Ehe; daher ist die Vereinigung der Gemüter aus dem mit dem Wahren vereinigten Guten vom Herrn die eigentliche eheliche Liebe.

*2729. Daß von daher die echte eheliche Liebe ist, kann auch daraus erhellen, daß niemand in ihr sein kann, wenn er nicht im Guten des Wahren und Wahren des Guten vom Herrn ist. Sodann erhellt es auch daraus, daß himmlisches Glück und Seligkeit in jener Liebe ist; und die in ihr sind, kommen alle in den Himmel oder in die himmlische Ehe. Ferner erhellt es daraus: Wenn bei den Engeln von der Vereinigung des Guten und Wahren die Rede ist, dann stellt sich in der unteren Sphäre bei guten Geistern das Vorbild einer Ehe dar, aber bei bösen Geistern das Vorbild eines Ehebruchs.

Daher kommt es, daß im Wort die Vereinigung des Guten und Wahren eine Ehe heißt, aber die Entwesung des Guten und die Verfälschung des Wahren Ehebruch und Hurerei, man sehe Nr. 246

*2730. Die Menschen der Ältesten Kirche haben vor allem auf dieser Erde in echter ehelicher Liebe gelebt, weil sie himmlisch waren aus dem Guten im Wahren, und zugleich mit den Engeln im Reich des Herrn, und in jener Liebe hatten sie den Himmel. Aber die Nachkommen, bei denen die Kirche zerfiel, fingen an, die Kinder zu lieben, nicht den Gatten: denn die Kinder können auch von den Bösen geliebt werden, aber der Gatte kann nur geliebt werden von den Guten.

*2731. Es wurde von jenen Uralten gehört, die eheliche Liebe sei von der Art, daß eines ganz des anderen sein will, und zwar mit Erwiderung, und wenn gegen- und wechselseitig, so seien sie in himmlischer Seligkeit. Sodann sei die Verbindung der Gemüter von der Art, daß dieses Gegen- und Wechselseitige in allem und jedem des Lebens, das ist in allem und jedem der Neigung und in allem und jedem des Denkens sei. Deswegen sei es vom Herrn so geordnet, daß die Frauen sein sollen Neigungen des Guten, die dem Willen angehören, und die Männer Gedanken des Wahren, die dem Verstande angehören, und daß eine Ehe daher so sein soll, wie sie ist zwischen dem Willen und Verstand, und zwischen allem und jedem dazu Gehörigen bei dem Menschen, der im Guten des Wahren und Wahren des Guten ist.

*2732. Ich redete mit den Engeln von diesem Gegen- und Wechselseitigen, wie beschaffen es sei, und sie sagten, daß das Bild und die Ähnlichkeit des einen sei im Gemüt des anderen, und daß sie so nicht nur im Einzelnen (in singulis) sondern auch im Innersten des Lebens zusammen wohnen (cohabitent), und daß die Liebe und Barmherzigkeit des Herrn in ein solches Einfließen könne mit dem, was glücklich und selig ist.

Sie sagten auch, daß die, welche im Leben des Leibes in solcher ehelichen Liebe gelebt haben, beieinander seien und im Himmel als Engel zusammen wohnen, bisweilen auch mit den Kindern. Daß es aber sehr wenige seien aus der Christenheit heutzutage, jedoch aus der Uralten Kirche, die eine himmlische war, alle, und aus der Alten Kirche, die eine geistige, viele. Daß aber die, welche in der Ehe lebten, nicht verbunden durch eheliche Liebe, sondern durch unzüchtige Liebe (amore lascivo), im anderen Leben getrennt werden, weil keine Unzüchtigkeit im Himmel geduldet wird; und daß mehr noch getrennt werden die, welche einen Widerwillen gegeneinander hatten; und noch mehr, die sich haßten. Sobald beide ins andere Leben kommen, kommen sie meistens zusammen, aber nachdem sie Hartes erduldet haben, werden sie getrennt.

*2733. Es waren einige Geister, die infolge der Gewohnheit im Leibesleben mich mit eigentümlicher Gewandtheit beunruhigten, und zwar durch einen sanften, gleichsam kosenden Einfluß (per influxum molliuskulum quasi undantem), wie er vo gutartigen Geistern zu kommen pflegt; aber man merkte, daß Arglistigkeiten und dergleichen dahinter stecken, um mich für sich einzunehmen und zu täuschen. Endlich redete ich mit einem von ihnen, und es wurde mir gesagt, daß er ein Heerführer gewesen sei, als er in der Welt lebte; und weil ich merkte, daß in den Ideen seines Denkens Unzüchtiges sei, redete ich mit ihm von der Ehe.

Die Rede der Geister ist mit Vorbildungen erhellt, welche die Gesinnungen vollständig und in einem Augenblick mehrere zugleich ausdrücken. Er sagte, daß er Ehebrüche im Leben für nichts geachtet habe, aber man durfte ihm sagen, daß Ehebrüche ruchlos seien, obwohl sie denen, die so geartet sind, infolge des Lustreizes, den sie davon hatten und aus der Beredung daher, so vorkommen, als ob sie nicht so beschaffen, sie sogar erlaubt seien. Er könne es auch daraus wissen, daß die Ehen Pflanzschulen des menschlichen Geschlechts, und daher auch Pflanzschulen des Himmelreiches sind und ebendeswegen gar nicht zu verletzen, sondern heilig zu halten sind, dann auch aus dem, was er wissen muß, weil er im anderen Leben ist und im Zustand des Innewerdens, daß die eheliche Liebe vom Herrn durch den Himmel herniederkommt, und daß von jener Liebe, als von der Mutter, die gegenseitige Liebe entstammt, welche ist die Feste des Himmels; und daraus, daß die Ehebrecher, sobald sie den himmlischen Gesellschaften nahe kommen, gleich ihren Gestank fühlen, und sich daher zur Hölle stürzen. Wenigstens hätte er wissen können, daß die Verletzung der Ehen gegen die göttlichen Gesetze und die bürgerlichen Gesetze aller Nationen ist; sodann gegen das echte Licht der Vernunft, weil sowohl gegen die göttliche wie auch gegen die menschliche Ordnung, außer mehrerem.

Aber er antwortete, daß er im Leben des Leibes solches gar nicht gewußt noch gedacht habe. Er wollte vernünfteln ob es so sei, aber es wurde gesagt, daß die Wahrheit in anderen Leben keine Vernünfteleien zulasse, denn sie treten fürsprechend ein für die Lustreize, somit für Böses und Falsches, und daß er zuerst denken müsse über das, was gesagt worden ist, weil es wahr; oder auch aus dem im Erdkreis allbekannten Grundsatz: daß niemand einem anderen tun darf, was er nicht will, daß ein anderer ihm tue, und so, wenn jemand seine Frau, die er geliebt hatte, was im Anfang jeder Ehe der Fall ist, auf solche Art verführt hätte, ob er dann nicht, wenn er im Zustand der zornigen Entrüstung darüber wäre und er aus jenem Zustand redete, gleichfalls selbst die Ehebrüche verwünscht und dann, weil er ja ein Mann von Geist sei (ingenio pollet), mehr als andere sich gegen solche bestärkt haben würde, bis er sie zur Hölle verdammt hätte, so hätte er sich aus sich selbst richten können.

*2734. Die, welche im Leben des Leibes Seligkeit in den Ehen aus echt ehelicher Liebe gehabt haben, die haben auch Seligkeit im anderen leben, so daß die Seligkeit des einen Lebens für sie fortdauert in der des anderen, und dort entsteht eine Vereinigung der Gemüter, in welcher der Himmel. Es wurde mir gesagt, daß bereits die nur ganz allgemeinen Gattungen der daraus kommenden himmlischen und geistigen Seligkeiten nicht zu zählen seien.

*2735. Die echte eheliche Liebe ist ein Bild des Himmels, und wenn sie im anderen leben vorgebildet wird, so geschieht es durch das Schönste, was man irgend mit den Augen sehen und mit dem Gemüte fassen kann. Sie wird vorgebildet durch eine Jungfrau von unbeschreiblicher Schönheit, die umgeben ist von einer weißen Wolke, so daß man sagen kann, sie sei die Schönheit selber in Wesen und Form. Es wurde gesagt, daß aus der ehelichen Liebe alle Schönheit im anderen Leben sei. Ihre Neigungen und Gedanken werden vorgebildet durch diamantartige Lufterscheinungen, die gleichsam aus Rubinen und Granaten funkeln, und zwar mit Wonnen, die das Innerste der Gemüter erregen; sobald aber etwas Unzüchtiges sich einfindet, werden sie zerstoben.

*2736. Ich wurde belehrt, die echte eheliche Liebe sei die Unschuld selbst, die in der Weisheit wohnt. Die, welche in ehelicher Liebe gelebt haben, sind im Himmel in der Weisheit vor allen, und dennoch erscheinen sie, wenn sie von anderen angesehen werden, wie Kinder im blühenden und frühlingshaften Alter, und alles, was sich dann zuträgt, ist ihnen Freude und Seligkeit. Dieselben sind im innersten Himmel, welcher der Himmel der Unschuld genannt wird; durch ihn fließt der Herr in die eheliche Liebe ein; und aus diesem Himmel sind Engel bei Menschen, die in dieser Liebe leben. Sie sind auch bei Kindern in ihrem ersten Alter.

*2737. Bei denen, die in ehelicher liebe leben, ist das Innere des Gemütes durch den Himmel bis zum Herrn offen, denn diese Liebe fließt vom Herrn ein durch das Innerste des Menschen. Daher haben sie das Reich des Herrn in sich; und daher haben sie eine echte Liebe gegen die Kinder um des Reiches des Herrn willen, und daher sind sie mehr als alle empfänglich für himmlische Liebestriebe und sind mehr als alle in gegenseitiger Liebe, denn diese kommt daher, wie der Bach aus der Quelle.

*2738. Die gegenseitige Liebe, welcher Art sie im Himmel ist, ist nicht wie die eheliche Liebe. Diese ist, daß sie will in des anderen leben sein als eins, aber jene, daß sie dem anderen wohler will als sich selbst. Solcherart ist die Liebe der Eltern gegen ihre Kinder, und solcherart ist die Liebe derjenigen, die vom Wohltun angeregt werden, nicht um ihrer selbst willen, sondern darum, weil es ihnen Freude macht.

Eine solche engelische Liebe stammt von der ehelichen Liebe und wird aus ihr geboren, wie das Kind von seiner Mutter, daher ist sie auch bei den Eltern gegen die Kinder. Diese Liebe wird vom Herrn bei den Eltern erhalten, wenn sie auch nicht in ehelicher Liebe sind, aus der Ursache, damit das Menschengeschlecht nicht zugrunde geht.

*2739. Aus der Ehe des Guten und Wahren in den Himmeln kommen alle Arten von Liebe hernieder, die sich verhalten wie die Liebe der Eltern gegen die Kinder, die Liebe der Brüder unter sich und die Liebe gegen Verwandte, und so fort den Graden nach in ihrer Ordnung.

Nach den Arten jener Liebe, die einzig aus dem Guten und Wahren ist, d.h. aus der Liebe und dem Glauben an den Herrn, werden alle himmlischen Gesellschaften gebildet, die vom Herrn so verbunden sind, daß sie einen Menschen darstellen. Daher wird auch der Himmel der Größte Mensch genannt. Es sind unaussprechliche Verschiedenheiten, die alle von der Vereinigung des Guten und Wahren aus dem Herrn abstammen und ihr entspringen. Diese Vereinigung ist die himmlische Ehe.

Daher kommt es, daß sich von den Ehen auf Erden der Ursprung aller Blutsfreundschaften und Verwandtschaften ableitet, und ebenso die Arten der gegenseitigen Liebe nach Graden abgestuft abstammen. Aber weil heutzutage keine eheliche Liebe ist, werden zwar die Blutsfreundschaften und Verwandtschaften danach bestimmt, aber es sind keine Blutsfreundschaften und Verwandtschaften der Liebe. In der Uralten Kirche waren auch solche Abstammungen der Liebe, daher wohnen sie in den Himmeln beisammen, unterschieden gleichsam in Völkerschaften. Familien und Häuser, die alle den Herrn als ihren einzigen Vater anerkennen.

*2740. Die echte eheliche Liebe ist nur möglich zwischen zwei Gatten, das ist, in der Ehe eines Mannes und eines Weibes, gar nicht zwischen mehreren zugleich, aus dem Grund, weil die eheliche Liebe gegenseitig ist und erwidernd, und das Leben des einen in dem des anderen wechselseitig, so daß sie wie eins sind. Eine solche Vereinigung gibt es zwischen zweien, nicht aber zwischen mehreren; mehrere zerschneiden diese Liebe.

Die Menschen der Ältesten Kirche, die himmlisch waren und im Innewerden des Guten und Wahren wie die Engel, hatten nur eine Gattin. Sie sagten, sie hätten mit einer Gattin himmlische Wonnen und Seligkeiten empfunden, und wenn eine Ehe mit mehreren nur genannt wurde, hätten sie geschaudert: denn die Ehe eines Gatten und einer Gattin kommt, wie gesagt, hernieder von der Ehe des Guten und Wahren, oder von der himmlischen Ehe, die so geartet ist, wie deutlich erhellen kann aus den Worten des Herrn bei Matth. 19/3-12: „Jesus sprach, habt ihr nicht gelesen, daß der gemacht hat von Anfang ein Männliches und Weibliches, sie gemacht hat, und er sprach, um des willen wird ein Mensch verlassen den Vater und die Mutter und anhangen seinem Weibe, und sie werden sein zu einem Fleisch. Daher sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll ein Mensch nicht scheiden. Moses hat um der Härtigkeit eures Herzens willen gestattet, Abschied zu gehen euren Weibern; von Anfang an war es nicht also. Nicht alle fassen dieses Wort, sondern die, denen es gegeben ist".

*2741. Das Gute und Wahre fließt fortwährend vom Herrn bei allen ein, folglich auch die echte eheliche Liebe, aber sie wird auf verschiedene Weise aufgenommen, und wie sie aufgenommen wird, von solcher Art wird sie. Bei den Unkeuschen verwandelt sie sich in Unzucht, bei den Ehebrechern in Ehebrüche, die himmlische Seligkeit in unreine Lust, somit der Himmel in die Hölle. Es verhält sich hiermit wie mit dem Sonnenlicht, das in die Gegenstände einfließt und gemäß der Form der Gegenstände aufgenommen, und je nach der Aufnahme blau, rot, gelb, grün, dunkel, auch schwarz wird.

*2742. Es gibt etwas der ehelichen Liebe Ähnliches bei einigen, aber dennoch ist es keine, wenn sie nicht in der Liebe des Guten und Wahren sind. Es ist eine Liebe, die wie eine eheliche erscheint, aber sie ist aus Ursachen der Selbst- und Weltliebe, nämlich um zu Hause bedient zu werden, um in Sicherheit und in guter Ruhe zu sein, verpflegt zu werden, wenn man nicht wohlauf ist und alt wird, wegen der Sorge für die Kinder, die man liebt.

Einigen ist sie aufgelegt aus Furcht vor dem Gemahl, vor üblem Ruf, vor Leiden. Bei einigen ist es die Liebe zur Unkeuschheit, die sie herbeiführt; diese erscheint in der ersten Zeit wie eine eheliche, denn alsdann äffen sie etwas Unschuld nach, spielen wie Kinder, fühlen Freude etwas wie aus dem Himmlischen. Aber im Fortgang der Zeit werden sie nicht wie diejenigen, die in der ehelichen Liebe sind, mehr und enger vereinigt, sondern getrennt.

Die eheliche Liebe ist auch verschieden bei den Ehegatten. Bei dem einen kann sie mehr oder weniger sein, bei dem anderen wenig oder nichts, und weil sie verschieden ist, kann sie dem einen ein Himmel, dem anderen eine Hölle sein: die Neigung und Aufnahme bestimmen dies.

*2743. Ich sah einen großen Hund wie ein Zerberus und fragte, was er bedeute. Es wurde gesagt, daß durch einen solchen Hund die Wache bezeichnet werde, daß man in der ehelichen Liebe nicht von der himmlischen zur höllischen Lust übergehe, und umgekehrt; denn die, welche in echter ehelicher Liebe, sind in himmlischer Lust, die aber in Ehebrüchen, sind auch in einem Lustreiz, der ihnen wie himmlisch erscheint, aber er ist höllisch. Durch den Hund wird so vorgebildet, daß jene entgegengesetzten Lustreize keine Gemeinschaft haben.

*2744. Es wurde mir gezeigt, wie die Lustreize von der ehelichen Liebe einerseits zum Himmel, andererseits zur Hölle fortschreiten.

Das Fortschreiten der Lustreize dem Himmel zu, war in zunehmenden Beglückungen und Seligkeiten, bis zu unzähligen und unaussprechlichen, und je inwendiger, um so unzähligere und unausprechlichere, bis zu den eigentlich himmlischen des innersten, oder Unschuldshimmels. Und das durch die größte Freiheil, denn alle Freiheit ist aus der Liebe, somit die größte Freiheit aus der ehelichen Liebe, welche die himmlische selbst ist.

Es wurde hernach gezeigt, wie die Lustreize der ehelichen Liebe der Hölle zu fortschreiten, daß sie nach und nach sich vom Himmel entfernen, und zwar auch aus scheinbarer Freiheit, bis ihnen kaum etwas Menschliches übrigbleibt. Das Tödliche und Höllische, in dem sie enden und das gesehen wurde, kann nicht beschrieben werden. Ein gewisser Geist, der damals bei mir war und jenes auch sah, eilte vorwärts zu den Sirenen, die so geartet sind, schrie, er wolle ihnen zeigen, wie ihre Lust beschaffen, behielt zuerst die Vorstellung der Lust, aber als er allmählich weiter vorwärts kam, setzte sich die Vorstellung und das Fortschreiten der Lust zur Hölle fort und endete zuletzt in einem solchen Grauen. Die Sirenen, die in ihrem Wahn, huren und ehebrechen sei ehrenwert, wurden auch von anderen wegen ihrer Art geachtet und als Zierde des Lebens betrachtet. Der größte Teil von ihnen kommt ins andere Leben aus der Christenheit; man sehe über sie Nr. 831, 959, 1515, 1983, 2484.

*2745. Es gibt Weiber die ihre Männer nicht lieben, sondern sie geringschätzen und endlich für nichts achten. Wie geartet sie sind, wurde vorgebildet durch einen Hahn, eine wilde Katze und einen Tiger von dunkler Farbe. Es wurde gesagt, daß solche anfangen viel zu reden, hernach zu schelten, und endlich die Natur eines Tigers annehmen.

Es wurde von einigen gesagt, daß solche dennoch die Kinder lieben, und geantwortet, daß diese Liebe keine menschliche sei und ebenso in die Bösen einfließe, wie auch in die Tiere, mögen sie sein, welche sie wollen, so sehr, daß diese die Jungen mehr lieben als sich. Es wurde hinzugefügt, daß bei solchen nichts von ehelicher Liebe sei.

*2746. Es war ein gewisser Geist in mittlerer Höhe über dem Haupt, der im Leben des Leibes unkeusch gelebt hatte, indem er ein Vergnügen hatte an der Abwechslung, so daß er keine beständig liebte, sondern in Dirnenhäusern mit vielen hurte und jede nachher wegwarf, wodurch geschah, daß er mehrere betrog und dadurch das Verlangen nach der Ehe und nach Erzeugung von Kindern erstickte, und so sich eine unnatürliche Natur zueignete. Alles dies wurde aufgedeckt und er streng bestraft, und zwar vor den Augen der Engel; und er wurde hierauf in die Hölle geworfen. Über die Höllen der Ehebrecher sehe man Nr. 824-830.

*2747. Weil die Ehebrüche der ehelichen Liebe entgegen sind, so können die Ehebrecher nicht bei den Engeln im Himmel sein, teils weil sie in solchem, was dem Guten und Wahren widerstreitet, sind, und so nicht in der himmlischen Ehe, teils weil sie von der Ehe keine anderen als unsaubere Vorstellungen haben. Wenn die Ehe nur genannt wird oder eine Idee derselben vorkommt, sogleich ist in ihren Gedanken Unkeusches, Schandbares, ja Ruchloses. Ebenso wenn bei den Engeln vom Guten und Wahren die Rede ist, dann denken solche das Gegenteil davon; denn alle Neigungen und Gedanken daraus, wie sie in der Weit beschaffen waren, verbleiben dem Menschen nach dem Tod.

Die Ehebrecher haben im Sinn, die Gesellschaften zu zerstören, mehrere derselben sind grausam, Nr. 824, also im Herzen gegen die Liebtätigkeit und Barmherzigkeit. Sie lachen zu den Leiden anderer, jedem wollen sie das Seine wegnehmen und tun es auch, soweit sie es wagen. Es macht ihnen Vergnügen, Freundschaften zu zerstören und Feindschaften zu stiften. Ihre Religion ist, daß sie sagen, sie erkennten einen Schöpfer der Welt und eine Vorsehung an, aber nur eine allgemeine, sowie ein Seligwerden durch den Glauben, und es könne ihnen nicht schlimmer gehen als anderen. Wenn sie aber erforscht werden, wie beschaffen sie im Herzen sind, was im anderen Leben geschieht, glauben sie nicht einmal das, sondern statt des Schöpfers der Welt die Natur, statt einer allgemeinen Vorsehung gar keine, über den Glauben denken sie nicht. All das, weil die Ehebrüche ganz gegen das Gute und Wahre. Wie sie in den Himmel kommen können, kann daraus jeder urteilen.

*2748. Gewisse Geister, die ein ehebrecherisches Leben in der Welt geführt haben, kamen zu mir und redeten mit mir. Ich merkte, daß sie noch nicht lange im anderen Leben gewesen waren, denn sie wußten nicht, daß sie dort waren, sondern meinten, sie seien noch in der Welt; die Besinnung darüber, wo sie seien, war ihnen benommen. Ich durfte ihnen sagen, daß sie im anderen Leben seien, aber bald hatten sie es vergessen, und fragten, wo Häuser seien, in die sie sich hineinmachen könnten, aber es wurde gesagt, ob sie denn keine Scheu hätten vor geistigen Dingen, nämlich vor der ehelichen Liebe, die durch dergleichen Anlockungen zertrennt wird, und daß es gegen die himmlische Ordnung sei. Aber auf das achteten sie gar nicht und verstanden es auch nicht. Ich sagte ferner, ob sie die Gesetze und die Bestrafungen nach den Gesetzen nicht fürchteten, aber das verachteten sie. Als ich aber sagte, daß sie vielleicht von den Knechten des Hauses mit Schlägen übel traktiert würden, das allein fürchteten sie.

Hierauf durfte ich ihre Gedanken wahrnehmen, denn diese teilen sich im anderen Leben mit, sie waren so unsauber und schandbar, daß die Gutgesinnten (probi) davor schaudern müssen, was jedoch alles und jedes im anderen Leben vor den Geistern und Engeln offenbar wird. Hieraus kann auch erhellen, daß solche im Himmel nicht sein können.

*2749. Sobald diejenigen, die durch die Ehebrüche vor den Ehen einen Widerwillen und Ekel gefaßt haben, etwas Angenehmes, Glückliches und Seliges aus dem Himmel der Engel vernehmen, verwandelt sich für sie in Widerliches und Ekelhaftes, hernach in Schmerzliches, endlich in Gestank, so daß sie davon sich zur Hölle stürzen.

*2750. Ich wurde von den Engeln belehrt, daß, wenn jemand einen Ehebruch begeht auf Erden, dann ihm sogleich der Himmel verschlossen wird, und daß er nachher bloß in Weltlichem und Leiblichem lebt; und daß dann, wenn er auch von dem, was Sache der Liebe und des Glaubens ist, hört, solches dennoch nicht in sein Inneres eindringt; und was er selbst davon redet, nicht aus seinem Inneren kommt, sondern bloß aus dem Gedächtnis und dem Mund, auf Antrieb des Stolzes und der Gewinnsucht; denn das Innere ist dann verschlossen, und es kann nur durch ernstliche Reue wieder geöffnet werden.

*2751. Vorne, etwas oben vor dem linken Auge, waren solche zusammengerottet, die im Leibesleben heimlich und listig anderen nachstellten. Es waren Ehebrecher und noch in der Geisterwelt, weil unter den Neuangekommenen. Sie hatten im Brauch, aus ihrer Rotte einige da und dorthin auszuschicken, um nicht nur gegen die eheliche Liebe, sondern auch gegen das Gute und Wahre und hauptsächlich gegen den Herrn Ausfälle zu machen. Die ausgeschickt werden, kommen zu jenen zurück und erzählen, was sie gehört haben, und so ratschlagen sie.

Zu mir schickten sie auch einen, da sie meinten, ich sei ein Geist, weil ich die Geistersprache redete. Als jener Sendling redete, spie er Anstößiges aus, hauptsächlich gegen den Herrn, so daß er gleichsam aus lauter Ärgernissen zusammengesetzt war. Aber ich antwortete, er solle sich dessen enthalten, den ich wußte, aus was für einer Rotte und aus was für einer Hefe er war. Ich sagte, was den Herrn betrifft, weiß ich ohne allen Zweifel, daß Er eins ist mit dem Vater, daß der ganze Himmel Sein ist, daß von Ihm alle Unschuld, Friede, Liebe, Liebtätigkeit, Barmherzigkeit, auch die eheliche Liebe, wie auch alles Gute und Wahre stammt, welches alles göttlich ist; und daß von Ihm Moses und die Propheten, das ist, das Ganze und Einzelne des Wortes im inneren Sinn handeln, und daß Ihn alle Bräuche der jüdischen Kirche vorgebildet haben, und weil ich darüber so gewiß sei, daß ich gar keinen Zweifel habe, was er also wolle? Als er dies hörte, ging er mit Scham von dannen. Es wurde dies gesagt, daß er es den Ehebrechern, die jene ruchlose Rotte bildeten, aus der er geschickt wurde, erzählen sollte.

*2752. Die, weiche von Ehebrüchen angeködert sind, wollen mehr als andere Geister im anderen Leben Menschen in Besitz nehmen und so durch sie in die Weit zurückkommen, aber sie werden vom Herrn in der Hölle festgehalten, daß sie nicht unter die bei den Menschen befindlichen Geister kommen. Die meisten solcher Art sind aus der christlichen Welt, selten aus anderen.

*2753. Es gibt einige in der Welt, die von der Begierde getrieben werden, Jungfrauen zur Unzucht zu verlocken, an was für einem Ort sie auch sein mögen, in Klöstern, in Familien, bei den Eltern, auch Frauen, und sich mit allerlei List und Artigkeiten einschmeicheln. Weil dieselben an solches gewöhnt sind und davon eine solche Natur angenommen haben, behalten sie es im anderen Leben bei, daß sie sich in Gesellschaften einschleichen können durch Schmeicheleien und Heucheleien; aber weil ihre Gedanken offenbar sind, werden sie abgewiesen. Sie gehen so von einer Gesellschaft zur anderen, werden aber überall abgewiesen, auch gestraft, denn sie suchen das Angenehme und Beglückende anderer heimlich zu entreißen. Endlich werden sie in keine Gesellschaften mehr zugelassen, sondern nachdem sie schwere Strafen ausgestanden haben, werden sie gleichen in der Hölle zugesellt.

*2754. Die Boshaftesten (dolosissimi) erscheinen zuweilen hoch über dem Haupt, aber ihre Hölle ist tief unter der Erde des Fußes. Es sind die heutigen Vorsintfluter (Antediluviani), sie wirken hinterlistig durch Unschuld, durch Barmherzigkeit und durch allerlei gute Regungen mit Überredung. Sie waren, solange sie in der Welt lebten, mehr als andere Ehebrecher. Wo ein schönes, junges Frauenzimmer war, gingen sie ein, ohne sich ein Gewissen zu machen und bewogen sie durch jenes zur Unzucht. Sie sind unsichtbar und wollen nicht entdeckt werden, weil sie es heimlich treiben. Sie sind auch grausam, haben nur für sich gesorgt und würden es für nichts geachtet haben, wenn selbst die ganze Welt um ihretwillen zugrunde gegangen wäre.

Solche gibt es heutzutage in großer Zahl. Auch wurde gesagt, sie seien aus der Christenheit. Ihre Hölle ist die allerärgste.

*2755. Höllen der Ehebrecher gibt es mehrere, dort haben sie nichts lieber als Schmutz und Kot, das ist ihnen dann eine Lust, wie man auch an mehreren jener Sorte im Leibesleben ersehen kann, denen es ein Vergnügen ist, Schmutziges sowohl zu denken als zu erwähnen, aber sie unterlassen es nur um des Anstandes willen. Der Lustreiz des Ehebruches verwandelt sich im anderen Leben in solches; es verhält sich damit, wie wenn die Sonnenwärme, auch im Frühling, in Kot oder in ein Aas einfließt.

*2756. Es gibt solche, die Weibergemeinschaft zum Grundsatz gehabt haben, diese reden im anderen Leben wie Gute, aber sie sind boshaft und listig. Ihre Strafe ist Schauerlich, sie werden gleichsam in einen Bündel gesammelt, und vorbildlich wird wie eine Schlange herumgewunden, die alle wie einen zusammengebündelten Klub umgibt, und so werden sie verworfen.

*2757. Als ich durch einige Wohnplätze geführt wurde, kam ich zu einem, wo eine besondere Wärme die Füße und Lenden einnahm. Es wurde gesagt, daß dort solche seien, die sich den Wollüsten ergeben, aber dennoch das natürliche Verlangen, Kinder zu zeugen, nicht ausgelöscht haben.

*2758. Daß ächte eheliche Liebe ein Himmel ist, wird vorgebildet in den Naturreichen, denn nichts in der ganzen Natur gibt es, was nicht auf irgendeine Weise das Reich des Herrn im allgemeinen vorbildet; denn das Natürliche leitet seinen ganzen Ursprung aus dem geistigen Reich her, was ohne einen ihm vorangehenden Ursprung ist, ist nichts. ES gibt kein Ding, das nicht mit einer Ursache, sodann mit einem Zweck zusammenhinge. Das Unzusammenhängende zerfällt augenblicklich, und wird zu nichts. Daher nun die Vorbilder des Reiches des Herrn in den Naturreichen.

Die eheliche Liebe wird als Himmel aus der Verwandlung der Raupen in Nymphen oder Schmetterlinge, und so in Flügler, ersichtlich, denn wenn die Zeit ihrer Vermählung kommt, welche ist, wenn sie ihre irdische Form, nämlich ihre raupenartige ablegen, und sie mit Schwingen ausgerüstet und Flügler werden, dann erheben sie sich in den Luftkreis, ihren Himmel, spielen dort unter sich, gehen Ehen ein, legen Eier, und nähren sich von Säften aus Blumen. Sie sind dann auch in ihrer Schönheit, denn sie haben Flügel, die mit goldenen, silbernen und anderen sich hübsch ausnehmenden Farben geziert sind: Solches Schaft das Ehewesen bei so geringen Tierchen.

*2759. Zur rechten Seile stieg etwas vom Unterland (e terra inferiore) herauf wie eine Rolle. Es wurde gesagt, es seien viele Geister vom ungebildeten, aber nicht schlechten Volk. Es waren Landleute und andere Einfältige. Ich redete mit ihnen, sie sagten, daß sie vom Herrn wüßten, dessen Namen sie sich anbefehlen. Außer diesem wissen sie aber wenig vom Glauben und dessen Geheimnissen.

Nachher Stiegen andere herauf, die ein wenig mehr wußten. Daß ihr Inneres hätte eröffnet werden können, wurde wahrgenommen, denn dies kann im anderen Leben deutlich wahrgenommen werden. Sie hatten ein Gewissen, was mir mitgeteilt wurde, daß ich es wissen sollte; und es wurde gesagt, daß sie in ehelicher Liebe einfältig gelebt hatten. Sie sagten, daß sie den Ehegatten geliebt, und sich vor Ehebrüchen gehütet hätten: daß dies aus Gewissen geschah, erhellte daraus, daß sie sagten, sie hätten nicht anders können, weil es gegen ihren Willen. Solche werden im anderen Lieben unterrichtet, im Guten der Liebe und Wahren des Glaubens vervollkommnet und endlich unter die Engel aufgenommen.


*2870. Über die Freiheit des Menschen.

Wenige wissen, was Freiheit und was Unfreiheit ist. Als Freiheit erscheint alles das, was der Liebe eines Menschen und ihrer Lust angehört, und als Unfreiheit, was derselben entgegen ist.

Was der Selbstliebe und Weltliebe und deren Begierden angehört, erscheint dem Menschen als Freiheit, aber es ist eine höllische Freiheit; was aber der Liebe zum Herrn und der Liebe gegen den Nächsten, folglich der Liebe zum Guten und Wahren angehört, ist eigentliche Freiheit und zwar himmlische Freiheit.

*2871. Die höllischen Geister wissen nicht, daß es eine andere Freiheit gibt als die der Selbst- und Weltliebe, d.h. der Begierden zu herrschen, zu verfolgen und zu hassen alle, die nicht dienen, jegliche zu quälen ihretwegen, wenn sie könnten, die ganze Welt zu zerstören, wegzunehmen und sich zuzueignen alles, was der andere hat; wenn sie in diesen und dergleichen sind, dann sind sie in ihrer Freiheit, weil in ihrer Lust.

In jener Freiheit besteht ihr Leben so sehr, daß, wenn sie ihnen genommen wird, ihnen nicht mehr Leben übrigbleibt, als soviel ein kaum erst geborenes Kind hat.

Dies ist mir auch durch lebendige Erfahrung gezeigt worden: ein böser Geist war der Meinung, ihm könnte solches genommen werden und er so in den Himmel kommen, daß mithin sein Leben wunderbar in himmlisches Leben verwandelt werden könnte. Darum wurden ihm jene Liebesneigungen mit ihren Begierden genommen, was im anderen Leben durch Trennung von Seinesgleichen geschieht, und da erschien er offenbar wie ein Kind, das mit den Händen schwimmt, die er kaum bewegen konnte. Dabei war er zugleich in einem Zustand, daß er noch weniger als ein Kind denken, gar nichts reden und auch gar nichts wissen konnte. Aber bald wurde er wieder in seine Lust und so in seine Freiheit versetzt. Hieraus wurde klar, daß es unmöglich ist, daß einer, der aus Selbst- und Weltliebe und folglich in deren Freiheit sich ein Leben geschaffen hat, in den Himmel kommen kann; denn wenn einem solchen jenes Leben genommen würde, so würde er gar kein Denk- und Willensvermögen mehr haben.

*2872. Die himmlische Freiheit ist aber die, welche vom Herrn kommt. In ihr sind alle Engel, die in den Himmeln sind. Sie gehört der Liebe zum Herrn und der Liebe zueinander, somit der Neigung zum Guten und Wahren an.

Wie geartet diese Freiheit ist, kann daraus erhellen, daß ein jeder der in ihr ist, sein Glück und seine Seligkeit dem anderen aus innerster Neigung mitteilt, und daß er sich glücklich und selig fühlt, es mitteilen zu können; und weil der ganze Himmel so geartet ist, so folgt, daß ein jeder der Mittelpunkt aller Glückseligkeiten ist, und daß alle zusammen den Einzelnen zukommen. Die Mitteilung selbst geschieht vom Herrn durch wunderbare Einwirkungen in einer unbegreiflichen Form, welche die Form des Himmels ist. Eben hieraus kann erhellen, was himmlische Freiheit ist, und daß sie allein vom Herrn kommt.

*2873. Welch großer Abstand ist zwischen der himmlischen Freiheit, die aus der Neigung zum Guten und Wahren stammt, und der höllischen Freiheit, die der Neigung zum Bösen und Falschen entspringt, kann daraus erhellen, daß die Engel in den Himmeln, wenn sie nur an eine solche Freiheit denken, die aus der Neigung zum Bösen und Falschen oder, was das gleiche, aus den Begierden der Selbst- und Weltliebe ist, alsbald von inwendigen Schmerzen ergriffen werden, und umgekehrt, sobald die bösen Geister nur an die Freiheit denken, die aus der Neigung zum Guten und Wahren oder, was das gleiche, aus den Wünschen der gegenseitigen Liebe, kommen sie alsbald in Ängste. Und wunderbar, so entgegengesetzt ist die eine Freiheit der anderen, daß die Freiheit der Selbst- und Weltliebe den guten Geistern eine Hölle ist und umgekehrt, die Freiheit der Liebe zum Herrn und der Liebe zueinander den bösen Geistern eine Hölle ist: daher sind in der anderen Welt alle unterschieden gemäß den Freiheiten, oder was das gleiche ist, gemäß den Liebestrieben und Neigungen, folglich gemäß den Lustreizen des Lebens, was soviel ist als gemäß den Lebensarten: denn die Lebensarten sind nichts anderes als Lustreize und diese nichts anderes als Neigungen, die den Liebestrieben angehören.

*2874. Hieraus wird nun offenbar, was die Freiheit ist, nämlich daß sie ist denken und wollen aus der Neigung heraus: und daß die Freiheit so geartet ist, wie die Neigung. Ferner daß die eine Freiheit eine höllische und die andere eine himmlische ist, und daß die höllische Freiheit von der Hölle, die himmlische Freiheit aber vom Herrn ist.

Auch ist offenbar, daß die, welche in der höllischen Freiheit sind, falls ihnen nicht alles Leben genommen würde, nicht in die himmlische Freiheit kommen können, d.h. von der Hölle in den Himmel; sodann daß niemand in die himmlische Freiheit kommen kann, es sei denn durch Besserung vom Herrn, und daß er dann eingeführt wird durch die Neigung zum Guten und Wahren, d.h. durch das Gute des Lebens, dem einzupflanzen ist das Wahre der Lehre.

*2875. Das Gute des Lebens oder die Neigung zum Guten wird vom Herrn eingeflößt auf dem inwendigen Weg, dem Menschen ganz unbewußt; das Wahre der Lehre aber, bzw. der Glaube auf dem äußeren Weg und wird ins Gedächtnis getragen, aus dem es vom Herrn zu gehöriger Zeit und in gehöriger Ordnung hervorgerufen und mit der Neigung zum Guten verbunden wird. Das geschieht in der Freiheit des Menschen, denn die Freiheit des Menschen ist aus der Neigung. Solcherart ist die Einsaat und Einwurzelung des Glaubens.

Alles, was in der Freiheit geschieht, das wird verbunden, was aber unter Zwang geschieht, wird nicht verbunden; was daraus erhellen kann, daß ganz und gar nichts verbunden werden kann, als wozu man Neigung hat; die Neigung ist das eigentlich Aufnehmende. Gegen die Neigung etwas annehmen, ist gegen das Leben. Hieraus wird klar, daß das Wahre der Lehre oder der Glaube nur angenommen werden kann von der Neigung dazu; aber wie die Neigung, so die Annahme. Die Neigung zum Wahren und Guten ist es allein, was das Wahre des Glaubens annimmt, denn sie stimmen zusammen, und weil sie zusammenstimmen, verbinden sie sich.

*2876. Weil niemand gebessert werden kann außer in der Freiheit, darum wird die Freiheit dem Menschen niemals genommen, wie wenig es auch den Anschein hat. Es ist ewiges Gesetz, daß ein jeder innerlich, d.h. bezüglich der Neigungen und Gedanken in der Freiheit sei, damit in sie die Neigung zum Guten und Wahren eingeflößt werde.

*2877. So oft die Neigung zum Wahren und die Neigung zum Guten vom Herrn eingeflößt wird, was geschieht, wenn der Mensch es gar nicht weiß, dann eignet er sich das Wahre an und tut das Gute in der Freiheit, weil aus Neigung; denn alles was aus der Neigung, das ist Freiheit: und dann verbindet sich das Wahre, das Sache des Glaubens ist, mit dem Guten, das Sache der Liebtätigkeit ist.

Wenn der Mensch nicht Freiheit hätte in allem, was er denkt und was er will, so könnte die Freiheit, das Wahre zu denken und das Gute zu wollen gar niemand eingeflößt werden; denn um gebessert zu werden, muß der Mensch das Wahre denken wie von sich, und das Gute tun wie von sich, und was wie von sich geschieht, ist in der Freiheit. Wenn dem nicht so wäre, gäbe es gar nie eine Besserung und Wiedergeburt.

*2878. Unzählige Ursachen sind es, aus denen und um derentwillen der Mensch das Wahre zu lernen und das Gute zu tun liebt. Es sind der Ursachen aus der Welt außerordentlich viele, es sind auch aus dem Körper außerordentlich viele, und dann zuweilen nicht um des Himmels, noch weniger um des Herrn willen.

So wird der Mensch vom Herrn durch Neigungen ins Wahre und Gute eingeführt, und der eine Mensch ganz anders als der andere, jeder gemäß seines angeborenen und erworbenen Naturells; und weil er ins Gute und Wahre fortwährend durch Neigungen, somit fortwährend durch Freiheiten eingeführt wird, so endlich auch in die Neigungen zum geistig Wahren und geistig Guten. Jene Zeiten und jene Zustände weiß der Herr allein, und Er allein ordnet und lenkt sie der Sinnesart und dem Leben eines jeden angemessen. Hieraus wird klar, warum der Mensch Freiheit hat.

*2879. Der Herr fließt durch das Innerste des Menschen mit dem Guten ein, und dort verbindet Er damit das Wahre; im Innersten muß dessen Wurzel sein. Wenn der Mensch nicht innerlich in der Freiheit ist in Ansehung aller Neigungen und Gedanken, so kann es nie geschehen, daß das Gute und Wahre eine Wurzel treibt.

*2880. Nichts als was aus der Freiheit fließt, erscheint dem Menschen als das Seine oder, was das gleiche, als sein Eigen. Ursache ist, daß alle Neigung, die der Liebe angehört, sein eigenstes Leben ist, und handeln aus Neigung ist aus dem Leben, d.h. aus sich selbst, somit aus dem Seinigen oder, was das gleiche, aus dem Eigenen. Damit also der Mensch ein himmlisches Eigene empfange, wie jenes Eigene, das die Engel im Himmel haben, wird der Mensch in der Freiheit gehalten und durch die Freiheit so eingeführt.

Jedem kann bekannt sein, daß den Herrn verehren aus Freiheit, erscheint wie von sich oder dem Eigenen; daß aber Ihn verehren aus Zwangs ist nicht von sich selber, sondern von einer Gewalt, die von außen oder anderswoher antreibt so zu tun, daß somit der Gottesdienst aus Freiheit der eigentliche Gottesdienst ist und daß ein Gottesdienst aus Zwang kein Gottesdienst ist.

*2881. Wenn der Mensch durch Zwang gebessert werden könnte, so gäbe es keinen Menschen in der ganzen Welt, der nicht selig würde, denn nichts wäre dem Herrn leichter, als den Menschen zwingen, Ihn zu fürchten und zu verehren, ja Ihn gleichsam zu lieben; der Mittel sind unzählige. Weil aber das, was im Zwang und Drang geschieht nicht verbunden, somit nicht angeeignet wird, darum liegt es vom Herrn sehr fern, jemand zu nötigen.

Solange der Mensch in Kämpfen ist oder einer von der streitenden Kirche, scheint es, als ob der Herr den Menschen nötige, dieser also keine Freiheit hätte, denn er kämpft alsdann fortwährend wider die Selbst- und Weltliebe, somit wider die Freiheit, in die er geboren und in die er hineingewachsen ist, daher kommt es, daß es ihm so erscheint. Daß aber in den Kämpfen, in denen er siegt, eine größere Freiheit ist als außer den Kämpfen, jedoch nicht eine Freiheit aus ihm selbst, sondern vom Herrn, und gleichwohl scheinbar wie seine, sehe man Nr. 1937 1947.

*2882. Hauptsächlich darum glaubt der Mensch, er habe keine Freiheit, weil er weiß, daß er aus sich nicht das Gute tun und das Wahre denken kann. Er soll aber nicht glauben, daß irgend jemand die Freiheit habe und gehabt habe, das Wahre zu denken und das Gute zu tun aus sich, nicht einmal der Mensch, der wegen der Unbescholtenheit (Reinheit), in der er war, die Ähnlichkeit und das Bild Gottes genannt wurde. Jedoch alle Freiheit, das Wahre zu denken, das dem Glauben angehört, und das Gute zu tun, das der Liebtätigkeit angehört, fließt ein vom Herrn. Der Herr ist das Gute und das Wahre selbst, also deren Quelle. Alle Engel sind in solcher Freiheit, ja im wirklichen Innewerden, daß es so ist. Die inwendigsten Engel werden inne, wieviel vom Herrn und wieviel von ihnen selbst; aber wieviel vom Herrn, soviel sind sie in der Seligkeit, hingegen wieviel von ihnen selbst, soviel nicht in der Seligkeit.

*2883. Auf daß nun der Mensch ein himmlisch Eigenes empfange, muß er das Gute tun von sich und das Wahre denken von sich, aber dennoch wissen und wenn er gebessert ist, denken und glauben, daß alles Gute und alles Wahre vom Herrn ist, auch im allerkleinsten, und zwar, weil es so ist.

Daß hingegen dem Menschen gestaltet wird zu meinen, es sei von ihm selber, hat den Zweck, daß das Gute und Wahre wie sein Eigen werde.

*2884. Die Freiheil der Selbst- und Weltliebe und ihrer Begierden ist nichts weniger als Freiheit, sie ist schlechthin Knechtschaft. Aber gleichwohl wird sie Freiheit genannt, wie Liebe, Neigung und Lust in beiderlei Sinn, und doch ist die Selbst- und Weltliebe nichts weniger als Liebe, sie ist Haß, folglich auch die Neigung und Lust aus ihr. Nach dem was sie scheinen, nicht nach dem, was sie sind, werden sie so benannt.

*2885. Niemand kann wissen was Knechtschaft und was Freiheit ist, wenn er nicht den Ursprung der einen und der anderen weiß; und diesen Ursprung kann auch niemand wissen als aus dem Wort und wenn er nicht weiß, wie es sich mit dem Menschen in Betreff seiner Neigung verhält, die dem Willen und betreff seiner Gedanken, die dem Verstand angehören.

*2886. Mit dem Menschen verhält es sich in betreff seiner Neigungen und in betreff seiner Gedanken so: Keiner, wer es auch sei, Mensch oder Geist oder Engel, kann wollen und denken von sich selbst, sondern nur von anderen, und auch diese anderen nicht von sich, sondern alle wieder von anderen und so fort, somit die einzelnen vom Urquell des Lebens, welcher ist der Herr.

Was zusammenhanglos ist, hat keinen Bestand; Böses und Falsches haben einen Zusammenhang mit den Höllen, daher kommt den darin Befindlichen ihr Wollen und Denken und daher ihre Liebe, Neigung und Lust, mithin ihre Freiheit. Eben hieraus kann erhellen, woher die eine und die andere Freiheit ist. Daß sich die Sache so verhält, ist im anderen Leben sehr bekannt, aber heutzutage völlig unbekannt in der Welt.

*2887. Beim Menschen sind alleweil böse Geister und Engel; durch die Geister hat er Gemeinschaft mit den Höllen und durch die Engel mit den Himmeln. Wenn ihm jene Geister und Engel weggenommen würden, so wäre er augenblicklich ohne Willen und ohne Denken, somit leblos; daß es so ist, kann als widersinnig erscheinen, aber es ist gewisseste Wahrheit.

Aber von den Geistern und Engeln beim Menschen soll, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, anderswo die Rede sein.

*2888. Mit dem Leben eines jeden, ob Mensch, Geist oder Engel, verhält es sich so: dasselbe fließt ein allein vom Herrn, welcher das Leben selbst ist, und es ergießt sich durch den ganzen Himmel, auch durch die Hölle, somit in alle Einzelnen, und zwar in einer unbegreiflichen Ordnung und Aufeinanderfolge. Aber das Leben, das einfließt, wird von einem jeden gemäß seiner Sinnesart aufgenommen; das Gute und Wahre wird als gut und wahr von den Guten aufgenommen; dagegen das Gute und Wahre wird als böse und falsch von den Bösen aufgenommen und auch ins Böse und Falsche bei ihnen verwandelt.

Es verhält sich hiermit vergleichsweise wie mit dem Sonnenlicht, das sich in alle Gegenstände der Erde ergießt, aber gemäß der Beschaffenheit eines jeden Gegenstandes. Es bekommt eine schöne Farbe in schönen Formen, und eine häßliche Farbe in häßlichen Formen; das ist ein Geheimnis in der Welt, aber allbekannt im anderen Leben.

Auf daß ich wüßte, daß ein solcher Einfluß stattfindet, durfte ich mit den bei mir befindlichen Geistern und Engeln reden und auch den Einfluß fühlen und innewerden, und zwar so oft, daß ich gar nicht bestimmen kann wie viele Male. Aber ich weiß, daß der falsche Schein es wegnehmen wird, nämlich daß man glauben wird, man wolle aus sich und man denke aus sich und man habe so Leben aus sich, da doch nichts weniger der Fall ist.

*2889. Die bösen Geister können ganz und gar nicht begreifen, daß sie nicht aus sich leben und daß sie bloß Organe des Lebens seien, noch weniger, daß kein Leben ist als das aus dem Guten und Wahren, noch weniger, daß sie nicht anfangen zu leben, ehe das Leben der Begierden des Bösen und der Beredungen des Falschen, worin sie sind, abgetötet ist. Sie glauben, wenn sie deren beraubt würden, so könne gar kein Leben zurückbleiben, obwohl es sich doch so verhält, daß sie dann erst, wenn sie das Leben der Begierden des Bösen und der Beredungen des Falschen verloren haben, zu leben anfangen, und daß der Herr samt dem Guten und Wahren, worin einzig und allein das Leben besteht, nicht eher aufgenommen wird, und daß alsdann Einsicht und Weisheit, somit das eigentlichste Leben, einfließt und sich hernach unendlich vermehrt, und zwar mit Lust, Wonne und Seligkeit, also mit innigster Freude, und das in unaussprechlicher Mannigfaltigkeit in Ewigkeit.

*2890. Die beim Menschen befindlichen bösen Geister, durch die der Mensch mit der Hölle Gemeinschaft hat, betrachten ihn nicht anders, denn als einen elenden Sklaven, gießen sie ihm doch ihre Begierden und Beredungen ein, führen ihn also, wohin sie nur wollen. Hingegen die Engel, durch die der Mensch mit dem Himmel Gemeinschaft hat, betrachten ihn wie einen Bruder und flößen ihm die Neigungen zum Guten und Wahren ein, und so führen sie ihn durch die Freiheit, nicht wohin sie wollen, sondern wohin es dem Herrn wohlgefällt. Daraus kann erhellen, wie beschaffen die eine und wie beschaffen die andere Freiheit ist, und daß es Knechtschaft ist, vom Teufel, Freiheit aber, vom Herrn geführt zu werden.

*2891. Die neu angekommenen Geister mühen sich gar sehr ab, wie sie begreifen sollen, niemand könne das Gute von sich tun, noch das Wahre von sich denken, sondern nur vom Herrn, indem sie glauben, daß sie so wie zu nichts fähige Maschinen wären, und wenn dem so sei, daß sie dann die Hände in den Schoß legen und sich treiben lassen dürften. Aber es wird ihnen gesagt, daß sie stets das Gute denken, wollen und tun müssen von sich, und daß sie anders kein himmlisch Eigenes und keine himmlische Freiheit haben können, dennoch aber anerkennen, daß das Gute und Wahre nicht von ihnen, sondern vom Herrn ist; und sie werden belehrt, daß in solcher Anerkennung, ja in dem Innewerden, daß es so ist, alle Engel sind; und je deutlicher diese innewerden, daß sie vom Herrn geführt werden, und so im Herrn sind, desto mehr befinden sie sich in Freiheit.

*2892. Wer im Guten lebt und glaubt, daß der Herr die Welt regiert, und daß von Ihm allein alles Gute der Liebe und der Liebtätigkeit und alles Wahre des Glaubens ist, ja daß von Ihm alles Leben, somit daß wir in Ihm leben, wehen und sind, der ist in einem solchen Stand, daß er begabt werden kann mit himmlischer Freiheit und daher auch mit Frieden, denn alsdann traut er einzig und allein dem Herrn, bekümmert sich um das übrige nicht und ist gewiß, daß alsdann alles zu seinem Besten, Glück und Seelenheil hinausläuft.

Hingegen wer glaubt, daß er sich selbst regiere, der wird immerfort beunruhigt und kommt in Begierden, in Sorgen wegen der Zukunft und in mancherlei Ängste; und weil er so glaubt, kleben ihm auch Begierden des Bösen und Beredungen des Falschen an.

*2893. Die guten Geister haben sich sehr verwunden, daß der Mensch der Kirche heutzutage nicht glaubt, alles Böse und Falsche bei ihnen fließe von der Hölle ein und alles Gute und Wahre vom Herrn, da er doch dies aus dem Wort und auch aus der Glaubenslehre weiß; und jedermann sagt doch, wenn jemand ein großes Übel getan hat, ein solcher habe sich vom Teufel leiten lassen, und wenn jemand Gutes getan hat, er habe sich vom Herrn leiten lassen.


*2987. Über die Vorbildungen und Entsprechungen.

Was Vorbildungen und was Entsprechungen sind, wissen wenige, und niemand kann es wissen, wenn er nicht weiß, daß es eine geistige Welt gibt, und daß dieselbe verschieden ist von der natürlichen Welt; denn zwischen dem Geistigen und dem Natürlichen gibt es Entsprechungen, und was von geistigen Dingen her in den natürlichen existiert, sind Vorbildungen. Entsprechungen werden sie genannt, weil sie entsprechen, und Vorbildungen, weil sie vorbilden.

*2988. Damit man irgendeinen Begriff von Vorbildungen und Entsprechungen habe, denke man nur über das nach, was Angehör des Gemütes, nämlich des Denkens und des Willens ist. Dieses pflegt aus dem Angesicht so hervorzuleuchten, daß es in dessen Miene erscheint: die Neigungen, vor anderen die inwendigeren. Wenn das, was Angehör des Antlitzes ist, zusammenstimmt mit dem, was Angehör des Gemütes ist, so sagt man, daß sie entsprechen und sind Entsprechungen; und die Mienen des Angesichtes selbst bilden vor und sind Vorbildungen.

Gleicherweise verhält es sich mit dem, was durch die Bewegungen im Körper geschieht, wie auch mit allen Handlungen, die von den Muskeln ausgeführt werden; daß sie gemäß dem geschehen, was der Mensch denkt und will, ist bekannt. Die Bewegungen und Handlungen selbst, die Angehör des Körpers sind, bilden vor, was dem Gemüt angehört und sind Vorbildungen, und insofern sie übereinstimmen, sind sie Entsprechungen.

*2989. Man kann auch wissen, daß solche Gebilde im Geiste nicht existieren, wie sie in der Miene sich herausstellen, sondern daß es nur Neigungen sind, die so abgebildet werden. Ferner, daß solche Handlungen nicht im Geiste stattfinden, die sich durch die Handlungen im Körper darstellen, sondern daß es Gedanken sind, die so gestaltet werden: was dem Geiste angehört, ist Geistiges, was aber dem Körper, ist Natürliches. Daraus ist deutlich, daß es Entsprechungen gibt zwischen dem geistigen und Natürlichen, und daß eine Vorbildung der geistigen Dinge in den natürlichen stattfindet; oder, was dasselbe ist, wenn das, was dem inwendigen Menschen angehört, sich im Äußeren abbildet, dann ist das, was im Äußeren erscheint, ein Vorbild des Inwendigen, und was übereinstimmt, ist Entsprechendes.

*2990. Bekannt ist auch, oder könnte es sein, daß es eine geistige Welt gibt und eine natürliche Welt. Die geistige Welt ist allenthalben, wo Geister und Engel sind, und die natürliche Welt wo Menschen sind. Im besonderen ist die geistige und die natürliche Welt bei einem jeden Menschen: sein inwendiger Mensch ist für ihn eine geistige Welt, sein äußerer aber eine natürliche Welt. Die Dinge, die aus der geistigen Welt einfließen und sich in der natürlichen darstellen, sind im allgemeinen Vorbildungen und soweit sie zusammentreffen, sind sie Entsprechungen.

*2991. Daß Natürliches Geistiges vorbildet und daß es entspricht, kann man auch daraus wissen, daß Natürliches keineswegs existieren könnte, wenn nicht aus einer früheren Ursache. Die Ursache desselben ist aus dem Geistigen. Natürliches, das nicht daher seine Ursache ableitet, kann es nicht geben. Die natürlichen Formen sind Wirkungen und können nicht als Ursache erscheinen, noch weniger als die Ursache der Ursachen oder das Ursprüngliche, sondern sie nehmen gemäß der Dienlichkeit an dem Ort Formen an, an dem sie sind. Dennoch aber bilden die Formen der Wirkungen das vor, was den Ursachen angehört; ja sie bilden sogar das vor, was den Urgründen angehört; somit bilden alle natürlichen Dinge das vor, was den geistigen angehört, denen sie entsprechen, ja sogar die geistigen Dinge bilden vor, was den himmlischen angehört, aus denen sie stammen.

*2992. Aus vieler Erfahrung ist mir zu wissen gegeben worden, daß in der natürlichen Welt und in ihren drei Reichen gar nichts ist, was nicht etwas in der geistigen Welt vorbildete, oder das nicht daselbst etwas hätte, dem es entspräche. Außer mehreren Erfahrungen kann es auch aus folgendem erhellen: einige Male, als ich über die Eingeweide des Leibes redete und ihren Zusammenhang mit den Teilen des Hauptes verfolgte zu den Teilen der Brust bis zu den Teilen des Unterleibes, da leiteten die Engel die über mir waren meine Gedanken durch Geistiges dem jene entsprachen, und zwar so, daß kein Irrtum entstand. Sie dachten gar nicht an die inneren Teile des Körpers woran ich dachte, sondern nur an geistige Dinge denen jene entsprachen.

Solcherart ist die Einsicht der Engel, daß sie aus dem Geistigen alles und jedes wissen was im Körper vorgeht, auch das Geheimnisvollste das niemals zur Kenntnis des Menschen gelangen könnte, ja alles und jedes, was im Weltall ohne Täuschung, und zwar weil von dorther die Ursachen und die Urgründe der Ursachen sind.

*2993. Gleicherweise verhält es sich mit den Dingen, die im Pflanzenreich sind; daselbst gibt es gar nichts, was nicht etwas vorbildete in der geistigen Welt und ihr entspräche, was mir häufig durch ähnlichen Verkehr mit den Engeln zu wissen gegeben wurde. Die Ursachen sind mir auch gesagt worden, daß nämlich die Ursachen aller natürlichen Dinge aus geistigen Dingen stammen und die Urgründe der Ursachen aus himmlischen Dingen, oder, was dasselbe ist, daß alles, was in der natürlichen Welt ist, seine Ursache herleitet vom Wahren, das geistig ist, und den Urgrund vom Guten, das himmlisch ist, und daß das Natürliche daraus hervorgeht, gemäß allen Unterschieden des Wahren und des Guten, die im Reiche des Herrn, somit vom Herrn selbst, von dem alles Gute und Wahre stammt. Diese Dinge können nur als fremdartig er scheinen, besonders denen, die sich mit ihrem Denken nicht über die Natur erheben wollen oder können, und die nicht wissen, was geistig ist, und es daher nicht anerkennen.

*2994. Der Mensch, solange er im Körper lebt, kann wenig davon fühlen und inne werden, denn das Himmlische und Geistige hei ihm fällt in das Natürliche, das in seinem äußeren Menschen, und hier verliert er die Empfindung und das Innewerden derselben. Das Vorbildliche und Entsprechende in seinem äußeren Menschen ist auch der Art, daß es nicht dem gleich erscheint, dem es im inneren Menschen entspricht und das es vorbildet. Daher können sie nicht zu seiner Kenntnis gelangen, bevor er entkleidet ist von jenen Äußerlichkeiten. Selig dann, wer in Entsprechung ist, d.h. dessen äußerer Mensch dem Inneren entspricht.

*2995. Weil die Menschen der Ältesten Kirche (von denen Nr. 1114-1125) in den einzelnen Dingen der Natur etwas Geistiges und Himmlisches sahen, so daß die natürlichen Dinge ihnen nur zu Gegenständen des Denkens über geistige und himmlische Dinge dienten, konnten darum mit Engeln reden und mit ihnen zusammen sein im Reich des Herrn in den Himmeln, zu gleicher Zeit als sie in Seinem Reiche auf Erden oder in der Kirche waren. Bei ihnen war so das Natürliche mit dem Geistigen verbunden und entsprach völlig.

Anders aber nach jenen Zeiten, da das Böse und Falsche zu herrschen anfing, oder als nach dem goldenen Zeitalter das eiserne anfing; dann wurde, weil kein Entsprechendes mehr da war, der Himmel verschlossen, bis dahin, daß sie kaum wissen wollten, daß ein Geistiges sei, ja endlich auch nicht, daß es ein Himmel und eine Hölle, und daß es ein Lehen nach dem Tode gebe.

*2996. Es ist eines der größten Geheimnisse vor der Welt, aber allgemein bekannt im anderen Leben, auch einem jeden Geist, daß alles, was im menschlichen Körper ist, eine Entsprechung mit dem hat, was im Himmel ist, soweit, daß daselbst nicht einmal das allerkleinste Teilchen ist, dem nicht etwas Geistiges und Himmlisches oder, was dasselbe ist, dem nicht himmlische Gesellschaften entsprächen; denn diese bestehen gemäß allen Gattungen und Arten des Geistigen und Himmlischen. Dabei besteht eine solche Ordnung, daß sie zusammen einen Menschen darstellen, und zwar in seinem Ganzen und Einzelnen, dem inwendigeren wie dem auswendigeren. Daher kommt es, daß der ganze Himmel auch der Größte Mensch genannt wird; und daher kommt es, wie öfter gesagt worden, daß die eine Gesellschaft zu diesem Gebiete des Leibes gehört und die andere zu jenem, und so weiter. Die Ursache ist, daß der Herr der alleinige Mensch ist, und der Himmel Ihn vorbildet; und das göttlich Gute und Wahre, das von Ihm ausgeht, ist es, was den Himmel ausmacht. Weil die Engel in diesem sind, sagt man, daß sie im Herrn sind. Die aber in der Hölle sind, sind außerhalb jenes Größten Menschen und entsprechen schmutzigen Dingen, wie auch Krankheiten (vitiis, Gebrechen).

*2997. Dieses kann man auch einigermaßen daher wissen, daß der geistige oder innere Mensch, welcher der Geist des Menschen ist und auch dessen Seele genannt wird, in gleicher Weise Entsprechung hat mit seinem natürlichen oder äußeren Menschen, und daß die Entsprechung so beschaffen ist, daß, was dem Inneren des Menschen angehört, geistig und himmlisch ist, aber was dem äußeren, natürlich und körperlich, wie erhellen kann aus dem, was in Nr. 2988, 2989 gesagt worden ist. Der Mensch ist auch wirklich in betreff des inneren Menschen ein kleiner Himmel, weil zum Bilde Gottes erschaffen.

*2998. Daß die Entsprechungen solcherart sind, ist mir während mehrerer Jahre so vertraut geworden, daß kaum etwas vertrauter sein kann, obwohl es solcherart ist, daß der Mensch nicht weiß, daß es ist und nicht glaubt, daß er einen Zusammenhang habe mit der geistigen Welt, während er doch ganz mit ihr zusammen- und von ihr abhängt und er nicht einmal einen Augenblick bestehen kann, auch nicht ein Teil in ihm, ohne diesen Zusammenhang. Daher kommt sein ganzes Bestehen.

Es wurde mir auch zu wissen gegeben, welche Engelsgesellschaften zu einem jeden Gebiet des Körpers gehören, Ferner welcher Art sie sind; welche und von welcher Art zum Gebiete des Herzens, welche und von welcher Art zum Gebiet der Lungen, sodann welche und von welcher Art zu dem der Leber, ferner welche und welcher Art zu den Sinnesorganen, wie Augen, Ohren, Zunge und den übrigen; worüber vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn weiter unten einzelnes.

*2999. Außerdem gibt es gar nichts in der erschaffenen Welt, das nicht seine Entsprechung hätte mit dem, was in der geistigen Welt ist, und somit was nicht in seiner Art irgend etwas aus dem Reich des Herrn vorbildete. Daraus ist das Dasein und die Erhaltung aller Dinge.

Wenn der Mensch wüßte, wie es sich verhält, würde er niemals, wie er zu tun pflegt, alles der Natur zuschreiben.

*3000. Daher ist es, daß alles und das einzelne, was im Weltall ist, das Reich des Herrn vorbildet, und zwar so sehr, daß das Weltall mit seinen Sternen, seiner Atmosphäre, seinen drei Reichen nichts anderes ist als eine Schaubühne, welche die Herrlichkeit des Herrn, die in den Himmeln ist, vorbildet. Nicht nur der Mensch, sondern auch alle einzelnen Tiere im Tierreich, selbst die kleinsten und geringsten unter ihnen, bilden vor, z.B. die Raupen, die auf der Erde kriechen und sich von Kräutern nähren, wenn die Zeit ihrer Begattung bevorsteht, dann zu Puppen werden und bald auch mit Flügeln versehen, und so sich vom Boden in die Atmosphäre, ihren Himmel, emporschwingen, und daselbst ihre Freude und ihre Freiheit genießen, unter sich spielen, und aus den Blumen die beste Nahrung saugen, Eier legen und so für Nachkommenschaft sorgen; und die dann in ihrem himmlischen Zustand und auch in ihrer Schönheit sind. Daß dies Vorbildungen sind aus dem Reich des Herrn, kann jeder sehen.

*3001. Daß nicht mehr ist als ein einziges Leben, nämlich das des Herrn, das einfließt und macht, daß der Mensch lebt, ja daß sowohl die Guten wie die Bösen leben, kann aus dem erhellen, was in der Erklärung des Wortes in Nr. 1954, 2021, 2536, 2658, 2706, 2886 bis 2889 gesagt und gezeigt worden ist.

Jenem Leben entsprechen die aufnehmenden Wesen, die durch jenen göttlichen Einfluß belebt werden, und zwar so, daß sie glauben, aus sich zu leben. Dies ist die Entsprechung des Lebens mit den Aufnahmegefäßen des Lebens: so wie die Aufnahmegefäße sind, so leben sie. Die Menschen, die in Liebe und Liebtätigkeit sind, sind in Entsprechung, denn sie stimmen überein, und es wird von ihnen das Leben gleichartig aufgenommen. Diejenigen aber, die im Entgegengesetzten der Liebe und der Liebtätigkeit sind, sind nicht in Entsprechung, weil das Lehen selbst nicht gleichartig aufgenommen wird; daher so wie der Anschein des Lebens bei ihnen ist, so sind sie.

Dieses kann aus vielem erläutert werden, z.B. aus den Bewegungs- und Sinnesorganen des Körpers, in die durch die Seele Leben einfließt; welcher Art diese sind, solcher Art sind auch ihre Handlungen und Sinnesempfindungen; sowie auch aus den Gegenständen, in die das Licht der Sonne einfließt: welcherlei aufnehmende Formen sie sind, so gestalten sich ihre Färbungen gemäß ihrer Beschaffenheit. Aber in der geistigen Welt sind alle Modifikationen, die aus dem Einfluß des Lebens entstehen, geistige, daher solche Unterschiede der Einsicht und der Weisheit.

*3002. Hieraus kann auch erhellen, wie alle natürlichen Formen, sowohl die belebten als die unbelebten, Vorbilder sind von geistigen und himmlischen Dingen im Reiche des Herrn, d.h. daß alles und das einzelne in der Natur in dem Maße und in der Art vorbildet, wie es entspricht.

* * *

*3213. In der Geisterwelt gibt es unzählige und beinahe fort währende Vorbilder. Diese sind Gestalten geistiger und himmlischer Dinge, nicht unähnlich denen in der Welt. Woher sie kommen, durfte ich aus einem langen Umgang mit Geistern und Engeln wissen. Sie fließen aus dem Himmel und aus den Vorstellungen und Reden der Engel dort ein, denn die Vorstellungen und daher Reden der Engel, wenn sie zu den Geistern hernieder kommen, stellen sich vorbildlich dar auf verschiedene Weise. Gutartige Geister können aus denselben wissen, was die Engel unter sich reden, denn inwendig in den Vorbildern ist etwas Engelhaftes, das man, weil es anregend ist, inne wird, auch in Ansehung der Beschaffenheit.

Die Engelsvorstellungen und -Reden können den Geistern nicht anders vorgestellt werden, denn eine Engelsvorstellung enthält unendlich mehr als die Vorstellung eines Geistes, und wenn sie nicht gestaltet und vorbildlich und so sichtbar durch Bilder dargestellt würde, so würde ein Geist kaum etwas davon verstehen, denn das meiste ist unaussprechlich. Wenn es aber vorgebildet wird durch Gestalten, dann wird es in Ansehung des Allgemeineren begreiflich. Und wunderbar, in dem was vorgebildet wird, ist auch nicht das Kleinste, das nicht etwas Geistiges und Himmlischen ausdrückte, was in der Vorstellung der Engelsgesellschaft ist, aus der das Vorbild herabfließt.

*3214. Es kommen zuweilen vorbildliche Darstellungen geistiger und himmlischer Dinge in einer solchen Ordnung nacheinander, daß man sich wundern muß; es sind Gesellschaften, bei denen sie geschehen, und ich durfte mehrere Monate bei ihnen sein. Aber jene Vorbildungen sind von solcher Art, daß wenn ich nur eine einzige in ihrer Ordnung erwähnen und schildern wollte, mehrere Blätter damit gefüllt würden. Sie sind überaus reizend, denn fortwährend tritt etwas Neues, Unerwartetes ein, und zwar bis das, was vorgebildet wird, vollständig durchgeführt ist. Und wenn alles durchgeführt ist, so kann man es mit einem Blick überschauen, und dann wird zugleich gegeben wahrzunehmen, was das einzelne bedeutet. Die guten Geister werden in geistige und himmlische Vorstellungen auch auf diese Art eingeweiht.

*3215. Die Vorbilder, die den Geistern vorkommen, sind von unglaublicher Mannigfaltigkeit, doch sind die meisten gleich den Dingen auf der Erde und in ihren drei Reichen. Damit man wisse, wie beschaffen sie sind, sehe man, was früher darüber berichtet wurde: Nr. 1521, 1532, 1619-1625, 1807, 1808, 1971, 1974, 1977, 1980, 1981, 2299, 2601, 2758.

*3216. Damit man noch besser wisse, wie es sich mit den Vorbildern im anderen Lehen verhält, nämlich mit denen, die in der Geisterwelt erscheinen, so mögen auch hier einige Beispiele stehen:

Wenn bei den Engeln die Rede ist von den Lehren der Liebtätigkeit und des Glaubens, dann erscheint zuweilen in der unteren Sphäre, wo die entsprechende Gesellschaft von Geistern ist, die Vorstellung einer Stadt oder von Städten, mit Palästen darin, Von solcher Baukunst, daß man staunen muß, so daß man sagen möchte, dort und von daher sei jene Kunst selber, nebst Häusern von verschiedenem Aussehen. Und, was wunderbar, in dem allem und jedem gibt es auch nicht den kleinsten Punkt oder das kleinste Sichtbare, was nicht etwas aus der Vorstellung und Rede der Engel vorbildet.

Hieraus kann erhellen, wie unzählig vieles darin liegt. Ferner was bezeichnet ist durch die Städte, die den Propheten erschienen im Wort, z.B. was durch die Heilige Stadt oder das neue Jerusalem, wie auch was durch die Städte im prophetischen Wort, nämlich die Lehren der Liebtätigkeit und des Glaubens: Nr. 402, 2449.

*3217. Wenn bei den Engeln vom Verständigen die Rede ist, dann erscheinen in der Welt der Geister unterhalb jener, oder in den Gesellschaften, die entsprechen, Pferde, und zwar in einer Größe, Gestalt, Farbe, Haltung gemäß den Vorstellungen, welche die Engel vom Verständigen haben, dieselben auch verschieden ausgeschmückt. Es gibt auch einen Ort etwas tiefer, ein wenig zur Rechten, welcher der Wohnplatz der Verständigen genannt wird, wo fortwährend Pferde erscheinen, und zwar aus dem Grund, weil sie im Denken sind über das Verständige. Wenn nun in deren Gedanken die Engel einwirken, bei denen die Rede ist vom Verständigen, so werden Pferde gegenwärtig dargestellt.

Hieraus konnte erhellen, was durch die den Propheten erschienenen und auch durch die im Wort genannten Pferde bezeichnet ist, nämlich Verständiges: Nr. 2760-2762.

*3218. Wenn die Engel in Neigungen und zugleich in Rede darüber sind, dann fällt solches in der unteren Sphäre bei den Geistern in vorbildliche Arten von Tieren. Ist die Rede von guten Neigungen, so stellen sich schöne, sanfte und nützliche Tiere dar, wie sie im vorbildlichen Gottesdienst in der jüdischen Kirche hei Opfern gebraucht wurden, wie:

Lämmer, Schafe, Böckchen, Ziegen, Widder, Ziegenböcke, Kälber, Farren, Ochsen; und dann stellt alles, was je an dem Tier erscheint, irgend ein Abbild ihres Denkens vor, was auch den gutartigen Geistern gegeben wird inne zu werden.

Hieraus kann erhellen, was durch die Tiere in den Gebräuchen der jüdischen Kirche bezeichnet wurde, und was durch ebendieselben, wenn sie im Worte genannt sind: nämlich Neigungen, Nr. 1823, 2179, 2180.

Hingegen stellt sich die Rede der Engel von bösen Neigungen dar durch garstige, wilde und unnützliche Tiere, wie durch Tiger, Bären, Wölfe, Skorpione, Schlangen, Mäuse und dergleichen, wie sie auch im Wort durch dieselben bezeichnet werden.

*3219. Wenn die Engel im Gespräch sind über Erkenntnisse und über Vorstellungen und über den Einfluß, dann erscheinen in der Geisterwelt wie Vögel, die gebildet sind je nach dem Gegenstand ihrer Rede. Daher kommt es, daß Vögel im Wort Vernünftiges oder das, was dem Denken angehört, bedeuten: Nr. 40, 745, 776, 991.

Einst kamen mir Vögel zu Gesicht, einer war dunkel und häßlich, zwei aber edel und schön; und als ich sie sah, siehe, da fielen mich etliche Geister mit solcher Heftigkeit an, daß sie den Nerven und Gebeinen einen Schrecken einjagten. Ich meinte, daß nun, wie schon einigemal zuvor, böse Geister mich angreifen würden, in der Absicht, mich zu verderben, aber es war nichts der Art. Als der Schrecken aufhörte nach Entfernung der einfallenden Geister, redete ich mit ihnen und fragte, was es wäre. Sie sagten, sie seien aus einer Engelsgesellschaft heruntergefallen, in der die Rede war von Gedanken und dem Einfluß, und daß sie in der Meinung gewesen seien, das was dem Denken angehöre, fließe von außen ein, nämlich durch die äußeren Sinne, dem Schein gemäß; aber die himmlische Gesellschaft, in der sie waren, hätte gesagt, es fließe von innen herein; und weil sie im Falschen waren, seien sie von da heruntergefallen, nicht herabgeworfen worden, denn die Engel werfen keinen von sich herab, sondern weil in Falschheit, seien sie von selbst heruntergefallen, und dies sei die Ursache gewesen.

Hierdurch wurde zu wissen gegeben, daß Gespräche im Himmel über die Gedanken und den Einfluß durch Vögel vorgebildet werden, und zwar denen, die im Falschen sind, durch dunkle und häßliche Vögel, die aber im Wahren, durch edle und schöne Vögel; und wurde zugleich darüber belehrt, daß alles Denken von innen her einfließe, nicht aber von außen, obwohl es so scheint; und es wurde gesagt, es sei gegen die Ordnung, daß das Spätere einfließe ins Frühere oder das Gröbere ins Feinere, somit der Körper in die Seele.

*3220. Wenn von dem, was zur Einsicht und Weisheit gehört, und von den Gefühlen (perceptionibus) und Erkenntnissen bei den Engeln die Rede ist, dann bewirkt der Einfluß von da in die entsprechenden Gesellschaften von Geistern Vorbildungen von solchen Dingen, die sich im Pflanzenreich befinden, z.B. von Paradiesen, Weinbergen, Wäldern, Auen mit Blumen, und mehrere Schönheiten, die über alle Einbildung des Menschen hinausgehen: Daher kommt es, daß das, was der Weisheit und Einsicht angehört, im Wort beschrieben wird durch Paradiese, Weinberge, Wälder, Auen, und daß, wo diese genannt werden, solches bezeichnet wird.

*3221. Die Reden der Engel werden zuweilen vorgebildet durch Wolken und durch die Formen, Farben, Bewegungen und Versetzungen derselben. Bejahendes des Wahren durch weiße und aufsteigende Wolken, Verneinendes durch dunkle und sinkende Wolken. Bejahendes des Falschen durch finstere und schwarze Wolken; Übereinstimmungen und Nichtübereinstimmungen durch verschiedene Verbindungen und Trennungen von Wolken, und zwar in einem Blau, wie es dem Nachthimmel eigen ist.

*3222. Außerdem werden die Liebestriebe und deren Neigungen vorgebildet durch Flammen, und zwar in unbeschreiblicher Mannigfaltigkeit. Die Wahrheiten aber werden durch Lichtscheine und durch unzählige Lichtveränderungen vorgebildet. Hieraus kann erhellen, woher es kommt, daß durch Flammen im Wort Gutes bezeichnet wird, das der Liebe angehört, und durch Lichter Wahres, das dem Glauben angehört.

*3223. Es gibt zweierlei Licht, wodurch der Mensch erleuchtet wird: das Weltlicht und das Himmelslicht. Das Weltlicht ist von der Sonne, das Himmelslicht ist vom Herrn.

Das Weltlicht ist für den natürlichen oder äußeren Menschen und für diejenigen Dinge, die in der Welt sind; die Dinge, die sich dort befinden, obwohl es nicht scheint, daß sie jenem Lichte angehören, gehören ihm dennoch an, denn vom natürlichen Menschen kann nichts begriffen werden, wenn nicht durch solches, was in der Sonnenwelt existiert und erscheint, und so wenn es nicht vom dortigen Licht und Schatten eine Gestaltung hat. Alle Vorstellungen von Zeit und Raum, die im natürlichen Menschen soviel ausmachen, daß er ohne sie nicht denken kann, gehören ebenfalls dem Weltlicht an.

Das Himmelslicht aber ist für den geistigen oder inneren Menschen. Das inwendigere Gemüt des Menschen, worin seine verstandesmäßigen Vorstellungen sich befinden, die immateriell genannt werden, ist in jenem Licht. Dies weiß der Mensch nicht, obwohl er seinen Verstand ein Sehen nennt und ihm Licht zuschreibt. Die Ursache ist, daß er, solange er in Weltlichem und Leiblichem ist, nur ein Gefühl von solchem hat, was dem Weltlicht angehört, nicht aber von solchem, was dem Himmelslicht angehört.

Das Himmelslicht ist vom Herrn allein; der ganze Himmel ist in diesem Licht. Dieses, nämlich das Himmelslicht, ist unermeßlich vollkommener als das Weltlicht; was im Weltlicht einen einzigen Strahl macht, das macht im Himmelslicht deren viele tausend; im Himmelslicht ist Einsicht und Weisheit. Jenes Licht ist es, das in das Weltlicht im äußeren oder natürlichen Menschen einfließt und macht, daß er die Gegenstände sinnlich wahrnimmt. Würde jenes Licht nicht einfließen, hätte der Mensch durchaus keine Wahrnehmung, denn was dem Weltlicht angehört, hat sein Leben von da her.

Zwischen diesen zweierlei Lichtern oder zwischen dem, was im Himmelslicht und im Weltlicht ist, findet eine Entsprechung statt, wenn der äußere oder natürliche Mensch eins macht mit dem inneren oder geistigen Menschen, d.h. wenn jener diesem dient, und was alsdann im Weltlicht vorhanden ist, sind Vorbilder von solchem, was im Himmelslicht.

*3224. Zu verwundern ist, daß der Mensch noch nicht weiß, daß sein verständiges Gemüt sich in einem Licht befindet, das ganz verschieden ist vom Weltlicht. Aber die Lage ist die, daß denen, die im Weltlicht sind, das Himmelslicht gleichsam Finsternis ist, und denen, die im Himmelslicht, das Weltlicht gleichsam Finsternis. Dies kommt hauptsächlich von der Liebe, welche die Wärme des Lichtes ist. Die in den Trieben der Liebe zu sich und zur Welt, somit allein in der Wärme des Weltlichtes sind, werden lediglich angeregt von Bösem und Falschem, und dieses ist es, was die Wahrheiten, die dem Himmelslicht angehören, auslöscht. Die aber in der Liebe zum Herrn und der Liebe gegen den Nächsten sind, somit in geistiger Wärme, die dem Himmelslicht angehört, werden angeregt von Gutem und Wahrem, welches das Falsche auslöscht, und doch findet auch bei diesen eine Entsprechung statt.

Geister, die allein in dem, was dem Weltlicht angehört, und daher in Falschem aus Bösem sind, haben im anderen Leben zwar Licht aus dem Himmel, aber ein solches Licht, wie das schummerige von einer feurigen Kohle oder einem glühenden Scheit. Aber dieses Licht erlischt sogleich, wenn das Himmelslicht nahe kommt und wird zur Finsternis. Die, welche sich in diesem Licht befinden, sind in Phantasien, und was sie in den Phantasien sehen, halten sie für wahr, und es gibt für sie keine anderen Wahrheiten. Ihre Phantasien sind auch gebunden an schmutzige und unflätige Gegenstände, woran sie sich sehr ergötzen. So denken sie wie Verrückte und Wahnsinnige; über das Falsche vernünfteln sie nicht, ob es so sei, sondern bejahen es im Augenblick, aber über Gutes und Wahres herrscht bei ihnen ein fortwährendes Vernünfteln, das auf Verneinung ausgeht: denn Wahres und Gutes fließt vom Himmelslicht ins inwendigere Gemüt ein, und dieses ist bei ihnen verschlossen, weshalb das Licht außen und um dasselbe herum einfließt, und von der Art wird, daß es nur und allein vom Falschen, das ihnen als wahr erscheint, modifiziert wird.

Wahres und Gutes kann nur anerkannt werden von denen, welchen jenes inwendigere Gemüt geöffnet ist. Wenn das Licht vom Herrn in dasselbe einfließt und je wie es geöffnet ist, in dem Maß wird jenes anerkannt. Jenes Gemüt ist allein bei denen geöffnet, die in der Unschuld, in der Liebe zum Herrn und in Liebtätigkeit gegen den Nächsten sind; nicht aber bei denen, die in Wahrem des Glaubens, aber nicht zugleich in Gutem des Lebens sind.

*3225. Hieraus kann nun erhellen, was Entsprechung und woher dieselbe, dann was vorbildliche Darstellung und woher. Daß nämlich eine Entsprechung besteht zwischen dem, was dem Himmelslicht und dem Weltlicht angehört, d.h. zwischen dem, was dem inneren oder geistigen Menschen angehört und dem, was dem äußeren oder natürlichen angehört. Vorbildliche Darstellung ist alles, was in dem existiert, was dem Weltlicht angehört, d.h. alles was im äußeren oder natürlichen Menschen, in Beziehung auf das, was dem Himmelslicht angehört, d.h. was aus dem inneren oder geistigen Menschen ist.

*3226. Unter die ausgezeichneten Fähigkeiten, die der Mensch in sich hat, obwohl er es nicht weiß, und die er ins andere Leben mit sich bringt, wenn er dahin nach der Ablösung vom Körper übergeht, gehört, daß er inne wird, was die Vorbilder bedeuten, die im anderen Leben erscheinen. Ferner, daß er die Empfindungen seiner Seele vollständig in einem Augenblick ausdrücken kann, was er in mehreren Stunden in der Welt nicht konnte, und zwar durch Vorstellungen aus dem Gebiet des Himmelslichts, die unterstützt und wie in Schwung versetzt werden durch Darstellungsbilder, die zu der Sache, wovon die Rede, passen und von der Art sind, daß sie nicht beschrieben werden können. Und weil der Mensch nach dem Tod in jene Fähigkeiten kommt und darüber im anderen Leben nicht belehrt zu werden braucht, so kann daraus erhellen, daß der Mensch in ihnen ist, d.h. daß sie schon in ihm sind, wenn er im Leibe lebt, obwohl er dies nicht weiß.

*3227. Daß es so ist, davon ist die Ursache, daß beim Menschen ein fortwährender Einfluß durch den Himmel vom Herrn besteht. Jener Einfluß umfaßt Geistiges und Himmlisches, das in sein Natürliches fällt und sich dort vorbildlich darstellt. Es wird im Himmel bei den Engeln über nichts anderes nachgedacht, als über Himmlisches und Geistiges, das zum Reich des Herrn gehört, aber in der Welt kaum über etwas anderes als über Leibliches und Natürliches, was sich auf das Reich bezieht, in dem er ist, und auf die Lebensbedürfnisse, die er hat. Und weil sich Geistiges und Himmlisches des Himmels, das einfließt, beim Menschen in seinem Natürlichen vorbildlich darstellt, darum bleibt es ihm eingepflanzt und ist der Mensch darin, wenn er das Körperliche ablegt und das Weltliche verläßt.

* * *

*3337. Was Entsprechungen und was Vorbildungen sind, kann aus dem erhellen, was früher gesagt und gezeigt wurde, daß nämlich zwischen dem, was dem Himmelslicht und Weltlicht angehört, Entsprechungen bestehen, und Vorbildungen was sich in dem findet, was dem Weltlicht angehört: Nr. 3225. Aber was und wie beschaffen das Himmelslicht, kann dem Menschen nicht so bekannt sein, weil der Mensch im Gebiet des Weltlichts ist; und solange er in diesem ist, erscheint ihm das, was im Himmelslicht ist, als Finsternis, ja als nichts. Diese zwei Lichter sind es, die alle Einsicht des Menschen machen, sofern Leben einfließt.

Die Einbildung des Menschen besteht in nichts anderem als Formen und Gestalten solcher Dinge, die er mit dem leiblichen Gesicht aufgefaßt hatte, wunderbar verändert und sozusagen modifiziert. Die inwendigere Einbildung aber, oder sein Denken besteht in nichts anderem als Formen und Gestalten solcher Dinge, die er mit dem Gesicht des Gemüts aufgefaßt hatte, noch wunderbarer verändert und sozusagen modifiziert. Das, was davon entsteht, ist an sich unbeseelt, wird aber durch den Einfluß des Lebens vom Herrn beseelt.

*3338. Nebst jenen Lichtern gibt es auch zwei Arten von Wärme, die ebenfalls aus zweierlei Quellen sind: die Wärme des Himmels aus seiner Sonne, die der Herr ist, und die Wärme der Welt aus ihrer Sonne, die das unseren Augen sichtbare Tagesgestirn ist.

Die Himmelswärme äußert sich beim inneren Menschen durch geistige Liebestriebe und Neigungen, die Weltwärme aber äußert sich beim äußeren Menschen durch natürliche Liebestriebe und Neigungen. Jene Wärme macht das Leben des inneren Menschen, diese aber das Leben des äußeren; denn ohne eine Liebe und Neigung kann der Mensch ganz und gar nicht leben.

Zwischen jenen zwei Arten von Wärme sind auch Entsprechungen; jene Wärmearten werden Liebestriebe und Neigungen durch den Einfluß des Lebens des Herrn, und daher kommt es dem Menschen vor, als ob es sich nicht um Wärme handle, aber dennoch ist es so, denn wenn der Mensch daher keine Wärme hätte, sowohl in betreff des inneren als in betreff des äußeren Menschen, so würde er im Augenblick ganz tot darniedersinken; dies leuchtet einem jeden daraus ein, daß der Mensch, je mehr er von Liebe entzündet wird, um so mehr auch erwärmt, und je mehr die Liebe zurücktritt, um so mehr erstarrt.

Diese Wärme ist es, durch die des Menschen Wille lebt; durch das Licht aber, von dem oben die Rede war, sein Verstand.

*3339. Im anderen Leben erscheinen jene Lichter und auch jene Arten von Wärme lebhaft. Die Engel leben im Licht des Himmels und auch in jener Wärme, von der gesagt worden. Vom Licht haben sie Einsicht, von der Wärme haben sie Neigung zum Guten; denn die Lichter, die vor ihrem äußeren Gesicht erscheinen, sind ihrem Ursprung nach aus der göttlichen Weisheit des Herrn, und die beiden Arten der Wärme, die von ihnen ebenfalls empfunden werden, sind von der göttlichen Liebe des Herrn; daher je mehr die Geister und Engel in der Einsicht des Wahren sind und in der Neigung zum Guten, desto näher sind sie dem Herrn.

*3340. Jenem Licht entgegengesetzt ist die Finsternis, und jener Wärme entgegengesetzt ist die Kälte; darin leben die Höllischen. Die Finsternis haben sie aus dem Falschen, worin sie sind, und die Kälte vom Bösen. Je entfernter sie vom Wahren sind, desto größer ist bei ihnen die Finsternis, und je entfernter sie vom Guten sind, desto größer ist bei ihnen die Kälte.

Wenn man in die Höllen sehen darf, wo solche sind, erscheint eine finstere Wolke, in der sie sich befinden. Und wenn ein Dunst von dort ausfließt, werden die Unsinnigkeiten wahrgenommen, die vom Falschen ausdünsten, und die Gehässigkeiten vom Bösen,

Zuweilen wird ihnen auch Licht gegeben, es ist jedoch wie ein Irrlicht, aber dieses verlöscht bei ihnen und wird zur Finsternis, sobald sie in das Licht des Wahren blicken; und es wird ihnen zuweilen Wärme gegeben, jedoch wie die eines unreinen Bades. Aber diese verwandelt sich bei ihnen in Kälte, sobald sie etwas Gutes verspüren.

Es wurde einer in jene finstere Atmosphäre, wo die Höllischen, geschickt, um zu wissen, wie es sich mit den dort Befindlichen verhalte, aber er wurde vom Herrn durch Engel beschirmt. Von da aus redete er mit mir und sagte: es sei dort eine so unsinnige Wut gegen das Gute und Wahre und hauptsächlich gegen den Herrn, daß er darob staunen müsse, wie man dem irgend widerstehen könnte, denn sie schnaubten nichts anderes als Haß, Rache und Mord mit einer solchen Heftigkeit, daß sie alle in der ganzen Welt umbringen wollten. Daher, wenn jene Wut nicht fortwährend vom Herrn abgetrieben würde, so ginge das ganze Menschengeschlecht zugrunde.

*3341. Weil die Vorbildungen im anderen Leben nur entstehen können durch unterschiedliche Verbindungen von Licht und Schatten, so muß man wissen, daß alles Licht, folglich alle Einsicht und Weisheit vom Herrn ist, und daß aller Schatten, folglich alle Unsinnigkeit und Torheit vom Eigenen ist, das Mensch, Geist und Engel haben. Aus diesen beiden Quellen fließen her und stammen ab alle Wechsel von Licht und Schalten, die sich im anderen Leben finden.

*3342. Alle Rede der Geister und Engel geschieht auch durch Vorbilder, denn durch wunderbare Abwechslungen von Licht und Schatten stellen sie das, was sie denken, dem äußeren und zugleich dem inneren Gesicht dessen, mit dem sie reden, lebhaft vor, und durch angemessene Änderungen des Zustandes der Neigungen flößen sie es ein.

Die Vorbildungen, die in den Reden vorkommen, sind nicht denen gleich, von denen früher gehandelt worden, sondern stellen sich schnell und augenblicklich ein mit den Vorstellungen, die ihrer Rede angehören, gleich wie wenn etwas in einer langen Reihenfolge beschrieben und dies zugleich im Bilde vor Augen gestellt wird; denn, was wunderbar, die geistigen Dinge selbst, welche es auch sein mögen, können durch bildliche Gestalten, die dem Menschen unbegreiflich sind, vorbildlich dargestellt werden, worin enthalten ist, was zum Innewerden des Wahren und, noch inwendiger, was zum Innewerden des Guten gehört.

Solches geschieht auch im Menschen, denn der Mensch ist ein mit einem Leibe bekleideter Geist, wie daraus erhellen kann, daß jede mit dem Ohr vernommene Rede, wenn sie verinnerlicht wird, in Vorstellungen übergeht, die den sichtbaren nicht unähnlich sind, und von diesen in verständige Vorstellungen, und so entsteht das Innewerden des Sinnes der Worte.

Wer über dies gehörig nachdenkt, kann hieraus merken, daß in ihm ein Geist sei, der sein inwendiger Mensch ist, wie auch, daß er eine solche Redeweise habe nach dem Ablegen des Leibes, weil er in dergleichen ist, wenn er lebt, aber daß er in ihr ist, ihm nicht offenbar wird wegen der Dunkelheit, ja Finsternis, welche die irdischen, leiblichen und weltlichen Dinge herbeiführen.

*3343. Die Rede der Engel des inwendigeren Himmels ist eine noch schöner und lieblicher vorbildliche; aber die Vorstellungen, die vorbildlich gestaltet werden, können nicht mit Worten ausgedrückt werden, und wenn sie mit einigen ausgedrückt würden, so würden sie nicht nur über die Fassungskraft, sondern auch über den Glauben hinausgehen.

Geistiges, was dem Wahren angehört, wird dargestellt durch Modifikationen des himmlischen Lichts in dem Gefühle, die auf unzählige Weisen wunderbar wechseln; und Himmlisches, was dem Guten angehört, durch allerlei Veränderungen der himmlischen Flamme oder Wärme. So setzen sie alle Gefühle in Bewegung.

In diese inwendigere Rede kommt auch der Mensch nach dem Ablegen des Leibes, aber nur der im geistig Guten ist, d.h. im Guten des Glaubens oder, was das gleiche, in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten, wenn er in der Welt lebt; denn inwendig hat er sie in sich, obwohl er es nicht weiß.

*3344. Die Rede der Engel des noch inwendigeren oder drillen Himmels ist zwar auch vorbildlich, aber von solcher Art, daß sie mit gar keiner Vorstellung begriffen, somit auch nicht beschrieben werden kann.

Auch diese Vorstellungsweise ist inwendig im Menschen, aber in dem, der in himmlischer Liebe ist, d.h. in der Liebe zum Herrn, und er kommt nach dem Ablegen des Leibes in sie, wie er in sie geboren ist, obwohl nichts davon mit irgendeiner Vorstellung von ihm begriffen werden konnte, solange er im Leibe lebte.

Mit einem Wort, durch die den Vorstellungen beigefügten Vorbilder bekommt die Rede gleichsam Leben, am allerwenigsten beim Menschen, weil er in der Wörtersprache ist; mehr bei den Engeln des ersten Himmels; noch mehr bei den Engeln des zweiten; am meisten aber bei den Engeln des dritten Himmels, denn diese sind zunächst im Leben des Herrn: alles, was vom Herrn, ist in sich lebendig.

*3345. Eben hieraus kann erhellen, daß die Reden der Ordnung nach inwendiger sind, aber dennoch so beschaffen, daß die eine herkommt von der anderen der Ordnung nach, und daß die eine ist in der anderen der Ordnung nach.

Des Menschen Rede ist ihrer Beschaffenheit nach bekannt, wenn auch das Denken, aus dem jene Rede herkommt, und dessen Analytisches seinem Wesen nach gar nicht erforscht werden kann; der guten Geister oder der Engel des ersten Himmels Rede und Denken, aus dem jene Rede kommt, ist eine inwendigere, worin noch mehr Wunderbares und Unerforschliches liegt; der Engel des zweiten Himmels Rede und Denken, aus dem wiederum jene, ist eine noch inwendigere worin noch Vollkommeneres und Unaussprechlicheres; der Engel aber des dritten Himmels Rede und Denken, aus dem wiederum jene, ist die in wendigste, worin ganz Unaussprechliches.

Und obwohl alle Reden so beschaffen sind, daß sie als verschieden erscheinen, so ist es dennoch eine, weil die eine die andere bildet und die eine in der anderen ist. Was aber in der äußeren vorkommt, ist Vorbild der inwendigeren.

Dies kann der Mensch nicht glauben, wenn er seine Gedanken nicht über das Weltliche und Leibliche erhebt und deswegen meint, das Inwendigere bei ihm sei nichts; während doch das Inwendigere bei ihm alles ist und das Äußerliche, d.h. das Weltliche und Leibliche, in das er alles setzt, verhältnismäßig kaum etwas.

*3346. Damit ich dieses wüßte, und für gewiß hielte, wurde mir aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn verliehen, nun mehrere Jahre lang mit Geistern und Engeln zu reden. Mit den Geistern oder Engeln des ersten Himmels in ihrer Sprache selbst, auch zuweilen mit den Engeln des zweiten Himmels in der ihrigen, aber die Rede der Engel des dritten Himmels erschien mir nur als eine Strahlung des Lichts, worin ein Innewerden aus der Flamme des Guten, die darin lag.

*3347. Ich hörte die Engel reden von den menschlichen Gemütern und ihrem Denken und der Rede daraus; sie verglichen sie mit der äußeren Form des Menschen, die aber doch entsteht und besteht aus unzähligen Formen, die inwendig sind, wie aus den Gehirnen, Mark, Lungen, Herz, Leber, Speicheldrüse, Milz, Magen und Gedärmen, außerdem aus mehreren anderen, z.B. aus denen, die der Zeugung in beiden Ge schlechtern gewidmet sind, und um sie her aus unzähligen Muskeln, und endlich aus Häuten; und daß dieses alles zusammengewoben ist aus Gefäßen, und zwar aus Gefäßen und Fasern innerhalb der Gefäße und Fasern, aus denen kleinere Gänge und Formen sich bilden, somit aus unzählig vielem. Dieses alles wirkt gleichwohl zusammen, jedes auf seine Weise, zur Bildung der äußeren Form, die nichts vom Inneren verrät.

Dieser Form, nämlich der äußeren, verglichen sie die menschlichen Gemüter und deren Gedanken und daher Reden. Aber die der Engel verglichen sie mit dem, was inwendig ist, das verhältnismäßig unbestimmt und auch unbegreiflich ist.

Auch verglichen sie die Fähigkeit zu denken der Fähigkeit der Eingeweide, der Form der Nervenfasern gemäß zu wirken, wobei sie sagten, die Fähigkeit gehöre nicht den Nervenfasern an, sondern dem Leben in den Fasern, wie die Fähigkeit zu denken nicht dem Gemüt angehört, sondern dem Leben, das vom Herrn darin einfließt.

Solche Vergleichungen werden, wenn sie von den Engeln geschehen, zugleich auch durch Vorbilder anschaulich gemacht, durch welche die inwendigeren Formen, von denen die Rede war, bis auf das unbegreiflich Kleinste sowohl sichtbar als verständlich dargestellt werden, und zwar in einem Augenblick. Aber die Vergleichungen durch Geistiges und Himmlisches, wie sie bei den himmlischen Engeln geschehen, übertreffen die Vergleichungen, die durch Natürliches geschehen, ungemein weit an Schönheit der Weisheit.

*3348. Es waren Geister von einem anderen Weltkörper ziemlich lange bei mir, als ich ihnen die Weisheit unseres Erdkreises erzählte: daß unter die Wissenschaften, um deren willen sie für Gebildete gelten, auch das Analytische gehöre, wodurch sie das, was dem Gemüt und seinen Gedanken angehört, zu erforschen sich bemühen, und daß sie dieses Metaphysik und Logik nennen, daß sie aber kaum über die Begriffsbestimmungen (terminos) und einige vielfach anwendbare Regeln hinausgekommen seien: und daß sie über Begriffe streiten, z.B. was Form, was Substanz, was das Gemüt, was die Seele sei, und daß sie mittels jener allgemeinen vielfach anwendbaren Regeln heftig über die Wahrheiten streiten.

Da vernahm ich von ihnen, daß solches allen Sinn und Verstand der Sache entziehe, wenn man nur bei den Begriffen davon stehen bleibe, und darüber nach künstlichen Regeln denke. Sie sagten, solches seien nur blaue Nebel, die man den Verstandesaugen vormache, und das heiße, den Verstand in den Staub herabziehen. Sie setzten hinzu, bei ihnen sei es nicht so, sondern sie hätten dadurch klarere Vorstellungen von den Sachen, daß sie nichts von solchen Künsteleien wüßten.

Ich durfte auch sehen, wie weise sie waren: sie bildeten auf wunderbare Weise das menschliche Gemüt vor als eine himmlische Form, und seine Neigungen als die ihm angemessenen Tätigkeitssphären, und zwar so geschickt, daß sie von den Engeln belebt wurden. Sie bildeten auch vor, wie der Herr solche Neigungen, die an sich unangenehm sind, in angenehme umwandle. Es waren Gelehrte von unserer Erde zugegen, die konnten im mindesten nichts begreifen, obwohl sie von solchen Dingen im Leben des Leibes philosophisch viel gesprochen hatten.

Als jene deren Gedanken wiederum inne wurden, daß sie nur bei den Begriffen stehenblieben und die Neigung hatten, über einzelnes zu disputieren, ob es so sei, nannten sie das einen Hefenschaum.

*3349. Aus dem bisher Gesagten kann erhellen, was Entsprechungen sind, und was Vorbildungen. Aber außer dem, was am Ende der vorigen Kapitel: Nr. 2987-3003, und Nr. 3213-3227 gesagt und gezeigt wurde, sehe man auch, was darüber sonst, nämlich Folgendes:

Daß alles im Buchstabensinn des Wortes Vorbilder und Bezeichnungen der Dinge darstellen, die im inneren Sinn des Wortes seien: Nr. 1404, 1408, 1409, 2763.

Daß das Wort durch Mose und die Propheten durch Vorbildliches und Bezeichnendes beschrieben worden sei, und daß es in keinem an deren Stil geschrieben werden konnte, damit es einen anderen Sinn hätte, durch den eine Gemeinschaft des Himmels und der Erde sein sollte: Nr. 2899.

Daß der Herr deswegen ebenfalls durch Vorbilder geredet habe, und auch, weil Er aus dem Göttlichen Selbst redete: Nr. 2900. Woher die Vorbilder und Bezeichnungen, die im Wort und in den Gebräuchen: Nr. 2179.

Daß die Vorbilder hergekommen seien von den Bezeichnungen der Alten Kirche, und diese von den Innewerdungen der Ältesten Kirche: Nr. 920, 1409, 2896, 2897.

Daß die Uralten ihre Vorbilder auch aus Träumen hatten: Nr. 1977.

Daß Chanoch diejenigen darstelle, welche die Innewerdungen der Uralten gesammelt haben: Nr. 2896.

Daß im Himmel fortwährend Vorbilder des Herrn und Seines Reiches seien: Nr. 1619.

Daß die Himmel voll von Vorbildern seien: Nr. 1521, 1532.

Daß die Vorstellungen sich in verschiedene Vorbilder verwandeln in der Geisterwelt: Nr. 1971, 1980, 1981. Vorbilder, durch welche Kinder in die Einsicht eingeleitet werden: Nr. 2299.

Daß die Vorbilder in der Natur vom Einfluß des Herrn seien: Nr. 1632, 1881.

Daß in der gesamten Natur Vorbilder des Reiches des Herrn seien: Nr. 2758.

Daß im äußeren Menschen solches ist, was dem inneren Menschen entspricht, und was ihm nicht entspricht: Nr. 1563, 1568.

*3350. Damit offenbar werde, wie beschaffen die Vorbilder sind, darf ich noch ein Beispiel anführen:

Ich hörte sehr viele Engel des inwendigeren Himmels, die miteinander oder in Genossenschaft ein Vorbild formierten. Die Geister um mich her konnten es nicht innewerden, als nur aus einem Einfluß des in wendigeren Gefühls (affectionis).

Es war ein Chor, in dem sie, soviel ihrer waren, miteinander das gleiche dachten und das gleiche redeten. Durch Vorbildungen formierten sie eine goldene Krone mit Diamanten um das Haupt des Herrn; dies geschah zugleich durch schnell erfolgende Reihen solcher Vorbildungen, wie sie dem Denken und der Rede eigen sind, wovon Nr. 3342, 3343; 3344 die Rede war. Und, was wunderbar, obwohl es sehr viele waren, dachten und redeten dennoch alle wie einer, somit bildeten sie vor wie einer, und zwar weil niemand aus sich etwas tun, noch weniger den übrigen vorstehen und den Chor führen wollte, (wer dies tut, scheidet augenblicklich von selber aus), sondern sie ließen sich von einander führen, somit alle im besonderen und im allgemeinen vom Herrn. In solche Harmonien werden alle Guten, die ins andere Leben kommen, gebracht.

Nachher wurden sehr viele Chöre gehört, die Verschiedenes vorbildlich darstellten, und obwohl es mehrere Chöre waren und viele in einem jeden Chor, so handelten sie dennoch wie einer, denn aus den verschiedenen Formen ergab sich eines, in dem himmlisch Schönes.

So kann der ganze Himmel, der aus Myriaden von Myriaden besteht, dadurch eines tun, daß sie in wechselseitiger Liebe sind, denn so lassen sie sich vom Herrn führen; und was wunderbar, je mehr es sind, d.h. je mehr Myriaden den Himmel bilden, desto genauer und vollkommener geschieht alles und jedes (und auch einem je inwendigeren Himmel die Engel angehören, denn alle Vollkommenheit nimmt nach innen zu).

*3351. Diejenigen, welche damals die Chöre bildeten, waren aus dem Gebiet der Lungen, somit aus dem geistigen Reich des Herrn, denn sie wirkten sanft auf das Atmen ein. Aber es waren unterschiedene Chöre: die einen gehörten zum freiwilligen Atmen, die anderen zu dem von selbst geschehenden.

* * *

*3472. Daß alles und jedes, was im Buchstabensinn des Wortes steht, Vorbilder geistiger und himmlischer Dinge des Reiches des Herrn in den Himmeln und im höchsten Sinn Vorbilder des Herrn selbst sind, kann aus dem erhellen, was bisher gezeigt wurde und was ferner, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, gezeigt werden soll. Weil aber der Mensch sich so weit vom Himmel entfernt, und sich in die unterste Natur, ja ins Irdische versenkt hat, so widerstreitet es ihm ganz, wenn gesagt wird, daß das Wort noch Höheres in sich berge, als er aus dem Buchstaben auffaßt, und noch mehr, wenn gesagt wird, daß es Unbegreifliches enthält, was nur der Weisheit der Engel angemessen ist, und noch mehr, daß es eigentlich Göttliches enthält, was sogar den Verstand der Engel unendlich übersteigt. Es erkennt zwar die Christenheit an, daß das Wort göttlich sei, daß es aber so göttlich, leugnet sie, wo nicht mit dem Mund, so doch im Herzen; und das ist auch nicht zu verwundern, weil das Irdische, worin der Mensch heutigen Tages ist, das Höhere nicht begreift noch begreifen will.

*3473. Daß das Wort im Buchstaben solches in sich birgt, wird den Geistern oder Seelen, die ins andere Leben kommen, öfters zu sehen vorgestellt; und wenn dies geschah, durfte ich etliche Male dabei sein, wie erhellen kann aus den Erfahrungen, die im ersten Teil: „Von der Heiligen Schrift oder dem Wort, das göttliche Dinge in sich birgt, die den guten Geistern und Engeln offen vorliegen“, Nr. 1767-1776 und 1869-1879 angeführt wurden, aus dem das unmittelbar folgende der Bestätigung wegen berichtet werden darf.

*3474. Ein Geist kam zu mir, nicht lange nach seinem Abscheiden aus dem Leibe, was ich daraus schließen konnte, daß er noch nicht wußte, daß er im anderen Leben sei, indem er meinte, er lebe in der Welt. Ich wurde inne, daß er den Studien ergeben gewesen sei, über die ich mit ihm redete; aber dann wurde er auf einmal in die Höhe gehoben, worüber ich mich wunderte. Ich vermutete, daß er von denen sei, die nach Hohem gestrebt hatten, denn solche werden gewöhnlich in die Höhe gehoben, oder daß er den Himmel ins Hohe gesetzt habe. Solche pflegen ebenfalls in die Höhe gehoben zu werden, damit sie dadurch erfahren, der Himmel sei nicht im Hohen, sondern im Inneren.

Aber bald vernahm ich, daß er zu den engelischen Geistern emporgehoben worden sei, die vorne ein wenig zur Rechten auf der ersten Schwelle des Himmels sind. Von da aus redete er mit mir und sagte, daß er Höheres sehe als menschliche Gemüter je fassen könnten. Als dies geschah, las ich das erste Kapitel des fünften Buches Mose vom judäischen Volk, daß gesandt worden seien, die das Land Kanaan, und was dort sei, auskundschaften sollten. Als ich dies las, sagte er, daß er vom buchstäblichen Sinn nichts vernehme, sondern was im geistigen Sinn, und das sei so wunderbar, daß er es nicht beschreiben könne. Dies war auf der ersten Schwelle des Himmels der engelischen Geister. Was wird es nicht sein in jenem Himmel selber, und was nicht im Engelshimmel!

Einige Geister, die bei mir waren, und früher nicht geglaubt hatten, daß das Wort von solcher Art sei, fingen alsdann an, zu bereuen, daß sie nicht geglaubt hatten. Sie sagten in jenem Zustand, daß sie nun glauben, weil sie ihn haben sagen hören, er habe es gehört, gesehen und sei inne geworden, daß es so sei. Aber andere Geister beharrten noch in ihrem Unglauben und sagten, daß es nicht so sei, sondern nur Phantasien, darum wurden auch diese plötzlich erhoben und redeten von da aus mit mir und bekannten, daß es nichts weniger sei als Phantasie, weil sie wirklich inne würden, daß es so sei, mit einer feineren Empfindung, als je einem Sinn im Lehen des Leibes gegeben werden könne.

Bald wurden auch andere in ebendenselben Himmel erhoben, und unter ihnen einer, der mir im Leben des Leibes bekannt war. Dieser bezeugte das gleiche, indem er unter anderem sagte, daß er vor Staunen die Herrlichkeit des Wortes in dessen innerem Sinn nicht beschreiben könne; aus einer Art von herzlichem Bedauern äußerte er dann, es sei zu verwundern, daß die Menschen gar nichts von solchem wissen.

Zweimal nachher sah ich andere, die in den zweiten Himmel unter die Engelsgeister erhoben wurden und von da aus mit mir redeten. Ich las dann 5. Mose das dritte Kapitel vom Anfang bis Ende. Sie sagten, sie seien bloß im inwenigeren Sinn des Wortes und versicherten alsdann, daß auch nicht ein Strichlein sei, worin nicht etwas Geistiges wäre, das mit dem übrigen aufs Schönste zusammenhinge und daß die Namen Sachen bezeichneten. So wurden sie ebenfalls bestärkt, weil sie früher nicht geglaubt hatten, daß alles und jegliches im Wort vom Herrn eingegeben worden sei. Dies wollten sie auch in Gegenwart anderer mit einem Schwur bekräftigen, aber es wurde nicht gestattet.

*3475. Daß in den Himmeln in einem fort solche Vorbilder vorkommen, dergleichen im Wort sind, ist früher einige Male gesagt und gezeigt worden. Jene Vorbilder sind von der Art, daß die Geister und Engel sie in viel heiterem Licht sehen als es das mittägliche der Welt ist. Jene Vorbilder sind so beschaffen, daß man, was in der äußeren Form erscheint, inne wird, was es bedeutet in der inwendigen, und in diesem noch inwendigeres; denn es sind drei Himmel: Im ersten Himmel erscheinen jene in der äußeren Form zugleich mit dem Innewerden, was sie in der inwendigen bedeuten; im zweiten Himmel erscheinen jene, so wie sie beschaffen sind in der inwendigen Form, zugleich mit dem Innewerden, wie beschaffen sie sind in der noch inwendigeren; im dritten Himmel erscheinen dieselben in einer Form, die noch inwendiger ist als jene und welche die inwendigste ist.

Was im ersten Himmel erscheint, ist nur das Allgemeine von jenen Dingen, die im zweiten Himmel erscheinen, und diese sind nur das Allgemeine von denen, die im dritten. Somit ist in dem, was in ersten Himmel erscheint, inwendig das, was im zweiten, und in diesem inwendig das, was im dritten; und weil es so stufenweise sich darstellt, kann erhellen, wie vollkommen, weisheitsvoll und zugleich wie selig dasjenige ist, was im innersten Himmel, und daß es ganz unaussprechlich ist, denn Tausend und Abertausend stellen ein einziges Besondere eines Allgemeinen dar.

Alle und jede jener Vorbilder schließen etwas in sich, das sich auf das Reich des Herrn bezieht, und dieses etwas, das sich auf den Herrn selbst bezieht. Die im ersten Himmel sind, sehen in ihren Vorbildern etwas, das in der inwendigeren Sphäre des Reiches vorhanden ist, und darin, was in der noch inwendigeren Sphäre, und so Vorbilder des Herrn, aber von ferne. Die im zweiten Himmel sind, sehen in ihren Vorbildern solches, was in der inwendigsten Sphäre des Reiches ist, und darin Vorbilder des Herrn näher; die aber im dritten, sehen den Herrn selbst.

*3476. Hieraus kann man wissen, wie es sich mit dem Wort verhält; denn das Wort ist vom Herrn dem Menschen und auch den Engeln gegeben, daß sie durch dasselbe bei Ihm sein möchten. Denn das Wort ist das Mittel, das die Erde mit dem Himmel und durch diesen mit dem Herrn vereinigt. Sein buchstäblicher Sinn ist es, der den Menschen vereinigt mit dem ersten Himmel; und weil im buchstäblichen Sinn der innere ist, der vom Reich des Herrn handelt und darin der höchste Sinn liegt, der vom Herrn handelt, und diese Sinne der Ordnung nach ineinander sind, so wird hieraus klar, von welcher Art die Vereinigung durch das Wort mit dem Herrn ist.

*3477. Es wurde gesagt, daß in den Himmeln fortwährend Vorbilder seien, und zwar solche, welche die größten Geheimnisse der Weisheit in sich schließen. Die, welche vor Menschen aus dem Buchstabensinn des Wortes offen daliegen, sind so wenige, etwa im Verhältnis wie die Wasser des Ozeans zu den Wassern eines ganz kleinen Sees.

Von welcher Art die Vorbilder in den Himmeln sind, kann aus denjenigen erhellen, die mehrmals früher aus Gesichten berichtet wurden, wie auch aus folgendem:

Einigen wurde (wie ich sah) ein breiter Weg und ein schmaler Weg vorgebildet, der breite, der zur Hölle, und der schmale, der zum Himmel führen würde. Der breite war bepflanzt mit Bäumen und Blumen und dergleichen, was in der äußeren Form schön und angenehm erschien, aber es waren da Ottern und Schlangen verschiedener Gattung verborgen, die sie nicht sahen. Der schmale Weg war nicht so sichtbar geziert mit Bäumen und Blumenbeeten, sondern er erschien öde und düster, aber auf demselben waren Engel als Kinder, auf das Schönste geschmückt in den lieblichsten Paradiesen und Blumenbeeten, die sie je doch nicht sahen. Sie wurden dann gefragt, welchen Weg sie gehen wollten, sie sagten, den breiten, aber plötzlich wurden ihnen die Augen geöffnet, und auf dem breiten sahen sie Ottern, auf dem schmalen aber Engel. Und dann wurden sie wieder gefragt, welchen Weg sie gehen wollten, dann schwiegen sie stille, und je mehr ihnen das Gesicht geöffnet wurde, sagten sie, sie wollten den schmalen gehen, je mehr ihnen aber das Gesicht verschlossen wurde, sie wollten den breiten gehen.

*3478. Auch wurde einigen die Stiftshütte mit der Lade vorgebildet; denn die am Wort in hohem Grade Freude gehabt hatten, als sie in der Welt lebten, denen wird solches auch zu sehen vorgestellt; so damals die Stiftshütte mit all ihrem Zugehör, nämlich mit den Vorhöfen, den Teppichen umher, den Vorhängen inwendig, dem goldenen oder Räucheraltar, dem Tisch, wo die Brote, dem Leuchter, dem Gnadenstuhl mit den Cherubim. Und dann wurde den gutartigen Geistern innezuwerden gegeben, was das einzelne bedeutete.

Es waren die drei Himmel, die durch die Stiftshütte vorgebildet wurden, und der Herr selbst durch das Zeugnis in der Lade, auf welcher der Gnadenstuhl. Und je mehr ihnen das Gesicht geöffnet wurde, desto Himmlischeres und Göttlicheres sahen sie darin, wovon sie keine Kenntnis gehabt hatten im Leben des Leibes und, was wunderbar, es war nicht das kleinste dort, was nicht ein Vorbild wäre, bis auf die Haken und Ringe hinaus. Um nur zu sagen vom Brot, das auf dem Tisch: in dem selben als in einem Vorbild und Wahrzeichen wurden sie inne jene Nahrung, von der die Engel leben, somit die himmlische und geistige Liebe mit ihren Wonnen und Seligkeiten, und in jenem und diesem den Herrn selbst, als das Brot oder Manna vom Himmel; außer mehrerem aus der Gestalt, Lage, Zahl der Brote und aus dem Gold, das dort ringsumher, und aus dem Leuchter, von dem jenes erleuchtet Vorbildungen von noch mehr und unaussprechlichen Dingen gewährte; so im übrigen.

Aus diesem konnte mir auch einleuchten, daß die Bräuche und Vorbilder der jüdischen Kirche alle Geheimnisse der christlichen Kirche in sich enthielten; sodann daß diejenigen, denen die Vorbilder und Bezeichnungen des Wortes des Alten Testaments eröffnet werden, die Geheimnisse der Kirche des Herrn auf Erden, während sie in der Welt leben, und die Geheimnisse der Geheimnisse, die im Reich des Herrn in den Himmeln, wenn sie ins andere Leben kommen, wissen und inne werden können.

*3479. Die Juden, die vor der Ankunft des Herrn, wie auch die nachher gelebt haben, hatten keine andere Meinung von den Bräuchen ihrer Kirche, als daß der Gottesdienst bloß im Äußeren bestehe. Was sie vorbildeten und bezeichneten, darum bekümmerten sie sich nicht; denn sie wußten nicht und wollten nicht wissen, daß es ein Inwendiges des Gottesdienstes und des Wortes gebe, somit daß ein Leben nach dem Tode, folglich daß ein Himmel sei, denn sie waren ganz sinnlich und körperlich; und weil sie in dem vom Inneren getrennten Äußeren waren, war der Gottesdienst in Beziehung auf sie nichts anderes als ein Götzendienst. Deswegen waren sie sehr geneigt zur Verehrung jedweder Götter, wenn sie nur beredet wurden, daß solche sie glücklich machen könnten.

Aber weil jene Nation von der Art war, daß sie in äußerer Heiligkeit sein konnten, und so die Gebräuche, durch welche die himmlischen Dinge des Reiches des Herrn vorgebildet wurden, heilig halten und eine heilige Ehrfurcht haben vor Abraham, Jischak und Jakob, wie auch vor Mose und Aharon und nachher vor David, durch die der Herr vorgebildet wurde, und hauptsächlich eine heilige Scheu haben vor dem Wort, in dem alles und jedes Vorbilder und Bezeichnungen göttlicher Dinge sind, darum ist in jener Nation eine vorbildliche Kirche eingesetzt worden. Wenn aber jene Nation das Inwendige bis zur Anerkennung gewußt hätte, dann hätte sie dasselbe entweiht, und so wäre sie zwar im äußeren Heiligen, zugleich aber im inneren Unheiligen gewesen; also hätte gar keine Gemeinschaft der Vorbilder mit dem Himmel durch jene Nation stattfinden können. Daher kommt es, daß das Inwendigere ihnen nicht entdeckt wurde, nicht einmal, daß der Herr innen sei, um ihre Seelen selig zu machen.

Weil der jüdische Stamm mehr als die übrigen Stämme so geartet war, und sie heute noch wie ehemals die Bräuche, die außerhalb Jerusalems beobachtet werden können, heilig halten, auch eine heilige Ehrfurcht vor ihren Vätern, und vornehmlich eine heilige Scheu vor dem Wort des Alten Testaments haben und vorhergesehen wurde, daß die Christen dieses ganz verwerfen, und auch ihr Inneres mit Unheiligem verunehren würden, darum ist jene Nation bis jetzt erhalten worden, nach den Worten des Herrn bei Matth. 24/34. Anders, wenn die Christen, wie sie das Innere wissen, auch als inwendige Menschen leben würden. In diesem Fall würde jene Nation vor mehreren Jahrhunderten wie andere Nationen ausgerottet worden sein.

Aber mit jener Nation verhält es sich so, daß ihr äußerlich Heiliges oder das Heilige des Gottesdienstes ihr Inneres mitnichten erregen kann, denn dieses ist unrein durch den Schmutz der Selbstliebe und durch den Schmutz der Weltliebe, wie auch durch den Götzendienst, sofern sie das Äußere verehren ohne Inneres. Und weil sie darum nichts vom Himmel in sich haben, so können sie auch nichts vom Himmel ins andere Leben mitbringen, außer wenigen, die in gegenseitiger Liebe und damit nicht in Verachtung anderer im Vergleich mit sich leben.

*3480. Es wurde auch gezeigt, wie die Unreinigkeiten bei jener Nation nicht verhinderten, daß das Inwendigere des Wortes oder dessen Geistiges und Himmlisches sich dennoch im Himmel darstellte; denn die Unreinigkeiten wurden entfernt, so daß sie nicht wahrgenommen wurden, auch ihr Böses ins Gute gewendet, so daß nur das äußere Heilige zur Grundlage diente; so stellte sich vor den Engeln, ohne zwischenliegende Hindernisse, das Inwendige des Wortes dar. So wurde offenbar, wie jenes inwendig götzendienerische Volk Heiliges, ja den Herrn selbst vorbilden konnte, somit wie der Herr inmitten ihrer Unreinigkeiten wohnen konnte: 3. Mose 16/16. Folglich besteht dort die Ähnlichkeit einer Kirche; denn eine lediglich vorbildliche Kirche ist ein Bild der Kirche, aber nicht Kirche.

Bei den Christen kann dieses nicht so geschehen, weil sie das Inwendigere des Gottesdienstes kennen, aber demselben nicht glauben. Somit können sie nicht in einem äußeren, vom inneren getrennten Heiligen sein; ausgenommen diejenigen, die im Leben des Glaubens sind. Durch Gutes bei ihnen geschieht eine Gemeinschaft, wobei unterdessen Böses und Falsches entfernt wird, und alsdann wird, was zu verwundern, alles und jedes im Wort, das von diesen gelesen wird, vor den Engeln offenbar, und das auch, obwohl sie nicht auf dessen Sinn merken, was mir durch mehrere Erfahrung gezeigt wurde; denn das Innere bei ihnen, das nicht so wahrnehmbar ist, dient als Grundlage.

*3481. Ich war oft im Gespräch mit den Juden, die im anderen Leben sind, (sie erscheinen vorne im Unterland, unter der Fläche des linken Fußes) und einmal auch über das Wort, über das Land Kanaan und über den Herrn.

Über das Wort: Daß die größten Geheimnisse darin seien, die den Menschen nicht offenbar sind, bejahten sie. Sodann daß alle Geheimnisse darin vom Messias und Seinem Reich handeln, auch hiermit waren sie einverstanden, aber als ich sagte, daß Messias in der hebräischen Sprache eben das heiße, was Christus in der griechischen, wollten sie es nicht hören. Als ich weiter sagte, der Messias sei der Heiligste und Jehovah in Ihm, und kein anderer werde unter dem Heiligen Israels und unter dem Gott Jakobs verstanden; und weil Er der Heiligste, so könnten in Seinem Reich nur solche sein, die heilig sind, nicht in der äußeren, sondern in der inneren Form, somit nicht in schmutziger Weltliebe und in der Selbsterhebung anderen Völkern gegenüber und in Haß unter sich, da konnten sie dieses nicht hören.

Hernach, daß das Reich des Messias nach den Weissagungen ein ewiges sein, und die, die Ihm angehören, auch in Ewigkeit das Land besitzen werden. Wenn das Reich von dieser Welt wäre und sie ins Land Kanaan eingeführt würden, so wäre das nur für wenige Jahre, solange ein Menschenleben währt, abgesehen davon, daß alle diejenigen, die gestorben sind, nachdem sie aus dem Land Kanaan vertrieben worden, eine solche Seligkeit nicht genießen würden; und daß sie hieraus hätten wissen können: durch das Land Kanaan sei das Himmelreich vorgebildet und bezeichnet worden; und um so mehr, da sie nun wüßten, daß sie im anderen Leben seien und ewig leben werden. Es sei also klar, daß der Messias dort Sein Reich habe. Außerdem könne durch die neue Erde, das neue Jerusalem und durch den neuen Tempel bei Hesekiel nichts anderes bezeichnet werden, als ein solches Reich des Messias. Darauf konnten sie nicht antworten; nur haben sie darüber, daß die, die vom Messias ins Land Kanaan eingeführt würden und nach so wenigen Jahren sterben und jene Seligkeit, die sie dort haben würden, verlassen müßten, bitterlich geweint.

*3482. Die Redeweise im Wort, obwohl sie dem Menschen einfach, und an einigen Stellen roh vorkommt, ist die Redeweise der Engel selbst, aber die äußerste (ultima); denn die Rede der Engel, die geistig ist, kann, wenn sie in menschliche Worte fällt, in keine andere Rede fallen als in eine solche; denn die einzelnen Dinge dort bilden vor, und die einzelnen Worte bezeichnen. Die Alten, weil sie Umgang pflegten mit Geistern und Engeln, hatten keine andere Rede, sie war voller Vorbilder, und im einzelnen war ein geistiger Sinn. Die Bücher der Alten waren auch so geschrieben, denn so zu reden und so zu schreiben, war das Streben ihrer Weisheit. Wie weit sich nachher der Mensch vom Himmel entfernt hat, kann man auch hieraus abnehmen. Jetzt weiß er nicht einmal, daß im Wort etwas anderes ist als was im Buchstaben vorkommt, nicht einmal, daß ein geistiger Sinn darin sei. Alles, was über den Buchstabensinn hinausgeht, nennt man mystisch, und es wird schon deswegen verworfen.

Daher kommt es auch, daß heutzutage die Gemeinschaft mit dem Himmel unterbrochen ist, so sehr, daß von wenigen geglaubt wird, daß ein Himmel sei und, was zu verwundern, von Gelehrten und Gebildeten viel weniger als von Einfältigen.

*3483. Alles was je im Weltall erscheint, ist ein Vorbild des Reiches des Herrn, so durchaus, daß es gar nichts in der Luft- und Sternenwelt, auf der Erde und in ihren drei Reichen gibt, das nicht nach seiner Art vorbildete, da alle und jede Dinge in der Natur die äußersten Bilder sind. Denn aus dem Göttlichen ist Himmlisches, das Sache des Guten, aus dem Himmlischen Geistiges, das Sache des Wahren, aus jenem und diesem Natürliches.

Hieraus kann erhellen, wie grob, ja wie irdisch und auch verkehrt die menschliche Einsicht ist, die alles der von einem höheren Einfluß oder einer wirkenden Ursache getrennten und enthobenen Natur zuschreibt. Auch meinen diejenigen, die so denken und reden, sie seien weiser als andere, dadurch nämlich, daß sie alles der Natur zuschreiben; während umgekehrt es Engelsverständigkeit ist, nichts der Natur zuzuschreiben, sondern alles und jedes dem Göttlichen des Herrn, also dem Leben, nicht einem toten Ding.

Die Gebildeten wissen, daß das Bestehen ein fortwährendes Entstehen ist, und doch widerstreitet es ihrer Neigung zum Falschen, und daher ihrem Bildungswahn, zu sagen, daß die Natur immerfort bestehe, wie sie entstanden war, aus dem Göttlichen des Herrn. Weil nun alles und jedes vom Göttlichen besteht, d.h. fortwährend entsteht, und alles und jedes, was davon her ist, nicht anders als Vorbilder derjenigen Dinge sein kann, durch die sie entstanden sind, so folgt, daß das sichtbare Weltall nichts anderes ist als eine Schaubühne, die das Reich des Herrn vorbildet, und dieses wiederum eine Schaubühne, die den Herrn selbst vorbildet.

*3484. Durch sehr viele Erfahrungen wurde ich belehrt, daß nur ein einziges Leben ist, nämlich das des Herrn, das einfließt und macht, daß der Mensch lebt, ja daß sowohl die Guten als die Bösen leben.

Jenem Leben entsprechen die Formen, welche sind Substanzen, die durch den fortwährenden göttlichen Einfluß so belebt werden, daß es ihnen scheint, als lebten sie aus sich. Dies ist die Entsprechung der Organe mit dem Leben. Aber wie beschaffen die aufnehmenden Organe sind, in solcher Art leben sie.

Die Menschen, die in der Liebe und Liebtätigkeit leben, sind in der Entsprechung, denn das Leben selbst wird von ihnen angemessen aufgenommen. Diejenigen aber, die in dem sind, was gegen die Liebe und Liebtätigkeit ist, sind nicht in der Entsprechung, weil von ihnen das Leben selbst nicht angemessen aufgenommen wird; dadurch entsteht ein solches Leben, wie sie es haben.

Dies kann erläutert werden durch die natürlichen Formen, in die das Sonnenlicht einfließt. Wie beschaffen die aufnehmenden Formen sind, so sind die Modifikationen des Lichtes. In der geistigen Welt sind die Modifikationen geistig, daher wie beschaffen dort die aufnehmenden Formen sind, solche Einsicht und solche Weisheit haben sie. Daher kommt es, daß die guten Geister und Engel als die eigensten Formen der Liebtätigkeit erscheinen, hingegen die bösen und höllischen Geister als Formen des Hasses.

*3485. Die Vorbildungen, die im anderen Leben erscheinen, sind Scheinbarkeiten, aber lebendige, weil sie aus dem Licht des Lebens sind; denn das Licht des Lebens ist die göttliche Weisheit, die vom Herrn allein. Daher ist alles, was von jenem Licht entsteht, wirklich; nicht wie das, was vom Licht der Welt entsteht. Deswegen haben diejenigen, die im anderen Lebens sind, öfters gesagt: das, was sie dort sehen, sei wirklich, was dagegen der Mensch sieht, relativ unwirklich, weil jenes lebt, und so ihr Leben unmittelbar anregt, dieses aber nicht, also auch das Leben nicht unmittelbar anregt, außer in solcher Art und in solchem Maß wie sich bei ihnen das, was dem Weltlicht angehört, angemessen und entsprechend mit dem verbindet, was dem Himmelslicht angehört. Hieraus nun kann erhellen, was Vorbildungen sind und was Entsprechungen.


*3624. Von der Entsprechung aller, der inneren wie der äußeren Organe und Glieder des Menschen mit dem Größten Menschen, welcher der Himmel ist.

Wunderbares darf ich jetzt berichten und beschreiben, was, soviel ich weiß, noch niemand bekannt und nicht einmal jemand in den Sinn gekommen ist, daß nämlich der ganze Himmel so gebildet ist, daß er entspricht dem Herrn, nämlich Seinem Göttlich-Menschlichen; und daß der Mensch so gebildet ist, daß er, mit allem und jedem bei ihm, entspricht dem Himmel, und durch den Himmel dem Herrn.

Dies ist das große Mysterium, das nun enthüllt werden soll, von dem hier und am Ende der folgenden Kapitel gehandelt wird.

*3625. Daher kommt es, daß einigemal im Vorhergehenden, wo vom Himmel und den Engelsgesellschaften die Rede war, gesagt wurde, daß sie zu einem Gebiet des Leibes, wie zu dem des Hauptes oder der Brust oder des Unterleibes oder irgendeines Gliedes oder Organs darin gehören; und zwar infolge der oben gedachten Entsprechung.

*3626. Daß eine solche Entsprechung stattfindet, ist gar wohl bekannt im anderen Lehen, nicht allein den Engeln, sondern auch den Geistern, und selbst den Bösen. Die Engel wissen daraus die größten Geheimnisse, die im Menschen, und die größten Geheimnisse, die in der Welt und ihrer ganzen Natur sind. Davon habe ich mich öfters überzeugen können, auch dadurch, daß, wenn ich von einem Teile des Menschen redete, sie nicht allein den ganzen Bau wußten, die Tätigkeit und den Nutzzweck desselben Teiles, sondern auch Unzähliges mehr als ein Mensch überhaupt fähig ist zu erforschen, ja zu verstehen, und zwar in seiner Ordnung und in seiner Reihenfolge, nämlich durch den Einblick in die himmlische Ordnung, der sie folgten und der die Ordnung jenes Teiles entsprach. Weil sie also in den Urgründen (principiis) sind, so wissen sie ebendaher das, was aus ihnen sich ergibt.

*3627. Es ist allgemeine Regel, daß nichts entstehen und bestehen kann aus sich, sondern aus einem anderen, d.h. durch ein anderes; und daß nichts erhalten werden kann in seiner Form, wenn nicht aus einem anderen, d.h. durch ein anderes, wie aus allem und jedem in der Natur erhellt.

Daß der menschliche Leib auswendig in der Form erhalten wird von den Atmosphären, ist bekannt. Wenn er nicht auch inwendig von einer wirkenden oder lebendigen Kraft erhalten würde, so würde er im Augenblick zusammenfallen. Alles, was nicht zusammenhängt mit einem Früheren, als es ist, und durch das Frühere mit dem Ersten, geht auf der Stelle zugrunde.

Daß der Größte Mensch oder der Einfluß aus ihm jenes Frühere ist, wodurch der Mensch in seinem Ganzen und Einzelnen im Verband er halten wird mit dem Ersten, d.h. mit dem Herrn, wird aus dem folgen den klar werden.

*3628. Hierüber bin ich durch viele Erfahrung belehrt worden, und zwar, daß nicht allein das, was dem menschlichen Gemüt, nämlich was seinem Denken und seiner Neigung angehört, den geistigen und himmlischen Dingen, die des Himmels vom Herrn sind, entsprechen, sondern auch, daß im allgemeinen der ganze Mensch, und im besonderen alles, was im Menschen ist, sogar, daß es nicht den kleinsten Teil, nicht ein mal das Kleinste eines Teiles gibt, das nicht entspricht; ferner, daß der Mensch von daher entsteht und fortwährend besteht, wie auch, daß, wenn nicht eine solche Entsprechung des Menschen mit dem Himmel und durch den Himmel mit dem Herrn, also mit einem Früheren als er ist, und durch Früheres mit dem Ersten wäre, er nicht einen Augenblick bestehen, sondern in nichts zerfließen würde.

Es sind immer zwei Kräfte, die ein jedes Ding in seinem Zusammenhang und in seiner Form erhalten, nämlich eine Kraft die auswendig wirkt, und eine Kraft die inwendig wirkt, in deren Mitte dasjenige sein muß, was erhalten wird, also auch der Mensch in seinen einzelnen, auch den allerkleinsten Teilen.

Daß es die Atmosphären sind, die von außen durch fortwährendes Drücken oder Auflegen und die dadurch wirkende Kraft, den ganzen Leib im Zusammenhang erhalten, ist bekannt; wie auch, daß die Atmosphäre der Luft durch den Einfluß die Lungen erhält; und ebendieselbe ihr Organ, welches das Ohr ist, mit seinen Formen, die gemäß der Modifikationen derselben eingerichtet sind. Und ebenso erhält die ätherische Atmosphäre die inwendigeren zusammengehörigen Teile; denn sie fließt ungehindert durch alle Poren ein, und hält die inwendigeren Eingeweide des ganzen Leibes, beinahe durch ein gleiches Drücken oder Auflegen und die dadurch wirkende Kraft, in ihren Formen unzertrennt. Wie auch ebendieselbe Atmosphäre ihr Organ erhält, welches das Auge ist, mit seinen Formen, die darin gemäß der Modifikationen derselben eingerichtet sind. Wenn diesen nicht entsprechen würden innere Kräfte, die gegen jene äußeren Kräfte eine Gegenwirkung ausüben, und so die inmitten befindlichen Formen zusammen und im Gleichgewicht erhalten, so würden sie keinen Augenblick bestehen.

Hieraus wird klar, daß durchaus zweierlei Kräfte sein müssen, wenn etwas entstehen und bestehen soll. Die Kräfte, die von innen einfließen und wirken, sind aus dem Himmel und durch den Himmel vom Herrn, und haben in sich Leben. Dies zeigt sich besonders klar am Organ des Gehörs: wenn nicht inwendigere Modifikationen wären, die dem Leben angehören, und denen die auswendigeren Modifikationen, die der Luft angehören, entsprächen, so würde kein Gehör existieren; und auch am Organ des Gesichtes zeigt es sich: wenn kein inwendigeres Licht wäre, das dem Leben angehört, und welchem das auswendigere Licht, das der Sonne angehört, entspräche, würde gar kein Gesicht existieren. So verhält es sich mit allen übrigen Organen und Gliedern im menschlichen Leibe. Es sind die auswendig wirkenden Kräfte, die natürlich sind und an sich nicht lebendig, und es sind die inwendig wirkenden und an sich lebendigen Kräfte, die ein jedes Ding erhalten, und machen, daß es lebt, und zwar gemäß der Form, wie sie ihr zum Nutzzweck gegeben ist.

*3629. Daß es sich so verhält, können nur wenige glauben, aus dem Grund, weil man nicht weiß, was das Geistige und was das Natürliche ist, und noch weniger, wie sie voneinander unterschieden sind, sodann was Entsprechung, und was Einfluß ist, und daß das Geistige, wenn es in die organischen Formen des Leibes einfließt, solche lebendige Formen darstellt, wie sie erscheinen, und daß ohne solchen Einfluß und Entsprechung auch nicht das kleinste Teilchen des Leibes Leben haben und sich bewegen kann.

Wie sich dieses verhält, darüber bin ich durch lebendige Erfahrung belehrt worden; nicht nur, daß der Himmel im allgemeinen einfließt, sondern auch die Gesellschaften insbesondere; sodann welche Gesellschaften, und wie beschaffen diejenigen sind, die in dieses und jenes Organ des Leibes und in dieses und jenes Glied desselben einfließen. Sodann, daß es nicht eine einzige Gesellschaft ist, sondern daß es sehr viele sind, die auf ein jedes Organ oder Glied einwirken; und daß in jeder Gesellschaft sehr viele sind; denn je mehr es sind, desto besser und stärker ist die Entsprechung, weil die Vollkommenheit und Stärke von der einmütigen Menge mehrerer kommt, die in himmlischer Form zusammenwirken. Daraus ergibt sich nach Verhältnis der Mehrheit eine um so vollkommenere und stärkere Einwirkung auf das einzelne.

*3630. Hieraus konnte erhellen, daß die einzelnen Eingeweide und Glieder oder Bewegungs- und Empfindungsorgane den Gesellschaften im Himmel, gleichsam ebenso vielen unterschiedenen Himmeln entsprechen, und daß aus jenen Gesellschaften, d.h. durch diese Himmel Himmlisches und Geistiges beim Menschen einfließt, und zwar in angemessene und geeignete Formen und so die Wirkungen hervorbringen, die dem Menschen erscheinen. Aber diese Wirkungen erscheinen dem Menschen nicht anders, als wie natürliche, somit unter einer ganz anderen Form und unter einer ganz anderen Gestalt, so daß man gar nicht erkennen kann, daß sie von dort herkommen.

*3631. Einmal wurde mir auch ganz lebhaft gezeigt, welche und was für Gesellschaften es sind, und wie diejenigen einfließen und wirken, die zusammen das Gebiet des Angesichts bilden und in die Muskeln der Stirne, der Wangen, des Kinnes und Nackens einfließen, und wie sie miteinander verkehren; und um dieses lebhaft darzustellen, durften sie das Angesicht auf verschiedene Arten durch den Einfluß ausgestalten. Ebenso wurde gezeigt, welche und was für Gesellschaften in die Lippen, in die Zunge, in die Augen, in die Ohren einfließen; und ich durfte auch mit ihnen reden und so vollständig belehrt werden.

Hieraus konnte auch erhellen, daß alle, die in den Himmel kommen, Organe oder Glieder des Größten Menschen sind, wie auch, daß der Himmel nie geschlossen wird, sondern je mehr hineinkommen, desto stärker der Trieb, desto stärker die Kraft und desto stärker das Wirken ist. Ferner, daß der Himmel des Herrn unermeßlich ist, und zwar so unermeßlich, daß es allen Glauben übersteigt. Die Einwohner unseres Erdballs sind verhältnismäßig sehr wenige und beinahe wie ein kleiner See im Verhältnis zum Weltmeer.

*3632. Die göttliche und daher himmlische Ordnung kommt erst bei dem Menschen in seinem Leiblichen zum Abschluß, nämlich in seinen Gebärden, Handlungen, Gesichtsmienen, in seiner Rede, seinen äußeren Sinnesempfindungen und deren Lustreizen. Dieses ist das Äußerste der Ordnung und das Äußerste des Einflusses, das alsdann sich endigt. Aber das Inwendigere, das einfließt, ist nicht so beschaffen, wie es im Äußeren erscheint, sondern hat ein ganz anderes Angesicht, eine andere Miene, eine andere Sinnesempfindung, ein anderes Vergnügen. Die Entsprechungen lehren, wie beschaffen es ist, dann auch die Vorbildungen, von denen gehandelt wurde.

Daß es anders ist, kann aus den Handlungen erhellen, die vom Willen ausgehen und aus den Reden, die vom Denken ausgehen; die Handlungen des Leibes sind nicht so beschaffen im Willen, und der Ausdruck der Worte ist auch nicht so beschaffen im Denken. Hieraus wird auch klar, daß die natürlichen Handlungen von Geistigem ausgehen, denn was dem Wollen und was dem Denken angehört, ist geistig; und auch, daß sich dieses in jenen entsprechend, aber dennoch anders ausprägt.

*3633. Alle Geister und Engel erscheinen sich als Menschen, mit einem solchen Antlitz und mit einem solchen Leib, mit Organen und Gliedern, und das aus dem Grund, weil ihr Innerstes zu einer solchen Gestalt hinstrebt. Wie der erste Keim des Menschen, der aus der Seele des Vaters ist, zur Bildung des ganzen Menschen im Ei und Gebärleib hintreibt, obwohl dieser erste Keim nicht in der Gestalt des Leibes ist, sondern in einer anderen höchst vollkommenen, die dem Herrn allein bekannt; und weil das Innerste ebenso bei einem jeden zu einer solchen Form hinstrebt und hintreibt, darum erscheinen dort alle als Menschen.

Und außerdem ist der ganze Himmel von der Art, daß ein jeder gleichsam der Mittelpunkt aller ist; denn er ist der Mittelpunkt der Einflüsse durch die himmlische Form von allen aus. Daher geht das Bild des Himmels in einen jeden über und macht ihn sich gleich, also zu einem Menschen; denn wie beschaffen das Allgemeine ist, so beschaffen ist der Teil des Allgemeinen; denn die Teile müssen ihrem Allgemeinen ähnlich sein, damit sie demselben angehören.

*3634. Der Mensch, der in der Entsprechung ist, nämlich der in der Liebe zum Herrn und in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten und daher im Glauben, ist seinem Geiste nach im Himmel und mit dem Leib in der Welt; und weil er so mit den Engeln zusammenwirkt, ist er auch ein Bild des Himmels; und weil der Einfluß aller oder des Allgemeinen in die Einzelnen oder die Teile geht, so ist er auch ein kleiner Himmel unter menschlicher Gestalt; denn der Mensch ist vermöge des Guten und Wahren Mensch und unterschieden von unvernünftigen Tieren.

*3635. Es sind im menschlichen Leibe zwei Organe, welche die Quellen all seiner Bewegung, auch aller Handlung und äußeren, bloß körperlichen Empfindung sind, nämlich das Herz und die Lungen. Diese zwei entsprechen solchermaßen dem Größten Menschen oder dem Himmel des Herrn, daß die himmlischen Engel dort das eine Reich und die geistigen Engel das andere Reich bilden. Denn das Reich des Herrn ist ein himmlisches und ein geistiges. Das himmlische Reich besteht aus denen, die in der Liebe zum Herrn sind, das geistige Reich aus denen, die in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten: Nr. 2088, 2669, 2715, 2718, 3235, 3246.

Das Herz und sein Reich im Menschen entspricht den Himmlischen, die Lunge und ihr Reich entspricht den Geistigen; auch fließen dieselben ein in das, was dem Herz und den Lungen angehört, und zwar so, daß sie auch entstehen und bestehen durch den Einfluß von dort her.

Aber von der Entsprechung des Herzens und der Lungen mit dem Größten Menschen soll, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, insonderheit gehandelt werden.

*3636. Allgemeine Wahrheit ist, daß der Herr die Himmelssonne ist und daß von daher alles Licht im anderen Leben kommt, und daß den Engeln und Geistern oder denen, die im anderen Leben sind, gar nichts vom Weltlicht erscheint, wie auch, daß das Weltlicht, das von der Sonne kommt, für die Engel nichts anders als Finsternis ist. Von der Himmelssonne oder vom Herrn kommt nicht nur das Licht, sondern auch die Wärme; aber es ist ein geistiges Licht und eine geistige Wärme. Das Licht erscheint vor ihren Augen als Licht, aber es hat in sich Einsicht und Weisheit, weil es von daher ist, und die Wärme wird von ihren Sinnen empfunden als Wärme, aber es ist Liebe in ihr, weil sie von daher ist. Deshalb wird auch die Liebe geistige Wärme genannt und bildet auch die Lebenswärme des Menschen; und die Einsicht wird geistiges Licht genannt und bildet auch das Lebenslicht des Menschen.

Aus dieser allgemeinen Entsprechung stammen die übrigen ab; denn alles und jedes bezieht sich auf das Gute, das Sache der Liebe ist, und auf das Wahre, das Sache der Einsicht ist.

*3637. Der Größte Mensch ist der ganze Himmel des Herrn in Beziehung auf den Menschen, aber der Größte Mensch im höchsten Sinn ist allein der Herr; denn aus Ihm ist der Himmel, und Ihm entspricht alles daselbst.

Weil das Menschengeschlecht durch das Leben des Bösen und die daraus hervorgehenden Beredungen des Falschen ganz verdorben worden war, und weil dann beim Menschen das Untere zu herrschen anfing über sein Oberes oder das Natürliche über sein Geistiges, so daß Jehovah oder der Herr durch den Größten Menschen, d.h. den Himmel nicht mehr einfließen und dasselbe in Ordnung bringen konnte, deshalb wurde das Kommen des Herrn in die Welt notwendig, damit Er so das Menschliche annahm und dasselbe göttlich machte und durch dasselbe die Ordnung wieder herstellte, so daß auf Ihn als den einzigen Menschen der ganze Himmel sich beziehen und Ihm allein entsprechen konnte, nachdem diejenigen, die im Bösen und daher im Falschen waren, unter die Füße, somit aus dem Größten Menschen hinausgeworfen worden waren.

Daher wird gesagt, daß diejenigen, die im Himmel sind, im Herrn seien, ja in Seinem Leibe; denn der Herr ist das Ganze des Himmels, und in Ihm bekommen alle und jede dort ihre Wohnstätten und Geschäfte.

*3638. Daher kommt es, daß im anderen Leben alle Gesellschaften, soviel deren immer sind, ihre beständige Lage behalten in Beziehung auf den Herrn, der als die Sonne dem ganzen Himmel erscheint; und was wunderbar und kaum von jemand geglaubt, weil nicht begriffen werden kann, ist, daß die Gesellschaften dort immer die gleiche Lage behalten in Beziehung auf jeden daselbst, mag er sein und sich wenden und drehen, wo und wie er immer will, so daß die Gesellschaften, die rechts erscheinen, immer zu seiner Rechten, die links, immer zur Linken sind, obwohl er mit seinem Angesicht und Leib die Richtungen (plagas) wechselt. Dies durfte ich auch vermöge der Wendung meines Körpers sehr oft beobachten.

Hieraus wird klar, daß die Form des Himmels so beschaffen ist, daß er beständig den Größten Menschen in Beziehung auf den Herrn darstellt; und daß alle Engel nicht allein beim Herrn, sondern im Herrn sind oder, was gleich, daß der Herr bei ihnen und in ihnen ist, sonst würde dieses Verhältnis nicht bestehen.

*3639. Alle Lagen dort verhalten sich daher in Beziehung auf den menschlichen Leib nach den Richtungen von ihm aus, d.h. rechts, links, vorne, hinten, in jeglicher Stellung, wie auch nach den Flächen, wie zur Fläche des Hauptes, seiner Teile, wie: der Stirne, der Schläfen, der Augen, der Ohren; zur Fläche des Leibes, z.B. zur Fläche der Achseln, der Brust, des Bauches, der Lenden, Knie, Füße, Fußsohlen; dann auch über dem Haupt und unter den Fußsohlen, in jeder Richtung. Auch auf dem Rücken, vom Hinterhaupt abwärts. Aus der Lage selbst wird erkannt, welche Gesellschaften es sind und zu welchen Gegenden der Organe und Glieder des Menschen sie gehören, was niemals trügt; aber mehr noch von ihrer Sinnesart und ihrem Charakter in Ansehung der Neigungen.

*3640. Auch die Höllen, deren sehr viele sind, haben eine sich gleichbleibende Lage, so daß man schon aus der Lage wissen kann, welche und welcherlei es sind. Mit ihrer Lage verhält es sich ebenso: alle sind unter dem Menschen in flächen, die sich in jeder Richtung unter den Fußsohlen erstrecken. Einige Geister von dort erscheinen auch über dem Haupt und hin und wieder anderwärts, aber nicht weil sie dort ihre Lage haben; denn es ist nur die beredende Phantasie, die über die Lage eine täuschende und falsche Meinung beibringt.

*3641. Alle, sowohl im Himmel wie in der Hölle, erscheinen aufrecht, mit dem Haupt oben und mit den Füßen unten, aber dennoch sind sie an sich und nach der Anschauung der Engel in einer anderen Stellung, nämlich die im Himmel mit dem Haupt zum Herrn gerichtet, der dort die Sonne und der allgemeine Mittelpunkt ist, von dem jede Stellung und Lage bestimmt wird.

Hingegen die Höllischen sind vor dem Blick der Engel mit dem Haupt unten und mit den Füßen oben, somit in entgegengesetzter und auch in schiefer Stellung; denn für die Höllengeister ist das unten, was für die Himmelsgeister oben, und für die Höllengeister das oben, was für die Himmelsgeister unten.

Hieraus wird einigermaßen klar, wie der Himmel mit der Hölle gleichsam eines machen oder zugleich in Lage und Stellung gleichsam ein Ganzes darstellen kann.

*3642. An einem Morgen war ich im Umgang mit Engelsgeistern, die nach Gewohnheit im Denken und Reden zusammenwirkten. Dieses drang auch bis zur Hölle, in die es sich fortsetzte, so daß es schien, als ob sie mit ihnen zusammenwirkten. Aber die Sache war die, daß das Gute und Wahre, das bei den Engeln war, durch einen wunderbaren Wechsel sich bei den Höllischen ins Böse und Falsche verwandelte, und zwar stufenweise, wie es hinabfloß, wo die Hölle zusammenwirkte durch Beredungen des Falschen und Begierden des Bösen.

Die Höllen, obwohl sie außerhalb des Größten Menschen sind, werden dennoch auf solche Art gleichsam zu einem Ganzen gemacht und dadurch in der Ordnung erhalten, gemäß derer sie Genossenschaften (consociationes) bilden. So regiert der Herr aus dem Göttlichen auch die Höllen.

*3643. Es wurde wahrgenommen, daß die in den Himmeln in einer heiteren Lichtsphäre sind, gleich dem Morgen- und Mittagslicht und auch dem zum Abend sich neigenden, ebenso daß sie in der Wärme sind, wie im Frühling, Sommer und Herbst, daß sich hingegen die in der Hölle in einer dicken, nebeligen und finsteren Atmosphäre befinden, wie auch in der Kälte. Es wurde wahrgenommen, daß dazwischen im allgemeinen ein Gleichgewicht stattfindet; ferner, daß die Engel, soweit sie in der Liebe, Liebtätigkeit und daher im Glauben sind, ebensoweit in Lichtschein und Frühlingswärme sich befinden; und die Höllischen, soviel sie in Haß und daher im Falschen sind, ebensoweit in der Finsternis und in der Kälte sind.

Das Licht im anderen Leben hat in sich Einsicht, die Wärme Liebe, die Finsternis Unsinnigkeit und die Kälte Haß.

*3644. Alle Menschen im ganzen Weltkreis haben ihre Lage entweder im Größten Menschen, d.h. im Himmel oder außerhalb desselben in der Hölle, in betreff ihrer Seele oder, was gleich ist, in betreff ihres Geistes, der nach dem Hingang des Leibes leben wird. Dies weiß der Mensch nicht, solange er in der Welt lebt, aber dennoch ist er dort und wird von dort aus regiert. Im Himmel sind sie gemäß dem Guten der Liebe und daher dem Wahren des Glaubens, in der Hölle gemäß dem Bösen des Hasses und daher dem Falschen.

*3645. Das ganze Reich des Herrn ist ein Reich von Zwecken und Nutzleistungen. Es wurde mir verliehen, jene göttliche Sphäre von Zwecken und Nutzleistungen recht klar innezuwerden und dabei solches, was man nicht kundgeben kann. Aus jener Sphäre fließt hervor, und durch dieselbe wird regiert alles und jedes. In dem Maß wie die Triebe, Gedanken und Handlungen den Zweck, wohl zu tun von Herzen in sich haben, ist der Mensch Geist und Engel im Größten Menschen, d.h. im Himmel. In dem Maß aber, wie der Mensch den Zweck übel zu tun von Herzen hat, ist er außerhalb des Größten Menschen, d.h. in der Hölle.

*3646. Mit den unvernünftigen Tieren verhält es sich in Ansehung der Einflüsse und Entsprechungen ebenso wie mit den Menschen, daß nämlich bei ihnen ein Einfluß aus der geistigen Welt stattfindet und ein Zufluß aus der natürlichen Welt, wodurch sie erhalten werden und leben. Aber die Wirkung selbst stellt sich verschiedenartig dar, gemäß den Formen ihrer Seelen und daher auch ihrer Leiber.

Es verhält sich dies wie Weltlicht, das in die verschiedenen Gegenstände des Erdreichs in gleichem Grad und in gleicher Art einfließt, dennoch aber verschiedenartig wirkt in verschiedenen Formen, in einigen schöne Farben, in anderen unschöne erzeugt. So wenn das geistige Licht in die Seelen der Tiere einfließt, wird es ganz ungleich aufgenommen und betätigt sie daher ganz anders, als wenn es in die Seelen der Menschen einfließt; denn diese sind auf einer höheren Stufe und in einem vollkommeneren Zustande und sind so geartet, daß sie aufwärts, also zum Himmel und zum Herrn blicken können. Daher kann sie der Herr mit Sich verbinden und ihnen ewiges Leben geben.

Dagegen die Seelen der Tiere sind so geartet, daß sie nicht anders können, als abwärts blicken, somit allein auf Irdisches, und so nur an dieses sich anschließen, deswegen gehen sie auch zugleich mit dem Leibe zugrunde.

Die Zwecke sind es, die zeigen, was für ein Leben der Mensch hat, und was für eines das Tier. Der Mensch kann geistige und himmlische Zwecke haben und sie sehen, anerkennen, glauben und von ihnen angeregt werden. Dagegen können die Tiere keine anderen Zwecke haben als natürliche. Also kann der Mensch in der göttlichen Sphäre von Zwecken und Nutzleistungen sein, die im Himmel waltet und den Himmel bildet, die Tiere aber können in keiner anderen Sphäre sein als in einer von Zwecken und Nutzleistungen, die auf der Erde waltet. Zwecke sind nichts anderes als Liebestriebe, denn was man liebt, das hat man zum Zweck.

Daß die meisten Menschen zwischen ihrem Leben und dem Leben der Tiere nicht zu unterscheiden wissen, kommt daher, weil sie im äußeren gleich sind und ihnen bloß irdische, leibliche und weltliche Dinge am Herzen liegen, und die, welche so geartet sind, glauben auch, sie seien in Ansehung des Lebens den Tieren gleich und würden wie jene nach dem Tod zerstäubt werden; denn was himmlische und geistige Dinge sind, wissen sie nicht, weil sie sich nicht darum kümmern. Daher kommt der Wahnsinn unseres Zeitalters, daß man sich den Tieren gleichstellt und keinen inneren Unterschied sieht. Hingegen wer himmlische und geistige Dinge glaubt oder zuläßt, daß das geistige Licht einfließt und wirkt, der sieht ganz das Gegenteil, nämlich daß er, und wie hoch er über den unvernünftigen Tieren steht.

Aber über das Leben der unvernünftigen Tiere soll, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, besonders gehandelt werden.

*3647. Wie dieses sich verhält, ist auch gezeigt worden: ich durfte einige sehen und wahrnehmen, die soeben ins andere Leben kamen, die im Leben ihres Leibes bloß auf irdische Dinge geblickt und nichts an der es zum Zweck gehabt hatten, auch durch keine Kenntnisse ins Gute und Wahre eingeweiht worden waren, sie gehörten dem Schiffer- und Landvolk an. Sie schienen, wie auch wahrgenommen wurde, so wenig Leben zu haben, daß ich meinte, sie könnten nicht wie andere Geister ewiges Leben erlangen, sie waren wie wenig beseelte Maschinen. Aber die Engel waren angelegentlich für sie besorgt, und durch die Fähigkeit, die sie als Menschen hatten, flößten sie ihnen das Leben des Guten und Wahren ein. Daher wurden sie mehr und mehr vom tierischen Leben ins menschliche Leben eingeführt.

*3648. Es findet auch ein Einfluß vom Herrn durch den Himmel in die Subjekte des Pflanzenreiches statt, z.B. in die Bäume jeder Gattung und in deren Fruchtentwicklungen und in Pflanzen verschiedener Gattung und deren Vermehrungen. Wenn nicht das Geistige vom Herrn inwendig fortwährend auf deren Grundformen, die in den Samen sind, einwirken würde, so würden sie gar nicht aufkeimen und wachsen in einer so wunderbaren Weise und Entwicklung. Aber die Formen darin sind so beschaffen, daß sie kein Leben aufnehmen.

Von jenem Einfluß kommt es her, daß sie das Bild des Ewigen und Unendlichen in sich tragen, wie daraus erhellt, daß sie immerfort den Trieb haben, ihre Gattung und ihre Art fortzupflanzen und so gleichsam ewig zu leben und sogar das Weltall zu füllen. Dies liegt in jedem Samen.

Aber der Mensch schreibt all dieses, was so wundervoll ist, der Natur selbst zu und glaubt an keinen Einfluß aus der geistigen Welt, weil er ihn im Herzen leugnet, obwohl er wissen könnte, daß nichts bestehen kann als durch das, wodurch es entsteht, d.h. daß das Bestehen ein fortwährendes Entstehen oder, was gleich ist, daß die Erzeugung (productio) eine fortwährende Schöpfung ist; daß daher die ganze Natur eine das Reich des Herrn vorbildlich darstellende Schaubühne ist; man sehe Nr. 3483.

Aber auch von diesen Dingen und von deren Entsprechung mit dem Größten Menschen soll, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, anderswo die Rede sein.

* * *

*3741. Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, weil das einzelne dort dem Herrn allein, nämlich Seinem Göttlich-Menschlichen entspricht, der allein Mensch ist: Nr. 49, 288, 565, 1894. Vermöge der Entsprechung, der Ebenbildlichkeit und Ähnlichkeit mit Ihm heißt der Himmel der Größte Mensch.

Aus dem Göttlichen des Herrn ist alles Himmlische, das dem Guten angehört und alles Geistige, das dem Wahren angehört, im Himmel. Alle Engel daselbst sind Formen oder Substanzen, die gebildet sind gemäß der Aufnahme der göttlichen Dinge, die vom Herrn ausgehen. Göttliches des Herrn, das bei ihnen aufgenommen wird, ist es, was genannt wird Himmlisches und Geistiges, wenn nämlich göttliches Leben und göttliches Licht in ihnen als den Aufnehmenden vorhanden ist und modifiziert wird.

Daher kommt es, daß auch die materiellen Formen und Substanzen beim Menschen so geartet sind, aber in einem niedrigeren Grad, weil sie gröber und mehr zusammengesetzt sind; auch diese sind Formen, die geistige und himmlische Dinge aufnehmen, wie augenscheinlich erhellt aus ganz sichtbaren Zeichen, z.B. fließt das Denken ein in die organischen Formen der Zunge und erzeugt die Rede; die Regungen der Seele stellen sich sichtbar dar im Angesicht; der Wille geht durch die Muskelformen in Handlungen über, und so fort. Das Denken und Wollen, die dies erzeugen, sind geistige und himmlische Kräfte, die Formen aber und die Substanzen, die jene aufnehmen und zum Tun bringen (mittunt in actum), sind materiell. Daß diese ganz zur Aufnahme von jenen gebildet sind, ist offenbar. Hieraus erhellt, daß sie von jenen stammen, und daß, wenn sie nicht von jenen abstammten, sie nicht als solche existieren könnten.

*3742. Daß ein einziges Leben ist, und zwar vom Herrn allein, und daß die Engel, Geister und Menschen nur Empfänger (recipientes) des Lebens sind, ist mir durch eine so vielfältige Erfahrung kund geworden, daß nicht einmal der kleinste Zweifel übrig blieb.

Der Himmel selbst ist in dem Innewerden, daß dem so ist, und zwar so sehr, daß die Engel den Einfluß deutlich inne werden, sodann auch, wie es einfließt, wie und auch in welchem Maß und auf welche Art sie es aufnehmen. Wenn sie in einem völligeren Stand der Aufnahme sind, dann sind sie in ihrem Frieden und ihrer Seligkeit, wo nicht, im Stand der Unruhe und einer gewissen Bangigkeit. Aber gleichwohl wird ihnen das Leben des Herrn zugeeignet, so daß sie innewerden, als ob sie aus sich lebten; dennoch aber wissen sie, daß sie nicht aus sich leben. Die Zueignung des Lebens des Herrn kommt aus Seiner Liebe und Barmherzigkeit gegen das ganze Menschengeschlecht, sofern Er nämlich sich und das Seine geben will, und sofern Er wirklich gibt, soviel sie aufnehmen, d.h. soweit sie als seine Ähnlichkeiten und Bilder im Leben des Guten und Wahren sind; und weil ein solcher göttlicher Trieb fort während aus dem Herrn ist, wird Sein Leben zugeeignet.

*3743. Die aber, die nicht in der Liebe zum Herrn und in der Liebe zum Nächsten sind, folglich nicht im Leben des Guten und Wahren, können nicht anerkennen, daß es ein einziges Lehen ist, das einfließt; noch weniger, daß dieses Lehen vom Herrn ist, sondern sie alle werden unwillig, ja weisen es schnöde ab, wenn gesagt wird, daß sie nicht von sich leben. Die Selbstliebe ist es, die das tut und, was auffallend ist, obwohl ihnen durch lebhafte Erfahrungen im anderen Leben gezeigt wird, daß sie nicht von sich leben und sie dann überzeugt sagen, daß es so sei, beharren sie gleichwohl nachher in der gleichen Meinung und wähnen, daß, wenn sie von einem anderen leben würden und nicht von sich, all ihre Lebenslust verloren ginge; ohne zu wissen, daß ganz das Gegenteil der Fall ist.

Daher kommt es, daß die Bösen sich das Böse aneignen, weil sie nicht glauben, daß das Böse von der Hölle ist, und daß das Gute ihnen nicht zugeeignet werden kann, weil sie glauben, daß Gute sei von ihnen und nicht vom Herrn. Aber dennoch sind die Bösen und auch die Höllischen Leben vom Herrn aufnehmende Formen, aber solche Formen, daß sie das Gute und Wahre entweder verwerfen oder ersticken oder verkehren; und so wird bei ihnen Gutes und Wahres, das aus dem Leben des Herrn ist, zu Bösem und Falschem.

Es verhält sich damit wie mit dem Sonnenlicht, das obwohl einzigartig und weißglänzend, gleichwohl, sowie es durch die Formen hin durchgeht oder in sie einfließt, sich verschieden gestaltet. Daher entstehen schöne und angenehme Farben, und auch unschöne und unangenehme.

*3744. Hieraus nun kann erhellen, wie beschaffen der Himmel ist und woher es kommt, daß er der Größte Mensch genannt wird. Wie dort die Verschiedenheiten in Beziehung auf das Leben des Guten und Wahren unzählig sind, so verhalten sie sich gemäß der Aufnahme des Lebens vom Herrn; sie stehen ganz in dem Verhältnis, in dem die Organe, Glieder und Eingeweide im Menschen stehen, die alle Formen sind, die in fortdauernd verschiedener Weise Leben aufnehmen von ihrer Seele oder vielmehr durch die Seele vom Herrn, und doch, obwohl eine solche Verschiedenheit bei ihnen stattfindet, gleichwohl zusammen einen Menschen bilden.

*3745. Wie groß und von welcher Art die Verschiedenheit ist, kann erhellen aus der Verschiedenheit im menschlichen Leibe. Es ist bekannt, daß kein Organ und Glied dem anderen gleich ist, z.B. das Organ des Gesichts ist nicht gleich dem Organ des Gehörs, ebenso das Organ des Geruchs und das Organ des Geschmacks, und auch das Organ des Tastsinnes, das sich durch den ganzen Leib verbreitet, so auch die Glieder, z.B. die Arme, Hände, Lenden, Füße, Fußsohlen; wie auch die Eingeweide, die inwendig verborgen liegen, z.B. diejenigen, die dem Haupt angehören, nämlich das große und das kleine Gehirn, das verlängerte Mark und das Rückenmark, mit allen kleinen Organen, Eingeweiden, Gefäßen und Fibern, aus denen sie bestehen, sodann diejenigen, die zum Leib unterhalb des Hauptes gehören, z.B. das Herz, die Lungen, der Magen, die Leber, die Bauchspeicheldrüse, die Milz, die Gedärme, das Gekröse, die Nieren und auch diejenigen, die der Zeugung gewidmet sind in beiderlei Geschlecht.

Daß diese samt und sonders einander ungleich sind in Ansehung ihrer Formen und in Ansehung ihrer Verrichtungen, und zwar so ungleich, daß sie ganz verschieden sind, ist bekannt; ebenso die Formen innerhalb der Formen, die auch von solcher Verschiedenheit sind, daß nicht eine Form, nicht einmal ein Teilchen dem anderen ganz gleich ist, nämlich so gleich, daß es an die Stelle des anderen gesetzt werden könnte, ohne daß es eine, wenn auch noch so kleine Störung gäbe.

Diese Leibesteile entsprechen samt und sonders den Himmeln, aber so, daß das, was körperlich und materiell ist beim Menschen, dort himmlisch und geistig ist; und sie entsprechen so, daß sie von daher entstehen und bestehen.

*3746. Im allgemeinen beziehen sich alle Verschiedenheiten auf das Gebiet des Hauptes, auf das Gebiet der Brust, auf das Gebiet des Unterleibes und auf das Gebiet der Zeugungsglieder. Ebenso überall auf das, was das Inwendigere und was das Auswendigere ist.

*3747. Ich redete einige Male mit den Geistern über die Gebildeten unseres Zeitalters, daß sie nichts wissen, als den Menschen in einen inwendigen und einen auswendigen zu scheiden, und zwar nicht, weil sie sich auf das Inwendigere der Gedanken und Neigungen bei sich besinnen, sondern weil sie es aus dem Wort des Herrn wissen; und daß sie gleichwohl nicht wissen, was der inwendige Mensch ist, ja sogar, daß mehrere zweifeln, ob einer sei und es auch aus dem Grund leugnen, weil sie nicht ein Leben des inwendigen, sondern des auswendigen Menschen leben; und daß sie hauptsächlich irre geführt werden dadurch, daß die unvernünftigen Tiere ihnen gleich erscheinen in betreff der Organe, Eingeweide, Sinne, Begierden und Affekte; und es wurde gesagt, daß die Gebildeten von solchen Dingen weniger wissen als die Einfältigen, und daß sie gleichwohl sich dünken, viel mehr zu wissen; denn sie streiten über den Verkehr zwischen Seele und Leib, sogar über die Seele selbst, was sie sei, da doch die Einfältigen wissen, daß die Seele der inwendige Mensch ist, und daß ihr Geist es ist, der nach dem Tod des Leibes leben wird, sodann daß er der eigentliche Mensch ist, der im Leib wohnt; außerdem, daß die Gebildeten mehr als die Einfältigen sich den unvernünftigen Tieren gleichstellen und alles der Natur zuschreiben und kaum etwas dem Göttlichen. Sodann daß sie nicht bedenken, der Mensch könne, was den unvernünftigen Tieren nicht möglich ist, an den Himmel und an Gott denken und so über sich selbst erhoben, folglich durch Liebe mit dem Herrn verbunden werden, und es so nicht anders sein könne, als daß er nach dem Tode ewig lebe; und daß sie hauptsächlich nicht wissen, daß alles und jedes beim Menschen abhängt durch den Himmel vom Herrn, und daß der Himmel der Größte Mensch ist, dem alles und jedes entspricht, was im Menschen ist, wie auch jegliches in der Natur.

Ferner, daß, wenn sie dieses hören und lesen werden, es ihnen wohl unbegreiflich sein wird, so daß sie, wofern es nicht die Erfahrung bestätigen sollte, es als ein Hirngespinst verwerfen würden. Ebenso wenn sie hören werden, daß drei Lebensgrade im Menschen sind, wie drei Lebensgrade in den Himmeln sind, d.h. drei Himmel, und daß der Mensch den drei Himmeln so entspricht, daß er selbst im Abbild ein ganz kleiner Himmel ist, wenn er im Leben des Guten und Wahren ist, und durch dieses Leben ein Bild des Herrn.

Ich wurde über jene Lebensgrade belehrt, daß der letzte Lebensgrad es ist, welcher der äußere oder natürliche Mensch genannt wird, durch den der Mensch den Tieren in Ansehung der Begierden und Phantasien gleich ist; und daß der andere Grad es ist, welcher der inwendige und vernünftige Mensch heißt, durch den der Mensch über den Tieren steht; denn durch denselben kann er das Gute und Wahre denken und wollen und dem natürlichen Menschen gebieten, indem er dessen Begierden und den daher kommenden Phantasien Einhalt tut und sie auch verwirft; und überdies kann er bei sich den Himmel, ja über das Göttliche nachdenken, was die unvernünftigen Tiere gar nicht können; und daß es der dritte Lebensgrad ist, der dem Menschen ganz unbekannt, und daß gleichwohl dieser es ist, durch den der Herr in das vernünftige Gemüt einfließt, woher er die Fähigkeit hat zu denken als ein Mensch, woher er das Gewissen und das Innewerden des Guten und Wahren hat und auch vom Herrn die Erhebung zu Ihm hin.

Aber diese Dinge liegen den Vorstellungen der Gebildeten dieses Zeitalters ferne, die nur disputieren, oh etwas sei, und solange nicht wissen können, daß es sei, und weniger noch was es sei.

*3748. Ein gewisser Geist, der, während er in der Welt lebte, unter den Gelehrten hochberühmt war, gar geschickt zur Begründung des Falschen, aber sehr unwissend in Beziehung auf Gutes und Wahres, meinte, wie früher in der Welt, er wisse alles; denn solche glauben, sie seien die Weisesten und ihnen sei nichts verborgen. Wie sie im Leibesleben waren, so geartet sind sie auch im anderen Leben; denn alles, was einem Lebenssache ist, d.h. seiner Liebe und Neigung angehört, folgt ihm und wohnt ihm inne, wie die Seele ihrem Leibe, weil er seine Seele in betreff ihrer Beschaffenheit danach gebildet hat.

Dieser, der jetzt ein Geist war, kam zu mir, und redete mit mir; und weil er so beschaffen war, fragte ich ihn: Wer versteht mehr? Der viel Falsches weiß oder der wenig Wahres? Er antwortete: der wenig Wahres, weil er meinte, das Falsche, das er wußte, sei wahr gewesen und er somit weise. Dann wollte er vernünfteln über den Größten Menschen und über den Einfluß in das Einzelne des Menschen von daher. Weil er aber nichts davon verstand, sagte ich ihm, wie er es verstehe, daß das Denken, das geistig ist, das ganze Angesicht bewege und sich in dem selben auspräge und auch alle Sprachorgane bewege, und zwar genau dem geistigen Innewerden dieses Denkens gemäß; und daß der Wille die Muskeln des ganzen Leibes und tausend Fibern, die zerstreut sind, zu einer Handlung bewege, da jenes, was bewegt, geistig ist, und dieses, was bewegt wird, leiblich. Aber er wußte nicht, was er antworten sollte.

Ich redete ferner vom Trieb (conatu), ob er wisse, daß der Trieb die Handlungen und Bewegungen erzeuge, und daß in der Handlung und Bewegung ein Trieb sein müsse, daß sie entstehe und bestehe. Er sagte, das wisse er nicht, daher wurde ihm gesagt, wie er dann vernünfteln wolle, da er nicht einmal die ersten Grundbegriffe wisse, und daß dann die Vernünftelei sich verhalte wie ein zerstreuter, zusammenhangloser Staub, den das Falsche so zerstiebt, daß man am Ende nichts weiß und somit nichts glaubt.

*3749. Ein gewisser Geist kam unvermutet zu mir und wirkte auf das Haupt ein. Aus den Einwirkungen in die Körperteile lernt man auch die Geister kennen. Ich war begierig zu erfahren, wer und woher er wäre; aber nachdem er eine Zeitlang geschwiegen hatte, sagten die Engel, die bei mir waren, daß er von den Geistern bei einem heute noch in der Welt lebenden Gelehrten hergenommen sei, der — nämlich der Gelehrte — den Ruf der Gelehrsamkeit vor anderen erlangt hatte. Durch jenen vermittelnden Geist konnte man sich dann auch mit dem Denken jenes Menschen ins Vernehmen setzen.

Ich fragte den Geist, welche Vorstellung sich jener Gelehrte von dem Größten Menschen und von dessen Einfluß und der Entsprechung daher machen könne? Er sagte, er könne sich keine machen. Hierauf fragte ich, welche Vorstellung er vom Himmel habe, er sagte: keine, bloß Lästerungen, z.B. daß man dort mit musikalischen Instrumenten spiele, und zwar mit solchen, womit das Landvolk eine Art von Musik hervorzubringen pflege. Und doch sei er vor anderen geachtet, und man glaubt, daß er wisse, was der Einfluß, was die Seele und was ihr Verkehr mit dem Leibe sei. Vielleicht glaubt man auch, daß er vor anderen wisse, was der Himmel.

Hieraus kann erhellen, von welcher Art heutzutage diejenigen sind, die andere lehren, daß sie nämlich voller Ärgernisse sind gegen das Gute und Wahre des Glaubens, obwohl sie öffentlich etwas anderes kund geben.

*3750. Was für eine Vorstellung vom Himmel auch diejenigen haben, von denen man glaubt, daß sie vor anderen Gemeinschaft mit dem Himmel und einen Einfluß von daher haben, ist mir auch lebhaft gezeigt worden. Die, welche über dem Haupte erscheinen, sind solche, die in der Welt als Götter verehrt werden wollten und bei denen die Selbstliebe durch die Stufen der Gewalt und durch die hieraus entspringende eingebildete Freiheit den höchsten Grad erreicht hat. Sie sind zugleich trügerisch unter dem Schein der Unschuld und Liebe zum Herrn.

Solche erscheinen hoch über dem Haupte aus der Einbildung ihrer Erhabenheit, aber gleichwohl sind sie unter den Füßen in der Hölle. Einer von ihnen ließ sich zu mir herab, und es wurde von anderen gesagt, er sei in der Welt Papst gewesen. Er redete mit mir gar freundlich, und zuerst von Petrus und seinen Schlüsseln, die er gehabt zu haben meinte; aber als er gefragt wurde über die Gewalt, in den Himmel einzulassen alle, die ihm beliebte, hatte er eine so grobe Vorstellung vom Himmel, daß er nämlich etwas wie eine Türe darstellte, durch die man eingehe. Er sagte, er habe sie den Armen unentgeltlich aufgetan, aber die Reichen seien eingeschätzt worden, und das, was sie gegeben hätten, sei heilig gewesen.

Auf die Frage, ob er glaube, daß diejenigen, die er hineingelassen hatte, dort auch geblieben seien, sagte er, das wisse er nicht; wenn sie nicht wollten, so sollten sie hinausgehen. Ferner wurde ihm gesagt, ihr Inwendigeres könnte er nicht wissen, und ob sie würdig seien oder vielleicht Räuber, die in die Hölle kommen müßten. Er antwortete, darum habe er sich nicht bekümmert. Wenn sie nicht würdig seien, so könne man sie ja fortschicken. Er wurde aber belehrt, was unter den Schlüsseln Petri verstanden werde, nämlich der Glaube der Liebe und Liebtätigkeit; und weil der Herr allein einen solchen Glauben gebe, so sei es der Herr allein, der in den Himmel einlasse, und daß Petrus niemandem erscheine und ein einfacher Geist sei, der nicht mehr Gewalt habe als ein anderer. Vom Herrn hatte er keine andere Meinung, als daß er zu verehren sei, insofern Er eine solche Gewalt gebe. Hingegen wenn Er sie nicht gebe dachte er, wie man inne wurde, sei Er nicht mehr zu verehren. Ferner, als ich mit ihm vom inwendigen Menschen redete, hatte er von ihm eine unsaubere Vorstellung.

Was für ein Gefühl von Freiheit, Vollgenugsamkeit, Behaglichkeit er atmete, als er auf seinem Throne im Konsistorium saß und aus dem Heiligen Geist zu reden glaubte, wurde mir lebhaft gezeigt. Er wurde in den gleichen Zustand versetzt, in dem er sich befand, als er dort gewesen war; denn im anderen Leben kann ein jeder leicht in den Lebenszustand, den er in der Welt hatte, versetzt werden, weil einen jeden nach dem Tod der Zustand seines Lebens erwartet, und es wurde mir ein solches Atmen, das er damals gehabt hatte, mitgeteilt: es war frei mit angenehmen Behagen, langsam, regelmäßig, tief, die Brust füllend, aber wenn man ihm widersprach, dann war in seinem Unterleib, infolge des Anhaltens des Atems (ex respirationis continuo), etwas gleichsam sich Wälzendes und Schleichendes; und da er meinte, es sei Göttlich, was er aussprach, wurde er dies inne aus einem mehr stillen und gleichsam zu stimmenden Atmen.

Es wurde mir nachher gezeigt, von welchen Geistern solche Päpste dann regiert werden, nämlich von der Sirenenrotte, die über dem Haupt sind, und die eine solche Natur und Lebensweise sich zueigen gemacht haben, daß sie sich in alle möglichen Neigungen einschmeicheln, in der Absicht zu herrschen und sich andere zu unterwerfen, aber auch jeden um ihrer selbst willen zu verderben, welche die Heiligkeit und Unschuld nur als Mittel brauchen. Sie fürchten für sich und handeln vor sichtig, stürzen sich aber, wenn sich die Gelegenheit gibt, um ihrer selbst willen in Grausamkeiten ohne alle Barmherzigkeit hinein.


*3883. Von der Entsprechung mit dem Herzen und der Lunge.

Was der Größte Mensch und was die Entsprechung mit ihm ist, wurde früher gesagt, daß nämlich der Größte Mensch der ganze Himmel ist, also im allgemeinen die Ähnlichkeit und das Bild des Herrn, und daß eine Entsprechung des Göttlichen des Herrn besteht mit den himmlischen und geistigen Dingen daselbst und der dortigen himmlischen und geistigen Dinge mit natürlichen Dingen in der Welt, und hauptsächlich mit den Dingen, die beim Menschen sind; somit des Göttlichen des Herrn durch den Himmel oder Größten Menschen mit dem Menschen und mit dem Einzelnen beim Menschen, und zwar in solcher Art, daß der Mensch daher sein Dasein, d.h. sein Bestehen hat.

*3884. Weil in der Welt ganz unbekannt ist, daß eine Entsprechung des Himmels oder Größten Menschen mit dem einzelnen beim Menschen stattfindet, und daß der Mensch von daher sein Dasein und Bestehen hat und daher als widersinnig und unglaublich erscheinen muß, was darüber gesagt werden wird, so mag das, was ich davon wirklich erfahren habe und mir daher zur völligen Gewißheit geworden ist, berichtet werden.

Als mir einst der inwendigere Himmel aufgetan wurde und ich dort mit den Engeln redete, durfte ich das Folgende beobachten. Man muß aber wissen, daß obwohl ich dort war, ich dennoch nicht außer mir war, sondern im Leibe; denn der Himmel ist im Menschen, an was für einem Ort er auch immer sein möge. So kann, wenn es dem Herrn wohlgefällt, der Mensch im Himmel sein und dennoch nicht vom Leibe weggeführt werden. Daher war mir vergönnt, die allgemeinen Wirkungen des Himmels so deutlich wahrzunehmen wie das, was mit einem Sinn des Leibes wahrgenommen wird. Vier Wirkungen waren es, die ich damals wahrnahm:

Die erste auf das Gehirn an der linken Schläfe; diese Wirkung war eine allgemeine, betreffend die Organe der Vernunft, denn die linke Seite des Gehirns entspricht den vernünftigen oder verständigen Dingen, die rechte aber den Neigungen oder den Willensdingen.

Die zweite allgemeine Wirkung nahm ich wahr auf das Atmen der Lunge; dieselbe leitete sonst mein Atmen, aber vom Inwendigeren aus, so daß ich nicht nötig hatte, mit einer Kraft meines Willens den Odem zu holen oder zu atmen. Das eigentliche Atmen des Himmels ist von mir damals deutlich wahrgenommen worden. Dasselbe ist ein inwendiges, und darum für den Menschen nicht wahrnehmbares; aber es fließt durch eine wunderbare Entsprechung in das Atmen des Menschen ein, das ein äußeres ist oder dem Leib angehört. Wenn der Mensch dieses Einflusses beraubt würde, so würde er augenblicklich tot niederfallen.

Die dritte Wirkung, die ich wahrnahm, ging auf die zusammenziehende und ausdehnende Bewegung des Herzens, die dann bei mir sanfter (molior) war als irgend sonst. Die Zeiten des Pulsschlags waren regelmäßig; innerhalb eines jeden Atemholens erfolgten ungefähr drei Pulsschläge, jedoch von solcher Art, daß sie in die Lungenbewegungen ausliefen und so die Lungenbewegungen regierten. Wie die Herzregungen sich in die Lungenregungen hineinschmiegten (se insinuabant) durfte ich am Ende eines jeden Atemzugs einigermaßen beobachten. Die Pulsschläge waren so leicht zu beobachten, daß ich sie hätte zählen können; sie waren unterschieden und sanft.

Die vierte allgemeine Wirkung war auf die Nieren, die ich auch wahrnehmen durfte, aber nur dunkel.

Aus diesem wurde klar, daß der Himmel oder der Größte Mensch Herzschläge und Atemzüge hat, und daß die Herzschläge des Himmels oder des Größten Menschen eine Entsprechung haben mit dem Herzen und mit seinen zusammenziehenden und ausdehnenden Bewegungen, und daß die Atemzüge des Himmels oder des Größten Menschen eine Entsprechung haben mit der Lunge und ihren Atemzügen; daß aber bei des für den Menschen nicht beobachtbar und nicht wahrnehmbar ist, weil es inwendige Dinge sind.

*3885. Einst auch, als ich von den Vorstellungen, die der leiblichen Sinnlichkeit entstammen, weggeführt wurde, erschien mir ein himmlisches Licht. Jenes Licht selbst führte mich nämlich mehr und mehr davon weg; denn im Himmelslicht ist geistiges Leben: man sehe Nr. 1524, 2776, 3167, 3195, 3339, 3636, 3643. Als ich in diesem Licht war, erschienen mir die leiblichen und weltlichen Dinge wie unter mir; dennoch nahm ich sie wahr, aber als von mir entfernter und als mich nichts angehend. Es schien mir, als ob ich mit dem Haupt im Himmel wäre, nicht mit dem Leib.

In diesem Zustand durfte ich auch das allgemeine Atmen des Himmels beobachten, sodann wie beschaffen es war: Es war inwendiger, leicht, von selbst erfolgend (spontanea), und verhielt sich zu meinem Atmen wie drei zu eins. Ebenso durfte ich auch die Erwiderungen der Herzschläge beobachten; ferner wurde ich von den Engeln belehrt, daß daher alle Menschen auf der Erde die Herzschläge und die Atemzüge haben; und daß sie darum in ungleichen Zeitteilen geschehen, weil der Herzschlag und das Lungenatmen, die in den Himmeln sind, in etwas Stetiges übergehen, und so in ein Streben, das von der Art ist, daß es jene Bewegungen verschieden hervorbringt, gemäß dem Zu stand eines jeden.

*3886. Aber man muß wissen, daß es, was die Pulsschläge und Atemzüge in den Himmeln betrifft, vielerlei Unterschiede gibt, und zwar so viele, als es Gesellschaften gibt; denn sie richten sich nach den Zuständen ihres Denkens und Strebens, und diese nach den Zuständen des Glaubens und der Liebe. Aber der allgemeine Pulsschlag und das allgemeine Atmen verhält sich so, wie oben gesagt wurde.

Einst durfte ich die Herzschläge derjenigen beobachten, die zur Gegend des Hinterhauptes gehörten;, und zwar die Pulsschläge der Himmlischen daselbst besonders und die Pulsschläge der Geistigen besonders. Die der Himmlischen waren still und sanft, die der Geistigen aber stark und schwingend. Die Momente des Pulsschlags der Himmlischen verhielten sich zu dem der Geistigen wie fünf zu zwei; denn der Pulsschlag der Himmlischen fließt in den Pulsschlag der Geistigen ein und geht so aus und über in die Natur.

Und, was erstaunlich ist, die Rede der himmlischen Engel wird nicht gehört von den geistigen Engeln, sondern wahrgenommen unter einer Art von Herzschlag, und zwar aus dem Grund, weil die Rede der himmlischen Engel den geistigen Engeln nicht verständlich ist; denn jene geschieht durch Neigungen, die der Liebe angehören, hingegen die der Geistigen durch verständige Vorstellungen; man sehe Nr. 1647, 1759, 2157, 3343; jene gehören zum Gebiet des Herzens, diese aber zu dem der Lungen.

*3887. Im Himmel oder im Größten Menschen sind zwei Reiche, das eine wird genannt das himmlische, das andere das geistige. Das himmlische Reich wird gebildet von den Engeln, die himmlisch genannt werden, und das sind die, welche in der Liebe zum Herrn gewesen sind und daher in aller Weisheit; denn sie sind vor anderen im Herrn, und daher vor anderen im Stand des Friedens und der Unschuld. Sie erscheinen anderen als Kinder; denn der Zustand des Friedens und der Unschuld stellt jene Erscheinung dar. Vor ihnen lebt gleichsam alles, was dort ist, denn was unmittelbar vom Herrn kommt, das lebt. Dies ist das himmlische Reich.

Das zweite Reich wird genannt das geistige. Dieses wird gebildet von den Engeln, die geistige genannt werden; und daselbst sind diejenigen, die in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten gewesen sind. Die Freude (jucunditatem) ihres Lebens setzen sie darein, daß sie anderen wohltun können ohne Vergeltung; das ist für sie Vergeltung, wenn sie anderen Gutes tun dürfen. Je mehr sie das wollen und verlangen, in desto größerer Einsicht und Seligkeit sind sie; denn jeder wird im anderen Leben mit Einsicht und Seligkeit vom Herrn begabt, gemäß dem Nutzen, den er aus Willensneigung leistet. Dies ist das geistige Reich.

Die, welche im himmlischen Reich des Herrn sind, gehören alle zum Gebiet des Herzens, und die im geistigen Reich gehören alle zum Gebiet der Lungen. Der Einfluß vom himmlischen Reich ins geistige verhält sich ebenso, wie der Einfluß des Herzens in die Lungen; sodann wie der Einfluß alles dessen, was dem Herzen angehört, in das, was den Lungen angehört; denn das Herz regiert im ganzen Leib und in seinen einzelnen Teilen durch die Blutgefäße, und auch die Lunge in seinen einzelnen Teilen durch das Atmen. Daher findet überall im Leib gewissermaßen ein Einfluß des Herzens in die Lungen statt, aber gemäß den Formen daselbst und gemäß den Zuständen. Daher entsteht alles Empfinden und alles Handeln, das dem Leibe eigen ist.

Dies kann man auch sehen an den im Mutterleibe befindlichen und kaum erst geborenen Kindern: diese können keine leibliche Empfindung haben und keine willkürliche Handlung, ehe ihnen die Lungen geöffnet sind und daher der Einfluß des einen in das andere möglich ist. In der geistigen Welt verhält es sich ebenso, aber mit dem Unterschied, daß dort nichts Leibliches und Natürliches ist, sondern Himmlisches und Geistiges, und das ist das Gute der Liebe und das Gute des Glaubens. Daher richten sich die Herzbewegungen bei ihnen nach den Zuständen der Liebe und die Atembewegungen nach den Zuständen des Glaubens. Der Einfluß des einen ins andere macht, daß sie geistig empfinden und geistig handeln.

Dies kann dem Menschen nur widersinnig erscheinen, weil er vom Guten der Liebe und vom Wahren des Glaubens keine andere Vorstellung hat, als daß es etwas Abstraktes (abstracta quaedam) sei, ohne das Vermögen etwas zu bewirken, während doch das Gegenteil der Fall ist, nämlich daß daher alles Innewerden und Empfinden und alle Kraft und Tätigkeit kommt, auch im Menschen.

*3888. Jene zwei Reiche stellen sich im Menschen dar durch jene zwei Reiche, die bei ihm sich finden, nämlich durch das Willensreich und das Verstandesreich, welche beiden das menschliche Gemüt, ja den Menschen selbst bilden. Der Wille ist es, dem der Herzschlag entspricht, und der Verstand ist es, dem das Atmen der Lunge entspricht. Daher kommt es auch, daß im Leib des Menschen ebenfalls zwei Reiche sind, nämlich das des Herzens und das der Lungen.

Wer dieses Geheimnis weiß, kann auch wissen, wie es sich verhält mit dem Einfluß des Willens in den Verstand und des Verstandes in den Willen, folglich mit dem Einfluß des Guten der Liebe ins Wahre des Glaubens und umgekehrt, somit wie es sich verhält mit der Wiedergeburt des Menschen.

Diejenigen aber, die bloß in fleischlichen Vorstellungen (in ideis corporeis) sind, d.h. im Willen des Bösen und im Verstand des Falschen, können das nicht begreifen; denn solche können von geistigen und himmlischen Dingen nicht anders denken als sinnlich und fleischlich, mithin eben nur aus der Finsternis über das, was dem himmlischen Licht oder dem Glaubenswahren angehört, und aus der Kälte über das, was der himmlischen Flamme oder dem Liebeguten angehört. Beides, nämlich jene Finsternis und jene Kälte, löscht das Himmlische und Geistige so sehr aus, daß es ihnen wie nichts erscheint.

*3889. Damit ich wissen möchte, nicht allein, daß eine Entsprechung sei des Himmlischen, das der Liebe angehört, mit den Bewegungen des Herzens, und des Geistigen, das dem Glauben aus der Liebe an gehört, mit den Bewegungen der Lunge, sondern auch, wie es sich damit verhalte, durfte ich eine geraume Zeit unter den Engeln sein, die mir dies in lebendiger Wirklichkeit zeigen sollten:

Dieselben formierten durch eine wunderbare und mit keinen Worten beschreibliche fließende Bewegung in Windungen (fluxionem in gyros) ein Abbild des Herzens und ein Abbild der Lungen mit allen in wendigeren und auswendigeren Verwebungen in ihnen. Dann folgten sie der Strömung des Himmels in freiwilliger Weise, denn der Himmel strebt in eine solche Form infolge des Einflusses der Liebe vom Herrn. So stellten sie das Einzelne im Herzen dar, und danach die Vereinigung zwischen Herz und Lungen, die sie auch vorbildeten durch die Ehe des Guten und Wahren.

Daraus wurde auch klar, daß das Herz dem Himmlischen, das Sache des Guten ist, entspricht, und die Lunge dem Geistigen, welches Sache des Wahren ist, und daß die Verbindung von beiden in materieller Form sich verhält wie die des Herzens und der Lungen; und es wurde gesagt, daß es sich ebenso verhält im ganzen Leibe, nämlich in seinen einzelnen Gliedern, Organen und Eingeweiden mit dem, was dort dem Herzen angehört, und was dort den Lungen angehört; denn wo nicht beide, und ein jedes für sich seine Geschäfte wirken, kann in demselben keine Lebensbewegung aus einem wollenden Grundtrieb noch eine Lebensempfindung aus einem verständigen Grundtrieb, stattfinden.

*3890. Früher wurde einigemal gesagt, daß der Himmel oder der Größte Mensch in unzählige Gesellschaften unterschieden sei, und im allgemeinen in ebenso viele wie es Organe und Eingeweide im Leibe gibt, und daß die einzelnen Gesellschaften zu je einem derselben gehören: Nr. 3745; sodann daß die Gesellschaften, obwohl sie unzählig und verschieden sind, dennoch als eines wirken, wie alles im Leibe, ob wohl verschieden, eines ist. Die Gesellschaften, die dort zum Gebiet des Herzens gehören, sind himmlische Gesellschaften und sind in der Mitte oder im Innersten, die aber zum Lungengebiet gehören, sind geistige, und sind ringsumher und im Auswendigeren.

Der Einfluß vom Herrn geht durch die himmlischen in die geistigen Gesellschaften, oder durch die Mitte in die Umgebungen, d.h. durch das Innerste zum Auswendigeren. Dies kommt daher, weil der Herr durch die Liebe oder Barmherzigkeit einfließt. Daher kommt alles Himmlische, das in Seinem Reiche ist und durch die Liebe oder Barmherzigkeit in das Gute des Glaubens einfließt, und zwar mit unsäglicher Verschiedenheit. Aber die Verschiedenheit kommt nicht vom Einfluß her, sondern von der Aufnahme.

*3891. Daß nicht nur der ganze Himmel wie ein Mensch atmet, sondern auch die einzelnen Gesellschaften im Verein, ja auch alle Engel und Geister, wurde mir bezeugt durch sehr viele lebendige Erfahrungen, so daß mir kein Zweifel übrig blieb; ja, es wundern sich die Geister, wenn jemand daran zweifelte.

Aber weil wenige sind, die von den Engeln und Geistern eine andere Vorstellung haben, als wie von einem Unmateriellen, und daß sie daher nur Gedanken, somit wohl kaum Substanzen seien, weniger daß sie sich wie die Menschen des Gesichtssinnes, des Gehörsinnes und des Tastsinnes erfreuen, und noch weniger, daß sie ein Atmen haben und daher auch ein Leben wie ein Mensch, nur ein inwendigeres, wie das Leben eines Geistes im Verhältnis zu dem eines Menschen, darum dürfen weitere Erfahrungen angeführt werden.

Einst wurde mir vorher gesagt, ehe ich schlafen ging, es seien mehrere, die gegen mich konspirierten, mit der Absicht, mich durch Erstickung umzubringen, aber ich achtete nicht auf ihre Drohungen, weil ich beschirmt war vom Herrn; darum schlief ich sorglos ein. Aber da ich um Mitternacht erwachte, empfand ich deutlich, daß ich nicht von mir selbst atmete, sondern aus dem Himmel; denn der Atem war nicht mein, aber dennoch atmete ich.

Auch sonst durfte ich unzählige Male die Beseelung oder das Atmen der Geister und auch der Engel dadurch empfinden, daß sie in mir atmeten und mein Atem dennoch zugleich da war, unterschieden von dem ihrigen. Aber dieses kann niemand fühlen, als wenn des Inwendigere geöffnet und dadurch Gemeinschaft mit dem Himmel gegeben ist.

*3892. Von den Uralten, die himmlische Menschen waren und vor den übrigen in der Liebe zum Herrn, bin ich belehrt worden, daß sie kein äußeres Atmen gehabt haben, wie ihre Nachkommen, sondern ein inwendiges, und daß sie geatmet haben mit den Engeln, mit denen sie in Genossenschaft waren, und zwar, weil sie in himmlischer Liebe waren. Ich wurde auch belehrt, daß die Zustände ihres Atmens sich genau verhalten haben nach den Zuständen ihrer Liebe und ihres Glaubens; worüber man sehe was Nr. 608, 805, 1118, 1119, 1120 berichtet wurde.

*3893. Es waren Engelschöre, die miteinander den Herrn priesen, und zwar aus Herzensfreudigkeit. Ihre Lobpreisung wurde zuweilen gehört wie aus einem süßen Gesang, denn die Geister und Engel haben unter sich eine laute Stimme, und sie hören einander so gut wie ein Mensch den anderen; aber der menschliche Gesang ist, was Lieblichkeit und Harmonie betrifft, die dort himmlisch ist, mit jenem nicht zu vergleichen. Aus der Verschiedenheit des Tones nahm ich wahr, daß es mehrere Chöre waren. Von den Engeln, die bei mir waren, wurde ich unterrichtet, daß jene zum Gebiet der Lungen und ihrer Verrichtungen gehörten; denn ihnen kommt der Gesang zu, weil dieses das Geschäft der Lungen ist.

Dieses wurde mir auch durch Erfahrung zu wissen gegeben. Sie durften nämlich mein Atmen regieren, was so sanft und süß und auch so innerlich geschah, daß ich kaum etwas von meinem Atmen empfand. Ich wurde auch unterrichtet, daß die, welche dem unfreiwilligen (unwillkürlichen) und dem freiwilligen (willkürlichen) Atmen gewidmet sind, sich voneinander unterscheiden. Es wurde gesagt, daß die, die dem unfreiwilligen Atmen gewidmet sind, zugegen seien, wenn der Mensch schläft, denn sobald der Mensch schläft, hört das Freiwillige seines Atmens auf, und es beginnt das Unfreiwillige des Atmens.

*3894.a. Weil, wie Nr. 3892 gesagt worden, das Atmen der Engel und Geister sich ganz den Zuständen ihrer Liebe und daher ihres Glaubens verhält, so ergibt sich daraus, daß nicht eine Gesellschaft atmet wie die andere, ferner daß die Bösen, die in der Selbst- und Weltliebe und daher im Falschen sind, nicht in der Genossenschaft der Guten leben können, sondern daß, wenn sie ihnen nahe kommen, es ihnen scheint, als ob sie nicht atmen könnten, sondern gleichsam erstickt würden, und daß sie daher wie halbtot und wie Steine hinunterfallen bis in die Hölle, wo sie ihr Atmen wieder bekommen, das sie mit den dortigen gemein haben.

Hieraus kann erhellen, daß die, welche im Bösen und Falschen sind, nicht im Größten Menschen oder im Himmel sein können; denn wenn ihr Atmen bei der Annäherung dort aufzuhören anfängt, dann verschwindet auch all ihr Wahrnehmen und Denken, wie auch all ihr Trieb, Böses zu tun und das Falsche einzureden, und mit dem Trieb all ihre Tätigkeit und Lebensbewegung, daher können sie nicht anders als sich jählings von da hinabzustürzen.

*3894. a. Weil es so ist und die Gutartigen, wenn sie ins andere Leben kommen, zuerst in das Leben zurückversetzt werden, das sie in der Welt hatten: Nr. 2119, somit auch in die Lieblingsneigungen und Vergnügungen jenes Lebens, darum können sie, ehe sie vorbereitet sind, noch nicht in der Genossenschaft der Engel sein, auch in betreff des Atmens. Deshalb werden sie, wenn sie vorbereitet werden, zuerst eingeweiht ins Engelsleben durch übereinstimmendes Atmen, und dann kommen sie zugleich in inwendigere Gefühle (perceptiones) und in eine himmlische Freiheit. Dieses geschieht in der Gesellschaft von mehreren oder in Chören, in denen der eine ebenso atmet wie der andere, ferner ebenso fühlt und ebenso aus Freiheit handelt. Wie dies geschieht, ist mir ebenfalls in lebendiger Wirklichkeit gezeigt worden.

*3895. Die Beredung vom Bösen und Falschen, auch die Beredung vom Wahren ist, wenn der Mensch im Leben des Bösen ist, so beschaffen im anderen Leben, daß sie andere gleichsam erstickt, und auch gut artige Geister, ehe sie ins engelische Atmen eingeweiht sind. Deshalb werden die, welche im Streben der Beredung sind, vom Herrn entfernt und in der Hölle niedergehalten, wo einer dem anderen nicht schaden kann; denn dort ist die Beredung des einen beinahe gleich der des anderen, und daher stimmen die Atmungen überein. Einige, die in einer solchen Beredung waren, kamen zu mir in der Absicht, mich zu ersticken, und führten auch etwas von Erstickung herbei, aber ich wurde vom Herrn befreit. Alsdann wurde ein Kind vom Herrn geschickt, von dessen Gegenwart sie so geängstigt wurden, daß sie kaum atmen konnten. In diesem Zustand wurden sie gehalten bis zu flehentlichen Bitten, und so wurden sie in die Hölle hinuntergestoßen.

Auch die Beredung des Wahren ist, wenn der Mensch im Leben des Bösen ist, so beschaffen, daß sie sich einredet, das Wahre sei zwar wahr, aber nicht um eines guten, sondern um eines bösen Zweckes willen, um nämlich dadurch Ehrenstellen, Ruhm und Vermögen zu gewinnen. Die Allerschlimmsten können in einer solchen Beredung sein, auch in einem scheinbaren Eifer, daß sie alle zur Hölle verdammen, die nicht im Wahren sind, wenn auch immerhin im Guten. Über diese Beredung sehe man Nr. 2689, 3865. Wenn solche ins andere Leben kommen, glauben sie anfangs, sie seien Engel, aber zu einer Engelsgesellschaft können sie nicht nahen. Infolge ihrer Selbstberedung werden sie dort gleichsam erstickt. Diese sind es, von denen der Herr geredet hat bei Matth. 7/22, 23: „Viele werden sagen zu Mir an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt und in Deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in Deinem Namen viele Taten getan? Aber dann werde Ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht, weichet von Mir, ihr Übeltäter“.


*4039. Von der Entsprechung mit dem großen und kleinen Gehirn.

Von der Entsprechung des Herzens und der Lungen mit dem Größten Menschen oder mit dem Himmel, war am Ende des vorigen Kapitels die Rede. Hier soll von der Entsprechung des großen und des kleinen Gehirns und den Marksubstanzen (medullarum), die mit ihm verknüpft sind, gehandelt werden. Ehe aber von der Entsprechung die Rede ist, soll einiges vorausgeschickt werden über die Form des Gehirns im allgemeinen, woher sie kommt, und was sie vorbildet.

*4040. Im Gehirn, wenn es von der Hirnschale und von den Decken, die umher sind, bloßgelegt wird, erscheinen wunderbare Windungen und kreisförmige Gänge (gyri), in welche die sogenannten Rindensubstanzen gelegt sind. Aus diesen laufen Fasern aus, die das Hirnmark bilden. Diese Fasern setzen sich von da aus durch die Nerven in den Leib fort, und besorgen daselbst ihre Geschäfte nach den Weisungen (nutus) und Befehlen (arbitria) des Gehirns.

Dieses alles ist ganz der himmlischen Form gemäß; denn eine solche Form ist den Himmeln eingeprägt vom Herrn, und eine solche daher dem, was im Menschen ist, und hauptsächlich seinem großen und kleinen Gehirn.

*4041. Die himmlische Form ist staunenswert und geht ganz über die menschliche Einsicht hinaus, denn sie steht hoch über den Vorstellungen der Formen, die der Mensch aus weltlichen Gegenständen, auch durch tiefes Nachdenken (per analytica) je fassen kann.

Nach jener Form sind alle himmlischen Gesellschaften geordnet und, was wunderbar ist, es findet eine Kreisbewegung (gyratio) gemäß den Formen statt, welche Kreisbewegung die Engel und Geister nicht fühlen. Es verhält sich damit wie mit dem täglichen Lauf der Erde um ihre Achse und der jährlichen um die Sonne, welche die Bewohner auch nicht wahrnehmen.

Es wurde mir gezeigt, von welcher Art die himmlische Form in der untersten Sphäre ist; sie war gleich der Form der Windungen, die in den menschlichen Gehirnen sich zeigen. Jenen Lauf oder jene kreisförmigen Bewegungen durfte ich deutlich sehen; das währte einige Tage lang. Hieraus konnte mir klar werden, daß das Gehirn nach der Form des Himmelslaufs gebildet ist.

Was aber inwendiger dort ist, und was vor dem Auge nicht er scheint, ist den inwendigeren Formen des Himmels gemäß, die ganz unbegreiflich sind, und es wurde von den Engeln gesagt, man könne hier aus ersehen, daß der Mensch nach den Formen der drei Himmel geschaffen sei, und ihm so das Bild des Himmels aufgeprägt, so daß der Mensch in kleinster Gestalt ein ganz kleiner Himmel ist, und daher seine Entsprechung mit den Himmeln rühre.

*4042. Daher nun kommt es, daß ein Absteigen aus den Himmeln in die Welt, und ein Aufsteigen aus der Welt in die Himmel allein durch den Menschen möglich ist. Das Gehirn ist es, und dessen Inwendige res, durch welches das Ab- und Aufsteigen geschieht, denn dort sind die eigentlichen Anfänge oder die ersten und letzten Zwecke, von denen alles, was sich samt und sonders im Leibe befindet, ausfließt und abgeleitet wird. Dort ist auch der Ausgangspunkt der Gedanken, die dem Verstand angehören, und der Neigungen, die dem Willen an gehören.

*4043. Daß die noch inwendigeren Formen, die auch weit umfassender sind, nicht begriffen werden können, kommt daher, weil die Formen, wenn sie genannt werden, die Vorstellung des Raumes und auch der Zeit mit sich führen, während doch im Inwendigeren, wo der Himmel ist, nichts durch Räume und durch Zeiten begriffen wird, denn diese sind der Natur eigen, sondern durch Zustände und deren Wechsel und Veränderungen. Weil aber die Wechsel und Veränderungen vom Menschen gar nicht begriffen werden können ohne solches, was der Form angehört, d.h. ohne Räumliches und Zeitliches, während doch solches nicht in den Himmeln ist, so kann hieraus erhellen, wie unbegreiflich und auch wie unaussprechlich jene Dinge sind. Auch sind alle menschlichen Worte, womit jene ausgesprochen und begriffen werden sollen, weil sie Natürliches in sich schließen, nicht geeignet, jenes auszudrücken. In den Himmeln wird solches durch Wechsel des himmlischen Lichts und der himmlischen Flamme, die vom Herrn ausgeht, und zwar in solcher und so großer Fülle dargestellt, daß tausend und abertausend Wahrnehmungen kaum in etwas Wahrnehmbares beim Menschen fallen können; aber dennoch wird das, was in den Himmeln geschieht, in der Geisterwelt durch Formen vorgebildet, denen der Ähnlichkeit nach die Formen nahe kommen, die in der Welt erscheinen.

*4044. Vorbildungen sind nichts anderes als Bilder geistiger Dinge in natürlichen, und wenn jene in diesen richtig dargestellt werden, dann entsprechen sie.

Wer aber nicht weiß, was das Geistige ist, sondern bloß was das Natürliche, der kann meinen, daß es keine solche Vorbildungen und Entsprechungen daher geben könne; denn er möchte bei sich fragen: wie kann das Geistige wirken aufs Materielle? Wenn er sich aber besinnen wollte auf dasjenige, was bei ihm in jedem Augenblick geschieht, so könnte er sich eine Vorstellung davon verschaffen, nämlich wie der Wille auf die Muskeln des Körpers wirken, und tatsächliche Handlungen hervorbringen kann, ferner wie das Denken auf die Sprachorgane einwirken kann, indem es die Lungen, Luftröhre, Kehle, Zunge, Lippen bewegt, und die Rede hervorbringt. Dann wie die Neigungen aufs Angesicht wirken, und dort Bilder von sich darstellen können, so daß der andere oft schon daraus merkt, was einer denkt und will. Dieses kann eine Vorstellung von Vorbildungen und Entsprechungen geben.

Weil nun solches im Menschen sich darstellt und es nichts gibt, was bestehen kann von sich selber, sondern nur von einem anderen, und das wieder von einem anderen und endlich vom Ersten, und zwar durch einen Zusammenhang von Entsprechungen, daher können die, welche ein weitergehendes Urteilsvermögen besitzen, schließen, daß zwischen dem Menschen und dem Himmel eine Entsprechung besteht, und ferner zwischen dem Himmel und dem Herrn, welcher der Erste ist.

*4045. Weil es eine solche Entsprechung gibt und der Himmel unterschieden ist in mehrere kleinere Himmel, und diese in noch kleinere, und überall in Gesellschaften, so sind dort Himmel, die das große und das kleine Gehirn im allgemeinen darstellen, und in diesen Himmeln solche, welche die in den Gehirnen befindlichen Teile und Glieder darstellen, z.B. welche die harte Mutter (duram matrem), welche die zarte oder fromme Mutter (terinem seu piam matrem), welche die Einbiegungen (sinus), sodann solche, welche die Körper und Höhlungen daselbst, wie auch solche, die den dickhäutigen Körper, die gestreiften Körper (corpora strata), die kleineren Drüsen (glandulas minores), die Ventrikel (ventriculos), den Trichter (infundibulum) usf. darstellen; von welcher Art nun diejenigen sind, die das eine oder andere darstellen, wurde mir entdeckt, wie aus Folgendem erhellen kann.

*4046. Es erschienen mehrere Geister in mittlerer Entfernung über dem Haupt, die im allgemeinen nach Art des Herzschlags wirkten, aber es war gleichsam ein Hin- und Herwogen ab- und aufwärts, mit einem kalten Anhauch an meine Stirne. Hieraus konnte ich schließen, daß sie mittlerer Art waren, nämlich daß sie sowohl zum Gebiet des Herzens als der Lungen gehörten, wie auch daß sie keine inwendigeren Geister waren.

Nachher stellten ebendieselben ein flammiges Licht dar, grob, aber doch leuchtend. Dasselbe erschien zuerst unter dem linken Teil des Kinns, nachher unter dem linken Auge, darauf über dem Auge. Es war jedoch dunkel, aber dennoch flammig, nicht hell, woraus ich merken konnte, von welcher Art sie waren; denn die Lichter zeigen die Neigungen, dann auch die Grade der Einsicht an. Nachher, als ich die Hand an die linke Seite der Hirnschale oder des Hauptes hielt, spürte ich ein gleichfalls ab- und aufwogendes Klopfen, aus welchem Kennzeichen ich merkte, daß sie zum Gehirn gehörten.

Als ich fragte, wer sie seien, wollten sie nicht reden; es wurde von anderen gesagt, daß sie nicht gerne reden. Endlich wurden sie veranlaßt zum Reden. Sie sagten, daß sie so entdeckt würden, wie beschaffen sie seien. Ich wurde inne, daß sie zu denjenigen gehörten, die das Gebiet der Harten Mutter (Durae Matris) bilden, welche die allgemeine Decke des großen oder kleinen Gehirns ist. Es wurde darauf entdeckt, wie beschaffen sie waren, denn aus der Rede mit ihnen durfte ich das merken. Sie waren so, wie sie als Menschen gelebt hatten, die nicht über geistige und himmlische Dinge nachdachten, auch nicht davon redeten, weil sie von der Art waren, daß sie glaubten, es gebe nichts anderes als das Natürliche, und zwar deshalb, weil sie sich nicht über dasselbe erheben konnten; aber dennoch haben sie dieses nicht bekannt und gleichwohl wie andere das Göttliche verehrt, Gebete verrichtet, und sind gute Bürger gewesen.

Es waren nachher andere da, die ebenfalls in den Puls einflossen, aber nicht durch ein Wogen ab- und aufwärts, sondern schief. Andere wieder, die nicht hin und her, sondern mehr stetig sich bewegten; und auch andere, von denen der Puls getrieben von einem Ort auf den anderen übersprang. Sie sagten, daß sie das auswendigere Blättchen der Harten Mutter darstellten; und daß sie zu solchen gehörten, die über geistige und himmlische Dinge nur aus den Gegenständen der äußeren Sinne dachten, indem sie das Inwendigere nicht anders begriffen. Von mir wurden sie gehört als wie aus dem weiblichen Geschlecht; diese vernünfteln aus äußeren sinnlichen, mithin aus weltlichen und irdischen Dingen über das, was dem Himmel angehört oder über die geistigen Dinge des Glaubens und der Liebe, und je mehr sie solches zu eins machen und vermengen, desto mehr gehen sie ins Äußerliche (eo exterius vadunt), bis zur äußeren Kopfhaut die sie vorbilden. Aber dennoch sind sie im Bereich des Größten Menschen, wiewohl in seinen äußersten Teilen, wenn sie ein Leben des Guten geführt haben; denn ein jeder, der im Leben des Guten aus Neigung zur Liebtätigkeit ist, wird selig.

*4047. Es erschienen auch andere über dem Haupt, deren allgemein einfließende Tätigkeit über dem Haupt eine quer von vorne nach hinten wallende war; und es erschienen wieder andere, deren einfließende Tätigkeit von beiden Schläfen der Mitte des Gehirns zuging. Ich wurde inne, daß sie zum Gebiet der Frommen Mutter (Piae Matris) gehörten, welche die andere Decke ist und das große und kleine Gehirn näher umkleidet, und durch, ausgesandte Fäden mit ihnen in Verbindung steht.

Wie beschaffen sie waren, durfte ich aus ihrer Rede merken; denn sie haben mit mir geredet: sie waren wie in der Welt von der Art, daß sie sich nicht viel auf ihr Denken verließen, und so sich nicht bestimmten, etwas Gewisses über heilige Dinge zu denken, sondern daß sie vom Glauben anderer abhingen, nicht erwägend, ob es wahr sei. Daß sie solcher Art waren, wurde mir auch gezeigt durch den Einfluß ihres Innewerdens ins Gebet des Herrn, als ich dasselbe las; denn alle Geister und Engel, soviel ihrer sind, konnten aus dem Gebet des Herrn erkannt werden, von welcher Art sie waren, und zwar durch den Einfluß ihrer Denkvorstellungen und Neigungen in den Inhalt des Gebetes. Daher wurde auch wahrgenommen, daß sie solcher Art waren, und überdies, daß sie den Engeln als Mittel dienen konnten; denn es gibt Geister, die zwischen den Himmeln vermitteln, und durch welche Gemeinschaft besteht. Ihre Vorstellungen waren nämlich nicht verschlossen, sondern leicht zu öffnen, so daß sie sich gerne bewegen ließen und den Einfluß willig an- und aufnahmen. Außerdem waren sie bescheiden und friedfertig; und sie sagten auch, sie seien im Himmel.

*4048. Es war einer nahe an meinem Haupte, der mit mir redete; aus dem Ton vernahm ich, daß er im Stande der Ruhe wie eines friedlichen Schlafes war. Er fragte dieses und jenes, aber mit einer solchen Klugheit, daß ein Wachender nicht klüger hätte fragen können; ich wurde inne, daß inwendigere Engel durch ihn redeten, und er in einem Zustand war, daß er es vernahm und äußerte.

Ich erkundigte mich über jenen Zustand und sagte ihm, daß er in einem solchen Zustand sei. Er antwortete, daß er nichts anderes rede als das Gute und Wahre, und daß er wahrnehme, ob es etwas anderes sei, und daß er, wenn etwas anderes einfließen wollte, es nicht zulasse oder ausspreche. Von seinem Zustand sagte er, daß er ein friedvoller sei, und ich durfte ihn auch durch Gemeinschaft inne werden.

Es wurde gesagt, daß es solche seien, welche die Einbiegungen (sinus) oder größeren Blutgefäße im Gehirn darstellen; und daß sie den - diesem ähnlichen — in die Länge sich erstreckenden Busen (Sinum Longitudinalem) darstellen, der zwischen den zwei Halbkugeln des Gehirns ist, und daselbst in einem ruhigen Zustande bleibt, mag immerhin das Gehirn auf beiden Seiten toben.

*4049. Es waren einige über dem Haupt ein wenig vorne, die mit mir redeten. Sie sprachen lieblich, und flossen ziemlich sanft ein, sie unterschieden sich von anderen dadurch, daß sie immerfort eine Begierde und ein Verlangen hatten, in den Himmel zu kommen; es wurde gesagt, daß solche es sind, welche die Mägen (Ventriculos) oder größeren Höhlen des Gehirns darstellen und zu jenem Gebiet gehören. Die Ursache wurde auch beigefügt: daß nämlich die bessere Art der darin befindlichen Lymphe so beschaffen ist, daß sie in das Gehirn zurückgeht, daher sie auch einen solchen Trieb hat; das Gehirn ist der Himmel, und der Trieb ist Begierde und Verlangen — die Entsprechungen sind solche.

*4050. Ein Antlitz erschien mir zuerst über einem blauen Fenster, und dieses Antlitz zog sich bald nach einwärts, dann erschien mir ein Sternchen um die Gegend des linken Auges, hernach mehrere rötliche Sternchen, die weiß schimmerten. Nachher wurden mir Wände sichtbar, aber kein Dach, die Wände nur auf der linken Seite; zuletzt wie ein gestirnter Himmel. Und weil dieses erschien an einem Ort, wo Böse waren, so meinte ich, es sei etwas Schauerliches, was mir zu sehen vor gehalten werde, aber bald verschwanden Wand und Himmel, und es erschien ein Brunnen, aus dem wie ein weißer Nebel oder Dunst hervor ging, und es schien auch, als ob etwas aus dem Brunnen herausgeschöpft würde.

Ich fragte, was dieses bedeute und vorbilde. Es wurde gesagt, es sei eine Vorbildung des Trichters (Infundibuli) im Gehirn; über demselben sei das Gehirn, das durch den Himmel bezeichnet wird, und was nachher gesehen wurde, sei jenes Gefäß, das durch den Brunnen bezeichnet und Trichter genannt wird, und daß der daraus hervorgehende Nebel oder Dunst die Lymphe sei, die hindurchgeht und von da herausgeschafft wird; und daß jene Lymphe von zweierlei Art sei, nämlich eine, die mit Lebensgeistern vermischt ist und zu den nutzbaren Lymphen gehört, und eine, die mit Flüssigkeiten vermischt ist, und zu den auswurfartigen Lymphen gehört.

Es wurde mir hernach gezeigt, von welcher Art die seien, die zu diesem Gebiet gehören, aber nur die, die von einer schlechteren Art waren; auch wurden sie gesehen: sie laufen dahin und dorthin, sie machen sich an diejenigen heran, die sie sehen, geben auf alles Acht, und was sie hören, tragen sie anderen zu; sie sind argwöhnisch, ungeduldig, unruhig, ähnlich jener Lymphe, die dort innen auch hin- und herzieht. Ihre Vernunftschlüsse sind die dortigen Flüssigkeiten, die sie vorbilden; aber diese Geister sind von mittlerer Art. Diejenigen dagegen, welche die auswurfartigen Lymphen daselbst darstellen, sind solche, die geistige Wahrheiten herabziehen zu irdischen Dingen und sie dort besudeln, wie zum Beispiel, wenn sie etwas von der ehelichen Liebe hören, es auf Hurereien und Ehebrüche deuten und so, was der ehelichen Liebe angehört, zu diesen herabziehen; so auch im übrigen. Diese erschienen vorne in einiger Entfernung zur Rechten. Welche aber von guter Art sind, sind denen ähnlich, von denen Nr. 4049.

*4051. Es gibt Gesellschaften, die jene Gegend darstellen, die im Gehirn der Isthmus heißt, wie auch solche, welche die Knötchen der Fasern im Gehirn darstellen, die wie drüsenartig erscheinen, und aus denen Fasern in verschiedene Richtungen hervorgehen. Diese Fasern wirken gleichmäßig in jenen Anfängen oder Drüsen, aber verschiedenartig in den äußersten Teilen.

Eine Gesellschaft von Geistern, denen solches entspricht, wurde mir vorgestellt, über die ich folgendes sagen kann: es kamen Geister vorne, redeten mich an und sagten, daß sie Menschen seien, aber diesen durfte geantwortet werden, daß sie nicht Menschen seien mit einem Körper begabt, sondern Geister und insofern auch Menschen, weil das Ganze eines Geistes zu dem hinstrebt, was zu einem Menschen gehört, auch zu der Gestalt, die dem mit einem Körper ausgestatteten Menschen ähnlich ist, denn der Geist ist der inwendige Mensch; sodann weil sie Menschen seien vermöge der Einsicht und Weisheit, nicht vermöge der Gestalt, deshalb seien die guten Geister und mehr noch die Engel Menschen vor denen, die in einem Körper sind, weil sie mehr im Licht der Weisheit sind.

Nach dieser Antwort sagten sie, es seien mehrere in einer Gesellschaft, wobei aber der eine dem anderen nicht gleiche. Weil es mir aber unmöglich schien, daß es eine Gesellschaft von Ungleichen im anderen Leben geben könne, redete ich mit ihnen über diesen Gegenstand und wurde endlich belehrt, daß sie, obwohl ungleich, dennoch sich zusammengesellen in Ansehung des Zwecks, der für alle nur einer sei.

Weiter sagten sie, sie seien von der Art, daß ein jeder verschieden handle und auch verschieden rede von dem anderen, und doch wollten und dächten sie das gleiche. Dieses beleuchteten sie auch mit einem Beispiel: wenn einer in der Gesellschaft sagt von einem Engel, er sei der kleinste im Himmel, sagt der andere, er sei der größte, und der dritte, er sei weder der kleinste noch der größte, und so mit mehrfacher Verschiedenheit. Die Gedanken jedoch gehen auf eines hinaus, daß nämlich, wer der kleinste sein will, der größte sei, und daß er daher beziehungsweise der größte sei, und daß er weder der kleinste noch der größte, weil sie nicht an einen Vorrang denken; ebenso im übrigen.

So gesellen sie sich zusammen in den Anfängen (principiis), wirken aber verschiedenartig im Äußersten; sie machten sich an mein Ohr und sagten, sie seien gute Geister, und ihre Redeweise sei so beschaffen. Es wurde in Beziehung auf sie gesagt, daß man nicht wisse, woher sie kommen, und daß sie zu den umherschweifenden Gesellschaften gehören.

*4052. Außerdem ist eine solche Entsprechung des Gehirns mit dem Größten Menschen, daß die, welche in den Prinzipien des Guten (in principiis boni) sind, diejenigen Teile im Gehirn darstellen, die daselbst die Anfänge sind und Drüsen oder Rindensubstanzen genannt werden. Hingegen die, welche in den Grundsätzen des Wahren (in principiis veri) sind, diejenigen Teile in den Gehirnen darstellen, die von jenen Anfängen ausgehen und Fasern genannt werden; aber dennoch mit dem Unterschied, daß die, welche der rechten Seite des Gehirns entsprechen, solche sind, die im Willen des Guten, und von daher im Willen des Wahren sind; hingegen diejenigen, die der linken Seite des Gehirns entsprechen, solche, die im Verständnis des Guten und Wahren sind und von daher in der Neigung dazu.

Dies kommt daher, weil die, welche im Himmel zur Rechten des Herrn sind, im Guten aus dem Willen, hingegen die, welche zur Linken des Herrn, im Guten aus dem Verstand sind; jene sind es, die himmlisch genannt werden, diese aber, die geistig.

*4053. Daß solche Entsprechungen sind, hat bisher niemand gewußt, und ich weiß, daß man sich verwundern wird, wenn man es hört, und zwar aus dem Grund, weil man nicht weiß, was der inwendige und was der äußere Mensch ist, und daß der inwendige Mensch in der geistigen Welt ist und der äußere in der natürlichen, und daß es der inwendige Mensch ist, der im Äußeren lebt und in diesen einfließt und regiert.

Hieraus, sodann aus dem, was Nr. 4044 angeführt wurde, kann man gleichwohl wissen, daß ein Einfluß und eine Entsprechung stattfindet; daß es so ist, ist allbekannt im anderen Leben, sodann daß das Natürliche nichts anderes ist als eine Vorbildung der geistigen Dinge, von denen es sein Dasein und Bestehen hat; und daß das Natürliche in solcher Art vorbildet, in der es entspricht.

*4054. Das Gehirn ist wie der Himmel in der Sphäre der Zwecke, welche sind Nutzleistungen; denn alles, was einfließt vom Herrn, ist ein auf die Seligmachung des Menschengeschlechts abzielender Zweck. Dieser Zweck ist es, der im Himmel regiert, und der daher auch im Gehirn regiert; denn das Gehirn, in dem das Gemüt des Menschen, hat die Zwecke im Leib zum Ziel, daß nämlich der Leib der Seele diene, damit die Seele ewig selig sei. Es gibt aber Gesellschaften, die keinen Zweck des Nutzwirkens haben, außer dem, daß sie unter Freunden und Freundinnen seien und in Vergnügungen bei diesen, die somit bloß ihrem Ich frönen und bloß für ihre Haut sorgen, und wenn sie etwa häusliche oder öffentliche Geschäfte besorgen, dies nur für den gleichen Zweck tun. Solcher Geister-Gesellschaften gibt es heutzutage mehr als man je glauben kann; sobald jene sich einstellen, wirkt ihre Sphäre und löscht bei anderen die Neigungen zum Wahren und Guten aus, und wenn diese ausgelöscht sind, dann sind sie im Vergnügen ihrer Freundschaft.

Sie bewirken gleichsam Verstopfungen des Gehirns und verursachen Stumpfsinnigkeit (stupiditates). Mehrere aus solchen bestehenden Gesellschaften waren bei mir, und ich merkte an der Blödigkeit, Trägheit und Beraubung der Neigung, daß sie da waren; und einigemal habe ich auch mit ihnen geredet. Sie sind eine Pest und Verderben, wiewohl sie im bürgerlichen Leben, während sie in der Welt waren, als gut, angenehm, artig und auch witzig erschienen sind; denn sie wissen, was sich ziemt, und wie man sich dadurch einschmeicheln kann, hauptsächlich in Freundschaften.

Was Freund sein mit dem Guten oder die Freundschaft des Guten heißt, wissen sie nicht, und wollen es nicht wissen. Es wartet auf sie ein trauriges Los. Sie leben zuletzt im Schmutz und in einer solchen Stumpfheit, daß kaum etwas Menschliches in Beziehung auf die Fassungskraft ihnen übrig bleibt; denn der Zweck macht den Menschen, und wie der Zweck, so der Mensch, und ein solches Menschliches wird ihm deshalb nach dem Tode zuteil.

* * *

*4218. In den Teilen, die vorausgehen, wurde am Ende der Kapitel berichtet, was mir in der Welt der Geister und in den Himmeln der Engel zu sehen und zu vernehmen gestattet wurde, und zuletzt wurde gehandelt von dem Größten Menschen und von der Entsprechung. Damit man aber vollständig erkenne, wie es sich mit dem Menschen verhält, und daß er in Verbindung steht mit dem Himmel, nicht nur in Ansehung seiner Gedanken und Neigungen, sondern auch in Ansehung seiner organischen Gebilde, der inneren wie der äußeren, und daß er ohne diese Verbindung nicht einen Augenblick bestehen kann; so sei es mir erlaubt, in diesem Abschnitte das fortzusetzen, was über die Entsprechung mit dem Größten Menschen am Ende der vorangehenden Kapitel angefangen wurde.

*4219. Um im allgemeinen zu erkennen, wie es sich mit dem Größten Menschen verhalte, muß man sich wohl merken, daß der gesamte Himmel den Größten Menschen bildet, und daß der Himmel der Größte Mensch genannt wird, weil er dem Göttlich-Menschlichen des Herrn entspricht; denn der Herr allein ist der Mensch, und nur in dem Maße wie der Engel und der Geist, wie auch der Mensch auf Erden das menschliche Wesen von Ihm selbst hat, sind sie wahre Menschen. Niemand möge glauben, daß der Mensch aus sich Mensch sei, weil er ein menschliches Angesicht hat und einen menschlichen Körper, wie auch Gehirn, Eingeweide und Glieder. Dies alles hat er mit den unvernünftigen Tieren gemein, weshalb es auch dahinstirbt und zum Leichnam wird; sondern der Mensch ist Mensch, weil er denken und wollen kann wie ein Mensch und das Göttliche, d.h. das, was dem Herrn angehört, aufzunehmen vermag. Hierdurch nur unterscheidet sich der Mensch von dem Vieh und von den wilden Tieren; und der Mensch wird auch im anderen Leben so beschaffen, wie ihm jenes Göttliche durch die Aufnahme angeeignet wurde.

*4220. Die, welche im irdischen Leben das Göttliche, das dem Herrn angehört, aufgenommen haben, nämlich Seine Liebe gegen das ganze Menschengeschlecht, die Liebtätigkeit gegen den Nächsten und die Gegenliebe zum Herrn, werden im anderen Leben mit Einsicht und Weisheit und mit unaussprechlicher Seligkeit begabt, denn sie werden Engel, d.h. wahre Menschen.

Diejenigen dagegen, die im Leben des Körpers das Göttliche, das dem Herrn angehört, nicht angenommen haben, also keine Liebe zum menschlichen Geschlecht, noch weniger Liebe zum Herrn, sondern nur sich selbst geliebt, ja verehrt, und folglich zum alleinigen Zweck das gehabt haben, was ihnen selbst und der Welt angehörte, diese werden im anderen Leben, nach vollbrachtem kurzem Lebenslauf hienieden, aller Einsicht beraubt, sie werden ganz stumpfsinnig und befinden sich unter den Stumpfsinnigen in der Hölle.

*4221. Damit ich erkennen konnte, daß es sich so verhalte, wurde mir gestattet, mit solchen zu reden, die so gelebt hatten, und auch mit einem, den ich während seines irdischen Lebens kannte. Solange dieser lebte, tat er alles Gute, was er seinem Nächsten erwies, nur seinetwegen, nämlich seiner eigenen Ehre und seines Gewinnes wegen. Die anderen verachtete er und haßte sie auch. Gott bekannte er mit dem Munde, im Herzen jedoch erkannte er Ihn nicht an. Als mir mit ihm zu reden gestattet wurde, ging gleichsam ein körperlicher Dunstkreis (sphaera) aus ihm hervor. Seine Rede war nicht wie die der Geister, sondern wie die eines noch lebenden Menschen.

Die Rede der Geister unterscheidet sich nämlich von der menschlichen dadurch, daß sie reich ist an Vorstellungen oder dadurch, daß sie etwas Geistiges und somit etwas Lebendiges in sich hat, was man nicht beschreiben kann; eine solche Sphäre also ging von ihm aus und wurde in allem einzelnen wahrgenommen, was er redete. Er erschien daselbst unter den Geringen, und es wurde gesagt, daß die, welche so beschaffen sind, allmählich in Ansehung ihrer Gedanken und Neigung so plump und stumpfsinnig werden, daß niemand auf der Welt stumpfsinniger ist.

Ihre Stelle ist unter den Hinterbacken, wo auch ihre Hölle ist. Von daher erschien auch früher ein Gewisser, dem Ansehen nach nicht wie ein Geist, sondern wie ein grob körperlicher Mensch. Dieser hatte aber so wenig von menschlicher Einsicht aus seinem Leben her, daß man ihn ein Bild des Stumpfsinns nennen konnte.

Hieraus konnte ich deutlich erkennen, von welcher Art diejenigen werden, die ohne Liebe zum Nächsten, zum Staate und zum Reiche Gottes sind, sondern nur für sich selbst Liebe haben, bei allem sich allein im Auge haben, ja sich selbst anbeten wie Götter, und auch von anderen so angebetet sein wollen und bei allem, was sie tun, dies beabsichtigen.

*4222. Was die Entsprechung des Größten Menschen mit dem, was der Mensch hat, anbelangt, so besteht sie mit allem und jedem desselben, nämlich mit seinen Organen, Gliedern und Eingeweiden, und zwar in dem Grade, daß es kein Organ und kein Glied im Körper gibt, keinen Teil eines Organs und eines Gliedes, nicht einmal ein Teilchen von einem Teile, mit dem nicht eine Entsprechung besteht.

Bekanntlich besteht jedes Organ und jedes Glied des Körpers aus Teilen und aus Teilen von Teilen, z.B. das Gehirn besteht im allgemeinen aus dem eigentlich so genannten Hirn, aus dem kleinen Gehirn und dem verlängerten Mark (medulla oblongata), aus dem Mark des Rückgrats (medulla spinalis), denn dies ist die Fortsetzung und gleichsam der Anhang desselben. Das eigentliche Hirn aber besteht wieder aus mehreren Gliedern, die seine Teile bilden, nämlich aus den Membranen, die man die dicke und die dünne Hirnhaut nennt (dura mater et pia mater), aus dem schwieligen Körper, aus den gestreiften Körperchen, aus den Kammern (ventriculis) und Höhlungen, aus den kleinen Drüsen, aus den Zwischenwänden (septis), im allgemeinen aus der grauen und aus der markigen Substanz und überdies aus den Einbiegungen, Blutgefäßen und Geweben. Ebenso verhält es sich mit den Empfindungs- und Bewegungsorganen des Körpers und mit den Eingeweiden, wie aus der Anatomie hinreichend bekannt ist.

Alle diese Bestandteile entsprechen im allgemeinen und im besonderen aufs genaueste dem Größten Menschen, und hier wieder gleicherweise eingeteilt in kleine und diese wieder in kleinere und kleinste Himmel, und endlich in Engel, von denen ein jeder ein kleiner Himmel ist, der dem Größten entspricht. Diese Himmel sind untereinander ganz verschieden, indem sich jeder auf seinen gemeinsamen, und die gemeinsamen wieder auf den allgemeinen oder ganzen Himmel beziehen, welches der Größte Mensch ist.

*4223. Mit der Entsprechung verhält es sich jedoch so, daß die oben erwähnten Himmel zwar den organischen Formen des menschlichen Körpers selbst entsprechen, weshalb man auch sagt, diese Gesellschaften oder diese Vereine gehören zum Gebiet (provincia) des Hirns oder zum Gebiet des Herzens oder zu dem der Lungen, oder zu dem des Auges usw., gleichwohl aber entsprechen sie hauptsächlich den Funktionen jener Eingeweide und Organe. Es verhält sich dies wie die Organe und Eingeweide selbst, daß nämlich die Funktionen mit den organischen Formen eins ausmachen einheitlich wirken; denn keine Funktion kann stattfinden, außer durch Formen, d.h. durch Substanzen, denn diese sind die Subjekte, von denen die Tätigkeit ausgeht.

So z.B. kann das Sehen nicht stattfinden ohne das Auge, das Atmen nicht ohne die Lunge. Das Auge ist die organische Form, aus der und durch die das Sehen kommt, und die Lunge ist die organische Form, aus der und durch die das Atmen kommt, und so auch bei den übrigen. Es sind daher die Funktionen, denen die himmlischen Vereine hauptsächlich entsprechen, und weil die Funktionen, so sind es auch die organischen Formen, denen sie entsprechen, denn beide sind ungeteilt und untrennbar, und zwar so sehr, daß es einerlei ist, ob man die Funktion oder die organische Form nennt, von der und durch welche die Funktion stattfindet.

Daher kommt es, daß Entsprechung besteht mit den Organen, Gliedern und Eingeweiden, weil mit den Funktionen derselben, und des halb wird, wenn die Funktion hervorgerufen wird, auch das Organ der selben erregt. So verhält es sich auch bei allem und jedem was der Mensch tut, wenn er dies oder jenes so oder anders tun will, so bewegen sich die Organe in entsprechender Weise, somit gemäß der Absicht der Funktion oder der Nutzwirkung (usus). Die Nutzwirkung ist es nämlich, die den Formen gebietet.

Hieraus erhellt auch, daß die Nutzwirkung vorhanden war, ehe noch die organischen Formen des Körpers existierten, und daß die Nutzwirkung letztere für sich hervorbrachte und sich anpaßte, nicht umgekehrt. Wenn aber die Formen hervorgebracht oder die Organe passend eingerichtet sind, dann geht die Nutzwirkung daraus hervor, und dann hat es den Anschein, als ob die Formen oder Organe früher vorhanden wären, als ihre Nutzwirkungen, während dies doch nicht der Fall ist, denn die Nutzwirkung fließt vom Herrn ein, und zwar durch den Himmel, gemäß der Ordnung und der Form, nach der der Himmel vom Herrn geordnet ist, somit gemäß den Entsprechungen. In solcher Weise entsteht der Mensch und so besteht er auch. Hieraus erhellt aber wiederum, woher es kommt, daß der Mensch im Ganzen und im Einzelnen den Himmeln entspricht.

*4224. Organische Formen sind nicht nur die, die dem Auge sicht bar sind oder durch Mikroskope entdeckt werden können, sondern es gibt auch noch reinere organische Gebilde, die man weder mit bloßem, noch mit bewaffneten Augen entdecken kann; es sind dies die inwendigeren Formen.

Zum Beispiel gibt es Formen, die dem inneren Gesichtssinn an gehören und zuletzt mit dem Verstande in Verbindung stehen; diese sind nicht aufspürbar, aber es sind doch Formen, d.h. Substanzen; denn keine Sehkraft, nicht einmal die des Verstandes, kann existieren, ohne durch etwas anderes gewirkt zu sein. Es ist dies auch bekannt in der gelehrten Welt, daß nämlich ohne Substanz als ihren Träger (subjectum), keine Existenzweise und keine Modifikation derselben oder irgendeine Beschaffenheit, die sich tätig manifestiert, bestehen kann. Diese reineren und unerforschbaren Formen sind es auch, welche die inneren Sinne bilden und auch die inneren Gefühle hervorbringen. Mit diesen Formen, weil mit ihren Sinnen und mit den Empfindungen derselben, stehen die inneren Himmel in Entsprechung.

Weil mir aber von diesen inneren Formen und ihrer Entsprechung vieles entdeckt wurde und dies nicht deutlich erörtert werden kann, ohne in das Einzelne einzugehen, so darf ich im folgenden, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, das fortsetzen, was über die Entsprechung des Menschen mit dem Größten Menschen (d.h. dem Himmel), im vorigen Abschnitt zu sagen begonnen wurde, damit endlich der Mensch nicht aus irgendeiner Spekulation der Vernunft oder aus einer Hypothese (Vermutung), sondern aus der Erfahrung selbst erkennen möge, wie es sich mit ihm verhalte und mit seinem inneren Menschen, den man seine Seele nennt, und schließlich mit seiner Verbindung mit dem Himmel und durch den Himmel mit dem Herrn, folglich, wodurch der Mensch wahrhaft Mensch ist und sich von den Tieren unterscheidet, dann aber auch, auf welche Weise der Mensch sich aus jener Verbindung losreißt und sich mit der Hölle verbindet.

*4225. Es muß im voraus gesagt werden, wer innerhalb des Größten Menschen und wer außerhalb desselben ist:

Alle die, welche in der Liebe zum Herrn stehen und in der Liebtätigkeit (charitas) gegen den Nächsten und ihm von Herzen Gutes erzeigen gemäß dem Guten in ihm und die ein Gewissen für Recht und Billigkeit haben, befinden sich innerhalb des Größten Menschen, denn sie sind in dem Herrn und deshalb auch im Himmel.

Alle dagegen, die in der Selbstliebe und Weltliebe befangen sind, und hierdurch in bösen Begierden und das Gute nur tun wegen der Gesetze, wegen ihrer eigenen Ehre und wegen der Güter der Welt und des eigenen Ruhmes, die somit in ihrem Inneren unbarmherzig sind, Haß und Rachsucht hegen gegen ihren Nächsten um ihrer selbst und um der Welt willen und sich über den Schaden ihres Nebenmenschen freuen, wenn er ihnen nicht günstig ist, - diese sind außerhalb des Größten Menschen, denn sie sind in der Hölle.

Diese stehen auch nicht in Entsprechung mit irgendwelchen Organen und Gliedern des Körpers, sondern nur mit den verschiedenen Fehlern und Krankheiten, die er an sich hat, worüber auch, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden die Rede sein wird. Die, welche außerhalb des Größten Menschen, d.h. außerhalb des Himmels sich befinden, können nicht in diesen eingehen, denn ihr Leben ist von entgegengesetzter Art. Vielmehr, wenn sie auf irgendeine Weise hineindringen, was bisweilen von solchen geschieht, die während ihres Lebens auf Erden gelernt haben, sich in Engel des Lichts zu verstellen — und wenn sie dorthin gelangen, was ihnen bisweilen erlaubt wird, damit sie erkennen, wie sie beschaffen sind (sie werden aber nur bis zu den Vorhallen zugelassen, d.h. bis zu denen, die noch einfältigen Sinnes und nicht vollständig unterrichtet sind), dann können diese, die wie Engel des Lichtes hineingehen, kaum einige Augenblicke daselbst verweilen, weil hier das Leben der Liebe zu dem Herrn und der Liebe gegen den Nächsten waltet, und weil hier gar nichts mit ihrem Leben in Entsprechung steht, so können sie kaum atmen (daß die Geister und Engel auch atmen, sehe man Nr. 3884-3893). Daher fangen sie an, beängstigt zu werden, denn das Atmen verhält sich gemäß der Freiheit des Lebens und, was wunderbar ist, zuletzt können sie sich kaum mehr bewegen, sondern sie werden wie die, welche von einer Betäubung des Kopfes befallen sind, während Angst und Qual ihr Inneres erfüllt. Des halb eilen sie über Hals und Kopf hinweg, und zwar bis zur Hölle fort, wo sie wieder Atem und Beweglichkeit bekommen. Daher wird auch im Wort das Leben durch Bewegung Wandeln vorgebildet.

Diejenigen aber, die sich im Größten Menschen befinden, stehen in voller Freiheit des Atmens, weil im Guten der Liebe. Gleichwohl aber sind sie unterschieden nach der Qualität und Quantität ihres Guten (d.h. ihrer Kraft zum Guten); daher gibt es auch so viele Himmel, die im Worte „Wohnungen“ genannt werden: Joh. 14/2; und in seinem Himmel befindet sich ein jeder in seinem Leben, und empfängt das Einfließen vom gesamten Himmel. Ein jeder ist daselbst ein Mittelpunkt (centrum) für alle Einflüsse und dadurch im vollkommensten Gleichgewicht und zwar gemäß der staunenswerten Form des Himmels, die vom Herrn ist und daher in aller Mannigfaltigkeit erscheint.

*4226. Neu angekommene Geister, die, als sie in der Welt lebten, innerlich böse waren, aber äußerlich nach dem Schein des Guten strebten durch Werke, die sie für andere taten um ihrer selbst und um der Welt willen, beklagten sich zuweilen, daß sie nicht in den Himmel eingelassen würden: sie hatten nämlich vom Himmel keine andere Meinung, als daß man aus Gnade eingelassen würde. Es wurde ihnen aber geantwortet, der Himmel werde keinem verweigert, und wenn sie es wünschten, so sollten sie eingelassen werden.

Es wurden auch einige zugelassen zu den nächsten himmlischen Vereinen, die in der Nähe des Eingangs sind; sobald sie aber dahin kamen, fühlten sie aufgrund der entgegengesetzten Beschaffenheit ihres Lebens, ein Stocken des Atmens, Angst und gleichsam höllische Pein und stürzten davon. Dann sagten sie, der Himmel sei für sie eine Hölle, und sie hätten niemals geglaubt, daß der Himmel so beschaffen sei.

*4227. Es gibt viele von beiden Geschlechtern, die bei Leibesleben so beschaffen waren, daß sie, wo es nur möglich war, durch Kunstgriffe und Betrug über die Gemüter anderer zu herrschen suchten, namentlich bei Mächtigen und Reichen, damit sie in ihrem Namen allein regieren konnten. Sie wirkten heimlich gegen andere und suchten sie zu entfernen, besonders die Redlichen, und zwar auf verschiedene Weise; nicht gerade durch offenen Tadel (denn die Redlichkeit verteidigt sich selbst), sondern indem sie auf mannigfache Weise ihre Absichten verdrehten, sie als einfältig und schlimm bezeichneten, ihnen die Unglücksfälle zuschrieben, die etwa vorkamen, und dergleichen mehr. Die, welche während ihres Lebens auf Erden so beschaffen waren, sind auch im an deren Leben so geartet, denn einem jeden folgt sein Leben nach. Dies wurde mir durch lebendige Erfahrung kund durch solche Geister, während sie bei mir waren, denn diese wirkten damals auf die gleiche Weise ein, aber noch geschickter und schlauer. Die Geister wirken nämlich auf feinere Weise als die Menschen, weil sie von den Banden und Fesseln des Körpers und von den Empfindungen grober Art frei sind. Jene nun wirkten auf so feine Weise ein, daß ich einige Male nicht bemerkte, daß sie die Absicht und den Zweck hatten, über mich zu herrschen; wenn sie sich aber miteinander besprachen, so sorgten sie dafür, daß ich es nicht hörte oder inne wurde. Von anderen aber, die es hörten, wurde mir gesagt, daß sie abscheuliche Pläne machten und durch magische Künste, somit durch Beihilfe der teuflischen Rotte zu ihrem Zweck zu gelangen suchten.

Die Ermordung der Redlichen achten sie für nichts; den Herrn, unter dessen Namen sie, wie sie sagten, herrschen wollten, schätzten sie gering, indem sie Ihn als einen gewöhnlichen Menschen betrachteten, dem Verehrung zuteil geworden sei, wie bei anderen Völkern, die Menschen zu Göttern machten und sie verehrten. Dieser Kultus stamme von alten Zeiten her, und sie hätten es nicht gewagt, ihm zu widersprechen, weil sie in demselben geboren seien und sonst ihrem guten Rufe geschadet hätten.

Von diesen kann ich sagen, daß sie die Gedanken und den Willen der Menschen, die ihnen ähnlich sind, in Besitz nehmen, und sich bei ihnen in ihre Neigungen und Absichten eindrängen, so daß jene ohne die Barmherzigkeit des Herrn es gar nicht zu erkennen vermögen, daß solche Geister gegenwärtig sind und sie selbst sich in ihrer Gesellschaft befinden. Diese Geister entsprechen den Krankheitsstoffen in den feineren Teilen des Blutes, die man den Lebensgeist (spiritus animalis) nennt. In diese dringen die Krankheitsstoffe gegen die Ordnung ein, und verbreiten sich überall hin. Sie sind wie ein Gift, das Kälte und Erstarrung in den Nerven und Muskelfasern bewirkt, wodurch sehr schwere und tödliche Krankheiten ausbrechen. Wenn solche in Gemeinschaft wirken, werden sie daran erkannt, daß sie, sozusagen in vierfachen Absätzen einwirken und sich am Hinterkopf links unter dem kleinen Gehirn fest setzen; diejenigen nämlich, die unter dem Hinterhaupte wirken, gehen heimlicher zu Werk als andere, und die, die an der Rückseite einwirken, begehren zu herrschen.

Sie ließen sich mit mir in Erörterungen ein über den Herrn und sagten, es sei sonderbar, daß Er ihre Bitten nicht erhöre, wenn sie beteten, und daß Er also den Hilfesuchenden nicht beistehe. Ich durfte ihnen aber antworten, daß sie nicht erhört werden könnten, weil sie solche Dinge beabsichtigten, die dem Wohl des menschlichen Geschlechts entgegenständen, und weil sie für sich gegen andere beteten. Durch ein solches Gebet aber werde der Himmel verschlossen, denn die Bewohner des Himmels achten nur auf die Absichten der Betenden. Dies wollten sie zwar nicht anerkennen, gleichwohl aber konnten sie nichts dagegen antworten.

Es waren Männer dieser Gattung zugegen, und zwar in Gemeinschaft mit Frauen; sie erklärten, daß sie durch die Frauen viele Pläne machen könnten, denn diese seien schneller und geschickter, solche Dinge zu durchschauen. Besondere Freude haben sie am Umgang mit solchen, die Buhldirnen gewesen waren. Diese widmen sich meistens im anderen Leben geheimen und magischen Künsten; denn im anderen Leben gibt es sehr viele magische Künste, die in der Welt ganz unbekannt sind. Solchen Künsten wenden sie sich zu, sobald sie in das andere Leben kommen, und lernen diejenigen bezaubern, bei denen sie sind, und besonders die, über die sie zu herrschen wünschen; vor Freveltaten scheuen sie nicht zurück.

Über die Hölle und wie sie beschaffen ist, ferner, wo sie sich befinden, wenn sie nicht in der Geisterwelt sind, davon wird an einer an deren Stelle gesprochen werden.

Hieraus nun kann man deutlich erkennen, daß einen jeden nach dem Tode sein eigenes Leben erwartet.


*4318. Von der Entsprechung mit den Sinnen im allgemeinen.

Der Vorzug der Einsicht, den die Engel haben, besteht darin, daß sie wissen und innewerden, daß alles Leben vom Herrn ist, ferner, daß der ganze Himmel Seinem Göttlich-Menschlichen entspricht, und daß folglich alle Engel, Geister und Menschen dem Himmel entsprechen. Dann auch, daß sie wissen und inne werden, auf welche Weise sie entsprechen.

Dies sind die Grundlagen (oder Prinzipien) der Einsicht, in denen die Engel vor den Menschen sind. Hierdurch wissen und vernehmen sie Unzähliges, was in den Himmeln ist, und daher auch die Dinge, die in der Welt sind; denn was in der Welt und ihrer Natur besteht, hat seine Ursachen und Wirkungen von jenem, als von seinem Urgrund; denn die ganze Natur ist ein Schauplatz, der das Reich des Herrn vorbildet.

*4319. Durch vielfache Erfahrung wurde mir gezeigt, daß sowohl der Mensch als der Geist, wie auch der Engel, nichts aus sich denkt, redet und handelt, sondern von anderen, und auch diese nicht von sich, sondern wieder von anderen und so fort; und daß also alle und jeder einzelne es tut aus dem ersten Urgrund des Lebens, d.h. aus dem Herrn, wie sehr es auch immer den Anschein hat, als ob sie es aus sich vermöchten.

Dies wurde den Geistern oftmals gezeigt, die im Leben des Körpers glaubten und sich darin bestärkten, daß alles in ihnen liege, oder daß sie aus sich und ihrer Seele, der das Leben eingepflanzt scheint, denken, reden und handeln. Es wurde auch durch lebendige Erfahrungen gezeigt (wie sie nur im anderen Leben, aber nicht in der Welt möglich sind), daß die Bösen aus der Hölle denken, wollen und handeln und die Guten aus dem Himmel, d.h. durch den Himmel vom Herrn, und daß gleichwohl das Böse und auch das Gute wie von ihnen selbst zu kommen scheint.

Das wissen zwar die Christen aus der Lehre, die aus dem Worte stammt, aber wenige sind es, die das glauben. Und weil sie es nicht glauben, eignen sie sich das Böse an, das sie denken, wollen und tun. Das Gute aber wird ihnen nicht angeeignet, denn die, welche glauben, das Gute sei von ihnen, nehmen dasselbe für sich in Anspruch und schreiben es sich zu, und setzen somit ein Verdienst darein. Sie wissen auch aus der Kirchenlehre, daß niemand etwas Gutes aus sich tun könne, und zwar so, daß alles, was man aus sich und dem Eigenen tut, böse ist, wie sehr es auch als Gutes erscheint. Aber auch das glauben wenige, obwohl es wahr ist.

Die Bösen, die sich in der Meinung bestärken, daß sie aus sich leben, und daß somit alles, was sie denken, wollen und tun, aus ihnen sei, sagten, als ihnen gezeigt wurde, daß die Sache sich völlig gemäß der Lehre verhalte, sie glaubten es jetzt. Aber es wurde ihnen gesagt, wissen sei nicht glauben, und das Glauben sei innerlich und sei nur möglich bei der Neigung zum Guten und Wahren, daher nur bei denen, die im Guten der Liebtätigkeit gegen den Nächsten sind. Dieselben Geister, weil sie böse waren, bestanden darauf, daß sie nun glaubten, weil sie es sehen; aber es wurde untersucht durch eine Erfahrung, die im anderen Leben gewöhnlich ist, insofern man nämlich von den Engeln untersucht wird. Als sie nun untersucht wurden, da erschien der obere Teil ihres Hauptes wie weggenommen, und das Gehirn struppig, mit Haaren bewachsen und finster. Hieraus erkannte man, wie beschaffen diejenigen inwendig sind, die nur den wißtümlichen Glauben haben, nicht aber den wahren, und daß wissen nicht glauben ist, denn bei denen, die wissen und glauben, erscheint das Haupt wie ein menschliches, und das Gehirn ordentlich, schneeweiß und leuchtend; denn das himmlische Licht wird von ihnen aufgenommen. Bei denen aber, die nur wissen und meinen, daß sie dadurch glaubten, aber doch nicht glauben, weil sie im Bösen leben, wird das himmlische Licht nicht aufgenommen, somit auch nicht die Einsicht und Weisheit, die jenem Lichte innewohnt. Deshalb verwandelt sich dieses, wenn sie sich den Gesellschaften der Engel, d.h. dem himmlischen Lichte nähern, bei ihnen in Finsternis. Daher kommt es auch, daß ihr Gehirn ganz finster erscheint.

*4320. Daß das Leben, das vom Herrn allein ausgeht, bei einem jeden so erscheint, als ob es in ihm selbst wäre, hat seinen Grund in der Liebe oder Barmherzigkeit des Herrn gegen das ganze menschliche Geschlecht, weil Er nämlich einem jeden das, was Sein ist, aneignen und jedem ewige Seligkeit geben möchte. Daß die Liebe dem anderen zu eigen gibt, was ihr angehört, ist bekannt; denn sie stellt sich in dem anderen dar und macht sich ihm gegenwärtig. Was wird nicht erst die göttliche Liebe tun?

Daß auch die Bösen das Leben, das vom Herrn ist, aufnehmen, damit verhält es sich ebenso wie mit den Gegenständen in der Welt, die alle von der Sonne ihr Licht und daher ihre Farben erhalten, aber gemäß ihren Formen. Die Gegenstände, die das Licht ersticken oder verkehren, erscheinen in schwarzer oder häßlicher Farbe, gleichwohl aber haben sie ihre Schwärze und Häßlichkeit vom Sonnenlicht, so auch ist das Licht oder das Leben vom Herrn bei den Bösen. Aber dieses Leben ist kein Leben, sondern es ist, wie es auch genannt wird, der geistige Tod.

*4321. Obwohl dies dem Menschen wunderlich und unglaublich er scheint, so kann es doch nicht geleugnet werden, weil die Erfahrung selbst es lehrt. Wollte man alles leugnen, wovon man die Ursachen nicht kennt, so müßte man Unzähliges leugnen, was in der Natur besteht und wovon man die Ursachen kaum bis zu einem Myriadenteile kennt, denn es walten so viele und so große Geheimnisse dabei oh, daß das, was der Mensch kennt, kaum etwas ist im Verhältnis zu dem, was er nicht kennt. Welche Geheimnisse werden nicht erst in der Sphäre vorhanden sein, die über der Natur ist, d.h. in der geistigen Welt!

So z.B. folgende Wahrheiten: daß ein einziges Leben ist und aus diesem alle leben, und ein jeder auf andere Weise als der andere; daß auch die Bösen aus demselben Leben ihr Leben haben, wie auch die Höllen, und daß das einfließende Leben gemäß der Aufnahme wirkt; daß der Himmel vom Herrn so geordnet ist, daß er einen Menschen dar stellt, weshalb er der Größte Mensch genannt wird, und daß ihm daher das Einzelne bei dem Menschen entspricht, daß der Mensch ohne das Einfließen von daher in das Einzelne bei ihm nicht einmal einen Augenblick bestehen könnte; daß alle im Größten Menschen ihre beständige Lage haben gemäß der Beschaffenheit und dem Stand des Guten und Wahren, in dem sie sind, daß die Lage dort nicht eine Lage des Ortes, sondern ein Zustand ist und daher beständig zur Linken erscheinen, die zur Linken sind, und zur Rechten, die zur Rechten, vorne, die vorne sind, im Rücken, die im Rücken sind, an der Fläche des Hauptes, des Rückens, der Lungen, der Füße, über dem Haupt und unter den Fußsohlen, gerade und schräg, in geringerer oder größerer Entfernung, die dort sind, wie auch immer und nach welcher Richtung auch immer der Geist sich wendet. Ferner, daß der Herr als Sonne beständig zur Rechten erscheint, in halber Höhe daselbst, ein wenig über der Fläche des rechten Auges, und daß sich dort alles auf den Herrn als Sonne und Mittelpunkt bezieht, somit auf das eine, wodurch sie sind und bestehen; und weil alle beständig vor dem Herrn an ihrem Orte, gemäß ihrem Zustande des Guten und Wahren erscheinen, deshalb erscheinen sie auch den Einzelnen auf gleiche Weise, weil das Leben des Herrn, somit der Herr in allen ist, die im Himmel sind; und so noch unzählig vieles.

*4322. Wer glaubt nicht heutzutage, daß der Mensch aus Samen und Ei auf natürliche Weise entstehe, und daß von der ersten Schöpfung her dem Samen die Kraft innewohne, sich in solche Formen zu bringen, zuerst innerhalb des Eies, danach im Uterus, und nachher aus sich, und daß es nicht das Göttliche sei, das weiter hervorbringe. Die Ursache, warum so geglaubt wird ist, weil niemand weiß, daß irgendein Einfließen stattfindet vom Himmel, d.h. durch den Himmel vom Herrn, und zwar, weil sie nicht wissen wollen, daß irgendein Himmel ist, denn die Stubengelehrten werfen ganz offen unter sich die Frage auf, ob es eine Hölle, somit auch, ob es einen Himmel gebe; und weil sie am Himmel zweifeln, können sie auch nicht als Grundprinzip annehmen, daß das Einfließen durch den Himmel vom Herrn stattfinde, während doch dieses Einfließen alles, was in den drei Naturreichen, vornehmlich im Tierreich, und ganz besonders im Menschen besteht, hervorbringt, und in der dem Nutzzweck entsprechenden Form erhält. Daher können sie auch nicht erkennen, daß eine Entsprechung besteht zwischen dem Himmel und dem Menschen, weniger noch, daß sie von der Art ist, daß die einzelnen Dinge, ja die allereinzelnsten, bei ihm dadurch entstehen, und auch bestehen; denn das Bestehen ist ein fortwährendes Entstehen, und daher ist auch die Erhaltung in Verbindung und Form eine beständige Schöpfung.

*4323. Daß eine Entsprechung der einzelnen Dinge beim Menschen mit dem Himmel stattfindet, habe ich am Ende der vorigen Kapitel zu zeigen angefangen, und zwar infolge lebendiger Erfahrung aus der Geisterwelt und dem Himmel, zu dem Zweck, damit der Mensch wisse, woher er sein Dasein und sein Bestehen habe, und daß deshalb ein beständiges Einfließen in ihn stattfinde.

Später soll gleichfalls aus Erfahrung gezeigt werden, daß der Mensch den Einfluß aus dem Himmel, d.h. durch den Himmel vom Herrn zurückweisen und den Einfluß von der Hölle aufnehmen kann; daß er aber dennoch fortwährend in Entsprechung mit dem Himmel vom Herrn gehalten werde, damit er, wenn er es will, von der Hölle zum Himmel und durch den Himmel zum Herrn geführt werden kann.

*4324. Von der Entsprechung des Herzens und der Lungen, ferner des Gehirns mit dem Größten Menschen, ist früher am Ende der vorigen Kapitel gehandelt worden, hier soll dem Plan gemäß von der Entsprechung mit den äußeren Sinnesorganen desselben gehandelt werden, nämlich mit dem Organ des Gesichts oder dem Auge, mit dem Organ des Gehörs oder dem Ohre, mit den Organen des Geruchs, des Geschmacks und des Gefühls. Nun aber zuerst mit dem Sinne im allgemeinen.

*4325. Der Sinn im allgemeinen oder der Gemeinsinn wird unter schieden in den willkürlichen und den unwillkürlichen. Der willkürliche Sinn steht dem großen Gehirn näher, der unwillkürliche dem kleinen Gehirn. Diese beiden allgemeinen Sinne sind beim Menschen verbunden, aber dennoch unterschieden.

Die Fasern, die vom großen Gehirn ausgehen, bilden im allgemeinen den willkürlichen Sinn, und die Fasern aus dem kleinen Gehirn bilden im allgemeinen den unwillkürlichen Sinn. Die Fasern aus diesem doppelten Ursprung verbinden sich in zwei Fortsetzungen, die das verlängerte Mark und das Rückenmark genannt werden, und durch diese gehen sie in den Körper über und bilden dessen Glieder; Eingeweide und Organe.

Die Teile, die den Körper umgeben, wie die Muskeln und die Haut, dann auch die Sinnesorgane, nehmen größtenteils die Fasern vom großen Gehirn auf. Daher hat der Mensch die Sinne und daher auch die willkürlichen Bewegungen. Die Teile dagegen, die innerhalb jener Umgebung oder Umschließung sind und Eingeweide des Körpers genannt werden, nehmen ihre Fasern vom kleinen Gehirn auf. Daher hat der Mensch von diesem keine Empfindung, und stehen sie auch nicht unter der Herrschaft seines Willens.

Hieraus kann man einigermaßen erkennen, was die Sinne im allgemeinen oder der allgemeine willkürliche Sinn und der allgemeine unwillkürliche Sinn sei. Dabei muß man wissen, daß das Allgemeine sein muß, damit ein Besonderes entstehe, und daß das Besondere niemals entstehen oder bestehen kann ohne das Allgemeine, und zwar, daß es im Allgemeinen besteht, ferner daß alles Besondere sich verhalte gemäß der Beschaffenheit und dem Zustande des Allgemeinen, somit auch die Sinne beim Menschen und die Bewegungen.

*4326. Es wurde einst ein helltönendes Säuseln von mir gehört, das aus den höheren Teilen oberhalb des Hinterhauptes herabkam, und um diese ganze Gegend herum fortdauerte. Ich konnte mir nicht denken, wer diese sein sollten; es wurde mir gesagt, es seien die, welche den allgemeinen unwillkürlichen Sinn darstellen. Ferner wurde mir gesagt, daß diese die Gedanken der Menschen wohl wahrnehmen könnten, aber sie nicht auseinandersetzen und kundtun wollen, wie auch das kleine Gehirn alles wahrnimmt, was das große, aber es nicht kund gibt.

Als die deutliche Einwirkung derselben auf die ganze Gegend des Hinterhauptes aufhörte, wurde mir gezeigt, wie weit ihre Einwirkung sich erstrecke: sie richtete sich zuerst auf das ganze Angesicht, hierauf zog sie sich gegen die linke Seite des Gesichtes, und zuletzt gegen das Ohr daselbst. Hierdurch wurde bezeichnet, wie die Einwirkung des allgemeinen unwillkürlichen Sinnes von den ersten Zeiten an bei den Menschen dieser Erde gewesen sei, und welchen Fortschritt sie gemacht habe.

Der Einfluß aus dem kleinen Gehirn erstreckt sich besonders in das Angesicht, was man daraus ersieht, daß auf dem Gesichte die Seele sich abzeichnet, und daß im Gesichte die Neigungen sichtbar werden, und zwar meistenteils ohne den Willen des Menschen, z.B. Furcht, Ehrfurcht, Scham, verschiedene Arten der Freude und der Traurigkeit usw., was dem anderen dadurch kund wird, so daß er aus dem Gesicht erkennt, welche Neigungen und welche Veränderungen der Seele und des Gemütes vorhanden sind. Dies geschieht vom kleinen Gehirn durch seine Fasern, sofern ihm keine Verstellung innewohnt. Auf diese Weise wurde gezeigt, daß der allgemeine Sinn in den ersten Zeiten oder bei den Uralten das ganze Angesicht einnahm, aber nach dieser Zeit allmählich nur die linke Seite desselben und endlich in einer noch späteren Zeit sich außerhalb des Gesichtes verbreite, und zwar so sehr, daß heutzutage kaum noch irgendein allgemeiner unwillkürlicher Sinn im Gesichte übriggeblieben ist.

Die rechte Seite des Gesichtes mit dem rechten Auge entspricht der Neigung zum Guten, die linke aber der Neigung zum Wahren. Die Gegend, wo das Ohr ist, dem bloßen Gehorsam ohne Neigung; denn bei den Uralten, deren Zeitalter das goldene genannt wurde, weil sie in einem gewissen Zustand der Vollkommenheit und in der Liebe zum Herrn, wie auch in gegenseitiger Liebe wie die Engel lebten, zeigte sich alles Unwillkürliche des kleinen Gehirns im Gesicht, und damals verstanden sie gar nicht, etwas anderes in der Miene darzustellen, als so, wie der Himmel einfloß in ihre unwillkürlichen Triebe und von da in den Willen. Bei den Alten aber, deren Zeitalter das silberne genannt wurde, weil sie in dem Stande der Wahrheit und dadurch in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten waren, zeigte sich das Unwillkürliche, das vom kleinen Gehirn ausgeht, nicht auf der rechten Seite des Gesichtes, sondern nur in der linken; dagegen bei ihren Nachkommen, deren Zeit das eiserne Zeitalter genannt wurde, weil sie nicht in der Neigung des Wahren, sondern im Gehorsam des Wahren lebten, zeigte sich das Unwillkürliche nicht mehr im Gesicht, sondern zog sich in die Gegend um das linke Ohr zurück.

Ich wurde belehrt, daß die Fasern des kleinen Gehirns auf diese Weise ihren Ausfluß in das Gesicht verändert haben, und daß an ihrer Stelle die Fasern aus dem großen Gehirn dahin versetzt worden sind, die alsdann über diejenigen des kleinen Gehirns herrschen. Und zwar geschah dies aus dem Bestreben, die Miene des Gesichtes dem Winke des eigenen Willens gemäß zu gestalten, der aus dem großen Gehirn kommt. Dies scheint zwar dem Menschen nicht so, ist aber den Engeln ganz klar aus dem Einfließen des Himmels und aus der Entsprechung.

*4327. Der allgemeine unwillkürliche Sinn ist heutigentags so beschaffen bei denen, die sich im Guten und Wahren befinden; aber bei denen, die im Bösen und daher im Falschen sind, ist kein allgemeiner unwillkürlicher Sinn mehr, der sich offenbart, weder im Gesicht noch in der Rede noch in der Gebärde, sondern es ist das Willkürliche, welches das Unwillkürliche erheuchelt, oder das Natürliche, wie es genannt wird, das sie durch häufige Übung oder Gewohnheit von früher Jugend an so gebildet haben.

Wie dieser Sinn bei ihnen beschaffen sei, wurde mir durch das Einfließen desselben gezeigt, das leise und kühl war und sich über das ganze Angesicht, sowohl in die rechte als in die linke Seite desselben, und von da gegen die Augen hinwendete und vom linken Auge an sich über das Angesicht ausbreitete. Hierdurch wurde bezeichnet, daß die Fasern des großen Gehirns sich hineingezogen haben und die Fasern des kleinen Gehirns beherrschen, und daß hierdurch Erdichtung, Verstellung, Lüge und List inwendig herrschen, äußerlich aber das Aufrichtige und Gute erscheinen.

Daß das Einfließen sich gegen das linke Auge hin richtete, und von da auch in das Gesicht, bezeichnete, daß sie das Böse zum Zweck haben und das Verstandesvermögen dazu benützen, um diesen Zweck zu erreichen; denn das linke Auge bedeutet das Verständige. Diese Geister sind es heutzutage, die größtenteils den allgemeinen unwillkürlichen Sinn bilden, während es vor alter Zeit die allerhimmlischsten waren.

In unserer Zeit aber sind es die Ruchlosesten, und zwar besonders aus der christlichen Welt. Sie sind sehr zahlreich und erscheinen unter dem Hinterhaupt und gegen den Rücken zu, wo sie oftmals von mir gesehen und wahrgenommen wurden; denn die, welche gegenwärtig diesen Sinn darstellen, sind es, die trugvoll denken und Böses gegen den Nächsten aussinnen, dabei aber ein freundliches, ja das allerfreundlichste Gesicht zeigen, wie auch gleiche Gebärden und so lieblich reden, als wären sie mehr als andere von Liebtätigkeit erfüllt; und doch sind sie die ärgsten Feinde, nicht nur derjenigen, mit denen sie Umgang haben, sondern auch des menschlichen Geschlechtes. Ihre Gedanken wurden mir mitgeteilt, und sie waren frevelhaft und verabscheuungswürdig, voller Grausamkeiten und Mordlust.

*4328. Es wurde mir auch gezeigt, wie es sich im allgemeinen mit dem Willen und mit dem Verstand verhält. Die Uralten, welche die himmlische Kirche des Herrn bildeten, von denen Nr. 1114-1123, hat ten einen Willen, in dem das Gute, und einen Verstand, in dem das Wahre aus jenem war, und diese beiden machten bei ihnen eins aus. Aber die Alten, welche die geistige Kirche des Herrn bildeten, hatten einen völlig zugrunde gerichteten Willen, doch einen unversehrten Verstand, in dem der Herr durch die Wiedergeburt einen neuen Willen bildete, und durch diesen auch einen neuen Verstand, man sehe Nr. 863, 875, 895, 927, 928, 1023, 1043, 1044, 1555, 2256.

Wie das Gute der himmlischen Kirche gewesen war, wurde mir gezeigt durch eine aus dem Himmel herabsteigende Säule, die von bläulicher Farbe war. An der linken Seite war sie hell leuchtend, wie von einem flammigen Sonnenlicht; hierdurch wurde ihr erster Zustand dar gestellt: durch die bläuliche Farbe das Gute ihres Willens, und durch das helleuchtende, flammige Licht ihr Verstand. Und nachher ging die bläuliche Farbe der Säule über in einen dunkel-flammigen Schimmer, wodurch ihr zweiter Zustand dargestellt wurde, und daß diese beiden Leben, nämlich das des Willens und des Verstandes dennoch nur eins bildeten, aber ziemlich dunkel in Ansehung des Guten aus dem Willen; denn die bläuliche Farbe bedeutet das Gute, das helle Flammige das Wahre aus dem Guten. Später wurde die Säule ganz schwarz, und rings um die Säule etwas Helles, das durch ein gewisses Glühen sich veränderte und Farben darstellte, durch die der Zustand der geistigen Kirche bezeichnet wurde. Die schwarze Säule bedeutete, daß der Wille völlig zugrunde gerichtet und durchaus böse war. Das Helle, das durch ein gewisses Glühen sich veränderte, bedeutete den Verstand, in dem ein neuer Wille vom Herrn war; denn das Verständige wird im Himmel durch das helleuchtende vorgebildet.

*4329. Es kamen Geister bis zu einiger Höhe heran; aus dem Getön wurden sie als viele vernommen, und aus den Vorstellungen ihres Denkens und ihrer Rede, die bis zu mir hingeleitet wurden, erkannte man, daß sie in keiner bestimmten Vorstellung waren, sondern wie in der allgemeinen von mehreren. Deshalb meinte ich, daß man von ihnen nichts Bestimmtes vernehmen könne, sondern nur etwas allgemein Undeutliches, somit Dunkles, denn ich war der Meinung, daß das Allgemeine nichts anderes sei.

Daß ihr Denken ein Allgemeines war, d.h. von mehreren zugleich, konnte ich deutlich aus dem wahrnehmen, was von ihnen in mein Denken einfloß; aber es wurde ihnen ein vermittelnder Geist beigegeben, durch den sie mit mir redeten, denn ein solches Allgemeine kann nicht in die Rede eingehen, außer durch andere, und als ich durch Vermittlung mit ihnen redete, sagte ich, wie ich gemeint, daß das Allgemeine keine deutliche Vorstellung irgendeiner Sache geben könne, sondern nur eine so dunkle, daß sie gleichsam verschwinde. Aber nach Verlauf einer Viertelstunde zeigten sie, daß sie eine bestimmte Vorstellung vom Allgemeinen hatten, und auch von mehreren im Allgemeinen, besonders dadurch, daß sie alle Abwechslungen und Veränderungen meiner Gedanken und Neigungen genau und deutlich mit den Einzelheiten darin beobachteten, wie keine anderen Geister es besser vermochten.

Hieraus konnte ich schließen, daß etwas anderes sei eine dunkle Vorstellung, in der diejenigen sind, die zu wenig Kenntnisse haben, und daher über alles im Dunkeln sind; und wieder etwas anderes eine klare allgemeine Vorstellung, in der diejenigen sind, die im Wahren und Guten unterrichtet sind, das der Ordnung und dem Zusammenhang nach ins Allgemeine eingefügt und so geordnet ist, daß sie es aus dem Allgemeinen deutlich schauen können. Diese sind es, die im anderen Leben den willkürlichen allgemeinen Sinn bilden, und sie sind es auch, die durch die Erkenntnisse des Guten und Wahren sich die Fähigkeit erworben haben, die Dinge aus dem Allgemeinen anzuschauen; und daher betrachten sie die Dinge zugleich umfassend und stellen sogleich Erörterungen an, ob sich etwas so verhalte. Sie sehen zwar die Sache gleichsam im Dunkeln, weil sie vom Allgemeinen aus das sehen, was darin enthalten ist, weil dies aber in dem Allgemeinen in bestimmter Weise geordnet ist, so erscheinen ihnen dennoch die Dinge in hellem Lichte.

Dieser allgemeine willkürliche Sinn ist nur für die Weisen geeignet. Daß sie solche waren, wurde auch zu erkennen gegeben, denn sie schauten in mir alles und jedes, was zu einem Vernunftschluß gehörte, und hieraus schlossen sie so geschickt auf das Innere meiner Gedanken und Neigungen, daß ich anfing, mich zu scheuen, noch weiteres zu denken; denn sie entdeckten Dinge, von denen ich gar nicht wußte, daß sie in mir waren, und doch mußte ich es aus den von ihnen gezogenen Schlüssen anerkennen.

Hierdurch empfand ich bei mir eine gewisse Scheu, mit ihnen zu reden; und als diese Scheu bemerkt wurde, erschien sie wie etwas Haariges und darin etwas leise Redendes; es wurde gesagt, daß hierdurch die allgemeine körperliche Sinneswahrnehmung bezeichnet werde, die mit ihnen in Entsprechung stehe.

Am folgenden Tag redete ich wieder mit ihnen, und erfuhr, daß sie nicht eine dunkle, sondern eine klare allgemeine Wahrnehmung hatten, und daß, wie das Allgemeine und der Zustand desselben wechselte, so auch das Besondere und die Zustände desselben, weil dies sich in der Ordnung und im Zusammenhang nach jenem richtete. Es wurde gesagt, daß es noch vollkommenere, allgemeinere willkürliche Sinne in der inneren Sphäre des Himmels gebe, und daß die Engel, wenn sie in der allgemeinen und umfassenden Vorstellung sind, zugleich auch in den Einzelheiten sind, die im Allgemeinen auf bestimmte Weise vom Herrn geordnet werden. Ferner, daß das Allgemeine und das Allumfassende nichts wäre, wenn nicht Besonderes und Einzelnes darin enthalten wäre, aus dem jenes ist und wonach es genannt wird, und daß jenes nur in dem Maße wirklich ist, als dieses Einzelne darin enthalten ist.

Hieraus geht deutlich hervor, daß eine ganz allgemeine Vorsehung des Herrn ohne das Allereinzelnste, das in jener ist, und wodurch jene besteht, ganz und gar nichts wäre, und daß es einfältig ist zu glauben, es gebe bei dem Göttlichen ein Allgemeines, und doch das Einzelne davon wegzunehmen.

*4330. Weil die drei Himmel zusammen den Größten Menschen ausmachen, und mit diesem alle Glieder, Eingeweide und Organe des Körpers gemäß ihrer Verrichtungen und Nutzzwecke korrespondieren, wie oben gesagt worden, entspricht ihm nicht nur das, was äußerlich und für das Auge sichtbar ist, sondern auch das Innere, was nicht sichtbar ist, somit das, was dem äußeren und das, was dem inneren Menschen angehört.

Die Gesellschaften der Geister und Engel, denen die Dinge des äußeren Menschen entsprechen, sind zum großen Teile von dieser Erde; diejenigen aber, welchen die Dinge des inneren Menschen entsprechen, stammen größtenteils anderswoher. Diese Gesellschaften wirken im Himmel einheitlich zusammen, wie bei dem wiedergeborenen Menschen der äußere und innere Mensch. Gleichwohl aber kommen heutzutage wenige von dieser Erde in das andere Leben, bei denen der äußere Mensch mit dem inneren einheitlich zusammenwirkt, denn die meisten sind sinnenhaft, und zwar so sehr, daß es nur wenige gibt, die anderes glauben, als daß der äußere Mensch den ganzen Menschen ausmache, und wenn dieser wegfalle, was geschieht, wenn der Mensch stirbt, bleibe kaum etwas Lebendes übrig, noch weniger glauben sie, daß das Innere im Äußeren lebt, und daß, wenn dieses wegfällt, jenes vor allem fortlebt.

Es wurde mir durch lebendige Erfahrung gezeigt, wie dieselben gegen den inneren Menschen eingenommen sind; es waren mehrere Geister aus dieser Erde anwesend, die, während sie in der Welt lebten, so beschaffen waren. Vor ihren Augen erschienen dann Geister, die den inneren sinnenhaften Menschen darstellten, und sogleich fingen jene an, diese anzufeinden, fast so wie Unvernünftige die Vernünftigen, indem sie fortwährend aus Sinnestäuschungen und daraus entstehenden Irrtümern und aus lauter Mutmaßungen redeten und vernünftelten: sie glauben nichts, als was man durch das äußere Sinnliche bestätigen kann, und dabei schimpften sie auch auf den inneren Menschen. Aber die, welche den inneren sinnenhaften Menschen darstellten, bekümmerten sich nicht um solche Reden, indem sie sich nicht nur über ihren Unsinn, sondern auch über ihre Dummheit wunderten. Und, was wunderbar ist, wenn die äußerlich Sinnenhaften sich den innerlich Sinnenhaften näherten und fast in die Sphäre ihrer Gedanken kamen, fingen die äußerlich Sinnenhaften an, schwer zu atmen, (denn die Geister und Engel atmen so gut wie die Menschen, sie haben jedoch ein verhältnismäßig innerliches Atmen: Nr. 3884, 3885 f, 3893) und somit beinahe zu ersticken, weshalb sie sich zurückzogen, und je weiter sie von den innerlich Sinnlichen entfernt waren, desto leichter atmeten sie, und desto stiller und ruhiger wurde es unter ihnen; und wiederum, je näher sie hinzutraten, desto unruhiger und aufgeregter. Die Ursache ist, weil die äußerlich Sinnenhaften ruhig sind, wenn sie in ihren Sinnestäuschungen, Phantasien und Hypothesen sind, umgekehrt aber, wenn ihnen diese genommen werden, was geschieht, wenn der innere Mensch mit dem Lichte des Wahren einfließt, dann kommen sie in Unruhe; denn im anderen Leben gibt es Sphären der Gedanken und Neigungen, und diese teilen sich wechselseitig mit, je nach der Gegenwart und Annäherung: Nr. 1048, 1053, 1316, 1504-1512, 1695, 2401, 2489.

Dieser Streit währte einige Stunden; und es wurde auf diese Weise gezeigt, wie die Menschen unseres Weitkörpers heutzutage gegen den inneren Menschen eingenommen sind, und daß das äußere Sinnenhafte fast alles bei ihnen ausmacht.


*4403. Von der Entsprechung mit dem Auge und mit dem Licht.

Wie beschaffen die Geister waren, und zu welchem Gebiet des Körpers sie gehörten, wurde mir auch erlaubt, wahrzunehmen und zu erkennen aus ihrer Lage und Stellung bei mir, dann auch aus der Grundlage (plano), auf der sie sich befanden, und aus der Entfernung in dieser.

Diejenigen, die nahe bei mir erschienen, waren zum größten Teile die Stellvertreter (subjecta) ganzer Gesellschaften; denn die Gesellschaften schicken von sich aus Geister zu anderen, und durch diese nehmen sie die Gedanken und Neigungen wahr, und so treten sie in Verbindung. Von den sogenannten Stellvertretern (Subjectis) oder den ausgesandten Geistern soll jedoch, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, noch besonders geredet werden. In Beziehung auf die selben wurde folgendes beobachtet:

Die, welche über dem Haupt erscheinen und nahe an demselben, sind es, die lehren und sich auch leicht belehren lassen. Die, welche unter dem Hinterhaupte sich befinden, sind es, die stillschweigend und klug wirken; die, welche nahe an dem Rücken sind, ebenso, doch mit Unterschied. Die in der Nähe des Thorax oder der Brust, sind es, die von Liebtätigkeit erfüllt sind; die bei den Lenden sind die, welche in der ehelichen Liebe sind; die bei den Füßen solche, die natürlich sind; und die bei den Fußsohlen sind von derselben Art, aber noch im höheren Grade. Die aber zum Gesicht gehören, sind verschiedener Art, je nach der Entsprechung mit den Sinnen, die daselbst sind: z.B. die, welche in der Nase sich befinden, sind solche, die ein vorzügliches Innewerden haben; die bei den Ohren sich befinden, sind solche, die gerne gehorchen, und die an den Augen solche, die einsichtsvoll und weise sind usw.

*4404. Die äußeren Sinne, deren es fünf gibt — Gefühl, Geschmack, Geruch, Gehör und Gesicht — stehen alle in Entsprechung mit den inneren Sinnen. Aber die Entsprechungen sind heutigen Tages kaum irgendjemand bekannt, weil man nicht weiß, daß es Entsprechungen gibt, und noch weniger, daß es eine Entsprechung der geistigen Dinge mit den natürlichen gibt oder, was dasselbe ist, dessen, was dem inneren Menschen angehört, mit dem, was dem äußeren angehört.

Was die Entsprechung der Sinne anlangt, so entspricht der Tastsinn im allgemeinen der Neigung zum Guten, der Geschmackssinn der Neigung zum Wissen, der Geruchssinn der Neigung zum Innewerden, der Gehörsinn der Neigung zum Lernen, dann auch zum Gehorchen, der Gesichtssinn aber der Neigung zur Einsicht und Weisheit.

*4405. Daß der Gesichtssinn der Neigung zu verstehen und weise zu sein entspricht, kommt daher, weil das Sehen des Körpers völlig dem Sehen des Geistes entspricht, somit der Einsicht. Es gibt nämlich zwei Arten von Licht; das eine ist das Licht der Welt von der Sonne, das andere ist das des Himmels vom Herrn. Im Lichte der Welt ist nichts von Einsicht, aber im Lichte des Himmels ist Einsicht. Soweit daher das, was dem Weltlicht bei dem Menschen angehört, erleuchtet wird von dem, was dem Himmelslicht angehört, insoweit versteht der Mensch und ist weise; also insoweit sie entsprechen.

*4406. Weil das Sehen des Auges dem Verstande entspricht, des halb wird auch dem Verstande ein Schauen zugeschrieben, und dies wird das geistige Sehen genannt. Auch werden die Dinge, die der Mensch wahrnimmt, Gegenstände dieses Schauens genannt; und auch in gewöhnlicher Rede wird gesagt, man sehe das, was man versteht; von dem Verstande wird auch Licht und Erleuchtung ausgesagt und daher Klarheit, umgekehrt aber Schatten und Verfinsterung und daher Dunkelheit. Dieses und ähnliches ging bei dem Menschen in den Sprachgebrauch über, weil es entspricht; denn sein Geist ist im Himmelslicht und sein Körper im Weltlicht, und der Geist ist es, der im Körper lebt und auch denkt. Daher gingen viele Dinge, die inwendigerer Art sind, in die Sprache über.

*4407. Das Auge ist das edelste Organ des Angesichtes und verkehrt unmittelbarer mit dem Verstand als die anderen Sinnorgane des Menschen. Auch wird es von einer feineren Atmosphäre beeinflußt als das Ohr, deshalb dringt auch das Gesicht auf einem kürzeren und in wendigeren Wege als die vom Ohr vernommene Rede in das innere Sinnesorgan ein, das im großen Gehirn ist. Daher kommt es, daß gewisse Tiere, die des Verstandes entbehren, zwei gleichsam stellvertretende Gehirne innerhalb ihrer Augenkreise haben; denn ihr Verstand hängt von ihrem Gesichte ab. Bei dem Menschen aber ist es nicht so, sondern er besitzt ein sehr großes Gehirn, so daß nicht sein Verstand vom Sehen abhängt, sondern das Sehen vom Verstand.

Daß das Sehen vom Verstand abhängt, erhellt offenbar daraus, daß die natürlichen Neigungen des Menschen sich vorbildlich im Gesicht darstellen. Die inwendigeren Neigungen aber, die dem Denken angehören, erscheinen in den Augen durch eine gewisse Flamme des Lebens und daher durch die Schwingung des Lichtes, die hervorstrahlt gemäß der Neigung, in der das Denken ist. Dies weiß und beobachtet auch der Mensch, obgleich er durch keine Wissenschaft darüber belehrt ist. Der Grund ist, weil sein Geist in Gesellschaft mit den Geistern und Engeln im anderen Leben ist, die es aus deutlichem Innewerden wissen. Daß ein jeder Mensch hinsichtlich seines Geistes in Gesellschaft mit Geistern und Engeln ist, sehe man Nr. 1277, 2379, 3644, 3645.

*4408. Daß es eine Entsprechung des Sehens der Augen mit dem Sehen des Verstandes gibt, erscheint deutlich denen, die nachdenken; denn die Gegenstände der Welt, die alle etwas aus dem Sonnenlicht an sich ziehen, dringen durch das Auge ein und lassen sich im Gedächtnis nieder, und zwar offenbar vermöge einer gleichen Art des Sehens; denn was daraus wieder hervorgeführt wird, sieht man innerlich, daher die Einbildungskraft des Menschen, deren Vorstellungen von den Philosophen materielle Vorstellungen genannt werden. Wenn jene Gegenstände noch inwendiger erscheinen, so bewirken sie das Denken, und zwar auch unter einer gewissen Form des Schauens, aber eines reineren, und die Vorstellungen dieses Schauens nennt man nicht-materielle oder auch geistige.

Daß es ein inwendigeres Licht gibt, in dem das Leben ist, somit die Einsicht und Weisheit, und welches das inwendigere Sehen erleuchtet und dem entgegenkommt, was durch das äußere Sehen eingedrungen ist, erhellt ganz deutlich, wie auch, daß das inwendigere Licht wirkt, gemäß der Anordnung der Dinge, die sich daselbst aus dem Weltlicht befinden. Was durch das Gehör eindringt, wird auch innerlich in ähnliche Arten des Schauens verwandelt, wie die sind, die aus dem Licht der Welt stammen.

*4409. Weil das Sehen der Augen dem Sehen des Verstandes entspricht, so entspricht es auch den Wahrheiten; denn auf das Wahre bezieht sich alles, was dem Verstand angehört, wie auch auf das Gute, nämlich, damit man das Gute nicht nur wissen, sondern auch von dem selben angeregt werde. Auch beziehen sich alle Dinge des äußeren Sehens auf das Wahre und das Gute, weil es die Symmetrie der Gegenstände, somit auch die Schönheiten derselben und die Annehmlichkeiten daher auffaßt; wer geübte Sinne hat, kann sehen, daß alles und jedes in der Natur sich auf das Wahre und Gute bezieht und dadurch auch erkennen, daß die gesamte Natur ein Schauplatz ist, der das Reich des Herrn vorbildet.

*4410. Durch vielfache Erfahrung wurde mir deutlich gezeigt, daß das Sehen des linken Auges den Wahrheiten entspricht, die Sache des Verstandes sind, und das rechte Auge den Neigungen zum Wahren, die sich auch auf den Verstand beziehen; daß somit das linke Auge den Wahrheiten des Glaubens entspricht, und das rechte Auge dem Guten des Glaubens. Daß eine solche Entsprechung stattfindet, kommt daher, daß im Licht, das vom Herrn ausgeht, nicht nur Licht, sondern auch Wärme ist. Das Licht selbst ist das Wahre, das vom Herrn ausgeht, und die Wärme ist das Gute. Dadurch und auch durch das Einfließen in die beiden Halbkugeln des Gehirns besteht eine solche Entsprechung; denn die im Guten sind, befinden sich zur Rechten des Herrn, und die im Wahren zur Linken.

*4411. Alles und jedes, was im Auge ist, hat seine Entsprechungen in den Himmeln, z.B. die drei Feuchtigkeiten, die wäßrige, die gläserne, die kristallinische; und nicht nur die Feuchtigkeiten, sondern auch die Häute, ja ein jeder Teil.

Die inwendigeren Dinge des Auges haben schönere und anmutigere Entsprechungen, aber auf verschiedene Weise in einem jeden Himmel. Wenn das Licht, das vom Herrn ausgeht, in den innersten oder dritten Himmel einfließt, so wird es daselbst als das Gute aufgenommen, was Liebtätigkeit genannt wird; und wenn es in den mittleren oder zwei ten Himmel einfließt, mittelbar und unmittelbar, wird es als das Wahre aufgenommen, das aus der Liebtätigkeit stammt. Wenn aber das Wahre in den äußersten oder ersten Himmel einfließt, mittelbar oder unmittelbar, wird es substantiell aufgenommen und erscheint daselbst wie ein Paradies und anderswo wie eine Stadt, in der Paläste sind. So folgen die Entsprechungen aufeinander bis zudem äußeren Schauen der Engel.

Im Menschen ebenso: in seinem Äußersten, welches das Auge ist, stellt es sich materiell dar vermöge des Sehens, dessen Gegenstände bildet, was der schaubaren Welt angehört. Der Mensch, der in Liebe und Liebtätigkeit und von da aus im Glauben ist, hat sein Inwendigeres in solcher Beschaffenheit, denn er entspricht den drei Himmeln und ist ein kleiner Himmel im Abbilde.

*4412. Ein gewisser Geist war mir im Leben des Körpers bekannt, aber nicht in Ansehung seiner Seele und seiner inneren Neigungen. Dieser redete im anderen Leben einige Male mit mir, aber nur kurze Zeit aus der Ferne; derselbe gab sich im allgemeinen kund durch anmutige Vorbildungen, denn er konnte ergötzliche Dinge darstellen, z.B. Farben jeder Art und farbige schöne Formen, schön geschmückte Kinder wie Engel vorführen, und mehreres derart, was angenehm und lieblich war. Er wirkte durch ein gelindes und sanftes Einfließen, und zwar in die Haut des linken Auges. Durch solche Dinge schmeichelte er sich in die Neigung anderer ein, in der Absicht, wohlzugefallen und das Leben derselben angenehm zu machen. Es wurde mir von den Engeln gesagt, daß solche es sind, die sich auf die Häute des Auges beziehen, und daß sie in Verbindung stehen mit den paradiesischen Himmeln, wo in substantieller Form das Wahre und Gute vorgebildet wird, wie Nr. 4411 gesagt worden.

*4413. Daß das Licht des Himmels Einsicht und Weisheit in sich schließt, und daß es die Einsicht des Wahren und die Weisheit des Guten ist vom Herrn, die vor den Augen der Engel als Licht erscheint, wurde mir durch lebendige Erfahrung zu erkennen gegeben:

Ich wurde in ein Licht erhoben, das wie ein aus Diamanten strahlendes Licht funkelte. Wenn ich in demselben gehalten wurde, kam es mir vor, als würde ich von den körperlichen Vorstellungen weg in geistige Vorstellungen eingeführt, und somit in die, welche der Einsicht des Wahren und Guten angehören. Die Denkbilder, die vom Weltlicht ihren Ursprung herleiten, erschienen dann von mir entfernt und gleichsam mich nichts angehend, obgleich sie in dunkler Weise vorhanden waren. Dadurch wurde mir zu erkennen gegeben, daß der Mensch soweit in Einsicht kommt, als er in dieses Licht kommt. Daher kommt es auch, daß die Engel, je einsichtsvoller sie sind, in desto größerem und hellerem Lichte sich befinden.

*4414. Der Unterschiede des Lichtes im Himmel gibt es ebenso viele wie es Engelgesellschaften gibt, die den Himmel bilden, ja so viele wie es Engel in einer jeden Gesellschaft gibt. Die Ursache ist, weil der Himmel geordnet ist nach allen Unterschieden des Guten und des Wahren, somit nach allen Zuständen der Einsicht und Weisheit, folglich gemäß der verschiedenen Aufnahme des Lichtes vom Herrn. Daher kommt es, daß nirgends im ganzen Himmel ein völlig gleiches Licht ist, sondern verschieden nach seiner Mischung mit Flammigem und Hellem, und gemäß den Graden seiner Stärke; denn Einsicht und Weisheit ist nichts anderes als eine vorzügliche Modifikation des himmlischen Lichtes vom Herrn.

*4415. Die neuangekommenen Seelen oder Geister-Neulinge, die erst einige Tage nach dem Tode des Körpers ins andere Leben kommen, wundern sich aufs höchste, daß es im anderen Leben ein Licht gibt; denn sie bringen den Irrtum mit sich, daß nicht anderswoher Licht entstehe als von der Sonne oder einer materiellen Flamme, und noch weniger wissen sie, daß es ein Licht gibt, das den Verstand erleuchtet, denn dieses haben sie im Leben des Körpers nicht wahrgenommen. Noch weniger, daß dieses Licht die Fähigkeit zu denken gibt, und durch sein Einfließen in Formen, die aus dem Weltlicht stammen, alles darstellt, was Sache des Verstandes ist.

Wenn solche gut gewesen sind, so werden sie, um belehrt zu werden, zu himmlischen Gesellschaften erhoben, und von einer Gesellschaft zur anderen geführt, damit sie durch lebendige Erfahrung wahr nehmen, daß es im anderen Leben ein Licht gibt, und zwar ein stärkeres als irgendwo in der Welt, und damit sie zugleich innewerden, daß sie sich soweit in Einsicht befinden wie sie hier im Lichte sind.

Einige, die in die Sphären des himmlischen Lichtes erhoben waren, redeten von da aus mit mir und bekannten, daß sie niemals so etwas geglaubt hätten, und daß das Licht der Welt verhältnismäßig Finsternis sei. Von da aus blickten sie auch durch meine Augen in das Licht der Welt, und nahmen dasselbe nicht anders wahr, als wie einen finsteren Dunstnebel. Von Mitleid ergriffen, sagten sie, in solchem befinde sich der Mensch. Aus dem, was gesagt wurde, kann man auch erkennen, warum die himmlischen Engel im Worte Engel des Lichtes heißen, und daß der Herr das Licht ist, und daher das Leben der Menschen: Joh. 1/1-9; 8/12.

*4416. Die Geister im anderen Leben erscheinen aus dem Licht, in dem sie sind, wie sie beschaffen sind; denn das Licht, in dem sie sehen, entspricht dem Lichte, aus dem sie wahrnehmen, wie schon gesagt wurde. Die, welche das Wahre erkannt und auch bei sich begründet haben, dennoch aber ein schlechtes Leben führten, erscheinen in einem schneeweißen, aber kalten Licht, wie das Licht im Winter ist, aber wenn sie zu denen kommen, die im Himmelslichte sind, dann verdunkelt sich das Licht bei ihnen völlig und wird finster, und wenn sie sich vom Lichte des Himmels entfernen, folgt ihnen ein gelbliches Licht, wie von Schwefel, in dem sie gleichsam wie Gespenster erscheinen und ihre Wahrheiten als Phantasiegebilde, denn ihre Wahrheiten stammten aus einem Überredungsglauben, der so beschaffen ist, daß sie nur glaubten, weil ihnen dadurch Ehre, Gewinn und Ruhm zuteil wurde, und dabei war es ihnen gleichgültig, was man auch immer als Wahres aufnahm.

Die aber im Bösen und daraus im Falschen sind, erscheinen in einem Lichte wie von einem Kohlenfeuer. Dieses Licht wird völlig dunkelbraun beim Lichte des Himmels. Das Licht selbst aber, aus dem sie sehen, wechselt gemäß dem Falschen und Bösen, in dem sie sind.

Hieraus wurde mir auch klar, warum die, welche ein böses Leben führen, niemals den göttlichen Wahrheiten mit aufrichtigem Herzen Glauben schenken können. Sie sind nämlich in einem rauchartigen Licht, das, wenn das Licht des Himmels einfällt, bei ihnen voller Finsternis wird, so daß sie weder mit den Augen noch mit dem Gemüte sehen, und außerdem fallen sie alsdann in Beängstigungen und einige gleichsam in Ohnmacht. Daher kommt es, daß die Bösen niemals das Wahre aufnehmen können, sondern einzig die Guten.

Der Mensch, der ein böses Leben führt, kann nicht glauben, daß er in einem solchen Licht ist, weil er das Licht, in dem sein Geist ist, nicht sehen kann, sondern nur das Licht, in dem das Gesicht seines Auges und somit das seines natürlichen Gemütes ist. Wenn er aber das Licht seines Geistes sehen und erfahren würde, wie es wird, wenn das Licht des Wahren und Guten vom Himmel in dasselbe einfließt, dann würde er deutlich erkennen, wie weit entfernt er ist von der Aufnahme dessen, was dem Licht, d.h. was dem Glauben angehört, und mehr noch von dem Ergreifen dessen, was der Liebtätigkeit angehört, somit, wie weit er vom Himmel entfernt ist.

*4417. Es entstand einst mit den Geistern eine Unterredung über das Leben, daß nämlich niemand irgend etwas vom Lehen aus sich habe, sondern vom Herrn, obgleich er aus sich zu leben scheine (man vergleiche Nr. 4320); und dann kam zuerst die Rede darauf, was das Leben sei, daß es nämlich darin bestehe, zu verstehen und zu wollen, und weil alles Verstehen sich auf das Wahre bezieht und alles Wollen auf das Gute: Nr. 4409, so sei das Leben das Verstehen des Wahren und das Wollen des Guten.

Aber die vernünftelnden Geister (es gibt nämlich Geister, die man Vernünftler nennen muß, weil sie über alles vernünfteln, ob es so sei, und meistens im Dunkeln über jede Wahrheit sind), diese also sagten, daß die, welche kein Verständnis des Wahren und kein Wollen des Guten hätten, dennoch lebten, ja noch mehr als andere zu leben glaubten. Aber ich durfte ihnen antworten, daß das Leben der Bösen diesen zwar als Leben erscheine, dennoch aber dieses sogenannte Leben ein geistiger Tod sei, und dies könnten sie daraus erkennen, daß, wenn das Wahre einsehen und das Gute wollen Leben aus dem Göttlichen sei, alsdann das Wissen des Falschen und das Wollen des Bösen unmöglich Leben sein könne, weil das Böse und Falsche dem Leben selbst entgegengesetzt sei.

Um sie zu überzeugen, wurde ihnen gezeigt, wie beschaffen ihr Leben sei; und als dieses gesehen wurde, erschien es gleich dem Licht von einem Kohlenfeuer, dem Rauch beigemischt ist; wenn sie in diesem Licht sind, können sie nichts anderes glauben, als daß das Leben ihres Denkens und ihres Willens das einzige Leben sei, und mehr noch des halb, weil das Licht der Einsicht des Wahren, welches das eigentliche Licht des Lebens ist, ihnen ganz und gar nicht erscheinen kann, denn sobald sie in dieses Licht kommen, wird ihr Licht ganz verfinstert, so daß sie gar nichts sehen, somit auch nichts wahrnehmen können. Es wurde auch gezeigt, wie damals der Zustand ihres Lebens beschaffen war, und zwar durch die Wegnahme ihres angenehmen Gefühls aus dem Falschen, das im anderen Leben durch die Trennung der Geister geschieht, in deren Gesellschaft sie sind. Als dies geschehen war, erschienen sie mit einem fahlen Angesicht wie Leichname, so daß man sie Bilder des Todes hätte nennen können.

Von dem Leben der Tiere aber soll, vermöge der göttlichen Barm herzigkeit des Herrn, noch besonders gehandelt werden.

*4418. Von denen, die in der Hölle sind, sagt man, sie seien in Finsternis, aber daß sie sich in Finsternis befinden, sagt man, weil sie im Falschen sind; denn so wie das Licht dem Wahren, so entspricht die Finsternis dem Falschen; denn jene befinden sich in einem gelblichen Lichte, wie von einem Feuer aus Kohlen und Schwefel, wie oben bemerkt wurde. Dieses Licht ist es, was unter der Finsternis verstanden wird, denn gemäß dem Licht, und somit auch gemäß dem Sehen daraus, ist ihr Verstand, weil sich beides entspricht: Finsternis wird es auch genannt, weil diese Arten des Lichtes in der Nähe des himmlischen Lichtes Finsternis werden.

*4419. Es war ein Geist bei mir, der, als er in der Welt lebte, viele Kenntnisse hatte und daher glaubte, er sei vor anderen weise. Hierdurch hatte er sich das Schlimme angewöhnt, daß er, wo er auch war, alles beherrschen wollte. Er wurde zu mir von einer gewissen Gesellschaft geschickt, um ihnen als Vermittler (subjecto) oder zur Mitteilung zu dienen: Nr. 4403; zugleich auch, damit sie ihn von sich entfernten, denn er war ihnen dadurch lästig, daß er sie durch seine Einsicht beherrschen wollte.

Als er bei mir war, wurde mir gegeben, mit ihm von der Einsicht aus dem Eigenen zu reden, daß diese nämlich in der christlichen Welt soviel gelte, daß man glaube, alle Einsicht stamme aus jenem Eigenen und somit keine aus Gott, obwohl die Leute, wenn sie aus ihren Glaubenslehren reden, sagen, daß alles Wahre und Gute aus dem Himmel, somit aus dem Göttlichen sei, und somit auch alle Einsicht, denn sie ist Sache des Wahren und Guten. Da jedoch dieser Geist nicht darauf achten wollte, sagte ich, er werde wohltun, wenn er sich zurückziehe, weil seine Einsicht die Sphäre belästigte; aber weil er in der Selbstberedung war, daß er mehr als andere einsichtsvoll sei, wollte er nicht.

Alsdann wurde ihm von den Engeln gezeigt, wie beschaffen die Einsicht aus dem Eigenen ist, und wie beschaffen die Einsicht vom Göttlichen, und zwar durch verschiedene Arten von Licht, denn solche Dinge werden im anderen Leben durch Wechsel des Lichtes auf wunderbare Weise anschaulich gemacht: Die Einsicht aus dem Eigenen wurde durch ein Licht gezeigt, das wie ein Irrlicht erschien, um das ein finsterer Saum war, und übrigens sich nur in geringer Entfernung von seinem Mittelpunkt an ausdehnte. Es wurde ferner gezeigt, daß es so gleich erlischt, wenn es von Engeln aus einer gewissen Gesellschaft besichtigt wird, ganz wie ein Irrlicht beim Licht des Tages oder der Sonne.

Ferner wurde gezeigt, wie beschaffen die Einsicht aus dem Göttlichen sei, und zwar auch durch Licht: dasselbe war heller und leuchtender als das Mittagslicht der Sonne, es breitete sich nach jeder Entfernung hin aus und begrenzte sich so wie das Sonnenlicht im Universum; und es wurde gesagt, daß die Einsicht und Weisheit von allen Seiten her in die Sphäre dieses Lichtes eintrete und bewirke, daß man das Wahre und Gute in einer fast unbegrenzten Anschauung wahrnehme; dies je doch gemäß der Beschaffenheit des Wahren aus dem Guten.

*4420. Hieraus kann man ersehen, daß die Dinge des Weltlichtes bei dem Menschen den Dingen des Himmelslichtes entsprechen; folglich, daß das Sehen des äußeren Menschen, das vom Auge ausgeht, dem Sehen des inneren Menschen entspricht, das Sache des Verstandes ist; ferner, daß durch Lichter im anderen Leben deutlich erscheint, wie die Einsicht beschaffen sei.

*4523. Ein jeder, der von der Luft und vom Schall etwas versteht, kann wissen, daß das Ohr ganz und gar nach der Beschaffenheit ihrer Modifikationen gebildet ist, also daß das Ohr in betreff seines Körperlichen und Materiellen denselben entsprechen; und wer vom Äther und vom Licht einige Kenntnis besitzt, der weiß, daß das Auge in betreff seines Körperlichen und Materiellen ihren Modifikationen entsprechend gebildet ist, und zwar so sehr, daß alles Geheimnisvolle, was in der Natur der Luft und des Schalles verborgen liegt, auch dem Organe des Ohres gleichsam eingeschrieben ist, und daß alles Geheimnisvolle in der Natur des Äthers und des Lichtes auch im Organismus des Auges vorhanden ist. Folglich kann der, welcher in der Anatomie und zugleich in der Physik erfahren ist, durch Nachforschung erkennen, daß nicht nur die Sinnesorgane, sondern auch die Werkzeuge der Bewegung, wie auch alle Eingeweide in betreff ihrer körperlichen Beschaffenheit und ihres Stoffes dem entsprechen, was in der Natur der Welt ist, und daß somit der ganze Körper ein Organ ist, zusammengesetzt aus allem Geheimnisvollen, was in der irdischen Natur vorhanden ist, und zwar gemäß den geheimen Kräften ihres Wirkens und ihren bewunderungswürdigen Arten des Einfließens. Daher kommt es, daß der Mensch von den Alten die kleine Welt oder der Mikrokosmos genannt wurde.

Wer dies weiß, kann auch erkennen, daß alles, was in der Welt und ihrer Natur ist, nicht aus sich entsteht, sondern aus einem Früheren, und daß auch dieses Frühere nicht aus sich entstehen konnte, sondern aus einem noch Früheren, und so fort bis zum Ersten, aus dem der Ordnung gemäß das Nachfolgende entstehen muß; und weil es von diesem entsteht, so besteht es auch aus demselben; denn das Bestehen ist ein fortwährendes Entstehen. Daraus folgt, daß alles und jedes bis zum Letzten der Natur von dem Ersten nicht nur sein Entstehen, sondern auch sein Bestehen hat; denn wenn nicht alles fortwährend entstünde, und wenn nicht eine fortwährende Verbindung vom Ersten aus wäre, und so auch mit dem Ersten, es würde augenblicklich zerfallen und zugrunde gehen.

*4524. Weil nun alles und jedes, was in der Welt und deren Natur ist, fortwährend aus einem Früheren, als es selbst ist entsteht und besteht, so folgt, daß es entsteht und besteht aus einer Welt, die über der Natur ist und die geistige Welt heißt; und weil mit dieser eine ununterbrochene Verbindung sein muß, damit alles bestehen oder fortwährend entstehen kann, so folgt, daß die reineren oder inneren Dinge, die in der Natur und folglich im Menschen sind, von dorther stammen. Weil ferner die reineren oder inneren Dinge solche Formen sind, die den Einfluß aus der geistigen Welt aufnehmen können, und weil es nur eine einzige Lebensquelle geben kann, so wie in der Natur auch nur eine Quelle des Lichts und der Wärme ist, so ist offenbar, daß alles Leben vom Herrn stammt, welcher das Erste des Lebens ist, und daß somit alles und jedes, was in der geistigen Welt ist, Ihm selbst entspricht, somit auch alles und jedes, was im Menschen ist; denn dieser ist im kleinsten Bilde eine kleine geistige Welt; deshalb ist auch der geistige Mensch ein Bild des Herrn.

*4525. Hieraus geht hervor, daß vorzüglich bei dem Menschen eine vollständige Entsprechung mit der geistigen Welt besteht, und daß er ohne diese Entsprechung nicht einen Augenblick bestehen könnte; denn ohne Entsprechung würde nichts im Zusammenhang sein mit der Quelle des Lebens selbst, d.h. mit dem Herrn, somit wäre es ohne Zusammenhang, und das nicht mit Ihm Zusammenhängende wird als nichtig zerstreut.

Daß die Entsprechung bei dem Menschen unmittelbarer und dadurch auch enger ist, kommt daher, weil er geschaffen ist, um sich Leben von Gott anzueignen und dadurch zur Möglichkeit, daß er in Ansehung seiner Gedanken und Neigungen vom Herrn über die natürliche Welt erhoben werden und hierdurch an Gott denken, von dem Göttlichen angeregt werden und so mit Ihm selbst verbunden werden kann — ganz anders als die übrigen Geschöpfe der Erde; und weil die Menschen auf solche Weise mit dem Göttlichen verbunden werden können, so sterben sie nicht, wenn das Körperliche, das der Welt angehört, abgetrennt wird; denn das Innere bleibt mit Gott verbunden.

*4526. Was die Entsprechung der Sehkraft, welche Sache des Auges ist, und von der am Ende des vorhergehenden Kapitels zu reden begonnen wurde, weiter anbelangt, so muß man wissen, daß eine Entsprechung desselben mit den Dingen statthat, die sich auf den Verstand beziehen, denn der Verstand ist das innere Sehen, und dieses innere Sehen ist in einem Licht, das über dem Weltlicht ist.

Daß sich der Mensch durch die Dinge, die ihm im Licht der Welt erscheinen, Einsicht erwerben kann, kommt daher, weil das höhere Licht oder das Licht des Himmels in die Gegenstände, die aus dem Licht der Welt sind, einfließt und macht, daß sie in vorbildlicher und entsprechender Weise erscheinen; denn das Licht, das über dem Weltlicht ist, geht vom Herrn aus, der den ganzen Himmel erleuchtet. Die Einsicht und Weisheit selbst, die vom Herrn ausgehen, erscheinen dort als Licht. Dieses Licht ist es, das den Verstand oder das innere Sehen des Menschen bewirkt. Wenn dasselbe durch den Verstand in die Gegenstände einfließt, die aus dem Weltlicht sind, dann macht es, daß sie vorbildlich und entsprechend und somit der Einsicht angemessen (d.i. erkennbar) erscheinen.

Und weil das Sehen des Auges, das in der natürlichen Welt statt findet, dem Sehen des Verstandes entspricht, das in der geistigen Welt ist, so entspricht es auch den Glaubenswahrheiten; denn diese sind ein Gegenstand des echten Verstandes, weil die Wahrheiten den ganzen Verstand des Menschen bilden, denn darin bewegt sich alles Denken, ob etwas so sei oder nicht, d.h. ob es wahr oder nicht wahr sei.

Daß das Gesicht des Auges den Wahrheiten und dem Guten des Glaubens entspricht, sehe man Nr. 4410.

*4527. Ich redete mit einigen wenige Tage, nachdem sie gestorben waren. Weil sie erst vor kurzem angekommen waren, befanden sie sich in einem Licht, das ihnen wenig von dem Weltlicht unterschieden zu sein schien, und weil ihnen das Licht so erschien, zweifelten sie, ob ihnen das Licht anderswoher scheine. Deshalb wurden sie in den ersten Grad des Himmels erhoben, wo das Licht noch glänzender war, und als sie von hieraus mit mir redeten, sagten sie, daß sie niemals ein solches Licht gesehen hätten; und dies geschah, als die Sonne schon längst untergegangen war.

Dann wunderten sie sich darüber, daß die Geister Augen hatten, durch die sie sahen, da sie doch im Leben des Körpers geglaubt hatten, daß das Leben der Geister nur ein Denken sei, und zwar ein abstraktes ohne ein bestimmtes Subjekt, weil sie sich keinen Gegenstand des Denkens vorstellen konnten, wenn sie ihn nicht sahen; und weil es so war, so hatten sie damals keinen anderen Begriff, als daß es ein bloßes Denken sei, und daß es mit dem Körper, in dem es sei, verschwinde, wie irgend eine Luft oder irgendein Feuer, wenn es nicht auf wunderbare Weise vom Herrn zusammengehalten und erhalten würde. Auch sahen sie dann ein, wie leicht die Gelehrten in Irrtum über das Leben nach dem Tode verfallen, und daß diese mehr als die anderen nur das glauben, was sie sehen.

Dann wunderten sie sich auch, daß sie nicht nur ein Denkvermögen hatten, sondern auch eine Sehkraft, ja auch die übrigen Sinne; und mehr noch, daß sie sich ganz als Menschen erschienen, sich gegenseitig sahen, hörten, miteinander redeten, ihre Glieder beim Berühren fühlten, und zwar noch feiner als im Leben des Körpers. Daher erstaunten sie, daß der Mensch, während er in der Welt lebt, hierüber völlig unwissend ist; und sie bedauerten das menschliche Geschlecht, daß es nichts von solchen Dingen weiß, weil die Menschen nichts glauben, vor allem diejenigen, die mehr als andere im Licht sind, nämlich die, welche inner halb der Kirche sind und das Wort haben.

Einige unter ihnen hatten nicht anders geglaubt, als daß die Menschen nach dem Tode wie Gespenster würden, und in dieser Meinung bestärkten sie sich durch die Geistererscheinungen, von denen sie gehört hatten. Daraus zogen sie aber nur den Schluß, daß es etwas grob Körperliches sei, das zuerst vom Leben des Körpers ausgehaucht werde, dann aber wiederum zum Leichnam zurückkehre und so erlösche.

Einige aber glaubten, daß sie erst zur Zeit des Jüngsten Gerichtes auferstehen würden, wenn die Welt untergehen werde, dann aber mit dem Körper, der, obgleich zu Staube zerfallen, dann wieder gesammelt werde, und so würden sie mit Bein und Fleisch auferstehen; und weil sie dieses Letzte Gericht oder den Untergang der Welt seit mehreren Jahrhunderten vergeblich erwarteten, verfielen sie in den Irrtum, daß sie niemals auferstehen würden. Dann dachten sie nicht an das, was sie aus dem Worte gelernt und demgemäß zuweilen gesagt hatten, daß nämlich die Seele des Menschen, wenn er sterbe, in der Hand Gottes sei, unter den Seligen oder Unseligen, gemäß dem Leben, das sie angenommen hatte; auch nicht daran, was der Herr von dem Reichen und dem Lazarus gesagt hat; aber sie wurden belehrt, daß für einen jeden das Jüngste Gericht sei, wenn er sterbe, und daß er dann in einem Körper zu sein glaube, wie früher in der Welt und im Besitz aller Sinne wie zuvor, aber reinerer und feinerer, weil das Körperliche nicht mehr hindert, und das, was dem Weltlicht angehört, nicht das verdunkelt, was im Licht des Himmels ist, daß sie also in einem gleichsam gereinigten Körper sind, und daß man dort keineswegs einen Leib von Fleisch und Bein an sich tragen kann, wie in der Welt, weil man sonst wieder mit irdischem Staube umgeben wäre.

Hierüber redete ich mit einigen an dem Tage, wo ihre Körper begraben wurden, und sie durch meine Augen ihren Leichnam sahen, die Totenbahre, und daß sie beerdigt wurden; und sie sagten, daß sie diesen Körper nun abwürfen, der ihnen in der Welt, in der sie waren, zu ihren Nutzleistungen gedient habe; jetzt aber lebten sie in einem Leibe, der ihnen zu Nutzzwecken diene in der Welt, in der sie nun lebten. Sie wollten auch, daß ich dies ihren Verwandten sagte, die in Trauer waren, aber es wurde mir gestattet, ihnen zu antworten, daß diese, wenn ich es ihnen sagte, darüber spotten würden, weil sie glaubten, daß nichts existiere, was sie nicht mit eigenen Augen sehen könnten, und so würden sie es als Visionen und Täuschungen betrachten; denn sie können nicht dahin gebracht werden zu glauben, daß, wie die Menschen sich gegenseitig mit ihren Augen sehen, so auch die Geister sich gegenseitig mit den ihrigen sehen; und daß der Mensch keine Geister sehen könne, außer mit den Augen seines Geistes, und daß er sie dann sieht, wenn der Herr sein inneres Gesicht öffnet, wie es bei den Propheten geschah, die Geister und Engel und auch mehrere Dinge des Himmels sahen. Oh die, welche heutzutage leben, solche Dinge geglaubt hätten, wenn sie zu jener Zeit gelebt hätten, ist wohl zu bezweifeln.

*4528. Das Auge oder vielmehr das Sehvermögen desselben entspricht vorzüglich den Gesellschaften im anderen Leben, die im paradiesischen Zustande sind, und die oben nach vorne ein wenig zur Rechten erscheinen, wo sich gemäß ihrem Leben Gärten darstellen mit Bäumen und Blumen von so vielen Gattungen und Arten, daß die, welche sich auf der ganzen Erde finden, verhältnismäßig nur wenige sind. In jedem einzelnen Gegenstande daselbst ist etwas von Einsicht und Weisheit, was hervorleuchtet, so daß man sagen kann, sie befinden sich zugleich in Paradiesen der Einsicht und Weisheit.

Solche Dinge sind es, welche die, welche sich dort befinden, vom Inneren her anregen und nicht nur den Gesichtssinn erfreuen, sondern auch den Verstand. Diese paradiesischen Dinge sind im ersten Himmel und schon am Eingang zum Inneren dieses Himmels, und sie sind Vorbildungen, die von dem oberen Himmel herabsteigen, wenn die Engel des oberen Himmels nach ihrer Einsicht untereinander über die Glaubenswahrheiten reden. Die Rede der Engel geschieht dort durch geistige und himmlische Vorstellungen, die bei ihnen als Formen der Worte gelten und fortwährend durch ein Aneinanderreihen von Vorbildungen von solcher Schönheit und Annehmlichkeit entstehen, daß es gar nicht beschrieben werden kann. Diese Schönheiten und Annehmlichkeiten ihrer Reden sind es, welche wie paradiesische Dinge im unteren Himmel vorgebildet werden.

Dieser Himmel ist in mehrere Himmel unterschieden, denen die einzelnen Dinge entsprechen, die in den Kammern des Auges sind. Es gibt hier einen Himmel, wo die paradiesischen Gärten sind, von denen gesprochen wurde; ferner einen Himmel, wo verschiedenfarbige Atmosphären sind und die ganze Luft funkelt wie von Gold, Silber, Perlen, kostbaren Steinen, von Blumen in den kleinsten Gestalten und unzähligen anderen Dingen. Hier ist auch der Regenbogenhimmel, wo die schönsten Regenbogen, große und kleine, mannigfaltig in den prächtigsten Farben erscheinen. Diese Dinge entstehen alle durch das Licht, das vom Herrn stammt und in dem Einsicht und Weisheit ist. Dadurch ist in den einzelnen Gegenständen daselbst etwas von Einsicht des Wahren und von Weisheit des Guten, das sich so in vorbildlicher Weise darstellt.

Diejenigen, die keinen Begriff vom Himmel hatten noch vom Licht daselbst, können schwer dahingebracht werden, zu glauben, daß dort sich solche Dinge befinden; deshalb werden die, welche mit solchem Unglauben ins andere Leben eingehen, wenn sie im Wahren und Guten des Glaubens waren, von den Engeln in jene Dinge erhoben, und wenn sie dieselben sehen, erstaunen sie.

Über die paradiesischen Dinge, die Atmosphären und Regenbögen sehe man, was aus Erfahrung Nr. 1619-1626, 2296, 3220 gesagt wurde; und daß im Himmel fortwährende Vorbildungen stattfinden: Nr. 1807, 1808, 1971, 1980, 1981, 2299, 2763, 3213, 3216, 3217, 3218, 3222, 3350, 3475, 3485.

*4529. Ein Gewisser, der in der gelehrten Welt bekannt und berühmt war wegen seiner Kenntnis der Botanik, hörte, nachdem er gestorben, im anderen Leben, daß auch hier Blumen und Bäume zu sehen seien, worüber er erstaunte; und weil dies die Freude seines Lebens gewesen war, wurde er von dem Verlangen durchdrungen, zu sehen, ob dies wirklich der Fall sei. Deswegen wurde er in paradiesische Gegenden erhoben und sah nun die schönsten Baumgruppen und die lieblichsten Blumenbeete in außerordentlicher Ausdehnung; und weil er jetzt in die Wärme seines Lustreizes aus seiner Neigung kam, so wurde ihm erlaubt, die Ebene zu durchwandern und nicht nur die einzelnen Blumen zu sehen, sondern auch sie zu pflücken und vor das Auge zu halten und zu erforschen, ob die Sache sich wirklich so verhalte.

Er redete auch mit mir darüber und sagte, daß er dies niemals geglaubt hätte, und wenn man solches in der Welt gehört hätte, so würde man es für etwas Paradoxes (Unmögliches) gehalten haben.

Ferner berichtete er, daß er dort Pflanzen und Blumen in außerordentlicher Menge gesehen habe, die man niemals in der Welt gesehen und die man dort kaum erkennen würde; und daß sie alle in einem unbegreiflichen Glanze schimmerten, weil sie aus dem Himmelslicht stammen. Daß dieser Glanz einen geistigen Ursprung habe, konnte er noch nicht erkennen, nämlich daß in allen etwas von Einsicht und Weisheit liege, die Sache des Wahren und Guten sind, und aus denen sie jenen Schimmer haben. Weiter sagte er, die Menschen auf Erden würden dies durchaus nicht glauben, weil es nur wenige gebe, die glaubten, daß irgendein Himmel und eine Hölle sei, und die, welche dies glaubten, wüßten nur, daß im Himmel Freude herrsche, aber nur wenige unter ihnen, daß es dort solche Dinge gebe, die kein Auge jemals gesehen, kein Ohr jemals gehört und kein Verstand jemals denken konnte. Und doch wissen sie aus dem Worte, daß die Propheten außerordentliche Gesichte hatten, wie auch Johannes mehrere hatte, wovon in der Offenbarung. Diese Erscheinungen waren jedoch nur vorbildlich, wie sie beständig im Himmel stattfinden, und die sich ihnen zeigten, sobald ihr inneres Ge sicht geöffnet wurde. Solche Erscheinungen sind verhältnismäßig wenig bedeutend.

Die, welche in der Einsicht und Weisheit selbst sind, aus denen jene entspringen, befinden sich in einem solchen Zustande der Glückseligkeit, daß die erwähnten Dinge für sie von geringerer Bedeutung sind. Einige sagten, als sie in dem paradiesischen Zustande waren, daß dieses über alle Stufen der Glückseligkeit hinausgehe, sie wurden deshalb mehr gegen rechts in den Himmel erhoben, der noch prächtiger glänzte, und endlich bis zu dem, in dem auch das Selige der Einsicht und Weisheit, die in solchen Dingen liegt, empfunden wurde, und als sie nun da selbst waren, sprachen sie auch mit mir und sagten, das, was sie vorher gesehen hätten, sei verhältnismäßig unbedeutend. Und endlich wurden sie bis zu dem Himmel erhoben, wo sie vor der Seligkeit des inneren Gefühls kaum bestehen konnten; denn die Seligkeit drang durch bis ins Mark, und da dieses durch das Wonnegefühl fast aufgelöst wurde, fingen sie an, in ein heiliges Selbstvergessen zu sinken.

*4530. Auch Farben erscheinen im anderen Leben, die an Glanz und Pracht die Schönheit der Farben in der Welt so sehr übertreffen, daß kaum ein Vergleich besteht. Sie entstehen aus der Vermischung des Lichts und des Schattens daselbst; und weil es hier die Einsicht und die Weisheit vom Herrn ist, die als Licht vor den Augen der Engel und Geister erscheint und zugleich innerlich ihren Verstand erleuchtet, so sind die Farben daselbst ihrem Wesen nach Mischungen, sozusagen Modifikationen der Einsicht und Weisheit.

Diese Farben, nicht nur die, mit denen die Blumen geschmückt, die Atmosphären erleuchtet und die Regenbogen gebildet werden, sondern auch die, welche in anderen Gebilden deutlich erschienen, wurden sooft von mir gesehen, daß es kaum zu zählen ist. Ihren Glanz haben sie aus dem Wahren, das Sache der Einsicht ist, und ihr Leuchten aus dem Guten, das Sache der Weisheit ist, und die Farben selbst kommen aus dem Hellen und Dunkeln beider, somit aus Licht und Schatten, wie die Färbungen in der Welt.

Daher kommt es, daß die Farben, die im Worte erwähnt werden, z.B. die der kostbaren Steine im Brustschild Aharons und auf seinen heiligen Gewändern, auch die an den Vorhängen der Stiftshütte, wo die Bundeslade war, ferner die der Grundsteine des neuen Jerusalems, von denen bei Johannes in der Offenbarung und anderswo gesprochen wird, solche Dinge vorbildeten, die der Einsicht und Weisheit angehören. Was aber die einzelnen Farben vorbilden, soll, vermöge der göttlichen Barm herzigkeit des Herrn, in den Erklärungen gesagt werden.

Im allgemeinen stammen die Farben dort in dem Maße wie sie Glanz besitzen und ins Helle übergehen, aus dem Wahren, das Sache der Einsicht ist, und in dem Maß wie sie etwas Leuchtendes haben und ins Purpurfarbige übergehen, aus dem Guten, das Sache der Weisheit ist.

Die, welche hier ihren Ursprung haben, gehören auch zu dem Gebiete der Augen.

*4531. Weil Einsicht und Weisheit vom Herrn stammen, und wie Licht im Himmel erscheinen, heißen die Engel Engel des Lichts; somit ist es der Unverstand und der aus dem Eigenen stammende Wahnwitz, der in der Hölle herrscht, und daher werden die, welche dort sind, nach der Finsternis benannt.

In der Hölle ist zwar keine Finsternis, aber es herrscht daselbst ein dunkles Licht, so wie von einem Kohlenfeuer, in dem sie sich gegenseitig sehen; denn sonst könnten sie nicht leben. Dieses Licht entsteht für sie aus dem Licht des Himmels, das, wenn es in ihr Unsinniges, d.h. in ihre Falschheiten und Begierden einfällt, in solches verkehrt wird. Der Herr ist mit dem Licht allenthalben gegenwärtig, auch in den Höllen, sonst hätten sie keine Fähigkeit zu denken und daher zu reden. Aber das Licht gestaltet sich gemäß der Aufnahme.

Dieses Licht ist es, das im Worte Todesschatten genannt und mit der Finsternis verglichen wird; denn es wird bei ihnen in Finsternis verkehrt, wenn sie sich dem Himmelslicht nähern, und wenn sie in ihrer Finsternis sind, so sind sie in Albernheit und Stumpfsinn. Hieraus kann man erkennen, daß wie das Licht dem Wahren, so die Finsternis dem Falschen entspricht; und daß es mit Recht von denen, die im Falschen sind heißt, sie sehen in Blindheit.

*4532. Die, welche meinen, das Gute und Wahre aus sich zu verstehen und daher auf sich allein vertrauen und so sich weiser dünken als alle, während sie doch in Unkenntnis des Guten und Wahren sind, besonders die, welche das Gute und Wahre nicht einsehen wollen und des halb im Falschen sind, werden im anderen Leben bisweilen in den Zustand der Finsternis versetzt, und wenn sie sich in demselben befinden, reden sie albern; denn sie sind im Stumpfsinn. Es wurde mir gesagt, daß es mehrere von solcher Art gebe, unter ihnen die, welche im größten Licht zu stehen glaubten und auch anderen so erschienen waren.

*4533. Unter den wunderbaren Dingen, die im anderen Leben erscheinen, ist auch dies, daß, wenn die Engel böse Geister erforschen, diese ganz anders erscheinen, als unter sich. Wenn die bösen Geister und Dämonen (genii) unter sich sind, und in ihrem Irrlicht, das ähnlich wie von einem Kohlenfeuer ist, dann erscheinen sie sich in menschlicher Gestalt, die auch, ihren Phantasien gemäß, nicht unschön ist; aber wenn dieselben von den Engeln des Himmels untersucht werden, dann verschwindet sogleich jenes Licht, und sie erscheinen in ganz anderer Gestalt, jeder seinem Genius gemäß: einige dunkel und schwarz wie Teufel, einige fahl wie Leichname, einige beinahe ohne Gesicht, die statt dessen etwas Haariges haben. Einige haben gleichsam eine Doppelreihe von Zähnen, einige erscheinen wie Skelette; und was noch erstaunlicher ist, einige wie Ungeheuer, die Arglistigen wie Schlangen, und die Arglistigsten wie giftige Vipern, andere wieder anders. Sobald aber die das Gesicht von ihnen abwenden, erscheinen sie wieder in der früheren Gestalt, die sie in ihrem Licht haben.

Die Engel untersuchen die Bösen so oft wie sie wahrnehmen, daß dieselben aus ihren Höllen in die geistige Welt einzudringen streben und gegen andere Böses beabsichtigen; dadurch werden sie entdeckt und zurückgetrieben. Der Grund, weshalb in dem Anschauen der Engel eine so große Kraft liegt, liegt darin, weil eine Entsprechung stattfindet zwischen dem Sehen des Verstandes und dem des Auges; daher hat ihr Sehen eine durchdringende Kraft, durch die das höllische Licht zerstreut wird und jene die Höllischen in der Gestalt und Art erscheinen, wie sie wirklich sind.


*4622. Von der Entsprechung des Geruchs und der Nase mit demselben.

Im anderen Leben gibt es mannigfaltige Wohnungen der Seligen, die mit solcher Kunst erbaut sind, daß sie gleichsam im Wesen der architektonischen Kunst wurzeln oder unmittelbar aus dieser Kunst her vorgehen. Über die Wohnungen der Seligen sehe man, was früher aus Erfahrung darüber gesagt worden: Nr. 1119, 1626-1630. Dieselben er scheinen nicht nur ihrem Blick, sondern auch ihrem Gefühl; denn alles, was sich dort befindet, ist für die Sinne der Geister und Engel passend eingerichtet; die Gegenstände daselbst sind daher so beschaffen, daß sie nicht in die körperliche Sinneswahrnehmung des Menschen fallen, sondern in die Sinne derer, die sich dort befinden.

Ich weiß wohl, daß dies vielen unglaublich dünkt, aber nur deshalb, weil man nichts glaubt, was man nicht mit den Augen des Körpers sehen und mit den leiblichen Händen betasten kann. Daher kommt es, daß heutzutage der Mensch, dem das Innere verschlossen ist, nichts von dem weiß, was in der geistigen Welt oder im Himmel existiert. Er bekennt zwar aus dem Worte und aus der Lehre, daß es einen Himmel gibt, und daß die Engel, die darin sind, in Freude und in Herrlichkeit leben, aber weiter weiß er nichts. Er wünscht zwar zu wissen, wie es dort zu geht; aber wenn es ihm gesagt wird, glaubt er es dennoch nicht, weil er im Herzen leugnet, daß es einen Himmel gibt. Wenn er es zu wissen wünscht, ist es nur, weil eben gerade seine Neugierde durch die Lehre angeregt ist, keineswegs aber die Lust am Glauben. Die, welche keinen Glauben haben, leugnen es auch im Herzen.

Diejenigen dagegen, die glauben, erwerben sich Vorstellungen vom Himmel, von seiner Freude und Herrlichkeit aus Verschiedenem, ein jeder aus solchem, was Eigentum seines Wissens und seiner Einsicht ist, die Einfältigen dagegen aus den Sinneswahrnehmungen, die Sache des Körpers sind. Gleichwohl aber begreifen die meisten nicht, daß die Geister und Engel mit Sinnesorganen ausgerüstet sind, und zwar mit weit vorzüglicheren als die Menschen in der Welt, nämlich mit Gesicht, Gehör, Geruch, mit einem dem Geschmack ähnlichen Sinn, und mit dem Gefühl, besonders aber mit Wonnegefühlen der Neigungen. Wenn sie nun glauben würden, daß ihr inneres Wesen der Geist ist, und daß der Körper und die leiblichen Sinnesorgane und Glieder nur für die Nutzzwecke in der Welt passend eingerichtet sind, der Geist aber und die geistigen Sinne und Organe für die Nutzzwecke im anderen Leben, dann würden sie aus sich und fast von selbst Vorstellungen über den Zustand ihres Geistes nach dem Tode erlangen. Sie würden nämlich dann bei sich denken, daß eben der Geist der eigentliche Mensch ist, der denkt und begehrt und wünscht und angeregt wird, und dann auch, daß die ganze Sinnestätigkeit, die im Körper erscheint, von ihrem Geist ausgeht und dem Körper nur durch den Einfluß desselben mitgeteilt wird. Dies würden sie dann auch bei sich durch vieles bestätigen können und sich zuletzt mehr über das freuen, was ihrem Geist, als über das, was ihrem Körper angehört.

In der Tat verhält es sich auch so, daß es nicht der Körper ist, der sieht, hört, riecht, fühlt, sondern der Geist; deshalb befindet sich der Geist, wenn er vom Körper befreit ist, in seiner vollen Sinnestätigkeit, wie er sie im Körper hatte, und zwar in einer viel vorzüglicheren; denn die leiblichen Sinne bewirkten, weil sie verhältnismäßig grob sind, nur abgeschwächte Empfindungen, und dies um so mehr, weil er sie mit Irdischem und Weltlichem vermengte.

Soviel kann ich behaupten, daß der Geist ein bei weitem vorzüglicheres Gesicht hat als der Mensch mit seinem Körper; ferner auch ein Gehör und, worüber man sich wundern wird, einen Geruchssinn und besonders einen Gefühlssinn, denn sie sehen sich gegenseitig, hören sich und fühlen sich gegenseitig.

Wer an ein Leben nach dem Tode glaubt, würde dies auch daraus schließen, weil ein Leben ohne Sinneswahrnehmung gar nicht möglich ist, und weil die Beschaffenheit des Lebens sich nach der Beschaffenheit des Sinnes richtet, ja daß sogar das Verstandesvermögen nichts ist als ein feiner Sinn für innere Dinge, und das höhere Verstandesvermögen ein solcher Sinn ist für geistige Dinge. Daher auch die Organe, die dem Verstande und seiner Wahrnehmung angehören, die inneren Sinne genannt werden. Mit dem Sinnesvermögen des Menschen gleich nach dem Tode verhält es sich auf folgende Weise: sobald der Mensch stirbt und das Körperliche Bei ihm erkaltet, wird er zum Leben auferweckt und dann auch zu dem Zustand seiner ganzen Sinnestätigkeit, und zwar so sehr, daß er zuerst kaum anders weiß, als daß er noch in seinem Körper sei; denn die Sinneswahrnehmungen, in denen er sich befindet, veranlassen ihn, so zu glauben. Wenn er aber dann wahrnimmt, daß er feinere Sinneswahrnehmungen hat, und besonders, wenn er mit anderen Geistern zu reden beginnt, dann bemerkt er, daß er im anderen Leben ist, und daß der Tod seines Körpers nur die Fortsetzung des Lebens seines Geistes war.

Mit zweien, die ich gekannt habe, redete ich an demselben Tage, an dem sie beerdigt wurden, und auch mit einem, der vermittelst meiner Augen seinen Sarg und seine Totenbahre sah, und weil dieser in vollem Besitz seiner Sinne war wie in der Welt, sprach er mit mir über das Leichenbegräbnis, während ich seinen Leichenzug begleitete, und auch über seinen Körper, indem er sagte, man solle ihn beiseite legen, weil er selbst lebe.

Man muß aber wissen, daß die, welche im anderen Leben sind, nichts von dem, was in der Welt ist, durch die Augen eines Menschen sehen können; daß es ihnen aber vermittelst meiner Augen möglich war, weil ich meinem Geiste nach bei ihnen bin, und zugleich dem Leibe nach bei denen, die in der Welt sind; man sehe auch Nr. 1880; und außer dem merke man, daß ich diejenigen, mit denen ich im anderen Leben sprach, nicht mit meinen leiblichen Augen sah, sondern mit den Augen meines Geistes, gleichwohl aber ebenso deutlich, und bisweilen noch deutlicher als mit den Augen des Leibes; denn vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn wurden bei mir die Organe eröffnet, die meinem Geist angehören. Ich weiß jedoch, daß das, was ich bisher sagte, keinen Glauben finden wird bei denen, die im Körperlichen, Irdischen und Weltlichen versunken sind, d.h. bei denen unter ihnen, die dieses zu ihrem Zwecke gemacht haben; denn diese begreifen nichts anderes, als das, was durch den Tod verschwindet.

Ebenso weiß ich, daß auch diejenigen nicht glauben werden, die viel über die Seele nachdachten und forschten, aber dabei nicht begriffen, daß die Seele ihr Geist ist, und daß ihr Geist der Mensch selbst ist, der im Körper lebt; denn solche können sich keinen anderen Begriff von der Seele machen, als daß sie etwas Gedachtes, oder Flammenähnliches oder Ätherisches sei, das nur auf die organischen Gebilde des Körpers einwirkt, aber nicht auf die feineren Gebilde, die dem Geist im Körper angehören, und so halten sie dieselbe für etwas, das mit dem Körper zugrunde gehen müsse. So besonders die, welche sich in solchen Ansichten durch Anschauungen bestärkt haben, die ihnen durch die Überzeugung von ihrer alle andere überragenden Weisheit eingeflößt wurden.

*4623. Man muß aber wissen, daß das Empfindungsleben der Geister ein doppeltes ist, nämlich ein reales und ein nicht reales. Das eine ist vom anderen darin unterschieden, daß alles das real ist, was denen er scheint, die im Himmel sind, aber alles nicht real, was denen erscheint, die in der Hölle sind; denn alles, was aus dem Göttlichen, d.h. vom Herrn kommt, ist real, denn es kommt aus dem Sein oder Wesen der Dinge selbst und aus dem Leben in sich; aber alles, was aus dem Eigenen des Geistes kommt, ist nicht real, weil es nicht aus dem Sein der Dinge und nicht aus dem Leben in sich kommt.

Diejenigen, die in der Neigung des Guten und Wahren leben, sind im Leben des Herrn, somit im realen Leben; denn im Guten und Wahren ist der Herr durch die Neigung gegenwärtig; diejenigen aber, die sich aus Neigung im Bösen und Falschen befinden, sind im Leben ihres Eigenen, somit im nicht realen Leben; denn im Bösen und Falschen ist der Herr nicht gegenwärtig.

Das Reale unterscheidet sich vom nicht Realen dadurch, daß das Reale in Wirklichkeit so ist, wie es erscheint, und daß das nicht Reale in Wirklichkeit nicht so ist, wie es erscheint.

Die in der Hölle sind, haben auf gleiche Weise Empfindungen und wissen nichts anderes, als daß es wirklich oder tatsächlich so sei, wie sie fühlen. Gleichwohl aber erscheinen, wenn sie von den Engeln erforscht werden, ebendieselben Dinge als Phantasmen und verschwinden, und sie selbst erscheinen nicht wie Menschen, sondern wie Ungeheuer.

Es wurde mir auch gegeben, mit ihnen hierüber zu reden, und einige unter ihnen sagten, sie glaubten, daß diese Dinge wirklich seien, weil sie dieselben sähen und berührten, und sie fügten hinzu, daß ihr Sinn sie nicht täuschen könne. Aber es wurde mir gestattet, ihnen zu antworten, daß sie dennoch nicht wirklich seien, und zwar deshalb, weil sie sich im Widerspruch oder im Gegensatz mit dem Göttlichen befänden, nämlich im Bösen und Falschen, wie sehr es ihnen auch als Reales erscheine, und außerdem seien sie selbst, insofern sie in den Begierden des Bösen und in den Beredungen des Falschen lebten, nichts als Phantasien in Ansehung ihres Denkens; und aus Phantasien etwas sehen, heißt, das Wirkliche so sehen, als ob es nicht wirklich, das nicht Wirkliche hingegen so sehen, als ob es wirklich wäre; und wenn es ihnen nicht, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, gestattet wäre, so zu empfinden, so würden sie gar kein Empfindungsleben haben, daher auch kein Leben; denn die Empfindung macht das Ganze des Lebens aus.

Alle Erfahrungen hierüber anzuführen, würde viele Seiten anfüllen. Es mögen sich daher alle, wenn sie in das andere Leben kommen, wohl hüten, daß sie nicht getäuscht werden; denn die bösen Geister wissen denen, die eben erst aus der Welt kommen, verschiedene Trugbilder vorzuführen, und wenn sie nicht täuschen können, so versuchen sie doch, sie zu überreden, daß es nichts Reales gehe, sondern daß alles nur auf Verstellungen beruhe, auch das, was im Himmel ist.

*4624. Was aber die Entsprechung des Geruchssinnes und daher auch der Nase mit dem Größten Menschen anlangt, so gehören zu diesem Gebiet (provincia) die, welche sich in einem allgemeinen Innewerden befinden, so daß man sie Wahrnehmungen nennen kann. Diesen entspricht der Geruchssinn und folglich auch dessen Organ. Daher kommt es auch, daß riechen und wittern, scharfsinnig sein bedeutet, und daß man auch in der gewöhnlichen Rede von denen, die eine Sache gut er raten oder innewerden können, sagt, daß sie eine „gute Nase“ hätten; denn das Innere der Worte in der menschlichen Rede entlehnt vieles aus der Entsprechung mit dem Größten Menschen, und zwar darum, weil sich der Mensch in Ansehung seines Geistes in Gesellschaft mit Geistern befindet, in betreff seines Körpers aber mit Menschen.

*4625. Der Gesellschaften aber, aus denen der ganze Himmel, d.h. der Größte Mensch besteht, gibt es viele, und sie sind mehr oder weniger allgemein. Die allgemeineren sind diejenigen, denen ein ganzes Glied, Organ oder Eingeweide entspricht; die weniger allgemeinen diejenigen, denen nur Teile und Teile von Teilen entsprechen. Eine jede Gesellschaft ist ein Bild des Ganzen; denn was übereinstimmend harmonisch ist, wird aus vielen Bildern seiner selbst zusammengesetzt.

Jene allgemeineren Gesellschaften enthalten, weil sie Bilder des Größten Menschen sind, in sich besondere Gesellschaften, die in gleicher Weise entsprechen. Ich habe einigemal mit solchen geredet, die in der Gesellschaft, zu der ich geschickt wurde, zu Gegenden der Lunge, des Herzens, des Angesichtes, der Zunge, des Ohres, des Auges gehör ten, wie auch mit solchen, die zur Gegend der Nase gehörten. Von diesen wurde mir auch zu wissen gegeben, wie sie beschaffen sind, nämlich, daß sie wesentlich Wahrnehmungen (perceptiones) sind; denn sie vernahmen alles, was in ihrer Gesellschaft vorging im allgemeinen, aber nicht so im einzelnen, wie die, welche in dem Gebiet des Auges sind; denn diese unterscheiden und vernehmen das, was in der Wahrnehmung enthalten ist. Auch durfte ich beobachten, daß ihr Wahrnehmungsvermögen sich änderte, gemäß dem allgemeinen Zustandswechsel der Gesellschaft, in der sie sich befinden.

*4626. Wenn irgendein Geist ankommt, wird, wenn er auch noch ferne und im Verborgenen ist, seine Gegenwart dennoch empfunden, so oft der Herr es gestattet, und zwar vermöge einer gewissen geistigen Sphäre, und aus dieser erkennt man, wie sein Lehen, seine Neigung und sein Glaube beschaffen sind. Die Engel-Geister, die in einem vorzüglicheren Innewerden sind, erkennen daraus Unzähliges über den Zustand seines Lebens und Glaubens. Das ist mir oftmals gezeigt worden. Diese Sphären werden, wenn es dem Herrn gefällt, auch in Gerüche verwandelt. Der Geruch selbst wird deutlich empfunden. Daß diese Sphären in Gerüche verwandelt werden, kommt daher, weil der Geruch dem Innewerden entspricht, und weil das Innewerden gleichsam wie ein geistiger Geruch ist. Von daher stammt auch der Geruch.

Man sehe, was hierüber schon früher aus Erfahrung berichtet worden ist:

über die Sphären: Nr. 1048, 1053, 1316, 1504-1519, 1695, 2401, 2489, 4464;

vom Wahrnehmen: Nr. 483, 495, 503, 521, 536, 1383, 1384, 1388, 1391, 1397, 1398, 1504, 1640;

von den Gerüchen daraus: Nr. 1514, 1517, 1518, 1519, 1631, 3577.

*4627. Die aber, die dem Inneren der Nase entsprechen, sind in betreff des Innewerdens in einem vollkommeneren Zustande als die, welche dem Äußeren derselben entsprechen, von denen oben gehandelt wurde. Von diesen darf ich Folgendes berichten:

Es erschien mir wie ein Bad mit langen Sitzen oder Bänken, und daraus strömte Wärme; hier erschien ein Weib, das bald in einer schwärzlichen Wolke verschwand; auch wurden Kinder gehört, die sagten, daß sie hier nicht sein wollten. Späterhin bemerkte man einige Engelchöre, die zu mir geschickt wurden, um das Streben einiger böser Geister abzuwenden. Dann erschienen plötzlich oberhalb der Stirne größere und kleinere Öffnungen, durch die ein schönes gelbliches Licht hindurchschimmerte, und in diesem Licht innerhalb der Öffnungen er schien etwas in schneeweißem Glanze, und dann erschienen wiederum kleine Öffnungen in anderer Anordnung, durch die das, was sich inner halb befand, durchblickte, und wiederum andere Öffnungen, durch die das Leuchtende nicht so durchdringen konnte; endlich aber wurde ein heilschimmerndes Licht wahrgenommen. Es wurde mir gesagt, daß hier die Wohnungen derjenigen seien, welche die innere Gegend der Nase bilden; sie waren nämlich aus dem weiblichen Geschlecht, und daß die Schärfe und Feinheit ihres Innewerdens in der geistigen Welt durch solche Öffnungen vorgebildet wird; denn das Geistige im Himmel wird durch Natürliches vorgebildet, oder vielmehr durch solches, was in der geistigen Welt dem Natürlichen ähnlich ist.

Späterhin wurde mir gestattet, mit ihnen zu reden, und sie sagten, daß sie durch diese vorbildlichen Öffnungen genau sehen könnten, was unterhalb geschehe, und daß diese Öffnungen zu den Gesellschaften hingewendet erschienen, die sie scharf zu beobachten suchten, und weil sie dann zu mir hingewendet waren, sagten sie, daß sie alle Vorstellungen meines Denkens wahrnehmen könnten, wie auch derer, die um mich waren. Dabei behaupteten sie noch, daß sie nicht nur die Vorstellungen wahrnehmen, sondern auch sehen, wie sie sich ihnen in verschiedener Weise vorbildeten, z.B. was der Neigung zum Guten an gehöre, durch zusammenschlagende Flämmchen, und was der Neigung des Wahren angehöre, durch Veränderungen des Lichts. Sie fügten hinzu, daß sie gewisse Engelgesellschaften bei mir sehen und die Gedanken derselben, vermittelst verschiedener Färbungen, durch Purpurfarbiges, wie in gestickten Vorhängen, und auch durch Regenbogenfarbiges auf dunklerem Grunde, und daß sie daraus inne würden, daß diese Engelgesellschaften aus der Gegend des Auges wären.

Hierauf wurden andere Geister gesehen, die von da aus herabgestürzt, und nach verschiedenen Seiten hin zerstreut wurden, und von diesen sagten sie, es wären solche, die sich bei anderen einschmeichelten, um etwas wahrzunehmen und zu sehen, was unterhalb ihrer vorgehe, aber nur in der Absicht, Nachstellungen zu bereiten. Dieses Herabstürzen wurde beobachtet, so oft Engelchöre ankamen, mit denen ich auch geredet habe.

Von denen, die herabgestürzt wurden, sagten sie, daß sie dem Drüsenschleim der Nase entsprechen, ferner daß sie stumpfsinnig und dumm und auch ohne Gewissen seien, somit völlig ohne inneres Innewerden. Das Weib, das erschien, und von dem oben die Rede war, bezeichnet solch lauernde Nachstellerinnen. Auch mit diesen durfte ich reden; und sie wunderten sich, daß jemand ein Gewissen habe, und wußten gar nicht, was ein Gewissen sei; und als ich ihnen sagte, es sei ein inneres Vernehmen des Guten und Wahren, und daß, wenn man gegen dieses innere Vernehmen handle, Beängstigungen entstehen, verstanden sie es nicht. Solcherart sind die, welche dem Schleim entsprechen, welcher der Nase lästig ist und daher ausgeworfen wird.

Es wurde mir darauf ein helles Licht gezeigt, in dem diejenigen leben, die dem Inneren der Nase entsprechen. Es war ein helles Licht (lucidum), schön durchzogen mit Streifen goldener Flammen und silberhellen Lichts. Die Neigungen des Guten werden hier durch eine Ader (oder Streifen) von goldenen Flammen und die Neigungen des Wahren durch Adern eines silberhellen Lichts vorgebildet. Auch wurde mir gezeigt, daß sie Öffnungen haben an der Seite, durch die sie gleichsam einen Himmel mit Sternen in blauem Grunde sehen; und es wurde gesagt, daß in ihren Kammern ein so starkes Licht sei, daß das Mittagslicht der Welt ihm nicht gleich komme. Es wurde noch hinzugefügt, daß die Wärme bei ihnen wie die Frühlings- und Sommerwärme auf Erden sei; ferner, daß auch kleine Kinder bei ihnen seien, aber nur Kinder von einigen Jahren, und daß diese nicht dableiben wollen, wenn jene Nachstellenden, die dem Nasenschleim entsprechen, herbeikommen.

Unzählige solche vorbildenden Erscheinungen zeigen sich in der geistigen Welt. Diese aber waren Vorbildungen des Innewerdens, in dem diejenigen sind, die dem Geruchssinn der inneren Nasenteile entsprechen.

*4628. Was ferner die Gerüche betrifft, in welche die Sphären des Innewerdens verwandelt werden, so werden sie ebenso deutlich empfunden, wie die Gerüche auf Erden, dringen aber nicht in die Empfindung eines Menschen ein, bei dem das Innere verschlossen ist, denn sie fließen durch den inneren Weg ein, nicht aber durch den äußeren.

Diese Gerüche haben einen zweifachen Ursprung: sie entstehen nämlich aus dem Innewerden des Guten und aus dem Innewerden des Bösen. Die, welche aus dem Innewerden des Guten entspringen, sind außerordentlich angenehm, und hauchen einen Duft aus, wie aus wohl riechenden Blumen eines Gartens und auch aus anderen Düften, mit so großer Lieblichkeit und Abwechslung, daß es unaussprechlich ist. In den Sphären solcher Gerüche befinden sich die, welche im Himmel sind.

Die Gerüche hingegen, die aus dem Innewerden des Bösen stammen, sind höchst unangenehm, stinkend und übelriechend, wie aus faulendem Gewässer, aus Exkrementen, aus Aas und mit üblem Geruch wie von Mäusen und Ungeziefer des Hauses. In den Sphären solcher üblen Dünste befinden sich die, welche in der Hölle sind, und was wunderbar ist, die, welche sich darin befinden, fühlen den Gestank nicht, diese üblen Gerüche sind ihnen vielmehr ergötzlich; und wenn sie darinnen sind, befinden sie sich in der Sphäre ihrer Lustreize und ihres Vergnügens. Wenn aber die Hölle geöffnet wird, und der Dunst von daher zu den guten Geistern dringt, dann werden diese von Abscheu und auch von Angst ergriffen, wie die in der Welt, die in die Sphäre eines solchen Gestankes geraten.

*4629. Um alle die Erfahrungen, die ich von der Umwandlung der Sphären in Gerüche gemacht habe, zu berichten, müßte ich ein ganzes Heft vollschreiben; man sehe, was hierüber Nr. 1514, 1517, 1518, 1519, 1631, 3577 berichtet worden ist. Diesem will ich nur noch Folgendes beifügen:

Ich vernahm einst bei mehreren Geistern das Allgemeine ihres Denkens über den Herrn, daß Er als Mensch geboren worden sei, und bemerkte, daß es aus lauter anstößigen Vorstellungen bestand; denn was die Geister im allgemeinen und besonderen denken, das wird deutlich von anderen wahrgenommen. Der Geruch dieser Sphäre wurde ähnlich empfunden, wie der von fauligem Wasser, und von solchem, das mit stinkendem Unrat verunreinigt ist.

*4630. Ein gewisser Geist war unsichtbar oberhalb meines Kopfes zugegen. Daß er anwesend war, bemerkte ich aus dem üblen Geruch, der wie aus faulen Stoffen in den Zähnen war; und nachher bemerkte man einen Dunst wie von verbranntem Horn oder Knochen. Darauf kam ein großer Haufe von solchen, von unten her, nicht weit vom Rücken aufsteigend wie eine Wolke, und weil sie auch unsichtbar waren, vermeinte ich, sie seien sehr fein und doch böse, aber es wurde gesagt, daß solche überall, wo eine geistige Sphäre ist, unsichtbar sind, wo aber eine natürliche Sphäre ist, da sind sie sichtbar, denn weil sie so naturmäßig sind, daß sie nichts über das Geistige denken und nicht glauben, daß es eine Hölle und einen Himmel gebe, gleichwohl aber in ihrem Treiben sehr schlau sind, haben sie eine solche Beschaffenheit und werden natürliche Unsichtbare genannt und anderen bisweilen durch ihren Gestank offenbar; wovon oben.

*4631. Zwei oder dreimal wehte mich auch ein aasartiger Geruch an, und als ich forschte, von wem er herkomme, wurde mir angezeigt, daß er aus der Hölle komme, wo abscheuliche Räuber und Meuchelmörder sich befinden und solche, die Schandtaten mit großer List vollbrachten. Bisweilen kam auch ein Geruch wie von Exkrementen, und wenn ich forschte, von woher, wurde gesagt, von der Hölle, in der die Ehebrecher sind. Und wenn dieser Geruch wie von Exkrementen noch vermischt war mit dem aasartigen, so wurde gesagt, daß er von der Hölle komme, in der die Ehebrecher sind, die zugleich grausam waren, usw.

*4632. Als ich einst über die Herrschaft der Seele im Körper nachdachte und über den Einfluß des Willens auf die Handlungen, bemerkte ich, daß die, welche in der wie Exkremente riechenden Hölle waren, die damals ein wenig geöffnet war, nicht anders darüber dachten, als über den Drang der Seele auf den After und über den Einfluß des Willens auf das Ausstoßen der Exkremente. Hieraus erhellt, in welcher Sphäre des Innewerdens und dadurch des Gestankes sie sich befanden.

Ebenso geschah es, als ich über die eheliche Liebe nachdachte, daß nämlich die in der Hölle der Ehebrecher nichts als Schändliches und Schmutziges, wie es bei den Ehebrüchen vorkommt, in ihrem Sinn bewegten, und als ich über die Aufrichtigkeit dachte, hatten die, welche im Betrug lebten, nichts als betrügerische Schandtaten im Sinne.

*4633. Aus diesem, was von dem Innewerden und auch von den Gerüchen gesagt wurde, erhellt, daß das Leben eines jeden, sowie auch die Neigung eines jeden im anderen Leben deutlich hervortritt. Wer daher glaubt, daß man dort nicht wisse, wie er beschaffen gewesen und wie beschaffen daher sein Leben sei, und daß er dort seine Gesinnung wie in der Welt verheimlichen könne, der irrt sich sehr. Dort wird nicht nur das offenbar, was der Mensch von sich weiß, sondern auch das, was er nicht von sich weiß, nämlich was er durch häufige Übung zuletzt zum Lustreiz seines Lebens machte; denn dieses entzieht sich dann seinem Blick und seiner Reflexion. Auch die Zwecke seines Denkens und seiner Rede und seiner Handlungen, die aus gleichem Grunde ihm selbst verborgen wurden, werden im Himmel auf das deutlichste wahr genommen, denn der Himmel ist in der Sphäre und in dem Innewerden der Zwecke.


*4652. Von der Entsprechung des Gehörs und der Ohren mit demselben.

Was für eine Entsprechung zwischen der Seele und dem Leibe oder zwischen den Dingen, die dem innerhalb des Menschen befindlichen Geiste angehören, und den Dingen, die dem außerhalb des selben befindlichen Leibe angehören, stattfindet, kann augenscheinlich erhellen aus der Entsprechung, dem Einfluß und der Gemeinschaft des Denkens und Wahrnehmens, das dem Geiste angehört, mit der Rede und dem Gehör, die dem Leibe angehören.

Das Denken des redenden Menschen ist nichts anderes als die Rede seines Geistes, und die Wahrnehmung der Rede ist nichts anderes als das Gehör seines Geistes. Wenn der Mensch redet, erscheint ihm zwar das Denken nicht als eine Rede, weil es sich mit der Rede des Leibes verbindet und in derselben ist, und wenn der Mensch hört, erscheint die Wahrnehmung ihm nicht anders denn als ein Hören im Ohre, daher kommt es, daß die meisten, die nicht darüber nachgedacht haben, nicht anders wissen, als daß ein jeder Sinn in den Organen sei, die dem Leibe angehören, und daher, wenn jene Organe durch den Tod zerfallen, kein Sinnesvermögen übrigbleibe, während doch alsdann der Mensch, d.h. sein Geist erst in sein eigenstes Sinnesleben kommt.

Daß der Geist es ist, der redet, und der hört, konnte mir ganz klar werden aus den Unterredungen mit den Geistern: ihre Rede, die meinem Geist mitgeteilt wurde, fiel in meine inwendigere Rede, und von da in die entsprechenden Organe ein, und dort endigte sie in einen Trieb, den ich einige Male deutlich wahrnahm. Daher wurde ihre Rede von mir so laut gehört, wie die Rede eines Menschen.

Zuweilen haben Geister mit mir geredet, da ich mitten unter Menschen war, und da meinten einige von ihnen, daß sie auch von den da selbst Anwesenden gehört würden, weil ihre Rede so laut von mir gehört wurde. Aber es wurde geantwortet, es sei nicht so, weil ihre Rede auf dem inwendigen Weg in mein Ohr eingehe, und die menschliche Rede auf dem äußeren Wege.

Hieraus wird klar, wie der Geist mit den Propheten geredet hat, nicht wie ein Mensch mit einem anderen, sondern wie ein Geist mit dem Menschen, nämlich in ihm: Sach. 119, 13; 2/2, 7; 4/1, 4, 5; 5/5, 10; 6/4 und anderwärts.

Aber ich weiß, daß dies diejenigen nicht begreifen können, die nicht glauben, daß der Mensch ein Geist ist und der Leib ihm bloß zu den Nutzleistungen in der Welt diene. Die, welche sich darin begründet haben, wollen nicht einmal von einer Entsprechung hören, und wenn sie davon hören, so verwerfen sie es, weil sie in der Verneinung sind; ja sie werden sogar traurig, daß dem Leib etwas genommen werden soll.

*4653. Die Geister, die dem Gehör entsprechen oder das Gebiet des Ohres bilden, sind es, die im einfältigen Gehorsam sind, die nämlich nicht vernünfteln, ob es so sei, sondern weil von anderen gesagt wird, es sei so, glauben, daß es so sei. Daher können sie Gehorsamkeiten (obedientiae) genannt werden. Daß diese von solcher Art sind, kommt daher, weil sich das Gehör zur Rede verhält wie das Leidende zu seinem Tätigen, somit wie der, welcher einen reden hört und sich dabei beruhigt; daher auch in der gemeinen Rede „auf einen hören“ heißt, gehorsam sein, und „auf die Stimme jemandes horchen“, gehorchen; denn das Inwendigere der Menschensprache rührt größtenteils von der Entsprechung her, aus dem Grund, weil der Geist des Menschen unter den im anderen Leben befindlichen Geistern ist und dort denkt, was der Mensch gar nicht weiß und der leibliche Mensch auch nicht wissen will.

Es gibt mehrere Unterschiede von Geistern, die dem Ohr, d.h. seinen Verrichtungen und Geschäften entsprechen: es gibt solche, die zu den einzelnen kleinen Organen daselbst in Beziehung stehen, solche nämlich, die zum äußeren Ohr, die zu der Membrane daselbst, die das Trommelfell genannt wird, zu den inwendigeren Membranen, welche die Fenster heißen, zum Hammer, Steigbügel, Amboß, den Zylindern, der Schnecke in Beziehung stehen, und es gibt solche, die zu den noch inwendigeren Teilen gehören, bis zu jenen substanziierten, die dem Geist näher sind und die endlich im Geist sind und zuletzt in innigster Verbindung mit denjenigen stehen, die zum inwendigen Gesicht gehören, von denen sie sich dadurch unterscheiden, daß sie nicht so genau prüfen, sondern gleichsam geduldig dem was gesagt wird beipflichten.

*4654. Es waren Geister bei mir, die sehr stark ins Denken einwirkten, wenn es sich um solches handelte, was Sache der Vorsehung ist, hauptsächlich wenn ich dachte, daß nicht geschehen sei, was ich hoffte und wünschte. Es wurde von den Engeln gesagt, daß es Geister wären, die, als sie in der Welt lebten und um etwas gebetet, aber es nicht erlangt hatten, unwillig wurden und deshalb in Zweifel an die Vorsehung gerieten, aber dennoch, wenn sie außerhalb jenes Zustandes waren, Frömmigkeit übten gemäß dem, was andere sagten, somit in einfältigem Gehorsam waren. Es wurde gesagt, daß solche zum Gebiet des äußeren Ohrs oder Ohrknorpels (auriontae) gehören; wirklich erschienen sie dort, als sie mit mir redeten.

*4655. Außerdem wurden öfters Geister nahe um das Ohr her, wie auch gleichsam innerhalb desselben bemerkt. Innerhalb deswegen, weil es so den Anschein hat; es ist der Zustand im anderen Leben, der den Schein bewirkt. Sie alle waren einfältig und gehorsam.

*4656. Es war ein Geist, der mit mir redete am linken Ohrknorpel, auf seiner hinteren Seite, wo die den Knorpel hebenden Muskeln sich befinden. Derselbe sagte zu mir, er sei zu mir geschickt worden, um zu sagen, daß er sich nicht über das besinne, was andere reden, er fasse es nur mit den Ohren auf. Als er redete, stieß er gleichsam mit Gewalt die Worte heraus. Er sagte auch, daß er so rede. Hieraus konnte man merken, daß nichts Inwendigeres in seiner Rede sei, somit wenig Leben, und daß daher ein solches Herausstoßen (eructatio) komme. Es wurde gesagt, es seien dies solche, die wenig auf den Sinn der Sache achten; es sind die, welche zum knorpeligen und knöchernen Teil des äußeren Ohres gehören.

*4657. Es gibt Geister, die einige Male mit mir redeten, aber murmelnd, und zwar ziemlich nahe am linken Ohr, als ob sie ins Ohr reden wollten, damit es niemand hören möchte. Aber ich durfte ihnen sagen, daß dies im anderen Leben nicht angehe, weil es deutlich zeige, daß sie Ohrenbläser gewesen seien und daher auch jetzt mit der Gewohnheit, in die Ohren zu flüstern behaftet seien, und daß mehrere von ihnen sich darauf legten, die Fehler und Gebrechen anderer zu beobachten und sie ihren Genossen, wenn es niemand hört, mitzuteilen oder ihnen, in Gegenwart jener, ins Ohr zu sagen, und daß sie alles unrichtig sehen und mißdeuten und sich anderen vorziehen, und daß sie deswegen durchaus nicht in die Gemeinschaft guter Geister zugelassen werden können, deren Art es ist, ihre Gedanken nicht zu verbergen. Es wurde gesagt, daß gleichwohl eine solche Rede im anderen Leben deutlicher gehört werde, als eine offene Rede.

*4658. Zu den inwendigeren Teilen des Ohres gehören die, welche das dem inwendigeren Gehör eigene Gesicht haben und befolgen, was ihr Geist ihnen dort einsagt, und seine Eingebungen richtig vortragen. Von welcher Art sie sind, wurde auch gesagt.

Es wurde ein heller Ton vernommen, der von unten her an der linken Seite bis zum linken Ohr drang. Ich beobachtete, daß es Geister waren, die so sich emporarbeiten wollten; aber von welcher Art sie waren, konnte ich nicht erkennen. Als sie aber emporgekommen waren, redeten sie mit mir und sagten, daß sie Logiker und Metaphysiker gewesen seien, und daß sie sich mit ihren Gedanken in solche Dinge vertieft hätten, in keiner anderen Absicht, als den Ruf der Gelehrsamkeit zu erlangen und so zu Würden und Vermögen zu kommen, wobei sie jammerten, daß sie jetzt ein elendes Leben führten, aus dem Grund, weil sie ohne einen anderen Nutzzweck sich damit befaßt und daher ihre Vernunft nicht vervollkommnet hätten. Ihre Rede war langsam und dumpf tönend.

Unterdessen redeten zwei miteinander über meinem Haupte, und als gefragt wurde, wer sie seien, wurde gesagt, einer davon sei in der Gelehrtenwelt höchst berühmt, und ich durfte glauben, daß es Aristoteles sei; wer der andere sei, wurde nicht gesagt. Jener wurde dann in den Zustand versetzt, worin er war, als er in der Welt lebte; denn ein jeder kann leicht in den Zustand seines Lebens, den er in der Welt hatte, versetzt werden, weil er seinen ganzen Lebenszustand bei sich hat. Aber zu meiner Verwunderung machte er sich an das rechte Ohr, und redete dort heiser, aber doch vernünftig. Aus dem Sinn seiner Rede konnte ich merken, daß er ganz anders gesinnt sei, als jene Scholastiker, die, zuerst sich emporgemacht hatten, daß er nämlich aus seinem Denken dasjenige zutage brachte, was er schrieb, und daß er aus demselben seine philosophischen Begriffe erzeugte, so daß die Begriffe, die er erfand, und die er den Gegenständen des Denkens beilegte, Benennungen waren, womit er das Inwendigere beschrieb. Ferner daß er durch den Lustreiz, der Neigung und durch den Trieb dasjenige zu wissen, was zum Denken gehört, zu solchem angeregt wurde und gehorsam dem folgte, was sein Geist ihm eingegeben hatte. Deshalb befand er sich am rechten Ohr, anders als seine Anhänger, die Scholastiker genannt werden, die nicht aus dem Denken auf die Begriffe, sondern von den Ausdrücken aufs Denken kommen, somit den entgegengesetzten Weg einschlagen. Und mehrere von ihnen kommen nicht einmal zu Gedanken, sondern bleiben bei den Begriffen stehen, die sie nur anwenden, um alles zu beweisen, was sie wollen, und um dem Falschen den Schein des Wahren beizubringen, ja nach der Begierde zu überreden. Daher werden für sie die philosophischen Studien mehr Mittel zum Närrischwerden als zum Weisesein, und daher kommen sie in Finsternis, anstatt ins Licht.

Hierauf redete ich mit jenem über die Wissenschaft der Analytik (Logik), und ich durfte sagen, ein kleiner Knabe könne in einer halben Stunde mehr philosophisch, analytisch und logisch reden, als er in ganzen Büchern hätte beschreiben können, aus dem Grund, weil alle Begriffe des menschlichen Denkens und somit des Redens analytisch entwickelte seien, deren Gesetze aus der geistigen Welt stammen, und wer kunstmäßig von wissenschaftlichen Formeln aus denken wolle, sei nicht unähnlich einem Tänzer, der nach der Wissenschaft von den Bewegungsfasern und Muskeln das Tanzen lernen wollte. Wenn dieser beim Tanzen immer nur seine Gedanken bei jener Wissenschaft hätte, so könnte er kaum einen Fuß bewegen, und doch bewegt derselbe ohne jene Wissenschaft alle in seinem ganzen Leib herum zerstreuten Bewegungsfasern, und in Übereinstimmung damit die Lunge, das Zwerchfell, die Seiten, die Arme, den Hals usw., zu deren Beschreibung ganze Bände nicht hinreichen würden. Geradeso verhalte es sich mit denen, die aus wissenschaftlichen Formeln heraus denken wollen. Diesem stimmte er bei, indem er sagte, wenn man auf diesem Weg lerne, so gehe es in verkehrter Ordnung und fügte hinzu, wer kein Dummkopf sein wolle, solle es nicht so machen, sondern immer an den Nutzzweck und vom Inwendigeren aus denken.

Darauf zeigte er mir, was für eine Vorstellung vom höchsten Wesen er gehabt hatte, daß er nämlich Ihn sich vorstelle mit einem menschlichen Angesicht, umgeben von einem Strahlenkranz, und daß er jetzt wisse, der Herr sei eben jener Mensch, und der Strahlenkranz sei das Göttliche von Ihm, das nicht nur in den Himmel, sondern auch in das Weltall einfließt und beide ordnet und regiert. Weiter setzte er hinzu: wer den Himmel ordnet und regiert, der ordnet und regiert auch das Weltall, weil das eine vom anderen nicht getrennt werden kann; auch sagte er, er habe nur an einen Gott geglaubt, dessen Attribute und Eigenschaften man mit ebensoviel Namen bezeichnet habe wie andere Gottheiten verehrt wurden.

Es erschien mir dann eine Frau, die ihre Hand ausstreckte, um seine Wange zu streicheln. Als ich mich hierüber verwunderte, sagte er, als er in der Welt gewesen, sei ihm eine solche Frau oft erschienen, die ihm gleichsam die Wange gestreichelt habe, und ihre Hand sei schön gewesen. Engelsgeister sagten, solche seien den Alten zuweilen erschienen, und von ihnen Pallas genannt worden, und sie sei ihm aus solchen Geistern erschienen, die, während sie als Menschen in den alten Zeiten lebten, eine Freude an Ideen hatten, und sich mit Nachdenken beschäftigten, aber ohne formelle Philosophie; und weil solche bei ihm waren und ein Wohlgefallen an ihm fanden, weil er vom Inwendigeren aus dachte, stellten sie vorbildlich eine solche Frau dar.

Zuletzt zeigte er an, was für eine Vorstellung er von der Seele oder dem Menschengeist, den er Pneuma nannte, gehabt hätte, daß dieser nämlich ein unsichtbares, lebendiges Wesen, gleichsam etwas Ätherisches sei. Er sagte, er habe wohl gewußt, daß sein Geist nach dem Tod fortleben werde, weil er sein inwendigeres Wesen sei, das nicht sterben könne, weil es denken kann. Doch habe er davon keine klare Vorstellung, sondern nur dunkle Gedanken haben können, weil er darüber keine Erkenntnis anderswoher gehabt habe als aus ihm selber, und auch ein klein wenig von den Alten.

Übrigens ist Aristoteles unter den verständigen Geistern im anderen Leben, aber mehrere seiner Anhänger unter den unsinnigen.

*4659. Nr. 4652 Es wurde bemerkt, der Mensch sei ein Geist, und der Leib diene ihm zu Nutzleistungen in der Welt; und anderwärts an mehreren Stellen, der Geist sei das Inwendige des Menschen, und der Leib sein Äußeres. Diejenigen, die nicht begreifen, wie es sich mit dem Geist des Menschen und mit seinem Leib verhält, können hieraus den Schluß ziehen, daß auf diese Weise der Geist inwendig im Leib wohne und der Leib ihn gleichsam umgebe und bekleide. Aber man möge wissen, daß der Geist des Menschen im Leibe im Ganzen und in jedem Teil desselben ist, und daß er die reinere Substanz desselben ist, sowohl in seinen Bewegungs- als in seinen Sinnesorganen und auch sonst überall, und daß der Leib das ihm angefügte Materielle ist, angemessen der Welt, worin er sich eben befindet.

Dies wird verstanden, wenn es heißt: der Mensch sei ein Geist, und der Leib diene ihm zu Nutzzwecken in der Welt, und der Geist sei das Inwendige des Menschen, und der Leib sein Äußeres. Hieraus wird auch klar, daß der Mensch nach dem Tod ebenso in einem tätigen und empfindenden Leben und auch in einer menschlichen Gestalt ist, wie in der Welt, nur in einer vollkommeneren.


*4791. Von der Entsprechung des Geschmacks und der Zunge, wie auch des Angesichts mit demselben.

Die Zunge gewährt den Zugang zu den Lungen und auch zum Magen; somit bildet sie gleichsam den Vorhof zu Geistigem und Himmlischem; zu Geistigem, weil sie der Lunge und daher der Rede dient, zu Himmlischem, weil sie dem Magen dient, der dem Blut und dem Herzen Nahrung verschafft. Daß die Lungen dem Geistigen entsprechen, und das Herz dem Himmlischen, sehe man Nr. 3635, 3883-3896; deshalb entspricht die Zunge im allgemeinen der Neigung zum Wahren oder denen im Größten Menschen, die in de Neigung zum Wahren sind und hernach in der Neigung zum Guten aus dem Wahren.

Die nun das Wort des Herrn lieben und daher nach den Erkenntnissen des Wahren und Guten ein Verlangen haben, gehören zu diesem Gebiet, doch mit dem Unterschied, daß es Geister gibt, die zur eigentlichen Zunge, andere, die zum Kehlkopf und zur Luftröhre, die zur Kehle, auch zum Zahnfleisch und zu den Lippen gehören. Denn auch nicht das geringste findet sich beim Menschen, mit dem es nicht eine Entsprechung gäbe.

Daß die, welche in der Neigung zum Wahren stehen, zu diesem im weiteren Sinn verstandenen Gebiete gehören, durfte ich mehrmals erfahren, und zwar durch einen deutlichen Einfluß bald in die Zunge, bald in die Lippen, und ich durfte auch mit ihnen reden; hierbei wurde beobachtet, daß auch einige den inwendigeren Teilen der Zunge und der Lippen und einige den auswendigeren entsprechen. Die Einwirkung derer, die bloß auswendigere Wahrheiten mit Neigung aufnehmen, nicht aber inwendigere, dieses aber doch nicht verwerfen, habe ich nicht auf die inwendigeren Teile der Zunge, sondern auf die auswendigeren empfunden.

*4792. Weil die Speise und Ernährung der geistigen Speise und Ernährung entspricht, deshalb entspricht der Geschmack dem Innewerden und der Neigung dazu. Geistige Speise ist Wissen, Einsicht und Weisheit; denn davon leben und damit nähren sich auch die Geister und Engel und verlangen und begehren danach, wie die Menschen nach Speise, wenn sie hungrig sind. Daher entspricht die Eßlust jenem Verlangen.

Und merkwürdigerweise wachsen sie auch durch jene Speise heran; denn die kleinen Kinder, die sterben, erscheinen im anderen Leben nicht anders als wie Kinder und sind auch dem Verstand nach Kinder; aber wie sie an Einsicht und Weisheit zunehmen, so erscheinen sie nicht mehr als Kinder, sondern als fortschreitend im Alter und zuletzt als Erwachsene. Ich habe mit einigen geredet, die als Kinder gestorben waren; sie erschienen mir als junge Leute, weil sie jetzt verständig waren. Hieraus wird klar, was geistige Speise und Ernährung sei.

*4793. Weil der Geschmack dem Innewerden und der Neigung zu wissen, zu verstehen und weise zu sein entspricht, und in dieser Neigung das Leben des Menschen ist, deswegen wird keinem Geist und Engel gestattet, in den Geschmack des Menschen einzufließen, denn dieses wäre ein Eindringen in das ihm eigene Leben.

Dennoch gibt es umherschweifende Geister von der höllischen Rotte, die gefährlicher sind als andere, weil sie bei Leibesleben gewöhnt waren, in die Neigungen des Menschen einzudringen. Um ihm zu schaden, behalten sie auch im anderen Leben diese Begierde bei und suchen auf alle Weise, in den Geschmack beim Menschen einzudringen. Und wenn sie in denselben eingedrungen sind, besitzen sie sein Inwendiges, nämlich das Leben seiner Gedanken und Neigungen, denn solches entspricht, und was entspricht, das wirkt zusammen (unum agunt).

Von solchen werden sehr viele heute besessen, denn es gibt heutzutage inwendigere Besessenheiten, nicht aber wie ehemals auswendigere. Die inwendigeren Besessenheiten kommen von solchen her, und von welcher Art sie sind, kann man sehen, wenn man auf die Gedanken und Neigungen merkt, hauptsächlich auf die inwendigeren Absichten, welche die Menschen zu offenbaren sich scheuen; denn diese sind bei einigen so unsinnig, daß, wenn sie nicht durch äußere Bande, welche sind Ehre, Gewinn, guter Name, Furcht vor dem Tod und vor dem Gesetz, in Zaum gehalten würden, sich mehr noch als Besessene in Mord und Raub stürzen würden. Welches und von welcher Art jene Geister sind, die das Inwendigere solcher Menschen einnehmen, sehe man Nr. 1983.

Damit ich wüßte, wie es sich hiermit verhalte, wurde ihnen zugelassen, daß sie in den Geschmack bei mir einzugehen suchten, wonach sie auch angelegentlichst strebten. Und dann wurde mir gesagt, wenn sie in den Geschmack eindringen würden, so würden sie auch das Inwendigere besitzen, aus dem Grund, weil der Geschmack von jenem Inwendigeren durch Entsprechung abhänge. Dieses wurde aber bloß zu dem Zweck zugelassen, damit ich wissen möchte, wie es mit der Entsprechung des Geschmacks sich verhält, denn alsbald wurden sie hinweg getrieben.

Jene gefährlichen Geister gehen hauptsächlich darauf aus, daß sie alle inneren Bande lösen, nämlich die Neigungen zum Guten und Wahren, Gerechten und Billigen, die Furcht vor dem göttlichen Gesetz, die Scheu, der Gesellschaft und dem Vaterland zu schaden. Sind diese inwendigen Bande gelöst, dann wird der Mensch von solchen besessen; wenn sie sich aber auf solche Weise auch durch große Anstrengung nicht in das Inwendigere eindrängen können, so versuchen sie es durch magische Künste, deren es im anderen Leben mehrere gibt, die in der Welt ganz unbekannt sind. Durch diese verkehren sie das Wißtümliche beim Menschen und wenden nur das an, was schnöden Begierden günstig ist. Solches In-Besitznehmen kann nicht vermieden werden, wenn der Mensch nicht in der Neigung zum Guten ist und dadurch im Glauben an den Herrn.

Es wurde auch gezeigt, wie sie weggetrieben wurden. Als sie nämlich in die inwendigeren Teile des Hauptes und Gehirns einzudringen meinten, wurden sie durch die Absonderungswege daselbst abgeführt, und zuletzt gegen die äußeren Teile der Haut; und hernach sah man, wie sie in eine Grube, die voll von aufgelöstem Schmutz war, geworfen wurden. Ich wurde belehrt, daß solche Geister den schmutzigen Grübchen auf der äußersten Haut, wo die Krätze ist, somit der Krätze selbst entsprechen.

*4794. Der Geist oder der Mensch nach dem Tode hat alle Sinnesempfindungen, wie während er in der Welt lebte, nämlich Gesicht, Gehör, Geruch und Tastsinn, aber keinen Geschmack, sondern an dessen Statt etwas Ähnliches, das dem Geruch beigesellt ist.

Daß er keinen Geschmack hat, ist deshalb, damit er nicht in den Geschmack des Menschen eingehen und so sein Inwendigeres in Besitz nehmen kann; sodann auch, damit dieser Sinn ihn nicht von dem Verlangen zu wissen und weise zu sein, somit von dem Verlangen nach geistiger Nahrung abbringen möchte.

*4795. Hieraus kann man auch erkennen, warum die Zunge einer zweifachen Verrichtung gewidmet ist, nämlich als Organ der Rede und als Organ der Ernährung. Sofern sie der Ernährung dient, entspricht sie der Neigung, Wahres zu wissen, zu verstehen und weise zu sein, deshalb auch Weisheit (sapientia) oder weise sein (sapere) vom Geschmack (a sapore) so benannt ist, und sofern sie der Rede dient, entspricht sie der Neigung, jenes zu denken und hervorzubringen.

*4796. Wenn sich die Engel sichtbar darstellen, erscheinen alle ihre inwendigeren Neigungen klar auf ihrem Angesicht und leuchten daraus hervor, so daß ihr Angesicht die äußere Form und vorbildliche Darstellung derselben ist. Ein anderes Angesicht als das den Neigungen entsprechende darf man im Himmel nicht haben. Die, welche ein anderes Angesicht heucheln, werden aus der Gesellschaft ausgestoßen.

Hieraus wird klar, daß das Angesicht im allgemeinen allem Inwendigeren beim Menschen entspricht, sowohl seinen Neigungen als seinen Gedanken oder dem, was seinem Willen und was seinem Verstand angehört, daher werden auch im Wort durch das Angesicht und die Angesichte Neigungen bezeichnet, und dadurch, daß der Herr Sein Angesicht über jemand erheben möge, wird bezeichnet, daß Er sich aus der göttlichen Neigung, die der Liebe angehört, seiner erbarmen möge.

*4797. Die Veränderungen des Zustandes der Neigungen im Angesicht der Engel erscheinen auch ganz genau. Wenn sie in ihrer Gesellschaft sind, dann sind sie in ihrem eigenen Angesicht; wenn sie aber in eine andere Gesellschaft kommen, dann verändern sich den Neigungen des Guten und Wahren jener Gesellschaft gemäß ihre Angesichter, aber doch ist das echte Angesicht gleichsam die Grundform, die in allen jenen Veränderungen erkannt wird.

Ich habe gesehen, wie die Wechsel allmählich erfolgten, gemäß den Neigungen der Gesellschaften, mit denen sie Gemeinschaft hatten; denn ein jeder Engel ist in einem Gebiet des Größten Menschen und hat dadurch in allgemeiner und weiter Beziehung Gemeinschaft mit allen, die in dem gleichen Gebiete sich befinden, obwohl er in demjenigen Teil dieses Gebietes ist, dem er vollständig entspricht.

Ich habe gesehen, daß sie ihre Angesichter wechselten durch Veränderungen von einer Grenze der Neigung bis zur anderen, aber beobachtet, daß dennoch das gleiche Angesicht im allgemeinen beibehalten wurde, so daß immer die herrschende Neigung zugleich mit ihren Veränderungen herausleuchtete; so wurden die Angesichter einer Neigung in ihrer ganzen Ausdehnung gezeigt. Und was noch wunderbarer ist, es wurden auch die Veränderungen der Neigungen von der Kindheit an bis zum Erwachsenenalter durch die Veränderungen des Angesichts gezeigt; und es wurde mir bei diesem Alter zu erkennen gegeben, wieviel Kindliches es beibehalten hatte, und daß dieses das eigentlich Menschliche desselben war; denn beim Kinde ist die Unschuld in äußerer Gestalt, und die Unschuld ist das eigentlich Menschliche; denn in sie fließt, wie in ihre Grundlage, Liebe und Liebtätigkeit vom Herrn ein.

Wenn der Mensch wiedergeboren und weise wird, dann wird die Unschuld der Kindheit, die eine äußere war, eine inwendige. Daher kommt es, daß echte Weisheit in keinem anderen Tempel wohnt, als in der Unschuld: Nr. 2305, 2306, 3183, 3994; ferner, daß niemand, als wer etwas Unschuld hat, in den Himmel eingehen kann, nach des Herrn Worten: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht hineinkommen in das Reich der Himmel“: Matth. 18/3; Mark. 10/15.

*4798. Aus ihren Angesichtern kann man auch die bösen Geister er kennen; denn alle ihre Begierden oder bösen Neigungen sind ihren Angesichtern aufgeprägt; und man kann aus ihren Angesichtern auch er kennen, mit welchen Höllen sie Gemeinschaft haben; denn es gibt sehr viele Höllen, alle unterschieden nach den Gattungen und Arten der Begierden des Bösen.

Im allgemeinen sind ihre Angesichter, wenn sie beim Licht des Himmels erscheinen, beinahe leblos, fahl wie die der Leichname, bei einigen schwarz und bei einigen ganz unförmig (monstrosae); denn sie sind Gestalten des Hasses, der Grausamkeit, der List, der Heuchelei. Aber unter sich, in ihrem eigenen Lichtschein, erscheinen sie vermöge der Phantasie anders.

*4799. Es waren Geister bei mir von einem anderen Weltkörper, von dem anderwärts gehandelt werden wird; ihr Angesicht war verschieden von den Angesichtern der Menschen unserer Erde; es war hervorstehend, hauptsächlich um die Lippen herum und außerdem von edlem Gepräge.

Ich redete mit ihnen über ihre Lebensweise und die Art des Umgangs miteinander. Sie sagten, daß sie miteinander vorzüglich durch Veränderungen des Angesichts, hauptsächlich durch Veränderungen um die Lippen herum gesprochen; und daß sie die Neigungen durch Teile des Angesichts, welche die Augen umgeben, ausgedrückt hätten, so daß ihre Genossen ganz wohl begreifen konnten, sowohl was sie dachten als was sie wollten. Das suchten sie mir auch durch den Einfluß in meine Lippen zu zeigen, durch verschiedene Faltungen und Biegungen um sie herum. Aber die Veränderungen konnte ich nicht aufnehmen, weil meine Lippen von Kindheit an nicht an solches gewöhnt worden waren, aber dennoch konnte ich, was sie redeten, vernehmen durch die Mitteilung ihres Denkens.

Daß aber die Rede im allgemeinen durch die Lippen ausgedrückt werden kann, konnte ich an den vielfachen miteinander verflochtenen Reihen von Muskelfasern ersehen, die in den Lippen sich befinden, und wenn diese auseinander gelöst würden und sich in freier Entfaltung äußerten, so könnten hier mehrere Veränderungen dargestellt werden, die denjenigen unbekannt sind, bei denen jene Muskelfasern zusammengepreßt liegen.

Daß ihre Rede eine solche war, kommt daher, daß sie sich nicht verstellen können, d.h. etwas anderes denken und etwas anderes mit dem Angesicht zeigen; denn sie leben so aufrichtig miteinander, daß sie gar nichts vor ihren Genossen verbergen, sondern diese wissen sogleich, was sie denken, was sie wollen, dann auch, wie sie gesinnt sind, und auch, was sie getan haben, denn die vollbrachten Handlungen sind bei denen, die aufrichtig sind, im Gewissen; daher können sie von anderen auf den ersten Blick in betreff der inwendigeren Mienen oder Gesinnungen genau erkannt werden. Sie zeigten mir, daß sie dem Angesicht keine Gewalt antun, sondern es frei gewähren lassen. Anders als bei denen geschieht, die von Jugend auf gewöhnt wurden, sich zu verstellen, nämlich etwas anderes zu reden und zu tun als zu denken und zu wollen. Das Angesicht solcher wird zusammengezogen, so daß es bereit ist, sich zu verändern, je wie die List es verlangt. Alles, was der Mensch verbergen will, zieht sein Angesicht zusammen, aber die Zusammenziehung hört wieder auf, wenn etwas aus der Lüge hervortritt, was als redlich erscheint.

Als ich im Wort des Neuen Testaments vom Herrn las, waren jene Geister und auch einige Christen gegenwärtig, und ich merkte, daß sie Ärgernisse gegen den Herrn in ihrem Inneren hegten, wie auch, daß sie dieselben heimlich mitteilen wollten. Jene, die einem anderen Weltkörper angehörten, wunderten sich darüber, daß sie von solcher Art waren. Ich durfte ihnen aber sagen, daß sie in der Welt mit dem Mund nicht solcher Art gewesen seien, sondern mit dem Herzen, und daß es sogar solche gibt, die den Herrn predigen, obgleich sie zu dieser Art gehören, und dann das Volk zu Seufzern und bisweilen zu Tränen bewegen durch den Eifer erheuchelter Frömmigkeit, indem sie das, was sie in ihrem Herzen denken, durchaus nicht merken lassen. Darob staunten jene, daß es einen solchen Zwiespalt des Inwendigeren und Auswendigeren geben könne, wobei sie sagten, daß sie von einem solchen Zwiespalt gar nichts wüßten, und daß es ihnen unmöglich sei, etwas anderes mit dem Munde zu reden und mit dem Angesicht zu zeigen, als was den Herzensneigungen gemäß ist, andernfalls würden sie in sich zerreißen und zugrunde gehen.

*4800. Sehr wenige können glauben, daß es Gesellschaften von Geistern und Engeln gibt, denen das einzelne beim Menschen entspricht, ferner, daß je mehrere Gesellschaften es sind, und je mehr in einer Gesellschaft sich befinden, um so besser und stärker die Entsprechung ist; denn in einer einmütigen Menge liegt Stärke.

Damit ich erkennen möchte, daß es so sei, wurde mir gezeigt, wie sie in das Angesicht, in die Muskeln der Stirne und in die der Wangen, sodann des Kinns und der Kehle einwirken und einfließen. Denen, die zu jenem Gebiet gehörten, wurde einzufließen gestattet, und dann veränderte sich ihrem Einfluß gemäß das einzelne. Einige von ihnen redeten auch mit mir, aber sie wußten nicht, daß sie dem Gebiet des Angesichts zugeteilt seien; denn für welches Gebiet sie bestimmt sind, ist den Geistern verborgen, nicht aber den Engeln.

*4801. Es redete einer mit mir, der in der Zeit, als er in der Welt lebte, die mehr äußerlichen Wahrheiten des Glaubens vor anderen gewußt, aber dennoch kein den Glaubensgeboten gemäßes Leben geführt hatte; denn er hatte nur sich geliebt und die anderen im Vergleich mit sich verachtet und geglaubt, er werde unter den Ersten im Himmel sein. Aber weil er ein solcher war, konnte er keine andere Meinung vom Himmel haben, als wie von einem weltlichen Reich.

Als derselbe im anderen Leben erfuhr, daß der Himmel etwas ganz anderes sei, und daß dort diejenigen die Ersten seien, die sich anderen nicht vorgezogen, und hauptsächlich, die geglaubt hatten, sie seien der Barmherzigkeit nicht würdig, sondern verdienten nur, die Letzten zu sein, wurde er sehr unwillig, und verwarf das, was zu seinem Glauben im Leibesleben gehört hatte. Derselbe suchte fortwährend denen, die vom Gebiet der Zunge waren, Gewalt anzutun. Sein Bemühen durfte ich auch mehrere Wochen lang deutlich spüren und dadurch auch erkennen, welche und wie beschaffen die sind, die der Zunge entsprechen und die, welche ihnen entgegengesetzt sind.

*4802. Es gibt auch solche Geister, die gewissermaßen das Licht des Himmels zulassen und die Wahrheiten des Glaubens aufnehmen, aber dennoch böse sind, doch so, daß sie einiges Innewerden des Wahren haben. Sie nehmen auch die Wahrheiten begierig auf, aber nicht in der Absicht, danach zu leben, sondern um sich dessen zu rühmen, daß sie vor anderen verständig und scharfsichtig erscheinen; denn der Verstand des Menschen ist so beschaffen, daß er die Wahrheiten aufnehmen kann; aber gleichwohl werden die Wahrheiten ihnen nicht angeeignet, wenn sie nicht danach leben. Wenn das Verständige des Menschen nicht so beschaffen wäre, so könnte der Mensch nicht gebessert werden.

Die von solcher Art in der Welt gewesen sind, daß sie nämlich die Wahrheiten verstanden, und dennoch ein böses Leben führten, sind auch so geartet im anderen Leben, aber ihre Fähigkeit, Wahres zu verstehen, mißbrauchen sie dort zum Herrschen; denn sie wissen dort, daß sie durch die Wahrheiten Gemeinschaft haben mit einigen Gesellschaften des Himmels, folglich daß sie bei den Bösen sein und etwas gelten können, denn die Wahrheiten führen im anderen Leben eine Macht mit sich. Weil sie aber ein Leben des Bösen haben, sind sie in der Hölle.

Ich habe mit zweien, die bei Leibesleben so geartet waren, geredet; sie wunderten sich, daß sie in der Hölle seien, da sie doch die Wahrheiten des Glaubens mit Überzeugung geglaubt hätten. Aber es wurde ihnen gesagt, das bei ihnen befindliche Licht, durch das sie die Wahrheiten verstehen, sei wie das Winterlicht in der Welt, in dem die Gegenstände mit ihrer Schönheit und mit ihren Farben ebenso erscheinen wie im Sommerlicht, und doch erstarrt alles in jenem Licht und stellt sich nichts Liebliches und Erfreuliches dar. Und weil ihr Zweck, die Wahrheiten zu verstehen, nur der Ruhm und somit selbstsüchtig war, so könne die Sphäre jener Zwecke, wenn sie sich gegen die inwendigeren Himmel zu den dortigen Engeln erhebt, die einzig und allein die Zwecke wahrnehmen, nicht ertragen werden, sondern werde zurückgestoßen. Das sei der Grund, warum sie in der Hölle seien.

Es wurde hinzugefügt, daß man solche ehemals vor allen übrigen Schlangen vom Baum der Erkenntnis genannt habe, weil sie, sobald sie aus ihrem Leben vernünfteln, alsdann gegen die Wahrheiten sprechen; und außerdem seien sie einem Weibe gleich, das ein hübsches Angesicht und doch einen abscheulichen Geruch hat und deswegen überall, wohin sie kommt, aus den Gesellschaften hinausgeworfen wird. Im anderen Leben geben auch solche, wenn sie zu den Gesellschaften der Engel kommen, wirklich einen Gestank von sich, den sie auch selber empfinden, wenn sie sich jenen nähern.

Hieraus kann auch erhellen, was der Glaube ist ohne ein Leben des Glaubens.

*4803. Bemerkenswert ist auch — was in der Welt ganz unbekannt — daß sich die Zustände der guten Geister und der Engel fortwährend verändern und vervollkommnen, und daß sie so in das Inwendigere des Gebiets, worin sie sich befinden, somit zu edleren Geschäften erhoben werden; denn im Himmel findet eine fortwährende Reinigung und sozusagen Neuschöpfung statt. Aber dennoch verhält sich die Sache so, daß niemals ein Engel in Ewigkeit zu einer absoluten Vollkommenheit gelangen kann. Der Herr allein ist vollkommen, in Ihm und aus Ihm ist alle Vollkommenheit.

Die dem Mund entsprechen, wollen immerfort reden, denn im Reden suchen sie das höchste Vergnügen; wenn sie vervollkommnet werden, werden sie dahin gebracht, daß sie nichts anderes reden, als was den Genossen, dem Gemeinwesen, dem Himmel, dem Herrn frommt. Die Lust so zu reden, wird bei ihnen um so größer, je mehr sich die Begierde, bei der Rede sich selbst im Auge zu haben und nach der Weisheit aus selbstsüchtigem Beweggrund zu trachten verliert.

*4804. Es gibt sehr viele Gesellschaften im anderen Leben, die Freundschaftsgesellschaften genannt werden. Sie werden aus denen gebildet, die im Leben des Leibes die Lust der Unterhaltung jeder anderen Lust vorgezogen haben, und diejenigen, mit denen sie sich unterhielten, geliebt haben, ohne sich darum zu bekümmern, ob sie gut oder böse waren, wenn sie sie nur angenehm unterhielten, die also nicht Freunde des Guten noch des Wahren gewesen sind. Die solcherart waren im Leben des Leibes, sind auch so im anderen Leben; sie schließen sich an, bloß um des Vergnügens an der Unterhaltung willen.

Mehrere solcher Gesellschaften waren bei mir, aber etwas fern; sie erschienen hauptsächlich ein wenig zur Rechten über dem Haupt. Ihre Anwesenheit durfte ich merken an der Erschlaffung und Abstumpfung und an der Beraubung des Lustreizes, worin ich mich befand; denn die Gegenwart solcher Gesellschaften bringt dies mit sich; denn wo sie hin kommen, nehmen sie anderen den Lustreiz weg, und, was wunderbar ist, sie eignen sich denselben an. Sie machen die bei anderen befindlichen Geister abwendig und wenden sie sich selber zu, daher tragen sie den Lustreiz des anderen auf sich über, und weil sie dadurch denen, die im Guten sind, lästig und schädlich sind, werden sie vom Herrn abgehalten, daß sie den himmlischen Gesellschaften nicht nahe kommen.

Hieraus durfte ich mich überzeugen, welchen Schaden fürs geistige Leben einem Menschen die Freundschaft bringt, wenn man die Person berücksichtigt und nicht das Gute. Es kann zwar jeder Freund sein dem anderen, aber dennoch soll er am meisten dem Guten befreundet sein.

*4805. Es gibt auch Gesellschaften von innigerer Freundschaft, welche die äußere Lust des anderen nicht vorwegnehmen und auf sich überleiten, sondern bloß seine inwendigere Lust oder Wonne aus der Neigung zu geistigen Dingen.

Diese sind vorne zur Rechten, nahe über der unteren Erde, und einige von ihnen etwas weiter oben. Mit denen, die unten waren, habe ich einige Male geredet, und dann flossen die oben Befindlichen gemeinsam ein. Diese waren im Leben des Leibes so geartet, daß sie die, welche innerhalb ihrer Gemeinschaft waren, von Herzen geliebt, wie auch mit brüderlicher Gesinnung einander umfaßt hatten. Sie hatten geglaubt, sie allein seien lebendig und im Licht, und die außer ihrer Gesellschaft Befindlichen beziehungsweise gleichsam unlebendig und nicht im Licht; und weil so geartet, meinten sie auch, der Himmel des Herrn bestehe bloß aus den wenigen, die sie seien. Aber ich durfte ihnen sagen, daß der Himmel unermeßlich groß sei und aus allerlei Volk und Zunge bestehe, und daß darin alle seien, die im Guten der Liebe und des Glaubens gewesen sind; und es wurde gezeigt, daß im Himmel viele Engel sind, die alle Gebiete des Leibes in Ansehung seiner auswendigeren und in wendigeren Teile darstellen. Wenn sie aber nicht nach höheren Dingen trachten würden, als was ihrem Leben entspricht, so könnten sie den Himmel nicht haben; hauptsächlich, wenn sie andere, die außerhalb ihrer Gesellschaft sind, verdammen würden; und daß dann ihre Gesellschaft eben bloß eine Gesellschaft vertrauterer Freundschaft sei, von solcher Art, daß sie andere der Wonne geistiger Neigung berauben, so bald sie zu ihnen nahen; denn sie betrachten sie als Nichtauserwählte und als Nichtlebendige, und dieser Gedanke, wenn er sich mitteilt, verursacht ein trauriges Gefühl, was jedoch nach den Ordnungsgesetzen im anderen Leben auf sie zurückfällt.


*4931. Von der Entsprechung der Hände, Arme, Füße und Lenden mit demselben.

Früher wurde gezeigt, daß der ganze Himmel einen Menschen mit seinen einzelnen Organen, Gliedern und Eingeweiden darstellt, und zwar deshalb, weil der Himmel den Herrn darstellt; denn der Herr ist alles in allem des Himmels, in der Weise, daß der Himmel im eigentlichen Sinn das göttlich Gute und das göttlich Wahre ist, das vom Herrn ausgeht. Daher kommt es, daß der Himmel gleichsam in ebenso viele Gebiete abgeteilt ist, wie es Eingeweide, Organe und Glieder im Menschen gibt, mit denen auch eine Entsprechung stattfindet. Wenn keine solche Entsprechung des Menschen mit dem Himmel und durch den Himmel mit dem Herrn stattfände, würde der Mensch auch nicht einen Augenblick bestehen können. Jene alle werden im Verband erhalten durch den Einfluß.

Aber alle jene Gebiete beziehen sich auf zwei Reiche, nämlich auf das himmlische und auf das geistige Reich. Jenes Reich, nämlich das himmlische, ist das Reich des Herzens im Größten Menschen, und dieses, nämlich das geistige Reich ist das Reich der Lunge daselbst, ebenso wie im Menschen. Im Ganzen und in den einzelnen Teilen desselben regiert das Herz und die Lunge. Jene zwei Reiche sind auf wunderbare Weise miteinander verbunden; diese Verbindung wird auch in der Verbindung des Herzens und der Lunge beim Menschen und in der Verbindung der Wirkungen beider in den einzelnen Gliedern und Eingeweiden vorgebildet.

Solange der Mensch ein Embryo oder wenn er noch im Mutterleib ist, ist er im Reich des Herzens; wenn er aber aus dem Mutterleib her ausgekommen ist, dann kommt er zugleich in das Reich der Lunge; und wenn er durch die Wahrheiten des Glaubens sich in das Gute der Liebe einführen läßt, dann kommt er vom Reich der Lunge wieder in das Reich des Herzens im Größten Menschen; denn auf diese Weise kommt er wie der in den Mutterleib und wird wiedergeboren; und dann werden auch bei ihm jene zwei Reiche verbunden, aber in umgekehrter Ordnung, denn zuerst war das Reich des Herzens bei ihm unter der Herrschaft der Lungen, d.h. früher herrschte bei ihm das Glaubenswahre, aber nachher herrscht das Liebtätigkeitsgute.

Daß das Herz dem Guten der Liebe entspricht, und die Lunge dem Wahren des Glaubens, sehe man Nr. 3635, 3883-3896.

*4932. Im Größten Menschen entsprechen den Händen und Armen und auch den Schultern die, welche in der Macht sind durch das Glaubenswahre aus dem Guten; denn die, welche im Glaubenswahren aus dem Guten stehen, sind in der Macht des Herrn, denn sie schreiben Ihm alle Macht zu, und sich selber keine, und je mehr sie sich keine zuschreiben — nicht mit dem Munde, sondern mit dem Herzen — desto größere Macht haben sie. Die Engel werden daher Mächte und Gewalten genannt.

*4933. Daß die Hände, Arme, Schultern der Macht im Größten Menschen entsprechen, hat den Grund, daß die Kräfte und Mächte des ganzen Leibes und aller seiner Eingeweide sich auf jene beziehen; denn der Leib übt seine Kräfte und Mächte aus durch Arme und Hände. Daher kommt es auch, daß im Wort durch Hände, Arme und Schultern Mächte bezeichnet werden. Daß durch Hände, sehe man Nr. 878, 3387; daß durch Arme, wird aus mehreren Stellen klar, z.B. aus folgenden:

Jes. 33/2: „Sei unser Arm an jedem Morgen“.

Jes. 40/10: „Der Herr Jehovih wird im Starken kommen, und Sein Arm wird herrschen für Ihn“.

Jes. 44/12: „Er wirkt dies durch den Arm Seiner Stärke“.

Jes. 51/5: „Meine Arme werden die Völker richten“.

Jes. 51/9: „Ziehe Stärke an, Arm Jehovahs“.

Jes. 63/5: „Ich sah mich um, und es war kein Helfer, darum schaffte Mir Heil Mein Arm“.

Jerem. 17/5: „Verflucht ist, wer vertrauet auf einen Menschen, und hält Fleisch für seinen Arm“.

Jerem. 27/5; 32/17: „Gemacht habe Ich die Erde, den Menschen und das Tier, durch Meine große Kraft und durch Meinen ausgestreckten Arm“.

Jerem. 48/25: „Abgehauen ist das Horn Moabs, und sein Arm zerbrochen“.

Hes. 30/22, 24, 25: „Ich zerbreche die Arme des Königs von Ägypten, dagegen werde Ich stärken die Arme des Königs von Babel“.

Ps. 10/15: „Jehovah, zerbrich den Arm des Gottlosen“.

Ps. 79/11: „Nach der Größe Deines Armes laß übrigbleiben die Söhne des Todes“.

5. Mose 7/19; 11/2, 3; 26/8; Jerem. 32/21; Ps. 136/12: „Ausgeführt wurden sie aus Ägypten mit starker Hand und ausgerecktem Arme“. Hieraus kann auch erhellen, daß durch die Rechte im Wort höhere Macht, und durch sitzen zur Rechten Jehovahs die Allmacht bezeichnet wird: Matth. 26/63, 64; Luk. 22/69; Mark. 14/61, 62; 16/19.

*4934. Es erschien mir ein nackter Arm, nach vorne einwärts gebogen, der eine so große Kraft bei sich hatte und zugleich eine so große Furcht einflößte, daß ich nicht bloß schauderte, sondern daß es auch schien, als könnte ich gleichsam in den allerkleinsten Staub und im Innersten zerstoßen werden; er war unwiderstehlich. Dieser Arm erschien mir zweimal; und ich wurde dadurch vergewissert, daß die Arme Stärke und die Hände Macht bedeuten. Man spürte auch eine vom jenem Arm ausströmende Wärme.

*4935. Jener nackte Arm stellt sich in verschiedener Stellung sicht bar dar und flößt derselben gemäß Furcht ein, und in einer solchen Stellung, wie gleich oben gezeigt wurde, eine unglaubliche; er scheint augenblicklich Mark und Bein zerbrechen zu können.

Die, welche im Leibesleben furchtlos waren, werden doch im an deren Leben von jenem Arm in den größten Schrecken versetzt.

*4936. Einige Male erschienen solche, die Stäbe hatten, und es wurde gesagt, daß es Zauberer seien. Sie sind vorne zur Rechten weit weg und tief unten in Höhlen; die, welche gefährliche Zauberer waren, werden dort noch tiefer unten verborgen. Diese erscheinen sich selbst als mit Stäben versehen; auch bilden sie durch Phantasien mehrere Arten von Stäben und glauben, daß sie durch dieselben Wunder tun könnten. Sie meinen nämlich, in den Stäben sei eine Kraft, und zwar auch darum, weil die Stäbe es sind, auf die sich die Rechte oder der Arm stützt, die vermöge der Entsprechungen Kraft und Macht bedeuten.

Hieraus wurde mir klar, warum die Alten den Zauberern Stäbe bei gelegt haben, denn die alten Heiden wußten das aus der Alten vorbildlichen Kirche, in der Stäbe wie Hände Macht bedeuteten, man sehe Nr. 4876; und weil sie Macht bedeuteten, wurde dem Mose befohlen, er solle, wenn Wunder geschehen sollten, den Stab oder die Hand aus strecken: 2. Mose 4/17, 20; 8/1-11, 12-16; 9/23; 10/3-21; 14/21, 26, 27; 17/5, 6, 11, 12; 4. Mose 20/7-10.

*4937. Die höllischen Geister stellen auch bisweilen vermöge ihrer Phantasie eine Schulter dar, durch die sie bewirken, daß die Kräfte zurückprallen; sie können auch wirklich nicht durchdringen, dies gilt aber bloß für die, welche in solcher Phantasie sind, denn sie wissen, daß die Schulter jeder Macht in der geistigen Welt entspricht. Durch die Schulter wird auch im Wort alle Macht bezeichnet, wie es sich deutlich zeigt in folgenden Stellen:

Jes. 9/3: „Zerbrochen hast du das Joch seiner Last, und den Stab seiner Schulter“.

Hes. 34/21: „Mit der Seite und Schulter dränget ihr, und mit euren Hörnern stoßet ihr“.

Hes. 29/6, 7: „Zerspalten wirst du ihm alle Schulter“.

Zeph. 3/9: „Daß sie dienen dem Jehovah mit einer Schulter“.

Jes. 9/5: „Ein Knabe ist uns geboren, und die Herrschaft wird sein auf Seiner Schulter“.

Jes. 22/22: „Geben werde Ich den Schlüssel des Hauses Davids auf Seine Schulter“.

*4938. Im Größten Menschen entsprechen den Füßen, Fußsohlen und Fersen solche, die Natürliche sind, deshalb wird durch Füße im Wort das Natürliche bezeichnet: Nr. 2162, 3147, 3761, 3986, 4280; durch die Fuß sohlen das untere Natürliche, und durch die Fersen das unterste Natürliche, denn die himmlischen Dinge bilden im Größten Menschen das Haupt, die geistigen Dinge den Leib und die natürlichen Dinge die Füße. In dieser Ordnung folgen sie auch aufeinander. Die himmlischen Dinge, welche die höchsten sind, endigen (terminantur) in den geistigen, welche die mittleren sind, und die geistigen in den natürlichen, den letzten.

*4939. Einmal, als ich in den Himmel erhoben worden war, schien es mir, als ob ich mit dem Haupt dort wäre, aber mit dem Leib unten und mit den Füßen noch weiter unten; und hieraus wurde ich inne, wie das Obere und Untere beim Menschen dem entspricht, was im Größten Menschen ist, und wie das eine ins andere einfließt; daß nämlich das Himmlische, welches das Gute der Liebe und das Erste der Ordnung ist, einfließt ins Geistige, welches das Wahre von daher und das zweite der Ordnung ist, und endlich ins Natürliche, das dritte der Ordnung. Hieraus wird klar, daß das Natürliche gleich ist den Füßen, auf die das Obere sich stützt. Die Natur ist es auch, in die dasjenige ausläuft, was der geistigen Welt und was dem Himmel angehört. Daher kommt es, daß die ganze Natur eine das Reich des Herrn darstellende Schaubühne ist, und daß das Einzelne in ihr vorbildet, Nr. 2758, 3483. Daß ferner die Natur durch den Einfluß jener Ordnung gemäß besteht, und daß sie ohne Einfluß nicht einmal einen Augenblick bestehen könnte.

*4940. Als ich zum zweitenmal mit einer Säule von Engeln umgeben in die Orte der Unteren hinabgelassen wurde, durfte ich ganz fühlbar innewerden, daß die, welche in dem Land der Unteren waren, den Füßen und Fußsohlen entsprechen. Auch sind jene Orte unter den Füßen und Fußsohlen. Daselbst habe ich auch mit ihnen geredet; es sind solche, die in der natürlichen Lust waren und nicht in der geistigen. Über die untere Erde sehe man Nr. 4728.

*4941. In jenen Orten befinden sich auch die, welche alles der Natur, dem göttlichen Wesen aber nur wenig zugeschrieben hatten. Mit ihnen habe ich dort geredet, und als von der göttlichen Vorsehung die Rede war, da schrieben dieselben alles der Natur zu, wenn aber hier die, welche ein sittlich gutes Leben geführt haben, eine Zeitlang dort behalten worden sind, legen sie dennoch nach und nach diese Grundsätze ab, und nehmen die Grundsätze des Wahren an.

*4942. Als ich daselbst war, hörte ich auch in einer Kammer, wie wenn auf der anderen Seite der Wand einige wären, die einbrechen wollten; dadurch wurden die dort Befindlichen erschreckt, in der Meinung, es seien Räuber; und es wurde gesagt, daß die dort Befindlichen in einer solchen Furcht erhalten werden in der Absicht, sie vom Bösen abzuschrecken, weil die Furcht für einige ein Mittel der Besserung ist.

*4943. Auf der unteren Erde unter den Füßen und Fußsohlen sind auch solche, die in gute Taten und Werke ein Verdienst gesetzt haben. Mehrere von ihnen glauben, Holz zu spalten. Der Ort, wo sie sind, ist ziemlich kalt, und sie meinen sich durch ihre Arbeit warm zu machen. Ich habe auch mit ihnen geredet, und ich durfte ihnen sagen, ob sie nicht von jenem Ort weggehen wollten. Sie sagten, sie hätten mit ihrer Arbeit noch nichts verdient.

Wenn aber jener Zustand durchgemacht ist, dann werden sie von da weggenommen. Auch sie sind Natürliche, weil die Seligkeit verdienen wollen nicht geistig ist; und außerdem ziehen sie sich anderen vor; einige verachten auch andere. Wenn sie keine größere Freude als die übrigen im anderen Leben bekommen, werden sie unwillig gegen den Herrn. Deshalb erscheint zuweilen, wenn sie Holz spalten, gleichsam etwas vom Herrn unter dem Holz, und zwar infolge ihres Unwillens. Weil sie aber ein frommes Leben geführt und jenes aus Unwissenheit getan haben, in der etwas von Unschuld war, darum werden von Zeit zu Zeit Engel zu ihnen gesendet, die sie trösten. Und außerdem erscheint ihnen von oben her zur Linken zuweilen etwas wie ein Schaf, von dessen Anblick sie auch Trost empfangen.

*4944. Die aus der Welt von der Christenheit herkommen und ein sittlich gutes Leben geführt und etwas Liebtätigkeit gegen den Nächsten gehabt, aber sich um geistige Dinge wenig gekümmert haben, werden größtenteils an Orte unter den Füßen und Fußsohlen versetzt und dort behalten, bis sie die natürlichen Dinge, worin sie waren, abgelegt, und geistige und himmlische Dinge, soweit es nach ihrem Leben möglich ist, angenommen haben. Wenn sie diese angenommen haben, dann werden sie von da zu himmlischen Gesellschaften erhoben. Ich sah einige Male solche heraufkommen, und auch ihre Freude, daß sie nun ins himmlische Licht kämen.

*4945. In welcher Lage die Orte unter den Füßen sind, wurde mir noch nicht zu wissen gegeben; es sind sehr viele, und dieselben voneinander sehr verschieden. Im allgemeinen werden sie genannt Land (oder Erde) der Unteren (Terra inferiorum).

*4946. Es gibt einige, die im Leben des Leibes den Grundsatz an genommen hatten, daß der Mensch sich nicht kümmern solle um das, was dem inwendigen Menschen angehört, mithin um geistige Dinge, sondern bloß um das, was den äußeren Menschen angeht oder natürlich ist, aus dem Grund, weil die inwendigeren Dinge ihre Lebenslust stören und Unlust verursachen. Diese wirkten auf das linke Knie ein, und ein wenig oberhalb des Knies von vorne her, und auch auf die Sohle des rechten Fußes.

Ich redete mit ihnen in ihrem Aufenthaltsort. Sie sagten, sie hätten im Leben des Leibes gemeint, daß bloß das Äußere lebe, und sie hätten nicht verstanden, was das Inwendige sei; mithin hätten sie das Natürliche erkannt, nicht aber, was geistig sei. Aber es durfte ihnen gesagt werden, dadurch hätten sie sich unzählig vieles verschlossen, was aus der geistigen Welt hätte einfließen können, wenn sie die inwendigeren Dinge anerkannt und so in ihre Denkvorstellungen zugelassen hätten.

Ferner durfte ich ihnen sagen, daß in einer jeden Denkvorstellung unzählig vieles liege, was dem Menschen, hauptsächlich dem natürlichen, nur als etwas Einfaches (unum simplex) vorkommt, während doch unzählig (indefinita) vieles sei, was aus der geistigen Welt einfließt und beim geistigen Menschen eine höhere Anschauung bewirkt, vermöge der er sehen und auch innewerden kann, ob etwas wahr oder nicht wahr sei; und weil sie daran zweifelten, wurde dies durch eine lebendige Erfahrung gezeigt. Es wurde ihnen eine einzige Vorstellung dargelegt, die sie als eine einfache, mithin als einen dunklen Punkt sahen; so etwas läßt sich im Himmelslicht leicht vorbilden. Als jene Vorstellung aufgeschlossen, und ihnen zugleich das inwendigere Gesicht geöffnet wurde, da lag es vor ihren Augen wie eine ganze zum Herrn führende Welt, und es wurde gesagt, daß das bei einer jeden Vorstellung des Guten und Wahren der Fall sei, daß sie nämlich ein Bild des ganzen Himmels sei, weil sie vom Herrn kommt, der das Ganze des Himmels ist, d.h. eben das, was Himmel genannt wird.

*4947. Unter den Fußsohlen sind auch solche, die im Leibesleben der Welt und dem Wohlleben gefrönt haben, indem sie sich an weltlichen Dingen ergötzten, und gerne herrlich und in Freuden lebten, aber nur aus äußerer oder leiblicher Begierde, nicht aber aus inwendiger oder Gemütsneigung; denn sie übten keinen Hochmut, sodaß sie sich anderen vorgezogen hätten, obwohl sie in hoher Würde standen. Daß sie so leb ten, taten sie nur in Rücksicht auf ihren Körper (ex corpore egerunt); daher haben solche die Lehren der Kirche nicht verworfen, weniger noch haben sie sich dagegen begründet. Im Herzen haben sie denselben beigepflichtet, weil die, welche das Wort studieren, es verstehen müssen. Bei einigen, die so beschaffen, ist das Inwendigere bis zum Himmel geöffnet, und es wird in dasselbe nach und nach Himmlisches eingepflanzt, nämlich Gerechtigkeit, Redlichkeit, Frömmigkeit, Liebtätigkeit, Barmherzigkeit, und alsdann werden sie in den Himmel erhoben.

*4948. Diejenigen aber, die im Leibesleben von ihrem Inwendigeren aus nichts anderes dachten und anstrebten, als was ihnen selbst und der Welt angehört, haben sich jeden Weg oder allen Einfluß aus dem Himmel verschlossen, denn die Selbst- und Weltliebe ist entgegengesetzt der himmlischen Liebe.

Diejenigen von ihnen, die zugleich in Vergnügungen oder in einem üppigen Leben, verbunden mit innerlicher Schlauheit, gelebt haben, sind unter der Sohle des rechten Fußes, hier aber tief unten, somit unter dem Land der Unteren, wo ihre Hölle ist. In ihren Wohnungen ist lauter Schmutz. Sie glauben auch, solche Dinge an sich zu tragen, denn diese entsprechen einem solchen Leben. Man empfindet dort einen Gestank von allerlei verschiedenem Schmutz nach den Gattungen und Arten ihres Lebens. Hier leben viele, die in der Welt zu den Angesehenen gehörten.

*4949. Es gibt mehrere, die ihre Wohnungen unter den Fußsohlen haben, mit denen ich zuweilen redete. Ich sah, wie einige derselben sich bemühten, heraufzukommen, und ich durfte auch ihre Bemühung heraufzukommen spüren, und zwar bis zu den Knien, aber sie fielen zurück. So wird es sinnlich wahrnehmbar vorgebildet, wenn etliche aus ihren Wohnungen zu Höheren hinauf verlangen, wie diese zu den Wohnungen derjenigen, die im Gebiet der Knie und Schenkel sind. Es wurde mir gesagt, es seien solche, die andere neben sich verachtet hatten, weshalb sie auch emporkommen wollen, und nicht bloß durch den Fuß in den Schenkel, sondern auch, wenn sie könnten, über das Haupt hinauf; den noch aber fallen sie zurück. Sie sind auch in einer Art von Dummheit, denn eine solche Anmaßung verlöscht und erstickt das Himmelslicht, mithin die Einsicht; deshalb erscheint die Sphäre, die jene umgibt, wie ein dichter Nebel.

*4950. Unter dem linken Fuß, ein wenig links, sind solche, die der Natur alles zugeschrieben, aber dennoch das Dasein eines Wesens in der Welt bekannten, von dem alles in der Natur herkomme. Aber es wurde erforscht, ob sie ein Weitwesen oder ein höchstes Wesen geglaubt haben, das alles geschaffen. Aber aus ihrem nur mitgeteilten Denken wurde ich inne, daß es gleichsam etwas Unbeseeltes war, das sie glaub ten, worin kein Lehen. Hieraus konnte erhellen, daß sie keinen Weltschöpfer, sondern die Natur anerkannten. Sie sagten auch, daß sie keine Vorstellung von einer lebendigen Gottheit haben könnten.

*4951. Unter der Ferse, ein wenig mehr rückwärts, ist tief unten eine Hölle; der Zwischenraum erscheint wie leer; hier sind die Boshaftesten. Heimlich erforschen sie die Gesinnungen, um zu schaden und machen heimliche Nachstellungen, um ins Verderben zu bringen. Darin bestand ihre Lebenslust.

Ich habe sie öfters beobachtet: sie ergießen das Gift ihrer Bosheit gegen die, welche in der Geisterwelt sind, und die dort Befindlichen regen sie durch verschiedene Trugkünste auf. Sie sind innerlich Boshafte. Sie erscheinen dort gleichsam in Mänteln, und zuweilen auch anders. Sie werden oft gestraft, und dann werden sie tiefer hinunter versetzt und gleichsam mit einer Wolke verhüllt, welche die von ihnen ausdünstende Sphäre der Bosheit ist. Aus jener Tiefe wird zuweilen wie ein mörderisches Getümmel gehört. Sie können andere zu Tränen bewegen und können auch Furcht einjagen. Dieses haben sie im Leibesleben da durch angenommen, daß sie bei Kranken und Einfältigen waren, um Vermögen zu erlangen; dieselben haben sie zum Weinen gebracht und so zum Mitleiden angeregt, und wenn sie so nicht zu ihrem Zweck kamen, flößten sie Furcht ein. Solcherart sind die meisten, die für die Klöster in solcher Weise mehrere Häuser beraubt haben.

Es wurden auch einige in mittlerer Entfernung beobachtet, aber diese glauben, wie in einer Kammer zu sitzen und sich zu beraten. Sie sind auch boshaft, aber nicht in so hohem Grade.

*4952. Einige von denen, die Natürliche sind, sagten, sie wüßten nicht, was sie glauben sollten, weil ja einem jeden dem Leben gemäß, und auch den Gedanken aus begründeten Meinungen gemäß sein Los zu geteilt werde; aber es wurde ihnen geantwortet, daß es für sie genügt hätte, wenn sie geglaubt hätten, daß ein Gott sei, der alles regiere, und daß es ein Leben nach dem Tode gebe, und hauptsächlich, wenn sie nicht gelebt hätten wie e wildes Tier, sondern wie ein Mensch, nämlich in der Liebe zu Gott und in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten, somit im Wahren und Guten, nicht aber diesen entgegengesetzt. Sie behaupteten aber, daß sie so gelebt hätten; allein es wurde wieder geantwortet, daß sie im Äußeren als solche erschienen seien, wenn aber die Gesetze es nicht gehindert hätten, so würden sie sich auf das Leben und die Güter eines jeden wütender gestürzt haben als wilde Tiere. Abermals sagten sie, sie hätten nicht gewußt, was Liebtätigkeit gegen den Nächsten und was das Inwendige sei, aber es wurde ihnen geantwortet, sie hätten nichts davon wissen können, weil die Selbst- und Weltliebe und äußere Dinge ihr Denken und Wollen ganz eingenommen habe.


*5050. Von der Entsprechung der Lenden und Geschlechtsteile mit demselben.

Welche Geister im Größten Menschen oder Himmel zum Gebiet der Hände, Arme und Füße gehören, wurde am Ende des vorigen Kapitels, Nr. 4931-4953 aus Erfahrung gezeigt. Hier soll nun gesagt werden, was für Gesellschaften im Himmel oder im Größten Menschen es sind, denen die Lenden, wie auch die mit den Lenden zusammenhängenden Glieder, welche die Geschlechtsteile genannt werden, entsprechen. Im allgemeinen merke man, daß die Lenden und die mit ihnen zusammenhängenden Glieder der echten ehelichen Liebe, folglich den Gesellschaften entsprechen, in denen sich Geister von solcher Art befinden. Die daselbst sich befinden, sind mehr als die übrigen himmlisch, und leben mehr als die übrigen in der Wonne des Friedens.

*5051. In einem ruhigen Traum sah ich einige in einem hölzernen Behälter gepflanzte Bäume, von denen einer hochgewachsen, der andere niedriger und zwei klein waren. Es erfreute mich hauptsächlich der niedrigere Baum, und unterdessen regte eine ungemein liebliche Ruhe, die ich nicht aussprechen kann, mein Gemüt an. Aufgewacht vom Schlaf, redete ich mit denen, die den Traum herbeigeführt hatten. Es waren Engelsgeister (man sehe Nr. 1977, 1979), die sagten, was durch jenes Gesicht bezeichnet wurde, nämlich die eheliche Liebe: durch den hochgewachsenen Baum der Gatte, durch den niedrigeren die Gattin, durch die zwei kleinen die Kinder. Sie sagten ferner, daß die ungemein liebliche Ruhe, die das Gemüt anregte, anzeige, welch lieblichen Frieden diejenigen im anderen Leben genießen, die in echter ehelicher Liebe gelebt haben. Sie setzten hinzu, daß solche es seien, die zum Gebiet der Schenkel zunächst über den Knien gehören, und daß die, welche in einem noch lieblicheren Zustande sind, zum Gebiet der Lenden gehören.

Es wurde auch gezeigt, daß eine Gemeinschaft durch die Füße mit den Fußsohlen und Fersen bestehe. Daß eine solche Gemeinschaft stattfindet, erhellt auch aus dem großen Nerven im Schenkel, der seine Ausläufer nicht nur durch die Lenden zu den für die Zeugung bestimmten Gliedern, welche die Organe der ehelichen Liebe sind, aussendet, sondern auch durch die Füße zu den Fußsohlen und zu den Fersen. Es wurde dann auch enthüllt, was im Wort durch die Hüftpfanne und den Hüftmuskel, der bei Jakob verrenkt wurde, als er mit dem Engel rang, verstanden wurde: 1. Mose 32/25, 31, 32, wovon Nr. 4280, 4281, 4314-4317.

Es erschien mir hierauf ein großer Hund, ähnlich wie der, welcher bei den ältesten Schriftstellern Zerberus genannt wird; er hatte einen schauerlichen Rachen. Es wurde mir gesagt, daß ein solcher Hund die Wache bedeute, damit der Mensch nicht von der himmlischen ehelichen Liebe zur Liebe des Ehebruchs, die höllisch ist, übertrete, denn himmlische eheliche Liebe ist es, wenn ein Mensch mit seiner Gattin, die er zärtlich liebt und mit seinen Kindern im Herrn zufrieden lebt, wodurch er in der Welt innerliches Wohlsein und im anderen Leben himmlische Freude hat; wenn man aber von jener Liebe zum Gegenteil übergeht und dabei eine gleichsam himmlische Lust zu haben meint, während es doch eine höllische ist, dann stellt sich ein solcher Hund dar, der gleichsam darüber wachen soll, daß nicht die entgegengesetzten Vergnügungen in Gemeinschaft kommen.

*5052. Der innerste Himmel ist es, durch den der Herr eheliche Liebe einflößt. Die in demselben Lebenden sind mehr als die übrigen im Frieden. Der Friede in den Himmeln ist vergleichsweise wie der Frühling in der Welt, der alles mit Wonne erfüllt. Er ist das eigentlich Himmlische in seinem Ursprung. Die Engel daselbst sind die allerweisesten, und vermöge ihrer Unschuld erscheinen sie anderen wie Kinder. Sie lieben auch die Kinder viel mehr, als deren Väter und Mütter. Dieselben sind bei den Kindern im Mutterleib, und durch sie sorgt der Herr, daß die Kinder daselbst ernährt und vollkommen ausgebildet werden. Somit stehen auch die Schwangeren unter ihrer Obhut.

*5053. Es gibt himmlische Gesellschaften, denen alle und jede Glieder und Organe, die der Zeugung gewidmet sind, in beiderlei Geschlecht, entsprechen. Jene Gesellschaften sind von anderen unterschieden, wie auch jenes Gebiet im Menschen von den übrigen wohl unterschieden und getrennt ist.

Daß jene Gesellschaften himmlische sind, hat den Grund, weil die eheliche Liebe allen Liebestrieben zugrunde liegt: Nr. 686, 2733, 2737, 2738. Sie zeichnet sich auch vor den übrigen durch ihren Nutzzweck und die damit verbundene Lebensfreude aus; denn die Ehen sind die Pflanzschulen des ganzen Menschengeschlechts und auch die Pflanzschulen des himmlischen Reiches des Herrn, denn aus dem Menschengeschlecht bildet sich der Himmel.

*5054. Diejenigen, die kleine Kinder auf das Zärtlichste geliebt hatten, wie auch solche Mütter, sind im Gebiete des Uterus und der Organe umher, nämlich im Gebiet des Mutterhalses und der Eierstöcke, und die, welche dort sich befinden, sind in einem überaus angenehmen und wonnigen Leben und sind in himmlischer Freude vor anderen.

*5055. Aber welche und was für Gesellschaften es sind, die zu den einzelnen Zeugungsorganen gehören, wurde nicht zu wissen gegeben, denn sie sind zu innerlich, als daß sie von einem, der in einer niedrigeren Sphäre sich befindet, begriffen werden könnten. Sie stellen auch die Nutzzwecke jener Organe dar, die verborgen sind, und zugleich dem Wissen entzogen aus einer Ursache, die providentiell (d.h. von der Vorsehung angeordnet) ist, damit nicht solches, was an sich überaus himmlisch ist, durch unsaubere Gedanken verletzt werde, die der Unzucht, Hurerei und dem Ehebruch angehören, denn solche Gedanken werden bei sehr vielen erweckt, wenn jene Organe nur genannt werden. Deshalb darf nur einiges ferner Liegende, was gesehen wurde, berichtet werden.

*5056. Ein gewisser Geist von einer anderen Erde war bei mir (von den Geistern aus anderen Erdkörpern wird, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, anderswo gesprochen werden), derselbe bat angelegentlich, ich möchte mich für ihn verwenden, daß er in den Himmel kommen könnte. Er sagte, er wisse nicht, daß er Böses getan habe, nur daß er die Einwohner jenes Erdkörpers gescholten, denn es gibt bei ihnen Schelter und Züchtiger derjenigen, die nicht recht leben, von denen ich auch sprechen werde, wenn von den Bewohnern anderer Erdkörper die Rede sein wird. Er setzte hinzu, nachdem er sie gescholten, habe er sie belehrt; er redete alsdann gleichsam zweizüngig.

Derselbe konnte wirklich Mitleid erregen, aber ich konnte ihm nichts anderes antworten, als daß ich ihm nicht helfen könne, und daß dies einzig beim Herrn stehe, und daß er, wenn er würdig sei, Hoffnung haben könne. Aber alsdann wurde er unter die gutartigen Geister von seinem Erdkörper zurückgeschickt; doch diese sagten, er könne nicht in ihrer Genossenschaft sein, weil er nicht so beschaffen sei wie sie. Weil er aber doch aus sehnlichem Verlangen flehte, daß er in den Himmel eingelassen werden möchte, wurde er in einen Verein gutartiger Geister dieses Erdkörpers versetzt. Allein auch diese sagten, er könne nicht bei ihnen sein. Er erschien auch von schwarzer Farbe im Licht des Himmels, aber er sagte selbst, er sei nicht von schwarzer, sondern von bräunlicher Farbe (murrhinicotoris, wie der Edelstein Chalcedon).

Es wurde mir gesagt, solcherart seien im Anfang die, welche nachher unter diejenigen aufgenommen werden, die das Gebiet der Samenbläschen bilden, denn in jenen Bläschen sammelt sich der Samen mit einer passenden Flüssigkeit, mit der er verbunden und durch die Verbindung fähig gemacht wird, daß er, nachdem er ausgelassen worden, im Gebärmutterhalse sich löst, und so zur Empfängnis dient, und es liegt in einer solchen Substanz ein Trieb und gleichsam eine Sehnsucht, Nutzen zu leisten, somit der Flüssigkeit sich zu entledigen, womit er bekleidet ist. Etwas Ähnliches zeigte sich auch bei jenem Geist.

Er kam abermals zu mir, aber in einer geringen Kleidung und sagte, er brenne vor Verlangen in den Himmel zu kommen, und er merke jetzt, daß er dazu geeignet sei. Ich durfte ihm sagen, das sei vielleicht ein Anzeichen, daß er bald aufgenommen werde. Es wurde ihm dann von den Engeln gesagt, er solle das Kleid abwerfen. Jetzt warf er es aus Verlangen so schnell von sich, daß es kaum etwas Schnelleres geben kann. Dadurch wurde vorgebildet, von welcher Art die Wünsche derjenigen sind, die in dem Gebiet sich befinden, dem die Samenbläschen entsprechen.

*5057. Es erschien mir ein Mörser, bei dem ein Mann mit einem eisernen Instrument stand, der in seiner Phantasie in jenem Gefäß Menschen zu zerstampfen wähnte, indem er sie auf schreckliche Art marterte. Dies tat jener Mann mit großer Lust. Die Lust selbst wurde mir mitgeteilt, auf daß ich wüßte, was für eine und eine wie große Lust diejenigen haben, die solcherart sind. Es war eine höllische Lust.

Von den Engeln wurde mir gesagt, daß eine solche Lust bei Jakobs Nachkommen geherrscht habe, und daß sie in nichts eine größere Lust empfunden hätten, als die Heiden grausam zu mißhandeln, und wenn sie getötet waren, sie den wilden Tieren und Vögeln zum Fraß auszusetzen; sie lebendig zu zersägen und mit Beilen zu zerhauen, in einen Ziegelofen zu werfen: 2. Sam. 12/31, Kinder zu zerschmettern und hinzuwerfen. Solches wurde gar nie befohlen und gar nie zugelassen, als solchen, bei denen der Hüftmuskel verrenkt ist: Nr. 5051.

Solche wohnen unter der rechten Ferse, wo sich Ehebrecher befinden, die auch grausam sind. Es ist daher zu verwundern, daß irgend jemand glauben mag, jene Völkerschaft sei eine vor anderen auserwählte gewesen. Daher kommt es auch, daß mehrere sich in der Meinung bestärken, das Leben mache es nicht aus, sondern es komme auf die Auserwählung an, und so geschehe die Aufnahme in den Himmel aus bloßer Barmherzigkeit, möge das Leben gewesen sein, wie es wolle, während doch jeder aus gesunder Vernunft sehen kann, daß so zu denken gegen das Göttliche ist; denn das Göttliche ist die Barmherzigkeit selbst. Des halb würden, wenn der Himmel aus bloßer Barmherzigkeit zuteil würde, wie auch immer das Leben gewesen sein mochte, alle, soviel ihrer wären, aufgenommen. Jemand in die Hölle verstoßen, um daselbst gepeinigt zu werden, während er doch in den Himmel aufgenommen werden könnte, wäre eine Unbarmherzigkeit und nicht Barmherzigkeit, und den einen vor dem anderen auserwählen, wäre auch eine Ungerechtigkeit und nicht Gerechtigkeit.

Denjenigen, die geglaubt und sich darin begründet haben, daß einige auserwählt seien, und die übrigen nicht, und in den Himmel gebe es bloß eine Zulassung aus Barmherzigkeit, wie man auch gelebt haben möge, wird deshalb gesagt - was ich auch einigemal gehört und gesehen habe, - daß der Himmel niemanden vom Herrn verweigert werde, und wenn sie es wünschen, so können sie es selber erfahren; deshalb werden sie in irgendeine Gesellschaft des Himmels aufgenommen, wo diejenigen sind, die in der Neigung zum Guten oder in der Liebtätigkeit das Leben führten. Aber wenn sie dahin kommen, dann fangen sie an, weil sie böse sind, Angst und inwendige Pein zu fühlen, indem sie ein entgegengesetztes Leben haben, und wenn das himmlische Licht erscheint, dann erscheinen sie in jenem Licht als Teufel, beinahe ohne menschliche Gestalt, einige mit zusammengezogenem Angesicht, einige wie mit einem Rachen voller Zähne, einige auf andere Weise als Ungeheuer. Hierdurch haben sie ein Grauen vor sich selbst und stürzen sich jählings in die Hölle, und je tiefer, desto lieber.

*5058. Es war auch ein Gewisser, der in der Welt zu den Angeseheneren gehörte, und mir damals bekannt war, jedoch nicht, wie er in wendig beschaffen war. Aber im anderen Leben stellte es sich nach einigen Umwandlungen seines Zustandes heraus, daß er arglistig war. Als derselbe eine Zeitlang unter den Trügerischen im anderen Leben gewesen war und dort Hartes erduldet hatte, wollte er von ihnen getrennt werden. Ich hörte ihn alsdann sagen, er wolle in den Himmel kommen. Auch er hatte geglaubt, daß die Aufnahme bloß aus Barmherzigkeit stattfinde, aber es wurde ihm gesagt, wenn er dorthin komme, so könne er nicht daselbst verweilen, sondern würde Pein leiden, wie die, welche in der Welt im Todeskampf sind. Aber gleichwohl bestand er darauf.

Er wurde sofort in eine Gesellschaft von einfältig Guten zugelassen, die vorne über dem Haupt sich befand. Als er aber dahin kam, fing er seinem Leben gemäß an, listig und trügerisch zu handeln. Hierauf, nach einer kleinen Stunde, begannen die einfältig Guten zu klagen, daß er ihnen das Innewerden des Guten und Wahren und daher ihren Lustreiz (d.h. ihre innere Freudigkeit) benehme und so ihren Zustand zerstöre. Alsdann wurde etwas Licht vom inwendigeren Himmel zugelassen, in dem er als ein Teufel erschien und der obere Teil seiner Nase durchfurcht von einer häßlichen Wunde, und sofort fing er an inwendig gepeinigt zu werden, und als er das fühlte, stürzte er sich von da aus in die Hölle.

Hieraus wird klar, daß keine Erwählung und Aufnahme aus Barm herzigkeit stattfindet, sondern daß es das Leben ist, das den Himmel macht. Aber alles zum Leben des Guten und zum Glauben des Wahren Gehörige wird aus Barmherzigkeit denjenigen in der Welt zuteil, die Barmherzigkeit aufnehmen, und denen wird Aufnahme aus Barmherzigkeit, und sie sind es, welche die Auserwählten genannt werden: Nr. 3755 E, 3900.

*5059. Die, welche im Gegensatz der ehelichen Liebe gelebt haben, nämlich in Ehebrüchen, brachten mir, als sie nahten, Schmerz in die Lenden bei, und zwar einen heftigen, je nach dem ehebrecherischen Leben, das sie führten. Aus diesem Einflusse wurde auch offenbar, daß die Lenden der ehelichen Liebe entsprechen.

Auch ist ihre Hölle unter dem hinteren Teil der Lenden, unter den Hinterhacken, wo sie in allerlei Schmutz und Kot leben, und sie haben auch ein Ergötzen daran, denn solches entspricht jenen Wollüsten in der geistigen Welt. Doch hiervon an einer anderen Stelle, wo aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn von den Höllen im allgemeinen und im besonderen die Rede sein wird.

*5060. Wer diejenigen sind, die den Hoden entsprechen, konnte mir ebenfalls an denen klar werden, die im Gegensatze zur ehelichen Liebe sind und den Hoden Schmerzen verursachen; denn wenn die Gesellschaften sich betätigen, dann wirken sie auf die Teile und Glieder des Leibes ein, denen sie entsprechen, die himmlischen Gesellschaften durch einen sanften, wohltuenden, angenehmen Einfluß, die höllischen, die im Gegensatze sind, durch einen unsanften und schmerzhaften Einfluß. Aber der Einfluß derselben wird nur von denen empfunden, denen das Inwendigere aufgeschlossen und daher eine fühlbare Gemeinschaft mit der geistigen Welt gegeben ist.

Die, welche im Gegensatze zur ehelichen Liebe sind und den Hoden Schmerzen verursachen, sind die, welche durch Liebe, Freundschaft und Gefälligkeiten Nachstellungen bereiten. Als solche zu mir kamen, wollten sie heimlich mit mir reden und fürchteten sehr, es möchte jemand gegenwärtig sein, denn so geartet waren sie im Leben ihres Leibes, und deshalb sind sie auch so geartet im anderen Leben, weil einem jeden sein Leben nachfolgt.

Aus der Gegend um die Gehenna her stieg etwas gleichsam unsichtbares Luftiges empor. Es war eine Rotte solcher Geister. Aber nachher erschienen sie mir bloß wie einer, obwohl es mehrere waren. Diesem wurden Binden entgegengeworfen, die er jedoch zu beseitigen meinte, wodurch bezeichnet wurde, daß sie die Hindernisse beseitigen wollten, denn in solcher Art erscheinen die Gedanken und Bestrebungen des Gemüts vorbildlich in der Geisterwelt, und wenn sie erscheinen, merkt man sogleich, was sie bedeuten.

Nachher schien es, als ob aus seinem Leibe ein schneeweißer kleiner Knabe hervorginge, der zu mir trat, wodurch ihre Gedanken und ihre Absicht vorgebildet wurde, daß sie sich in den Stand der Unschuld kleiden wollten, damit niemand etwas derart von ihnen argwöhnen möchte. Als derselbe zu mir kam, ließ er sich zu den Lenden herab und schien sich um beide gleichsam herumzuschlingen, wodurch vorgebildet wurde, daß sie sich in keuscher ehelicher Liebe darstellen wollten. Hernach um die Füße in spiralförmigen Windungen, wodurch vorgebildet wurde, daß sie sich durch solches, was in der Natur angenehm ist, ein schmeicheln wollten. Zuletzt wurde jener eine Kleine beinahe unsichtbar, wodurch vorgebildet wurde, daß sie ganz verborgen sein wollten.

Es wurde mir von den Engeln gesagt, daß sich diejenigen so einschmeicheln, die der ehelichen Liebe nachstellen, solche nämlich, die in der Welt sich in der Absicht einschmeichelten, mit Frauen ehebrecherischen Umgang zu pflegen, indem sie keusch und vernünftig von der ehelichen Liebe redeten, den Kindern freundlich taten, den Ehegatten auf alle Weise lobten, so daß man einen solchen für einen guten Freund, für keusch und arglos hält, während er doch ein verschmitzter Ehebrecher ist. Welcher Art sie sind, wurde mir daher ebenfalls gezeigt.

Nachdem jenes geschehen war, wurde jener schneeweiße Kleine sichtbar und erschien dunkelbraun und kohlschwarz, zudem höchst häßlich. Darauf wurde er in seine Hölle geworfen, die auch tief unter dem mittleren Teil der Lenden war. Dort leben sie im abscheulichsten Kot. Sie befinden sich dort auch unter Räubern, die den allgemeinen unfrei willigen Sinn darstellen, wovon Nr. 4327.

Ich habe nachher auch mit solchen geredet, und sie äußerten sich verwundert, daß jemand eine Gewissenscheu vor Ehebrüchen habe und darum aus Gewissen nicht mit der Frau eines anderen verbotenen Umgang pflege, wenn es sich es tun läßt. Und als ich mit ihnen vom Gewissen redete, leugneten sie, daß jemand ein Gewissen habe. Es wurde mir gesagt, daß solche meistens aus der Christenwelt stammen und selten einige aus anderen Gegenden.

*5061. Als Anhang darf ich noch folgendes Merkwürdige beifügen:

Es waren einige Geister, die lange in einer besonderen Hölle eingeschlossen und verborgen waren, von welcher sie nicht ausbrechen konnten. Einige Male wollte ich gerne wissen, wer sie wären. Eines Abends wurden sie herausgelassen, und dann hörte man von ihnen ein ziemlich lärmendes Gemurmel, das lange währte; und als es gestattet war, hörte ich von ihnen Schimpfreden wider mich und merkte, daß sie damit umgingen, heraufzukommen und mich zu verderben. Ich erkundigte mich bei den Engeln nach der Ursache, und diese sagten, daß sie mich gehaßt hätten bei ihren Lebzeiten, obwohl ich ihnen gar nichts zuleide getan hatte; und ich wurde belehrt, daß solche, sobald sie nur die Sphäre desjenigen, den sie haßten, innewerden, auf sein Verderben sinnen. Aber sie wurden in ihre Hölle zurückgeschickt.

Hieraus konnte erhellen, daß die, welche in der Welt einander haßten, im anderen Leben zusammenkommen und einander viel Böses antun wollen, was auch aus anderen Beispielen öfters vernommen werden konnte; denn der Haß ist entgegengesetzt der Liebe und Liebtätigkeit und ist ein Widerwille und gleichsam eine geistige Antipathie. Sobald sie daher im anderen Leben die Sphäre dessen, gegen den sie einen Haß hatten, innewerden, geraten sie gleichsam in Wut. Hieraus wird klar, was das in sich schließt, was der Herr gesagt hat bei Matth. 5/22-26.


*5171. Von der Entsprechung der inwendigeren Eingeweide mit demselben.

Zu welchen Gebieten die Engelsgesellschaften gehören, kann man im anderen Leben aus ihrer Lage im Verhältnis zum menschlichen Leib erkennen, sodann auch aus ihrer Wirkung und ihrem Einfließen; denn sie fließen und wirken auf das Organ und Glied ein, in dem sie sind. Aber ihr Einfließen und Wirken kann nur von denen empfunden werden, die im anderen Leben sind und nur von dem Erdenmenschen, dem das Inwendigere so weit geöffnet ist, und nicht einmal von einem solchen, wenn ihm nicht vom Herrn eine bewußte Reflexion gegeben wird und mit dieser ein Innewerden verknüpft ist.

*5172. Es gibt gewisse gutartige Geister, die denken, ohne sich zu besinnen, und daher schnell und gleichsam unvorbedacht aussprechen, was in ihre Gedanken kommt. Diese haben ein inwendigeres Innewerden, das sich nicht so sichtbar gestaltet hat durch Überlegungen und Gedanken wie bei anderen; denn im Fortgang des Lebens sind sie wie von selbst über die Güte der Dinge, aber nicht so über deren Wahrheit belehrt worden. Es wurde mir angezeigt, daß solche zu dem Gebiet der Thymusdrüse gehören; denn der Thymus (Brustdrüse) ist eine Drüse, die hauptsächlich den kleinen Kindern dient und in diesem Alter weich ist. Solchen Geistern ist auch noch ein weiches, kindliches Wesen geblieben, in welches das Innewerden des Guten einfließt, aus dem in allgemeiner Weise das Wahre hervorleuchtet. Diese können in großem Getümmel sein und doch nicht gestört werden, wie auch jene Drüse.

*5173. Es gibt im anderen Leben sehr viele Arten von Beunruhigungen (vexationum), und auch sehr viele Arten von Einführungen in Kreisläufe (inaugurationum in gyros). Jene Beunruhigungen werden vorgebildet durch die Reinigungsprozesse, die das Blut, sodann das Serum oder die Lymphe, wie auch der Speisebrei (chylus) im Leibe durchmachen muß, und die ebenfalls durch verschiedene Züchtigungen (oder Läuterungen, castigationes) vor sich gehen. Jene Einweihungen in Kreisläufe aber werden vorgebildet durch die nachher stattfindende Einführung jener Flüssigkeiten zu Nutzzwecken. Es ist eine sehr gewöhnliche Erscheinung im anderen Leben, daß die Geister, nachdem sie beunruhigt worden sind, hernach in einen ruhigen und angenehmen Zustand versetzt werden, mithin in Gesellschaften, für die sie eingeweiht und denen sie beigesellt werden sollen.

Daß die Läuterungen und Reinigungen des Blutes, des Serums und des Speisebreis, wie auch der Nahrungsstoffe im Magen, solchen Prüfungen in der geistigen Welt entsprechen, muß allerdings denen fremdartig erscheinen, die in der Natur nichts anderes als das Natürliche beachten, und mehr noch denen, die nur an dieses glauben und damit leugnen, daß etwas Geistiges innewohne oder innewohnen könne, das treibt und lenkt; während doch die Sache sich so verhält, daß in allem und jedem, was sich in der Natur und ihren drei Reichen befindet, inwendig eine Triebkraft (agens) aus der geistigen Welt wohnt, und wenn nicht eine solche von daher in ihnen wäre, so würde sich gar nichts in der natürlichen Welt als Ursache und Wirkung betätigen, mithin auch nichts hervorbringen.

Das, was aus der geistigen Welt in den natürlichen Dingen ist, wird als eine von der ersten Schöpfung her in sie hineingelegte Kraft (vis insita) bezeichnet; aber es ist vielmehr ein Trieb, und wenn dieser aufhört, so hört auch Tätigkeit und Bewegung auf. Daher kommt es, daß die ganze sichtbare Welt ein vorbildlicher Schauplatz der geistigen Welt ist.

Es verhält sich damit ebenso, wie mit der Bewegung der Muskeln, durch die eine Tätigkeit entsteht; wenn jener nicht ein Trieb aus dem Denken und Wollen des Menschen innewohnte, so würde sie augenblicklich aufhören; denn nach den in der gelehrten Welt bekannten Regeln ist es notwendig, daß mit dem Aufhören des Triebes auch die Bewegung aufhört, wie auch, daß im Trieb das Ganze der Bestimmung (determinationis) liegt, und ferner, daß in der Bewegung nichts Reales existiert als der Trieb. Daß diese Kraft oder dieser Trieb in der Tätigkeit das Geistige im Natürlichen ist, liegt am Tage; denn denken und wollen ist geistig, aber handeln und sich bewegen ist natürlich.

Diejenigen, die nicht über die Natur hinaus denken, begreifen auch dies nicht, können es aber gleichwohl nicht leugnen. Jedoch ist das, was im Willen und daher im Denken ist, beziehungsweise das Hervorbringende in der Form nicht der Handlung gleich, oder dem, was bewirkt wird; denn die Handlung bildet nur dasjenige vor, was das Gemüt will und denkt.

*5174. Daß die Nahrungsstoffe oder Speisen im Magen auf vielerlei Arten bearbeitet werden (vexentur), damit ihr Inneres herausgelockt werde, das dann nutzbar, nämlich in Chylus (Speisebrei) und hernach in Blut verwandelt werden soll, ist bekannt; ebenso nachher auch in den Gedärmen. Solche Bearbeitungen (vexationes) werden vorgebildet durch die ersten Beunruhigungen (oder Prüfungen) der Geister, die alle ihrem Leben in der Welt gemäß stattfinden, damit ihr Böses losgetrennt und ihr Gutes, das nutzbar werden soll, gesammelt werde.

Deshalb kann man von den Seelen oder Geistern, kurz nach dem Hingang oder Abscheiden aus dem Leibe, sagen, daß sie gleichsam zu erst in die Gegend des Magens kommen und dort bearbeitet und gereinigt werden. Diejenigen, bei denen das Böse die Oberherrschaft behauptet hatte, werden, nachdem sie vergeblich bearbeitet worden sind, durch den Magen in die Gedärme und bis zu den letzten, nämlich zum Grimmdarm und Mastdarm, geführt und von da in die Kloake, d.h. in die Hölle fortgeschafft. Dagegen die, bei denen das Gute die Oberhand hatte, werden nach einigen Bearbeitungen und Reinigungen Chylus (Milchsaft) und gehen ins Blut über, einige auf einem längeren Wege, andere auf kürzerem, und einige werden streng bearbeitet, andere gelind, und andere kaum ein wenig. Die, welche kaum ein wenig, werden vorgebildet in den Nahrungssäften, die sogleich von den Venen eingesogen und in Umlauf gebracht werden bis in das Gehirn, usf.

*5175. Denn wenn der Mensch stirbt und ins andere Leben eingeht, so geht es mit seinem Leben wie mit der Speise, die von den Lippen sanft aufgenommen und nachher durch Mund, Rachen, Speiseröhre in den Magen fortgeleitet wird, und zwar gemäß der im Leibesleben durch ihre Handlungsweise angenommenen Gemütsart. Die meisten werden anfangs milde behandelt, denn sie werden in der Genossenschaft von Engeln und guten Geistern gehalten, was bei den Speisen damit vorgebildet wird, daß sie von den Lippen zuerst sanft berührt, und hernach gekostet werden von der Zunge, wie beschaffen sie sind. Die Speisen, die weich sind und Süßes, Öliges und Geistiges enthalten, werden sogleich von den Venen aufgenommen und in Umlauf gebracht; aber die Speisen, die hart sind und Bitteres, Herbes, wenig Nahrhaftes enthalten, werden härter mitgenommen; sie werden durch die Speiseröhre in den Magen hinabgeführt, wo sie auf allerlei Art und allerlei Martern (torturis) in Zucht genommen (d.i. geläutert) werden. Die noch härter, herber und unergiebiger sind, werden in die Gedärme und zuletzt in den Mastdarm, wo gleichsam ihre erste Hölle ist, hinuntergetrieben und zuletzt aus geworfen und werden zu Kot.

Geradeso geht es mit dem Leben des Menschen nach dem Tod. Zuerst wird der Mensch im Äußeren gehalten, und weil er im Äußeren ein bürgerlich geordnetes und gesittetes Leben geführt hatte, befindet er sich bei Engeln und gutartigen Geistern, aber nachher wird ihm das Äußere genommen, und alsdann wird offenbar, wie beschaffen er inwendig in Ansehung der Gedanken und in Ansehung der Neigungen und endlich in Ansehung der Zwecke gewesen war. Wie diese waren, so bleibt sein Leben.

*5176. Solange sie in dem Zustand sind, in dem sie den Nahrungsstoffen oder Speisen im Magen gleichen, so lange sind sie noch nicht im Größten Menschen, sondern werden erst eingeführt. Wenn sie aber auf vorbildliche Weise (representative) im Blut sind, alsdann sind sie im Größten Menschen.

*5177. Die, welche sehr besorgt waren wegen der Zukunft, und noch mehr die, welche dadurch habsüchtig und geizig geworden sind, erscheinen in der Gegend, wo der Magen ist.

Mehrere sind mir dort erschienen; ihre Lebenssphäre kann einem ekelerregenden Geruch, der vom Magen ausdünstet, verglichen werden, und auch dem Übelsein infolge von Unverdaulichkeit. Die, welche solcherart waren, verweilen lange in dieser Gegend; denn die Sorge wegen der Zukunft, wenn sie durchs Leben bekräftigt wird, schwächt und hemmt den Einfluß des geistigen Lebens gar sehr, denn solche maßen sich an, was der Sache göttlichen Vorsehung ist, und die, welche dieses tun, hindern den Einfluß und entfernen von sich das Leben des Guten und Wahren.

*5178. Weil es die Sorge wegen der Zukunft ist, die ängstliche Gefühle beim Menschen verursacht, und weil solche Geister in der Gegend des Magens erscheinen, deshalb wirken auch die Bangigkeiten mehr auf den Magen ein als auf die übrigen Eingeweide; und ich durfte auch wahrnehmen, wie diese Bangigkeiten vermehrt und vermindert wurden, je nach der Gegenwart und Entfernung jener Geister. Einige Bangigkeiten wurden mehr inwendig empfunden, einige mehr äußerlich, einige mehr oben und einige mehr unten, je nach dem Unterschied solcher Sorgen in Beziehung auf ihre Quellen, Abstammungen und Richtungen. Daher kommt es auch, daß, wenn solche ängstlichen Stimmungen die Seele einnehmen, die Gegend um den Magen her zusammengezogen und zuweilen ein Schmerz daselbst verspürt wird, ferner daß die Bangigkeiten von da aufzusteigen scheinen; und daher kommt es auch, daß, wenn der Mensch nicht mehr wegen der Zukunft besorgt ist oder wenn ihm alles wohl vonstatten geht, so daß er kein Unglück mehr fürchtet, die Gegend um den Magen frei und unbeengt ist und er selbst das Gefühl des Wohlbehagens hat.

*5179. Einst spürte ich eine Bangigkeit im unteren Teil des Magens, woraus ich ersah, daß solche Geister zugegen waren. Ich redete mit ihnen und sagte, es sei besser, wenn sie sich entfernten, weil ihre Bangigkeit verursachende Sphäre nicht zu den Sphären derjenigen Geister passe, die bei mir seien.

Dann kam ich mit ihnen auf die Sphären zu sprechen; daß es nämlich sehr viele geistige Sphären um den Menschen her gehe, und daß die Menschen nicht wissen, daß es solche gibt und es auch nicht wissen wollen, aus dem Grunde, weil sie alles das, was geistig genannt wird, leugnen, und einige sogar alles, was man nicht sehen und berühren kann. Somit seien einige Sphären aus der geistigen Welt um den Menschen her, die mit seinem Leben übereinstimmen, und der Mensch sei durch diese Sphären in Gesellschaft mit Geistern von gleicher Gesinnung und von daher komme sehr vieles, was der Mensch, welcher der Natur alles zuschreibt, entweder leugnet oder einer mehr verborgenen Natur zuschreibt, wie zum Beispiel das, was man dem Glück zuschreibt; denn einige sind durch die Erfahrung ganz überzeugt worden, daß es etwas verborgen Wirkendes gibt, was Glück genannt wird; aber sie wissen nicht woher. Daß solches aus der geistigen Sphäre kommt, und daß es das Letzte der Vorsehung ist, wird, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, anderwärts, als durch die Erfahrung bezeugt, gesagt werden.

*5180. Es gibt Genien und Geister, die dem Kopf eine Art von Aufsaugung oder Anziehung (speciem suctionis seu attractionis) beibringen, in der Art, daß die Stelle, wo eine solche Anziehung oder Aufsaugung stattfindet, weh tut. Es wurde ein deutliches Gefühl von Aufsaugung von mir empfunden, wie wenn die Haut (membrana) förmlich angesaugt würde. Ob es andere vor Schmerzen hätten aushalten können, zweifle ich; weil ich aber daran gewöhnt war, so hielt ich es zuletzt öfters ohne Schmerz aus.

Die Hauptstelle des Saugens war auf dem Scheitel des Kopfes, und es pflanzte sich von da fort bis zur Gegend des linken Ohres, sodann bis zur Gegend des linken Auges. Was gegen das Auge hin verspürt wurde, kam von Geistern, was gegen das Ohr hin, kam von Genien her. Diese und jene sind es, die zum Gebiet der Zisterne und der Chylusgänge gehören, wohin auch der Chylus von überall her angezogen wird, ob wohl er auch zugleich dahin getrieben wird.

Außerdem gab es auch andere, die inwendig im Kopfe wirkten, beinahe ebenso, aber nicht mit einer solchen Saugkraft. Es wurde gesagt, daß sie es seien, denen der feine Chylus entspricht, der dem Gehirn zugeführt und dort mit einem neuen Lebensgeist vermengt wird, um so fort dem Herzen zugeführt zu werden.

Diejenigen, die von außen einwirkten, erschienen mir zuerst auf der vorderen Seite, ein wenig links, nachher ebendaselbst weiter oben, so daß ihre Gegend beobachtet wurde von der Fläche des Nasenbeins bis zur Fläche des linken Ohres aufsteigend. Die, welche jenes Gebiet bilden, sind von zweierlei Art: die einen sind ziemlich bescheiden, die an deren frech. Die Bescheidenen sind es, welche die Gedanken der Menschen zu wissen wünschten, in der Absicht, sie an sich zu locken und zu fesseln; denn wer die Gedanken eines anderen weiß, der kennt auch seine Geheimnisse und sein Inneres, was bewirkt, daß sie verbunden werden. Der Zweck dabei ist Unterhaltung und Freundschaft. Diese verlangen bloß Gutes zu wissen und erforschen es, und das übrige legen sie gut aus. Hingegen die Frechen begehren und suchen auf mancherlei Weise die Gedanken anderer auszukundschaften, entweder in gewinnsüchtiger Absicht oder um zu schaden, und weil sie ein solches Begehren und Bestreben haben, halten sie das Gemüt des anderen bei der Sache fest, die sie wissen wollen, indem sie nicht weichen, auch ihre Zustimmung durch das Gefühl hinzufügen, und so ziehen sie auch die geheimen Gedanken hervor.

Ebenso machen sie es im anderen Leben in den Gesellschaften daselbst und mit noch mehr Geschick. Hier lassen sie den anderen nicht von seiner Vorstellung abschweifen, die sie auch anfeuern und so her auslocken. Dadurch halten sie solche (die sie ausgeforscht haben), gleichsam in Banden und unter ihrer Willkür, weil sie Mitwisser ihres Bösen sind. Aber diese Geister gehören zu den umherschweifenden und werden oft gezüchtigt.

*5181. Aus den Kreisläufen (ex gyris) kann man auch einigermaßen erkennen, zu welchem Gebiet im Größten Menschen und entsprechen der Weise im Leibe die Geister und Engel gehören. Die Kreisläufe derer, die zum Gebiet der lymphatischen Gefäße gehören, sind fein und schnell wie ein sanft fließendes Wasser, so daß kaum eine Kreisbewegung wahrgenommen werden kann. Die, welche zu den lymphatischen Flüssigkeiten gehören, kommen hernach an Orte, die, wie man sagte, das Gekröse darstellen. Es wurde mir gesagt, daß dort gleichsam Labyrinthe seien, und daß sie von da aus hernach zu verschiedenen Orten im Größten Menschen fortgeführt werden, um dort nützlich zu sein, wie der Chylus im Körper.

*5182. Es gibt Kreisläufe, in welche die neuangekommenen Geister eingeführt werden müssen, aus dem Grund, damit sie mit anderen verkehren und mit ihnen zusammen sowohl reden als denken können. Im anderen Leben muß Eintracht und Einmütigkeit zwischen allen bestehen, damit sie eins seien, wie alles und jedes im Körper. Obwohl diese Bestandteile des Körpers überall verschieden sind, machen sie den noch durch Einmütigkeit eins aus; ebenso im Größten Menschen. Um dieses Zweckes willen muß das Denken und Reden des einen mit dem der anderen harmonieren. Es ist ein Grundgesetz, daß das Denken und Reden an sich bei einem jeden in der Gesellschaft harmoniere, sonst wird ein mißtönendes und gleichsam lästiges Getöse wahrgenommen, das auf die Gemüter anderer einen widrigen Eindruck macht; denn alles Nichtübereinstimmende stört die Einigkeit und ist etwas Unreines, das entfernt werden muß.

Dieses aus der Nichtübereinstimmung herkommende Unreine wird vorgebildet durch das Unreine beim Blut und im Blut, wovon es gereinigt werden muß. Diese Läuterung geschieht durch Beunruhigungen (vexationes), die nichts anderes sind als Versuchungen verschiedener Art und nachher durch Einführungen in Kreisläufe. Die erste Einführung in Kreisläufe ist, daß sie sich ineinanderfügen können; die andere ist, daß das Denken und Reden harmoniert; die dritte ist, daß sie miteinander unter sich übereinstimmen in Ansehung der Gedanken und in Ansehung der Neigungen; die vierte ist, daß sie übereinstimmen im Wahren und Guten.

*5183. Ich durfte die Kreisläufe derjenigen wahrnehmen, die zum Gebiet der Leber gehören, und zwar eine Stunde lang. Die Kreisläufe waren sanft und das Herumfließen verschieden je nach der Tätigkeit jenes Organs. Sie machten auf mich einen sehr erfreulichen Eindruck. Ihre Tätigkeit ist verschieden, aber im allgemeinen kreisförmig sich bewegend. Daß ihre Tätigkeit verschieden ist, wird auch in den Verrichtungen der Leber vorgebildet, sofern sie verschieden sind, denn die Leber führt das Blut herbei und scheidet es: das bessere ergießt sie in die Venen, das mittelmäßige schafft sie in den Lebergang, und das schlechte überläßt sie der Gallenblase; so geschieht es bei den Erwachsenen. Aber bei den Embryonen nimmt die Leber das Blut vom Gebärleib der Mutter und reinigt es: das reinere flößt sie in die Venen ein, damit es auf kürzerem Weg ins Herz einfließe. Sie hält alsdann gleichsam Wache vor dem Herzen.

*5184. Die, welche zur Bauchdrüse gehören, sind in schärferer Weise tätig und gleichsam mit einer Art des Sägens und auch mit einem solchen Geräusch. Das Geräusch selbst dringt deutlich zu den Ohren der Geister, nicht aber des Menschen, wofern er nicht im Geist ist und zu gleich im Leib. Ihre Gegend ist zwischen der der Milz und der Leber, mehr zur Linken. Die sich im Gebiet der Milz befinden, sind beinahe gerade über dem Haupt, aber ihre Tätigkeit ist dorthin gerichtet.

*5185. Es gibt Geister, die den Ductus pancreaticus, hepaticus und cysticus darstellen, folglich die galligen Stoffe darinnen, welche die Gedärme auswerfen. Diese Geister sind voneinander unterschieden, wirken aber in Genossenschaft, gemäß dem Zustand derjenigen, auf die ihre Tätigkeit sich richtet. Dieselben beteiligen sich hauptsächlich an den Züchtigungen und Bestrafungen, die sie ausführen wollen. Die schlimmsten von ihnen sind so hartnäckig, daß sie gar nicht ablassen wollen, wenn sie nicht durch Furcht und Drohungen abgeschreckt wer den, denn sie fürchten die Strafen und alsdann versprechen sie alles. Es sind die, welche im Leben des Leibes auf ihren Meinungen hartnäckig bestanden, nicht sowohl aus dem Bösen des Lebens als aus einer schlimmen Naturbeschaffenheit. Wenn sie in ihrem natürlichen Zustand sind, alsdann denken sie nichts. Nichts denken heißt dunkel über das meiste und gar nicht klar über etwas denken. Freude macht es ihnen zu züchtigen und so etwas Gutes zu tun. Auch scheuen sie den Schmutz nicht.

*5186. Die, welche das Gebiet der Gallenblase bilden, sind im Rücken. Es sind die, welche im Leben des Leibes die Rechtschaffenheit und gewissermaßen auch die Frömmigkeit verachteten sowie auch die, welche dieselben verhöhnten.

*5187. Ein gewisser Geist kam zu mir und fragte, ob ich nicht wisse, wo er sich aufhalten könnte. Ich war der Meinung, er sei gutartig, und als ich ihm sagte, es könnte vielleicht hier sein, da kamen die Plagegeister (spiritus vexatores) dieses Gebietes und plagten ihn jämmerlich. Das tat mir leid, und vergeblich wünschte ich es zu hindern. Ich merkte alsdann, daß ich im Gebiet der Gallenblase war. Die Plagegeister waren von denen, welche die Rechtschaffenheit und die Frömmigkeit verachtet hatten.

Eine Art von Plagen durfte ich hier beobachten, die darin bestand, daß man genötigt wurde, schneller zu reden als zu denken. Dies bewirk ten sie durch das Abziehen der Rede vom Denken und dann durch die Nötigung, ihnen nachzusprechen, was mit Schmerzen geschieht. Durch eine solche Plage werden die Langsamen angeleitet, schneller zu denken und zu reden.

*5188. Es gibt gewisse Leute in der Welt, die mit allerlei List und Lügen umgehen, woraus Böses entsteht. Es wurde mir gezeigt, von welcher Art sie sind und wie sie es machen; daß sie nämlich Unschuldige dazu brauchten, andere zu bereden, sodann daß sie sich auf Personen beriefen, die so gesagt haben sollen, während sie doch nichts davon gesagt hatten. Kurz, sie bedienen sich böser Mittel, um einen beliebigen Zweck zu erreichen. Ihre Mittel sind trügerisch, lügenhaft und boshaft.

Solche stellen die Krankheit dar, die man unechte Tuberkeln nennt und die am Rippenfell und anderen Membranen zu entstehen pflegen. Wo diese Geschwüre einwurzeln, verbreiten sie die Krankheitsstoffe weit umher, so daß sie zuletzt die ganze innere Haut anstecken.

Solche Geister werden streng gestraft. Ihre Strafe ist verschieden von der Strafe anderer; sie geschieht durch Umdrehungen. Sie werden umgedreht von der Linken zur Rechten, wie ein zuerst flacher Kreisel (orbita), der während des Umdrehens aufschwillt. Hernach erscheint die Anschwellung sich zu setzen und hohl zu werden, alsdann vermehrt sich die Geschwindigkeit. Merkwürdigerweise geschieht dies nach der Form und mit Nachahmung solcher Anschwellungen und Geschwüre. Es wurde beobachtet, daß sie während der Umdrehung sich bemühten, andere, hauptsachlich Unschuldige, in ihren Wirbel, somit ins Verderben hineinzuziehen, daß sie sich also keine Sorge darüber machten, wenn sie jemand ins Unglück brachten, indem sie selber unterzugehen glaubten. Auch wurde beobachtet, daß sie einen äußerst durchdringenden Blick haben, indem sie augenblicklich gleichsam durchschauen und so als Mittel ergreifen, was ihnen günstig ist, daß sie also scharfsinniger sind als andere. Man kann sie auch tödliche Geschwüre nennen, wo sie auch sein mögen in der Brustkammer, entweder im Rippenfell oder im Herzbeutel oder im Zwerchfell oder in der Lunge.

Es wurde mir gezeigt, daß solche nach der Strafe rückwärts in die Tiefe geworfen werden, und daß sie dort mit dem Angesicht und mit dem Bauch nach unten liegen, mit nur wenig menschlichem Leben, indem sie auf diese Weise ihrer Scharfsichtigkeit, die der wilden Tiernatur angehörte, beraubt sind. Ihre Hölle ist an einem tiefen Ort unter dem rechten Fuß ein wenig nach vorne.

*5189. Es kamen Geister nach vorne, und schon vor ihrer Ankunft wurde eine Sphäre aus Bösem verspürt; ich meinte daher, es würden böse Geister kommen, aber es waren ihre Feinde. Daß es ihre Feinde waren, merkte ich an dem Widerwillen und der Feindseligkeit, die sie gegen jene einflößten. Als sie kamen, setzten sie sich auf das Haupt und redeten mich an, indem sie sagten, sie seien Menschen. Ich erwiderte, sie seien keine Menschen, die mit einem Körper versehen seien, wie die Menschen in der Welt, die sich wegen ihrer Leibesgestalt Menschen zu nennen pflegen; gleichwohl aber seien sie Menschen, weil der Geist des Menschen der wahre Mensch ist. Auf dieses merkte ich keinen Widerspruch, weil sie es bestätigten.

Weiter sagten sie, sei seien ungleiche Menschen, weil mir das unmöglich schien, daß es nämlich eine Gesellschaft von Ungleichen im anderen Leben gebe, deshalb redete ich mit ihnen darüber und sagte, wenn eine gemeinschaftliche Sache sie zu einem Ziel hintreibe, so könnten sie allerdings zusammengesellt werden, weil auf diese Weise alle einen Zweck hätten. Sie erklärten, sie seien so beschaffen, daß jeder anders rede, und doch alle das gleiche denken, was sie auch durch Beispiele erläuterten, durch die offenbar wurde, daß alle ein Innewerden hatten, aber sich verschieden aussprechen. Sie machten sich hernach an mein linkes Ohr und sagten, sie seien gute Geister, und daß es ihre Art sei, so zu reden. Man sagte von ihnen, daß sie scharenweise kommen, und man nicht wisse, woher sie sind. Ich wurde inne, daß die Sphäre der bösen Geister ihnen äußerst feindlich war, denn die Bösen sind Subjekte, die von ihnen streng behandelt werden.

Ihre Gesellschaft, die eine umherschweifende ist, wurde durch einen Mann und eine Frau in einem Kleid vorgebildet, das sich in eine Toga von blauer Farbe verwandelte. Ich erfuhr, daß sie den Isthmus im Gehirn darstellen, der zwischen dem großen und kleinen Gehirn ist, durch den die Fibern hindurchgehen und von da in verschiedene Richtungen auseinanderlaufen, und überall, wohin sie kommen, im Äußeren auf andere Weise wirken. Sodann daß sie die Ganglien im Leibe darstellen, in die der Nerv einfließt und sich von da aus in mehrere Fibern zerteilt, von denen die einen dahin, die anderen dorthin laufen, und die in ihren Ausläufen ungleich einwirken, aber doch von einem Anfangs punkt aus, somit in den letzten Teilen nur dem Anschein nach ungleich, obwohl dem Zweck nach gleich.

Es ist auch bekannt, daß eine wirkende Kraft im Äußersten mannigfach verschieden sich gestalten kann, und zwar gemäß der Form daselbst. Die Zwecke werden auch vorgebildet durch die Uranfänge (principia), von denen die Fibern ausgehen und wie sie im Gehirn vorhanden sind. Die Gedanken, die von da ausgehen, werden durch die Fibern aus jenen Uranfängen vorgebildet; und die von daher ausgehenden Handlungen durch die Nerven, die von den Fibern ausgehen.

* * *

*5377. Am Ende des vorigen Kapitels war die Rede von der Entsprechung einiger der inwendigeren Eingeweide des Leibes mit dem Größten Menschen, nämlich der Leber, der Bauchspeicheldrüse, des Magens und einiger anderer. Hier aber soll weiter gehandelt werden von der Entsprechung des Bauchfells, der Nieren, der Harngänge, der Harnblase, dann der Gedärme mit jenem; denn alles, was im Menschen ist, sowohl was im äußeren als was im inwendigen Menschen ist, steht in Entsprechung mit dem Größten Menschen. Ohne Entsprechung mit ihm, d.h. mit dem Himmel oder, was dasselbe, mit der geistigen Welt entsteht und besteht gar nichts, aus dem Grund, weil es keinen Zusammenhang hat mit einem Früheren, folglich auch nicht mit dem Ersten, d.h. mit dem Herrn. Was zusammenhanglos und so unabhängig ist, kann nicht einmal einen Augenblick bestehen; denn daß es besteht, hat es zu verdanken dem Zusammenhang und der Abhängigkeit von dem, von welchem alles sein Entstehen hat; denn das Bestehen ist ein fortwährendes Entstehen.

Daher kommt es, daß nicht nur alles und jedes beim Menschen entspricht, sondern auch alles und jedes im Weltall. Selbst die Sonne entspricht, wie auch der Mond, denn im Himmel ist der Herr Sonne und auch Mond. Die Flamme und die Wärme, wie auch das Licht der Sonne entsprechen; denn die Liebe des Herrn zum ganzen Menschenge schlecht ist es, dem die Flamme und die Wärme, und das göttlich Wahre ist es, dem das Licht entspricht. Selbst die Gestirne entsprechen: es sind die Gesellschaften des Himmels und ihre Wohnungen, mit denen eine Entsprechung der Gestirne stattfindet, nicht als ob jene sich dort befänden, sondern weil sie in einer solchen Ordnung sind. Alles, was unter der Sonne erscheint, entspricht; wie auch alle und jede Subjekte im Tierreich und auch alle und jede Subjekte im Pflanzenreich: Wenn auf sie im Ganzen und Einzelnen kein Einfluß aus der geistigen Welt stattfände, so würden sie augenblicklich hinsinken und zusammenfallen.

Dieses wurde mir auch durch viele Erfahrung zu erkennen gegeben; denn es wurde gezeigt, mit welchen Dingen in der geistigen Welt viele Gegenstände des Tierreichs und noch mehrere des Pflanzenreichs in Entsprechung stehen, wie auch, daß sie ohne den Einfluß keineswegs bestehen können; denn wenn das Frühere weggenommen wird, muß notwendig auch das Spätere fallen, ebenso wenn das Frühere vom Späteren getrennt wird.

Weil eine Entsprechung hauptsächlich des Menschen mit dem Himmel und durch den Himmel mit dem Herrn besteht, so ist die Folge, daß je wie der Mensch entspricht, er geradeso im anderen Leben im Licht des Himmels erscheint; daher erscheinen die Engel in unaussprechlicher Helle und Schönheit, die Höllischen aber in unbeschreiblicher Schwärze und Häßlichkeit.

*5378. Einige Geister kamen zu mir, waren aber still; nachher jedoch redeten sie, aber nicht wie mehrere, sondern alle wie einer. Aus ihrer Rede merkte ich, daß es solche waren, die alles wissen wollten und alles zu erklären begehrten, um sich zu überzeugen, daß es so sei. Sie waren bescheiden und sagten, daß sie nichts aus sich tun könnten, sondern nur aus anderen, obwohl es scheine, daß es aus ihnen sei.

Dann wurden sie von anderen angefochten. Es wurde gesagt, von denen, die das Gebiet der Nieren, Harngänge und der Harnblase bilden; aber sie antworteten diesen bescheiden. Dennoch aber wurden sie von diesen angefochten und gereizt, denn das ist so die Art der Nierengeister. Weil sie nun mit Bescheidenheit nichts gegen sie ausrichten konnten, griffen sie zu einem solchen Mittel, das ihrer Sinnesart entsprach, nämlich daß sie sich vergrößerten und so fürchterlich machten. Daher schienen sie groß zu werden, aber nur wie einer, der dem Körper nach so anschwoll, daß er wie ein Riese bis an den Himmel zu reichen schien. Ein Speer erschien in seiner Hand, er wollte jedoch, außer daß er damit Schrecken er regte, keinen Schaden zufügen. Hierauf entflohen die Nierengeister. Dann erschien einer, der die Fliehenden verfolgte und ein anderer, der zwischen den Füßen jenes Großen von vorne her durchflog; und es schien, als ob jener Große Holzschuhe hätte, die er gegen die Nierengeister schleuderte.

Es wurde mir von den Engeln gesagt, daß jene bescheidenen Geister, die sich groß machten, solche seien, die das Bauchfell (Peritoneum) darstellen. Das Peritoneum ist allgemeine Haut, die alle Eingeweide des Unterleibes umgibt und einschließt, wie die Pleura (das Rippenfell) alle Eingeweide der Brust. Und weil sie so ausgedehnt und beziehungsweise groß ist und auch leicht aufschwellen kann, darum dürfen sie, wenn sie von anderen angefochten werden, sich zum Schein so groß darstellen und zugleich dann einen Schrecken einjagen, hauptsächlich gegen die, welche die Gegend der Nieren, der Harngänge und der Harnblase bilden; denn diese Eingeweide oder Gefäße liegen in einer Verdoppelung des Bauchfells und werden von ihm zusammengehalten. Durch die Holzschuhe wurden die untersten natürlichen Dinge vorgebildet, dergleichen von den Nieren, Harngängen und von der Harnblase aufgesogen und abgeführt werden. Daß die Schuhe das unterste Natürliche bezeichnen, sehe man Nr. 259, 4938-4952. Auch darin, daß sie sagten, sie täten nichts aus sich, sondern aus anderen stellten sie das Bauchfell dar, das ebenfalls von solcher Art ist.

*5379. Vorbildlich wurde auch gezeigt, wie es sich verhält, wenn die, welche den Grimmdarm bilden, die im Gebiet des Bauchfells Befindlichen anfechten. Die, welche den Grimmdarm bilden, sind aufgeblasen wie der Grimmdarm von seinem Wind; wenn diese jene anfallen wollten, schien es, als oh eine Wand sich entgegenstellte, und wenn sie die Wand umzustürzen suchten, erhob sich immer wieder eine neue Wand. So wurden sie von jenen abgehalten.

*5380. Bekannt ist, daß Absonderungen und Ausscheidungen (Secretiones et Excretiones) stattfinden und ein System bilden von den Nieren bis zur Harnblase. In der ersten Abteilung dieses Systems sind die Nieren, in der mittleren die Harngänge und in der letzten die Harnblase. Diejenigen, aus denen im Größten Menschen jene Gebiete bestehen, bilden ebenfalls ein System, und obwohl sie zu einer Gattung gehören, sind sie doch als Unterarten jener Gattung verschieden. Sie reden mit einer rauhen, gleichsam doppelten Stimme (voce rauca sicut bifida) und begehren in den Leib einzudringen, aber es ist nur ein Versuch.

Ihre Lage im Verhältnis zum menschlichen Leibe ist folgende: die, welche die Nieren darstellen, sind auf der linken Seite, ganz nahe am Leib unter dem Ellenbogen; die, welche die Harngänge darstellen, sind links von da, weiter weg vom Leib, und, noch weiter weg sind die, welche die Blase darstellen. Sie bilden zusammen von der linken Seite gegen vorne zu beinahe eine Parabel, denn in einer solchen Linie werfen sie sich nach vorne hin von der linken Seite aus, und zwar in einer ziemlich weiten Strecke. Dies ist der eine allgemeine Weg zu den Höllen, der andere geht durch die Gedärme, denn beiderseits läuft er in die Höllen aus.

Diejenigen nämlich, die in den Höllen sind, entsprechen solchen Dingen, die durch die Gedärme und durch die Harnblase abgeführt werden; denn das Falsche und Böse, worin sie sind, ist nichts anderes, als Urin und Exkremente im geistigen Sinn.

*5381. Die, welche das Gebiet der Nieren, Harngänge und Harn blase im Größten Menschen bilden, haben eine solche Art, daß ihnen nichts lieber ist, als forschen und untersuchen, wie andere beschaffen sind; und sie sind es auch, die zu züchtigen und zu strafen begehren, wenn nur einigermaßen ein gerechter Grund dazu vorhanden ist. Die Verrichtungen der Nieren, Harngänge und Harnblase sind auch wirklich so beschaffen, denn das in sie geführte Blut prüfen sie, ob nicht etwas Unnützes und Schädliches darin sei und scheiden es auch vom Nützlichen, und hernach weisen sie es zurecht; denn sie treiben es auf dem Weg nach unten und nachher bedrängen sie es auf verschiedene Weise. Dies sind die Verrichtungen derer, die das Gebiet jener Teile bilden.

Dagegen die Geister und Gesellschaften von Geistern, denen der Urin selbst, hauptsächlich der übelriechende, entspricht, sind höllisch; denn sobald der Urin vom Blut geschieden ist, wenn er sich auch noch in den Röhrchen der Nieren oder in der Harnblase befindet, ist er doch schon außerhalb des Leibes; denn was abgetrennt ist, macht keinen Kreislauf mehr im Leib, mithin trägt es zur Existenz und Subsistenz seiner Teile nichts bei.

*5382. Daß die, welche das Gebiet der Nieren und Harngänge bilden, bereitwillig sind, zu erforschen oder zu untersuchen, wie beschaffen andere sind, was sie denken und was sie wollen, und daß sie begierig sind Ursachen zu finden und andere wegen eines Vergehens anzuschuldigen hauptsächlich in der Absicht, um sie züchtigen zu können, habe ich oftmals erfahren, und von jener Begierde und jener Absicht mit ihnen geredet. Mehrere von dieser Gattung waren in der Welt, als sie dort lebten, Richter, und dann freuten sie sich von Herzen, wenn sie eine vermeintlich gerechte Ursache fanden, um zu rügen, zu züchtigen und zu strafen.

Die Tätigkeit solcher Geister wird in der Gegend auf dem Rücken, wo die Nieren, Harngänge und die Harnblase, wahrgenommen. Die, welche zur Harnblase gehören, dehnen sich gegen die zur Gehenna (d. i. Hölle) hin aus, wo auch einige von ihnen gleichsam zu Gericht sitzen.

*5383. Es gibt sehr viele Arten, wie sie die Gesinnungen anderer er forschen oder untersuchen. Ich darf jedoch nur folgende anführen: sie veranlassen andere Geister zum Reden, was im anderen Leben durch ein Einfließen geschieht, das nicht wohl faßlich beschrieben werden kann. Wenn dann die eingeleitete Rede leicht erfolgt, so urteilen sie aus der selben, daß sie solcherart sind; sie führen auch den Zustand der Neigung herbei. Welche aber so forschen, gehören zu den gröberen; andere wie der anders. Es gibt solche, die, sobald sie herankommen, die Gedanken, Wünsche und Handlungen des anderen inne werden; ferner, was ihm leid tut, daß er es getan hat, das ergreifen sie, und wenn sie meinen, sie hätten gerechte Ursache, so verdammen sie auch. Es ist dies eine wunderbare Erscheinung im anderen Leben, die kaum jemand in der Welt glauben kann. Sobald ein Geist zu einem anderen kommt, und mehr noch, wenn zu einem Menschen, so weiß er sogleich seine Gedanken und seine Neigungen und was er damals getan hatte, somit seinen ganzen gegenwärtigen Zustand, ganz so, wie wenn er lange bei ihm gewesen wäre; von solcher Art ist die Mitteilung. Aber jene Wahrnehmungen sind unterschiedlich, es gibt solche, die Inwendigeres und andere, die nur Auswendigeres inne werden. Diese, wenn sie wißbegierig sind, erforschen das Inwendigere anderer auf verschiedene Weisen.

*5384. Die Arten, auf welche die, welche das Gebiet der Nieren, Harngänge und Harnblase, den Größten Menschen bilden, züchtigen, sind ebenfalls verschieden. Meistens entfernen sie angenehme und fröhliche Gefühle und führen unangenehme und traurige Gefühle herbei. Durch diese Begierde haben jene Geister Gemeinschaft mit den Höllen, hingegen durch die Gerechtigkeit der Sache, die sie vorher untersuchen, ehe sie züchtigen, haben sie Gemeinschaft mit dem Himmel. Deswegen werden sie in jenem Gebiet erhalten.

*5385. Hieraus kann man ersehen, was es bedeutet, wenn im Wort gesagt wird, daß Jehovah die Nieren und das Herz prüfe und erforsche, ferner daß die Nieren züchtigen, wie bei

Jerem. 11/20: „Jehovah prüft die Nieren und das Herz“.

Jerem. 20/12: „Jehovah prüft den Gerechten, er sieht die Nieren und das Herz“.

Ps. 7/10: „Du prüfest die Herzen und die Nieren, gerechter Gott“.

Ps. 26/2: „Jehovah erforsche meine Nieren und mein Herz“.

Ps. 139/13: „Jehovah, Du besitzest meine Nieren“.

Joh. Offenb. 2/23: „Ich bin es, der die Nieren und das Herz erforscht“.

Durch die Nieren wird in diesen Stellen das Geistige und durch Herz das Himmlische bezeichnet, d.h. durch die Nieren wird das bezeichnet, was dem Wahren angehört, und durch Herz das, was dem Guten angehört. Der Grund davon ist, weil die Nieren das Blutwasser (Serum) reinigen und das Herz das Blut selbst. Daher wird durch das Prüfen, Erforschen und Erkundigen der Nieren bezeichnet, prüfen, erforschen und erkundigen, wieviel und welcherlei Wahres oder wieviel und welcherlei Glauben beim Menschen ist. Daß dies bezeichnet wird, erhellt auch bei

Jerem. 12/2: „Jehovah, nahe bist Du in ihrem Mund, aber ferne von ihren Nieren“.

Ps. 51/8: „Jehovah siehe, die Wahrheit verlangst Du in den Nieren“.

Daß auch Züchtigung den Nieren zugeschrieben wird, ist klar bei Ps. 16/7: „In den Nächten züchtigen mich meine Nieren“.

*5386. Es gibt auch an anderen Stellen des Körpers Ausscheidungs- und Abführungsorgane: im Hirn sind es die Höhlen (ventriculi) und warzenförmigen Gänge (prozessus mamillures), welche den Schleim daselbst ableiten; und außerdem die Drüsen überall: die Schleim- und Speicheldrüsen im Kopf und sehr viele sonst im Leib und viele tausende an den Häuten, durch die der Schweiß und der feinere Unrat ausgeschieden werden.

Diesen Dingen entsprechen in der geistigen Welt im allgemeinen das zähe Festhalten an Meinungen, dann auch Gewissensängste in unwichtigen Dingen. Einige derselben erscheinen über dem Haupt in mittlerer Entfernung, die so geartet sind, daß sie Bedenklichkeiten erregen in Sachen, bei denen es keine Bedenklichkeit braucht. Weil sie daher die Gewissen der Einfältigen beschweren, werden sie Gewissensängstliche genannt. Was wahres Gewissen ist, wissen sie nicht, denn in allem, was vorkommt, machen sie sich ein Gewissen; denn wenn einmal eine Bedenklichkeit oder ein Zweifel sich eingestellt hat und das Gemüt ängstlich ist und dabei stehen bleibt, so fehlt es nicht an bestärkenden und somit beschwerenden Gründen. Wenn solche zugegen sind, verursachen sie auch eine fühlbare Beklommenheit in dem unmittelbar unter dem Zwerchfell befindlichen Teil des Unterleibes. Sie sind auch in den Versuchungen beim Menschen gegenwärtig.

Ich redete mit ihnen, und nahm wahr, daß ihre Gedanken nicht so weit gehen, daß sie bei nützlicheren und notwendigen Dingen verweilten; denn sie konnten nicht auf Vernunftgründe achten, weil sie hartnäckig auf ihrer Meinung beharrten.

*5387. Die aber dem Urin selbst entsprechen, sind höllisch; denn der Urin gehört, wie oben gesagt worden, nicht mehr zum Leib, weil er bereits vom Blut geschieden und an sich eben nur eine unreine und unbrauchbare Flüssigkeit ist, die abgestoßen worden. Von ihnen darf ich Folgendes berichten:

Ein gewisser Geist wurde zuerst wie inwendig im Leib bemerkt, aber bald nachher unten zur Rechten. Als er hier sich einstellte, war er unsichtbar; er konnte sich künstlich unsichtbar machen. Als er befragt wurde, gab er gar keine Antwort. Von anderen wurde gesagt, er habe bei Leibesleben Seeräuberei getrieben; denn im andern Leben nimmt man aus der Lebenssphäre der Neigungen und Gedanken deutlich wahr, wer und welcherart einer gewesen, weil das Leben eines jeden bleibt.

Er wechselte den Ort, indem er bald zur Rechten, bald zur Linken erschien. Ich merkte, daß er solches tat aus Furcht, er möchte entdeckt und gezwungen werden, etwas zu gestehen. Von anderen Geistern wurde gesagt, daß solche bei der geringsten Gefahr außerordentlich furchtsam, wenn hingegen keine Gefahr, außerordentlich beherzt seien; und daß solche den Gegensatz gegen diejenigen bilden, denen das Urin lassen entspricht. Diesem suchen sie auf allerlei Weise Schaden zuzufügen; und damit ich nicht zweifelte, wurde es mir durch Erfahrung gezeigt: als die, welche dem Urinlassen entsprachen, sich ein wenig zurückzogen und jener Seeräuber zugegen war, wurde das Entlassen des Harnes gehemmt, und derselbe drängte sich sogar zurück, so daß der Zustand bedenklich wurde. Aber als sie zurückgerufen wurden, ging das Urinlassen, sowie sie sich gegenwärtig zeigten, wieder vor sich.

Daß er ein Seeräuber gewesen sei, gestand er nachher, indem er sagte, er habe sich geschickt verborgen und auf gewandte und verschmitzte Art die Verfolger täuschen können, und jetzt sei ihm schmutzige Urinjauche viel lieber als klares Wasser, und stinkender Urindunst sei es, woran er sich am meisten ergötze, so daß er in Sümpfen, ja in Behältern von stinkendem Urin seinen Aufenthalt haben möchte.

Es wurde auch gezeigt, was für ein Angesicht er hatte: er hatte eigentlich kein Angesicht, sondern einen schwarzen Bartwuchs anstatt des Angesichts. Nachher wurden auch andere Seeräuber, jedoch keine so verschmitzten, herbeigeholt; auch sie redeten wenig, und was zu verwundern, sie knirschten mit den Zähnen. Auch sie sagten, daß sie den Urin vor allen Flüssigkeiten liebten, und den schmutzigtrüben vor anderen. Diese aber hatten anstatt des Angesichts keinen Bartwuchs wie der vorige, sondern ein gräßliches Gebiß (dentium crotes); denn Bart und Zähne bedeuten das unterste Natürliche. Ohne Angesicht bedeutet, es sei kein vernünftiges Leben da; denn wenn kein Angesicht erscheint, so ist es ein Zeichen, daß keine Entsprechung des Inwendigeren mit dem Größten Menschen vorhanden; denn ein jeder erscheint im Himmelslicht im anderen Leben der Entsprechung gemäß, daher die Höllischen in einer schauerlichen Häßlichkeit.

*5388. Ein gewisser Geist war bei mir und redete mit mir. Derselbe hatte bei Leibesleben keinen Glauben gehabt; er hatte auch an kein Leben nach dem Tod geglaubt. Er gehörte auch zu den Verschmitzten; er hatte die Herzen für sich einnehmen können dadurch, daß er zugunsten redete und beistimmte. Deswegen war anfangs aus seiner Rede nicht klar, daß er ein solcher gewesen. Er konnte auch geläufig, gleichsam fließend reden, wie ein guter Geist. Aber er wurde erst daran erkannt, daß er nicht gern von Sachen des Glaubens und der Liebtätigkeit redete; denn alsdann konnte er mit seinem Denken nicht folgen, sondern zog sich zurück, und hernach wurde man aus einzelnem inne, daß er ein Schmeichler war, um zu betrügen; denn die Schmeicheleien sind verschieden nach den Absichten; wenn nämlich die Absicht dabei ist, die Freundschaft oder das Vergnügen der Unterhaltung oder ein anderes dergleichen, und auch ein erlaubter Gewinn, so ist es nicht so böse, wenn hingegen die Absicht ist, Geheimnisse zu entlocken und so einen anderen zu bösen Diensten zu verpflichten, im allgemeinen, wenn die Absicht ist zu schaden, dann ist es böse. Eine solche Absicht hatte er.

Dieser Geist bildete auch einen Gegensatz gegen die, welche im Gebiet der Nieren und Harngänge sich befinden; auch er sagte, er liebe den Urindunst mehr als alle Gerüche. Er verursachte auch eine schmerz hafte Zusammenziehung und Beengung in der unteren Bauchgegend.

*5389. Es gibt Horden von Geistern, die umherschweifen und ab wechselnd an dieselben Orte zurückkommen. Vor solchen haben die bösen Geister eine große Furcht, denn jene peinigen sie mit einer bestimmten Art von Folter. Es wurde gesagt, daß sie dem Grund oder dem oberen Teil der Harnblase im allgemeinen und den Muskelbändern entsprechen, die sich von da aus gegen die Schließmuskel hin konzentrieren, wo durch eine Art von Zusammenbiegung der Urin ausgestoßen wird. Jene Geister machen sich an die Rückseite, wo das Steißbein (cauda equina) ist. Die Art ihres Wirkens geschieht durch schnelles Hin- und widerdrücken (per reciprocationes citus), das niemand hemmen kann. Es ist eine Art von Zusammen- und Zurückziehen, das sich nach oben hin richtet und in eine Kegelform zuspitzt. Die bösen Geister, die in diese Kegel hineinversetzt werden, hauptsächlich von oben her, wer den durch Hin- und Herrenkungen jämmerlich gepeinigt.

*5390. Den unreinen Auswürfen entsprechen auch andere Geister, nämlich solche, die in der Welt hartnäckig rachgierig waren; diese erschienen mir vorne zur Linken. Jenen unreinen Auswürfen entsprechen auch solche, die geistige Dinge zu unreinen irdischen herabziehen. Es kamen auch solche herbei und brachten ihre unflätigen Gedanken mit, aus denen sie auch unflätige Reden führten, dann auch, was rein war, auf Unreines deuteten und in solches verwandelten. Von solcher Gattung waren mehrere aus dem untersten Pöbel, aber auch aus anderen, die in der Welt zu den Vornehmeren gehörten. Diese hatten zwar bei Leibesleben in geselligen Zusammenkünften nicht so gesprochen, aber dennoch so gedacht; denn sie hüteten sich so zu reden wie sie dachten, damit sie in kein böses Geschrei kamen und die Freundschaften, Einkünfte und Ehren nicht verloren, wohl aber unter ihresgleichen, wenn sie in der Freiheit waren, war ihre Redeweise wie die des untersten Pöbels, und noch unflätiger, weil sie einigen Witz besaßen, den sie zur Besudelung auch der heiligen Gegenstände des Wortes und der Lehre mißbrauchten.

*5391. Es gibt auch Nieren, die Hilfsnieren (renes suocenturiati) und auch Nierenkapseln genannt werden, deren Geschäft ist nicht sosehr die Blutflüssigkeit (Serum), sondern das Blut selbst auszusondern und das reinere in einem kürzeren Kreislauf dem Herzen zuzuführen, wie auch zu verhüten, daß nicht die in der Nähe befindlichen Samengefäße alles reinere Blut fortführen. Hauptsächlich aber leisten sie Hilfe bei den Embryonen und auch bei den neugeborenen Kindern.

Es sind keusche Jungfrauen, die jenes Gebiet im Größten Menschen bilden. Ängstlich und besorgt, sie möchten gestört werden, liegen sie ruhig auf dem linken Teil der Seite unten. Wenn an den Himmel gedacht wird und an die Veränderung ihres Zustandes, wird ihnen bange und dann seufzen sie, was ich einigemal deutlich fühlen durfte. Wenn meine Gedanken auf Kinder geleitet wurden, dann fühlten sie einen ungemeinen Trost und inwendige Freude, was sie auch offen gestanden. Auch wenn etwas gedacht wurde, worin nichts Himmlisches war, gerieten sie in Angst. Ihre Angst kam hauptsächlich von ihrer Sinnesart her, die es mit sich bringt, daß sie ihre Gedanken unverwandt auf einen Gegenstand haften lassen und durch keine Abwechslung die Ängstlichkeiten verscheuchen.

Daß sie zu jenem Gebiet gehören, hat den Grund, weil sie so auch die Seele des anderen beständig bei gewissen Gedanken festhalten. Hieraus entsteht und offenbart sich solches, was in einer Reihenfolge zusammenhängt, was aber entfernt oder von dem der Mensch gereinigt werden muß. So wird auch das Inwendigere den Engeln besser offen bar, denn wenn solches, was dunkel macht und ablenkt, beseitigt ist, wird die Anschauung und auch der Einfluß klarer.

*5392. Welches diejenigen sind, die das Gebiet der Gedärme im Größten Menschen bilden, kann einigermaßen an denen erkannt werden, die den Magen darstellen; denn die Gedärme sind eine Fortsetzung des Magens, und die Verrichtungen des Magens nehmen dort zu und werden heftiger, bis zu den letzten Därmen, nämlich dem Grimmdarm und Mastdarm. Deswegen sind die, welche sich darin befinden, nahe bei den Höllen, welche die kotigen genannt werden.

In der Gegend des Magens und der Gedärme sind die, welche sich im Land der Unteren (d. i. in den unteren Räumen der Erde) befinden, weil diese aus der Welt Unreines mitbrachten, was in ihren Gedanken und Neigungen haftet. Deswegen werden sie dort einige Zeit behalten, bis solches abgestreift, d.h. auf die Seite geworfen ist. Sobald dieses auf die Seite geworfen ist, können sie zum Himmel er hoben werden.

Die dort sich befinden, sind noch nicht im Größten Menschen, denn sie gleichen den Nahrungsmitteln, die in den Magen hinunterkommen und die nur dann, wenn sie gereinigt sind, ins Blut, somit in den Leib eingelassen werden. Die, welche noch mit allzu irdischen Unreinigkeiten behaftet sind, befinden sich unterhalb jener in der Gegend der Gedärme. Hingegen die eigentlichen Exkremente, die hinausgeschafft werden, entsprechen den Höhen, kotige Höllen genannt.

*5393. Es ist bekannt, daß der Grimmdarm sich weit ausdehnt, so auch die in jenem Gebiet Befindlichen. Sie dehnen sich aus vorne gegen die Linke in einer Bogenlinie, zur Hölle fortgehend. In dieser Hölle sind die, welche keine Barmherzigkeit hatten und ohne Gewissen das Menschengeschlecht verderben wollten, nämlich morden und rauben ohne Rücksicht und Unterschied, ob sie sich wehren oder nicht, ob es Männer sind oder Frauen. Eine solche rohe Gesinnung hat ein großer Teil der Soldaten und ihrer Offiziere, die nicht in den Schlachten, sondern nach den Schlachten mit Roheit gegen Besiegte und Wehrlose wüten und mit rasender Gier töten und plündern.

Mit den Engeln redete ich davon, wie die Menschen beschaffen sind, wenn sie sich selbst überlassen und ohne Gesetz sind und ihnen zugelassen wird zu tun, wie es ihnen beliebt. Daß sie dann viel roher sind als die ärgsten wilden Bestien, die nicht so auf Vernichtung ihrer eigenen Gattung losgehen, sondern nur sich verteidigen und sich mit dem sättigen, was zu ihrer Nahrung bestimmt ist, wenn sie aber gesättigt sind, solches nicht tun. Anders der Mensch, der aus Grausamkeit und Wildheit handelt. Die Engel schauderten, daß das Menschenge schlecht so geartet ist, denn jene freuen sich erst dann von Herzen und sind stolzen Mutes, wenn sie ganze Reihen zu Boden gestreckt und Ströme von Blut auf dem Schlachtfeld sehen, ohne sich zu freuen, daß das Vaterland befreit ist, wenn man nur von ihnen als von Großen und von Helden spricht. Und doch nennen sie sich Christen und glauben gleichwohl, sie würden in den Himmel kommen, wo doch nichts als lauter Friede, Barmherzigkeit, Liebtätigkeit herrscht. Solche gehören in der Hölle dem Grimmdarm und Mastdarm an.

Dagegen aber die, welche einige Menschlichkeit in sich hatten, erscheinen zur Linken vorne in einer Bogenlinie, wie hinter einer Wand; dennoch aber wohnt ihnen viel Eigenliebe inne. Bei denen, die eine Achtung vor dem Guten haben, wird dies zuweilen durch beinahe feurige, nicht helle Sternchen vorgebildet. Es erschien mir eine Wand wie von Gips mit Skulpturen nahe beim linken Ellenbogen; diese Wand wurde ausgedehnter und zugleich höher, und oben spielte die Farbe ins Blaue hinüber. Es wurde gesagt, daß dies eine Vorbildung von einigen aus jener Gattung sei, die besser waren.

*5394. Die, welche grausam und Ehebrecher waren, haben im an deren Leben nichts lieber als Schmutz und Exkremente. Die stinkenden Dünste aus solchen sind für sie die lieblichsten und angenehmsten, und diese ziehen sie allen anderen Annehmlichkeiten vor; der Grund ist, weil sie entsprechen. Diese Höllen sind teils unter den Hinterhacken, teils unter dem rechten Fuß und teils vorne tief unten; sie sind es, in die der Weg durch den Mastdarm führt.

Einer, der dorthin versetzt wurde und von da aus mit mir redete, sagte, es erschienen dort bloß Kloaken. Die dort Befindlichen redeten mit ihm und führten ihn zu verschiedenen Kloaken, deren es dort sehr viele gibt. Nachher wurde er an einen anderen Ort, ein wenig links, geführt. Er sagte, daß ein ganz abscheulicher Gestank aus den Gruben dort ausdünste, und daß er keinen Fuß bewegen könne ohne Gefahr, in eine solche hinunterzufallen. Aus den Gruben dünstete auch ein Leichengeruch aus, und zwar deshalb, weil Grausame und Arglistige sich dort befanden, denen der Leichengeruch der angenehmste ist. Aber von diesen soll im Folgenden die Rede sein, wo von den Höllen und insbesondere von den kotigen und aashaften Höllen gehandelt wird.

*5395. Es gibt solche, die leben, nicht um dem Vaterland oder den Gesellschaften Nutzen zu bringen, sondern nur für ihr eigenes Ich, so daß sie keine Lust haben zu Dienstleistungen, sondern es ist ihnen nur darum zu tun, geehrt und hochgeachtet zu werden; und in dieser Absicht bewerben sie sich um Anstellungen, und außerdem haben sie ihre Lust im Essen, Trinken, Spielen und in der Unterhaltung, um keines anderen Zweckes als um des Vergnügens willen.

Solche können im anderen Leben keineswegs in der Genossenschaft guter Geister, noch weniger der Engel sein, denn bei diesen macht die Nutzleistung die Lebenslust, und je wie ihre Nutzleistungen sind, so viel und solcherlei Lust wird ihnen auch zuteil; denn das Reich des Herrn ist nichts anderes als ein Reich der Nutzleistungen. Wenn schon in einem irdischen Reich jeder nur nach der Nutzleistung geschätzt und geehrt wird, wieviel mehr im himmlischen Reich.

Diejenigen, die nur sich und den Vergnügungen gelebt hatten, ohne einen anderen Nutzzweck, sind ebenfalls unter den Hinterbacken, und je nach den Arten und Zwecken ihrer Vergnügungen befinden sie sich im Schmutz.

*5396. Als Anhang mag noch Folgendes angeführt werden: Um mich her war eine große Schar von Geistern, die als ein wirres Durcheinanderwogen gehört wurden. Sie klagten und sagten, jetzt gehe alles zugrunde; denn in dieser Schar erschien nichts gesellig Verbundenes, und eben das machte, daß sie den Untergang fürchteten. Sie glaubten nämlich, das Ganze zu sein, wie dies in solchen Fällen zu geschehen pflegt. Aber in ihrer Mitte vernahm ich einen sanften, engelartig lieblichen Ton, in dem nichts als Geordnetes lag; die Chöre der Engel waren innen und die Geisterschar, die in der Unordnung sich befand, außen. Diese engelische Strömung (fluvius angelicus) hielt lange an; und es wurde gesagt, es werde dadurch vorgebildet, wie der Herr das Ungereimte und Ungeordnete, das außen ist, aus dem friedsamen in der Mitte regiert, wodurch das Ungeordnete in den Umkreisen, ein jedes nach dem Irrtum seiner Natur in die Ordnung zurückgebracht wird.




*5552. Von der Entsprechung der Haut, Haare und Knochen mit dem Großmenschen.

Mit der Entsprechung verhält es sich auf folgende Weise: Was im Menschen am meisten Leben hat, das entspricht denjenigen Gesellschaften in den Himmeln, die am meisten Leben und daher die größte Seligkeit daselbst haben. Das sind die, denen die äußeren und inwendigen Sinnesorgane und die Verstandes- und Willenskräfte entsprechen.

Hingegen was im Menschen weniger Leben hat, das entspricht solchen Gesellschaften, die in einem minderen Leben dort sind. Das sind die Häute, die den ganzen Leib umgeben, sodann die Knorpel und Knochen, die alles, was im Leibe ist, stützen und halten; und auch die Haare, die aus den Häuten hervorbrechen.

Welche und was für Gesellschaften es sind, denen jene und diese entsprechen, soll nun auch gesagt werden.

*5553. Die Gesellschaften, denen die Häute entsprechen, sind im Eingang zum Himmel. Ihnen wird das Innewerden gegeben, wie geartet die Geister sind, die bei der ersten Schwelle ankommen, und die sie entweder zurückweisen oder zulassen, so daß man sie die Eingänge oder Schwellen des Himmels heißen kann.

*5554. Es gibt sehr viele Gesellschaften, welche die äußeren Bedeckungen des Leibes darstellen, mit Unterschied vom Angesicht an bis zu den Fußsohlen, denn überall ist ein Unterschied. Mit diesen habe ich viel geredet.

In Ansehung des geistigen Lebens waren sie von der Art, daß sie von anderen sich leicht bereden ließen, daß sich etwas so verhalte, und wenn sie den Beweis aus dem Buchstabensinn des Wortes gehört hatten, es fest glaubten, bei dieser Meinung blieben und ihr Leben danach einrichteten, das nicht böse war. Aber mit diesen können andere, die nicht gleichen Sinnes sind, nicht leicht verkehren, denn sie bleiben hartnäckig bei ihren vorgefaßten Meinungen, und lassen sich durch keine Vernunftgründe davon abbringen.

Aus unserer Erde sind sehr viele solcher Art, weil unser Weltkörper im Äußerlichen ist und auch gegen Inwendiges reagiert, wie es auch die Haut zu tun pflegt.

*5555. Die im Leibesleben nichts als die allgemeinen Glaubenssätze gewußt hatten, wie z.B. daß man den Nächsten lieben soll und diesem allgemeinen Grundsatz gemäß den Bösen ebenso wie den Rechtschaffenen unterschiedslos wohlgetan hatten, denn sie sagten, ein jeder sei der Nächste, solche haben sich, während sie in der Welt lebten, von Betrügern, Heuchlern und Gleißnern oft verführen lassen; ebenso geschieht es ihnen im anderen Leben, und sie scheren sich nicht darum, was ihnen gesagt wird, denn sie sind im Sinnlichen befangen und gehen nicht auf Gründe ein. Auch diese bilden die Haut, aber die auswendigere, weniger empfindliche.

Ich redete mit denen, welche die Schädelhaut bilden, aber bei ihnen findet ein großer Unterschied statt, wie auch bei dieser Haut an verschiedenen Stellen, z.B. an diesen und jenen Stellen des Schädels, am Hinterhaupt, Vorderhaupt, den Schläfen, im Angesicht, auf der Brust, am Unterleib, den Lenden, Füßen, Armen, Händen, Fingern.

*5556. Welche die schuppige Haut darstellen, wurde mir auch zu wissen gegeben. Diese Haut ist unter den übrigen Hüllen am wenigsten empfindlich, denn sie ist mit Schuppen besetzt, die einer feinen Knorpelsubstanz nahe kommen.

Die Gesellschaften, die diese bilden, bestehen aus solchen, die über alle Dinge vernünfteln, ob es so sei oder nicht so sei, aber nicht weiter gehen. Wenn ich mit ihnen redete, durfte ich innewerden, daß sie gar nicht begriffen, was wahr und nicht wahr ist; und je mehr sie vernünfteln, desto weniger begreifen sie. Dennoch dünken sie sich weiser als andere, denn sie setzen die Weisheit in die Fähigkeit zu vernünfteln. Sie wissen gar nicht, daß es eine Hauptsache der Weisheit ist, ohne Vernünfteln inne zu werden, ob etwas so sei oder nicht.

Mehrere derselben sind von denen, die in der Welt infolge der Vermengung des Guten und Wahren durch philosophische Erörterungen so geworden sind. Diese haben daher weniger gesunden Menschenverstand.

*5557. Es gibt auch Geister, durch die andere reden, und solche verstehen kaum, was sie sagen; das haben sie auch eingestanden, und dennoch reden sie viel. Von solcher Art werden die, welche im Leibesleben nur geplaudert und gar nicht bedacht haben, was sie sagten, aber gerne über alles redeten. Es wurde gesagt, es gäbe Scharen von diesen, und daß einige von ihnen die Membranen darstellen, welche die Eingeweide des Leibes bedecken, einige die Häute, die wenig Empfindung haben, denn es sind nur passive Kräfte und tun nichts aus sich, sondern aus anderen.

*5558. Es gibt Geister, die, wenn sie etwas wissen wollen, sagen, es verhalte sich so, und das einer nach dem anderen in der betreffenden Gesellschaft. Und dann, wenn sie es sagen, geben sie acht, ob es frei fließt, ohne ein geistiges Widerstreben; denn wenn es nicht so ist, dann wird meistens ein Widerstreben vom Inwendigeren her empfunden. Wenn kein Widerstreben von ihnen wahrgenommen wird, meinen sie, daß es so sei; aber das wissen sie nicht von anderswoher. Solche sind es, welche die Hautdrüsen bilden. Aber es gibt deren zweierlei Gattungen: die eine bejaht, weil ein Fließen (Fluentia) sich zeigt, aus dem sie mutmaßen, es sei so, weil kein Widerstreben bestehe mit der himmlischen Form, folglich stimme es mit dem Wahren überein und sei somit zu bejahen. Die andere Gattung aber bejaht keck, daß es so sei, wenn sie es auch nicht wissen.

*5559. Vorbildlich wurde mir die Bildung der Hautgewebe gezeigt: Bei denen, bei welchen jenes Äußerste dem Inwendigeren entsprach, oder das Materielle dem Geistigen gehorchte, war diese ein schönes Gefüge aus wunderbar verschlungenen Windungen, nach Art von Girlanden, die gar nicht beschrieben werden können. Sie waren von blauer Farbe. Nachher wurden noch inniger zusammenhängende, feinere und zierlichere Formen vorgebildet. In solcher Weise erscheinen die Häute des wiedergeborenen Menschen.

Die aber Betrüger waren, bei denen erscheint jenes Äußerste wie Knäuel aus lauter Schlangen; und die der Magier (oder Zauberer) waren wie häßliche Gedärme.

*5560. Gesellschaften von Geistern, denen die Knorpel und Knochen entsprechen, gibt es sehr viele; aber es sind solche, die sehr wenig geistiges Lehen in sich haben, weil die Knochen im Vergleich mit den sie umgebenden Weichteilen sehr wenig Leben haben; wie z.B. der Schädel und die Kopfknochen im Vergleich mit beiden Gehirnen und dem Rückenmark und den empfindungsvollen Substanzen darin und auch wie die Rückenwirbel und Rippen im Vergleich mit dem Herzen und den Lungen usw..

*5561. Es wurde mir auch gezeigt, wie wenig geistiges Leben diejenigen haben, welche die Knochen darstellen: andere Geister reden durch sie, und sie selbst wissen wenig, was sie sagen. Dennoch reden sie, weil sie darin allein ihre Lust finden.

In einen solchen Zustand werden diejenigen versetzt, die ein böses Leben geführt haben und doch einige Überreste des Guten in sich verborgen trugen. Diese Überreste machen das geringe Maß ihres geistigen Lebens nach den Abödungen, die mehrere Jahrhunderte währen. Was Überreste sind, sehe man Nr. 468, 530, 560, 561, 660, 1050, 1738, 1906, 2284, 5135, 5342, 5344. Es wurde gesagt, daß sie wenig geistiges Leben haben.

Unter dem geistigen Leben wird das Leben verstanden, das die Engel im Himmel haben; in dieses Leben wird der Mensch in der Welt eingeführt durch das, was dem Glauben und der Liebtätigkeit angehört. Geistiges Leben ist eigentlich die Neigung zum Guten, welches Sache der Liebtätigkeit ist und die Neigung zum Wahren, welches Sache des Glaubens ist. Das Leben des Menschen ohne diese Neigung ist ein natürliches, weltliches, leibliches, irdisches Leben und kein geistiges, wenn dieses nicht in jenem ist, vielmehr ist es ein Leben, wie es die Tiere im allgemeinen haben.

*5562. Die, welche aus den Abödungen herauskommen und den selben Nutzzwecken wie die Knochen dienen, haben kein bestimmtes Denken, sondern ein allgemeines, fast unbestimmtes Denken. Sie sind wie die, welche man zerstreut nennt, gleichsam nicht im Leibe. Sie sind träg, matt, stumpfsinnig; Langsamkeit zeigen sie in allem. Dennoch sind sie je zuweilen ziemlich ruhig, weil die Sorgen sie nicht anfechten, sondern sich in ihrem dunklen Allgemeinen verlieren.

*5563. Im Schädel spürt man zuweilen Schmerzen, bald auf der einen Seite, bald auf der anderen; und man spürt gleichsam Knoten daselbst, die getrennt sind von den übrigen Knochen, und daher weh tun. Durch Erfahrung wurde mir zu wissen gegeben, daß solches von Falschem herkommt, das aus Begierden entspringt; und, was wunderbar ist, die Gattungen und Arten des Falschen haben bestimmte Orte im Schädel, was mir auch durch mehrere Erfahrung klar geworden ist.

Solche Knoten oder Verhärtungen werden bei denen, die gebessert werden, zerbrochen und erweicht, und zwar auf verschiedene Weise. Im allgemeinen durch Unterweisungen im Guten und Wahren, durch strenge Einwirkungen von Wahrheiten, was mit einem inwendigeren Schmerz geschieht, sodann durch wirkliche Zerreißungen, was mit einem mehr auswendigen Schmerz geschieht.

Falsches aus Begierden ist von solcher Natur, daß es verhärtet; denn es ist den Wahrheiten entgegengesetzt; aber die Wahrheiten fließen, weil sie sich nach der Form des Himmels richten, wie von selbst, d.h. frei, sanft, weich. Das Falsche hingegen, weil es zum Gegenteil strebt, nimmt auch entgegengesetzte Richtungen. Daher wird das Fließende, das der Himmelsform eigen ist, gehemmt, und infolgedessen entstehen Verhärtungen. Daher kommt es, daß die, welche sich in tödlichem Haß und in den Rachegefühlen eines solchen Hasses, folglich in Falschem befunden haben, ganz verhärtete Schädel haben, und einige wie von Ebenholz, in die keine Lichtstrahlen (d.h. Wahrheiten) eindringen, sondern gänzlich abprallen.

*5564. Es gibt Geister von kleiner Statur, die, wenn sie reden, gleichsam donnern; einer zuweilen wie eine ganze Schar. So zu reden ist ihnen angeboren. Sie sind nicht von unserer Erde, sondern von einer anderen, von der, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, wenn von den Einwohnern verschiedener Weltkörper die Rede sein wird.

Es wurde gesagt, daß sie den schildförmigen Knorpel darstellen, der vor der Brustkammer ist, und den Rippen vorne und auch den verschiedenen Schallmuskeln zur Stütze dienen.

*5565. Es gibt auch solche, die noch härtere Knochen darstellen, z.B. die Zähne, aber über diese wurde mir nicht viel zu wissen gegeben, bloß soviel, daß die, welche kaum einen Rest von geistigem Leben haben, wenn sie sich im Licht des Himmels darstellen, nicht mit einem Angesicht erscheinen, sondern bloß Zähne anstatt des Angesichtes zeigen; denn das Angesicht bildet das Inwendigere des Menschen, somit sein Geistiges und Himmlisches vor, d.h. das, was dem Glauben und der Liebtätigkeit angehört. Welche sich also im Leibesleben nichts von einem solchen Leben verschafft hatten, erscheinen in solcher Art.

*5566. Es kam einer zu mir, der erschien wie eine schwarze Wolke, umgeben von schwankenden Sternen. Wenn schwankende Sterne im anderen Leben erscheinen, so bedeuten sie Falsches, Fixsterne dagegen Wahres. Ich nahm wahr, daß es ein Geist war, der herzunahen wollte. Als er herankam, jagte er Furcht ein. Das können einige Geister, hauptsächlich Räuber. Daraus konnte ich schließen, daß er ein Räuber gewesen sei. Als er nahe bei mir war, gab er sich alle Mühe, mich durch Zauberkünste anzufechten, aber vergebens. Er streckte die Hand aus, um seine eingebildete Macht auszuüben, aber das bewirkte gar nichts.

Nachher wurde gezeigt, was er für ein Angesicht hatte. Es war kein Angesicht, sondern statt dessen etwas sehr Schwarzes, und in demselben erschien ein gräßlich wild aufgesperrtes Maul, sodaß es ein Schlund war, in dem Zähne der Reihe nach hervorstanden. Kurz, er war wie ein wütender Hund mit aufgesperrtem Rachen, so daß es ein Rachen war und kein Angesicht.

*5567. Einer machte sich an meine linke Seite, und ich wußte nicht, woher und von welcher Art er war. Er wirkte auch nur dunkel ein und wollte gleichfalls tiefer in mein Inneres eindringen, aber er wurde zurückgewiesen. Derselbe bewirkte eine allgemeine Sphäre von Denkvorstellungen dergestalt, daß sie nicht beschrieben werden kann. Ich erinnere mich nicht, eine solche allgemeine Sphäre jemals wahrgenommen zu haben. Er hielt sich an keine Hauptgrundsätze, sondern er war im allgemeinen gegen alle, die er geschickt und sinnreich widerlegen und tadeln konnte, obwohl er nicht wußte, was wahr ist. Ich wunderte mich, daß es einen solchen Witzkopf gab, der nämlich andere sinnreich widerlegen konnte und doch keine Erkenntnis des Wahren besaß. Nachher ging er fort, kam aber bald wieder, mit einer irdenen Flasche in der Hand und wollte mir etwas daraus zu trinken geben. Es war etwas durch Phantasie Hervorgebrachtes darin, was denen, die es tranken, den Verstand benahm. Dieses wurde vorgebildet, weil er die, welche in der Welt seine Anhänger waren, des Verständnisses des Wahren und Guten beraubt hatte, und die hingen ihm gleichwohl an.

Derselbe erschien auch im Licht des Himmels nicht mit einem Angesicht, sondern nur mit den Zähnen, weil er andere hatte verspotten können, und doch selbst nichts Wahres wußte. Wer er war, wurde mir gesagt; als er lebte, gehörte er unter die Berühmten, und einige kannten ihn als einen solchen.

*5568. Einigemal waren solche bei mir gewesen, die mit den Zähnen knirschten. Sie waren aus den Höhen, wo sich diejenigen befinden, die nicht bloß ein böses L